Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Live in Concert

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Als Filmmusikfan kann man sich wirklich nicht beklagen, wenn es um das Thema Live-Aufführungen geht: Das Genre wird immer populärer, sodass auch die Anzahl an Live-to-Projection-Aufführungen stetig zunimmt. Während ich die ersten beiden Harry-Potter-Filme in der Stuttgarter Liederhaller leider verpasst habe, konnte ich mir „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ am 1. April aus nachvollziehbaren Gründen natürlich nicht entgehen lassen, schließlich handelt es sich dabei nicht nur um den ersten Score aus einer weit, weit entfernten Galaxis (was alleine schon Grund genug wäre), sondern auch um den Soundtrack, der die orchestrale Filmmusik im großen Stil zurückgebracht hat.

Gespielt hat dieses Mal das Orchester der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter Leitung von Helmut Imig, der auch schon die LtP-Aufführung von „Jurassic Park“ dirigierte, die ich Dezember 2016 besuchte. Im Gegensatz zu besagter Vorstellung gab es dieses Mal allerdings einen etwas holprigen Start: Nach einem gelungenen Main Title ging kurz etwas schief, sodass das Orchester dem Film um einige Sekunden hinterher hinkte, was besonders negativ auffällt, wenn die Folge ist, dass Darth Vaders erster Auftritt ausgerechnet mit der Rebellenfanfare untermalt wird. Zum Glück konnte das Orchester dann aber wieder aufholen, sodass ab Prinzessin Leias Gefangennahme wieder alles im Lot war. Einmal fror auch das Bild auf der Leinwand kurz ein, was aber erfreulicherweise nicht zu einer Verzögerung führte. Das ist nun bereits meine fünfte LtP-Aufführung, und ich muss ehrlich sein: Ich bin fast schon überrascht, dass so ein Schnitzer nicht schon eher passiert ist. Da ich nicht selbst im Orchester spiele, kann ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber ich stelle es mir unheimlich schwer vor, genau synchron zum Film zu spielen. Bei Score-Aufnahmen kann man einfach wiederholen, wenn etwas schief geht, aber live ist das freilich eine ganz andere Geschichte.

Ein kleines Problem hatte ich außerdem noch damit, dass, anders als bei den bisherigen LtP-Aufführungen, dieses Mal die deutsche Synchronfassung gespielt wurde. Trotz dieses Umstandes wurden die Untertitel eingeblendet, da das Orchester doch hin und wieder die Dialoge übertönt (was auch richtig so ist, schließlich besucht man eine derartige Vorstellung primär, um die Musik zu hören). Allerdings bediente man sich der normalen DVD-Untertitel, die mit der Synchronfassung nicht übereinstimmen, was bei mir immer zu geringfügiger Irritation führt. Insgesamt hätte ich ohnehin den O-Ton bevorzugt.

Glücklicherweise hat das alles die tatsächliche Performance des Orchesters kaum beeinflusst, diese war durchweg exzellent. Helmut Imig ist ein sehr energiegeladener Dirigent, der alles Mögliche aus seinem Orchester herausholt – das war bereits bei „Jurassic Park“ der Fall und hat sich bei „Eine neue Hoffnung“ erfreulicherweise wiederholt. Vor allem merkt man ihm seinen Enthusiasmus und seine Leidenschaft an: Wer würde sonst schon die Zugabe mit einem FX-Lichtschwert dirigieren? Egal ob es sich um die subtilen Nuancen von Prinzessin Leias Thema oder die Blechbläserwucht der Rebellenfanfare handelt, Imig und sein Orchester wussten vollauf zu überzeugen.

Wie jedes Mal bei einer derartigen Vorstellung lassen sich einige interessante Beobachtungen machen. Szenen, die ohne Musik auskommen, fallen weitaus deutlicher ins Gewicht, da man als Zuschauer natürlich aktiv auf das Orchester achtet – in „Eine neue Hoffnung“ gibt es durchaus einige davon. Die diegetische Musik, in diesem Fall das Stück der Cantina Band, wurde eingespielt. Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass dieser Film nicht ganz so… ergiebig für eine LtP-Aufführung ist wie etwa ein Herr-der-Ringe-Teil, bei dem auch noch diverse Spezialinstrumente und ein gewaltiger Chor vorkommen – bekanntermaßen spielen chorale Passagen vor Episode VI keine Rolle und werden erst in den Prequels wirklich dominant. Dennoch, John Williams‘ meisterhaft komponierte Musik lohnt sich immer, ganz besonders live und gespielt von einem engagierten Orchester.

Fazit: Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten eine gelungene Live-to Projection-Aufführung, die ich jedem Star-Wars-, Williams- oder Filmmusikfan nur ans Herz legen kann.

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Black Panther

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Story:
Nach dem Tod seines Vaters kehrt T’Challa (Chadwick Boseman) in seine Heimat Wakanda zurück, um seinen Platz als König einzunehmen, weiß dabei aber noch nicht recht, welchen Pfad sein Land einschlagen soll. Aufgrund des Metalls Vibranium ist Wakanda wohl das hochentwickeltste Land der Erde, versteckt dies aber vor dem Rest der Welt. Nur einige wenige wissen darum, darunter auch der Gangster Ulysses Klaue (Andy Serkis), der sich mit einem ehemaligen US-Soldaten namens Erik Stevens (Michael B. Jordan) verbündet hat, der unter dem Codenamen „Killmonger“ agiert. Während Klaue allerdings nur auf Vibranium scharf ist, hat Killmonger einer tiefere Verbindung zu Wakanda – und ganz eigene Absichten…

Kritik: Zugegebenermaßen habe ich mich mit Black Panther im Verlauf meiner Karriere als Superheldenfan bestenfalls marginal beschäftigt, da er, gerade in Deutschland, immer zu den eher obskureren Helden gehörte. Meistens war er in den diversen Event-Crossovern von Marvel zugegen, das war es dann aber auch schon. Somit kann ich nicht wirklich beurteilen, wie gut der neueste MCU-Film die Vorlage umsetzt, weshalb ich mich vor allem auf diesen Film im Kontext des Marvel Cinematic Universe konzentrieren werde.

2017 waren alle drei MCU-Filme sehr comedylastig. Bei „Guardians of the Galaxy Vol. 2” dürfte das ohnehin niemanden überrascht haben, aber auch „Spider-Man: Homecoming“ und „Thor: Ragnarok“ bestehen zu gleichen Teilen aus Action und Comedy. Die MCU-Filme des Jahres 2018 scheinen einem entgegengesetzten Trend zu folgen. Das wird schon aus dem Marketing und den Trailern von „Avengers: Infinity War“ deutlich (natürlich nur, sofern diese nicht irreführend sind), und auch „Black Panther“ geht doch in eine deutlich andere Richtung als die Filme des Vorjahrs. Zwar ist Humor durchaus vorhanden, Regisseur Ryan Coogler setzt ihn aber sparsam und subtil ein, sodass man, anders als bei anderen Marvel-Filmen, nie das Gefühl hat, der Humor sei dazu da, die Dramatik zu entschärfen. Insgesamt begrüße ich diesen veränderten Tonfall. Zwar war gerade „Thor: Ragnarok“ extrem amüsant und profitierte von der exzentrischen Handschrift des Regisseurs, doch zugleich wurde zumindest ich das Gefühl nicht los, dass der Untergang Asgards deutlich dramatischer und emotionaler hätte ausfallen können – vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, man hätte auf diesen Aspekt verzichtet und ausschließlich ein Thor/Hulk-Buddy-Movie gedreht. Wie dem auch sei, ganz allgemein weckt „Black Panther das Gefühk, dass Coogler ganz bewusst versuchte, diverse Kritikpunkte, die den MCU-Filmen vorgeworfen werden, aktiv anzugehen. In manchen Aspekten ist er dabei durchaus erfolgreich, in anderen leider weniger.

Am deutlichsten wird diese Tendenz bei Killmonger, sehr passend dargestellt von Michael B. Jordan. Anders als so viele andere MCU-Schurken ist Killmonger deutlich besser ausgearbeitet, besitzt eine nachvollziehbare Motivation und passt gut zu den übergeordneten Themen des Films. Wo Wakanda vor T’Challas Krönung primär auf absolute Isolation setzte, will Killmonger genau das Gegenteil. Da Erik Stevens zwar ursprünglich aus Wakanda stammt, aber in den USA aufgewachsen ist, hat er eine deutlich andere Perspektive und ist der Meinung, die hochtechnisierte afrikanische Nation sollte ihre Überlegenheit nutzen, um den Kolonialismus zu rächen und die Unterdrückung der Schwarzen gewaltsam zu beenden. An T’Challa liegt es nun, einen Mittelweg zwischen den Extrempositionen zu finden. Leider gibt es einige Elemente, die an eher unrühmliche Schurkentraditionen des MCU anknüpfen. Wie schon so häufig gilt Killmongers Feindschaft nicht dem eigentlichen Helden des Films, sondern in diesem Fall dessen Vater. In diesem Kontext ist Killmongers Motivation hilfreich, da sie seine Handlungen gut rationalisiert, aber es bleibt leider dabei, dass es zwischen Held und Schurke kaum persönliche Anknüpfungspunkte gibt. Leider ist auch Ulysses Klaue nicht wirklich hilfreich. Ich mag Andy Serkis wirklich, und ich mochte ihn auch in dieser Rolle in „Avengers: Age of Ultron“, doch hier stört er eher und nimmt unnötigen Raum ein, mit dem man Killmonger noch ein wenig mehr Tiefe hätte verleihen können. Zum Glück reißt seine letzte Szene im Film einiges wieder raus und sorgt dann doch für ein gelungenes Gesamtbild dieses Schurken.

Die wohl größte Schwäche des Films ist leider T’Challa selbst. Auch hier begrüße ich es, dass man grundsätzlich versucht, sich ein wenig vom bisherigen MCU zu distanzieren. Die meisten Helden des MCU sind gewitzte Sprücheklopfer, selbst Thor, der bisher gravitätischer war, wurde unter Taika Waititis Federführung an den „Schwätzerstandard“ angepasst. Auf T’Challa trifft das glücklicherweise nicht zu, aber trotzdem ist der Black Panther in seinem eigenen Film leider weit weniger interessant, als er es in „Captain America: Civil War“ war. Dort hatte er einen sehr klaren und nachvollziehbaren Antrieb, während er hier recht profillos wirkt. Da hilft es auch nicht, dass die diversen Nebenfiguren weitaus markanter sind als der Titelheld. Glücklicherweise sind besagte Nebenfiguren sonst aber definitiv eine Stärke des Films, denn sie sind fast durchgehend markant und unterhaltsam, allen voran T’Challas Schwester Shuri (Letitia Wright), die hier als Q-artige Waffenmeisterin fungiert, die wakandische Generalin Okoye (Danai Gurira) und auch Martin Freeman, der nun schon zum zweiten Mal Everett Ross verkörpert, weiß zu überzeugen. Auch Angela Bassett als T’Challas Mutter Ramonda, Lupita Nyong’o als Love-Interest Nakia und Forest Whitaker als Mentor Zuri sollten nicht unerwähnt bleiben.

Auch Wakanda selbst weiß zu gefallen und ist visuell hochinteressant. Noch interessanter ist die Konzeption dieses Staates: Einerseits gibt es Technologie, die jedes andere Land auf der Erde alt aussehen lässt, andererseits existiert nach wie vor eine äußerst archaische Staatsform; der König muss sich u.a. im direkten Zweikampf behaupten, was natürlich noch höchst unangenehme, wenn auch sehr vorhersehbare Folgen hat.

Zu den Stärken kommen leider noch einige zusätzliche Schwächen: Die Dramaturgie ist nicht immer ganz ausgereift und auch bei der Action gibt es hin und wieder Aussetzer – mitunter wird sie zu CGI-lastig, wobei die Computereffekte dabei oftmals eher suboptimal ausfallen. Zu überzeugen weiß dagegen der Score von Ludwig Göransson, dem es gelingt, orchestrale Klänge, traditionelle afrikanische Rhythmen und Hip-Hop-Einflüsse auf gelungene Art und Weise miteinander zu verbinden.

Fazit: Im Großen und Ganzen ist „Black Panther“ ein gelungener, wenn auch mitunter etwas durchwachsener Versuch, gegen einige der störenden MCU-Konventionen vorzugehen. Das gelingt zwar nicht immer, aber doch oft genug.

Trailer

Bildquelle

Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi – Ausführliche Rezension

Spoiler voller Dröhnung!
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„Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi“ hat geschafft, was nicht einmal die Prequels auf diese Weise hinbekommen haben: Er hat das Fandom in der Mitter gespalten. Bereits kurz nach dem Kinostart bildeten sich zwei vorherrschende Extremmeinungen heraus: Entweder ist Rian Johnsons Film das Beste, was Star Wars seit „Das Imperium schlägt zurück“ passiert ist, oder er hat Star Wars für immer ruiniert und ist der schlimmste Film aller Zeiten, ein riesiger Mittelfinger an alle Star-Wars-Fans. Nach dem ersten Anschauen hat mich „Die letzten Jedi“ relativ ratlos zurückgelassen. Normalerweise gibt es immer eine positive oder negative Grundtendenz, selbst wenn ich noch länger Zeit benötigen sollte, um mich in meiner Meinung zu festigen. Passend zu einer der zentralen Thematiken des Films hält sich „Die letzten Jedi“ relativ gut in der Balance: Einerseits sind da die Figuren, die Figurenentwicklung und der thematische Überbau, die mir ziemlich gut gefallen und die tatsächlich auch mal in eine neue und unerwartete Richtung gehen. Und dann sind da noch der eigentliche Plot, der Kontext der Handlung (bzw. der Mangel daran) und noch diverse andere Details, die mir entschieden gegen den Strich gehen.

Handlung
Zwar wurde die Starkiller-Basis vom Widerstand zerstört, doch das scheint sie nicht besonders zurückgeworfen zu haben, denn nur kurz darauf greift Hux (Domnhall Gleeson) mit seiner Flotte die Basis des Widerstands auf D’Qar an und zwingt Leias (Carrie Fisher) Truppe zur Flucht. Doch nicht einmal der Sprung in den Hyperraum hilft mehr, denn die Erste Ordnung verfügt nun über Mittel und Wege, die Schiffe des Widerstands durch den Hyperraum zu orten. Die Supremacy, das riesige neue Flagschiff von Snoke (Andy Serkis) macht die Situation nicht besser, und so ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der dezimierte Widerstand völlig ausgelöscht wird. Zu allem Überfluss wird Leia bei einem Angriff auch noch schwer verletzt, sodass Vizeadmiral Holdo (Laura Dern) die Führung übernehmen muss.

Auf Ahch-To hat es Rey (Daisy Ridley) derweil mit Luke Skywalker (Mark Hamill) nicht allzu leicht, da dieser sich strikt weigert, sie zu trainieren – der gealterte Jedi-Meister ist immer noch von Kylo Rens (Adam Driver) Fall zur Dunklen Seite traumatisiert und befürchtet, mit Rey könne dasselbe geschehen. Erst nach und nach beginnt er damit, ihr ein wenig Wissen zu vermitteln. Zugleich stellt Rey fest, dass es eine Verbindung zwischen ihr und Kylo Ren gibt, die beiden können sich über weite Distanz wahrnehmen und sogar miteinander sprechen. Das überzeugt sie schließlich, dass es noch Gutes in Kylo gibt, weshalb sie sich aufmacht, um sich ihm allein entgegenzustellen.

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General Leia Organa (Carrie Fisher)

Poe Dameron (Oscar Isaac) ist inzwischen mit der Führung Holdos nicht allzu glücklich. Gemeinsam mit Finn (John Boyega) und der Technikerin Rose (Kelly Marie Tran) schmiedet er einen Plan, um die Hyperraumortung der Ersten Ordnung auszuschalten. Zu diesem Zweck begeben sich Finn und Rose auf den Planeten Cantonica, wo sie in der Casion-Stadt Canto Bight hoffen, einen bestimmten Codebrecher ausfindig zu machen, der ihnen bei ihrem Vorhaben hilft. Als die Mission jedoch schiefgeht, müssen sie sich mit dem zwielichtigen DJ (Benicio del Toro) zufriedengeben.

Derweil bekommt es Rey mit Kylo Ren und Snoke persönlich zu tun, doch diese Begegnung führt zu einer unerwarteten, wenn auch kurzlebigen Allianz zwischen den Schülern der Hellen und Dunklen Seite, der nicht nur Snokes Wachen, sondern auch der Oberste Anführer selbst zum Opfer fallen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass Kylo Ren keinerlei Anstalten macht, seinen dunklen Pfad aufzugeben. Auch Rose und Finn scheitern, weshalb sich die letzten Reste des Widerstands auf den Planeten Crait zurückziehen müssen, um dort den Angriff der Ersten Ordnung zu erwarten…

Das Ende des Alten
Die erste Frage, die man sich in Bezug auf Episode VIII stellen mag, lautet wohl: Ist dieser Film inhaltlich ein ähnlicher Abklatsch von Episode V, wie es „Das Erwachen der Macht“ von Episode IV war? Zumindest meine Antwort darauf lautet: Nein, aber mit Einschränkungen. Vor allem strukturell orientiert sich „Die letzten Jedi“ durchaus an „Das Imperium schlägt zurück“: Wir haben zwei klar getrennte Handlungsstränge, beim einen handelt es sich um eine Ausbildung auf einem abgelegenen Planeten, beim anderen um eine Flucht vor einem übermächtigen Feind. Darüber hinaus gibt es eine Bodenschlacht (wenn auch am Ende des Films, nicht zu Beginn – hier hätten wir eher eine Parallele zu Episode II).

Auch sonst existieren inhaltlich und inszenatorisch durchaus Parallelen, nicht nur zu Episode V, sondern auch zu Episode VI. Wo „Das Erwachen der Macht“ sich jedoch oft darauf beschränkt, Elemente ohne größere Variation zu wiederholen und höchstens noch einen ironischen Kommentar mitzuliefern, bemüht sich Rian Johnson, bekannten Ausgangslagen eine neue Facette abzugewinnen oder diese sogar komplett zu dekonstruieren. Das große Thema des Films, das ihn durchdringt und zusammenhält, ist in meinen Augen Emanzipation. Das ist in vielerlei Hinsicht das, was die Figuren entweder antreibt oder am Ende ihrer Entwicklung in diesem Film steht. Zugleich setzt Rian Johnson so die Metanarrative fort, die J.J. Abrams in Episode VII begann. Dieses Metaelement ist etwas, das zumindest in den Star-Wars-Filmen relativ neu ist (das alte EU ist freilich wieder eine andere Geschichte). Die Konzeption der Protagonisten Kylo Ren und Rey war bereits in Episode VII ein Kommentar auf das Franchise, da beide im Grunde auf gewisse Weise Star-Wars-Fans bzw. Teile des Fandoms repräsentieren. Beide eifern darüber hinaus einer bestimmten Figur nach, Rey Luke und Kylo Ren Darth Vader. Im Verlauf von Episode VIII lernen beide auf ihre Weise, sich vom jeweiligen Vorbild zu lösen.

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Rey (Daisy Ridley)

Betrachten wir erst einmal Rey: Wie Luke trainiert sie (nun ja, mehr oder weniger) unter einem exzentrischen Jedi-Meister und zieht schlussendlich aus, um den Handlanger des Bösen in dessen Beisein zu bekehren. Nur: Letztendlich gelingt das nicht so recht. Zwar tötet Kylo Ren tatsächlich Snoke, besinnt sich dann aber auf gute alte Sith-Traditionen und übernimmt lieber selbst die Macht. Hier muss Rey endgültig lernen, dass sie nicht Luke ist und Kylo Ren nicht Darth Vader. Rey emanzipiert sich in vielerlei Hinsicht, vor allem von den Elementen der Heldenreise, die sie implizit erwartet – und warum auch nicht, schließlich schien es in Episode VII so, als breche sie zu eben jener auf. Nun findet sie zwar ihren Mentor, doch dieser ist gebrochen und will sie nicht unterrichten. Mehr noch, sie muss einsehen, dass sie kein „besonderes Kind“ ist und ihre Eltern lediglich Schrotthändler waren. Rey lernt in diesem Film angesichts dieser Wahrheiten und ihres Versagens, Kylo Ren auf ihre Seite zu ziehen, trotzdem für das einzustehen, an das sie glaubt und dennoch weiterzumachen.

Kylo Ren selbst emanzipiert sich seinerseits von Darth Vader als seinem großen Vorbild und von Snoke als seinem Meister. Tatsächlich möchte er sich von allem vollständig emanzipieren und trachtet am Ende danach, mit Rey einen völligen Neuanfang zu starten. Wie auch immer dieser aussieht, der Widerstand und das Erbe der Jedi müssen dafür verschwinden. Was Kylo dabei aber nicht gelingt, ist die tatsächliche Emanzipation von der Ersten Ordnung und deren Idealen. Snoke selbst mag tot sein, aber seine Lehren beeinflussen Ben Solo weiter.

Auch Luke Skywalker selbst emanzipiert sich im Verlauf des Films – sowohl von den Altlasten der Jedi (mit ein wenig Hilfe von Meister Yoda) als auch von seiner Schuld und seinem Versagen. Mit Poe Dameron wird die Thematik dagegen anders aufgezogen, was abermals zu einer Hinterfragung und Dekonstruktion vertrauter Handlungsmuster führt und zugleich eine der Kernaussagen von „Das Imperium schlägt zurück“ aufgreift. Nur allzu oft, besonders in Star Wars, rettet der junge Hitzkopf den Tag, indem er seinen Sturkopf durchsetzt und gegen die Konventionen und Entscheidungsträger rebelliert. Genau das versucht Poe, nachdem Leia außer Gefecht gesetzt wurde und Holdo die Führung übernimmt. Anders als sonst geht so ziemlich alles, was Poe austüftelt, schief und letztendlich ist es Holdos Plan, der dafür sorgt, dass zumindest der letzte Überrest des Widerstands überlebt. Hier sehen wir, wie eine versuchte Emanzipation auch scheitern kann, ebenso wie Luke in „Das Imperium schlägt zurück“ scheiterte, als er sich Vader zu früh stellte.

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Rose (Kelly Marie Tran) und Finn (John Boyega)

All diese Elemente arbeiten für das übergeordnete Thema des Films, denn auch Rian Johnson versucht mit „Die letzten Jedi“, die Sequel-Trilogie zu emanzipieren. Wo „Das Erwachen der Macht“ versuchte, Star Wars für eine neue Generation zu rekonstruieren, dabei aber in vielen Fällen nur bereits dagewesenes wiederholte, knüpft Johnson daran an und unterläuft in mancher Hinsicht die Erwartungen der Fans. Snoke ist der große Böse, der neue Imperator, die mysteriöse Verkörperung der Dunklen Seite der Macht, über dessen Identität seit zwei Jahren spekuliert wird? Er stirbt unrühmlich im zweiten Akt des zweiten Films. Anakin Skywalkers Lichtschwert wird von J.J. Abrams zu einem Star-Wars-Gegenstück von Excalibur stilisiert? Die Waffe wird ähnlich unrühmlich verabschiedet wie Snoke. Luke ist ein weiser Bad-Ass-Jedi-Meister? Luke ist kauzig und gebrochen, selbst die Konfrontation mit seinem Neffen am Ende ist lediglich ein Trick, um besagten Neffen hinzuhalten (nebenbei bemerkt ist Episode VIII tatsächlich der erste Star-Wars-Film, der ohne ein richtiges Lichtschwertduell auskommt). Rey ist die neue Auserwählte, vielleicht die Enkelin von Obi-Wan oder die Tochter von Luke? Rey ist ein Niemand und tatsächlich zufällig in diese ganze Angelegenheit hineingestolpert. Diese unterlaufenden Elemente sind natürlich alle mit Vorsicht hinzunehmen, da immer noch Episode IX aussteht – J.J. Abrams‘ zweiter Film in dieser Trilogie könnte vieles noch einmal revidieren oder auf den Kopf stellen.

Insgesamt finde ich diesen Ansatz durchaus gelungen – in meinen Augen ist „Die letzten Jedi“ weitaus mehr als die bisherigen beiden SW-Filme unter Disneys Schirmherrschaft gezeichnet von der Handschrift des Regisseurs und der thematisch dichteste des Franchise überhaupt. Hinzu kommt, dass fast ausnahmslos alle Darsteller voll dabei sind und spielen, was sie können. Besonders hervorzuheben ist freilich Mark Hamill, der einerseits noch einmal in seine Paraderolle zurückkehrt, uns dabei aber eine völlige andere Version bzw. Facette dieser Figur präsentiert.

Dennoch denke ich, dass es vielleicht gut gewesen wäre, Rian Johnson noch einen weiteren Drehbuchautor zur Seite zu stellen, der ihm hilft, gewisse dramaturgische Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und den zum Teil überdrehten Humor etwas abzudämpfen. Gerade dramaturgisch funktioniert „Das Erwachen der Macht“ in meinen Augen nach wie vor ziemlich gut – konventionell, aber effektiv. „Die letzten Jedi“ versucht, sich an „Das Imperium schlägt zurück“ zu orientieren, schafft es aber nicht, dieselbe Balance aufzubauen. Der Handlungsstrang um Finn und Rose in Canto Bight erinnert mich ein wenig an das Podrennen in Episode I: Für sich genommen durchaus interessant, aber ein dramaturgischer Stopper, der nur wenig zur eigentlichen Geschichte beiträgt und sich im Film wie ein Fremdkörper anfühlt. Allgemein sehe ich außerdem beim eigentlichen Plot des Films ein Problem: Er ist sehr gut darin, die Themen und Charaktere in den Vordergrund zu stellen, aber hätte man nicht ein wenig mehr machen können, als zwei große Schiffe, die sich eine extrem langsame Verfolgungsjagd liefern? Das und viele andere Plot-Elemente in Episode VIII riechen fürchterlich nach Plot Convenience, damit Rian Johnson die Figuren in die Situation bringen kann, in der er sie haben will, ohne sich dabei allzu sehr anzustrengen.

Es gibt noch viele kleine Details und Logiklöcher, die zwar nicht elementar sind, aber mich doch stören (ja, Leia Poppins bzw. Super-Leia gehört auch dazu, ebenso wie die übliche Unfähigkeit von Filmfiguren, ein wenig mehr miteinander zu kommunizieren, um blöde Missgeschicke oder Meutereien zu verhindern, und die Konzeption des Konfliktursprungs zwischen Kylo und Luke, der für Letzteren ziemlich untypisch wirkt). Diese Details sind letztendlich vernachlässigbar. Mein größtes Problem ist es dagegen nicht.

Context Is King
Vielleicht habe ich mir von „Die letzten Jedi“ einfach zu viel erhofft. Einer meiner Hauptkritikpunkte an „Das Erwachen der Macht“ war, dass sich J.J. Abrams und Lawrence Kasdan um den Status Quo und den größeren galaktischen Kontext relativ wenig Gedanken gemacht haben. Wir brauchen eine Imperiums-ähnliche böse Fraktion und eine Rebellen-ähnliche gute – Erste Ordnung und Widerstand. Wie und warum sie nach dem Sieg der Allianz über das Imperium zustande gekommen sind, wird kaum thematisiert. Neue Republik und politischer Zustand der Galaxis? Ein paar Mal in Nebensätzen erwähnt, dann per Starkiller-Basis sehr radikal ausgelöscht – bloß kein politisches Element im Film, wir drehen hier ja schließlich kein Prequel. Ich hatte ehrlich gehofft, dass „Die letzten Jedi“ diesbezüglich ergiebiger wäre, besonders als bekannt wurde, dass Rian Johnson zu Claudia Grays Roman „Bloodline“, der sich spezifisch darum bemüht, die politische Situation vor Episode VII zu kontextualisieren, einige Ideen beisteuerte. Leider war diese Hoffnung völlig vergebens, denn Episode VIII macht sich um den größeren Kontext noch weniger Gedanken als der Vorgänger. Im Lauftext werden wir informiert, dass die Neue Republik zusammen mit ihrer Zentralwelt praktisch sang- und klanglos einfach untergegangen ist. Ein Gefühl für die politische Situation in der Galaxis wird dagegen nie vermittelt, es läuft alles auf Erste Ordnung gegen Widerstand hinaus – die gesamte Handlung des Films könnte auch in einem isolierten Abschnitt der Galaxis spielen, ohne jegliche Auswirkungen auf irgendetwas. Warum sollten wir als Zuschauer traurig über den Untergang der Republik sein, wir wissen ja nichts über sie? Warum sollten wir mit dem Widerstand mitfiebern, wofür kämpft er eigentlich? Und wie stark ist die Erste Ordnung – in den Filmen wirkt sie immer nur wie eine (verdammt gut bewaffnete) Miliz, nicht wie eine Regierung, die tatsächlich Verwaltungsaufgaben ausführt, Planeten beherrscht oder Bevölkerungen unterdrückt.

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Kylo Ren (Adam Driver)

Zugegebenermaßen blieb schon die totalitäre Natur des Imperiums in der OT verhältnismäßig vage, aber immerhin konnte man es aktiv bei der Unterdrückung beobachten; die OT schaffte es, mit begrenzten Mitteln ein Gefühl für die Diktatur zu geben, auch weil man klipp und klar weiß: Das Imperium beherrscht die Galaxis. Die PT hat es ebenfalls ziemlich gut geschafft, ein passendes Gesamtbild des jeweils aktuellen Status Quo zu vermitteln. Nicht, dass es besonders detailliert gewesen wäre (Star Wars war noch nie gut darin, die Perspektive der „gemeinen Bevölkerung“ zu vermitteln), aber es war ausreichend und definitiv ausgearbeiteter als bei der OT, weil wir zumindest immer wieder Einblick in die Regierungsgeschäfte erhielten. In der Sequel-Trilogie bleibt derartiger Kontext bislang völlig außen vor, Politik und galaktischer Status Quo sind völlig schwammige Angelegenheiten. Das einzige diesbezüglich Erwähnenswerte ist die Information, dass die Superreichen der Galaxis, die sich auf Canto Bight herumtreiben, sowohl die Erste Ordnung als auch den Widerstand mit Waffen versorgen und somit Kriegsgewinnler sind. Was das genau bedeutet lässt sich nicht sagen, weil nun mal der Kontext fehlt!

Ein weiteres großes Problem dieses Films ist der Anschluss an den Vorgänger. Manches davon mag der oben geschilderten übergeordneten Thematik geschuldet sein, das lässt sich schwer sagen, aber oft wirkt es einfach wie schlampige Arbeit beim Drehbuchschreiben. Natürlich baut Rian Johnson auf „Das Erwachen der Macht“ auf (es geht ja gar nicht anders), aber gleichzeitig fühlt sich doch vieles von dem, was im Vorgänger passiert ist, konsequenzlos an. Das beste Beispiel ist die Starkiller-Basis, deren Zerstörung praktisch keine Auswirkungen hatte – die Erste Ordnung hat ja scheinbar trotzdem völlig problemlos die Galaxis übernommen. Dieses Problem zeigt sich in vielen kleinen oder großen Details. Ein besonders gutes Beispiel: Warum ist Phasma eigentlich in diesem Film? Nach „Das Erwachen der Macht“ erweckte Lucasfilm den Eindruck, man wolle die Fehler, die bei dieser Figur gemacht wurden, ausbügeln. Im Vorfeld erschien eine Miniserie und ein Roman, der sich detailliert mit ihr auseinandersetzt (leider habe ich beide noch nicht gelesen) und dann… ist Phasma in genau einer Szene und wird fast ebenso unrühmlich abserviert wie Snoke. Sollte sie entgegen jeder Erwartung auch noch in Episode IX auftauchen, wird sie wirklich zum Running Gag.

In diesem Zusammenhang wird es Zeit, die Gesamtkonzeption der Sequel-Trilogie zu kritisieren. Wie die meisten nahm ich ursprünglich an, es würde ein grober Fahrplan existieren, wo die Reise hingeht. Dass das nicht der Fall ist, wurde in den Interviews der zuständigen kreativen Köpfe und natürlich mit der Sichtung von Episode VIII ziemlich deutlich. Ich bin absolut für kreative Freiheit der Regisseure, aber bei einer Filmreihe wie Star Wars wäre zumindest ein Grundgerüst, ein grober Plan nützlich, um einige der markanteren Anschlussschnitzer und ähnlich gearteten Probleme zu vermeiden. Tatsächlich habe ich ziemlich Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wie es in Episode IX nun weitergeht – der Widerstand wurde auf ein absolutes Minimum reduziert und die Flotte der Ersten Ordnung scheint auch recht dezimiert zu sein. Wir wissen allerdings nach wie vor nicht, wie groß die Macht und die Ressourcen der Ersten Ordnung wirklich sind, weshalb eine Einschätzung verdammt schwerfällt. Nachdem „Die letzten Jedi“ direkt an „Das Erwachen der Macht“ anschließt, wäre zwischen den Episoden VIII und IX ein größerer Zeitsprung eine gute Idee.

Snoke
Bezüglich Snokes Identität gibt uns Episode VIII so gut wie überhaupt keine Informationen. Zwei Jahre lang wurde eifrig theoretisiert, wer sich hinter Snoke verbergen könnte, und die Liste der Kandidaten ist lang. Der beliebteste ist zweifellos Darth Plagueis, aber auch Mace Windu, Palpatine, Darth Bane, Jar Jar Binks und diverse Sith-Lords aus dem alten EU, etwa Vitiate oder Darth Revan, wurden in Betracht gezogen. Selbst die Romane, die in dieser Zeit verfasst wurden, beteiligten sich: In Chuck Wendigs Aftermath-Trilogie wurde mit Gallius Rax eine Figur eingeführt, die ganz offensichtlich dazu gedacht war, die Snoke-Spekulation anzuheizen. Bei Rax handelte es sich letztendlich dann nicht um Snoke, aber auch darüber hinaus wurden weitere nebulöse Andeutungen gemacht, etwa bezüglich eines Geheimnisses auf Jakku (Reys Herkunft?) und einer Dunklen Macht (Snoke?) in den Unbekannten Regionen, die versucht, mit Palpatine zu kommunizieren und letztendlich dafür verantwortlich ist, dass sich imperiale Überreste dort sammeln und die Erste Ordnung formen.

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Snoke (Andy Serkis)

Rian Johnson ignorierte letztendlich jegliche Spekulation und den Informationshunger der Fans und tötete Snoke stattdessen ziemlich unrühmlich gegen Ende des zweiten Akts, ohne irgendetwas über ihn preiszugeben. Während die Spekulationen um die Identität des Obersten Anführers nicht aufgehört haben, ist eine neue Frage zentral geworden, die Game-of-Thrones-Fans nur allzu vertraut sein dürfte: Ist Snoke wirklich tot? Die beliebteste Theorie, die bereits kurz nach dem Kinostart das Licht der Welt erblickte, besagt, dass Snoke in „Die letzten Jedi“ überhaupt nicht in Person vorkommt, sondern lediglich eine Machtprojektion ist, nicht anders als Luke Skywalker bei der Schlacht um Crait. Ein häufig angeführtes Indiz ist der Umstand, dass Snoke in Episode VIII weitaus jünger und gesünder aussieht als in Episode VII, so ähnlich wie die Luke-Projektion auf Crait an Luke aus Episode VI erinnert. Hinzu kommen zweideutige Anmerkungen zum Obersten Anführer aus Pablo Hidalgos illustrierter Enzyklopädie zum Film bezüglich Projektion (was sich natürlich auch nur auf das Hologramm aus Episode VII beziehen könnte) und dem Ende der Sith, das nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Dunkelheit sein muss. Fans des EU ziehen auch den Essenztransfer in Betracht, mit dessen Hilfe Palpatine in der Comicserie „Dark Empire“ seinen Geist, der die Zerstörung des Zweiten Todessterns überstand, in einen Klon seiner selbst transferiert.

Ein weiterer möglicher Hinweis zu Snokes Identität findet sich im ersten Jedi-Tempel auf Ahch-To, dort gibt es ein Mosaik des ersten Jedi, das zugleich Balance zwischen Heller und Dunkler Seite der Macht symbolisiert. Dieser erste Jedi sieht Snoke durchaus ähnlich – man mag davon halten, was man will. Und schließlich besteht noch die Möglichkeit, dass doch der Imperator in irgendeiner Form seine Finger im Spiel hat. Wo er in Episode VII praktisch völlig abwesend war, zeigt er in „Die letzten Jedi“ zumindest minimale Präsenz. Er wird einmal von Luke Skywalker erwähnt – nicht als „der Imperator“ oder „Palpatine“, sondern explizit als „Darth Sidious“ – und in einer Schlüsselszene (Snoke versucht, Luke Skywalkers Aufenthaltsort aus Reys Kopf zu bekommen) erklingt eine sehr potente Variation von Sidious‘ Thema. Zudem verhält sich Snoke in diesem Film doch deutlich anders als in „Das Erwachen der Macht“, wo er die meiste Zeit über sehr stoisch blieb. Hier erinnert sein Verhalten dagegen weit stärker an Palpatine, der immer mit vollem Einsatz dabei war und sich hämisch amüsierte, wenn die Dinge wie geplant liefen.

Das alles passt nun nicht wirklich zur von Rian Johnson vorgegebenen Thematik und es würde mich überraschen, wenn eine dieser Theorien zutreffen würde, nachdem sämtliche Fanspekulationen, die nach „Das Erwachen der Macht“ entstanden, so direkt abgeschmettert wurden. Allerdings hoffe ich trotzdem, dass Ian McDiamird in irgendeiner Form, sei es in einem Saga-Film oder einem der Spin-offs, sei es in Person, als Hologramm oder Machtgeist, nochmal die Gelegenheit bekommt, die ikonische schwarze Kutte anzulegen.

Grau ist alle Theorie
„I only know one truth: It’s time for the Jedi to end.“ Ein Satz im ersten Teaser zu Episode VIII löste in Fankreisen weitläufige Diskussionen aus. Werden in Episode VIII die Jedi endgültig ad acta gelegt? Schnell machten diverse Gerüchte und Theorien die Runde, von „Luke gehört zur Dunklen Seite“ bis zu „Luke ist ein grauer Jedi“, wobei darunter nicht das verstanden wurde, was der Begriff ursprünglich aussagt (ein Jedi, der zwar der moralisch dieselben Ansichten hat wie der Orden, dem die Strukturen und Dogmen allerdings zu restriktiv sind), stattdessen verstand man darunter eher einen Machtnutzer, der Helle und Dunkle Seite der Macht gleichermaßen verwendet – zur weiteren Lektüre empfehle ich meinen Artikel Die Natur der Macht. Wie dem auch sei, Rian Johnson greift dieses Thema durchaus in Ansätzen auf, geht damit aber nicht allzu weit. Die Idee, dass die Jedi nicht unbedingt immer ein Vorzeigeorden waren, ist natürlich nicht neu, wobei Lukes Aussagen im Film diesbezüglich kaum in die Tiefe gehen. „Graues Jeditum“ oder etwas ähnlich geartetes entspringt dadurch ebenfalls nicht, da Luke sich einfach nur von der Macht abgeschottet hat und letztendlich Rey kaum ausbildet.

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Luke Skywalker (Mark Hamill)

Das Machtverständnis, das in „Die letzten Jedi“ vermittelt wird, ist eher ein dualistisches, gerade im Vergleich zur augustinischen Perspektive des alten Jedi-Ordens. Das beginnt beim bereits erwähnten Mosaik im Jedi-Tempel auf Ahch-To, das den ersten Jedi zeigt, der Licht und Dunkelheit in der Balance hält. Das erinnert an die Je’daii, den direkten Vorläufern des Jedi-Ordens im alten EU, die eine streng dualistische Perspektive auf die Macht hatten und Hell und Dunkel stets im Gleichgewicht hielten. Ungleichgewicht zu beiden Seiten empfanden sie als etwas Schlechtes (im Gegensatz zu den späteren Jedi, die die Dunkle Seite als einzigen Ungleichgewichtsfaktor betrachten). Das deutet an, dass es in der Einheitskontinuität eine ähnliche Entwicklung gab; ursprünglich waren die Jedi Anhänger eines Dualismus, um später zu einem augustinischen Verständnis der Macht zu gelangen.

Ein weiteres Konzept, das immer wieder auftaucht, ist die Angleichung der Seiten. Diese Idee basiert ebenfalls auf der dualistischen Sichtweise: Seit die alten Sith vernichtet wurden und Darth Bane die Regel der Zwei ausrief, besteht ein Ungleichgewicht; es gibt zwar tausende von Jedi, aber nur zwei Sith in jeder Generation, weshalb diese Sith so ausnehmend mächtig sind und ihre Vorhaben gelingen – da das Licht generell im Vorteil ist, verschiebt sich die Balance immer weiter zur Dunklen Seite, jedenfalls bis mit Order 66 der Jedi-Orden vernichtet ist. Auf gewisse Weise wird dadurch schon eine Form von Balance wiederhergestellt, denn von nun an gibt es nur noch zwei Jedi, Yoda und Obi-Wan, und zwei Sith, Sidious und Vader (diverse Inquisitoren oder Order-66-Überlebende ignorieren wir einfach mal). Vader, der Auserwählte, sorgt dann schließlich dafür, dass eine Nullsumme entsteht, indem er Obi-Wan und Sidious tötet, während Yoda an Altersschwäche stirbt. Mit Vader/Anakin selbst enden dann beide alten Orden, da er sowohl der letzte alte Jedi als auch der letzte Sith ist. Dreißig Jahre später in Episode VIII sieht die Situation dann aber wieder etwas anders aus, denn abermals haben wir auf jeder Seite jeweils einen Meister, Snoke und Luke, und einen Schüler, Kylo Ren und Rey. Im Film selbst bestätigt Snoke diese Theorie indirekt, indem er erklärt, er habe bereits erwartet, dass sich auf der Hellen Seite jemand erheben wird, da Kylo Ren auf der Dunklen Seite so stark ist; allerdings hatte er Luke im Verdacht. Das schließt den Bogen zurück zu Anakin Skywalker. Zumindest im Kanon ist Anakins Ursprung nach wie vor nebulös, doch im alten EU spekulieren Plagueis und Sidious, dass Anakin eine Reaktion auf eines ihrer Experimente sein könnte, mit dem sie die Balance der Macht weiter Richtung Dunkle Seite drängten – Anakin wäre demnach der helle Ausgleich. Das scheint im Film auch die Erklärung für Reys Talente und ihre außergewöhnliche Machtbeherrschung zu sein, die in Episode VIII noch weiter zunimmt – wie gesagt, Luke trainiert sie nicht wirklich, dennoch ist sie in der Lage, sich mit dem Lichtschwert gegen Snokes Eliteleibwächter zu behaupten. Hier wird der mystische Aspekt der Macht weiter betont; mit der Art und Weise bin ich aber nicht so wirklich glücklich. Es mag eine Erklärung sein, widerspricht aber dennoch den bisherigen Erfahrungen. Da bin ich wohl einfach zu sehr von den Prequels und dem EU geprägt, aber die Jedi-Ausbildung ist für mich da schon wichtig, „Jeditum als reine Geisteshaltung“ sagt mir nicht wirklich zu.

Fazit
„Die letzten Jedi“ ist ein Film, der nicht nur das Fandom, sondern auch mich selbst spaltet. Selten gab es bei einem Star-Wars-Film so viel Licht und Schatten direkt beieinander. Auf der einen Seite stehen gute Charaktere samt interessanter Entwicklung und tollen Darstellern, ein sehr einnehmendes thematisches Konzept und ein Regisseur bzw. Drehbuchautor, der durchaus den Mut hat, ausgetretene Pfade zu verlassen und Erwartungen umzudrehen, von grandiosen Szenen und tollen Schauwerten gar nicht erst zu sprechen. Auf der anderen Seite haben wir einen Plot, der zwar Episode V nicht direkt abkupfert, aber an Banalität kaum zu überbieten ist, keinerlei Kontext, in den die Ereignisse dieses Films einzubetten sind und viele kleine Ungereimtheiten, Logiklöcher und Ärgernisse, die einzeln nicht weiter ins Gewicht fallen, aber zusammengenommen das Gesamtbild deutlich trüben und mit ein wenig Anstrengung vermeidbar gewesen wären.

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Siehe auch:
Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi – Soundtrack
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht – Ausführliche Rezension

Justice League – Ausführliche Rezension

Spoiler nach dem ersten Absatz!
jl

Da ist sie also, die Justice League, mein Vorletzter Pflichtfilm für dieses Jahr. Wäre das irgend ein anderer Film, würde ein normale Rezension eigentlich völlig ausreichen, aber es handelt sich hierbei nun einmal um mein liebstes Superheldenteam – und zudem kann man schon allein wegen den Produktionsschwierigkeiten und dem Theater hinter den Kulissen einiges zu diesem Film schreiben. Meine spoilerfreie Meinung kann man dieses Mal mit einem Zitat von Douglas Adams sehr knapp zusammenfassen: „Mostly harmless.“ Der Kontrast zu „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist schon faszinierend; wo dieser Film zu viel wollte und daran grandios scheiterte, will „Justice League“ zu wenig, um zu scheitern. Man wird mitunter den Eindruck nicht los, als wären alle beteiligten froh, dass diese Sache nun endlich vorbei ist. Dass „Justice League“ trotzdem ein besserer Film als „Dawn of Justice“ geworden ist, sagt eigentlich mehr über Letzteren denn Ersteren aus.

Was bisher geschah…
Irgendwie läuft’s bei den DC-Filmen nie wirklich rund. Manches lässt sich weder vorhersehen noch beeinflussen, vieles geht jedoch auf schlichte Unfähigkeit auf der Seite des Studios zurück. Nachdem „Batman v Superman: Dawn of Justice“ bei den Kritikern durchfiel, versuchte Warner fieberhaft, sein „DC Extended Universe“ (das laut offizieller Aussage gar nicht so heißt, was verkündet wurde, nachdem dieser Begriff bereits zwei Jahre in Gebrauch war) richtig aufzuziehen und reagierte dabei ziemlich kopflos. Schon „Batman v Superman“ wurde in der Postproduktion verstümmelt (was allerdings nur ein Problem unter vielen ist), bei „Suicide Squad“ ließ man den Film dann von einer Trailerschmiede neu schneiden. Unglaublich, aber wahr: Der Film mit der wenigsten Studioeinmischung, „Wonder Woman“ kam insgesamt am besten an und erwies sich als der Profitabelste des Franchise – vielleicht sollte man daraus eine Lehre ziehen. Wie dem auch sei, der tragische Selbstmord von Zack Snyders Tochter ist natürlich nichts, was man einkalkuliert und es ist völlig nachvollziehbar, dass sich Snyder von der Produktion zurückzieht, um diesen Verlust zu verarbeiten. Joss Whedon als Drehbuchdoktor und Regisseur für die Nachdrehs und Postproduktion ist natürlich dann wieder eine interessante Wahl und lässt darauf schließen, dass man bei Warner mal wieder versucht, den leichten Weg zu wählen (mehr Humor und mehr wie Marvel gleich Erfolg), anstatt sich auf die Umsetzung der gewählten Prämisse zu konzentrieren. Wie ich bereits bei meiner BvS-Rezension sagte: Meine Kritik bezieht sich nicht auf die Prämisse (düsterer, ernster Superheldenfilm; wie so etwas gut funktioniert haben wir erst dieses Jahr mit „Logan“ gesehen), sondern auf die katastrophale Umsetzung.

Handlung
Superman (Henry Cavill) ist tot. Ungeschickterweise tauchen gerade jetzt merkwürdige, geflügelte Wesen auf, die Ärger machen. Batman (Ben Affleck) vermutet bereits seit längerem, dass da mehr dahinter steckt. Es erweist sich, dass der Dunkle Ritter den richtigen Riecher hat, denn der außerirdische Kriegsherr Steppenwolf (Ciarán Hinds), der vor vielen Jahrtausenden bereits einmal versuchte, die Erde zu erobern, ist zurück, um sein Werk zu vollenden. Damals kämpften Menschen, Amazonen und Atlanter vereint gegen die Invasoren, ja selbst die Götter und mindestens eine Green Lantern halfen dabei, den Kriegsherren zu vertreiben. Steppenwolf ließ drei Mutterboxen zurück, die von den drei siegreichen Völkern verwahrt werden. Um seine Pläne umzusetzen, benötigt Steppenwolf alle drei. Um dies zu verhindern versammelt Batman eine Verteidigung für die Erde. Neben Diana Prince/Wonder Woman (Gal Gadot) rekrutiert er auch den Atlanter Arthur Curry/Aquaman (Jason Momoa), Barry Allen/Flash (Ezra Miller) sowie Victor Stone/Cyborg (Ray Fisher). Doch die fünf widerwilligen Helden scheinen nicht auszureichen, um Steppenwolf in seine Schranken zu weisen, denn es ist ihm bereits gelungen, die Mutterboxen der Atlanter und der Amazonen zu entwenden. Und so fragt sich Batman, ob es nicht möglich sein könnte, mit der dritten Mutterbox Superman wieder zum Leben zu erwecken…

Snyder vs. Whedon? Die Stilfrage
Insgesamt ist noch relativ unklar, wie viel Joss Whedon nun tatsächlich in „Justice League“ steckt. Einigen Szenen merkt man deutlich an, dass sie im Zuge der Nachdrehs entstanden sind (und das nicht nur wegen Whedons Handschrift), aber allein schon mit dem Schnitt kann man natürliches einiges verändern. Hinzu kommt, dass „Justice League“ laut Warner und Snyder von Anfang an darauf ausgelegt war, weniger düster und depressive zu sein als „Dawn of Justice“. Nun, zumindest das ist gelungen. Von dieser Aussage sowie einigen Eindrücken aus den ersten Trailern ausgehend denke ich, dass es falsch wäre, jeglichen Humor (und davon gibt es eine ganze Menge mehr als im Vorgännger) in diesem Film im Guten wie im Schlechten Joss Whedon anzulasten. Tatsächlich wird Whedon primär Anweisungen ausgeführt haben. Am deutlichsten fällt sein Einfluss in meinen Augen bei der Farbplatte aus, denn es ist nicht mehr alles grau in grau. Insgesamt ist der Film zwar weitaus bunter, aber es gibt einige Szenen, ziemlich auffällig hervorstechen.

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Wonder Woman (Gal Gadot), Batman (Ben Affleck) und Flash (Ezra Miller) beraten sich mit James Gordon (J. K. Simmons)

Wie schon „Suicide Squad“ ist „Justice League“ ein Film, der massiv unter der Studioeinmischung leidet. Strukturell bzw. dramaturgisch ist er dabei zum Glück nicht derart misslungen wie David Ayers Beitrag zum DCEU oder die Kinofassung von „Batman v Superman“, aber eine flüssige Dramaturgie sieht anders aus – vor allem der erste Akt bleibt kaum zusammenhängendes Stückwerk. Aber ein Problem tritt nun besonders deutlich hervor. Genau wie „Batman v Superman“ handelt es sich beim Plot von „Justice League“ um eine simple, recht stereotype Superheldengeschichte. Der Vorgänger mag mit schwülstigem, prätentiösem Symbolismus und einer Myriade an unnötigen Subplots vollgestopft gewesen sein, aber im Kern erzählte er das typische Superheldencrossover: Zwei Helden treffen sich, ein Missverständnis entsteht, sie kämpfen und am Ende verbünden sie sich gegen einen gemeinsamen Feind. Bei „Justice League“ ist es das typische Zusammenkommen eines Superheldenteams aufgrund einer Alien-Invasion. Da Warner jedoch auf eine Laufzeit unter zwei Stunden bestand, ist „Justice League“ ein extrem heruntergebrochener Film, aus dem nun genau das geworden ist, was viele ohnehin befürchteten: Ein Abklatsch von „The Avengers“. Ob nun Mutterboxen oder Infinity-Steine, Chitauri oder Paradämonen spielt kaum eine Rolle. Gewisse Parallelen wären zwar sicher ohnehin entstanden, aber so, wie „Justice League“ ausgefallen ist, raubt sich der Film jegliche Eigenständigkeit. Wo „Batman v Superman“ mit Themen und Symbolik überfrachtet war, gibt es in „Justice League“ nichts dergleichen, keine übergreifende Klammer, keine Aussage, gar nichts. Gewisse Ansätze, die Snyder wohl diesbezüglich in den Film einbauen wollte, sind noch vorhanden, gerade am Anfang finden sich ein paar aktuelle Bezüge. Der von Michael McElhatton gespielte Terrorist etwa weist darauf hin, dass „Justice League“ wohl einmal die religiöse Metaphorik des Vorgängers hätte fortsetzen sollte, was angesichts eines die Erde angreifenden New Gods gar nicht so unpassend gewesen wäre, aber all das wurde letztendlich entfernt.

Aufgrund seiner Natur als Film des kleinsten gemeinsamen Nenners fühlt sich „Justice League“ fürchterlich beiläufig an. Zum Teil leidet der Film an den „Sünden der Väter“: Wenn Supermans Tod in „Batman v Superman“ schon so inszeniert wurde, dass er mich nicht sonderlich juckt, warum sollte seine Auferstehung in diesem Film mir dann irgendetwas bedeuten? Aber selbst wenn man diesen Umstand berücksichtigt, wird vieles (gerade Supermans Rückkehr) fast schon antiklimaktisch und banal inszeniert.

Die Ligisten
Das Element, das „Justice League“ für mich erträglich gemacht hat, waren tatsächlich die Ligisten selbst und ihre Teamdynamik – ein Element, das wohl tatsächlich eher auf Joss Whedon zurückgeht, denn Chemie zwischen Figuren ist etwas, das in Zack Snyders Repertoire eher selten vorkommt. Tatsächlich bemüht sich der Film, jedem der Helden einen eigenen kleinen Handlungsbogen zu geben und auf kommende Filme hinzuarbeiten. Das wirkt freilich sehr gehetzt – hier zeigt sich, warum „The Avengers“ diesbezüglich einen sehr klaren Vorteil hat. Wonder Womans emotionale Reise ist mit Abstand am besten nachzuvollziehen, eben weil sie schon ihren eigenen Film hatte (auf den auch immer wieder eifrig verwiesen wird).

In dieser Version von Barry Allen entdecke ich recht wenig von der Figur, wie ich sie aus den Comics kenne. Nicht, dass Flash als Comic Relief neu wäre (auch wenn das sonst eher Wally West ist), aber gerade Barry Allen hatte sonst eher selten leicht autistische Züge. Grant Gustins Darstellung aus der Serie passt da besser zur Vorlage. Flashs persönlicher Handlungsstrang hängt mit seinem inhaftierten Vater Henry (Billy Crudup) zusammen (der in einem wie auch immer gearteten Solofilm der Figur sicher eine Rolle spielen wird) und einem Ausbruch aus sozialer Isolation zusammen.

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Aquaman (Jason Momoa)

Aquamans Handlungsstrang ist dem nicht ganz unähnlich, der theoretische Thronerbe von Atlantis treibt sich im Exil herum, weil er keine Lust auf sein Volk hat, wird aber ebenfalls von den Umständen gezwungen, sein Erbe zumindest in Ansätzen anzunehmen. Wir bekommen einen kleinen Eindruck von Atlantis und Aquamans zukünftigem Love Interest Mera (Amber Heard), der auf eine potentielle Ausarbeitung in James Wans Aquaman-Film hindeutet. Arthur Curry ist hier weder der noble König, noch der grimmige Herrscher, als der er mitunter in den Comics porträtiert wird, sondern eher ein Rocker, der in Ruhe gelassen werden will.

Cyborg ist vielleicht der interessanteste Neuzugang, zumindest ist sein Schicksal am engsten mit dem Plot um die Mutterboxen verknüpft, da er ihnen seine Entstehung verdankt. Victor Stones Identitätsfindung und der Konflikt mit seinem Vater hat ziemlich viel Potential, abermals wird das alles jedoch viel zu schnell und oberflächlich abgehandelt. Zusätzlich tut das CGI, mit dem Cyborg animiert wurde, Ray Fisher keinen Gefallen.

Batman und Wonder Woman führen mehr oder weniger ihre Handlungsstränge aus „Batman v Superman“ fort, wobei Batman sich im Grunde gar nicht verändert, da er ja bereits am Ende des Vorgängers beschließt, dass die Welt ein Superheldenteam braucht. Sein größtes Problem in diesem Film ist, dass er besonders im dritten Akt praktisch nutzlos ist. Es ist immer eine Herausforderung, Batman im Kontext der Justice League zu inszenieren, da er nun einmal ein Sterblicher ohne Kräfte ist. Normalerweise kommt ihm die Rolle des Taktikers und Problemlösers zu. Der Film scheitert allerdings daran, Batman zu einem nützlichen Mitglied des Teams zu machen.

Wonder Woman schließlich setzt sich mit ihrer Abkehr von der Welt auseinander und lernt zu akzeptieren, wer und was sie ist. Gerade diese Elemente sorgen für einige der besten Dialogszenen zwischen Ben Affleck und Gal Gadot. Insgesamt sind die Figuren und ihre Entwicklung zumindest in Ansätzen gelungen und weitaus klarer und nachvollziehbarer als beispielsweise in „Batman v Superman“, aber aufgrund der von Warner verordneten Kürzungen bleibt das alles unbefriedigendes Stückwerk.

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Cyborg (Ray Fisher)

Und schließlich hätten wir da noch Superman, dessen Rückkehr mehr wie eine Pflichtübung absolviert wird und die ohnehin niemanden überrascht. Ein paar lose Enden der beiden Vorgänger werden fast schon alibimäßig aufgegriffen, aber insgesamt fehlt der Rückkehr des theoretisch größten Helden der Welt die emotionale Wucht. Am Ende fungiert er dann doch nur als Deus Ex Machina, der Steppenwolf nicht gewachsen ist.

Was die Interpretation der Figuren angeht, so ist diese weitaus näher am Standard der Comics, als es bei den Vorgängern der Fall war, was besonders bei Superman sehr auffällig ist, der tatsächlich lächelt und nicht die ganze Zeit vor sich hinbrütet – dieser Umstand zeigt sich auch an seinem Kostüm, das zum ersten Mal nicht graublau bzw. graurot ist, sondern tatsächlich über ziemlich kräftige Farben verfügt. Es gibt ja durchaus eine kleine, aber mitunter sehr lautstarke Minderheit, die mit Zack Snyders ursprünglicher Interpretation dieser Figuren sehr zufrieden war – deren schlimmste Befürchtungen dürften nun wahrgeworden sein. Ich persönlich bin mit der grundsätzlichen Richtung, die für die Charakterisierung dieser Figuren eingeschlagen wurde, dagegen durchaus zufrieden. Es hapert allerdings abermals an der Umsetzung, da es keinerlei Entwicklung vom brütenden Superman der Vorgänger zur übertrieben fröhlichen Version dieses Films gibt, die oftmals an Selbstparodie grenzt. Nichts gegen eine gelungene Kurskorrektur, aber den Holzhammer sollte man dazu nicht auspacken.

Steppenwolf
Kommen wir nun zum schwächsten Element eines ohnehin nicht besonders starken Films. Wie üblich gibt es eine Alieninvasion, angeführt vom sinisteren Steppenwolf, der sich perfekt in die Riege der DCEU-Schurken einpasst: Er ist groß, monströs, wurde mit CGI aufgepumpt und bleibt völlig profillos und uninteressant. Im Grunde ist er noch einmal Ares nur ohne Twist: Statt sich als Mensch zu verstecken, kommt Steppenwolf einfach auf die Erde und greift an, weil er das halt gerne macht (bzw. weil er sich bei seinem Boss rehabilitieren will, das zumindest deutet der Film an). An dieser Stelle merkt man als Comickenner am deutlichsten, dass „Justice League“ ursprünglich ein Zweiteiler hätte werden sollen,  den Warnern in letzter Sekunde doch zum in sich geschlossenen Film umfunktionierte. Denn hätte man „Justice League“ von Anfang an als in sich geschlossenen Film konzipiert, hätte man wohl kaum Steppenwolf als Schurken genommen.

„Dawn of Justice“ verteilte bereits großzügige Anspielungen auf die von Jack Kirby geschaffenen New Gods: Paradämonen in der Alptraumsequenz, das Omega-Symbol im Sand und natürlich die aus der Kinofassung geschnittene Szene mit dem Steppenwolf-Hologramm. Die beiden ursprünglichen Justice-League-Filme sollten Darkseids Invasion der Erde schildern, wobei sein Genereal (und Onkel) Steppenwolf die Invasion anführen würde. Da man sich bereits für Steppenwolf entschieden hatte, blieb man dabei, entfernte aber die meisten Elemente, die auf eine größere kosmische Bedrohung hindeuten. Das wäre nicht so tragisch, wäre Steppenwolf in irgendeiner Weise interessant, aber wie bereits erwähnt unterscheidet er sich nicht im geringsten von den diversen Motion-Capture-Schurken, die in den letzten Jahre alle möglichen Filme unsicher machten. Er ist nicht im geringsten interessant oder bedrohlich und hat im Grunde keinerlei Motivation. In den paar Sätzen, die er von sich gibt, kann der Comicleser natürlich Darkseids Philosophie bezüglich der Antilebensformel, die die völlige Vernichtung des freien Willens zur Folge hat, erkennen, aber rein im Kontext dieses Films bleibt das alles eine extrem dürftige Rechtfertigung. Mehr noch als Ares gleicht Steppenwolf Azog aus der Hobbit-Trilogie: Der scheinbar Besiegte, der zurückkehrt, um Rache zu nehmen – und natürlich ist auch Azog eine übergroße CGI-Kreation, die über kaum Ausstrahlung verfügt. Ich kann nach wie vor nicht verstehen, weshalb man diesen Weg wählte. In den Comics ist Steppenwolf nämlich nicht einmal ein Ork-artiges Wesen, sondern sieht aus wie ein Mensch in Rüstung. Ciarán Hinds ist ein wunderbarer Schauspieler, der über eine beeindruckende Präsenz verfügt, wenn man sein Spiel nicht mit schlechtem CGI zukleistert. Außerdem, warum nur Steppenwolf? Ich finde es gut, dass Darkseid, immerhin einer größten und mächtigsten Schurken des DC-Universums, nicht schon im ersten Film verheizt wird, aber von all seinen Lakaien, die man als Vorhut hätte verwenden können, ist Steppenwolf der mit Abstand langweiligste. Warum hat man ihn nicht mit einem oder gleich mehreren von Darkseids anderen Speichelleckern kombiniert, um auf Schurkenseite eine interessante Figurendynamik zu etablieren? Egal ob Darkseids illegitimer Sohn Kalibak, der Foltermeister DeSaad, der Manipulator Glorious Godfrey oder Granny Goodness und ihre Female Furies, sie alle sind interessantere Figuren als Steppenwolf.

Quo vadis, DCEU?
Eine interessante Frage. Ganz in bester Tradition teasert „Justice League“ einiges an. Die Bezüge zu den New Gods wurden zwar stark reduziert, aber nicht völlig entfernt; Darkseids Name fällt immerhin einmal. Im Rückblick ist eine Green Lantern zu sehen und dann wären da natürlich noch die Mid- bzw. Postcreditsszenen. Ersterer spielt auf das berühmte Wettrennen zwischen Superman und Flash an, Letztere deutet an, worum es in einem potentiellen Justice-League-Sequel gehen könnte: Lex Luthor (Jesse Eisenberg) ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und unterhält sich mit dem Auftragsmörder Deathstroke (Joe Manganiello) – das riecht nach einer Schurkenvereinigung, egal ob sie nun „Injustice Gang“, „Injustice League“ oder „Legion of Doom“ heißt. Die Tatsache, dass diese Szene im Film enthalten ist, zeigt immerhin, dass Warner an weiteren Plänen festhält, auch wenn sonst noch vieles unklar bleibt: Wird Ben Affleck in Matt Reeves Batman-Film zu sehen sein? Will Warner tatsächlich „Flashpoint“ umsetzen und damit einen Semi-Reboot einleiten? Und was ist mit potentiell unabhängigen Filmen wie dem von Martin Scorsese produzierten Joker-Film, der angeblich kommen soll? Auch weiterhin herrscht Unklarheit.

Fazit
Meiner ursprünglichen Einschätzung gibt es kaum etwas hinzuzufügen – „Justice League“ ist im Grunde nicht mehr als einfach ein weiterer Superheldenfilm mit ein paar Stärken und vielen, vielen Schwächen, nicht zuletzt dank der Einmischung des Studios. Das ist zwar eine geringfügige Verbesserung gegenüber „Batman v Superman: Dawn of Justice“, aber für einen Film über mein Lieblingssuperheldenteam bei Weitem nicht genug.

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Siehe auch:
Batman v Superman: Dawn of Justice – Ausführliche Rezension
Suicide Squad – Ausführliche Rezension
Wonder Woman – Ausführliche Rezension

Thor: Ragnarok – Ausführliche Rezension

Spoiler nach dem ersten Absatz!
ragnarok
Und ein weiteres Mal hat sich Marvel bei der Eindeutschung eines Filmtitels mit Ruhm bekleckert. Nach Perlen wie „Thor: The Dark Kingdom“ („Thor: The Dark World“) und „The Return of the First Avenger“ („Capatain America: The Winter Soldier“) kommt nun „Thor: Tag der Entscheidung“ – ein völlig generischer und nichtssagender Titel. Im Gegensatz dazu hat der Originaltitel „Thor: Ragnarok“ immerhin einen sehr direkten Bezug zum Inhalt und zur Mythologie. Nun scheint es sich hier um ein titelrechtliches Problem zu handeln, wobei ich nicht herausfinden konnte, welcher andere Film die Ursache ist. Dennoch stellt sich mir die Frage, ob man Thors dritten Solofilm nicht mit etwas passenderem wie „Schicksal der Götter“ oder „Götterdämmerung“ hätte betiteln können – beides wären angemessene Übersetzungen des altnordischen Wortes „Ragnarök“. Wie dem auch sei, „Thor: Ragnarok“ ist mal wieder ein Film, der eine ausführliche Besprechung verdient. Wie üblich gibt es zu Beginn meine spoilerfreie Kurzmeinung: Visuell ist der dritte Thor-Film mit Sicherheit der beeindruckendste und abwechslungsreichste Teil der Reihe. Auch inszenatorisch weiß Regisseur Taika Waititi dem Donnergott seinen Stempel aufzudrücken. Dies schlägt sich vor allem im extrem selbstironischen Ton des Films nieder, was allerdings zur Folge hat, dass „Thor Ragnarok“ emotional ziemlich flach bleibt und trotz eines extrem spielfreudigen Casts an einigen der üblichen MCU-Schwächen leidet.

Handlung
Zwei Jahre sind vergangen, seit Thor (Chris Hemsworth) zum letzten Mal die Erde besuchte, um mit den Avengers Ultron zu bekämpfen. Seither suchte der Donnergott in den Neun Welten nach Spuren der Infinity-Steine, nur um letztendlich in den Fängen des Feuerriesen Surtr (Clancy Brown) zu landen, der laut einer Prophezeiung Ragnarök auslösen und Asgard dereinst zerstören wird, wenn sich seine Krone mit der Ewigen Flamme von Asgard vereinigt. Trotzdem lässt sich der Riese relativ leicht besiegen. Thor bringt die Überreste nach Asgard, nur um zu entdecken, dass dort nicht mehr Odin (Anthony Hopkins), sondern sein Stiefbruder Loki (Tom Hiddleston) regiert und die Stabilität der Neun Welten gefährdet. Thor „verpflichtet“ Loki, ihm bei der Suche nach Odin zu helfen. Mithilfe des Zauberers Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) finden sie Odin in Norwegen, doch der Allvater steht an der Schwelle des Todes. Sein Dahinscheiden befreit seine älteste Tochter Hela (Cate Blanchett), die einst verstoßen wurde und nun den in ihren Augen rechtmäßigen Platz auf Asgards Thron einnehmen möchte. Sie verbannt Thor und Loki auf die Welt Sakaar, auf der der Grandmaster (Jeff Goldblum) Gladiatorenspiele veranstaltet. Um den Fängen des Grandmasters entkommen zu können und Hela daran zu hindern, die Bevölkerung Asgards abzuschlachten, muss sich Thor mit seinem alten Kampfgefährten Hulk (Mark Ruffalo) messen und eine ehemalige, im Exil lebende Walküre aus Asgard (Tessa Thompson) davon überzeugen, ihm zu helfen…

Ein Blick auf die Vorlagen
Die Vorlagen für „Thor: Ragnarok“ lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen – die beiden primären Quellen sind die ältere Lieder-Edda und die jüngere, von Snorri Sturluson gesammelte Prosa-Edda. Generell geht es in den diversen Versionen der Götterdämmerung um den letzten Kampf der Riesen gegen die Götter, wobei auch der Feuerriese Surtr, wie im Film, eine wichtige Rolle spielt. Primärer und direkter Auslöser ist aber, anders als im Film, zumeist Loki, der zuvor von Odin an einen Felsen gekettet wurde, wobei ihm das Gift eine Schlange beständig auf den Leib tropft und ihm unbändige Schmerzen bereitet. Dieses Schicksal ist die Bestrafung dafür, dass Loki den Tod des allseits beliebten Gottes Balder herbeigeführt hat. Zu Ragnarök wird Loki befreit und kämpft mit den Riesen gegen die Götter, um letztendlich von Heimdall getötet zu werden. Lokis unmenschliche Kinder Fenrir (ein Wolf von der Größe eines Elefanten) und die gewaltige Midgardschlange, spielen ebenfalls wichtige Rollen; Ersterer verschlingt Odin. Am Ende von Ragnarök soll in manchen Versionen schließlich eine neue, bessere Welt entstehen, damit das Opfer der Götter nicht umsonst war.

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Der Donnergott (Chris Hemsworth) wird seinem Titel gerecht

Wie nicht anders zu erwarten war, wurde die Ragnarök-Thematik in Marvels Version der nordischen Mythologie des Öfteren aufgegriffen. Die vierteilige Miniserie „The Trials of Loki“ von Roberto Aguirre-Sacasa und Sebastián Fiumara etwa erzählt die oben erwähnte Vorgeschichte vom Tod Balders. Nebenbei bemerkt dürfte es sich dabei um die Thor-Comics handeln, die die nordische Mythologie am genauesten umsetzen und kaum Zugeständnisse ans Superheldengenre machen. Das Design der Figuren entspricht natürlich dem Marvel-Standard (Thor ist blond und nicht, wie in den mythologischen Quellen beschrieben, rothaarig; Loki trägt einen goldenen Hörnerhelm etc.), aber davon sowie einigen inhaltlichen Anpassungen abgesehen funktioniert diese Miniserie auch völlig vom Marvel-Universum getrennt als Adaption einer Geschichte der nordischen Mythologie. Die tatsächliche Umsetzung von Ragnarök geschieht in den Comics dann allerdings weit weniger vorlagengetreu. Bereits in den 1960ern gab es eine Ragnarök-Storyline, noch von Stan Lee und Jack Kirby persönlich, in der das Alien Mangog den Platz von Surtr einnimmt. Ein aus den 2000ern stammender Handlungsbogen trägt ebenfalls den Titel „Ragnarök“ und orientiert sich schon eher an den mythologischen Quellen, zumindest spielen Loki als Anführer der Riesen, Fenrir und die Midgardschlange wichtige Rollen, die mit denen in den Eddas immerhin vergleichbar sind. Darüber hinaus führt Ragnarök hier tatsächlich zu so einer Art Wiedergeburt einer besseren Welt. Interessanterweise spielt Hela (bzw. Hel, die mythologische Vorlage für Marvels Göttin des Todes, dazu später mehr) in keiner dieser Versionen von Ragnarök eine besonders bedeutsame Rolle.

Und schließlich wäre da noch eine wichtige Vorlage, die überhaupt nichts mit Thor oder Ragnarök zu tun hat: „Planet Hulk“, ein umfassender Handlungsbogen aus der Serie The Incredible Hulk, verfasst von Greg Pak und gezeichnet von verschiedenen Illustratoren, der von April 2006 bis Juni 2007 erschien und erzählt, wie der Hulk von den Illuminati, einer Gruppe mächtiger Marvelhelden, darunter Professor Xavier, Doctor Strange und Tony Stark, nach Sakaar verbannt wird. Dort nimmt der Hulk zuerst an Gladiatorenspielen teil, zettelt dann eine Revolution an, wird zum Herrscher von Sakaar und findet sogar eine Geliebte, nur um alles wieder zu verlieren. Die auf Sakaar spielenden Elemente des Films sind zumindest von „Planet Hulk“ inspiriert, wobei in besagtem Handlungsbogen weder Thor, noch Loki, Valkyrie oder der Grandmaster (der mit seinem Comicgegenstück ohnehin kaum etwas gemein hat) eine Rolle spielen. Lediglich Kork (Taika Waititi) und Miek sind Figuren, die direkt aus „Planet Hulk“ stammen.

Ton und Stil
Ähnlich wie „Captain America: The Winter Soldier“ ist auch „Thor: Ragnarok“ eine deutlich Abkehr von der Stilistik des bzw. der Vorgänger. Wo der zweite Leinwandauftritt von Steve Rogers allerdings weit düsterer und ernster war als der erste, geht der dritte Thor-Film genau in die entgegengesetzte Richtung und iniziiert die nordische Mythologie mit einer kräftigen Dosis Selbstironie á la „Guardians of the Galaxy“. Regisseur Taika Waitit bricht mit diversen Konstanten der beiden Vorgänger: Die Erde spielt praktisch keine Rolle mehr, dasselbe trifft auch auf die erdgebundenen Figuren zu. Jane Foster (Natalie Portman), Erik Selivg (Stellan Skarsgård) und Darcy Lewis (Kat Dennings) bekommen nicht einmal Gastauftritte; das Ende von Janes und Thors Beziehung wird nur einmal in einem Halbsatz erwähnt (nicht, dass mich das sonderlich stören würde). Selbst diverse Asen werden eher stiefmütterlich behandelt. Lady Sif fehlt ebenfalls (allerdings vor allem deshalb, weil es Terminüberschneidungen mit Jaimie Alexanders Serie „Blindspot“ gab) und die „Warrior’s Three“ Hogun (Tadanobu Asano), Volstagg (Ray Stevenson) und Fandral (Zachary Levi) tauchen zwar auf, werden aber bereits im ersten Akt eher unrühmlich von Hela niedergemetzelt. Und das ist erst der Anfang, die Änderungen im Status Quo fallen gegen Ende noch weit gravierender aus: Odin stirbt, Asgard wird völlig zerstört und Thor führt als neuer König die überlebenden Asen ins Exil.

Die tonalen Unterscheide zum Vorgänger fallen allerdings am gravierendsten aus, und hier tritt auch Taika Waitits Handschrift sehr deutlich hervor. Vor allem Kenneth Branagh bemühte sich, ein Gleichgewicht zwischen Humor und Selbstironie auf der einen und Shakespear’scher bzw. mythologischer Gravitas auf der anderen Seite zu finden. In „Thor: Ragnarok“ gibt es dieses Gleichgewicht nicht, was zugleich die größte Stärke und auch die größte Schwäche des Films ist. „Thor“ wirkte oft, als hätte Branagh Kompromisse machen müssen, und „Thor: The Dark World“ merkt man diverse Probleme bei der Produktion ziemlich gut an. „Thor: Ragnarok“ dagegen ist zweifellos Taika Waititis Film, ohne Wenn und Aber. Gerade „Fünf Zimmer, Küche, Sarg“ bietet sich hier ideal als Vergleich an, in beiden Fällen reagieren äußerst abgedrehte und übernatürliche Figuren (Vampire, Götter) auf sehr selbstironisch-alltägliche Weise. Der etwas gehobenere Sprachstil der Asen ist endgültig Vergangenheit, alle beteiligten, von der Göttin des Todes an abwärts drücken sich äußerst jovial und modern aus. Ganz ähnlich wie Waititis Vampir-Mockumentary gibt es in „Thor: Ragnarok“ ein beständig gehaltenes Humor-Level, das auch noch funktioniert und niemals erzwungen wirkt. Laut Waititis eigener Aussage sind große Teile des Films improvisiert und ich habe keinerlei Probleme, das auch zu glauben. Leider wirkt sich dieser Umstand negativ auf die Momente aus, die tatsächlich dramatisch sein sollten, denn Waititis Regiestil verhindert, dass diese Momente ihre Wirkung entfalten können. Zwar gab es auch in „Thor“ ironische Seitenhiebe und auflockernden Humor, aber eben auch die durchaus eindrücklichen emotionalen Momente. In diesem Film gibt es keine Szene, die der Intensität von Thors Verbannung aus dem ersten Film auch nur nahe kommt. Im Vergleich dazu hat „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ den Spagat zwischen konstantem Humor und emotionaler Authentizität weitaus besser gemeistert.

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Der Grandmaster (Jeff Goldblum), im Kreise seiner Untergebenen Topaz (Rachel House) und Valkyrie (Tessa Thompson)

Dafür ist „Ragnarok“ visuell zweifellos der gelungenste Film der Thor-Trilogie: Der erste Teil kämpfte mit einem optischen öden zweiten Akt in New Mexico, während „The Dark World“ uns zwar einige der neun Welten zeigte, aber keine davon wirklich interessant war. Diesbezüglich hält sich Waititi absolut nicht zurück, Sakaar ist einer der optisch interessantesten und faszinierendsten Orte des MCU. Wenn man hier einen Kritikpunkt anbringen kann, dann vielleicht den, dass Asgard im Vergleich zu Sakaar ein wenig stiefmütterlich behandelt wird – man merkt, welche Lokalität Waititi selbst am meisten interessierte.

Insgesamt ist „Thor: Ragnarok“ kaum mehr eine Darstellung der nordischen Götterwelt, sondern eine völlig abgedrehte Space Opera im 80er-Jahre-Stil, die recht gut zur aktuellen Welle der 80er-Nostalgie passt. Das reicht von der Neonfarbgebung bis hin zur Musik von Mark Mothersbaugh, die ich noch separat besprechen werde.

Die Revengers
Taika Waititis Regiestil und seine Vorliebe für Improvisation wirken sich natürlich besonders stark auf Darstellung und Charakterisierung der Figuren aus. Im Zentrum der Handlung stehen neben Thor noch drei weitere Figuren, die jeweils ihren eigenen kleinen Charakterhandlungsbogen haben: Loki, der wie schon in „Thor: The Dark World“ als unzuverlässiger Verbündeter fungiert, Hulk, der auf Bruce Banner absolut keine Lust mehr hat, und der Neuzugang Valkyrie. In den Comics ist Valkyrie (zumindest die ursprüngliche Inkarnation) tatsächlich die Marvel-Version von Brünhilde/Brynhildr und fungierte sowohl als Nebenfigur bzw. Love Interest in diversen Thor-Comics als auch als eigenständige Superheldin, die u.a. Teil der Defenders war. Interessanterweise wird ihr Name im Film nicht genannt, sie trägt die Kennung „Scrapper 142“ und wird ansonsten immer nur als eine Walküre bezeichnet (in einem kurzen, aber visuell extrem eindrucksvollen Rückblick sind auch die anderen Walküren zu sehen). Im Marvel Cinematic Universe waren die Walküren wie in den Comics und der Mythologie die Eliteinheit Odins, wurden dann aber von Hela ausgelöscht. Scrapper 142 scheint die einzige Überlebende zu sein (was im Film aber nur angedeutet und nicht bestätigt wird) und versucht, auf Sakaar ihre Schuldgefühle zu ertränken. Im Verlauf des Films überwindet sie ihre Probleme und kehrt an Thors Seite nach Asgard zurück. Valkyrie ist ohnehin der heimliche Star des Films, da überrascht es kaum, dass ihr Handlungsbogen am überzeugendsten und authentischsten ausfällt.

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Die Revengers: Hulk (Mark Ruffalo), Thor (Chris Hemsworth), Valkyrie (Tessa Thompson) und Loki (Tom Hiddleston)

Der titelgebende Donnergott setzt im Grunde die Reise fort, die er zu Beginn seines ersten Films antrat – in gewisser Weise ist „Thor: Ragnarok“ diesbezüglich ein Spiegel besagten ersten Films. Abermals verliert Thor seinen Hammer, sogar verhältnismäßig endgültig, und abermals bereitet er sich darauf vor, den Thron von Asgard zu besteigen – nur dass das dieses Mal am Ende seiner Reise steht und er nun auch wirklich würdig ist, sein Volk anzuführen. Eigentlich eine gut konstruierter Handlungsbogen – hier schadet allerdings Waititis Regiestil, weil man aufgrund der konstanten Selbstironie und der humoristischen Seitenhiebe nie ein Gefühl dafür bekommt, was das alles eigentlich für Thor bedeutet. Der Thor dieses Films ist die bislang gelassenste und lustigste Version der Figur, zugleich bekommt man aber auch das Gefühl, dass ihm nichts mehr wirklich emotional nahe geht, ganz im Unterschied zu Kenneth Branaghs Thor, der weit wütender und verzweifelter werden durfte. Ein interessantes kleines Detail in seiner Charakterisierung ist die Signifikanz, die seine Identität als Avenger einnimmt und auf die er scheinbar großen Wert legt. Dies wird am deutlichsten sichtbar, als er das Team um sich selbst, Loki, Valkyrie und Hulk zu den „Revengers“ erklärt.

In Lokis Fall sieht es ganz ähnlich aus – bei Waititi geht der Humor oft auf seine Kosten. Nicht, dass das völlig neu wäre („puny god“), aber auch hier haben vorhergegangene Filme dem Gott der Lügen zumindest hin und wieder einen, nennen wir es, „authentischen Moment“ gegönnt, etwa seine Reaktion auf den Tod seiner Mutter in „Thor: The Dark World“. Mit „Ragnarok“ wird Loki endgültig zum Antihelden, der zwar zwischendurch einmal ein bisschen Verrat übt (alte Gewohnheiten legt man schwer ab), aber letztendlich das richtige tut.

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Hulk (Mark Ruffalo) gegen Surtr (Clancy Brown)

Und dann wäre da noch der Hulk, der sich in seiner interessanten Situation befindet. Seit „Age of Ultron“ hat er sich nämlich nicht wieder in Bruce Banner zurückverwandelt, erst Thors Auftauchen (und ein wenig indirekte Hilfe von Black Widow) sorgen dafür, dass Banner zurückkehrt. Sein Schicksal ist relativ offen, da Bruce selbst befürchtet, dass er sich beim nächsten Mal überhaupt nicht mehr zurückverwandelt. Dennoch tut er am Ende das, was ohnehin jeder Zuschauer erwartet: Er wird grün und legt sich mit Fenrir und Surtr an.

Hela
Kehren wir noch einmal zur nordischen Mythologie zurück. Schon die Comicversion von Hela hat mit ihrem mythologischen Gegenstück recht wenig zu tun. Das beginnt bereits beim Namen, denn die nordische Göttin des Todes heißt Hel – von diesem Namen leiten sich die Wörter „Hell“ und „Hölle“ ab. Da die Marvel-Version der nordischen Mythologie in den 60ern entstand, als der Comics Code alle religiösen Verweise in Comics untersagte, änderten Stan Lee und Jack Kirby den Namen ab, um ihn zu entschärfen, jedenfalls meine ich, das irgendwo einmal gelesen zu haben. Vereinzelt tauchte die Hela-Schreibweise der Totengöttin aber auch schon vor der Marvel-Version auf. Wie dem auch sei, in der nordischen Mythologie ist Hel die Tochter Lokis und der Riesin Angrboða, mit der Loki auch Fenrir und die Midgardschlange zeugte. Optisch hat sie eine gewisse Ähnlichkeit mit Two Face, ihre eine Körperhälfte ist jung, schön und üppig, während die andere tot und verfault ist. In der nordischen Mythologie herrscht sie, ähnlich wie Hades, über die nach ihr benannte Unterwelt, wobei sie lediglich die Seelen derjenigen bekommt, die eines friedlichen oder natürlichen Todes sterben, während die Krieger, die in der Schlacht gestorben sind, von den Walküren nach Walhalla gebracht werden.

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Hela (Cate Blanchett)

Für die Marvel-Version der nordischen Mythologie wurden viele dieser Aspekte abgewandelt. Visuell ist nun der geweihartige Kopfschmuck Helas Markenzeichen. Sie ist nach wie vor die Herrscherin der Unterwelt, hat aber, anders als ihr mythologisches Gegenstück, Ambitionen darüber hinaus, sodass als sie als Schurkin für Thor fungieren kann. Ihre Herkunft bleibt in den Comics ziemlich undurchsichtig, sie scheint tatsächlich eine Tochter von Loki zu sein, allerdings eines anderen Loki als des aktuellen, was entweder mit wiederkehrenden Inkarnationen der Asen oder mit Zeitreisen erklärt wird.

Die von Cate Blanchett dargestellte Film-Hela entfernt sich schließlich noch weiter von der nordischen Göttin. Optisch wurde die Comicfigur fast perfekt umgesetzt, nun ist sie allerdings die älteste Tochter von Odin, die früher an seiner Seite die Neun Welten eroberte, dann aber die Macht übernehmen wollte und deshalb verbannt wurde. Ihre Rolle als Herrscherin der Unterwelt findet im Film keine Erwähnung, sie ist Göttin des Todes, weil sie den Tod bringt. Ehrlich gesagt bin ich mit der Darstellung Helas im Film nicht wirklich zufrieden. Cate Blanchett hat sichtlich Spaß dabei, so richtig aufzudrehen, und im Vergleich zum sterbenslangweiligen Malekith ist Hela definitiv eine Verbesserung, aber insgesamt ist sie mir mit ihrem Vaterkomplex Loki im ersten Thor-Film zu ähnlich, ohne dessen Nachvollziehbarkeit zu besitzen. Mehr noch, in den Comics ist Hela nie eine Sprücheklopferin, sondern enigmatisch, kalt, unnahbar und fremdartig. Hier hätte man einen schönen Kontrast zu den anderen Figuren schaffen und Hela als Widersacherin eindringlich gestalten können, leider hält sie stattdessen primär größenwahnsinnige Monologe, in denen sie ihre Hintergrundgeschichte erzählt. Somit ist Hela zwar sehr unterhaltsam, verschenkt aber gleichzeitig das Potential, eine wirklich eindringliche Schurkin zu sein.

Einordnung ins MCU
Insgesamt nimmt „Ragnarok“ sehr viel inhaltlichen Bezug auf bisherige MCU-Filme, mitunter auf ziemlich amüsante und kreative Weise. So wird Lokis Pseudosterbeszene aus „The Dark World“ in Asgard aufgeführt, wobei Matt Damon Loki spielt, Sam Neill als Odin zu sehen ist und Chris Hemsworths Bruder Luke Thor mimt. Auf Sakaar gibt es viele Bezüge zu „Age of Ultron“ und, in geringerem Maße, zum ersten Avengers-Film. Am interessantesten sind allerdings die kleinen und größeren Details, die auf Kommendes hindeuten. So wurde beispielsweise bestätigt, dass es sich beim Grandmaster und den Bruder des von Benicio del Toro dargestellten Collector aus „Guardians of the Galaxy“ handelt – steht da irgendwann ein familiäres Wiedersehen bevor? Darüber hinaus finden sich einige Verweise auf den anstehenden Krieg um die Infinity-Steine: Dass Loki kurz vor Schluss den Tesserakt aus Odins Schatzkammer stiehlt, dürfte ja wohl klar sein und das Schiff, auf das die Asen in der Mid-Credits-Szene stoßen, hat sicher direkt oder indirekt etwas mit Thanos zu tun. In Fankreisen wird darüber hinaus spekuliert, ob Hela im Kontext des dritten Avengers-Film noch eine größere Rolle spielen könnte. Thanos‘ primäre Motivation dafür, die Infinity-Steine zu sammeln und Allmacht zu erlangen, ist seine Liebe zur Personifikation des Todes. Könnte Hela im MCU diese Personifikation sein? Nach „Ragnarok“ halte ich das allerdings eher für unwahrscheinlich oder doch zumindest für ziemlich unpassend, nicht zuletzt weil ich hoffe, dass „Avengers: Infinitiy War“ einen deutlich anderen Ton hat als „Ragnarok“

Fazit
„Thor: Ragnarok“ ist eine visuell überbordende Space Opera im 80er-Stil, deren selbstironischer Humor zugleich Stärke und Schwäche ist. Thors dritter Solo-Leindwandausflug ist durchweg unterhaltsam und kurzweilig, äußerst lustig, aber selbst im Vergleich zu anderen MCU-Filmen emotional verhältnismäßig eindimensional.

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Trailer

Siehe auch:
Thor
Thor: The Dark World

Underworld: Blood Wars

Halloween 2017
bloodwars
Story: Es wird eng für die Vampire, denn erneut sind die Lykaner unter Führung des charismatischen Marius (Tobias Menzies) auf dem Vormarsch. Aus diesem Grund beschließen die beiden Vampirältesten Semira (Lara Pulver) und Thomas (Charles Dance), die legendäre Selene (Kate Beckinsale) aus dem Exil zu holen und sie zu verpflichten, eine neue Generation von Todeshändlern auszubilden. Tatsächlich lässt sich Selene von Thomas‘ Sohn David (Theo James) überreden, muss aber schon bald feststellen, dass die einzelnen Vampire trotz der Bedrohung nach wie vor gnadenlos gegeneinander intrigieren und sie selbst lediglich ein begehrtes Objekt ist, das den Weg zu ihrer Hybridentochter weisen kann…

Kritik: Da gibt es keine Ausreden, die Underworld-Filme sind Edel-Trash. Dennoch habe ich eine gewisse Schwäche für die ersten beiden Teile. Schon der erste Teil der Reihe war nicht wirklich originell oder innovativ, da er visuelle viele Stilelemente der Matrix- und Blade-Filme aufgriff und sich inhaltlich wie atmosphärisch bei White Wolfs „Vampire: The Masquerade“ bediente (ohne dabei jemals auch nur ansatzweise das Potential dieses Pen&Paper-Rollenspiels auszuschöpfen). Dennoch, wer etwas sucht, das zumindest die Gothic-Punk-Atmsophäre besagten RPGs vermittelt, ist mit „Underworld“ ganz gut bedient. Und obwohl der Film viele Schwächen hatte, merkte man ihm doch die Leidenschaft seiner Macher an. „Underworld: Evolution“ führte das halbwegs konsequent weiter und lieferte einen eigentlich schönen Abschluss der Geschichte. Allerdings waren die Film erfolgreich genug, um noch ein Prequel und zwei Sequels zu rechtfertigen, deren Qualität leider bei Weitem nicht mehr an die ohnehin nicht allzu hochhängende Messlatte der ersten beiden Teile heranreicht. „Underworld: Rise of the Lycans“ war öde und an „Underworld: Awakening“ kann ich mich beim besten Willen kaum noch erinnern.

Nun haben wir also „Underworld: Blood Wars“, bei dem es sich um das Langfilmdebüt der deutschen Regisseurin Anna Foerster handelt, die bislang bei TV-Serien oder als Second Unit Director tätig war und oft mit Roland Emmerich zusammenarbeitete. Leider kann man ihr Debüt kaum als wirklich gelungen bezeichnen, auch wenn es  handwerklich halbwegs solide ist, wobei ich denke, dass man Foerster da kaum die Schuld geben kann. „Underworld: Blood Wars“ ist im Grunde das weitere seelenlose Ausschlachten eines relativ günstig zu produzierenden Franchise, eine reine Auftragsarbeit, bar jeder Möglichkeit zur Entfaltung. Dementsprechend uninspiriert und oberflächlich sind auch Handlung und Figurenzeichnung, da es sich in der Essenz nur um ein erneutes Durchkauen der Thematik des ersten Teils handelt. Wenn ein Film, der gerade einmal eineinhalb Stunden dauert, Längen hat, dann ist etwas schiefgegangen. Die Blaufilter-Optik, völlig ohne Variation von den Vorgängern übernommen, hat sich inzwischen ziemlich abgenutzt und nicht einmal die Action ist wirklich ansprechend inszeniert.

Die größte Stärke der Underworld-Filme war schon immer die Tendenz, die Nebenrollen mit ziemlich hochkarätigen Darstellern wie Michael Sheen oder Bill Nighy zu besetzen, und so auch hier: Während Kate Beckinsale primär grimmig dreinschauen und in Lack und Leder gut aussehen muss (was sie nach 13 Jahren immer noch ziemlich gut hinbekommt; dieses Mal sogar mit weißen Strähnen in den Haaren) und der männliche Lead Theo James völlig blass bleibt, tummeln sich in Neben- und Schurkenrollen renommierte britische TV- und Theaterdarsteller wie Tobias Menzies, Lara Pulver und Charles Dance, die allesamt sichtlich Spaß dabei haben, die zweitklassigen Dialoge mit theatralischer Gravitas aufzusagen. Besonders Dance, der bereits im „Underworld: Awakening“ mit von der Partie war und in „Dracula: Untold“ ebenfalls eine vergleichbare Rolle spielte, macht sich als Vampirfürst einfach verdammt gut und hat auch ohne goldenen Löwen auf dem Banner eine beeindruckende Präsenz.

Fazit: „Underworld: Blood Wars“ kann man wirklich nur Hardcore-Fans der Filmreihe empfehlen, und selbst diese dürften von diesem, selbst an den Maßstäben des Franchise gemessenen, uninspirierten und öden Sequel eher enttäuscht werden.

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Halloween 2017:
Prämisse
Lovecrafts Vermächtnis: The Courtyard/Neonomicon/Providence
Geschichte der Vampire: Dracula – Bram Stokers Roman
ES
Das Spiel

Siehe außerdem:
Underworld

Blade Runner 2049 – Ausführliche Rezension

Spoiler nach dem ersten Absatz!
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In einem Zeitraum von gerade einmal zwei Jahren kehrt Harrison Ford zu seinen beiden ikonischen Science-Fiction-Rollen zurück – nach Han Solo ist nun also auch Rick Deckard ein weiterer Auftritt auf der großen Leinwand vergönnt. „Blade Runner“ ist nun freilich ein völlig anderes Biest als das Star-Wars-Franchise. Wo George Lucas‘ Space Opera ein durchbrechender Erfolg war, erlitt Ridley Scotts Film an den Kinokassen erst einmal Schiffbruch und entwickelte sich langsam über die Jahre hinweg zum Kultfilm (nicht zuletzt dank diverser Schnittfassungen, da sich das Studio bei der ursprünglichen Kinofassung eingemischt hatte). Aus diesem Grund erscheint eine Fortsetzung zu „Blade Runner“ aus rein finanzieller Sicht auch ein wenig merkwürdig: Scotts Film ist zwar ein Sci-Fi-Klassiker, hatte aber nie den Mainstream-Reiz von Star Wars. Dementsprechend vorhersehbar ist auch die Reaktion auf „Blade Runner 2049“: Von Kritikern wird er im Großen und Ganzen äußerst positiv bewertet, an den Kinokassen dagegen geht er eher unter und hat es bislang noch nicht einmal geschafft, sein Budget wieder einzuspielen. Deshalb würde ich fast davon ausgehen, dass es sich bei „Blade Runner 2049“ für Sony gezielt um ein Prestige-Projekt handelt, das eine ähnliche Wirkung wie der Vorgänger entfalten soll, denn dass dieser bei der breiten Masse nicht gut ankommen würde, war eigentlich von vornherein klar. Zudem hat man bei Sony dem Regisseur Denis Villeneuve, der mit seinen bisherigen Filmen, darunter „Arrival“ und „Sicario“, im großen Stil Kritiker-Lob einheimste, weitgehend freie Hand gelassen und ihn nicht in die Blockbuster-Schablone gepresst – und das bei einem ziemlich ansehnlichen Budget von 150 Millionen Dollar. Dementsprechend fällt dann auch mein spoilerfreies Urteil aus (nach diesem Absatz nehme ich keine Rücksicht mehr): „Blade Runner 2049“ ist ein hochinteressanter und visuell opulenter, aber auch ein langsamer, ja fast schon behäbiger und zum Teil recht anstrengender Film (im positiven Sinn). Er verlangt eine Öffnung für die philosophische Thematik, mit der er sich auseinandersetzt, sowie Geduld und Sitzfleisch.

Harrison Ford träumt von elektronischen Schafen
Bevor ich mich mit Denis Villeneuves Film beschäftige, noch ein paar Worte zum Vorgänger und seiner Vorlage. „Blade Runner“ basiert lose auf dem 1968 erschienenen Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ von Philip K. Dick, den ich zur Vorbereitung auf den Film als Hörbuch konsumiert habe. Die vierzehn Jahre spätere veröffentlichte Filmadaption von Ridley Scott übernimmt allerdings nur die grobe Handlung und einige Figuren, macht aus der zugrunde liegenden Geschichte aber etwas Eigenes. Sowohl im Film als auch im Roman jagt Rick Deckard in einem dystopischen Los Angeles künstliche Menschen, die illegal auf die Erde gekommen sind. Die Unterschiede fangen allerdings schon bei den Fachbegriffen an. Besagte künstliche Menschen werden im Roman als „Androiden“ bezeichnet, im Film als „Replikanten“, ihre Jäger sind bei Dick „Bounty Hunter“, bei Scott dagegen „Blade Runner“ und die Firma, die die Androiden/Replikanten herstellt, trägt im Roman den Namen „Rosen Corporation“, im Film heißt sie dagegen „Tyrell Corporation“ (dementsprechend heißt Rachael Rosen im Film auch Rachael Tyrell). Neben der Thematik der künstlichen Menschen spielt im Roman darüber hinaus auch die Religion eine wichtige Rolle. In Dicks postapokalyptischem Los Angeles folgen fast alle Menschen den Dogmen des „Mercerism“ (zurückgehend auf den Propheten Wilbur Mercer), einer Religion, die menschliches und tierisches Leben sehr hoch schätzt, aber von Androiden nicht allzu angetan ist. Dementsprechend sind echte Haustiere auch das Statussymbol schlechthin, was Deckard im Verlauf des Romans immer wieder zu schaffen macht, weil er nur ein elektronisches Schaf besitzt (daher auch der Titel). All diese Aspekte spielen im Film keine Rolle. Dafür fehlt im Roman die Ambiguität – Deckard ist hier eindeutig ein Mensch, er ist verheiratet und führt den Test, mit dem festgestellt wird, ob man Android ist, an sich selbst durch.

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Rick Deckard (Harrison Ford) 30 Jahre später

Alles in allem ist der Roman weit gesprächiger und, in Ermangelung eines besseren Wortes, „intellektueller“ als der Film. Die Ideen und Konzepte, Menschlichkeit, Religion, Empathie, Künstlichkeit etc., werden bei Dick sehr ausführlich in Dialogen und inneren Monologen besprochen. Der Film dagegen bemüht sich eher, zumindest einige dieser Konzepte auf visueller und emotionaler Ebene zu vermitteln. Insgesamt ist Buch-Deckard sowohl geschwätziger als auch unsympathischer als sein von Harrison Ford verkörpertes Gegenstück. Besagtes Gegenstück steht dafür mehr im Fokus – „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ zeichnet im größeren Maße das Bild einer zerfallenden Gesellschaft, während „Blade Runner“ persönlicher und intimer ist. Die Neo-Noir-Atmosphäre ist ebenfalls ein Element, das vor allem den Film auszeichnet – allgemein gibt es für die visuelle Opulenz im Roman nur wenige Grundlagen, da Dicks Beschreibungen eher spartanisch ausfallen. Insgesamt muss ich sagen, dass ich sowohl Roman als auch Film eher interessant finde – weder die Vorlage noch die Adaption haben eine tatsächliche Passion in mir hervorgerufen. Gerade „Blade Runner“ ist natürlich auch wegen des Einflusses, den dieser Film auf sein Genre hatte, von großem Interesse. Egal ob „Matrix“ oder die Star-Wars-Prequels (besonders die Verfolgungsjagd in „Angriff der Klonkrieger“), die Ästhetik von Scotts Film ist bei dystopischen Großstadtlandschaften kaum wegzudenken.

Handlung

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Niander Wallace (Jared Leto)

Wir schreiben das Jahr 2049, 30 Jahre sind vergangen, seit Rick Deckard (Harrison Ford) als Blade Runner aktiv war. Die Tyrell Corporation, die für die Herstellung der Replikanten zuständig war, wurde nach einer größeren Katastrophe, Aufständen und einem globalen Stromausfall im Jahre 2022 von Niander Wallace (Jared Leto) übernommen und heißt seither Wallace Corporation, stellt aber nach wie vor Replikanten her, die den „natürlichen Menschen“ als speziell hergestellte Sklaven dienen. Einige der älteren Modelle sind aber nach wie vor auf der Flucht und werden von Blade Runnern zur Strecke gebracht. Der Replikant KD6-3.7, kurz K (Ryan Gosling) gehört dieser neuen Blade-Runner-Generation an. Auf einer Farm liquidiert er den Replikanten Sapper Morton (Dave Bautista), findet dort aber etwas sehr merkwürdiges: Die Knochen einer Replikantin, die im Kindbett starb, was eigentlich unmöglich sein sollte. Im Auftrag seiner Vorgesetzten Lt. Joshi (Robin Wright), die in einem natürlich geborenen Replikanten eine große Gefahr für die allgmeine Stabilität sieht, stellt K weitere Ermittlungen an, die ihn unter anderem auch zum Hauptquartier der Wallace Corporation führen, wo er der Replikantin Luv (Sylvia Hoeks) begegnet, die ihm Informationen über die experimentelle Replikantin Rachael Tyrell (eine rekonstruierte Sean Young) und ihre Verhältnis zu Rick Deckard gibt. Wie sich herausstellt, hat Niander Wallace großes Interesse an einem natürlich geborenen Replikanten, da er in ihm großes Potential sieht, weshalb er Luv befiehlt, sich an Ks Fersen zu heften. In K erhärtet sich derweil aufgrund von merkwürdigen Erinnerungen, von denen er dachte, sie seien künstlich, bis er einen Beweis findet, dass sie echt sind, der Verdacht, er selbst könne der natürlich geborene Replikant sein. Er folgt der Spur weiter und findet schließlich einen gealterten Rick Deckard in Las Vegas. Die Konversation der beiden wird jedoch von Luv unterbrochen, die Deckard mitnimmt und K zum Sterben zurücklässt. Dieser wird allerdings von den Mitgliedern einer Replikanten-Widerstandsgruppe gerettet; von ihnen erfährt er, dass er nicht das Kind von Deckard und Rachael sein kann, da sie eine Tochter hatten. Dennoch macht sich K nun daran Deckard zu befreien, um ihn zu seiner Tochter zu bringen…

Ästhetik und Dramaturgie
Wie schon „Blade Runner“ verfügt auch die Fortsetzung über extrem opulente und beeindruckende Bilder. Dabei gelingt es Villeneuve allerdings, nicht einfach nur die Ästhetik des Vorgängers zu kopieren, sondern auch eine völlig eigenständige Atmosphäre zu kreieren. Einige Einstellungen erinnern natürlich stark an das Original, gerade die Luftaufnahmen des futuristischen Los Angeles, aber „Blade Runner 2049“ verlässt, anders als Ridley Scotts Film, die urbane Landschaft immer mal wieder, sodass es weitaus mehr unterschiedliche Schauplätze gibt. Das ist auch einer der Hauptgründe, weshalb die Fortsetzung weniger klaustrophobisch wirkt als das Original, darüber hinaus wurde die Neo-Noir-Atmsophäre zurückgefahren. Stattdessen sind die verschiedenen Schauplätze stärker von einzelnen Farbfiltern geprägt, was ihnen eine unwirkliche, traumartige Qualität verleiht. Wo „Blade Runner“ ausschließlich dystopisch war, greift Villeneuve die postapokalyptischen Elemente von Dicks Roman auf ästhetischer Ebene wieder auf, wann immer wir zusammen mit K Los Angeles verlassen – die Welt außerhalb der urbanen Enklave ist ein verwüsteter, trostloser und lebensfeindlicher Ort.

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K (Ryan Gosling) und seine virtuelle Freundin Joi (Ana de Armas)

Auch dramaturgische orientiert sich Villeneuve durchaus am Original. Wie Scotts Film ist „Blade Runner 2049“ sehr getragen und sehr langsam. Beide Filme sind nicht wirklich spannend im herkömmlichen Sinn und können den Zuschauer, der nicht für sie bereit ist, mit ihrer behäbigen Art relativ schnell abschrecken. Auf die Fortsetzung trifft das in noch größerem Maße zu, da sie noch einmal deutlich länger ist als selbst der 2008 veröffentlichte Final Cut des Vorgängers. Villeneuve schwelgt regelrecht in den opulenten Bildern und kostet sie voll aus. Wie in Scotts Film sind die Dialoge und Erklärungen eher spärlich gehalten, sodass man als Zuschauer durchaus gefordert ist und nicht alles serviert bekommt. Selbst die abschließende Frage wird noch verhältnismäßig zweideutig beantwortet, ebenso wie die Frage aus dem Vorgänger, ob es sich bei Deckard nun um einen Replikanten handelt oder nicht (nun, zumindest Ridley Scott hat diesbezüglich eine sehr eindeutige Meinung).

Wie schon beim ersten Film ist die eigentliche Handlung relativ simpel und banal, es handelt sich letztendlich um eine sehr ausgedehnte Spurensuche mit erwartbarem Ausgang. Die Art und Weise, wie dieser Plot verarbeitet wird, ist das, was „Blade Runner 2049“ zu etwas Besonderem macht. In einem konventionelleren Sci-Fi-Film wäre die Replikantenverschwörung, auf die K letztendlich stößt, wahrscheinlich ein essentielles Handlungselement. Hier jedoch fungiert sie nur als nötiger Hintergrund und findet kaum mehr Beachtung, nachdem die Anführerin Freysa (Hiam Abbass) die nötige Exposition losgeworden ist. Villeneuve kümmert sich nicht um das Schicksal der Welt, ihn interessieren am Ende nur die Figuren. Die Handlung dient letztendlich vor allem dazu, die Atmosphäre auszukosten und den philosophischen Subtext zu vermitteln – alles andere ist zweitrangig.

Ein richtiger Junge: Von Replikanten und Hologrammen
Wie nicht anders zu erwarten war, setzt „Blade Runner 2049“ die Thematik des Vorgängers fort, kopiert sie aber erfreulicherweise nicht einfach nur, sondern gewinnt ihr neue Facetten ab. Augenscheinlich ist die Situation genau umgekehrt wie im Vorgänger, wo Deckard glaubt, ein Mensch zu sein und es dann Hinweise gibt, dass er ein Replikant ist, was ihn dann wiederum dazu veranlasst, Replikanten anders wahrzunehmen. Hier haben wir einen Replikanten als Protagonisten, der im Verlauf seiner Ermittlungen entdeckt, dass er zumindest „echt“ (also geboren) sein könnte. Damit greift Villeneuves Sequel relativ direkt die Pinocchio-Thematik auf – es gibt sogar eine ziemlich eindeutige Dialoganspielung. Eine weitere literarische Anspielung findet sich bei K selbst, der natürlich auf Franz Kafkas „Der Process“ verweist – auch das wird noch offensichtlicher, als K im Verlauf des Films den Namen Joe annimmt. Außer „Joe K“ selbst gibt es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von Figuren, die diese Thematik auf die eine oder andere Weise verkörpert. Da wäre natürlich vor allem Joi (Ana de Armas), Ks holografische Freundin, mit der Villeneuve und sein Drehbuchautoren Hampton Fancher und Michael Green im Grunde das Konzept von „Her“ aufgreifen und weiterdenken. Mehrfach fragt man sich, ob Joi nur ihrer Programmierung folgt oder tatsächlich so etwas wie Liebe für K empfindet.

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Die Replikantin Luv (Sylvia Hoeks)

Am anderen Ende des Spektrums befindet sich der von Jared Leto verkörperte Niander Wallace, der erblindet ist, aber dank diverser elektronischer Verbesserungen sehen kann und somit seinerseits schon ein halber Roboter ist. Und schließlich wäre da noch Ks Gegenspielerin und Gegenstück Luv, die an einen Terminator erinnert. Luv ist vor allem deshalb interessant, weil ihre Motivation nur angedeutet wird. Es scheint, als fühle sie sich sowohl von K, als auch von Rachael und dem geborenen Replikanten bedroht, weil sie sich für das fortschrittlichste Modell hält, dabei aber vollkommen empathielos bleibt. Im Verlauf des Films jagt sie K immer energischer und gnadenloser. Was „Blade Runner 2049“ im Vergleich zum Original allerdings fehlt, ist die Ambiguität bei der Figurenzeichnung. Luv und Wallace sind interessant, aber auch eindeutig böse, anders als etwa der von Rutger Hauer verkörperte Roy Batty im Original, der letztendlich äußerst sympathisch war und eigentlich Recht hatte.

Musik
Ursprünglich sollte Denis Villeneuves Stammkomponist Jóhann Jóhannsson, mit dem er bereits an „Arrival“, „Sicario“ und „Prisoners“ zusammenarbeitete, auch für „Blade Runner 2049“ die Musik schreiben. Allerdings entschieden Villeneuv und das Studio schließlich, dass Jóhannssons Ansatz nicht zu dem passte, was sie erreichen wollten; stattdessen entschloss man sich, stilistisch in stärkerem Maße auf Vangelis‘ ursprünglichen Score zurückzugreifen. In dieser Situation taten sie, was die meisten Regisseure und Studios in dieser Situation tun: Sie wandten sich an Hans Zimmer und Remote Control Productions. Letztendlich komponierten Zimmer selbst sowie Benjamin Wallfisch, der dieses Jahr mit „A Cure for Wellness“ und „ES“ bereits zwei exzellente Horror-Scores ablieferte, für Villeneuve die Musik, wobei wie üblich unklar ist, wer für was verantwortlich ist. Ich persönlich denke, dass Zimmer die Richtung vorgegeben hat, während Wallfisch den Löwenanteil der tatsächlichen Kompositionsarbeit erledigt hat – das ist aber nur eine unbestätigte Vermutung. Wie dem auch sei, leider bleibt „Blade Runner 2049“ weit hinter den beiden erwähnten Wallfisch-Scores zurück. Schon bei „Arrival“ habe ich festgestellt, dass Villeneuves Herangehensweise an Filmmusik mir nicht unbedingt zusagt, und das hat sich hier noch einmal bestätigt. Zudem gehört Vangelis‘ Score für „Blade Runner“ auch nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Beide Scores haben durchaus einige Gemeinsamkeiten: Das dominante „Instrument“ ist der Yamaha CS-80 Synthesizer, dieser sorgt für die fast schon ikonischen, getragenen Klänge, die bereits „Blade Runner“ dominierten und auch in „Blade Runner 2049“ zu vernehmen sind. Darüber hinaus funktionieren beide Scores nicht wirklich leitmotivisch, sondern eher als untermalende Klangtapete. Der größte Unterschied ist die Art und Weise, wie besagte Klangtapete in das Gefüge des Films eingearbeitet ist. Vangelis‘ Musik wurde von Ridley Scott sehr behutsam eingesetzt, sie wirkte fast schon wie ein Teil der erzählten Welt des Films, ohne dabei aber zu reinem Sounddesign zu verkommen. Dieser Einsatz der Musik sorgte für die sehr spezielle Stimmung, die „Blade Runner“ ausmachte. Dasselbe lässt sich leider nicht über die Musik von „Blade Runner 2049“ sagen. Hier habe ich dasselbe Problem wie bei „Verblendung“, „Stranger Things“ oder „Dunkirk“: Es gibt kaum etwas, dass die Musik und die einzelnen Szenen miteinander verknüpft, im Grunde ist alles ziemlich austauschbar. Der Score reagiert nicht auf den Film, er spiegelt weder die Handlung wieder, noch sagt er etwas über die Emotionen der Protagonisten aus. Im Grunde gibt es nur zwei Modi: Getragene Synthesizer-Klänge (die aber anders als beim Vorgänger kaum Emotionen ausdrücken; Vangelis setzte, im Gegensatz zu Zimmer und Wallfisch, tatsächlich Melodien ein) und elektronisches Dröhnen, das vage an „Dunkirk“ erinnert und mich mitunter aus dem Film gerissen und ziemlich genervt hat – und das sollte ein Score niemals tun. So gelungen „Blade Runner 2049“ sonst auch ist, der Score ist die Schwachstelle und ich fürchte, dass er letztendlich auf meiner Worts-of-Liste des Jahres 2017 landen wird.

Fazit
Ist „Blade Runner 2049“ ein weiteres Meisterwerk des Science-Fiction-Films? Ich bin mir da ehrlich gesagt noch nicht ganz sicher. In mancher Hinsicht hat er mir durchaus besser gefallen als das Original, das Sequel ist visuell noch beeindruckender, K ist als Protagonist einnehmender und die Bearbeitung der Thematik „künstlicher Mensch vs. echter Mensch“ finde ich ebenfalls gelungener. Zugleich lässt Villeneuvs Film die Ambiguität bei der Figurenzeichnung vermissen, ist, allein aufgrund der Länge, anstrengender und der Score ist auch deutlich schwächer. Ich denke, „Blade Runner 2049“ ist ein Film, der sein volles Potential erst nach mehrmaliger Sichtung entfaltet.

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Siehe auch:
Arrival