Batman und Harley Quinn

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Story: Poison Ivy (Paget Brewster) hat sich mit dem Floronic Man (Kevin Michael Richardson) verbündet, um alles Leben auf der Erde in botanische Hybriden zu verwandeln, um so den Klimawandel zu stoppen. Batman (Kevin Conroy) und Nightwing (Loren Lester) können das natürlich nicht zulassen. Nur eine Person kann ihnen dabei helfen, Ivy aufzuspüren: Die rehabilitierte Harley Quinn (Melissa Rauch). Die ehemalige Geliebte des Jokers mag zwar dem Verbrechen abgeschworen haben, ist aber nach wie vor nicht besonders umgänglich, doch Batman und Nightwing haben keine Wahl, wenn sie Ivy und den Floronic Man stoppen wollen…

Kritik: Als Batman-Fan hat man es dieser Tage nicht leicht. Nicht nur die Realfilme enttäuschen, auch aus dem Animationsbereich, einstmals ein Qualitätsgarant, kommt bestenfalls suboptimale Ware (die einzige Ausnahme ist „The Lego Batman Movie“). Dabei klingen die Konzepte eigentlich sehr vielversprechend, sei es eine Adaption von „The Killing Joke“ oder, wie hier, ein Revival von „Batman: The Animated Series“. Gerade darauf habe ich, wie so viele andere auch, gewartet, seit Warner mit den „DC Universe Animated Original Movies“ loslegte. Umso enttäuschender ist das Ergebnis.

Zugegebenermaßen war es durchaus nett, eine den technischen Standards angepasste Version des klassischen Animationsstils zu sehen, das ist im Grunde aber auch schon das Beste, was sich über „Batman und Harley Quinn“ sagen lässt. Leider orientierte sich Bruce Timm, der die Story verfasste und zusammen mit Jim Krieg auch das Drehbuch schrieb, nicht an der Crème de la Crème des DCAU (wie etwa „Batman: Mask of the Phantasm“ oder „Two Face“), sondern griff den Grundplot der Episode „Harley’s Holiday“ auf (Batman muss sich mit einer zumindest scheinbar rehabilitierten Harley Quinn verbünden, um ein Verbrechen aufzuklären), die sich zufälligerweise auch als Bonusmaterial auf der BD befindet. Nun ist „Harley’s Holiday“ keineswegs eine schlechte Episode und tatsächlich ziemlich witzig und kurzweilig, aber für die Rückkehr dieses Animationsstils hätte ich mir doch etwas anderes gewünscht, etwas das, der emotionalen Intensität der oben erwähnten Beispiele zumindest nahe kommt.

Im Grunde ist „Batman und Harley Quinn“ ein Brückenschlag zwischen „Batman: The Animated Series“ und der Adam-West-Serie aus den 60ern, kombiniert mit ziemlich krudem, selbstironischem und mitunter äußerst anzüglichem Humor, der ein wenig an „Deadpool“ erinnert. Nicht, dass es diese Art von Humor im DCAU nicht auch gegeben hätte, aber die strenge Zensur veranlasste die Autoren damals, derartige Witze und Anspielungen weitaus subtiler zu gestalten, während „Batman und Harley Quinn“ diesbezüglich sehr plump daherkommt. Manchmal funktionieren die Gags ganz gut, viele fallen aber höchst flach und unamüsant aus. Musste der ausgedehnte Furz-Witz wirklich sein? Insgesamt ist „Harley’s Holiday“ traurigerweise die bessere, lustigere und pointiertere Umsetzung dieses Plots. Über die beiden Schurken muss man ohnehin keine Worte verlieren, sie sind kaum mehr als Staffage. Letztendlich handelt es sich hierbei weniger um ein Geschenk an die Fans der klassischen Animationsserie, sondern eher um einen Versuch, aus Harleys aktueller Popularität noch mehr Gewinn herauszupressen.

Selbst die Sprecherriege ist durchwachsen. Mit Kevin Conroy und Loren Lester kehren zwei DCAU-Veteranen zurück. Conroy spricht Batman gewohnt routiniert, wird vom Material aber kaum gefordert. Loren Lester klingt trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch sehr jugendlich, bekommt aber ebenfalls kaum brauchbares Material. Was ist nur aus dem Nightwing der Episode „Old Wounds“ geworden, der mit sich selbst, seiner Identität und Batmans Methoden haderte? Und schließlich wäre da noch Melissa Rauch, die Arleen Sorkin als Harley Quinn mehr schlecht als recht ersetzt. Irgendwie passt ihre Stimme einfach nicht. Ich kann mir nicht helfen, ich höre immer nur Bernadette, auch wenn die Stimmlage nicht ganz so hoch ist.

Immerhin haben die Macher den Anstand, wenigstens einmal Shirley Walkers ikonisches Batman-Thema einzubauen, wenn sie mit Michael McCuistion, Lolita Ritmanis und Kristopher Carter schon drei Komponisten verpflichten, die unter Walker bereits an „Batman: The Animated Series“ arbeiteten. Es ist trotzdem verdammt schade, dass es nicht einmal einen großen, dramatischen Auftritt des Dunklen Ritters gibt, bei dem er mit weit ausgebreitetem Umhang durch ein Fenster bricht, begleitet von besagtem Thema. Ist das denn zu viel verlangt?

Fazit: Trotz ansehnlicher Animationen erweist sich „Batman und Harley Quinn“ als ziemlich Enttäuschung. Ein „in den besten Momenten halbwegs amüsant“ reicht für ein Revival von „Batman: The Animated Series“ einfach nicht aus. Nächstes Mal bitte wieder mit etwas Herzblut.

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Siehe auch:
Batman: The Animated Series
Batman: The Killing Joke

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The Limehouse Golem

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Story: Im Jahr 1880 macht ein bestialischer Killer den Limehouse-Distrikt in London unsicher. Da er von der Polizei nicht gefasst werden kann, entstehen Gerüchte, es handle sich bei diesem Killer um den mythischen jüdischen Golem. Inspektor John Kildare (Bill Nighy) wird mit der Lösung des Falls beauftragt, nicht etwa weil mal Vertrauen in seine Fähigkeiten hätte, sondern weil seine Vorgesetzten einen Sündenbock brauchen. Eine Spur führt zu dem Theaterautor John Cree (Sam Reid), der jedoch kurz zuvor verstarb. Seine Frau Elizabeth (Olivia Cooke) wird des Mordes verdächtigt. Kildare vermutet, dass dieser Fall mit dem Golem-Fall zusammenhängt. Ist der Golem vielleicht schon tot? Oder sucht er nur ein neues Opfer…?

Kritik: „The Limehouse Golem“ von Regisseur Juan Carlos Medina, basierend auf dem Roman „Dan Leno and the Limehouse Golem“ von Peter Ackroyd, ist ein Film, der leider fast völlig untergegangen ist. Weder in den traditionellen Medien, noch im Internet habe ich viele Besprechungen entdecken können und zudem macht er sich, nur eine Woche nach dem deutschen Kinostart, schon ziemlich rar. Mir ist es zum Beispiel nicht gelungen, eine passende O-Ton-Vorstellung ausfindig zu machen. Insgesamt finde ich das ziemlich schade, denn „The Limhouse Golem“ ist ein schöner, atmosphärischer Thriller vor der Kulisse des viktorianischen London, ein gotisches Murder Mystery im Stile von „From Hell“ – tatsächlich erinnert Medinas Film vielleicht ein wenig zu sehr an die Comicadaption der Hughes-Brüder aus dem Jahr 2001. Zwar geht es nicht um Jack the Ripper (dieser mordete erst 1888), aber die Mordserie des titelgebenden Golem weist doch deutliche Parallelen auf, und auch visuell verweist „The Limehouse Golem“ auf den Ripper, schon allein durch die Verwendung des typischen Mantels.

Dennoch, wer ich ein Faible fürs Gotische hat, sollte „The Limehouse Golem“ definitiv eine Chance geben. Interessanterweise ist nicht der Inspektor John Kildare die eigentliche Hauptfigur, sondern Elizabeth Cree, deren Geschichte in ausführlichen Rückblenden parallel zu Kildares Ermittlungen erzählt wird. Besonders faszinierend ist dabei die optische Ausgestaltung, die zugleich eine Metaeben eröffnet. Die Ermittlungen sind in tristem Grau gehalten, während Elizabeth Crees Vergangenheit als Darstellerin in einem Varieté in warme Farben getaucht und visuell äußerst üppig gestaltet ist, weil das Theater ihre Passion darstellt. Zugleich wird es benutzt, um die Geschichte einzurahmen, selbst die Morde wirken zum Teil wie auf einer Theaterbühne inszeniert. Darüber hinaus gelingt eine hübsche Verknüpfung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, da Kildare nach und nach die Figuren und Orte der Flashbacks aufsucht und man so sieht, wie sich alles entwickelt hat. Ein weiteres interessantes Element ist das Tagebuch des Killers, anhand dessen mehrere Handschriftenvergleiche durchgeführt werden, wobei in der entsprechenden Szene stets der Verdächtige in die Rolle des Killers schlüpft, sodass jeder Mord visuell von jemand anderem ausgeführt wird. Amüsanterweise gehört zu den Verdächtigen auch Karl Marx (Henry Goodman), der somit einen kleinen Gastauftritt bekommt. Wer denn nun tatsächlich der Golem ist, dürfte sich spätestens im dritten Akt relativ deutlich herauskristallisieren, ich werde es hier aber natürlich trotzdem nicht verraten. Nur so viel: Anders als bei vielen anderen Film ist der Twist passend und ergibt sich logisch aus der Handlung. Lediglich die Verbindung zur mythischen jüdischen Lehmkreatur wirkt eher alibimäßig und wird kaum erforscht.

Die Charakterisierung der Figuren fällt oftmals ein wenig knapp aus, wobei Medina häufig mit Andeutungen arbeitet, die ihnen ein wenig mehr tiefe verleihen. So wird zum Beispiel suggeriert, dass Kildare schwul ist. Das hängt nicht wirklich mit der Handlung zusammen, passt aber ins Gefüge der Geschichte, ohne dass die Figur darauf reduziert würde. Elizabeth Cree ist dabei der am besten ausgearbeitete Charakter. Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern, Bill Nighy macht sich gut als Inspektor, während mich Olivia Cooke ein wenig an Christian Ricci erinnert – was hier als Kompliment zu verstehen ist. Auch abseits der beiden Hauptdarsteller gibt es keinen Ausfall; Douglas Booths Leistung als Dan Leno, eine weitere historische Figur, die als Elizabeths Mentor fungiert, möchte ich noch gesondert hervorheben. Außerdem sollte noch der gelungene Score des schwedischen Komponisten Johan Söderqvist erwähnt werden, der viel zur eindringlichen Atmosphäre des Films beiträgt.

Fazit: „The Limehouse Golem“ ist ein gelungenes, wenn auch recht konventionelles viktorianisches Murder Mystery in der Tradition von „From Hell“ und besticht vor allem durch eine eindringliche Atmosphäre und einen subtilen Metaaspekt.

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Siehe auch:
From Hell
Sweeney Todd
Crimson Peak

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

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Story:
Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) sind im 28. Jahrhundert Top-Agenten der menschlichen Territorien. Sie erhalten den Auftrag, auf dem Wüstenplaneten Kyrion einen Transmutator, das letzte Exemplar seiner Spezies, das jeden Gegenstand vervielfältigen kann, ausfindig zu machen, was ihnen auch gelingt. Sie bringen den Transmutator nach Alpha, der sog. „Stadt der tausend Planeten“, einer Raumstation, auf der Millionen Vertreter diverser unterschiedlicher Spezies leben. Schon bald müssen sie jedoch erkennen, dass ihr Vorgesetzter General Filitt (Clive Owen) in ein Komplott verwickelt ist, das mit der Zerstörung des Planeten Mül zusammenhängt. Die letzten Überlebenden von Mül setzen alles daran, Filitt und den Transmutator in die Hände zu bekommen…

Kritik: So wie es aussieht ist „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, der neueste Film von Luc Besson, der große Flop dieses Jahres. Das ist schon allein deshalb schade, weil es nicht allzu viele unabhängig finanzierte, europäische Science-Fiction-Filme gibt – ich hätte „Valerian“ durchaus Erfolg gegönnt, schon allein, um noch mehr europäische Genre-Filme zu bekommen. Wie dem auch sei, dieser Film ist, was ich als „beauiful mess“ beschreiben würde. Mir sind schon einige Kritiken über den Weg gelaufen, die „Valerian“ auf eine Stufe mit „Jupite Ascending“ stellen und ihn wirklich zu hassen scheinen. Während „Valerian“ einige wirklich massive Schwächen hat, mag ich diese gloriose Fehlkalkulation irgendwie – ein typischer Fall von Guilty Pleasure.

Beginnen wir bei den Schwächen. Dazu zählen primär die Story und die beiden Hauptfiguren bzw. ihre Darsteller. Bei „Valerian“ handelt es sich um die Adaption einer französischen Comicserie aus den 60ern mit dem Titel „Valérian et Laureline“ (auf Deutsche „Valerian und Veronique“), geschrieben von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières; mit Letzterem arbeitete Besson nicht nur an dieser Comicadaption, sondern auch an „Das fünfte Element“ zusammen. Da ich „Valérian et Laureline“ nie gelesen habe, weiß ich nicht, wie genau der Film der Vorlage folgt, allerdings fühlt er sich in mancher Hinsicht ziemlich „altbacken“ an. Es mag sein, dass der Plot des Comics, auf dem dieser Film basiert, in den 60ern neu und aufregend war, aber wie so oft gibt es Abnutzungserscheinungen. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zu „Avatar“, primär die oft als problematisch wahrgenommenen „White-Savior-Narrative“. Vielleicht soll „Valerian“ aber auch ein satirischer Kommentar auf eben dieses Konstrukt sein, denn die „edlen Wilden“ dieses Films sind tatsächlich weißer als die Protagonisten. Wenn dem so war, war es den meisten Zuschauern wohl zu subtil. Für mich weitaus schwerer wiegen die eher umständliche Erzählweise und die unelegante Plotkonstruktion. Und dann sind da noch die beiden Protagonisten. Auch hier gilt, ich weiß nicht, wie die beiden in der Vorlage charakterisiert werden, aber man merkt, welche Archetypen Luc Besson darstellen wollte. Die Betonung liegt hier auf wollte, denn weder Dane DeHaan noch Cara Delevingne werden den Anforderungen gerecht. Vor allem DeHaan nimmt man den Han-Solo- oder Starlord-artigen Protagonisten und Weiberhelden einfach nicht ab, und die Chemie, die zwischen ihm und Delevingne herrschen sollte, ist nicht wirklich vorhanden. Auch sonst ist die Darstellerriege eher durchwachsen – Besson war selten ein Regisseur, der das Allerbeste aus seinen Schauspielern herauskitzeln konnte.

Was für „Valerian“ spricht, ist die schiere, visuelle Kreativität, die hier an den Tag gelegt wird. Letztendlich ist Bessons Film ein sehr eindeutiger Fall von „style over substance“, aber was für einer; hier finden sich mehr Opulenz und kreative Einfälle als in den gesamten Blockbustern der letzten Jahre. Schon die Eingangssequenz, in der wir erleben, wie die Raumstation Alpha langsam zur Stadt der tausend Planeten wird, ist brillant, ebenso wie der mehrdimensionale Markt auf Kyrion und natürlich die späteren Eindrücke von Alpha. Allerdings offenbart sich in diesem Zusammenhang ein weiteres Problem: Man wird das Gefühl nicht los, auf Alpha gäbe es noch weitaus interessantere Abenteuer als das, das gerade von Valerian und Laureline durchlebt wird. Dennoch weiß „Valerian“ auf visueller Ebene absolut zu überzeugen; in Zeiten, in denen große Blockbuster immer grauer und farbloser werden, ist Bessons optische Opulenz eine angenehme Abwechslung. Wenn schon CGI-Overkill, dann doch bitte so.

Ebenfalls sehr angenehm ist die Art und Weise, wie sich der Film selbst ernst nimmt. Während es durchaus (mal mehr, mal weniger funktionierenden) Humor gibt, fehlen die heute oft obligatorischen Metaanspielungen und das Augenzwinkern. Eigentlich stehe ich ja auf beides, aber auch hier gilt: Abwechslung ist der Schlüssel. Hin und wieder ist auch nett, wenn die Helden den größten Absurditäten mit stoischer Gelassenheit entgegenblicken, ohne dabei einen selbstironischen Kommentar abzulassen. Trotz seiner vielen Schwächen bekommt „Valerian“ gerade dadurch eine naive Authentizität, die selten geworden ist. Der Score von Alexandre Desplat schließlich ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben und dürfte auf meiner Jahresbestenliste ziemlich weit vorne landen.

Fazit: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist beileibe kein guter, aber ein unterhaltsamer und visuell brillanter Film – ein Guilty Pleasure erster Güte.

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Dunkirk

dunkirk
Story:
Wir schreiben das Jahr 1940, die Wehrmacht überfällt Frankreich und tausende britischer Soldaten, darunter der junge Tommy (Fionn Whitehead) sind in der französischen Hafenstadt Dünkrichen eingeschlossen. Da Churchill die Soldaten zur Verteidigung des britischen Festlandes braucht, wird eine großangelegte Rettungsaktion gestartet, an der nicht nur militärische Schiffe, sondern auch tausende von zivilen Seevehikeln teilnehmen. Mister Dawson (Mark Rylance), sein Sohn Peter (Jack Lowden) und eine Junge namens George (Barry Keoghan) machen sich auf, um an der Aktion teilzunehmen und ziehen bereits auf dem Weg einen Soldaten (Cillian Murphy) aus dem Wasser. Derweil kommt die größte Bedrohung aus der Luft: Mit den Kampfpiloten der Deutschen muss sich der Pilot Farrier (Tom Hardy) auseinandersetzen, sonst droht die Mission zu scheitern…

Kritik: Kritiker (und da schließe ich mich ein) sind sehr schnell dabei, Klischees zu verurteilen. Wenn es allerdings an erzählerische und sonstige filmische Konventionen geht, sieht die Situation anders aus. Mit „Dunkirk“ versuchte Christopher Nolan scheinbar, sowohl gegen Klischees als auch gegen Konventionen vorzugehen. In mancher Hinsicht sticht Nolans neuestes Werk somit stark aus seinem Œuvre heraus, in anderen Aspekten passt es vorzüglich zu den bisherigen Filmen. Ein Nolan’sches Markenzeichen, das in „Dunkirk“ beispielsweise völlig fehlt, sind die ausufernden, man möchte manchmal fast schon sagen: plakativen philosophischen Dialoge. Tatsächlich sind Dialoge generell selten – „Dunkirk“ ist ein sehr visueller Film, der fast alles über die Optik und den Score vermittelt (dazu später mehr). Das Genre unterscheidet sich ebenfalls, da Nolan sich bisher vor allem in geringfügig futuristischen Räumen bewegte, die meisten Nolan-Filme der letzten Jahre waren Sci-Fi-Thriller; selbst „The Prestige“ passt auf gewisse Weise in dieses Muster. „Dunkirk“ dagegen ist ein historischer Kriegsfilm.

Dennoch muss man nicht allzu lange suchen, um Parallelen zu bisherigen Nolan-Filmen zu finden. Das Thema „Zeit“, das den Regisseur wohl einfach nicht loslässt, ist in „Dunkirk“ stets präsent. Damit einher geht eine nonlineare Erzählstruktur, die für etwas Verwirrung sorgen könnte, wenn man nicht ganz genau aufpasst oder sich vorher informiert hat: Die Evakuierung Dunkirks wird nicht nur aus drei verschiedenen Perspektiven gezeigt – vom Land aus mit Tommy, von der See aus mit Mister Dawson und den beiden Jungen und von der Luft aus mit Farrier – jeder dieser drei Handlungsstränge erstreckt sich über unterschiedliche Zeitabschnitte. Tommy verbringt eine Woche am Strand, die Bootsreise von England nach Frankreich dauert etwa einen Tag und Farrier ist gerade einmal eine Stunde in der Luft; da die Handlungsstränge allerdings ineinandergeschnitten sind, wird das nicht wirklich deutlich.

Ein weiteres Nolan-Markenzeichen ist die Tendenz, eher Filme über Konzepte als über Figuren zu drehen. Zumindest für mich wird diese Tendenz in Nolans Werk immer stärker, gerade wenn man beispielsweise „Batman Begins“ mit „The Dark Knight Rises“ vergleicht – Ersterer ist weitaus figurenorientierter, während Letzterer sich eher um Konzepte und Themen kümmert, was den Figuren oft zum Nachteil gereicht. „Dunkirk“ ist der Höhepunkt dieser Tendenz, denn der Zuschauer erfährt so gut wie nichts über die handelnden Akteure des Films. Mir scheint es, als wolle Nolan sein Publikum emotional direkt in den Film werfen, anstatt es mit den Charakteren mitfiebern zu lassen. So ganz ohne Figuren geht es dann natürlich auch nicht, aber sie bleiben fast ausschließlich völlig leere Projektionsflächen; lediglich die Figuren des Handlungsstranges auf See sind minimal besser ausgearbeitet. Wenn es so etwas wie einen emotionalen Kern des Films gibt, dann ist es Mark Rylance als Mister Dawson.

Ob „Dunkirk“ somit funktioniert, hängt letztendlich davon ab, ob der Zuschauer sich so direkt in den Film werfen lässt: Rein technisch und logistisch ist der Film brillant, was Nolan da auffährt ist höchst beeindruckend. Wie üblich arbeitet er so wenig mit CGI wie möglich, was man auch deutlich merkt, alles wirkt authentisch und intensiv. Dennoch geht Nolans Ansatz für mich nicht wirklich auf, da ich nun mal doch ein sehr figurenfixierter Zuschauer bin und die meisten von ihnen kaum greifbar sind. Darsteller wie Kenneth Branagh oder Cillian Murphy schaffen da natürlich ein wenig Abhilfe, man kennt sie eben, aber gerade Tommy, der ja nominell die Hauptfigur ist, bleibt völlig undefiniert und befindet sich die meiste Zeit über in Gesellschaft anderer junger Soldaten, die alle genauso aussehen wie er. Noch stärker ist dieser Mangel an Identität bei den Deutschen, die völlig gesichtslos bleiben und von denen meistens nur als „der Feind“ gesprochen wird. Lediglich in einer einzigen Szene tauchen sie auf und sind dort auch nur verschwommen zu sehen.

Der Score von Hans Zimmer macht das leider nicht besser. Auch diesbezüglich ist „Dunkirk“ der Höhepunkt einer Tendenz im Werk des Komponisten, denn im Gegensatz zu dem, was er für Christopher Nolan hier komponiert hat, ist selbst „Batman v Superman: Dawn of Justice“ fast noch melodisch. Wie der Film selbst nimmt auch die Musik so gut wie keine Rücksicht auf die Figuren oder ihre Emotionen, stattdessen dient der Score nur einem einzigen Zweck: Die Anspannung noch zu fördern. Das Mittel der Wahl ist dabei, neben dem obligatorischen, durch Elektronik zum Teil bis zur Unkenntlichkeit manipulierten Orchester und dem Ticken einer Uhr, die sog. „Shepard-Skala“, eine Illusion bestehend aus übereinandergelegten Tonfolgen, die für den Hörer klingt, als würde sie beständig ansteigen, ohne dabei den hörbaren Bereich zu verlassen. Zu Anfang funktioniert das auch halbwegs gut, aber mit der Zeit wird der Score unglaublich anstrengend. Mein Hauptproblem dabei ist dasselbe, das ich mit vielen anderen Scores habe, die primär auf Sounddesign ausgelegt sind: Im Grunde sind die Stücke ziemlich austauschbar, kaum etwas verbindet sie mit den dazugehörigen Szenen. Fast jeder Track in „Dunkirk“ ist gleich aufgebaut: Es wird eine kurze musikalische Figur vorgestellt, die dann ad infinitum wiederholt wird, gerne unter Verwendung der oben beschriebenen Shepard-Skala. Selbst in geringeren Dosen hätte das noch funktionieren können, aber der Score füllt fast den ganzen Film, es gibt kaum Stille und irgendwann nervt er einfach nur noch. Interessanterweise stammen die wenigen Stücke, die tatsächlich melodisch sind, nicht von Zimmer, es handelt sich um eine von Benjamin Wallfisch bearbeitete Version des Stückes Nimrod von Edward Elgar, die etwas nach Vangelis klingt. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass das Soundtrack-Album losgelöst vom Film ziemlich unhörbar ist.

Fazit: „Dunkirk“ ist ein höchst unkonventioneller Film, was ihn in gleichem Maße interessant wie anstrengend macht. Auf technischer Ebene ist Nolans neuestes Werk brillant, aber mehr noch als jeder andere Film seines Œuvres stehen bei „Dunkirk“ nicht Figuren, sondern Konzepte im Zentrum. Konventionelle Figurenzeichnung ist so gut wie überhaupt nicht vorhanden, da Nolan ein direktes Erlebnis möchte, doch gerade das sorgt dafür, dass es zumindest mir schwer fällt, mich auf den Film über die visuelle und technische Eben hinaus einzulassen.

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Fundstück der Woche: Fight Night


Ich habe schon länger keinen Artikel der Kategorie „Stück der Woche“ mehr verfasst – das soll sich bald ändern, bis dahin gibt’s aber noch schnell eine neue, ähnlich geartete Kategorie: „Fundstück der Woche“. Hier stelle ich einfach kurz ein Fundstück vor, das ich interessant, witzig, kurios oder auf wie auch immer geartete Weise erwähnenswert finde. Um die Brücke zum „Stück der Woche“ schlagen zu können, geht’s beim ersten Mal um Filmmusik.

Meine Meinung zum Score von „Batman v Superman: Dawn of Justice“ dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Von Verteidigern dieses Scores hört man immer wieder, dass eben genau diese Musik zu Snyders Vision passen würde. Das oben eingebettete Video, auf das ich zufällig gestoßen bin, entkräftet diese Aussage meiner Meinung nach. Es handelt sich dabei um die Kampfszene zwischen Batman und Superman, nur dass die Musik ausgetauscht wurde, allerdings nicht gegen ein einzelnes Stück, sondern ein äußerst beeindruckend geschnittenes und arrangiertes Medley aus der musikalischen Tradition der beiden kämpfenden Figuren. Und, meine Güte, was diese Szene auf einmal für eine andere Wirkung hat, wenn es nicht mehr die ganze Zeit wummert, dröhnt und sinnlos draufhaut. Plötzlich bekommt dieser Kampf eine Gravitas und emotionale Tiefe, man hört, wie die Figuren empfinden (oder zumindest empfinden könnten). Angesichts der Tatsache, dass hier Musik von unterschiedlichen und sehr verschiedenen Komponisten verwendet wurde, ist auch erstaunlich, wie kohärent das Endergebnis geworden ist und wie flüssig die Übergänge geraten sind. Es gibt einen ganzen Haufen derartiger Videos, in denen der Score ausgetauscht wurde (gerade von „Batman v Superman“), aber dieses ist mit Abstand das gelungenste.

Natürlich sollte ich noch darauf eingehen, was hier verwendet wurde und von wem es stammt – vielleicht nicht jedes kleine Fitzelchen, aber die markanten Stellen. Die erste Einstellung mit dem vom nach oben schauenden Batman wird von Danny Elfmans ikonischem Thema aus den Burton-Filmen unterlegt, sobald Superman zu sehen ist, hören wir John Williams‘ Superman-Fanfare im Kontrapunkt, beide Themen werden allerdings nicht beendet, sondern durch Supermans Landung abgebrochen. Das Williams Thema erklingt abermals, als Superman Batman wegstößt. Wenn er sich daran macht, die Selbstschussanlagen per Hitzeblick auszuschalten, erklingt Shirley Walkers Titelthema aus „Superman: The Animated Series“ dich gefolgt von ihrem Batman-Thema aus „Batman: The Animated Series“, das das erste Ringen der beiden Recken untermalt. Es folgt abermals Williams-Superman und Walker-Batman. Als Batman Supermans Schlag erfolgreich abwehrt, hören wir den Anfang von Ellioth Goldenthals Batman-Thema aus „Batman Forever“. Die Begleitung der folgenden Klopperei klingt sehr nach Zimmer und könnte aus der Dark-Knight-Trilogie stammen, da bin ich mir nicht ganz sicher. Die nachlassende Wirkung des Gases wird durch ein erneutes Aufleben des Williams-Themas dargestellt, Batmans Schläge werden von einem Ausschnitt aus dem Anime „Batman: Gotham Knight“ untermalt (hier bin ich mir ebenfalls nicht völlig sicher). Es folgt schwerer zuzuordnende Suspense-Musik, bis Batman Superman das Treppenhaus hinunterwirft, an dieser Stelle ist tatsächlich Musik aus „Batman v Superman“ (der Bat-Rhythmus) zu hören, gefolgt vom Klavier-lastigen Clark-Kent-Thema aus „Man of Steel“. Als Batman Superman herumschleudert, wird sogar eine sehr düstere und brachiale Version des Themas der Batman-Serie von 1966 verwendet. Die Martha Szene schließlich wird vom Knabensopran aus „Batman Begins“ untermalt.

Ein wirklich faszinierendes Video, dass meiner Meinung nach zeigt, dass Snyders Regiestil sehr wohl mit einem emotionaleren, thematischeren und melodischeren Ansatz funktionieren kann. Umso mehr bin ich darauf gespannt, was Danny Elfman für die Justice League komponiert.

Spider-Man: Homecoming

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Story: In Deutschland im Einsatz hat Peter Parker (Tom Holland) als Spider-Man Blut geleckt und hofft nun auf eine Karriere als Avenger, hat er doch jetzt einen professionellen Anzug, ausgestattet mit allem, was man sich so wünschen kann, und in Tony Stark (Robert Downey jr.) zumindest theoretisch einen Mentor. Dieser empfiehlt ihm allerdings, sich erst einmal um „Kleinkram“ zu kümmern und sich von den großen Sachen fernzuhalten. Natürlich gibt es da durchaus auch das eine oder andere halbwegs alltägliche Teenagerproblem: Peters Freund Ned (Jacob Batalon) findet heraus, dass Peter heimlich ein Superheld ist und sein Schwarm Liz (Laura Harrier) interessiert sich viel mehr für Spider-Man als für ihn. Eine größere Herausforderung kommt schließlich in Gestalt von Adrian Toomes (Michael Keaton), der sich der technologischen Überbleibsel diverser Auseinandersetzungen wie der Schlacht um New York bemächtigt und daraus neue Waffen baut, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verhökern….

Kritik: Die meisten fortlaufenden Superheldencomicserien arbeiten mit Handlungsbögen, die sich meistens über vier bis sechs Hefte erstrecken. Immer mal wieder gibt es dann dazwischen Einzelhefte, die eher Füllmaterial sind und dem Leser die Möglichkeit geben, zwischen größeren Ereignissen Luft zu holen, da sie nichts Nennenswertes beisteuern. „Spider-Man: Homecoming“ ist das MCU-Äquivalent eines derartigen Einzelhefts. In mancher Hinsicht ist das erfrischend, sowohl im Kontext des MCU als auch im Rückblick auf die bisherigen Spider-Man-Filme. Wir haben nun wirklich oft genug gesehen, wie ein Superschurke versucht, eine Stadt oder gleich die ganze Erde zu vernichten – selbst bodenständigere Helden wie Batman oder eben Spider-Man hatten zumindest mit Ersterem schon mehrfach alle Hände voll zu tun.

Rein formal bzw. technisch gibt es an „Homecoming“ relativ wenig auszusetzen, der Film ist stringent konstruiert, humorvoll, unterhaltsam, die Darsteller sind durch die Bank gut bis sehr gut und der Film fügt sich recht harmonisch ins MCU ein (mit Ausnahme der Jahresangabe, die nicht ganz passen kann). Zwar bringt es das MCU als solches nicht weiter und fügt ihm auch nichts Signifikantes hinzu, aber das ist etwas, das ich diesem Film nicht zum Vorwurf machen möchte. Sein Hauptproblem würde ich mit „Mangel an Intensität“ umschreiben. Eines der Hauptanliegen von Sony und Disney war wohl, die Fehler der vorangegangenen Spider-Man-Filme nicht zu wiederholen. Beliebte Kritikpunkte sind zum Beispiel „zu überladen“, „zu viele Schurken“ oder „schon wieder die Thematisierung der Origin-Story und Motivation“. All dem geht „Homecoming“ mehr oder weniger geschickt aus dem Weg, gleichzeitig scheint es jedoch, als hätten Regisseur Jon Watts und seine fünf(!) Co-Autoren über diesem Vorhaben vergessen, dem Film auch tatsächlich Substanz und emotionale Tiefe zu verleihen.

Im romantischen Bereich ist das weniger tragisch. In jedem bisherigen Spider-Man-Film war der romantische Subplot stets von großer Wichtigkeit und bildete zumeist ein, wenn nicht sogar das emotionale Zentrum des Films. Mary Jane und Gwen waren jeweils DIE Frau für Peter, DIE große Liebe, da tut ein wenig Abwechslung gut. „Homecoming“ schildert diesbezüglich lediglich zaghafte erste Schritte, eben eine High-School-Beziehung. So weit so gut.

Aber auch sonst steht in „Homecoming“ extrem wenig auf dem Spiel. Wie oben gesagt brauche ich keine Städte, die in Schutt und Asche gelegt werden, aber ein gewisses Maß an emotionaler Involvierung sollte gewährleistet sein. Das kann zum Beispiel erreicht werden, in dem man eine persönliche Beziehung zwischen Held und Schurke aufbaut. Wenn wir uns für einen Moment an Sam Raimis ersten Spider-Man-Film erinnern: Im Finale stehen sich nur noch Peter und Norman Osborn gegenüber. Die Leben Unschuldiger stehen nicht mehr auf dem Spiel, aber wir sind als Zuschauer trotzdem noch involviert, weil die Konfrontation eine sehr persönliche ist – der Film hat ausreichend Zeit in die Beziehung von Peter und Norman investiert. Etwas Derartiges fehlt in „Homecoming“, und das ist besonders schade, weil die Anlagen dafür vorhanden sind. Michael Keatons Adrian Toomes ist gezielt als eine Art Anti-Tony-Stark inszeniert – das technische Genie aus der Arbeiterklasse, das sich Alien-Schrott zusammensuchen muss, im Gegensatz zu Tonys Hochglanzwerkstatt. Sogar die inzwischen ikonische „Im-Helm-Sicht“, die in „Iron Man“ etabliert wurde, wird für Toomes verwendet, und auch die Art, wie er aus seinen Flügeln aussteigt, erinnert stark an Iron Man. Der Film macht mit dieser Anlage aber kaum etwas. Es gibt einen kurzen Dialog zwischen Peter und Toomes, in dem Letzterer über „uns hier unten“ und „die da oben“ spricht, aber mehr wird nicht geboten. Ich werde das Gefühl nicht los, dass „Homecoming“ ein weitaus besserer und interessanterer Film gewesen wäre, hätte man sich entschieden, tatsächlich eine Mentor-Dualität zu etablieren: Tony Stark als der emotional unnahbare und unwillige gute Mentor und Adrian Toomes als der väterlich, aber letztendlich böse Mentor.

So, wie „Homecoming“ letztendlich konzipiert ist, ist alles verhältnismäßig belanglos, was für den ersten MCU-Solofilm einer Figur schon eher ungewöhnlich ist. Normalerweise sind es besagte erste Solofilme, in denen der Held seine größte Wandlung durchmacht, vom Normalo oder Arschloch zum Helden. Diese Wandlung fand für Peter allerdings schon Off-Screen statt, und auch sein Einstieg in eine größere Welt hat er bereits hinter sich. Die Wandlung, die er in „Homecoming“ durchmacht, bzw. die Lektion, die er lernt, ist minimal. In mancher Hinsicht ist „Homecoming“ vielleicht sogar ziemlich realistisch, denn wie oft lernt man schon fundamentale Lebenslektionen? Dennoch, der Umstand, dass fast nichts auf dem Spiel steht, schadet dem Film und sorgt dafür, dass die Spannung, trotz eigentlich sauberer Dramaturgie, mitunter auf der Strecke bleibt. Lediglich Michael Giacchinos Score wirkt der Belanglosigkeit der Handlung entgegen und sorgt dafür, dass sie sich wichtiger anfühlt, als sie ist.

Fazit: Rein formal begeht „Spider-Man: Homecoming“ nur wenig Fehler, gleichzeitig gelingt es der Disney/Sony-Co-Produktion jedoch nicht, eine Geschichte zu erzählen, die für den Titelhelden wirklich von Belang ist. Wo Sam Raimis Spider-Man-Filme oft sehr emotional und mitunter fast überdramatisch waren, geht der MCU-Spider-Man ins andere Extrem. Das sorgt für einen kurzweiligen und unterhaltsamen, aber letztendlich ziemlich vergessenswerten Film.

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The Lego Batman Movie

Spoiler!
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Story: Mal wieder versucht der Joker (Zach Galifianakis) Gotham zu zerstören und mal wieder gelingt es Batman (Will Arnett) seinen Erzfeind aufzuhalten – wobei er sich partout weigert, den Joker als Erzfeind anzuerkennen, was diesen zur Weißglut treibt. Fast zeitgleich übernimmt Barbara Gordon (Rosario Dawson) das Amt des Commissioner von ihrem Vater (Hector Elizondo) und versucht, den Dunklen Ritter zur Zusammenarbeit zu bewegen, damit die Schurken der Stadt endlich einmal nicht nur aufgehalten, sondern dauerhaft eingesperrt werden können. Der Joker und seine Kameraden kommen dem jedoch zuvor und ergeben sich – was Batman im Grunde arbeitslos macht. Natürlich könnte er sich um Dick Grayson (Michael Cera) kümmern, den Waisenjungen, den er mehr oder weniger zufällig adoptiert hat, aber das wäre eines Batman natürlich unwürdig, also beschließt er stattdessen, den Joker endgültig unschädlich zu machen und ihn in die Phantomzone zu schicken. Dazu muss er jedoch Supermans (Channing Tatum) Phantomzonenprojektor stehlen…

Kritik: Die Lego-Filme sind ein sehr interessantes Phänomen. Einerseits sind sie theoretisch Teil des absoluten Ideenausverkaufs, der Filmproduzenten dazu bringt, selbst aus den absurdesten Vorlagen Filme zu machen, man denke nur an den Angry-Birds-Film oder das Ende Juli startende „The Emoji Movie“. Andererseits nutzen sie aber gerade diesen Umstand als Sprungbrett, um auf sehr intelligente Weise die aktuelle Blockbusterlandschaft zu kommentieren, kritisieren und karikieren. „The Lego Movie“ arbeitete sich primär an der allgemeinen Prämisse der Campbell’schen Heldenreise und besonders der Auserwähltenthematik ab, wobei Batman hier bereits als Nebenfigur mitwirkte. „The Lego Batman Movie“ konzentriert sich natürlich nun ausschließlich auf Batman und hat inhaltlich keine wirkliche Beziehung zum ersten Lego-Kinofilm, wohl aber thematisch. Bei beiden handelt es sich um aufwendige Metaparodien. Mehr noch, der große Metaaspekt des ersten Lego-Films (alles ist eigentlich das Spiel eines Jungen, der mit der Legosammlung seines Vaters spielt), wird hier zumindest angedeutet, etwa durch den Abgrund, über dem Gotham steht und der nach getragener Unterwäsche riecht, oder natürlich durch alles, was so in der Phantomzone kreucht und fleucht, aber nicht weiter thematisiert.

Der größte Teil des Metahumors rührt von der Auseinandersetzung mit den vielen Inkarnationen Batmans her, von den Comics und der TV-Serie der 60er über die Burton-, Schumacher- und Nolan-Filme bis hin zu „Batman v Superman: Dawn of Justice“. In diesem Zusammenhang sind die Anspielungen und Referenzen natürlich Legion und um wenigstens den Großteil davon zu verstehen, muss man schon ein gewisses Vorwissen haben. Man merkt Regisseur Chris McKay und Story- sowie Drehbuch-Co-Autor Seth Grahame-Smith eine tiefe Liebe zur Materie an: Wer sonst käme auf die Idee, Billy Dee Williams, der in Tim Burtons „Batman“ Harvey Dent spielte, später aber durch Tommy Lee Jones ersetzt wurde, als Two-Face zu besetzen, und das auch noch für eine wirklich kleine Nebenrolle?

In mancher Hinsicht ist „The Lego Batman Movie“ eine Art Gegenstück zu Frank Millers „The Dark Knight Returns“ – beide Werke werden durch gleiche Thematiken und eine Dekonstruktion des Titelhelden verbunden, befinden sich aber bezüglich des Tonfalls an unterschiedlichen Enden des Spektrums. Eine vergleichbare Beziehung existiert zwischen Pixars bzw. Brad Birds „Die Unglaublichen“ und Alan Moores „Watchmen“, die sich auf ähnliche Weise mit dem Superheldengenre insgesamt auseinandersetzen. Das eine Werk ist jeweils eine echte Parodie, die das Genre bzw. den Helden auf humoristische Weise hinterfragt, während es sich beim anderen, älteren Werk um eine Anti-Parodie handelt, eine dekonstruierende Überspitzung, die aber definitiv nicht lustig ist.

Sowohl „The Dark Knight Returns“ als auch „The Lego Batman Movie“ bedienen sich anderer Genres, um ihre Dekonstruktion durchzuführen: Bei Miller ist es der Noir-Thriller, der Lego-Batman muss sich dagegen mit Merkmalen der typischen Coming-of-Age-Komödie herumschlagen – Filme wie „About a Boy“ kommen einem in den Sinn, in denen sowohl das eigentliche Kind, aber vor allem der infantile und unfreiwillige Adoptivvater erwachsen werden. Natürlich stammen die Figuren alle aus den Batman-Comics der letzten knapp 80 Jahre, verkörpern aber zugleich die Archetypen des erwähnten Genres. Eine weitere Parallele zu „The Dark Knight Returns“ findet sich in Batmans Beziehung zum Joker, die in beiden Werken als eine Art Hassliebe dargestellt wird, wobei das im Legofilm natürlich primär aus humoristischen Gründen geschieht, während Miller eher die psychische Instabilität beider Figuren herausarbeitet. Robin ist in diesem Zusammenhang ebenfalls interessant, da er zwar eindeutig als Dick Grayson identifiziert wird, in Sachen Optik und Persönlichkeit allerdings eher Carrie Kelley, dem weiblichen Robin aus „The Dark Knight Knight Returns“ ähnelt.

Die Darstellung Batmans basiert natürlich ebenfalls auf Miller, dessen Charakterisierung ohnehin stilbildend war und von der Batman sowohl im Comic- als auch im Film- und Serienbereich in den letzten 30 Jahren kaum loskam. Wie schon in „The Lego Movie“ sind Batmans diverse Charaktereigenschaften wie sein Einzelgängertum, seine Arroganz und seine Hyperkompetenz parodistisch auf die Spitze getrieben. Und da sich ohnehin Spuren jeder Bat-Interpretation der letzten Jahrzehnte in diesem Film befinden, bewegt sich auch Will Arnetts Bat-Stimme irgendwo zwischen Michael Keaton, Kevin Conroy und Christian Bale.

Die anderen Sprecher sind ebenfalls sehr gut gewählt, vor allem Rosario Dawson als Barbara Gordon (Batmans romantisches Interesse an ihr dürfte eine Anspielung auf „Batman Beyond“ und das DCAU im Allgemeinen sein), Zach Galifianakis als Joker und Ralph Fiennes als Alfred sind hier hervorzuheben. Damit kämen wir allerdings auch schon auf meinen größten Kritikpunkt zu sprechen, der vielleicht ein wenig kleinkariert erscheinen mag: Warum spricht Eddie Izzard Voldemort? Ralph Fiennes gehört zum Cast, spricht aber nicht seine Paraderolle, obwohl Izzard sich ganz klar an Fiennes‘ Darstellung orientiert – wer kommt auf eine derart bescheuerte Idee? Mein zweiter Kritikpunkt betrifft Superman und die Justice League, deren Intermezzo im Grunde ins Leere läuft – wäre es nicht besser gewesen, hätte Batman am Ende die Justice League um Hilfe gebeten und nicht seine Rogues Gallery (ja, „How It Should Have Ended“ hat das bereits thematisiert, aber dieser Gedanke kam mir schon beim Schauen des Films, bevor ich besagtes Video gesehen habe)?

Der Score, komponiert von Zimmer-Alumnus Lorne Balfe, kann sich dann wieder sehen lassen – eine gelungene, hyperaktive Collage der musikalischen Geschichte des Dunklen Ritters von Neal Hefti über Danny Elfman und Shirley Walker bis hin zum Zimmer-geprägten Output der letzten Jahre mit dem besten Batman-Thema der letzten Jahre. Eine gelungene, ausführliche Rezension findet sich hier beim Kollegen von Score Geek.

Fazit: Wie schon „The Lego Movie“ ist auch „The Lego Batman Movie“ eine gelungene Parodie und Dekonstruktion, dieses Mal allerdings mit sehr speziellem Ziel. Wer mit „The Lego Movie“ jedoch schon nichts anfangen konnte, dem wird dieser Film mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls nicht zusagen; beide sind sich in ihrer Hyperaktivität und Gag-Dichte stilistisch und humoristisch sehr ähnlich. Wer darüber hinaus nicht zumindest ein gewisses Bat-Vorwissen mitbringt, dürfte sich desto Öfteren verwirrt am Kopf kratzen.

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