Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Live in Concert

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Nachdem ich schon die Gelegenheit verpasst hatte, die „Lord of the Rings Symphony“ anzusehen und zu -hören, als diese in Stuttgart war (und ich weiß nicht einmal mehr, weshalb), war es natürlich absolut undenkbar, diese spezifische Veranstaltung auszulassen. Das Format „Live to Projection“, bei dem ein Film gezeigt wird, zu dem ein Orchester, wie der Name schon sagt, live die Filmmusik spielt, wird immer beliebter. Mit seinem üppigen, epischen, bewegenden und vielschichtigen Soundtrack, komponiert von Howard Shore, bietet sich die Herr-der-Ringe-Trilogie natürlich besonders für diese Art der Aufführung an. Die Live-to-Projection-Aufführung der HdR-Filme wandert bereits seit einigen Jahren durch verschiedene Städte rund um die Welt und ist 2013 erfreulicherweise auch nach Stuttgart in die Liederhalle gekommen. Aufgeführt wurde dabei „Die Gefährten“ in der Kinofassung und im O-Ton, während die Münchner Symphoniker, der MünchenChor und der Wolfratshauser Kinderchor die Aufgabe übernahmen, Shores Musik zum Film live zu spielen. Es ist natürlich eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, genau passend zum Film zu spielen (speziell die Stellen, in denen das Underscoring genau den Bildern folgt, stelle ich mir äußerst schwierig vor), Chöre und Orchester erledigten dies allerdings mit Bravour.
Shores großartige Musik in diesem Rahmen live zu erleben und den Künstlern beim Spielen und Singen zusehen zu können ist natürlich noch einmal etwas ganz Besonderes. Zwar gibt es ein paar kleine Kritikpunkte, u.a. hätte ich mir den ersten Einsatz des Isengart-Themas und das Paradestatement des Gefährten-Themas (die Gefährten überqueren die Nebelberge) noch ein wenig voluminöser gewünscht, der Knabensopran brauchte ein wenig, um „rein“ zu kommen (was sich vor allem beim Einsatz des Rückforderung-der-Natur-Themas ein wenig negativ auswirkte, bis zu In Dreams war es dann allerdings zufriedenstellend) und in den Minen von Moria ging zwischendurch das Licht an (wofür das Orchester selbstverständlich nichts kann), aber letztendlich sind das winzige Kleinigkeiten, die das enorm positive Gesamtbild in keiner Weise trüben.
Da natürlich jede Aufführung eines Musikstücks ein wenig anders ist (und sich diese Live-Aufführung natürlich auch von den Soundtrackaufnahmen unterscheidet), fallen mitunter kleine Details auf, die selbst jemandem, der die HdR-Musik schon äußerst oft gehört hat, sonst nicht aufgefallen sind. Zum Beispiel wurden an manchen Stellen die Begleitfiguren (v.a. das Fünftacktschema, welches zum Beispiel das Isengard-Thema unterlegt, oder auch die absteigende Terz, die meistens mit den Mordor-Themen auftaucht) stärker betont. Ebenso steht bei einer Live-to-Projection-Aufführung die Musik stärker im Vordergrund, was der Intensität ungemein zuträglich. Oder, um es salopp zu formulieren: Ich hatte, verteilt über drei Stunden, schon lange nicht mehr so viel Gänsehaut. Zu den absoluten Highlights des Abends gehörten, unter anderem, sämtliche Einsätze des Nazgûl-Themas – ein voller gemischter Chor, der in der Sprache Númenors singt, ist einfach etwas Herrliches – sowie die beiden Einsätze des Gefährten-Themas in Moria und das komplette The Road Goes Ever On (bzw. In Dreams). Unbedingt erwähnenswert ist noch die Sopranistin Kaitlyn Lusk, die Enya und Elizabeth Fraser mehr als würdig vertritt.
Fazit: Wunderbares Orchester, wunderbarerer Chöre, wunderbare Aufführung einer wunderbaren Musik. Ich freue mich schon auf März 2014, wenn „Die zwei Türme“ kommen.

Siehe auch:
Der Herr der Ringe: Die zwei Türme – Live in Concert
The Music of the Lord of the Rings Films
Stück der Woche: For Frodo
Rückforderung der Natur

Die fantastische Welt von Oz

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Story: Der Bühnenzauberer Oscar Diggs (James Franco), genannt Oz, wird von einem Wirbelsturm in das gleichnamige magische Land geweht. Dort begegnet er der Hexe Theodora (Mila Kunis) und dem geflügelten Affen Finley (Zach Braff), die Oscar erzählen, dass der ursprüngliche Herrscher von Oz von seiner Tochter, der Hexe Glinda (Michelle Williams) ermordet wurde. Theodora und Evanora (Rachel Weisz), ebenfalls Töchter des Herrschers, bekämpfen Glinda und versuchen Oscar, den sie für einen durch eine Prophezeiung angekündigten Zauberer halten, für ihre Sache zu gewinnen. Oscar macht sich schließlich auf, Glinda zu töten, begegnet unterwegs einem Porzellanmädchen (Joey King) und lernt schließlich, wer die eigentliche böse Hexe ist…

Kritik: L. Frank Baums Oz-Romane, und besonders die Verfilmung von „Der Zauberer von Oz“ aus dem Jahr 1939, sind so etwas wie ein amerikanische Nationalheiligtum. In Deutschland dagegen sind sie zwar ebenfalls bekannt (abermals vor allem die Verfilmung), aber bei weitem nicht so populär oder präsent. Zugegebenermaßen habe ich mich nie wirklich mit ihnen beschäftig und auch vom Film nur ein paar Ausschnitte gesehen, ich bin also nicht in der Lage festzustellen, inwiefern „Die fantastische Welt von Oz“ dem Geist der bisherigen Oz-Werke, welcher Natur auch immer, treu bleibt.
Viele Kritiker zogen Parallelen zwischen Sam Raimis Oz-Prequel und Tim Burtons „Alice im Wunderland“, und das nicht ganz zu Unrecht, vor allem, was visuellen Stil und Modernisierung eines Klassikers der Kinderliteratur (bzw. eines Klassikers des Kinderfilms) angeht. Raimi erweist sich dabei im Großen und Ganzen als etwas geschickter als Burton; „Die fantastische Welt von Oz“ wirkt runder und durchdachter als der Burton-Film, und er folgt erfreulicherweise auch nicht dem Trend, in jedem Fantasy-/Märchenfilm die Endschlacht von „Der König von Narnia“ zu imitieren. Das Finale des Oz-Prequels dagegen wirkt angemessen und zum Film passend. Gerade was Struktur und Plot angeht weiß „Die fantastische Welt von Oz“ zu überzeugen, auch wenn es kaum Überraschungen gibt. Selbst jemand, der den „Zauberer von Oz“ nicht kennt, wird sehr schnell erraten können, in welche Richtung sich die Geschichte bewegt.
Besonders der schwarzweiße Prolog, in dem viele der Figuren bereits auf gewisse Weise vorgestellt werden weiß zu überzeugen, ebenso wie die visuelle Entwicklung, die mit einem grauen Kansas beginnt und sich im Verlauf des Films immer weiter steigert. Natürlich ist das Ganze gewürzt mit vielen Anspielungen an das Original, unter anderem durch das Auftauchen eines verängstigten Löwen, der Vogelscheuche oder der geflügelten Paviane. Auch auf einige andere Filme wird angespielt: Die Rauchschwaden, die ein gewisser Hexenbesen ausstößt, erinnern an die Todesser und Evanoras Blitze könnten von Darth Sidious stammen, wären sie nicht grün.
Ein wenig enttäuschend sind dagegen die Schauspieler, es fehlt gewissermaßen das schauspielerische Schwergewicht. James Franco, Rachel Weisz und Michelle Williams sind alle zwar annehmbar bis gut, aber nicht überragend. Mila Kunis spielt zwar überzeugend die junge, naive Theodora, aber der Wandel, den ihre Figur durchmacht, wirkt nicht wirklich glaubhaft, ebenso wie alles, was danach folgt. Dies ist allerdings nicht allein Kunis‘ Schuld, da das Make-up, mit dem sie in der zweiten Hälfte des Films herumläuft, irgendwie merkwürdig aussieht. Die beste darstellerische Leistung liefert Michelle Williams als namenloses, aber wunderschön animiertes Porzellanmädchen. Ihre Figur ist eindeutig die liebenswerteste und quasi das Herzstück des Films.
Fazit: Visuell beeindruckendes, amüsantes, unterhaltendes, aber schauspielerisch nicht immer einwandfreies Prequel zu „Der Zauberer von Oz“.

Trailer

Game of Thrones Staffel 2

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Dieser Artikel ist schon lange überfällig. Ursprünglich hatte ich mir überlegt, bereits nach der US-Ausstrahlung der zweiten Staffel von „Game of Thrones“ etwas zu schreiben, aber irgendwie war mir das zu diesem Zeitpunkt zu aufwändig und ich habe es immer weiter und weiter rausgeschoben. Nun naht schon der Start der dritten Staffel und ich habe immer noch nichts dazu geschrieben, was sich hiermit natürlich ändert.
Allerdings habe ich nun beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen. Da am letzten Wochenende die deutsche Free-TV-Ausstrahlung erfolgte, kann ich wohl davon ausgehen, dass Interessierte inzwischen die zweite Staffel gesehen haben, weshalb diese Rezension im Gegensatz zu der der ersten Staffel NICHT spoilerfrei wird. Die Kenntnis der ersten Staffel wird natürlich vorausgesetzt.

Die Handlung
Wie schon Staffel 1 ist auch Staffel 2 die Adaption eines kompletten A-Song-of-Ice-and-Fire-Bandes – logischerweise des zweiten, „A Clash of Kings“. Die Handlung knapp zusammenzufassen ist dabei ein äußerst schwieriges Unterfangen, da die Handlungsstränge, Schauplätze und Personen noch zahlreicher sind als in der ersten Staffel.
Westereos versinkt endgültig im Bürgerkrieg. Nach dem Tod Robert Baratheons zerfallen die Sieben Königreiche und jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. Auf dem Eisernen Thron sitzt Joffrey Baratheon (Jack Gleeson), der als Sohn Roberts gilt, aber in Wahrheit das Kind von Roberts Frau Cersei Lannister (Lena Headey) und ihrem Bruders Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) ist. Diese Tatsache verbreitet sich allerdings so langsam in den Sieben Königslanden, weshalb es weitere Anwärter gibt. Robert Baratheons Brüder Stannis (Stephen Dillane) und Renly (Gethin Anthony) beanspruchen beide die Krone für sich. Der Anspruch von Ersterem ist der Rechtmäßige, da er der nächste in der Thronfolge ist, allerdings hat Letzterer weitaus mehr Rückhalt bei den diversen Adelshäusern des Reiches. Um dies zu kompensieren schließt Stannis ein Bündnis mit Melisandre (Carice van Houten), einer Priesterin des Feuergottes R’hllor, die über eigenartige Fähigkeiten verfügt, was allerdings seinem Vertrauten Davos Seaworth (Liam Cunningham) absolut nicht zusagt.
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Melisandre von Asshai (Carice van Houten) und Stannis Baratheon (Stephen Dillane)

Nach dem Tod von Eddard Stark wurde dessen ältester Sohn Robb (Richard Madden) von seinen Gefolgsleuten zum König des Nordens ausgerufen und kämpft nun um die Unabhängigkeit seines Reiches. Bisher hat er zwar jede Schlacht gewonnen, aber seine Feinde sind dennoch übermächtig. Aus diesem Grund schickt er Theon Greyjoy (Alfie Allen) zu dessen Vater Balon (Patrick Malahide) auf die Iron Islands, um dessen Hilfe zu erbitten. Einst rebellierte Balon gegen den Eisernen Thron und Eddard Stark nahm ihm seinen einzigen überlebenden Sohn, um sich seine Loyalität zu sichern. Nun, da Eddard Stark tot ist, denkt Balon allerdings gar nicht daran, sich Robb Stark anzuschließen, sondern ernennt sich ebenfalls zum König und greift den Norden an, während Theon feststellen muss, dass er sich von seinem Volk entfremdet hat und dass seine Schwester Yara (Gemma Whelan, im Roman heißt sie Asha) quasi seinen Platz eingenommen hat.
Auch Tywin Lannister (Charles Dance), das Oberhaupt des Hauses Lannister und neue Hand des Königs, ist mit der Gesamtsituation nicht ganz zufrieden, weshalb er bereits kurz nach Eddard Starks Enthauptung seinen Sohn Tyrion (Peter Dinklage) nach King’s Landing geschickt hat, damit dieser an seiner statt als Hand des Königs fungiert und darauf achtgibt, dass Joffrey und Cersei nicht über die Stränge schlagen, was sich als schwierige Aufgabe herausstellt. Der Königshof ist ein Schlangennest, allerdings scheint Tyrion eine Begabung dafür zu haben, mit den Schlangen umzugehen und er stellt fest, dass er ganz in seinem Element ist.
Sansa Stark (Sophie Turner) dagegen möchte nichts lieber, als aus King’s Landing verschwinden. Nach wie vor ist sie mit Joffrey verlobt und darüber hinaus die Gefangene der Lannisters. Und leider wird Joffrey immer grausamer und bösartiger.
Sansas Schwester Arya (Maisie Williams) ist zusammen mit Gendry (Joe Dempsie), einem Bastard Robert Baratheons, auf der Flucht vor den Lannisters. Dummerweise verschlägt es sie nach Harrenhal, wo Lord Tywin gerade hofhält.
Harrenhal
Harrenhal

Anderenorts haben andere Leute auch Probleme abseits der Frage, wie viele Leute in Westeros Anspruch auf die Königswürde erheben. Im hohen Norden, hinter der Mauer, ergründen Jon Snow (Kit Harrington) und seine Brüder von der Nachtwache das Geheimnis der wandelnden Leichen und der sich versammelnden Wildlinge, während Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) nach Khal Drogos Tod und der Geburt ihrer drei Drachen die rote Wüste durchquert und in der exotischen Stadt Qarth ankommt. Der dort herrschende Rat der Dreizehn, allen voran Xaro Xhoan Daxos (Nonso Anozie), ist sehr an den Drachen interessiert, weigert sich jedoch, ihr dabei zu helfen, Westeros zu erobern.

Umsetzung der Vorlage
Im Großen und Ganzen hält sich auch die zweite GoT-Staffel nach wie vor ziemlich eng an die Vorlage, allerdings sind die Abweichungen und Vereinfachungen dieses Mal stärker und gravierender als noch bei Staffel 1. Manches davon ist durchaus positiv und die Serie profitiert davon, anderes erscheint unnötig.
Allgemein gilt „A Clash of Kings“ als ein wenig schwächer als „A Game of Thrones“, eine Meinung, der ich mich anschließe und die somit auch auf die Staffel zutrifft. Sowohl Buch als Staffel leiden unter Zerfaserung. Was auch immer man von Eddard Stark (Sean Bean) gehalten haben mag, er hat als Protagonist die Serie und ihre Figuren doch relativ gut zusammengehalten. Viele der Figuren, die in Staffel 1 durch ihn miteinander verbunden waren (die Stark-Töchter, Cersei und der kleine Rat, teilweise auch Catelyn) haben nun stärker getrennte, eigene Plotstränge, und auch an anderen Stellen „trennen sich die Wege“.
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Ser Davos Seaworth (Liam Cunningham)

Zusätzlich gibt es einige völlig neue Schauplätze, Handlungsstränge und Protagonisten wie etwa Dragonstone und Davos Seaworth, durch dessen Augen der Leser/Zuschauer Stannis Baratheon und Melisandre kennen lernt. Stärker noch als im Buch hat dies in der Serie zur Folge, dass einige Figuren schlicht zu kurz kommen. In den ersten Folgen der zweiten Staffel sind dies vor allem Daenerys und Bran.
Gerade Daenerys‘ Handlungsstrang ist derjenige, der am stärksten vereinfacht und verändert wurde, und das nicht immer zum Positiven. Das Fehlen der toten Stadt, in der Danys Khalasar einen Zwischenhalt einlegt, ist nicht wirklich gravierend, aber die Tatsache, dass einige Figuren ohne ersichtlichen Grund sterben, obwohl sie im Roman überleben, wirft doch gewisse Fragen auf, ebenso wie die Darstellung Xaro Xhoan Daxos‘. In der Vorlage will er zwar Daenerys ebenfalls heiraten, verhält sich aber eigentlich recht anständig und steht mit Dany auf gutem Fuß, als sie Qarth schließlich verlässt. In der Serie dagegen ist er eindeutig ein Schurke, der mit dem Hexenmeister Pyat Pree eine Intrige spinnt, um die Herrschaft über Qarth an sich zu reißen, während der Hexenmeister hinter den Drachen her ist und sie schließlich entführt. Die Intrige endet schließlich mit dem (scheinbaren) Tod Xaro Xhoan Daxos‘. Dieses Komplott existiert im Roman nicht und wirft auch die Frage auf, wie es wohl mit Daenerys in den kommenden Staffeln weitergeht und ob noch größere Abweichungen von der Vorlage zu erwarten sind. Da ihr Handlungsstrang derjenige ist, der am stärksten von den anderen losgelöst ist (zumindest noch), sind hier auch die meisten Änderungen möglich, ohne dass ein Dominoeffekt entsteht. Die Frage ist, ob dies nun positiv oder negativ ist. Zumindest Xaros Verschurkung hätte meinetwegen nicht unbedingt sein müssen.
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Xaro Xohan Daxos (Nonso Anozie)

Theon Greyjoys Handlungsstrang wird im Gegensatz dazu relativ buchgetreu umgesetzt (auch wenn die Eroberung Winterfells ein wenig arg plötzlich kommt), doch am Ende gibt es ebenfalls eine Änderung, die die Frage aufwirft, wie sich das weiterentwickelt. Während er im Buch von Ramsay Snow, dem Bastard von Roose Bolton, gefangen genommen wird (was die Figur enorm zeichnet), wird er in der Serie lediglich von einem seiner Männer niedergeschlagen. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass er zu Beginn der nächsten Staffel in Ramsays Hände gerät. Während er in den Büchern erst wieder in „A Dance with Dragons“ auftaucht, sind die Autoren der Serie möglicherweise der Meinung, dass es kontraproduktiv wäre, ihn so lange pausieren zu lassen.
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Yara Greyjoy (Gemma Whelan)

Aus einem ähnlichen Grund verlegte man wohl einige Ereignisse aus „A Storm of Swords“ bereits vor. Jaime Lannister hat in „A Clash of Kings“ nun wahrlich nicht viel zu tun, weshalb die Autoren entschieden, seinen Aufbruch mit Brienne bereits früher zu zeigen. Ebenso wird Robb Starks verhängnisvolle Hochzeit, die in den Büchern offscreen geschieht, gezeigt und seine Frau (Oona Chaplin) wird sehr viel früher eingeführt – auch wenn sie in der Serie Talisa Maegyr und nicht Jeyne Westerling heißt. Auch hat man sich bemüht, Robbs Ehefrau ein wenig mehr Charakter zu geben als in den Büchern. Ob das wirklich gut gelungen ist, ist diskutabel, die grundsätzliche Absicht, die mit der Umstrukturierung einhergeht, ist aber nachvollziehbar und nützlich. Wie schon in der erste Staffel wird auch weiterhin die Tatsache genutzt, dass man nicht so eng an die POV-Charaktere gebunden ist, sodass man einige zusätzliche Szenen einbauen konnte, etwa ein Gespräch zwischen Littlefinger und den Tyrells oder mehr von Robb Stark.
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Talisa Maegyr (Oona Chaplin)

Eine weitere, sehr gelungene Änderung findet sich bei Aryas Handlungsstrang. Dieser ist ebenfalls ein wenig vereinfacht (es fehlen u.a. die Übernahme Harrenhals durch Roose Bolton, der Blutige Mummenschanz und viele der kleinen Szenen und Details), im Kern (in meinen Augen ist dieser das Verhältnis zwischen Arya und Jaquen) allerdings intakt und statt der oben genannten Details durch ein anderes erweitert: Arya wird Lord Tywins Mundschenk. Dies ist eine interessante Konstellation, die zu ebenso interessanten Gesprächen zwischen den beiden führt, bei denen sogar eine merkwürdige, aber nachvollziehbare Sympathie entsteht und Tywin ein wenig zu einer Vaterfigur für sie wird.
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Arya Stark (Maisie Williams) als Lord Tywin Lannisters (Charles Dance) Mundschenk

Einige der Probleme der Vorlage ließen sich allerdings leider nicht vermeiden. Buch wie Serie zieht sich vor allem im Mittelteil etwas, und zwei, drei Folgen lang geht es kaum voran. Der Aufbau ist enorm und mitunter ein wenig unausgewogen (Stannis etwa hätte als größere Gefahr inszeniert werden können und sollen) aber letztendlich zahlt er sich aus. Insgesamt finde ich Staffel 2 ein wenig schwächer als Staffel 1, allerdings hat Staffel 2 dafür die beste Einzelepisode der Serie: „Blackwater“ (Episode 9). In diese Episode, die George R. R. Martin persönlich geschrieben hat, wurde der Fokus ausschließlich auf King’s Landing und die dort stattfindende Schlacht gelegt, was auf eine größere Spannung und atmosphärische Verdichtung hinausläuft. Damit dies allerdings gut funktionieren kann, wurden andere Ereignisse umstrukturiert, um „Blackwater“ besser als Höhepunkt hervorheben zu können, während die letzte Episode dazu dient, die Handlungsstränge für Staffel 3 vorzubereiten.
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Seefeuer auf dem Blackwater

Zwei Elemente, die sogar fast noch besser sind als in Staffel 1 sind Produktionsdesign und Spezialeffekte. Egal ob Qarth, Harrenhal, Dragonstone, das Seefeuer bei der Schlacht um King’s Landing, alles ist beeindruckend und so überzeugend, wie es für eine TV-Serie mit doch relativ beschränktem Budget (jedenfalls im Vergleich zu einem Kinofilm) nur möglich ist.
Trotz einiger unausgewogener Elemente und unnötigen Änderungen ist auch Staffel 2 im Großen und Ganzen eine gelungene Adaption der Romanvorlage.

Figuren und Darsteller
Schon die erste Staffel hatte eine Figurenriege gewaltigen Ausmaßes, und obwohl ein paar das Ende nicht erlebt haben, ist diese Figurenriege mit Staffel 2 noch um einiges größer geworden.
Beginnen wir mit den Leuten von Dragonstone, also Stannis Baratheon und seinem Hofstaat. Hier sind drei Figuren von großer Bedeutung: Stannis (Stephen Dillane) selbst, Ser Davos Seaworth, der Zwiebelritter (Liam Cunningham) und Melisandre von Asshai, die rote Priesterin (Carice van Houten). Stannis ist in meinen Augen leider nicht völlig gelungen, was allerdings nicht ausschließlich an Stephen Dillane liegt (obwohl ich ihn für ein wenig zu blass und unmarkant halte), da er schlicht zu wenig Zeit hat, um seinen Charakter besser ausbauen zu können. Mit Melisandre und Davos bin ich dagegen ziemlich einverstanden. Carice van Houten entspricht meiner Vorstellung der „untypischen“ Schönheit Melisandres, wie sie im Buch beschrieben wird, relativ gut und bringt auch die nötige mysteriöse Aura mit. Liam Cunningham ist eindeutig eine Idealbesetzung für Davos und spielt den aufgestiegenen, loyalen Zwiebelritter so gut wie es nur irgend möglich ist, nicht zuletzt wegen seines markanten Gesichts und seiner ebenso markanten Stimme.
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Balon Greyjoy (Patrick Malahide), Jaqen H’gar (Tom Wlaschiha) und Brienne von Tarth (Gwendoline Christie)

Auch mit den Neulingen von Pyke, Yara/Asha (Gemma Whelan) und Balon Greyjoy (Patrick Malahide) bin ich ziemlich zufrieden. Gemma Whelan sieht zwar nicht unbedingt aus wie ihr Gegenstück aus dem Roman, aber die Arroganz stellt sie hervorragend dar. Patrick Malahide ist ebenfalls überzeugend, erinnert mich aber irgendwie immer an Hans Werner Olm.
Im Gegensatz dazu hat Nonso Anozie mit Xaro Xhoan Daxos, wie er im Buch beschrieben wird, nun wirklich kaum etwas zu tun, sowohl was Aussehen als auch Verhalten betrifft (besonders in späteren Episoden), wofür allerdings das Drehbuch verantwortlich gemacht werden muss und nicht der Schauspieler.
Tom Wlaschiha als Jaquen H’ghar finde ich wiederrum ausgezeichnet, was aber auch mit persönlicher Präferenz zusammenhängen könnte. Tom Wlaschiha habe ich während der Dragon Days in Stuttgart live gesehen, wo er Fragen beantwortet und aus „A Clash of Kings“ (bzw. dem deutschen Teilband „Die Saat des goldenen Löwen“) vorgelesen hat. Dabei hat er einen sehr symphytischen, humorvollen und bodenständigen Eindruck gemacht.
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Ygritte (Leslie Rose)

In Jon Snows Handlungsstrang gibt es noch zwei relativ wichtige neue Figuren: Qhorin Halfhand (Simon Armstrong) und Ygritte (Rose Leslie). Beide haben nicht allzu viel Zeit, aber vor allem Rose Leslies Interpretation von Ygritte finde ich äußerst gelungen, obwohl sie für die Rolle ein wenig zu hübsch ist.
Und schließlich gibt es noch zwei weitere wichtige Frauenfiguren aus dem Umfeld Renly Baratheons: Margaery Tyrell (Natalie Dormer) und Brienne von Tarth (Gwendoline Christie). Bei Ersterer weiß ich nicht so recht, was ich von ihr halten soll; Natalie Dormer ist eindeutig zu alt und die Rolle ist Anne Boleyn zu ähnliche, die Dormer in „The Tudors“ gespielt hat. Gwendoline Christie dagegen ist eine sehr gute Besetzung, allerdings kommt ihr Potential noch nicht voll zur Geltung (und wie Rose Leslie sieht sie zu gut aus).
Von der alten Garde sind es vor allem Lannisters, die zu glänzen wissen: Peter Dinklage und Charles Dance, die Schauspieler von Tyrion und Tywin Lannister, dominieren jede Szene, in der sie auftauchen. Vor allem Tywin zeigt durch die Konversationen mit Arya Stark (Maisie Williams) eine neue Facette, die Dance gekonnt umsetzt. Es wäre allerdings schön, wenn Maisie Williams ein wenig stärker mit ihrer Mimik arbeiten würde.
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Margaery Tyrell (Natalie Dormer)

Auch bei Lena Headey (Cersei Lannister) fällt mein Urteil ein wenig zwiegespalten aus, manchmal ist wirklich gut und manchmal ein wenig lustlos. Allerdings springt Cersei in Staffel 2 ein wenig zu sehr zwischen Eiskönigin und verletzlicher Mutter hin und her.
Die meisten anderen sind auf ähnlichem Niveau wie in Staffel 1, viele kommen allerdings aufgrund der neuen Handlungsstränge zu kurz. Die Ausnahme hiervon ist Alfie Allen als Theon Greyjoys, bei dem ich zwiegespalten bin. Einerseits verkörpert er den Charakter ziemlich gut, andererseits geht mir Theon aber jedes Mal fürchterlich auf die Nerven, was allerdings schon im Buch der Fall war.
Alles in Allem sind die schauspielerischen Leistungen durchweg solide bis sehr gut.

Die deutsche Version
Da ich Staffel 1 nur auszugsweise auf Deutsch gesehen habe, beschloss ich dieses Mal, mir die RTL2-Version der Hauptsendezeit zu geben und…autsch. Die eigentliche Synchro ist im Großen und Ganzen halbwegs annehmbar; der normale Standard eben, allerdings sind einige Figuren relativ schlecht getroffen. Dazu gehören in erster Linie Cersei Lannister, Jorah Mormont, Tywin Lannsister, Tyrion Lannister und Melisandre. Alle Schauspieler dieser Rollen haben sehr markante Stimmen; die Wahl der deutschen Sprecher fand ich bei ihnen durchweg ziemlich unpassend.
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Daenerys (Emilia Clarke) und Ser Jorah Mormont (Iain Glen) auf der Suche nach den verschwundenen Drachen

Wirklich schmerzhaft sind dagegen die Schnitte und die deutsche Übersetzung. Erstere sollten eigentlich nicht verwundern, denn „Game of Thrones“ ist nun mal wirklich nichts für schwache Gemüter. Allerdings zeigt sich an einer Stelle besonders gut, wie schädigend derartige Schnitte sein können, da viele bedeutsame Details verloren gehen. In Episode 6 („The Old Gods and the New“) verurteilt Theon Greyjoy, nachdem er Winterfell erobert hat, Ser Rodrik zum Tod, und nach Sitte des Nordens ist er es auch, der das Richtschwert führt. Theon ist allerdings nicht in der Lage, Ser Rodrik mit einem Streich zu töten, sodass das Ganze zu einer ziemlich Sauerei wird. Hierdurch wird schön gezeigt, wie sehr sich Theon letztendlich von seinem Ziehvater Eddard Stark unterscheidet. In der geschnittenen Version tötet er dagegen mit einem Hieb, wodurch die ganze Bedeutung der Szene verloren geht.
Noch grausamer ist die deutsche Übersetzung. Ich bin ein Anhänger der ersten Übersetzung der Romane, in der fast sämtliche Eigennamen englische belassen wurden. Die zwanghafte Eindeutschung der neuen (bzw. überarbeiteten Übersetzung), die auch für die deutsche Fassung der Serie verwendet wird, ist bestenfalls erzwungen und unelegant, schlimmstenfalls inkonsequent und unzutreffend. Königsmund für King’s Landing zum Beispiel: Die Stadt heißt so, weil Aegon der Eroberer dort gelandet ist. Noch unbegreiflicher ist Lennishort für Lannisport. Ich habe schon nicht verstanden, weshalb man die deutschen Lennisters so schreibt, aber warum nicht einfach Lennishafen? Klingt zwar dämlich, aber auch nicht dämlicher als Lennishort, und es wäre korrekt.
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Tyrion Lannister (Peter Dinklage) als Hand des Königs

Die Inkonsequenz zeigt sich vor allem bei Namen wie „Stark“ und „Winterfell“, die im Original belassen wurden. Und warum zur Hölle wird Mance Rayders Vorname „Manke“ ausgesprochen?
Leider befürchte ich, dass all diese Verunstaltungen der Preis für die Popularität von „Game of Thrones“ in Deutschland sind, die wiederrum dafür sorgt, dass weitere Staffeln gedreht werden. Dennoch, für mich Grund genug, Fernsehserie und Romane ausschließlich im Original zu konsumieren – glücklicherweise erscheinen DVD und BD bereits am 5. April.

Fazit: Die zweite Staffel von „Game of Thrones“ setzt die erste nahtlos fort, kommt allerdings qualitativ nicht ganz an diese heran, vor allem wegen einiger etwas unglücklicher struktureller Entscheidungen einiger unnötiger Veränderungen und einiger Schwächen, die bereits „A Clash of Kings“ aufweist. Dafür hat Staffel 2 aber die stärkste Einzelepisode der Serie („Blackwater“) und weiß im Großen und Ganzen trotz kleinerer Schwächen letztendlich zu überzeugen – „Game of Thrones“ gehört nach wie vor zum Besten, was im Bereich Fernsehen und Fantasy existiert. Staffel 3 (US-Start am 31. März) kann kommen.

Trailer: War of the Five Kings
Trailer: Price for our Sins

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 3
Game of Thrones – Soundtrack
Stück der Woche: The Rains of Castamere

Asterix der Gallier

Asterixdergallier
Asterix, der kleine schnauzbärtige Gallier, der Caesar schlaflose Nächte bereitet, gehört zu jenen fiktionalen Medienikonen, deren Auftritte in den letzten Jahren bestenfalls mittelprächtig („Asterix und die Wikinger“) und schlimmstenfalls absolut unterirdisch („Gallien in Gefahr“, „Asterix bei den Olympischen Spielen“) waren. Dennoch mindert der kreative Ausverkauf seines (Mit-)Schöpfers nicht die Bedeutung dieser Ikone der Comickultur, und er ist auch kein Grund, die vielen grandiosen Abenteuer von Asterix zu vergessen. Aus diesem Grund (und um nach sehr viel Grimmigem und Düsterem auf diesem Blog mal wieder etwas Abwechslung zu bringen) starte ich eine neue Rezensionsreihe, die sich wohl ziemlich lange hinziehen wird und in deren Rahmen ich über alle Asterix-Bände in der korrekten Reihenfolge schreiben werde (nein, „Asterix und Cleopatra“ ist nicht Band 2). Das erste Abenteuer von Asterix, „Asterix der Gallier“, verfasst und gezeichnet vom französischen „Comic-Dream-Team“ René Goscinny und Albert Uderzo, erschien zuerst auf den Seiten des französischen Jugendmagazins Pilote, bevor es in Albenform erhältlich war. Hierzulande mussten wir uns zuerst mit einer entstellenden Übersetzung des Fix-und-Foxi-Schöpfers Rolf Kauka herumschlagen, der aus Asterix und Obelix die Westgermanen Siggi und Babarras machte und das Ganze zur Allegorie auf (West-)Deutschland umarbeitete. Glücklicherweise schritten die Schöpfer ein und verhinderten nach vier Bänden weitere entstellende Übersetzungen, sodass das Magazin MV Comix schließlich eine angemessene deutsche Version drucken konnte.
In „Asterix der Gallier“ werden schon viele wichtige Grundlagen für die gesamte Serie gelegt, fast alle wichtigen Figuren (neben dem Titelhelden u.a. Obelix, Troubadix, Majestix und Miraculix) tauchen bereits auf und der Status Quo („Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein…“), der sich letztendlich nicht ändert, wird festgelegt.
Das eigentliche Abenteuer ist, vor allem im Vergleich mit späteren, noch relativ klein, schlicht und gemütlich. Ich muss zugeben, dass „Asterix der Gallier“ nicht unbedingt mein Lieblingsband der Reihe ist, v.a., da der Grundplot (Miraculix wird entführt oder anderweitig unschädlich gemacht) in späteren Bänden weitaus besser umgesetzt wird. Die Handlung, sie entfernt sich (noch) nicht allzu weit vom gallischen Dorf, es geht nur bis zum nächsten Römerlager und wieder zurück, ist schnell zusammengefasst: Der Zenturio des Lagers Kleinbonum, Gaius Bonus, möchte endlich hinter das Geheimnis der übermenschlichen Kraft des kleinen Dorfes, das sich der römischen Besatzung widersetzt, kommen. Zu diesem Zweck schickt er Caligula Minus als Spion in das nahegelegene Dorf. Dieser wird zwar letztendlich enttarnt, allerdings nicht, ohne vorher vom Zaubertrank zu erfahren und ihn sogar zu kosten. Für Gaius Bonus ist klar: Mithilfe dieses Getränks kann er die Macht im Römischen Reich an sich reißen. Er lässt den Druiden Miraculix entführen, um diesem das Rezept für den Zaubertrank abzupressen. Asterix macht sich auf, den vermissten Druiden zu finden. Gemeinsam müssen die beiden schließlich die Römer überlisten.
Zumindest in einer Hinsicht ist „Asterix der Gallier“ unter allen Asterix-Bänden ein Unikum: Obelix ist während des zentralen Abenteuers abwesend, dieses wird von Asterix und Miraculix allein bestritten. Obelix ist lediglich in der ersten Hälfte, während der Szenen im gallischen Dorf, zugegen.
Ansonsten sind Humor und Geschichte noch relativ schlicht und geradlinig, aber dennoch äußerst treffend. Die meisten Gags sind entweder auf die übermenschliche Kraft der Gallier oder den Haarwuchstrank zurückzuführen, den Miraculix den Römern schließlich vorsetzt. Vor allem Letzterer sorgt auch für die besten Lacher des Albums.
Die Wortspiele, für die die Asterix-Comics so bekannt sind, halten sich dagegen noch etwas stärker zurück und sind in erster Linie bei den Galliern zu finden, während die Römer noch Namen haben, die immerhin lateinisch sind (Gaius Bonus, Caligula Minus), während spätere Zenturionen und Legionäre Spreizfus, Handzumgrus oder Nimmdenbus heißen. Natürlich könnte man auch über historische Ungenauigkeiten mosern, aber das wäre völlig am Thema vorbei, da in Asterix eine „moderne“ Antike geschaffen wird, die sich trotz allem nicht allzu sehr von der Gegenwart (bzw. der Entstehungszeit der jeweiligen Geschichten) unterscheidet – Anachronismen sind da gewollt.
Wie die Handlung sind auch die Zeichnungen noch ein wenig ungeschliffen, man merkt, dass Uderzo an einigen Stellen noch stärker experimentiert. Bei seinem ersten Auftritt trägt Obelix (der noch verhältnismäßig schlank ist) eine Axt am Gürtel und Miraculix geht am Stock (beides kommt später nicht mehr vor). Auch Majestix, Troubadix (der beim Festessen dieses Mal auch teilnehmen darf) und Caesar sehen für jemanden, der die späteren Bände kennt, ein wenig seltsam aus.
Fazit: Asterix in Rohform. Strukturell, inhaltlich und humoristisch legt „Asterix der Gallier“ bereits die Grundlage für alle weiteren Abenteuer, in denen die Formel dann verfeinert und perfektioniert wird. Nicht der beste Asterix-Band, aber der wichtigste, denn der Erfolg von „Asterix der Gallier“ machte alles, was danach kam, erst möglich.

Harry Potter und der Halbblutprinz – Soundtrack

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Tracklisting:

01. Opening
02. In Noctem
03. The Story Begins
04. Ginny
05. Snape & the Unbreakable Vow
06. Wizard Wheezes
07. Dumbledore’s Speech
08. Living Death
09. Into the Pensieve
10. The Book
11. Ron’s Victory
12. Harry & Hermione
13. School!
14. Malfoy’s Mission
15. The Slug Party
16. Into the Rushes
17. Farewell Aragog
18. Dumbledore’s Foreboding
19. Of Love and War
20. When Ginny Kissed Harry
21. Slughorn’s Confession
22. Journey to the Cave
23. The Drink of Despair
24. Inferi in the Firestorm
25. The Killing of Dumbledore
26. Dumbledore’s Farewell
27. The Friends
28. The Weasley Stomp

Nicholas Hoopers zweiter Potter-Score ist eine gewaltige Verbesserung gegenüber dem ersten. Natürlich, wer mit „Der Orden des Phönix“ nichts anfangen konnte, dem wird wohl auch „Der Halbblutprinz“ nicht wirklich zusagen, da Hooper seinen Stil ebenso wenig verändert hat wie seine Charakteristika. Was sich verbessert hat, ist die leitmotivische Narration. Zwar ist Hooper diesbezüglich immer noch weit entfernt von Williams und selbst Doyle, hat aber im Vergleich zum Vorgänger Fortschritte gemacht.
Stilistische Kontinuität zum Vorgänger ist also gegeben, leitmotivische in gewisser Weise auch – allerdings gab es im fünften Harry-Potter-Soundtrack kaum Leitmotive, die man hätte weiterentwickeln können. Stattdessen tauchen einige Stücke als Direktübernahmen wieder auf. Fireworks, das irisch angehauchte Stück, das die Flucht der Weasley-Zwillinge begleitete, wird im sechsten Film dazu verwendet, die Szene in ihrem Scherzartikelladen zu untermalen (durchaus passend) und die zweite Hälfte von Dumbledore’s Army erklingt während der Quidditch-Auswahlspiele, was eher merkwürdig ist. An wirklich leitmotivischem Material wird nur das Possession-Thema weiterverwendet und -entwickelt, es taucht unter anderem während der erstem Denkariumsszene auf (Into the Pensieve) und ist damit wohl zu Hoopers Voldemort-Thema geworden – nach wie vor halte ich es dafür allerdings für zu unscheinbar. Dennoch, es wäre interessant gewesen zu sehen, wie Hooper dieses Thema in den nächsten beiden Filmen entwickelt hätte, hätte er den Staffelstab nicht an Alexandre Desplat weitergegeben. Darüber hinaus hat sich die Zahl der Williams-Referenzen ein wenig erhöht: Es gibt immerhin zwei direkte Einspielungen von Hedwigs Thema in Williams’scher Manier (eine davon ist auf dem Album, Ginny) und die Quidditch-Fuge aus „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ kehrt zurück (Ron’s Victory). Dies ist zwar willkommen, man fragt sich allerdings unweigerlich, weshalb Hooper gerade dieses Stück auswählte und nicht etwas, das eine gewisse leitmotivische Relevanz besitzt, wie etwa das Flug-Thema.
Es sind jedoch die neuen Themen, die wirklich interessant sind, und davon gibt es, im Gegensatz zum „Orden des Phönix“, einige. Zum ersten hätten wir da die beiden Themen für Dumbledore. Das erste ist in In Noctem, Dumbledore’s Speech, Dumbledore’s Foreboding und Journey to the Cave zu hören, das zweite (angedeutet) in Opening und (vollständig) Dumbledore’s Farewell. In „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ bediente sich Alexandre Desplat dieses Themas für den zweiten Teil von Snapes Erinnerungen. Die beiden Themen sind verwandt und arbeiten mit einem Knabenchor, das erste dient als allgemeines Dumbledore-Thema, das zweite ist ein spezifisches Abschiedsthema. Dieser Abschied wird zu Beginn des Films bereits angedeutet, bevor das Thema nach Dumbledores Tod vollständig erklingt.
Zwei weitere bedeutende Themen finden sich in Malfoy’s Mission. Das erste, das einen Großteil dieses Tracks dominiert, ist das titelgebende Thema für Draco Malfoys Auftrag, das im Film weitaus öfter vorkommt als auf der CD. Das zweite ist das percussion-lastige Todesserthema (einer meiner Favoriten), das hier nur angedeutet wird (1:04 bis 1:30). Vollständig ist dieses Thema, das wie eine Weiterentwicklung des Underscorings aus The Death of Sirius wirkt, in Opening und Into the Rushes zu vernehmen.
Auch Ginny hat inzwischen ihr eigenes Thema, eine leichte Gitarrenmelodie, die in Ginny und When Ginny Kissed Harry zu hören ist.
Darüber hinaus gibt es, wie schon im „Orden des Phönix“, noch einiges an szenenspezifischem Material. Professor Slughorns erste Unterrichtsstunde wird von einem sehr heiteren Stück untermalt, das ein wenig nach Umbridges Thema klingt und etwas deplaziert wirkt (Living Death). Aragogs Begräbnis ist von einem schottischen anmutenden Trauerstück unterlegt (Farewell Aragog) und auch die Szene, in der Slughorn Harry von den Horkruxen erzählt, erhält ein spezielles, nicht leitmotivisches Thema, aus dem vor allem die Trauer über Lilys Tod herauszuhören ist.
Obwohl Hoopers zweite Potter-Musik leitmotivisch ebenfalls noch Wünsche offen lässt, vor allem was Variation angeht, ist sie diesbezüglich weit besser ausgestattet als der Vorgänger. Vor allem durch die beiden Dumbledore-Themen ist ein gewisser roter Faden geben.
Erwähnenswert ist in jedem Fall noch, dass sich auf dem Album erstaunlich viele Stücke finden, die es nicht in den Film geschafft haben. Wizard Wheezes hätte wohl ursprünglich im Laden der Weasley-Zwillinge gespielt werden sollen, wurde jedoch durch Fireworks ersetzt. Of Love and War ist ebenfalls nicht im fertigen Film zu finden und In Noctem nur teilweise, da die entsprechende Szene zum Großteil geschnitten wurde.
Fazit: Hoopers zweiter Potter-Score ist zwar nicht optimal, aber eine eindeutige Verbesserung gegenüber dem Vorgänger, viele Kritikpunkte sind allerdings weiterhin relevant. Wer seine Arbeit für „Der Orden des Phönix“ mochte, dem wird „Der Halbblutprinz“ wahrscheinlich ebenfalls gefallen

Siehe auch:
Hedwigs Thema
Harry Potter und der Stein der Weisen – Soundtrack
Harry Potter und die Kammer des Schreckens – Soundtrack
Harry Potter und der Gefangene von Askaban – Soundtrack
Harry Potter und der Feuerkelch – Soundtrack
Harry Potter und der Orden des Phönix – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Soundtrack
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Soundtrack

Stück der Woche: Game of Thrones Main Title


Der deutsche Free-TV-Start und die DVD- und BD-Veröffentlichung der zweiten Staffel von „Game of Thrones“ rücken näher, ebenso wie der US-Start der dritten Staffel. Früher oder später kommt sicher noch eine Rezension der zweiten Staffel, aber das wird wieder mal ein etwas größeres Unterfangen, weshalb jetzt erstmal ein Stück der Woche kommt, das auf den nahenden Winter einstimmt (ob doch egal, dass jetzt der Frühling anfängt, für den GoT/Song-of-Ice-and-Fire-Fan naht der Winter IMMER).
Hauptthema der Serie, komponiert von Ramin Djawadi, ist zwar realtiv simpel, aber dafür äußerst wirkungsvoll und eingängig. Über die Funktionsweise abseits des Intros habe ich ja bereits in meinem GoT-Soundtrack-Review ausführlich berichtet, weshalb ich es wie bei Misty Mountains mache und einen Blick auf die diversen Coverversionen werfe, von denen es ebenso viele gibt wie vom Zwergenlied. Mindestens. Einige davon sind wirklich schräg.

Violinen-Cover von Jason Yang

Elektrische Harfe von Camille und Kennerly

Cover von Lindsey Stirling und Peter Hollens

Metal-Version

Katzen-Cover

Mittelalter-Cover

Dudelsack-Version

Und als Bonus: The Rains of Castamere von Dark Oath. Nicht wirklich mein Stil, aber interessant ist es allemal

Und natürlich darf auch der Trailer zu Staffel 3 nicht fehlen

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones – Soundtrack
Stück der Woche: The Rains of Castamere

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb