Batman: Der weiße Ritter

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„The Lego Batman Movie“ war zweifellos eine der besten Batman-Geschichten der letzten Jahre, die sowohl im Real- als auch im Animationsbereich die Konkurrenz weit hinter sich ließ. Der Film funktioniert zugleich als Parodie und liebevolle Dekonstruktion, der es gelingt, jeden Aspekt von Batmans Geschichte mit einem Augenzwinkern zu integrieren, wobei die Beziehung zwischen Batman und dem Joker im Mittelpunkt steht. Manch einer mag sich nun gefragt haben: Könnte das auch in ernster Form funktionieren? Comic-Szenarist und -Zeichner Sean Murphy hat sich diese Frage wohl bewusst oder unbewusst auf jeden Fall gestellt, denn die Graphic Novel „Batman: Der weiße Ritter“ scheint genau auf dieser Prämisse zu basieren: Was würde dabei herauskommen, wenn man die Handlung von „The Lego Batman Movie“ nicht als bunte Parodie, sondern als düsteres Drama erzählen würde?

Tatsächlich beginnen Comic und Film fast identisch, nämlich mit einer Auseinandersetzung zwischen Batman und dem Joker, in der es nicht so sehr um das eigentliche Verbrechen des Jokers geht, sondern um die Symbiose der beiden. Im Film wie im Comic möchte der Joker, dass Batman sich eingesteht, dass beide aufeinander angewiesen sind, und beide Versionen von Batman wollen das natürlich nicht wahrhaben. Hier endet die Konfrontation damit, dass Batman seinen Erzfeind vor den Augen Nightwings, Batgirls und der Polizei von Gotham brutal zusammenschlägt. Anschließend verfolgt Murphy die thematische Prämisse weiter, wählt aber einen deutlich anderen Handlungsverlauf: Der Joker wird gesund. Dank eines neuartigen Mittels, das ein wenig zu sehr nach Plot-Convinience stinkt, wird aus Batmans Erzfeind wieder Jack Napier, ein rationaler Mensch, der erkennt, dass Batmans Kampf gegen das Verbrechen Gotham schadet. Als geläuterter Ex-Superschurke versucht Napier nun, Batman auf scheinbar (die Betonung liegt auf scheinbar) legalem Weg das Handwerk zu legen und seine schädliche Selbstjustiz zu beenden.

Die Idee, die Rolle von Held und Schurke zu tauschen, ist nun nicht allzu revolutionär, in DCs Multiversum gibt es eine ganze Erde, die auf dieser Prämisse basiert und mit dem Crime Syndicate of America über eine Anti-Justice-League, in der es mit Owlman auch ein böses Batman-Gegenstück gibt, das, je nach Version, gegen den Jokster bzw. Jester, eine heroische Version des Jokers kämpft. Auch im Elseworlds-Bereich findet sich diese Idee das eine oder andere Mal, etwa in „Catwoman: Guardian of Gotham“. In diesem, nicht allzu gelungenen Zweiteiler, sind es Batman und Catwoman, die die Rollen tauschen, wobei Batman allerdings nicht zum Catowman-artigen Antihelden, sondern zum rotäugigen Psychopathen wird. Wie dem auch sei, Sean Murphy baut seine Graphic Novel zwar auf dieser Prämisse auf, bemüht sich aber, nicht nur mit einer einfachen Umkehrung zu arbeiten. Gerade zu Anfang zeigt er eine Version von Batmans Welt, die sich sehr nah der der normalen Kontinuität orientiert; Batgirl trägt ein Kostüm das an das der Rebirth-Comics erinnert. Im Verlauf zeigt sich aber, dass sich Sean Murphys Gothams City durchaus von dem des Standard-DC-Univerums unterscheidet. Viele Elemente, etwa Jason Todds Tod durch die Hand des Jokers oder Mister Freezes Hintergrund, wurden zwar übernommen, aber mit einem neuen Twist versehen. Insgesamt bemüht sich Murphy, keine einfachen Wege zu gehen; die beiden Figuren tauschen nicht einfach nur die Rollen, sie werden als weitaus komplexere und vielschichtigere Figuren dargestellt, die man nicht einfach einem simplen Gut/Böse-Schema zuordnen kann.

Dabei ist „Der weiße Ritter“ kaum weniger meta als „The Lego Batman Movie“. Das geht schon beim Titel los, der natürlich auf „The Dark Knight“ verweist; tatsächlich bekommt der Joker hier eine ähnliche, dem Dunklen Ritter entgegengesetzte Rolle wie Harvey Dent in Nolans Film. Auch sonst strotzt die Graphic Novel nur so vor Anspielungen und Kommentaren. So hat sich der Joker beispielsweise eine neue Harley Quinn zugelegt (ein Verweis auf die Episode „Joker’s Millions“ aus „Batman: The Animated Series“), die sehr stark an die Version der Figur aus David Ayers „Suicide Squad“ erinnert. Die ursprüngliche Harley, die anschließend auftaucht und die neue Version kritisiert, dürfte dagegen vielen Fans, die mit dem neuen Design der Figur in Film und Comics nicht einverstanden sind, aus der Seele sprechen. Auch sonst finden sich Anspielungen en masse, sei es das „Bat-Zimmer“ des Jokers, in dem sich primär Memorabilia aus Tim Burtons „Batman“ und „Batman: The Animated Series“ finden, über den wahren Namen des Jokers (Jack Napier, ebenfalls aus Burtons Batman) und Batmans Kostüm, das wie eine Mischung aus Millers Dunklem Ritter und dem ursprünglichen Anzug aus Detective Comics 27 wirkt, bis hin zu den diversen Batmobilen am Schluss, die natürlich ebenfalls aus den Filmen und Serien stammen.

Insgesamt setzt sich Murphy auf sehr gelungene Weise sowohl mit der Beziehung zwischen Batman und dem Joker (und auch der Beziehung zwischen Joker und Harley sowie Batman und seinen Verbündeten) als auch den Auswirkungen, die ein Vigilant wie Batman auf eine Stadt hätte, auseinander. Umso beeindruckender ist, dass Murphy auch noch für die Zeichnungen verantwortlich war. Sein Strich ist sehr leicht und elegant; es gelingt ihm gut, visuelle Anspielungen an die legendären Batman-Zeichner der Vergangenheit unterzubringen, dabei aber individuell zu bleiben. Besonders merkt man ihm die Liebe zum Stil von „Batman: The Animated Series“ an.

Fazit: „Batman: Der weiße Ritter“ ist zweifelsohne eine der besten Batman-Geschichten der letzten Jahre. Wer gerne wüsste, wie eine ernste Version des „Lego Batman Movie“ mit ähnlichen Qualitäten aussieht, sollte unbedingt zugreifen.

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The Lego Batman Movie

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Justice League vs. the Fatal Five

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Story: Im 31. Jahrhundert attackieren Tharok (Peter Jessop), Persuader (Matthew Yang King) und Mano (Philip Anthony-Rodriguez), drei Mitglieder des Superschurkenteams Fatal Five das Hauptquartier der Legion der Superhelden, um an ihre Zeitsphäre zu kommen und in die Vergangenheit zu reisen, in der die verbliebenen beiden Mitglieder des Teams gefangen sind. Der mental etwas instabile Legionär Star Boy (Elyes Gabel) wird mit in das 21. Jahrhundert gerissen, wo er als erstes auf Batman (Kevin Conroy) trifft, der ihn ins Arkham Asylum verfrachtet. Schon bald stellt sich allerdings heraus, dass Star Boy nicht halluziniert. Die Justice League, bestehend aus Batman, Superman (George Newbern), Wonder Woman (Susan Eisenberg), Miss Martian (Daniela Bobadilla), Mister Terrific (Kevin Michael Richardson) und Green Lantern (Diane Guerrero) braucht seine Hilfe, denn wenn es Tharok, Persuader und Mano gelingt, ihre Anführerin Emerald Empress (Sumalee Montano) zu finden, wird es für Gegenwart und Zukunft unangenehm…

Kritik: Das DC Animated Universe, speziell natürlich „Justice League“ und „Justice League Unlimited”, sind nach wie vor die Messlatte, an der sich alle anderen Adaptionen von DCs größtem Superheldenteam messen lassen müssen. Dementsprechend gibt es unter den Fans schon seit langem den Wunsch nach einer Fortsetzung des beliebten Serienuniversums. Nach so vielen Jahren haben Bruce Timm und Co. die Fanwünsche nun endlich erhört, zuerst mit „Batman und Harley Quinn“ und nun auch mit „Justice League vs. the Fatal Five“. Ersterer Film war für mich leider eine ziemliche Enttäuschung. „Justice League vs. the Fatal Five“ ist zum Glück weitaus besser gelungen und schafft es, nicht nur optisch, sondern auch bezüglich Atmosphäre und Stimmung an das Vorbild anzuknüpfen und sich tatsächlich wie eine Folge aus besagten Serien anzufühlen. Qualitativ reicht „Justice League vs. the Fatal Five“ allerdings nicht an die Crème de la de Crème des DCAU heran und kann weder „Starcrossed“ noch dem Cadmus-Arc das Wasser reichen. Der Film ist zweifelsohne kompetent und kurzweilig, wächst aber auch nie über sich hinaus.

Das mag für mich persönlich auch damit zusammenhängen, dass ich kein allzu großer Fan der Legion der Superhelden bin; dieses Team hat mich nie wirklich angesprochen, was auch auf die Fatal Five zutrifft. Gerade in Bezug auf die Schurken ist dieser Film leider relativ schwach; die Fatal Five tun, was sie tun, weil sie eben Superschurken sind. Nicht, dass das im DCAU nicht auch schon oft genug vorgekommen wäre, aber die besten Schurken zeichneten sich eben durch nachvollziehbare oder zumindest interessante Motivationen aus.

Bei den Helden sieht es da schon besser aus. Wer allerdings erwartet, all die liebgewonnen Recken der zweiten Reihe aus „Justice League Unlimited“ wie Question, Black Canary, Huntress oder Green Arrow wiederzusehen, wird enttäuscht werden, selbst die sieben Gründungsmitglieder sind nicht alle zugegen. Immerhin ist mit Batman, Superman und Wonder Woman DCs Trinität vollständig. Zwei weitere Figuren, Green Lantern und Martian Manhunter, werden durch jüngere, weibliche Versionen vertreten. Dann ist da noch Mister Terrific, der seine Rolle aus JLU als Koordinator weiterführt, sonst aber nicht allzu viel beiträgt, und natürlich Star Boy, um den sich ohnehin alles dreht. Im Kontext der Handlung sind Star Boy und Green Lantern – hier fungiert Jessica Cruz als Ringträgerin – die interessantesten Figuren. Beide haben gewisse mentale Probleme, die bei Protagonisten im DCAU auf diese Weise noch nicht vorkamen. Da der Film nicht einmal eineinhalb Stunden dauert und doch eine ganze Menge an Figuren unterbringen muss, bleiben die mentalen Zustände dieser beiden Figuren eher oberflächlich; ein Film, der sich ausschließlich mit ihnen beschäftigt, wäre vielleicht sogar interessanter gewesen. Miss Martian, der dritte Neuzugang, ist da konventioneller. Sie fungiert als junge Heldin, die nach der Anerkennung der alten Hasen, speziell der Batmans sucht, und am Ende natürlich in die Liga aufgenommen wird.

Sprechen wir noch über den Platz dieses Films im DCAU und die alte Kontinuitätsgeschichte. Wie alle derartigen Universen hat auch das DCAU die übliche Anzahl an Ungereimtheiten, Fehler und Retcons, die bei einem solchen Unterfangen, das sich organisch aus mehreren Serien entwickelt hat, zu erwarten sind. Nicht nur das Design, auch die Wahl der Sprecher und nicht zuletzt der Soundtrack, in dem großzügig von den bereits etablieren DCAU-Leitmotiven, die direkt oder indirekt auf die große Shirley Walker zurückgehen, Gebrauch gemacht wird, verankern diesen Film recht eindeutig im DCAU. Hinzu kommen diverse subtile Anspielungen und Verweise; es finden sich allerdings auch einige eher fragwürdige Vorkommnisse. So zögern Bruce Timm und Co. nicht, nun auch Elemente zu integrieren, die in den Comics erst nach dem Ende des DCAU eingeführt wurden. Dazu gehören neben dem Nolan’schen Gleitcape des Dunklen Ritters, das er in JLU definitiv noch nicht besaß, vor allem Miss Martian und Jessica Cruz; Erstere tauchte nach „Infinite Crisis“ als Mitglied der Teen Titans auf, Letztere wurde erst im Rahmen der New-52-Justice-League-Serie zur Green Lantern. In bester JLU-Manier hält sich „Justice League vs. the Fatal Five“ nicht groß mit ihrer Origin auf, sondern nimmt und benutzt einfach nach Lust und Laune. Man merkt dem Film an, dass die Macher nicht unbedingt ein groß angelegtes JLU-Revival anstrebten, sondern einfach nur eine Geschichte mit diesen Figuren erzählen wollten, die mehr oder weniger zufällig im DCAU spielt.

Fazit: „Justice League vs. Fatal Five“ ist eine unterhaltsame Rückkehr ins DCAU, die weitaus gelungener und befriedigender ausfällt als „Batman und Harley Quinn“, aber nach wie vor hinter Folgen und Handlungssträngen wie „Starcrossed“ oder dem Cadmus-Arc zurückbleibt.

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Batman und Harley Quinn

The Death of Superman

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Story: Eigentlich könnte alles gut: Superman (Jerry O’Connell) ist Mitglied der Justice League, Beschützer von Metropolis und schafft es auch endlich, sich seiner Freundin Lois (Rebecca Romijn) zu öffnen. Trotz Hemmungen schafft er es, ihr zu gestehen, dass er Superman ist. Unglücklicherweise kommt just in diesem Moment das Monster Doomsday auf die Erde und schaltet einen nach dem anderen die komplette Justice League aus. Nur der Mann aus Stahl kann die übermächtige Kreatur stoppen…

Kritik: „The Death of Superman“ war das Comicereignis der frühen 90er, mit dem DC gegen rückläufige Verkaufszahlen vorgehen wollte. Darüber hinaus gilt es als Paradebeispiel des gestorbenen und wieder zurückgekehrten Helden; diese Handlungsentwicklung wurde in den folgenden Jahren und Jahrzehnten in derart inflationärem Ausmaß angewendet, dass es inzwischen kaum noch einen Superhelden bei DC oder Marvel gibt, der nicht schon einmal gestorben und wiederauferstanden ist. Dennoch gilt „The Death of Superman“ als essentieller Teil des Superman-Kanons, obwohl ich gestehen muss, dass ich nur Teile dieses doch recht umfangreichen Handlungsbogens gelesen habe. Auch adaptiert wurde er schon mehrfach; zum ersten Mal, zumindest teilweise, im Rahmen der Serien „Justice League“ und „Justice League Unlimited“, die in verschiedenen Episoden Elemente wie die Kreatur Doomsday oder auch Supermans (vermeintlichen) Tod und sein Begräbnis übernahmen, diesen jedoch einen neuen Kontext gaben.

Als Warner 2007 die Reihe „DC Universe Animated Original Movies“ startete, war mit „Superman: Doomsday“ eine Adaption von „The Death of Superman” der erste Eintrag in dieser Filmreihe – es handelt sich dabei allerdings um eine sehr kondensierte Umsetzung, die keinen besonders guten Ruf genießt und ziemlich vergessenswert ist. Auch für „Batman v Superman: Dawn of Justice“ wurden Elemente aus „The Death of Superman” aufgegriffen (vornehmlich der Tod Supermans durch Doomsday), aber ein weiteres Mal in völlig anderem Kontext.

Die im Juli 2018 erschienene zweite direkte Adaption der Story, dieses Mal mit dem Originalnamen, gehört ebenfalls zu den „DC Universe Animated Original Movies“ und, mehr noch, zu den Filmen dieses Labels, die miteinander verknüpft sind und aufeinander aufbauen. Dieses „DC Animated Movie Universe“ ist in gewissem Sinne der Nachfolger des grandiosen und unerreichbaren DCAU und basiert größtenteils auf den New-52-Comics. Mit „The Judas Contract“ wurde allerdings bereits einmal eine weitaus ältere Geschichte für diese Kontinuität adaptiert, und mit „The Death of Superman“ verhält es sich ähnlich. Ich muss zugeben, ich bin nicht der größte Fan des „DC Animated Movie Universe“, der Animationsstil sagt mir nicht allzu sehr, viele der New-52-Geschichten lassen eher zu wünschen übrig und ganz allgemein können es diese Filme einfach nicht mit dem DCAU aufnehmen.

Allerdings muss ich zugeben: „The Death of Superman“ ist schon ziemlich gelungen und zeigte vor allem, wie sehr „Batman v Superman“ bei der Umsetzung dieses Stoffes doch versagt hat. Trotz der ziemlich geringen Laufzeit schafft der Film es, die Figuren und ihren Platz in der Geschichte passend zu etablieren. „The Death of Superman“ zeichnet sich weder durch eine besonders komplexe Handlung, noch durch Innovation aus, funktioniert aber. Man könnte diesen Film als „ökonomisch“ im positiven Sinne bezeichnen: Er steckt sich ein Ziel und erreicht dieses schnörkellos und auf direktem Weg – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das gilt besonders für die emotionale Ebene. Dabei profitiert „The Death of Superman“ durchaus davon, dass die Figuren bereits etabliert wurden, zugleich sind die anderen Filme des „DC Animated Movie Universe“ aber tatsächlich nicht essentiell, denn alles, was man wissen muss, wird durch Dialoge und Figureninteraktion knapp, aber eben nicht zu knapp, etabliert. Trotz des Umstandes, dass man weiß, wie die Geschichte letztendlich ausgeht, funktioniert der letztendlich Tod Supermans eben doch auf emotionaler Ebene. Anders als bei „Batman v Superman“ spürt man das Gewicht der Entscheidungen und was alles auf dem Spiel steht, wenn Doomsday nicht aufgehalten wird.

Natürlich hängt die Effektivität von „The Death of Superman“ auch mit den Sprechern zusammen, Jerry O’Connell und Rebecca Romijn machen einen sehr guten Job und vermitteln die Emotionen ihrer Figuren glaubhaft. Auch Rosario Dawson als Wonder Woman fand ich sehr gelungen. Mit Jason O’Mara als Batman und Rainn Wilson als Lex Luthor habe ich dagegen eher Probleme – nicht, dass sie per se schlecht wären, aber Kevin Conroy und Clancy Brown haben die Messlatte im DCAU nun einmal derart hochgelegt, dass nur wenige sich daran messen können.

Fazit: „The Death of Superman“ ist eine überraschend gelungene Umsetzung der gleichnamigen Story, geradlinig, aber emotional. die noch einmal zeigt, auf welch eklatante Art und Weise „Batman v Superman“ versagt hat.

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Titans Staffel 1

Spoiler!
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Es wird langsam unübersichtlich, denn die Anzahl der verschiedenen, parallel laufenden DC-Kontinuitäten wächst immer weiter. Die beiden primären Vertreter sind das „Arrowverse“, die miteinander verknüpften Fernsehserien des Senders „The CW“ (darunter „Arrow“, „The Flash“ und „Supergirl“) und natürlich das durch „Aquaman“ mehr oder weniger wiederbelebte DC Extended Universe. Davon losgelöst sind die Serien „Gotham“ und „Krypton“, die Prequel-Geschichten zu Batman und Superman erzählen, aber weder dem DCEU noch dem „Arrowverse“ zugehörig sind. Warners hauseigener Streamingdienst „DC Universe“ macht munter weiter. Die erste Eigenproduktion trägt den Titel „Titans“ und basiert (eher lose) auf den „Teen Titans“ und den diversen Ablegercomicserien wie „New Teen Titans“, „The Titans“ etc. Auf den ersten Blick wirkt „Titans“ ein wenig, als versuche Warner damit, ein Gegenstück zu den Marvel-Netflix-Serien zu kreieren. Ob das wirklich so ist lässt sich natürlich nur schwer sagen, in jedem Fall ist „Titans“ aber ein ziemlich merkwürdiges Konglomerat, das einige der selben Eigenheiten und Schwächen aufweist wie die frühen DCEU-Filme – primär „Batman v Superman“.

Handlung

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Robin/Dick Grayson (Brenton Thwaites)

Robin alias Dick Grayson (Brenton Thwaites) hat genug davon, Batmans Handlanger zu sein und macht sich in Detroit Selbstständig. Mehr oder weniger zufällig läuft ihm die 16-jährige Rachel Roth (Teagan Croft) über den Weg, deren Mutter ermordet wurde und der merkwürdige Gestalten hinterherjagen. Nicht weniger merkwürdig ist Kory Anders (Anna Diop), die völlig ohne Erinnerung zu sich kommt und feststellen muss, dass sie über auf Hitze basierende Superkräfte verfügt. Ihr einziger Anker ist Rachel – ohne dass sie wüsste, weshalb. Es kommt, wie es kommen muss: Robin, Rachel, Kory und ein grünhaariger Gestaltwandler namens Garfield Logan (Ryan Potter) schließen sich zusammen, um hinter das Mysterium zu kommen und natürlich Rachel vor Bedrohungen zu beschützen. Dabei stoßen auf diverse andere Superhelden, etwa die Doom Patrol, das Duo Hawk (Alan Ritchson) und Dove (Alan Ritchson), Jason Todd (Curran Walters), Dicks Nachfolger als Robin, und das ehemalige Wonder Girl Donna Troy (Conor Leslie).

Die (Teen) Titans – ein kurzer Abriss
Die Teen Titans existieren bereits seit dem Jahr 1964 (erster Auftritt in The Brave and the Bold #54) und bildeten eine Art Junior-Justice-League. Das ursprüngliche Team setzte sich aus den drei Sidekicks Robin (Dick Grayson), Kid Flash (Wally West) und Aqualad (Garth) zusammen, bald darauf kamen Wonder Girl (Donna Troy) und Speedy (Roy Harper) hinzu. In gewisser Weise kann man die Entwicklung der Titans sehr gut mit Marvels X-Men vergleichen: In beiden Fällen handelt es sich um Teams, die sich in ihrer ersten Inkarnation aus Teenagern zusammensetzten und anfangs nur bedingt erfolgreich waren. Erst in den 70ern und 80ern gewannen sie enorm an Popularität, als sich bestimmte Kreativteams ihrer annahmen (bei den X-Men Chris Claremont und John Byrne, bei den Titans Marv Wolfman und George Pérez). Und sowohl bei den X-Men als auch bei den Titans gelten die Storys besagter Kreativteams als die die im Grunde definitive Version, auf die sich alle nachkommenden Geschichten und Adaptionen immer wieder beziehen. Das gilt ganz besonders für „The Judas Contract“, quasi das Titans-Gegenstück zur „Dark Phoenix Saga“. Wolfman und Pérez machten aus Dick Grayson Nightwing und schufen die Figuren Starfire, Cyborg, Raven und Deathstroke, ohne die die Titans heute kaum mehr denkbar sind.

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Rachel Roth/Raven (Teagan Croft)

In den 90ern und 2000ern machten die Titans einige Wandlungen durch und wurden immer wieder neu aufgelegt. Ironischerweise lernte ich das Team in einer Inkarnation kennen, zu der keines der ursprünglichen Teammitglieder gehört. Auch die Teen Titans fielen dem Trend der 90er-Neudefinitionen zum Opfer, für seine Teen-Titans-Serie schuf Autor und Zeichner Dan Jurgens vier brandneue Figuren, denen er den verjüngten Justice-League-Helden The Atom an die Seite stellte. Im Verlauf der Serie spielten die diversen Titans-Inkarnationen dann aber trotzdem noch eine überaus wichtige Rolle. Weitere nennenswerte Titans-Serien sind „Titans“ von Devin Grayson und „Teen Titans“ von Geoff Johns – vor allem Erstere gilt als eine der besten Darstellungen des Teams.

Die Animationsserie „Teen Titans“ darf natürlich nicht übergangen werden. Auch wenn sie gut zehn Jahre danach lief (von 2003 bis 2006) finden sich auch hier wieder Parallelen zu den X-Men, denn in beiden Fällen sorgten die Zeichentrickserien dafür, dass das jeweilige Team einem größeren Publikum bekannt wurde. Ich persönlich habe immer gewisse Probleme mit der Teen-Titans-Serie, sie ist mir ein wenig zu knallig und überdreht und die Interpretation des Auftragskillers Deathstroke (Slade Wilson) als Meisterverbrecher „Slade“ sagt mir nicht wirklich zu, aber insgesamt ist es definitiv keine schlechte Serie, vor allem wenn die Bezüge zu Wolfman und Pérez in den späteren Staffeln größer werden.

Thema verfehlt
In den vielen Jahrzehnten, die die Titans nun schon existieren, hat sich ein Thema in so gut wie jeder Inkarnation immer deutlich abgezeichnet: Familie. Die ursprünglichen Titanen waren ein Zusammenschluss junger Helden, die etwas Abstand von ihren Mentoren suchten und dabei andere junge Helden anzogen. Spätere Teams setzten sich oft aus einigen ursprünglichen, inzwischen erwachsenen Titans mit Mentorfunktion und einer Gruppe an neuen Junghelden zusammen.

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Kory Anders/Starfire (Anna Diop)

Die Serienentwickler Akiva Goldsman, Geoff Johns und Greg Berlanti nehmen dagegen Figuren und einige Plotelemente und schaffen daraus keine Superhelden-Teamserie, in dem die Dynamik oder das Verhältnis der Mitglieder im Vordergrund steht, sondern eine Mystery-Serie mit snyderesquen Superheldenelementen. Eines der Hauptanliegen von „Titans“ scheint es, dem Publikum zu zeigen, wie kaputt die Superhelden sind. Nicht, dass das nicht ein Thema wäre, das man grundsätzlich verarbeiten könnte (auch wenn „Watchmen“ das nun einmal bereits sehr ausführlich und gelungen getan hat), es hat nur nichts mit den Titans zu tun. Das wirklich traurige ist, dass die Titans in dieser ersten Staffel nicht einmal auftauchen. Die einzelnen Mitglieder der klassischen Formation der Animationsserie (minus Cyborg) tauchen zwar alle als Hauptfiguren auf, agieren aber nie wirklich als Team. Wenn man ohne Vorkenntnisse an diese Serie herangeht, fragt man sich, wieso sie überhaupt „Titans“ heißt.

Die Lösung wäre eigentlich relativ simpel, wollte man sich der Thematik wirklich annehmen: Johns, Goldsman und Berlanti hätten das Ganze als Outsiders-Serie aufziehen müssen. Die Outsiders, ursprünglich von Batman in den 80ern ins Leben gerufen, später in diversen Inkarnationen von Nightwing/Dick Grayson und Red Hood/Jason Todd (in seinem Fall nennt sich das Team „Outlaws“) angeführt, sind thematisch weit weniger gebunden und eignen sich weitaus besser, um grimmige Geschichten mit kaputten Helden zu erzählen. Zu allem Überfluss gibt es viele Helden, die zum einen oder anderen Zeitpunkt sowohl Mitglied der Titans als auch der Outsiders waren, diesbezüglich könnte es also durchaus Überschneidungen geben.

Handlungsaufbau und Figuren
„Titans“ greift einen zentralen Handlungsstrang der Wolfman/Pérez-Ära auf. Deren Serie „New Teen Titans“ begann mit dem Auftauchen Ravens, die im Kampf gegen ihren Dämonenvater Trigon Hilfe sucht und so die Neuformierung der Titans veranlasst. Die Serie basiert in sehr, sehr groben Zügen auf diesem Handlungsbogen, zieht ihn aber, wie bereits erwähnt, eher als Mystery-Serie mit Superheldenelementen auf. Strukturell scheint man sich dabei durchaus ein wenig an der Netflix-Serie „Daredevil“ orientiert zu haben. In dieser wurde die eigentliche Haupthandlung zugunsten ausführlicher, charakterbildender Einschübe und Flashback-Episoden angehalten – „Titans“ macht gerne dasselbe. Der Unterschied ist, dass bei „Daredevil“ letztendlich alles zusammenkam und eine stringente Geschichte erzählt wurde (zumindest in den Staffeln 1 und 3). „Titans“ dagegen mäandert ziemlich. Ironischerweise gehören die Episoden, die abschweifen, etwa die beiden, die sich mit Hawk und Dove beschäftigen, oder die Doom-Patrol-Episode, zu den besten der Serie. Gerade die Doom Patrol, die in Kürze in dieser Besetzung ihre eigene Serie bekommt, war sehr vorlagengetreu umgesetzt (zumindest, soweit ich das sagen kann, da ich nur eine Handvoll Comics mit ihr gelesen habe) und Hawk und Dove waren zumindest interessant.

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Garfield Logan/Beast Boy (Ryan Potter)

Die Charakterisierung und Darstellung der eigentlichen Titans ist dagegen bei so ziemlich allen leicht bis ziemlich daneben. Beginnen wir bei Robin, der als Posterboy und Protagonist der Serie fungiert, was an sich schon ein Problem ist, da diese Serie nun einmal „Titans“ und nicht „Robin mit Anhang“ heißt. Der eigentliche Plot dreht sich um Raven/Rachel Roth, dient aber im Grunde nur als Aufhänger dazu, Robin in diverse Situationen zu bringen. In so ziemlich jeder der elf Folgen drängt sich Robin immer wieder in den Vordergrund, was dafür sorgt, dass so gut wie keine Teamdynamik entsteht. Und dann wäre da natürlich die eigentliche Charakterisierung von Batmans Ex-Sidekick. Wo die Serie letztendlich mit ihm hinmöchte, ist klar: Robin soll sich endgültig von Batman emanzipieren und zu Nightwing werden (wer sehen möchte, wie so etwas richtig gemacht wird, ziehe die Episode „Old Wound“ aus „Batman: The Animated Series“ zu Rate). Gleichzeitig wird er hier aber als ultrabrutaler vorgehender Vigilant gezeigt, was einfach nicht so recht zusammenpassen will. Es wird etabliert, dass Robin, wenn er das Kostüm trägt, immer in einen regelrechten Gewaltrausch verfällt. Der Teil von Robins Charakterentwicklung, der aus den Comics stammt, beißt sich mit den Elementen, die von den Autoren für die Serie hinzugefügt wurden. Insgesamt passt diese Robin-Interpretation besser zu Jason Todd, der, nebenbei bemerkt, in „Titans“ Gastauftritte hat, im Grunde aber relativ überflüssig ist, weil nun zwei psychopathische Robins durch die Gegend rennen, der eine hinterfragt sich ein wenig, der andere überhaupt nicht. Das wirft natürlich die Frage auf, mit was für einem Batman wir es in dieser Kontinuität zu tun haben – mit seiner Menschenkenntnis kann es ja nicht allzu weit her sein.

Die anderen Figuren sind aufgrund des Robin-Fokus sehr unterentwickelt und funktionieren primär über ihre Beziehung zu Robin. Dementsprechend ist Beast Boy quasi überflüssig; er stößt als letzter dazu und hat im Grunde keine Beziehung zu Robin, weshalb er ein bloßes Anhängsel bleibt. Raven/Rachel hat das meiste Potential und hätte eine gute Hauptfigur abgeben können, hätte man sie in den Fokus gerückt. So, wie es ist, fungiert sie aber primär als Plotkatalysator, was einfach zu wenig ist, wenn sie zumindest theoretisch Zentrum der Handlung ist. Mit der klassischen Comic-Inkarnation hat sie verhältnismäßig wenig zu tun, am ehesten erinnert sie an die relativ junge Raven aus Geoff Johns‘ und Judd Winicks „Teen Titans“ bzw. „Titans“.

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Hank Hall/Hawk (Alan Ritchson) und Dawn Granger/Dove (Minka Kelly)

Und dann hätten wir da natürlich noch Starfire, deren visuelle Umsetzung bereits im Vorfeld zu massiven Kontroversen führte. Und um das mal vorneweg klarzustellen: Mir (und ich denke den meisten anderen Fans auch) geht es nicht darum, dass Starfire von einer afroamerikanischen Schauspielerin dargestellt wird – tatsächlich denke ich, dass Anna Diop keine schlechte Besetzung ist. Es geht darum, dass die Figur in dieser Serie weder optisch noch charakterlich etwas mit der Comicfigur zu tun hat. Starfire ist ein Alien, das sich nie als Mensch tarnen konnte oder wollte. Darüber hinaus frage ich mich ernsthaft, weshalb sie in der Serie wie eine Vegas-Prostituierte herumläuft, denn einen handlungsrelevanten Grund dafür gibt es nicht. Ja, die Comicversion zieht sich auch gerne sehr freizügig an, aber in den Comics ist das tatsächlich mit ihrer Herkunft und der Natur ihrer Kräfte begründet. Ihr Look in der Serie dagegen ist einfach nur bizarr.

Umsetzung
„Titans“ ist die erste speziell für Warners DC-Streamingdienst produzierte Serie und nimmt somit eine Vorreiterrolle ein. In diesem Kontext fragt man sich, was sich die Verantwortlichen eigentlich gedacht haben. Selten findet man eine derart unebene Serie wie „Titans“. Da gibt es hin wieder wirklich gelungene Szenen, gerade im Action-Bereich, und dann sieht die Serie wieder aus wie ein Fan-Film. Das CGI ist zu Beginn ziemlich schlecht und wird im Verlauf der Staffel noch schlechter, so dass es wirkt, als wäre während der Produktion das Geld ausgegangen. Das trifft auch auf das allgemeine Niveau der Produktion zu: Manche Kostüme sind wirklich gut gelungen, andere dagegen sind einfach nur peinlich – besonders erwähnenswert ist der Batsuit in Episode 11. Noch gravierender sind die vielen Fehler und Merkwürdigkeiten, die sich einschleichen. In einer Szene verstecken sich die Figuren in einem Motel, in der nächsten sind sie plötzlich in einer Trainingshalle, um ihre Kräfte auszutesten, ohne dass das angemessen kontextualisiert würde. Es gibt eine ganze Reihe von ähnlichen Beispielen, oft greifen Szenen einfach nicht ineinander.

Gerade für Fans der Comics gibt es auch viele Anspielungen und Verweise, denn „Titans“ bemüht sich, mit geringen Mitteln ein relativ umfassendes DC-Universum zu etablieren. Der gesamte Batman-Kosmos wird immer wieder angerissen, die Doom Patrol, Hawk und Dove und Wondergirl haben Gastauftritte und Wonder Woman und Superman werden immerhin erwähnt. Dummerweise verheddert sich die Serie immer wieder in diesen Anspielungen und Verweisen, sodass sie letztendlich hohl bleiben und auch uns Comic-Fans keine Freude bereiten. Easter Eggs können eine gute Handlung bereichern, wenn sie sinnvoll eingebaut werden, aber sie können eine gute Handlung nicht ersetzen.

Man muss es „Titans“ allerdings lassen, dass es der Staffel dennoch trotz aller Widrigkeiten gelingt, einen gewissen Spannungsbogen zu erzeugen, der zumindest mich dazu veranlasst hat, alle elf Folgen in relativ kurzer Zeit anzuschauen. Nach jedem Lichtblick hofft man, dass es aufwärts geht, nur um dann immer wieder enttäuscht zu werden. Der Höhe- bzw. Tiefpunkt ist dann die finale Episode, die abermals einiges an Potential hat, dieses aber gekonnt in den Boden rammt. Tatsächlich sollte besagte Folge eigentlich die vorletzt sein, während die nun in die zweite Staffel verschobene zwölfte das eigentliche Staffelfinale hätte darstellen sollen. Nun endet die erste Staffel von „Titans“ mit einem ziemlich abrupten Cliffhanger, der dafür sorgt, dass sie sich wie eine Anhäufung verschiedener kürzer Geschichten, aber nicht wie eine narrative Einheit anfühlt.

Fazit: Es war ja schon abzusehen, aber „Titans“ ist ein ziemlicher Griff ins Klo, der auf Teufel komm raus versucht, aus den Titans etwas zu machen, was sie einfach nicht sind. Das immer wieder aufblitzende Potential und die eine oder andere gute Idee sorgen dazu für ziemlich große Frustration. Umso mehr verwundert mich der extrem hohe Rotten-Tomatoes-Wert und die vielen positiven Rezensionen, die man allenthalben liest.

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Geschichte der Vampire: Dracula – Der gezeichnete Graf

Denkt man an Adaptionen von Bram Stokers Roman, kommen einem normalerweise sofort die Filme in den Sinn, aber auch im Bereich Comic treibt sich der berühmteste Vampir der Literaturgeschichte herum – und zwar in einem fast ebenso erschöpfenden Ausmaß wie in der Filmwelt. Comics, die Dracula in der einen oder anderen Form adaptieren oder zumindest integrieren, und sei es nur als Gag, finden sich sehr häufig – von Comics, in denen der Graf selbst nicht auftaucht, die aber trotzdem von ihm inspiriert sind, gar nicht erst zu sprechen.

The Tomb of Dracula (Marv Wolfman u.a., Gene Colan, 1972-79)
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Unter den amerikanischen Comics der Titan in Bezug auf Stokers Grafen: Die Serie „The Tomb of Dracula“ lief von 1972 bis 1979 und umfasste 70 Ausgaben sowie einige Crossover- oder andere Sonderhefte. Bis in die 70er waren Vampire in Mainstream-Comics eine komplizierte Angelegenheit, da der Comics Code jegliche Art von Horror verbat. Als sich die Bestimmungen des Comics Code dann allerdings langsam lockerten, kamen Horror-Comics auch wieder aus dem Untergrund. Sowohl DC als auch Marvel nahmen sich des Sujets an – während DC Eigenkreationen wie Swamp-Thing ins Rennen schickte, verfuhr Marvel ganz ähnlich wie schon mit der nordischen Mythologie: Auch der Fürst der Vampire wurde ins Marvel-Universum integriert – wobei es relativ selten zu tatsächlichen Überschneidungen zwischen „The Tomb of Dracula“ und Marvels Superheldenserien kam. Auch andere Figuren aus Stokers Roman wurden übernommen: Quincy Harker, Jonathan und Minas Sohn, im Epilog des Romans ein kleines Kind, fungiert als alternder Vampirjäger, während Abraham van Helsing Enkelin Rachel sich ebenfalls an der Vampirjagd beteiligt.

Einige Autoren schrieben für „The Tomb of Dracula“, aber es ist primär Marv Wolfman, der für den anhaltenden Erfolg der Serie verantwortlich war. Die visuelle Gestaltung der Serie blieb dagegen konstant, denn Gene Colan zeichnete alle 70 Ausgaben. Visuell lehnte er Dracula dabei nicht an Christopher Lee oder Bela Lugosi an, sondern orientierte sich an der derzeit aktuellsten Version der Figur, dargestellt von Jack Palance in einer britischen Fernsehproduktion aus dem Jahr 1973.

Was die inhaltliche Darstellung der Figur angeht, so versucht diese nicht, die Titelfigur allzu sympathisch zu darzustellen, wie es etwa Fred Saberhagen in seinem Roman „The Dracula Tapes“ tat. Stattdessen verfahren Wolfman und die anderen Autoren der Serie mit ihm nicht ganz unähnlich wie mit einem populären Marvel-Superschurken: Ein gewisses Maß an Komplexität (mehr, als sich in Stokers Roman findet) wird zugelassen, aber letztendlich ist der Graf dennoch zweifelsfrei böse. Ansonsten ist „The Tomb of Dracula“ vor allem für das Debüt eines ganz bestimmten Vampirjägers bekannt: Blade feierte seinen Einstand auf den Seiten dieser Serie, auch wenn er sich visuell und charakterlich noch stark von der von Wesley Snipes dargestellten Version der Figur unterschied. In dem Drehbuchautor und Regisseur David S. Goyer in „Blade: Trinity“ Dracula zum Schurken des Films machte, schloss sich dann auch der Kreis, wobei die von Dominic Purcell dargestellte Figur weder mit Stokers noch mit Wolfmans Graf allzu viel zu tun hat.

Dracula: Die Graphic Novel (Leah Moore, John Reppion, Colton Worley, 2009)
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Bei dieser Graphic Novel, adaptiert von Alan Moores Tochter Leah sowie John Reppion und bebildert von Colton Worley, handelt es sich um die direkteste Comicumsetzung von Stokers Roman, die mir bislang untergekommen ist. Moore und Reppion folgen der Handlung sehr genau und integrieren so oft wie möglich Teile von Stokers Originaltext. Auch die Beschreibungen des Romans werden sehr genau umgesetzt, besonders, was den Grafen selbst angeht. Wie im Roman tritt er zuerst als alter, in schwarz gekleideter Mann auf, der im Verlauf der Handlung kontinuierlich jünger wird. Der vielleicht interessanteste Aspekt ist der Umstand, dass Moore und Reppion auch den ursprünglich von Stoker weggelassenen Prolog, der später von seiner Witwe als Kurzgeschichte „Draculas Gast“ herausgegeben wurde, wieder in die Handlung integrieren. Wer also eine sehr romantreue Adaption sucht, macht mit „Dracula: Die Graphic Novel“ wohl wenig falsch. Mich konnte sie dennoch leider nicht völlig überzeugen, was primär mit Colton Worleys visueller Umsetzung zusammenhängt. Von Zeichnungen kann man eigentlich kaum reden, es handelt sich eher um gemalte Bilder, die allerdings zumindest auf mich wirken, als wären sie komplett am Computer entstanden. Worleys Stil sagt mir im Zuge von Stokers Geschichte schlicht nicht zu, die Panels wirken regelrecht steril und auch die Kolorierung weiß nicht wirklich zu überzeugen, weshalb kaum Atmosphäre aufkommt.

Bram Stoker’s Dracula (Roy Thomas, Mike Mignola, 1992)
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Dieser Comic hat einen besonderen Platz in meinem Herzen, denn er ist eine der ersten Versionen von „Dracula“, die ich konsumiert habe. Es handelt sich hierbei um die Comicadaption zu „Bram Stoker’s Dracula“, nach dem Skript von James v. Haart, umgesetzt von Roy Thomas und gezeichnet von Mike Mignola. Alles, was der Adaption von Moore, Reppion und Worley fehlt, findet sich hier – und das ist ausschließlich Mignola zu verdanken. Wer Mignolas andere Arbeiten, primär die Hellboy-Comics, kennt, weiß, dass er sich wie kein zweiter darauf versteht, herrlich dichte, gotisch-finstere Atmosphäre zu erzeugen. Auch hier fängt er die Stimmung des Films mit seinen markanten, tiefen Schatten ein. Darüber hinaus gelingt es ihm, auch die Figuren passend in Szene zu setzen, sodass sie einerseits ihren Darstellern ähneln, es aber, wie bei so vielen anderen Filmcomics, nicht wirkt, als habe er Standbilder abgezeichnet. Inhaltlich hält sich dieser Comic ebenso dicht an seine Vorlage wie „Dracula: Die Graphic Novel“, weshalb ich weitere Details erst im Filmkontext besprechen werde.

Dracula (Pascal Groci, Françoise-Sylvie Pauly, 2009)
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Wechseln wir nun von den anglo-amerikanischen amerikanischen Comics mal ein wenig zu den frankobelgischen. Nach eigener Aussage plante der französische Zeichner Pascal Groci gut 20 Jahre lang eine wie auch immer geartete Dracula-Adaption, bevor sie 2009 (unter Mitarbeit von Grocis Szenaristin Françoise-Sylvie Pauly) veröffentlicht wurde. Herausgekommen ist eine visuell äußerst ansprechende, aber stilistisch doch äußerst eigenwillige Umsetzung. Der Comic teilt sich in zwei Teile bzw. Bücher: Der erste beschäftigt sich mit Vlad dem Pfähler und trägt auch den Titel „Der Prinz der Walachei Vlad Țepeș“. Rahmen der Handlung ist ein Gespräch zwischen Bram Stoker und einem fiktiven Archivar des British Museum, in dem es natürlich um Vlad Tepes geht. Der eigentliche Plot dreht sich um eine mögliche Vampirwerdung Vlads, bei der auch dessen (historisch verbürgte) Frau Prinzessin Cneajna eine Rolle spielt. Für die Vampirwerdung ist letzten Endes eine Vampirin verantwortlich, die sich als Maler tarnt und mit der Croci, quasi als Abschluss, auch eine Verknüpfung zu LeFanus Carmilla und zur in „Draculas Gast“ erwähnten Gräfin Dolingen von Gratz macht. Die Panels sind visuell beeindruckend gestaltet, leider ist die Handlung aber äußerst sprunghaft und auch ziemlich inkohärent, da Groci und Pauly viel mit Andeutungen arbeiten.

Das zweite Buch, „Die Sage nach Bram Stoker“, ist eine partielle Adaption von Stokers Roman. Groci und Pauly verwenden dabei fast ausschließlich Stokers Originaltext, entscheiden sich aber für eine äußerst eigenwillige Herangehensweise, die ein wenig an modernes Theater erinnert: Man sieht den Grafen kein einziges Mal, an seine Stelle treten Schatten, Statuen oder anders geartete, zumeist architektonische Andeutungen. Mich erinnert diese Herangehensweise ein wenig an eine Inszenierung von Wagners „Der fliegende Holländer“ die ich einmal gesehen habe, in der man das titelgebende Schiff ebenfalls nie sieht – es wird immer nur suggeriert. Nebenbei entfernen Groci und Pauly auch diverse Nebenfiguren und -handlungsstränge, darunter Quincy Morris, Arthur Holmwood und John Seward. Auch hier gilt: Die graphische Umsetzung weiß durchaus zu gefallen, Grocis Bilder sind äußerst atmosphärisch, sie sind aber kaum eine wirkliche Umsetzung der Handlung des Romans, sondern eher zeichnerische Eindrücke der Recherchereisen nach Rumänien und England, die Groci unternommen hat. Dennoch, wer nach einer Dracula-Adaption der etwas anderen Art sucht und nicht allzu hohe Ansprüche an die Handlung setzt, könnte mit diesem zweiteiligen Werk durchaus glücklich werden.

Auf Draculas Spuren (Yves H., Hermann, Séra, Dany, 2006)
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Bei „Auf Draculas Spuren“ handelt es sich um eine dreibändige Comicserie, die sich mit verschiedenen Hintergründen des Romans auseinandersetzt. Autor aller drei Bände ist Yves H., die Zeichnungen stammen von unterschiedlichen Künstlern. Der erste Band, „Vlad der Pfähler“, setzt sich mit Vlad Țepeș auseinander, bleibt dabei aber eher oberflächlich und szenenhaft. Wer ohnehin bereits mit dem Leben des historischen Dracula vertraut ist, gewinnt leider kaum Mehrwert, während ein Leser, der über keine Vorkenntnisse verfügt, schnell verwirrt sein dürfte, da es dem Comic kaum gelingt, die politischen Hintergründe ausreichend zu erklären. Die Zeichnungen des französischen Künstlers Hermann sind leider ebenfalls nicht allzu überzeugend; sie sind zwar teilweise durchaus detailliert, gerade die Gesichter muten dabei aber oft merkwürdig an. Hinzu kommt die matte Kolorierung, die verhindert, dass wirklich Atmosphäre aufkommt.

Der zweite Band, „Bram Stoker“, ist sowohl inhaltlich als auch graphisch der Interessanteste. In extrem düsteren, poetischen Bildern, die ein wenig an eine Negativversion von Eddie Campbells Zeichnungen für „From Hell“ erinnern, erzählen Yves H. und Séra, der Zeichner dieses Bandes, die hochinteressante Geschichte eines abhängigen Mannes und wie er mit dieser Abhängigkeit umgeht. Dabei geht es allerdings nicht um Alkohol oder Drogen; Bram Stoker ist (bzw. war) abhängig von dem Schauspieler John Irving, von dessen Gunst und Wertschätzung. Stoker war Irvings Partner, Regisseur, Sekretär und Prügelknabe in einer Person und es ist äußerst faszinierend zu lesen, wie die Hassliebe zu seinem Arbeitgeber Stokers Roman beeinflusste.

Band 3 widmet sich dem Handlungsort „Transsylvanien“ und besitzt von allen drei Teilen den geringsten Mehrwert. Yves H. und sein Zeichner Dany schicken ein junges Pärchen, Dan und Marcia, durch Transsylvanien – er ist Comickünstler und reist nach Rumänien, um sich für einen anstehenden Vampircomic zu inspirieren, sie begleitet ihn. Was die beiden, neben Schauplätzen aus Vlad Draculas Leben erwartet, ist eine relativ konventionelle, leicht an Stokers Roman angelehnte Vampirgeschichte mit ein wenig Blut und Erotik. Die Zeichnungen wirken dabei merkwürdig fehl am Platz, Danys Stil passt eher zu humorvollen und weniger ernsten Comics; hier wirken die Zeichnungen, als hätte sich der Künstler gezwungen, etwas Ernstes und Düsteres zu machen und wäre daran gescheitert. Insgesamt lohnt sich also nur der zweite Band dieser dreiteiligen Reihe, die anderen beiden sind sowohl erzählerisch als auch visuell ungenügend bis enttäuschend.

Renfield: A Tale of Madness (Gary Reed, Galen Showman, 1995)
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Dieses und das nächste Werk haben einige Dinge gemeinsam. Auf beide bin ich durch Zufall beim Comichändler meines Vertrauens gestoßen und beide greifen ein bestimmtes Element aus Stokers Roman auf und schaffen daraus eine (mehr oder weniger) eigenständige Handlung. „Renfield: A Tale of Madness“ von Gary Reed und Galen Showman schildert die Ereignisse des Romans aus der Perspektive des Wahnsinnigen Renfield. Allzu viel Vorgeschichte wird nicht geboten, der Comic beginnt mit Renfields Ingewahrsamnahme und Einlieferung in Dr. Sewards Sanatorium. Reed zeigt, wie Renfield langsam Dracula verfällt und durch Visionen auch die eine oder andere Schlüsselstelle des Romans indirekt miterlebt (etwa Jonathan Harkers Begegnung mit den drei Vampirinnen auf Draculas Schloss). Gewürzt ist das Ganze, in bester Stoker-Tradition, mit eingestreuten Tagebucheinträgen und Briefen. Reeds spezifisches Vorhaben war es, diese Geschichte so zu erzählen, als handle es sich dabei um geschnittene Szenen des Originals, was ihm im Großen und Ganzen auch gelungen ist.

Visuell erinnerte der Comic ein wenig an Mike Mignolas Adaption von „Bram Stoker’s Dracula“ – tatsächlich könnte man sich durchaus vorstellen, dass eine Dracula-Adaption von Mignola, die sich nicht an diesem spezifischen Film orientiert, optisch in diese Richtung hätte ausfallen können. Zeichner Galen Showman zeichnet insgesamt zwar etwas detaillierter und weniger kantig als Mignola, arbeitet aber ebenfalls mit sehr ausdrucksstarken Schatten und Schwarzflächen, die besonders dann zum Einsatz kommen, wenn Dracula anwesend ist. Die Entscheidung, auf Kolorierung zu verzichten, erweist sich als äußerst gelungen und verstärkt die gotische Atmosphäre zusätzlich. „Renfield: A Tale of Madness“ ist somit eine äußerst gelungene und atmosphärische Ergänzung zu Stokers Roman.

Bram Stoker’s Death Ship (Gary Gerani, Stuart Sayger, 2010)
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„Bram Stoker’s Death Ship“ ist ähnlich konzipiert wie „Renfield: A Tale of Madness”, greift sich aber nicht eine Figur des Romans heraus, sondern eine Sequenz, und baut diese weiter aus: Das Tagebuch des Captains der Demeter, auf der Dracula in Whitby ankommt. Das bedeutet allerdings auch, dass „Death Ship“ weitaus eigenständiger funktioniert als „Renfield“, denn die einzigen beiden Figuren von Stoker sind der im Roman wie im Comic namenlose Captain sowie natürlich Dracula selbst. Die Crewmitglieder sind im Grunde komplett neue Figuren, da Stoker sie im Roman verständlicherweise nicht umfassend charakterisiert.

Das Problem hier ist, dass man als Leser natürlich schon weiß, wie die Geschichte endet und dass sie, anders als „Renfield“, „Dracula“ nicht wirklich anreichert. Konzipiert ist das Ganze letztendlich ähnlich wie „Alien“ (der Autor erwähnt es im Nachwort sogar selbst). Dracula ist hier fast ausschließlich ein Monster, das sich ein Besatzungsmitglied nach dem anderen krallt, lediglich am Ende gibt es eine kurze Interaktion zwischen dem Captain und Dracula, bei der sich der Graf als ungewöhnlich gnädig erweist. Ansonsten ist „Death Ship“ leider sowohl als Teil des „Dracula-Mythos“ als auch als eigenständige Geschichte eher enttäuschend – um als Ersteres zu funktionieren, fehlt der Mehrwert, und für Letzteres mangelt es an Spannung oder interessanten Figuren. Die Zeichnungen von Stuart Sayger verdienen noch ein paar Worte: Sein Stil ist etwas eigenwillig und verwaschen. Während er durchaus gut Atmosphäre erzeugen kann, gefallen mir die zum Teil verzerrten Gesichter der Figuren überhaupt nicht.

Requiem, der Vampirritter (Pat Mills, Olivier Ledroit, ab 2000)
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Autor Pat Mills ist eigentlich ein britischer Schreiberling, mit „Requiem, der Vampirritter“ versuchte er sich aber auch an einer Serie im frankobelgischen Stil, die von Olivier Ledroit phänomenal graphisch umgesetzt wird. Die Handlung folgt dem jungen Wehmachtssoldaten Heinrich, der im Zweiten Weltkrieg umkommt und darauf hin in einem Jenseits der besonderen Prägung landet, in dem man nach dem Tod als mythische Kreatur wiedergeboren wird, je nach Art und Grad der Sünden im Leben. Die meisten normalen Menschen enden als Zombies, Kindsmörderinnen werden zu Harpyien, religiöse Fanatiker zu Werwölfen und die Schlimmsten der Schlimmsten – etwa Attila der Hunne, Aleister Crowley, Caligula, Nero, etc. – zu Vampiren. Dass in dieser Welt auch Vlad Țepeș ein Vampir ist, dürfte nicht weiter verwundern. Es handelt sich dabei aber nicht „nur“ um den historischen Vlad, es finden sich auch genug Stoker-Anleihen. Wie so oft fungiert Dracula, der hier wie im Roman als „Graf“ und nicht, wie es eigentlich sein müsste, als „Voivode“ oder „Fürst“ bezeichnet wird, als „König der Vampire“. Mehr noch, als einziger Vampir dieser jenseitigen Vorhölle wurde er bereits zu Lebzeiten auf Erden zum Blutsauger. Optisch erinnert dieser Dracula an wenig an eine stark übertrieben Version des Gary-Oldman-Draculas aus Francis Ford Coppolas Film, er verfügt über einen mächtigen Schnauzbart und trägt eine dunkelrote Rüstung. Allerdings ist dieser Dracula das pure Böse, verdeutlicht durch die schwarzen Engelsflügel auf seinem Rücken. Ähnlich wie der Roman-Dracula gibt es hier keinerlei Schattierungen, stattdessen haben wir einen Vampirfürsten ohne das geringste bisschen Mitgefühl, der mit Freuden die größten Untaten anrichtet.

Batman/Dracula: Red Rain (Doug Monech, Kelley Jones, 1991)
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Bei „Batman/Dracula: Red Rain“ handelt es sich um eine Elseworld-Geschichte: Im Rahmen dieses Labels haben DCs Kreativschaffende (in diesem Fall Autor Doug Moench und Zeichner Kelley Jones) freie Hand mit den Figuren, müssen sich nicht an die etablierte Kontinuität halten und dürfen die absurdesten Prämissen austesten, etwa: Was wäre, wenn Batman auf Dracula treffen würde. „Red Rain“ und die beiden Fortsetzungen „Bloodstorm“ und „Crimson Mist“ sind sehr interessante Batman-Geschichten, da Batman in ihnen letztendlich selbst zum Vampir wird und mit seinem Kodex auf einer Art und Weise konfrontiert wird, die normalerweise nicht möglich ist. In Bezug auf Dracula, der den ersten Band nicht überlebt, ist „Red Rain“ aber leider eher enttäuschend. Dracula ist hier kaum mehr als ein Vehikel, um den Vampirismus nach Gotham City zu bringen. Er ist ein stereotyp böser Vampirfürst, der über so gut wie keine individuellen Charakterzüge verfügt, nicht einmal optisch sticht er hervor – tatsächlich ist er kaum von Bruce Wayne zu unterscheiden. Im Grunde wird weder zu Stokers Romanfigur, noch zum historischen Dracula irgendeine Beziehung hergestellt. Lediglich ein ähnliches Ziel findet sich bei beiden Versionen: Wie London im Roman hat Dracula Gotham City als seine neuen Jagdgründe auserkoren, weil in einer Stadt wie dieser noch ein paar weitere Tote schlicht nicht auffallen.

The Batman vs. Dracula (Sam Liu, Brandon Vietti, Seung Eun Kim, 2005)
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Es existiert noch ein weiteres Zusammentreffen zwischen dem Dunklen Ritter und dem König der Vampire. Dieser Direct-to-DVD-Zeichentrickfilm aus dem Jahr 2005 ist eine Auskopplung der Serie „The Batman“ (nicht zu verwechseln mit der weit überlegenen „Batman: The Animated Series“), die ich aufgrund der thematischen Überschneidung noch im Rahmen dieses Artikels bespreche. Es handelt sich dabei nicht um eine Adaption von „Red Rain“, auch wenn die Grundprämisse eine ähnliche ist: Dracula kommt nach Gotham City und muss sich mit Batman messen. Im Gegensatz zu „Red Rain“ wird Batmans Schurkenriege in größerem Ausmaß mit einbezogen. Wo „Red Rain“ eher eine definitiv nicht jugendfreie Charakterstudie ist und den Fokus auf Batman und seinen Moralkodex legt, der die Wandlung Bruce Waynes zum Vampir überstehen muss, ist „The Batman vs. Dracula“ weitaus konventioneller und natürlich weniger drastisch. Dennoch finden sich hier weitaus mehr Anspielungen auf Stokers Roman und das popkulturelle Vermächtnis der Figur. So beginnt Dracula im Film als leichenartig ausgezehrtes Monstrum, um im Verlauf jünger und attraktiver zu werden. Der Pinguin übernimmt im Film die Rolle Renfields und legt ein ähnliches Gebaren an den Tag. Wie Bela Lugosis und Gary Oldmans Dracula mischt sich auch dieser Graf unter die feine Gesellschaft und spricht dabei mit osteuropäischem Akzent, während er visuell ein wenig an Christopher Lee angelehnt ist. Ähnlich wie in „The Tomb of Dracula“ wird der Vampirfürst hier als relativ typischer Superschurke charakterisiert, der eine Art vampirische Apokalypse nach Gotham bringen will (auch hier scheint Christopher Lees Graf Pate zu stehen, zumindest in einem der zahlreichen Hammer-Sequels hatte er schon einmal einen ähnlichen Plan). Das Problem hier ist, dass Dracula außerdem noch diverse, ziemlich widersprüchliche Motivationen und Ziele hat, die wirken, als hätte man sie aus den diversen bisherigen Inkarnationen zusammengestückelt, sodass der Graf in diesem Film einfach nicht besonders gut als Schurke für Batman funktioniert.

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Bram Stokers Roman

Bildquellen:
Tomb of Dracula
Dracula: Die Graphic Novel
Bram Stoker’s Dracula
Pascal Grocis Dracula
Auf Draculas Spuren
Renfield: A Tale of Madness
Bram Stoker’s Death Ship
Requiem: Der Vampirritter
Red Rain
Batman vs. Dracula

Das DC Extended Universe – Eine Retrospektive

Das DC Extended Universe ist tot. Je nach dem, wen man fragt, hat entweder „Justice League“ es umgebracht, oder es war von Anfang an eine Totgeburt – jedenfalls wurde es in diesem Jahr auf der Comic Con in San Diego quasi begraben. Das bedeutet dabei nicht, dass gewisse Aspekte nicht fortgesetzt werden, schließlich erwarten uns mit „Aquaman“ und „Wonder Woman: 1984“ zwei Filme, die direkt an „Wonder Woman“ und „Justice League“ anschließen. Ziehen wir doch zu Vergleichsaspekten noch einmal das Marvel Cinematic Universe heran. Zumindest bislang ist die Struktur klar: Die Avengers bzw. die Avengers-Filme stehen im Zentrum, auf sie arbeiten die anderen Filme hin, die beiden Infinity-War-Teile sind die vorläufige Kulmination. Ursprünglich sollte das DCEU ähnlich funktionieren, mit der Justice League als Gegenstück zu den Avengers. Die Saat ist gelegt: Steppenwolf ist kein Schurke, der wirklich für sich allein funktioniert, er gehört zum Kosmos der New Gods und verweist auf Darkseid. Mehr noch, in der Post-Credits-Szene von „Justice League“ wird die Legion of Doom/Injustice Gang/Injustice League angeteasert. Wegen des finanziellen Misserfolgs wird daraus aber nichts: Warner kündigte an, sich von nun an auf einzelne Filme konzentrieren zu wollen, die entweder formal an die bisherigen anknüpfen (siehe „Aquaman“ und „Wonder Woman: 1984“) oder etwas völlig Selbstständiges darstellen (in diese Kategorie fällt der Joker-Film mit Joaquin Phoenix). Zusammenkünfte, Crossover oder sonstige Großereignis sind dagegen erstmal vom Tisch.

Nebenbei bemerkt: Der Name „DC Extended Universe“ war wohl nie offiziell, hat sich aber festgesetzt, wohl auch, weil Warner sich nie die Mühe gemacht hat, das in irgendeiner Form richtig zu stellen. Gegenwärtig könnte dieses Über-Filmfranchise „Worlds of DC“ heißen, was subtil auf ein Multiversum hindeutet. Oder auch nicht. Der Einfachheit werde ich aber trotzdem weiterhin vom DCEU sprechen, einfach aus Gewohnheit.

Superman Begins – Nolans Fluch
DC ist düster und grimmig, während Marvel lustig und leichtherzig ist, nicht wahr? Ehrlich gesagt kommt mir als langjährigem Comicleser beider Verlage diese Einschätzung als ziemlich inkorrekt vor. Diese Wahrnehmung entstand in den späten 2000er-Jahren und ist primär auf diverse Verfilmungen zurückzuführen, hält einer ausgiebigeren Betrachtung aber nicht stand. Der größte ursprüngliche Unterschied findet sich in den 60ern, als die Verlage zu den Giganten der amerikanischen Comicindustrie wurden, die sie heute sind, und gerade im Fall von Marvel auch die meisten Figuren entstanden. Unter Stan Lees Ägide legte Marvel bei den Superhelden den Fokus auf die Geheimidentität und die menschlichen Aspekte, statt auf die Superkräfte und das Übermenschentum – kein DC-Held musste sich in dieser Zeit wie Spider-Man mit finanziellen Problemen oder wie die X-Men mit Außenseitertum herumschlagen. Im Verlauf der jeweiligen Verlagsgeschichte finden sich sowohl bei DC als auch bei Marvel ein gerüttelt Maß an düsteren und grimmigen Geschichten. Die Wahrnehmung von DC als „düster und erwachsen“ ist vor allem auf Chris Nolans Dark-Knight-Trilogie zurückzuführen.

Schon mehrfach hat sich gezeigt, dass Warner ein Studio ist, das gerne den einfachen Weg geht, wobei diese Mentalität in Hollywood generell weit verbreitet ist: Etwas funktioniert? Dann machen wir so lange damit weiter, bis es nicht mehr funktioniert. In diesem Fall ist es die düstere, grimmige Herangehensweise. Besonders, nachdem sich sowohl „Superman Returns“ als auch „Green Lantern“ (dieser Film hätte eigentlich den Grundstein für ein DC-Filmuniversum legen sollen) als Flops erwiesen, verließ sich Warner auf das, was in den letzten Jahren funktionierte: Eine düstere, grimmige Herangehensweise und das Mitwirken von Chris Nolan und David S. Goyer.

Diese Einstellung wirkt sich enorm auf das fertige Produkt aus, was sich besonders bei „Man of Steel“ beobachten lässt. Dieser Film möchte so sehr „Batman Begins“ sein, dass es fast schon schmerzt. Das beginnt bereits bei der Flashback-Struktur, die hier aber weit weniger gut funktioniert, weil sie zum Gimmick verkommt. In Nolans fähigen Händen arbeiteten die Flashbacks mit der Gegenwartshandlung gut zusammen und ergänzten sich thematisch. Bei Zack Snyder dagegen wirkt die Struktur beliebig und eben deshalb vorhanden, weil „Batman Begins“ es vorgemacht hat. Als Zuschauer erleben wir Folgen von Clarks Entscheidungen, bevor wir die Entscheidung nachgereicht bekommen, was erzählerisch einfach sinnlos ist, weil Clarks Charakterentwicklung auf diese Weise ziellos umher mäandert. Ständig kommt die Antwort auf dramaturgisch sinnfreie Weise vor der Frage – das geht beim Prolog los, der zwar der visuell interessanteste Teil des Films ist, aufgrund des späteren Gesprächs zwischen Clark und Jor-El aber völlig redundant wird. Dadurch, dass wir als Zuschauer Clark immer schon diverse Schritte voraus sind, werden wir von ihm als Protagonist gleichzeitig distanziert. Im Vergleich dazu stellte Nolan bei „Batman Begins“ die Frage in der Gegenwartshandlung und beantwortete sie mit einem Flashback – also genau umgekehrt.

Auch in anderen Aspekten versucht „Man of Steel“ der Dark-Knight-Trilogie nachzueifern, sei es in Bezug auf Musik, die Charakterisierung des Protagonisten (dazu später mehr) oder die Bildsprache. Zumindest ich werde bei „Man of Steel“ das Gefühl nicht los, dass Snyder seinen eigenen Regiestil zugunsten einer Nolan-Imitation wenigstens teilweise aufgibt. Filme wie „300“, „Watchmen“ oder „Sucker Punch“ waren von kräftigen, ausdrucksstarken Farben geprägt, während „Man of Steel“ diverse visuelle Eigenschaften Nolans bis ins Extrem weitertreibt – alles ist in einem ausgewaschenen graublau gehalten, zusätzlich zu völlig sinnlosem Einsatz der Shaky-Cam. Manche dieser Stilmittel wurden bereits bei „Batman v Superman: Dawn of Justice“ wieder zurückgefahren, die inhaltlichen Probleme verschärfen sich dagegen noch.

Vorlage v Adaption – Probleme bei der Charakterzeichnung
Eine der größten Stärken der Dark-Knight-Trilogie ist die Balance zwischen Vorlagentreue und Eigenständigkeit. Während die Nolan-Brüder und Goyer keine Hemmungen haben, Elemente zu verändern oder die Figuren passend zur Thematik des jeweiligen Films anzupassen, erkennt man doch fast immer noch den Kern der Figur. Mehr noch, es gelingt ihnen, Handlungselemente der Comics unterzubringen, ohne dass diese wie Fremdkörper wirken. Die Trilogie funktioniert sowohl als eigenständige Einheit als auch als Adaption. Die Filme des DCEU dagegen (primär „Man of Steel“ und „Batman v Superman“) haben dagegen ein weitaus schwierigeres Verhältnis zu den entsprechenden Quellen. Sie versuchen dabei etwas ähnliches zu bewerkstelligen wie die Dark-Knight-Trilogie, zäumen das Pferd aber von der falschen Seite her auf. Einerseits haben Goyer, Snyder und der am Drehbuch von „Batman v Superman“ beteiligte Chris Terrio keine Probleme damit, Figurencharakterisierung und sonstige Gegebenheiten im Vergleich zur Vorlage radikal zu verändern, aber andererseits wird die Vorlagenkenntnis dennoch fast schon vorausgesetzt. Eines der besten Beispiel ist Zods Tod am Ende von „Man of Steel“: Dieser wird als essentieller Moment in Supermans Entwicklung inszeniert, der Mann aus Stahl schreit klagend auf, als er seinem Widersacher den Hals umdreht. Man fragt sich, weshalb. Natürlich, der Superman, den man aus den Comics kennt, ist ein Held traditioneller Prägung mit Aversion gegen das Töten. Für die in „Man of Steel“ auftauchende Version der Figur wurde diese Geisteshaltung jedoch nie etabliert. Der Film verlässt sich darauf, dass der Zuschauer mit Superman vertraut genug ist, um von selbst darauf zu kommen. Aber wieso sollte bei all den radikalen Veränderungen, denen Superman in diesem Film unterworfen wurde, gerade der moralische Kompass identisch mit dem des „normalen“ Superman sein? Die Zerstörung, die er in Smallville und Metropolis anrichtet, während er gegen Zod und dessen Handlanger kämpft, scheint ihn kaum zu tangieren.

Mit Batman verhält es sich kaum besser. „Batman v Superman“ vertraut quasi darauf, dass man als Zuschauer zumindest mit Nolans Interpretation der Figur vertraut ist, sodass man eine Entwicklung zu einem extremeren Batman wahrnimmt. Snyder, Goyer und Terrio etablieren allerdings kaum, was den Batman dieses Films eigentlich ausmacht. Eher nebenbei wird angedeutet, Batman gehe nun härter gegen Kriminelle vor, aber was genau das bedeutet, wird nicht klar. Hat dieser Batman schon früher Kriminelle links und rechts in die Luft gejagt? Hat er jemals auf menschliches Leben Rücksicht genommen?

Unter dieser merkwürdigen Spaltung leidet sogar der titelgebende Konflikt des Films. Auch hier vertraut man darauf, dass Batman und Superman als ideologische Gegensätze wahrgenommen werden. Weil aber Snyder Superman konstant fast genauso interpretiert wie Batman, kommen beide letztendlich nur als arrogante Egomanen rüber. Einer der zentralen thematischen Konflikte, die bereits in „Man of Steel“ etablierten wurden, ist der Gegensatz zwischen Altruismus und Objektivismus. Ist Superman wegen seiner Kräfte verpflichtet, Menschen zu helfen? Gemäß dem von Ayn Rand (bekannte für Romane wie „Atlas Shrugged“ oder „The Founainhead“ sowie den anhaltenden Einfluss auf konservative und libertäre Strömungen, speziell in den USA) geprägtem Objektivismus ist er das nicht; dieser Philosophie zufolge ist niemand moralisch dazu verpflichtet, irgendjemandem zu helfen, da das höchste moralische Ziel das eigene Wohlergehen ist – Rand erhebt den Egoismus zur Tugend. Nun ist es nicht zwingend neu, dass Rand’sche Einflüsse ihren Weg in einen Konflikt zwischen Batman und Superman finden. Schon Batman in Frank Millers „The Dark Knight Returns“ zeigte, dass er durchaus vom Objektivismus geprägt ist. Superman ist hier allerdings sehr eindeutig als moralischer Gegenentwurf konzipiert. In „Batman v Superman“ sind sich beide Helden dagegen schlicht zu ähnlich, als dass der Konflikt zwischen ihnen tatsächlich funktionieren würde. Letztendlich geht es nicht um philosophische Gegensätze, auch nicht darum, was richtig oder falsch ist, es geht nur um die Egos der beiden Titelhelden. Batman fühlt sich durch Supermans Übermacht bedroht, während sich Superman letztendlich nur um einige wenige Menschen (Lois, seine Mutter) schert – man fragt sich, weshalb er überhaupt hin und wieder andere Menschen rettet. Am Ende werden die aufgeworfenen Fragen ohnehin nicht gelöst, noch nicht einmal bearbeitet; nachdem Batman herausfindet, dass seine und Supermans Mutter denselben Namen haben, sind sie plötzlich die besten Freunde. Gerade bei Superman führt der Einfluss von Ayn Rands Werken zu einer merkwürdigen Persönlichkeitsspaltung: Einerseits wird Superman überdeutlich als Jesus-Metapher inszeniert und soll von seinem Vermächtnis aus den Comics und vorherigen Adaptionen profitieren, in denen er der Inbegriff des Altruismus ist, andererseits ist seine Weltsicht vom Objektivismus geprägt.

Korrekturversuche
Die verbliebenen drei Filme des DCEU können im Großen und Ganzen als Reaktion auf die Rezeption von „Batman v Superman“ betrachtete werden. Von einer kleinen Gruppe lautstarker Fans, die der Meinung sind, genau so müsse ein DC-Film sein, einmal abgesehen, war die Reaktion bekanntermaßen äußerst negativ. „Batman v Superman“ ist, was im Fandom gerne mit Phrasen wie „grim dark“ oder, um den TV-Tropes-Jargon zu bemühne, „darkness induced audience apathy“ beschrieben wird. Als Korrekturversuch funktioniert „Wonder Woman“ noch am besten, da die von Gal Gadot dargestellte Amazone das Element des Films war, das mit Abstand am Besten aufgenommen wurde – mit „Wonder Woman“ hat Warner dem Publikum nicht nur mehr von dem gegeben, was es wollte, das Studio ließ Patty Jenkins auch verhältnismäßig freie Hand und ermöglichte es sogar, den Film vom DCEU losgelöst zu genießen. Mehr noch, „Wonder Woman“ gelingt es, einen eigenen Ton zu etablieren, der vom Zynismus der Snyder-Filme weit entfernt ist, sich aber nicht der MCU-Formel bedient und trotz allem gerade noch so im selben Universum spielen kann wie „Batman v Superman“. All das lässt sich über „Suicide Squad“ leider nicht sagen.

David Ayers „Suicide Squad“ ist ein wunderschönes Beispiel für den panischen Versuch eines Studios, einen Film zu retten; hier wurden genau die Fehler begangen, die „Wonder Woman“ später erfreulicherweise vermeiden konnte. Mit „Suicide Squad“ versuchte das Studio, ein DC-Gegenstück zu Marvels „Guardians of the Galaxy“ zu schaffen, was sich schon allein an der Art und Weise zeigt, wie populäre Songs im Film untergebracht wurden. Doch wo die Musikplatzierung in „Guardians“ wirklich Teil der Narrative, wirkt sie in „Suicide Squad“ bestenfalls plakativ und amateurhaft. Viel schwerer wiegt jedoch der Umstand, dass das Schurken-Team, gerade im Vergleich zu Batman und Superman, wie sie in Snyders Filmen präsentiert werden, zahnlos und zu gutmütig daherkommt – eben eher wie die Guardians denn eine tatsächlich aus Superschurken bestehende Gruppe. Hinzu kommen eine völlig banale Schurkin, eine fürchterliche narrative Struktur und Voilá, fertig ist der Totalausfall.

Mit „Justice League“ hat Warner dann endgültig das ins Kino gebracht, was alle befürchteten: Einen Abklatsch von „The Avengers“. Die Hintergründe um Zack Snyders Ausstieg nach dem Trauerfall in der Familie, Joss Whedons Übernahme und das Verlangen der Snyder-Fans nach einem ursprünglichen Cut, der vielleicht oder auch nicht existiert, je nach dem, wen man fragt, sollte ja nur allzu bekannt sein. Auch von Snyders ursprünglichen Plänen für die Liga schwirren durch’s Internet, denen zufolge die Mitglieder der Justice League alle psychisch und mental völlig kaputt sein sollten – man könnte fast meinen, Snyder hätte noch einmal „Watchmen“ drehen wollen. Wie dem auch sei, die fertige Version von „Justice League“ ist in erster Linie belanglos, eine mindere Version der Avengers, bedingt durch den panischen Versuch der Kurskorrektur Warners. Man merkt, dass das Studio gerade bei Batman und Superman versucht, die traditionelle Charakterisierung aus den Comics umzusetzen, aber wenn man das einerseits nur mithilfe von Nachdrehs tut und es andererseits gravierende Löcher zwischen diesem und den vorhergegangenen Filmen gibt, funktioniert das einfach nicht.

Quo Vadis, DCEU?

Wie bereits am Anfang erwähnt scheint Warner vom Konzept „Shared Universe“ wieder abzuweichen. Formal setzen „Wonder Woman: 1984“ und „Aquaman“ das DCEU fort, werden sich aber auf den jeweiligen Titelhelden konzentrieren und das größere DC-Universum außen vorlassen, zumindest nach dem, was man so hört. „Shazam“, dessen Trailer ebenfalls auf der San-Diego-Comic-Con vorgestellt wurde, scheint interessanterweise ebenfalls im DCEU zu spielen, obwohl das tonal noch weniger passt als „Justice League“ und die Grenze zur Selbstparodie überschreitet.

Batman – Dark Knight III: Die Übermenschen

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Frank Miller ist schon ein Kuriosum der besonderen Art: In den 80ern modernisierte er Batman mit seinen bahnbrechenden Werken „The Dark Knight Returns“ und „Batman: Year One“ und beeinflusste die Figur nachhaltiger als fast jeder andere Autor. Die Geschichten, die er im neuen Jahrtausend mit der Figur verfasste, werden dagegen oftmals (und auch durchaus zurecht) zu den schlechtesten Batman-Comics gezählt. Egal ob „All Star Batman and Robin, the Boy Wonder“ oder „The Dark Knight Strikes Again”, die Fortsetzung zu The Dark Knight Returns, Frank Miller scheint in beiden Fällen das Gespür für das Erzählen guter Geschichten verloren zu haben. Stilmittel, die kleinen Dosen gut funktionierten, wurden nun maßlos und bis zur Selbstparodie übertrieben. Da beginnt man sich dann freilich zu fragen, ob wirklich ein dritter Teil sein muss. Andererseits war Frank Miller an diesem wohl nur noch marginal beteiligt, während Brian Azzarello den Großteil der Schreibarbeit übernahm.

Bevor wir zum eigentlichen Comic kommen, ein paar Worte zum Titel. Wo es in der deutschen Version einen klaren Bezug zu Nietzsche gibt, verweist das Original „The Dark Knight III: The Master Race“ auf etwas geringfügig anderes – die korrekte Übersetzung wäre „Die Herrenrasse“. Nun ja, Miller hatte schon immer eine gewisse Nazi-Faszination.

Wie dem auch sei, inhaltliche knüpft die Handlung ziemlich direkt an „The Dark Knight Strikes Again“ an: Bruce Wayne gilt als tot, aber Carrie Kelly, ehemalige Trägerin des Robin-Kostüms, hat sich den Umhang ihres Mentors übergeworfen und sorgt auf den Straßen Gothams für Ordnung. Wonder Woman zieht derweil auf Themyscira ihre Kinder Jonathan und Lara auf, während der Vater, Superman, sich aus unerfindlichen Gründen in einem Eisblock befindet. Lara ist mit diesem Leben allerdings nicht mehr zufrieden und überredet The Atom, die Bewohner der Flaschenstadt Kandor zu entschrumpfen. Das klappt auch, allerdings zeigen sich besagte Bewohner, wie Superman Überlebende Kryptons, als nicht besonders dankbar. Zusammen mit Lara beginnen sie, die Erde zu übernehmen, da sie sich als den Menschen überlegen betrachten (man ahnt, woher der Titel des Werkes kommt). Nun müssen sich Batman, Superman und Wonder Woman ein letztes Mal zusammenraufen, um die Erde vor den Amok laufenden Kryptoniern zu verteidigen.

Kommen wir erst einmal zu den positiven Aspekten: Mir gefällt die visuelle Ausarbeitung. Die Zeichnungen stammen von Andy Kubert, dem es gut gelingt, einen Art Hybridstil zu kreieren, der irgendwo zwischen seiner eigenen Optik und der von Frank Miller liegt – kein Vergleich zu den unansehnlichen Miller-Zeichnungen in „The Dark Knight Strikes Again“. Miller selbst steuerte die Bilder für einige One Shots bei, die sich gezielt mit einzelnen Figuren auseinandersetzen. Millers Zeichnungen hier sind zwar immer noch eher unansehnlich, aber ebenfalls besser als seine anderen Arbeiten der letzten Jahre.

Leider gibt es trotz der ansprechenden Optik eine ganze Reihe anderer Probleme – viele der inhaltlichen Schwächen, die schon „The Dark Knight Strikes Again“ plagten, finden sich hier abermals. Da wäre zum einen der Umstand, dass man nur mit sehr viel gutem Willen überhaupt von einer Batman-Story sprechen kann. Ja, auch in „The Dark Knight Returns“ kamen andere Helden des DC-Universums vor, aber der Fokus lag ohne Frage auf Batman, der Dunkle Ritter stand im Zentrum der Geschichte. Hier jedoch spielt er kaum mehr als eine Nebenrolle, sodass der Titel kaum mehr als ein Verkaufsargument ist.

Mehr noch, angesichts des Umfangs (neun US-Hefte plus diverse One Shots bzw. ein verdammt dickes Paperback) wirkt die Geschichte verdammt dünn. Im Grunde handelt es sich beim Plot um eine Variation auf „Man of Steel“: Kryptonier greifen die Erde an – das hatten wir schon ziemlich oft. Die Geschichte mäandert so vor sich hin, ohne jemals wirklich Spannung aufzubauen. Die Figuren verhalten sich dabei zum Teil äußerst sprunghaft, während ihre Motivation vage und unklar bleibt (warum hilft Lara den Kryptoniern doch gleich noch?). Wie schon der Vorgänger gelingt es auch dem dritten Dark-Knight-Comic nicht, an die Brillanz des ursprünglichen Werkes anzuknüpfen. Es wirkt, als wollten Miller und Azzarello hier, anstatt sich mit Batman auseinanderzusetzen, ihre Version des DC-Universums vorstellen. Leider gibt es, was die mögliche Zukunft des DC-Universums angeht, weitaus gelungenere Geschichten – das World Building dieses Werkes bleibt genauso uninteressant wie der Plot und die Figuren.

Fazit: Optisch gelungener, aber inhaltlich mauer und unnötiger Aufguss von Frank Millers Meisterwerk aus den 80ern. Immerhin besser gelungen als der zweite Teil.

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