GoT: Kissed by Fire

season 3
Halbzeit! Nach den Höhepunkten in Episode 4 ist Episode 5 wieder ein wenig ruhiger – aber keineswegs weniger intensiv.
„Kissed by Fire“ ist ein schöner Titel, der wieder einmal mehrere Anwendungen findet. Die Phrase ist bei den Wildlingen für Rothaarige gebräuchlich, die als gutes Omen gesehen werden – direkte Anwendung findet sie natürlich vor allem bei Ygritte. Aber auch sonst spielt Feuer eine größere Rolle in dieser Episode.

Bei der Bruderschaft ohne Banner
Schon der Anfang der Episode beginnt mit Feuer: Beric Dondarrion und Sandor Clegane stehen sich zum Zweikampf gegenüber, der entscheiden soll, ob der Bluthund in den Augen des Roten Gottes unschuldig ist. Während Thoros betet, ist abermals das Stannis/Melisandre-Thema zu hören, ebenso wie der Lieblingssatz der Roten Priesterin. Mithilfe von Lord Berics Blut wird auch das Schwert des Blitzlords entzündet, was Sandor absolut nicht zusagt. Was folgt ist der bisher beste Zweikampf der Serie, in dem vor allem Rory McCann einmal mehr vollkommen zu überzeugen weiß; die Furcht vor dem Feuer steht ihm ins Angesicht geschrieben. Auch Maisie Williams, deren Spiel ich in der vorherigen Staffel mitunter recht emotionslos fand, zeigt sich hier von ihrer besten Seite, sowohl während des Kampfes als auch später in den Gesprächen mit Gendry, Thoros und Beric. Gleichzeitig sehen wir hier die erste (und mit Sicherheit nicht letzte) Auferweckung.
Leider hat Arya es auch weiterhin nicht leicht, denn nach Hot Pie verlässt sie nun schon wieder ein Gefährte: Gendry beschließt, lieber für die Bruderschaft zu schmieden. Von Thoros muss sie auch noch erfahren, dass er nicht in der Lage ist, Lord Eddard wieder auferstehen zu lassen. Nebenbei erfahren wir vom Blitzlord auch gleich mehr über die Wiederauferstehungen: „Every time I come back, I’m a bit less.“ Der danach folgende Austausch ist ebenfalls sehr interessant. Lord Beric würde Eddard nie das Leben wünschen, das er führt – eine clevere Vorausdeutung. Ich kann mir vorstellen, mit welcher Szene die dritte Staffel endet.

Nördlich der Mauer
Nach einer kleinen Auseinandersetzung mit Orell folgt der direkte Titelbezug: Ygritte stiehlt Jons Schwert und lockt ihn so in eine Höhle mit heißen Quellen, wo sie ihn dazu veranlasst, seinen Eid zu brechen und er beweist, dass er doch zumindest etwas weiß. Alles in allem sehr buchgetreu umgesetzt, allerdings wirkt der Jon-Snow-Handlungsstrang in dieser Staffel mitunter ein wenig lieblos, was auch daran liegen könnte, dass es immer nur relativ kurze Szenen gibt, die eher abgearbeitet werden. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb: Im Norden wird es wahrscheinlich erst zum Ende von Staffel 3 und in Staffel 4 wirklich interessant.
Apropos Jon und Ygritte, allgemein ist sehr auffällig, wie wenig Sex- und Nacktszenen es in der dritten Staffel bisher gab: Offenbar entschied man sich, den Anteil an Fanservice stark zurückzufahren, denn selbst die Jon/Ygritte-Szene ist äußerst kurz. Und da behaupte noch einer, „Game of Thrones“ sei nur wegen der vielen blanken Brüste interessant.

Harrenhal
Jaime, Brienne und Locke kommen in der verfluchten Burg an und werden Roose Bolton vorgeführt, der mit der Behandlung des Königsmörders aus gutem Grund nicht ganz zufrieden ist. Im Gegensatz zu seinem Gefolgsmann ist der Lord der Dreadfort sowohl zu Brienne als auch zu Jaime äußerst höflich. Freilich ist er ebenfalls grausam, allerdings auf weitaus subtilere Weise als Locke: Er erzählt Jaime von der Schlacht um King’s Landing und lässt es zuerst so aussehen, als hätten die Lannisters verloren, bevor er ihn darüber aufklärt, dass Tywins Streitkräfte rechtzeitig eingetroffen sind und dass er Cersei gut geht.
Nach seinem kurzen ersten Auftritt in „Valar Dohaeris“ taucht nun auch Qyburn wieder auf und gewährt einen schönen, ausführlichen Blick auf Jaimes verrottenden Armstumpf. Dabei erfährt man auch, dass Qyburn von der Citadel wegen unlauterer Experimente verstoßen wurde.
JaimeBath
Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) beim Baden

Wie sich im anschließenden Bad zeigt, wird der Jaime/Brienne-Handlungsstrang von Episode zu Episode besser. Nikolaj Coster-Waldau und Gwendoline Christie brillieren in einer äußerst intensiven Szene durch großartiges Zusammenspiel. Erstmals erfährt der Nichtbuchleser, der Jaime bisher vor allem durch die Augen von Leuten gesehen hat, die ihn verurteilen, die Wahrheit über seinen Spitznamen. Die Tat, für die ihn das gesamte Reich hasst, war wohl die heroischste, die er je begangen hat, und man stellt sich unweigerlich die Frage, wie all die Leute, die ihn verurteilen, an seiner Stelle gehandelt hätten (eine Frage, die Jaime auch Brienne stellt). Das Thema Ehre, Schwur und Dienst am König wird später in Daenerys‘ Handlungsstrang noch einmal treffend aufgegriffen.

King’s Landing
In der Hauptstadt der Sieben Königslande hegt Cersei nach wie vor Befürchtungen, die Tyrells könnten sie und ihren Sohn hintergehen und beauftragt deshalb Littlefinger damit, Nachforschungen anzustellen. Leider muss ich sagen, dass ich die Art und Weise, wie die Lannisters hinter das Heiratskomplott der Tyrells kommen (Stichwort: männliche Prostituierte), in der Serie irgendwie plump ist. Dafür ist allerdings ein für alle Mal geklärt, dass Willas und Garlan, Loras‘ und Margaerys ältere Brüder, in der Serie nicht existieren, da Loras hier eindeutig als Erbe von Highgarden bezeichnet wird. Ebenso ist er nicht Mitglied der Königsgarde und hat auch offensichtlich nach Renlys Tod kein Keuschheitsgelübde abgelegt.
Derweil trifft Tyrion eine der wenigen Personen außer seinem Vater, die in der Lage ist, ihm Paroli zu bieten. In seiner Funktion als Meister der Münze setzt er sich wegen der bevorstehenden königlichen Hochzeit mit Lady Olenna zusammen, die ihn verbal geradezu auseinandernimmt und darüber hinaus auch noch enttäuscht darüber ist, dass er es kaum schafft, sich anständig zu wehren. In der Tat läuft Tyrion in dieser Staffel bisher quasi auf Sparflamme – durchaus nachvollziehbar, nachdem ihm das Gesicht aufgeschlitzt wurde. Die zweite Staffel war Tyrions „große Stunde“, jetzt geht es erst einmal weiter bergab.
Wie gesagt fand ich die Enthüllung des Tyrell-Komplotts ein wenig plump, das, was darauf folgt, ist allerdings ein großartiger Abschluss für diese Folge: Lord Tywin eröffnet Tyrion, wie er gegen diese Intrige vorzugehen gedenkt: Tyrion soll Sansa so schnell wie möglich heiraten. Eine großartige Szene, in der Charles Dance, Peter Dinklage und Lena Headey ein weiteres Mal brillieren. Vor allem Lena Headey schwingt gekonnt zwischen Triumph über Tyrions Schicksal und Entrüstung über ihres Vaters Pläne, denn auch Cersei soll heiraten, und zwar Loras Tyrell. Diese Szene ist quasi die Kulmination der Einzelgespräche der beiden Kinder mit dem Vater. Tywin wird nicht mehr zulassen, dass seine Kinder den Namen Lannister weiter beschmutzen. Die Reaktion beider Kinder ist entsprechend.

Riverrun
Der Unmut, der sich in Rickard Karstark aufgebaut hat, seit Catelyn in Staffel 2 den Königsmörder freigelassen hat (nachdem dieser Karstarks Sohn umgebracht hat, wohlgemerkt) entlädt sich nun, und er bringt kurzerhand die beiden Lannisterjungen, die in der letzten Folge kurz eingeführt werden, um. Das bleibt natürlich nicht ohne Konsequenzen, und Robb ist nicht gerade begeistert. Karstark hat endgültig das Vertrauen in den König des Nordens verloren und Robb steht nun vor einer ähnlichen Entscheidung wie Eddard Stark. Und wie Eddard Stark entscheidet er sich für den Weg der Ehre, ohne auf den gesunden Menschenverstand zu achten, obwohl Edmure, Catelyn und Talisa versuchen, ihn davon abzubringen, Karstark zu töten. Durch die Enthauptung Karstarks – selbstverständlich führt Eddard Starks Sohn sie selbst durch – verliert Robb einen großen Teil seiner Armee.
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Rickard Karstark (John Stahl) wird exekutiert

Während das Problem des Eidbruchs gegenüber Walder Frey im Buch ständig präsent ist, wird es in der Serie jetzt erst wirklich adressiert – anscheinend hat Robb sich der Freys in seinen bisherigen Kämpfen nicht wirklich bedient. Anstatt, wie im Roman, nach Norden zu marschieren, plant er, Casterly Rock anzugreifen und Lord Tywin das anzutun, was die Eisenmänner ihm angetan haben. Wie auch immer, es wird eindeutig, dass Rob den Krieg trotz vieler siegreicher Schlachten verliert. Und die Rote Hochzeit rückt näher.

Dragonstone
QueenSelyseBaratheon
Selyse Baratheon (Tara Fitzgerald)

Nach dem Ausrutscher in „Walk of Punishment“ verhält sich Stannis dieses Mal wieder inCharacter. Endlich lernen wir nun auch seine Frau Selyse (Tara Fitzgerald) und die gemeinsame Tochter Shireen (Kerry Ingram) kennen. Erstere tauchte, dargestellt von Sarah MacKeever, ganz kurz in der ersten Folge der zweiten Staffel auf, war allerdings lediglich für ein paar Sekunden zu sehen, und das nicht einmal deutlich. Ihr eigentliches Debut findet somit in dieser Episode statt.
Schon in den Romanen war Selyse unsympathisch und eine fanatische Anhängerin des Herrn des Lichts, die Serie toppt das allerdings mühelos. Hier ist Stannis‘ Frau nicht nur eine verstockte Fanatikerin, sie ist auch geistig äußerst labil, behält ihre totgeborenen Söhne in Glasbehältern und freut sich darüber, dass ihr Mann ein Techtelmechtel mit der Roten Priesterin hatte (in den Romanen ist sie sich über das Ganze, wenn ich mich recht erinnere, nicht im Klaren). Eine kleine Anmerkung am Rande: Ihr dritter toter Sohn trägt den Namen Edric – vielleicht eine Anspielung auf Edric Storm, einen Bastard von Robert Baratheon, der sich in Stannis‘ Obhut befindet und den Melisandre opfern möchte, um die Steindrachen von Dragonstone zum Leben zu erwecken?
Normalerweise ist Stannis eine äußerst unsympathische Figur, aber wenn er mit seiner Frau in einem Raum ist, erscheint er plötzlich als der Angenehmere. Dennoch charakterisiert ihn das Zusammentreffen mit Selyse sehr gut (auch, wenn D. B. Weiss und David Benioff bei ihr ein wenig übertrieben haben): Er will seine Frau und Tochter nicht besuchen, aber Pflicht und Ehre gebieten es. Das ist natürlich vor allem Shireen gegenüber nicht wirklich fair, aber immerhin noch fairer als die eigene Mutter, die sie als „distraction“ bezeichnet. Dabei ist Shireen ein äußerst liebenswertes Kind mit frohem Gemüt (allerdings glücklicherweise nicht unpassend niedlich oder Mitleid erzwingend dargestellt), das sich ehrlich über den Besuch seines Vaters freut.
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Shireen Baratheon (Kerry Ingram)

Stannis beweist dabei einmal mehr, das er das Einfühlungsvermögen eines Holzklotzes besitzt. Shireens Entstellung durch die Grauschuppen wird gezeigt, aber noch nicht näher erklärt. Der Narr Patchface und Edric Storm, die einzigen beiden Menschen, zu denen sie eine nährer Beziehung hat, tauchen nicht auf, stattdessen hat sie sich mit Davos Seaworth angefreundet, der in dieser Folge endlich auch mal wieder auftaucht. In einer putzigen Szene im Kerker von Dragonstone erfahren wir, dass Ser Davos nicht lesen kann, woraufhin Shireen beschließt, es ihm beizubringen. Sie beginnt bei A wie Aegon, dessen erste Silbe ausgesprochen wird wie Egg – eine Anspielung an die „Abenteuer von Dunk und Egg“, einer Serie von Novellen von George R. R. Martin, die 90 Jahre vor „A Song of Ice and Fire“ spielen.

Auf dem Weg nach Yunkai
Zwar wird nicht erwähnt, wo Daenerys mit ihrer neu erworbenen Armee nun hinzieht, die Introkarte verrät es allerdings: Statt Asatapor baut sich nun Yunkai auf, die zweite große Stadt der Slaver’s Bay.
Hier bekommen wir eine sehr schöne, nicht im Buch auftauchende Dialogszene zwischen Jorah Mormont und Barristan Selmy. Nicht nur taucht diese Szene nicht in „A Storm of Swords“ auf, sie wäre auch auf diese Weise kaum möglich gewesen, da Jorah kurz nach der Enthüllung von Barristans Identität bei Daenerys in Ungnade fällt und verbannt wird. Hier werden die Themen aus dem Jaime-Handlungsstrang weitergeführt. Das Gespräch ist eigentlich entspannt, beide Ritter scherzen sogar, aber man spürt sofort die unterschwellige Anspannung. Vor allem Jorah ist besorgt darüber, wie viel Barristan über seine Zeit als Informant für Varys weiß. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze weiterentwickelt. Nebenbei wird auch Grauer Wurm, der Anführer der Unbefleckten vorgestellt.

Fazit: Nach den epischen Ereignissen der letzten Folgen ist diese Episode wieder ein wenig ruhiger, aber dafür umso intensiver. Das enorm Hohe Niveau wird auch weiterhin gehalten.

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

2 Gedanken zu “GoT: Kissed by Fire

  1. Ich denke auch, dass mit „Edric“ auf Edric Storm Bezug genommen werden soll. Das ist vermutlich ein Hinweis darauf, dass der Junge in der Serie gar nicht erst auftauchen wird.
    Das finde ich sogar gut, denn seine Person fand ich im Buch irgendwie unglücklich und das nicht nur, weil er irgendwann so ganz urplötzlich auftaucht. Ich meine, warum werden im zweiten Buch fast alle Bastarde von Robert getötet, wenn es doch einen gibt, den er sogar anerkannt hat? Zumal dieser eine hochgeborene Mutter hat und als Mündel auf Dragonstone standesgemäß aufgezogen wird. Die anderen Bastarde dagegen sind doch völlig bedeutungslos, mit Huren als Mütter etc. stellen sie nicht die geringste Gefahr dar.

    Stellt sich nur die Frage, ob der Handlungsstrang, bei dem er wichtig wird, einfach gestrichen wird (ginge wohl, dann wird eben direkt zu Mance geskippt) oder ein Ersatz her muss. Könnte es sein, dass Melisandre am Ende nicht Edric als Mensch von königlichen Geblüt als Opfer fordert, sondern Shireen?

    1. Da wäre auch noch Gendry, und Melisandre ist ja zufällig gerade in Richtung Thoros von Myr unterwegs… Gendry hat ja, nachdem er in „A Storm of Swords“ bei der Bruderschaft bleibt, nicht mehr allzu viel zu tun, da ließe sich bestimmt was drehen.

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