Die Geschichte der Sith Teil 3: Lords of the Old Republic

Für lange Zeit war die Ära der Alten Republik eine reine Comicdomäne. 1998, kurz vor Episode I, erschien mit „Redemption“ die letzte Miniserie der Überreihe „Tales of the Jedi“, die dieses Kapitel vorerst abschloss. 2001 beschäftigten sich zwar der Autor Darko Macan in „Jedi vs. Sith“ mit der Alten Republik, griff aber nicht lose Fäden der „Tales“ auf, sondern Fragen, die „Die dunkle Bedrohung“ aufgeworfen hatte: Warum gibt es nur zwei Sith (und für die Leser von Terry Brooks‘ Romanadaption: Wer war der dort kurz erwähnte Darth Bane?). Darüber hinaus liegen zwischen „Redemption“ und „Jedi vs. Sith“ knapp 3000 Jahre.

Im Jahr 2003 erschien mit „Knights of the Old Republic“ schließlich das erste Star-Wars-Rollenspiel, das sowohl Filmschauern als auch EU-Fans ein völlig neues Umfeld präsentierte. Zwar knüpft es inhaltlich an die „Tales of the Jedi“ an („Redemption“ ist im Jahr 3986 vor der Schlacht um Yavin angesiedelt, KotOR 3956) – man erinnert sich an den Sith-Krieg und Exar Kun – aber weder wurden Figuren direkt übernommen, noch orientierte man sich am archaischen Design der Comics. Stattdessen erschuf das Entwickler-Studio BioWare eine Version des SW-Universums, die zwar durchaus individuell ausfiel, aber optisch doch sehr viel näher an den Filmen als an den „Tales“ ist.

Auch inhaltlich ist zumindest „Knights of the Old Republic“ eine Variation der von der OT geprägten Version der Heldenreise, aber mit einem speziellen Twist, versteht sich. Die Fortsetzung „Knights of the Old Republic II: The Sith Lords“, die von John Jackson Miller verfasste, gleichnamige Comicserie und das eng verwandte MMORPG „The Old Republic“ gingen dann zum Teil in eine andere Richtung. Ihnen allen ist jedoch gemein, dass die Sith eine enorm wichtige Rolle darin spielen; in jedem Old-Republic-Medium wird eine neue Inkarnation des Sith-Ordens vorgestellt.

Darth Revans Sith
Man muss nicht lange suchen, um in „Knights of the Old Republic“ Parallelen zur OT zu finden: Eine schwächer werdende Galaktische Republik kämpft gegen ein brutales Sith-Imperium unter der Führung des gnadenlosen Darth Malak, der mit seiner imposanten Erscheinung und seinem Stahlkiefer mehr als nur ein wenig an Darth Vader erinnert. Auch die Regel der Zwei ist mehr oder weniger intakt. Ursprünglich wurde das Sith-Imperium von einer vage Palpatine-artigen Figur namens Darth Revan regiert, dem Malak als Vollstrecker und Heerführer diente, bis er ihn verriet und den Posten des Dunklen Lords der Sith okkupierte. So weit, so bekannt. Die Autoren von BioWare, darunter auch Drew Karpyshyn, der später die Darth-Bane-Romane verfassen sollte, verpassten diesem Handlungskonstrukt allerdings einen Twist. Der Spielercharakter, anfangs ein quasi namen- und identitätsloser Soldat der Republik mit Machtbegabung, ist in Wahrheit Revan selbst, der von den Jedi gefangen und dessen Gedächtnis vom Jedi-Rat gelöscht wurde.

revanmalak

Darth Revan und Darth Malak

Die Sith, wie sie in „Knights of the Old Republic“ dargestellt werden, sind insgesamt sehr traditionell. Zwar werden grundsätzlich alle Häscher Revans und Malaks als Sith bezeichnet, aber es gibt, wie gehabt, immer nur zwei, die den Titel Darth tragen – nach Revans vermeintlichem Ableben nimmt sich Malak einen neuen Schüler namens Darth Bandon. In diesem Kontext stellt sich die Frage, in wie weit die Autoren des Spiels mit dem zuvor erschienen Comic „Jedi vs. Sith“ vertraut waren, der suggeriert, Darth Bane sei der erste Sith mit Darth-Titel und Erfinder der Regel der Zwei gewesen. Wie dem auch sei, Drew Karpyshyn beseitigte etwaige Ungereimtheiten, indem Revan offiziell zum Ideengeber für die Regel der Zwei macht: Bane hat die Idee in „Path of Destruction“ letztendlich aus Revans Holocron und orientiert sich an der Struktur von Revans Sith-Orden – allerdings entfernt er alles, was ihm überflüssig erscheint; so bleiben nur der Dunkle Lord der Sith und sein Schüler übrig, während Armeen, untergebene Sith ohne Darth-Titel etc. wegfallen.

Im Verlauf des Spiels lernt der Spieler auch, wie Revan und Malak der Dunklen Seite verfallen. An dieser Stelle greift „Knights of the Old Republic“ die „Tales of the Jedi“ auf: Am Ende des Sith-Krieges wurden die Mandalorianer besiegt, doch nur wenige Jahrzehnte später erheben sie sich unter der Führung von Mandalore, dem Ultimativen aus der Asche, um die Republik abermals mit Krieg zu überziehen. Die Jedi wollen sich aus diesem Konflikt heraushalten, eine Minderheit des Ordens unter der Führung des sogenannten „Revanchisten“ (später nur noch Revan) ist damit allerdings nicht einverstanden. Besagte Minderheit greift schließlich in den Krieg ein und führt die Republik tatsächlich zum Sieg. Dabei opfern diese Jedi allerdings ihre Prinzipien. Revan und Malak, die beiden Anführer, entdecken bereits während des Krieges uralte Sternenkarten. Nach dem Sieg über die Mandalorianer verschwinden Revan und sein Freund Malak in den unbekannten Regionen, verfolgen die Spur der Karten und entdecken die Sternenschmiede, die Superwaffe des untergegangenen Volkes der Rakata, mit deren Hilfe man eine endlose Zahl an Schiffen und Droiden herstellen kann. Schon bald kehren Revan und Malak als Sith-Lords zurück, um mit einer gewaltigen Streitmacht in die Republik einzufallen. Die genauen Details der Sith-Werdung der beiden gefallenen Jedi werden in „Knights of the Old Republic“ nicht enthüllt, dies wird erst in späteren Spielen und Begleitmaterialien erledigt.

Das Ende des Spiels ist von der Entscheidung des Spielers abhängig: Entweder wird Revan wieder zum Jedi und führt die Republik zum Sieg über die Sith, oder er beansprucht den Titel des Dunklen Lords der Sith abermals für sich. Spielerisch sind die Unterschiede allerdings nicht besonders groß, in jedem Fall beendet der Spieler am Ende Darth Malaks Leben. Erst im Nachhinein entschieden die Verantwortlichen bei Lucasfilm, dass das „Gute Ende“ das kanonische ist.

Das Sith-Triumvirat
Während es rein spielerisch und optisch keine großen Unterschiede zwischen „Knights of the Old Republic“ und seiner Fortsetzung gibt, ist die Galaxis zu Beginn von Letzterer doch ein völlig anderer Ort als im Vorgänger, was u.a. damit zusammenhängt, dass ein anderes Entwicklerstudio, Obsidian, und andere Autoren an diesem Spiel arbeiteten und dass die Story bereits verfasst wurde, als „Knights of the Old Republic“ noch nicht fertiggestellt war. In „Knights of the Old Republic II: The Sith Lords“ liegt die Galaxis in Trümmern. Trotz des Todes von Darth Malak ist die Republik instabil, während die Jedi von einer unbekannten Macht fast vollständig ausgelöscht wurden. Drei neue Sith-Lords, das „Sith-Triumvirat“, haben die Kontrolle über die Überreste der alten Sith-Armee übernommen.

sithtriumvirat

Darth Sion, Darth Traya und Darth Nihilus

Während KotOR sich vieler Story-Elemente der klassischen Trilogie bediente, geht KotOR II in weitaus größerem Maße eigene Wege, gerade bei der Konzeption der Sith-Lords. Waren die meisten bisherigen Sith Diktatoren, Attentäter oder Kriegsherren, so sind sie in diesem Spiel eher die Sklaven ihrer Prinzipien. Jeder der drei besitzt einen speziellen Titel. Darth Nihilus, der Lord Hungers, wird nicht vom Streben nach Macht getrieben, sondern nur von seinem Hunger, der Wunden in der Macht hinterlässt und ihn zwingt, das Leben ganzer Planeten in sich aufzunehmen. Nihilus ist eine fremdartige Kreatur, Maske und Robe ohne Inhalt, die eine für die meisten unverständliche Sprache spricht. Er möchte nicht herrschen, sondern gleicht eher einer unkontrollierbaren Naturgewalt, der bereits fast der ganze Jedi-Orden zum Opfer gefallen ist. Darth Sion, Lord der Qual, müsste eigentlich tot sein, sein Körper ist eine gepeinigte Ruine, die nur von seinem Willen und der Dunklen Seite der Macht zusammengehalten wird. Beides ist eng miteinander verknüpft, solange Sions Wille nicht gebrochen wird, kann er auch nicht sterben. Die letzte im Bunde, gleichzeitig auch die komplexeste, ist Darth Traya, die Lady des Verrats. Ursprünglich war sie eine Jedi-Meisterin namens Kreia, die Revan ausbildete. Nach seinem Fall wurde sie aus dem Jedi-Orden verbannt, wandte sich der Dunklen Seite zu und bildete sowohl Nihilus als auch Sion aus, doch auch diese beiden verrieten sie. Danach kehrt sie zu ihrer alten Identität zurück und bildet den Charakter des Spielers aus, nur um diesen letztendlich zu verraten, wieder zu Darth Traya zu werden und als Endgegner des Spiels zu fungieren. Darth Traya ist in einem konstanten Zirkel des Verrates gefangen, sie verrät und wird verraten. Darüber hinaus besitzt sie eine einzigartige Wahrnehmung der Macht. Traya hält die Macht für einen bösartigen Gott, ihre Kraft zieht sie aus ihrem Hass auf die Macht selbst, ihr Ziel ist es letztendlich, die Macht zu vernichten.

Die Mitglieder des Sith-Triumvirats sind als Verkörperung bestimmter Prinzipien ziemlich einzigartig im SW-Universum und meiner bescheidenen Meinung nach bislang auch der beste Versuch, eine Lovecraft’sche Thematik in der weit, weit entfernten Galaxis unterzubringen. Sowohl die Ansichten Darth Trayas als auch die Natur von Sion und speziell Nihilus kann man zumindest in Ansätzen dem von H. P. Lovecraft begründeten Genres des Kosmischen Horror zurechnen. In späteren Werken wurden noch weitere Versuche unternommen, derartige Konzepte unterzubringen, u.a. durch Figuren wie den Sith-Imperator Vitiate (s.u.) oder die Macht-Entität Abeloth, in meinen Augen allerdings mit weitaus geringerem Erfolg.

Der Einzelgänger

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Haazen alias Darth Hayze

Der Erfolg der KotOR-Spiele veranlasste Dark Horse dazu, eine thematisch verwandte Comicserie mit demselben Titel in Auftrag zu geben, die sich ihrerseits als äußerst erfolgreich erwies und von 2006 bis 2010 lief. Alleiniger verantwortlicher war John Jackson Miller, der der Herausforderung mehr als gewachsen war und eine der besten SW-Comicserien schrieb. Zwar bedient sich die Serie des Settings der Spiele (die Handlung beginnt wie KotOR auf Taris) und es kommen auch einige Figuren wieder vor, darunter diverse Jedi-Meister sowie Revan und Malak, allerdings ist die Kenntnisse der Spiele nicht nötig, u.a. auch, da die Handlung während der Mandalorianischen Kriege und somit einige Jahre vor KotOR stattfindet. Miller erläutert Ereignisse, die in den Spielen nur angedeutet werden und schlägt zugleich eine Brücke zur Serie „Tales of the Jedi“ aus den 90ern. Zu diesem Zeitpunkt gelten die Sith als vernichtet, ihr Vermächtnis beschäftigt die Jedi allerdings immer noch, schon allein weil der Anführer der Mandalorianer ein Veteran des letzten Sith-Krieges ist. Im Zentrum der Handlung steht der Padawan Zayne Carrick, dessen Meister Teil einer Gruppe von Jedi-Sehern ist, die wegen einer Vision glaubt, Zayne werde der nächste Dunkle Lord der Sith, weshalb sie versuchen, ihn zu töten. Die Serie erzählt, wie Zayne vor den Jedi flüchtet, neue Freunde findet und dabei die Mandalorianischen Kriege erlebt. Natürlich erweist sich die Prophezeiung am Ende als fehlerhaft und ein anderer, in diesem Fall selbsternannter Sith erhebt sich: Hinter vielen der Intrigen der Serie steckt letztendlich Haazen, ein gescheiterter und wahnsinniger Jedi-Padawan, der seine mangelnde Machtbegabung mithilfe diverser Sith-Artefakte ausgleicht und sich den Namen Darth Hayze verleiht. Somit will er, sowohl als Jedi Haazen als auch als Sith-Lord Darth Hayze, über das Gleichgewicht der Macht wachen, wird aber letztendlich besiegt. Im größeren Kontext bleibt Darth Hayze relativ bedeutungslos und hat nur wenig Auswirkungen auf zukünftige Ereignisse. Er repräsentiert nicht wirklich eine eigene Inkarnation der Sith, sondern eher eine Anomalie. Legt man es darauf an, so könnte man ihn als den letzten Auswuchs von Exar Kuns Sith-Bruderschaft auslegen.

Das zweite Sith-Imperium
„Knights of the Old Republic II: The Sith Lords” endete sehr offen und kryptisch. Kreia zufolge reiste Revan nach seinem Sieg über Darth Malak in die Unbekannten Regionen, um die „Wahren Sith“ zu finden. Unabhängig davon, ob der Spieler sich in KotOR II für die Helle oder die Dunkle Seite entscheidet, bricht auch sein Charakter am Ende des Spiels auf, um Revan zu folgen. Bis ins Jahr 2011 blieb es ein Geheimnis, wer besagte „Wahre Sith“ nun eigentlich sind. Im Jahr 2011 erschien schließlich der de facto KotOR-Nachfolger, das MMORPG „The Old Republic“, abermals von BioWare entwickelt. Die Handlung setzt 300 Jahre nach KotOR an: Die „Wahren Sith“, ein Überleibsel des alten Sith-Imperiums, das sich in den Unbekannten Regionen der Galaxis versteckt hat, greift die Republik und die Jedi an. Dieser Große Galaktische Krieg ist der Hintergrund des Rollenspiels, in welchem sich die Spieler entweder für Republik oder das Sith-Imperium entscheiden. Da besagtes Imperium als spielbare Fraktion funktionieren soll, muss es natürlich gewisse Anforderungen erfüllen – das Sith-Triumvirat hätte in diesem Kontext wohl kaum funktioniert. Obwohl TOR 300 Jahre nach KotOR und knapp 3600 Jahre vor den Filmen spielt, fühlt sich das Spiel in vielerlei Hinsicht an wie ein Best of des bisherigen Star-Wars-Universums. Während die „Tales of the Jedi“ sich durch das archaische Design weit von den Filmen entfernten, gelang es den KotOR-Verantwortlichen, eine Ästhetik zu erschaffen, die zwar unverkennbar zu Star Wars gehört, sich aber gleichzeitig von den Filmen abhebt und distinktiv ist. TOR dagegen versucht um jeden Preis, den Gelegenheits-Fan des Franchise mit ins Boot zu holen, und das merkt man: Die Soldaten der Republik sehen aus wie die Klone, das Sith-Imperium erinnert sehr stark an das Galaktische Imperium und Darth Malgus, der Vorzeige-Sith des Spiels, ist ein weiterer Darth-Vader-Verschnitt, gegen den Darth Malak fast schon subtil wirkt.

vitiate

Imperator Vitiate

In gleichem Maße wirkt die Struktur des Sith-Imperiums sehr vertraut. An der Spitze steht der Sith-Imperator, ihm untersteht ein Dunkler Rat, gefolgt von den diversen direkt agierenden Sith-Meistern, -Lords und -Schülern. Die Hintergründe dieses Imperiums werden im Spiel selbst und natürlich auch in den obligatorischen Begleitmedien (Romane, Comics, Kurzgeschichten und virale Videos) beleuchtet. Besonders Drew Karpyshyns Roman „Revan“ ist diesbezüglich sehr informativ; er enthüllt nicht nur, was mit Revan nach KotOR geschieht und wie der Name des Spielercharakters aus KotOR II lautet (Meetra Surik), sondern erläutert auch, woher der Sith-Imperator kommt. Leider kommt auch bei besagtem Herrscher mit dem Namen Vitiate die Best-of-Mentalität wieder durch. Auf mich wirkt er wie der Versuch, einen absoluten Überschurken zu kreieren. Die TOR-Autoren borgten sich diverse Elemente von Darth Sidious, Darth Bane, Darth Nihilus und anderen Dunklen Lords, um so den bösesten und mächtigsten Sith zu erschaffen: Vitiate wird als Bastard eines Lords des alten Sith-Imperiums unter der Herrschaft von Marka Ragnos geboren und ist schon als Kind das absolute Böse, tötet seinen Vater im Alter von zehn und nimmt drei Jahre später dessen Platz ein, überlebt den Untergang des alten Reiches und vernichtet nicht nur die übrig gebliebenen Lords, sondern saugt einem ganzen Planeten das Leben aus, um sein eigenes Überleben zu sichern. Anschließend führt er die Überreste der Sith nach Dromund Kaas und gründet das neue Sith-Imperium, über das er dann als unsterblicher Herrscher fast 1500 Jahre lang regiert, während er die Ereignisse in der Galaxis manipuliert und u.a. auch für Revans und Malaks Fall verantwortlich ist. Leider ist Vitiate so übermächtig und dabei so schlecht ausbalanciert, dass er für mich als Figur völlig uninteressant ist – er vereint diverse Charakteristika besserer Sith-Lords, hat aber keine wirklich eigene Identität, nichts, das ihn neben seinem Übermaß an Macht als Charakter hervorstechen ließe. Jede seiner Eigenschaften findet sich bei einem anderen Sith, bei dem sie erzählerisch besser umgesetzt wurde.

Nun gibt es in „The Old Republic“, aufgrund der Natur des Spiels und der diversen Zusatzmedien noch eine Menge weiterer Sith-Lords, etwa den bereits erwähnten Darth Maglus, der in den ersten drei Trailern des MMORPGs prominent vertreten ist, in Paul S. Kemps „Deceived“, meiner bescheidenen Meinung nach das beste TOR-Begleitwerk, die Hauptrolle spielt und dort auch, trotz der sehr offensichtlichen Vader-Parallelen, ein weitaus interessanter Charakter als Vitiate ist. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Darths (Marr, Mortis, Scourge, Baras usw.), auf die alle einzugehen allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Im Großen und Ganzen sind all diese Sith jedoch relativ austauschbar. Ich denke, es ist deutlich geworden, dass das zweite Sith-Imperium nicht zu meinen Lieblingsinkarnationen des Ordens gehört.

Zusammenfassung
Die Old-Republic-Spiele erschließen abermals eine neue Epoche und neue Inkarnationen der Sith, die die Lücke zwischen den „Tales of the Jedi“ und den Bane-Romanen zumindest ansatzweise füllen. „Knights of the Old Republic“ zeigt einen Sith-Orden, der dem der PT und OT stark ähnelt (ein Imperium unter Führung zweier Sith-Lords), „Knights of the Olrd Republic II: The Sith Lords“ stellt das weitaus innovativere Sith-Triumvirat vor und „The Old Republic“ serviert mit dem zweiten Sith-Imperium unter Vitiate ein ziemlich unkreatives Star-Wars-Best-of.

Wichtige Werke:
Knights of the Old Republic (Spiel)
Knights of the Old Republic II: The Sith Lords (Spiel)
Miller, John Jackson: Knights of the Old Republic (Comicserie)
The Old Republic (Spiel)
Kemp, Paul S.: The Old Republic: Betrogen
Karpyshyn, Drew: The Old Republic: Revan

Siehe auch:
Die Geschichte der Sith Teil 1: Erste Lords
Die Geschichte der Sith Teil 2: Die Regel der Zwei

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Vampire: The Masquerade – Bloodlines

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Da ich mich selbst nicht unbedingt als Gamer bezeichnen würde – viel eher als Gelegenheitsspieler – habe ich schon früh beschlossen, dass es hier keine Rezensionen zu Spielen geben wird. Allerdings, hin und wieder erwacht dann doch das Verlangen, über meine Favoriten der Spielezunft zu schreiben. „Vampire: The Masquerade – Bloodlines“ ist definitiv einer dieser Favoriten, sogar einer der mir besonders am Herzen liegt, und das nicht nur, weil es sich dabei um ein ausgezeichnetes Rollenspiel handelt, das ich wirklich verdammt oft gespielt habe. Dieses Spiel ist letztendlich dafür verantwortlich, dass ich mich endgültig in White Wolfs „World of Darkness“ verliebt habe und nun ein ganzes Regalbrett voller Vampire-Quellenbände besitze.

Vorgänger und Begleitumstände
Die Welt, in der „Vampire: The Masquerade“ spielt, kenne ich allerdings schon ein wenig länger, denn es gibt noch eine weitere Spieleadaption. Im Jahr 2000 erschien „Vampire: The Masquerade – Redemption“, das ich ein, zwei Jahre später erwarb und spielte. Das Konzept der dargestellten Vampirgesellschaft inklusiver diverser Vampirclans begeisterte mich sofort, ebenso wie die Grundstory des Kreuzritters Christof Romauld, der im mittelalterlichen Prag zum Vampir wird und nach einem Besuch in Wien ein mehrere Jahrhunderte dauerndes Nickerchen macht, um im London des Jahres 1999 wieder zu erwachen und schließlich in New York am Vorabend des neuen Jahrtausends seinen Erzfeind zu bezwingen.

Leider ist „Redemption“ nicht unbedingt die gelungenste Umsetzung des Pen&Paper-Rollenspiels. Man merkt, dass den Machern die World of Darkness zweifellos am Herzen lag und dass sie sehr ambitioniert waren. Viele Konzepte, Ideen und Fachtermini der Vorlage sind im Spiel zu finden, es ist den Machern tatsächlich gelungen, alle Clans (mit Ausnahme der Ravnos, dafür gibt es aber Kappadozianer) unterzubringen. Und vor allem der ersten Hälfte merkt man viel Herzblut und Liebe zum Detail an (die zweite Hälfte ist, gerade bezüglich der Schauplätze, leider eher langweilig). Das Problem liegt vor allem darin, dass das Spiel einerseits etwas überladen ist und dass sich andererseits das Spielprinzip nicht ganz so gut mit der Grundprämisse der Vorlage deckt. Beim „Vampire: The Masquerade“ handelt es sich laut dem Grundregelwerk um ein Spiel des persönlichen Horrors, Moralität und die Auseinandersetzung mit dem eigenen inneren Tier stehen im Fokus. „Redemption“ schneidet diese Themen zwar an, arbeitet aber nicht mit ihnen; es gibt kaum Gelegenheiten, in denen man als Spieler wirklich Entscheidungen treffen kann. Als Spiel ist „Redemption“ ein lineares Action-Rollenspiel, das stark an „Diablo 2“ erinnert (allerdings mit einem weit weniger flüssigen Kampf- und Fertigkeitensystem und einer ziemlich miesen KI). Ein solches kann die Prämisse der Vorlage leider nur in sehr begrenztem Maße umsetzen, da man doch die meiste Zeit damit beschäftigt ist, durch Dungeons zu marschieren und Gegner umzubringen.

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Die drei Signaturcharaktere: Jeanette Voerman, der Nosferatu-Spielercharakter und Ming Xiao

Wie dem auch sei, „Bloodlines“ ist nicht im eigentlichen Sinne ein „Nachfolger“ zu Redemption, beide Spiele haben außer der Tatsache, dass sie auf demselben Rollenspiel basieren und in derselben Welt spielen, nicht allzu viel miteinander gemein, was schon durch die verschiedenen Entwicklerstudios deutlich wird. „Redemption“ wurde von Nihilistic Software entwickelt, „Bloodlines“ von Troika Games. Leider hatte das zweite Masquerade-Rollenspiel keinen besonders guten Start, da Troika pleiteging und „Bloodlines“ deshalb unfertig und verbuggt auf den Markt kam. Ein erster Patch beseitigte die gröbsten Fehler, aber es waren schließlich Fan-Patches, die dafür sorgten, dass „Bloodlines“ sein volles Potential ausleben konnte. Trotz der Fehler entwickelte sich schnell eine hingebungsvolle Fangemeinde, die die Qualitäten dieses Spiels erkannte und alles dafür tat, es so perfekt wie möglich zu machen.

Story und Spielprinzip
Zu Anfang des Spiels wählt man einen der sieben Clans der Camarilla (Brujah, Gangrel, Malkavianer, Nosferatu, Toreador, Tremere, Ventrue) aus und legt die grundsätzllichen Attribute fest. Und schon geht es los. Handlungsort ist Los Angeles: Der Spieler beginnt als frisch geschaffener Vampir, dessen Erzeuger hingerichtet wird. Nur dank der Güte des Prinzen von L.A. überlebt man, fungiert aber fortan als Laufbursche des besagten Prinzen, eines Franzosen namens Sebastian LaCroix, und lernt so die vampirische Gesellschaft, die Konflikte zwischen den Sekten (Anarchen, Camarilla, Sabbat), Clans und Einzelvampiren kennen, findet sich mit seiner untoten Natur zurecht und lernt, was es heißt, ein blutsaugendes Monster zu sein. Das die eigentliche Handlung auslösende MacGuffin ist der Sarkophag von Ankara, der alle Fraktionen der Stadt in helle Aufregeung versetzt, da angenommen wird, in seinem Inneren befinde sich ein uralter und mächtiger Vampir. Der Spieler folgt der Spur des Sarkophags und erlebt mit, welche Auswirkungen er auf die Figuren und den Status Quo der Stadt hat.

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Das Gothic-Punk-L.A. der World of Darkness

Nach und nach lernt man dabei vier Stadtteile von Los Angeles (Santa Monica, Downtown, Hollywood und Chinatown) kennen und kann diese ausgiebig erforschen. Zwar könnte man theoretisch auch nur der Haupthandlung folgen, aber es gibt so viele interessante Nebenquests, dass es wirklich eine Schande wäre, würde man sie ignorieren. Insgesamt ist „Bloodlines“ weitaus mehr Rollenspiel als „Redemption“. Die eigentliche Haupthandlung ist zwar ebenfalls ziemlich linear, als Spieler hat man allerdings weitaus mehr Freiheit bei der Erkundung der Welt und der Erledigung der Quests. Mit Ausnahme einiger weniger Missionen gibt es für die diversen Aufträge darüber hinaus immer drei bis vier Lösungsmöglichkeiten. Natürlich kann der Spieler einfach eindringen und alle umbringen, aber zumeist ist es erfolgversprechender, wenn man sich einschleicht oder versucht, potentielle Gegner zu überreden, zu verführen, zu bedrohen oder zu bestechen. Erfahrungspunkte gibt es auch nicht für getötete Gegner, sondern ausschließlich für erledigte Quests; eine subtile und clevere Vorgehensweise ist diesbezüglich zumeist lukrativer. Ganz kommt man um Kämpfe allerdings dennoch nicht herum. „Bloodlines“ bietet sowohl Nah- als auch Fernkampfwaffen (Letztere werden aus der Ego-Perspektive bedient), zusätzlich zu den vampirischen Disziplinen. Leider ist auch hier das Kampfsystem ein wenig holprig und unausgereift, was aber weitaus weniger ins Gewicht fällt als bei Redemption, da man sich nicht die ganze Zeit prügeln muss.

Figuren, Dialoge und Sprecher
Eine der größten Stärken von „Bloodlines“ sind die wirklich exzellenten geschriebenen Figuren und Dialoge. Besonders mit Letzteren hatte „Redemption“ einige Probleme, da sie oftmals ziemlich plakativ und unnatürlich wirkten. Nicht so in „Bloodlines“.

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Smiling Jack (John DiMaggio)

In diesem Spiel wimmelt es geradezu vor enorm spannenden Figuren, die authentisch und oftmals gleichzeitig bedrohlich und amüsant sind, in jedem Fall aber absolut zu überzeugen wissen und mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden. Da ist es völlig egal, ob es sich um wichtige WoD-Signaturcharaktere wie Beckett oder Smiling Jack handelt, die man bereits aus den Quellenbänden von White Wolf kennt, oder kleine, unwichtige Nebencharaktere wie zum Beispiel Dr. Gimble in Santa Monica – sie alle sind individuell gestaltet und sorgen dafür, dass das Los Angeles des Spiels zu einem lebendigen Ort wird, den man gerne erforscht. Natürlich müssen auch gut geschriebene Dialoge passend vertont werden – zum Glück leistet „Bloodlines“ auch an dieser Front exzellente Arbeit. Es existiert keine deutsche Synchronisation, was angesichts der ausgezeichneten englischen Sprecher aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Ein Spiel wie dieses braucht natürlich Spreche en masse, darum hier nur kurz einige meiner Favoriten: John DiMaggio (Smiling Jack), Michael Gough (Beckett), Grey DeLisle (Jeanette und Theres Voreman), Nika Futterman (Velvet Velour), Jim Ward (Maximilan Strauss), Neil Ross (Gary) und Mary Elizabeth McGlynn (Pisha).

Verhältnis zur Vorlage
Einer der dicksten Pluspunkte von „Bloodlines“ ist die grandiose Atmosphäre, die die Gothic-Punk-Stimmung der Vorlage vorzüglich einfängt. Zwar ist die auf Valves Source-Engine basierende Graphik inzwischen völlig veraltet und war schon zum Zeitpunkt des Erscheinens nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber atmosphärisch weiß „Bloodlines“ nach wie vor zu überzeugen.

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Los Angeles by Night (1994)

Auch sonst ist das zweite Masquerade-Spiel eine bessere Umsetzung der Vorlage als das erste. Während es bei „Redemption“ wirkt, als hätten die Macher so viel vom Hintergrundmaterial wie nur möglich unterbringen wollen, zeigt sich, dass bei „Bloodlines“ weniger tatsächlich mehr ist. Die Mythologie der World of Darkness wird weit subtiler vorgestellt, der Spieler ertrinkt nicht in Exposition und die Autoren fühlten sich auch nicht verpflichtet, alle Clans ausführlich vorzustellen – die Jünger des Set oder die Assamiten fehlen beispielsweise völlig.

Obwohl 1994 ein Masquerade-Quellenband erschien, der Los Angeles ausführlich beschrieb, bedient sich „Bloodlines“ kaum der Informationen besagten Quellenbandes – es gibt nur eine einzige Figur, die sowohl im Spiel als auch in der ursprünglichen Beschreibung der Stadt auftaucht: Der legendäre Brujah-Anarch Smiling Jack. Alle anderen Figuren (bis auf Beckett, versteht sich, der, wie erwähnt, einer der beliebtesten NPCs des Pen&Paper-RPGs ist) wurden für das Spiel neu geschaffen. Indirekt haben aber doch einige Elemente von „Los Angeles by Night“ ins Spiel gefunden, bzw. sie dienen als Basis. Dazu gehört vor allem die Tatsache, dass L.A. viele Jahrzehnte lang weder zur Camarilla, noch zum Sabbat gehörte, sondern ein Anarchen-Freistaat war. Die Ereignisse des White-Wolf-Metaplots, etwa die Invasion der Kuej-jin, der ostasiatischen Vampire und das nahen Gehennas, der Vampirapokalypse, werden ebenfalls aufgegriffen und spielen eine wichtige Rolle.

Schwächen

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Beckett (Michael Gough)


Trotz aller Qualitäten ist „Bloodlines“ nicht frei von Schwächen. Obwohl die Fan-Patches viele Bugs entfernen und sogar einiges an Content restaurieren, finden sich doch nach wie vor einige Spiel- und Grafikfehler.
Während die Gesichtsanimationen beispielsweise wirklich gelungen sind und auch heute noch durchaus überzeugen, lässt sich das über einige der Bewegungsanimationen absolut nicht sagen. Auch das Kampfsystem ist leider nicht das gelungenste und kann hin und wieder zu leichter bis mittlerer Frustration führen. Und dann wäre da noch das Ende: Zwar gibt es diverse unterschiedliche Enden, je nachdem, welcher Fraktion man die Treue schwört, so gewaltig ist der Unterschied dann aber auch wieder nicht. Und dann wäre da der Schlusstwist, der ebenfalls nicht unbedingt befriedigend ist. Weitaus mehr fällt allerdings ins Gewicht, dass die beiden letzten Missionen reine Schlachtfeste sind. Hat man seinen Charakter zu sehr auf Heimlichkeit oder Überredungskünste spezialisiert, wird man es am Ende relativ schwer haben, was wirklich schade ist, da „Bloodlines“ dem Spieler sonst fast immer die Wahl lässt, wie er eine Mission lösen möchte.

Fazit: Trotz einiger Schwächen ist „Vampire: The Masquerde – Bloodlines“ nach wie vor ein exzellentes Rollenspiel, eines meiner absoluten Lieblingsspiele und die bislang beste Umsetzung von „Vampire: The Masquerade“.

Siehe auch:
Vampire: The Masquerade
Gehenna: Die letzte Nacht