Game of Thrones Staffel 6

Enthält die volle Ladung Spoiler!
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Für die GoT-Staffeln 3, 4 und 5 schrieb ich seinerzeit umfassende Episodenreviews, während ich bei Staffel 6 darauf verzichtet habe. Das hat zwei Gründe: Zum einen war ich von Staffel 5 nicht wirklich begeistert und zum anderen sind besagte Reviews sehr zeitintensiv. Aus diesem Grund folgt nun, da die Staffel komplett ist, dieser ausführliche Artikel. Wir befinden uns im Hinblick auf die Staffel an einem interessanten Punkt. Staffel 5 adaptierte (für mich leider eher mäßig) „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“. Da „The Winds of Winter“ (mit Ausnahme einiger Kapitel, die George R. R. Martin auf seinem Blog veröffentlichte oder auf Conventions vorlas) immer noch nicht erschienen ist, begibt sich die Serie nun erstmals völlig auf Neuland und folgt keiner Vorlage mehr. Es sind noch George R. R. Martins Figuren, aber es ist nicht mehr seine Geschichte – das könnte als Leitsatz dieses Artikels fungieren. Fakt ist allerdings: Wie viel von Martins Geschichte übrig ist, wie viel er den Serienschöpfern David Benioff und D. B. Weiss verraten hat, ist nicht wirklich klar. Staffel 6 gibt Antworten auf viele Fragen, aber sind es die Antworten Martins oder doch die der Serienschöpfer? In Bezug auf einige Dinge haben Benioff und Weiss erklärt, sie stammten tatsächlich von Martin, etwa was Melisandres Alter und wahre Erscheinung oder die Bedeutung von Hodors Namen angeht. Die Antwort auf die Frage, wie viel Martin tatsächlich noch in Staffel 6 steckt, kann erst mit „The Winds of Winter“ und/oder „A Dream of Spring“ beantwortet werden.

Words Are Wind
Die Eigenständigkeit von Staffel 6 gilt jedoch mit Einschränkungen, denn einige Aspekte stammen tatsächlich noch aus den bereits erschienenen Romanen oder aus veröffentlichten Winter-Kapiteln. Das betrifft primär Jaime Lannisters Ausflug in die Flusslande. Nachdem Cersei nach Lord Tywins Tod die Macht in King’s Landing übernimmt und den Kleinen Rat mit Ja-Sagern füllt, schickt sie im Roman wie in der Serie Jaime von ihrer Seite, weil er ihr unangenehm wird. In der Serie soll Jaime Myrcella aus Drone retten, eine Mission, die zum schlimmsten Handlungsstrang der Serie wurde, platt, schlecht geschrieben, uninteressant und langweilig. In „A Feast for Crows“ dagegen begibt sich Jaime in die Flusslande, um die letzten Tully-Loyalisten zu besiegen und Riverrun, das vom Blackfish gehalten wird, zurückzuerobern. Diese Ereignisse werden nun, wenn auch stark verkürzt, nachgeholt.

Darüber hinaus greift die Serie noch einige andere Aspekte der Romane auf, die bislang nicht berücksichtigt wurden. Großmaester Pycelle stirbt im Epilog von „A Dance with Dragons“, ermordet von Kindern – diese folgen im Roman allerdings nicht Qyburns, sondern Varys‘ Befehl. Die Folgen von Aryas Blindheit wird darüber hinaus noch im letzten Roman thematisiert, wenn auch detaillierter und mit unterschiedlichen Ereignissen. Zu Pastete verarbeitete Freys tauchen in „A Dance with Dragons“ ebenfalls auf, wenn auch in völlig anderem Kontext (Ramsays Hochzeit, der Schuldige ist Lord Wyman Manderly und Lord Walder selbst ist nicht zugegen), und schließlich setzt die Serie nun auch eine Rückblicksszene bzw. Erinnerung um: Während Eddard Stark in „A Game of Thrones“ nach seiner Auseinandersetzung mit Jaime Lannister auf dem Krankenbett liegt, erinnert er sich an den „Tower of Joy“ und das letzte Gespräch mit seiner Schwester Lyanna, bei dem er ihr etwas verspricht (als Leser erfährt man nicht was, aber man kann es sich denken). In Staffel 6 sieht Bran besagte Szene durch seine Gaben, hier wird allerdings geklärt, was es mit dem Versprechen auf sich hat. Gleichzeitig wird die Fantheorie bestätigt, dass Jon Snow nicht der Bastard von Eddard Stark, sondern tatsächlich der Sohn von Lyanna Stark und Rhaegar Targaryen ist – zumindest für die Serie.

Heartsbane
Eigentlich könnte man Sams und Gillys Handlungsstrang ebenfalls noch zu den adaptierten Elementen rechnen. In „A Feast for Crows“ fahren die beiden per Schiff über Braavos nach Oldtown, damit Sam Maester werden kann und Gilly samt Kind bei Sams Familie auf Horn Hill unterkommt. Einige der Ereignisse dieser Reise, etwa der Tod von Maester Aemon, wurden bereits in Staffel 5 umgesetzt, mit Castle Black als Schauplatz. Der Ausflug nach Braavos und das Zusammentreffen mit Arya wurden gestrichen, stattdessen geht Sam zusammen mit Gilly nach Horn Hill, um anschließend von dort aus nach Oldtown zu fahren. Das hat zur Folge, dass wir als Zuschauer Randyll Tarly (James Faulkner), Sams Vater kennen lernen. Zwar sind die Szenen in Horn Hill serienspezifisch, Lord Tarly taucht aber auch in „A Feast for Crows“ auf, um Brienne das Leben schwerzumachen. Insgesamt denke ich, dass die Figur sehr gut umgesetzt ist: Im Buch wie in der Serie ist Randyll Tarly ein ziemlich engstirniges Arschloch. Martin zeichnet ihn ein wenig subtiler als Benioff und Weiss, aber davon abgesehen ist er gut getroffen.

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Lord Randyll Tarly (James Faulkner)

Sams Diebstahl des Familienschwertes aus valyrischem Stahl namens Heartsbane (wir erinnern uns an die Folge „Hardholm“: Valyrischer Stahl kann Weiße Wanderer töten) ist ein netter Akt der Emanzipation, auch wenn man sich fragt, ob Lord Tarly nicht ein wenig besser auf diese Klinge achtgeben würde. Wie auch immer, Sams Handlungsstrang in dieser Staffel endet dort, wo auch sein Handlungsstrang in „A Feast for Crows“ endet: In Oldtown, in der Citadel, wo er sich anschickt, ein Maester zu werden. Als bibliophiler Mensch, der ich nun einmal bin, hat mir die Einstellung der Bibliothek besonders gut gefallen.

Unbowed, Unbent, Unbroken
Oh, Dorne. Der allgemein unbeliebteste Handlungsstrang der letzten Staffel; Benioff und Weiss haben es hier geschafft, eine interessante Kultur zu ruinieren und aus einem hochinteressanten politischen Ränkespiel einen Idiot Plot erster (bzw. letzter) Güte zu konstruieren, dem jeglicher Sinn und jegliche Logik fehlt. Das Beste, was sich über Dorne in Staffel 6 sagen lässt, ist, dass Ellaria und die Sandschlangen nur in der ersten und letzten Folge auftauchen. Logischer wird es leider nicht: In „The Red Woman“ sind Obara und Nymeria plötzlich unerklärlicherweise auf Trystanes Schiff und töten ihn, während Ellaria und Tyene Doran Martell ermorden und in Dorne die Macht übernehmen. Bei aller Liebe, das ist völlig hirnverbrannt und entbehrt jeglicher Logik. Ja, in Dorne ist man Bastarden und Frauen gegenüber aufgeschlossener als im Rest der Sieben Königslande, und ja, Doran Martell hat vielleicht gerade nicht den besten Ruf. Aber es ist völlig irrsinnig zu glauben, dass Bastarde auf diese Weise einfach die Macht übernehmen könnten, nachdem sie den amtierenden Fürsten getötet haben. Bestenfalls würde das Land nach einer derartigen Tat in Anarchie versinken, da es keinen rechtmäßigen Erben gibt. Hier wird das feudale System zugunsten eines idiotischen Plots völlig ausgeklammert. In „The Winds of Winter“ (Folge 10 von Staffel 6, nicht der unveröffentlichte Roman) schließt sich Dorne unter Ellarias Führung schließlich mal eben schnell Daenerys an. Damit hat sich Dorne als Schauplatz wohl erst einmal erldeigt, es sei denn, Daenerys benutzt es in der nächsten Staffel als Basis für ihren Eroberungsfeldzug.

Intermezzo: Chicken
Als angekündigt wurde, dass Ian McShane in Staffel 6 eine Gastrolle spielen würde, begann das Spekulieren, das sich als müßig erwies, da er eine neue Figur namens Bruder Ray verkörpert. Burder Ray ist Teil eines… interessanten Inzermezzos in Episode 7 der sechsten Staffel mit dem Titel „The Broken Man“. In dieser Folge stellt sich heraus, dass Sandor Clegane, der Bluthund, den Arya Stark in der letzten Folge der vierten Staffel sterbend zurückließ, noch ziemlich quicklebendig ist und einer kleinen Gemeinde, angeführt von Bruder Ray, dabei hilft, eine Septe zu bauen. Offenbar hat er der Gewalt mehr oder weniger abgeschworen.

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Bruder Ray (Ian McShane)

Unter Buchfans existierte schon lange die Theorie, Sandor Clegane habe überlebt. In „A Feast for Crows“ landen Brienne und Pod auf ihrer Reise durch die Flusslande auf einer Art „Klosterinsel“ des Glaubens; dort finden sie einen sehr großen, schweigsamen Totengräber, der Sandor Clegane sein könnte. Diese Theorie wird durch die Anwesenheit von Cleganes Pferd Fremder bestärkt. Auch weiß der „Klostervorsteher“, der als Vorbild für Bruder Ray fungiert haben könnte, erstaunlich viel über den Bluthund. Einer beliebten Fantheorie zufolge wird Sandor Clegane in „The Winds of Winter“ in Cersei Lannisters Gottesurteil gegen seinen eigenen, von Qyburn verfrankensteinten Bruder Gregor antreten. Als ich „The Broken Man“ sah, dachte ich, dass dies auch in der Serie der Fall sein würde, es stellte sich aber als eine der wenigen Fantheorien heraus, die Staffel 6 nicht bestätigt. Bislang ist das Intermezzo relativ folgenlos geblieben: Ehemalige Anhänger der Bruderschaft ohne Banner töten Bruder Ray und seine Gemeinde, was Sandor nicht besonders gut verkraftet. Es kommt schließlich zu einem Wiedersehen mit Beric Dondarrion und Thoros von Myr (Ersterer wurde in den Romanen von der untoten Catelyn Stark als Anführer der Bruderschaft abgelöst; damit dürfte klar sein, dass es in der Serie dazu sicher nicht mehr kommen wird), die es schaffen können, Sandor für ihre Sache zu rekrutieren. Gemeinsam wollen sie nach Norden ziehen; vermutlich kommt es in der nächsten Staffel zu Begegnungen mit Jon Snow, Melisandre und/oder Sansa – besonderes Letztere könnte interessant werden.

A Thousand Eyes and One
Nachdem er eine Staffel Pause gemacht hat, ist Bran Stark nun zurück und lernt von Lord Brynden Rivers, alias Bloodraven, alias Dreiäugige Krähe (nun nicht mehr, wie in der letzten Folge der vierten Staffel, von Struan Rodger, sondern von Max von Sydow dargestellt) die Grünseherei. Wie schon in den Romanen erinnert das Setting an Luke Skywalkers Dagobah-Aufenthalt in Episode V. Die Star-Wars-Assoziationen werden noch durch Max von Sydow verstärkt, der eine Obi-Wan-artige Figur spielt (inklusive Tod des Mentors) und darüber hinaus, wenn auch nur kurz, in „Das Erwachen der Macht“ als Lor San Tekka zu sehen war.

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Die dreiäugige Krähe (Max von Sydow) unterrichtet Bran Stark (Isaac Hempstead-Wright)

Während Bran in den Romanen in der Lage war, durch die Augen der Wehrholzbäume zu sehen und so Zeit und Raum zu überwinden, ist er in der Serie nicht an die Wehrholzbäume gebunden und kann offenbar zu jedem Ort seiner Wahl reisen. Das erlaubt den Machern, mehrere Rückblicke einzubauen und mehrere Fragen zu beantworten, die uns Fans schon lange plagen. So sehen wir unter anderem, dass es sich beim ersten Weißen Wanderer, dem sogenannten „Night King“, um einen Menschen handelt, der von den Kindern des Waldes durch ein Blutopfer verwandelt wurde, um als Waffe gegen die einfallenden Ersten Menschen zu dienen. Das Geheimnis von Hodors Name und Kondition wird kurz vor seinem Tod enthüllt („Hold the Door“) und die Frage, wer Jon Snows Eltern sind, wird, wie oben bereits erwähnt, beantwortet. Schließlich gelingt es dem Night King, in das geheime Versteck der Krähe einzubrechen und diese zu töten, wodurch Bran sein Nachfolger wird. An dieser Stelle greifen Benioff und Weiss ein weiteres Element der Romane auf: Ein mysteriöser, vermutlich untoter Reiter in der Kleidung der Nachtwache, der sich als Benjen Stark entpuppt, taucht auf und rettet Bran und Anhang (in „A Storm of Swords“ rettet er allerdings Sam und Gilly und bringt Bran, Meera, Jojen und Hodor zu Brynden Rivers, während seine Identität nie enthüllt wird). Eine weitere Stark-Wiedervereinigung wird somit sehr wahrscheinlich.

We Do Not Sow
Noch eine Gruppe von Figuren, die eine Staffel lang Pause gemacht hat. Zum letzten Mal haben wir Yara (bzw. Asha) in Staffel 4 gesehen, als sie versuchte, Theon aus Ramsays Klauen zu befreien. Ihr Handlungsstrang aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ wurde aus Staffel 5 komplett entfernt. Einige Elemente werden nun hier nachgeholt, die meisten wurden jedoch völlig verändert. In der Serie wie in der Vorlage stirbt Balon Greyjoy (bei Martin sogar noch vor der Roten Hochzeit), was zur Folge hat, dass der Königsthing von Balons jüngstem Bruder, dem zum Priester gewordenen Aeron (Michael Feast) einberufen wird, der Balons Bruder Euron (Pilou Asbæk) zum König der Iron Islands wählt, während Yara/Asha übergangen wird. So viel zu den Gemeinsamkeiten. In der Serie fehlen allerdings einige signifikante Faktoren, primär Balons dritter Bruder Victarion. Dafür ist Theon Greyjoy in der Serie zugegen, nachdem er Sansa geholfen hat und dann per Expressschiff nach Pyke gefahren ist. Und während Asha nach dem Königsthing im Norden eine eroberte Burg hält und später als Kriegsgefangene von Stannis Baratheon endet, begeben sich Theon und Yara mit ihren Getreuen gen Osten und schließen sich Daenerys an, da ihr Onkel ihnen nach dem Leben trachtet.

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Euron Geryjoy (Pilou Asbæk)

Ich bin mit der Umsetzung dieses Handlungsstranges ehrlich gesagt nicht besonders zufrieden, was vor allem an der Besetzung Euron Greyjoys liegt. Pilou Asbæk passt für mich überhaupt nicht in die Rolle des charismatischen, mysteriösen Piraten, den George R. R. Martin beschreibt; dafür hätte es jemanden wie Mads Mikkelsen gebraucht. Asbæk hätte perfekt zum geschnittenen Victarion gepasst. Auch geht alles ziemlich schnell und wirkt irgendwie sehr klein. Die Iron Islands sind nun nicht die prächtigste Gegend von Westeros, aber in den Romanen hatte man dennoch das Gefühl, dass hier ein bedeutendes Ereignis stattfindet, dem alle wichtigen Bewohner der Iron Islands samt Gefolge beiwohnen. In der Serie laufen beim Königsthing höchstens zehn bis zwanzig Leute herum.

I Am No One
Arya wird nach wie vor von den Männern und Frauen ohne Gesicht trainiert, bzw. von dem Mann und der Frau. Wie bei Martin ist sie vorübergehend blind und erlangt im weiteren Verlauf ihre Sehkraft wieder – ein weiterer Aspekt, der noch aus den Büchern stammt. Das Problem in der Serie: Aryas Ausbildung mäandert so vor sich hin und ist einfach nicht interessant, während sie in den Büchern tatsächlich auf abwechslungsreiche Missionen geschickt wird. Erst, als sie in der Serie den Auftrag erhält, eine bestimmte Schauspielerin namens Lady Crane (Essie Davis) zu töten, kommt ein wenig Leben in ihren Handlungsstrang. Besagte Schauspielerin ist nämlich Teil eines Ensembles, das ein Theaterstück aufführt, das auf den Ereignissen in Westeros basiert und dem Ganzen eine schöne Metaebene hinzufügt. Nicht von ungefähr erinnert das Stück an Shakespeares Verarbeitung der Rosenkriege. Im Stück tritt Tyrion als Schurke á la Richard III. auf, eine historische Persönlichkeit, die durch die Geschichtsschreibung der Tudors im Allgemeinen und William Shakespeares gleichnamiges Stück im Besonderen als einer DER machiavellistischen Schurken der Weltliteratur gilt. Tatsächlich basiert Tyrion zumindest teilweise auf Richard III., der in der Realität gar nicht so übel war, zwar durchaus intelligent und rücksichtslos, aber bei weitem nicht das tyrannische Monster, als das Shakespeare ihn zeichnet. Die Idee für dieses „Stück im Stück“ stammt übrigens von Martin selbst, es ist Teil eines im Vorfeld veröffentlichten Arya-Kapitels aus „The Winds of Winter“.

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Lady Crane (Essie Davis) spielt Cersei Lannister

Wie dem auch sei, das Stück veranlasst Arya dazu, Jaqen H’Gars Anweisungen und Methoden zu hinterfragen. Nach einer Auseinandersetzung mit der Herrenlosen („the Waif“) hört sie schließlich auf, Niemand zu sein und nimmt ihre alte Identität wieder an, um in der letzten Folge mal eben kurz Walder Frey zu töten. Das bringt mich zu einem verwandten Thema: Reisewege werden in dieser Staffel fast völlig ausgeklammert. Selbst unter Berücksichtigung der von Autoren und Produzenten getätigten Aussage, dass die Handlungsstränge nicht synchron verliefen, passt das alles nicht so recht. Dass die Schlusszene der letzten Folge, in der Daenerys‘ Flotte gen Westeros segelt, zeitlich von den anderen Ereignissen der Episode entfernt ist, kann ich noch akzeptieren (in der Flotte sind dornische Schiffe, was erklären würde, wie Varys von Dorne wieder zu Daenerys gekommen ist), aber das Tempo, in dem sich Littlefinger bewegt, legt nahe, dass er ein Jet-Pack besitzt – bereits seit Staffel 2 eine beliebte Fantheorie.

The North Remembers
Am Ende von Staffel 5 stapelten sich die Cliffhanger im Norden regelrecht: Stannis Armee wurde von den Boltons besiegt, er selbst von Brienne getötet, während Sansa und Theon entkommen konnten und Jon Snow von seinen eigenen Brüdern ermordet wurde. Besonders Letzteres geisterte ausgiebig durch die Medien und allen Beteiligten wurde die Frage gestellt: „Ist Jon Snow wirklich tot?“ Das ist natürlich die falsche Frage, sie müsste eigentlich lauten: „Bleibt Jon Snow tot?“ Und natürlich bleibt er das nicht, schließlich ist Melisandre im Nebenzimmer. Ob es wirklich sie war, die Jon Snow wiedererweckt hat, oder ob es auch mit einem getöteten Schattenwolf zusammenhängt, wurde im Fandom heftig debattiert, von der Serie aber nicht aufgeklärt – letztendlich ist es auch irrelevant. Die Fronten klären sich im Norden endgültig: Nach Stannis‘ Tod wird Ser Davos Seaworth zu Jon Snows rechter Hand, Sansa erreicht sicher die Mauer, es kommt zur Wiedervereinigung von Halbbruder und Halbschwester und Tormund macht Brienne schöne Augen. Ramsay bekommt derweil noch einmal ausreichend Gelegenheit dazu, sich so richtig fies zu verhalten, u.a. in dem er seinen eigenen Vater tötet, so ziemlich die einzige Person, die ihn noch kontrollieren könnte, und auch gegenüber Walda Frey, Rickon Stark und Osha verhält er sich sehr Ramsay-typisch. Mal ehrlich: Langsam aber sicher wiederholt man sich an dieser Front viel zu sehr, wir wissen schon seit Staffel 3, was für ein Monster Ramsay ist, wir müssen nicht alle zwei Folgen daran erinnert werden.

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Jon Snow (Kit Harrington) im Getümmel der Schlacht

Die nördlichen Handlungsstränge gipfeln alle schließlich in einer Schlacht, die den (oder zumindest einen) dramatischen Höhepunkt dieser Staffel darstellt, ganz ähnlich wie in den Staffeln 2 und 4. Jon Snow, die Wildlinge und einige Häuser des Nordens, primär die Mormonts, stehen auf der einen Seite, Ramsay und einige andere auf der anderen. Die Schlacht der Bastarde vor den Mauern Winterfells ist optisch beeindruckend und vermittelt ausgezeichnet die Klaustrophobie eines solchen Ereignisses. Gleichzeitig gibt es aber auch einige Aspekte, die mich genervt haben. Da wäre zum einen Jon Snows völlig kopfloses Verhalten und zum anderen die Tatsache, dass schon wieder am Ende die Kavallerie auftaucht, um den Tag zu retten. Gut, es war abzusehen, aber dennoch. Jedenfalls wird Ramsay nach seiner Niederlage von seinen eigenen Hunden gefressen, das Stark-Banner weht wieder über Winterfell und Jon Snow wird von den Lords des Nordens zum König im Norden erhoben – kommt mir vage bekannt vor. Nach so vielen Staffeln, in denen es mit den Starks bergab ging, kann man ihnen durchaus ein wenig Erfolg gönnen (dass Rickon tot ist, scheint niemanden groß zu interessieren). Wir werden sehen, ob Jon Snow als König mehr Erfolg hat als Robb Stark.

The Lannisters Send Their Regards
Zu Anfang von Staffel 6 ist Cersei am Ende: Sie wurde öffentlich gedemütigt und verfügt über keinerlei Macht mehr. Und es kommt noch schlimmer: Dem Hohen Spatz gelingt es, ihren Sohn Tommen auf seine Seite zu ziehen. Darüber hinaus will Tommens Kleiner Rat, primär bestehend aus Ser Kevan Lannister und Lady Olenna Tyrell, ihr keinerlei Macht oder Kontrolle zugestehen. Bis zum Ende der Staffel sieht das ganz anders aus… Tatsächlich wirkt der Großteil des King’s-Landing-Handlungsstrangs wie ein weiterer, konstanter Abstieg Cerseis, während der Hohe Spatz seine Macht sichert und weiter ausbaut, um das Königreich endgültig zu übernehmen. In der Mitte der Staffel plant Cersei sogar einen Coup, ihr gelingt es, Kevan Lannister und Olenna Tyrell zu überzeugen, Margaery mit Gewalt aus den Klauen Glaubens zu befreien, um einen Marsch der Schande zu verhindern – nur um festzustellen, dass der Hohe Septon es geschaft hat, König und Königin zu seinen Marionetten zu machen. Die Situation wird für die königliche Witwe immer verworrener, also greift sie zu verzweifelten Maßnahmen und tut, was Alexander der Große mit dem gordischen Knoten tat. Als alle Würdenträger des Reiches (inklusive Margaery, Loras und Mace Tyrell, Kevan Lannister und natürlich dem Hohen Spatz) in Baelors Septe versammelt sind, jagt sie sie mithilfe von Seefeuer in die Luft. Umso ironischer, dass Tommen daraufhin Selbstmord begeht und Cersei somit die Schuld am Tod ihres letzten Kindes trägt. Ich persönlich finde, dass das alles etwas zu schnell und einfach geht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Handlungsstrang bei Martin ganz anders verlaufen wird (wenn auch eventuell mit ähnlichem Ausgang), schon allein wegen diverser Faktoren, die in der Serie keine Rolle spielen, etwa der Tod Kevan Lannisters durch Varys und die Landung Aegons VI. Auf der anderen Seite: Sämtliche Cersei-Szenen der letzten Episode sind exzellent inszeniert, Ramin Djawadi hat hier wirklich gelungene Musik geschrieben (primär das Stück Light of the Seven), Atmosphäre, Bildsprache – alles wunderbar gelungen. Ganz allgemein ist die Ironie dieser Entwicklung natürlich köstlich, und das nicht nur, weil Cersei Tommens Tod nun selbst herbeigeführt hat. Mehr denn je erinnert sie in dieser Folge an Aerys Targaryen, der King’s Landing mit Seefeuer zerstören wollte – genau das, was Cersei nun teilweise getan hat. Wird Jaime nun auch zum „Queenslayer“? Wird eine Targaryen die irre Lannister-Königin töten, so wie ein Lannister den irren Targaryen-König getötet hat?

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Cersei aus dem Haus Lannister, die Erste ihres Namens, Königin der Andalen (der Rhoynar) und der Ersten Menschen und Protektor der Sieben Königreiche (Lena Headey)

Apropos Königsmörder: In diesem Zusammenhang ist wohl noch Jaimes kleiner Abstecher in die Flusslande erwähnenswert, in dessen Rahmen wir die Freys und Tullys wiedersehen. Wie bereits erwähnt handelt es sich hier um Material aus den Romanen, das noch nachgeholt wurde, wenn auch stark zurechtgestutzt. Das Ganze funktioniert dennoch relativ gut, weil Jaimes Handlungsstrang in „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ realtiv episodisch verläuft. Ich freue mich, dass diese Elemente der Romane es noch in die Serie geschafft haben, obwohl es sich letztendlich um Füllmaterial handelt und man nicht viel durch das Weglassen verloren hätte.

Fire and Blood
Auch im weit entfernten Meereen gibt es noch etwas Buchmaterial, das es aufzuarbeiten gibt. Der komplexe Daenerys-Handlungsstrang aus „A Dance with Dragons“ wurde in Staffel 5 nur sehr reduziert umgesetzt; während sich die Mutter der Drachen am Ende besagter Staffel an derselben Stelle findet wie ihr Buchgegenstück – umringt von Dothraki – sieht das in Meereen anders aus. Die Stadt wird im Roman von den Streitkräften (bzw. den Sklaven- und Söldnerheeren) von Yunkai, Astapor, Neu Ghis und Volantis belagert. Ser Barristan Selmy, den Benioff und Weiss bereits sehr unrühmlich abgemurkst haben, findet sich als „Hand der Königin“ wieder und muss versuchen, diese chaotische Stadt, die von innen und außen belagert wird, zu regieren. Die Serie setzt diesen Sachverhalt ganz ähnlich um, nur dass es hier Tyrion ist, der mithilfe von Varys, Missandei und Grey Worm die Ordnung aufrecht erhalten muss, während Daario und Jorah nach Daenerys suchen. Wie bei Martin rücken schon bald die Belagerer aus Yunkai und Astapor an, die den Sklavenhandel wieder vollständig einführen wollen. Bei all seiner Gewitztheit gelingt es Tyrion trotz allem nicht, den Angriff auf die Stadt zu verhindern.

Im Gegensatz dazu marschiert Daenerys fast schon von Erfolg zu Erfolg. Sie wird von den Dothraki nach Vaes Dothrak gebracht, wo sie Teil der Dosh Khaleen, der Khals-Witwen werden soll, worauf sie allerdings keine Lust hat. Mit der Hilfe Jorahs, Daarios und einiger Dosh Khaleen schafft sie es, die regierenden Khals zu töten, einen ähnlichen Auftritt wie in Staffel 1 hinzulegen und so sämtliche Dothraki auf ihre Seite zu ziehen. Dann gelingt es ihr auch mal eben schnell, Drogon völlig zu kontrollieren, sodass sie mit einer weiteren Armee in Meereen einmarschieren und die Sklavenhändler genüsslich grillen kann. Am Ende geht es mit der Flotte der Eisenmänner gen Westeros.

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Daenerys (Emilia Clarke) macht Tyrion (Peter Dinklage) zur Hand der Königin

Auch hier läuft alles für meinen Geschmack ein wenig zu schnell und problemlos. Man kann Benioff und Weiss schon verstehen: Nach so vielen Staffeln wollen sie dem Publikum geben, worauf es wartet (oder worauf sie glauben, dass es wartet). Leider wird hier oftmals die Glaubwürdigkeit und Logik geopfert, vor allem bezüglich der Zähmung Drogons, der auf jedwede Suggestion am Ende von Staffel 5 noch sehr unwillig reagiert hat, während er jetzt plötzlich vollkommen ergeben ist.

Winter Has Come
Die sechste Staffel von „Game of Thrones“ ist für mich außerordentlich schwer zu bewerten. Um eines gleich einmal vorwegzunehmen: Ich mochte sie insgesamt definitiv lieber als Staffel 5. Bei dieser hatte ich stets das Gefühl, dass die Schockmomente inzwischen zum Selbstzweck geworden sind und ohne Rücksicht auf Verluste (oder Logik) umgesetzt wurden. Auch das gnadenlose Eindampfen diverser Handlungsstränge auf ein absolutes Minimum ist mir oftmals sauer aufgestoßen. Staffel 6 arbeitet natürlich mit dem Material aus Staffel 5 weiter, aber gerade in dieser Hinsicht ist es vielleicht von Vorteil, dass sie, mit Ausnahmen, ohne Vorlage agiert und ich keinen Vergleich habe. Somit ist Staffel 6 für mich weitaus weniger frustrierend. Natürlich sterben immer noch viele, viele Leute, aber diese Tode wirken weniger sensationsheischend – wen kümmert schon Rickon Stark?

Darüber hinaus wirkt Staffel 6 auf mich, als versuche man die Fans nun für den langen Aufbau vorheriger Staffeln zu entschädigen, denn plötzlich geht alles verhältnismäßig schnell. Man hat das Gefühl, in fast jeder Folge würde eine wichtige Frage beantwortet oder ein Ereignis treffe ein, auf das man schon lange gewartet hat. Wir erfahren, wer tatsächlich Jon Snows Eltern waren, wie der erste Weiße Wanderer entstand und woher Hodors Name kommt. Mit Ramsay, Walder Frey und dem Hohen Spatz sterben einige der verhasstesten Figuren, Haus Stark gewinnt wieder an Stärke, Daenerys bricht gen Westeros auf etc. Gleichzeitig kann ich mich eines bestimmten Gefühls nicht erwehren, dass mich schon in Staffel 5 beschlich: Es ist George R. R. Martins Welt, es sind George R. R. Martins Figuren (mehr oder weniger), aber es ist nicht mehr George R. R. Martins Geschichte, die hier erzählt wird. Das gewisse Etwas, das „Game of Thrones“ zu einer außergewöhnlichen Serie gemacht hat, fehlt. Komplexität, Konsequenz und Logik wird nun oftmals dem Ausgang geopfert, das Ziel ist wichtiger als der Weg.

Natürlich muss man auch beachten: In „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ wurde Martins Welt von Eis und Feuer immer komplexer. Während in den ersten drei Romanen trotz allem einige klare Handlungsstränge auszumachen waren, drifteten sämtliche Figuren nun immer weiter auseinander, es kamen immer mehr Figurenperspektiven dazu, was das adaptieren nicht gerade einfacher macht. Dennoch ist auffällig, wie viel in dieser Staffel, gerade im Vergleich zu den bisherigen, geschieht und wie schnell es voran geht. Und tatsächlich müsste ich lügen, würde ich sagen, dass es darunter nicht viele Dinge gibt, die auch ich nur allzu gerne sehe. Dennoch, „Game of Thrones“ wirkt nun einfacher – ich will nicht sagen „banaler“, aber doch gewöhnlicher, die Handlung, die Figurenentwicklung etc. gleicht stärker anderen TV-Serien. Eine wirklich endgültige Meinung werde ich wohl erst haben, wenn „The Winds of Winter“ erschienen ist und ich weiß, wie Martin seine Geschichte weitererzählt, ob er dieselben Ziele auf anderem Wege erreicht oder ob seine Handlung in eine völlig andere Richtung steuert.

Davon einmal abgesehen ist „Game of Thrones“ nach wie vor die wohl derzeit opulenteste und optisch beeindruckendste Serie überhaupt, gerade bezüglich Dramatik und Bildsprache (bestes Beispiel, wie erwähnt, ist Folge 10) legen Benioff, Weiss und ihre Regisseure noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. Ebenso gibt es bezüglich der Darsteller kaum etwas zu meckern, im Gegenteil. Höchstens die Dornischen sind nach wie vor suboptimal, aber bei zwei kurzen Auftritten fällt das kaum ins Gewicht. Insgesamt definitiv besser als Staffel 5, allerdings merkt man, sowohl in den positiven als auch negativen Aspekten, dass Martin, wenn überhaupt, nur noch marginal an der Serie beteiligt ist und dass Benioff und Weiss seine Geschichte mehr oder weniger hinter sich gelassen haben und ihr eigenes Ding durchziehen.

Game of Thrones Staffel 4

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Eigentlich wollte ich mich ja gerade an den Überblicksartikel zur fünften GoT-Staffel machen, da ist mir aufgefallen, dass etwas Derartiges auch für Staffel 4 fehlt (am Ende meiner Rezension zur zehnten Episode besagter Staffel findet sich lediglich ein kurzes Resümee), weshalb das nun nachgereicht wird. Da das Zusammenfassen der Handlung ohnehin inzwischen zur Farce geworden ist, gehe ich dieses Mal ähnlich vor wie in meinen Artikeln zu den einzelnen Episoden, will heißen: Sortiert nach Handlungssträngen. Dem wird allerdings ein allgemeinerer Teil vorangestellt. Dabei bemühe ich mich, Staffel-5-Spoiler zu vermeiden.

Allgemeines zur Staffel
Insgesamt muss ich leider sagen, dass Staffel 4 nicht ganz auf dem hohen Niveau ist wie die Staffeln 1 bis 3, wobei man hier zweifelsohne differenzieren muss: Wenn Staffel 4 gut ist, ist sie richtig gut, ich wage sogar die Behauptung, dass sie einige der besten Momente der gesamten Serie enthält; „The Lion and the Rose“, die zweite Folge, in der die königliche Hochzeit stattfindet, gehört definitiv in meine Top 5. Leider gibt es nicht nur Höhen, denn nach einem verdammt starken Start offenbaren sich einige massive Probleme, die vor allem struktureller Natur sind und mit der Adaption der Vorlage zusammenhängen. „A Storm of Swords“, der dritte Band der Serie, wurde ja nicht, wie die ersten beiden Bände, in einer Staffel umgesetzt, sondern in zwei, und die negativen Auswirkungen dieser Entscheidung zeigen sich nun: Staffel 4 leidet sowohl unter der Struktur der Serie als auch daran, dass einige Handlungsstränge mehr „Fleisch“ haben als andere. Während es in King’s Landing beispielsweise noch mehr als genug Handlung für eine ganze Staffel gibt, müssen andere Handlungsstränge unnötig in die Länge gezogen werden. Genau hier wäre eine flexiblere Staffelstruktur wünschenswert gewesen. „A Storm of Swords“ hätte sich in meinen Augen entweder als längere Staffel mit 15 Folgen oder als zwei kürzere mit jeweils sieben Folgen am besten umsetzen lassen. Das ist letztendlich allerdings nichts, was man Benioff und Weiss vorwerfen könnte. So wie ich HBO einschätze, besteht der Sender auf einer zehn-Folgen-Staffel pro Jahr und wäre mit verkürzten Staffeln nicht einverstanden gewesen, während eine längere Staffel aus Produktions- und Budgetgründen schlicht nicht umzusetzen gewesen wäre.

Die Hochzeit von Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer)

Die Hochzeit von Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer)

Auch die typische Staffelstruktur erweist sich als problematisch: Bislang gab es in jeder ungeraden Staffel in der neunten Episode einen oder mehrere schockierende Todesfälle, während in den geraden eine Schlacht an einem Schauplatz gezeigt wurde. Staffel 4 folgt diesem Muster (bzw. dem Beispiel von Staffel 2) mit der Schlacht an der Mauer, was sich für den entsprechenden Handlungsstrang allerdings ebenfalls als eher unglücklich erweist.

Was Staffel 4 darüber hinaus auch schadet, sind einige Detailänderungen gegenüber der Vorlage, die jedoch massive Auswirkungen auf diverse Charaktere haben und dafür sorgen, dass die Entwicklung problematisch oder die Tiefe und Glaubwürdigkeit unnötig reduziert wird.

King’s Landing
Schon in den Staffeln 1 bis 3 war King’s Landing so etwas wie das inoffizielle Zentrum der Handlung; hier waren stets die meisten wichtigen Figuren an einem Ort und interagierten miteinander. Auch in Staffel 4 ist dies der Fall; im Großen und Ganzen ist dieser Handlungsstrang derjenige, der am besten und überzeugendsten umgesetzt wird, gerade weil noch genug passiert, um eine ganze Staffel zu füllen. Fast alle Highlights der Staffel finden an diesem Schauplatz statt; in erster Linie sind hier vor allem die königliche Hochzeit, Tyrions Prozess und Oberyn Martell in seiner Gesamtheit zu nennen. Die beiden größten Probleme sind Jaime und Cersei, deren Entwicklung und Verhältnis in dieser Staffel sinnlos mäandert (wir erinnern uns an diese Kontroverse, die zu dem, was da alles in Staffel 5 passiert ist, nun relativ harmlos erscheint) und die sich in der Gegenwart des anderen ziemlich out of character verhalten, sowie die Umsetzung des finalen Tyrion-Kapitels, dem Benioff und Weiss gewissermaßen die Zähne gezogen haben, als hätten sie Angst, Tyrion könne dem Zuschauer zu unsympathisch werden. Dennoch, insgesamt betrachtet gefällt mir die Umsetzung all dessen, was in der Hauptstadt passiert, am besten, was nicht zuletzt auch damit zusammenhängt, dass alles einen natürlichen Fluss hat und sich nicht ausgedehnt anfühlt.

Letztendlich könnte das auch damit zusammenhängen, dass sich in King’s Landing ein letztes Mal die darstellerische Crèmè de la Crèmè der Serie fast komplett versammelt, von Peter Dinklage über Charles Dance, Diana Rigg, Pedro Pascal, Natalie Dormer, Gwendoline Christie (zumindest am Anfang) und so weiter.

Tyrion (Peter Dinklage) wird des Königsmordes angeklagt

Tyrion (Peter Dinklage) wird des Königsmordes angeklagt

Natürlich verlassen die diversen wichtigen Figuren in dieser Staffel King’s Landing nach und nach auf die eine oder andere Weise. Während Joffrey das Zeitliche segnet, brechen Sansa und Littlefinger gen Eyrie auf – ein weiterer Subplot, der zwar recht stark reduziert ist, aber im Großen und Ganzen noch funktioniert, auch wenn Sansas Wandlung ein wenig überbetont wurde.

Die Flusslande
Ab hier wird es schon ein wenig problematisch. In Staffel 4 gibt es zwei Pärchen, die durch die Flusslande wandern und sich am Schluss, im Staffelfinale begegnen: Das wären zum einen Brienne und Podrick und zum anderen Arya und Sandor Clegane. Das Interessante an dieser Angelegenheit ist, dass der Trip des einen Pärchens massiv verkürzt , während der des anderen ausgedehnt wurde. In „A Storm of Swords“ haben Arya und Clegane nach der Roten Hochzeit nicht mehr viel zu tun, die Szene im Gasthaus aus „Two Swords“ findet mit minimalen Abweichungen auch im Roman statt, dabei wird Clegane verletzt und wir springen im Grunde direkt zu den Ereignissen, die in „The Children“ thematisiert werden. Das heißt, Aryas und Sandors Wanderung musste um eine ganze Staffel ausgedehnt werden, und in meinen Augen merkt man das auch, da sie gefühlt immer wieder dasselbe Gespräch führen und Arya mit kleinen Abweichung mindestens zwei, drei Mal die gleiche Lektion lernt.

Briennes und Pods Weg stamm dagegen bereits aus „A Feast for Crows“ und wurde gegenüber der Vorlage sehr stark vereinfacht, da die beiden auf ihrem Weg einigen neuen und alten Charakteren begegnen, u.a. Gendry, Rorge und Beißer (die in der Serie von Arya und dem Bluthund erledigt werden) und Sams Vater Randyll Tarly. Trotzdem erscheint ihr Handlungsstrang weniger redundant als der des anderen Pärchens, was auch damit zusammenhängen könnte, dass sie nicht eine ganze Staffel umherwandern, sondern nur eine halbe.

Brienne (Gwendoline Christie) kämpft gegen den Bluthund (Rory McCann)

Brienne (Gwendoline Christie) kämpft gegen den Bluthund (Rory McCann)

Die endgültige Begegnung beider Pärchen entstammt ebenfalls nicht der Vorlage. Ich kann gut verstehen, weshalb Benioff und Weiss sich dafür entschieden haben, gleichzeitig wirkt sie dann aber doch ziemlich unwahrscheinlich und geht am eigentlichen Zweck des Ganzen vorbei: Vor allem bei Brienne und Pod zeigt sich, welche Schäden der Krieg hatte und wie er sich auf das gemeine Volk auswirkte, etwas, das in der Serie kaum angerissen wird. Letztendlich lässt sich hier folgendes (in dieser Besprechung noch öfter auftauchendes) Urteil ziehen: Die Flusslande sind halblebig umgesetzt und hätten entweder mehr oder weniger Zeit benötigt; entweder braucht es radikalere Kürzungen oder mehr Zeit, um der Komplexität der Situation gerecht zu werden.

Dreadfort
Die Geschichte um Theon Greyjoy und Ramsay Snow war in Staffel 3 ziemlich ermüdend, weil es im Grunde immer nur körperliche und psychische Zermürbung gab. In Staffel 4 bessert sich das, weil sich der Handlungsstrang tatsächlich von A nach B bewegt. Im Grunde ist es freilich nicht mehr Theons Geschichte, sondern Ramsays: Er ist derjenige, der einen Auftrag von seinem Vater erhält und am Ende dafür belohnt wird. Auf recht verdrehte Weise erlebt Ramsay hier etwas, das der klassischen Heldenreise ähnelt, um am Ende die Anerkennung seines Vaters zu ernten. Natürlich steht letztendlich trotzdem Theon irgendwie im Fokus, aber er bleibt Wrack und fungiert als reine Spielfigur. Interessanterweise funktioniert das ganz gut, was auch daran liegen könnte, dass das Meiste trotz allem auf Elementen aus „A Dance with Dragons“ basiert. Das kurze Intermezzo mit Yara/Ahsa und den Ironborn ist freilich ebenso nutzlos wie unlogisch und dient lediglich dazu, ein wenig Action unterzubringen und den Zuschauer daran zu erinnern, dass diese Figur noch existiert, aber darüber kann man großzügig hinwegsehen.

Meereen
Daenerys‘ Handlungsstrang in dieser Staffel ist praktisch zweigeteilt: Die erste Hälfte beschäftigt sich mit ihrer Eroberung von Meereen, die zweite mit der Etablierung ihrer Herrschaft und den Schwierigkeiten, die sie dabei hat. Auch hier gibt es das eine oder andere Problem, nicht so gravierend wie in den Flusslanden, aber dennoch. Ich muss zugeben, schon in den Romanen ist Meereen nicht unbedingt mein liebster Handlungsort, und die Serie macht das leider nicht besser. Der grundsätzliche Verlauf (Benioff und Weiss bedienen sich hier auch wieder bei „A Dance with Dragons“) bleibt intakt, Daenerys lernt, dass es weitaus schwieriger ist, eine Stadt zu regieren als eine zu erobern. Allerdings wird die Komplexität stark reduziert; das allein wäre weniger problematisch, allerdings wirken die Daenerys-Szenen zu fragmentiert, um wirklich zu einem Handlungsstrang zusammenzuwachsen, und dann sind da noch die Fokusprobleme: Wo man die Söhne der Harpyie hätte vorbereiten können, dichtet man Grey Worm und Missandei lieber eine Romanze an.

Die Mauer
Den Handlungsstrang mit dem größten Strukturproblem habe ich mir für den Schluss aufgehoben (Bran und Co. sind hier integriert). An dem, was Jon Snow in dieser Staffel so treibt, zeigt sich zum ersten Mal die Schwäche der GoT-Staffel-Struktur. Die große Schlacht, die eine ganze Episode in Anspruch nimmt, hat in Staffel 2 toll funktioniert, hier jedoch… Man verstehe mich nicht falsch, die Episode selbst, „Watchers on the Wall“, gehört zu den Highlights der Staffel, aber ansonsten ist der Jon-Snow-Handlungsstrang höchst redundant, was vor allem damit zusammenhängt, dass man Jon, Sam und den Rest der Nachtwache beschäftigen muss, bis die Wildlinge eintreffen. Dieses Problem gibt es im Roman nicht, da es kein Doppelangriff ist, bei Martin attackieren zuerst die Wildlinge, die sich südlich der Mauer befinden, und dann erst greift Mance Rayders Armee von Norden an. Betracht man „Watchers on the Wall“ separat, dann funktioniert der Doppelangriff sehr gut, aber es handelt sich hier nun einmal um eine Serie, in der die Folgen eben gerade nicht separat stehen, weshalb die Zusammenlegung der Staffel insgesamt schadet. Damit Jon und Co. nicht eine Staffel lang nur herumsitzen müssen, dürfen sie nach Norden aufbrechen, um die Meuterer zu bekämpfen, die sich in Craster’s Keep eingenistet haben und ganz zufällig gerade Bran, Hodor, Meera und Jojen gefangen genommen haben, sodass es zu einer weiteren Beinahebegenung kommt. Das Ganze ist leider reines Füllmaterial, hat keinerlei Auswirkungen auf die Figuren, wirkt höchst unglaubwürdig und ist nicht einmal unterhaltsam. Der Sam/Gilly-Subplot, in dessen Rahmen Sam seine Angebetete in einem Bordell in Molestown unterbringt, damit sie nicht von den schwarzen Brüdern vergewaltigt wird (wie hirnverbrannt ist das denn?), ist ähnlich redundant. Insgesamt haben Benioff und Weiss einer wirklich gelungenen Folge einen kompletten Staffel-Handlungsstrang geopfert.

Ygritte (Rose Leslie) stirbt in Jon Snows (Kit Harrington) Armen

Ygritte (Rose Leslie) stirbt in Jon Snows (Kit Harrington) Armen

Zum Abschluss noch ein Wort zu Stannis, bei dem es ähnliche Probleme gibt; diese sind aber weniger gravierend, weil das Füllmaterial weniger Platz einnimmt. Und anders als bei Jon Snow gibt es hier kein Material, das die Serienautoren hätten umverteilen können. Stannis hat in dieser Staffel bis zu seinem Auftauchen an der Mauer kaum Mehrwert, was aber letztendlich verzeihlich ist, da er im Vergleich zu Jon Snow doch eher sekundär ist.

Fazit: Staffel 4 von „Game of Thrones“ erweist sich als bisher zwiespältigste Staffel der Serie mit den größten Qualitätsschwankungen. Hier stehen Serienhighlights neben strukturell und inhaltlich bisher nicht gekannten Tiefpunkten.

Blogparade: Buch vs. Film

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In den letzten beiden Wochen hatte ich recht wenig Zeit zum Schreiben, eine Blogparade ist da genau der richtige Anreiz, besonders, wenn es zum Thema so viel zu sagen gibt wie zu diesem. Initiatorin ist Miss Booleana, und der Titel lautet „Buch vs. Film“. Adaption ist ein Thema, das mich grundsätzlich sehr interessiert und mit dem ich mich auch immer wieder beschäftige. Viel zu oft hört bzw. liest man Sätze wie „Das Buch ist immer besser“, was freilich eine völlig unreflektierte, verallgemeinerte und pauschalisierte Aussage ist, und derartigen Aussagen kann ich einfach nichts abgewinnen.

Letztendlich stellt sich die Frage: Was macht eine gute Adaption aus? Ich will ungern allgemeingültige Aussagen treffen, denn letztendlich sollte man sich jedes Werk individuell betrachten, aber ich will dennoch versuchen, etwas Umfassenderes zu dieser Frage zu sagen. Einerseits gibt eine Adaption, die sich so genau wie möglich an die Vorlage hält, meistens kein besonders gutes Werk ab. Wann immer man eine Geschichte von einem Medium ins andere überträgt, muss man zwangsläufig Abstriche machen. Stilmittel, die in der Literatur funktionieren, wirken in Filmen oft bestenfalls komisch. Innere Monologe sind dafür ein gutes Beispiel. Natürlich gibt es Ausnahmen, in „Sin City“ funktionieren diese beispielsweise auch im Film (dazu später mehr), aber meistens läuft es doch wie bei David Lynchs Adaption von Frank Herberts „Dune: Der Wüstenplanet“. Dort wurden die inneren Monologe auch in den Film integriert – und das Ganze funktioniert einfach nicht.

Andererseits hat die Adaption gegenüber der Vorlage schon eine gewisse Verantwortung. Wenn ein Studio bzw. ein Filmteam sich dazu entscheidet, ein Werk zu adaptieren, dann sollen sie doch bitte auch das Werk adaptieren und nicht einfach irgendetwas machen, das mit der Vorlage nichts mehr zu tun hat, denn wieso sollte man dann überhaupt adaptieren, wenn man ohnehin sein eigenes Ding dreht? Eine Adaption kann und soll der Vorlage nicht minutiös folgen, doch ich denke, der „Geist“ des ursprünglichen Werkes sollte erhalten bleiben. Ob und in wie weit das der Fall ist, ist natürlich wieder sehr diskutabel.

Freilich sollte man auch hier ein wenig differenzieren: Wie die meisten anderen Menschen auch messe ich mit mehreren Maßstäben; wenn mir das ursprüngliche Werk egal ist, ich es nicht kenne oder nicht schätze, stört mich eine freie Adaption nicht besonders und dann interessiert es mich nicht, ob der Geist der Vorlage erhalten geblieben ist. Auch bei Werken, die schon mehrfach adaptiert wurden, kann eine freiere Interpretation interessant sein – ich meine hiermit klassische Geschichten, die seit Jahrzehnten, Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden in verschiedener Form immer und immer wieder erzählt wurden, von der Odysee über Dracula bis hin zu Batman. Ein gewisse Gemeinsamkeit mit der Vorlage, ein gemeinsamer Nenner, sollte aber auch hier vorhanden sein.

„Der Herr der Ringe“ vs. „Der Herr der Ringe“
Beginnen wir mit einer Adaption, die gemeinhin als positives Beispiel für den Wechsel einer Geschichte von Buch zu Film gilt. Freilich gibt es da Tolkien-Puristen, die dem vehement widersprechen würden, ich persönlich teile allerdings die Ansicht, dass es sich bei Peter Jacksons HdR-Trilogie um eine hervorragende Adaption von Tolkiens Werk handelt. Grundsätzlich scheuen Jackson und seine Drehbuch-Co-Autorinnen Fran Walsh und Philippa Boyens sich nicht davor, einige Abläufe und Elemente doch recht stark zu verändern. Manches davon ist fast schon unumgänglich: In „Die Gefährten“ funktioniert der lange Anfang im Auenland in Filmform einfach nicht, speziell, wenn der Film nicht sechs bis sieben Stunden lang sein soll. Ähnlich verhält es sich mit Tom Bombadil, der zur eigentlichen Geschichte praktisch nichts besteuert. Oftmals gehen Jackson und Co. allerdings noch einige Schritte weiter, was letztendlich mit der Natur der Vorlage zusammenhängt. Professor Tolkien ist ein genialer Sprach- und Weltenschöpfer, der seine Sekundärwelt mit einem Detailgrad ausgestattet hat, den man in anderen Werken selten findet. Dramaturgie zählt allerdings nicht unbedingt zu seinen Stärken – wobei das ein wenig vereinfacht ausgedrückt ist. Vielmehr sollte man sagen: Tolkiens Sinn für Dramaturgie war sehr eigen, geprägt von den nordischen Sagen und Epen, auf denen Mittelerde letztendlich basiert. Sowohl im „Herrn der Ringe“ als auch in seinen anderen Werken tut Tolkien Dinge, vor denen Standardwerke über Literatur und Grundkurse für kreatives Schreiben warnen und die heute wohl kein Lektor mehr akzeptieren würde. Gerade deshalb ist der „Herr der Ringe“ ein ziemlich einzigartiges Werk – aber viele dieser Kniffe, etwa die strikte Trennung zwischen Frodo und Sam und dem Rest der Gefährten in „Die zwei Türme“, funktionieren in einem Film einfach nicht, weshalb stärkere Anpassungen nötig sind.

Schließlich und endlich würde ich behaupten, dass Jackson Tolkiens Roman nicht nur einfach adaptiert hat, er hat ihn auch, gerade was Struktur und Charaktere angeht, zugänglicher gemacht und ergänzt ihn somit. Zwar geht an einigen Stellen Tolkiens Liebe zum Detail und die inhaltliche Komplexität der Vorlage verloren, allerdings haben die Filmemacher ihren ganz eigenen Sinn für Komplexität, der sich an den Kulissen, den Kostümen oder der Musik (ganz besonders der Musik) zeigt. Und die Vereinfachungen und Änderungen haben in meinen Augen letztendlich keine Auswirkungen auf Geist oder Botschaft der Vorlage. Mehr noch, die Filme folgen der Handlung im Groben ziemlich gut, besonders wenn man bedenkt, was ein „normaler“ Filmemacher vielleicht mit der Geschichte getan hätte (in Tom Shippeys „Der Weg nach Mittelerde“ findet sich hierzu eine passende Anekdote).
Sieger: Unentschieden

„Der Hobbit“ vs. „Die Hobbit-Trilogie“
Die Hobbit-Trilogie ist ein sehr interessanter Fall, gerade, weil sie von denselben Machern kommt wie die HdR-Trilogie und auch weil es nicht die üblichen Faktoren sind, die die Schwächen dieser Adaption ausmachen. Normalerweise geht es darum, was geändert oder weggelassen wurde: Filme haben gemeinhin weniger inhaltliche Kapazität als Romane, weshalb beides unumgänglich ist. In der Hobbit-Trilogie wurde allerdings kaum etwas weggelassen, und selbst die Änderungen sind nicht größer als bei den HdR-Filmen. Hier sind es die Dinge, die Jackson und Co. hinzugefügt haben, die Probleme bereiten, sodass man sich letztendlich fragt, wer die eigentlichen Hauptfiguren sind: Thorin und Bilbo oder Legolas, Tauriel und Alfrid.

Das Scheitern der Hobbit-Trilogie ist insofern schade, da ich denke, dass das Vorhaben hätte gut gelingen können, hätte Jackson es bei zwei Filmen belassen und sich auf Tolkiens Material konzentriert statt Romanzen und sinnlose Action hinzuzufügen. Auch „Der Hobbit“ ist dramaturgisch nicht wirklich leicht umzusetzen, da er sich aus diversen Episoden zusammensetzt, die kaum zusammenhängen; die eigentliche Haupthandlung beginnt erst, nachdem Bilbo und die Zwerge in Esgaroth angekommen sind. Hinzu kommt die Tendenz des Professors, nur wenige Figuren wirklich zu charakterisieren. Diesbezüglich gibt es bei Jackson einige sehr gute Ansätze, besonders bei Bard und Thranduil. Auch an anderen Stellen ist immer wieder die alte Magie zu spüren, aber dann…

Bereits in der HdR-Trilogie arbeitete Jackson oftmals konträr zu Tolkiens Sinn fürs Dramatische: Wo der Professor eher dazu neigt, Ereignisse ein wenig undramatisch zu gestalten, tendiert der Regisseur zur Überdramatisierung. Beim „Herrn der Ringe“ hält sich das bis auf ein, zwei Ausrutscher aber noch in Grenzen, in der Hobbit-Trilogie übertreibt er es aber wirklich mit geradezu exzessiven Szenen, die jeglicher Logik und jeglichen Gesetzen der Physik spotten.

Die Verfilmung des „Hobbit“ war letztendlich ein ambitioniertes Projekt, das gescheitert ist. Der Roman war weitaus weniger ambitioniert, eine Abenteuergeschichte für Kinder, aber letztendlich funktioniert er, besonders, wenn man ihn sich vom Rest Mittelerdes losgelöst betrachtet, einfach besser.
Sieger: Buch

„Watchmen“ vs. „Watchmen“
Alan Moores „Watchmen“ gilt zu Recht als Meisterwerk der graphischen Literatur, als Meilenstein des Medium Comics und als gelungene Dekonstruktion des Superheldengenres. Die gleichnamige Filmadaption gilt ebenfalls zurecht als Zack Snyders bester Film – wobei ich gestehen muss, dass Letzteres weitaus weniger beeindruckend ist als Ersteres, denn Snyders Œuvre ist doch eher durchwachsen. „300“ funktioniert noch ganz gut als Guilty Pleasure, der Rest dagegen ist optisch zwar meistens ganz interessant, aber inhaltlich doch eher mau (nun gut, auf „300“ trifft das eigentlich auch zu, ich habe nur eine gewisse Affinität dafür). Ich denke, Snyders Problem ist vor allem, dass er zwar weiß, wie man coole Bilder auf die Leinwand zaubert, diese aber stets reines Gimmick bleiben und er keine Ahnung hat, wie er seine Stilmittel einsetzen muss, um eine gute Geschichte zu erzählen, egal ob es sich dabei um die Zeitlupe in „300“ oder die Shaky-Cam in „Man of Steel“ handelt; der Einsatz seiner Stilmittel wirkt stets ziemlich willkürlich.

Die beste und gleichzeitig schlechteste Entscheidung von Snyder war es, sich sehr eng an die Vorlage zu halten. Die beste, weil „Watchmen“ einfach eine verdammt gute Geschichte hat und Snyder trotz allem ein relativ gutes Händchen dabei beweisen hat, diese Geschichte visuell umzusetzen und den eigentümlichen Stil bzw. die Farbgebung des Comics gelungen in Filmform zu bringen. Nach wie vor gibt es diverse stilistische Gimmicks, die im Grunde sinnlos sind, aber auch (zumindest mich) nicht weiter stören. Ebenfalls gelungen ist die Darstellung der Figuren; Snyder verzichtete darauf, „Watchmen“ mit großen Namen zu besetzen, sodass die Figur und nicht der Schauspieler im Vordergrund steht, was vollständig aufgeht. Die Tatsache, dass die Vorlage wirklich außergewöhnlich tiefgründig, hochkomplex, perfekt durchdacht und umgesetzt ist, verhindert, dass der Film der Graphic Novel ebenbürtig ist. Kein Film hätte alle Facetten des Werkes umsetzen können, weshalb immer etwas fehlt, der Vergleich zur Vorlage aufgrund der Nähe aber kaum umgangen werden kann. Auf gewisse Weise ist die Adaption gleichzeitig zu dicht und nicht dicht genug am Comic dran.

Auch fehlt dem Film die zeitgeistliche Komponente. „Watchmen“ war, in Bezug auf Weltgeschehen und Comiclandschaft, extrem aktuell und brachte viele Neuerungen, die zum Erscheinen des Films freilich schon lange bekannt waren. Insofern ist der Film in gewissem Sinne veraltet, er ist, anders als der Comic, nicht revolutionär oder bahnbrechend. Aber angesichts dessen, wie eine Adaption dieses Werkes hätte aussehen können, ist Snyders Verfilmung des Kultcomics trotz allem eine ziemlich gelungene Umsetzung, der man die Liebe zur Vorlage anmerkt.
Sieger: Buch (bzw. Comic)

„X-Men: Days of Future Past“ vs. „X-Men: Days of Future Past“
Der letzte X-Men-Film steht hier im Grunde stellvertretend für alle Superheldenadaptionen. Sehr, sehr selten wird ein ganz bestimmter Superheldencomic wirklich direkt umgesetzt. „Watchmen“ ist eine der wenigen Ausnahmen, es gibt auch noch ein paar Zeichentrickfilme, die sich ebenfalls eine bestimmte Vorlage aussuchen und diese ziemlich genau umsetzen. Die meisten Live-Action-Filme dieses Genre vermengen dagegen zumeist Elemente mehrerer Storylines oder Einzelgeschichten. „Batman Begins“ kombiniert beispielsweise Versatzstücke aus „Batman: Year One“, „Batman: The Man Who Falls“ und „Batman: The Long Halloween“, „The Dark Knight“ bedient sich der Comics „Batman: The Long Halloween“ und „Batman: The Killing Joke“ sowie „Batman 1“ aus dem Jahr 1940, während man in „The Dark Knight Rises“ Versatzstücke aus „Batman: The Dark Knight Returns“, „Batman: Knightfall“ und „Batman: No Man’s Land“ findet. Zumindest in dieser Hinsicht ist die Nolan-Trilogie geradezu stereotyp für das Genre.

„Days of Future Past“ ist in diesbezüglich interessant, weil Bryan Singer eine ganz bestimmte Geschichte als alleinige Grundlage verwendete. Von dieser einen Geschichte benutzte er allerdings ausschließlich den Grundplot (dystopische Zukunft, Mutanten stehen kurz vor der Auslöschung durch die Sentinels, ein Mutant wird in die Vergangenheit geschickt, um einen Mord zu verhindern, der die dystopische Zukunft auslöst) sowie den Titel. Das ganze Drumherum ist allerdings radikal anders, weil das X-Men-Filmuniversum sich eben stark vor X-Men-Comicuniversum der 80er unterscheidet und eine genaue Umsetzung einfach nicht funktioniert hätte. „Days of Future Past“ ist eine freie Adaption, die es allerdings schafft, die Vorlage zu übertreffen; der Film bleibt dem Geist des Comics treu, macht die Geschichte aber gleichzeitig größer, emotionaler, epischer und holt schlicht alles aus dem Grundkonzept heraus, was man herausholen kann.
Sieger: Film

„Star Wars Episode III: Die Rache der Sith“ vs.
„Die Rache der Sith“

Drehen wir den Spieß doch einmal um. Romanadaptionen von Filmen sind zwar auch in Deutschland nicht wirklich eine Seltenheit, aber doch weitaus weniger verbreitet als im angloamerikanischen Raum, wo wirklich sehr viele Exemplare dieser Gattung erscheinen, von denen lediglich ein Bruchteil übersetzt wird. Romanadaptionen von Filmen (bzw. von Filmdrehbüchern, evtl. unter Einbeziehung von Rohschnitten, Konzeptzeichnungen etc.) genießen zumeist keinen allzu guten Ruf, da sie sich oft darauf beschränken, das Drehbuch nachzuerzählen, wobei sie eventuell noch ein paar geschnittene Szenen oder Gedanken der Charaktere einfügen. Das Problem dabei ist, dass sie auch der Narrative des Films sehr genau folgen und schnelle Szenenwechsel, Montagen etc. direkt umsetzen. Im Film können diese Wunder wirken, in einem Roman sind sie dagegen fehl am Platz.

Matthew Stovers Romanadaption von „Die Rache der Sith“ dagegen ist ein Idealbeispiel dafür, wie ein Roman zum Film sein sollte. Stover beschränkt sich nicht nur darauf, die Handlung nachzuerzählen und ein paar geschnittene Szenen zu integrieren, er nutzt gezielt die Stärken des Mediums Roman, da er ja auf die Stärken des Mediums Film (Musik, Optik etc.) verzichten muss. Stover lässt die Figuren reflektieren, geht detailliert auf ihre inneren Prozesse ein, konzentriert sich auf die Charaktere als Kern der Geschichte und scheut sich auch nicht davor, Dialoge abzuändern oder Dinge, die rein visuell sind, einfach auszulassen. Während der Film beispielsweise immer wieder nach Kashyyyk schneidet, unterlässt Stover dies, da die Schlacht um Kashyyyk zur eigentlichen Handlung kaum etwas beiträgt und vor allem als Fanservice fungiert („Hey, da ist Chewie“). Letztendlich sorgt Stover dafür, dass alles, was im Film nicht so ganz passt, nahtlos ineinander greift. „Die Rache der Sith“ erzählt nicht einfach nur die Geschichte des gleichnamigen Streifens, der Roman ergänzt den Film, wertet ihn auf und macht ihn logischer, verständlicher und nachvollziehbarer.
Sieger: Buch

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ vs. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 und 2“
Ich bin seit meiner Grundschulzeit Harry-Potter-Fan; im Grunde habe ich die Bücher ziemlich genau im richtigen Alter entdeckt, um bei allem hautnah dabei zu sein; ich bin quasi mit Harry, Ron und Hermine zusammmen aufgewachsen, habe den Büchern und Filmen immer entgegengefiebert, war Teil des Fandoms etc.; tatsächlich bin ich acht Tage Jünger als Daniel Radcliff und habe am selben Tag Geburtstag wie Harry Potter und J. K. Rowling – das muss doch fast schon Schicksal sein. Leider ändert das alles nichts daran, dass ich von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ maßlos enttäuscht war. Nach dem ersten Lesen war das noch nicht der Fall, weil mich der Roman da noch fesseln konnte. Sobald ich allerdings über das Gelesene nachzudenken begann… Mit gefällt nicht, wie die Geschichte endet, mir gefällt nicht, wie sich die wichtigen Figuren entwickeln, und vor allem gefallen mir die massiven Logiklöcher und der furchtbar konstruierte Plot um die Deus-Ex-Heiligtümer absolut nicht. In meinen Augen ist der siebte Harry-Potter-Band als Abschluss der Reihe unwürdig.

Und dann ist da die zweiteilige Verfilmung, die einen Trend begründet hat, der immer noch anhält. Erfreulicherweise ist das Verhältnis zwischen Roman und Filmadaption hier ähnlich wie bei „Die Rache der Sith“: Die Adaption nutzt die Stärken des Mediums, um die Vorlage aufzuwerten. Zwar wird die Geschichte nicht besser oder logischer, aber der Film schafft es, viele der Schwächen ganz gut zu kaschieren und profitiert von der gelungenen Optik, der Musik, kleinen Änderungen und natürlich den grandiosen Schauspielern. Ralph Fiennes sorgt allein durch sein Spiel dafür, dass Voldemort im Film funktioniert, was er im Roman nicht tut. Trotz all seiner Schwächen gelingt es dem Film, mich emotional mitzureißen, was das Buch nicht schafft.
Sieger: Film

„Der Kunde hat immer recht“, „Stadt ohne Gnade“, „Das große Sterben“ und „Dieser feige Bastard“ vs. „Sin City“
Für gewöhnlich funktionier eine eins-zu-eins-Adaption kaum oder gar nicht. „Sin City“ ist gewissermaßen die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Es gibt wohl kaum einen Film, der so nahe an seiner Vorlage ist wie dieser. Natürlich, ein paar winzige Änderungen gibt es, hier eine Szene, die der Schere zum Opfer gefallen ist, da eine kleine Ergänzung, aber insgesamt folgt Robert Rodriguez‘ und Frank Millers Episodenfilm der Handlung der drei adaptiert langen und des einen kurzen Comics sehr genau, und das sowohl inhaltlich als auch optisch. Rodriguez heuerte dazu nicht nur Miller als Co-Autor und –Regisseur an, tatsächlich wurden die Comics als Storyboards verwendet und die meisten Dialoge und Einstellungen fast eins zu eins übertragen.

Was den Film so interessant macht ist, dass er trotz allem eine Eigendynamik entwickelt, die den Comics in dieser Form fehlt. Diese Eigendynamik entsteht, eigentlich ganz simpel, durch die clevere, nonlineare Anordnung der einzelnen Episoden. Die Comics erzählen jeweils eine Geschichte von Anfang bis Ende. Der Film schneidet die Geschichten in nicht chronologischer Ordnung ineinander, ohne sie zu verändern. Wir beginnen mit „Der Kunde hat immer recht“ als Prolog, gefolgt vom Anfang von „Dieser feige Bastard“. Es folgen „Stadt ohne Gnade“ und „Das große Sterben“, bevor der Film mit „Dieser feige Bastard“ und einem extra für den Film verfassten Epilog, der „Der Kunde hat immer recht“ und „Das große Sterben“ auf ironische Weise verbindet, endet. Das mag chronologisch nicht stimmen („Dieser feige Bastard“ spielt in seiner Gesamtheit vor allen anderen Geschichten), funktioniert dramaturgisch aber hervorragend. Der Extended Cut, der im Grunde aus vier separaten Kurzfilmen besteht, ist für Fans der Vorlage interessant, weil er fast alle geschnittenen Szenen des Comics enthält; Dynamik und Dramaturgie der Kinoversion gehen allerdings verloren.
Sieger: Unentschieden

„A Song of Ice and Fire“ vs. „Game of Thrones“
Hätte ich diese Liste vor etwa zwei Jahren angefertigt, wäre das Urteil für „Game of Thrones“ wohl anders ausgefallen, denn bis zur dritten Staffel war die Serie eine sehr gelungene Adaption mit ähnlichen Stärken wie Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Verfilmung. Staffel 4 und 5 (besonders Staffel 5; ich bemühe ich, Spoiler für diese zu meiden und das Ganze auf allgemeine Aussagen zu beschränken) haben mich allerdings dazu gezwungen, dieses Urteil zu revidieren. Insgesamt muss man den Serienmachern zugestehen, dass besonders „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ enorm schwer zu adaptieren sind, weil die Handlung immer weiter zerfasert, King’s Landing als zentrale Örtlichkeit wegfällt und jede der Hauptfiguren im Grunde anfängt, ihr eigenes Süppchen zu kochen. Dennoch: Gerade in Staffel 5, und in geringerem Maße auch in Staffel 4, haben Benioff und Weiss wirklich sehr viele sehr schlechte Entscheidungen getroffen. Staffel 4 hat immerhin noch einige Höhen, um die Tiefen auszugleichen, in Staffel 5 dagegen ist kaum noch etwas von George R. R. Martins Geschichte übrig geblieben. Man kann über Martin sagen, was man will, aber „A Song of Ice and Fire“ ist eigentlich immer nachvollziehbar, die Figuren handeln passend, die Abläufe sind in sich logisch, die aufgestellten Regeln werden befolgt und es gibt Wirkung und Ursache. Staffel 5 dagegen ist, gerade was die Drehbücher angeht, im Niveau sehr stark gesunken. Subplots wurde auf das Minimum reduziert, die Komplexität wird billigem Drama geopfert, die Handlungen der Figuren wirken an den Haaren herbeigezogen und die Schockmomente, für die GoT berühmt ist, die sich aber bisher logisch aus der Handlung ergaben, verkommen zum Selbstzweck. Staffel 5 entfernt sich insgesamt sehr weit von der Buchvorlage – das muss per se erst einmal nichts Schlechtes sein, aber leider hat sich nun erwiesen, dass Benioff und Weiss sehr viel schlechtere Geschichtenerzähler als George R. R. Martin sind. Ich hege aber nach wie vor die Hoffnung, dass sich GoT mit Staffel 6 wieder erholt.
Sieger: (Buch bzw. Bücher)

„The Hunger Games“ vs. „The Hunger Games“
Bei den Hunger-Games-Filmen handelt es sich um sehr werkgetreue Adaptionen. Ich habe seinerzeit den ersten Film gesehen, der mir ganz gut gefallen, mich aber nicht dazu gebracht hat, die Vorlage zu lesen – das habe ich erst im Zuge eines Uni-Seminars getan. Die Kenntnis der Vorlage hat allerdings für eine gesteigerte Wertschätzung der Filme gesorgt. Zwar hat Suzanne Collins interessante Ideen, allerdings schadet der Umstand, dass wir alles durch Katniss‘ Augen sehen, der Geschichte in meinen Augen. Während sie auch in den Filmen ohne Frage die Protagonistin ist, können diese es sich doch hin und wieder erlauben, sich von ihr lösen, Hintergründe zu beleuchten und die erzählte Welt plastischer zu gestalten. Hinzu kommt, dass ich Film-Katniss weitaus sympathischer finde als Buch-Katniss, was wohl auch mit Jennifer Lawrence zusammenhängt. Insgesamt würde ich sagen, dass die „Hunger Games“, ähnlich wie „Die Heiligtümer des Todes“, vom Medienwechsel und vor allem von den wirklich gut ausgewählten Schauspielern profitiert.
Sieger: Film (bzw. Filme)

„Vampire: The Masquerade“ vs. „Clan der Vampire“
Noch etwas eher Obskures zum Schluss. Außerhalb von Rollen- oder Computerspielkreisen ist das Pen & Paper-RPG „Vampire: The Masquerade“ nicht allzu bekannt, allerdings hat es einen meiner Meinung nach stark unterschätzten Einfluss auf die aktuelle Vampirlandschaft. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der heute fast schon selbstverständliche Konflikt zwischen Vampiren und Werwölfen nahm hier seinen Anfang. Für mich persönlich ist V:tM immer noch die beste Version des Vampir-Mythos, weil er im Grunde jede andere Version mit einschließt, einen grandiosen, komplexen und mythologisch sehr vielseitigen Hintergrund hat und weil man mit ihm im Grunde jede Art von Vampirgeschichte erzählen kann, vom romantischen Twilight-Verschnitt über ein Action-Szenario á la „Blade“ oder „Underworld“ bis hin zur klassischen Gothic Novel nach Bram Stoker oder der Anne Rice’schen Charakterstudie.

In den späten 90ern gab es eine kurzlebige Serienadaption namens „Clan der Vampire“ (im Original „Kindred: The Embraced“), die sich einiger grundlegender Aspekte (und Bezeichnungen) der Vorlage bediente. Allerdings zeigte sich schnell, dass die Serienmacher die Vorlage nicht verstanden hatten. Dass die komplexe Vampirpolitik vereinfacht wurde, hätte ich ja durchaus verziehen, aber weder Atmosphäre noch erzählerische Grundlage oder Thematik wurden in irgendeiner Form umgesetzt. „Clan der Vampire“ gleicht eher einer zweitklassigen Gangster-Serie, in der die Gangster halt Vampire sind. Das, was V:tM eigentlich ausmacht, der persönliche Horror, das Ringen um Menschlichkeit, die Konfrontation mit dem Tier im Inneren, wurde nicht im geringsten integriert, die Charaktere bleiben flache, uninteressante Stereotypen und die Gothic-Punk-Amtosphäre, auf die die Vorlage sehr viel wert legt (und die Beispielsweise in „Underworld“ zu finden ist), verzichtet „Clan der Vampire“ ebenfalls völlig. Setzen, sechs.
Sieger: Buch (bzw. RPG)

Ergebnis:
Buch: 5
Film: 3
Unentschieden: 2

(Anmerkung: Man könnte, wegen „Die Rache der Sith“, auch nach Vorlage und Adaption abrechnen, in dem Fall wäre es unentschieden mit 4:4:2).

GoT: Mother’s Mercy

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„Mother’s Mercy“, der Titel des Staffelfinales, bezieht sich auf den Glauben und einen in Westeros oft benutzten Ausspruch. Ein passenderer Titel wäre allerdings „Cliffhanger’s Mercy“, denn diese Episode lässt uns in fast jedem Handlungstrang mit einem Cliffhanger und einer absoluten Ungewissheit zurück. Gleichzeitig steigt die Zahl der in dieser Staffel verstorbenen wichtigen Figuren noch – inklusive derer, die in den Romanen noch leben.

Winterfell
Auf den ersten Blick scheint die Opferung von Shireen funktioniert zu haben: Tauwetter setzt ein. Dann jedoch schlägt das Karma zurück und eines kommt zum anderen. Stannis‘ halbe Armee, bestehend aus den Söldnern, die er mit dem Geld der Eisernen Bank angeheuert hat, verlässt ihn, Selyse hängt sich auf, und dann sucht auch noch Melisandre das Weite, wobei nicht ganz klar ist, weshalb – vielleicht erkennt sie, dass sie die Zeichen in ihren Feuern falsch gedeutet hat, es wäre immerhin nicht das erste Mal.

Stannis scheint zusammen mit Shireen auch etwas in sich selbst getötet zu haben, aber er ist nun einmal stur und setzt trotzdem zur Belagerung an, nur, um von Roose Boltons Armee gnadenlos vernichtet zu werden. Eigentlich sollte Stannis ja ein militärische Genie sein… Das Ganze endet damit, dass Brienne den verwundeten Stannis, der im Grunde mit dem Leben abgeschlossen hat, auf dem Schlachtfeld findet. Mir gefällt Stannis‘ Abgeklärtheit in dieser Szene, trotz allem bringt er Brienne zähneknirschend Respekt entgegen, denn sie tut ihre Pflicht, und das ist das, was Stannis am meisten respektiert. Wir erfahren allerdings nicht, ob er wirklich stirbt, denn Brienne holt zum Schlag aus und dann endet die Szene.

Diese Entwicklung greift den Romanen bereits weit voraus. Der aktuelle Stand (aus einem Promokapitel von „The Winds of Winter“) sieht dort nämlich anders aus: Stannis befindet sich immer noch in einem Dorf, drei Tage entfernt von Winterfell, das er aufgrund des Schnees nicht verlassen kann. Die Frage, die sich nun natürlich stellt, ist, ob man von der Serie auf die Romane schließen kann: Wird Stannis die bevorstehende Schlacht auch dort verlieren und sterben? Wenn ja sind die Umstände auf jeden Fall anders, denn, wie bereits erwähnt, weder Melisandre noch Shireen oder Brienne sind anwesend.
sansatheon
Sansa (Sophie Turner) und Theon (Alfie Allen) machen sich zum Sprung bereit

Sansa und Theon schaffen es derweil, aus Winterfell zu fliehen, allerdings nicht, ohne vorher noch Myranda loszuwerden. Theon hat dabei endlich seinen Moment der Wiedergutmachung. Auch hier endet es ungewiss, denn Sansa und Theon springen von der Mauer, allerdings ist zu erwarten, dass sie den Sprung aufgrund des vielen Schnees überleben. Theon und Jeyne Poole in den Romanen tun dies jedenfalls und erreichen Stannis‘ Lage unversehrt. Wie es weitergeht bleibt auch hier ungewiss, da Stannis ja bereits tot ist.

Braavos
Wie es hier weitergeht war ja bereits zu erwarten: Arya schleicht sich bei Meryn Trant ein und tötet ihn auf äußerst unangenehme Weise – allerdings ist Meryn Trant auch derart unsympathisch (um es mal gnadenlos zu untertreiben), dass hier wohl kaum jemand Mitleid haben dürfte; irgendwie gönnt man es ihm. Interessanter sind die Folgen für Arya, die nun, ganz wie in den Romanen, wegen eines vom Haus von Schwarz und Weiß nicht genehmigten Mordes ihr Augenlicht verliert. Die zugehörige Szene mit der Herrenlosen und Jaqen ist zwar nicht unbedingt logisch, aber herrlich surreal. Insgesamt bleibt Aryas Handlungsstrang damit sehr buchgetreu, über einige kleine Änderungen und Personenwechsel kann ich da durchaus hinwegsehen.

Dorne
Und noch mal ein Tod, der in den Romanen bisher nicht geschehen ist. Alles scheint gut gelaufen zu sein, Jaime, Bronn, Trystane und Myrcella machen sich per Schiff auf den Weg nach King’s Landing – nur blöd, dass Ellaria Myrcella einen Abschiedskuss gegeben hat. Wer sich an die Gefängnisszene mit Bronn und Tyene erinnert, kann sich sicher schon denken, was das bedeutet: Die junge Prinzessin wurde vergiftet. Auch hier wird der eigentliche Tod nicht gezeigt, es ist aber relativ klar, dass Myrcella nicht überlebt. Das bedeutet dann wohl offenen Krieg mit Dorne in der nächsten Staffel. Hoffen wir nur, dass die Dornischen dann auch besser und interessanter dargestellt werden als in Staffel 5. Was immer man auch über „A Feast for Crows“ sagen kann, der Plan, den Arianne Martell dort hatte, war wenigstens halbwegs sinnvoll. Was Ellaria dagegen hier tut, ist an Kurzsichtigkeit kaum zu überbieten, im Grunde stürzt sie ihr gesamtes Land nur wegen persönlicher Rache in einen zerstörerischen Konflikt.

King’s Landing
Cerseis Marsch der Schande ist definitiv einer der Höhepunkte dieser Episode; die Szene schafft es vorzüglich, die Intensität der Vorlage einzufangen. Es ist nur Schade, dass einige Feinheiten verloren gehen. So wird nicht wirklich deutlich, warum es trotz allem im Interesse des Hohen Spatz ist, dass die Lannisters, wenn auch gedemütigt, an der Macht bleiben und dass der Inzest nicht ans Licht kommt. Denn wenn Tommens Anspruch erlischt, ist Stannis der rechtmäßige Thronerbe, wodurch der Glaube sofort all seine Macht verlieren würde. Zwar verliert Stannis gerade gegen die Boltons, was der Hohe Septon aber nicht wissen kann.
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The artist formerly known as Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson)

Einen kleinen Aufruhr gab es noch, weil Lena Headey hier nicht selbst nackt ist, sondern von der Schauspielerin Rebecca Van Cleave gedoublt wird. Ehrlich gesagt kann ich das nicht nachvollziehen. Wer in so einer Szene nackt spielt, verdient auf jeden Fall massiven Respekt, ich kann es aber auch sehr gut nachvollziehen, wenn man sich dagegen entscheidet. Ich jedenfalls fand den Marsch und die Performance beider Schauspielerinnen überzeugend.

Das Ganze endet schließlich damit, dass Frankenqyburns Monster auftaucht, in „A Dance with Dragons“ wird er Ser Robert Strong genannt. In der Serie ist es noch eindeutiger, dass es sich dabei um den wandelnden Berg handelt. Es gibt eine interessante Fantheorie, derzufolge Sandor nicht gestorben, sondern von einem Mitglied des Glaubens gesundgepflegt wurde und am Ende seinem untoten Bruder gegenübertreten wird – insgesamt eine der plausibleren Theorien. We shall see.

Meereen
In Meereen ist man erst einmal ziemlich ratlos. Daario und Jorah beschließen letztendlich, Daenerys zu suchen, während Tyrion, Missandei und Grey Worm zurückbleiben, um die Stadt zu verwalten. Wenn man die Situation bedenkt, ist das schon abwegig: Zwei ehemalige Sklaven und ein Kleinwüchsiger vom anderen Ende der Welt – andererseits wären Jorah und Daario aber auch tatsächlich nicht wirklich hilfreich gewesen. Jedenfalls übernimmt Tyrion damit die Aufgabe, die Barristen Selmy im letzten Drittel von „A Dance with Dragons“ innehatte. Ziemlich überraschend taucht dann auch noch Varys quasi aus dem Nichts auf und bietet seine Hilfe an, anstatt in King’s Landing Großmaester Pycelle und Kevan Lannister zu ermorden.

Dany landet derweil mit Drogon im Dothrakischen Meer und begegnet einem Khalasar, womit der Cliffhanger aus „A Dance with Dragons“ im Grunde eins zu eins übernommen wurde, lediglich einige der eher unangenehmen Details (Daenerys befindet sich bei Martin mehrere Tage auf Drogons Felsen und leidet unter anderem an Durchfall) wurden gestrichen.

Castle Black
Sam geht also doch noch nach Oldtown, allerdings über die Kingroad und nicht per Schiff über Braavos. Als Straffung funktioniert das insgesamt (und rückblickend betrachtet) ziemlich gut, alle wichtigen Ereignisse in Sams Handlungsstrang haben an der Mauer stattgefunden und die aufwändige Reise, die neue Figuren, Schiffe (und Geld) gekostet hätte, konnte vermieden werden; wahrscheinlich beginnt dieser Subplot in der nächsten Staffel mit Sams Ankunft. Interessant ist, dass die Initiative hier von Sam ausgeht, da es sein Wunsch ist, Maester zu werden. In den Romanen war es genau umgekehrt, Jon drängt dort Sam dazu, nach Oldtown zu fahren, um Maester Aemon eines Tages ersetzen zu können, während Sam viele Bedenken hat, etwa die Missbilligung seines Vater gegenüber den Maestern oder die Tatsache, dass er kein Blut sehen kann. Wahrscheinlich wollten Benioff und Weiss so zeigen, dass Sam in seiner Entwicklung bereits weiter fortgeschritten ist. Allerdings hätte es auch sehr gut gepasst, hätte Jon seinen letzten Freund selbst weggeschickt, das würde die Tragik des Kommenden noch vergrößern.

Apropos: Während Buchleser Jons Caesar-Moment (tatsächlich erinnert diese Szene sehr stark an Caesars Ermordung in HBOs „Rome“, mit Ciáran „Mance Rayder“ Hinds an Jon Stelle und Tobias „Edmure Tully“ Menzies an Ollys; und darüber hinaus war „Rome“ einer der Gründe, weshalb Martin HBO die Recht verkaufte – so schließt sich der Kreis) schon erwartet haben, wurden alle anderen mal wieder ziemlich aufgewühlt.

Wie schon so oft wurde auch hier die Komplexität geopfert. Tatsächlich ist der Mord an Jon in den Romanen nicht die Folge der ganzen Wildlingsangelegenheit. Zwar wird das auch nicht unbedingt von allen schwarzen Brüdern gut geheißen , aber doch immerhin zähneknirschend toleriert. Zu viel wird es erst, als Jon einen Brief von Ramsay erhält, demzufolge Stannis verloren hat, der Jon so sehr aufregt, dass er aktiv sein Gelübde brechen und nach Süden gehen will – erst dann wird er von hochrangigen Offizieren der Nachtwache ermordet. Das verleiht dem Ganzen natürlich zusätzliche Ambiguität, denn da Jon sein Gelübde tatsächlich bricht und gegen die Grundsätze der Nachtwache verstößt, könnte man durchaus argumentieren, dass dieser Mord gerechtfertigt ist. Die Verschwörer kommen in der Serie daher weitaus kleinlicher daher als im Roman.
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Nicht nur Jon Snow (Kit Harrington) stellt sich hier die Frage: Totsein oder nicht totsein?

Letztendlich stellt sich natürlich vor allem die Frage, ob Jon Snow wirklich und endgültig tot ist. Einerseits haben sowohl die Serienschöpfer als auch Kit Harrington behauptet, Jon sei tatsächlich tot, und Harringtons Vertrag wurde wohl auch nicht für die sechste Staffel verlängert. Andererseits gibt es fast zu viele Möglichkeiten. Jon könnte in Ghost weiterleben, und zu allem Überfluss ist auch noch Melisandre anwesend, denn noch in dieser Folge kehrt sie zur Mauer zurück und ist damit wieder am selben Ort wie am Ende von „A Dance with Dragons“. Dass Kit Harringtons Vertrag nicht verlängert wurde, könnte ganz einfach auch bedeuten, dass Jon quasi eine Staffel Pause macht, ähnlich wie Bran, und dann in der siebten zurückkehrt, um den Norden zu beanspruchen, denn seine Schwüre der Nachtwache gegenüber Enden mit dem Tod. Zumindest in den Romanen könnte das noch geschehen, denn auch George R. R. Martin wurde gefragt und antwortete, man solle sich bezüglich Jons Tod nicht allzu sicher fühlen.

Fazit: „Mother’s Mercy“ ist definitiv eine der besseren Folgen der fünften Staffel, sie leidet aber dennoch an den diversen Fehlentscheidungen, die bisher getroffen wurden. Insgesamt ist es wohl eine der grimmigsten und hoffnungslosesten Folgen überhaupt, selten starben so viele wichtige Haupt- und Nebenfiguren auf einmal.

GoT: The Dance of Dragons

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Folge 9 einer jeden Staffel von „Game of Thrones war bislang immer etwas Besonderes, in Staffel 1 und 3 starben ein oder mehr wichtige Starks, während es in Staffel 2 und 4 jeweils nur einen Schauplatz und eine ausgedehnte Schlacht gab. Rein theoretisch müssten in „The Dance of Dragons“ als wieder Starks dran glauben (und die Vorlage würde so etwas theoretisch auch hergeben, eventuell kommt das ja dann in Folge 10), dem ist aber nicht so. Stattdessen finden zwei andere, wichtige Ereignisse statt, von denen eines durchaus ähnliche Folgen hat wie das, was in „Unbowed, Unbent, Unbroken“ geschehen ist.

Der Titel dieser Episode enthält gleich eine doppelte Anspielung. „The Dance of Dragons“ erinnert sowohl an den fünften Roman „A Dance with Dragons“ als auch an ein Ereignis aus der Geschichte von Westeros, den „Dance of the Dragons“ (der von Shireen auch erwähnt wird); besagter „Tanz“ war ein Targaryen-Bürgerkrieg, der nicht nur das Herrscherhaus stark dezimierte, sondern auch der Grund dafür war, dass die Drachen letztendlich ausstarben. Bezieht man den Episodentitel allerdings nur auf das Ereignis im Finale fällt auf, dass er nicht so ganz passt, denn eigentlich tanzt dort nur ein Drache.

Castle Black
Nach der Schlacht von Hardhome kehren Jon und die überlebenden Wildlinge nach Castle Black zurück, wo die Stimmung nicht besser wird. Besonders Wun Wun erregt die Gemüter. Es stellt sich die Frage, wie oft man Olly unheilvoll in Szene setzen kann. Die Antwort ist: Auf jeden Fall mindestens einmal zu oft.

Dorne
Der dornische Handlungsstrang bleibt auch weiterhin ziemlich enttäuschend. Jaime und Bronn werden begnadigt, Ellaria schwört Doran Martell Gehorsam und dieser stimmt zu, Trystane zusammen mit Myrcella in die Hauptstadt zu schicken – man kann wohl davon ausgehen, dass da auf dem Heimweg noch ein Unglück geschieht.

Insgesamt betrachtet ist Dorne eigentlich in dieser Staffel nicht mehr zu retten; obwohl ich mich im Vorfeld sehr darauf gefreut habe, bleibt nun nur zu sagen, dass Dorne wohl besser, wie die Greyjoys, der Schere zum Opfer gefallen wäre; es wurde meines Wissens nach wohl vor allem integriert, weil Oberyn Martell in Staffel 4 extrem positiv aufgenommen wurde. Statt des Ausflugs in den Süden hätten Jaime und Bronn zusammen in den Flusslangen aufräumen sollen (ob mit oder ohne Lady Stoneheart sei mal dahingestellt); der Vorteil daran wäre gewesen, dass dort bereits viele Charaktere etabliert sind, mit denen Benioff und Weiss hätten weiterarbeiten können und die nach der dritten Staffel quasi einfach verschwunden sind: Edmure Tully, der Blackfish (der durchaus auch ein Fanliebling ist), Beric Dondarrion, Thoros von Myr, Gendry, die Freys etc.

Braavos
Lord Tyrell, in Begleitung von Ser Meryn Trant, trifft endlich in Braavos ein, und natürlich begegnet Arya ihnen und vergisst sofort den eigentlichen Auftrag, den sie von Jaqen bekommen hat; stattdessen folgt sie den Westerosi und überlegt, wie sie am besten an Ser Meryn herankommt. Diese Folge wird es zwar noch nichts, aber die Möglichkeit zeichnet sich bereits ab, denn Ser Meryn ist pädophil. Gerade das hat’s wirklich noch gebraucht. Schon wieder dient sexuelle Gewalt als Plotkatalysator an einer Stelle, die es absolut nicht nötig gehabt hätte. Benioff und Weiss ist wohl mal wieder nichts eingefallen. Auf der positiven Seite: Mace Tyrell im Gespräch mit Tycho Nestoris ist recht amüsant. Der Lord von Highgarden singt sogar.

Meereen
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Daenerys (Emilia Clarke) und Drogon

Auch in Meereen geht’s rund, bzw. schief: Die Söhne der Harpyie nutzen die Wiedereröffnung von Daznaks Arena, um Daenerys und ihre Getreuen anzugreifen, allerdings nicht, bevor Ser Jorah noch einmal versucht, Danys Gunst zurückzugewinnen, und das auch noch auf fast dieselbe Weise wie beim ersten Mal; dieses Mal aber scheinbar mit Erfolg. Das Ganze basiert auf einer Szene aus „A Dance with Dragons“, die mit der Serienversion zumindest das Setting und den Ausgang gemein hat. Im Roman gibt es allerdings keinen offensichtlichen Angriff, nur eine gescheiterte Vergiftung, und Drogon wird auch nicht von Danys Not angelockt, wie es hier der Fall zu sein scheint, sondern schlicht und einfach vom Kampfeslärm und der Brutalität. Als dramaturgische Zuspitzung funktioniert das Ganze dann doch recht gut, auch wenn es unelegant ist. Drogon sieht jedenfalls grandios aus, die Qualität der Animation muss sich definitiv nicht hinter der größerer Hollywood-Blockbuster verstecken – der Drache in „Maleficent“ beispielsweise sah weitaus weniger gelungen aus. Noch eine kleine Anmerkung am Rande: Bei Martin wird impliziert, dass Hizdahr tatsächlich der Anführer der Söhne der Harpyie ist, in der Serie scheint das nicht der Fall zu sein, sonst hätten sie ihn nicht umgebracht.

Auf dem Weg nach Winterfell
Zwar ist Meereen der Schauplatz des Folgenfinales, aber was in Stannis‘ Lager geschieht hat weitaus höhere Wellen geschlagen und ist (ob freiwillig oder unfreiwillig) DAS Ereignis dieser Episode. Dank Ramsays Ausfall wird Stannis‘ Situation verzweifelter, weshalb er sich dazu entschließt, Melisandre die Erlaubnis zu geben, seine Tochter dem Herrn des Lichts zu opfern, was diese auch tut.

Dies ist eine weitere Wendung, die, wie schon Sansas Vergwaltigung, eine enorme Kontroverse erzeugt hat, und tatsächlich gibt es da einige Parallelen. In der Vorlage, zumindest in „A Dance with Dragons“, ist diese Szene nicht vorhanden, Shireen, Melisandre und Selyse bleiben auf Castle Black, während Stannis gen Winterfell zieht. Aus dem Episodenkommentar geht allerdings hervor, dass Shireens Tod in irgendeiner Form wohl auch in „The Winds of Winter“ vorkommt. Die Betonung liegt auf „in irgendeiner Form“, denn in der Serien-Konstellation kann er nicht stattfinden. Da stellt sich natürlich die Frage, in wie weit die Ereignisse dieser Episode tatsächlich auf „The Winds of Winter“ basieren. Stirbt Shireen in völlig anderem Kontext, wird sie ebenfalls geopfert und ist Stannis daran beteiligt, und wenn ja, zu welchem Zweck? Und, bezogen auf die Serie: Ist ihr Tod ein wichtiger Handlungskatalysator oder geht es Benioff und Weiss hier lediglich um plakativen Schock? Das wird sich frühestens mit der nächsten Episode bestimmen lassen, angesichts dessen, was die beiden in dieser Staffel allerdings bereits gemacht haben, ist man fast dazu geneigt, zu Letzterem zu tendieren.
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Ser Davos (Liam Cunningham) und Shireen (Kerry Ingram)

Inszenatorisch erinnert die die Verbrennung sowohl an die Rote Hochzeit als auch an Sansas Hochzeit. Die Parallele zu Ersterer ist die „Maximierung“ der Schockwirkung, die über den Verlauf der Staffel vorbereitet wurde, vor allem durch Szenen wie der zwischen Shireen und Stannis auf Castle Black. Hier und an anderen Stellen (auch bereits in den Staffeln 3 und 4) erweckt Stannis den Eindruck, dass er seine Tochter wirklich liebt und nur große Probleme damit hat, seine Gefühle auch auszudrücken, während Selyse als absolut kalte Mutter herüberkommt. Die Verbrennung tauscht ihre Rollen, Stannis endet als rücksichtsloser Fanatiker, der seine Tochter (und Erbin) verbrennt, während Selyse das im letzten Moment noch verhindern will. In der ursprünglichen Konstellation ist Shireen sicher, weil letztendlich alles von Stannis abhängt, weshalb der „Frontenwechsel“ und die Folgen dann umso schockierender sind.

Die Parallelen zu Sansas Hochzeit finden sich in der Art, wie die Szene konzipiert ist; ein weiteres Mal kommt der Schock vor allem von dem, was man nicht sieht, denn Shireens Verbrennen wird nicht gezeigt, man hört nur ihre Schreie. Auch hier gilt: Aus dem Kontext genommen und für sich betrachtet ist die Szene verdammt wirkungsvoll, gerade, weil sie gekonnt mit der Vorstellung des Zuschauers arbeitet. Im Kontext dagegen ist sie äußerst fragwürdig. Es bleibt noch, Kerry Ingram zu loben, die Shireen hervorragend gespielt hat.

Fazit: „The Dance of Dragons“ ist eine weitere (unnötig) kontroverse Episode, die wohl allerdings erst zusammen mit dem Staffelfinale und „The Winds of Winter“ wirklich bewertet werden kann.

GoT: Hardhome

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„Hardhome“ ist ähnlich strukturiert wie „The Lion and the Rose“ in der letzten Staffel; etwa die erste Hälfte ist eine „normale“ Episode, während die letzte Hälfte komplett einem einzigen Schauplatz, dem titelgebenden Wildlingsdorf Hardhome, gewidmet ist. Und wie schon in „The Lion and the Rose“ funktioniert das auch hier sehr gut; tatsächlich gehört „Hardhome“ bisher zu den besten Episoden dieser doch eher durchwachsenen Staffel. Besonders interessant ist, dass sie den Fans an zwei Fronten Dinge gibt, die Martin uns bislang vorenthalten hat.

Meereen
Die erste dieser Fronten ist Meereen. Bereits in der letzten Folge haben sich Tyrion und Daenerys zum ersten Mal gesehen, jetzt bewirbt sich der Gnom um die durch Barristan Selmys Tod freigewordene Stelle als ihr neuer Berater. In typischer Tyrion-Manier besteht sein erster Rat an Daenerys darin, Jorah weder zu töten noch ihn erneut aufzunehmen – das heißt Exil Teil 2. Und Ser Jorah versucht dann auch noch, zum zweiten Mal in der Arena vor Daenerys zu kämpfen.

Die folgende private Konversation zwischen Tyrion und Daenerys ist definitiv gelungen und interessant, auch wenn Daenerys‘ Rad-Metapher nicht wirklich zutreffend ist, zumindest nicht auf lange Sicht, denn für gewöhnlich ist ein Haus durchaus länger „oben“, fast dreihundert Jahre lang war es das Haus Targaryen. Außerdem fehlen einige der wichtigen Häuser; gerade das Haus Martell war den Targaryens immer loyal, was bedeutet, dass Dany gute Chancen hätte, in Doran Martell einen Verbündeten zu finden.

King’s Landing
Trotz einiger Anpassungen und Vereinfachungen ist der Kings‘-Landing-Handlungsstrang doch derjenige, der in dieser Staffel am buchgetreusten umgesetzt wird, was besonders in dieser Folge deutlich wird. Hannah Waddingham als Septa Unella passt genau zu der Vorstellung, die ich beim Lesen von ihr hatte. Ähnlich wie in den Büchern erfahren wir von den sonstigen Ereignissen in King’s Landing nur aus zweiter Hand, nämlich von Qyburn. Unglücklicherweise schadet der Mangel an Details hier ein weiteres Mal, denn nach wie vor erscheint der Glaube ziemlich grundlos übermächtig, die Ursachen werden kaum erläutert. Dennoch, wie in den Romanen hat Kevan Lannister die Regentschaft übernommen, es fehlen allerdings die Tyrells und ihre Gefolgsmänner (etwa Randyll Tarly), vor allem, da sich Lord Mace Tyrell ja gerade auf dem Weg nach Braavos befindet.

Braavos
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Arya (Maisie Williams) als Austernverkäuferin Lana

Arya nimmt ihre erste falsche Identität an, wie ich vermutet hatte noch ohne falsches Gesicht, sondern nur mit einer herkömmlichen Verkleidung. Wie in „A Feast for Crows“ posiert sie als Muschelverkäuferin, hat aber einen anderen Decknamen, statt „Cat von den Kanälen“ ist sie jetzt „Lana“. Weshalb der Deckname geändert wurde leuchtet mir nicht wirklich ein, allerdings wurde immerhin ein netter Hinweis auf die Buchidentität eingebaut; während Arya davon spricht, in den Kanälen ihre Muscheln zu verkaufen, springt eine Katze durch das Bild. Auch wird die Komplexität der Vorlage stark reduziert, funktioniert aber, anders als an vielen anderen Stellen in dieser Staffel, recht gut. Insgesamt mochte ich Aryas Streifzug durch die Straßen von Braavos, das Hineinfinden in ihre neue Identität und die Entdeckung des Ziels ziemlich gerne.

Winterfell
Sansa konfrontiert Theon, erfährt, was Ramsay ihm angetan hat, aber auch, dass Barn und Rickon noch am Leben sind. Die Frage ist, zu welchem Zweck. Die Boltons halten derweil einen Kriegsrat ab, bei dem Ramsay mit einer Sondermission beauftrag wird.

Castle Black
Noch eine kurze Szene, die im Grunde redundant ist, da sie noch einmal Dinge durchkaut, die wir ohnehin schon wissen: Olly hat es gegen die Wildlinge und fühlt sich verraten, weil Jon sie retten will, Sam versucht die Lage zu erklären, Olly will nicht begreifen. Kennen wir, wissen wir, weiter.

Hardhome
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Karsi (Birgitte Hjort Sørensen)

Wie bereits erwähnt begibt sich die Serie hier wirklich in unbekanntes Territorium; in den Romanen ist Hardhome als Wildlingszuflucht zwar ebenfalls relevant, Jon delegiert die Rettung der dortigen Wildlinge allerdings an einen Offizier der Nachtwache; dieser hält ihn über die Fortschritte auf dem Laufenden, bis schließlich ein letzter Brief ankommt, der hastig geschrieben ist und von toten Dingen im Wald und im Wasser berichtet.

Jon und Tormund treffen sich in Hardhome mit den Anführern der Wildlinge, darunter der Lord der Knochen, der neue Magnar von Thenn Loboda (Zahary Baharov) und eine Frau namens Karsi (Birgitte Hjort Sørensen). Besonders Letztere empfinde ich als gelungene Ergänzung – selbstverständlich überlebt sie nicht, was ich, ehrlich gesagt, nicht gerade toll finde. Karsi wäre hervorragend dazu geeignet, zusätzliche weibliche und aktive Präsenz an der Mauer zu etablieren, und ehrlich gesagt, warum sollten die Wildlinge nicht eine Anführerin haben? Sie hätte gut die Rolle von Val, Mance Rayders „Schwägerin“ einnehmen können. Mal wieder eine vertane Chance. Immerhin, der Riese Wun Weg Wun Dar Wun, kurz Wun Wun (Ian Whyte), feiert ebenfalls sein Debüt.

Wie zu erwarten war wird die Verhandlung von Wildlingen und Nachtwache von den angreifenden Weißen Wanderern unterbrochen, die hier in einem noch nie gekannten Ausmaß Präsenz zeigen, und das nicht nur in der Form der bereits in Staffel 2 und 3 ausführlich gezeigten, bei denen es sich wohl lediglich um die unteren Ränge gehandelt hat. Hier sehen wir sowohl besser ausgerüstete Andere, die wohl so etwas wie hohe Offiziere sind, und den Night’s King, der in der vierten Folge der letzten Staffel bereits kurz zu sehen und der, nach allem was wir wissen, so etwas wie der Große Oberböse ist. Wie bereits zu Anfang erwähnt zeigt die Serie hier etwas, dass die Romane uns bislang vorenthalten haben: Eine erste größere Schlacht zwischen den Weißen Wanderern und den Menschen. Jon findet dabei etwas heraus, das Sam in den Romanen bereits vermutete: Nicht nur Obsidian hilft gegen die Weißen Wanderer, sondern auch Valyrischer Stahl (auch als „Drachenstahl“ bezeichnet).
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Der Night’s King (Richard Brake)

Insgesamt fand ich die Inszenierung dieses Scharmützels ziemlich gelungen, auch wenn die offensichtlicheren Untoten noch immer etwas fehl am Platz wirken; dennoch funktionieren sie hier deutlich besser als die Ray-Harryhausen-Gedächtnisskelette aus dem Finale von Staffel 4. Darüber hinaus hat der Night’s King eine ziemlich beeindruckende Präsenz, ich hoffe, dass wir in der kommenden Staffel noch mehr von ihm erfahren, vielleicht sogar in Form von Flashbacks, schließlich ist sein Hintergrund (ein ehemaliger Lord Commander, eventuell ein Stark, verliebt sich in einen weiblichen Weißen Wanderer und macht sich zum „Night’s King“, um schließlich von den vereinten Kräften des Königs im Norden und des Königs jenseits der Mauer besiegt zu werden), höchst interessant.

Fazit: Die intensive, gut inszenierte, geschriebene und gespielte Schlacht in der zweiten Hälfte sorgt dafür, dass diese Folge sich an die Spitze der Staffel-5-Episoden setzt.

GoT: The Gift

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Castle Black
Der Handlungsstrang auf Castle Black ist in dieser Episode sehr zwiespältig: Jon, Tormund und einige andere schwarze Brüder, denen Jon vertraut, brechen nach Hardhome auf, was auch bedeutet, dass Sam und Gilly nun ziemlich alleine sind, umgeben von Menschen, die ihnen nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Nebenbei versuchen Benioff und Weiss hier auch noch Handlung aus „A Feast for Crows“ unterzubringen, die dort in völlig anderem Kontext stattfindet, vornehmlich sind das der Tod von Maester Aemon und Sams und Gillys erstes Mal. Alle Szenen mit Aemon (inklusiver einer Erwähung von Egg/Aegon V. aus den Heckenritter-Novellen) sind vollauf gelungen, sodass er, und auch sein Darsteller Peter Vaughan würdig aus der Serie verabschiedet werden. Dazu kommt ein gewaltiges Novum: Jemand stirbt tatsächlich an Altersschwäche – in Westeros und Essos kommt das ziemlich selten vor.
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Maester Aemon (Peter Vaughan)

Die Weiterführung der Sam/Gilly-Handlung dagegen ist weniger gelungen, denn Benioff und Weiss nutzen, mal wieder, die Vergewaltigungsthematik als Plotkatalysator. Dieses Mal bleibt es zwar bei einer versuchten Vergwaltigung, aber dennoch wirkt das Ganze unendlich plump inszeniert. Es scheint so langsam, als würden die beiden immer dann, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie einen von ihnen abgewandelten Handlungsstrang weiterführen sollen, zu einer Vergewaltigung oder einer Beinahe-Vergewaltigung greifen – und das funktioniert einfach nicht.

Winterfell
Die Situation hat sich für Sansa nicht gebessert, wobei immer noch unklar ist, wohin das Ganze hinführen soll. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zu Staffel 3, als Ramsay Theon quasi zur Flucht verhalf, nur, um ihn dann wieder einzufangen und so seine Hoffnungen zu zerschlagen, nur dass es dieses Mal nicht Ramsay ist der es inszeniert. Stattdessen versucht Sansa mit Theons Hilfe, Brienne zu rufen (wenn auch unwissentlich), allerdings ist Theon noch zu sehr Reek, als dass das funktionieren würde – somit werden auch Sansas Hoffnung unerbittlich zerstört. Immerhin ist sie nicht ganz so passiv und verstört und kann Ramsay ein wenig manipulieren, indem sie ihn daran erinnert, dass sein Vater einen zweiten Sohn erwartet, der ihn eventuell überflüssig machen könnte.

Interessant ist hier, wie der Zuschauer, der zusammen mit Sansa hofft und Dinge sehen kann, die ihr verwehrt bleiben, mehrmals durch Einstellungen und Szenenwechsel getäuscht wird. Zuerst scheint es, als würde Theon tatsächlich zum Turm steigen, um die Kerze anzuzünden, dann sehen wir aber, dass er in Ramsays Speisezimmer steht. Etwas ähnliches kommt noch einmal: Brienne blickt nach Winterfell, dann geht eine Kerze an, doch die Kerze gehört zur nächsten Szene, die auf Castle Black spielt.

Auf dem Weg nach Winterfell
Wie in „A Dance with Dragons“ hat Stannis auch in der Serie massive Probleme, denn er und seiner Armee wurden von einem Schneesturm festgesetzt. Wo sich seine Offiziere im Roman fragen, ob es helfen würde, wäre Melisandre anwesend, beantwortet die Serie diese Frage, da die rote Priesterin da ist. Zwar kann sie erst einmal auch nichts ausrichten, weiß aber eine Lösung, die bereits in der letzten Staffel angedeutet wurde: Die Opferung von königlichem Blut. Im Klartext bedeutet das, Melisandre möchte Shireen ihrem Gott opfern. Noch ist Stannis entschieden dagegen. Noch…

Dorne
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Myrcella (Nell Tiger Free)

Es gibt zwei kurze Szene in Dorne: Jaime, untergebracht in einer ziemlich komfortablen und seiner hohen Geburt angemessenen Zelle, erhält Besuch von Myrcella. Dies erinnert an ein schlechtes Teenie-Drama, denn Myrcella hegt, wie wir ja schon wissen, keinerlei Ambitionen, Dorne und Trystane zu verlassen. Mit anderen Worten, das Gespräch ist ziemlich redundant. Und dann ist da noch eine Szene im Gefängnis zwischen Bronn und den Sandschlangen, die eine Rezensent von winteriscoming.net in meinen Augen extrem treffend bewertet hat: „Well, that scene went nowhere and was shamelessly exploitative, but it’s still the best scene involving the Sand Snakes all season.” (Quelle). Tatsächlich hatte ich hier das erste Mal das Gefühl, dass die Sandschlangen tatsächlich Charaktere und nicht nur Gimmicks waren, was auch daran liegen könnte, dass die drei Darstellerinnen hier tatsächlich spielen durften und nicht nur Exposition von sich geben oder in einer schlecht choreographierten Kampfszene mitwirken mussten. Es sind tatsächlich kleine Dinge wie das Augenrollen von Nymeria und Obara, die dabei helfen, die Sandschlangen als Personen wahrzunehmen.

King’s Landing
In der Hauptstadt entwickeln sich die Dinge sehr schnell. Das Gespräch zwischen zwischen Olenna und dem Hohen Spatzen (ein weiteres Mal ein Dialog, der so in den Romanen nie stattgefunden hat), reißt eine interessante Thematik auf, da die sich Aristokratie von Westeros tatsächlich noch nie mit größeren Erhebungen von Gemeinen auseinandersetzen musste – wird das noch zu einem Thema, oder bleibt es bei einer kurzen Erwähnung?

Dann taucht auch noch Littlefinger auf und schmiedet neue Intrigen mit Lady Olenna, bei denen es wohl um Olyvar geht; immerhin ist er derjenige, der für Loras‘ Verhaftung verantwortlich ist. Eventuell hecken die beiden aus, ihn als Zeugen entweder umzubringen oder zu einem geänderten Aussage zu bringen.

Für Cersei geht es derweil rapide bergab, denn nach einem kurzen Besuch bei Margaery wird auch sie vom Glauben verhaftet. Selbst für Nichtbuchleser war das wohl bereits abzusehen, angesichts dessen, was Lancel alles weiß. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Hohe Spatz bereits von Anfang an im Bilde über die Königinmutter war und sie einfach so lange ausgenutzt hat, bis er alles hatte, was er wollte. Bleibt noch zu vermerken, dass die Staffel sehr wenig Zeit darauf verwendet hat zu zeigen, wie Cersei durch ihre Herrschaft das Reich weiter ruiniert; bei Martin wird dies in „A Feast for Crows“ sehr ausführlich dargestellt.
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Cersei (Lena Headey) in ihrer Zelle

Meereen
In dieser Folge geschieht das, worauf Leser wie Zuschauer lange gewartet haben und was Ersteren (zumindest auf dem Papier) bis heute vorenthalten wurde: Tyrion und Daenerys begegnen sich. Jorah und Tyrion werden verkauft und landen dort, wo sie hinwollten: In den Arenen von Meereen, wo Daenerys tatsächlich die ersten Probekämpfe überwacht. Ser Jorah besiegt alle Gegner, und Tyrion präsentiert sich als titelgebendes Geschenk (wobei es in dieser Folge noch mehr Geschenke als nur dieses eine gab). Das Ganze mag etwas verhastet wirken, verfehlt aber seine Wirkung (zumindest bei mir nicht): Die Vorstellung, dazu die leichten Anklänge von The Rains of Castamere – ja, ich denke, das ist eine zufriedenstellende Begegnung dieser beiden Protagonisten.

Fazit: „The Gift“ ist eindeutig stärker als die vorherige Episode und weiß vor allem in Einzelmomenten zu überzeugen, gibt allerdings kein wirklich gelungenes Ganzes ab.