GoT: Walk of Punishment

season 3
„Walk of Punishment“ (ein Titel, der sich nicht nur auf die gleichnamige Straße in Astapor bezieht, da Bestrafung und Bezahlung wichtige Themen der Episode sind) ist das Regiedebüt der beiden Serienschöpfe David Benioff und D. B. Weiss und wandelt stets auf einem schmalen Grad zwischen Humor auf der einen und sehr unschönen Elementen auf der anderen Seite. Der Erzählrhythmus ist wieder ein wenig entspannter als in „Dark Wings, Dark Words“.

Riverrun
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Edmure Tully (Tobias Menzies)

„Walk of Punishment“ startet in Riverrun (das nun erstmals auf der Karte im Intro auftaucht) mit dem ersten und gleichzeitig auch letzten Auftritt Hoster Tullys. Über den Tod von Catelyns Vater wurden wir ja bereits zuvor informiert, nun sind Robb und Catelyn bei seiner Seebestattung (die im Roman erst später stattfindet) zugegen. Zugleich tauchen hier auch erstmals Catelyns Bruder Edmure (Tobias Menzies) und Onkel Brynden „Blackfish“ Tully (Clive Russel) auf. Beide waren in der Vorlage bereits vor Band 3 zugegen, sodass sie hier nun relativ schnell, dafür aber auch ein wenig eindimensionaler charakterisiert werden. Die Szenen in Riverrun orientieren sich relativ nah an der Vorlage, liegen dort aber weiter auseinander, sodass Edmure dort nicht wie ein völliger Versager wirkt, was in der Serie der Fall ist: Zuerst versagt er dabei, seinem Vater angemessen die letzte Ehre zu erweisen, und dann folgt die Besprechung mit Robb und dem Blackfish, bei der sich herausstellt, dass ein Sieg, den Edmure scheinbar errungen hat, in Wirklichkeit eine Niederlage ist.
Später gibt es noch ein Zwiegespräch zwischen Catelyn und dem Blackfish, in welchem wir einiges von dem erfahren, das in den Büchern vor allem durch Catelyns innere Monologe vermittelt wird – ihr und ihres Onkels Verhältnis zu Hoster Tully und ähnliches.
Auch wenn die beiden neuen Figuren noch nicht ausreichend erforscht wurden, kann man über ihre Schauspieler nicht klagen, sowohl Clive Russel als auch Tobias Menzies (nach Ciarán Hinds der nächste Darsteller aus HBOs „Rome“) passen sehr gut zu ihren Rollen. Ein nettes Detail am Rande: Die Tullys tragen passenderweise Schuppenpanzer.
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Brynden „Blackfish“ Tully (Clive Russel)

King’s Landing
Nachdem er in der letzten Folge abwesend war lädt Tywin Lannister nun zu einem Treffen des Kleinen Rates. Bei der Eröffnung dieser Szene handelt es sich um einen der besten und lustigsten Momente der gesamten Serie, und das völlig ohne Gewalt, Brüste oder auch nur ein einziges Wort. Die Situation gestaltet sich folgendermaßen: In der neuen Kammer des Kleinen Rates steht an rechteckiger Tisch. Am Kopfende sitzt Tywin Lannister, zu seiner Linken stehen fünf Stühle. Varys, Littlefinger, Pycelle und Tyrion betreten den Raum, Littlefinger nimmt auf dem Stuhl Platz, der Tywin am nächsten ist, ihm folgt Varys und schließlich Pycelle. Kurz darauf kommt Cersei herein, die sich mit dieser Situation allerdings nicht abfindet, sich kurzerhand einen Stuhl schnappt und sich zu Tywins Rechter setzt. Und Tyrion? Der Gnom schnappt sich den letzten Stuhl und zieht ihn sehr lautstark an das andere Ende des Tisches, sodass er Tywin direkt gegenübersitzt. Diese Szene charakterisiert alle anwesenden Figuren wunderbar. Littlefinger, der Ambitionierteste, sucht den Platz, der am nächsten an der Macht liegt. Varys zieht die zweite Reihe vor, Pycelle ist froh, wenn er nachkommt. Cersei macht ohne Rücksicht auf Verluste was sie will und Tyrion stellt sich quer.
Im darauffolgenden Gespräch des Kleinen Rates wird noch einmal der aktuelle Status Quo elegant zusammengefasst und Tyrion erhält ein neues Amt: Während Littlefinger aufbricht, um Lysa Arryn zu ehelichen, wird Tyrion neuer Meister der Münze. In Littlefingers Bordell nimmt unser Lieblingsgnom dann die Bücher seines Vorgängers entgegen.
Littlefingers Bordell ist immer ein guter Platz, um ein wenig Fanservice unterzubringen, ein Aspekt, der in dieser Staffel (zumindest für GoT-Verhältnisse) vernachlässigt wurde. Podricks Belohnung dafür, dass er Tyrions Leben gerettet hat, ist wohl ein willkommener Anlass, dieses „Versäumnis“ nachzuholen und gleichzeitig einen netten Insidergag unterzubringen: Als „Mereenese Knot“ bezeichnete George R. R. Martin die Probleme, die er beim Schreiben von „A Dance with Dragons“ hatte. Ob Pod als Liebesgott nun funktioniert sei einmal dahingestellt, dafür muss Tyrion sich aber mit der harten Realität seiner neuen Stellung herumärgern.

Auf dem Weg nach Harrenhal
Jaime und Brienne befinden sich nach wie vor im Gewahrsam von Roose Boltons Männern, zwar aneinandergebunden auf dem Rücken eines Pferdes, aber nach wie vor nicht mundfaul. In dieser Szene ist zum ersten Mal The Bear and the Maiden Fair zu hören, nach The Rains of Castamere das zweite Lied aus Westeros, das von Ramin Djawadi vertont wurde. The Bear and the Maiden Fair ist, wie das Lied der Lannisters auch, äußerst symbolisch und lässt sich auf mehrere Figurenpaare anwenden; es geht dabei um Hilfe von einer Person, von der man es nicht erwartet hätte oder die nicht dem Ideal entspricht. Zu diesen Paaren gehören unter anderem Daenerys und Jorah Mormont, Sansa und Sandor Clegane und natürlich Jaime und Brienne, wobei Letztere die Rollen immer wieder wechseln.
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Locke (Noah Taylor) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau)

Bereits bei ihrem ersten Auftritt in „Walk of Punishment“ wird der amüsante Austausch von Beleidigungen bald von einem Thema dominiert, das absolut nicht amüsant ist: Briennes bevorstehende Vergewaltigung.
Am Ende der Episode wird dieser Faden wieder aufgenommen; Jaime erweist sich als Bär, der Brienne durch seine Saphirgeschichte vor der Vergewaltigung rettet. Zu seinem Leidwesen muss Jaime hier allerdings auch lernen, dass er mit Geld vieles, aber nicht alles erreichen kann. Locke (Noah Taylor), der Ersatz für Vargo Hoat, lässt sich zwar durch Saphire davon abbringen, sich mit Brienne zu vergnügen, scheint aber einen Groll gegen Reiche im Allgemeinen oder Lannisters im Speziellen zu hegen. Die Szene ist sehr schön gestaltet. Jaime denkt, er könne sich, indem er seinen Vater als Hauptargument zu Hilfe nimmt, aus der misslichen Situation, in der er sich befindet, herausreden. Die Ergebnisse dieser Versuche sind sehr schmerzhaft und für Nichtbuchleser mit Sicherheit auch äußerst schockierend, da Jaime hier, zusammen mit seiner rechten Hand, eines seiner Hauptattribute verliert: Bisher war er einer besten Kämpfer der Serie, etwas, das seinen Charakter dominierte, und das nun fehlt.

Bei der Bruderschaft ohne Banner
Während Arya, Gendry (der bereits Sympathie für die Bruderschaft ohne Banner zu zeigen beginnt) und Sandor Clegane zu Lord Berric Dondarrion gebracht werden sollen, bleibt Hot Pie zurück, allerdings nicht, ohne sich mit einem Brot in Form eines Schattenwolfes zu verabschieden – eine putzige Erweiterung der Szene im Roman, die zeigt, dass trotz allem noch etwas Kindliches in Arya und Hot Pie steckt.

Nördlich der Mauer
Jon und seine neuen Verbündeten erreichen die Faust der Ersten Menschen und entdecken, dass die Weißen Wanderer einen sehr abstrusen Sinn für Kunst haben – Kunst, die aus den Körpern toter Pferde besteht. Tormund, Jon, Ygritte und Orell werden kurz darauf von Mance in Richtung Mauer geschickt. Mich interessiert, wie viel vom Jon-Snow-Handlungsstrang aus „A Storm of Swords“ in Staffel 3 untergebracht werden wird – wenn es weiterhin pro Folge nur eine kurze Szene gibt, folgt der Löwenanteil wohl erst in Staffel 4.
Sam und der Rest der Überlebenden Brüder der Nachtwache treffen derweil bei Craster ein, wo das Klima nicht unbedingt angenehmer geworden ist und bereits auf die Ereignisse der nächsten Episode hindeutet. Sam erlebt auch die Geburt von Gillys Sohn – viel Aufbau für spätere Ereignisse.

In der Folterkammer
Für Theon scheinen sich die Dinge zu bessern. „Yaras Gesandter“ (in den Credits nach wie vor als Boy aufgeführt), verhilft ihm zur Flucht, wenn auch unter großen Schmerzen, zur Flucht. Schon bald wird er von berittenen Bogenschützen verfolgt und eingeholt. Abermals wird, unabhängig von Jaime und Brienne, das Thema Vergewaltigung angeschnitten. Gerade rechtzeitig taucht Theons mysteriöser Retter auf und beweist, dass er ein exzellenter Schütze ist. Interessant ist die Reaktion der Verfolger, die den „Boy“ offenbar kennen und ihn als Bastard bezeichnen. Theon scheint in Sicherheit…

Dragonstone
Davos Seaworth glänzt nach wie vor durch Abwesenheit, doch immerhin gibt es ein Wiedersehen mit Stannis und Melisandre, das allerdings eine größere Abweichung von der Vorlage ankündigt. Aus den Trailern ist bereits bekannt, dass die Rote Priesterin irgendwann mit ihrem Kollegen Thoros von Myr spricht – zu diesem Treffen bricht sie wohl in „Walk of Punishment“ auf. Stannis verhält sich dabei ziemlich out of character und will ein weiteres Mal unter ihr rotes Kleid, was die Priesterin allerdings entschieden ablehnt.

Astapor
In Essos schländert Daenerys mit Jorah Mormont und ihrem neuen Verbündeten Ser Barristan Selmy, dem sie entweder schon vergeben hat oder der noch geprüft wird, über den titelgebenden Walk of Punishment, der an die Via Appia erinnert, nachdem Pompeius Magnus sie nach dem Spartacus-Aufstand mit gekreuzigten Sklaven dekorierte. Auch in Astapor werden aufständische Sklaven gekreuzigt.
In den Romanen gibt sich Selmy für lange Zeit als Arstan Weißbart aus um, wie er selbst sagt, zu überprüfen, ob Daenerys eher nach ihrem Vater oder nach ihrem Bruder gerät, etwas, zu dem er in der Serie bisher noch keine Gelegenheit hatte – allerdings dürfte Daenerys‘ Gnadenaktion ihm gezeigt haben, dass er die richtige Wahl getroffen hat.
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Daenerys (Emilia Clarke), Jorah Mormont (Iain Glenn) und Barristan Selmy (Ian Mcelhinney)

Viele der Gespräche, die in den Romanen bereits auf dem Weg nach Astapor geführt werden, finden sich in ihrer Essenz (und natürlich stark verkürzt) in dieser Szene wieder, darunter auch einer von Jorah Mormonts berühmtesten Sätzen: „Rhaegar fought valiantly, Rhaegar fought nobly and Rhaegar died.“
Schließlich fasst Daenerys ihren Entschluss und es gibt ein Wiedersehen mit Kraznys und Missandei. Die Erwerbsszene ist abermals sehr buchgetreu umgesetzt. Anschließend wird auf clevere Weise erstmals der Ausspruch Valar Morghulis übersetzt und gezeigt, dass Dany sehr wohl in der Lage ist, Valyrisch zu verstehen.

The Bear and the Maiden Fair
Wie bereits erwähnt bekommt die erste Folge der dritten Staffel, die ohne eine wie auch immer geartete Version von The Rains of Castamere auskommen muss, stattdessen die Vertonung eines anderen Liedes aus George R. R. Martins Romanen. The Bear and the Maiden Fair ist weitaus weniger düster als Rains und wohl das so ziemlich populärste Lied in Westeros. Vertont wurde es abermals von Ramin Djawadi, von dem auch sonst alles Musikalische rund um GoT stammt. Genau wie bei Rains gibt es eine Abspannversion, die von einer Indierockband interpretiert wurde, hier von The Holy Steady. Der Leadsänger der Band, Gary Lightbody, hat in der Episode einen kurzen Cameoauftritt und ist derjenige der Boltenmänner, der das Lied anstimmt.
Weshalb dieses Lied für diese Episode gewählt wurde, ist nicht schwer zu verstehen. Neben der Interpretation „Bär als ungewöhnlicher Retter“ kann das Lied auch als Vergewaltigung gedeutet werden, was beim fröhlichen, albernen Tonfall natürlich äußerst schwarzhumorig wäre. Was in meinen Augen allerdings nicht passt ist die Interpretation von The Holy Steady. Nicht, dass die nicht gelungen wäre, aber anders als die Rains-of-Castamere-Version von The National, die zur restlichen extradiegetischen Musik der Serie passte, ist The Holy Steadys Version fürchterlich anachronistisch. Hinzu kommt, dass das Lied irgendwie die Stimmung der letzten Szene zunichtemacht, obwohl das in dieser Episode, die ständig zwischen Komik und extremem Ungemach hin und herschwingt, möglicherweise die Intention war.

Fazit: Äußerst interessante und sehr schwarzhumorige Episode, die, bis auf das Ende, gekonnt auf einem schmalen Grat zwischen Komik und Grauen wandert.

The Bear and the Maiden Fair von The Holy Steady

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

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4 Kommentare zu “GoT: Walk of Punishment

  1. Robin Urban sagt:

    Wir haben uns die Folge im Livestream angesehen, der kurz vor Jaimes Amputation leider ausgefallen ist (bin noch nicht dazu gekommen, mir die Folge nochmal anzusehen). Als er wieder funktionierte und diese moderne Musik ertönte, glaubte ich, plötzlich beim falschen Sender zu sein…

    Ist wahrscheinlich noch zu früh, weil er noch nicht viele Szenen hatte, aber wie findest du Iwan Rheon bis jetzt? Wie das noch aufgedröselt wird, da bin ich doch SEHR gespannt…!

    • hemator sagt:

      „Ist wahrscheinlich noch zu früh, weil er noch nicht viele Szenen hatte, aber wie findest du Iwan Rheon bis jetzt?“

      Nach der Sichtung der vierten Episode in jedem Fall sehr vielversprechend. Er ist natürlich zu attraktiv (ein Schicksal, das er mit der Hälfte der anderen Figuren teilt), aber dieser Blick am Ende seiner Szene, herrlich.

      • Robin Urban sagt:

        Da geht noch viel mehr… warte, bis er psychopathisch UND wütend ist 😀
        Es gibt ein paar echt geile Szenen bei Misfits, wo er einfach nur total irre wirkt. Aber die würden zu viel spoilern. Ich hoffe einfach, dass dir seine Darstellung Lust auf mehr macht 😉

  2. hemator sagt:

    Keine Sorge, „Misfits“ steht schon auf meiner Noch-anschauen-Liste. Aber ich denke, er wird auch in GoT noch Gelegenheit kriegen, richtig loszulegen, spätestens wenn Reek (it rhymes with weak) irgendwas macht, was er nicht soll.

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