Spider-Man: Homecoming

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Story: In Deutschland im Einsatz hat Peter Parker (Tom Holland) als Spider-Man Blut geleckt und hofft nun auf eine Karriere als Avenger, hat er doch jetzt einen professionellen Anzug, ausgestattet mit allem, was man sich so wünschen kann, und in Tony Stark (Robert Downey jr.) zumindest theoretisch einen Mentor. Dieser empfiehlt ihm allerdings, sich erst einmal um „Kleinkram“ zu kümmern und sich von den großen Sachen fernzuhalten. Natürlich gibt es da durchaus auch das eine oder andere halbwegs alltägliche Teenagerproblem: Peters Freund Ned (Jacob Batalon) findet heraus, dass Peter heimlich ein Superheld ist und sein Schwarm Liz (Laura Harrier) interessiert sich viel mehr für Spider-Man als für ihn. Eine größere Herausforderung kommt schließlich in Gestalt von Adrian Toomes (Michael Keaton), der sich der technologischen Überbleibsel diverser Auseinandersetzungen wie der Schlacht um New York bemächtigt und daraus neue Waffen baut, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verhökern….

Kritik: Die meisten fortlaufenden Superheldencomicserien arbeiten mit Handlungsbögen, die sich meistens über vier bis sechs Hefte erstrecken. Immer mal wieder gibt es dann dazwischen Einzelhefte, die eher Füllmaterial sind und dem Leser die Möglichkeit geben, zwischen größeren Ereignissen Luft zu holen, da sie nichts Nennenswertes beisteuern. „Spider-Man: Homecoming“ ist das MCU-Äquivalent eines derartigen Einzelhefts. In mancher Hinsicht ist das erfrischend, sowohl im Kontext des MCU als auch im Rückblick auf die bisherigen Spider-Man-Filme. Wir haben nun wirklich oft genug gesehen, wie ein Superschurke versucht, eine Stadt oder gleich die ganze Erde zu vernichten – selbst bodenständigere Helden wie Batman oder eben Spider-Man hatten zumindest mit Ersterem schon mehrfach alle Hände voll zu tun.

Rein formal bzw. technisch gibt es an „Homecoming“ relativ wenig auszusetzen, der Film ist stringent konstruiert, humorvoll, unterhaltsam, die Darsteller sind durch die Bank gut bis sehr gut und der Film fügt sich recht harmonisch ins MCU ein (mit Ausnahme der Jahresangabe, die nicht ganz passen kann). Zwar bringt es das MCU als solches nicht weiter und fügt ihm auch nichts Signifikantes hinzu, aber das ist etwas, das ich diesem Film nicht zum Vorwurf machen möchte. Sein Hauptproblem würde ich mit „Mangel an Intensität“ umschreiben. Eines der Hauptanliegen von Sony und Disney war wohl, die Fehler der vorangegangenen Spider-Man-Filme nicht zu wiederholen. Beliebte Kritikpunkte sind zum Beispiel „zu überladen“, „zu viele Schurken“ oder „schon wieder die Thematisierung der Origin-Story und Motivation“. All dem geht „Homecoming“ mehr oder weniger geschickt aus dem Weg, gleichzeitig scheint es jedoch, als hätten Regisseur Jon Watts und seine fünf(!) Co-Autoren über diesem Vorhaben vergessen, dem Film auch tatsächlich Substanz und emotionale Tiefe zu verleihen.

Im romantischen Bereich ist das weniger tragisch. In jedem bisherigen Spider-Man-Film war der romantische Subplot stets von großer Wichtigkeit und bildete zumeist ein, wenn nicht sogar das emotionale Zentrum des Films. Mary Jane und Gwen waren jeweils DIE Frau für Peter, DIE große Liebe, da tut ein wenig Abwechslung gut. „Homecoming“ schildert diesbezüglich lediglich zaghafte erste Schritte, eben eine High-School-Beziehung. So weit so gut.

Aber auch sonst steht in „Homecoming“ extrem wenig auf dem Spiel. Wie oben gesagt brauche ich keine Städte, die in Schutt und Asche gelegt werden, aber ein gewisses Maß an emotionaler Involvierung sollte gewährleistet sein. Das kann zum Beispiel erreicht werden, in dem man eine persönliche Beziehung zwischen Held und Schurke aufbaut. Wenn wir uns für einen Moment an Sam Raimis ersten Spider-Man-Film erinnern: Im Finale stehen sich nur noch Peter und Norman Osborn gegenüber. Die Leben Unschuldiger stehen nicht mehr auf dem Spiel, aber wir sind als Zuschauer trotzdem noch involviert, weil die Konfrontation eine sehr persönliche ist – der Film hat ausreichend Zeit in die Beziehung von Peter und Norman investiert. Etwas Derartiges fehlt in „Homecoming“, und das ist besonders schade, weil die Anlagen dafür vorhanden sind. Michael Keatons Adrian Toomes ist gezielt als eine Art Anti-Tony-Stark inszeniert – das technische Genie aus der Arbeiterklasse, das sich Alien-Schrott zusammensuchen muss, im Gegensatz zu Tonys Hochglanzwerkstatt. Sogar die inzwischen ikonische „Im-Helm-Sicht“, die in „Iron Man“ etabliert wurde, wird für Toomes verwendet, und auch die Art, wie er aus seinen Flügeln aussteigt, erinnert stark an Iron Man. Der Film macht mit dieser Anlage aber kaum etwas. Es gibt einen kurzen Dialog zwischen Peter und Toomes, in dem Letzterer über „uns hier unten“ und „die da oben“ spricht, aber mehr wird nicht geboten. Ich werde das Gefühl nicht los, dass „Homecoming“ ein weitaus besserer und interessanterer Film gewesen wäre, hätte man sich entschieden, tatsächlich eine Mentor-Dualität zu etablieren: Tony Stark als der emotional unnahbare und unwillige gute Mentor und Adrian Toomes als der väterlich, aber letztendlich böse Mentor.

So, wie „Homecoming“ letztendlich konzipiert ist, ist alles verhältnismäßig belanglos, was für den ersten MCU-Solofilm einer Figur schon eher ungewöhnlich ist. Normalerweise sind es besagte erste Solofilme, in denen der Held seine größte Wandlung durchmacht, vom Normalo oder Arschloch zum Helden. Diese Wandlung fand für Peter allerdings schon Off-Screen statt, und auch sein Einstieg in eine größere Welt hat er bereits hinter sich. Die Wandlung, die er in „Homecoming“ durchmacht, bzw. die Lektion, die er lernt, ist minimal. In mancher Hinsicht ist „Homecoming“ vielleicht sogar ziemlich realistisch, denn wie oft lernt man schon fundamentale Lebenslektionen? Dennoch, der Umstand, dass fast nichts auf dem Spiel steht, schadet dem Film und sorgt dafür, dass die Spannung, trotz eigentlich sauberer Dramaturgie, mitunter auf der Strecke bleibt. Lediglich Michael Giacchinos Score wirkt der Belanglosigkeit der Handlung entgegen und sorgt dafür, dass sie sich wichtiger anfühlt, als sie ist.

Fazit: Rein formal begeht „Spider-Man: Homecoming“ nur wenig Fehler, gleichzeitig gelingt es der Disney/Sony-Co-Produktion jedoch nicht, eine Geschichte zu erzählen, die für den Titelhelden wirklich von Belang ist. Wo Sam Raimis Spider-Man-Filme oft sehr emotional und mitunter fast überdramatisch waren, geht der MCU-Spider-Man ins andere Extrem. Das sorgt für einen kurzweiligen und unterhaltsamen, aber letztendlich ziemlich vergessenswerten Film.

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The Lego Batman Movie

Spoiler!
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Story: Mal wieder versucht der Joker (Zach Galifianakis) Gotham zu zerstören und mal wieder gelingt es Batman (Will Arnett) seinen Erzfeind aufzuhalten – wobei er sich partout weigert, den Joker als Erzfeind anzuerkennen, was diesen zur Weißglut treibt. Fast zeitgleich übernimmt Barbara Gordon (Rosario Dawson) das Amt des Commissioner von ihrem Vater (Hector Elizondo) und versucht, den Dunklen Ritter zur Zusammenarbeit zu bewegen, damit die Schurken der Stadt endlich einmal nicht nur aufgehalten, sondern dauerhaft eingesperrt werden können. Der Joker und seine Kameraden kommen dem jedoch zuvor und ergeben sich – was Batman im Grunde arbeitslos macht. Natürlich könnte er sich um Dick Grayson (Michael Cera) kümmern, den Waisenjungen, den er mehr oder weniger zufällig adoptiert hat, aber das wäre eines Batman natürlich unwürdig, also beschließt er stattdessen, den Joker endgültig unschädlich zu machen und ihn in die Phantomzone zu schicken. Dazu muss er jedoch Supermans (Channing Tatum) Phantomzonenprojektor stehlen…

Kritik: Die Lego-Filme sind ein sehr interessantes Phänomen. Einerseits sind sie theoretisch Teil des absoluten Ideenausverkaufs, der Filmproduzenten dazu bringt, selbst aus den absurdesten Vorlagen Filme zu machen, man denke nur an den Angry-Birds-Film oder das Ende Juli startende „The Emoji Movie“. Andererseits nutzen sie aber gerade diesen Umstand als Sprungbrett, um auf sehr intelligente Weise die aktuelle Blockbusterlandschaft zu kommentieren, kritisieren und karikieren. „The Lego Movie“ arbeitete sich primär an der allgemeinen Prämisse der Campbell’schen Heldenreise und besonders der Auserwähltenthematik ab, wobei Batman hier bereits als Nebenfigur mitwirkte. „The Lego Batman Movie“ konzentriert sich natürlich nun ausschließlich auf Batman und hat inhaltlich keine wirkliche Beziehung zum ersten Lego-Kinofilm, wohl aber thematisch. Bei beiden handelt es sich um aufwendige Metaparodien. Mehr noch, der große Metaaspekt des ersten Lego-Films (alles ist eigentlich das Spiel eines Jungen, der mit der Legosammlung seines Vaters spielt), wird hier zumindest angedeutet, etwa durch den Abgrund, über dem Gotham steht und der nach getragener Unterwäsche riecht, oder natürlich durch alles, was so in der Phantomzone kreucht und fleucht, aber nicht weiter thematisiert.

Der größte Teil des Metahumors rührt von der Auseinandersetzung mit den vielen Inkarnationen Batmans her, von den Comics und der TV-Serie der 60er über die Burton-, Schumacher- und Nolan-Filme bis hin zu „Batman v Superman: Dawn of Justice“. In diesem Zusammenhang sind die Anspielungen und Referenzen natürlich Legion und um wenigstens den Großteil davon zu verstehen, muss man schon ein gewisses Vorwissen haben. Man merkt Regisseur Chris McKay und Story- sowie Drehbuch-Co-Autor Seth Grahame-Smith eine tiefe Liebe zur Materie an: Wer sonst käme auf die Idee, Billy Dee Williams, der in Tim Burtons „Batman“ Harvey Dent spielte, später aber durch Tommy Lee Jones ersetzt wurde, als Two-Face zu besetzen, und das auch noch für eine wirklich kleine Nebenrolle?

In mancher Hinsicht ist „The Lego Batman Movie“ eine Art Gegenstück zu Frank Millers „The Dark Knight Returns“ – beide Werke werden durch gleiche Thematiken und eine Dekonstruktion des Titelhelden verbunden, befinden sich aber bezüglich des Tonfalls an unterschiedlichen Enden des Spektrums. Eine vergleichbare Beziehung existiert zwischen Pixars bzw. Brad Birds „Die Unglaublichen“ und Alan Moores „Watchmen“, die sich auf ähnliche Weise mit dem Superheldengenre insgesamt auseinandersetzen. Das eine Werk ist jeweils eine echte Parodie, die das Genre bzw. den Helden auf humoristische Weise hinterfragt, während es sich beim anderen, älteren Werk um eine Anti-Parodie handelt, eine dekonstruierende Überspitzung, die aber definitiv nicht lustig ist.

Sowohl „The Dark Knight Returns“ als auch „The Lego Batman Movie“ bedienen sich anderer Genres, um ihre Dekonstruktion durchzuführen: Bei Miller ist es der Noir-Thriller, der Lego-Batman muss sich dagegen mit Merkmalen der typischen Coming-of-Age-Komödie herumschlagen – Filme wie „About a Boy“ kommen einem in den Sinn, in denen sowohl das eigentliche Kind, aber vor allem der infantile und unfreiwillige Adoptivvater erwachsen werden. Natürlich stammen die Figuren alle aus den Batman-Comics der letzten knapp 80 Jahre, verkörpern aber zugleich die Archetypen des erwähnten Genres. Eine weitere Parallele zu „The Dark Knight Returns“ findet sich in Batmans Beziehung zum Joker, die in beiden Werken als eine Art Hassliebe dargestellt wird, wobei das im Legofilm natürlich primär aus humoristischen Gründen geschieht, während Miller eher die psychische Instabilität beider Figuren herausarbeitet. Robin ist in diesem Zusammenhang ebenfalls interessant, da er zwar eindeutig als Dick Grayson identifiziert wird, in Sachen Optik und Persönlichkeit allerdings eher Carrie Kelley, dem weiblichen Robin aus „The Dark Knight Knight Returns“ ähnelt.

Die Darstellung Batmans basiert natürlich ebenfalls auf Miller, dessen Charakterisierung ohnehin stilbildend war und von der Batman sowohl im Comic- als auch im Film- und Serienbereich in den letzten 30 Jahren kaum loskam. Wie schon in „The Lego Movie“ sind Batmans diverse Charaktereigenschaften wie sein Einzelgängertum, seine Arroganz und seine Hyperkompetenz parodistisch auf die Spitze getrieben. Und da sich ohnehin Spuren jeder Bat-Interpretation der letzten Jahrzehnte in diesem Film befinden, bewegt sich auch Will Arnetts Bat-Stimme irgendwo zwischen Michael Keaton, Kevin Conroy und Christian Bale.

Die anderen Sprecher sind ebenfalls sehr gut gewählt, vor allem Rosario Dawson als Barbara Gordon (Batmans romantisches Interesse an ihr dürfte eine Anspielung auf „Batman Beyond“ und das DCAU im Allgemeinen sein), Zach Galifianakis als Joker und Ralph Fiennes als Alfred sind hier hervorzuheben. Damit kämen wir allerdings auch schon auf meinen größten Kritikpunkt zu sprechen, der vielleicht ein wenig kleinkariert erscheinen mag: Warum spricht Eddie Izzard Voldemort? Ralph Fiennes gehört zum Cast, spricht aber nicht seine Paraderolle, obwohl Izzard sich ganz klar an Fiennes‘ Darstellung orientiert – wer kommt auf eine derart bescheuerte Idee? Mein zweiter Kritikpunkt betrifft Superman und die Justice League, deren Intermezzo im Grunde ins Leere läuft – wäre es nicht besser gewesen, hätte Batman am Ende die Justice League um Hilfe gebeten und nicht seine Rogues Gallery (ja, „How It Should Have Ended“ hat das bereits thematisiert, aber dieser Gedanke kam mir schon beim Schauen des Films, bevor ich besagtes Video gesehen habe)?

Der Score, komponiert von Zimmer-Alumnus Lorne Balfe, kann sich dann wieder sehen lassen – eine gelungene, hyperaktive Collage der musikalischen Geschichte des Dunklen Ritters von Neal Hefti über Danny Elfman und Shirley Walker bis hin zum Zimmer-geprägten Output der letzten Jahre mit dem besten Batman-Thema der letzten Jahre. Eine gelungene, ausführliche Rezension findet sich hier beim Kollegen von Score Geek.

Fazit: Wie schon „The Lego Movie“ ist auch „The Lego Batman Movie“ eine gelungene Parodie und Dekonstruktion, dieses Mal allerdings mit sehr speziellem Ziel. Wer mit „The Lego Movie“ jedoch schon nichts anfangen konnte, dem wird dieser Film mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls nicht zusagen; beide sind sich in ihrer Hyperaktivität und Gag-Dichte stilistisch und humoristisch sehr ähnlich. Wer darüber hinaus nicht zumindest ein gewisses Bat-Vorwissen mitbringt, dürfte sich desto Öfteren verwirrt am Kopf kratzen.

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Wonder Woman – Ausführliche Rezension

Achtung, Spoiler!
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Die Filme des DCEU sind ja bekanntermaßen nicht gerade Kritikerlieblinge. Wurde „Man of Steel“ noch gemischt aufgenommen, so wurden „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ fast durchgehend (und nicht ganz zu Unrecht) niedergemacht. „Wonder Woman“ ist nun entweder die große Trendwende oder die große Ausnahme – das wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Jedenfalls erhält das erste Leinwandabenteuer der Amazone eigentlich durchweg positive Kritiken. Wie schon bei „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“ drängt sich auch dieses Mal wieder eine ausführliche Rezension fast schon auf. Darum wie üblich, mein kurzes, spoilerfreies Fazit, danach nehme ich keine Rücksicht mehr: „Wonder Woman“ ist mit Abstand der beste Film des DCEU. Das allein ist freilich noch nicht wirklich ein Qualitätsmerkmal, aber insgesamt empfand ich ihn als gelungen. Leider gibt es dennoch ein paar kleinere und größere Schönheitsfehler, aber unterm Strich kann sich Dianas erstes Soloabenteuer im Kino durchaus sehen lassen, nicht zuletzt dank der Chemie und Spielfreude von Gal Gadot und Chris Pine.

Handlung und Struktur
Seit Jahrtausenden leben die unsterblichen Amazonen unter dem Schutz von Zeus und der Führung ihrer Königin Hippolyta (Connie Nielsen) abgeschottet von der Menschenwelt auf der Insel Themyscira. Das einzige Kind der Insel ist Diana (zuerst Lilly Aspel und Emily Carey, später Gal Gadot), Tochter der Königin, die von ihrer Mutter behütet und beschützt wird, aber ebenfalls die Kampfkünste der Amazonen erlernen möchte. Schließlich nimmt ihre Tante Antiope (Robin Wright) Diana unter ihre Fittiche, zuerst gegen den Willen der Mutter, später mit ihrem Einverständnis. Diana wird letztendlich zur besten Kämpferin der Insel, als auch schon die Idylle gestört wird: Der junge amerikanische Pilot Steve Trevor (Chris Pine) gelangt durch Zufall durch den magischen Schutzwall, der Themyscira vor der Außenwelt schützt, gefolgt von deutschen Soldaten. Die Amazonen machen zwar kurzen Prozess mit den kaiserlichen Truppen, die Schlacht fordert allerdings das Leben von Antiope und verunsichert die Amazonen zutiefst, nicht zuletzt deshalb, weil Steve ihnen vom Ersten Weltkrieg berichtet. Könnte es sein, dass ihr alter Feind Ares, der Gott des Krieges, zurück ist? Die Amazonen sind zögerlich, doch Diana beschließt zu handeln: Sie stiehlt den „Gotttöter“, ein Schwert, das Ares angeblich vernichten kann, sowie eine zeremonielle Rüstung und das Lasso der Wahrheit und macht sich mit Steve auf in die Welt der Menschen. Kurz vor ihrer Abreise erhält sie allerdings noch den Segen ihrer Mutter.

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Die Amazonen von Themyscira: Menalippe (Lisa Loven Kongsli), Diana (Gal Gadot), Hippolyta (Connie Nielsen) und Antiope (Robin Wright, Bildquelle)

Bevor Steve Diana an die Front bringen kann, geht es jedoch zuerst nach London, wo er seinen Vorgesetzten Bericht erstatten muss, denn er hat schreckliches herausgefunden: Mithilfe der Chemikerin Isabel Maru (Elena Anaya), die den Spitznamen „Doctor Poison“ trägt, möchte der deutsche General Erich Ludendorff (Danny Huston) ein neues, extrem tödliches Gas an der Westfront entfesseln. Obwohl die britische Heeresleitung die aktuell laufenden Friedensverhandlungen mit dem deutschen Reich nicht gefährden möchte, unterstützt Sir Patrick Morgan (David Thewlis) Steves und Dianas Vorhaben, Ludendorff und Maru aufzuhalten. Zusammen mit einigen Spezialkräften begeben sie sich an die belgische Front, wo Diana die Gräuel des Krieges zum ersten Mal mit eigenen Augen sieht. Dies bringt sie zu der Überzeugung, dass es sich bei Ludendorff um Ares handeln muss; sie glaubt, ihre Mission läge klar vor ihr: Ares muss sterben, damit der Krieg endet. Ein Fest der deutschen Heeresleitung in der Nähe scheint sowohl für Steve als auch für Diana die beste Möglichkeit zu sein, ihre Vorhaben umzusetzen…

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Isabel Maru alias Doctor Poison (Elena Anaya, Bildquelle)

Rein strukturell gibt es in „Wonder Woman“ keine großen Experimente, was ich angesichts der bisherigen DCEU-Filme als sehr positiv empfinde, denn bislang hatte jeder von ihnen massive Strukturprobleme. Bei „Man of Steel“ waren es die Flashbacks, mit denen Snyder und Goyer wohl „Batman Begins“ nacheifern wollten, ihr Ziel aber weit verfehlten. „Batman v Superman“ litt vor allem unter der verstümmelten Kinofassung, doch selbst im besser ausbalancierten Extended Cut kommt es zu Längen und anderen dramaturgischen Problemen. Beide Filme leiden außerdem darunter, dass sich fast die gesamte Action im letzten Akt konzentriert. Und dann hätten wir noch „Suicide Squad“ – ich bin immer noch nicht dazugekommen, den Extended Cut dieses Films anzuschauen, aber nach dem, was ich darüber gelesen habe, ändert sich durch die zusätzlichen Szenen kaum etwas. „Suicide Squad“ dürfte der DC-Film mit dem katastrophalsten Schnitt sein, denn Warner war mit David Ayers ursprünglicher Schnittfassung nicht zufrieden und ließ von der Trailer-Firma, die den Bohemian-Rhapsody-Trailer des Films geschnitten hatte, nachbessern. Was für eine bescheuerte Idee.

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Sir Patrick Morgan (David Thewlis, Bildquelle)

„Wonder Woman“ dagegen arbeitet mit einer ganz klassischen Drei-Akt-Struktur, man merkt aber, dass Regisseurin Patty Jenkins ihr Handwerk versteht, denn schon allein dramaturgisch ist ihr Film der beste des DCEU. „Wonder Woman“ ist durchgehend spannend und es gibt eigentlich keine Längen. Die nicht gerade kurzen 141 Minuten Laufzeit vergehen wie im Flug, ohne dass die Handlung eine Bruchlandung hinlegt, wie es beispielsweise in „Batman v Superman“ der Fall war, als sich Diana auf ihrem Laptop den Quasi-Teaser für „Justice League“ ansieht. Humor und Action sind insgesamt sehr gut ausbalanciert, jeder Akt verfügt über ein größeres und durchaus beeindruckendes Action-Set-Piece – die Schlacht der Amazonen gegen die deutschen Soldaten in Akt 1, Wonder Womans Eroberung des „No Man’s Land“ in Akt 2 und der Kampf gegen Ares in Akt 3. Bei der Action bemerkt man noch den Einfluss Zack Snyders, dem sich Patty Jenkins wohl ein wenig annähern wollte oder musste: Sie macht ausgiebig Gebrauch von Zeitlupeneffekten, sodass die Kämpfe mitunter an „Watchmen“ erinnern. Mir persönlich hat tatsächlich der Amazonen-Kampf im ersten Akt am besten gefallen, Dianas Auftritt auf dem Schlachtfeld war ebenfalls gut, nur ihr Kampf gegen Ares war für meinen Geschmack zu CGI-lastig, das weckt unangenehme Erinnerungen an „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“, wobei man diesbezüglich in den letzten Jahren einfach besseres gesehen hat. Aber das ist verzeihlich.

Setting
Beim Setting trafen Warner, Patty Jenkins und die Storyverantwortlichen Zack Snyder, Jason Fuchs und Allan Heinberg, Letzterer verfasste auch das Drehbuch, eine eher unorthodoxe Entscheidung: Sie verlegten die Handlung in den Ersten Weltkrieg. Wonder Woman debütierte bekanntermaßen in den 40ern, weshalb der Zweite Weltkrieg vielleicht die naheliegendere Wahl gewesen wäre. In den späteren Neufassungen ihrer Origin-Story (das aktuellste Beispiel stammt von Greg Rucka und wurde im Rahmen des DC-Rebirth-Events verfasst) wurde diese dann zumeist in die Gegenwart verlegt. Im DC Extended Universe scheint Wonder Woman nun jedoch das Gegenstück zu Captain America im MCU zu sein: Der chronologisch erste Superheld, dem andere nacheifern (was auch in moralischer Hinsicht ganz gut zu Diana passt, siehe unten). Der Erste Weltkrieg wurde wohl ausgewählt, um nicht allzu sehr mit „Captain America: The First Avenger“ verglichen zu werden. Außerdem meine ich gelesen zu haben, dass die Verantwortlichen auch eine zu starke Schwarz/Weiß-Perspektive vermeiden wollten – wenn Nazis vorkommen, sind sie halt die Bösen. Ich muss jedoch leider sagen, dass die Rechnung nicht wirklich aufgeht, denn der Film arbeitet zu wenig mit der gewählten Zeitperiode. Aus historischer Sicht ist „Wonder Woman“ sowieso Unsinn, schon allein weil Ludendorff erst 1937 starb, aber selbst wenn man derart Plakatives ignoriert, hätte der Film fast ebenso gut während des Zweiten Weltkriegs spielen können (mit Ausnahme des Endes und der kleinen Rolle, die ein gewisser Friedensvertrag spielt). Die beiden Unterschurken, Ludendorff und Doctor Poison, wirken wie die typischen Pulp-Nazis, die einem in der Popkultur von „Indiana Jones“ über „Hellboy“ bis zu „Captain America: The First Avenger“ überall über den Weg laufen; es fehlt lediglich die Hakenkreuz-Armbinde, denn Ludendorffs Uniform sieht schon verdammt nach Wehrmacht aus. Auch sonst sind die Deutschen primär einfach nur die Bösen – so viel also zur Schwarz/Weiß-Perspektive. Ich erwarte ja nun nicht, dass ein Superhelden-Popcorn-Film wie „Wonder Woman“ ein derart komplexes Ereignis wie den Ersten Weltkrieg völlig angemessen darstellt, aber ein bisschen mehr wäre nett gewesen, besonders, da einiges sehr gut zur Botschaft des Films gepasst hätte; etwa der Umstand, dass die anderen Parteien 1914 kaum weniger kriegslüstern waren als das Kaiserreich oder dass Hindenburg und Ludendorff gegen Ende praktisch eine Militärdiktatur etablierten. Ein paar derartige in die Handlung eingewobene Details hätten den Film und sein Setting runder gemacht.

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Erich Ludendorff (Danny Huston, Bildquelle)

Einen Aspekt möchte ich, davon fast schon unabhängig, jedoch noch hervorheben: Farben, Design und Atmosphäre. Auch diesbezüglich hatten die bisherigen DCEU-Filme massive Probleme in Form von hässlichen, hässlichen Farbfiltern. Bei „Man of Steel“ versuchte man, alles möglichst realistisch zu halten, übertrieb es dabei aber – alles war ausgewaschen und graublau. „Batman v Superman“ war zwar weniger auf Pseudorealismus aus, aber die Farbfilter waren noch stärker und irgendwann versank alles in einem schwarzgrauen Meer. „Suicide Squad“ versuchte es mit dem entgegengesetzten Ansatz und ertränkte den Zuschauer in grellen Neonfarben, die unangenehme Erinnerungen an Joel Schumacher wecken. „Wonder Woman“ fühlt sich diesbezüglich richtig an, die Farben wirken natürlich und passen. Die Paradiesinsel erstrahlt in sattem Grün, London und die Westfront sind zwar in Grau gehalten, aber es ist ein passendes, natürliches Grau, das zum Ambiente und entsprechenden Szene passt.

Diana
Im Zentrum dieses Artikels muss natürlich die Titelheldin stehen. Wonder Woman feierte ihr Debüt bereits im Jahr 1941 auf den Seiten von All Star Comics #8 und wurde von William Moulton Marston, seines Zeichens Psychologe und Erfinder des Lügendetektors (das Lasso der Wahrheit kommt nicht von ungefähr) geschaffen, der mit ihr einen Gegenentwurf zu maskulinen Helden wie Batman und Superman schaffen wollte. Mehr noch, Marston war feministischer Theoretiker und kreierte mit den Amazonen von Themyscira eine aus seiner Sicht ideale weibliche Gesellschaft. Diana, die Prinzessin der Amazon, kann praktisch als deren Höhepunkt verstanden werden, da sie von ihrer Mutter aus Lehm geformt und von den Göttern zum Leben erweckt wurde, also im Grunde ohne männliche Direktbeteiligung entstand. Insofern ist es eher fraglich, ob Marston mit dem Wonder-Woman-Film zufrieden wäre. Allerdings hat die Figur in ihrer inzwischen über fünfundsiebzigjährigen Geschichte viele Veränderungen durchgemacht, die im Kontext des Films ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

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Diana (Gal Gadot) auf dem Schlachtfeld (Bildquelle)

Primär zwei Inkarnationen Dianas scheinen für den Ursprung der Filmversion Pate gestanden zu haben: Die New-52-Version, die vor allem von Brian Azzarello geprägt wurde, und die animierte Verkörperung aus der Serie „Justice League Animated“. Die Film-Wonder-Woman ist ebenso wie die New-52-Wonder-Woman keine lebendig gewordene Lehmfigur, sondern eine Tochter des Zeus – die Lehmgeschichte ist lediglich Tarnung, um Dianas wahre Herkunft zu verschleiern. In beiden Fällen ist das keine willkürliche Änderungen, sondern ein wichtiges Handlungselement: Hier ist Diana der eigentlich „Gotttöter“, die lebendige Waffe, die Ares aufhalten kann. Natürlich hätte dieser Plottwist auch mit der ursprünglichen Origin umgesetzt werden können – Zeus verleiht der aus Lehm geformten Diana Leben, um sie als Waffe gegen Ares einzusetzen (wobei die klassische Zeugung aus Zeus‘ Perspektive natürlich ansprechender gewesen sein dürfte). Es hätte allerdings noch schlimmer kommen können, denn man hätte auch Ares zum leiblichen Vater machen und einen Vader-Plottwist einbauen können. In der bereits erwähnten aktuellsten Neuerzählung von Wonder Womans Ursprüngen wurde die New-52-Anpassung rückgängig gemacht, in den Comics ist sie damit wieder eine Lehmgeburt.

Wenden wir uns nun Dianas Aufbruch zu: In ihrer klassischen Origin-Stroy wird nach dem Eintreffen von Steve Trevor ein Wettbewerb abgehalten, bei dem entschieden wird, welche der Amazonen ihn in die „Welt der Männer“ zurückbegleitet. Gegen den Willen ihrer Mutter nimmt Diana teil und gewinnt, sodass sie als Botschafterin ausgewählt wird. In der Justice-League-Zeichentrickserie dagegen kommt Steve Trevor in diesem Kontext ebenso wenig vor wie der Wettbewerb, stattdessen greifen Aliens die Erde an und Diana stiehlt Lasso und Rüstung, um gegen den Willen ihrer Mutter die Erde zusammen mit der Justice League vor den Invasoren zu schützen. Die Folgen dieser Tat werden in späteren Episoden der Serie verarbeitet, sodass Diana dann letztendlich doch auch offiziell als Botschafterin fungieren kann. Ähnlich verhält es sich im Film; natürlich ist Steve Trevor beteiligt, aber auch hier stiehlt Diana Lasso und Rüstung, um gegen den Willen Hippolytas das zu tun, was sie für richtig hält.

Noch wichtiger als die Origin Story ist selbstverständlich die eigentliche Interpretation von Diana. Wir sehen diese Inkarnation von ihr zwar nicht zum ersten Mal, schließlich debütierte sie bereits in „Batman v Superman: Dawn of Justice“, in diesem Film bekam sie allerdings nicht sehr viel Raum zur Entfaltung und man erfuhr nicht besonders viel über sie. Zudem liegen zwischen „Batman v Superman“ und der Haupthandlung von „Wonder Woman“ über neunzig Jahre. Ein weiterer Grund, weshalb „Wonder Woman“ der beste DCEU-Film ist, findet sich in Dianas klarer, nachvollziehbarer Entwicklung über den Verlauf des Films. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal eine Parallele zu Captain America ziehen: Sowohl Diana als auch Steve Rogers sind keine Figuren, die sich wirklich zu Helden entwickeln müssen, wie etwa Tony Stark oder Bruce Wayne. Die heroische Grundhaltung besitzen sie von Anfang an. Stattdessen müssen beide lernen, wie sie diese heroische Grundhaltung sinnvoll einsetzen. Gerade diesbezüglich unterscheidet sich Diana von den anderen Heroen des DCEU. Zack Snyders Versionen von Batman und Superman sind bestenfalls wiederwillige Helden und schlimmstenfalls rücksichtslose Heuchler. Wonder Woman, zumindest Patty Jenkins‘ Wonder Woman, folgt nicht diesem Konzept. Man könnte fast schon von einer Rückbesinnung auf den klassischen DC-Helden sprechen. Vor allem zwischen den 40ern und 60ern waren die DC-Helden eher moralische Vorbilder, zu denen man aufschaute, während die Marvel-Helden menschlicher und alltäglicher waren, sodass man sich mit ihnen identifizieren konnte. Das bedeutet nicht, dass Wonder Woman in diesem Film allzu abgehoben wäre, aber sie ist nicht gebrochen oder ständig geplagt von Selbstzweifeln, sie ist ehrlich, aufrichtig, neugierig und hat Spaß an ihrer Existenz – Eigenschaften, die man in den ewig grimmigen Snyder-Filmen kaum findet. Mehr noch, sie wirkt auf positive Art überlebensgroß, eine klassische Heldin, die nicht fragt, ob sie eine Heldin sein soll oder nicht, sondern die einfach aufrichtig Menschen helfen möchte – vor allem die Szenen im Schützengraben sind da exemplarisch. Was früher langweilige Norm war, wird nun wieder erfrischend, weil es in den letzten Jahren fast nur noch geplagt Selbstzweifler als Superhelden gab. Was lernen wir daraus? Abwechslung ist der richtige Weg. Dass das alles so exzellent funktioniert liegt natürlich auch an Gal Gadot, die nun bewiesen hat, dass sie einen Film problemlos tragen kann. Ja, ihr Auftritt in „Batman v Superman“ war cool, aber er hat ihr nicht gerade viel abverlangt. Die wirkliche Leistung erbringt sie in „Wonder Woman“. Man merkt, wie involviert und leidenschaftlich sie ist – sie weiß, dass das mit großer Wahrscheinlichkeit die Rolle ist, wegen der man sie im Gedächtnis behalten wird.

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Das, äh, Wonder-Team? Sameer (Saïd Taghmaoui), Steve Trevor (Chris Pine), Diana (Gal Gadot), Chief (Eugene Brave Rock) und Charlie (Ewen Bremner, Bildquelle)

Wie fast jeder Superheldenfilm folgt auch „Wonder Woman“ der klassischen Heldenreise. Schon im Konzept der Figur gibt es da die eine oder andere interessante Variation. Normalerweise bricht der Held aus der profanen Welt in die Welt des Mythos auf. Bei Diana ist es umgekehrt: Sie lebt in der Welt des Mythos, für sie wartet das Abenteuer in der profanen Welt. Wie nicht anders zu erwarten rührt der Humor des Films deshalb zum Großteil aus der Konfrontation Dianas mit der Menschenwelt des frühen zwanzigsten Jahrhunderts her. Interessanterweise spielt der Status der Frau in dieser Ära dabei eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es den einen oder anderen Seitenhieb, gerade im Dialog zwischen Diana und Etta Candy (Lucy Davis), aber davon abgesehen ist „Wonder Woman“ diesbezüglich geradezu zahm, obwohl die Zeit Derartiges fast schon provoziert. Ein interessantes Gegenstück wäre in mehr als einer Hinsicht der Wonder-Woman-Animationsfilm aus dem Jahr 2009, der Dianas Origin Story ins 21. Jahrhundert verlegt, die Stellung der Frau (und Dianas Irritation über das Verhalten der Frauen in der „Männerwelt“) aber in weit größerem Ausmaß thematisiert. In diesem Film ist auch ihr ursprünglicher Hintergrund intakt (Lehmgeburt, Wettkampf etc.).

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Eine weitere Säule dieses Films ist Chris Pine, der ebenfalls einen großen Teil zum Gelingen von „Wonder Woman“ beiträgt. Die Chemie zwischen ihm und Gal Gadot stimmt einfach, anders als es zum Beispiel bei Henry Cavill und Amy Adams in „Man of Steel“ der Fall war – deren Beziehung war nie greifbar, sie haben sich am Ende geküsst, weil es im Drehbuch stand, aber nicht weil sie sich als Charaktere zu diesem Punkt hinentwickelt hätten. Ganz anders Chris Pine und Gal Gadot, deren Interaktion immer authentisch und nachvollziehbar wirkt und die sich ihre Filmromanze verdient haben. Ähnliches lässt sich auch über die anderen Nebenfiguren wie Chief (Eugene Brave Rock), Sameer (Saïd Taghmaoui) und Charlie (Ewen Bremner) sagen, die einen Grad an Authentizität und Einprägsamkeit mitbringen, den man bei den DC-Nebenfiguren bislang vermisst hat.

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Steve Trevor (Chris Pine, Bildquelle)

Steve Trevors Rolle als Love Interest ist allerdings fast schon zweitrangig. Im Vorfeld gab es Bedenken, Steve Trevor könnte als eigentlicher Held des Films inszeniert werden, während die Titelheldin zur zweiten Geige degradiert wird. Der eine oder andere Kritiker scheint sogar der Meinung zu sein, dass dem so ist, ich würde diesem Urteil allerdings widersprechen. Wenn wir noch einmal zur Heldenreise zurückkehren, dann ist Steve Trevor nicht einfach nur Love Interest, sondern auch Mentor Dianas. Ihre erste Mentorenfigur ist freilich nicht schwer auszumachen: Antiope bringt ihr das Kämpfen bei und stirbt dann auch schon im ersten Akt. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt Steve die Rolle des Mentors, er bringt Diana in die Menschenwelt und schließlich an die Front. Er ist aber vor allem deshalb für Dianas Entwicklung unerlässlich, weil er ihr durch Worte und Taten zeigt, wie es um das Wesen der Menschen bestellt ist. Im zweiten Akt folgt Diana stur ihrer Mission: Sie glaubt, dass Ares die Gestalt von Ludendorff angenommen hat und sie ihn töten muss, um den Krieg zu beenden. Als sie Ludendorff dann tötet und er sich als normaler Mensch entpuppt, ist es Steve, der ihr zeigt und erklärt, womit sie eigentlich zu kämpfen hat. Da er aber kein klassischer Mentor á la Dumbledore oder Gandalf ist, durchläuft auch er einen Lernzprozess und beginnt, vorgefertigte Meinungen zu hinterfragen. Dennoch, wie es sich für einen guten Mentor gehört, opfert sich Steve letztendlich, damit Diana erkennt, wie und warum sie zur Heldin geworden ist – erst ab diesem Moment wird sie wirklich zu Wonder Woman. Die Erkenntnis (Liebe allein kann das Böse nicht vernichten, aber sie ist es wert, dafür zu kämpfen) selbst scheint dabei verhältnismäßig plakativ zu sein, spricht aber eher für einen Kompromiss als für die Philosophie der Extreme, die die bisherigen DCEU-Filme vertraten. Mich hat das ein wenig an Visions Erkenntnis am Ende von „Avengers: Age of Ultron“ erinnert.

Ares
Es heißt immer, das größte Problem der MCU-Filme seien die Schurken, aber ehrlich gesagt ist dieses Problem beim DCEU sogar noch größer. General Zod hatte ein paar interessante Ansätze, die aber im Sand verliefen, Lex Luthor war komplett für die Tonne und über die Enchantress reden wir besser gar nicht erst. Leider sind auch in „Wonder Woman“ die Schurken eher problematisch. Wie ich bereits erwähnte, sind sowohl Ludendorff als auch Doctor Poison im Grunde ziemlich langweilig. Ares ist interessanter – nicht unbedingt gelungen, aber interessanter. Letztendlich stellt sich heraus, dass nicht Ludendorff, sondern der von David Thewlis gespielte Sir Patrick Morgan tatsächlich der Gott des Krieges ist. Ares ist ein klassischer Wonder-Woman-Gegner und bei diesem Setting drängt er sich geradezu auf. Jenkins und Co. versuchen allerdings, ihn eher unkonventionell aufzuziehen. Normalerweise wird Ares durch Krieg stärker – ich verweise abermals auf den Wonder-Woman-Animationsfilm. Die Philosophie, die Ludendorff erläutert, kurz bevor Diana ihn aufspießt, DAS ist die Geisteshaltung des Comic-Ares. Die Filmversion dagegen scheint sich eher bei Magneto und Ra’s al Ghul inspiriert zu haben und verachtet die Menschheit für ihre Kriege, statt stärker zu werden. Ab hier werden Motivation und Absicht allerdings etwas schwammig, obwohl er nach bester Schurkentradition einen Monolog hält. Das Endziel ist wohl die Menschheit endgültig auszurotten. Mir gefällt die Idee, dass Ares die Menschen nicht tatsächlich zum Krieg zwingt, sondern ihnen lediglich die Ideen für Waffen u.ä. eingibt, aber was er dann genau zu erreichen versucht ist nicht so ganz klar. Man könnte vermuten, dass das eine Art „Foreshadowing“ auf den Zweiten Weltkrieg sein soll – Ares will ja tatsächlich, dass der Friedensschluss vonstattengeht, dass es aber ein inakzeptabler Friede wird – klingt nach dem Versailler Vertrag, der dann zum Entstehen des Dritten Reiches und dem Zweiten Weltkrieg zumindest beiträgt. Ares‘ Motivation, Absicht und Handlungen greifen alle nicht so recht ineinander – der klassische Ares hätte hier wohl besser funktioniert. Alternativ hätte man sich auch am New-52-Ares orientieren können, der aus den unpersönlichen Kriegen der Moderne keine Kraft mehr schöpfen kann, seine Stellung als Kriegsgott leid ist und die Menschheit deshalb vernichten will – denn solange es Menschen gibt, wird es auch Kriege geben. Letztendlich wird Ares Diana untergeordnet; er fungiert primär als Vehikel, damit sie ihre endgültige Lektion über Natur und Wert der Menschen lernen kann.

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Ares in den Comics (Bildquelle)

In diesem Zusammenhang sollte das Setting noch einmal erwähnt werden. Ich fand es gut, dass Ares‘ Deckidentität britisch ist und er nicht einfach nur der Drahtzieher hinter den Deutschen ist. Zugleich hätte der Film diese Inhalte noch weit besser vermitteln können, hätte er die Deutschen etwas differenzierter dargestellt – etwa ein Ludendorff, der kein Superdrogen schnüffelt und einfach alles sinnlos mit Gas niedermähen möchte. Mit Ares‘ Inszenierung bin ich auch nicht wirklich einverstanden. David Thewlis macht sich gut als Tarnidentität, aber muss der Gott des Krieges wirklich noch sein Gesicht haben, nachdem er seine wahre Gestalt angenommen hat? Das wirkt ziemlich lächerlich, ich hätte hier den klassischen Ares-Look mit nicht sichtbarem Gesicht und rot leuchtenden Augen definitiv bevorzugt.

Fazit
Im Großen und Ganzen ist „Wonder Woman“ der erste Film des DCEU, den ich als gelungen bezeichnen würde. Es gibt diverse Schwächen, die ihn etwas herunterziehen, vor allem die Schurken und mangelnde Sensibilität für das Setting und die Mythologie der Figur. Die gelungene Darstellung der Titelheldin und die Chemie zwischen Gal Gadot und Chris Pine wiegen allerdings einiges wieder auf. Wichtiger noch: „Wonder Woman“ trifft den richtigen Ton. Seit „The Dark Knight“ scheint die DC-Prämisse „düsterer und ernster“ zu sein – die Filme des DCEU scheiterten allerdings daran, das auch passend umzusetzen und die Prämisse nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen. „Wonder Woman“ gelingt die richtige Balance, düster und grimmig wenn nötig, hoffnungsvoll und optimistisch wo angebracht. Patty Jenkins kopiert nicht einfach nur die Formel der MCU-Filme, noch macht sie dieselben Fehler wie Zack Snyder – sie zeigt, wie die DCEU-Filme eigenständig funktionieren können. Hoffen wir, dass Warner Bros. aufgepasst hat.

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Titelbildquelle

Siehe auch:
Wonder Woman (Animationsfilm)
Brian Azzarellos Wonder Woman
Batman v Superman: Dawn of Justice – Ausführliche Rezension
Suicide Squad – Ausführliche Rezension

Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales

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Story: Der junge Henry Turner (Brenton Thwaites) möchte seinen Vater Will (Orlando Bloom) um jeden Preis vom Fluch der Flying Dutchman befreien. Dazu benötigt er den Dreizack des Poseidon, der jeden Fluch der Meere brechen kann. Nur zwei Personen sind in der Lage, ihm beim Aufspüren des Dreizacks zu helfen: Die junge Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die über eine wichtige Spur in Form eines Tagebuchs verfügt, und natürlich Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) mit seinem Kompass. Jack hat darüber hinaus ebenfalls Verwendung für den Dreizack, denn ein alter Feind ist ihm auf den Fersen, um sich an ihm zu rächen: Der untote Captain Salzar (Javier Bardem), der Piraten im Allgemeinen und Jack Sparrow im Besonderen hasst wir die Pest. Sein Kreuzzug gegen die Piraterie ruft auf Captain Barbossa (Geoffrey Rush) auf den Plan, der jedoch wie üblich eigene Ziele verfolgt…

Kritik: Mein Verhältnis zum Pirates-Franchise ist ein wenig anders und insgesamt positiver als das der meisten. Obwohl auch ich denke, dass „The Curse of the Black Pearl“ ein fast perfekter Abenteuerfilm ist, ziehe ich den komplexeren, von exzellenter Figurendynamik getriebenen zweiten Teil vor. Die Teil 3 und 4 sind da weitaus schwächer, aber auch ihnen kann ich durchaus einiges abgewinnen. „Dead Men Tell No Tales“ (mancherorts auch „Salazar’s Revenge“) dagegen hat mich insgesamt ziemlich enttäuscht und ist in meinen Augen der mit Abstand schwächste Film des Franchise.

Alle anderen Pirates-Filme, unabhängig von ihren sonstigen Stärken und Schwächen, hatten dieses gewisse Etwas, das sie zu Pirates-Filmen machte, dieses Verständnis für die Figuren und die Welt. „Dead Men Tell No Tales“ fehlt dieses gewisse Etwas. Es liegt gewiss nicht daran, dass die Regisseur Joachim Rønning und Espen Sandberg sowie Drehbuchautor Jeff Nathanson nicht versuchen, all das, was einen Pirates-Film ausmacht, auch in Teil 5 unterzubringen, aber leider bleibt es beim gescheiterten Versuch. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die ursprünglichen Drehbuchautoren und Erschaffer dieser Welt, Ted Elliott und Terry Rossio, an diesem Sequel kaum bzw. gar nicht beteiligt waren. Letzterer hat zwar noch ein Story-Credit, aber soweit ich weiß bezieht sich das höchstens auf ein paar allgemeine Ideen – das Drehbuch stammt ausschließlich von Jeff Nathanson.

Die Zutaten der Geschichte sind die üblichen: Ein magisches MacGuffin, ein junger, unbedarfter Held samt Love-Interest, bösartige Geister, Action-Set-Pieces und natürlich Captain Jack Sparrow. Schon „On Stranger Tides“ variierte im Grunde primär Elemente des ersten Films, aber dort funktionierte das Ganze für mich noch zumindest halbwegs. Wie sehr dem neuen Kreativteam das Verständnis für diese Welt fehlt, zeigt sich am besten an Jack Sparrow selbst. In den anderen vier Filmen mag er viele Dinge gewesen sein; exzentrisch, verschroben, bizarr, aber eines war er nie: Ein Trottel. Hinter der Fassade verbarg sich stets ein scharfer Verstand; Jack hatte immer noch ein bis zwei Notfallpläne und konnte auch ziemlich gut improvisieren, sollte es mit besagten Plänen nicht klappen. Jack Sparrow ist ein klassischer Trickster, der alle an der Nase herumführt. In Teil 5 dagegen scheint Depp jedes Gespür für seine Figur verloren zu haben und spielt sie als Parodie ihrer selbst, noch nuschelnder, noch torkelnder, noch bizarrer, aber ohne den wachen, planenden Verstand, der sie antreibt und vor allem ohne die Essenz, die sie erst zu jedermanns Lieblingsfigur machte. Bei vielen anderen Elementen dieses Films wirkt es ähnlich, egal ob es sich um die Dialoge, den Humor oder die Action handelt: Vieles wirkt, als wolle „Dead Men Tell No Tales“ den ersten Film, der ja selbst zumindest teilweise eine Parodie auf das Genre des Piratenfilms ist, parodieren. Alles ist noch bescheuerter und übertriebener – und das nicht auf die gute Art.

Letztendlich gilt wohl vor allem folgender Leitsatz für diesen Film: „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.“ Nathanson, Rønning und Sandberg arbeiten stark mit Nostalgie und bringen Figuren- und Handlungselemente der ursprünglichen Trilogie zurück, um vermeintlich offene Enden zu verarbeiten, während sie gleichzeitig weiter die Hintergründe Jack Sparrows beleuchten wollen. Aber auch hier gehen sie schlampig vor, vieles passt nicht zu dem, was bereits etabliert wurde. So zeigt „Dead Men Tell No Tales“ beispielsweise wie Jack an seinen Kompass erhielt – nur blöd, dass er ihn laut „Dead Man’s Chest“ von Tia Dalma bekam. Auch die Funktionsweise scheint sich verändert zu haben, denn in den bisherigen Filmen gab es nie negative Auswirkungen, obwohl Jack den Kompass munter an alle mögliche Leute weitergab, von Elizabeth über Will bis hin zu Beckett (das ist dann wohl nicht als Verrat zu werten). Und apropos Will, dieser hat fischige Züge, diese sollte er aber nur bekommen, wenn er seine Aufgabe vernachlässigt, so wie es Davy Jones einst getan hat; der Film thematisiert jedoch nicht einmal, ob dies der Fall ist (es würde auch irgendwie nicht zu Will passen). Fast noch schlimmer wiegt jedoch für mich, dass diese Rahmenhandlung um Will und seinen Sohn von der Haupthandlung um Captain Salazar ziemlich separiert ist, sodass das alles nicht recht zusammenpassen will und die Auftritte alter Figuren wie unnötiger und unmotivierter Fanservice wirken.

Auch darstellerisch überzeugt „Dead Men Tell No Tales“ nicht wirklich. Über Johnny Depp hatte ich ja bereits gesprochen, Brenton Thwaites ist so blass wie Sam Claflin vor ihm in Teil 4, Javier Bardem hat zwar sichtlich Spaß dabei, so richtig zu keuchen und ächzen, aber auch er kann die langweilige Schurkenfigur, quasi eine Mischung aus Barbossa (verfluchter Untoter) und Beckett (hasst Piraten) nicht retten, und selbst Geoffrey Rush wirkt dieses Mal ein wenig demotiviert. Die große Ausnahme ist Kaya Scodelario, die mir hier wirklich gut gefallen und bei jeder ihrer Szenen frischen Wind in einen ansonsten sehr abgestanden wirkenden Film gebracht hat. Sollte es noch weitere Pirates-Filme geben, darf sie gerne die neue Hauptfigur sein. Aber dann bitte mit anderem Kreativteam und der Beteiligung von Ted Elliott und Terry Rossio.

Fazit: „Dead Men Tell No Tales“ versagt leider fast auf ganzer Linie, da es dem Drehbuchautor und den Regisseuren nicht gelingt, die spezielle Essenz einzufangen, die auch die schwächeren Filme des Franchise zu Pirates-Filmen gemacht hat. Was bleibt ist eine fast sinn- und seelenlose Aneinanderreihung von übertriebenen Action-Set-Pieces und ein Johnny Depp, der jedes Gespür für seine ikonische Figur verloren hat.

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Alien: Covenant – Ausführliche Rezension

Enthält Spoiler!
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Mit „Alien: Covenant“, Ridley Scotts drittem Film aus dem Alien-Franchise, haben wir mal wieder ein Werk, das, ähnlich wie „Suicide Squad“ und „Logan“, eine ausführliche Betrachtung rechtfertigt. Es gilt die gleiche Vorgehensweise wie bei diesen beiden Artikeln: Im Folgenden ist mein spoilerfreies Fazit zum Film zu lesen, danach nehme ich keine Rücksicht mehr. Nun denn: Oberflächlich betrachtet ist „Alien: Covenant“ ein spannender Sci-Fi-Horror-Film; Ridley Scott versteht ohne Zweifel sein Handwerk. Die Bilder sind atemberaubend, die Atmosphäre ist exzellent konstruiert, auch dramaturgisch und strukturell gibt es wenig zu meckern. Problematisch wird es allerdings, wenn man die Oberfläche hinter sich lässt und tiefer in die Materie eindringt. Das betrifft sowohl die Figurenzeichnung als auch die mythologische Dimension, was letztendlich dafür sorgt, dass „Alien: Covenant“ weder als Sequel zu „Prometheus“ noch als Prequel zu „Alien“ so richtig funktioniert und vor allem für Fans der ursprünglichen Filme ziemlich frustrierend sein dürfte.

Handlung
Im Jahr 2106, elf Jahre nach den Ereignissen von „Prometheus“, befindet sich das Kolonisationsschiff Covenant, bemannt mit einer Crew aus Pärchen sowie 2000 Kolonisten im Cryoschlaf und 1000 Embryos, auf dem Weg nach Origae-6. Lediglich der Androide Walter (Michael Fassbender) ist wach und sorgt dafür, dass alles klappt. Unglücklicherweise kann er nichts gegen einen Weltraumsturm und die dadurch ausgelöste Neutrinoexplosion tun, die den Captain der Covenant (James Franco in einem kleinen Cameo-Auftritt) das Leben kostet. Somit ruht die Last der Verantwortung auf den Schultern des gläubigen ersten Offiziers Christopher Oram (Billy Crudup), der nun als Captain übernimmt und Daniels Branson (Katherine Waterston), Terraforming-Expertin und Witwe des Verstorbenen, zur neuen ersten Offizieren macht. Noch bevor die Covenant ihre Reise fortsetzen kann, erreicht sie ein merkwürdiges Signal von einem anderen Planeten, der sich sogar noch weitaus besser für die Kolonisation eignet als Origae-6. Oram entscheidet schließlich, das Risiko einzugehen, dem Ruf zu folgen und den Planeten zu erforschen. Er selbst, Branson und neun weitere Besatzungsmitglieder, inklusive Orams Frau Karine (Carmen Ejogo) und des Androiden Walter, begeben sich zur Oberfläche und entdecken eine üppig bewachsene Welt. Schon bald kommt es jedoch zu Unstimmigkeiten: Zwar ist pflanzliches Leben im Übermaß vorhanden, aber kein tierisches. Das Team stößt auf ein abgestürztes Alien-Schiff, auf dem sich Spuren der Prometheus-Expedition finden, was nahelegt, dass ein Mitglied der Besatzung dieses Schiffes für das Signal verantwortlich ist. Unglücklicherweise atmen zwei der Expeditionsteilnehmer merkwürdige Sporen ein, die sie krank machen, bis schließlich eine mörderische, bleiche Kreatur aus ihnen herausbricht und die Crew noch weiter dezimiert. Erst ein merkwürdiger Fremder kann die Aliens vertreiben. Bei diesem Fremden handelt es sich um das letzte Überbleibsel der Prometheus-Expedition, den Androiden David (nochmal Michael Fassbender). David bringt die Überlebenden zu einer mysteriösen Stadt, in der sie vorerst in Sicherheit zu sein scheinen. Doch schon bald müssen Branson und Oram feststellen, dass David und Walter zwar gleich aussehen, aber völlig unterschiedlich ticken…

Sequel vs. Prequel
Die Reaktionen auf „Prometheus“ waren insgesamt eher negativ, was sich dann auch stark in der Konzeption dieser Fortsetzung niederschlug. Es gibt viel, das man an diesem Film zurecht kritisieren kann, einer der Hauptkritikpunkte war im Grunde jedoch der Mangel an Xenomorphs – hier gingen die Vorstellungen von Ridley Scott und die Wünsche der Fans deutlich auseinander. Zwar gab es mit dem Trilobiten und dem Deacon einen Proto-Facehugger und ein Proto-Xenomorph, doch deren Auftritte sind nicht nur sehr kurz, sondern haben auch kaum Auswirkungen auf die eigentliche Handlung und wirken eher wie eine Last-Minute-Entscheidung, nach dem Motto: „Sollte nicht irgendwo in diesem Film ein Alien auftauchen?“ Ridley Scott war wohl viel eher daran interessiert, die Hintergründe des abgestürzten Schiffes zu erläutern und sich mit Themen wie Schöpfer und Schöpfung, Herkunft der Menschheit etc. auseinanderzusetzen.

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Die Konstrukteure in „Alien: Covenant“ (Bildquelle)

„Alien: Covenant“ soll nun eine inhaltliche Brücke zwischen „Prometheus“ und „Alien“ schlagen. Ich bin mir ziemlich sicher (Ridley Scott hat das in Interviews praktisch bestätigt), dass die ursprünglichen Pläne eines Prometheus-Sequels anders ausgehen hätten. Zwar werden die philosophischen Gedankengänge des Vorgängers durchaus fortgesetzt, das Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung ist nach wie vor DAS dominante Thema des Films, inhaltlich gibt es aber einen sehr deutlichen Bruch. Der Plot in „Prometheus“ dreht sich um die Konstrukteure, die mysteriösen außerirdischen Schöpfer der Menschheit, die dieser wohl nun den Gar ausmachen wollen; weshalb erklärte der Film aber nicht wirklich. Nicht nur liefert „Covenant“ ebenfalls keine Antwort auf diese Frage, die Konstrukteure werden in einem kurzen Flashback abgehandelt und sind bereits zu Beginn des Films ausgelöscht Natürlich könnte es im Universum anderswo noch mehr von ihnen geben, zum gegenwärtigen Zeitpunkt weiß man aber nicht mehr; und dann wäre da auch noch der Umstand, dass sich das Design der Covenant-Konstrukteure deutlich von dem der Prometheus-Exemplare unterscheidet. Die Thematik des Films wird jedenfalls fast ausschließlich über David abgehandelt, der sowohl Geschöpf als auch Schöpfer ist (zu ihm später mehr). Ein paar Details, die die Lücke zwischen „Prometheus“ und „Covenant“ immerhin ansatzweise schließen, gibt es im Online-Prolog „The Crossing“, in dem auch Noomi Rapace noch einmal als lebendige Elizabeth Shaw zu sehen ist.

Rein handlungstechnisch sind sich „Alien“, „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ ohnehin alle ziemlich ähnlich, der Grundplot ist eigentlich jedes Mal derselbe, wobei „Alien“ ihn am besten ausführt, während die anderen beiden einen komplexeren thematischen Überbau haben, wobei dieser bei „Prometheus“ vielleicht zu sehr im Zentrum steht. „Covenant“ nähert sich „Alien“ vor allem im dritten Akt ziemlich. Abermals haben wir die klassische Situation: Ein Xenomorph ist auf dem Schiff und versucht, nach und nach alles niederzumetzeln, was sich bewegt. Das Problem dabei ist, dass die Prometheus-Sequel-Elemente und die Alien-Prequel-Elemente alle nicht so recht ineinandergreifen wollen, sodass fast der Eindruck entsteht, es würde noch ein kompletter Film zwischen „Prometheus“ und „Covenant“ fehlen.

Figuren und Darsteller
Einer der Gründe, weshalb „Alien“ so gut funktioniert, sind die Figuren, die sich in ihrem Zusammenspiel äußerst authentisch anfühlen und ausgezeichnet miteinander interagieren. Bei „Prometheus“ war das, gelinde gesagt, nicht der Fall. Es ist schon ein bisschen her, dass ich „Prometheus“ gesehen habe, aber ich weiß kaum etwas über die Figuren, und sonst kann ich mir Figurennamen und -konstellationen recht gut merken. Natürlich erinnere ich mich noch an Elizabeth Shaw und David. Da war noch Guy Pearce als Firmengründer von Wayland mit schlechtem Senioren-Make-up, Charlize Theron hat mitgespielt und es gab noch einige nervende Wissenschaftler, von denen einer aussah wie Tom Hardy. „Alien: Covenant“ ist in mancher Hinsicht ein wenig besser, es wirkt immerhin so, als hätten sich die Drehbuchschreiber John Logan und Dante Harper zumindest bemüht, ihre Figuren etwas besser oder doch zumindest weniger nervig zu gestalten, wobei der Umstand, dass wir sie direkt in einer Krise kennenlernen, nicht unbedingt dafür sorgt, dass sie besser im Gedächtnis bleiben. Auch zur Covenant-Crew gibt es einen Prolog, der als Eröffnungsszene des Films vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen wäre.

Wie sich im Verlauf des Films leider zeigt, ist die Covenant-Crew nicht unbedingt intelligenter oder kompetenter als die Prometheus-Crew. Dennoch, der gläubige Oram, die mit der Trauer um den Verlust ihres Mannes ringende Branson – das sind zumindest interessante Ansätze, die aber leider kaum ausgeschöpft werden. Die meisten anderen Besatzungsmitglieder der Covenant bleiben profillos und sind vor allem dazu da, um eines äußerst unangenehmen Todes zu sterben (abermals mit einer Ausnahme – wie gesagt, Michael Fassbender als David und Walter wird weiter unten besprochen). Aliens platzen ihnen aus dem Rücken und der Brust, sie werden gefressen oder, besonders heimtückisch, beim Sex unter der Dusche gemeuchelt. Die Leistungen der Schauspieler sind eigentlich durchgehend funktional, aber nicht herausragend. Billy Crudup fand ich in seiner Rolle recht überzeugend, auch Katherine Waterston, die nun schon in ihrem zweiten großen Franchise-Blockbuster mitspielt, ist in Ordnung. Daniels Branson fehlt allerdings die liebenswerte Verschrobenheit, die Waterston in „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ anbringen durfte. Somit bleibt auch die neue Alien-Protagonistin eher auf der funktionalen Seite. So ungern ich diesen Vergleich auch anbringe: Sie kann Ellen Ripley einfach nicht das Wasser reichen.

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Das Xenomorph in „Alien Covenant“: Fast, aber noch nicht ganz (Bildquelle)

Wie setzt man das ikonische Xenomorph am besten ein? Es gibt im Grunde zwei Vorlagen, alle anderen Filme orientieren sich an ihnen oder versuchen, eine Balance zwischen ihnen zu finden. In „Alien“ gibt es eine Kreatur, mit der Ripley Katz und Maus spielt – der Horror dominiert. In „Aliens“ gibt es viele Kreaturen, die in größere Zahl niedergemäht werden, und die Königin, die als Endgegner fungiert – die Action dominiert, das einzelne Xenomorph verliert seinen Schrecken, wenn es im Rudel auftritt und mit großkalibrigen Waffen niedergemäht wird. In „Alien: Covenant“ gibt es zwar mehr als ein Alien, aber Scott orientiert sich doch viel eher an seinem ursprünglichen Film als an James Camerons Sequel. Neben dem klassischen Xenomorph gibt es auch eine neue Variante, das sog. „Neomorph“, das eine ähnliche Körperform wie die ikonische Verwandtschaft aufweist (keine Augen, langgezogener Schädel), aber über keinerlei biomechanische Elemente verfügt, sondern eine glatte, weiße Haut hat. Diese Kreatur, die durch Sporeninfektion entsteht und nicht aus dem Brustkorb, sondern aus dem Rücken hervorbricht, soll den Zuschauer wohl über Wasser halten, bis im dritten Akt das tatsächliche Xenomorph auftaucht – oder zumindest ein sehr naher Vorgänger. Es gibt ein paar Designunterschiede, die Kreatur ist noch nicht ganz das Wesen, mit dem sich Ripley ein paar Jahrzehnte später herumärgern muss, aber es ist doch schon sehr nahe dran. Aufgrund des technischen Fortschritts kann Scott es sich erlauben, sehr viel mehr mit dem Xenomorph anzustellen als 1979 – damals musste er das Alien sehr sparsam einsetzen, da es sich um Schauspieler im Anzug handelte. Zu viel oder die falsche Belichtung konnte die Illusion und den Horror nachhaltig zerstören, weshalb das Alien meistens im Dunklen auftauchte oder bestenfalls teilweise oder ungenau zu sehen war. Anders die Aliens in „Covenant“. Immerhin verließ sich Scott nicht ausschließlich auf CGI und Motion Capture, sondern ließ tatsächlich auch Darsteller in Anzügen aufmarschieren.

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Ein Neomorph beim Frühstück (Bildquelle)

Was „Alien: Covenant“ für einen Hardcore-Fan des Franchise allerdings den Rücken brechen dürfte, ist nicht der eigentliche Einsatz der Xenomorphs, sondern der Umstand, dass Scott hier tatsächlich zeigt, woher die ikonischen Kreaturen kommen: David war’s. Ich selbst betrachte mich bestenfalls als „Casual Fan“ der Alien-Filme, aber auch ich finde es doch relativ banal, dass ein abtrünniger Androide letztendlich für die Erschaffung des Xenomorph verantwortlich ist. Die Frage ist nun, ob „Alien: Covenant“ diesbezüglich tatsächlich das letzte Wort ist, denn einerseits bleiben noch eine ganze Menge Fragen offen und anderseits ist da das Relief im Konstrukteur-Schiff in „Prometheus“, das einen Xenomorph zeigt, lange bevor diese laut „Covenant“ von David erschaffen werden. Wie ich an anderer Stelle bereits schrieb: „Alien“ ist gerade deshalb so wirkungsvoll, auch als Kosmische Horrorgeschichte, weil es eben rätselhaft bleibt, woher diese Kreatur kommt.

Paradise Lost
Kommen wir nun zur mit Abstand interessantesten Figur nicht nur dieses Films, sondern auch des Vorgängers. Durch „Prometheus“ bekam das Alien-Franchise eine mythologische Dimension, die bis dahin fehlte oder bestenfalls in subtilen Andeutungen vorhanden war. Schon der Titel, obwohl er sich oberflächlich betrachtet auf das Schiff bezieht, das die Wissenschaftler nach LV-223 bringt, verweist auf die griechische Mythologie und den Titanen Prometheus, der den Menschen das Feuer bringt (und sie in manchen Versionen sogar erschaffen hat) und dafür von Zeus bestraft wird. Wie bereits erwähnt ist die Schöpfer/Schöpfung-Thematik in „Prometheus“ dominant: Die Konstrukteure erschaffen die Menschen, die Menschen erschaffen Androiden und alle drei erschaffen durch Zufälle, böse Absichten und den unvorsichtigen Umgang mit einer schwarzen Flüssigkeit diverse Monstrositäten. „Alien: Covenant“ greift die Thematik auf, bewegt sich aber in eine andere mythologische Richtung, dieses Mal mit christlichen Implikationen. Ursprünglich sollte „Covenant“ den Titel „Paradise Lost“ tragen, bevor sich Ridley Scott (oder die Studioverantwortlichen) dafür entschieden, abermals den Namen des Schiffs, das die Protagonisten zu den Aliens bringt, zu verwenden. Auch „Covenant“ verweist auf christliche bzw. jüdische Mythologie, damit ist das Abkommen zwischen Gott und dem Volk Israel gemeint, das mit der Bundeslade („Ark of the Covenant“) besiegelt wird. Ich persönlich denke allerdings, dass „Paradise Lost“ tatsächlich der passendere Titel ist, da er inhaltlich und thematisch weitaus besser zum Endprodukt passt. Zum Einen landen die Kolonisten tatsächlich in einem verlorenen Paradies, nämlich der nun leeren Heimatwelt der Konstrukteure (viele Rezensenten haben offenbar nicht ganz verstanden, dass der Planet aus „Covenant“ nicht LV-223 ist) und zum Anderen liefert der Verweis auf John Miltons berühmtes Gedicht mit demselben Namen einen Interpretationsschlüssel. David ist praktisch Satan, der gegen seine Schöpfer rebelliert. Zuerst vernichtet er die Schöpfer seiner Schöpfer, um anschließend selbst schöpferisch tätig zu werden und den perfekten Organismus zu kreieren. Definitiv eine interessante Entwicklung, besonders für einen Androiden. David bekommt mit Walter ein Gegenstück, das optimiert wurde, indem es weniger menschliche und somit auch weniger selbstständig ist. Besonders die Interaktion der beiden identischen Androiden ist faszinierend (und zeigt, was für ein grandioser Schauspieler Michael Fassbender ist), auch wenn der folgende Austausch (David gibt sich als Walter aus) nicht nur vorhersehbar, sondern auch etwas unmotiviert ist und Logiklöcher oder zumindest Klärungsbedarf hinterlässt. Apropos: Davids Motivation für die ganzen genetischen Experimente, ebenso wie das damit zusammenhängende Endziel, bleibt auch etwas nebulös. Frustration mit seinen eigenen Schöpfern ist die offensichtlichste Möglichkeit, es könnte aber auch mit schierer Langeweile zusammenhängen. Insgesamt bleibt in Bezug auf David vieles nach wie vor unklar, auch was seine Beziehung zu Elizabeth Shaw angeht: Hat er sie wirklich selbst getötet? Und gibt es eine definitive, überzeugende Antwort auf die unzähligen offenen Fragen oder sind die Autoren einfach nur faul und schlampig?

Die beiden Szenen des Films, die mir persönlich am besten gefallen haben, waren die Anfangs- und die Schlussszene, weil sie einen schönen Rahmen bilden und der mythologischen Komponente des Films noch eine zusätzliche Ebene verleihen. Am Anfang sehen wir, wie sich Peter Wayland, gespielt von Guy Pearce ohne schlechte Seniorenmaske, mit einem frisch geschaffenen David über die Schöpferthematik unterhält. Dabei spielt David ein Stück von Richard Wagner, Einzug der Götter in Walhall aus dem „Rheingold“ auf dem Klavier. Dieses Stück kehrt in der Schlussszene zurück, als sich David mit den Kolonisten im Cryoschlaf, den menschlichen Embryos sowie zwei Facehugger-Embryos zum eigentlichen Ziel der Mission, Origae-6, begibt. Hierdurch wird nach der griechischen und der jüdisch-christlichen nun auch die nordisch-germanische Mythologie miteinbezogen, wenn auch nur sehr implizit. Vielleicht handelt es sich um eine Vorausdeutung auf die Thematik des geplanten Sequels von „Alien: Covenant“.

Der Score
Ursprünglich sollte Harry Gregson-Williams, der bereits ein Thema zu „Prometheus“ beisteuerte, den Score für „Alien: Covenant“ komponieren, er wurde dann allerdings kurzfristig durch Jed Kurzel ersetzt. Nach seinem katastrophalen Score zur Spieleadaption „Assassin’s Creed“ hatte ich da ziemliche Bedenken, aber für „Alien: Covenant“ hat Kurzel eine sehr kompetente Arbeit abgeliefert. Die bisherigen Scores des Alien-Franchise waren alle sehr eigenständig und individuell – das gilt in besonderem Maße für die beiden Sequel-Scores von James Horner und Elliot Goldenthal, die nur wenig oder keinen Bezug zu Goldsmiths Arbeit haben. Kurzel dagegen orientiert sich sehr stark am Alien-Score, sowohl das Hauptthema als auch das alternierende Zeit-Motiv, dessen sich auch Horner bediente, werden in „Covenant“ ausgiebig verwendet. Stilistisch verhält es sich ähnlich, die oft dissonante Suspense-Musik steht definitiv in der Tradition des ersten Alien-Scores. Erfreulicherweise vergisst Kurzel „Prometheus“ nicht und arbeitet Gregson-Williams‘ Life-Thema in den Score ein. Insgesamt ist die Musik von „Alien: Covenant“ zwar nicht so frisch und innovativ, wie es andere Soundtracks der Reihe waren, weiß aber durch die clevere Verarbeitung der Themen von Goldsmith und Gregson-Williams zu gefallen.

Fazit
Oberflächlich betrachtet liefert „Alien: Covenant“ das, was vielen Fans des Franchise in „Prometheus“ zu fehlen schien: Horror, Blut, Suspense und natürlich Xenomorphs, die Menschen metzeln. Unter eingehender Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass Scott abermals mit denselben Problemen ringt wie beim Vorgänger: Über die philosophischen und thematischen Ambitionen vergessen Regisseur und Autoren, die Charaktere interessant und erinnerungswürdig und den Plot kohärent und logisch zu gestalten. Mehr noch, ihnen entgeht, was das Franchise für viele ursprünglich so anziehend gemacht hat: Das Mysterium. Während die Fragen nach Schöpfer, Schöpfung und Herkunft definitiv interessant sind, gelingt es Scott nicht, diese angemessen zu bearbeiten. Indem er die ikonischen Aliens mehr oder weniger zu einem Nebenprodukt der Ambitionen eines satanischen Androiden macht, banalisiert er diese ikonischen Filmmonster. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass die meisten Liebhaber des Xenomorph lieber die abgesagte Fortsetzung der ursprünglichen Filme von Neill Blomkamp als ein entmystifizierendes Prequel gesehen hätten.

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Siehe auch:
Lovecrafts Vermächtnis: Das Alien-Franchise

 

Lovecrafts Vermächtnis: Das Alien-Franchise

In dieser Woche startete der neue Alien-Film, bei dem es sich, je nach Zählweise, um den fünften (mit dem Wort „Alien“ im Titel), sechsten (unter Einbeziehung von „Prometheus“) oder achten (wenn man die beiden AvP-Filme mitrechnet) Film des Franchise handelt. Die Zeit ist also ideal, um die Wurzeln und Inspirationen dieser Filmreihe ein wenig zu beleuchten. Wenn es eine Person gibt, die auf diese Filmserie einen massiven Einfluss hatte, ohne direkt an der Produktion beteiligt zu sein, dann ist es H. P. Lovecraft. Das beginnt schon bei der Inspiration. Das Design des ikonischen titelgebenden Aliens, unter Fans vor allem als Xenomorph bekannt, stammt vom schweizer Künstler H. R. Giger (leider bereits 2014 verstorben). Regisseur Ridley Scott wurde durch ein Kompendium auf Gigers alptraumhafte, biomechanische Werke aufmerksam, das den Namen „Necronomicon“ trägt. Das ist selbstverständlich nicht das einzige Element, das auf Lovecraft verweist. Vor allem in drei Filmen des Franchise ist Lovecrafts Vermächtnis sehr deutlich zu spüren: „Alien“, „Alien vs. Predator“ und „Prometheus“, weshalb diese im Fokus dieses Artikels stehen.

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H. R. Gigers Meisterwerk: Das Xenomorph (Bildquelle)

Natürlich ist weder „Alien“ noch eine der Fortsetzungen eine wirkliche Adaption von Lovecrafts Werken, der Einfluss kann aber kaum geleugnet werden. „At the Mountains of Madness“ ist hierbei das zentrale Werk des Schriftstellers aus Providence. Diese 1931 verfasste und 1936 erschienene Novelle ist eines von Lovecrafts längsten und einflussreichsten Werken und handelt von einer Antarktis-Expedition der Miskatonic-Universität, in deren Verlauf die Forscher eine Bergkette entdecken, deren Gipfel höher sind als der Mount Everest. Das ist allerdings noch der geringste Fund. Viel interessanter sind die Spuren einer uralten, nichtmenschlichen Zivilisation, der sogenannten „Alten Wesen“ („Elder Things“), die vor Millionen Jahren auf der Erde lebten und der Menschheit nicht nur weit überlegen waren, sondern diese vielleicht sogar geschaffen haben. In jedem Fall haben besagte Alte Wesen noch anderes geschaffen, in ihren Ruinen finden sich weitere Überreste ihrer biologischen Künste. Die Shoggothen wurden ursprünglich als Sklaven gezüchtet, lehnten sich jedoch gegen ihre Herren auf. Wie üblich bei Lovecraft rührt der eigentliche Horror jedoch nicht von den monströsen Shoggothen her, sondern von den Implikationen und der kosmischen Insignifikanz der Menschheit.

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Ein Shoggoth (Bildquelle)

„Alien“ übernimmt vor allem die Atmosphäre der Geschichte, zusätzlich zu einigen Handlungselementen. Zwar handelt es sich nicht Forscher, sondern um Weltraum-Trucker, die auf die Überreste einer uralten Zivilisation stoßen, aber wie in „At the Mountains of Madness“ finden sich auch in dem Raumschiffwrack, auf das die Crew der Nostromo stößt, biologische Spuren. Der Aspekt des Kosmischen Horrors ist in „Alien“ nicht ganz so dominant wie in „At the Mountains of Madness“, der Fokus liegt stärker auf Spannung und der Vergewaltigungsmetapher, die der Lebenszyklus und das Design des Xenomorph verkörpern. Dennoch sind die Aspekte des Kosmizismus vorhanden, Hoffnungslosigkeit, Fremdartigkeit und natürlich die Frage, in welcher Beziehung das Xenomorph zu dem Wrack steht, in welchem die Eier gefunden wurden. Spätere Filme, Romane und Comics des Franchise haben natürlich versucht, diesen Fragen nachzugehen, doch gerade wenn man „Alien“ als für sich alleinstehend betrachtet, machen diese vagen Andeutungen, die ohne Antwort bleiben, einen Großteil des Kosmischen Horrors dieses Films aus. In „Alien“ gibt es am Ende nur Ellen Ripley (Sigourney Weaver) und die Kreatur, die ebenso tödlich wie rätselhaft bleibt.

James Camerons „Aliens“ ist eine exzellente Fortsetzung und ein Klassiker des Sci-Fi-Action-Genres, den Horror des ersten Teils vermisst man allerdings, speziell den Kosmischen Horror. In „Alien“ was das Xenomorph eine fast unaufhaltsame und fast unkaputtbare Macht, gegen die es kaum eine Verteidigung gab. In „Aliens“ dagegen werden die Xenomorphs im Dutzend niedergemäht, was diese Wahrnehmung gründlich zunichte macht. Ähnlich verhält es sich mit den beiden folgenden Sequels, denen es allerdings nicht nur an Kosmischem Horror, sondern auch an allgemeiner Qualität mangelt. Mit „Alien 3“ wollte Fincher zwar tatsächlich zu den Horror-Aspekten des ersten Teils zurückkehren, aber es handelt sich dabei eher um persönlichen, figurenzentrierten Horror. Bekanntermaßen war Dreh des Films vor allem für Fincher ein persönlicher Horror. „Alien: Die Wiedergeburt“ schließlich ist ein völliges Desaster.

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Die Predator-Spezies als antiker Zivilisationsbringer (Bildquelle)

Lovecrafts Einfluss wird erst wieder in Paul W. S. Andersons „Alien vs. Predator“ deutlicher. Dieses Crossover zweier Sci-Fi-Ikonen hat keinen allzu guten Ruf. Während es qualitativ doch recht weit von den ersten beiden Filmen des Franchise entfernt ist, ist es in meinen Augen gar nicht so übel, wenn man seine Erwartungen etwas herunterschraubt. Inhaltlich ist „Alien vs. Predator“ sogar noch näher an „At the Mountains of Madness“, denn die Handlung beinhaltet tatsächlich eine Antarktisexpedition. Wissenschaftler entdecken unter dem Eis eine prähistorische Pyramide, weshalb ein Team ausgeschickt wird, um diese Pyramide zu erforschen. Ähnlich wie in „At the Mountains of Madness“ stellt sich heraus, dass es sich um die Überbleibsel einer außerirdischen Zivilisation handelt – in diesem Fall der Predator-Spezies, die die Xenomorphs züchtet, um sie als Initiationsritus für ihre Jäger zu verwenden. Handlungstechnisch ist Andersons Crossover-Film also relativ nah an Lovecraft, aber nicht atmosphärisch oder philosophische. Kosmischer Horror ist ind Ansätzen bzw. im Konzept vorhanden, gerade im ersten Akt herrscht durchaus noch eine Lovecraft’sche Stimmung, aber ähnlich wie „Aliens“ ist „Alien vs. Predator“ letztendlich weniger Horror als vielmehr Action. Die Klopperei zwischen den beiden Sci-Fi-Ikonen und mehr noch die aufkeimende Freundschaft zwischen dem Predator Scar (Ian Whyte) und der menschlichen Protagonistin Alexa Woods (Sanaa Lathan) verhindert letztendlich, dass im zweiten und dritten Akt wirklich Lovecraft’sches Feeling aufkommt.

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Das fremdartige Schiff der Konstrukteure (Bildquelle)

Und schließlich und endlich hätten wir da noch „Prometheus“, das nicht-so-ganz-Prequel zu „Alien“, das weniger die Herkunft der Xenomorph-Spezies erklärt (dieser wird eher nebenbei kurz angeschnitten), sondern sich mit dem abgestürzten Raumschiff beschäftigt, in dessen Innerem die Xenomorph-Eier im ersten Alien-Film gefunden werden. Auf ein solches Schiff stößt die Crew des Forschungsschiffs Prometheus. Die Wissenschaftler dieser Crew suchen nach dem Ursprung des irdischen Lebens und sind einer auf der Erde gefundenen Sternenkarte gefolgt, die sie zu dem Mond LV-223 führt, auf dem sie besagtes Schiff finden (es handelt sich dabei nicht um dasselbe Schiff wie in „Alien“, dieses wird auf dem Planetoiden LV-426 gefunden). Tatsächlich stoßen sie auf einen noch lebenden Piloten, dessen Spezies wohl die für die Erschaffung der Menschheit verantwortlich ist. Unglücklicherweise scheint dieser „Konstrukteur“ nicht allzu viel von den Menschen zu halten, was biomechanisches, höchst mörderisches Chaos zur Folge hat. Ridley Scotts Rückkehr zum Alien-Franchise ist interessant, aber auch höchst umstritten. Diverse inhaltliche Probleme lassen sich kaum wegdiskutieren; vor allem die Figurenzeichnung ist ziemlich unterirdisch, lediglich der von Michael Fassbender verkörperte Androide David ist interessant. „Prometheus“ stellt jedoch nicht nur sehr interessante Fragen zu Göttlichkeit und der Herkunft der Menschen, sondern ist „At Mountains of Madness“ vor allem philosophisch noch näher als „Alien“ und „Alien vs. Predator“. Mehr noch als diese beiden Filme bedient sich „Prometheus“ des Kosmischen Horrors. Wie bei Lovecraft ist die Menschheit ein Produkt außerirdischer Wesen, die ihrer Schöpfung nicht unbedingt wohlgesonnen sind und zu allem Überfluss sehr unangenehme biologische Spuren hinterlassen haben, um die Menschheit auszulöschen. Mehr noch, der Trilobit, eine Art übergroßer Proto-Facehugger, erinnert sogar entfernt an einen Shoggothen, und eine gewisse Ähnlichkeit zu Cthulhu ist ebenfalls vorhanden.

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Der letzte Konstrukteur ringt mit dem Trilobiten (Bildquelle)

Diese Ähnlichkeit zwischen „At the Mountains of Madness“ und „Prometheus“ hatte sogar sehr direkte Auswirkungen. Guillermo del Toro plante lange, Lovecrafts Novelle zu verfilmen. Als diese Verfilmung schließlich abgesagt wurde, war die Ähnlichkeit zwischen Scotts Film und „At the Mountains of Madness“ einer der angegebenen Gründe. Inzwischen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines von Lovecrafts Werken in diesem Stil für die große Leinwand umgesetzt wird, sehr gering. Bis dahin sind die Filme des Alien-Franchise, speziell die drei hier besprochenen, wohl das, was einer Verfilmung von „At the Mountains of Madness“ am nächsten kommt. Man muss nehmen, was man bekommt.

Lovecrafts Vermächtnis:
Der Cthulhu-Mythos
Nathaniel
Dagon
Die Opferung

Guardians of the Galaxy Vol. 2

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Story:
Nach wie vor arbeiten Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Rocket (Bradley Cooper) und Groot (Vin Diesel) als Guardians of the Galaxy zusammen und erfüllen erfolgreich einen Auftrag für die goldhäutigen, genetisch perfektionierten Sovereigns, allerdings nicht ohne dass Rocket einige äußerst wertvolle Energiezellen mitgehen lässt, was die Sovereign-Hohepriesterin Ayesha (Elizabeth Debicki) erzürnt. Und nicht nur die Sovereigns haben eine Rechnung mit den Guardians offen, auch Gamoras Halbschwester Nebula (Karen Gillan), gegenwärtig Gefangene der Guardians, sowie Yondu (Michael Rooker), ein Anführer der Ravagers, wollen ihnen an den Kragen. Da taucht wie aus dem nichts Peters Vater Ego (Kurt Russel) auf, der eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen möchte. Es stellt sich heraus, dass es sich bei Ego um ein göttliches Wesen, einen lebendigen Planeten handelt, doch schon bald kommen Zweifel auf, ob er wirklich wohlmeinend ist…

Kritik: „Guardians of the Galaxy“ war der Überraschungsblockbuster 2014 – wer hätte einem abgedrehten Sci-Fi-Film mit einem sprechenden Waschbär und einem beweglichen Baum schon einen derartigen Erfolg prophezeit? Kann die Fortsetzung da erfolgreich anknüpfen? Insgesamt: Ja. „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ fehlt ein Aspekt, der sicher einen großen Teil des Erfolges des ersten Teils ausgemacht hat: Die Frische und das Neuartige. Zwar bediente der erste Guardians-Film durchaus die üblichen Marvel-Konventionen, verstand es dabei aber auch, andere Wege zu beschreiten oder besagte Konventionen doch zumindest auszureizen. Dafür kann sich James Gunn, der wie bei Teil 1 nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, in größerem Maß auf die Figuren einlassen und diese weiter erforschen. Ganz nach bester MCU-Tradition ist auch hier der Plot bestenfalls zweitrangig, der Fokus liegt auf den Charakteren und ihrer Interaktion.

Auch thematisch ist das Guardians-Sequel stringenter. Wo Teil 1 die Figuren vorstellen musste und sich vor allem mit Außenseitertum beschäftigte, widmet sich Teil 2 sehr eindringlich dem Thema Familie. Einerseits geht es dabei freilich um die Guardians selbst als Familie, aber auch den familiären Hintergründen der einzelnen Team-Mitglieder wird einige Zeit eingeräumt. Peter Quill und Ego stehen natürlich im Zentrum des Plots, darüber hinaus kehren aber auch Figuren des ersten Films zurück, die dort eher als sekundäre Antagonisten fungieren, nun aber tatsächlich Teil des Teams werden. Vor allem das Verhältnis zwischen den Adoptivschwestern Gamaora und Nebula wird erkundet; Teil 1 zeigte im Grunde nur den Hass zwischen den beiden, nun wird ergründet, weshalb sie sich hassen. Ebenso arbeitet Gunn mit Yondu als Star Lords Ersatzvater; der blauhäutige Söldner wird im Rahmen dieses Films noch um einiges interessantere, als er im Vorgänger war.

Insgesamt versucht Gunn durch die familiäre Thematik, die emotionale Komponente noch zu verstärken. Meistens halten sich Humor und Emotionalität recht gut in der Balance, auch wenn es nicht immer ganz funktioniert. Ein großer Teil des Humors kommt wie schon in Teil 1 von einem gewissen Level an Inkompetenz der Figuren, denen in bestimmten Situationen bestimmte alltägliche Missgeschicke passieren, die selbst in anderen MCU-Filmen so eher weniger geschehen – auf diesen Aspekt werde ich nachher noch einmal zurückkommen. Im Großen und Ganzen funktioniert der Humor wieder ziemlich ausgezeichnet; die heimlichen (oder auch nicht so heimlichen) Stars sind Drax, Mantis (Pom Klementieff) und natürlich Baby Groot.

Besonders interessant finde ich, dass die Vorarbeit auf „Avengers: Infinity War“ ziemlich gering ausfällt. So hatte ich zum Beispiel damit gerechnet, Thanos wiederzusehen, doch der verrückte Titan taucht in diesem Film nicht persönlich auf. Zwar werden große Teile des kosmischen Marvel-Universums einbezogen oder erhalten zumindest diverse Gastauftritte (der Comickenner freut sich über einige bekannte Gesichter), doch nur wenig davon scheint gezielt auf den dritten Avengers-Film hinzuarbeiten. Die Sovereigns sind wohl das Plot-Element, das am engsten mit dem kommenden kosmischen Großereignis zusammenhängt, was allerdings nur dank einer der fünf (!) Mid-Credits-Szenen deutlich wird und auch das nur, wenn man Vorkenntnisse besitzt. Vielleicht sind die Sovereigns deshalb der uninteressanteste Aspekt des Films. Wie dem auch sei, ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass Thanos dieses Mal nicht dabei ist. Ich denke, sein Auftauchen in diesem Film hätte der Figur eher geschadet denn genützt, gerade wegen des angesprochenen Inkompetenz-Levels. Marvel hat schon mehr als genug Schurken, die amüsante Sprüche klopfen. Thanos ist der Big Bad eines jahrelang vorbereiteten Handlungsstrangs, da sollte er sich absetzen; seine Bedrohlichkeit sollte nicht durch Humor beeinträchtigt werden.

Wo wir gerade bei Schurken sind: Der Bösewicht dieses Films ist etwas stärker als Ronan, weiß aber noch immer nicht völlig zu überzeugen. Wie so viele Marvel-Filme konzentriert sich auch dieser primär auf die Protagonisten, sodass für den Widersacher abermals nicht ganz so viel Zeit übrig bleibt. Dennoch ist die Einbeziehung eines kosmischeren Wesens durchaus interessant und könnte auf mehr deuten, als zu Beginn ersichtlich ist.

Die obligatorische Einbindung der diversen aus den 70ern und 80ern stammenden Songs funktioniert abermals ziemlich gut. Darüber hinaus legt Tyler Bates beim Score noch eine ordentliche Schippe drauf und arbeitet sehr schön mit dem bereits im Vorgänger etablierten Guardians-Thema. Zwar fehlt das Nova-Thema des Erstlings ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist Bates‘ zweiter Guardians-Score noch unterhaltsamer als der erste.

Fazit: „Guardians of the Galaxy Vol. 2” ist eine mehr als gelungene Fortsetzung, die sich auf die Charaktere und die familiäre Thematik konzentriert, dabei Humor und Action aber nicht außen vorlässt.

Trailer

Bildquelle

Siehe auch:
Guardians of the Galaxy