Darth Plagueis

Veröffentlicht in Romane und Sachbücher, Star Wars am Januar 26, 2012 von hemator


In „Star Wars Episode III: Die Rache der Sith“ erzählt Palpatine Anakin Skywalker von Darth Plagueis dem Weisen, einem Sith-Lord, der so mächtig gewesen sein soll, dass er die Macht dahingehend kontrollieren konnte, Leben zu bewahren und zu erschaffen. Jedoch wurde besagter Plagueis von seinem Schüler ermordet. Die Vermutung liegt da natürlich nicht fern, dass Palpatine, alias Darth Sidious, diese Schüler ist.
Wer vor dem Kinostart von Episode III James Lucenos Roman „Labyrinth des Bösen“, welcher die direkte Vorgeschichte des Films erzählt und in enger Zusammenarbeit mit Lucas-Film entstand, gelesen hat, der wusste freilich schon ein wenig mehr: In diesem Roman wird bereits ausdrücklich angegeben, dass Plagueis Darth Sidious‘ Meister war. Ein weiteres Bröckchen Information (v.a. über Plagueis‘ Lehrmethoden) enthielt auch der Abschluss der sogenannten „Dark-Lord-Trilogie“, welche den Aufstieg Darth Vaders schildert und die aus „Labyrinth des Bösen“, Matthew Stovers Romanadaption zu „Die Rache der Sith“ und dem direkt im Anschluss spielenden „Dunkler Lord: Der Aufstieg des Darth Vader“ (ebenfalls wieder von James Luceno) besteht.
Für 2008 wurde dann schließlich ein Roman angekündigt, der sich speziell mit Plagueis‘ Suche nach der Unsterblichkeit beschäftigen sollte und dessen Verfasser, wie könnte es anders sein, James Luceno sein sollte. Jedoch wurde diese Roman letztendlich gecancelt (zur Entschädigung erschien dann „Darth Bane: Die Regel der Zwei“) und die Geschichte von Sidious Meister blieb weiterhin im Dunkeln. Hin und wieder wurden die Fans mit weiteren kleinen Informationsschnipseln versorgt; in „Jedi vs. Sith: The Essential Guide to the Force“ etwa wurde bekanntgegeben, dass Plagueis ein Muun ist.
2011 wurde Lucenos „Darth Plagueis“ noch einmal angekündigt, dieses Mal allerdings mit handfesten Folgen: Anfang Januar ist tatsächlich die englische Ausgabe, die diesem Review (das nicht Spoilerfrei ist, also Vorsicht) zugrunde liegt, erschienen. Man könnte spekulieren, dass die 3D-Wiederaufführung von „Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung“ etwas damit zu tun hat, immerhin überschneidet sich die Handlung des Romans mit besagtem Film und Darth Maul ist groß auf der Rückseite zu sehen, obwohl seine Rolle doch eher klein ausfällt.
Wie dem auch sei und was immer man über James Lucenos Roman sagen kann, er ist auf jeden Fall zwei Dinge: Hochinteressant und recht kompliziert. Wie schon seine Bücher „Labyrinth des Bösen“ und „Schleier der Täuschung“ entstand es unter direkter Beteiligung von Lucas-Film, das heißt, dass vermutlich die eine oder andere Antwort, die dieser Roman für lange gestellte Fragen bietet, direkt vom Schöpfer selbst kommt.
Der Haupthandlung des Romans ist dreigeteilt und wird von einem Prolog und einem Epilog eingerahmt. Der erste Teil beginnt im Jahr 67 vor der Schlacht um Yavin (35 Jahre vor der Handlung von „Die Dunkle Bedrohung“) mit Plagueis‘ Mord an seinem Meister Darth Tenebrous und erstreckt sich über zwei Jahre. Im Zuge dieses Mordes steigt Plagueis natürlich zum Sith-Meister auf. Im Folgenden schildert Luceno Plagueis Leben und den großen Plan der Sith, Republik und Jedi zu vernichten, berichtet von seiner bürgerlichen Identität als Hego Damask, ein einflussreiches Mitglied des Intergalaktischen Bankenclans, seine Studien die Midichlorianer betreffend und seine Suche nach einem Schüler, den er schließlich in dem jungen und ehrgeizigen Palpatine von Naboo findet. Nachdem Palpatine den Namen Darth Sidious annimmt, endet der erste Teil und die Handlung macht einen Sprung zu den Jahren 54 bis 52 vor der Schlacht um Yavin. Hier erfährt der Leser, wie Palpatine zum Senator von Naboo aufsteigt. Der große Plan wird weiter vorangetrieben, die „Schachfiguren“ werden platziert, was auch zur Folge hat, dass viele bekannte Gestalten vorkommen, von Jabba the Hutt über die Jedi Dooku und Sifo-Dyas bis hin zum späteren imperialen Großwesir Sate Pestage. Allerdings beginnt Sidious nach und nach, die politischen Aufgaben immer mehr alleine auszuführen, während Plagueis sich immer stärker auf seine Forschungen konzentriert und nach Wegen sucht, die Midichlorianer direkt zu beeinflussen.
Der dritte Teil schließlich beginnt zwei Jahre vor „Die Dunkle Bedrohung“ und schildert die Ereignisse, die vor und während und kurz nach der ersten Episode stattfinden, einschließlich dem Mord an Plagueis und Sidious‘ Aufstieg zum Sith-Meister.
Obwohl der Roman „nur“ knapp 370 Seiten hat, ist er ein wirklich extrem umfassendes Werk, das sich bemüht, alle möglichen Fäden der Filme und des Erweiterten Universums zu verknüpfen. Im Gegensatz zu den Autoren von „The Clone Wars“ erweist sich Luceno in dieser Hinsicht als sehr respektvoll und begabt; in einem Interview gab er selbst an, dass er dieses Buch wie einen historischen Roman behandelte und intensive Recherche betrieb. So greift er natürlich erstrangig die offenen Enden der Darth-Bane-Trilogie auf und schildert, wie der Orden der Sith und dessen Philosophie sich in den knapp tausend Jahren, die vergangen sind, seit Darth Bane die Bruderschaft der Dunkelheit auslöschte, entwickelt hat. Selbst auf „The Old Republic“, genauer das Roman-Tie-in „Revan“ wird eingegangen, ebenso wie auf „The Clone Wars“, was sich einerseits, aufgrund der geänderten Hintergrundgeschichte Darth Mauls, nicht vermeiden ließ, andererseits aber erfreulicherweise sehr knapp ausfällt. Und besonders im letzten Teil schlängelt sich Luceno elegant um sämtlich Romane und Comics, die im Vorfeld von „Die Dunkle Bedrohung“ spielen, wie etwa sein eigenes Werk „Schleier der Täuschung“ und diverse andere Romane (v.a. „Darth Maul: Schattenjäger“) oder Comics („Jedi Council: Aufstand der Yinchorri“, „Darth Maul“ etc.). Obwohl man bereits vorher wusste, dass die Sith bei vielen dieser Ereignisse ihre Finger im Spiel hatten werden sie nun genau in den großen Plan eingeordnet. Auch werden viele offene Fragen beantwortet: Wie wurde Meister Sifo-Dyas dazu gebracht, die Klonarmee in Auftrag zu geben? Wie trat Dooku aus dem Jedi-Orden aus? Weshalb hat Palpatine keinen Vornamen? Selbst auf Anakins mysteriöse Zeugung und das Ungleichgewicht der Macht wird eingegangen. Luceno liefert allerdings keine absolute Antwort; Plagueis hatte seine Finger bei Anakins Zeugung nicht direkt im Spiel, sondern war eher indirekt daran beteiligt, ebenso wie am Ungleichgewicht der Macht. Diesbezüglich passt der „Lösungsvorschlag“ nicht so ganz zu dem, was George Lucas in Interviews erzählt, dafür aber zum restlichen EU und vor allem den Post-Endor-Sith.
Allerdings mag dies alles bei Lesern, die sich im bisherigen EU nicht besonders gut auskennen, zu ein wenig Verwirrung und Stirnrunzeln führen, vor allem, da einige wichtige Ereignisse offscreen geschehen. So wird Darth Maul zum Beispiel ausgeschickt, die Schwarz Sonne, das mächtigste Verbrechersyndikat der Galaxis auszulöschen, und bereits einen Absatz später hat er die Aufgabe erledigt. Besagte Ereignisse finden aber natürlich in den oben erwähnten Romanen und Comics statt, weshalb deren Kenntnis durchaus vorteilhaft für den Genuss dieses Buches ist. „Darth Plagueis“ ist eindeutig nicht als Einstieg in das Erweiterte Star Wars Universum geeignet, es sei denn die oben erwähnten Details stören nicht.
Man ist fast geneigt zu sagen, dass der Roman zu viel Handlung hat und sich ein wenig zu sehr bemüht, alles und jeden miteinander in Verbindung zu setzen. Selbst „Die Dunkle Bedrohung“ wird man nach der Lektüre in einem völlig anderen Licht sehen, da Plagueis während eines Großteils der Ereignisse noch am Leben ist – was ich, wie ich durchaus zugeben muss, nicht unbedingt positiv finde, degradiert es doch Maul, trotz Darth-Titel, zu einem ähnlichen illegitimen Sith-Schüler wie Starkiller in „The Force Unleashed“. Andererseits war Maul allerdings auch nie etwas anderes als ein Werkzeug für Sidious – ein wirklich cooles Werkzeug, aber ein Werkzeug nichtsdestotrotz. Dennoch wäre es mir lieber gewesen, wenn Sidious seinen Meister bereits vor Episode I umgebracht hätte und nicht erst während auf die Naboo die Schlacht tobt.
In Anbetracht all dessen ist es wohl nicht verwunderlich, dass gerade die Action in diesem Roman stark auf der Strecke bleibt, was allerdings keinesfalls negativ ist, im Gegenteil. Es ist äußerst erfreulich, dass Luceno nicht auf Biegen und Brechen Action und Raumschlachten unterbringt. „Darth Plagueis“ ist eher ein philosophisch angehauchter Politthriller mit vielen Ränken, politischen Winkelzügen und natürlich einer ordentlichen Portion Sith-Weisheit. Ebenfalls erfreulich ist, dass Luceno den Mut hat, nicht irgendeinen heroischen Protagonisten hinzuzufügen. Während man bei Romanen wie „Dunkler Lord: Der Aufstieg des Darth Vader“, „Betrogen“ oder der Darth-Bane-Trilogie (vor allem beim zweiten und dritten Teil) offensichtlich der Meinung war, dass Dunkle Lords allein die Handlung nicht tragen können, wird „Darth Plagueis“ ausschließlich aus der Perspektive von Plagueis, Sidious und (in geringerem Maße) Maul geschildert. Luceno leistet dabei sehr gute Arbeit und baut die drei Sith-Lords durchaus glaubwürdig auf. Maul wird als arroganter, extrem loyaler, aber nicht dummer Krieger portraitiert, der allerdings nie eine wirklich Chance hat und, wie oben bereits erwähnt, eben ein Werkezeug ist. Der Fokus liegt natürlich auf Sidious, Plagueis, deren Beziehung und die Entwicklung dieser Beziehung und der beiden Sith. Plagueis ist ein sehr wissenschaftlicher und rationaler Charakter, der das ewige Leben durch Midichlorianermanipulation anstrebt und dadurch auch Banes Regel der Zwei bzw. den Sith-Orden reformieren möchte. Mit der Zeit werden ihm seine Studien allerdings immer wichtiger als der große Plan zur Vernichtung der Republik und der Jedi, was schließlich zu seinem Untergang führt.
Am schwierigsten ist natürlich Darth Sidious, eine Figur, die durchaus vom Mysterium ihrer Vergangenheit lebt, das hier aufgelöst wird. Zum Glück ist Luceno nicht auf die unsinnige Idee gekommen, dem Meistermanipulator der Star-Wars-Saga etwas derart triviales wie eine gescheiterte Romanze als Motivation zu verleihen oder ihn gar zum tragischen Antihelden zu machen, wie Thomas Harris das mit Hannibal Lecter in „Hannibal Rising“ machte, was der Figur nicht unbedingt gut tat. Der Vaterkonflikt ist zwar nicht gerade die innovativste Lösung, aber eine passende und zudem auch nicht die Hauptmotivation. Auch Sidious macht eine interessante Entwicklung durch, vom ehrgeizigen Sith-Lehrling zu dem Meistermanipulator, den man aus den Filmen kennt und dem letztendlich auch sein eigener Meister zum Opfer fällt. Ich muss zugeben, dass ich Angst hatte, dass Sidious‘ „Leistungen“ beim Untergang der Republik geschmälert werden könnten, und ein wenig ist dies auch, allerdings ist das Ausmaß im Bereich des Erträglichen. Trotzdem allem gelingt es Luceno, weder Sidious noch Plagueis zu absoluten Über-Sith zu stilisieren – die beiden machen durchaus hin und wieder Fehler – und so das Interesse des Lesers wachzuhalten.
Fazit: „Darth Plagueis“ ist ohne Zweifel einer der ambitioniertesten und interessantesten EU-Romane und in meinen Augen auch einer der besten seit langer Zeit. Die Hintergründe des großen Plans der Sith und der ausführenden Dunklen Lords Plagueis und Sidious werden auf angemessene Art und Weise erzählt. Die beiden größten Schwächen des Romans sind die vielen mit eingebundenen EU-Werke und die teilweise erfolgende Umdeutung von „Die Dunkle Bedrohung“, wobei das sehr relative Schwächen sind. Ersteres ist in meinen Augen sogar eine Stärke (auch wenn die Verknüpfungen hin und wieder ein wenig übertrieben werden), dürfte aber EU-Neulingen nicht zum Vorteil gereichen, während Letzteres ebenfalls (vor allem Episode-I-Hassern) als Stärke des Romans erscheinen könnte, mich allerdings durchaus ein wenig stört. Dennoch ist „Darth Plagueis“ ein erhellender und spannender Sith-Politthriller, der sich problemlos in die obere Riege der EU-Romane einreiht.

Planet der Affen: Prevolution

Veröffentlicht in Filme am Januar 21, 2012 von hemator


Story: Will Rodmans (James Franco) Vater (John Lithgow) ist an Alzheimer erkrankt, weshalb der Junge Wissenschaftler, der an einem Alzheimerheilmittel arbeitet, einen besonderen Ansporn hat. Leider laufen die Experimente nicht wie geplant, was zur Folge hat, dass die Versuchsaffen eingeschläfert werden müssen. Lediglich das Schimpansenbaby Caesar (Andy Serkis) überlebt letztendlich und wird von Rodman adoptiert. Und in der Tat: Bei ihm zeigt das Mittel außergeöhnliche Wirkung und steigert seine Intelligenz enorm, weshalb Rodman das Heilmittel auch an seinem Vater ausprobiert – ebenfalls mit phänomenalen Folgen. Doch schon bald kehrt die Krankheit seines Vaters zurück während Caesar immer schlauer wird und sich bald mit seinem Schicksal nicht mehr abfindet…

Kritik: „Planet der Affen: Prevolution“ wurde als DER Überraschungshit des Sommers gefeiert. Kaum jemand glaubte, dass ein Prequel/Reboot des Planet-der-Affen-Franchise, dessen letzter Ableger, das Remake von Tim Burton, zwar finanziell durchaus erfolgreich war, aber bei den Kritikern und Fans durchfiel, gut oder erfolgreich sein könnte. Ich war auch zuerst ein wenig skeptisch (insbesondere, da ich mit dem Franchise nie viel anfangen konnte und lediglich das Burton-Remake gesehen habe), aber man muss dem Film zugestehen: Er hat all die Lorbeeren, die er bekommen hat, absolut verdient.
„Prevolution“ ist ein äußerst spannender Film, der es schafft seine Geschichte interessant, schnörkellos und frei von nervigen Klischees zu erzählen. Figuren und Plot bleiben stets, nicht zuletzt wegen der soliden Arbeit der Darsteller, nachvollziehbar und glaubhaft.
Am hervorstechendsten ist natürlich Motion-Capture-Genie Andy Serkis, der als Gollum dabei geholfen hat, diese Technik populär zu machen und seither stets damit zu tun hat, sei es als Titelfigur in Peter Jacksons „King Kong“ oder als bärbeißiger Captain Haddock in „Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“. Mit seiner Rolle als Affenaufstandsführer Caesar übertrifft er sich noch einmal selbst. Es ist wirklich unglaublich, wie Serkis (mithilfe der Motion-Capture-Technik) es schafft, den Zuschauer einzunehmen und als völlig glaubhafter Protagonist alle anderen an die Wand zu spielen, und das auch noch ohne die meiste Zeit über ein Wort zu sagen. Auch die anderen Affen sind enorm gut getroffen; beim Tod des Gorillas fühlt man durchaus mit Caesar.
Action und Sci-Fi-Elemente halten sich stärker zurück, was dem Film nur gut tut. Es gibt keine Materialschlachten á la „Transformers“, dafür sind die Affenrevolution und die Schlacht auf der Golden Gate Bridge ungleich beeindruckender und emotionaler.
Fazit: „Planet der Affen: Prevoltuion“ ist absolut empfehlenswert, ganz gleich, ob man mit dem Franchise etwas anfangen kann oder nicht. Regisseur Rupert Wyatt hat es geschafft, einen spannenden, rührenden und intelligenten Blockbuster zu drehen, der vollauf überzeugt. Ich bedauere wirklich, diesen Film nicht im Kino gesehen zu haben.

Trailer

Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack

Veröffentlicht in Harry Potter, Musik, Hörspiele und Hörbücher am Januar 13, 2012 von hemator


Tracklinsting:

01. Prologue
02. Harry’s Wonderous World
03. The Arrival of Baby Harry
04. Visit to the Zoo/Letters from Hogwarts
05. Diagon Alley/The Gringotts Vault
06. Platform Nine-and-Three-Quarters/The Journey to Hogwarts
07. Entry Into the Great Hall/The Banquet
08. Mr. Longbottom flies
09. Hogwarts Forever!/The Moving Stairs
10. The Norwegian Ridgeback/A Change of Season
11. The Quidditch Match
12. Christmas at Hogwarts
13. The Invisibility Cloak/The Library Scene
14. Fluffy’s Harp
15. In the Devil’s Snare/The Flying Keys
16. The Chess Game
17. The Face of Voldemort
18. Leaving Hogwarts
19. Hedwig’s Theme

Im Rahmen meines Artikels zu Hedwigs Thema habe ich mich logischerweise auch mit dem Rest der Harry-Potter-Soundtracks wieder relativ intensiv beschäftigt – wenn man sehen will, wie das Thema mit anderen Themen zusammenwirkt und dabei noch jeden Einsatz aus dem Film mühsam heraussucht, geschieht das gezwungenermaßen. Als ich dann mal wieder einen Blick auf mein erstes HP-Soundtrack-Review geworfen habe, das die Scores zu den Filmen 1-6 relativ knapp abdeckt, war ich damit absolut nicht mehr zufrieden. Darum wandert das Großreview demnächst in den Papierkorb und es gibt neue, ausführliche Reviews zu allen acht Scores. Diese Reviews werden dann in Bezug auf Hedwigs Thema natürlich eher knapp ausfallen, aber dafür die restlichen Leitmotive, Stilmittel etc. ausführlich abdecken.
Beginnen wir also mit dem Soundtrack zu „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und halten uns nicht erst mit der Vorgeschichte (Hedwigs Thema im Trailer etc.) auf, sondern starten direkt durch.
Wie von John Williams nicht anders zu erwarten arbeitet er auch bei „Harry Potter und der Stein der Weisen“ stark mit Leitmotiven. Interessant ist dabei, dass die Objekte, die die Themen beschreiben, dieses Mal eher abstrakter Natur sind. In des „Star Wars“ Soundtracks der klassischen Trilogie arbeitete Williams zum Beispiel stark mit Charakterthemen (Luke hatte sein eigenes, ebenso wie Leia, Darth Vader, Yoda oder der Imperator). In „Der Stein der Weisen“ hat eigentlich nur ein Charakter Themen, die direkt an ihn gebunden sind (dafür sind es aber gleich mehrere).
Der Soundtrack wird von zwei leitmotivischen „Trios“ dominiert, einem „guten“ (bzw. positiven) und einem „bösen“. Das erste Thema des „guten Trios“ ist natürlich Hedwigs Thema, das auch als Titelthema fungiert und dessen A-Phrase für die gesamte magische Welt steht, während die B-Phrase vor allem Hogwarts untermalt (zu finden u.a. in Prologue, The Arrival of Baby Harry und Hedwig’s Theme). Das zweite dieser Themen ist das Flug-Thema, das sich ähnlich wie Hedwigs Thema nicht ganz genau festlegen lässt. Es taucht bereits in Prologue auf und dominiert den Mittelteil der Abspannkonzersuite Hedwig’s Theme. Durch dieses Thema drückt wohl vor allem die „Magie des Fliegens“ bzw. die Freude am Fliegen aus, seine größten Auftritte hat es in Mr. Longbottom Flies und The Quidditch Match. In den beiden dazugehörigen Filmszenen ist der Besenflug natürlich ein äußerst dominantes Element. Das dritte ist das Familienthema, das für Harrys verlorene Familie (seine Eltern) sowie für die, die er neu gewinnt (Ron und Hermine). Das Thema hat, je nachdem, welche der beiden Familien es gerade beschreibt, eine andere Endung. Wenn das Thema den toten Eltern gilt, erklingt es mit einer wehmütigen Endung (sehr gut zu hören am Ende von The Norwegian Ridgeback/A Change of Season). Die Freundschaft zu Ron und Hermine wird stattdessen durch eine fröhlichere, verspieltere Endung gekennzeichnet (Harry’s Wonderous World direkt nach dem knappen Statement der Hediwg-B-Phrase). Das ist ein durchaus kreativer Ansatz, das Problem bei diesem ersten Score besteht allerdings darin, dass diese drei Themen doch (v.a. aufgrund der Instrumentierung) recht ähnlich klingen, fast zu häufig eingesetzt und auf die Dauer schon ein wenig penetrant werden – hier wäre ein etwas zurückhaltenderer thematischer Einsatz und mehr Variation wünschenswert gewesen.
Ich persönlich finde das zweite, „böse Trio“ weit interessanter als das erste (Hedwigs Thema ausgenommen). Besagte drei Themen lassen sich letztendlich alle Lord Voldemort zuordnen, der, wie bereits erwähnt, in „Der Stein der Weisen“ die einzige Figur ist, die nicht nur eines, sondern gleich mehrere Themen für sich alleine hat. Alle drei sind, wie nicht anders zu erwarten, in The Face of Voldemort zu vernehmen – gerade in diesem Stück leistet Williams vorzügliche leitmotivische Arbeit.
Das erste Thema des Dunkeln Lords (Voldemort 1), das eine gewisse Ähnlichkeit zu Hedwigs Thema hat, taucht im Film zum ersten Mal bei der Rückblende auf, die den Mord an Harrys Eltern zeigt und ist, außer in The Face of Voldemort auf der Soundtrack-CD auch in The Quidditch-Match zu hören, als man sieht, wie Quirrel versucht, Harry zu verhexen, während Snape Gegenflüche murmelt. Selbst wenn man den Ausgang noch nicht kennt weiß man spätestens an dieser Stelle, dass Voldemort hinter allem steckt. Als Harry Voldemort im verbotenen Wald begegnet, hört man die kräftigste Variation, die es leider nicht auf die CD geschafft.
Das zweite Voldemort-Thema (Voldemort 2), v.a. von dunklen Blechbläsern gespielt, ähnelt dem ersten ein wenig und kommt hauptsächlich zum Einsatz, wenn es um das Nichtnennen von Voldemorts Namen geht; zum ersten Mal ist es zu hören, als Ollivander von ihm spricht, und auch in der Szene im Verbotenen Wald taucht es auf. Auf dem Album findet man es allerdings nur in The Face of Voldemort.
Das dritte Thema (Voldemort 3) schließlich ist zuerst augenscheinlich dem Stein der Weisen zugeordnet und wird gespielt, wenn er auftaucht (das Finale von Diagon Alley/The Gringotts Vault) oder erwähnt wird oder anderweitig relevant ist (etwa in The Invisibility Cloak/The Library Scene). Im Finale (und mehr noch in „Die Kammer des Schreckens“) jedoch wird das Thema ebenfalls Voldemort zugeordnet; v.a. dadurch, dass Voldemort 3 und 1 übereinander gespielt werden (natürlich ebenfalls in The Face of Voldemort) – das Thema beschreibt also nicht den Stein an sich, sondern den Stein als Voldemorts Ziel.
Alle drei Themen sind sehr gelungen, wobei ich sagen muss, dass mir persönlich Voldemort 3 am besten gefällt, da das wiederholende und sich steigernde Element ohne Zweifel das dämonischste der drei Themen ist.
Neben diesen sechs Themen gibt es noch einige weitere Nebenthemen und -motive, u.a. eines für die Winkelgasse (Diagon Alley/The Gringotts Vault; im Film allerdings nicht enthalten, es taucht erst in „Die Kammer des Schreckens“ auf), ein sehr festliches Thema für die magische Gemeinschaft (oft auch mit Hogwarts in Verbindung gebracht, Platform Nine-And-Three-Quarters/The Journey to Hogwarts) ein weiteres Thema für Hogwarts (am Anfang von Hogwarts Forever!/The Moving Stairs, die stärkste Variation ist in The Quidditch Match zu finden), ja sogar die Durselys haben ein eigenes Thema bekommen. Auf die meisten dieser Themen trifft ähnliches zu wie auf das „positive Trio“: Sie sind einander zu ähnlich und werden zum Teil recht penetrant – manchmal ist weniger eben doch mehr, insbesondere da Williams durchaus dazu in der Lage ist, einfallsreicher zu variieren. Hinzu kommt, dass der „musikalische Fluss“ (es ist schwierig, das in Worte zu fassen) vor allem im Mittelteil ein wenig nachlässt und uninspirierter daherkommt (The Quidditch-Match ausgenommen) und es erst mit The Face of Voldemort wieder richtig losgeht.
Die Albenpräsentation des Soundtracks ist durchaus angemessen, auch wenn die Voldemort-Themen (insbesondere Voldemort 2) für meinen Geschmack ein wenig zu kurz kommen.
Ob man den Soundtrack „Harry Potter und der Stein der Weisen“ letztendlich mag, hängt vor allem davon ab, wie man zu John Williams steht, da dieser Score wirklich ein typisches Williams-Produkt: Markante Ohrwurmthemen (v.a. Hedwigs Thema) und komplexe Orchesterarbeit mit vielen Blechbläsern. Da ich mich durchaus als Williams-Fan sehe, habe ich damit eigentlich kein Problem, allerdings ist „Der Stein der Weisen“ nun wirklich nicht Williams bester oder innovativster Score.
Fazit: Mit diesem Soundtrack legt John Williams eine gute leitmotivische Grundlage (was später daraus wird ist wieder eine andere Geschichte), zusätzlich zu einem phänomenalen Hauptthema für das gesamte Franchise. An der Verarbeitung hapert es allerdings ein wenig, wodurch die thematischen Einsätze zum Teil recht penetrant werden. Aus diesem Grund ist „Der Stein der Weisen“ zwar ein solider Williams-Score, aber bei Weitem kein herausragendes Meisterwerk.

Siehe auch:
Hedwigs Thema

Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Veröffentlicht in Romane und Sachbücher am Januar 1, 2012 von hemator


Walter Moers‘ Zamonienromane, speziell „Die Stadt der Träumenden Bücher“, eines meiner absoluten Lieblingsbücher, sind Fantasy der eher ungewöhnlichen Art. Der Erfinder von Käpt’n Blaubär und dem kleinen Arschloch nutzt den fiktiven und von fantastischen Wesen bevölkerten Kontinent Zamonien, um allerlei literarische Experimente durchzuführen. Dabei sind bisher fünf (bzw. sechs) ziemlich außergewöhnliche Romane entstanden, die sich durch enorme Fantasie und Detailfülle auszeichnen. Die Zamonienromane hängen dabei nur lose zusammen, theoretisch kann jeder für sich selbst gelesen werden. Drei („Das Labyrinth der Träumenden Bücher“, auf den die Selbständigkeit aber nicht mehr zutrifft, miteingerechnet vier) dieser Bücher stammen aus der „Feder“ des Lindwurmdichters Hildegunst von Mythenmetz, der der erfolgreichste und bekannteste Schriftsteller Zamoniens ist und dessen Werke Moers lediglich „übersetzt“. Bei „Ensel und Krete“ und „Der Schrecksenmeister“ (in Erscheinungsreihenfolge: Band 2 und 5) handelt es sich um eigenständige Romane, während sowohl „Die Stadt der Träumenden Bücher“ als auch das Sujet dieses Reviews Teile von Mythenmetz‘ Autobiografie „Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers“ sind; in der Tat ist „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ eine direkte Fortsetzung und kann ohne Kenntnis des ersten Teils der „Reiseerinnerungen“ nicht verstanden werden.
Zum Inhalt: Hildegunst von Mythenmetz kehrt nach Buchhaim zurück. 200 Jahre sind seit seinem ersten Besuch in der Stadt der Träumenden Bücher vergangen. Seither ist Mythenmetz ein enorm erfolgreicher Schriftsteller geworden, dem der Ruhm inzwischen zu Kopf gestiegen ist und der sich in seinem Erfolg und seiner Selbstgefälligkeit sonnt. Das alles wird durch einen Brief aus Buchhaim (genauer: der ledernen Grotte; als Absender ist sein eigener Name angegeben) geändert, der Mythenmetz‘ Stil und seine Eigenheiten perfekt parodiert und ihn aus seinem Trott reist. Der Lindwurm beschließt, ein weiteres Mal nach Buchhaim zu reisen und…nun ja, sehr viel mehr Plot gibt es nicht. Das restliche Buch hindurch streift Mythenmetz durch Buchhaim, trifft alte Bekannte und neue skurrile Figuren, entdeckt die vielen Veränderungen der letzten 200 Jahre und erforscht die Mysterien des Puppetismus.
Ich persönlich finde „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ äußerst schwierig zu bewerten.
In vielerlei Hinsicht ähnelt dieser Roman der ersten Hälfte von „Die Stadt der Träumenden Bücher“, das Problem ist, dass „Labyrinth“ an der Stelle, an der die Handlung eigentlich losgeht, abbricht und der Leser erklärt bekommt, dass es einen weiteren Band geben wird und dass er gerade einmal die Ouvertüre der eigentlichen Geschichte gelesen hat. Das wirft unweigerlich sofort die Frage auf, ob alles, was zuvor geschildert wurde, wirklich nötig war. Schon in früheren Zamonienromanen konnte man merken, dass Moers sehr viel Zeit auf Details verwendet, aber für gewöhnlich wurden diese Details später noch für die Geschichte wichtig. Das Paradebeispiel ist „Rumo und die Wunder im Dunkeln“: Zu Beginn dieses Romans bekommt der Titelheld eine Geschichte erzählt, die sich später als wichtiger Teil des Plots herausstellt. Auf diese Weise war jeder bisherige Roman eine „runde Sache“ und die Detailfülle war gerechtfertigt. „Labyrinth“ dagegen ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Moers schickt seinen Helden durch Buchhaim und ergeht sich in Details, ohne dass es einen sichtbaren Zusammenhang zur Haupthandlung gibt, die sich sowieso kaum erahnen lässt. Natürlich lässt sich das teilweise dadurch entschuldigen, dass es eben der erste Band einer Duologie ist, aber selbst für einen solchen bekommt man als Leser einfach zu wenig vom Gesamtbild mit.
Letztendlich stellt sich nun die Frage, weshalb „Labyrinth“ so geworden ist, und dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Vielleicht wurde der Roman wirklich zu üppig und lang (und Moers konnte die Deadline nicht einhalten o.ä.), weshalb „Labyrinth“ unterteilt wurde – dies geschah dann aber, aus den bereits geschilderten Gründen, an einer denkbar schlechten Stelle und hätte evtl. eine Überarbeitung erfordert, sodass der Roman nicht so „sinnlos“ wirkt.
Natürlich ist es ebenso möglich, dass Moers sich zu sehr in Buchhaim (und insbesondere in den Puppetismus) verliebt hat oder dass er in der Tat nicht weiß, wie die Geschichte weitergehen soll und er deswegen auf der Stelle tritt. Oder seine literarischen Experimente werden mit der Zeit gewagter – immerhin sind die Zamonienromane inzwischen äußerst erfolgreich und haben einige Fans, den Autor dieses Artikels miteinbezogen – sodass man sich derartiges nun leisten kann. Vielleicht soll der Roman wirklich Mythenmetz‘ Schaffensphase und die zu Beginn geschilderte Stagnation des Lindwurms darstellen. Vielleicht wird „Labyrinth“ erst zusammen mit dem folgenden Buch eine wirklich gelungene und würdige Fortsetzung von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ – Moers ist als Autor unberechenbar genug, dass ihm jede der genannten Möglichkeiten zuzutrauen wäre. Das sind allerdings zugegebenermaßen sehr viele „Vielleichts“.
Aus den genannten Gründen haben viele Kritiker den Roman völlig verrissen und beschreiben ihn zum Teil als vollkommen langweilig und sehr zäh zu lesen. Während viele ihrer Kritikpunkte, die auch ich geschildert habe, durchaus zutreffen, kann ich diesen nicht nachvollziehen. In gewisser Hinsicht ähnelt „Labyrinth“ den Twilight-Romanen: Auf vielen hundert Seiten passiert nichts, was wirklich relevant wäre, aber aus einem merkwürdigen Grund ist es trotzdem fesselnd (natürlich ist selbst „Labyrinth“ sämtlichen Stephenie-Meyer-Romanen haushoch überlegen). Moers‘ Schreibstil ist immer noch sehr angenehm zu lesen, man kommt (die Lektüre von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ vorausgesetzt) sehr schnell in die Geschichte hinein und das Wiedersehen mit Buchhaim ist erfreulich und interessant.
Wem gut ausgearbeitete Sekundärwelten und die vielen Anspielungen auf Literatur, Musik etc. in den anderen Zamonienromanen gefallen haben, der wird auch, wie ich, durchaus Gefallen an „Labyrinth“ haben. Wer jedoch Moers‘ Beschreibungen der zamonischen Kultur, Wissenschaft, Literatur und Eigenheiten schon vorher langweilig fand, wird mit diesem Roman absolut nichts anfangen können, da er praktisch ausschließlich daraus besteht.
Noch anzumerken wäre, das der Titel eigentlich falsch ist (sofern er nicht den nächsten Band miteinfasst), denn das eigentlich Labyrinth unter der Stadt Buchhaim kommt nicht wirklich vor, es wird lediglich darüber gesprochen.
Fazit: Ein Fazit für den sechsten Zamonienroman zu finden ist schwierig. Hat er mich gut unterhalten? Auf jeden Fall. Wird er den anderen, insbesondere „Die Stadt der Träumenden Bücher“ gerecht? Bei weitem nicht. „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ hat viele Details und tolle Einfälle, aber kaum Handlung. Ein endgültiges Resümee werde ich aber erst ziehen, nach dem ich die angekündigte Fortsetzung gelesen habe.

Siehe auch:
Die Stadt der Träumenden Bücher

Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn

Veröffentlicht in Filme am Dezember 31, 2011 von hemator


Story: Als Tim (Jamie Bell) auf dem Flohmarkt ein Modell des Dreimasters Einhorn erwirbt, ahnt er noch nicht, was er damit alles lostritt. Denn nicht nur ein dicklicher Amerikaner (Joe Starr) sondern auch Iwan Iwanowitsch Sakharin (Daniel Craig) interessiert sich sehr für das Modellschiff. Nur kurz darauf wird es gestohlen und Tim gerät zusammen mit seinem Hund Struppi und dem meistens betrunkenen Captain Haddock (Andy Serkis) in eine atemberaubende Schatzsuche, während der sie nicht nur das Geheimnis der Einhorn lösen, sondern sich auch mit dem Vermächtnis von Haddocks Vorfahren beschäftigen müssen…

Kritik: Zugegeben, mit der Vorlage dieses Films habe ich mich nie wirklich beschäftigt. „Tim und Struppi“ gefiel mir während meiner Kindheit nie wirklich, was wohl vor allem an den Zeichnungen lag; nichts gegen die Ligne claire, aber für meinen Geschmack ist Hergés Zeichenstil ein wenig zu „klar“. Allerdings gibt es einige Dinge, die man sich einfach nicht entgehen lassen sollte, und dazu gehört auch eine Zusammenarbeit der beiden Kino-Titanen Steven Spielberg und Peter Jackson. Und egal ob es nun eine Überraschung ist oder nicht: Mir hat „Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“ sehr gut gefallen. Am Anfang ist das Design des Films, vor allem der Figuren, durchaus ein wenig gewöhnungsbedürftig, auf den ersten Blick wirkt die Verschmelzung von realem menschlichem Aussehen und Hergés Zeichenstil (inklusive Knubbelnasen) ein wenig merkwürdig. Allerdings gewöhnt man sich sehr schnell daran und vergisst zwischendurch immer mal wieder, dass es sich hierbei um einen Animationsfilm handelt. Und trotz des etwas eigenwilligen Designs verkommen die durch Motion-Capture erschaffenen Figuren nie so sehr zu Marionetten oder Wachspuppen, wie das in Robert Zemeckis Filmen der Fall ist – Tim, Haddock und Co. wirken trotz (oder gerade wegen) mangelnder Ähnlichkeit zu den Schauspielern einfach viel lebendiger. Das restliche Design des Films, die Gestaltung der Handlungsorte etc. ist schließlich über jeden Zweifel erhaben und schafft eine tolle Atmosphäre für die recht geradlinige und manchmal etwas zu vorhersehbar gestaltete Geschichte, die aber nichtsdestotrotz spannend und unterhaltsam ist.
Tim ist als Figur ziemlich genauso, wie ich ihn erwartet habe: Aufgeweckt, sympathisch, aber auch irgendwie ein wenig langweilig. Ähnliches trifft auch auf den Schurken Sakharin zu, der zwar ganz nett ist, aber doch ein wenig blass und uninteressant wirkt. Die wirklich interessanten Figuren sind eindeutig der wunderbare Captain Haddock und natürlich Struppi, der seinem Herrchen das eine oder andere mal durchaus einen Schritt voraus ist.
Ebenfalls hervorzuheben ist die extrem gelungene und sehr kreative Action: Sei es die Verfolgungsjagd aus Struppis Perspektive, die Zerlegung der fiktiven nordafrikanischen Stadt Bagghar oder das furiose Kranduell zwischen Haddock und Sakharin, die Action ist immer äußerst einfallsreich und niemals langweilig. Wunderbar unterlegt wird das Ganze von einem sehr gelungenen neuen John-Williams-Soundtrack, in dem der Altmeister beweist, dass er es auch mit fast 80 noch drauf hat.
Fazit: Sehr gelungene und kurzweilige Comicverfilmung, aus der vor allem Andy Serkis als Captain Haddock hervorsticht und allen anderen die Show stiehlt.

Trailer

Hedwigs Thema

Veröffentlicht in Harry Potter, Musik, Hörspiele und Hörbücher am Dezember 27, 2011 von hemator


Was auch immer man von John Williams halten mag, eines ist unumstritten: Kaum ein anderer Filmkomponist hat derart viele Themen geschrieben, die sich so unwiederbringlich ins popkulturelle Gedächtnis eingeprägt haben. Manche sind froh, wenn sie überhaupt eines hinbekommen, manche schaffen auch zwei oder drei, aber bei Williams ist die Liste sehr viel länger: Das Thema von „Der Weiße Hai“. Der Raiders March aus „Indiana Jones“. Das Hauptthema aus „Star Wars“ und der Imperiale Marsch. Die beiden Themen aus „Jurassic Park“. Und, und, und. Das letzte dieser Themen, die fast jeder sofort erkennt, ist Hedwigs Thema, die musikalische Identität des Harry-Potter-Franchise. Dieses Thema ist dabei in jeder Hinsicht recht speziell. Das beginnt schon bei der Komposition, denn tatsächlich wurde Hedwigs Thema nicht für die Verfilmung von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ komponiert, sondern für deren Trailer. Williams las im Vorfeld den Roman – etwas, das er selten tut – und komponierte ein Thema für Harrys Eule Hedwig, das bereits im ersten Trailer Verwendung fand. Seit Steven Spielbergs „Hook“ von 1991 hatte Williams nicht mehr extra Musik für den Trailer komponiert. Doch gerade bei „Harry Potter und der Stein der Weisen“ war diese Technik äußerst erfolgreich. Die einprägsame und gut wiederzuerkennende Titelmelodie verband sich sofort mit dem Film und prägte sich in das Gedächtnis der Zuschauer ein.
Das Thema selbst ist zweiteilig, die beiden Phrasen, „A-Phrase“ und „B-Phrase“, sind natürlich miteinander verwandt, aber nicht identisch, und werden auch thematisch unterschiedlich eingesetzt. Sehr gut zu hören sind beide hier – die A-Phrase geht bis 0:19, dann folgt die B-Phrase und ab 0:49 wird nach einem kurzen Zwischenspiel, das das Thema oft begleitet, die A-Phrase wiederholt. Bei 1:06 folgt noch einmal die B-Phrase, bis dieses spezielle Stück aus „Der Gefangene von Askaban“ schließlich mit einem Fragment der A-Phrase endet.
Da ich musikalischer Laie bin, werde ich mich im Folgenden nicht um eine musiktheoretische Analyse bemühen, sondern um eine thematische: Wie wird Hedwigs Thema benutzt, um Harry Potters Geschichte zu erzählen, wie setzen die einzelnen Komponisten es ein, wofür steht es, wie verändert sich seine Bedeutung etc.?

Harry Potter und der Stein der Weisen
Sowohl der Film als auch das Soundtrack-Album werden von Hedwigs Thema eröffnet, damit unzweifelhaft klar wird, dass das Thema aus dem Trailer auch die musikalische Hauptidentität des Films ist. Die beiden Eröffnungen unterscheiden sich allerdings: Im Film wird das Warner-Bros.-Logo nur mit dem Anfang der A-Phrase unterlegt, während das erste Stück des OST, Prologue, im Film so gar nicht vorkommt. Ähnlich wie das erste Stück der Soundtrack-CD zu „Hook“ mit demselben Titel handelt es sich hierbei um die Vorstellung des Hauptthemas und es ist wohl davon auszugehen, dass Williams Hedwigs Thema so komponierte. Prologue stellt bereits den typischen „magischen“ Glocken- und Celesta-Klang vor. Neben zwei vollen Statements der beiden Phrasen wird auch das Flug-Thema eingeführt, das in den ersten beiden Filmen oft in Begleitung von Hedwigs Thema auftaucht (da Eulen fliegen durchaus logisch) und auch einen großen Teil der Konzertsuite Hedwig’s Theme am Ende des Soundtracks dominiert.
Das Sujet dieses Artikels ist zwar mit der Bezeichnung Hedwigs Thema versehen, steht aber bei Weitem nicht ausschließlich für Harry Potters Schneeeule – stattdessen steht es eigentlich für die gesamte magische Welt im Allgemeinen, wobei die B-Phrase meistens als Thema für Hogwarts fungiert. Hedwig als Namensgeberin des Themas ist zum Teil auch symbolisch zu verstehen: Da Hedwig (vor allem während der Zeit bei den Dursleys) Harrys „Kontaktperson“ zur magischen Welt ist, ist der Name des Themas durchaus sinnvoll gewählt. Dennoch mag es irritieren, dass das Thema nur in den seltensten Fällen direkt Harrys Eule untermalt.
Hedwigs Thema ist vor allem in der ersten Hälfte des Films extrem dominant – man möchte fast sagen: zu dominant, manchmal wäre weniger mehr gewesen. Bereits in der ersten Szene ist dies der Fall: Die Anwendung des Deluminators und Hagrids Ankunft im Ligusterweg werden mit Variationen der A-Phrase unterlegt. Als Dumbledore Baby Harry samt Brief auf der Schwelle der Dursleys platziert, ist zuerst eine dezente Glockenspiel-Version der A-Phrase zu hören, bevor zum ersten Mal im Film die B-Phrase in voller epischer Breite, inklusive Bläser und Chor, zur Titeleinblendung erklingt. Der Track The Arrival of Baby Harry enthält noch eine weitere Einspielung der epischen B-Phrase in der Mitte des Stücks, die im Film allerdings nicht auftaucht und wohl ursprünglich Hagrids Ankunft untermalen sollte, bevor Williams sich entschied, dies mit einer weniger epischen Variation der A-Phrase zu tun – das ist allerdings reine Spekulation.
In den folgenden Szenen mit den Dursleys wird Hedwigs Thema eingesetzt, um das Eindringen der Magie in die Muggel-Welt zu symbolisieren. Bereits beim Zooausflug ist die A-Phrase zu hören, und als dann schließlich immer mehr Eulen und Briefe eintreffen, wird das Thema quasi dauernd gespielt, inklusive B-Phrase – immerhin kommen die Briefe aus Hogwarts (Visit to the Zoo and Letters from Hogwarts).
Natürlich spielt das Thema gerade in Bezug auf den ersten Besuch der Schule für Hexerei und Zauberei eine große Rolle. Die Reise mit dem Hogwarts-Express (und damit Harrys endgültiger Eintritt in die magische Welt) wird mit der A-Phrase unterlegt. Für den ersten Blick auf das Schloss (eine der eindrucksvollsten Szenen der ganzen Filmreihe) wählt Williams die epische Variation der B-Phrase, die auch die Titeleinblendung untermalte (Platform Nine-and-Three-Quarters and Journey to Hogwarts).
Im Mittelteil des Films geht die Präsenz von Hedwigs Thema zurück, es ist nicht mehr so allgegenwärtig wie zuvor und wird nur noch gelegentlich angespielt, zum Beispiel als zum ersten Mal die Post kommt (eine etwas schräge Variation), zu Halloween oder als Harry den Spiegel Nerhegeb entdeckt – sprich: Bei „magischen“ Momenten. Die meisten dieser Einsätze haben ihren Weg nicht auf die Soundtrack-CD gefunden.
Gegen Ende nimmt die Präsenz allerdings wieder zu. Die Szene, in der Harry zum ersten Mal Voldemorts Gesicht erblickt (hier noch auf Quirrels Hinterkopf) wird zwar von den Themen des Dunklen Lords dominiert, aber an der einen oder anderen Schlüsselstelle erklingt Hedwigs Thema (The Face of Voldemort). Vor allem zu erwähnen ist der Moment, in dem Harry in den Spiegel Nerhegeb sieht und sein Spiegelbild das namensgebende Objekt des Films herauszieht.
Nach dem Sieg über Voldemort ist das Thema schließlich wieder sehr präsent (Leaving Hogwarts) und eröffnet den Abspann (Harry’s Wonderous World). Dort ist auch Hedwig’s Theme, die Orchestersuite, die das Material aus Prologue erweitert, zu hören. Interessanterweise wird der Mittelteil besagten Stückes allerdings nicht von Hedwigs Thema dominiert, sondern vom Flug-Thema. Dafür macht eine äußerst interessante Variation der B-Phrase den Abschluss.
Bevor wir uns nun „Der Kammer des Schreckens“ zuwenden, muss noch die einzige filminterne Performance von Hedwigs Thema erwähnt werden: Als Harry, Ron und Hermine Hagrid über das Drachenei ausfragen, sitzt dieser gerade vor der Hütte spielt das Thema (sowohl A- als auch B-Phrase) auf seiner Flöte.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Beim zweiten Harry-Potter-Film, ebenfalls unter dem Zepter von Chris Columbus, wollte man selbstverständlich auch wieder John Williams mit an Bord haben, da sein Soundtrack sehr erfolgreich war und er wahrscheinlich sogar den Oscar gewonnen hätte, hätte ein gewisser Howard Shore mit seinem Score zu „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ ihm die Trophäe nicht weggeschnappt. Allerdings war Williams wegen anderer Projekte (unter anderem „Catch Me If You Can“ und „Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger“) nicht voll verfügbar, weshalb William Ross aushalf und Williams‘ neue Themen und Kompositionen mit Material aus dem Vorgänger anreicherte und den Score fertigstellte. Dies hat zur Folge, dass „Die Kammer des Schreckens“ sich sehr ähnlich anhört wie „Der Stein der Weisen“. Allerdings ist zu vermerken, dass Hedwigs Thema bei Weitem nicht so überpräsent ist wie im ersten Film. Natürlich eröffnet es wieder den Film (Prologue: Book II and the Escape from the Dursleys), doch da die Szenen bei den Dursleys dieses Mal sehr viel kürzer ausfallen, gibt es kaum Eindringen der Magie in die Muggelwelt. In der Tat verhält es sich in „Die Kammer des Schreckens“ fast umgekehrt wie in „Der Stein der Weisen“: In der Zeit, bevor Harry sich in Hogwarts befindet, ist Hedwigs Thema eher rar (es gibt noch ein kleineres Statement in der Winkelgasse), dafür nimmt die Präsenz des Themas ab dem ersten Blick auf das Schloss (wiederrum, wie im ersten Film, untermalt von der epischen Variation der B-Phrase, zu finden in The Flying Car) zu. Im Folgenden kommt es immer wieder zum Einsatz, wobei allerdings A- und B-Phrase stets getrennt auftreten. Die A-Phrase wird meist in dezenter Variation an Schlüsselstellen der Geschichte gespielt, zum Beispiel bei der Versteinerung von Mrs. Norris, als Dumbledore von den Schulräten entlassen wird oder in der Szene nach dem Kampf gegen den Basilisken, als sich Harry mit Dumbledore unterhält, während die B-Phrase Außenansichten des Schlosses unterlegt, von denen es einige gibt. Kaum eines dieser Statements hat allerdings seinen Weg auf den Soundtrack gefunden.
Selbstverständlich wird auch der zweite Film wieder mit Hedwigs Thema beendet (Reunion with Friends) und der Abspann mit ihm eröffnet (Harry’s Wonderful World).
Neben den offensichtlichen Einsätzen des Themas (A-Phrase für die magische Welt im Allgemeinen bzw. für Schlüsselstellen im Plot, B-Phrase für Hogwarts) gehören zu den interessantesten Elementen des zweiten Scores die beiden Themen bzw. Motive, die aus Hedwigs Thema entwickelt wurden. Das erste ist ein relativ unbedeutendes Untermotiv für Errol, die Eule der Weasleys, das unter anderem gespielt wird, als besagte altersschwache Eule im Fuchsbau oder in Hogwarts eintrifft. Dieses Motiv könnte man fast als „tattrige“ Variation von Hedwigs Thema beschreiben.
Bei Zweiten handelt es sich um eines der großen Themen des Scores, dem Thema für die Kammer des Schreckens (auf dem Soundtrack als Konzertsuite The Chamber of Secrets). Es handelt sich dabei um eine pervertierte und verdrehte Version von Hedwigs Thema (mit einigen Elementen des Flug-Themas), das die dunkle Seite des Schlosses darstellt. Gerade, wenn man Hedwigs Thema gut im Ohr hat, klingt das Thema der Kammer gleichzeitig vertraut und doch irgendwie falsch.

Harry Potter und der Gefangene von Askaban
„Der Gefangene von Askaban“ stellt den ersten Regisseurwechsel der Serie dar, und damit geht auch eine massive Veränderung bei der Atmosphäre einher, die sich wiederrum stark auf den Soundtrack ausübt. Ein drittes und letztes Mal wurde John Williams engagiert, allerdings distanzierte sich der Maestro dieses Mal stärker von den beiden vorhergehenden Scores. Trotzdem fängt alles wie gewohnt an, nämlich mit einem vollen Statement von A- und B-Phrase zu Harrys Hausaufgaben und der Titeleinblendung (Lumos! (Hedwig’s Theme)). Danach ist Hedwigs Thema jedoch erst einmal ziemlich lange abwesend. Es ist möglich, dass es hin und wieder sehr schwer hörbar in den Underscore eingewoben wurde, aber bis zur Ein-Stundenmarke taucht es nicht auf, jedenfalls in keiner Variation, die gut zu vernehmen wäre. Die Rolle der B-Phrase als Thema von Hogwarts übernimmt das Double-Trouble-Thema, das mit Fug und Recht auch als Hauptthema des dritten Filmes gelten kann (u.a. in Double Trouble, Secrets of the Castle und Hagrid the Professor).
Der erste größere Auftritt des Themas seit dem Anfang untermalt in der Tat Hedwig, die „in den Winter fliegt“. Besonders interessant ist das Ende dieser Variation, da Hedwigs Thema hier mit dem A-Window-to-the-Past-Thema verwoben wird (dieses Thema steht für die Verbindung Harrys zu seiner Vergangenheit bzw. zu seinen Eltern).
Eine ähnliche Verflechtung dieser beiden Themen taucht später auch bei Harrys Gespräch mit Sirius auf, kurz bevor Lupin sich gezwungenermaßen in einen Werwolf verwandelt. Beide Statements sind nicht auf der Soundtrack-CD zu finden, dafür gibt es hier wiederrum einen Einsatz des Themas, der nicht im Film zu finden ist: In der Mitte des Stückes A Window to the Past, in dem das gleichnamige Thema vorgestellt wird, taucht auch die A-Phrase von Hedwigs Thema auf (bei 2:17). Wie bereits erwähnt existiert diese Einspielung im Film selbst nicht, bzw. sie kommt lediglich im Abspann vor (ebenfalls auf der CD zu finden: Mischief Managed!). Auch die Variation aus Secrets of the Castle lässt sich nicht eindeutig zuordnen.
In den finalen Szenen des Films kommt Hedwigs Thema schließlich wieder ein wenig häufiger vor: Es wird kurz vor Harrys letztem Gespräch mit Lupin angespielt und dann noch einmal kur darauf als Harry Sirius‘ Paket öffnet und den Feuerblitz erblickt. Und nach einem kurzen Auftritt des Flug-Themas eröffnet Hedwigs Thema schließlich den Abspann und beendet ihn auch (Mischief Managed!).
Es lässt sich also festhalten: In „Der Gefangene von Askaban“ fährt Williams Hedwigs Thema stark zurück und lässt die B-Phrase fast vollständig fallen (was ihm Hooper und Doyle leider nachtun). Wenn es angespielt wird, dann meistens um die Bedeutung des A-Window-to-the-Past-Themas zu unterstreichen.

Harry Potter und der Feuerkelch
Da John Williams für „Harry Potter und der Feuerkelch“ nicht zur Verfügung stand, brachte Potter-Regisseur Nummer 3, Mike Newell, gleich seinen eigenen Komponisten mit: Patrick Doyle, vor allem bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Kenneth Branagh (der ironischerweise in Film 2 Gilderoy Lockhart spielt). Von der Williams’schen Leitmotivsprache ist in „Der Feuerkelch“ praktisch nichts geblieben, nur Hedwigs Thema, schon zu diesem Zeitpunkt untrennbar mit Harry Potter verbunden, absolviert eine Handvoll Pflichtauftritte – Gerüchten zufolge geschah dies auf Anordnung von Warner Bros. Hedwigs Thema fungiert hier als „Tor zur magischen Welt“: Auch der vierte Potter-Film wird von der A-Phrase (die B-Phrase kommt bis Film 7.2 nur sehr selten vor) von Hedwigs Thema eröffnet (The Story Continues), allerdings in einer dissonanten Moll-Variation, wie sie düsterer nicht sein könnte. Die Botschaft ist eindeutig: Wir haben uns vom freundlichen Ansatz des ersten Films inzwischen weit entfernt, Harry wird erwachsen und die Welt um ihn herum ungemein düster und feindselig.
Auch die Fahrt nach Hogwarts wird von einem kurzen Statement untermalt (Foreign Visitors Arrive) – da Hedwig sich aber in dieser Szene gerade mit einem Brief an Sirius Black auf den Weg macht, könnte das Thema dieses Mal ausnahmsweise ihr gelten. Besagte Variation ist weniger dissonant und bedrohlich als die erste, aber immer noch weit entfernt von der Wärme, die dieses Thema bei Williams ausstrahlte
Ein weiterer, ähnlich klingender Einsatz des Themas (untermalt wird eine Außenansicht des Schlosses) ist ungefähr in der Mitte des Films finden, nach der Bewältigung der ersten Aufgabe des Trimagischen Turniers und der anschließenden Feier, dieses Mal sogar mit einem Teil der B-Phrase (nicht auf der Soundtrack-CD zu finden).
Und schließlich und endlich gibt es da noch eine kleine Stelle in Doyles Score, bei der man diskutieren kann, ob es sich wirklich um den fragmentarischen Einsatz von Hedwigs Thema (B-Phrase) oder lediglich um einen Zufall handelt. Während des Finales erwähnt Lord Voldemort höhnisch Harrys Spitznamen („The boy who lived“). Während er dies tut könnte man meinen, dass die Eröffnung der B-Phrase gespielt wird (Voldemort, 4:58).
Ein letztes Statement der A-Phrase erfolgt schließlich am Anfang der Credits – leider versäumten es Hooper und Desplat (zumindest in Film 7.1), diese Tradition wahrzunehmen.

Harry Potter und der Orden des Phönix

Die Kompositionsstile von Patrick Doyle und Nicolas Hooper könnten nicht unterschiedlicher sein: Ersterer setzt stark auf das volle Orchester mit viel Bombast, während letzterer eher sparsam, ja fast minimalistisch arbeitet. Wo der eine „zu viel“ verwendet, setzt der andere „zu wenig“ ein. Und trotzdem verwenden beide Komponisten Hedwigs Thema auf beinahe dieselbe Weise. Auch bei Hoopers Score zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ fungiert die A-Phrase als „Tor zur magischen Welt“. Darüber hinaus wird es noch an einigen wenigen Schlüsselstellen der Handlung gespielt (ähnlich wie in „Die Kammer des Schreckens“, aber seltener).
Warner Bros.-Logo und Titeleinblendung erhalten wie gewohnt ein Statement, dieses Mal zwar nicht so dissonant wie in Film 4, aber doch sehr getragen und bedrückt – die Freude und Wärme, die Hedwigs Thema in den ersten drei Filmen ausstrahlte, fehlt abermals, allerdings wäre sie auch nicht angebracht, immerhin wird es von Film zu Film bedrohlicher. Schade ist allerdings, dass die B-Phrase zwar angefangen wird, dann aber sofort abbricht. In besagtem Stück auf der Soundtrack-CD, Another Story, ist das Thema noch einmal zu hören, wenn auch in die Untermalung eingearbeitet, was im Film allerdings nicht mehr auszumachen ist.
Die Fahrt nach Hogwarts wird ebenfalls mit einem Statement der A-Phrase untermalt – dieses Mal besteht zudem kein Zweifel an der „Torfunktion“ des Themas, da Hedwig in der Szene abwesend ist (A Jounrey to Hogwarts).
Eine weitere, eher düstere und knappe Version des Themas (möglicherweise symbolisiert sie hier das „Angekommensein“) ist nach dem Ende von Professor Umbridges Rede zu hören, zu der eine nächtliche Außenansicht des Schlosses zu sehen ist (gerade hier hätte sich die B-Phrase angeboten, aber es ist abermals die A-Phrase).
Zu den oben erwähnten Schlüsselszenen zählt auch jene, in der Hermine praktisch im Alleingang die Gründung von Dumbledores Armee beschließt. Nachdem sie sagt, dass die Schüler jemanden finden müssen, der Willens ist, sie in Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu unterrichten, schwenkt die Kamera zu Harry und abermals ist Hedwigs Thema zu hören – die Variation ähnelt den vorhergegangenen.
Bis zum Finale war’s das dann allerdings – zum nächsten und letzten Mal erklingt das Thema, als Harry in der Mysteriumsabteilung nach der Prophezeiung greift und ihren Inhalt vernimmt. Um die Bedeutung der Prophezeiung zu unterstreichen greift Hooper auf eine langsame, mysteriös-neblige Variation der A-Phrase zurück (The Hall of Prophecies).

Harry Potter und der Halbblutprinz
Und zum sechsten Mal wird ein Harry-Potter-Film mit Hedwigs Thema eröffnet, allerdings in einer Variation, die dermaßen dezent ist, dass man sie leicht überhört. Nach einem kurzen Einschub des später auftauchenden Stückes Dumbeldore’s Farwell und kurz bevor das Todesserthema startet, könnte man meinen, dass Hooper Fragmente der B-Phrase in die musikalische Untermalung eingearbeitet hat, die das Auftauchen des Dunklen Mals begleitet. Wie bei der Friedhofsszene in „Der Feuerkelch“ kann man darüber allerdings vortrefflich streiten (alles in Opening).
Das nächste Auftauchen des Themas wirkt fast ein wenig, als ob Hooper die Hörer für den extradezenten Einsatz des Themas am Anfang entschädigen wollte, denn als Harry den Fuchsbau betritt, ist die A-Phrase in der warmen Original-Williams-Variation zu hören (Ginny) – quasi ein freundlicher Willkommensgruß für Harry, der seine Rückkehr in die magische Welt begleitet. Die Funktion des Themas als „Tor zur magischen Welt“ ist somit auch im zweiten Potter-Score von Nicolas Hooper vertreten, insbesondere, da auch die Fahrt nach Hogwarts ein weiteres Statement bekommt. Und dieses Mal – oh Wunder – ein komplettes in bester Williams-Manier inklusive B-Phrase, wie man es seit „Der Gefangene von Askaban“ nicht mehr gehört hat. Allerdings ist das auch der letzte Einsatz von Hedwigs Thema in diesem Film.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1
Im Vorfeld zu „Die Heiligtümer des Todes Teil 1“ sagte Potter-Komponist Nummer 4 Alexandre Desplat in einem Interview, dass er ein großer Fan von Hedwigs Thema sei und im kommenden Film (bzw. den kommenden Filmen) wieder mehr Gebrauch davon machen wolle. Während dies bei „Die Heiligtümer des Todes Teil 2“ unbestreitbar ist, verhält es sich mit Desplats erstem Potter-Soundtrack ein wenig anders. In der Tat setzt der Franzose auch hier das Thema (allerdings wieder nur die A-Phrase) öfter ein, als es etwa Hooper in „Der Halbblutprinz“ tat, allerdings in derart dezenten Variationen, dass man es fast nicht mitbekommt. Das Thema fungiert hier meist als Nostalgie- bzw. Erinnerungsthema. Natürlich fehlt auch der obligatorische Einsatz beim Warner Bros. Logo nicht, aber Desplat schafft es in der Tat, seine Variation noch dezenter zu gestalten als Hooper im vorherigen Film (besagte Variation findet sich nicht auf der CD). Ähnliches trifft auch auf die meisten anderen Einsätze des Themas zu; sie sind äußerst zurückhaltend. Zum ersten Mal übernimmt das Thema die Nostalgiefunktion, als Harry in den Schrank unter der Treppe blickt, in dem er im ersten Film noch schlief (ebenfalls nicht auf der Soundtrack-CD).
Kurz darauf rückt der Orden des Phönix an und das Thema wird verwendet, als Hagrid sich daran erinnert, wie er Harry vor so vielen Jahren mit dem Motorrad zu seinen Verwandten brachte. Das Ende dieses Statements untermalt auch die Freilassung Hedwigs und gehört damit zu den seltenen Einsätzen, in denen das Thema auch wirklich der Eule gilt (Polyjuice Potion). Gleiches gilt für den Einsatz in Sky Battle: Um Hedwigs Tod zu begleiten hat Desplat Fragmente des Themas in das hektisch Underscoring des Luftkampfes eingearbeitet, die herauszuhören allerdings nicht ganz einfach sind. Bei 1:52 und 2:01 ist es erkennbar und bei 2:13 (direkt, nachdem die Eule vom Todesfluch getroffen wird) folgt nochmal ein Fetzen.
Auf der CD findet sich noch ein weiteres kurzes Statement in dem Stück The Will, das aber wohl aus dem Film geschnitten bzw. einfach nicht verwendet wurde. Da die Szene, die besagtes Stück untermalt, durch die Anwesenheit des Deluminators und des Schnatz aus „Der Stein der Weisen“ allerdings ziemlich nostalgisch aufgeladen, kann man gut verstehen, weshalb hier ursprünglich ein Einsatz der A-Phrase geplant war.
Den restlichen Film über ist allerdings kaum mehr Zeit für Nostalgie, weshalb Hedwigs Thema nur noch einen letzten Auftritt hat: Bei Dobbys Tod erklingt es noch einmal kurz. Alles in allem taucht es also wieder häufiger auf, allerdings in Variationen, die man sehr leicht überhört.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ fängt äußerst ungewöhnlich an: Das Potter-Finale wird nicht von Hedwigs Thema eröffnet. Allerdings werden Liebhaber des Themas über die Dauer des Films ausreichend entschädigt, da es in diesem Film sehr präsent ist – bei einigen Statements handelt es sich gar fast um Eins-zu-eins-Übernahmen aus den Williams-Scores. Die genaue Funktion, die das Thema in diesem Film hat ist dabei weniger genau festzumachen als es zum Beispiel im Vorgänger der Fall war. Die Verwendung ähnelt wohl am ehesten der in „Die Kammer des Schreckens“, denn auch hier werden vor allem Schlüsselstellen untermalt. Allerdings ähneln einige Einsätze denen in „Die Heiligtümer des Todes Teil 1“, während andere ein wenig merkwürdig erscheinen.
Das erste Mal erklingt das Thema in einer sehr dezenten Glockenspielvariante während bzw. nach dem Gespräch mit Griphook, unterlegt mit Ostinati, die sehr an das Stück Obliviate aus dem vorhergegangenen Soundtrack erinnern (nicht auf dem Album). An dieser Stelle kommt das Trio zu der Erkenntnis, dass in Bellatrix‘ Verließ ein Horkrux sein muss und beschließt, dass ein Einbruch vonnöten ist.
Der nächste Einsatz zählt zu den oben erwähnten etwas merkwürdigen Statements, denn in der Szene, in der Harry, Ron und Hermine auf dem Rücken des Drachen aus Gringotts fliehen (genauer: als das Vieh gerade ein Dach mit den Klauen zerlegt; Dragon Flight), erklingt eine recht pompöse und gleichzeitig verzweifelte Variation der A-Phrase, über deren genaue Bedeutung man streiten kann. Möglicherweise wurde sie allerdings auch erst recht spät eingefügt und es fehlt ein tieferer Sinn.
Beim dritten Einsatz gibt es allerdings keine Diskussionen: Harry kehrt nach Hogwarts zurück (bzw. betritt den Raum der Wünsche) und ein volles Statement der B-Phrase erklingt, das direkt aus „Die Kammer des Schreckens“ kommen könnte (leider ebenfalls nicht auf der CD). In der Tat wurde Desplat für die mangelnde Veränderung kritisiert, aber hey, es ist so schön, dass die B-Phrase in pompöser Form zurückkehrt, dass man über derartige Details nicht meckern sollte.
Während sich die Schüler in der Großen Halle versammeln, wird ein weiteres Mal die A-Phrase auf sehr bedrückende Art und Weise gespielt: Der Zuschauer soll sich dabei wohl an Hogwarts erinnern, wie es früher war und gleichzeitig erkennen, wie es nun um die Schule bestellt ist. Diese Variation ist in A New Headmaster zu finden. Besagtes Stück auf der CD enthält noch eine weitere Einspielung, die es aber nicht in den Film geschafft hat. Dafür gibt es im Film noch ein weiteres Statement der ersten Hälfte der B-Phrase, dem vorherigen sehr ähnlich, als Professor McGonagall die Lampen wieder anmacht.
Der nächste Einsatz (ab hier folgt bis zum Epilog wieder ausschließlich die A-Phrase) gehört zu den eher merkwürdigen Positionierungen. Das Statement klingt sehr nach Williams und wird von einer Celesta gespielt, dazu ist allerdings der Greifer Scabior zu sehen. Die logischste Erklärung wäre, dass dieses Statement ursprünglich im Zusammenhang mit der Szene in der Kammer des Schreckens gespielt werden sollte, aber durch eine geänderte Schnittfassung an die Stelle gelangte, an der es sich nun im Film befindet. Kurz darauf folgt ein weiterer Einsatz, dieses Mal allerdings stark verfremdet und fast schon militärisch anmutend, der der Zerstörung von Hufflepuffs Becher vorausgeht (alles in In the Chamber of Secrets).
Ein weiteres, sehr getragenes und fast schon schicksalhaftes Fragment ist während der darauf folgenden großen Schlachtszene zu hören, als Harry durch einen einstürzenden Gang rennt (Battlefield), dicht gefolgt von einer sehr dezenten Variation, als Ron und Hermine darauf kommen, dass Harry in den Raum der Wünsche geht (nicht auf der CD). Beide Einsätze kann man wohl in die Kategorie „schicksalhafte Schlüsselszene“ einordnen. Darüber hinaus gibt es in The Diadem noch ein weiteres Statement, das im Film allerdings nicht enthalten ist.
Als Harry nach der Zerstörung des Diadems zu der Erkenntnis kommt, dass Nagini der letzte Horkrux ist, folgt ein weiteres, eher zurückhaltendes Statement der A-Phrase (Snape’s Demise). Und schließlich, während Voldemort zum zweiten Mal alle Anwesenden anspricht, schwillt das Orchester abermals zu einer schicksalhaften Variation von Hedwigs Thema an, die der militärischen aus In the Chamber of Secrets sehr ähnelt (nicht auf der CD).
Und natürlich wird auch Harrys schicksalhafter Gang in den Verbotenen Wald von einem Fragment des Themas begleitet (Harry’s Sacrafice). Ebenso logisch erscheint es, dass Voldemorts Worte „Harry Potter is dead“ ebenfalls von einer leisen Variation der A-Phrase untermalt werden (Procession). Kurz darauf greift Desplat noch einmal auf eine „militärische“ Variation von Hedwigs Thema zurück, die während des finalen Kampfes von Harry und Voldemort zu hören ist, als Ersterer Letzterem zu erklären versucht, weshalb der Elderstab nicht funktioniert (Showdown).
Es ist nun wohl deutlich geworden, dass Desplat im letzten Potter-Film enormen Gebrauch von John Williams ikonischem Thema macht. Der krönende Höhepunkt sind schließlich Epilog und Abspann, in welchen neu arrangierte Versionen der Stücke Leaving Hogwarts und Hedwig’s Theme aus dem Soundtrack von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ verwendet werden. Leaving Hogwarts ist mit Hedwigs Thema durchzogen und Hedwig’s Theme… nun ja, ich denke, da muss man kein weiteres Wort verlieren. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ dürfte auf jeden Fall all jene befriedigen, denen das Thema in den vorhergehenden Filmen zu kurz kam.

Außerhalb der Filme
Wie zu Anfang bereits erwähnt hat sich Hedwigs Thema, wie so viele andere William-Themen auch, inzwischen unwiederbringlich festgesetzt, und als solches findet man auch Versionen außerhalb der acht Filme. Auf Youtube gibt es unzählige Coverversionen in allen möglichen Stilrichtungen. Wer darüber hinaus nach weiteren orchestralen Versionen sucht, sollte sich die Trailer der Harry-Potter-Filme noch einmal anschauen. Während viele einfach nur ein kurzes Fragment bei der Titeleinblendung oder eine Williams-Variante aus einem der Filme verwenden, haben manche ganz eigene Variationen. Besonders erwähnenswert sind zwei Trailer, einer zu Film 5 und einer zu Film 7.2. Erster enthält eine heroische Variation der A-Phrase, während Letzterer von einer stockenden, ja geradezu tragischen Version eröffnet wird.
Auch die Soundtracks zu den Harry-Potter-Computerspielen ab Nummer 5, komponiert von James Hannigan, können in dieser Hinsicht lohnenswert sein. Besonders in „Der Orden des Phönix“ setzt Hannigan Hedwigs Thema sehr oft ein, inklusive einer ätherischen a capella-Version.

Siehe auch:
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack

Aktuell: Erster Teaser-Trailer zu „Der Hobbit“

Veröffentlicht in Aktuelles am Dezember 21, 2011 von hemator


Nur einen Tag nach dem Trailer zu „The Dark Knight Rises“ erreicht auch der erste Vorgeschmack auf Peter Jacksons Prequel zu „Der Herr der Ringe“ das Internet und übertrifft Chris Nolans Bemühungen noch. Zwerge, Gandalf, Mittelerde, was will man mehr? Darüber hinaus ist der Trailer musikalisch sehr interessant: Am Anfang und am Ende sind bekannte Themen zu hören (Auenland und Geschichte des Rings), wärhend der Mittelteil vom Zwergenlied bzw. dessen Melodie bestimmt wird. Könnte es sein, dass Howard Shore beim „Hobbit“ einen ähnlichen Weg geht wie Hans Zimmer beim dritten Teil von „Pirates of the Caribbean“ und die Melodie eines handlungstechnisch wichtigen Liedes zu einem der neuen Filmthemen macht?

Captain America: The First Avenger

Veröffentlicht in Filme am Dezember 20, 2011 von hemator


Story: Steve Rogers (Chris Evans) ist engagierter Patriot und möchte seinem Land im Zweiten Weltkrieg dienen – leider hat der schwächliche Spargeltarzan dafür aber nicht die passenden Qualifikationen. Dennoch sieht der aus Deutschland ausgewanderte Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tuccci), der jetzt für das US-Militär arbeitet, Potential in Steve Rogers, weshalb er ihn als Testkandidaten für das „Supersoldatenserum“ vorschlägt, durch das Amerika eine Truppe übermenschlicher Krieger bekommen soll. Das Experiment gelingt zwar, doch durch die Sabotage eines deutschen Spions wird Erskine ermordet und somit bleibt es bei einem Supersoldaten. Obwohl man nicht weiß, wie man „Captain America“ richtig einsetzen soll, wird schon bald klar, dass er gebraucht wird, denn in Deutschland sammelt Johann Schmidt/Red Skull (Hugo Weaving) das Oberhaupt der Geheimorganisation Hydra seine Kräfte…

Kritik: Captain America ist ein Superheld, der in Deutschland einen eher negativen Ruf genießt und als Paradebeispiel für amerikanischen Patriotismus, Propaganda etc. steht. Dies tut der Figur allerdings zumindest teilweise unrecht. Es stimmt natürlich, Captain America wurde als Propagandafigur konzipiert und trat in den 40ern kurz vor dem Kriegseintritt der USA auf. Allerdings wurden mit der Figur in jüngerer Zeit einige interessante und ziemlich amerikakritische Geschichten erzählt, in denen der Held unter anderem feststellen muss, dass Amerika dem Ideal, das er verkörpert bzw. zu verkörpern versucht, ganz und gar nicht gerecht wird. In Marvels Miniserie „Civil War“ wurde er gar in den Untergrund gedrängt und bekämpfte den Staat. Man sollte also nicht den Fehler machen und von Captain America gleich auf Hurrapatriotismus schließen.
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie die Verfilmung mit diesem Stoff umgeht. Zwischen düsterer-nihilistischer Dekonstruktion á la Chris Nolans Batman und Beinahe-Propagandastreifen wie Michael Bay und Roland Emmerich sie drehen liegt ein weites Feld. Regisseur Joe Johnsten („Juassic Park 3“, „The Wolfman“) entschieden sich letztendlich für einen relativ angenehmen, aber auch risikoarmen Mittelweg. Bevor auf den Film selbst eingegangen wird, muss noch erwähnt werden, dass es sich hierbei um den fünften Streifen des „Marvel Cinematic Universe“ handelt und um den letzten vor dem Superheldengroßereignis „The Avengers“. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es wieder einige Anspielungen auf die anderen Filme gibt; u.a. hat Dominc Cooper einige sehr unterhaltsame Auftritte als Tony „Iron Man“ Starks Vater Howard Stark (wie der Vater so der Sohn) und auch Nick Fury, abermals von Samuel L. Jackson verkörpert, darf natürlich nicht fehlen. Darüber hinaus gibt es vor allem Verknüpfungen zu „Thor“, der Kosmische Würfel (eine mächtige Energiequelle) aus der Post-Credits-Szene dieses Films ist das MacGuffin von „Captain America“ und Red Skull (am Anfang stilecht mit Hugo-Weaving-Maske unterwegs) erklärt extra für den Zuschauer die Zusammenhänge zwischen Würfel und nordischer Mythologie.
Und nun zum eigentlichen Film: Er ist weitaus erträglicher und unterhaltender, als man (vor allem als deutscher Zuschauer) anhand des Titels schließen würde. Nicht ganz zu Unrecht wurden von diversen Kritikern Parallelen zu den Indiana-Jones-Filmen gezogen: In erster Linie handelt es sich hierbei um ein amüsantes, kurzweiliges Abenteuer, das zwar vor der Kulisse der 40er Jahre bzw. des Zweiten Weltkriegs stattfindet, aber nicht wirklich damit arbeitet. Hydra ist zwar ursprünglich eine Naziorganisation, allerdings sagt sich Anführer Johann Schmidt im Lauf des Films vom Dritten Reich los, um mithilfe des Kosmischen Würfels sein eigenes Ding zu drehen – dementsprechend kämpft Captain America nicht gegen Nazis im eigentlichen Sinn, sondern gegen eine naziähnliche Organisation, quasi eine Pseudo-SS. Damit geht man zwar einigen kritischen Stereotypen aus dem Weg, aber andererseits wird auch einiges an Potential verschenkt; der Film rückt sich selbst dadurch noch stärker in fantastische Gefilde.
Ansonsten ist die Herangehensweise an den Helden der von „Iron Man“ oder „Thor“ recht ähnlich: Man bemüht sich um (Selbst-) Ironie, was vor allem in den Szenen der Fall ist, in der Captain America in der Tat als heillos überzogene Propagandafigur arbeitet und sich damit selbst parodiert. In diesem kurzen Abschnitt vereinigen sich Veralberung und liebevolle Hommage (deutlich zu sehen am Schild und dem kitschigen Kostüm des Captains). Alles in allem versucht man, Steve Rogers als sympathische Figur aufzubauen, allerdings ist er weniger sympathisch und überzeugend als Thor und natürlich von Robert Downey jr.s Tony Stark weit entfernt. Auch sein Widersacher Johann Schmidt/Red Skull besitzt eher einen Reißbrettcharakter. Anders als Loki, mit dem man sogar mitfühlen konnte, ist Red Skull böse, weil er eben böse ist, eine gut ausgearbeitete Motivation gibt es nicht, und daran hapert es auch bei Steve Rogers. Dennoch machen die Schauspieler ihre Sache durchaus gut und wissen zu überzeugen. Chris Evans als Captain America ist weitaus besser als Chris Evans als Johnny „Human Torch“ Storm in den beiden Fantastic-Four-Filmen und Hugo Weaving beim Bösesein zuzusehen ist immer extrem unterhaltsam, auch wenn der rote Totenschädel irgendwie albern wirkt. Zu den Highlights zählt eindeutig Tommy Lee Jones als Colonel Chester Phillips. Der restliche Cast ist gut, fällt aber nicht weiter positiv oder negativ auf.
Etwas, das „Captain America“ ebenfalls mit einigen der anderen Marvel-Filme gemeinsam hat ist das etwas enttäuschende Finale. Die Figuren werden relativ lange aufgebaut, aber die Action, die letztendlich dabei hinten herauskommt, ist zwar gut und unterhaltsam, aber gemessen am Vorgeplänkel fast ein wenig enttäuschend. Wie schon bei „Thor“ ist zu hoffen, dass „The Avengers“ da schließlich Abhilfe schafft.
Fazit: „Captain America“ ist ein überaus unterhaltsamer und kurzweiliger Superhelden-Film, der zwar geschickt die Fallen der Vorlage umschifft, allerdings auch kein Risiko eingeht und das Setting durch Hydra fiktionalisiert. Zwar hapert es ein wenig an der Charakterisierung der Figuren, was aber durch einen gut aufgelegten Cast halbwegs ausgeglichen wird. Darüber hinaus ist er allemal genießbarer als der Hurrapatriotismus, den man regelmäßig von Michael Bay und Roland Emmerich vorgesetzt bekommt.

Trailer

Siehe auch:
Iron Man
Iron Man 2
Thor

Aktuell: Erster Trailer zu „The Dark Knight Rises“

Veröffentlicht in Aktuelles, Batman am Dezember 20, 2011 von hemator


Gestern in guter Qualität und offiziell im Internet gelandet: Der erste Trailer zu Chris Nolans „The Dark Knight Rises“ (hier findet sich eine ausführlich Bild-für-Bild-Analyse). Dieses Mal wurde die Geheimhaltung wirklich enorm ernst genommen, es ist noch weniger bekannt als vor „The Dark Knight“. Was bereits bekannt ist fasse ich hier noch einmal zusammen:
Acht Jahre sind vergangen, seit Harvey Dent starb. Bruce Wayne (Christian Bale) hat sich wohl eine Auszeit genommen, doch das auftauchen des gewaltätigen und extrem gefärhlichen Söldners Bane (der wohl in Verbindung zur Gesellschaft der Schatten aus „Batman Begins“ steht, gespielt wird er von Tom Hardy), zwingt ihn dazu, obwohl er nicht mehr in Bestform ist, zurückzukehren. Auch die mysteriöse Diebin Selina Kyle alias Catwoman (Anne Hathaway) spielt eine Rolle. Nach allem, was man so sieht, wird Gotham wohl mehr oder weniger zum Kriegsgebiet. Die Beteiligung von Bane, seine Verbindungen zur Gesellschaft der Schatten und Ra’s al Ghul (der den Gerüchten zufolge einen Flashbackauftritt absolviert) sowie Gotham im Bürgerkriegszustand legen nahe, dass Chris Nolan und David Goyer sich dieses Mal an Batman-Geschichten wie „Knightfall“ (Bane taucht als Batmans absolute Nemesis auf, bezwingt Batman und bricht dessen Rückgrat; ich könnte mir vorstellen, dass Bane auch in diesem Film Batman auf irgendeine Art „bricht“, damit er wieder aufsteigen kann, wie der Titel suggeriert), „Legacy“ (Bane und Ra’s al Ghul schließen ein Bündnis) und „Inferno/No Man’s Land“ (Gotham wird von einem gewaltigen Erdbeben heimgesucht und es bricht praktisch ein Bürgerkrieg in den Straßen aus).
Was gibt es sonst zu bemerken? Nolan hat den halben Cast von „Inception“ für TDKR dazurekrutiert, unter anderem Marion Cotilliard als „Wayne Enterprises board member“ Miranda Tate (im Trailer kurz zu sehen; es halten sich trotz anderslautender Aussage der Schauspielerin hartnäckig Gerüchte, dass Miranda Tate in Wirklichkeit ein Alias von Ra’s al Ghuls (Comic-) Tochter Talia ist), Joseph Gordon-Levitt als Cop John Blake und natürlich Tom Hardy als Bane. Christian Bale, Michael Cane, Gary Oldman und Morgan Freeman tauchen wieder in ihren alten Rollen auf und man kann ziemlich sicher sein, dass auch Cilian Murphy als Scarecrow wieder mindestens einen Cameo-Auftritt bekommt.

Game of Thrones

Veröffentlicht in Fernsehserien am November 14, 2011 von hemator


Der amerikanische Privatsender HBO war schon für viele enorm erfolgreiche und ungewöhnliche Serien verantwortlich. HBO-Produktionen zeichnen sich meistens durch sehr hohe Qualität, gute Schauspieler, komplexe und vielschichtige Plotstränge sowie einen recht hohen Grad an Sex und Gewalt aus, wie man es sonst im Fernsehen nur selten zu sehen bekommt. „Die Sopranos“, „Rom“ und „True Blood“ sind nur drei Beispiele für Serien, die komplexe, durchgehende Geschichten erzählen, die sich nicht auf Schema-F-Episodem verlassen. Und erst kürzlich ist eine weitere Serie dazugekommen: Die Adaption von George R. R. Martins Fantasy-Zyklus „A Song of Ice and Fire“ (dt. „Das Lied von Eis und Feuer“).

Die Vorlage
George R. R. Martin hat mit seinen für ihr Genre recht ungewöhnlichen Werken bereits viele Fans gewonnen. Sein „A Song of Ice and Fire“ umfasst bereits fünf Bände mit den Titeln „A Game of Thrones“ (Namensgeber der Serie), „A Clash of Kings“, „A Storm of Swords“, „A Fest for Crows“ und „A Dance with Dragons“. In der deutschen Veröffentlichung (bisher wurden die ersten vier Bände übersetzt) wurde jeder der enorm umfangreichen Originalbände zweigeteilt, sodass es bisher acht deutsche Bände gibt: „Die Herren von Winterfell“, „Das Erbe von Winterfell“, „Der Thron der Sieben Königreiche“, „Die Saat des goldenen Löwen“, „Sturm der Schwerter“, „Die Königin der Drachen“, „Zeit der Krähen“ und „Die dunkle Königin“. Darüber hinaus gibt es noch einige Novellen, die in derselben Welt angesiedelt sind, allerdings viele Jahrzehnte vor den Ereignissen der Romane spielen.
Das Besondere an Martins Romanen ist, dass sie sich nicht wirklich wie Fantasy lesen. Zwar spielt „A Song of Ice and Fire“ ganz typisch in einer eigenen Welt, inklusive Landkarte, großem Personal und komplizierter Namen, aber die fantastischen Elemente halten sich stark zurück und werden erst nach und nach häufiger, bzw. gelten zu Beginn als Vergangenheit – es gab Drachen, doch diese sind ausgestorben und Zauberer und andere magische Wesen hat man seit langer Zeit nicht mehr gesehen. Auch auf die oft in der Fantasy auftauchende Schwarz-Weiß-Malerei wird fast vollkommen verzichtet, es gibt kein eindeutiges Gut und Böse, sondern viele graue Figuren, bei denen Licht und Schatten oft sehr nahe beieinander liegen – nicht ganz umsonst wird „Game of Thrones“ gerne als „Sopranos in Mittelerde“ umschrieben. Durch viele POV-Charaktere („Point-of-View-Charakter“, also eine Figur, aus dessen Perspektive erzählt wird) schafft es Martin, die Geschehnisse von vielen verschiedenen Seiten zu beleuchten und sorgt so dafür, dass der Leser keine eindeutigen oder vorschnellen Urteile fällt.
Auch was die Handlung an sich angeht bedient sich Martin viel eher beim historischen Roman bzw. der europäischen Geschichte. Es gibt keine abgrundtief bösen Dämonenfürsten oder finstere Artefakte die zerstört werden müssen, stattdessen aber viele Intrigen, einen Bürgerkrieg, Politik, Attentate etc. – als Hauptinspiration lässt sich der englische Rosenkrieg nennen, allerdings handelt es sich nicht um eine eins-zu-eins Umsetzung, eher um vage Ähnlichkeiten.

Die Handlung
Ursprünglich wurde der Kontinent Westeros, auf dem die Jahreszeiten mitunter Jahrzehnte dauern, von sieben Königen beherrscht, bis schließlich Aegon Targaryen, genannt der Eroberer, kam und die Sieben Königreiche unter seiner Herrschaft vereinte. Dreihundert Jahre später und 17 (in den Romanen 14) Jahre vor Beginn der eigentlichen Handlung stellen sich viele Adelshäuser unter der Führung der Familien Stark, Lannister und Baratheon gegen den letzten König der Targaryen-Dynastie, den wahnsinnigen König Aerys II. Die Rebellen erringen den Sieg, Aerys wird ermordet und Robert Baratheon, Oberhaupt seines Hauses, wird der neue König der Sieben Königreiche. Die letzten Erben der Targaryen, Aerys Kinder Viserys und Daenerys, sind gezwungen, auf den Nachbarkontinent Essos zu fliehen.
Zu Beginn der Serie geht Robert Baratheon nach Norden, um seinen alten Freund und Kampfgefährten Eddard Stark, den Lord von Winterfell und Protektor des Nordens, zu seiner „Rechten Hand“, d.h. seinem engsten Ratgeber und persönlichen Vertrauten zu machen, da die letzte Hand ermordet wurde. Eddard begleitet mit seinen Töchtern den König in die Hauptstadt King’s Landing, nur um festzustellen, dass der Hof des Königs ein Schlangennest ist, in dem Korruption und Intrigenspiel in beängstigendem Maße Gang und Gebe sind.
Auch wenn weder Eddard noch die anderen Figuren es ahnen, steuert das Reich auf einen brutalen Bürgerkrieg zu.
Währenddessen wird Daenerys Targaryen von ihrem Bruder Viserys mit Khal Drogo, dem Anführer des Reitervolkes der Dothraki, verheiratet, der sich von Drogo im Gegenzug eine Armee erhofft, um das Königreich seines Vaters zurückzuerobern.

Karte der Sieben Königreiche

Die Personen
In „Game of Thrones“ gibt es eine Vielzahl an Haupt- und Nebenfiguren. Sie alle im Rahmen dieses Artikels ausführlich vorzustellen würde den Rahmen sprengen, weshalb hier nur die wichtigsten kurz beschrieben werden.

Eddard „Ned“ Stark

Eddard Stark ist der Herrscher des Nordens und Oberhaupt seiner Familie. Der sehr auf seine Ehre bedachte und tapfere Lord kämpfte während der Rebellion an der Seite Robert Baratheons und Jon Aryns gegen den verrückten König Aerys Targaryen, der u.a. seinen Vater ermorden ließ. Nach dem Ende des Krieges lebte Eddard viele Jahre lang glücklich mit seiner Frau Catelyn, bis Robert Baratheon ihn nach dem Tod seiner ersten Hand Jon Aryn zu dessen Nachfolger ernennt.
Eddard Stark wird von Sean Bean gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Catelyn Stark

Eddards Ehefrau aus dem Haus Tully. Catelyn sollte ursprünglich Eddards Bruder heiraten, doch dieser starb kurz vor der Hochzeit. Nichtsdestotrotz sind Catelyn und Eddard ein glückliches Ehepaar und Eltern von fünf Kindern. Als ihr Sohn jedoch angegriffen wird folgt Catelyn ihrem Mann nach Süden, um die Gründe für dieses Attentat herauszufinden.
Catelyn Stark wird von Michelle Fairley gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Jon Snow

Eddard Starks Bastard. Jon Snow schließt sich der Nachtwache an, einer Bruderschaft, die die nördliche Grenze des Reiches vor „Wildlingen” und anderen gefährlichen Elementen aus dem kalten Norden beschützen sollen. Im Verlauf der Serie lebt er sich ein und muss miterleben, wie sich die ersten Anzeichen einer untoten Seuche ausbreiten.
Jon Snow wird von Kit Harington gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Robb Stark

Ältester Sohn von Eddard und Catelyn und Erbe von Winterfell. Nach dem Fortgang seines Vaters und seiner Mutter muss Robb schneller erwachsen werden und Verantwortung übernehmen, als er gedacht hat, da er nicht nur die Verantwortung für seine Brüder Bran und Rickon hat, sondern für ganz Winterfell.
Robb Stark wird von Richard Madden gespielt.

Sansa Stark

Älteste Tochter von Eddard und Catelyn. Sie begleitet ihren Vater nach Süden und soll mit Robert Baratheons ältestem Sohn Joffrey verheiratet werden. Leider muss sie bald feststellen, dass Joffrey keinesfalls der Märchenprinz ist, den sie sich immer gewünscht hat.
Sansa Stark wird von Sophie Turner gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Bran Stark

Zehnjähriger Sohn von Eddard und Catelyn, der die Königin und ihren Bruder beim Inzest erwischt und von diesen aus dem Fenster geworfen wird, woraufhin er gelähmt ist. Nachdem Bran nach dem Sturz aus einem Koma wieder erwacht, muss er sich mit der schwierigen neuen Situation zu Recht finden.
Bran Stark wird von Isaac Hempstead-Wright gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Arya Stark

Zweite und jüngste Tochter von Eddard und Catelyn. Anders als ihre Schwester ist Arya sehr undamenhaft und würde viel lieber selbst zum Ritter oder Lord werden anstatt nur einen zu heiraten. Sie begleitet ihren Vater nach Süden und lernt dort, mit dem Schwert umzugehen, was sich noch als nützlich erweist.
Arya Stark wird von Maisie Williams gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Robert Baratheon

König der Sieben Königslande. Robert Baratheon, Eddard Stark und Jon Aryn riefen 17 (im Buch 14) Jahre vor Beginn der Serie zur Rebellion gegen den Targaryen-König auf, da dessen Sohn Rhaegar Eddards Schwester Lyanna, die mit Robert verlobt war, entführte. Lyanna starb während des Krieges, doch Robert ging siegreich hervor, wurde der neue König und heiratete Cersei Lannister. Aus dem hervorragenden Krieger von einst ist ein fetter, saufender und hurender König geworden, der sein Reich mehr schlecht als recht regiert.
Robert Baratheon wird von Mark Addy gespielt.

Tywin Lannister

Oberhaupt des Hauses der Lannister und einer der mächtigsten und reichsten Lords der Sieben Königreiche. Tywin kommt zwar erst verhältnismäßig spät in der Serie vor, ist aber einer der wichtigsten „Spieler“. Darüber hinaus ist er auch der Vater der Königin. Bei der Rebellion gegen Aerys Targaryen blieb er lange neutral und entschied sich erst für Roberts Seite, als der Krieg so gut wie gewonnen war.
Tywin Lannister wird von Charles Dance gespielt.

Cersei Lannister

Tochter von Tywin Lannister, Ehefrau von Robert Baratheon und Königin der Sieben Königreiche. Cersei ist eine schöne, aber intrigante Frau mit einem ungesund engen Verhältnis zu ihrem Zwillingsbruder Jaime. Sie verabscheut ihren Gatten und hat eigene Pläne.
Cersei Lannister wird von Lena Headey gespielt.

Jaime Lannister

Sohn von Tywin Lannister und Zwillingsbruder von Cersei. Jaime gehört der Königsgarde, der Leibwache Robert Baratheons an und gilt als einer der besten Krieger des Reiches. Seinen Spitznamen „der Königsmörder“ trägt er, da er es war, der Aerys Targaryen tötete.
Jaime Lannister wird von Nikolaj Coster-Waldau gespielt.

Tyrion Lannister

Kleinwüchsiger und ungeliebter Sohn von Tywin Lannister. Tyrion ist klein an Statur, aber sehr intelligent und sarkastisch. Er weiß durchaus mit seinem Los umzugehen und versucht immer, das Beste aus seiner Lage zu machen.
Tyrion Lannister wird von Peter Dinklage gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Joffrey Baratheon

Ältester Sohn von Robert Baratheon und Cersei Lannister und Erbe der Krone der Sieben Königreiche. Joffrey ist ein sehr gutausehender, aber verwöhnter und verzogener Prinz. Während seine Mutter ihn sehr liebt ist sein Vater nicht besonders von ihm angetan.
Joffrey Baratheon wird von Jack Gleeson gespielt.

Petyr „Littlefinger“ Baelish

Mündel von Catelyns Vaters, heute Lord, Mitglied von Robert Baratheons „Kleinem Rat“ (einem speziellen Beratergremium des Königs) und Meister der Münze. Petyr Baelish gehört zu den einflussreichsten Intrigenspinnern des königlichen Hofes. Allerdings ist er noch immer in Catelyn Stark verliebt.
Petyr Baelish wird von Aidan Gillen gespielt.

Jeor Mormont

Vater des abtrünnigen Ser Jorah Mormont und Lord-Commander der Nachtwache. Der „alte Bär“ sieht das Potential in Jon Snow und machte diesem zu seinem persönlichen Helfer und Knappen, um gegen die Bedrohungen aus dem Norden besser gewappnet zu sein.
Jeor Mormont wird von James Cosmo gespielt.

Viserys Targaryen


Sohn von Aerys Targaryen und eigentlicher Thronfolger, lebt auf dem Kontinent Essos mit seiner Schwester im Exil. Viserys ist davon überzeugt, die Sieben Königreiche zurückerobern zu können und verheiratet seine Schwester mit dem Reiterfürsten Khal Drogo. Doch seine Starrköpfigkeit und seine mangelnde Fähigkeit sich anzupassen werden ihm schließlich zum Verhängnis.
Viserys Targaryen wird von Harry Lloyd gespielt.

Daenerys Targaryen

Jüngere Schwester von Viserys Targaryen. Mit vierzehn wird sie mit Khal Drogo, dem Anführer der Dothraki verheiratet, kann sich aber, im Gegensatz zu ihrem Bruder, an die neuen Lebensbedingungen anpassen und wächst an den Herausforderungen. Ser Jorrah Mormont, ein Ritter im Exil, fungiert quasi als ihr Leibwächter.
Daenerys Targaryen wird von Emilia Clarke gespielt und ist im Roman ein POV-Charakter.

Die Umsetzung
Wie bei „True Blood“ (die Serie basiert auf Charlain Harris‘ „Southern Vampire Mysteries“) deckt eine Staffel der HBO-Serie einen Band der Buchreihe ab. Anders allerdings als bei „True Blood“ hält sich „Game of Thrones“ sehr genau an die Vorlage und bemüht sich, jeden der komplexen Handlungsstränge angemessen umzusetzen. Natürlich wird hier und da etwas verändert oder weggelassen, dafür gibt es auch hin und wieder Szenen, die im Roman wegen der Beschränkung der POV-Charaktere nicht vorkommen, wie etwa ein Gespräch zwischen Cersei und Robert. Alles in allem jedoch ist „Game of Thrones“ eine extrem vorlagengetreue Serie und darf als vollauf gelungene Adaption betrachtet werden. Die Serie scheut sich auch nicht davor, die expliziteren Gewaltszenen zu zeigen und ist, gerade für eine amerikanische Serie, mitunter sehr freizügig (allerdings auch hier: bei HBO nichts Außergewöhnliches).
Eigentlich alle Darsteller sind wirklich exzellent gewählt, wobei besonders Peter Dinklage als Tyrion Lannister hervorsticht, der für diese Rolle völlig zu Recht den Emmy gewonnen hat. Aber auch der Rest des Ensembles erledigt seine Arbeit hervorragend.
Des Weiteren fällt der enorme Produktionsaufwand auf – „Game of Thrones“ fühlt sich, ähnlich wie viele andere HBO-Serien auch, mehr wie ein Kinofilm als wie eine Fernsehserie an und schafft es mühelos, den Zuschauer in eine andere Welt mitzunehmen und zu fesseln.
Es dauert natürlich eine Weile, bis man durchblickt, wer nun eigentlich wer ist (insbesondere, wenn man die Vorlage nicht kennt), aber der etwas größere geistige Aufwand lohnt sich (ebenso wie sich auch eine Lektüre der Vorlage lohnt; der Autor dieses Artikels ist inzwischen in der Mitte des zweiten Bandes „A Clash of Kings“ angekommen).

Die Musik

Der Soundtrack zur Serie wurde von Hans-Zimmer-Schüler Ramin Djawadi („Iron Man“, „Kampf der Titanen“) komponiert, der bisher nicht wirklich durch Komplexität aufgefallen ist und das auch hier nicht wirklich tut. Die Musik zu „Game of Thrones“ ist vor allem funktional und kommt wohl zum Großteil aus dem Computer, versehen mit Orchestereinsätzen, Percussions und einigen speziellen Instrumenten wie Flöten oder Fideln, um mittelalterliche Assoziationen zu wecken. Der Komplexität der Handlung wird Djawadis Musik nicht wirklich gerecht und ist in dieser wie in jeder anderen Beziehung von Howard Shores „Herr der Ringe“ ziemlich weit entfernt – stilistisch ist der Score eindeutig als Remote-Control-Produktion erkennbar. Djawadi verlässt sich vor allem auf ein sehr starkes Hauptthema (das mich persönlich ein wenig an Trevor Morris‘ Hauptthema aus „Die Tudors“ erinnert) und einige kaum wahrnehmbare Untermotive, das Meiste ist aber atmosphärische Musik. Man muss natürlich aber auch beachten, dass das Budget einer TV-Serie (und damit die Mittel für den Soundtrack) weitaus geringer sind als bei einem Blockbuster.
Wird die Musik der Vorlage gerecht? Nein, aber, aber sie funktioniert und schafft es durchaus, einen eigenen Charakter zu entwickeln und ist Djawadis bisher bestes Werk.

Fazit: Schon nach der ersten Staffel hat „Game of Thrones“ es geschafft, zu einer meiner Lieblingsserien zu werden – in weiteres Mal wurde auch der sehr hohe HBO-Standard erreicht oder gar übertroffen. Man sieht wirklich selten eine so gute und werkgetreue Romanumsetzung.
Auf Deutsch läuft die Serie bisher nur auf dem Bezahlsender TNT, die DVD-Box zur ersten Staffel soll März 2012 erscheinen. Wer kann sollte sich „Game of Thrones“ möglichst auf Englisch anschauen, es lohnt sich wirklich. Ich warte auf jeden Fall schon begierig auf die zweite Staffel.

Opening der Serie
Trailer: Power
Trailer: Poison
Trailer: Fear and Blood

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