The Hunger Games

hunger games
Story: Nach einem Atomkrieg, ökologischen Katastrophen oder ähnlichen Desastern hat sich auf der nordamerikanischen Landmasse ein neuer, diktatorischer Staat erhoben: Panem. Dieser unterteilt sich in 14 Gebiete: 13 verschiedene „Distrikte“ und die Hauptstadt, von der aus das Land beherrscht und die wiederum von den Distrikten versorgt wird. Nach einer Rebellion der Distrikte gegen das Kapitol, die dieses brutal niederschlug, wurde Distrikt 13 ausgelöscht und die sog. „Hungerspiele“ eingerichtet: Jedes Jahr findet ein Turnier statt, bei dem sich 24 Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn, jeweils ein Junge und ein Mädchen aus jedem Distrikt, die ausgelost werden, gegenseitig bis zum Tod bekämpfen.
Bei den 74. Hungerspielen springt Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) aus Distrikt 12 für ihre jüngere Schwester Prim (Willow Shields) ein. Gemeinsam mit ihrem Mittribut Peeta (Josh Hutcherson) und den Mentoren Haymitch (Woody Harrleson) und Effie (Elizabeth Banks) reist Katniss nun in die Hauptstadt, wo sie nicht nur gegen die anderen Tribute kämpfen, sondern sich vorher auch noch der unterhaltungslüsternen Bevölkerung des Kapitols präsentieren muss. Und obwohl Katniss es nicht weiß, könnten ihr Sieg und ihre Niederlage bei den Hungerspielen mehr bedeuten als nur ihr eigenes Leben…

Kritik: Als Suzanne Collins‘ Romanreihe langsam populär wurde und sich die Verfilmung abzuzeichnen begann, reizte mich die Prämisse ehrlich gesagt nicht allzu sehr, vor allem deshalb, weil das Marketing vor allem auf das Twilight-Publikum abzuzielen schien – man betrachte nur einmal die scheußliche Coverillustration der deutschen Ausgabe. Im Gegensatz zu den Twilight-Romanen genießt die Hunger-Games-Trilogie allerdings einen weitaus besseren Ruf. Irgendwann sah ich dann den Film und fand ihn sogar ganz in Ordnung. Dass ich mich nun intensiver mit dem Franchise beschäftigte, passiert praktisch gezwungenermaßen; ich hatte es in einem anderen Artikel ja bereits erwähnt: Ich belege derzeit an der Uni ein Literaturseminar mit dem Titel „Dystopian Fiction“, und die Hunger-Games-Trilogie gehört zu den behandelten Werken.
Darum werde ich zuerst noch ein paar Worte zum ersten Roman sagen, bevor ich auf die Verfilmung zu sprechen komme. „The Hunger Games“ (dies trifft auch auf die beiden Folgebände zu) haben in der Tat ein paar Gemeinsamkeiten mit den Twilight-Romanen, diese sind allerdings eher formaler Natur. Wie Stephenie Meyer auch arbeitet Suzanne Collins mit einer Ich-Erzählerin, es gibt ein Liebesdreieck und der Schreibstil ist es sehr (und damit meine ich sehr) einfach gehalten, was bedeutet, dass er einerseits zwar sehr flüssig und schnell lesbar, andererseits aber auch absolut nicht anspruchsvoll oder fordernd ist, selbst auf Englisch dürften die meisten mit der Trilogie problemlos fertig werden (da ich die Romane nur im Original gelesen habe, weiß ich nicht, wie gut oder schlecht die Übersetzung ist). Von diesen Eigenschaften einmal abgesehen hat die Hunger-Games-Trilogie allerdings ziemlich wenig mit der Twilight-Saga gemein, denn Suzanne Collins‘ Romane haben etwas, dass Stephenie Meyers völlig abgeht: Substanz und interessante Ideen. Zwar ist die Hunger-Games-Trilogie keinesfalls optimal (u.a. nimmt sie sich und ihre Prämisse ein wenig zu ernst, etwas mehr auflockernde Ironie wäre hin und wieder willkommen gewesen), aber doch weitaus besser als die Twiligt-Romane und viele ähnlich gelagerte Nachahmer im Young-Adult-Bereich. Noch eine Randbemerkung zu „Battle Royale“: Ich habe weder den Film gesehen, noch den Roman gelesen und kann nichts zu Handlungsparallelen sagen, allerdings muss man heutzutage schon sehr lange suchen, um einen wirkliche innovativen Plot zu finden, der sich nicht an irgend einem Vorbild orientiert.
Kommen wir nun zu Gary Ross‘ Verfilmung. Insgesamt handelt es sich um eine ziemlich vorlagengetreue Adaption, die sich sehr eng an den Roman hält. Abweichungen findet man vor allem in den Details. Die größten Schwächen des Films, die vom Medientransfer der Geschichte kommen, sind das Fehlen einiger wichtiger Details (gerade die Bedeutung des Mockingjay hätte wegen seiner Relevanz für die Geschichte erklärt werden sollen) und der übermäßige Einsatz der Shaky-Cam – diese ist vor allem am Anfang in Distrik 12 und später, während der eigentliche Spiele, im Einsatz. Ich kann dabei durchaus verstehen, weshalb Ross sie einsetzt, einerseits soll sie wohl die Unmittelbarkeit der Erzählung (bedingt durch Ich-Erzählerin und Präsens) im Roman wiedergeben und andererseits das Gemetzel an der Cornucopia entschärfen, um die Altersbeschränkung nicht in die Höhe zu treiben. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Shaky-Cam in meinen Augen auch in diesem Film unnütz ist und zumeist eher nervt denn unterstützt.
„The Hunger Games“, sowohl Film als auch Roman, lässt sich grob in zwei Hälften teilen: In der ersten lernen wir Panem und die Figuren kennen, während sie auf die Hungerspiele vorbereitet werden, in der zweiten findet dann das eigentliche, titelgebende Ereignis statt. Ironischerweise ist die erste Hälfte die interessantere. Vor allem Katniss‘ Aufenthalt in der Hauptstadt ist eine überaus gelungene Mediensatire, vermischt mit politischem Kommentar, die unsere heutige Fernsehlandschaft mit Sendungen wie „Das Dschungelcamp“ oder den diversen Castingshows ins absolute Extrem überzeichnet. Die Tribute werden medienwirksam aufgetakelt, um sich anschließend in ausgedehnten Gladiatorenspielen gegenseitig umzubringen. Collins‘ orientiert sich dabei nicht zufällig stark an den antiken Römern, was man nicht nur an „Panem“ (von panem et circensis, „Brot und (Zirkus-)Spiele“) selbst, sondern auch an den Namen der Einwohner des Kapitols und der Distrikte 1 und 2 merkt, die allesamt römisch sind. Der Film treibt dies mit visuellen Mitteln noch weiter, vor allem in der Szene, in der die Tribute dem Publikum präsentiert werden, werden die Parallelen überdeutlich; die Präsentation selbst erinnert an die römischen Triumphzüge, und auch die Architektur des Kapitols spricht eine sehr eindeutige Sprache.
Nach der gelungenen ersten Hälfte sind die Hungerspiele selbst dann fast ein wenig enttäuschend – nicht schlecht, aber auch bei Weitem nicht so interessant wie das, was zuvor kam.
In dieser Hinsicht gefällt mir der Film allerdings besser als der Roman. Dort gibt es nur einen Blickwinkel, nämlich den von Katniss. Das ist für mich insofern problematisch, weil Katniss sich in die lange Reihe der Hauptfiguren einreiht, die von weitaus interessanteren Nebenfiguren überschattet wird. Nicht nur schafft Jennifer Lawrence es, Film-Katniss sympathischer zu machen als Buch-Katniss, hin und wieder verlässt der Film auch seine Heldin und zeigt, was hinter den Kulissen der Hungerspiele so vor sich geht, was dem Film wiederrum sehr gut tut, besonders, da Haymitch und Präsident Snow die in meinen Augen interessantesten Figuren (zumindest des ersten Teils) sind. Auch hier optimiert der Film durch die exzellenten darstellerischen Leistungen von Woody Harrleson und Donald Sutherland das Ganze noch einmal. Überhaupt sind die Schauspeiler insgesamt ziemlich gut gewählt: Neben den bereits erwähnten wissen vor allem Elizabeth Banks und Stanley Tucci in ihren Rollen zu überzeugen, auch Josh Hutcherson bringt das richtige Charisma für Peeta mit. Lediglich Liam Hemsworth als Gale ist ziemlich uninteressant – glücklicherweise hat er nicht besonders viel Leinwandzeit.
Zum Schluss noch ein Wort zum Soundtrack: James Newton Howards Musik ist leider ziemlich anonym, die Themen sind kaum ausgearbeitet und es gibt viel elektronisches Ambiente. Das markanteste Stück ist die von Arcade Fire komponierte und Howard adaptierte Panem-Hymne Horn of Plenty, die allerdings noch besser in den Soundtrack hätte integriert werden können.
Fazit: „The Hunger Games“ ist trotz einiger Schwächen eine gelungene Umsetzung der Vorlage, die diese in einigen Aspekten sogar übertrifft.

Trailer

Siehe auch:
Catching Fire

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5 Kommentare zu “The Hunger Games

  1. Illuminat sagt:

    Ich fand den schwach. Aber da die Sichtung Ende 2012 war, kann ich jetzt nicht in Details gehen. Außerdem halte ich die Lawrence nicht nur für total überbewertet, sondern bin mir sicher, dass die nur deswegen den Oscar bekommen hat, weil eines der hohen Tiere in Hollywood zu ihren Verwandten gehört und dafür gesorgt hat. Ich meine, wieso hat ein DiCaprio noch immer keinen gewonnen? Und wieso wurde ein Christopher Lee noch niemals noch nicht mal nominiert?

    • hemator sagt:

      Aus demselben Grund, warum der Soundtrack von „The Social Network“ den Oscar gewonnen hat und nicht der von „Drachenzähmen leicht gemacht“: Weil die Academy ein ziemlich enges Sichtfeld hat. Ob Jennifer Lawrence in für „Silver Linings Playbook“ verdient hat, kann ich nicht sagen, weil ich den nicht gesehen habe, in den X-Men- und Hunger-Games-Filmen finde ich sie aber ziemlich gut.

      • Illuminat sagt:

        Den hab ich ebenfalls noch nicht gesehen, genau wie Panem 2, American Hustle und Days of Future Past. Die Panem-Rolle wird ja immer damit gelobt, dass diese ein tolles Vorbild darstellt. Was hat die denn groß gemacht? Das ganze Abschaum-Pack, das ebenfalls im Spiel dabei ist, hat sich doch selber abgeschlachtet und wurde von den Monstern gefressen, während die mit ihrem Lover durchs Süßholz geraschelt ist.

        Hier die Erinnerungswertungen von den Filmen, die ich mit der bisher gesehen habe:

        Winter’s Bone = 2/10
        Der Bieber = 8/10
        First Class = 5/10
        Panem = 3/10
        House at the End of the Streets = 4/10

  2. Ich habe auch erst den Film gesehen und war so positiv überrascht (hatte im Grunde nichts erwartet), dass ich dann gleich die Bücher gekauft und verschlungen habe. Du hast Recht, sie lesen sich wirklich sehr leicht (ich las sie natürlich auch im Original), ohne aber seicht zu sein. Mit „Twilight“ (habe ich nie gelesen, „musste“ nur die ersten zwei Teile in der Sneak Preview über mich ergehen lassen) habe ich diese Reihe nie in Verbindung gebracht, dafür sind allein die Protagonistinnen zu unterschiedlich – in „Hunger Games“ haben wir mit Katniss eine sehr starke, kämpferische Hauptfigur, in „Twilight“ muss Bella sich doch ständig retten lassen, oder?
    Und auch ich finde, dass die Besetzung des Films hervorragend ist und die Adaption sehr gut gelungen ist. Donald Sutherland ist einfach… creepy.

    • hemator sagt:

      Wie gesagt, die Twilight-Verbindung kommt vor allem von der Vermarktung. Auf den englischen Ausgaben (zumindest meinen) sind ja auch Empfehlungen von Stephenie Meyer, das wirkt natürlich erst einmal abschreckend.
      Gerade bei Donald Sutherland fand ich interessant, dass er offenbar sehr viel für seine Figur übrig hat – ursprünglich sollte er ja nur einen kleinen Auftritt im ersten Film haben, dann hat er aber Gary Ross seine persönliche Ansicht bzw. Analyse von Präsident Snow geschickt und hat prompt sehr viel mehr Szenen bekommen.

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