Die Geschichte der Sith Teil 3: Lords of the Old Republic

Für lange Zeit war die Ära der Alten Republik eine reine Comicdomäne. 1998, kurz vor Episode I, erschien mit „Redemption“ die letzte Miniserie der Überreihe „Tales of the Jedi“, die dieses Kapitel vorerst abschloss. 2001 beschäftigten sich zwar der Autor Darko Macan in „Jedi vs. Sith“ mit der Alten Republik, griff aber nicht lose Fäden der „Tales“ auf, sondern Fragen, die „Die dunkle Bedrohung“ aufgeworfen hatte: Warum gibt es nur zwei Sith (und für die Leser von Terry Brooks‘ Romanadaption: Wer war der dort kurz erwähnte Darth Bane?). Darüber hinaus liegen zwischen „Redemption“ und „Jedi vs. Sith“ knapp 3000 Jahre.

Im Jahr 2003 erschien mit „Knights of the Old Republic“ schließlich das erste Star-Wars-Rollenspiel, das sowohl Filmschauern als auch EU-Fans ein völlig neues Umfeld präsentierte. Zwar knüpft es inhaltlich an die „Tales of the Jedi“ an („Redemption“ ist im Jahr 3986 vor der Schlacht um Yavin angesiedelt, KotOR 3956) – man erinnert sich an den Sith-Krieg und Exar Kun – aber weder wurden Figuren direkt übernommen, noch orientierte man sich am archaischen Design der Comics. Stattdessen erschuf das Entwickler-Studio BioWare eine Version des SW-Universums, die zwar durchaus individuell ausfiel, aber optisch doch sehr viel näher an den Filmen als den „Tales“ ist.

Auch inhaltlich ist zumindest „Knights of the Old Republic“ eine Variation der von der OT geprägten Version der Heldenreise, aber mit einem speziellen Twist, versteht sich. Die Fortsetzung „Knights of the Old Republic II: The Sith Lords“, die von John Jackson Miller verfasste, gleichnamige Comicserie und das eng verwandte MMORPG „The Old Republic“ gingen dann zum Teil in eine andere Richtung. Ihnen allen ist jedoch gemein, dass die Sith eine enorm wichtige Rolle darin spielen; in jedem Old-Republic-Medium wird eine neue Inkarnation des Sith-Ordens vorgestellt.

Darth Revans Sith
Man muss nicht lange suchen, um in „Knights of the Old Republic“ Parallelen zur OT zu finden: Eine schwächer werdende Galaktische Republik kämpft gegen ein brutales Sith-Imperium unter der Führung des gnadenlosen Darth Malak, der mit seiner imposanten Erscheinung und seinem Stahlkiefer mehr als nur ein wenig an Darth Vader erinnert. Auch die Regel der Zwei ist mehr oder weniger intakt. Ursprünglich wurde das Sith-Imperium von einer vage Palpatine-artigen Figur namens Darth Revan regiert, dem Malak als Vollstrecker und Heerführer diente, bis er ihn verriet und den Posten des Dunklen Lords der Sith okkupierte. So weit, so bekannt. Die Autoren von BioWare, darunter auch Drew Karpyshyn, der später die Darth-Bane-Romane verfassen sollte, verpassten diesem Handlungskonstrukt allerdings einen Twist. Der Spielercharakter, anfangs ein quasi namen- und identitätsloser Soldat der Republik mit Machtbegabung, ist in Wahrheit Revan selbst, der von den Jedi gefangen und dessen Gedächtnis vom Jedi-Rat gelöscht wurde.

revanmalak

Darth Revan und Darth Malak

Die Sith, wie sie in „Knights of the Old Republic“ dargestellt werden, sind insgesamt sehr traditionell. Zwar werden grundsätzlich alle Häscher Revans und Malaks als Sith bezeichnet, aber es gibt, wie gehabt, immer nur zwei, die den Titel Darth tragen – nach Revans vermeintlichem Ableben nimmt sich Malak einen neuen Schüler namens Darth Bandon. In diesem Kontext stellt sich die Frage, in wie weit die Autoren des Spiels mit dem zuvor erschienen Comic „Jedi vs. Sith“ vertraut waren, der suggeriert, Darth Bane sei der erste Sith mit Darth-Titel und Erfinder der Regel der Zwei gewesen. Wie dem auch sei, Drew Karpyshyn beseitigte etwaige Ungereimtheiten, indem Revan offiziell zum Ideengeber für die Regel der Zwei macht: Bane hat die Idee in „Path of Destruction“ letztendlich aus Revans Holocron und orientiert sich an der Struktur von Revans Sith-Orden – allerdings entfernt er alles, was ihm überflüssig erscheint; so bleiben nur der Dunkle Lord der Sith und sein Schüler übrig, während Armeen, untergebene Sith ohne Darth-Titel etc. wegfallen. Im Verlauf des Spiels lernt der Spieler auch, wie Revan und Malak der Dunklen Seite verfielen. An dieser Stelle greift „Knights of the Old Republic“ die „Tales of the Jedi“ auf: Am Ende des Sith-Krieges wurden die Mandalorianer besiegt, doch nur wenige Jahrzehnte später erheben sie sich unter der Führung von Mandalore, dem Ultimativen aus der Asche, um die Republik abermals mit Krieg zu überziehen. Die Jedi wollen sich aus diesem Konflikt heraushalten, eine Minderheit des Ordens unter der Führung des sogenannten „Revanchisten“ (später nur noch Revan) ist damit allerdings nicht einverstanden. Besagte Minderheit greift schließlich in den Krieg ein und führt die Republik tatsächlich zum Sieg. Dabei opfern diese Jedi allerdings ihre Prinzipien. Revan und Malak, die beiden Anführer, entdecken bereits während des Krieges uralte Sternenkarten. Nach dem Sieg über die Mandalorianer verschwinden Revan und sein Freund Malak in den unbekannten Regionen, verfolgen die Spur der Karten und entdecken die Sternenschmiede, die Superwaffe des untergangenen Volkes der Rakata, mit deren Hilfe man eine endlose Zahl an Schiffen und Droiden herstellen kann. Schon bald kehren Revan und Malak als Sith-Lords zurück, um mit einer gewaltigen Streitmacht in die Republik einzufallen. Die genauen Details der Sith-Werdung der beiden gefallenen Jedi werden in „Knights of the Old Republic“ nicht enthüllt, dies wird erst in späteren Spielen und Begleitmaterialien erledigt.

Das Ende des Spiels ist von der Entscheidung des Spielers abhängig: Entweder wird er wieder zum Jedi und führt die Republik zum Sieg über die Sith, oder er beansprucht den Titel des Dunklen Lords der Sith abermals für sich. Spielerisch sind die Unterschiede allerdings nicht besonders groß, in jedem Fall beendet der Spieler am Ende Darth Malaks Leben. Erst im Nachhinein entschieden die Verantwortlichen bei Lucasfilm, dass das „Gute Ende“ das kanonische ist.

Das Sith-Triumvirat
Während es rein spielerisch und optisch keine großen Unterschiede zwischen „Knights of the Old Republic“ und seiner Fortsetzung gibt, ist die Galaxis zu Beginn von Letzterer doch ein völlig anderer Ort als im Vorgänger, was u.a. damit zusammenhängt, dass ein anderes Entwicklerstudio, Obsidian, und andere Autoren an diesem Spiel arbeiteten und dass die Story bereits verfasst wurde, als „Knights of the Old Republic“ noch nicht fertiggestellt war. In „Knights of the Old Republic II: The Sith Lords“ liegt die Galaxis in Trümmern. Trotz des Todes von Darth Malak ist die Republik instabil, die Jedi wurden von einer unbekannten Macht fast vollständig ausgelöscht. Drei neue Sith-Lords, das „Sith-Triumvirat“, haben die Kontrolle über die Überreste der alten Sith-Armee übernommen.

sithtriumvirat

Darth Sion, Darth Traya und Darth Nihilus

Während KotOR sich vieler Story-Elemente der klassischen Trilogie bediente, geht KotOR II in weitaus größerem Maße eigene Wege, gerade bei der Konzeption der Sith-Lords. Waren die meisten bisherigen Sith Diktatoren, Attentäter oder Kriegsherren, so sind sie in diesem Spiel eher die Sklaven ihrer Prinzipien. Jeder der drei besitzt einen speziellen Titel. Darth Nihilus, der Lord Hungers, wird nicht vom Streben nach Macht getrieben, sondern nur von seinem Hunger, der Wunden in der Macht hinterlässt und ihn zwingt, das Leben ganzer Planeten in sich aufzunehmen. Nihilus ist eine fremdartige Kreatur, Maske und Robe ohne Inhalt, die eine für die meisten unverständliche Sprache spricht. Er möchte nicht herrschen, sondern gleicht eher einer unkontrollierbaren Naturgewalt, der bereits fast der ganze Jedi-Orden zum Opfer gefallen ist. Darth Sion, Lord der Qual, müsste eigentlich tot sein, sein Körper ist eine gepeinigte Ruine, die nur von seinem Willen und der Dunklen Seite der Macht zusammengehalten wird. Beides ist eng miteinander verknüpft, solange Sions Wille nicht gebrochen wird, kann er auch nicht sterben. Die letzte im Bunde, gleichzeitig auch die komplexeste, ist Darth Traya, die Lady des Verrats. Ursprünglich war sie eine Jedi-Meisterin namens Kreia, die Revan ausbildete. Nach seinem Fall wurde sie aus dem Jedi-Orden verbannt, wandte sich der Dunklen Seite zu und bildete sowohl Nihilus als auch Sion aus, doch auch diese beiden verrieten sie. Danach kehrt sie zu ihrer alten Identität zurück und bildet den Charakter des Spielers aus, nur um diesen letztendlich zu verraten, wieder zu Darth Traya zu werden und als Endgegner des Spiels zu fungieren. Darth Traya ist in einem konstanten Zirkel des Verrates gefangen, sie verrät und wird verraten. Darüber hinaus besitzt sie eine einzigartige Wahrnehmung der Macht. Traya hält die Macht für einen bösartigen Gott, ihre Kraft zieht sie aus ihrem Hass auf die Macht selbst, ihr Ziel ist es letztendlich, die Macht zu vernichten.

Die Mitglieder des Sith-Triumvirats sind als Verkörperung bestimmter Prinzipien bislang ziemlich einzigartig im SW-Universum und meiner bescheidenen Meinung nach bislang auch der beste Versuch, eine Lovecraft’sche Thematik in der weit, weit entfernten Galaxis unterzubringen. Sowohl die Ansichten Darth Trayas als auch die Natur von Sion und speziell Nihilus kann man zumindest in Ansätzen dem kosmischen Horror zurechnen. In späteren Werken wurden noch weitere Versuche unternommen, derartige Konzepte unterzubringen, u.a. durch Figuren wie den Sith-Imperator Vitiate (s.u.) oder die Macht-Entität Abeloth, in meinen Augen allerdings mit weitaus geringerem Erfolg.

Der Einzelgänger

hayze

Haazen alias Darth Hayze

Der Erfolg der KotOR-Spiele veranlasste Dark Horse dazu, eine thematisch verwandte Comicserie mit demselben Titel in Auftrag zu geben, die sich ihrerseits als äußerst erfolgreich erwies und von 2006 bis 2010 lief. Alleiniger verantwortlicher war John Jackson Miller, der der Herausforderung mehr als gewachsen war und eine der besten SW-Comicserien schrieb. Zwar bedient sich die Serie des Settings der Spiele (die Handlung beginnt, wie KotOR auf Taris) und es kommen auch einige Figuren wieder vor, darunter diverse Jedi-Meister sowie Revan und Malak, allerdings ist die Kenntnisse der Spiele nicht nötig, u.a. auch, da die Handlung während der Mandalorianischen Kriege und somit einige Jahre vor KotOR stattfindet. Miller erläutert Ereignisse, die in den Spielen nur angedeutet werden und schlägt zugleich eine Brücke zur Serie „Tales of the Jedi“ aus den 90ern. Zu diesem Zeitpunkt gelten die Sith als vernichtet, ihr Vermächtnis beschäftigt die Jedi allerdings immer noch, schon allein weil der Anführer der Mandalorianer ein Veteran des letzten Sith-Krieges ist. Im Zentrum der Handlung steht der Padawan Zayne Carrick, dessen Meister Teil einer Gruppe von Jedi-Sehern ist, die wegen einer Vision glaubt, Zayne werde der nächste Dunkle Lord der Sith, weshalb sie versuchen, ihn zu töten. Die Serie erzählt, wie Zayne vor den Jedi flüchtet, neue Freunde findet und dabei die Mandalorianischen Kriege erlebt. Natürlich erweist sich die Prophezeiung am Ende als fehlerhaft und ein anderer, in diesem Fall selbsternannter Sith erhebt sich: Hinter vielen der Intrigen der Serie steckt letztendlich Haazen, ein gescheiterter und wahnsinniger Jedi-Padawan, der seine mangelnde Machtbegabung mithilfe diverser Sith-Artefakte ausgleicht und sich den Namen Darth Hayze verleiht. Somit will er, sowohl als Jedi Haazen als auch als Sith-Lord Darth Hayze, über das Gleichgewicht der Macht wachen, wird aber letztendlich besiegt. Im größeren Kontext bleibt Darth Hayze relativ bedeutungslos und hat nur wenig Auswirkungen auf zukünftige Ereignisse. Er repräsentiert nicht wirklich eine eigene Inkarnation der Sith, sondern eher eine Anomalie. Legt man es darauf an, so könnte man ihn als den letzten Auswuchs von Exar Kuns Sith-Bruderschaft auslegen.

Das zweite Sith-Imperium
„Knights of the Old Republic II: The Sith Lords” endete sehr offen und kryptisch. Kreia zufolge reiste Revan nach seinem Sieg über Darth Malak in die Unbekannten Regionen, um die „Wahren Sith“ zu finden. Unabhängig davon, ob der Spieler sich in KotOR II für die Helle oder die Dunkle Seite entscheidet, bricht auch sein Charakter am Ende des Spiels auf, um Revan zu folgen. Bis ins Jahr 2011 blieb es ein Geheimnis, wer besagte „Wahre Sith“ nun eigentlich waren. Im Jahr 2011 erschien schließlich der de facto KotOR-Nachfolger, das MMORPG „The Old Republic“, abermals von BioWare entwickelt. Die Handlung setzt 300 Jahre nach KotOR an: Die „Wahren Sith“, ein Überleibsel des alten Sith-Imperiums, das sich in den Unbekannten Regionen der Galaxis versteckt hat, greift die Republik und die Jedi an. Dieser Große Galaktische Krieg ist der Hintergrund des Rollenspiels, in welchem sich die Spieler entweder für Republik oder das Sith-Imperium entscheiden. Da besagtes Imperium als spielbare Fraktion funktionieren soll, muss es natürlich gewisse Anforderungen erfüllen – das Sith-Triumvirat hätte in diesem Kontext wohl kaum funktioniert. Obwohl TOR 300 Jahre nach KotOR und knapp 3600 Jahre vor den Filmen spielt, fühlt sich das Spiel in vielerlei Hinsicht an wie ein Best of des bisherigen Star-Wars-Universums. Während die „Tales of the Jedi“ sich durch das archaische Design weit von den Filmen entfernten, gelang es KotOR-Verantwortlichen eine Ästhetik zu erschaffen, die zwar unverkennbar Star Wars ist, aber sich gleichzeitig von den Filmen abhebt und distinktiv ist. TOR dagegen versucht um jeden Preis, den Gelegenheits-Fan des Franchise mit ins Boot zu holen, und das merkt man: Die Soldaten der Republik sehen aus wie die Klone, das Sith-Imperium erinnert sehr stark an das Galaktische Imperium und Darth Malgus, der Vorzeige-Sith des Spiels, ist ein weiterer Darth-Vader-Verschnitt, gegen den Darth Malak fast schon subtil wirkt.

vitiate

Imperator Vitiate

In gleichem Maße wirkt die Struktur des Sith-Imperiums sehr vertraut. An der Spitze steht der Sith-Imperator, ihm untersteht ein Dunkler Rat, gefolgt von den diversen direkt agierenden Sith-Meistern, -Lords und -Schülern. Die Hintergründe dieses Imperiums werden im Spiel selbst und natürlich auch in den obligatorischen Begleitmedien (Romane, Comics, Kurzgeschichten und virale Videos) beleuchtet. Besonders Drew Karpyshyns Roman „Revan“ ist diesbezüglich sehr informativ; er enthüllt nicht nur, was mit Revan nach KotOR geschieht und wie der Name des Spielercharakters aus KotOR II lautet (Meetra Surik), sondern erläutert auch, woher der Sith-Imperator kommt. Leider kommt auch bei besagtem Herrscher mit dem Namen Vitiate die Best-of-Mentalität wieder durch. Auf mich wirkt er wie der Versuch, einen absoluten Überschurken zu kreieren. Die TOR-Autoren borgten sich diverse Elemente von Darth Sidious, Darth Bane, Darth Nihilus und anderen Dunklen Lords, um so den bösesten und mächtigsten Sith zu erschaffen: Vitiate wird als Bastard eines Lords des alten Sith-Imperiums unter der Herrschaft von Marka Ragnos geboren und ist schon als Kind das absolute Böse, tötet seinen Vater im Alter von zehn und nimmt drei Jahre später dessen Platz ein, überlebt den Untergang des alten Reiches und vernichtet nicht nur die übrig gebliebenen Lords, sondern saugt einem ganzen Planeten das Leben aus, um sein eigenes Überleben zu sichern. Anschließend führt er die Überreste der Sith nach Dromund Kaas und gründet das neue Sith-Imperium, über das er dann als unsterblicher Herrscher fast 1500 Jahre lang regiert, während er die Ereignisse in der Galaxis manipuliert und u.a. auch für Revans und Malaks Fall verantwortlich ist. Leider ist Vitiate so übermächtig und dabei so schlecht ausbalanciert, dass er für mich als Figur völlig uninteressant ist – er vereint diverse Charakteristika besserer Sith-Lords, hat aber keine wirklich eigene Identität, nichts, das ihn neben seinem Übermaß an Macht als Charakter hervorstechen ließe. Jede seiner Eigenschaften findet sich bei einem anderen Sith, bei dem sie erzählerisch besser umgesetzt wurde.

Nun gibt es in „The Old Republic“, aufgrund der Natur des Spiels und der diversen Zusatzmedien noch eine Menge weiterer Sith-Lords, etwa den bereits erwähnten Darth Maglus, der in den ersten drei Trailern des MMORPGs prominent vertreten ist, in Paul S. Kemps „Deceived“ („Betrogen“), meiner bescheidenen Meinung nach das beste TOR-Begleitwerk, die Hauptrolle spielt und dort auch, trotz der sehr offensichtlichen Vader-Parallelen, ein weitaus interessanter Charakter als Vitiate ist. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Darths (Marr, Mortis, Scourge, Baras usw.), auf die alle einzugehen allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Im Großen und Ganzen sind all diese Sith jedoch relativ austauschbar. Ich denke, es ist deutlich geworden, dass das zweite Sith-Imperium nicht zu meinen Lieblingsinkarnationen des Ordens gehört.

Wichtige Werke:
Knights of the Old Republic (Spiel)
Knights of the Old Republic II: The Sith Lords (Spiel)
Miller, John Jackson: Knights of the Old Republic (Comicserie)
The Old Republic (Spiel)
Kemp, Paul S.: The Old Republic: Deceived
Karpyshyn, Drew: The Old Republic: Revan

Siehe auch:
Die Geschichte der Sith Teil 1: Erste Lords
Die Geschichte der Sith Teil 2: Die Regel der Zwei

Rogue One: A Star Wars Story – Soundtrack

Achtung, Spoiler überall!
rogueonescore
Track Listing:

01. He’s Here For Us
02. A Long Ride Ahead
03. Wobani Imperial Labor Camp
04. Trust Goes Both Ways
05. When Has Become Now
06. Jedha Arrival
07. Jedha City Ambush
08. Star-Dust
09. Confrontation on Eadu
10. Krennic’s Aspirations
11. Rebellions Are Built on Hope
12. Rogue One
13. Cargo Shuttle SW-0608
14. Scrambling the Rebel Fleet
15. AT-ACT Assault
16. The Master Switch
17. Your Father Would Be Proud
18. Hope
19. Jyn Erso & Hope Suite
20. The Imperial Suite
21. Guardians of the Whills Suite

Ist Michael Giacchino der nächste John Williams? Nein, Michael Giacchino ist Michael Giacchino, und er bleibt auch Michael Giacchino, wenn er den Soundtrack für Disneys erstes Star-Wars-Spin-off komponiert. Das ist etwas, das man immer im Hinterkopf behalten sollte, denn oftmals läuft die Kritik am Score von „Rogue One: A Star Wars Story“ genau darauf hinaus, dass Michael Giacchino eben nicht Williams ist. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass man bei der Bewertung dieses Soundtracks natürlich trotz allem nicht um Williams herumkommt – kaum ein anderes Franchise wird so sehr von seinem ursprünglichen Komponisten beherrscht. Das allein ist schon eine entmutigende Vorbedingung. Hinzu kommt, dass Giacchino sehr kurzfristig Alexandre Desplat ersetzte und für das Komponieren und Aufnehmen des Scores gerade einmal viereinhalb Wochen Zeit hatte. An manchen Stellen merkt man das auch, insgesamt ist „Rogue One“ allerdings ein äußerst gelungener Soundtrack, die Leistung, die Giacchino hier erbracht hat, ist enorm und sollte unbedingt gewürdigt werden.

Bevor es zur Analyse geht, noch kurz ein Wort zu meiner Wahrnehmung der Musik im Film: Für mich nimmt sie in „Rogue One“ eine etwas prominentere Rolle ein als in „Das Erwachen der Macht“. In beiden Fällen habe ich den Score zum ersten Mal beim Schauen des Films gehört, bei „Rogue One“ ist er mir aber besser ins Ohr gegangen und ich konnte neue Themen besser ausmachen. Das sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität der Musik aus – für mich ist Williams siebter SW-Score trotz allem der bessere – sondern hängt u.a. mit der Abmischung, dem Soundsystem des Kinos und meiner Tagesform zusammen, ich fand es aber dennoch bemerkenswert.

Einen würdigen Star-Wars-Soundtrack zu komponieren, der nicht nur reine Williams-Pastiche ist, ist eine fordernde, aber nicht unmögliche Aufgabe. Giacchino ist nicht der erste Komponist, der vor dieser Herausforderung stand, Joel McNeely („Shadows of the Empire“), Kevin Kiner („The Clone Wars“ und „Rebels“) oder Mark Griskey („The Force Unleashed“, Lead Composer bei „The Old Republic“) traten bereits in Williams‘ Fußstapfen. Wie bereits am Anfang erwähnt ist „Rogue One“ ohne Zweifel ein Giacchino-Score, auch wenn er sich, ähnlich wie bei „Jurassic World“ immer wieder bemüht hat, Themen und Stilelemente des Maestros zu adaptieren. Manchmal sind das nur kleine Verweise, etwa die Flötenfigur am Anfang von He’s Here for Us, direkt nach dem Eröffnungswumms. Giacchino bemüht sich insgesamt sehr, dass sich „Rogue One“ wie Star-Wars-Musik anfühlt, gerade wenn er Blechbläserfanfaren auf den Hörer loslässt. Auch der charakteristischen Dies-Irae-Melodie, die etwa in „Eine neue Hoffnung“ prominent vertreten ist, bedient sich Giacchino und arbeitet sie das eine oder andere Mal ein, zum Beispiel sehr deutlich in The Master Switch (1:22); sie ist darüber hinaus außerdem die harmonische Grundlage für Jyn Ersos Thema. Sogar spezifische Prequel-Elemente werden aufgegriffen, der Chorausbruch in Hope erinnert an ähnliche Stücke aus „Die Rache der Sith“ und hin und wieder meint man, subtile Versatzstücke aus Across the Stars zu hören. Dennoch opfert Giacchino seinen persönlichen Stil nicht und bringt auch neue Elemente ein, etwa die Musik des Planeten Jedha, die vage nahöstlich und dazu sehr metallisch und z.T. elektronisch klingt. Nur sehr wenig davon ist jedoch auf dem Album zu finden, lediglich in der zweiten Hälfte von Trust Goes Both Ways und in Jedha Arrival sind die harschen Klänge der Wüstenwelt zu vernehmen.

Für die neuen Figuren liefert Giacchino vier prominente Themen, die alle in Form von drei Konzertsuiten am Ende des Albums vorgestellt werden. Das erste Thema gehört zu Jyn Erso und wird in Jyn Erso and Hope Suite ausgiebig präsentiert. Der Tonfall dieses Themas erinnert an Giacchinos Yorktown-Thema aus „Star Trek Beyond“, es fehlt allerdings die positive Ausrichtung in der Entwicklung. Jyns Thema beginnt als idealistisches Motiv, ist letztendlich aber eine sehr tragische Melodie, deren Anfang in der Suite durch die Sologeige Erinnerungen an Across the Stars (speziell eine Variation aus „Die Rache der Sith“) weckt. Bereits im ersten Track des Albums wird Jyns Thema bei 1:58 vorgestellt und begleitet seine Figur im Verlauf des Films durch dick und dünn – es handelt sich hierbei ohne Zweifel um das zentrale Leitmotiv des Films. Besonders nennenswerte Variationen finden sich zum Beispiel in Scrambling the Rebel Fleet (bei 0:50), wo Jyns Zugehörigkeit zur Rebellenallianz durch einen militärischen Rhythmus und Snare Drums versinnbildlicht wird, sowie in Your Father Would Be Proud (bei 3:27); hier untermalt ein besonders emotional aufgeladene Chorversion das Ableben der Figur.

Das zweite Thema wird ebenfalls in Jyn Erso and Hope Suite vorgestellt, es ist ab 4:00 zu hören und klingt hier, als wäre es eine Erweiterung von Jyns Thema, tatsächlich handelt es sich hierbei aber um das Hoffnungsthema, das die Mission der zentralen Rebellengruppe repräsentiert. Giacchino verweist damit inhaltlich wie musikalisch auf „Eine neue Hoffnung“, denn die ersten beiden Noten sind dieselben wie beim Star Wars Main Title. Mehr noch, das Hoffnungsthema erklingt auch bei der Titeleinblendung des Films (A Long Ride Ahead, 3:00). In der Theorie ist die Idee nicht schlecht, in der Praxis wirkt es aber merkwürdig und klingt wie eine ungeschickte Main-Title-Nachahmung, wie man sie nur allzu oft in Star-Wars-Parodien hört. Hier wäre eine Einspielung des tatsächlichen Main Title besser und weniger irritierend gewesen. Im Rest des Scores macht sich das Hoffnungsthema besser, auch wenn es primär in der zweiten Hälfte erklingt, etwa in The Master Switch (bei 1:30).

Die spirituelle Seite von „Rogue One“ im Allgemeinen und Chirrut Îmwe, Fackelträger des Jeditums im Besonderen werden durch das Wächterthema repräsentiert, das ebenfalls eine komplette Suite am Ende des Albums bekommen hat (Guardians of the Whills Suite). Ähnlich wie das Hoffnungsthema wird es verhältnismäßig selten verwendet und knüpft musikalisch an eines der Williams-Themen an, in diesem Fall, wie könnte es anders sein, das Machtthema.

Das Imperium wird in „Rogue One“ in erster Linie durch Giacchinos viertes neues Thema repräsentiert, das Orson Krennic gilt und in The Imperial Suite ausgiebig vorgestellt wird. Es handelt sich dabei um ein pompöses und sehr unsubtiles, aber verdammt unterhaltsames Schurkenthema, das sofort vertraut klingt, da es bezüglich Rhythmus, Instrumentierung und Begleitung auf dem Imperialen Marsch basiert – vielleicht ein wenig zu sehr. Zusammen mit Jyns Thema ist es mit Sicherheit das Leitmotiv, das in diesem Score am häufigsten auftaucht, es wird allerdings in weit geringerem Ausmaß variiert, da Krennic ein ziemlich statischer Charakter ist. Dennoch macht Giacchino einige interessante Dinge mit dieser Melodie. In When Has Become Now lässt er es beispielsweise mit einem Statement des Todessternmotivs aus Episode IV enden (bei 0:17 und 1:51).

Apropos Todessternmotiv, Giacchinos Verwendung der klassischen Williams-Themen sollte unbedingt noch ausführlich besprochen werden. Diese ist im Großen und Ganzen sehr gelungen. Diesbezüglich ist der Goldstandard nach wie vor John Ottmans „Superman Returns“, den Giacchino leider nicht erreicht. Allerdings finde ich die Einbindung der bekannten Themen gelungener als in „Jurassic World“. Dort wirkte die Verwendung der Williams-Melodien eher wie ein obligatorischer Gastauftritt, weil das Publikum erwartet, dass sie im Film zwei, drei Mal erklingen. In „Rogue One“ geht Giacchino viel kreativer mit ihnen um, arbeitet sie ein, versteckt sie und macht sie zu einem sinnvollen Teil der musikalischen Narrative. Die Verwendung des Todessternmotivs ist ein Beispiel, darüber hinaus findet sich ein subtiler Verweis auf Leias Thema bei 1:53 in Rogue One und eine nicht minder subtile Andeutung von Lukes Thema (bzw. dem Main Title) bei 1:10 in Scrambling the Rebel Fleet. Deutlicher ist da die Rebellenfanfare zu vernehmen, die die Mitte von AT-ACT Assault dominiert und im Film noch das eine oder andere Mal auf Yavin 4 erklingt. Das am häufigsten auftauchende Williams-Thema ist jedoch das Machtthema, das das Wächterthema als spirtiuelles Leitmotiv ergänzt und auch signifikante Momente und Anspielungen untermalt, wenn auch oft nur als Fragment. So wird beispielsweise Bail Organas erster Auftritt vom Machtthema begleitet (nicht auf dem Album), ebenso wie Jyns, Cassians und K2s Abflug von Yavin 4 (Trust Goes Both Ways, 0:43). Ebenso ist es in Rogue One (bei 0:23) und Scrambling the Rebel Fleet (bei 1:05) zu hören.

Besonders interessant ist die musikalische Untermalung Darth Vaders, auf die ich noch einmal detailliert eingehen möchte. Bereits im Vorfeld wurde spekuliert, wie Giacchino hier vorgehen würde. Die offensichtliche Lösung wäre natürlich, Vaders Auftritte mit dem Imperialen Marsch zu untermalen. Einige Puristen waren und sind allerdings der Meinung, der Imperiale Marsch solle nicht vor Episode V erklingen (was wegen den Prequels und „Rebels“ im Grunde ohnehin müßig ist) und Giacchino solle stattdessen das Imperiale Motiv (bzw. Vader-Motiv) aus Episode IV verwenden. Es zeigt Giacchinos Kenntnis der Materie, dass er tatsächlich beide Themen in seinen Score eingearbeitet und somit quasi einen Übergang zwischen Vaders Musik der Prequels, also dem Imperialen Marsch, und Vaders Episode-IV-Musik geschaffen hat. Darth Vaders erstes Erscheinen auf der Leinwand, noch im Baktatank, wird vom Imperialen Motiv begleitet (Krennic’s Aspirations bei 1:40), der große Auftritt in voller Montur erhält dann ein getragenes Statement des Imperialen Marsches (2:08), im Dialog mit Krennic erklingt noch einmal das Episode-IV-Motiv, von ominösen Streichern gespielt (2:45), während sein Abgang schließlich abermals vom Imperialen Marsch untermalt wird (4:03). Vaders zweiter großer Auftritt und das zugehörige Stück Hope rechtfertigen ebenfalls eine genauere Betrachtung. Wie bereits erwähnt wird der Track von einer an Episode III erinnernden Chorpassage eröffnet, die Vaders Abschlachten der Rebellen untermalt und aus Fragmenten des Imperialen Marsches besteht. Der Rest des Stückes ist in gewissem Sinne ein Spiegel des Anfangs von Episode IV. Der letzte Shot von Vader wird von einem Hybriden aus dem Imperialen Marsch und dem Todessternmotiv begleitet (0:51), während Vaders erster Auftritt in „Eine neue Hoffnung“ von einem Hybriden des Vader- und Todessternmotivs untermalt wird. Es folgt ein direktes Zitat aus dem Episode-IV-Stück Imperial Attack (inklusive Rebellenfanfare), bevor eine vollständige Version des Machtthemas den Track beendet, das auf das Machtthema in Imperial Attack verweist.

Anders als sonst bei einem Star-Wars-Album üblich finden sich hier nicht die kompletten End Credits, die im Film ganz klassische mit dem Main Title und Rebellenfanfare beginnen und dann in ein Medley des Giacchino-Materiales übergehen, die drei Konzersuiten sind allerdings ein mehr als angemessener Ersatz, da es sich bei besagtem Medley im Grunde um exakt diese drei Suiten handelt, allerdings zusammengekürzt.

Obwohl ich den Rogue-One-Score insgesamt als äußerst gelungen erachte, gibt es doch einige Kritikpunkte. Da wäre unter anderem die Action-Musik, die verhältnismäßig uninteressant ist, kompetent zwar, aber selten mehr, gerade im Vergleich zu Giacchinos in dieser (und auch in jeder anderen) Hinsicht grandiosem Score zu „Jupite Ascending“ oder natürlich zu den unerreichbaren Action-Setpieces, die Williams für sieben Star-Wars-Filme komponiert hat. Confrontation on Eadu ist diesbezüglich der beste Track, nicht zuletzt dank der gelungenen Einbindung von Jyns Thema und einer subtilen Variation der Rebellenfanfare, doch selbst hier habe ich das Gefühl, dass noch ein wenig mehr gegangen wäre. Auch die Einbindung der Williams-Themen ist manchmal nicht ganz flüssig, besonders dann, wenn Giacchino hin und wieder Noten herauszögert, wie es beim Machtthema in Trust Goes Both Ways und dem zweiten Einsatz des Imperialen Marsches in Krennic’s Aspirations der Fall ist. Ich denke jedoch, dass diese Schwächen primär auf die kurze Zeit, die Giacchino zum Komponieren hatte, zurückzuführen sind. Zusätzlich könnte man noch argumentieren, dass Giacchino sich mit seinen Leitmotiven ein wenig zu sehr an den Williams-Themen orientiert, aber das empfinde ich eher als Stärke des Scores und Zeichen des Respekts vor dem Maestro. Eines ist allerdings wirklich unverzeihlich: Anders als sonst bei Giacchino sind die Tracktitel keine flachen Wortspiele.

Fazit: Giacchinos Rogue-One-Soundtrack ist kein Meisterwerk, aber ein gelungener und solider Star-Wars-Score, der zwei einige Schwächen hat, insgesamt aber eine gute Balance zwischen neuer Giacchino-Musik und klassischen Williams-Themen und -Stilmitteln findet. Angesichts der Tatsache, dass Giacchino gerade einmal viereinhalb Wochen zum Komponieren und Aufnehmen hatte, ist das Ergebnis in höchstem Maße beeindruckend und zufriedenstellend.

Siehe auch:
Rogue One: A Star Wars Story

Rogue One: A Star Wars Story

rogueone
Story:
Das Imperium steht kurz vor der Fertigstellung des Todessterns, die Allianz der Rebellen muss handeln. Der Wissenschaftler Galen Erso (Mads Mikkelsen), der an der Entwicklung des Todessterns beteiligt war, erweist sich diesbezüglich als wichtiges Puzzlestück, denn er hat Bodhi Rook (Riz Ahmed), einen abtrünnigen Piloten, nach Jedha zu seinem alten Freund, dem Rebellenextremisten Saw Gerrera (Forest Whitaker) geschickt, um der Allianz wichtige Informationen zukommen zu lassen. Doch Gerrera erweist sich als nicht sehr umgänglich, weshalb die Allianz Galens Tochter Jyn (Felicity Jones) ausfindig macht, damit diese in Begleitung des Rebellenagenten Cassian Andor (Diego Luna) und des umprogrammierten imperialen Droiden K-2SO (Alan Tudyk) mit Gerrera Kontakt aufnimmt. Ihnen auf den Fersen ist Orson Krennic (Ben Mendelsohn), Direktor der imperialen Waffenforschung und Verantwortlicher für den Bau des Todessterns, der bemüht ist, das Sicherheitsleck zu stopfen – mit allen Mitteln…

Kritik: Im Vorfeld erwies sich „Rogue One“ bereits als problematisch: Informationen über umfassende Nachdrehs wuchsen zu monströsen Gerüchten heran. Diesbezüglich kann ich schon einmal Entwarnung geben, „Rogue One“ ist kein Desaster á la „Suicide Squad“. Zwar merkt man hin und wieder die eine oder andere Unebenheit, aber insgesamt weiß der erste Star-Wars-Realfilm ohne das Wörtchen „Episode“ im Titel (über diverse Jugendsünden des Franchise breiten wir lieber den Mantel des Schweigens) zu überzeugen. Überaschenderweise ist „Rogue One“, trotz Drehbuchneufassungen, Nachdrehs und (je nach dem, wem man glaubt) Teil- bzw. Komplettersetzung des Regisseurs Gareth Edwards durch Tony Gilroy ein überwiegend kohärenter Film geworden. Das größte Problem in dieser Hinsicht ist die etwas holprige Erzählstruktur zu Beginn. Hier werden sehr schnell sehr viele Planeten und Figuren vorgestellt; wer sich nicht ein wenig vorinformiert hat, könnte etwas schwimmen. Insgesamt ist die Story des Films zwar sehr geradlinig und vorhersehbar (nun ja, wir wissen ja ohnehin alle, dass die Rebellen am Ende die Todessternpläne erbeuten), aber der erste Akt des Films ist etwas behäbig und umständlich erzählt, weshalb „Rogue One“ eine Weile braucht, um in die Gänge zu kommen. Erfreulicherweise steigert sich „Rogue One“ jedoch konstant und legt einen wirklich grandiosen und kompromisslosen dritten Akt vor, der den nicht ganz so gelungenen Anfang des Films mehr als ausgleicht und ein überwältigendes Action- und Effektfeuerwerk auf den Zuschauer loslässt.

Um meinen weiteren Gesamteindruck von „Rogue One“ zu vermitteln, möchte ich „Das Erwachen der Macht“ vergleichend heranziehen. Episode VII spielt gut dreißig Jahre nach der klassischen Trilogie, während die Ereignisse von „Rogue One“ nur kurze Zeit vor „Eine neue Hoffnung“ stattfinden. Trotzdem ist „Das Erwachen der Macht“ der Film, der der OT weitaus näher steht, denn während sich „Rogue One“ zwar der klassischen optischen Ausstattung (Schiffe, Sturmtruppenrüstungen etc.) der OT bedient, entfernt sich das Spin-off doch weit vom typischen Gefühl der Episoden und geht andere Wege. Unter anderem wurde der Humor stark zurückgefahren, ist trockener, grimmiger und kommt in erster Linie von K-2SO – ohnehin der heimliche Star des Films. Vom märchenhaft-mythologischen Flair der Episoden ist ebenfalls nicht mehr viel geblieben; wie zu erwarten war ist „Rogue One“ in erster Linie ein Kriegsfilm und als solcher der bisher grimmigste und bodenständigste Film des Franchise. Manch einem Zuschauer oder Kritiker geht das schon zu weit, hin und wieder hört und liest man, in „Rogue One“ fehle die „Star-Wars-Magie“. Ich kann diesen Kritikpunkt verstehen, teile ihn aber nicht. Gerade Fans des alten EU dürften sich mit „Rogue One“ sehr viel leichter tun als Zuschauer, die lediglich die Episoden gesehen haben. In Comics und Romanen gibt es schon seit vielen Jahren ein düstereres, dreckigeres Star Wars, das ohne die Jedi oder andere mythische Elemente auskommt. So spielt die Macht in „Rogue One“ eine ziemlich untergeordnete Rolle, was in einer Zeit, in der die Jedi so gut wie ausgelöscht sind, völlig legitim ist. Ganz allgemein erinnert „Rogue One“ an ein EU-Werk, das eher zufällig ein Film statt eines Romans oder eines Comics ist. Dieser Eindruck wird nicht nur durch die Atmosphäre und die Einbettung zwischen die Episoden geweckt, sondern auch durch die Gastauftritte bekannter Figuren und diverse Anspielungen, die sich mit ein, zwei Ausnahmen besser in den Kontext des Films einfügen als ähnlich geartete Elemente in „Das Erwachen der Macht“. Besonders hat mich gefreut, dass sogar diverse Prequel-Anspielungen zu finden sind.

Nicht nur bezüglich des Tonfalls, auch in anderen Bereichen erweist sich „Rogue One“ als sehr viel innovativer als Episode VII. Wo dort die Planeten ziemlich langweilig und uninteressant waren, schafft es „Rogue One“ wirklich, interessante Schauplätze zu generieren. Das betrifft vor allem Jedha, den Hauptschauplatz des ersten Aktes. Ja, es handelt sich dabei nochmal um eine Wüstenwelt, aber der Unterschied zu Jakku könnte nicht größer sein. Was vor allem auffällt: Jakku wirkte stets wie eine Kulisse für Reys Handlungsbogen und nicht mehr. Jedha dagegen ist eine lebendige Welt, wir sehen, wenn auch nur kurz, Ausschnitte aus dem Leben der Bewohner unter dem Imperium; es tobt ein Konflikt zwischen Imperialen und Saw Gerreras Partisanen. Kurz und gut, man hat das Gefühl, hier laufen noch viel mehr Geschichten parallel ab, die die Geschichte dieses Films mehr oder weniger zufällig kreuzen. Mehr davon! Und wo wir gerade von Saw Gerrera sprechen: Ein weiterer Pluspunkt ist die Zeichnung der Rebellion, die hier als äußerst heterogene Gemeinschaft dargestellt wird und nicht einfach nur „die Guten“ sind. Gareth Edwards, Tony Gilroy und Mit-Drehbuchautor Chris Weitz bemühen sich um Grautöne bei der Allianz, sie zeigen eine uneinige Führung, Extremisten und unlautere Methoden – Freiheitskämpfer für die einen, Terroristen für die anderen.

Mit dieser Stärke hängen allerdings auch die größten Schwächen des Films zusammen. Die Allianz wird zwar vielschichtig, die Rebellen selbst aber nicht besonders tiefgründig dargestellt. Aufgrund des großen Casts und des breiten Figurenspektrums werden Figurenmotivationen und Charakterentwicklung eher angedeutet als ausgearbeitet – diesbezüglich schneidet „Das Erwachen der Macht“ mit dem eindeutigen Fokus auf Rey und Finn besser ab. Die Figur, die besten ausgearbeitet ist, ist Jyn Erso, und selbst hier geht der Film nicht besonders ins Detail. Leider trifft das auch auf die Schurken zu. Anders als die Rebellion haben wir es hier ohne Zweifel mit genau dem Imperium der Filme zu tun. Ben Mendelsohn spielt Orson Krennic zwar überzeugend, aber die Figur selbst bleibt flach und stereotyp, wenn man nicht den Prequel-Roman „Catalyst“ von James Luceno gelesen hat. Das ist besonders schade, da man gerade hier die Gelegenheit gehabt hätte, sich mit imperialer Ideologie zu beschäftigen und das Imperium etwas nachvollziehbarer zu zeichnen. Anders als die Rebellen sind die Imperialen in „Rogue One“ einfach „die Bösen“.

Besonders lobend möchte ich zum Schluss noch Michael Giacchino erwähnen, dem es in nur wenigen Wochen gelungen ist, einen absolut überzeugenden Score zu komponieren, die bereits bestehenden Williams-Themen und Stilmittel gelungen und sinnvoll einzuarbeiten und ansprechende neue Leitmotive zu schreiben.

Fazit: „Rogue One: A Star Wars Story“ mag bezüglich der Erzählstruktur und der Figuren ein paar Probleme haben, ist aber ansonsten ein vollauf gelungener Star-Wars-Kriegsfilm, der sich weitaus unkonventioneller und frischer anfühlt als die übermäßig nostalgisch aufgeladene Episode VII.

Trailer

Siehe auch:
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Meinung
Catalyst: A Rogue One Novel

Catalyst: A Rogue One Novel

catalyst
Im Star-Wars-Fandom gilt James Luceno als Lückenfüller und Verknüpfer – und das sollte hier als Lob verstanden werden. Mit „Schleier der Täuschung“ und „Darth Plagueis“ gelang es ihm erfolgreich, die unzureichend erläuterten politischen Elemente von Episode I logisch und nachvollziehbar zu unterfüttern, und mit „Labyrinth des Bösen“ griff er die losen Fäden der Klonkriege auf und überführte sie in Episode III. Sein neuester Roman mit dem Titel „Catalyst“ tut etwas Ähnliches für das anstehende erste Star-Wars-Spin-off „Rogue One“; Luceno erläutert Hintergründe und stellt einige Figuren sehr ausführlich vor.

Ähnlich wie „Darth Plagueis“ ist auch „Catalyst“ ein verknüpfender Roman. Die Handlung startet im ersten Jahr der Klonkriegen und deckt die folgenden fünf Jahre ab, im Fokus stehen Galen Erso und Orson Krennic, im Film verkörpert von Mads Mikkelsen und Ben Mendelsohn. Bereits zu Anfang enthüllt der Roman einige interessante Details: Der Bau des Todessterns beginnt bereits, initiiert von der Republik, während der Klonkriege. Auch hier hat natürlich Palpatine seine Finger im Spiel, er täuscht gewissermaßen ein Superwaffenwettrüsten zwischen Republik und Separatisten vor; das erklärt unter anderem auch, weshalb der Todesstern am Ende von „Die Rache der Sith“ schon so weit fortgeschritten ist. Krennic fungiert dabei als verantwortlicher Kommandant des Projekts, während Galen Erso als Forscher im Bereich der Energiegewinnung tätig ist und sich auf Kyber-Kristalle spezialisiert hat. Ersos Forschung könnte für den Erfolg des Todessternlasers unabdinglich sein, dummerweise ist er aber absoluter Pazifist und lässt sich nicht für militärische Forschung einspannen.

Die Beziehung zwischen Erso und Krennic ist das Herz des Romans. Vor allem Letzterer wird als äußerst interessante Figur gezeichnet, der zwar einerseits ein absoluter Opportunist ist, aber andererseits sehr geschickt und subtil vorgeht, anders viele andere imperiale Schurken. Die Art und Weise, wie er Erso bearbeitet, die anfängliche Freundschaft zu ihm ausnutzt und ihn und seine Forschung nach und nach ausbeutet, ist höchst faszinierend.

Mit Ersos Frau Lyra baut Luceno allerdings auch einen Gegenpart zu Krennic auf. Lyra ist in mehr als einer Hinsicht eine höchst interessante Figur. „Catalyst“ ist bezüglich vieler typischer Star-Wars-Elemente ein sehr indirekter Roman. Weder Jedi und Lichtschwerter, noch Vader und Palpatine kommen tatsächlich direkt im Roman vor, gleichzeitig ist ihre Präsenz bzw. ihr Vermächtnis stets spürbar. Lyra vertritt dabei die Jedi. Sie ist minimal machtsensitiv und versucht, nach den Prinzipien des Ordens zu leben, weshalb Order 66 sie ziemlich hart trifft. Sie ist auch diejenige, die Krennics Manipulationen durchschaut und als Galen Ersos Anker fungiert.

Die Kyber-Kristalle, die Energiequelle der Lichtschwerter, sind ein weiterer Jedi-Aspekt, der in der Handlung eine wichtige Rolle spielt. In gewisser Weise pervertieren Krennic und Erso (Letzterer allerdings unwissend) das Erbe der Jedi, um eine planetenvernichtende Waffe zu erschaffen. Mich erinnert das entfernt an eine Äußerung von Palpatine aus „Dunkler Lord: Der Aufstieg des Darth Vader“ (ebenfalls von James Luceno); der Imperator erklärt dort, dass die Sith Lichtschwerter primär noch verwenden, um die Jedi zu verspotten und ihr Vermächtnis zu besudeln. Zwar ist dieser Roman inzwischen nicht mehr Kanon, aber die Verwendung der Kyber-Kristalle für den Todessternlaser passt perfekt zu dieser Geisteshaltung; vermutlich amüsiert sich Palpatine köstlich über diese Angelegenheit.

Abermals zeigt Luceno mit „Catalyst“, wie gut er darin ist, alles miteinander zu verknüpfen. Die Prequels, die OT, „Rogue One“, „The Clone Wars“ und Lucenos eigener Kanon-Roman „Tarkin“ werden durch „Catalyst“ ziemlich effektiv miteinander verbunden. Der spätere erste Großmoff des Galaktischen Imperiums spielt ebenfalls eine kleine, wenn auch wichtige Rolle und fügt der Handlung einen weiteren interessanten Aspekt hinzu. Tarkin ist der erste Name, der gemeinhin mit dem Todesstern assoziiert wird. Tatsächlich sind Krennic und Tarkin hier Rivalen, die konstant und über die gesamte Laufzeit des Romans gegeneinander intrigieren, um den anderen schlecht aussehen zu lassen, dabei aber versuchen, den Bau des Todessterns nicht zu kompromittieren. In diesem Zusammenhang drängt sich natürlich die Frage auf, ob Tarkin in „Rogue One“ zu sehen sein wird. Das Gerücht, Peter Cushing könne per CGI wiedererweckt werden, hält sich hartnäckig und es gibt durchaus einige Indizien, da dafür sprechen, nicht zuletzt die prominente Rolle, die Tarkin in diesem Roman spielt.

Wie dem auch sei, noch zwei weitere Figuren aus „Rogue One“ werden in „Catalyst“ vorgestellt, wenn auch bei weitem nicht so ausführlich wie Krennic und Erso. Jyn Erso, die eigentliche Protagonistin des Films, taucht als Baby und sehr aufgewecktes und liebenswertes Kleinkind auf. Ebenso bekommt Saw Gerrera, der von Forrest Whitaker gespielte Clone-Wars-Immigrant einen ersten, wenn auch nicht allzu aufschlussreichen Aufritt, der aber immerhin verdeutlicht, dass Jyn und Saw bereits eine gemeinsame Vergangenheit haben.

Insgesamt ist „Catalyst“ ein Roman, der eher interessant als spannend ist, er lebt von der Charakterinteraktion, den Details und den Zusammenführungen; Action und Raumschlachten sind dagegen Mangelware und spielen kaum eine Rolle. Ich persönlich fand vor allem das erste Drittel, das den Leser noch einmal in die Klonkriege zurückbringt, extrem gelungen, in der Mitte entsteht allerdings die eine oder andere Länge. Mein größter Kritikpunkt ist wohl, dass „Catalyst“ vor allem aus Aufbau besteht, während sich eine tatsächliche Auflösung kaum findet; das Ende des Romans ist ziemlich abrupt. Angesichts seines Prequel-Status war das zwar zu erwarten, aber ähnlich gelagerte Romane, etwa „Labyrinth des Bösen“, fühlte sich runder, abgeschlossener und insgesamt selbstständiger an.

Bislang ist es noch relativ schwer zu sagen, wie essentiell die Lektüre von Lucenos Roman für den Genuss des Filmes ist. Ich würde vermuten, dass es ohne Kenntnisse zwar nicht zu Verständnisproblemen kommen wird, dass „Catalyst“ „Rogue One“ allerdings eine zusätzliche Ebene und größere Figurentiefe verleiht.

Fazit: „Catalyst“ eignet sich wunderbar zur Vorbereitung auf „Rogue One“, sofern man nicht unbedingt Action, Jedi oder allzu viele Rebellen dafür benötigt – Luceno verknüpft gekonnt diverse lose Fäden, füllt Lücken und macht aus Galen Erso und Orson Krennic interessante Figuren, von denen man mehr sehen möchte. Wegen des abrupten Endes und der einen oder anderen Länge im Mittelteil bleibt „Catalyst“ zwar hinter Lucenos besten Werken zurück, gehört aber ansonsten zu den gelungensten Kanonromanen.

Siehe auch:
Labyrinth des Bösen
Darth Plagueis
Tarkin

Das Erwachen der Macht

tfanovel
Es mag nicht allzu bekannt sein, aber die Version von Star Wars, die als erstes von der Allgemeinheit konsumiert werden konnte, stammt zumindest teilweise von Alan Dean Foster. Die Romanadaption von „Eine neue Hoffnung“ (damals noch schlicht „Star Wars“) erschien bereits im November 1976, etwa ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Kinostart. Auf dem Cover mag damals George Lucas‘ Name gestanden haben, doch verfasst wurde dieser Roman, basierend auf Lucas‘ Drehbuch, von Foster. Aber springen wir knapp vierzig Jahre in die Zukunft: Nostalgie war bei der Konzeption von „Das Erwachen der Macht“ ein wichtiger Faktor, da scheint es naheliegend zu sein, dass Alan Dean Foster auch die Romanadaption zu Episode VII verfasst. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass Foster bereits die Prosaumsetzungen der Abrams-Filme „Star Trek“ „Star Trek Into Darkness“ zu Papier brachte, man könnte in diesem Zusammenhang also von einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis sprechen.

Wie dem auch sei, betrachtet man die Gesamtheit der SW-Filmromane, ist die Bilanz eher gemischt: Wärhend die drei OT-Romane nicht unbedingt zur Zierde ihres Genres gehören, sind die Prequel-Romane, gerade unter dem Gesichtspunkt der Adaption, ziemlich gelungen und, im Fall von Matthew Stovers „Die Rache der Sith“, ein Meisterwerk, das für mich das Ideal eines Filmromans darstellt. Leider passt Fosters „Das Erwachen der Macht“ qualitativ eher zu den OT-Romanen. Vermutlich ist es unfair, ihn mit „Die Rache der Sith“ zu vergleichen, da Foster diverse Schwierigkeiten hatte, durfte er doch bezüglich diverser Geheimnisse und Hintergründe nicht in die Tiefe gehen und kaum mehr verraten als der Film. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Einschränkung ist die Romanfassung von Episode VII bestenfalls uninspiriert. Fosters Prosa weiß nicht wirklich zu überzeugen und wirkt oftmals lieblos, echte Spannung oder Intensität kommt selten. An manchen Stellen wirkt die Stimme des Erzählers gar merkwürdig distanziert. Die Zerstörung von Hosnian Prime ist dafür ein gutes Beispiel – in dieser Szene beschäftigt sich Foster primär damit, die technische Funktionsweise der Starkiller Base zu beschreiben, anstatt dem Leser zu vermitteln, was für eine Tragödie hier gerade stattfindet. Auch mit der Macht scheint Foster nicht allzu viel anfangen zu können: Gemessen am Titel beschreibt er kaum, wie es sich für Rey anfühlt, wenn die Macht in ihr erwacht. Vielleicht bin ich diesbezüglich von Stover einfach zu sehr verwöhnt, aber ich hätte zu gerne erfahren, wie Rey und Kylo Ren die Macht wahrnehmen.

Was den Lesefluss für mich am meisten stört, ist der sprunghafte Perspektivwechsel. Foster schaut in alle Köpfe hinein, wechselt aber ständig, weil er bei vielen Charakteren nicht zu tief schauen darf, da sie eben Antworten auf Fragen kennen, die der Leser noch nicht erfahren darf. Anstatt einfach nur das Drehbuch in Prosa umzusetzen hätte sich Foster, ähnlich wie Stover das erfolgreich getan hat, der Stärken seines Mediums annehmen müssen. Sowohl Rey als auch Finn bieten sich hervorragend als primäre Point-of-View-Charaktere an, da ihr Wissensstand dem des Lesers entspricht. Im Idealfall hätte sich Foster ausschließlich oder doch zumindest größtenteils auf diese beiden konzentriert. Es wäre darüber hinaus vielleicht gar nicht verkehrt gewesen, die Inhalte des Jugendbuches „Vor dem Erwachen“, das drei kürzere Vorgeschichten (jeweils eine für Finn, Rey und Poe) enthält, im TFA-Roman selbst unterzubringen, das hätte noch besseren Kontext gegeben und den Fokus auf Rey und Finn verstärkt. Natürlich hätte man dann aber „Vor dem Erwachen“ nicht noch extra verkaufen können…

Immerhin ein wenig Mehrwehrt hat die Romanadaption. Einige der geschnittenen Szenen finden sich bei Foster; so taucht etwa Unkar Plutt auf Takodana auf, um Rey und den Falken zurück nach Jakku zu bringen, was von Chewie jedoch unterbunden wird. Darüber hinaus erklärt Foster, wie Poe auf Jakku überlebt hat und gibt ein wenig zusätzlichen Kontext zur Republik und der Ersten Ordnung sowie einige anderweitig interessante Details. So habe ich mir bei der Sichtung des Films zum Beispiel die Frage gestellt, ob Kylo Ren weiß, dass Vader am Schluss ins Licht zurückkehrte. Laut Roman ist dies tatsächlich der Fall, wie wir von Snoke erfahren: „Had Lord Vader not succumbed to emotion at the crucial moment – had the father killed the son – the Empire would have prevailed.”

Zwar habe ich den Roman auf Englisch gelesen, aber ich habe auch die deutsche Hörbuchversion konsumiert, deshalb zum Schluss noch ein paar Worte zu selbiger bzw. zur Übersetzung. Diese ist im Großen und Ganzen in Ordnung, es haben sich aber ein paar merkwürdige Schnitzer eingeschlichen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Warum wird Phasmas Rang ausgerechnet mit „Hauptmann“ übersetzt? Das Hörbuch wird von Stefan Günther vorgelesen, dem deutschen Synchronsprecher von John Boyega. Als Sprecher ist Günther ganz in Ordnung, irritiert aber auch hin und wieder etwas, was allerdings öfter der Fall ist, wenn ein Synchronsprecher plötzlich alle Figuren seines Films spricht. Leider setzt sich die merkwürdige Aussprache des Wortes „Tie-Jäger“, die mich schon im Film gestört hat, hier fort. Insgesamt bleibt dieses erste deutsche Star-Wars-Hörbuch doch hinter den englischen bzw. amerikanischen Gegenstücken zurück, was u.a. auch daran liegt, dass diese an Schlüsselstellen gekonnt John-Williams-Musik einsetzen und so das SW-Feeling definitiv erhöhen.

Fazit: Alan Dean Fosters Romanadaption von Episode VII ist eine ziemlich uninspirierte Prosafassung des Drehbuchs mit relative wenig Mehrwert. Die meisten der vorhandenen Zusatzinformationen finden sich, zusätzlich zu vielen weiteren, auch in Pablo Hidalgos „Illustrierter Enzyklopädie“. Wer mehr über die Hintergründe von „Das Erwachen der Macht“ erfahren möchte, dem rate ich zu Claudia Grays „Bloodline“.

Siehe auch:
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Meinung
Die Rache der Sith
Bloodline

Aktuell: Rogue-One-Countdown


Halloween ist vorbei, und obwohl eventuell noch der eine oder andere Nachtrag kommt, wird mein Fokus für den Rest des Jahres auf einem anderen Thema liegen: Mit „Rogue One: A Star Wars Story“ steht uns der erste SW-Realfilm bevor, der nicht Teil der Hauptsaga ist. Meine Erwartungen sind diesbezüglich etwas gespalten: Einerseits haben wir eine interessante Prämisse (ein SW-Kriegsfilm; die Episoden sind, trotz des Franchisenamens, doch allesamt Space-Operas), vielversprechende Trailer und einen ausgezeichneten Cast (Felicity Jones, Mads Mikkelsen, Ben Mendelson etc.), auf der anderen Seite sind aber einige der Hintergrundberichte doch zumindest beunruhigend: Während Re-Shoots bei großen Blockbustern normal sind, wurden bei „Rogue One“ angeblich etwa 40 Prozent des Films neu gedreht, was dann doch eher außergewöhnlich ist. Hat Gareth Edwards Mist gebaut? War Disney Edwards‘ Film zu wenig SW-typisch? Gab es bei Alexandre Desplat wirklich Terminschwierigkeiten oder hat man Michael Giacchino doch angeheuert, weil die Musik stärker nach Williams klingen sollte? Immerhin, der Star-Wars-Fan kann sich damit trösten, dass auch Episode IV eine ziemlich problematische Produktion war und wir wissen ja, was dabei herausgekommen ist: Hintergrundschwierigkeiten gehören bei SW-Filmen fast zur Tradition. Wie dem auch sei, ich hoffe und wünsche mir, dass „Rogue One“ gut und erfolgreich wird und Filmemachern ermöglicht, in Zukunft interessante und vielfältige Projekte im Rahmen der Spin-offs umzusetzen, die sich auf neue Konflikte und Figuren konzentrieren und nicht Elemente abarbeiten, die das nicht nötig haben. Bis die Antworten auf die hier gestellten Fragen kommen, werde ich mich noch einmal diverser Themen quer durch das Franchise annehmen, Romane, Musik, Animation, Kanon, Legends etc.

Aktuell: Podcast-Empfehlungen

Schon seit einigen Jahre finde ich immer größeren Gefallen am Medium „Podcast“ und habe eine ganze Reihe an Vertretern gefunden, die ich inzwischen sehr regelmäßig, oder doch zumindest semi-regelmäßig, höre – sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache. Dabei geht es natürlich um die üblichen Themen, über die ich auch hier schreibe. Nach so vielen Stunden der Unterhaltung empfehle ich meine Favoriten dann doch gerne auch mal weiter.

Radio Tatooine
Inzwischen nicht mehr der einzige, aber doch der erste deutsche Star-Wars-Podcast – und, trotz manchmal anders lautender Meinung der beiden Moderatoren Ben und Tim, ein sehr gelungener. Egal ob sie mit oder ohne Gäste über News, die Episoden (sehr, sehr, sehr ausführlich und tiefschürfend) oder andere Themen wie „The Clone Wars“ sprechen, die Meinungen sind immer interessant und differenziert. Und vor allem: Es gibt kein unreflektiertes Prequel-Bashing á la „alles an ihnen ist scheiße, George Lucas hat meine Kindheit zerstört“. Stattdessen werden mit viel Sachkenntnis die Stärken und Schwächen alle Episoden analysiert. Für EU-, bzw. SW-Literatur- und Comicfans wie mich ist auch das Spin-off „Der Buchclub“ sehr lohnenswert, in dem, wie könnte es anders sein, spezifisch auf  die Literatur aus der weit, weit entfernten Galaxis eingegangen wird.

Rebel Force Radio
Rebel Force Radio ist im englischsprachigen Raum so weit ich weiß DER Star-Wars-Podcast, in dem sich Jimmy Mac, Jason Swank und diverse Gäste über die weit, weit entfernte Galaxis diskutieren. Die Hauptserie ist schon sehr gelungen, das wirklich Highlight von RFR ist allerdings die Unterserie „Star Wars Oxygen“, in welcher Jimmy Mac und David W. Collins, der u.a. für LucasArts gearbeitet und in „The Force Unleashed“ dem Droiden PROXY seine Stimme geliehen hat, die SW-Musik von John Williams ausführlich und höchst unterhaltsam analysieren. Auch die Episoden-Kommentare mit Sam Witwer (SW-Experte und Stimme von Darth Maul in „The Clone Wars“ und „Rebels“ sowie Starkiller in „The Force Unleashed“ sind äußerst lohnenswert.

Soundcast
Ein englischer Filmmusik-Podcast, gehostet von Christopher Coleman. Zwischen Juli 2015 und Mai 2016 ist dort leider nicht viel passiert, aber inzwischen wurde das Format leicht abgeändert, statt der längeren Diskussionen mit mehreren Teilnehmern gibt es nun pro Woche eine Folge, die zwischen 30 und 45 Minuten lang ist und in der Coleman und Eric Woods, seines Zeichens ebenfalls passionierter Podcaster, über ein bestimmtes filmmusikalisches Thema sprechen, was auch sehr gut funktioniert. Die älteren Folgen sind immer noch auf der Seite zu finden und lohnen sich durchaus.

Sideshow Sound Theatre
Und gleich nochmal ein Filmmusik-Podcast: „Sideshow Sound Theatre“ wurden von den Komponisten Wendell Jones und Will Dodson ins Leben gerufen. Anders als beim Soundcast geht es hier eher um Analyse denn Kritik (das Sideshow-Team ist insgesamt sehr positiv). Inzwischen gibt es mehrere Unterserien, zum Beispiel „Score Guide“ (ausführliche Analyse eines bestimmten Scores), „Mouse Music“ (alles über Disney-Soundtracks) oder „In Defense Of“ (ein bestimmter Film/Score, der keinen allzu guten Ruf hat, wird verteidigt). Die Score-Analysen sind zum Teil recht technisch, was mich persönlich allerdings nicht wirklich stört.

Donalds Erben
Ein deutschsprachiger Podcast, gehostet von Disney-Fan und Blogger-Kollege Sidney Schering alias Sir Donnerbold, in dem er sich mit diversen Gästen über alle möglichen filmischen Themen unterhält, wobei der Fokus natürlich immer wieder stark auf Disney liegt. Aber auch abseits davon wird interessant über alle möglichen Filme und Filmreihen diskutiert. Leider ist hier seit Dezember 2015 nichts mehr passiert.

Talking Tolkien
Zwei Tolkien-Veteranen, Katie und John, und ein Neuling, Chase, der lediglich die Filme gesehen hat, lesen zusammen das „Silmarillion“, den „Hobbit“ und den „Herrn der Ringe“ und sprechen dann darüber. Gerade für Tolkien-Fans ein sehr lohnender (allerdings englischsprachiger Podcast. Gerade die Perspektive des Neulings ist immer interessant, besonders, wenn er nur mit Filmkenntnis das „Silmarillion“ liest. Vor allem empfehlenswert für alle jene, die sich tiefer mit der Materie beschäftigen wollen, aber am „Silmarillion“ gescheitert sind.

Der Batcast
Alles rund um den Dunklen Ritter, gehostet von Bernd alias Batcomputer, dem Betreiber der Seite batmannews.de. Primär stehen die Filme bzw. News zu den Filmen im Fokus (es gibt u.a. Besprechungen zu fast allen der Kinofilme, nur mit „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ sind Bernd und Gäste noch nicht durchgekommen, weil „Batman V Superman: Dawn of Justice“ dazwischen kam), aber auch alle anderen Bat-relevanten Bereiche (Comics, Fernsehserien, Merchandise etc.) werden zumindest angerissen. Ein sehr gelungener deutscher Batman-Podcast.

Arkham Insiders/H. P. Podcraft
Ich führe beide Podcasts hier zusammen auf, da ich sie nur sporadisch höre und sie sich ziemlich gut ergänzen. „Arkham Insiders“ ist ein deutscher Podcast, der sich primär mit der Biographie H. P. Lovecrafts beschäftigt, während sich die Moderatoren des englischsprachigen „H. P. Podcraft“ stärker mit seinen Werken (sowie diversen anderen Werken der klassischen Schauerliteratur) auseinandersetzen. Wer sich für den Schriftsteller aus Providence interessiert, macht mit beiden Podcasts nichts falsch.

Hellraiser Podcast
Jetzt kommen wir langsam zu den wirklich obskuren Themen. Aber Hellraiser ist nun mal meine Lieblingshorrorfilmserie, die mit jedem Sequel immer schlechter wird, und auch dazu gibt es einen Podcast, in dem die Filme, Prosawerke und Comics von und inspiriert durch Clive Barker besprochen werden.