Dark Forces: Soldier for the Empire

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Romane zu Star-Wars-Spielen sind keine Seltenheit. Oftmals handelt es sich um Begleitwerke, Christie Goldens „Inferno Squad“ erzählt beispielsweise die Vorgeschichte von „Battlefront II“, während Alexander Freeds Battlefront-Roman die kriegerische Stimmung des Spiels einfängt. Ähnlich verhält es sich mit den Romanen zu „The Old Republic“, die das Spiel inhaltlich bereichern. Es finden sich allerdings auch Direktadaptionen von Spielhandlungen. Sowohl zu „The Force Unleashed“ als auch zum Sequel verfasste Ryder Windham nicht besonders gelungene Romanfassungen der Handlung. Die Dark-Forces-Trilogie, die in den 90ern bei Dark Horse erschien, ist allerdings noch einmal ein anderes Biest. Es handelt sich dabei um die Adaption der Handlung zweier Spiele: „Dark Forces“ (1995) und „Dark Forces II: Jedi Knight“ (1997, im darauffolgenden Jahr erschien das Expansion „Mysteries of the Sith“). Diese Serie, deren weitere Einträge eine etwas seltsame Nummerierung aufweisen – die Sequels tragen die Titel „Jedi Knight II: Jedi Outcast“ (2002) und „Jedi Knight: Jedi Academy“ (2003) – gehört zu den beliebtesten Spielereihen der weit, weit entfernten Galaxis. Erzählt wird die Geschichte von Kyle Katarn, der als Mitglied der Sturmtruppen beginnt, zur Rebellion wechselt und schließlich zum Jedi-Ritter wird. Bei „Dark Forces“ handelt es sich noch um einen relativ gewöhnlichen Ego-Shooter, der sich spielerisch am ersten „Doom“ orientierte. In „Jedi Knight“ dagegen konnte der Spieler erstmals auch selbst zum Lichtschwert greifen und in einem handlungsbasierten Spiel als Jedi agieren.

Begleitend zu den ersten beiden Spielen der Reihe gab der Verlag Dark Horse, der seit den frühen 90ern die SW-Comiclizenz innehatte, eine Serie von illustrierten Novellen heraus, die die Geschichte von Kyle Katarn nacherzählen. Die von William C. Dietz verfassten Werken erschienen als hochwertige Hardcover mit Schutzumschlag und ganzseitigen, gemäldeartigen Illustrationen, wobei jeder der drei Bände von einem anderen Künstler bebildert wurde. Diese Aufmachung ist meines Wissens nach ziemlich einzigartig – die drei Bände machen sich im Regal äußerst gut und sind auch sonst sehr schön anzusehen. Leider wurde das Konzept dieser illustrierten Novellen weder im Legends- noch im Kanon-Bereich jemals wieder aufgegriffen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verkaufszahlen die relativ aufwendige Aufmachung nicht rechtfertigten. Später erschienen auch Softcover-Versionen der drei Novellen, aber sowohl die Hard- als auch die Softcover-Versionen sind inzwischen Sammlerstücke, die zu recht happigen Preisen verkauft werden. Mir ist es erst letztes Jahr gelungen, alle drei zu halbwegs vernünftigen Preisen zu erstehen. Meines Wissens nach wurden die Dark-Forces-Novellen bislang auch weder von Dark Horse, noch von Marvel neu aufgelegt. Auf Deutsch ist nur der erste Band erschienen, in ähnlicher Aufmachung wie das englische Gegenstück

Im Gegensatz zu den anderen Spielen der Reihe habe ich „Dark Forces“ nie gespielt, deshalb kann ich nicht genau sagen, wie exakt die Inhalte des Spiels in der ersten Novelle mit dem Titel „Soldier for the Empire“ umgesetzt werden. Primär scheint hier allerdings die Vorgeschichte erzählt zu werden; im Rahmen der ersten Mission des Spiels erbeutet Kyle Katarn die Pläne des Todessterns – genau diese Mission fungiert als Finale von „Soldier for the Empire“. In den ersten beiden Dritteln erzählt Dietz, wie Kyle es als Sturmtruppen-Kommandant nicht über sich bringt, Rebellen zu exekutieren und wie er schließlich, nachdem er erfährt, dass nicht die Allianz, sondern das Imperium für den Tod seines Vaters verantwortlich ist, zu den Rebellen wechselt.

Die Handlung ist ziemlich geradlinig; aufgrund der Natur einer Novelle geht Dietz auch nicht besonders in die Tiefe, aber dennoch funktioniert die Entwicklung ziemlich gut, Kyle Katarn wird als funktionaler Protagonist etabliert, wobei man natürlich noch mehr in die Tiefe hätte gehen können. „Soldier for the Empire“ passt vom Stil her sehr gut zu dieser Ära des Erweiterten Universums und besitzt einen ganz eigenen Charme, der natürlich besonders auf all jene wirkt, die wie ich mit dem EU der 90er aufgewachsen sind. Dazu passen auch die diversen Gastauftritte – es ist diskutabel, ob man hier wirklich noch-nicht-Großadmiral Thrawn und Lando Calrissian bemühen muss, ohne ihnen wirklich etwas zu tun zugeben, aber nun gut.

Die detaillierten Illustrationen von Dean Williams tun ihr übriges und sorgen für ein atmosphärisches Leseerlebnis. Williams orientiert sich dabei sehr eng an den Zwischensequenzen von „Dark Forces II: Jedi Knight“, die mit Schauspielern gedreht wurden – Kyle Katarn trägt eindeutig die Züge von Jason Court. In den Zwischensequenzen von „Dark Forces“ sieht Kyle deutlich anders aus und hat beispielsweise noch keinen Bart. Das führt allerdings auch zu Problemen, denn auf zwei Bildern trägt Kyle bereits das Lichtschwert am Gürtel, das er aber erst in einem der späteren Bände erhält.

Ganz interessant ist „Dark Forces: Soldier for the Empire“ noch im Kontext des Disney-Kanons, da hier bereits zwei Elemente vorkommen, auf die Disney später einen starken Fokus legt: Der Soldat der Sturmtruppen, der abtrünnig wird, und der Diebstahl der Todessternpläne. Letzteres wurde im EU mehrfach von unterschiedlichen Agenten der Rebellen durchgeführt und mehr oder weniger kohärent miteinander verknüpft, aber gerade diese Version ist natürlich deutlich weniger spektakulär als „Rogue One“ und auch deutlich weniger mit dem Todesstern selbst verbunden. Es wäre nicht allzu mühsam, die Todessternpläne durch ein anderes Objekt, das Kyle für die Rebellion extrahieren muss, zu ersetzen. Auch die Parallelen zwischen Finn und Kyle Katarn sind letztendlich eher oberflächlich; Ersterer wurde als Kind von der Ersten Ordnung gekidnappt und aufgezogen, während Letzterer erst als Erwachsener Teil des Imperiums wurde und aus diesem Grund deutlich weniger stark indoktriniert sein dürfte. In beiden Fällen werde ich das Gefühl nicht, dass das Konzept des abtrünnigen Soldaten noch nicht völlig ausgereizt ist, wobei Kyle mehr Substanz als Finn besitzt, dessen Charakterentwicklung ab „The Last Jedi“ im Grunde stagniert. Kyle hat beispielsweise in „Soldier for the Empire“ immer noch Freunde auf der Gegenseite, die er zu beschützen versucht – ein Aspekt, der bei Finn, zumindest meines Wissens nach, nie auch nur in Erwägung gezogen wird.

Fazit: „Dark Forces: Soldier for the Empire“ ist eine kurzweilige und vor allem ästhetisch ansprechende Novelle, die inzwischen leider größtenteils vergriffen ist. Hier besticht vor allem das Konzept, das auf diese Art leider nie wieder umgesetzt wurde – derartige illustrierte Novellen dürfte es ruhig noch mehr geben.

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Stück der Woche: Duel of the Fates


Star Wars ist, neben der LotR-Trilogie, eines DER Paradebeispiele für Leitmotivik in der Filmmusik. Dennoch geschehen gerade immer wieder merkwürdige und interessante Dinge, was die Verwendung der Themen und Leitmotive angeht: Die Platzierung des Machtthemas in der Binary-Sunset-Szene, Prinzessin Leias Thema beim Tod von Obi-Wan Kenobi, Yodas Thema in Cloud City etc. Vieles davon ist dem Prozess des Filmemachens geschuldet, in allen drei Fällen passt der jeweilige Einsatz nicht zum ursprünglichen Zweck des jeweiligen Themas. Manchmal setzt so etwas auch eine Entwicklung in Gang: Aus dem Thema, das ursprünglich das von Obi-Wan war, wird das allgemeine Machtthema. Und dann gibt es noch Themen wie Duel of the Fates, das, gelinde gesagt, in seiner Gesamtheit merkwürdig ist. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass es sich bei Duel of the Fates nicht um ein Leitmotiv im eigentlichen Sinn handelt, zumindest nicht im Kontext von Episode I. Die Entwicklung, die dieses Thema seit seinem Debüt 1999 durchgemacht hat, ist jedoch faszinierend und rechtfertigt eine ausführliche Betrachtung.

Duel of the Fates besteht aus drei Bestandteilen: der Fanfare, dem unterliegenden Ostinato und der eigentlichen Melodie. Wenn wir uns die Suite des ursprünglichen Albums betrachten, lassen sich alle drei Bestandteile sehr deutlich herausfiltern: Das Stück beginnt mit der Fanfare (wer sie ohne Chor hören möchte, greife zum Track Qui-Gons Noble End), direkt darauf folgt das Ostinato in Reinform, bis die Holzbläser beginnen, die Melodie zu spielen. Aufbau und Struktur erinnern an Williams‘ Superman-Marsch. Beim Text handelt es sich um ein walisisches Gedicht mit dem Titel „Battle of the Trees“, das vom Walisischen in Sanskrit übersetzt wurde (wobei „übersetzt“ in diesem Kontext bedeutet, dass lediglich einige Kernbegriffe übertragen wurden). Williams wollte mit Duel of the Fates die religiöse Dimension dieses Lichtschwertduells hervorheben, da erschien ihm Sanskrit die richtige Wahl. Es ist nicht das einzige Mal, dass Sanskrit in amerikanischer Filmmusik zum Einsatz kommt, auch in Don Davis‘ Neodämmerung aus „Matrix Revolutions“ kommt diese altindische Sprache zum Einsatz, und Williams selbst bediente sich ihrer ein weitere Mal im Star-Wars-Universum für Snokes Thema in „The Force Awakens“.

Eine wirkliche leitmotivische Bedeutung hat Duel of the Fates nicht, rein im Kontext von Episode I handelt es sich um ein szenenspezifisches bzw. aktspezifisches Thema. Von Episode IV bis IX bediente sich Williams immer wieder diverser Themen, die nur einen Einsatz bekommen und meistens eine bestimmte Action-Szene untermalen. Natürlich kommt es vor, dass diese Themen wieder hervorgekramt werden, beispielsweise weil der Regisseur eines späteren Star-Wars-Film besagtes Thema sehr gerne mag. Ein Beispiel aus Episode V wäre etwa das Thema aus The Asteroid Field, in Episode III finden sich ziemlich viele dieser Themen und auch Episode IX hat im Track The Speeder Chase ein derartiges Thema spendiert bekommen. Duel of the Fates ist mit Abstand der populärste Vertreter seiner Gattung. In „The Phantom Menace“ ist das Thema mit all seinen Bestandteilen ausschließlich während der finalen Schlacht zu hören, die Chorpassagen sind dem Lichtschwertduell vorbehalten, das Ostinato und die Melodie erklingen aber beispielsweise auch, als Padmé und Konsorten den Palast von Theed stürmen. Die Suite, wie sie auf dem Album zu hören ist, taucht in dieser Form nur im Abspann auf.

Ich denke, Williams plante ursprünglich, für jede der drei Prequel-Episoden ein Thema zu komponieren, das ausschließlich die finale Auseinanderstzung untermalt und keine leitmotivische Bedeutung hat, denn tatsächlich haben auch „Attack of the Clones“ und „Revenge of the Sith“ ähnlich konzipierte Themen. Was im Film allerdings bereits vor der finalen Schlacht zu hören ist, ist der Text, vom Chor gewispert, der immer wieder auftaucht, zumeist zusammen mit Darth Sidious und Darth Maul, was den Schluss erlaubt, dass es sich dabei um ein Motiv (sofern man hier überhaupt von einem Motiv sprechen kann) für die titelgebende dunkle Bedrohung handelt, die von den Sith ausgeht, handelt.

So weit, so gut. Bekanntermaßen erwies sich Duel of the Fates als enorm populär. Selbst diejenigen, die sonst kein gutes Haar an „The Phantom Menace“ ließen, klammerten John Williams‘ Score und ganz besonders sein Vorzeigestück nur allzu gerne aus. Die Entscheidung, Duel of the Fates auch in „Attack of the Clones” zu integrieren, ist daher zumindest verständlich. Allerdings taucht es nicht im finalen Duell auf, sondern mitten im Film, als Anakin seine Mutter sucht (Return to Tatooine, bei 3:35, direkt nach dem Machtthema). Weshalb Duel of the Fates gerade dort platziert wurde, wird seit 18 Jahren eifrig diskutiert. Repräsentiert es den inneren Konflikt Anakins, das interne Duell zwischen Licht und Dunkel? Ich bin eher geneigt, hier den selben Grund wie für Leias Thema bei Obi-Wans Tod zu vermuten: Williams und/oder Lucas waren wohl der Meinung, das Thema würde an dieser Stelle einfach gut passen – und es lässt sich nicht leugnen, dass es gerade hier sehr effektiv ist und der Szene eine Gravitas verleiht, die sie sonst nicht gehabt hätte. Soweit ich weiß handelt es sich dabei allerdings nicht um eine neue Aufnahme, sondern um einen bearbeiteten Ausschnitt aus der Episode-I-Suite.

In „Revenge of the Sith“ bekommt das Duel-of-the-Fates-Ostinato einen kleinen Gastauftritt, als Anakin die Invisible Hand (bzw. das, was von ihr übrig ist) auf Coruscant landet – hier begleitet es allerdings das Machtthema. Ein voller Einsatz von Duel of the Fates erklingt am Ende, während des fulminanten Doppelduells, wobei es vor allem den Kampf zwischen Yoda und Darth Sidious untermalt. Hier kann man bezüglich der Interpretation nun deutlich besser an Episode I anknüpfen, denn abermals untermalt Duel of the Fates den Kampf der Jedi gegen die Sith; was in „The Phantom Menace“ begann, wird nun in „Revenge of the Sith“ von Sidious und Yoda als den ultimativen Vertretern beider Orden zu Ende gebracht. Im Gegensatz dazu ist das deutlich persönlichere Battle of the Heroes primär Anakin und Obi-Wan vorbehalten. Abermals handelt es sich bei dieser Verwendung von Duel of the Fates nicht um eine Neueinspielung, sondern um eine Bearbeitung der Suite.

Aufgrund von Darth Mauls Präsenz in „The Phantom Menace“ wurde oft spekuliert, bei Duel of the Fates handle es sich um Darth Mauls Thema. Ich denke, zumindest die Verwendung in den Prequels spricht eindeutig gegen diese Deutung, nicht zuletzt, da Frank Lehman in „Complete Catalogue of the Themes of Star Wars: A Guide to John Williams’s Musical Universe“ ein separates Motiv für Maul ausmacht, das im Track Enter Darth Maul (Ultimate Edition) bei 0:36 auftaucht. Diese Wahrnehmung von Duel of the Fates als Mauls Thema wird allerdings durch diverse andere Medien unterstützt, in den Battlefront-Spielen etwa, alten wie neuen, fungiert Duel of the Fates tatsächlich als Erkennungsmelodie für den Zabrak-Sith.

Mehr noch, in „Solo: A Star Wars Story“ (Musik von John Powell) wird Mauls kleiner Gastauftritt von einer neuen, deutliche langsameren und bedrohlicheren Variation des Themas begleitet, die es kriminellerweise nicht auf das Soundtrack-Album geschafft hat. Gerüchten zufolge sollte Duel of the Fates darüber hinaus auch in „The Rise of Skywalker“ verwendet werden, daraus wurde jedoch nichts. Mehr als ein Williams-Aficionado vermutet allerdings, dass es sich bei dem Choreinsatz am Ende des Tracks Approaching the Throne um einen „Rest“ dieses Vorhabens handelt. Angeblich soll Williams für diese letzte Star-Wars-Episode um die vier Stunden Musik geschrieben haben, es ist also durchaus im Bereich des Möglichen dass es tatsächlich eine nicht verwendete Episode-IX-Variation von Duel of the Fates gibt. Release the Williams Cut!

Darth Maul

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Zusätzlich zur fortlaufenden Star-Wars- bzw. Republic-Comicserie veröffentlichte Dark Horse auch diverse begleitende Miniserien, die zum Teil vor „The Phantom Menace“ spielten und so die Prequel-Ära weiter ausgestalteten. Die vierteilige Miniserie „Darth Maul“ von Autor Ron Marz und Zeichnerin Jan Duursema gehört dabei zu den ersten und ist eine ziemlich logische Wahl. Nachdem Maul praktisch zum Gesicht von Episode I wurde und viel Zuspruch aus dem Fandom bekam, aber unglücklicherweise bereits am Ende des Films abtreten musste (zumindest, bis „The Clone Wars“ das änderte), blieb erst einmal nur die Erforschung seiner Vorgeschichte.

„Darth Maul“ erzählt eine sehr geradlinige Geschichte, bei der es primär darum geht, Maul in Action zu zeigen. Anders als beim einige Monate später erschienen Roman „Darth Maul: Shadow Hunter“ gibt es hier keinen sekundären Jedi-Protagonisten, stattdessen erleben wir, wie Maul es im Alleingang mit der mächtigsten Verbrecherorganisation der Galaxis aufnimmt und im Auftrag seines Meisters die „Schwarze Sonne“ auslöscht. Rein plottechnisch war es das im Grunde schon. Zwei der neun Vigos (quasi Unterbosse) tötet er samt Belegschaft, die restlichen versammeln sich, um dem mysteriösen Attentäter mit geballter Macht trotzen zu können, was natürlich nicht funktioniert – wie das Ganze ausgeht, dürfte nicht allzu sehr überraschen. Natürlich dient diese Miniserie primär dazu, Mauls Coolness- und Bad-Ass-Faktor noch einmal deutlich zu machen. In „The Phantom Menace“ durfte er nur gegen zwei Jedi kämpfen, während er hier ganze Horden von Gegnern niedermetzeln kann. Besonders visuell geht diese Rechnung voll auf, da Jan Duursema, die im Bereich „Star Wars Comics“ in meinen Augen nach wie vor unübertroffen ist, den Zeichenstift schwingt. Gerade ihre Action-Szenen haben eine einzigartige Dynamik, die in dieser Geschichte besonders gut zur Geltung kommt.

Deutlich interessanter als die eigentliche Handlung ist die Verknüpfung mit dem restlichen Star-Wars-EU. Nachdem „The Phantom Menace“ eine neue Ära begründete, bemüht sich Marz hier, besagte Ära mit dem bereits bestehenden EU noch stärker zu kontextualisieren. Das beginnt bereits mit Mauls Widersachern. Die Schwarze Sonne wurde 1996 im Rahmen des Multimediaprojekts „Shadows of the Empire“ eingeführt, weshalb das Syndikat in diesem Comic auch nicht vollständig ausgelöscht wird, da Sidious selbst überlegt, dass es ihm noch einmal nützlich sein könnte.

Mit Mighella, dem Bodyguard von Alexi Garyn, dem Unterlord der Schwarzen Sonne, schuf Marz darüber hinaus eine Verknüpfung zu Dave Wolvertons Roman „The Courtship of Princess Leia“, in welchem die Dathomir-Hexen im Allgmeinen und die Nachtschwestern, zu denen Mighella gehört, im Besonderen eingeführt wurden. Leider knüpft die Darstellung der Hexen in der Prequel-Ära hier und im etwa zeitgleich erschienen Republic-Handlungsbogen „Infinity’s End“ nicht wirklich an Wolvertons Konzeption an, sondern macht aus den Nachtschwestern relativ gewöhnliche dunkle Jedi.

Verknüpfungen zum „zeitgenössischen“ EU sind ebenfalls gegeben, besonders zum bereits erwähnten Roman „Darth Maul: Shadow Hunter“, der direkt nach der Miniserie spielt. Mauls Ziel in diesem Roman, der Neimoidianer Hath Monchar, der versucht, Informationen über die Pläne der Handelsföderation (und damit der Sith) an die Schwarze Sonne zu verkaufen, taucht zu Beginn des Comics kurz auf.

Einige Jahre später machte sich James Luceno daran, im Rahmen seines Romans „Darth Plagueis“ das gesamte Prä-Episode-I-EU in den großen Plan der Sith einzuordnen, wobei „Darth Maul“ neuen Kontext bekam. Luceno enthüllt, dass die wachsende Macht der Schwarzen Sonne nicht der eigentliche Grund für ihre Auslöschung ist. Viel mehr hat sich Alexi Garyn mit den falschen Leuten eingelassen, primär Padmé Amidalas Vorgänger als Staatsoberhaupt von Naboo, Ars Veruna, der sich im Verlauf des Romans zu einem erbitterten Feind der Sith entwickelt, ohne dabei zu wissen, wen er sich zum Widersacher gemacht hat. Die Vernichtung der Schwazen Sonne ist somit gleichermaßen Prävention wie Rache für ein Attentat auf Plagueis, das mit Garyns Hilfe durchgeführt wird.

Darüber hinaus kann „Darth Maul“ auch als ein Trendsetter gesehen werden; nach Vader ist Maul der Sith-Lord, der die meisten Miniserien sein Eigen nennen kann, besonders, nachdem er durch seine Wiedererweckung in „The Clone Wars“ und seine Auftritte in „Rebels“ noch einmal deutlich an Popularität gewonnen hat. Zu den weiteren Werken gehören „Darth Maul: Death Sentence“ von Tom Taylor und Bruno Redondo (noch Legends, aber basierend auf „The Clone Wars“), „Darth Maul: Son of Dathomir“ von Jeremy Barlow und Juan Frigeri (die letzte Star-Wars-Miniserie von Dark Horse und die erste, die Teil der Disney-Kontinuität ist) und „Darth Maul“ von Cullen Bun und Luke Ross (quasi das Kanon-Gegenstück zum Sujet dieses Reviews, zumindest was die Platzierung in der Timeline angeht).

Fazit: „Darth Maul“ ist ein visuell beeindruckendes Action-Feuerwerk, das vor allem durch die großartigen, dynamischen Zeichnungen von Jan Duursema zu punkten weiß. Eine wirklich tiefgreifende Charakterisierung Mauls sollte man nicht erwarten – allerdings ist die Miniserie durchaus interessant in Bezug auf ihre Verknüpfungen zum restlichen Legends-EU.

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Siehe auch:
Darth Plagueis
Darth Maul: Son of Dathomir

Star Wars: Das ultimative Ranking

Na gut, der Titel ist vielleicht ein wenig reißerisch. Aber natürlich könnte der Zeitpunkt kaum besser sein: Die Skywalker-Saga ist durch und zumindest in den nächsten paar Jahren wird es auch keine weiteren Star-Wars-Filme geben, nicht zuletzt, weil Corona ohnehin alles nach hinten schiebt. Wie dem auch sei, miteinbezogen werden die elf vollwertigen Star-Wars-Kinofilme, neun Saga-Episoden und zwei Spin-offs. Nicht mit einbezogen werden Fernseh- oder Streamingproduktionen, selbst wenn diese im Kino zu sehen waren oder noch so cinematisch ausfallen, also kein Clone-Wars-Film, keine Ewok-Filme, kein „Mandalorian“ und kein Holdiay Special.

Natürlich gilt wie üblich: Das ist mein persönliches Ranking – mit Sicherheit wird die eine oder andere Platzierung etwas kontroverser ausfallen (wo wäre sonst auch der Spaß an der Sache?). Ich versuche dabei, eine gewisse Balance zwischen persönlichen Vorlieben (sonst wären die Filme nach Ian McDiamirds Leinwandzeit geordnet), Nostalgie, Regie, Drehbuch, Darstellung und sonstige handwerkliche Umsetzung, World Building und Franchise-Folgen sowie erzählerischem Konzept zu finden, wobei Letzteres für mich immer besonderes Gewicht hat.

Platz 11: The Rise of Skywalker

Ich denke, das dürfte keine Überraschung sein. Gerade was erzählerische Konzepte angeht, lassen die Sequels einiges zu wünschen übrig – und all das kulminiert in „The Rise of Skywalker“. Dieser Film erzählt praktisch keine Geschichte, es handelt sich um eine Aneinanderreihung diverser Fan-Theorien und hohler Twists, zusammengehalten von der sinnlosen Jagd nach einem MacGuffin, das zum nächsten MacGuffin führt. Zwar war es bereits im Voraus abzusehen, doch „The Rise of Skywalker“ lieferte den endgültigen Beweis, dass Disney völlig plan- und ahnungslos an das Franchise heranging. „The Rise of Skywalker“ ist ein Film des kleinsten gemeinsamen Nenners – ganz ähnlich wie „Justice League“ soll Episode IX alle zufriedenstellen, und genau wie bei „Justice League“ handelt es sich hier um einen „film by committy“. Das kommt dabei heraus, wenn Finanziers, Produzenten und Aufsichtsräte zu erraten versuchen, was Fans wollen.

Der Konflikt „Konzept vs. Umsetzung“ spielt sowohl bei der Bewertung der Sequels als auch der Prequels eine große Rolle. Im direkten Vergleich gewinnen die Prequels meistens beim Konzept, während der handwerkliche Standard bei den Sequels deutlich höher ist. Im Bereich Effekte ist das natürlich nicht anders zu erwarten, und gerade in dieser Hinsicht tut die Rückbesinnung der Sequels auf praktische Effekte (zumindest dort wo es möglich ist) den Filmen durchaus gut. Auch in Bereichen wie Dialoge, Regieführung und Darstellung sind die Sequels im Schnitt besser als die Prequels. Gerade diesbezüglich fällt „The Rise of Skywalker“ allerdings doch stark ab, was primär an der Struktur des Films und seinem halsbrecherischen Tempo liegt, was ihm in letzter Konsequenz das Genick bricht. Und dann wäre da auch noch der Anspruch, die Skywalker-Saga beenden zu wollen, eine Saga, die seit so vielen Jahrzehnten läuft und neun Filme umfasst. Auch hier versagt „The Rise of Skywalker“ letzten Endes. Nun stellt sich natürlich die Frage: Wäre Colin Trevorrows Episode IX besser gewesen? Die Antwort darauf werden wir nie erfahren, aber die Zusammenfassung des Drehbuchs, die ich gelesen habe, hatte, neben diversen Problemen, immerhin die eine oder andere interessante Idee und versuchte zumindest, tatsächlich eine Geschichte zu erzählen. „The Rise of Skywalker“ scheitert hingegen kläglich an diesem Unterfangen.

Platz 10: Attack of the Clones

Und schon wieder sind wir beim Thema „Konzept vs. Umsetzung“. Tatsächlich klingt „Attack of the Clones“ in der Theorie äußerst vielversprechend: Eine große Verschwörung mit Anleihen an den Film Noir, eine zum Untergang verurteilte Liebesgeschichte und der Anfang eines großen Krieges. Aber die Umsetzung… Für manche Elemente kann man George Lucas nur bedingt einen Vorwurf machen. Er bemühte sich, die digitale Filmtechnik voranzutreiben und nutzte die Prequels als Vehikel. Episode II ist der erste vollständig digital gedrehte Film – leider hat dieser Status des Vorreiters den Nachteil, dass „Attack of the Clones“ von allen drei Prequels am schlechtesten gealtert ist. Bei Episode I war die Technik schlicht noch nicht soweit, weshalb Lucas noch verhältnismäßig viel mit praktischen Effekten und Sets arbeiten musste, während Episode III von drei zusätzlichen Jahren für die Entwicklung der Technik profitiert.

Darüber hinaus zeigen sich in „Attack of the Clones“ Lucas‘ Defizite als Regisseur und Drehbuchschreiber am stärksten. Der Mann hat ein Händchen für das Visuelle und das World-Building, aber erhebliche Schwächen in den Bereichen Schauspielführung und Dialog. Das erfolgreiche Vermitteln einer Leinwandromanze hängt aber leider nun einmal genau von diesen beiden Aspekten ab. Wo „The Rise of Skywalker“ durch seinen Nicht-Plot hetzt, ist „Attack of the Clones” über weite Strecken schlicht dröge und zäh. Selbst das actionreiche Finale, die Schlacht um Geonosis, wirkt mitunter recht undynamisch, gerade im Vergleich mit den deutlich ansprechenderen Schlachten in „Revenge of the Sith“. Dennoch habe ich eine gewisse Schwäche für Episode II, was nicht zuletzt auch am Mitwirken Christopher Lees liegt, der einfach jeden Film durch seine Anwesenheit massiv aufwertet.

Platz 9: The Force Awakens

Ab jetzt wird es vermutlich etwas kontroverser. Ich bin durchaus gewillt, zuzugeben, dass „The Force Awakens“ von einem gewissen Standpunkt aus ein besserer Film ist als diverse andere, die deutlich weiter oben auf dieser Liste stehen, gerade aus handwerklicher Perspektive. J. J. Abrams ist ein Regisseur, der wirklich gut mit seinen Darstellern zurecht kommt und es schafft, dass sehr gute Chemie zwischen ihnen entsteht. Auch bezüglich der Figuren gibt es durchaus gute Ideen, gerade die Konzeption des „neuen Trios“ finde ich sehr gelungen, ebenso wie die Idee, einen abtrünniges Mitglied der Strumtruppen zu einer Hauptfigur zu machen. In meiner ursprünglichen Rezension bemühte ich mich sehr, diesen Film positiv zu sehen und ihm eine Chance zu geben.

Die größte Schwäche, die „The Force Awakens“ letzten Endes auch das Genick bricht, ist die Tatsache, dass man sich meines Erachtens nach nie gefragt hat, welche Geschichte dieser Film eigentlich erzählen soll. Er wurde von Anfang an konzipiert, um den Fans der OT und denen, die von den Prequels enttäuscht wurden, zu gefallen. Und so wurde auf Teufel komm raus ein Status Quo erschaffen, der im Grunde derselbe ist wie in der OT. Auf der Handlungsbene passiert schlicht nichts, was wir nicht an anderer Stelle in der OT bereits gesehen hätten, und hinzu kommt ein wirklich schlechtes World Building. 2015, nachdem Episode VII von Kritikern und Fans sehr gut aufgenommen wurde und viel Geld einspielte, schien das der richtige Weg zu sein, weil viele Kinogänger nach dem „Star Wars von früher“ hungerten. Doch nun, fünf Jahre später, wird deutlich, dass der Mangel an Konzept, Vorausplanung und Kreativität beim Eintritt in diese neue Star-Wars-Ära der ganzen der Sequel-Trilogie (und dem Franchise als Ganzes) massiv geschadet hat. Ich kann durchaus verstehen, dass „The Force Awakens“ für all jene, die sich mit diesem Franchise nicht allzu intensiv beschäftigen oder sich bestenfalls als Casual Fans bezeichnen, der Favorit ist. Mit Abrams‘ „Star Trek“ von 2009 geht es mir ja sehr ähnlich. In einem Vakuum betrachtet ist „The Force Awakens“ nun wirklich kein schlechter Film (bzw. kein schlecht gemachter Film), aber als Episode VII der Skywalker-Saga funktioniert diese Mischung aus Remake und „Soft Reboot“ einfach nicht.

Platz 8: The Last Jedi

Ich hatte mir lange überlegt, die Plätze 8 und 9 zu tauschen. „The Last Jedi“ hat in gewisser Weise dasselbe Problem wie „The Force Awakens“, nur auf anderer Ebene. Episode VIII ist ein Film, den ich eher respektiere, als dass ich ihn mag. Rian Johnson hat in meinen Augen zumindest klar vor Augen, was er mit diesem Streifen erreichen möchte, konzeptionell ist es sicher dichteste der Sequels, thematisch vielleicht sogar der dichteste der gesamten Saga. So weit, so gut – nur leider vergisst Johnson, bei all seinen Ambitionen, auch eine gute Geschichte zu erzählen. Der eigentliche Plot um das Entkommen des Widerstands passt vielleicht zu einer Episode der ursprünglichen Star-Trek-Serie, aber als Handlung für einen Star-Wars-Film ist das doch eher enttäuschend. Mehr noch, so interessant Johnsons Konzepte und Ideen auch sind, so sehr arbeiten sie gegen das im Vorgänger etablierte Material (was seinerseits nicht optimal ist, aber lassen wir das beiseite). Ich habe es ja schon mehrmals erwähnt: Eines der größten Probleme der Sequels ist, dass die einzelnen Filme gegeneinander arbeiten, statt ineinander zu greifen. Entweder Johnson oder Abrams hätte die Trilogie komplett übernehmen müssen, oder Disney hätte zumindest dafür sorgen müssen, dass die Sequel-Trilogie als großes Ganzes funktioniert.

Johnsons Ansatz der Dekonstruktion und des Unterlaufens von Erwartungen ist ebenfalls ein Problem – nicht grundsätzlich, es gab schon funktionierende Dekonstruktionen, etwa „Knights of the Old Republic II: The Sith Lords“. Johnson dekonstruiert allerdings als Selbstzweck, was nun nach „The Rise of Skywalker“ umso offensichtlicher ist, und er dekonstruiert auf Kosten der Geschichte. Plot Convienence ist bei Star-Wars-Filmen durchaus der Öfteren problematisch (u.a. auch bei den Episoden IX und II), aber gerade hier sind die storytechnischen Verrenkungen, die Johnson betreiben muss, um dorthin zu gelangen, wo er hinmöchte, wirklich unangenehm. Ebenfalls unpassend ist der Humor, der eher zu „Guardians of the Galaxy“ als zu Star Wars passt. Aber wir wollen ja nicht nur meckern, schließlich hat es seinen Grund, dass „The Last Jedi“ auf diesem Platz gelandet ist. Visuell hat Johnson fraglos einiges auf dem Kasten – selten sah Star Wars besser aus – und auch aus den Darstellern holt er wirklich viel heraus.

Platz 7: The Phantom Menace

Dafür gibt es wahrscheinlich Haue; die viel gehasste Episode I steht vor der gesamten Sequel-Trilogie. Aber: Die Nostalgie ist stark bei diesem da. Die Schwächen dürften ja weithin bekannt sein und wurden von allen und jedem so breit wie nur möglich ausgewalzt: Jar Jar und der kindliche Humor, nicht gerade gelungene Dialoge, Jake Lloyd als Anakin Skywalker bzw. George Lucas Probleme bei der Führung der Schauspieler etc. Gerade Letzteres zieht sich als roter Faden durch die gesamten Prequels. Fähige Darsteller wie Ian McDiamird oder Ewan McGregor wissen auch so, was sie tun, aber Darsteller, die auf etwas mehr Regieleistung angewiesen sind, bleiben meistens weit hinter ihren Möglichkeiten. Und in der Tat wäre es wohl tatsächlich klüger gewesen, die Prequels mit einem erwachsenen Anakin und dem Start der Klonkriege beginnen zu lassen.

Wie so oft bei den Prequels ist die Konzeption gelungener als die Umsetzung. Die Idee, mit dem größtmöglichen Kontrast zu Darth Vader, einem aufgeweckten, unschuldigen Kind zu beginnen, ist für sich genommen nicht schlecht, ebenso wie der Einfall, die Struktur des Prequel-Startfilms als Spiegelbild von Episode VI anzulegen, ohne dass es, wie es bei Episode VII und IV der Fall ist, einfach wie abgekupfert wirkt. „The Phantom Menace“ erzählt nun einmal eine deutlich andere Geschichte als „Return of the Jedi“. Leider übernimmt Lucas damit auch die Schwächen von Episode VI: Ein Akt des Films findet jeweils auf Tatooine statt, fühlt sich aber von den restlichen beiden merkwürdig losgelöst an, was bei Episode I allerdings noch deutlich stärker ins Gewicht fällt, da es sich nicht um den ersten, sondern den zweiten Akt handelt. Und die parallel laufenden finalen Schlachten mit drei bzw. in Episode I sogar vier verschiedenen Handlungssträngen ist ebenfalls durchwachsenden, da hier absolute Highlights, die jeweiligen Lichtschwerduelle, Rücken an Rücken mit deutlich uninteressanteren Bodenschlachten stehen. „The Phantom Menace“ ist ein Film, in dem die Einzelteile leider nie zu einem großen Ganzen zusammenwachsen – für sich selbst stehend aber wirklich beeindruckend sind, sei es das Pod-Rennen oder der finale Kampf der beiden Jedi gegen Darth Maul.

Warum hat „The Phantom Menace“ nun in der Platzierung die Sequels überholt? Weil diesem Film etwas gelungen ist, was bereits in „The Force Awakens“ hätte geschehen müssen, bisher aber immer noch nicht geschehen ist: Er hat es erfolgreich geschafft, eine neue Star-Wars-Ära zu etablieren, die sich vom bisher bekannten unterscheidet, aber doch unzweifelhaft Star Wars ist. Wir haben einen ordentlich vermittelten Status Quo, ein Gefühl dafür, wie es in der Galaxis aussieht und gutes World Building, das oft durch die wirklich gelungene Arbeit der Designer vermittelt wird. Die Sequel-Ära fühlt sich dagegen bis heute wie ein Abklatsch der OT-Ära an und reizt mich kaum, während ich in die Prequel-Ära immer wieder gerne zurückkehre.

Platz 6: Solo – A Star Wars Story

Niemand wollte oder brauchte diesen Film, Han Solo funktioniert als Figur, wie wir ihn in Episode IV kennen, wunderbar, er hat seine Entwicklung im Verlauf des Films (und den beiden folgenden), vom eigennützigen Schmuggler zum Helden der Rebellion. Selbst die Fans der Figur, zu denen ich mich nicht unbedingt zähle, waren sehr skeptisch: Müssen wir wirklich sehen, wie Han und Chewie sich kennen lernen oder wie Han den Millenium Falken gewinnt? Was „Solo“ für mich zum zweitbesten Disney-Star-Wars-Film macht, ist der Umstand, dass hier tatsächlich eine Geschichte erzählt wird. Das größte Manko, für mich persönlich aber auch gleichzeitig ein Vorteil, ist, dass es sich dabei nicht um Han Solos Geschichte handelt. Sicher, die oben erwähnten Stationen, die Begegnung mit Chewie, der Kessel Run, Han gewinnt den Falken etc., sind alle da. Dennoch ist es nicht zwingend Hans Geschichte, die der Film erzählt, sondern eher die von Qi’ra, Beckett und Dryden Vos. Han stolpert eher zufällig hinein und ist nicht wirklich nötig. Von diesem Umstand einmal abgesehen ist „Solo“ schlicht ein verdammt kurzweiliger und unterhaltsamer Gangster-Western im Star-Wars-Universum, der sich ein wenig anfühlt wie die Lektüre eines Legends-Romans, inklusive diverser Anspielungen, Querverweise und Gatsauftritte, die beim „Normalzuschauer“ eher für Stirnrunzeln sorgen.

Die Probleme hinter den Kulissen sind an „Solo“ freilich nicht spurlos vorbeigegangen, hin und wieder tauchen Diskrepanzen auf. Dennoch gelingt es diesem Film, eine Balance zwischen interessantem Konzept und kompetenter Umsetzung (wenn man davon absieht, dass die Farbpalette deutlich zu dunkel ist) zu finden, sofern man das zugrundeliegende Konzept als „Gangster-Western im Star-Wars-Universum“ und nicht als „Han-Solo-Origin“ wahrnimmt. Ron Howard ist ein solider Handwerker, dem sowohl George Lucas‘ Vision und Wille zur Innovation als auch seine erheblichen Mankos fehlen. Da ich durch die Probleme hinter der Kamera und Gleichgültigkeit gegenüber Hans Hintergründen keine Erwartungen an diesen Film hatte, hat mich „Solo“ sehr angenehm überrascht – ich mag die neuen Figuren, das World Building und die Schauplätze und finde den Umstand, dass es hier, anders als bei allen anderen Star-Wars-Filmen, keinen eindeutigen Widersacher gibt, sehr erfrischend.

Platz 5: A New Hope

„A New Hope“ ist zweifelsohne der wichtigste Star-Wars-Film und hat im Herzen vieler Fans einen besonderen Platz. Auch in meine Top 5 hat er es geschafft – aber eben auch nicht weiter nach vorn, findet er sich doch bei vielen anderen Rankings auf einem der ersten drei Plätze. Während die meisten anderen Filme, selbst einige, die ich weiter vorne platziert habe, über eklatante Schwächen verfügen, ist „A New Hope“ ein sehr ausgewogener Film, der lediglich nicht besonders gut gealtert ist. Er teilt das Schicksal anderer Vorreiter auf ihren Gebieten: Was einmal revolutionär und nie dagewesen war, haben andere Filme in der Zwischenzeit so viel besser gemacht. In mancher Hinsicht wirkt dieser Vorreiter etwas bieder, die Geschichte, die er erzählt, ist gemessen an späteren Vertretern des Franchise,  recht klein. Es ist eigentlich unfair, Episode IV das vorzuwerfen; ohne die Grundlagen, die „A New Hope“ gelegt hat, hätten spätere Filme nicht auf ihnen aufbauen können. Ansonsten ist Episode IV gewissermaßen ein filmisches Schulbuchbeispiel: Sehr ausgewogen, sehr klare Drei-Akt-Struktur, sehr klare Umsetzung von Campbells Heldenreise. Gewisse Lucas-typische Schwächen zeigen sich bereits, fallen aber kaum ins Gewicht, weil der gute George hier, anders als bei den Prequels, nicht machen konnte, was er wollte, sondern stets zu Kompromissen gezwungen war, und natürlich weil er ein äußerst fähiges Team mit dem Schnitt des Films beauftragte.

Platz 4: Rogue One

„Rogue One“ ist ein schönes Beispiel für einen Star-Wars-Film, der deutlich unebener ist und weitaus mehr strukturelle Schwächen hat als beispielsweise Episode IV oder VII. Auch hier sind primär die Probleme hinter den Kulissen schuld; mitunter bemerkt man die Nachdrehs sehr deutlich und gewisse Unebenheiten zwischen Schnittfassungen fallen ebenfalls auf. Das betrifft besonders den ersten Akt, der recht wildes und unübersichtliches Planeten-Hopping betreibt. Glücklicherweise ist „Rogue One“ ein Film, der mit jedem Akt besser wird, um sich dann in einem der fulminantesten Finales des Franchise zu entladen.

Des Öfteren werden bei „Rogue One“ darüber hinaus die Figuren als langweilig und uninteressant kritisiert, eine Kritik, die ich so allerdings nicht teile – die Figuren an sich sind in Ordnung, das Problem sind auch hier strukturelle Unebenheiten und unterschiedliche Schnittfassungen des Films, die nicht gut ineinandergreifen. Wenn Baze Malbus Jyn Erso am Ende „Good luck, little sister“ wünscht, kommt das fast aus dem Nichts, da die beiden während des Films kaum einmal ein Wort wechseln, das in einer früheren Version durchaus getan haben könnten. Ohnehin betrachte ich weder Jyn Erso noch Cassian Andor als Hauptfigur von „Rogue One“, denn die eigentliche Hauptfigur des Films ist die Rebellion an sich. Dieses Spin-off bemüht sich, ein breites Bild dieser Gruppierung in all ihren Facetten zu zeigen, von den gemäßigten und allseits bekannten Anführern wie Mon Mothma und Bail Organa über unfreiwillige oder zufällige Verbündete wie Chirrut Îmwe und Bodhi Rook bis hin zu den extremeren Elementen um General Draven und natürlich Fanatiker wie Saw Gerrera. Regisseur Gareth Edwards gelingt es, ein breites Spektrum an verschiedenen Rebellen zu zeigen und der Gruppierung ein deutlich breiter gefächertes Profil zu verleihen. Rein strukturell mag „The Force Awakens“ beispielsweise deutlich besser funktionieren, doch „Rogue One“ gelingt es dagegen mühelos, sich wie eine etwas grimmigere Version des Star-Wars-Universums anzufühlen, die dennoch hervorragend zum bereits Etablierten passt, während die Sequels oft nur erzwungene Wiederholung bieten.

Platz 3: Return of the Jedi

Episode VI ist zweifellos der unausgewogenste Film der OT mit einer Handlung, die sich zu stark an Episode IV anlehnt, einem ersten Akt, der vom Rest des Films bzw. der Handlung der gesamten Trilogie merkwürdig losgelöst ist und einem äußerst (eventuell sogar zu) komplexen, in drei Handlungsstränge aufgegliederten dritten Akt. Die Bodenschlacht auf dem Waldmond Endor funktioniert dabei nur bedingt – thematisch passt sie zwar gut zum im Franchise immer wieder auftauchenden Konflikt zwischen Technologie und Natur, aber die Ewoks sind einfach zu sehr darauf ausgelegt, Spielzeug zu verkaufen, zu unglaubwürdig erscheint ihr Sieg über das Imperium. Wenn „Return of the Jedi“ allerdings zur Hochform aufläuft, dann richtig. Besonders im dritten Akt liefert Episode VI einige der besten Szenen und Momente der OT, wenn nicht des gesamten Franchise, sei es das finale Duell zwischen Luke und Vader, jede Szene mit Ian McDiamirds Palpatine oder die gesamte Raumschlacht. „Return of the Jedi“ ist sicher kein perfektes, aber ein würdiges Finale der OT, an dem sich jedes der beiden anderen Gegenstücke messen muss. Eines hat es geschafft, Episode VI in meinen Augen zu übertreffen, das andere ist kläglich am Versuch gescheitert.

Platz 2: Revenge of the Sith

Es dürfte niemanden überraschen, dass Episode III in meinem Ranking so gut abschneidet, schließlich habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr ich diesen Film liebe. „Revenge of the Sith“ erzählt in meinen Augen die größte und ambitionierteste Geschichte der Saga, wenn auch nicht immer konsequent und funktionierend. Anakins Entscheidungen sind nicht immer ganz nachvollziehbar, letzten Endes verfällt er der Dunklen Seite doch ein wenig abrupt und manche Dialoge, speziell wenn sie von Anakin und Padmé geführt werden, sind immer noch nah an der Schmerzgrenze. Trotzdem: Hier wird „Space Opera“ wörtlich genommen. George Lucas liefert eine große Tragödie, den Fall eines Helden, den Sturz der Republik, den Aufstieg des Imperiums. Als er diesen Film drehte, war er sich ziemlich sicher, dass es sein letzter Star-Wars-Film werden würde, und das merkt man auch, denn hier schöpft er noch einmal aus den Vollen, beginnt mit einer Raumschlacht, die die aus Episode VI vielleicht nicht übertrifft, aber doch zumindest nah an sie herankommt, und beendet das Ganze mit einem epischen Parallel-Duel sowie einigen der eindringlichsten visuellen Momente des Franchise. Und den Ian McDiamird-Faktor sollte man ebenfalls nicht unterschätzen. Bisher hat er in diesem Ranking keine Rolle gespielt, schließlich sind die Plätze 11 und 10 Filme, in denen er eine zwar untergeordnete, aber doch äußerst prominente Rolle spielt. Aber „Revenge of the Sith“ ist ohne Wenn und Aber Darth Sidious‘ Film, die große Bühne für Ian McDiamird – und McDiamird liefert. „Revenge of the Sith“ könnte man darüber hinaus als meinen Go-To-Star-Wars-Film bezeichnen – wann immer ich Lust auf eine Prise Star Wars habe, eine halbe Stunde in der weit, weit entfernten Galaxis, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit zur Episode-III-BluRay greifen. Gerade im Vergleich zu den Sequels möchte ich noch einmal feststellen: Ich ziehe einen Film, der eine gute Geschichte suboptimal erzählt einem Film vor, der eine nicht-Geschichte gut erzählt.

Platz 1: The Empire Strikes Back

Das wiederum ist nun wirklich keine kontroverse Wahl, Episode V gilt gemeinhin als bester Star-Wars-Film – und das aus gutem Grund. Nach Episode IV hätte man das Franchise auf viele Arten fortsetzen können. Lucas hätte auch eine James-Bond- oder Indiana-Jones-artige Filmserie daraus machen können; die Helden erleben in jedem Film ein neues, nur marginal mit dem letzten Teil verknüpftes Abenteuer. Stattdessen machte „The Empire Strikes Back“ Star Wars zur Saga. Wenn es einen Film des Franchise gibt, der an der Perfektion kratzt, dann ist es dieser. Irvin Kershners Leistung ist mit Abstand die beste Regie-Arbeit des Franchise, hier passt alles. Wo Richard Marquand bei „Return of the Jedi“ eher Erfüllungsgehilfe war, setzte Kershner Akzente, während Lucas sich primär darum kümmerte, ihm den Rücken freizuhalten. Und wo man bei jedem anderen Star-Wars-Film Abstriche machen muss, ist das bei „Empire“ schlicht nicht nötig. Episode V ist qualitativ und strukturell ähnlich konsistent wie Episode IV, aber auf einem deutlich höheren Niveau. Diese vielleicht beste aller Fortsetzungen nutzt den Umstand, dass es sich um ein Sequel handelt, vollständig aus und arbeitet sich in die Figuren und ihre Beziehungen deutlich stärker ein. Auf jeder Ebene wird es für die Charaktere persönlich – wo es zuvor nur eine vage Feindschaft zwischen Vader und den Helden gab, hat am Ende dieses Films jeder ein auf gewisse Weise fast schon intimes Verhältnis zu dem Sith-Lord. „The Empire Strikes Back“ ist, um es kurz zu machen, nach wie vor die Messlatte, an der jeder andere Star-Wars-Film gemessen wird. Dass es nach so vielen Jahren immer noch keiner geschafft hat, ihn zu übertreffen, ist wohl allein schon aussagekräftig genug.

The Rise of Skywalker: Expanded Edition

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Werfen wir doch noch einmal einen Blick auf „The Rise of Skywalker“. Einige Monate sind seit dem Kinostart vergangen und viele der Fragen, die der Film aufgeworfen hat, wurden inzwischen beantwortet, primär durch die Romanadaption des Films von Rae Carson – wie schon bei „The Last Jedi“ als „Expanded Edition“ bezeichnet, was natürlich zu gewissen Erwartungen führt. Das Feld der Romanadaptionen in diesem Franchise deckt das komplette Spektrum ab. Auf der einen Seite hätten wir da beispielsweise „The Force Awakens“ von Alan Dean Foster, bei dem es sich um eine ebenso uninspirierte wie uninteressante Prosafassung des Drehbuchs handelt, die so gut wie keinen Mehrwehrt bietet. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich Matthew Stovers „Revenge of the Sith“, ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht und in meinen Augen nach wie vor das beste Star-Wars-Medium ist, weil es alles beinhaltet, was Star Wars ausmacht und sein kann. Nebenbei bemerkt: Matthew Stover hat gewissermaßen Baby Yoda prophezeit. Aber das nur am Rande.

Rae Carson ist eine interessante Wahl als Autorin für diesen Roman, da sie recht wenig Star-Wars-Vorerfahrung hat, bis zu „The Rise of Skywalker“ hatte sie lediglich zwei Kurzgeschichten („The Red One“ in „A Certain Point of View“ und „Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing“ in „Canto Bight“) sowie einen Jugendroman („Most Wanted“, ein Tie-In zu „Solo: A Star Wars Story“) verfasst. Im Gegensatz dazu waren Alan Dean Foster und Pablo Hidalgo, die Autoren der anderen beiden Sequel-Trilogie-Romane, relativ naheliegende Wahlen; Ersterer verfasste bereits den Roman zu Episode IV, während Letzterer Teil der Lucasfilm Story Group ist und ohnehin als Lore- und Kontinuitätsguru gilt. Auf der Skala zwischen „The Force Awakens“ und „Revenge of the Sith“ liegt Carsons Arbeit in etwa in der Mitte – sie ist von Fosters dröger, spannungsarmer Prosa ebenso weit entfernt wie von dem Franchise-definierenden Meilenstein, den Stover uns geschenkt hat. Vor allem im Kontext des Films kann diese Adaption als solide bezeichnet werden. Viele Schwächen kommen natürlich von der Vorlage – hier hatte Stover einen deutlich dankbareren Job, da „Revenge of the Sith“ eigentlich eine sehr gut Geschichte erzählt, die lediglich in der filmischen Umsetzung etwas holprig ist. „The Rise of Skywalker“ dagegen schafft es, gleichzeitig zu viel und zu wenig Handlung zu haben, Wendung reiht sich an Wendung, ohne dass es einen tieferen Sinn gäbe, und der eigentliche Plot des Films ist die Suche nach einem MacGuffin, das zu einem MacGuffin führt, welches wiederum zu einem MacGuffin führt. Daran kann Carson nichts ändern. Auch ist fraglich, ob man sie für die Antworten verantwortlich machen kann, die dieser Roman gibt. Tatsächlich werden die meisten Fragen, die rund um Palpatine und seine Rückkehr kreisten, beantwortet. Wir erfahren, dass sich sein Geist tatsächlich in einem Klonkörper befindet, der allerdings nur suboptimal dazu geeignet ist, diese mächtige Essenz zu halten – ganz wie in „Dark Empire“. Auch Reys Herkunft wird genauer beleuchtet, nachdem erst einmal eifrig spekuliert wurde, wer denn nun ihre Großmutter sein könnte. Wir erfahren, dass ihr nach wie vor namenloser Vater, im Film dargestellt von Billy Howle, nicht wirklich Palpatines Sohn ist, sondern ein nicht-identischer Klon, der über keinerlei Machtbegabung verfügt, aber ansonsten, anders als die Klonkörper, die Sidious nach seinem Ableben auf dem Zweiten Todesstern bewohnt, ein voll funktionsfähiger Mensch ist. Er ist also auf dieselbe Art und Weise Palpatines Sohn, wie Boba Jango Fetts Sohn ist. Rein biologisch betrachtet ist Rey damit nicht Palpatines Enkelin, sondern seine Tochter. Ob diese Antworten irgendjemanden zufrieden stellen, ist fraglich, aber es ist ebenso fraglich, ob sie von Carson selbst kommen; wahrscheinlicher ist, dass sie entweder von J. J. Abrams und Chris Terrio oder von der Story Group stammen.

Wie dem auch sei, für die Inhalte kann man Carson beim besten Willen nicht verantwortlich machen. Ihr Stil ist in jedem Fall sehr angenehm und flüssig, gerade im Vergleich zum Episode-VII-Roman ist das eine massive Verbesserung. Auch was die internen Prozesse der Charaktere angeht leistet Carson durchaus gute Arbeit. Gerade die zugegebenermaßen eher spärlichen Passagen des Romans, in denen sie dazu kommt, die Gedanken und Gefühlswelten der Figuren etwas ausgiebiger zu erforschen, gehören mit zu den stärksten und schaffen es, das Personal zumindest ein wenig plastischer zu zeichnen. Alles in allem ist Carsons Roman definitiv die bessere Version der Geschichte – das Tempo ist zwar nach wie vor hoch, aber dennoch nicht ganz so halsbrecherisch wie beim Film. Zusätzlich hat Carson die Struktur ein wenig geändert, was ebenfalls nicht schadet; so bekommt das Konstrukt immerhin hier und da ein wenig Raum zum Atmen. Gerade was Leia Organa angeht, hat Carson natürlich den Vorteil, nicht auf einige wenige Szenen angewiesen zu sein, stattdessen kann sie den Abschied von dieser Figur ausführlicher und angemessener gestalten.

Definitiv empfehlenswert ist die englische Hörbuchfassung, die bei Audible zu finden ist – so habe ich den Roman konsumiert. Eingesprochen wurde das Hörbuch von Marc Thompson, einem absoluten Star-Wars-Veteranen, der sowohl im Legends- als auch im Kanon-Bereich eine große Zahl an Romanen interpretiert hat und sein Handwerk exzellent versteht. Gerade die Stimmen der Figuren bzw. ihrer Schauspieler trifft Thompson wirklich ausgezeichnet, ohne dass sie zur Parodie verkommen, da er viel über Tonfall und Sprachduktus arbeitet, anstatt einfach nur simpel zu imitieren. Besonders beeindruckend sind Thompsons Versionen von Palpatine und Leia.

Fazit: „The Rise of Skywalker: Expanded Edition“ ist zwar kein Meisterwerk wie Matthew Stovers Episode-III-Adaption, aber ein durchaus solider Filmroman. An der uninspirierten Handlung und den sonstigen Inhalten kann Carson freilich nichts ändern, aber immerhin gelingt es ihr, die Figuren etwas plastischer zu zeichnen und die Struktur zu entzerren. All jene, denen Episode IX tatsächlich gefallen hat, sollten sich Carsons Version der Geschichte definitiv zu Gemüte führen. Ansonsten wird die „Expanded Edition“ die Meinung zum Film kaum ändern, aber sie gibt zumindest ein von Marc Thompson exzellent vorgelesenes, kurzweiliges Hörbuch ab.

Siehe auch:
Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker – Ausführliche Rezension
Das Erwachen der Macht
Die Rache der Sith

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Stück der Woche: Falcon Flight


Es wird Zeit, dass hier wieder mehr passiert, darum wird eine Artikelreihe reaktiviert, mit der ich vor einiger Zeit ausgesetzt habe. Beim „Stück der Woche“ wird ein bestimmtes Musikstück (meistens Filmmusik, aber nicht ausschließlich) mal mehr, mal weniger ausführlich besprochen. Den Anfang macht Falcon Flight, komponiert von John Williams, ein Stück, das zu den besten Tracks des Episode-IX-Soundtracks gehört, aber kriminellerweise nicht auf dem kommerziellen Album zu finden war. Zum Glück gab es das „For Your Consideration“-Album, das bereits vor Kinostart auf der entsprechenden Website auftauchte.

Falcon Flight untermalt die wilde Flucht und Hyperraumspringerei des Millenium Falken zu Beginnen des Films. Bereits in seinen ersten zwanzig Sekunden legt der Track einen interessanten Aufbau hin, der auf einen fulminanten Themeneinsatz vorbereitet. Und tatsächlich: Hier hören wir das Thema das Imperators, wie wir es noch nie zuvor gehört haben – ohne Chor, dafür aber in einer Action-Variation mit Blechbläserstößen, die zwar recht kurz ausfällt, dafür aber gerade für mich als Fan dieses Themas eine ordentliche Bereicherung ist. Der Einsatz des Themas untermalt das auftauchen einer Tie-Fighter-Staffel, was natürlich ein wenig fragwürdig ist, aber man kann dieses Statement als Hinweis darauf deuten, dass die Erste Ordnung nun endgültig unter der Kontrolle Darth Sidious‘ steht und jeder ihrer Einsätze letztendlich auf ihn zurückzuführen ist.

Direkt darauf folgt atemloses Actionscoring, das einmal mehr zeigt, dass Williams‘ Musik trotz des inzwischen hohen Alters des Komponisten nichts von ihrer frenetischen Energie verloren hat. Immer wieder arbeitet der Maestro darüber hinaus Fragmente des Marsches des Widerstands ein, lässt bei 0:57 die Rebellen-Fanfare erklingen und bei 1:13 folgt eine etwas verfremdete Variation von Poe Damerons Thema. Untermalt von Streicherfiguren, die den Track zusammenhalten, arbeitet Williams anschließend abermals Fragmente des Marsches des Widerstands ein und zitiert bei 1:36 sogar kurz das Falken-Action-Motiv aus „The Force Awakens“, bevor wuchtige Blechbläser für einen fulminanten Schluss des Stückes sorgen.

Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker – Soundtrack

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Track Listing:

01. Fanfare and Prologue
02. Journey to Exegol
03. The Rise of Skywalker
04. The Old Death Star
05. The Speeder Chase
06. Destiny of a Jedi
07. Anthem of Evil
08. Fleeing from Kijimi
09. We Go Together
10. Join Me
11. They Will Come
12. The Final Saber Duel
13. Battle of the Resistance
14. Approaching the Throne
15. The Force Is with You
16. Farewell
17. Reunion
18. A New Home
19. Finale

„The Rise of Skywalker“ markiert nicht nur das Ende der Skywalker-Saga, sondern auch den Abschluss einer langen, musikalischen Reise, auf die John Williams seine Zuhörer schickte. Die Star-Wars-Saga kann, denke ich, ohne Zweifel als Williams‘ Opus Magnum angesehen werden, ein neunteiliges, musikalisches Epos, das seinesgleichen sucht. Nun mag man sich fragen: Gelingt es Williams mit diesem letzten SW-Score, alle thematischen Fäden aufzugreifen, ein das Franchise umfassendes perfektes Meisterwerk abzuliefern? Die Antwort lautet ganz schlicht: Nein. Aber das sind natürlich auch etwas überzogene Erwartungen, denn der Film, zu dem er diesen Score komponierte, gibt das schlicht nicht her.

Wie schon die Musik zu „The Last Jedi“ baut der Episode-IX-Score sehr stark auf dem Material der Vorgänger auf. Während Williams mit „The Force Awakens“ eine komplett neue Ära gestalten konnten, tauchen in den beiden Folgefilmen der Sequel-Trilogie relativ wenig Elemente auf, die mitreißende neue Themen rechtfertigen würden, weshalb der Maestro sich vornehmlich darauf konzentriert, die bereits bestehenden weiterzuentwickeln und mit ihnen zu jonglieren. Dennoch gibt es natürlich auch noch in Williams‘ neuntem Score in diesem Franchise neue Leitmotive. Die beiden primären finden sich, wie schon in „The Last Jedi“, in einer gemeinsamen Suite. Diese trägt den Namen The Rise of Skywalker und stellt sowohl das, nennen wir es einmal „Skywalker-Vermächtnis-Thema“ (direkt am Anfang) als auch das neue Thema für das aus Rey, Finn und Poe bestehende Trio (ab 0:53) vor, das erst in diesem Film wirklich zusammenkommt. Beiden Melodien sind sich allerdings recht ähnlich, was den Vorteil hat, dass sie in dieser Suite sehr schön ineinander übergehen, es aber gleichzeitig schwer macht, sie auseinanderzuhalten. Beide greifen Elemente der warmen, emotionalen Themen des Franchise auf, man fühlt sich unweigerlich an die Themen für Yoda, Anakin, Rey oder Rose erinnert. Man könnte sogar durchaus argumentieren, dass es sich hierbei um die erste und zweite Phrase eines Themas handelt.

Dem dritten neuen Thema spendierte Williams ebenfalls eine Suite, Anthem of Evil. Diese Hymne des Bösen fungiert praktisch als Gegenstück zum Skywalker-Vermächtnis-Thema und könnte auch als Sith-Vermächtnis-Thema beschrieben werden. Dementsprechend ist es natürlich mit dem Thema des Imperators verwandt. Die Suite beginnt mit einem geisterhaften Chor und baut in der ersten Hälfte unheimliche Atmosphäre auf. Im zweiten Teil des Tracks wird das Thema vom Orchester übernommen und brachialer und gewalttätiger. Darüber hinaus finden sich noch einige kleinere neue Motive, beispielsweisen eines für die Ritter von Ren (Fanfare and Prologue, 1:44) oder ein szenenbezogenes Action-Motiv in The Speeder Chase, das besagten Track dominiert.

Das größte Problem bei diesen neuen Themen ist natürlich der Umstand, dass sie angesichts der vielen bereits etablierten keinen großen Eindruck hinterlassen und im Gefüge des Scores ein wenig untergehen. Die bereits bekannten Leitmotive bekommen sehr viel Platz eingeräumt, das gilt sowohl für diejenigen, die noch aus der klassischen Trilogie stammen, als auch die, die in „The Force Awakens“ etabliert wurden. Relativ abwesend sind dagegen die reinen Prequel-Themen, mir ist lediglich ein direktes Zitat aufgefallen, und dabei handelt es sich auch noch um ein eher obskures Motiv aus „Revenge of the Sith“, das gemeinhin als „Palpatine’s Seduction“ bekannt ist (Fanfare and Prologue, 2:43). Gerade im Hinblick darauf, dass dies der Abschluss der Skywalker-Saga ist, zu der die Episoden I bis III nun einmal auch gehören, finde ich es ziemlich schade, dass die Musik der Prequels abermals so übergangen wird. Damit bleibt das direkteste Zitat, neben dem oben erwähnten, das sehr merkwürdige, auf Rian Johnsons Temp Track zurückzuführende Statement von Battle of the Hereos in „The Last Jedi“. Apropos, die beiden neuen Themen aus „The Last Jedi“ für Rose und Exil-Luke sind ebenfalls nirgends zu finden – ein weiterer Mittelfinger in Richtung Johnson?

Aber sprechen wir lieber über die Themen, die tatsächlich vorkommen, und davon gibt es immer noch ziemlich viele. Dass der Film mit dem Main Title, früher einmal Lukes Thema, inzwischen aber das Thema des gesamten Franchise, eröffnet wird, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Auch im Film finden sich einige Statements, zum Beispiel in Destiny of a Jedi bei 3:40, wo Williams gleich darauf zeigt, wie gut es zum neuen Trio-Thema passt, oder in Reunion bei 0:17 – hier in einer sehr verspielten Variation zu hören; derart unbeschwert erklang es schon lange nicht mehr. Gerade die beiden Tracks Destiny of a Jedi und Reunion sind ohnehin Fundgruben für Themen der OT. In Ersterem, der Reys Ausflug nach Ahch-To untermalt, erklingen in kurzer Reihenfolge das Machttehma (0:43 und 2:50), Prinzessin Leias Thema (3:15) und Yodas Thema (4:22) – Letzteres nicht völlig passend, aber da Lukes Machtgeist in Yoda-Manier seinen X-Wing aus dem Wasser hebt, kann man das durchgehen lassen. Und damit es nicht zum reinen Nostalgie-Fest ausartet, mischt Williams auch Reys Thema und die Anthem of Evil mit ins Stück.

Reunion ist recht ähnlich, wenn auch insgesamt triumphaler; auf den Einsatz des Main Title folgt das Machtthema (0:28), Reys Thema (1:01), Yodas Thema (1:17, dieses Mal wirklich ohne Kontext), nochmal Reys (2:19), das Luke/Leia-Thema aus „Return of the Jedi“ (2:40) und das Trio-Thema (3:25). Insgesamt ist das Machtthema auch weiterhin stark vertreten, wenn auch nicht ganz so überdominant wie in „The Last Jedi“, und erklingt beispielsweise auch in We Go Togehter (1:45; in diesem Track wird auch das Trio-Thema schön ausgebaut) oder in The Force Is With You (2:41).

Für mich besonders interessant sind natürlich die Themen für die Dunkle Seite der Macht: Sowohl der Imperiale Marsch als auch das Thema das Imperators hatten in der Sequel-Trilogie Gastauftritte, machten sich bislang aber relativ rar. Mit Darth Sidious‘ Rückkehr sieht das allerdings nun anders aus. In Journey to Exegol ist das kräftigste Statement des Marsches seit dem Ende von „Attack of the Clones“ zu hören (man achte vor allem auf den vorzüglichen Einsatz der donnernden Pauken, 1:55), während in The Old Death Star ab 1:03 eine eher kontemplative Variation erklingt, die eine der dämlichsten Szenen des Films untermalt. Das Thema des großen Überschurken der Skywalker-Saga feiert seinen Einstand bereits im Eröffnungstrack, Fanfare and Prologue, in einer wunderbar unheimlichen Variation, in der finstere Holzbläser und Streicher uns mitteilen, dass Darth Sidious zwar gerade etwas untot, aber ansonsten ziemlich aktiv ist. Eine deutlich potentere Version dieses Leitmotivs erklingt in The Force Is with You bei 2:10, als Palpatine seinen ganzen Zorn entfesselt.

Was die Themen der neuen Trilogie angeht, sind vor allem Reys Thema und der Marsch des Widerstands dominant – Ersteres taucht tatsächlich oft in Kombination mit bzw. in unmittelbarer Umgebung des Machtthemas auf, auch in den beiden bereits erwähnten Tracks We Go Togehter und The Force Is With You. Eine recht bedrückte Variation findet sich außerdem in Approaching the Throne (1:15). Der Marsch des Widerstands erhält seinen großen Auftritt in They Will Come, in dem er auf sehr schöne Art und Weise mit dem Skywalker-Vermächtnis-Thema agiert. Auch das eng mit dem Marsch verwandte Poe-Dameron-Thema darf in Battle of the Resistance noch einmal glänzen (0:57).

Die mit Abstand interessanteste Metamorphose macht jedoch Kylo Rens Thema durch. Da Kylo Ren bzw. Ben Solo einen Redemption-Arc durchlebt, verändert sich auch sein Thema im Verlauf des Films ordentlich. Noch in Journey to Exegol hören wir es in alter, brutaler Pracht (1:02), doch schon in Fleeing from Kijimi (direkt am Anfang und bei 2:05) deuten sich Unsicherheiten an, auch wenn die Präsenz des sekundären Kylo-Themas noch immer auf seine Zugehörigkeit zur Dunklen Seite hindeutet (0:30). In The Final Sabre Duel kommt es zu einer umfassenden Auseinandersetzung zwischen dem Ren-Thema und Reys Leitmotiv – das Resultat ist letztendlich Kylos Rückkehr zum Licht. Ab diesem Zeitpunkt erklingt die Ben-Solo-Variation dieses Themas – und damit kommen wir auch gleich zum größten Problem des Albums: Wie so oft fehlt essentielles Material. Die Ben-Solo-Variation des Kylo-Ren-Themas ist beispielsweise nur ein einziges Mal zu hören, in Farewell bei der Minutenmarke, und das, obwohl sich im Finale des Films einige markante Einsätze finden.

Dieser Umstand erstreckt sich auf viele weitere, äußerst wichtige Einsätze von Themen, gerade was das Thema des Imperators und den Imperialen Marsch angeht (da diese beiden zu meinen Favoriten gehören, ist das natürlich besonders frustrierend). Immerhin gibt es noch das For-Your-Consideration-Album, das zumindest ein wenig Abhilfe schafft und unter anderem den grandiosen Track Falcon Flight enthält, bei dem es sich um eines der dynamischsten Action-Stück des Episode-IX-Scores, ach, was sage ich, der gesamten Sequel-Trilogie handelt – unter anderem beinhaltete es eine dekonstruierte Version des Marsches des Widerstands und das Sidious-Thema im Action-Setting. Wer auch immer beschlossen hat, diesen Track nicht mit auf das kommerzielle Album zu nehmen, gehört mit Machtblitzen gegrillt.

Leider erstreckt sich auch ein Problem, mit dem bereits der Last-Jedi-Score zu kämpfen hatte, auf diesen Soundtrack: Das eine oder andere Mal wird Musik aus den vorherigen Filmen zu unvariiert übernommen. Ja, die Binary-Sunset-Variation des Machtthemas ist grandios, aber wir haben sie schon so oft gehört, und auch die Einsätze von Yodas-Thema in diesem Score scheinen direkt der Suite des Episode-V-Albums entnommen. Und schließlich hätten wir da noch die End-Credits-Suite, die leider kaum den vorliegenden Film repräsentiert, sondern mehr ein Best-of-Medley aus OT- und ST-Themen ist. Insgesamt wird man oft das Gefühl nicht los, dass dieser Score in vielerlei Hinsicht eine verpasste Chance ist, auch was noch stärkere leitmotivische Verknüpfung angeht. So komponierte Williams die Themen der Sequels sehr „offen“, was besonders auf Reys Thema zutrifft; es finden sich Verknüpfungen zum Machtthema, zu Kylo Rens Thema, Yodas Thema und ja, auch Palpatines Thema (das Kernmotiv von Reys Thema und das Thema das Imperators beginnen mit denselben drei Noten). Wusste John Williams schon 2015, dass Rey Palpatines Enkelin ist? Sicher nicht, denn das war nicht von Anfang an geplant. Stattdessen legte er ihr Thema so an, dass es fest im „Star-Wars-Sound“ verankert war und es ihm möglich sein würde, es in alle Richtungen zu entwickeln. Nachdem diese Grundlage schon vorhanden war, hätte es sich angeboten, damit in „The Rise of Skywalker“ noch mehr zu machen, aber, zumindest soweit ich gehört habe, passiert da nichts.

Aber das ist letztendlich Meckern auf sehr hohem Niveau. Williams‘ Fähigkeiten, sein Jonglieren mit den unterschiedlichen Themen und seine meisterhaft Beherrschung des Orchesters sind trotz dieser Schönheitsfehler über jeden Zweifel erhaben – dafür sorgen schon allein die ebenso mitreißenden wie detailliert orchestrierten Action-Tracks The Speeder Chase oder Battle of the Resistance – besonderes Letzterer führt den Geist des grandiosen Scherzo for X-Wings aus „The Force Awakens“ fort.

Fazit: „The Rise of Skywalker“ ist ein Stück weit eine verpasste Gelegenheit, da es sich dabei „nur“ um einen ausgezeichneten, leitmotivisch vielseitigen Star-Wars-Score handelt und leider nicht um das SW-Äquivalent zu Shores „The Return of the King“. Für den letzten Score der Skywalker-Saga – und natürlich Williams‘ letzten Star-Wars-Soundtrack – hätte ich mir durchaus noch mehr gewünscht, gleichzeitig weiß ich jedoch zu schätzen, was ich bekommen habe. Zum einen muss auch ein John Williams mit dem Film und den Vorgaben, die er von Studio und Regisseur bekommt, arbeiten und zum anderen ist „The Rise of Skywalker“ vielleicht nicht DER Star-Wars-Soundtrack schlechthin, aber was Williams hier noch einmal auf die Beine gestellt hat, insbesondere in seinem Alter, ist in höchstem Maße beeindruckend.

Siehe auch:
Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker – Ausführliche Rezension

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Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker – Ausführliche Rezension

Volle Ladung Spoiler!
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Da ist es also, das Ende einer Ära, der Abschluss der Skywalker-Saga, der neunte Film der Heptalogie, der angeblich alle Fäden der Original-Trilogie, der Prequels und der Sequels aufgreifen und zusammenführen soll. Wenn ich ihn mit einem Wort beschreibend müsste, wäre es „bieder“; sowohl bieder in der Art und Weise, wie die Handlung verläuft als auch, mehr noch als „The Force Awakens“, anbiedernd. Im Grunde ist „The Rise of Skywalker“ das Star-Wars-Gegenstück zu Warners „Justice League“: Der Versuch einer Franchise-Korrektur mit der Brechstange und als solcher ein zutiefst unwürdiger Abschluss dieser Filmreihe.

Handlung
Kylo Ren (Adam Driver) ist nach wie vor der Anführer der Ersten Ordnung, doch er fühlt sich bedroht, denn wie es scheint, ist Imperator Palpatine (Ian McDiamird) zurück. Ren spürt ihn schließlich auch auf dem Planeten Exegol auf, wo der Anführer der Ersten Ordnung tatsächlich auf den Sith-Lord trifft, der ihm noch größere Macht und eine geheime Flotte verspricht, wenn er es schafft, Rey (Daisy Ridley) zu töten. Diese trainiert derweil unter General Leia (Carrie Fisher), um ihre Fähigkeiten zu verfeinern. Der Widerstand erfährt schließlich auch von Palpatines Rückkehr. Gemeinsam mit Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (John Boyega), Chewbacca (Joonas Suotamo), C-3PO (Anthony Daniels) und BB8 (as himself) macht sie sich auf, alte Sith-Artefakte zu finden, die ihren den Weg zum Imperator weisen, damit dieser die Galaxis nicht ein weiteres Mal mit Tod und Zerstörung überziehen kann. Sie hetzen durch die Galaxis, treffen dabei alte Verbündete der Rebellion wie Lando Calrissian (Billy Dee Williams) und neue Kameraden wie Jannah (Naomi Ackie) oder Zorri Bliss (Keri Russel). Im Verlauf dieses Abenteuers hat Rey immer wieder Visionen, setzt einmal „aus Versehen“ Machtblitze ein und erfährt schließlich, dass sie tatsächlich Palpatines Enkelin ist. In den Trümmern des Zweiten Todessterns, wo sich der letzte Hinweis auf Palpatines‘ Verbleib verbirgt, kommt es schließlich auch zum finalen Zusammentreffen zwischen Rey und Kylo Ren, bei dem sich entscheidet, wer auf welcher Seite steht…

Konzeption und Struktur: Korrektur mit der Brechstange
Bereits vor einiger Zeit verfasste ich einen ausführlichen Artikel über die Konzeption der Sequel-Trilogie. Die Essenz: Die Sequels folgen keinem erzählerischen Konzept, sondern sind reaktionär; jeder Film stellt eine Antithese zum Vorgänger dar. „The Force Awakens“ ist die Antithese zu den Prequels, „The Last Jedi“ ist die Antithese zu Episode VII und – immerhin diesbezüglich bleibt sich Disney treu – „The Rise of Skywalker“ ist die Antithese zu Episode VIII. Hier zeigt sich noch einmal das ganze Ausmaß an Planlosigkeit, mit dem Disney an die Sequels heranging, denn nun haben wir eine Trilogie, in der die beiden Regisseure konsequent gegeneinander arbeiten. Während J. J. Abrams in Interviews das übliche PR-Gesäusel von sich gab, ist doch ziemlich klar, dass viele Handlungselemente seines zweiten Star-Wars-Films ein Mittelfinger in Richtung Rian Johnson darstellen. Abrams zahlt es seinem Vorgänger mit gleicher Münze heim und negiert nonchalant dessen Entscheidungen. Ich bin inzwischen zu der Meinung gelang, dass Abrams nach „The Force Awakens“ durchaus Ideen für Episode VIII und IX hatte, die Johnson allerdings konsequent ignorierte. Mit „The Rise of Skywalker“ versucht Abrams nun, Stoff für zwei Filme in einem unterzubringen. Besonders der Anfang ist mit Exposition vollgestopft, die Handlung hüpft von Planet zu Planet und der Zuschauer wird mit Sachverhalten regelrecht beworfen. Gleichzeitig werden viele Elemente aus „The Last Jedi“ ignoriert (soweit möglich) oder geretcont, sodass Johnsons Film im Gefüge dieser Trilogie größtenteils obsolet wird.

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Von links nach rechts: Chewbacca (Joonas Suotamo), BB8, Dio, C-3P0 (Anthony Daniels), Rey (Daisy Ridley), Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (John Boyega)

Die ersten beiden Akte von „The Rise of Skywalker“ stellen den Abenteuer-Aspekt von Star Wars in den Vordergrund. In fast schon Indiana-Jones-artiger Manier jagen Rey und Co. hinter diversen MacGuffins her, was immer wieder zu Konfrontationen mit der Ersten Ordnung führt. Ich denke, diese Jagd hätte eigentlich in Episode VIII stattfinden sollen. In „The Force Awakens“ etablierte Abrams Rey, Finn und Poe als „neues Trio“, fand aber vor lauter Fanservice nicht mehr die Zeit, sie als Team interagieren zu lassen, was Johnson ebenso unterließ – Rey und Poe treffen sich das erste Mal am Ende von „The Last Jedi“. In Episode IX erfolgt nun endlich die Teambildung. Und tatsächlich – im Grunde sind diese Aspekte von „The Rise of Skywalker“ nicht übel. Abrams verstand es schon immer, gute Chemie zwischen seinen Schauspielern zu erzeugen – nach wie vor einer der Hauptgründe, weshalb sein Star-Trek-Reboot so unterhaltsam war. Dennoch kommt die Team-Dynamik zu spät und muss auch noch mit den diversen anderen Handlungsschwerpunkten konkurrieren, primär dem Verhältnis zwischen Rey und Kylo Ren, die nach wie vor per Force-Skype kommunizieren.

Ich persönlich denke nicht, dass Palpatines Rückkehr in irgendeiner Form von Anfang an vorgesehen war – sie wird in keinster Weise in den Episoden VII oder VIII angedeutet und zumindest Colin Trevorrow, der ja immerhin ursprünglich bei Episode IX Regie führen sollte, wusste nichts davon. Viel eher scheint Palpatine eine Notlösung zu sein und die Rolle auszufüllen, die Snoke in einer hypothetischen Abrams-Trilogie innegehabt hätte; vielleicht wäre er tatsächlich Darth Plagueis gewesen, vielleicht hätte ihn auch ein anderes uraltes Geheimnis der Dunklen Seite umgeben. Da Kylo Ren nun einmal nicht zum Oberschurken taugt und ihn nach seinen vielen Niederlagen niemand als solchen ernst nehmen würde, musste eben der gute alte Darth Sidious noch einmal herhalten.

Wie auch immer, letztendlich sind das alles Spekulationen, die finale Schuld am Scheitern dieses Films und der gesamten Sequel-Trilogie liegt weder bei Abrams noch bei Johnson, sondern bei Disney, da der Konzern es überhaupt erst ermöglicht hat. Abrams hatte wirklich eine undankbare Aufgabe, da Rian Johnson ihm kaum etwas Brauchbares hinterlassen hatte, um diese Trilogie abzuschließen und er zugleich versuchen sollte, der Kritik an „The Last Jedi“ zu begegnen. Leider machten es sich Abrams und Co-Drehbuchautor Chris Terrio (der seinerseits bereits an „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Justice League“ beteiligt war und damit schon ausreichend Erfahrung im Franchise-gegen-die-Wand-fahren sammeln konnte), viel zu leicht und versuchten den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, in dem sie die beliebtesten bzw. abgeschmacktesten Fan-Theorien in ihre Handlung einbauten. Das sorgt dafür, dass der Plotverlauf selbst dann extrem vorhersehbar ist, wenn man sich von den ganzen Leaks ferngehalten hat.

Die alte Nemesis: Plot Convinience
Es ist immer eine Herausforderung für Autoren, den Plot und die Figuren dorthin zu bringen, wo man sie haben möchte. Abrams hatte in seinen Filmen diesbezüglich schon immer gewisse Probleme: Kirk wird in „Star Trek“ ganz zufällig auf dem Planeten ausgesetzt, auf dem sich momentan nicht nur Scotty, sondern auch Spock senior befinden. Auch in Star Wars nimmt das immer wieder problematisch Ausmaße an (besonders in Episode II), aber dieses Franchise hat immerhin eine bessere Ausrede als so manch anderes Werk: Es ist der Wille der Macht, dass sich bestimmte Figuren begegnen oder zu einem gewissen Zeitpunkt an einem gewissen Ort aufhalten. Mehr als ein SW-Autor hat diesen Umstand mal mehr, mal weniger clever zu nutzen gewusst. Aber irgendwann ist der Bogen einfach überspannt. Für mich war er das schon in „The Last Jedi“, aber „The Rise of Skywalker“ setzt da noch einmal ordentlich einen drauf. Abrams und Terrio legen hier wirklich beachtliche handlungstechnische Verrenkungen hin und stolpern dabei über ihre eigenen Plottwists. Vieles wird lediglich in Halbsätzen kurz angedeutet oder schlicht übergangen. Woher kommt Snoke? Aus dem Reagenzglas, offenbar gibt es noch mehr von der Sorte. Die Ritter von Ren? Sind einfach da und machen nicht viel. Banaler hätte man diese Aspekte kaum auflösen können.

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Kylo Ren alias Ben Solo (Adam Driver)

Das Elend beginnt bereits beim ersten Satz des Opening Crawl: „The dead speak! The galaxy has heard a mysterious broadcast, a threat of REVENGE in the sinister voice of the late EMPEROR PALPATINE.” Ich hatte erwartet, dass die Rückkehr des Imperators etwas ist, das die Figuren entdecken müssen, aber nein, dieser Teil wird direkt übersprungen, alle wissen von Anfang an, dass Palpatine zurück ist, einfach um Filmzeit zu sparen. Bereits hier beginnt die Handlung auseinanderzufallen. Die gesamte Schnitzeljagd ist zwar der unterhaltsamste Teil des Films, da die besuchten Planeten immerhin interessanter sind als die Welten der bisherigen beiden Sequels, aber auch hier fragt man sich: Wozu, wer hat die ganzen Hinweise versteckt, wie kommt eine Nachricht auf einen uralten Sith-Dolch, den man dann in einem bestimmten Winkel vor die Todessterntrümmer halten muss, um das Rätsel zu lösen – Todessterntrümmer wohlgemerkt, die an dieser Stelle noch nicht allzu lange herumliegen? Hat Palpatine Snoke durch die Galaxis geschickt, damit dieser Hinweise verteilt, für den Fall, dass seine Enkelin irgendwann einmal zu ihm kommen muss? „The Rise of Skywalker“ hat keine Plotlöcher, das sind Plotkrater, durch die man mit einem Sternenzerstörer fliegen kann.

Die Figuren
Während der Widerstand am Ende von „The Last Jedi“ drastisch reduziert wurde, trifft das auf den eigentlichen Cast der Sequels nicht zu, sodass es bereits am Anfang von „The Rise of Skywalker“ eine ganze Reihe relevanter Figuren gibt, deren Zahl durch Neuzugänge und Rückkehrer noch weiter anwächst. Beginnen wir mit den Neulingen, primär sind das Keri Russel als Zorri Bliss und Naomie Ackie als Jannah, die beide als Unterstützung für die Helden fungieren, deren Auftauchen aber ebenso inkonsequent wie unnötig ist. Bei Zorri handelt es sich um eine alte Bekannte von Poe Dameron, die ihn aus früheren, zwielichtigeren Tagen kennt, während Letztere denselben Hintergrund hat wie Finn; sie ist eine Deserteurin der Ersten Ordnung. Beide Figuren hätten im Zusammenspiel mit Poe respektive Finn interessant sein können, aber sie haben so wenig Leinwandzeit und steuern so wenig zur Handlung bei, dass man sie wohl besser geschnitten hätte. Auch Billy Dee Williams‘ Rückkehr als Lando Calrissian ist kaum mehr als ein Fan-Service-Cameo. Etwas dankbarer ist die Rolle des Allegiant General Pryde auf der Seite der Ersten Ordnung, dargestellte von Richard E. Grant – endlich einmal ein wirklich kompetenter Befehlshaber der Ersten Ordnung. Ähnlich wie den Neuzugängen geht es vielen etablierten Figuren. Rose Tico (Kelly-Marie Tran) etwa, immerhin eine recht dominante Figur in „The Last Jedi“, hat, ähnlich wie Lando, kaum mehr als einen Cameo-Auftritt und auch General Hux (Domnhall Gleeson) ergeht es nicht viel besser – dieses Mal darf er aus Hass auf Kylo Ren für den Widerstand den Maulwurf spielen, nur um dann von Pryde, der sich nicht bescheißen lässt, erschossen zu werden – wie gesagt, mit Abstand der fähigste Offizier innerhalb der Ersten Ordnung.

Die Leia-Situation muss freilich noch gesondert angesprochen werden, bevor wir zu den Hauptfiguren kommen. Nach Carrie Fishers tragischem Tod stand man bei Disney natürlich vor einem Problem, da Episode IX eigentlich Leias Film hätte werden sollen, so wie Episode VII Hans und Episode VIII Lukes Film war. Idealerweise hätte man bereits im Zuge von „The Last Jedi“ reagiert, schließlich war noch ein Jahr Zeit, aber Rian Johnson und Kathleen Kennedy waren, sei es aus Pietät oder Sturheit, nicht gewillt, Leias Rolle abzuändern. Ihre Präsenz in „The Rise of Skywalker“ setzt sich primär aus Episode-VII-Szenen zusammen, die auf dem Boden des Schneideraums landeten. Dementsprechend hat sie, außer einem Grund für Kylo Rens Rückkehr zum Licht, nicht wirklich viel Substantielles zum Film beizutragen. Ich frage mich, wie ihre Rolle wohl auf jemanden wirkt, der im Vorfeld nicht weiß, dass die Szenen nicht für diesen Film gedreht wurden.

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Altes Dream-Team: Chewie (Joonas Suotamo) und Lando Calrissian (Billy Dee Williams)

Und nun zu den Kernfiguren. Lässt man Rey und Kylo Ren erst einmal außen vor, hat Poe Dameron noch die eindeutigste Entwicklung, da er nach Leias Tod in die Rolle des Anführers gedrängt wird. Auch das hätte ein interessanter Handlungsstrang werden können, wird aber in ein bis zwei kurzen Szenen abgearbeitet. Der Rest, Chewie, Finn, 3PO, sind mehr oder weniger nur als Anhängsel dabei. Allgemein fällt auf, dass in „The Rise of Skywalker“ die Dinge, die den Figuren passieren, allesamt völlig folgenlos bleiben. Finn begegnet weiteren desertierten Sturmtruppen – Abrams und Terrio machen nichts damit. 3POs Gedächtnis muss gelöscht werden – macht nichts, R2 hat während „The Force Awakens“ eine Notfallspeicherung vorgenommen. Chewie wird von Rey versehentlich getötet – natürlich hat er überlebt, was dem Zuschauer in der nächsten Szene mitgeteilt wird. Alles bleibt ohne Konsequenzen. Mehr noch, wegen des gehetzten Tempos im Film wird die emotionale Wirkung, die manche Szene hätte haben können, gnadenlos unterbunden, weil der Zuschauer schon wieder mit irgendetwas anderem bombardiert wird. „The Rise of Skywalker“ kommt kaum zur Ruhe, um wirkliche Charaktermomente zuzulassen. Um einmal „Revenge of the Sith“ zum Vergleich heranzuziehen: Auch die dritte Episode musste eine Menge leisten, Untergang der Republik und Jedi, Aufstieg des Imperiums, Anakins Fall zur Dunklen Seite usw., dennoch gelang es diesem Film, seinen Figuren etwas Raum zum „atmen“ zu geben. Ich will nicht behaupten, dass alle Charaktermomente funktionieren, aber wenn sie funktionieren, gehören sie mit zu den besten der Saga. Die Art und Weise, wie „The Rise of Skywalker“ strukturiert und geschnitten ist, hätte die Opern-Szene etwa kaum zugelassen.

Und schließlich: Rey und Kylo Ren/Ben Solo. Das Verhältnis zwischen diesen beiden kann man getrost als Herzstück der Sequel-Trilogie bezeichnen. Rey muss sich in diesem Film mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sie Palpatines Enkelin ist – eine Fan-Theorie, die seit „The Force Awakens“ ihre Runden macht und schon damals reichlich dämlich war. Die Enthüllung, dass Rey ein „Niemand“ ist, war tatsächlich eines der Elemente, das mir in „The Last Jedi“ tatsächlich gefallen hat – mir sind in Star Wars sowieso schon zu viele Leute miteinander verwandt und verschwägert. Diese Enthüllung soll wohl Reys raschen Machtzuwachs erklären und befeuert zugleich den Plan des Imperators (dazu später mehr), wirft aber mehr Fragen und Probleme auf, als dadurch beantwortet und gelöst werden – ganz davon abgesehen, dass das alles fürchterlich erzwungen und plakativ daherkommt. Da wäre es noch besser gewesen, wenn Rey stattdessen eine spezielle Züchtung des Imperators, ein Sith-Experiment oder ähnliches gewesen wäre – damit hätte man eine interessante Geschichte erzählen können.

Kylo Ren tritt derweil ein weiteres Mal in die Fußstapfen seines Großvaters und kehrt am Ende des Films zur Hellen Seite zurück – dieses Mal nicht, um einen Todesfall in der Familie zu verhindern, sondern weil er bereits geschehen ist. Insgesamt ist Ben Solos Charakterentwicklung in diesem Film noch am überzeugendsten, was schlich an Adam Driver liegt und natürlich auch daran, dass diese Entwicklung die klarste ist – leider ist das nur verhaltenes Lob, denn wirklich gut ist sie nicht, nur besser als die anderen. Ein Ben Solo, der am Ende des Films für seine Taten wirklich geradestehen muss und durch den Tod nicht den „einfachen“ Ausweg bekommt, das wäre eine wirklich faszinierende Entwicklung gewesen.

Darth Sidious
Palpatine, der Imperator, Darth Sidious – nicht nur meine Lieblingsfigur in der Star-Wars-Saga, sondern wohl auch der Charakter, dem die Prequels nicht nur nicht geschadet haben, nein, er hat sogar von ihnen profitiert. In „Return of the Jedi“ entsprach er dem Archetypen des bösen Zauberers und Overlords. Zwar gewinnt er in den Episoden I bis III nicht wirklich an Tiefe und wird eine tragische oder gar nachvollziehbare Figur, aber er gewinnt an Facetten, wir sehen ihn als Meistermanipulator, der eine Demokratie stürzt und eine Diktatur errichtet. Obwohl die Rückkehr Imperator Palpatines in „The Rise of Skywalker“ nach Verzweiflung riecht, freute und freue ich mich, dass Ian McDiamird so noch einmal die Gelegenheit bekommt, in die ikonische Kutte zu schlüpfen. Unabhängig von allem anderen: McDiamird IST einfach Darth Sidious, so unausgegoren seine Rolle in diesem Film auch sein mag, ihm kann man definitiv keinen Vorwurf machen, mit dem, was man ihm gibt, stellt er das bestmögliche an und erfüllt jeden seiner Sätze mit abgrundtief böser Gravitas. Nun stellt sich die Frage, was Palpatine als neuer alter Oberschurke im Trilogie-Finale so anstellt. Wie sieht sein Masterplan dieses Mal aus? Leider entspricht er ganz dem Niveau der restlichen Handlung des Films: Zu Beginn lockt er Kylo Ren zu sich, zieht sich buchstäblich eine Flotte aus dem Arsch und beauftragt Kylo, Rey zu töten. Später erfahren wir allerdings, dass er Rey niemals tot sehen wollte, sondern das alles nur dazu diente, sie zu seinem Stützpunkt auf dem Sith-Planeten Exegol in den Unbekannten Regionen zu locken. Dort soll seine Enkelin ihn nach bester Sith-Tradition in all ihrem Hass niederstrecken und seinen Platz einnehmen, wobei sein Geist (sowie die Geister aller Sith (?), was auch immer es damit auf sich hat) dann auf sie übergeht. Nachdem Rey von dieser Idee allerdings nicht allzu begeistert ist, saugt Sidious die Energie aus der Machtverbindung zwischen Rey und Ben Solo, der inzwischen als Geläuterter ebenfalls zurückgekehrt ist, um so seinem leichenhaften Zustand zu entkommen und zu alter Macht zurückzukehren. Da hatte der Sith-Meister schon bessere Pläne.

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Rey (Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) kämpfen in den Trümmern des zweiten Todessterns

Ein weiteres Mal zeigt sich hier, wie wenig in den Sequels geplant war und mit welcher Nonchalance Abrams und Terrio einfach über offene Fragen hinweggehen. Tatsächlich erklärt der Film nicht, wie und warum Palpatine noch lebt… oder sagen wir besser, noch existiert, denn rein optisch befindet er sich die meiste Zeit über in einem ziemlich untoten Zustand. Der von Dominic Monaghan gespielte Resistance-Soldat Beaumont Kin erwähnt in einem Halbsatz Klone, was man wohl als Anspielung auf die Legends-Comicserie „Dark Empire“ aus den 90ern werten kann; in dieser kehrt Palpatines Geist in einem Klonkörper seiner selbst zurück und entfesselt erneut Tod und Verderben in der Galaxis – ganz ähnlich, wie er es in Episode IX tut. Es gibt tatsächlich einen Hinweis darauf, dass dem so sein könnte, denn Palpatine sieht zwar aus wie eine halb verweste Leiche, die Entstellung durch die Machtblitze, die von Mace Windus Lichtschwert auf ihn in „Revenge of the Sith“ zurückgeworfen wurden, ist jedoch nicht vorhanden. Merkwürdigerweise kehrt sie allerdings zurück, als Palpatine Kraft aus der Machtverbindung schöpft, was nicht allzu viel Sinn ergibt. Einer anderen Theorie zufolge, auf die ich in den Untiefen des Internets gestoßen bin, hat Palpatine auf dem Zweiten Todesstern eine Art Wurmloch geöffnet und ist nach Exegol entkommen; dieser Akt kostete ihn allerdings so viel Kraft, dass er Jahrzehnte brauchte, um sich halbwegs zu regenerieren. Wie dem auch sei, in einem weiteren Halbsatz wird, wie bereits erwähnt, auf höchst antiklimaktische Art und Weise eröffnet, dass Sidious hinter Snoke und damit auch hinter der Ersten Ordnung steht und Ben Solo wohl von Anfang an manipuliert hat, sowohl über Snoke (den er dann wohl ferngesteuert hat), als auch als Stimme von Vader. Auch sonst scheint mit alles um Sidious und seine Absichten recht schlecht durchdacht. Wer sind beispielsweise die ganzen vermummten Gestalten, die sich da in seinem Thronsaal herumtreiben?

Das vielleicht größte Problem bei der Sache: Abrams und Terrio wissen nicht so recht, was sie mit Palpatine anstellen sollen – die meiste Zeit über tut er das, was er auch schon in „Return of the Jedi“ tat: Er sitzt bzw. hängt rum, gibt hasserfüllten Dialog zum Besten und wirft mit Blitzen um sich. Ich bin nun wirklich kein Fan von „Star Wars Rebels“, aber diese Serie hat es geschafft, mit Sidious interessantere Dinge anzustellen als das Finale der Saga, und dort taucht der Imperator sogar fast ausschließlich als Hologramm auf. Warum präsentiert er sich Rey, die die ganze Sequel-Trilogie über verzweifelt nach Familie und Zugehörigkeit sucht, nicht als genau das und nimmt noch einmal die Gestalt des liebenswerten Großvaters an, in der er auch schon Anakin zur Dunklen Seite bekehrt hat? Dass sich Rey einem halb verwesten Leichnam nicht anschließt, kann man ihr kaum übelnehmen. Ohnehin hat man nie das Gefühl, Rey wäre auch nur eine Sekunde lange wirklich in Versuchung, sich der Dunklen Seite zu verschreiben – trotz Vision von Dark-Rey mit klappbarem Doppelklingenlichtschwert. Auch die Art und Weise, wie Palpatine letztendlich besiegt wird, wirkt unheimlich abgedroschen – schon wieder bekommt er seine eigenen Machtblitze ins Gesicht. Man fühlt sich an „Harry Potter and the Deathly Hallows“ erinnert, wo Voldemort zum widerholten Mal von seinem eigenen Todesfluch erwischt wird.

Fazit: Das Vermächtnis der Saga
Letztendlich ist das passiert, was ich vermutet habe: Die Sequel-Trilogie kann nun endgültig als gescheitert betrachtet werden, es gibt kein erzählerisches Konzept, nur ein Reagieren auf den vorherigen Film, jede Episode ist die Antithese zur vorangegangenen, die beiden verantwortlichen Regisseure arbeiten gegeneinander. Auf technischer bzw. formaler Ebene wissen gewisse Elemente, zumindest abseits des erratischen Schnitts, durchaus zu gefallen, Abrams versteht es, beeindruckende Bilder zu erzeugen, die gezeigten Planeten sind die interessantesten der Sequels und besonders die Sith-Welt Exegol und die Festung des Imperators sprechen mich ästhetisch durchaus an. Auch einige der Action Set-Pieces wissen zu gefallen, die Darsteller sind im Großen und Ganzen gut oder, im Fall von Adam Driver und Ian McDiamird, sehr gut, aber all das wiegt die Plot-, Figuren- und Konzeptionsprobleme nicht einmal ansatzweise auf. „The Rise of Skywalker“ ist ein Film des kleinsten gemeinsamen Nenners, der primär Fan-Theorien und bereits Dagewesenes neu aufwärmt.

Wie bereits erwähnt kündigte J. J. Abrams vollmundig an, hier die Fäden aller drei Trilogien zusammenzuführen – nach wie vor bleiben die Prequels allerdings das ungeliebte Stiefkind, das kaum berücksichtigt wird. Sidious zitiert sich das eine oder andere Mal selbst („The Dark Side of the Force is a pathway to many abilities some consider to be unnatural“, „Do it“), sein Sith-Erbe wird bemüht, ohne es allerdings tatsächlich mit Substanz zu füllen und am Ende, als Rey die Stimmen der toten Jedi hört, sind auch Anakin und sogar Ahsoka dabei (was freilich leicht untergeht), aber davon abgesehen bleiben die Prequels nach wie vor auf der Strecke. Die Idee des Gleichgewichts der Macht, die in „The Force Awakens“ und „The Last Jedi“ immerhin noch einmal angerissen wurde, wenn auch nur nebenbei, wird fast komplett fallengelassen, nur Anakins Machtgeiststimme erwähnt es noch und meint, Rey solle nun die Macht ins Gleichgewicht bringen, so wie er es getan hat. Da Sidious aber noch lebt, scheint das ja nicht der Fall zu sein – oder muss die Macht alle paar Jahrzehnte einfach neu justiert werden? Wie so oft hat man sich wohl auch über diesen Aspekt keine Gedanken gemacht, sondern wirft einfach nur ein Schlagwort in den Raum in der Hoffnung, das werde die Fans schon zufrieden stellen. Genau diese Einstellung ist der Grund, weshalb „The Rise of Skywalker“ als Finale der Skywalker-Saga mehr als nur ernüchternd ist. Im Internet schwirren dutzende an Fan-Idee herum, wie man dieses Finale hätte deutlich besser und runder gestalten können. Wo Disney schon die ganzen abgeschmackten Fan-Ideen eingebaut hat, warum nicht auch ein paar von den guten? Selbst als reines Finale dieser Trilogie funktioniert „The Rise of Skywalker“ nicht, weil eben mit Palpatines Rückkehr noch einmal ein völlig neues Fass aufgemacht wird. Hätte man sich bei Disney von Anfang an überlegt, welche Geschichte man mit dieser Trilogie eigentlich erzählen will und dazu einen gescheiten Fahrplan aufgestellt, hätte man sich einiges ersparen können.

 

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Prelude to Rebellion

Preludetorebellion
Es wird mal wieder Zeit für etwas Retrospektive. Blicken wir zurück in die für mich persönlich aufregendste Zeit als Star-Wars-Fan: Die Ära der Prequels. Als „The Phantom Menace“ in die Kinos kam, änderte dieser Film nicht nur die Wahrnehmung des und das Verhältnis vieler Fans zum Franchise, auch die Star-Wars-Medienlandschaft verwandelte sich nachhaltig. Das Erweiterte Universum (inzwischen Legends) hatte sich bislang entweder auf Geschichten konzentriert, die nach Episode VI, zwischen den Episoden IV bis VI oder sehr, sehr lange vor ihnen spielen – etwa die Comicreihe „Tales of the Jedi“, deren Handlung 5000 bis 4000 Jahre vor den Filmen stattfindet. Die unmittelbare Vergangenheit der weit, weit entfernten Galaxis – der Untergang der Jedi, die Klonkriege und der Auftstieg des Imperiums, wurden für die Autoren des EU zur Tabuzone erklärt, da George Lucas in den 90ern ja bereits an den Prequels werkelte. Das änderte sich, als Episode I in greifbare Nähe rückte: 1998, nur wenige Monate vor dem Kinostart, startete der Comic-Verlag Dark Horse, seit 1991 Inhaber der Star-Wars-Lizenz, eine neue Serie mit dem schlichten Titel „Star Wars“, die diese neue Ära, die die Prequels erschlossen, erforschen sollte. Besagte Serie erhielt später den Namen „Star Wars Republic“ und sollte einige der besten Star-Wars-Comics überhaupt beinhalten. In diesem Beitrag möchte ich allerdings einen Blick auf den ersten Handlungsbogen, „Prelude to Rebellion“ werfen. Mit „Prelude to Rebellion“ verbinde ich auch ein großes Ausmaß an Nostalgie, da dieser Handlungsbogen auch einer der ersten der damals vom Dino-Verlag herausgegebenen deutschen Star-Wars-Heftserie war, die für mich einen essentiellen Einstiegspunkt ins EU darstellt.

In „Prelude to Rebellion“ greifen sich Autor Jan Strnad und Zeichner Anthony Winn ein Mitglied des neu etablierten Hohen Rates der Jedi, Ki-Adi-Mundi, heraus und erzählen ein Abenteuer, das relativ kurz vor Episode I stattfindet. Der Großteil der Handlung spielt auf Ki-Adi-Mundis Heimatwelt Cerea, ein Planet, auf dem die herrschende Elite sehr konservativ und technikfeindlich ist, während die Jugend, angeheizt von fremden Agitatoren, den Aufstand probt. Zu den Aufständischen Jugendlichen gehört auch Mundis Tochter Sylvn sowie ihr Freund Maj-Odo-Nomor. Ki-Adi-Mundi selbst gehört zu den eher konservativen Kräften, die Technologie ablehnen, was ihn etwas zwiespältig erscheinen lässt, da er sich als Jedi-Ritter fortschrittlicher Technologie immer wieder bedienen muss. Bei einer Kundgebung kommt es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Maj-Odo-Nomor versehentlich einen seiner Freunde tötet und zusammen mit Slyvn verschwindet. Ki-Adi-Mundi verfolgt die Spur seiner Tochter und stößt auf eine Verschwörung, die es zum Ziel hat, die Unruhen auf Cerea zu schüren, um dort Waffen verkaufen zu können. Einer der Hauptverantwortlichen ist Ephant Mon, ein Komplize des berüchtigten Jabba the Hutt. Auf sich allein gestellt und ohne sein Lichtschwert muss Ki-Adi-Mundi die ganze Wahrheit herausfinden, um seine Tochter retten zu können…

„Prelude to Rebellion“ ist sowohl als Tie-In zu Episode I als auch in Hinblick auf die späteren beiden Prequels interessant. Man kann wohl davon ausgehen, dass Lucasfilm die inhaltlichen Informationen noch recht spärlich herausrückte, als Jan Strnad seine Skripte schrieb, denn die Story des sechsteiligen Handlungsbogen wirkt noch etwas kontextlos. Auch visuell erkennt man relativ wenig vom Stil von Episode I wieder, Anthony Winns Raumschiffe wirken beispielsweise relativ generisch – man kann über die Prequels sagen, was man will, aber sie hatten einen ziemlich distinktiven Stil, was Raumschiffdesign angeht. Erst im Verlauf der Handlung nehmen die Bezüge zu „The Phantom Menace“ zu; so wird etwa enthüllt, dass die Handelsföderation ihre Finger in irgend einer Form mit im Spiel hat, was aber relativ konsequenzlos bleibt. Jabbas Rolle als letztendlicher Oberschurke der Geschichte kann wohl auch auf seinen kleinen Cameo-Auftritt in Episode I zurückgeführt werden.

Bei der Konzeption des Jeditums in „Prelude to Rebellion“ zeigt sich, dass man sich bei Dark Horse noch an dem orientierte, was zuvor im EU gezeigt wurde, in dem Jedi weitaus autonomer agierten, weniger elitärer und zentralisierter Orden und mehr autonomes, individuelles Rittertum. Ki-Adi-Mundi lebt auf seinem Heimatplaneten, hat diverse Töchter und fünf Ehefrauen. Das wirkt gerade im Kontext von „Attack of the Clones“ äußerst merkwürdig, aber die Ehelosigkeit der Jedi wurde erst mit diesem Film etabliert. Ki-Adi-Mundis familiäre Zustände wurden im Zuge von Episode II als große Ausnahme erklärt. Da die Cereaner ein Mann-Frau-Verhältnis von 1 zu 20 haben, ist jeder männliche Cereaner für den Fortbestand der Spezies mitverantwortlich. Dennoch wurden Ki-Adi-Mundis familiäre Verhältnisse nach „Prelude to Rebellion“, von knappen Erwähnungen abgesehen, nie wieder thematisiert.

Ansonsten ist „Prelude to Rebellion“ eine relativ kleine, regional beschränkte Geschichte, die einige durchaus interessante Fragen anreißt und die alte SW-Thematik „Technik vs. Natur“ aufgreift. Diese erste Geschichte der Prequel-Ära bleibt auch insgesamt ziemlich konsequenzlos; sie ist definitiv nicht schlecht und durchaus kurzweilig, im Vergleich zu späteren Handlungsbögen der Republic-Serie verblasst „Prelude to Rebellion“ jedoch. Tatsächlich ist der interessanteste Teil die „Beilage“. In den Heften 4 bis 6 erzählt Jan Strnad, mit Unterstützung des Zeichners John Nadeau, quasi als Zugabe noch die „Entstehungsgeschichte“ Ki-Adi-Mundis und zeigt, wie dieser als Kind von der Jedi An’ya Kuro, auch bekannt als „dunkle Frau“, für den Orden rekrutiert wird, um anschließend als junger Ritter zurückzukehren. Auch diese Geschichte mit dem Titel „Vow of Justice“ passt nicht so recht zu später etablierten Gebräuchen der Jedi, da jegliche Bindung zur alten Heimatwelt abgelehnt wird, zugleich liefert sie aber eine Jugendgeschichte für Ki-Adi-Mundi, die zumindest mit „Prelude to Rebellion“ schön harmoniert.

Fazit: „Prelude to Rebellion“ ist selbst für Leser, die sehr an der Prequel-Ära interessiert sind, kein Must-Read. Dafür handelt es sich aber um einen interessanten Übergangscomic, was die Darstellung der Jedi angeht; hier werden noch Ideen und Konzepte aus dem Prä-Prequel-EU aufgegriffen, die zeigen, wie eine von Dark-Horse-Autoren gestaltete Prequel-Ära hätte aussehen können.

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Star Wars: Konzept einer Fortsetzung


Dank der D23 ist Star Wars mal wieder in aller Munde, wenn auch nicht unbedingt positiv. Zwar sieht der Trailer zu „The Mandalorian“ wirklich nicht schlecht aus – das könnte was werden – die Promotion zu „The Rise of Skywalker“ bekleckert sich jedoch nicht unbedingt mit Ruhm. Sei es der Teaser, der zur Hälfte aus alten Szenen besteht und kaum etwas offeriert außer einem Schweizer Taschenlichtschwert oder das Poster, bei dem eine Hot-Toys-Figur statt Ian McDiamirds edler Gesichtszügen eingebunden wurde. Aber in diesem Artikel soll es weder um die positiven, noch um die negativen Aspekte der D23-Präsentationen und -Enthüllungen gehen. Stattdessen möchte ich das anhaltende Medienecho nutzen, um noch einmal, einige Monate vor dem Kinostart von Episode IX, über die Konzeption der Sequel-Trilogie sprechen.

Rückblick: Konzept der OT und PT
Werfen wir zuerst einen Blick auf die Konzepte der bereits bestehenden Trilogien. Der Handlungsbogen der OT dürfte klar sein: Rebellion gegen Imperium, der Fall einer totalitären Diktatur und, auf einer persönlichen Ebene, die Erlösung Anakin Skywalkers. Allerdings war vor allem Letzteres nie von Anfang an Teil der Konzeption. So sehr George Lucas auch behauptet, die OT sei von Anfang an so geplant gewesen, es ist inzwischen deutlich geworden, u.a. aus den ersten Drehbuchentwürfen für „The Empire Strikes Back“, in denen Anakin Skywalkers Machtgeist auftaucht, dass der Handlungsbogen um Darth Vaders Rückkehr zum Licht und die allgemeinen Verwandtschaftsverhältnisse Elemente sind, die erst nach Episode IV Teil der Handlung wurden. Mehr noch, zu Anfang war Palpatine laut des Prologs von Alan Dean Fosters Romanadaption von „A New Hope“ ein schwacher Diktator und mit Sicherheit kein Machtnutzer. Hin und wieder gibt es bei der Gesamtbetrachtung der OT die eine oder andere Diskrepanz, aber insgesamt ist sie ziemlich gut zusammengewachsen und funktioniert als die Saga, als die sie wahrgenommen wird. Dieser Aspekt des Zusammenwachens ist jedoch etwas, das man im Hinterkopf behalten sollte.

Rein konzeptionell ist die Prequel-Trilogie am dichtesten, auch wenn das Konzept nicht immer ganz gelungen umgesetzt wurde. Die Prequels schildern den Fall Anakin Skywalkers, die Vernichtung der Jedi, den Aufstieg Imperator Palpatines und die Umwandlung der Republik in das Imperium. Es war von Anfang an klar, wo es hingehen würde – was den vielgescholtenen Prequels ironischerweise den Status der am besten geplanten und konzipierten Trilogie verleiht, denn anders als bei den anderen beiden wussten die Verantwortlichen genau, wo die Reise enden würde.

Als Disney Lucasfilm 2012 erwarb, waren die Möglichkeiten, die Saga fortzusetzen, vielfältig. Das alte Erweiterte Star-Wars-Universum, inzwischen als „Legends“ gebrandmarkt, hat einige Blaupausen geliefert, die wir uns etwas näher betrachten werden, bevor wir uns mit dem Weg, der für die Sequels gewählt wurde, auseinandersetzen.

Direkte Fortsetzung: Die Thrawn-Trilogie und „Dark Empire“
In den 90ern erwarben zwei Verlage, Bantam und Dark Horse, die Star-Wars-Lizenz und machten sich daran, die Saga in Form von Romanen und Comics fortzusetzen. Das jeweils erste Werk beider Verlage, Timothy Zahns „Heir to the Empire“ (gefolgt von „Dark Force Rising“ und „The Last Command“) und „Dark Empire“ (gefolgt von „Dark Empire II“ und „Empire’s End“) können jeweils als Versuch verstanden werden, die OT sehr direkt fortzusetzen. Im Kontext der Prequels erscheint vor allem „Dark Empire“ recht merkwürdig, aber natürlich konnten weder Tom Veitch noch Timothy Zahn wissen, was George Lucas in der Zukunft anstellen würde (Stichwort: Auserwählter). Wie dem auch sei, beide Werke setzen den Konflikt relativ direkt fort. Zahn erzählt dabei die besser konstruierte und auch deutlich kreativere Geschichte. Nach ihrem Sieg auf Endor hat die Rebellen-Allianz die Macht in der Galaxis übernommen, sodass die Rollen vertauscht sind: Die Helden sind nun die dominante Partei, während die Schurken aus dem Untergrund heraus kämpfen. Nach wie vor ist es das Imperium, das Luke, Han, Leia und Co. Probleme bereitet. Dieses Mal wird die Neue Ordnung durch Großadmiral Thrawn vertreten, der eine deutlich andere Art von Widersacher ist als Vader oder Palpatine, was sich natürlich auf die Geschichte auswirkt. Zahn fährt die mystischen Aspekte von Star Wars etwas zurück. Das Vermächtnis der Jedi und der Kampf gegen die Dunkle Seite sind zwar präsent – Letztere wird vertreten durch den verrückten Jedi-Klon Joruus C’baoth – man merkt den Romanen jedoch an, dass Zahn diesen Elementen weniger Bedeutung zuweist; er rückt Star Wars etwas näher an die „echte“ Science Fiction heran und entfernt sich von der märchenhaften Space Opera. Im Kern steht hier der Konflikt zwischen Imperium und Neuer Republik, dementsprechend ist Thrawn auch militärisches Genie und nicht böser Overlord. Gerade im Kontext der Erscheinungszeit ist die Thrawn-Trilogie wirklich eine exzellente Fortsetzung der OT, der eine gelungene Balance zwischen Altem und Neuem gelingt. Im Kontext der Prequels trifft das freilich nicht mehr zu, da diese das Konzept des Außerwählten und den Konflikt zwischen Jedi und Sith in den Mittelpunkt rücken. Diese essentiellen Elemente der Episoden I bis III finden sich in der Thrawn-Trilogie nicht wieder – wie auch?

Was die grundsätzliche Handlung angeht, eignet sich „Dark Empire“ besser als Fortsetzung der aus den Episoden I bis VI bestehenden Saga: Palpatine/Darth Sidious ist durchgehend der Oberschurke, da bietet es sich an, das Konzept an ihm als „dunkler Bedrohung“ festzumachen: Die Star-Wars-Saga als Kampf der Skywalker-Dynastie gegen Palpatine. Im Detail wusste Tom Veitch natürlich genauso wenig wie Timothy Zahn, was George Lucas mit den Prequels machen würde, weshalb vieles, was in „Dark Empire“ geschieht, im Kontext der Prequels reichlich merkwürdig oder schlicht unpassend wirkt. Zwar werden die Sith in den Fortsetzungen „Dark Empire II“ und „Empire’s End“ tatsächlich erwähnt, schließlich war Darth Vader von Anfang an laut Episode-IV-Drehbuch und -Romanadaption „Dunkler Lord der Sith“, aber was das bedeutete, wusste im Zeitraum von 1977 bis Mitte der 90er niemand. Bekanntermaßen wollte Zahn die Spezies, die für Vader und später auch Thrawn als Attentäter arbeitet, zu den Sith machen und Vaders Titel so erklären, bis Lucasfilm ihm das ausredete, sodass aus besagter Spezies schließlich die Noghri wurden.

Wo die Thrawn-Trilogie jedoch etwas geerdeter ist und sich eher auf die Sci-Fi-Aspekte konzentriert, geht Veitch den entgegengesetzten Weg: Bei ihm ist Palpatine mächtiger denn je, sein Geist kann von Körper zu Körper hüpfen, er kann gewaltige Machtstürme entfesseln und im Grunde ganze Flotten im Alleingang in Schutt und Asche legen. Die Dominanz der Neuen Republik wird von Veitch ebenfalls wieder rückgängig gemacht – insgesamt betont er in „Dark Empire“ deutlich stärker die Pulp-Elemente, die Dank Lucas‘ Vorliebe für „Flash Gordon“ natürlich schon immer Teil der Saga waren.

Ein neuer Konflikt: Die „New Jedi Order“
Eine weitere konzeptionelle Möglichkeit für die Sequel-Trilogie wäre gewesen, ein völlig neues Kapitel aufzuschlagen. Das Imperium, die Sith und die Dunkle Seite der Macht sind besiegt, der Auserwählte hat seinen Job erfüllt, die Bedrohung kommt dieses Mal aus einer völlig anderen Richtung. Die Idee außergalaktischer Invasoren tauchte immer mal wieder im Erweiterten Universum auf; in den alten Marvel-Comics gab es die Nagai, in „Truce at Bakura“ die Ssi-ruuk und 1999 zeigten im Rahmen der Romanreihe „New Jedi Order“ natürlich die Yuuzhan Vong ihre nicht gerade ansehnlichen Gesichter. Diese neue Spezies, die die bekannte Galaxis in einen neuen, blutigen Krieg stürzt, ist enorm umstritten, nicht zuletzt, da ihre Mitglieder in der Macht nicht zu existieren scheinen, aber unabhängig davon sind sie ein Paradebeispiel für ein „neues Kapitel“: Es gibt keine Verbindung zwischen den Vong und dem Imperium, den Sith oder irgend einem anderen bekannten Widersacher. Ich denke nicht, dass sich die Vong wirklich für die Sequels angeboten hätten, dazu sind sie im Fandom zu umstritten und hätten auf den Mainstream wahrscheinlich zu un-star-warsig gewirkt, aber die „New Jedi Order“ wäre als sehr grobe Vorlage interessant gewesen. So hätte Disney bzw. Lucasfilm erklären können, dass sich die Episoden I bis VI mit dem Konflikt Jedi gegen Sith auseinandersetzen, und die Episoden VII bis IX (oder sogar XII?) mit dem Krieg zwischen der Neuen Republik und welchem völlig neuen Gegner man auch immer wählt.

The Next Generation: „Legacy“
Das Konzept der Comicserie „Legacy“ lässt sich mit einem Satz kurz und prägnant erläutern: Selber Konflikt, anderes Personal. Knapp 140 Jahre nach der OT stehen die Jedi (mal wieder) kurz vor der Auslöschung und (mal wieder) herrschen die Sith über das Imperium bzw. die Galaxis. Nur ist der Protagonist nicht mehr der aufrechte Bauernjunge, der sich zum strahlenden (wenn auch schwarz gewandeten) Ritter entwickelt, sondern ein Junkie, der am liebsten in Ruhe gelassen werden will – dummerweise trägt Cade den Familiennamen Skywalker und ist ein Nachfahre besagten Ritters. Etwas ähnliches hätte sich für die Sequels durchaus angeboten, besonders wenn Mark Hamill, Harrison Ford und Carrie Fisher nicht gewillt gewesen wären, noch einmal in ihre Rollen zu schlüpfen. „Legacy“ zeichnet sich dadurch aus, dass der Grundplot derselbe ist wie in der OT, aber von völlig anderen, zum Teil deutlich graueren und komplexeren Charakteren durchgespielt wird, was natürlich zu einer völlig anderen Handlungsentwicklung führt.

Das Nicht-Konzept der Sequels
Das größte Problem der Sequel-Trilogie ist, dass es eben kein die Filmreihe umspannendes erzählerisches Konzept gibt. Lucasfilm unter Kathleen Kennedy wollte sich alle Möglichkeiten offen halten und den individuellen Filmemachern so viel Freiraum geben wie möglich – grundsätzlich ein löblicher Ansatz, aber nicht, wenn er das „Große Ganze“ beschädigt. Aus diesem Grund entwickelte man nur ein Konzept für Episode VII, und das auch nicht auf einer inhaltlichen Ebene. Ich denke, man fragte sich in der Chefetage des Mäusekonzerns nie „Welche Geschichte wollen wir erzählen?“, sondern „Wie arbeiten wir gegen den schlechten Ruf der Prequels?“. Das macht aus Episode VII einen zutiefst reaktionären Film im eigentlichen Wortsinn, denn er ist in vielerlei Hinsicht ein genauer Gegenentwurf zu den Prequels. Bei all der berechtigten Kritik, mit der die Episoden I bis III bedacht werden, findet sich auch oft die in meinen Augen unberechtigte Kritik, dass sie eben nicht wie die OT sind. Genau dem versuchte Disney entgegenzuwirken. Was fanden die Fans an den Prequels schlecht? Zu viel CGI, zu wenig wie die OT, zu viel Politik etc. Also heuerte man mit J. J. Abrams einen bekennenden Episode IV-Fan und konzentriert sich auf diese Aspekte. Konzeptionell dagegen sitzt Episode VII quasi zwischen den Stühlen. Keine der oben geschilderten Möglichkeiten wird gewählt. In „The Force Awakens“ wird nicht derselbe Konflikt (Jedi gegen Sith, Rebellion bzw. Neue Republik gegen Imperium, alle gegen Palpatine) fortgesetzt, es ist aber auch nicht wirklich ein neuer Konflikt. Stattdessen gibt es Ersatzfraktionen, Widerstand, Erste Ordnung und Ritter von Ren, die formal ihren Gegenstücken, Rebellion, Imperium und Sith, nicht entsprechen, aber genau dieselben Story-Beats bedienen. In der Essenz wird nicht derselbe Konflikt weiter ausgetragen, wie es in der Thrawn-Trilogie oder in „Dark Empire“ der Fall ist, und es wird auch kein wirklich neuer Kampf gekämpft, stattdessen wird derselbe Konflikt noch einmal von Ersatzparteien ausgefochten. Das führt dazu, dass sie die Sequels wie ein merkwürdiger Epilog zum Rest der Saga anfühlen, nicht wirklich Teil davon, aber auch nicht losgelöst.

Eines muss man Lucasfilm/Disney allerdings lassen: Zumindest für Episode VII ist das Konzept „Anti-Prequel“ aufgegangen, denn „The Force Awakens“ hatte exakt die Wirkung, die man wollte. Star Wars als Marke wurde revitalisiert, Casual-Fans, die dem Franchise nach den Prequels den Rücken kehrten, fanden wieder in die weit, weit entfernte Galaxis und allgemein gab es viel Kritikerlob und natürlich spielte der Film schlicht und einfach verdammt viel Kohle ein.

Spätestens mit Episode VIII zeigt sich allerdings, dass der Mangel an Konzept eine schlechte Idee war. J. J. Abrams und Episode-VII-Mitautor Lawrence Kasdan arbeiteten in „The Force Awakens” mit Abrams’ berühmt-berüchtigter Mystery-Box-Methode und warfen viele Fragen auf. Vielleicht lieferten sie intern die Antworten mit, vielleicht auch nicht. Jedenfalls bekam Rian Johnson für Episode VIII freie Hand, mit bekanntem Ergebnis. Wenn Abrams und Kasdan Antworten lieferten, ignorierte er sie, und wenn nicht gab er sie nicht in ihrem Sinn. Ich möchte nun wirklich nicht noch einmal die Last-Jedi-Diskussion aufwärmen, doch selbst Befürworter dieses Films müssen zugeben, dass  eine ziemliche Diskrepanz zwischen „The Force Awakens“ und „The Last Jedi“ existiert und dass Letzterer gegen Ersteren arbeitet. Auf gewisse Weise ist „The Last Jedi“ das „Anti-Force-Awakens“, ähnlich wie Episode VII das „Anti-Prequel“ war – und somit wieder ein zutiefst reaktionärer Film. Wo „The Force Awakens“ zwanghaft alle Erwartungen erfüllt, versucht „The Last Jedi“ genauso zwanghaft, alle Erwartungen zu unterwandern. Das ist das Konzept des Films – und abermals ist es kein erzählerisches Konzept.

Schon jetzt sind die Sequels die unebenste der drei Trilogien. Ja, George Lucas hatte auch nicht wirklich ein von Anfang an durchgeplantes Konzept bei der OT, was von Verteidigern der Sequels immer wieder gerne angeführt wird, aber der OT wurde erlaubt, organisch zu wachsen. Zwar gab Lucas den Regiestock für Episode V und VI an Irvin Kershner respektive Richard Marquand weiter, aber er war dennoch derjenige, der die Fahrtrichtung vorgab und dafür sorgte, dass kein Film gegen den anderen arbeitet.

Meine Begeisterung für Episode IX hält sich bislang ziemlich in Grenzen, ich bin eher fachlich daran interessiert, wie diese Trilogie nun zu Ende geführt wird. Obwohl „The Last Jedi“ bei Kritikern gut ankam und auch finanziell keine Wünsche offen ließ, spaltete dieser Film das Fandom wie kein anderer vor ihm und führte von Gegnern wie Befürwortern zu Extremreaktionen. Mit „The Rise of Skywalker“ scheint Disney nun zu versuchen, diese Spaltung zu überwinden und rückwirkend ein Gesamtkonzept wie das oben bei „Dark Empire“ geschilderte zu etablieren, in dem Palpatine als verbindender Faktor zwischen der PT, der OT und der ST eingesetzt wird – der Teaser, der zu Anfang Einstellungen aus allen bisherigen Filmen zeigt, verdeutlicht dieses Ansinnen. Da mag Kathleen Kennedy noch so sehr bezeugen, dass die Rückkehr des Imperators immer für Episode IX geplant war, das nehme ich ihr nicht ab.

Ironischerweise lässt sich nun doch ein vereinendes Konzept für die Sequels festlegen: Jeder Film der ST reagiert auf die Vorgänger-Episode und versucht, sich als entsprechende Antithese zu inszenieren. Natürlich kann eine Trilogie, in der jeder Film als Antithese zum Vorhergegangenen fungiert, niemals einen einheitlichen Eindruck hinterlassen.