Die Geschichte des amerikanischen Comics Teil 5: Das Bronzene Zeitalter

Das Bronzene Zeitalter, datiert von Anfang der 70er bis Mitte der 80er, ist weit weniger leicht einzugrenzen als das Goldene oder Silberne. Es gab weniger prägende bzw. einschneidende Ereignisse oder eindeutige Charakteristika. Insofern ist das Bronzene Zeitalter vor allem von einer gewissen Ambivalenz und einer Gegensätzlichkeit geprägt. Dies zeigt sich bereits an der Schwierigkeit, einen genauen Beginn festzumachen – mögliche Ereignisse habe ich bereits im Rahmen des Artikels zum silbernen Zeitalter diskutiert.

Insgesamt zeichnet sich das Bronzene Zeitalter durch eine Auflockerung des Comic Code aus, sodass es nun möglich war, Comics, besonders Superhelden-Comics, realistischer und aktueller zu gestalten. Einerseits entwickelte sich das Artwork weiter, die Zeichnungen wurden komplexer und realistischer, und andererseits spiegelten die Comics auch die Lage der USA Ende der 60er, Anfang der 70er, geprägt von Rassenunruhen, der Regierung Richard Nixons und der Ölkrise wider. In zunehmendem Ausmaß wurden aktuelle Probleme in Comics, speziell Superheldencomics, verarbeitet, die sich von den völlig absurden Science-Fiction-Abenteuern des Silbernen Zeitalters distanzierten.

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Green Lantern und Green Arrow als „Hard Travelling Hereos“

So war das Bild Batmans in den 60ern primär geprägt von der Fernsehserie mit Adam West, die den albernen Ton der Comics dieser Zeit genau einfing. Nachdem die Serie geendet hatte, veränderten sich allerdings die Comics. Vor allem drei Namen sind in diesem Zusammenhang zu nennen: Julius Schwartz, Denny O’Neill und Neal Adams. Schwartz wurde zum Redakteur der Batman-Serien und tilgte nach und nach viele der abgehobeneren Elemente der vorangegangenen Ära und besann sich in größerem Ausmaß auf die Wurzeln der Figur. Aus Batman wurde wieder ein Mitternachtsdetektiv, der sich mit tatsächlichen Verbrechen und sogar moralischen Zwickmühlen auseinandersetzt. Alte Schurken wurden revitalisiert – so war es dem Joker, zuvor ein harmloser Spaßmacher, nun wieder erlaubt zu morden. O’Neill und Adams waren DAS Autor/Zeichner-Duo dieser Ära Batmans und schufen gemeinsam einen weiteren ikonischen Schurken des Dunklen Ritters: Ra’s al Ghul, der als Ökoterrorist eine nie gekannte Aktualität besaß. Auch anderen Helden von DC verhalfen die beiden zur Aktualität, etwa Green Lantern und Green Arrow. O’Neill ließ die beiden grün gewandeten Helden als „Hard Travelling Hereos“ auf den Seiten der Green-Lantern-Serie Anfang der 70er durch Amerika wandern und sich dabei mit diversen realweltlichen Problemen wie Armut, Rassismus oder Drogensucht (u.a. wurde Green Arrows Sidekick Speedy zum Junkie) auseinandersetzen, wobei sie politische Standpunkte repräsentierten (Lantern konservativ, Arrow liberal).

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Aus Captain America wird der staatenlose Nomad

Bei Marvel spielte sich ähnliches ab. Erste Versuche wurden unternommen, ein wenig Diversität ins Gerne zu bringen; mit Luke Cage und Falcon debütierten die ersten afroamerikanischen Superhelden und die X-Men wurden mit vielen neuen Mitgliedern aus allen möglichen Ländern (Wolverine aus Kanada, Storm aus Kenia, Colossus aus Russland usw.) revitalisiert. Allgemein wurde der Status der X-Men als Allegorie für alle möglichen Minderheiten unter Autor Chris Claremont zementiert; die meisten wegweisenden X-Men-Comics stammen aus dieser Ära und aus Claremonts Feder, von „Days of Future Past“ über die „Dark Phoenix Saga“ bis zu „God Loves, Man Kills“ (in meinen Augen nach wie vor der beste X-Men-Comic überhaupt; nicht von ungefähr war er auch die lose Vorlage für „X2: X-Men United“). Die Lockerung des Comics Code erlaubte es den Autoren auch, sich mit persönlicheren und schwierigeren Themen zu beschäftigen, die zuvor in Superheldencomics eher abwesend waren. Iron Man musste sich im Rahmen des Storybogens „Demon in the Bottle“ (verfasst von David Michelinie und Bob Layton) mit seinem Alkoholismus auseinandersetzen und in „The Death of Captain Marvel“ von Jim Starlin starb ein Superheld nicht etwa heroisch im Kampf, sondern wegen einer Krebserkrankung. Auch Politik fehlte nicht: Als Reaktion auf Nixon und Watergate legte Captain America zweitweise sein blau-weiß-rotes Kostüm ab und bekämpfte als staatenloser Nomad das Verbrechen.

Aus heutiger Sicht mögen viele dieser Geschichten ein wenig zu plakativ und unsubtil sein, hin und wieder fühlt man sich schon beinahe mit einem allegorischen oder moralischen Holzhammer erschlagen, im Kontext ihrer Zeit waren diese Geschichten wegen ihrer Aktualität und ihren Themen geradezu revolutionär. Viele von ihnen gelten nach wie vor (und völlig zu Recht) als Klassiker – es hat seinen Grund, weshalb gerade diese Geschichten oft für die Filmadaptionen herangezogen werden.

Auch bezüglich des Genres konnten die Verlage ihr Angebot erweitern. So waren Horrorcomics vom Comics Code lange verboten worden. In den 70ern begann Marvel dann jedoch sehr erfolgreich, andere Genres auszutesten, etwa mit „The Tomb of Dracula“; auf den Seiten dieser Serie debütierte auch der Vampirjäger Blade. Als vages DC-Gegenstück könnte „The Swamp Thing“ betrachtet werden; diese Serie ist ebenfalls im Horrorbereich anzusiedeln und verdankt ihre Qualität vor allem Alan Moore.

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The Confessions of Robert Crumb

An der Underground-Front entwickelte man sich ebenfalls weiter. Während es in den 60ern vor allem darum ging, die Konventionen des Comics Code herauszufordern und zu provozieren, rückte nun der künstlerische Anspruch in den Vordergrund. Die Comix des Untergrunds wurden avantgardistischer, persönlicher und vor allem autobiographischer. Robert Crumb, dessen Kurzgeschichte „The Confessions of Robert Crumb“ wegweisend war, darf hier nicht unerwähnt bleiben, aber auch andere Künstler der Comix-Szene, etwa Harvey Pekar oder Art Spiegelman (zu ihm in einem späteren Artikel mehr) folgten diesem Trend. Gleichzeitig verloren die Underground-Comix durch das Aufweichen des Comics Code an Bedeutung: Da im Mainstream nun weitaus mehr Themen behandelt werden konnten, musste man sie nicht mehr zwangsläufig im Untergrund suchen. Schließlich und endlich hat auch die Graphic Novel ihren Ursprung im Bronzenen Zeitalter. Ihre Entstehung sowie einige spezifische Publikationen aus der Mitter der 80er markieren zugleich das Ende des bronzenen Zeitalters. Zum einen wären da Marvels „Secret Wars“ (1984/85, von Jim Shooter, Mike Zeck und Jim Layton) und DCs „Crisis on Infinite Earths“ (1985/86, von Marv Wolfman und George Pérez). Bei beiden handelt es sich um die ersten großen, das gesamte jeweilige Superheldenuniversum umspannende Crossover, die fortan stilbildend waren und inzwischen pro Jahr mindestens ein Mal kommen. Und zum anderen hätten wir da noch die „großen Drei“, die im nächsten Artikel ausgiebig besprochen werden.

Die Geschichte des amerikanischen Comics:
Teil 1: Definition des Mediums
Teil 2: Das Platinzeitalter
Teil 3: Das Goldene Zeitalter
Teil 4: Das Silberne Zeitalter

Suicide Squad – Analytische Rezension

Enthält Spoiler!
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Dieses Mal ein wenig anders als sonst: Die kurze, spoilerfreie Rezension spare ich mir, stattdessen gibt es sofort das analytische Rundumpaket. Einen spoilerfreien Eindruck setze ich deshalb gleich an den Anfang: Ich persönlich fand „Suicide Squad“ unterhaltsamer, weniger dröge und frustrierend als „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Leider ist das nicht unbedingt als Lob zu verstehen. David Ayers Superschurken-Team-up hat einige positive Ansätze, talentierte Darsteller und einige der Gags funktionieren durchaus, aber insgesamt ist auch dieser Film problembehaftet und scheitert letztendlich.

Prämisse
Eines muss man den Filmen des DC Extended Universe durchaus lassen: Man (und wenn ich man sage, meine ich mich) kann darüber sehr viel schreiben. Wie schon „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist auch „Suicide Squad“ ein höchst interessantes Sujet. Kein guter Film, aber ein ergiebiger. Insgesamt ist es schon ein wenig ironisch: Ursprünglich warb Warner damit, die Filme des DCEU seien stärker von ihrem jeweiligen Regisseur geprägt. Dies tat man, um sich von Marvel zu distanzieren; bei den Filmen des MCU achtet Kevin Feige als verantwortlicher Produzent auf stilistische und inhaltliche Kontinuität. Ironisch ist die von Warner gemacht Behauptung, weil sowohl „Batman v Superman“ als auch „Suicuide Squad“ in großem Maße unter Studio-Einmischungen litten – Entfaltungsfreiheit für die Regisseure sieht definitiv anders aus.

Kehren wir noch einmal kurz zu „Dawn of Justice“ zurück, denn „Suicide Squad“ ist geprägt von den Reaktionen auf den zweiten DCEU-Film. Dieser kam bekanntermaßen nicht allzu gut an, wurde von vielen Kritikern verrissen und spielte zwar viel Geld ein, blieb aber doch hinter den Studioerwartungen zurück. Vehementen Verteidiger des Snyder-Films warfen Kritiker daraufhin vor, man sei gegen die düstere, grimmige Herangehensweise an die Superheldenthematik voreingenommen und wolle, dass alle Superheldenfilme so seien wie die des MCU. Warner scheint diesen Vorwurf als Kritikerkonsens wahrgenommen zu haben und beweist damit wieder einmal, dass Hollywood-Studios sehr lernresistent sind und immer nach der einfachen Lösung suchen. Mir und vielen anderen Kritikern ging es nicht darum, dass die DC-Filme mehr wie die Streifen des MCU sein sollten. Nicht die Prämisse an sich ist schlecht, nur ihre Umsetzung. Nun glaubt Warner, wenn man die Filme nur leichtherziger und lustiger gestalten würde, würde es auch mit den Reaktionen besser funktionieren. Dem ist allerdings nicht so, auch wenn die Kasse bislang zu stimmen scheint. Durch oberflächliche Drehbuchkorrekturen, Umschnitte und ähnliche Studioeinmischungen bekommt man keinen besseren Film, nur einen chaotischeren.

Handlung und Struktur
Eigentlich ist die Handlung von „Suicide Squad“ sehr simpel: Nach Supermans Tod hat die Regierung der USA Angst, dass weitere Metawesen auftauchen könnten, die nicht so heroisch (*hust*) sind wie der Mann aus Stahl. Also kreiert die skrupellose Regierungsagentin Amanda Waller (Viola Davis) die Task Force X, ein Team aus größtenteils verurteilten Straftätern mit besonderen Fähigkeiten – zu diesen gehören unter anderem der meisterhafte Attentäter und Scharfschütze Deadshot (Will Smith), die irre Ex-Psychologin und Freundin des Jokers Harley Quinn (Margot Robbie), der australische Verbrecher Capain Boomerang (Jai Courtney), der Feuerteufel El Diablo (Jay Hernandez), das menschliche Krokodil Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und die uralte Zauberin Enchantress (Cara Delevigne). Wie sie jedoch herausstellt, lässt sich Letztere nicht kontrollieren und verursacht Chaos und Zerstörung. Der erste Auftrag für diese Suicide Squad unter Führung von Wallers Vertrautem Rick Flagg (Joel Kinnaman) und Katana (Karen Fukuhara) ist somit das Ausschalten einer bösartigen, magischen Wesenheit.

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Die Suicide Squad von links nach rechts: El Diablo (Jay Hernandez), Captain Boomerang (Jai Courtney), Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), Harley Quinn (Margot Robbie), Deadshot (Will Smith), Rick Flagg (Joel Kinnaman) und Katana (Karen Fukuhara)

Eine simple Grundhandlung muss nicht per se etwas schlechtes sein, wenn man sich ihrer richtig zu bedienen weiß. Die Handlung von „The Avengers“ ist ebenfalls eher einfach, aber stimmig und gibt den Figuren reichlich Gelegenheit zu gelungener Interaktion. Leider hat „Suicide Squad“ gerade diesbezüglich zwei große Probleme. Das erste: Die Handlung ist nicht stimmig. Es ist wohl davon ausgehen, dass Warner mit „Suicide Squad“ schon einmal die übernatürlichen Elemente des DC-Universums vorstellen wollte, um auf dieser Grundlage in späteren Filmen weiter aufzubauen. Allerdings passt die Enchantress als Gegnerin schlicht nicht zur Suicide Squad, sondern viel eher zur Justice League Dark. Ein Team wie die Task Force X sollte sich in ihrem ersten Film besser mit einem kleineren Gegner auseinandersetzen, der nicht potentiell die Welt zerstören könnte und besser zu ihr passt. Terroristen, organisiertes Verbrechen, Warlords oder Superschurken, die geerdeter sind – es gibt sehr viele Möglichkeiten und im DC-Universum finden sich auch genug Figuren, die sich eher anbieten würden als die Enchantress.

Das zweite große Problem ist, dass die Handlung die Charaktere nicht wirklich unterstützt; die Figuren agieren kaum miteinander, Dialoge gehen selten über Oneliner hinaus. Die größte Ausnahme ist die Barszene, die das Finale des Films einleitet und auch wirklich etwas zu Charakterentwicklung und Verhältnis beiträgt. Davon abgesehen hat „Suicide Squad“ diesbezüglich wahrlich nicht viel Fleisch auf den Knochen.

Darüber hinaus gibt es auch noch einige strukturelle Probleme, die dafür sorgen, dass der Film in seiner Dramaturgie sehr uneben daherkommt. Interessanterweise finden sich besagte Probleme primär im ersten Akt, der in meinen Augen dennoch der gelungenste ist. Zu Anfang des Films werden die Mitglieder der Task Force X ausführlich vorgestellt, und zwar ein einer Reihe von kurzen Segmenten, die stilistisch auf die jeweiligen Figuren zugeschnitten sind. Individuell betrachtet sind diese Segmente extrem gelungen, ihr Anordnung im Film ist es allerdings nicht unbedingt. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Haupthandlung stärker in die „Vorstellungsrunde“ einfließen zu lassen, oder die Einzelsegmente besser im Film zu verteilen (oder beides). Diese Struktur hat jedoch auch eine positive Seite: Gerade der erste Akt erinnert strukturell stark an einen Comic, in dem dieses Stilmittel so weitaus besser funktioniert. Ich kann mir nicht helfen, dieses comicartige Element des ersten Akts spricht mich an.

Task Force X
Eines der Probleme, das ich mit „Batman v Superman“ habe, war, dass sich die Helden zu unheroisch und rücksichtslos verhalten. Dagegen sind die Figuren in „Suicide Squad“, die eigentlich Schurken, Psychopathen und Arschlöcher sein sollten, zu zurückhaltend und nicht rücksichtslos genug. Hier haben wir abermals das Problem, dass Warner gerne eine pauschale Herangehensweise hätte, wo sich das Studio stattdessen auf die individuellen Bedürfnisse des Films konzentrieren sollte. Nach dem, was man so hört (und wohl auch in der Romanadaption des Films lesen kann), war David Ayers ursprüngliches Drehbuch, bzw. die ursprüngliche Schnittversion, weitaus düsterer und grimmiger. Nach der Rezeption von „Batman v Superman“ griff Warner ein und forderte, dass die Figuren sympathischer werden sollten. Und auch Will Smith wollte wohl keinen gewissenlosen Profikiller spielen. Das hat nun fast zur Folge, dass die eigentlich schurkischen Figuren aus „Suicide Squad“ einsichtiger und weniger heuchlerisch wirken als Batman und Superman. Insgesamt sind die Mitglieder der Task Force X hier schlicht zu harmlos. Das trifft besonders auf Deadshot zu. Der von Will Smith gespielte Floyd Lawton ist eigentlich gar kein so übler Kerl, im Gegensatz zur Comicfigur. Ja, auch Comic-Deadshot hat eine Tochter, die er aufrichtig liebt. Aber das ist dann auch schon seine einzige positive Eigenschaft, davon abgesehen ist er ein rücksichtsloser und arroganter Arsch. Gerade dieser Gegensatz macht die Figur interessant. Man könnte fast sagen, Film-Deadshot profitiert zu sehr von Will Smiths sympathischer Ausstrahlung, sodass der Zuschauer viel zu schnell vergisst, dass er es hier eigentlich mit einem rücksichtslosen Killer zu tun hat. Das heißt nicht, dass Will Smith Deadshot schlecht spielt, denn dem ist nicht der Fall. Er spielt ihn höchstens unpassend. Ähnliches trifft auch auf die anderen Mitglieder des Teams zu, die zum Teil schon fast überflüssig und verschenkt sind. Killer Croc und Katana beispielsweise wirken völlig verschenkt und tragen kaum etwas zur Handlung bei.

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Amanda Waller (Viola Davis)

Schließlich und endlich erweist sich auch die Charakterentwicklung als problematisch. Viel zu schnell freunden sich die Figuren an, ohne dass man so recht wüsste, weshalb – oft informiert der Film, anstatt zu zeigen. Die Beziehung zwischen Rick Flagg und June Moon, dem Wirt der Enchantress, ist ein besonders gutes Beispiel, sie verlieben sich zu Beginn kurz, weil es für den Plot nötig ist bzw. weil Waller es so geplant hat. Das wirkt fürchterlich erzwungen und unglaubwürdig. Auch die moralische Wandlung der Schurken am Schluss bleibt verhältnismäßig unmotiviert und schlecht erklärt. Die nachvollziehbarste und am besten entwickeltest Figur der Task Force ist El Diablo, der als Antiheld und Sympathieträger am besten funktioniert.

Amanda Waller und Enchantress
Zuerst einmal: Amanda Waller ist eine der Figuren des Films, die am besten umgesetzt wurde. Viola Davis passt perfekt und kann C.C.H. Pounder, die Waller im DCAU gesprochen hat, durchaus das Wasser reichen. Leider kommt sie dafür, dass sie ein Mastermind sein soll, im Film nicht allzu gut weg. Eigentlich sollte die Enchantress, alias Dr. June Moon, Wallers Geheimwaffe sein, doch das geht fürchterlich nach hinten. Ich finde es dramaturgisch sehr unglücklich, dass Waller direkt in ihrem ersten Film gleich derartig scheitert. Darüber hinaus finde ich es auch nicht besonders gelungen, dass die Squad bereits als Präventivmaßnahme versammelt wird und die Widersacherin dann (mehr oder weniger) aus den eigenen Reihen kommt. In meinen Augen wäre es weitaus gelungener gewesen, wenn Waller die Task Force X bereits zu einem bestimmten Zweck versammelt hätte.

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Die Enchantress (Cara Delevigne)

Nun denn, kommen wir zur Enchantress selbst. Cara Delevignes Darstellung der Figur, einer eher obskuren Antiheldin des DC-Universums, die immer mal wieder sporadisch auftaucht und sich in den Comics optisch sehr stark von ihrem Filmgegenstück unterscheidet, musste viel Kritik einstecken. Als ich ihre erste größere Szene (Waller stellt sie diversen Regierungsbeamten und Militärs vor) im Kino sah, konnte ich das noch nicht verstehen, denn besagte Szene gefiel mir sehr gut, die Verwandlung und die Magie der Enchantress waren sehr ansehnlich und sie selbst durchaus unheimlich. Sobald allerdings ihr Bruder (der wie eine billigere Version des Destroyer aus „Thor“ aussieht) dazustößt und die Enchantress das Outfit wechselt, ändert sich das leider. Zum einen ist die neue Optik nicht vorteilhaft, und zum anderen ist Delevignes übertriebenes Spiel in diesen Szenen höchstens albern, aber niemals einschüchternd oder beeindruckend. Auf der inhaltlichen Eben sieht es ebenso schlecht aus wie auf der inszenatorischen: Als Figur ist die Enchantress in etwa so gut entwickelt wie Lex Luthor in „Batman v Superman“. Motive hat sie eigentlich keine und selbst ihr Ziel ist eher schwammig; sie will eine Waffe bauen um damit die Welt zu erobern oder zu zerstören – irgendetwas in diese Richtung. Ich mag ja uralte böse Mächte, die wiedererwachen, aber wenn man sich dieser Thematik annimmt, sollte man besagte Mächte schon besser ausarbeiten – entweder macht man sie nachvollziehbarer, oder man orientiert sich an Lovecraft und gestaltet sie als völlig fremdartige und unmenschliche Wesen. Die Enchantress ist weder interessant noch fremdartig, sondern einfach nur schlecht geschrieben.

Harley Quinn, Batman und der Joker
Ist „Suicide Squad“ ein verkappter Batman-Film? Darauf kann ich mit einem ganz eindeutigen „schon irgendwie, aber doch nicht ganz“ antworten. Es lässt sich kaum leugnen, dass die Squad zum Großteil aus Batman-Schurken besteht und sowohl der Dunkle Ritter selbst als auch der Joker im Marketing eine wichtige Rolle spielten, von Harley Quinn gar nicht erst zu sprechen. Batmans tatsächliche Rolle im Film ist dann aber doch wieder relativ überschaubar – er taucht in zwei der Rückblicke am Anfang auf und dann noch einmal als Bruce Wayne in der Mid-Credits-Szene. Einerseits hätte man da durchaus noch mehr machen können. Im Vorfeld wurde von offizieller Seite behauptet, Batmans Präsenz sei den Film über spürbar, selbst wenn er nur eine kleine Rolle spiele, man sehe ihn aus der Perspektive seiner Gegner, wie ein angsteinflößendes Schreckgespenst. Das ist nicht der Fall, der Animationsfilm „Batman: Assault on Arkham“ (der eigentlich „Suicide Squad: Assault on Arkham“ heißen müsste), hat dieses Konzept weitaus besser umgesetzt. Dennoch muss ich sagen, dass mir die beiden Bat-Auftritte hier ausnehmend gut gefallen haben. In diesen beiden doch relativ kurzen Szenen habe ich mehr von „meinem“ Batman gesehen als in der gesamten Laufzeit von „Batman v Superman“. Wenn das ein Indikator für den Batfleck-Film sein sollte, dann Daumen hoch. Der Joker dagegen bleibt (Achtung, Gag) leider ziemlich blass. Um ihn in „Suicide Squad“ effektiv einzusetzen, hätte man seine Rolle entweder größer oder kleiner machen müssen. Das Hauptproblem ist, dass er für die Handlung des Films kaum Bedeutung hat und einfach irgendwie da ist, um noch ein paar Batman-Fans mehr ins Kino zu locken. Seine Auftritte sind zu häufig und zu wenig erinnerungswürdig, um als Highlights funktionieren zu können – ein Auftritt im Harley-Rückblick und einer am Ende hätten dramaturgisch weitaus besser funktioniert. Alternativ hätte Ayer ihn tatsächlich zu einem wichtigen Teil der Handlung machen müssen. Jared Leto selbst gab um den Kinostart herum zu Protokoll, dass viele seiner Szenen geschnitten wurden, er hatte also ursprünglich eine größere Rolle, wenn auch wahrscheinlich keine sehr viel bedeutendere. Ayer hätte zwei Probleme seines Films auf einmal beseitigen können, hätte er den Joker zum Gegner der Suicide Squad gemacht. Zwar wäre es vielleicht ein wenig repetitiv gewesen, hätte der Joker schon wieder als Hauptantagonist fungiert, aber ansonsten ist der Clown Prince of Crime als Gegner für die Suicide Squad weitaus besser geeignet als die Enchantress.

Auch die Konzeption dieses Jokers funktioniert nicht so recht, er ist nicht wirklich greifbar, es wird nie so richtig deutlich, was DIESEN Joker ausmacht, wenn man seine Tatoos ignoriert. Abermals gilt: Eine reduzierte Präsenz im Film hätte diese Schwäche zumindest reduziert, eine stärkere hätte die Möglichkeit gegeben, die Figur zu erforschen. Nachdem, was Ayer uns zeigt, kann man wohl davon ausgehen, dass diese Inkarnation des Jokers ein ziemlich schriller Gangsterboss ist, vielleicht dem Joker aus Brian Azzarellos und Lee Bermejos „Joker“ gar nicht so unähnlich.

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Der Joker (Jared Leto)

Kommen wir schließlich noch zum nicht ganz so heimlichen Star des Films: Harley Quinn. Ähnlich wie Viola Davis ist auch Margot Robbie eine Idealbesetzung für die Figur und spielt hervorragend. Von allen Mitgliedern der Squad ist Harley am besten umgesetzt. Interessanterweise wurde die Beziehungsdynamik zwischen ihr und dem Joker verändert. In den Comics (und natürlich in „Batman: The Animated Series“) handelt es sich um eine einseitige und höchst dysfunktionale Partnerschaft, der Joker ist oftmals von Harley genervt und versucht sie zum Teil loszuwerden oder gar umzubringen. Sie wird immer erst dann interessant für ihn, wenn sich jemand anderes für sie interessiert (Deadshot, Poison Ivy etc.). Im Film dagegen scheint die Beziehung gesünder (nicht gesund) und die Liebe gegenseitig zu sein. Möglicherweise sind jedoch viele Elemente einfach der Schere zum Opfer gefallen. Jedenfalls bleibt die Harley/Joker-Dynamik im Film sehr flach und man fragt sich, ob Harley im DCEU eine ähnliche Entwicklung und Emanzipation durchmachen wird wie in der Comickontinuität.  Auch in anderer Hinsicht ist Film-Harley zahmer: Während sie in anderen Medien durchaus gerne ein Techtelmechtel mit Deadshot anfängt, bleibt es im Film zwischen den beiden ziemlich platonisch.

Die Musik
An der Musik merkt man am deutlichsten, dass David Ayer sich durchaus an „Guardians of the Galaxy“ orientiert hat. Der von Steven Price komponierte Score spielt kaum eine Rolle, das Augenmerk liegt auf den Songs. Anders als bei „Guardians of the Galaxy“ funktioniert das hier bei Weitem nicht so gut. James Gunn hat es geschafft, die Lieder sehr gezielt einzusetzen und sie zu einem unverzichtbaren Teil der Narrative des Films zu machen. In „Suicide Squad“ dagegen erleben wir einen Song-Overkill ohne inhaltlichen Mehrwert, die Platzierung erinnert an Werbespots oder Doku-Soaps. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen, so können die Lieder ihre Wirkung nicht wirklich entfalten, musikalisch wirkt „Suicide Squad“ wie gewollt und nicht gekonnt. Leider schneidet Steven Price‘ Score kaum besser ab. Handwerklich betrachtet ist er wahrscheinlich der beste DCEU-Score, aber da sowohl „Man of Steel“ als auch „Batman v Superman“ für mich absolut fürchterliche Soundtracks sind, sollte man das nicht als Lob verstehen. Price‘ Musik bleibt nicht nur unauffällig, sondern auch anonym und langweilig. Eine gelungene, ausführliche Rezension des Scores findet sich hier.

Fazit: Es wird Zeit, dass Warner bei den DC-Filmen endlich aus den Fehlern lernt: Statt ihre Prämisse anzuzweifeln, sollte sich das Studio lieber darum kümmern, sie angemessen umzusetzen und nicht die Filme vor dem Kinostart verstümmeln. In mancher Hinsicht ist „Suicide Squad“ tatsächlich eine Verbesserung gegenüber „Batman v Superman“, viel zu oft macht David Ayers Schurkenfilm aber dieselben Fehler und scheitert letztendlich genauso. Nicht unerwartet, aber gerade für einen Fan der Vorlage dennoch traurig, gerade weil doch einiges an Potential vorhanden ist.

Batman v Superman: Dawn of Justice – Ultimate Cut

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Wenn man sich die Rezeption von „Suicude Squad“ so ansieht, scheint Warner Bros. nicht wirklich dazuzulernen. Andererseits spricht das bisherige Einspielergebnis dann wieder eine andere Sprache. Wie dem auch sei, die Reaktionen scheinen sehr ähnlich wie bei „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Bislang bin ich noch nicht dazugekommen, die Qualitäten der Schurkentruppe um Deadshot und Harley Quinn selbst zu beurteilen, und es gilt ohnehin noch, das Thema „Dawn of Justice“ abzuschließen, und zwar in Form einer Besprechung des Ultimate Cut. Dieser wurde bereits vor Kinostart angekündigt und wirkte wie eine Reaktion auf den durchschlagenden Erfolg von „Deadpool“, der trotz (oder wegen?) seines R-Ratings ziemlich viel Geld einspielte.

Nun denn, was hat der Ultimate Cut zu bieten? Eine ganze Menge an zusätzlichem Material, zusammengenommen etwa eine halbe Stunde. Vergleicht man die Kinoversion mit dem Ultimate Cut, fühlt man sich unweigerlich ein wenig an Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ erinnert. Oder, um es etwas direkter auszudrücken: Der ursprüngliche Schnitt hätte nie ins Kino kommen dürfen. Der Ultimate Cut sorgt zwar weder dafür, dass „Dawn of Justice“ ein guter Film wird, noch behebt er viele der wirklich essentiellen Probleme, aber er macht den Film immerhin weitaus anschaubarer. Vor allem bezüglich der Struktur und Logik gibt es massive Verbesserungen, Subplots, die in der Kinoversion nur angedeutet werden und dadurch rätselhaft, schwer nachvollziehbar und unlogisch waren, werden im Ultimate Cut ausführlicher beleuchtet. Das beste Beispiel ist der Afrika-Handlungsstrang, der im ursprünglichen Cut schlicht keinen Sinn ergibt und nun endlich nachvollziehbar ist. Darüber hinaus wird gezeigt, wie weit Lex Luthors Pläne tatsächlich das Geschehen beeinflusst haben. Warum er seinen übermäßig komplexen Plan überhaupt geschmiedet und durchgeführt hat, bleibt zwar nach wie vor sehr undurchsichtig, aber immerhin gibt es bezüglich der Umsetzung seiner Machenschaften ein wenig mehr Klarheit. Darüber hinaus ist das Erzähltempo nun weitaus entspannter; der Schnitt des Films wirkt nicht mehr wie der eines zweieinhalbstündigen Trailers.

Die Figur, die von der erweiterten Fassung eindeutig am meisten profitiert, ist Clark Kent/Superman. Der Mann aus Stahl kam in der Kinoversion eindeutig zu kurz, da die Verantwortlichen von Warner von Ben Afflecks Batman-Darstellung sehr beeindruckt waren und den Fokus stärker auf den Dunklen Ritter legen wollten. Das hatte wiederum zur Folge, dass Supermans Motivationen völlig hanebüchen wirkten und er als Figur kaum greifbar blieb. Der Ultimate Cut arbeitet den Mann aus Stahl zumindest ein wenig besser aus. Nun sieht er nicht mehr nur einen Bericht über Batman im Fernsehen und beschließt dann, dass es so nicht geht, er ist tatsächlich in Gotham, stellt Nachforschungen an und erfährt aus erster Hand, welche Auswirkungen Batmans Handeln hat. Es gibt auch diverse andere kleine Szenen, die die Figur etwas runder und greifbarer machen, etwa als Clark vom Selbstzweifel getrieben mitten in der Nacht seine Mutter anruft. Zwar ist dieser Superman immer noch nicht der Superman, den ich gerne sehen würde, aber er ist ihm immerhin ein wenig näher, er wirkt nicht mehr ganz so unnahbar und heuchlerisch, ein wenig menschlicher und darüber hinaus sehen wir sogar Clark Kent, der als Reporter agiert.

Fazit: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ hat nach wie vor viele Probleme, aber einige davon kann der Ultimate Cut immerhin beheben, vor allem bezüglich der Logik, des Erzähltempos und des Schnitts. Auch die Darstellung Supermans wird zumindest in Ansätzen verbessert, die Charakterisierung Lex Luthors und Batmans bleibt dagegen nach wie vor mangelhaft. Sollte sich jemand dazu entscheiden, „Dawn of Justice“ anzusehen, sollte es definitiv diese Version und nicht die verstümmelte Kinofassung sein.

Siehe auch:
Batman v Superman: Dawn of Justice
The Amazing Superman 2: Rise of Justice
Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

Batman: The Killing Joke

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Story: Nach einem verpatzten Fall haben Batman (Kevin Conroy) und Batgirl (Tara Strong) ein Zerwürfnis, was zur Folge hat, dass Barbara Gordon das Cape an den Nagel hängt. Derweil bricht der Joker (Mark Hamill) aus dem Arkham Asylum aus, dieses Mal mit einem besonders beunruhigenden Vorhaben: Er will der Welt zeigen, dass jeder Mensch so sein kann wie er, wenn er nur einen wirklich schlechten Tag hat. Das Opfer seiner Wahl ist Comissioner Gordon (Ray Wise): Der Joker paralysiert Barbara und entführt Gordon, um ihn mental zu brechen, während Batman alles in seiner Macht stehende tut, um den Wahnsinnigen zu finden und seinen Freund zu retten…

Kritik: Kaum eine Liste der besten Batman-Comics kommt ohne Alan Moores und Brian Bollands „The Killing Joke“ aus; die bahnbrechende Graphic Novel gilt als DIE Joker-Geschichte und ist einer der einflussreichsten Comics in Batmans inzwischen fast achtzigjähriger Geschichte. Eine Umsetzung im Rahmen der „DC Universe Animated Original Movies“, am besten mit Kevin Conroy und Mark Hamill in ihren ikonischen Rollen, war lange ein Fantraum, der sich nun erfüllt hat. Leider ist dieser Film mal wieder ein Beweis dafür, dass erfüllte Träume oft einen bitteren Beigeschmack haben.

„The Killing Joke“ ist ein verhältnismäßig kurzes Werk und erzählt seine Geschichte knapp und schnörkellos ohne unnötigen Ballast – für eine Filmadaption mit über einer Stunde Laufzeit ist der Comic jedoch definitiv zu kurz. Deshalb entschied man, die Handlung zu strecken: Dem eigentlichen Plot des Comics ist ein Prolog vorangestellt, der dem Publikum Batgirl als Figur näher bringen soll. Auf dem Papier klingt das eigentlich ganz gut: Hin und wieder wird Moore (mitunter sogar von sich selbst) dafür kritisiert, dass Barbara Gordon in „The Killing Joke“ auf ihre Rolle als Opfer reduziert und lediglich durch ihre Beziehungen zu Batman und ihrem Vater definiert wird – eine größere Rolle für die Figur könnte dem Abhilfe schaffen. Und dann fungiert Brian Azzarello, eine Experte für düstere und grimmige Stoffe, auch noch als Autor. Leider ist der Schuss trotzdem nach hinten losgegangen und löste eine Kontroverse aus, vor allem deshalb, weil Batman und Batgirl in diesem Prolog miteinander schlafen. Irgendwie glaube ich, dass Produzent Bruce Timm dahinter steckt, schon im DC Animated Universe hat er Bruce und Barbara miteinander verkuppelt. Wie dem auch sei, mal wieder schießt die Kontroverse leicht am Ziel vorbei, die (praktisch nicht vorhandene) Sexszene ist nicht das eigentliche Problem, sondern ihr Kontext. Der Prolog versagt nämlich auf ganzer Linie und hat für die eigentliche Geschichte keinerlei Mehrwert. Entweder hätte man den Prolog anders konzipieren oder die Handlung von „The Killing Joke“ besser anpassen müssen, so besteht dieser Film aus zwei Hälften, die thematisch und atmosphärisch einfach nicht zusammenpassen – man merkt deutlich, dass ab der zweiten Hälfte die Vision eines anderen Autoren übernimmt. Egal, wie man Barbara Gordons Rolle in Moores Comic nun bewertet, in ihrem Kern ist es nun einmal eine Geschichte, die das Verhältnis zwischen Batman und dem Joker thematisiert. Schlimmer noch: Der Prolog hat keinen Mehrwehrt, er ist nicht interessant oder spannend und zeigt Barbara nur in noch stärkerem Ausmaß als von Batman abhängig. Hätte ich diesen Film konzipieren müssen, hätte ich für die erste Hälfte einen weiteren Comic herangezogen: „The Man Who Laughs“ von Ed Brubaker und Doug Mahnke. Diese Graphic Novel hat eine ähnliche Länge wie „The Killing Joke“, baut stark auf dem Inhalt von Moores Meisterwerk auf, thematisiert die erste Begegnung zwischen Batman und dem Joker und ist das ideale Begleitwerk. Und selbst mit dem Vorsatz, Batgirl als Figur auszugestalten hätte man den Prolog weitaus besser gestalten können.

Der Teil des Films, der tatsächlich „The Killing Joke“ adaptiert, tut das, ähnlich wie die Filmversion von „Batman: Year One“ auch sehr vorlagengetreu und ohne nennenswerte Änderungen, Hinzufügungen oder Auslassungen. In einem Aspekt geht diese Adaption auch vollständig auf: Der Cast ist exzellent. Kevin Conroy, Mark Hamill und Tara Strong sprechen Batman, den Joker und Batgirl nun teilweise schon seit über zwanzig Jahren, man merkt, dass sie ihre Figuren in- und auswendig kennen. Ray Wise, bekannt als Charles Scherbatsky in „How I Met Your Mother“ und Satan in „Reaper“, macht sich als James Gordon ebenfalls sehr gut. Das selbe lässt sich über die Animationen leider nicht immer sagen. Brian Bollands Stil ist natürlich viel zu detailreich, als dass man ihn so gut übernehmen könnte, wie es beispielsweise bei Ed McGuiness („Superman/Batman: Public Enemies“) oder David Mazzuchelli („Batman: Year One“) der Fall war. Es gibt zwei, drei Szenen, die es tatsächlich schaffen, die alptraumhafte Intensität von Bollands Zeichnungen zu reproduzieren, darunter der Angriff auf Barabara Gordon und der erste Blick des Jokers auf sein entstelltes Gesicht, aber davon abgesehen bleibt die Animation oft hinter ihren Möglichkeiten zurück, wirkt zum Teil ungelenk und ist einfach nicht ganz so, wie man das bei einem derart prestigeträchtigen Projekt erwarten würde.

Fazit: Im Großen und Ganzen ist die Adaption von „The Killing Joke“ eher enttäuschend. Die erste halbe Stunde taugt leider nichts und sollte am besten übersprungen werden. Und obwohl sich der Rest des Films penibel an die Vorlage hält, wird man doch das Gefühl nicht los, dass da noch mehr drin gewesen wäre. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass der zumindest halbwegs ähnlich gelagerte „Batman Beyond: Return of the Joker“ als Film weitaus intensiver und eindrücklicher ist als die Killing-Joke-Adaption.

Trailer

Siehe auch:
Batman: Year One
Batman: Under the Red Hood
Batman: The Dark Knight Returns Teil 1
Batman: The Dark Knight Returns Teil 2

Aktuell: Podcast-Empfehlungen

Schon seit einigen Jahre finde ich immer größeren Gefallen am Medium „Podcast“ und habe eine ganze Reihe an Vertretern gefunden, die ich inzwischen sehr regelmäßig, oder doch zumindest semi-regelmäßig, höre – sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache. Dabei geht es natürlich um die üblichen Themen, über die ich auch hier schreibe. Nach so vielen Stunden der Unterhaltung empfehle ich meine Favoriten dann doch gerne auch mal weiter.

Radio Tatooine
Inzwischen nicht mehr der einzige, aber doch der erste deutsche Star-Wars-Podcast – und, trotz manchmal anders lautender Meinung der beiden Moderatoren Ben und Tim, ein sehr gelungener. Egal ob sie mit oder ohne Gäste über News, die Episoden (sehr, sehr, sehr ausführlich und tiefschürfend) oder andere Themen wie „The Clone Wars“ sprechen, die Meinungen sind immer interessant und differenziert. Und vor allem: Es gibt kein unreflektiertes Prequel-Bashing á la „alles an ihnen ist scheiße, George Lucas hat meine Kindheit zerstört“. Stattdessen werden mit viel Sachkenntnis die Stärken und Schwächen alle Episoden analysiert. Für EU-, bzw. SW-Literatur- und Comicfans wie mich ist auch das Spin-off „Der Buchclub“ sehr lohnenswert, in dem, wie könnte es anders sein, spezifisch auf  die Literatur aus der weit, weit entfernten Galaxis eingegangen wird.

Rebel Force Radio
Rebel Force Radio ist im englischsprachigen Raum so weit ich weiß DER Star-Wars-Podcast, in dem sich Jimmy Mac, Jason Swank und diverse Gäste über die weit, weit entfernte Galaxis diskutieren. Die Hauptserie ist schon sehr gelungen, das wirklich Highlight von RFR ist allerdings die Unterserie „Star Wars Oxygen“, in welcher Jimmy Mac und David W. Collins, der u.a. für LucasArts gearbeitet und in „The Force Unleashed“ dem Droiden PROXY seine Stimme geliehen hat, die SW-Musik von John Williams ausführlich und höchst unterhaltsam analysieren. Auch die Episoden-Kommentare mit Sam Witwer (SW-Experte und Stimme von Darth Maul in „The Clone Wars“ und „Rebels“ sowie Starkiller in „The Force Unleashed“ sind äußerst lohnenswert.

Soundcast
Ein englischer Filmmusik-Podcast, gehostet von Christopher Coleman. Zwischen Juli 2015 und Mai 2016 ist dort leider nicht viel passiert, aber inzwischen wurde das Format leicht abgeändert, statt der längeren Diskussionen mit mehreren Teilnehmern gibt es nun pro Woche eine Folge, die zwischen 30 und 45 Minuten lang ist und in der Coleman und Eric Woods, seines Zeichens ebenfalls passionierter Podcaster, über ein bestimmtes filmmusikalisches Thema sprechen, was auch sehr gut funktioniert. Die älteren Folgen sind immer noch auf der Seite zu finden und lohnen sich durchaus.

Sideshow Sound Theatre
Und gleich nochmal ein Filmmusik-Podcast: „Sideshow Sound Theatre“ wurden von den Komponisten Wendell Jones und Will Dodson ins Leben gerufen. Anders als beim Soundcast geht es hier eher um Analyse denn Kritik (das Sideshow-Team ist insgesamt sehr positiv). Inzwischen gibt es mehrere Unterserien, zum Beispiel „Score Guide“ (ausführliche Analyse eines bestimmten Scores), „Mouse Music“ (alles über Disney-Soundtracks) oder „In Defense Of“ (ein bestimmter Film/Score, der keinen allzu guten Ruf hat, wird verteidigt). Die Score-Analysen sind zum Teil recht technisch, was mich persönlich allerdings nicht wirklich stört.

Donalds Erben
Ein deutschsprachiger Podcast, gehostet von Disney-Fan und Blogger-Kollege Sidney Schering alias Sir Donnerbold, in dem er sich mit diversen Gästen über alle möglichen filmischen Themen unterhält, wobei der Fokus natürlich immer wieder stark auf Disney liegt. Aber auch abseits davon wird interessant über alle möglichen Filme und Filmreihen diskutiert. Leider ist hier seit Dezember 2015 nichts mehr passiert.

Talking Tolkien
Zwei Tolkien-Veteranen, Katie und John, und ein Neuling, Chase, der lediglich die Filme gesehen hat, lesen zusammen das „Silmarillion“, den „Hobbit“ und den „Herrn der Ringe“ und sprechen dann darüber. Gerade für Tolkien-Fans ein sehr lohnender (allerdings englischsprachiger Podcast. Gerade die Perspektive des Neulings ist immer interessant, besonders, wenn er nur mit Filmkenntnis das „Silmarillion“ liest. Vor allem empfehlenswert für alle jene, die sich tiefer mit der Materie beschäftigen wollen, aber am „Silmarillion“ gescheitert sind.

Der Batcast
Alles rund um den Dunklen Ritter, gehostet von Bernd alias Batcomputer, dem Betreiber der Seite batmannews.de. Primär stehen die Filme bzw. News zu den Filmen im Fokus (es gibt u.a. Besprechungen zu fast allen der Kinofilme, nur mit „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ sind Bernd und Gäste noch nicht durchgekommen, weil „Batman V Superman: Dawn of Justice“ dazwischen kam), aber auch alle anderen Bat-relevanten Bereiche (Comics, Fernsehserien, Merchandise etc.) werden zumindest angerissen. Ein sehr gelungener deutscher Batman-Podcast.

Arkham Insiders/H. P. Podcraft
Ich führe beide Podcasts hier zusammen auf, da ich sie nur sporadisch höre und sie sich ziemlich gut ergänzen. „Arkham Insiders“ ist ein deutscher Podcast, der sich primär mit der Biographie H. P. Lovecrafts beschäftigt, während sich die Moderatoren des englischsprachigen „H. P. Podcraft“ stärker mit seinen Werken (sowie diversen anderen Werken der klassischen Schauerliteratur) auseinandersetzen. Wer sich für den Schriftsteller aus Providence interessiert, macht mit beiden Podcasts nichts falsch.

Hellraiser Podcast
Jetzt kommen wir langsam zu den wirklich obskuren Themen. Aber Hellraiser ist nun mal meine Lieblingshorrorfilmserie, die mit jedem Sequel immer schlechter wird, und auch dazu gibt es einen Podcast, in dem die Filme, Prosawerke und Comics von und inspiriert durch Clive Barker besprochen werden.

The Amazing Superman 2: Rise of Justice

Enthält die volle Ladung Spoiler!
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Es gibt Filme, die wissen einen im Kino noch zu fesseln, fallen aber auseinander, wenn man beginnt, hinterher über sie nachzudenken. „Batman v Superman: Dawn of Justice“ gehört nicht zu diesen Filmen, für mich ist er schon während des Kinobesuchs auseinander gefallen. Den Titel meiner ausführlichen Rezension habe ich nicht von ungefähr gewählt, und ich habe es auch schon in meiner kürzeren Kritik gesagt: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ macht minutiös dieselben Fehler wie „The Amazing Spider-Man 2“. In beiden Fällen handelt es sich um einen Film, der auf Basis des Vorgängers ein größeres Superheldenuniversum initiieren soll, und in beiden Fällen merkt man ihm an, dass es eine Liste von Studioseite gab, die es abzuarbeiten galt, die aber oft einfach nicht mit dem Film harmoniert. Beide Filme haben Plotstränge, die nicht ineinandergreifen und zusammenpassen wollen, genau deshalb haben beide auch massive Probeleme bezüglich Struktur und Narrative und darüber hinaus gibt es in beiden Filmen viel zu viele plumpe Hinleitungen zu besagtem größerem Superheldenuniversum, die von der eigentlichen Handlung zu abgekapselt sind. Unter all dem leiden die Figuren, was besonders den Schurken betrifft. Und dann taucht im jeweiligen dritten Akt sehr plötzlich ein neuer Schurke auf, um noch in letzter Sekunde ein bahnbrechendes, schockierendes und klassisches Ereignisse aus der Comic-Historie einzubauen, das sich im Film sehr unnatürlich anfühlt, weil er nicht darauf hinarbeitet.

„Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist ein höchst ambitionierter Film, der zu viel will. Je länger ich über ihn nachdenke, des problematischer wird er auch; aber gleichzeitig handelt es sich hierbei auch um einen höchst interessanten Film, schon allein wegen seiner Rezeption. Auf der einen Seite wird er von professionellen Filmkritikern fast ausnahmslos verrissen. Natürlich gibt es auch immer mal wieder eine positive Rezension, aber selbst diese sind höchstens verhalten positiv. Das bisherige Einspielergebnis spricht dagegen eine andere Sprache, und auch in Fankreisen findet Snyders zweiter DCEU-Film weitaus mehr Zuspruch. Insofern ist es ironisch, dass mich gerade meine eigene Fanperspektive eher den Kritikern zustimmen lässt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich an einen Batman-Film einfach zu hohe Ansprüche habe, wer weiß. Jedenfalls hätte dieser Film bzw. das Unterfangen eines großangelegten cinematischen DC-Universums grandios werden können, aber „Dawn of Justice“ ist nicht nur für sich gesehen ziemlich problematisch, sondern auch in Bezug auf die kommenden Filme.

Dabei bedient Snyder die Fans in mancher Hinsicht durchaus großzügig, es finden sich viele, viele Anspielungen, manche subtil, andere ziemlich unsubtil, auf die diversen Vorlagen. Oft wurde Panels fast eins zu eins umgesetzt und Dialogzeilen direkt übernommen. Der Prolog etwa, der die Ermordung der Waynes zeigt, stammt fast genau so aus „The Dark Knight Returns“, und viele Zitate sowie der eigentliche, titelgebende Kampf schulden Frank Millers Graphic Novel sehr viel. Einige dieser Fanboymomente haben mich durchaus beeinflusst: Zum ersten Mal DCs Trinität vereint auf der Leinwand zu sehen war schon etwas, für das ich als Kind ziemlich viel gegeben hätte. Das Problem dabei ist die Direktübernahme dieser Elemente in einem veränderten Kontext, einem Kontext, in dem diese Elemente einfach nicht mehr auf die gleiche Weise funktionieren, aber nicht ausreichend angepasst sind.

Drei zum Preis von einem
„Dawn of Justice“ hat einige interessante Ideen und stellt auch ein paar interessante Fragen, hat aber Probleme, besagte Elemente sinnvoll umzusetzen. Schon in „Man of Steel“ war es ganz ähnlich: In der ersten Hälfte wurde viel Zeit damit verbracht, darüber zu diskutieren, was es heißt, Superman zu sein. Diese Frage ist natürlich für eine Neuinterpretation sehr interessant, aber „Man of Steel“ hat es nie geschafft, zu vermitteln, was es heißt, Superman zu sein, anstatt nur darüber zu reden. Sämtliche philosophischen Ansätze wurden in der Materialschlacht des dritten Aktes erstickt. Das wiederholt „Dawn of Justice“ leider, aber dabei liegt nicht einmal das Hauptproblem. Dieses sieht folgendermaßen aus: In „Dawn of Justice“ stecken mindestens drei, wenn nicht sogar vier unterschiedliche Filme mit unterschiedlichen Zielen, die meistens gegeneinander arbeiten und den anderen die Luft abschnüren.

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DCs Trinität: Superman (Henry Cavill), Wonder Woman (Gal Gadot), Batman (Ben Affleck)

Da hätten wir zum einen das eigentliche Sequel zu „Man of Steel“, das sich mit den Konsequenzen des Angriffs der Kryptonier beschäftigt, einen Batman-Film, der die neue Inkarnation des Dunklen Ritters vorstellt und dann das eigentliche Aufeinandertreffen der beiden. Oh, und vergessen wir auch Supermans Tod nicht. Ich hatte schon die Befürchtung, dass das kommen würde, als Doomsday in diesem unsäglichen Trailer auftauchte, da er nun einmal untrennbar mit Supermans (zumindest vorübergehendem) Tod verbunden ist – so geschehen in den 90ern, im Rahmen der Storyline „The Death of Superman“. Mal ehrlich, bei einer so ikonischen Figur wie dem Mann aus Stahl finde ich es unangemessen, dass ein derartiges Ereignis in einem Film kommt, in dem er fast schon eine Nebenfigur ist. Ein Film, der den Tod Supermans thematisiert, sollte auch ein Film sein, der IHM gehört und der auf dieses Ereignis hinarbeitet. Der Grund, weshalb Geschichten wie diese in den Comics funktionieren ist, dass sie ausgiebig darauf hinarbeiten. In „Dawn of Justice“ wirkt Supermans Tod auf mich wie etwas, dass das Studio in letzter Sekunde entschieden hat, um die größtmögliche Wirkung mit dem kleinstmöglichen Aufwand zu bekommen (etwas ganz Ähnliches hat man auch in „Star Trek Into Darkness“ und natürlich in „The Amazing Spider-Man 2“ versucht). Was noch erschwerend hinzukommt: Superman ist kaum etabliert. Wir haben mit dieser Inkarnation des Mannes aus Stahl kaum Zeit verbracht; im ersten Film kommt er, im zweiten geht er. Natürlich wird Superman auch hier nicht tot bleiben, „Dawn of Justice“ selbst kündigt das ja bereits an, aber dennoch verliert die ganze Aktion hier jedwede Wirkung, weil Superman im DCEU nie zu dem Symbol geworden ist, das er in den Comics oder anderen Adaptionen wurde.

Selbst, wenn wir Supermans Tod einmal ignorieren, ist „Dawn of Justice“ noch gnadenlos überfrachtet. Das wird umso deutlicher, da dieser Film eine ähnliche Struktur besitzt wie „Man of Steel“: In der erste Hälfte gibt es vornehmlich Exposition, in der zweiten Action. Immerhin kann man „Man of Steel“ diesbezüglich zugutehalten, dass die Geschichte, die der Film erzählt, in sich halbwegs kohärent ist, auch wenn das auf die Erzählweise nicht zutrifft. Die Erzählweise von „Dawn of Justice“ ist nicht nur ebenfalls inkohärent, wenn auch auf andere Weise, der Plot ist es sogar in noch größerem Ausmaß: Aufgrund der vielen Elemente, die erklärt und vorgestellt werden müssen, kommt aber nie ein passender, narrativer Fluss auf. Die Exposition bleibt ziemlich inhaltsleer, weil Snyder sofort wieder zur nächsten Baustelle hastet; der Film springt wild hin und her, ohne dass das Gezeigte Wirkung entfalten könnte. Alles wird angerissen, aber nichts wird ausgeführt – es hat sich für mich wirklich so angefühlt, als würde in „Dawn of Justice“ immer zwischen zwei Filmen hin und her geschnitten, ohne dass man beide vollständig zu sehen bekommt. Darunter leider nicht nur die Charakterentwicklung, es öffnet auch massive Logiklöcher. Auf einmal kennt Lex Luthor plötzlich sowohl Batmans als auch Supermans Geheimidentität, völlig ohne Erklärung. Außerdem wird alles, was es an interessanten Ansätzen gibt, kaum wieder aufgegriffen, etwa, wie Superman selbst mit den Ereignissen des Vorgängers hadert. Es gibt ein, zwei Szenen, in denen er ein wenig reflektiert, diese haben aber so gut wie keine Auswirkungen auf den restlichen Film. Ebenso die Wirkung, die sein Tun auf die Welt hat. Seine Wirkung bleibt schwer fassbar, weil der Film immer nur Einzelne zeigt, die auf ihn reagieren, aber es nie schafft, ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Oder Alfreds Satz, der bereits in einem der Trailer sehr prominent war: „The fever, the rage, the feeling of powerlessness that turns good men… cruel.” Ein sehr interessanter Ansatz, der eine Differenz zwischen Alfred und Bruce andeutet. Leider wird dieser potentielle Konflikt nie wieder auch nur angesprochen.

Auch manche Figuren fallen dem zum Opfer. Lois Lane etwa, die in diesem Film im Grunde fast völlig überflüssig ist und in ihre alte Klischeerolle zurückfällt: Sie muss ständig gerettet werden, und zwar gefühlt öfter als die von Margot Kidder dargestellte Lois in „Superman“ von 1978. Vor allem im Finale des Films ist auffällig, wie sehr man versucht hat, ihr etwas zu tun zu geben, es aber nicht geschafft hat: Erst wirft sie den Kryptonitspeer ins Wasser, dann versucht sie ihn herauszufischen und darf es nicht mal schaffen, sodass sie immerhin einen marginalen Beitrag liefern kann, nein, Superman muss sie erneut retten. Dagegen ist die von Holly Hunter dargestellte Senatorin Finch sehr interessant und ein guter Gegenpol zu Lex Luthor, wird aber viel zu schnell abserviert, als dass sie wirklich etwas bewirken könnte.

Insgesamt hätte „Dawn of Justice“ weitaus besser funktioniert, hätte er nicht die gesamte Exposition stemmen müssen – vor einem Aufeinandertreffen der beiden Ikonen hätte es mindestens noch einen weiteren Batman-Film sowie ein Sequel zu „Man of Steel“ geben müssen. Ersterer hätte die neue Inkarnation des Dunklen Ritters in aller Ruhe vorstellen können, Letzterer hätte sich mit Supermans Etablierung als größter Held der Welt beschäftigen müssen.

Ich hätte mir für ein solches Unterfangen gut die Schurkenkombo Lex Luthor/Metallo vorstellen können. In diesem hypothetischen Sequel setzt sich Superman tatsächlich mit den Folgen des Kryptonierangriffs und auch mit der öffentlichen Wahrnehmung auseinander und versucht gleichzeitig, die Menschen für sich zu gewinnen, zum Beispiel durch Offenheit: Superman bietet der Menschheit offiziell seine Dienste an, hilft beim Wiederaufbau von Metropolis etc. Luthor gibt sich zu Beginn als Unterstützer des Mannes aus Stahl aus, will ihn aber insgeheim kontrollieren. Als sich herausstellt, dass ihm das nie gelingen wird, versucht er eine Anti-Superman-Waffe zu schaffen: Metallo. Bei diesem handelt es sich um einen Mann namens John Corben, der während der Ereignisse von „Man of Steel“ schwer verletzt wurde und den Luthor nun zu einem mit Kryptonit angetriebenen Cyborg macht, der dadurch aber seine Menschlichkeit, bzw. seine Fähigkeit, menschliche Emotionen wahrzunehmen verliert. Dieses MoS-Sequel würde die Themen Menschlichkeit und Verantwortung anhand von Superman, Luthor und Metallo erforschen und wäre idealerweise nicht unter der Federführung von Zack Snyder und David S. Goyer entstanden.

Lex Luthor
Eine der größten singulären Schwächen des Films ist für mich Lex Luthor. Jesse Eisenberg funktioniert für mich in dieser Rolle auf keiner Ebene, wobei das nicht unbedingt die Schuld des Darstellers ist. Die Konzeption ist zugegebenermaßen noch ganz interessant und etwas gewagt, aber sie geht nicht auf. Dieser Lex soll weniger der skrupellose Großindustrielle, sondern eher ein exzentrischer moderner Internetmilliardär des 21. Jahrhunderts sein. Im Vorfeld wurde immer wieder betont, es handle sich hierbei um Alexander Luthor junior, dessen gleichnamiger Vater eher dem Luthor aus den Comics entspricht. Im Grunde ist das aber ziemlich irrelevant, da es trotz allem der Junior ist, der hier als Supermans Gegner und potentieller Erzfeind fungiert.

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Alexander Luthor jr. (Jesse Eisenberg)

Selbst wenn man diesen Lex Luthor mit den diversen, eher schwächeren Marvel-Schurken vergleicht, zieht er den Kürzeren. Red Skull oder Ronan der Ankläger waren als Figuren ziemlich uninteressant und flach, waren aber für den Plot funktional, weil sie eine klare Agenda hatten. Lex Luthors Agenda und Motivation wandelt sich dagegen fast ständig. Will er nur Superman tot sehen, und wenn ja warum? Es gibt hier weder ein persönliches Verhältnis, noch macht der Film klar, ob Superman in irgend einer Art und Weise Lex in die Quere gekommen ist, sodass seine Motivation extrem vage bleibt. Hin und wieder lässt er ein paar kryptisch-metaphysische Sätze oder religiöse Metaphern vom Stapel, an einer anderen Stelle deutet er einen Vaterkomplex an, plötzlich will er ohne ersichtlichen Grund Batman tot sehen usw. Diese Inkohärenz erstreckt sich auch auf Luthors Plan, der unnötig kompliziert und unlogisch ist. Wenn er Angst hat, Superman könne sich gegen die Menschheit wenden und ließe sich nicht kontrollieren, wieso erschafft er dann mit Doomsday ein Monster, dass sich, wie wir gesehen haben, auf jeden Fall gegen die Menschheit wendet und genauso wenig aufzuhalten ist? Und falls es doch einen Kontrollmechanismus gibt, wird er im Film jedenfalls nicht erwähnt.

Hinzu kommt, dass dieser Luthor für mich auch auf einer inszenatorischen Ebene versagt. Eisenberg spielt ihn irgendwo zwischen Kevin Spaceys Lex Luthor und Heath Ledgers Joker, was dafür sorgt, dass ich ihn absolut nicht ernst nehmen kann. Ich denke, der Lex Luthor aus Brian Azzrellos „Lex Luthor: Mann aus Stahl“ hätte in diesem Kontext exzellent funktioniert.

Kampf der Giganten
In meiner Artikelreihe „Kampf der Giganten“ habe ich mich unter anderem bemüht aufzuzeigen, wie ein Konflikt zwischen Batman und Superman in den Comics gewöhnlich gehandhabt wird und wie er in meinen Augen auch aussehen sollte. Egal ob im Guten oder im Schlechten, wenn Batman und Superman aufeinandertreffen, sollte es zu einer Kollision der Weltanschauungen kommen, gleich, ob die beiden darüber in Konflikt geraten oder erkennen, dass sie sich trotz ihrer unterschiedlichen Ideologien respektieren oder sogar ausgezeichnet ergänzen. Dieser Ansatz wäre meiner Meinung nach essentiell gewesen, ist im Film aber praktisch überhaupt nicht vorhanden, und das aus einem simplen Grund: Batman und Superman sind sich hier viel zu ähnlich, als dass der Konflikt wirklich funktionieren könnte.

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Der Robin-Anzug in der Bathöhle

Betrachten wir zuerst einmal die neue Inkarnation des Dunklen Ritters: Zack Snyder hat definitiv ein gutes Händchen dafür, Batman zu inszenieren, aber nicht, ihn zu konzipieren. Ben Affleck gefällt mir darstellerisch in der Rolle ausgezeichnet, und die Szenen mit ihm als Batman sind meistens sehr ansehnlich; der Kampf im Lagerhaus könnte fast direkt aus einem der Arkham-Spiele stammen (was hier als Kompliment zu verstehen ist), und jede Szene mit ihm und Jeremy Irons als Alfred ist grandios. Als Figur bleibt Batman aber hier viel zu undefiniert. Im Grunde bedienen sich Snyder, Goyer und Terrio desselben Batman-Konzepts wie Tim Burton: Dieser Dunkle Ritter hat scheinbar keinerlei Achtung vor Menschenleben; er ist bereit, massive Kollateralschäden in Kauf zu nehmen. Außerdem bleibt seine Vergangenheit größtenteils im Dunkeln, im Film gibt es nur ein paar subtile Andeutungen, zusätzlich zur Ermordung der Waynes, die schon wieder dargestellt wird. Gerade in diesem Film, der eigentlich ein Aufeinanderprallen von Weltanschauungen darstellen sollte, funktioniert das für mich nicht so recht und wirkt fast schon unzeitgemäß. Als Kenner der Figur kann man anhand der zum durchaus gelungenen visuellen Anspielungen durchaus nachvollziehen, was Snyder und Co. eigentlich bezwecken – das in Ruinen liegende Wayne Manor, das vom Joker gezeichnete Robin-Kostüm etc. Es ist wohl anzunehmen, dass dieser Batman früher heroischer war, ihn aber diverse Ereignisse, etwa der Tod eines Robins und schließlich Superman und die Invasion von General Zod, dazu verleitet haben, seine alten moralischen Vorstellungen größtenteils über Bord zu werfen. Das Ende wiederum deutet an, dass er langsam zu diesen zurückkehrt, weil er davon spricht, Superman gerecht zu werden und Lex Luthor nicht brandmarkt. Eigentlich wäre das eine durchaus interessante Charakterentwicklung, der Film schafft es aber nicht, diese zu vermitteln, sie geht in den anderen Handlungssträngen unter und basiert zu sehr auf Vorwissen, als dass ein Zuschauer, der mit den Comics nicht vertraut ist oder sich nicht mit dem Promotionsmaterial des Films beschäftigt hat, das deutlich erkennen könnte. Es fehlt der Kontrast, Alfred erwähnt in einem Halbsatz, dass Batman jetzt härter ist, und auch in einer Zeitungsschlagzeile ist kurz zu sehen, dass das Branntzeichen erst seit Kurzem zum Repertoire des Dunklen Ritters gehört, aber trotzdem hat man kaum einen Eindruck davon, wie Batman früher war. Zudem steht Batmans exzessive Rücksichtslosigkeit in keinem Verhältnis zu der Entwicklung, die Snyder und Co. (vermutlich) im Sinn hatten. Ein zusätzlicher Batman-Film, der diese neue Version des Dunklen Ritters etabliert und besagte Entwicklung verdeutlicht, hätte da Abhilfe geschafft, aber Warner will ja unbedingt so schnell wie möglich zur Justice League.

Batmans exzessive Rücksichtlosigkeit bringt uns auch gleich zum nächsten Problem, nämlich dem eigentlichen Konflikt der beiden Helden. Wie bereits gesagt, beide Helden sind sich zu ähnlich. Sowohl Superman als auch Batman könnten nachvollziehbare Gründe für ihre Verurteilung des jeweils anderen haben, so, wie „Dawn of Justice“ das herüberbringt, erscheinen aber beide als Heuchler. Ich fand die Szene, in der Bruce Wayne die Zerstörung von Metropolis aus der Normalo-Sicht mitbekommt, unheimlich stark. Die Kollateralschäden, die Batman allerdings im späteren Verlauf einzugehen bereit ist, arbeiten gegen diese Szene und die in ihr etablierte Motivation, und zudem sind sie Batmans Ziel schlich nicht zweckdienlich. Was ist aus dem Batman geworden, der infiltriert, tarnt und täuscht, statt alles brachial niederzuwalzen und zu –schießen?

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Batman (Ben Affleck) versus Superman (Henry Cavill) im Miller-Stil

Superman hat es fast noch schlimmer erwischt, weil seine Abneigung gegen Batman kaum begründet wird. Wäre sie aufgrund besagter Kollateralschäden entstanden, wäre sie vielleicht sogar noch nachvollziehbar, aber es geht lediglich um die Branntzeichen, die Batman den Kriminellen verpasst. Im Vergleich dazu löst Superman internationale Zwischenfälle aus, nur um seine Freundin zu retten und scheint sich auch sonst nicht darum zu kümmern, wie man ihn wahrnimmt. Ich habe mit dem Superman dieses Films so ganz allgemein meine Probleme. In „Man of Steel“ habe ich Superman zumindest noch ansatzweise erkannt, aber in „Dawn of Justice“ zieht Henry Cavill die ganze Zeit eine Miene, die grimmiger ist als Batmans und kommt allgemein als fürchterlich arrogant und selbstgerecht rüber. Somit bleibt der eigentlich Kern des Films, der Konflikt der beiden Heroen, schlampig und halbherzig inszeniert, vor allem, weil es im Grunde zwei Mal dieselbe Figur ist, nur einmal mit und einmal ohne Superkräfte, wo die Dynamik doch eigentlich von Gegensätzen geprägt sein sollte. Entsprechend uninspiriert ist dann auch der Ausgang des eigentlichen, visuell durchaus ansprechend inszenierten Kampfes; Batman und Superman werden von einem Moment auf den anderen plötzlich Kumpel, weil ihre Mütter zufällig den gleichen Namen haben, anstatt dass sie lernen, sich gegenseitig zu respektieren. Entsprechend hohl wirkt dann auch das Ende des Films mit Supermans Begräbnis: Warum sollte man sich emotional fühlen angesichts der Art und Weise, wie Superman in diesem Film handelt? Warum sollte Batman seine Methoden ändern, um sich Supermans Opfer würdig zu erweisen, wo Superman doch fast genauso rücksichtslos vorgeht?

Dawn of Justice
Der Untertitel verweist nicht auf eine Thematisierung oder Verarbeitung des Begriffs „Gerechtigkeit“ und seiner Bedeutung, sondern ausschließlich auf Warner Bros. Vorhaben, die Justice League zusammen zu bringen, um mit Marvels Avengers konkurrieren zu können. Zu diesem Zweck wird „Dawn of Justice“ immer mal wieder angehalten, um einen Justice-League-Verweis einzubauen, der dramaturgisch völlig unsinnig ist, Zeit frisst, die an anderer Stelle fehlt und dazu noch völlig plump und uninspiriert daherkommt, so als kämen besagte Szenen direkt von den Produzenten des Studios (was wahrscheinlich auch der Fall ist). Zwei Elemente fallen da besonders auf. Zum ersten wäre da Batmans Vision in der Vision, die ich auch gerne als „Bat Max: Fury Road“ bezeichne: Wir sehen Batman in einem apokalyptischen Alptraum, in dem Superman offenbar als Diktator über eine verwüstete Erde regiert. Diese Thematik ist nicht neu, schon in „Superman: The Animated Series“ verschlägt es Lois Lane in einer Episode in eine Parallelwelt, auf der sie gestorben ist, was Superman dazu veranlasst hat, mit Lex Luthors Hilfe aus Metropolis einen Polizeistaat zu machen. Das Spiel „Injustice: Gods Among Us“ und die zugehörigen Comics bedient sich eines ähnlichen Plots; auch hier wird Superman nach Lois Lanes Tod zum Diktator und Batman zum Widerstandskämpfer. Das Omegasymbol im Sand und das Auftauchen dämonischer, geflügelter Wesen sind Indizien, doch noch auf etwas anderes hindeuten: Darkseid, einer von DCs größten Schurken, wird wohl früher oder später mit seine Paradämonen der Erde einen Besuch abstatten. Das Bild mit den Dämonen, die aus dem Himmel kommen, und die völlig aus dem Nichts kommende letzte Szene mit Lex Luthor deuten ebenfalls in diese Richtung. Tatsächlich wurde bereits eine geschnittene Szene veröffentlicht, die zeigt, woher Luthors plötzliches Wissen um eine potentielle Alieninvasion eigentlich herkommt und die uns eventuell auch Steppenwolf, Darkseids Onkel und Feldherrn, sowie die Mother-Box, einen göttlichen Supercomputer, zeigt. Da stellt sich nun die Frage: Arbeitet Superman in dieser Vision für Darkseid? Auch das gab es schon mal, nämlich im Serienfinale von „Superman: The Animated Series“, in welchem Darkseid Superman einer Gehirnwäsche unterzieht, sodass er glaubt, Darkseids Adpotivsohn zu sein.

„Bat Max: Fury Road“ ist in eine andere Vision eingebettet, in der der von Ezra Miller gespielt Flash auftaucht und Batman erklärt, Lois sei der Schlüssel (was wieder auf „Injustice: Gods Among Us“ hindeutet). Flash als Teil einer Zeitreisekrise verweist außerdem auf Geschichten wie „Crisis on Infinte Earths“ oder „Flashpoint“. Das Ganze bleibt allerdings ziemlich konfus und ich bin mir absolut nicht sicher, ob mir die Richtung gefällt, in die sich das Ganze bewegt.

Und dann wäre da natürlich noch die Vorstellung der anderen Justice-League-Mitglieder, die derart plakativ herüberkommt, dass ich im Kino meinen Augen kaum getraut habe: Da schickt Batman Wonder Woman doch tatsächlich eine E-Mail mit von Lex Luthor gestohlenen Dateien. Zu jedem späteren Mitglied der Liga (Flash, Aquaman, Cyborg) gibt es ein Video, das man sich ansehen kann. Das wirkt auf mich wie Promomaterial, das begleitend für einen Justice-League-Film als Teil einer Marketingkampagne veröffentlicht wird, nicht wie Teile dieses Films. Apropos Wonder Woman: Sie war definitiv eines der besten Elemente des Films, hat jede Szene gestohlen, in der sie war und zwischen ihr und Ben Affleck war so unendlich viel mehr Chemie als zwischen Amy Adams und Henry Cavill, aber wenn wir ehrlich sind, ist auch sie für diesen Film ziemlich irrelevant, da sie kaum etwas zur Handlung beiträgt. Mit einer minimalen Abänderung hätte der Endkampf auch nur zwischen Batman, Superman und Doomsday stattfinden können.

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Bat Max, äh, Batman (Ben Affleck) betrachtet das Omega-Symbol im Sand

Was ist nun für die Zukunft des „DC Extended Universe“ zu erwarten? Zuerst einmal zwei Filme, für dich ich nach wie vor Hoffnung habe, nämlich „Suicide Squad“ (August 2016) und „Wonder Woman“ (Juni 2017). Beide sind nämlich erst einmal primär von der kommenden Justice-League-Adaption gelöst und Snyder, Goyer und Terrio sind auch nicht beteiligt (Ersterer ist zwar als ausführende Produzent genannt, aber das muss nicht unbedingt etwas heißen). „Suicide Squad“ beschäftigt sich in erster Linie mit Schurken und/oder eher unbekannten Nebenfiguren, während „Wonder Woman“ während des Ersten Weltkriegs spielt – die Möglichkeiten, die Justice League weiter vorzubereiten, sind damit eher begrenzt. Außerdem sehen die Suicide-Squad-Trailer und das, was wir von Wonder Woman in „Dawn of Justice“ gesehen haben, sehr vielversprechend aus. Wirklich Sorgen mache ich mir dann um „Justice League Part One“, bei dem wieder Zack Snyder Regie führt. Ich bin gespannt, ob und wie Warner auf die vernichtenden Kritiken reagiert. Auch der angekündigte Director’s Cut von „Dawn of Justice“ könnte zumindest interessant werden, da er dem Film tatsächlich helfen könnte, wenn er es schafft, die Struktur zu verbessern.

Fazit
An meinem ursprünglichen Fazit hat sich eigentlich nichts geändert, weshalb ich zum Schluss noch einmal auf einige Fan-Reaktionen eingehen möchte, die Kritikern vorwerfen, sie wollten nur einen Marvel-Film sehen, die DC-Filme seien düster und erwachsen, dies sei ein Film für die Comicfans etc. Ich hoffe, ich habe klar dargelegt, warum „Dawn of Justice“ für mich als Fan nicht funktioniert. Snyder, Goyer und Terrio mögen die Comics auf visueller Ebene zitieren, inhaltlich bleibt dies aber nur oberflächlicher Fanservice, da sie offenbar nicht begriffen haben (oder sich einfach nicht darum kümmern), was die Comics, die sie da zitieren, eigentlich aussagen. Und ich denke, niemand ist der Meinung, alle Superheldenfilme müssten wie die Streifen des MCU sein. Es geht nicht um die Prämisse bzw. die Stimmung an sich, sondern darum, wie sie umgesetzt wird. Die MCU-Filme sind im Großen und Ganzen selbstironischer, leichter und „heller“, während die (bisherigen) Filme des DCEU versuchen, düster, grimmig und ernsthaft zu sein – sie wären gerne eine Superheldencharakterstudie. Das Problem ist nicht, dass sie das versuchen, sondern dass sie an ihrer Prämisse ziemlich grandios scheitern. Wie dieses Vorhaben funktionieren kann, zeigen die Marvel-Serien von Netflix. So bleibt „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ein sowohl faszinierendes als auch unendlich frustrierendes misslungenes Projekt, ein widersprüchlicher Film, der gleichzeitig zu lang und zu kurz und zu vorlagentreu und zu abweichend ist.

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come
Brian Azzarellos Wonder Woman
Lex Luthor: Man of Steel
Batman v Superman: Dawn of Justice
Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

bvsscore

Track Listing:

CD 1:
01. Beautiful Lie
02. Their War Here
03. The Red Capes Are Coming
04. Day Of The Dead
05. Must There Be A Superman?
06. New Rules
07. Do You Bleed?
08. Problems Up Here
09. Black and Blue
10. Tuesday
11. Is She With You?
12. This Is My World
13. Men Are Still Good (The Batman Suite)

CD 2 (Special Edition Bonus Tracks):
01. Blood of my Blood
02. Vigilante
03. May I Help You, Mr. Wayne?
04. They Were Hunters
05. Fight Night

Hans Zimmer ist nicht der erste Komponist, der für mehrere Inkarnationen des Dunklen Ritters die Musik schrieb. Christopher Drake komponierte sowohl Scores für diverse DC-Zeichentrickfilme, darunter etwa „Batman: The Dark Knight Returns“, „Batman: Year One“ und „Batman: Under the Red Hood“, als auch für das Spiel „Batman: Arkham Origins“ (in meinen Augen seine in dieser Hinsicht bislang gelungenste Arbeit). Zimmer besitzt aber einen völlig anderen Bekanntheitsgrad, weshalb dieser Umstand viel mehr Aufmerksamkeit erregte. Zimmer zeigte sich im Vorfeld von „Batman v Superman: Dawn of Justice“ eher zögerlich und erklärte schließlich, dass er sich für Snyders zweiten DC-Film („Watchmen“ nicht mitgerechnet) vor allem weiter um die Superman-Musik kümmern würde, während der Holländische DJ und Komponist Tom Holkenborg alias Junkie XL („Mad Max: Fury Road“, „300: Rise of an Empire“) die Batman-Seite der Geschichte vertonen würde. Diese Kollaboration ist nun wahrlich nichts Besonderes, Holkenborg ist ein Komponist aus Zimmers Score-Schmiede Remote Control Productions und arbeitete bereits an „The Dark Knight Rises“ und „Man of Steel“ mit, für „Dawn of Justice“ wurde er also lediglich zum Co-Komponisten befördert. Letztendlich hat Zimmer dann, laut eigener Aussage, doch auch am neuen Batman-Thema mitgewirkt, es war also eine vollständige Kollaboration. In Interviews betonten Zimmer und Holkenborg , wie schwer es gewesen sei, für einen ikonischen Charakter wie Batman einen neuen Sound zu entwickeln. Das Ergebnis hat mich allerdings absolut nicht überzeugt.

Wie nicht anders zu erwarten, baut der Score stark auf dem Stil des Vorgängers auf: Extrem simple melodische Konstrukte, ausgeprägter Minimalismus, tief dröhnende Bässe, viele, viele Percussions und noch mehr Elektronik und synthetisches Sounddesign. Stilistische Kontinuität ist also gegeben, was normalerweise bei mir ein Pluspunkt wäre, aber bei DIESEM Stil… Mir gelingt es bei dieser Art von Soundtrack kaum, mich emotional auf die Inhalte einzulassen. Gerade bei „Man of Steel“ habe ich oft das Gefühl, dass Zimmer sich hier an einer neuen Form des Micky-Mousing versucht: Statt wie beim herkömmlichen Micky-Mousing die Bewegungen auf der Leinwand direkt in Musik umzusetzen, werden die Soundeffekte imitiert. Wenn der Weltenwandler auftaucht und seine Strahlen verschießt, sind Musik und Soundeffekte kaum mehr unterscheidbar, was ich ebenso unsinnig wie unnötig finde. Anstatt nur zu dröhnen, könnte die Musik etwas über die Emotionen der Figuren oder die Bedeutung der Szene verraten. Das ist in Actionszenen besonders relevant (und gilt natürlich auch für „Dawn of Justice“): Das Übermaß an Percussions kommt zu den Soundeffekten nur hinzu, ohne irgendetwas auszusagen, und ist dann auch noch so simpel und unkreativ wie möglich. Das ist für mich kaum noch Musik, das ist Lärm.

Nicht nur stilistisch, sondern auch thematisch wird das eine oder andere Element wieder aufgegriffen. Von einer tatsächlichen Weiterentwicklung kann allerdings kaum die Rede sein. In „Man of Steel“ gab es immerhin eine minimale Entwicklung des Supermanthemas, das in Tracks wie Flight oder What Are You Going to Do When You Are Not Saving the World? immerhin halbwegs heroisch klang. Wer eine derartige Version des Themas in „Dawn of Justice“ sucht, wird wohl bitter enttäuscht werden. Außerdem klingt jede Version des Themas in diesem Score, als wäre sie direkt aus „Man of Steel“ übernommen worden. In Day of the Dead ist die klavierlastige Clark-Kent-Version direkt am Anfang zu hören, für Superman hat Zimmer das Thema im Vergleich zum Vorgänger sogar auf zwei, drei Notenpaare reduziert, die ebenfalls in Day of the Dead (ab 1:12) mehrmals erklingen und abermals völlig ohne Veränderung übernommen wurden. In der zweiten Hälfte von Day of the Dead spielt Zimmer noch ein wenig mit diesen Paaren. In This Is My World erklingt noch einmal die Clark-Kent-Variation (so gut wie identisch zur vorherigen) und eine aufsteigende Tonfolge, die ebenfalls mit dem Supermanthema zusammenhängen könnte und stark an das Ende von If You Love These People aus „Men of Steel“ erinnert. In Men Are Still Good (The Batman Suite) ist noch ein paar Mal die unveränderte Superman-Version zu hören, und das war’s dann auch schon im Großen und Ganzen.

Kommen wir nun zu den essentiellen neuen Themen, von denen es drei gibt. Das erste gehört zu Lex Luthor und ist ausgiebig in The Red Capes Are Coming und am Anfang von Problems Up Here zu hören. Besagtes Thema ist eindeutig mein Favorit, da es wie etwas klingt, das eher zu „Pirates of the Caribbean“ oder „Sherlock Holmes“ passt, Zimmer-Scores also, die mir tatsächlich gefallen. Das Luthor-Thema wird von Klavier und Geigen gespielt, ist ebenfalls sehr simpel, aber abgedreht und unterhaltsam, was sich vom Rest des Soundtracks nicht sagen lässt. Auch passt das Thema recht gut zu dieser Interpretation von Lex Luthor, die mir zwar nicht zusagt, aber dafür kann man Zimmer und Holkenborg nicht die Schuld geben. Aber selbst hier zeigt sich eines der Probleme bezüglich der Leitmotive bei „Dawn of Justice“: Sie werden kaum variiert und eine Entwicklung sucht man vergebens. Selbiges trifft leider auch auf das Wonder-Woman-Thema zu, das sich auf dem Album nur ein bzw. mehrmals kurz hintereinander findet (Is She With You?, gleich zu Beginn), im Film selbst aber noch an ein, zwei weiteren Stellen erklingt. Es handelt sich dabei wiederum um ein sehr simples Motiv, das auf dem elektrischen Cello gespielt wird; hierfür heuerte Zimmer extra die Cellistin Nina Guo an. Das Positivste, was sich über dieses Thema sagen lässt ist, dass es aus dem Rest des Scores ziemlich heraussticht. Ansonsten habe ich aber massive Probleme, dieses Thema mit Wonder Woman zu assoziieren, weil ich es fürchterlich unpassend finde. Wonder Woman sollte eine erfahrene, ausgeglichene Kriegerin sein, hier höre ich aber ausschließlich unangebrachte und chaotische Aggressivität.

Und schließlich das Batman-Thema, das auch das erste ist, das auf dem Album zu hören ist (Beautiful Lie): Es besteht im Kern aus sechs identischen Hornstößen in einem bestimmten Rhythmus, oft untermalt von Percussions oder Chor. An ein, zwei Stellen wird es zusätzlich noch von einer leicht auf- und absteigenden Tonfolge aus zwei Akkorden begleitet, die entfernt tatsächlich an eine Melodie erinnert und zum Beispiel in Their War Here, ab 0:13 und Men Are Still Good (The Batman Suite) ab 11:55 erklingen. Ich gehe mal davon aus, dass es sich bei dieser Kombination um das eigentliche Thema handelt, was sich aber schwer feststellen lässt, weil sie kaum auftaucht. Wirklich? DAS ist das Beste, was Zimmer und Holkenborg für Batman eingefallen ist? Mal ehrlich, das kann man kaum ein Batman-Thema nennen, das ist eher ein Batman-Rhythmus. Zugegeben, es gibt ein paar Stellen, an denen dieses Konstrukt halbwegs effektiv ist, etwa in der Eröffnungsszene, die die Ermordung der Waynes thematisiert; Aufbau und Andeutung des Motivs sind hier recht akzeptabel und funktional. Die Probleme, die dieses „Thema“ mit sich bringt sind mannigfaltig: Es ist so simpel, dass es außer Aggressivität nichts ausdrückt. Es kann nicht fragmentiert werden, die Variationsmöglichkeiten sind extrem beschränkt und nach den ersten beides Tracks des Albums bereits fast vollständig ausgeschöpft. Da es aber ohne nennenswerte Abwandlung ständig gespielt wird (neben den bereits genannten Tracks u.a. auch in New Rules, Do You Bleed, Black and BlueVigilante und Fight Night) beginnt es sehr schnell nervig zu werden.

Beim Titel des Films könnte man nun erwarten, dass sich die beiden Themen ebenso wie die zugehörigen Helden duellieren, das ist aber kaum der Fall. Ansätze finden sich vielleicht noch in Do You Bleed?, es gibt ein paar Statements des Batman-Rhythmus und hin und wieder meint man, zwei Noten des Superman-Themas zu hören, aber all das geht im Lärm der Percussions und im Dröhnen der Ohrenkrebs erzeugenden Elektronik unter. Diese beiden Elemente setzen Zimmer und Holkenborg leider auch sehr ausgiebig ein. Sobald die Action losgeht, wird ohne Rücksicht auf Verluste losgetrommelt, und einige Tracks des Albums sind für mich wirklich unerträglich – das beste Beispiel ist Must There Be a Superman, und Tuesday ist kaum besser. Wie einige andere Soundtrack-Rezensenten bin ich auch zu der Ansicht gelangt, dass „Dawn of Justice“ oftmals eher wie ein Horror- denn ein Superheldenscore klingt, und leider nicht mal ein besonders guter Horror-Score.

Fazit: Die Musik, die Hans Zimmer und Tom Holkenborg für „Batman v Superman: Dawn of Justice“ komponiert haben, weist vielleicht eine Handvoll gelungener Momente auf, ist aber übermäßig simpel, repetitiv, minimalistisch, substanzlos, nervig und in einigen Tracks schlicht unerträglich. Thematische Entwicklung oder Variation ist praktisch nicht vorhanden, die neuen Leitmotive sind ziemlich unpassend und wenn doch mal eine brauchbare Idee auftaucht, wird sie zumeist in nervtötenden Percussions und hässlicher Elektronik erstickt. Es wird Zeit, dass dieser Trend in der Filmmusik ausstirbt.

Siehe auch:
Man of Steel – Soundtrack
Music of the Bat