Arrival

arrival
Story: Aliens kommen auf die Erde. Zwölf schwarze Raumschiffe zeigen sich in verschiedenen Ländern, darunter auch in Montana in den Vereinigten Staaten. Eine erste Kontaktaufnahme gelingt zwar, erweist sich aber als schwierig, da es keine gemeinsame sprachliche Grundlage gibt. Um dieses Problem zu lösen und herauszufinden, weshalb die Aliens auf die Erde gekommen sind, heuert die US-Regierung zwei Wissenschaftler an, die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) und den Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner). Der Plan geht auf, den Wissenschaftlern gelingt es, die rätselhaften „Rauchzeichen“ der Aliens nach und nach zu entschlüsseln, auch wenn es kompliziert ist. Als jedoch eine Waffe erwähnt wird, drängt die Zeit mit einem Mal, denn nicht nur die Chinesen befürchten, die Aliens könnten feindlich sein…

Kritik: „Arrival“ wird gerne als das „Anti-Independence-Day“ bezeichnet und, ja, das kann man eigentlich so stehen lassen, diese Umschreibung passt recht gut zu Denis Villeneuves nachdenklichem Sci-Fi-Film. In gewisser Weise handelt es sich hier schon fast um Sci-Fi für Sprachwissenschaftler – nicht ganz, aber fast. Es ist schon erfrischend, einen Alieninvasionsfilms zu sehen, der die Alieninvasion auslässt und sich stattdessen auf andere Aspekte und Konzepte konzentriert, die im literarischen Bereich zwar nicht unbedingt neu sind, die man im Kino aber doch eher selten sieht.

Auffällig ist, dass „Arrival“ sich mit den Auswirkungen der Alienlandung eher hintergründig beschäftigt – auch diesbezüglich wählt Villeneuve den „Independence Days“ genau entgegengesetzten Weg. Wo sich Roland Emmerich bemühte, ein sehr breites Bild zu zeigen, konzentriert sich Villeneuve in „Arrival“ fast ausschließlich auf die von Amy Adams exzellent dargestellte Protagonistin. Die Reaktionen der Welt auf die wegen ihrer sieben Gliedmaßen als Heptapoden bezeichneten Besucher erfährt der Zuschauer primär aus Dialogen oder Fernsehberichten, der Fokus liegt dabei jedoch immer auf Louise, was sich im weiteren Verlauf des Films auch nicht groß ändert; Louise ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, was im Großen und Ganzen sehr gut funktioniert. Das einzige Manko dieses Fokus ist, dass ihr Kollege Ian Donnelly verhältnismäßig bedeutungslos ist und letztendlich nur einem bestimmten Zweck dient, was ein wenig schade ist – Villeneuve und sein Drehbuchschreiber Eric Heisserer hätten ihm durchaus noch etwas mehr zu tun geben können.

Sehr bemerkenswert sind darüber hinaus die beeindruckenden und abstrakten Bilder sowie die überzeugende und dichte Atmosphäre, die „Arrival“ erzeugt. Die Heptapoden wirken so fremdartig und mysteriös wie möglich, was von der Stimmung ausgezeichnet unterstützt wird. Tatsächlich erfahren weder die Figuren noch der Zuschauer besonders fiel über diese Aliens, ihre Kultur oder die Funktionsweise ihrer Technologie. Auch die Fragen und Überlegungen zur Funktionsweise von Sprache sind äußerst faszinierend. Sowohl der Sci-Fi-Fan als auch der Sprachwissenschaftler in mir hätte diesbezüglich gerne noch mehr über die Heptapoden und ihre Form der Kommunikation erfahren, für den „Normalzuschauer“, der in dieser Hinsicht kein besonderes Interesse hegt, und, noch wichtiger, für den narrativen Fluss des Films war es aber wohl das richtige Ausmaß.

Insgesamt ist „Arrival“ ein sehr gelungener Film, ich bin mir nur nicht sicher, ob ich mit dem Ende völlig zufrieden bin. Nicht, dass es nicht passen würde, der Film arbeitet konsequent und von Anfang an auf diesen Ausgang hin und ich bezweifle ehrlich gesagt, ob ein anderes Ende überhaupt funktioniert hätte, aber dennoch lässt mich der Ausgang irgendwie unzufrieden zurück, ohne dass ich exakt sagen könnte, weshalb.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Score von Jóhann Jóhannsson. Ich bin kein Fan der für diesen Film gewählten Scoring-Technik, elektronische Ambience-Scores haben bei mir immer grundsätzlich einen sehr schweren Stand, weil mich diese Art von Musik einfach überhaupt nicht anspricht und oft sogar nervt, besonders, wenn sie von Trent Reznor und Atticus Ross stammt. Daher ist es schon ein Lob wenn ich sage, dass Jóhannssons Score mich im Film nicht sonderlich gestört hat, auch wenn er sicher nicht auf meiner Filmmusikjahresbestenliste landen wird. Tatsächlich hat er, was Ambience-Scores angeht, ziemlich gut funktioniert. Was Jóhannsson da mit seiner Elektronik, seiner Geräuschkulisse und den Stimmeffekten macht, ist mitunter durchaus interessant, wenn auch nicht allzu ansprechend. Eines meiner Hauptprobleme mit Ambience-Scores ist, dass sie Figuren und deren Emotionen im Grunde überhaupt nicht repräsentieren, und so ist es auch hier; die Musik zielt primär darauf ab, die Fremdartigkeit der Heptapoden zu verdeutlichen. Lediglich am Anfang und am Ende des Films wird ein Stück des Komponisten Max Richter eingespielt, das tatsächlich emotional ist.

Fazit: „Arrival“ ist ein sehr gelungener, erfrischender, ruhig erzählter und nachdenklicher Sci-Fi-Film mit einer äußerst starken Amy Adams. Lediglich das Ende weiß nicht völlig zu überzeugen.

Trailer

Advertisements

7 Kommentare zu “Arrival

  1. Dass du Trent Reznors Arbeit nicht magst, tut natürlich weh, aber ich glaube ich kann verstehehen, was du meinst.

    Ich war auch nicht so recht zufrieden mit dem Ende, aber auch nicht recht mit den Figuren, da ich sie durschaus als zu platt empfand.

    • hemator sagt:

      Solange er nicht für Filme komponiert, habe ich mit Trent Reznor keinerlei Probleme 😉

      Was die Figuren angeht (so viele sind’s ja nun nicht), mit Louise hatte ich eigentlich keine Probleme – sie wird sicher nicht eine der Figuren sein, mit der ich mich über den Film hinaus beschäftige oder die eine Kandidatin für eine Lieblingsfigurenliste, aber sie passt. Beim Rest gebe ich dir Recht, da wäre vielleicht ein wenig mehr drin gewesen.

  2. Stepnwolf sagt:

    Max Richters Beitrag zum Film ist sehr passend eingesetzt. Ich fand aber generell den musikalischen Part gelungen. Johansson hat dadurch eine wunderbar alieneske (nicht auf den Film bezogen) Atmosphäre erzeugt.

  3. Da sind wir uns was den Film an sich betrifft ja ziemlich einig – ein tolles Teil mit winzig kleinen Schwächen. War für mich einer der besten Fime, die ich 2016 gesehen habe und ich würde gern einige Oscars dafür sehen.
    Was den Score betrifft, denke ich nicht, dass er die Figuren immer präsentieren muss, sondern oftmals einfach die Situation. Filme sind oftmals nicht plastisch genug (auch nicht mit 3D haha …) sodass man sich hineinversetzen kann, was gerade passiert. Und ich denke, dass die unheilschwangere Musik die Heptapoden-Szenen und die Desorientierung von Amy Adams Charakter ziemlich gut unterstrichen hat. Allerdings gefällt mir der Stil allgemein, ich bekomme ziemlich Gänsehaut, wenn ich bei Spotify reinhöre.

    • hemator sagt:

      Wie gesagt, für einen überwiegend elektronischen Ambience-Score fand ich ihn ziemlich gut passend – das war schon ein Lob 😉 Wobei er mich emotional eigentlich so gut wie gar nicht abholt (wie gesagt, ich kann dieser Art von Musik einfach kaum etwas abgewinnen), sondern ich eher interessant finde, was und wie Jóhannsson komponiert hat 😉

      Apropos 3D, erfreulicherweise ist es mir im letzten Halbjahr erfolgreich gelungen, 3D vollständig zu boykottieren und auch die großen Blockbuster in angenehmem, herrliche entspannendem 2D zu betrachten. Ich hoffe, ich kann daran in diesem Jahr anknüpfen 😀

  4. kingarndt sagt:

    Ich glaube, ich habe jetzt sechs oder sieben Beiträge hintereinandergelesen und alles extrem toll zu lesen von dir! Auch sehr gut recherchiert, gerade wenn´s um Lovecraft geht, den ich auch erst grad´ so richtig für mich entdecke. Besonders durch die Moore/Burrows-Comis.
    Zu „Arrival“ wollte ich kurz nur ergänzend erwähnen, dass die Vorlage die Kurzgeschichte „Story of Your Life“ von Ted Chiang ist. Der war eigentlich Informatiker und hat sich dafür u.a. in die Linguistik eingearbeitet.
    Die geschriebene Story selbst ist wunderschön und sehr intelligent, aber recht kurz und wenig ausgeschmückt. Die Filmumsetzung hat da echt gute Arbeit geleistet, was das Ausbauen der Story und der Charaktere angeht – besonders was Ian Donnelly angeht, auch wenn er sicherlich ein zweckmäßer Charakter ist.
    Zwar gibt´s natürlich einige Abweichungen und Zuspitzungen im Film: Die Aliens landen hier auf der Erde, statt über Leinwände mit uns zu quatschen. Deswegen gibt´s mehr Reibung und militärischen Druck, der in der Kurzgeschichte de facto gar nicht vorhanden ist. Für die die filmische Erzählweise, bzw. den Spannungsbogen ist das aber auf jeden Fall von Bedeutung. Wer sich damit genauer auseinandersetzen will, kann u.a. mal bei YouTube nach „Lessons From The Screenplay“ und „Arrival“ „googlen“. Ansonsten bin ich mal gespannt, was ich auf deiner Seite noch so Schönes finde! 🙂 Viele Grüße

    • hemator sagt:

      Danke, freut mich, dass du zu mir gefunden hast 😉 Mit der Arrvial-Vorlage habe ich schon das eine oder andere Mal geliebäugelt, der Buchladen meines Vertrauens hatte sie sogar ausliegen – aber meine Leseliste ist noch so laaaang… Das Video von „Lessons from the Screenplay“ kenne ich auch, ist ein Kanal, den ich regelmäßig frequentiere – aus gutem Grund 😉 Auf jeden Fall viel Spaß beim weiteren Schmöckern. 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s