GoT: The Spoils of War

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Mit „The Spoils of War“ zeichnet sich in dieser siebten Staffel langsam ein Muster heraus. Jede Folge außer der ersten endete mit einem scheinbar größeren, um nicht zu sagen erschütternderen Ereignis, das jedoch trotz oft starker Inszenierung lediglich Vorgeplänkel bleibt.

King’s Landing
In der Hauptstadt freut sich Tycho Nestoris, dass die Eiserne Bank bald ihr Gold bekommt, weshalb er Cersei in noch größerem Maße als in der letzten Episode Honig ums Maul schmiert. Er versichert ihr weitere Unterstützung. Das interessanteste Detail dieser Szene ist die Erwähnung der Goldenen Kompanie, der größten (und teuersten) Söldnergruppe der freien Städte, gegründet von einem Targaryen-Bastard namens Aegor Rivers (auch Bittersteel genannt). Die Goldene Kompanie hat eine lange und bewegte Geschichte, war in diverse Targaryen-Erbfolgekriege verwickelt und unterstützt in den Romanen Aegon VI., den angeblichen Sohn von Rhaegar Targaryen, der aus der Serie ersatzlos herausgekürzt wurde. Die Erwähnung in diesem Kontext legt nahe, dass die Kompanie in den verbleibenden drei Folgen dieser oder in der nächsten Staffel noch eine wichtige Rolle spielen könnte, schließlich wird es auch für Cersei langsam eng, besonders nach gewissen dezimierenden Ereignissen.

Winterfell
Im Norden muss Littlefinger lernen, dass die Starks in dieser Staffel einfach keinen Bock mehr auf sein Geschwätz haben. Die Rückgriffe auf Staffel 1 werden ebenfalls fortgesetzt, denn Littlefinger hat ein ganz besonderes Geschenk für Bran: Den Dolch aus valyrischem Stahl, mit dem er ursprünglich ermordet werden sollte. Was das Ganze soll bleibt zumindest mir relativ schleierhaft – Littlefingers Pläne und Intrigen scheinen von Folge zu Folge weniger Sinn zu ergeben. Bran lässt sich jedenfalls nicht einlullen und gibt Lord Baelish den subtilen Hinweis, dass er genau um seine Rolle in diesem ganzen Theater weiß – chaos is a ladder indeed. Leider verfährt Bran mit Meera nur ungleich freundlicher, was ihr sichtlich zusetzt. Sie hat natürlich recht: Der alte Bran Stark ist ebenso wie Jojen und Hodor jenseits der Mauer gestorben, Bran ist endgültig der dreiäugige Rabe, seine Wahrnehmung befindet sich auf einer völlig anderen Ebene.

Wie zu erwarten war, erleben wir in dieser Folge eine weitere Stark-Wiedervereinigung: Arya erreicht Winterfell und ein weiteres Mal fällt auf, wie sehr Reisewege inzwischen übersprungen oder ignoriert werden, gerade im Vergleich zu früheren Staffeln, in denen der Weg von den Flusslanden nach Winterfell nicht so einfach zu bewältigen war. Gut, Arya ist jetzt eine geschulte Mörderin, aber gibt es wirklich keinerlei Gefahren mehr auf dem Weg? Das gilt natürlich nicht nur in diesem speziellen Fall, sondern ganz allgemein: Ganze Heere bewegen sich mit scheinbar rasender Geschwindigkeit, weil es der Serie nicht gelingt, das Verstreichen der Zeit wirklich anschaulich darzustellen. So entsteht oft der Eindruck, es vergingen lediglich Stunden und Tage, wo tatsächlich rein logisch betrachtet Wochen und Monate vergehen müssten.

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Drei wiedervereinte Starks: Sansa (Sophie Turner), Barn (Isaac Hempstead-Wright) und Arya (Maisie Williams). Bilquelle.

Aber zurück zu Arya, die sich einen Spaß mit den unhöflichen Wachen ihrer Schwester erlaubt, bis es zum großen, emotionalen Wiedersehen der Schwestern in der Krypta von Winterfell kommt. Bran, der inzwischen einen Rollstuhl hat, bleibt dagegen erwartungsgemäß stoisch, aber immerhin hat er ein nettes Geschenk für Arya: Littlefingers Dolch. Man wird das Gefühl nicht los, dass besagte Waffe noch eine Rolle spielen dürfte, nachdem sie in dieser Episode drei Mal prominent auftaucht – den Kampf zwischen Arya und Brienne mitgerechnet. Nachdem diese beiden Damen einen eher schlechten Start in Staffel 4 hatten, verstehen sie sich nun bei einem Übungsmatch weitaus besser. Besonders Aryas Kampfstil ist dabei sehr aussagekräftig, sieht man doch sehr deutlich, wo welches Manöver herstammt. Syrio Forels Technik ist sehr dominant, aber auch die Lektionen, die Arya von Sandor Clegane und den Männern ohne Gesicht erhalten hat, erweisen sich als überaus nützlich im Kampf gegen Brienne.

Dragonstone
Auf Dragonstone gibt es eine weitere gemeinsame Szene für Jon und Daenerys: In der Drachenglashöhle findet sich nicht nur das Obsidian, sondern auch interessante Höhlenmalereien. Die Ästhetik kennen wir bereits von den Kindern des Waldes und den rituell angeordneten Leichen, die die Weißen Wanderer zurücklassen. Diese sind tatsächlich höchstpersönlich abgebildet, was Daenerys zumindest in Erwägung ziehen lässt, dass da im Norden etwas nicht stimmt. Das alte Dilemma bleibt jedoch: Hilfe im Norden gibt es nur, wenn Jon das Knie beugt, was ihm seine Vasallen übel nehmen könnten.

Vorerst gibt es jedoch dringlichere Probleme, denn Varys und Tyrion bringen die Nachricht, dass Casterly Rock zwar gefallen ist, Highgarden aber ebenfalls. Daenerys is not amused. Mehr noch, sie zweifelt sogar an der Loyalität ihrer Hand. Nach nur vier Folgen haben wir eine interessante Diskrepanz zum Ende von Staffel 6; dort sah es so aus, als hätte Cersei keine Chance gegen die vereinte Macht der Unbefleckten, der Dothraki sowie der Martell- und Tyrell-Streitkräfte – von den drei Drachen gar nicht erst zu sprechen. Nun ist die Lage etwas ausgewogener, vor allem bekommt man als Zuschauer aber das Gefühl, dass die Tyrells und die Sandschlangen sich Daenerys nur angeschlossen haben, um die ersten paar Folgen dieser Staffel mit scheinbar essentiellen Augenblicken füllen zu können. Der tatsächliche Unterschied, den sie gemacht haben, ist jedoch minimal. Letztendlich fragt Daenerys Jon um Rat: Soll sie King’s Landing doch mit Feuer und Blut überziehen oder Tyrions Plan weiter folgen? Der König des Nordens hat ja bereits Erfahrung im Vermitteln, und so rät er auch dieses Mal zum Mittelweg, der in Essenz Tyrions Philosophie entspricht, aber zugleich eine Machtdemonstration zulässt.

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Ein weitaus weniger fröhliches Wiedersehen: Jon (Kit Harrington) und Theon (Alfie Allen). Bilquelle.

Freilich kann auch diese Folge nicht vergehen, ohne dass sich mehrere Figuren aus unterschiedlichen Handlungssträngen über den Weg den laufen – nach Arya und den Bewohnern von Winterfell feiern nun auch Theon Greyjoy und Jon Snow ein nicht ganz so fröhliches Wiedersehen. In diesem Kontext ist interessant, dass Benioff und Weiss die Serie inzwischen nur noch in drei große Handlungsstränge unterteilen: King’s Landing, Dragonstone und Winterfell. Alles, was an anderen Orten geschieht, wird einem dieser Handlungsstränge zugeordnet – die Seeschlacht am Ende der zweiten Folge gehörte zu Dragonstone, die Eroberung Highgardens zu King’s Landing, Aryas Weg nach Norden zu Winterfell etc. Tatsächlich ist diese Struktur relativ gut gelungen, die verminderte Anzahl an Handlungssträngen sorgt dafür, dass die einzelnen Episoden dieser Staffel dramaturgisch ziemlich gut ausbalanciert sind – um mein Lob von letzter Folge noch einmal zu wiederholen.

In der Weite
Nach dem Sieg über Highgarden marschiert die Lannister-Armee mit den erbeuteten Vorräten zurück nach King’s Landing, während das Gold, wie Randyll Tarly mitteilt, bereits angekommen ist – ein kleines, aber wichtiges Detail. Bronn ist ebenfalls wieder da – er war zwar bereits in „The Queen’s Justice“ neben Jaime an der Spitze der Lannisters zu sehen, aber in dieser Episode darf er auch wieder etwas sagen und tun. Bronn fungiert abermals als Jaimes rechte Hand (ups, war das insensitiv?), was zwar vorhersehbar war, aber trotzdem willkommen ist; die beiden funktionieren einfach gut miteinander. Nach wie vor wünscht sich Bronn ein eigenes Lehen, woraus aber erstmal nichts wird. Dafür lässt er Dickon Tarly an seiner Weisheit teilhaben. Dickon haben wir bislang vor allem durch Sams Augen gesehen, hier wird er nun ein wenig positiver und sympathischer dargestellt; den meisten Zuschauern würde es wahrscheinlich an seiner statt sehr ähnlich ergehen.

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Daenerys (Emilia Clarke) auf Drogon (Bildquelle).

Der Teil der Episode, der in der Weite spielt, spannt einen schönen Rahmen um diese Folge, bildet Einleitung und Schluss und zeigt, wie sich ein Sieg in eine Niederlage verwandeln kann – wobei der Sieg, den Daenerys hier letztendlich erringt, bestenfalls ein halber ist. Die Vernichtung der Lannister- und Tarly-Armeen war sicherlich eine Machtdemonstration, zugleich sind die Tatsächlichen Errungenschaften aber überschaubar. Das Gold ist bereits in King’s Landing und auf die Nahrungslieferungen, die Drogon anzündet, ist Daenerys ebenso angewiesen wie Cersei. Mehr noch, wenn Jaime und Bronn überleben (wovon wohl auszugehen ist), dann haben sie erlebt, dass die Drachen trotz all ihrer Macht verwundbar sind. Wie ich in der Einleitung bereits schrieb: Im Grunde handelt es sich auch bei dieser Schlacht um verhältnismäßig aufwändiges Vorgeplänkel, das recht vorhersehbar bleibt. Die Inszenierung ist allerdings vorzüglich gelungen: Vor allem durch die Umgebung wird eine äußerst effektive Westernatmosphäre geschaffen; die Parallele zwischen angreifenden Indianern und den Dothraki dürfte wohl kaum zufällig sein. Sehr schön ist auch der innere Konflikt Tyrions, der mitansehen muss, wie die Truppen seines eignen Hauses, inklusive seines Bruders, eine fatale Niederlage erleiden. Abermals muss ich auch Ramin Djawadi komplementieren, der die Schlacht und die inneren Konflikte durch die Musik exzellent ausdrückt – The Rains of Castamere muss noch öfter in den Action-Modus.

Fazit: „The Spoils of War“ bietet ein fantastisch inszeniertes Mid-Season-Finale, das jedoch versucht, als weitaus bedeutender wahrgenommen zu werden, als es eigentlich ist – es sei denn, Jaime und Bronn saufen tatsächlich ab.

Titelbildquelle

Siehe auch:
Dragonstone
Stormborn
The Queen’s Justice

GoT: Dragonstone

Spoiler!
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Letztes Jahr habe ich bei den GoT-Episodenrezensionen eine Pause eingelegt, u.a., da diese sehr aufwändig sind und mich Staffel 5 ziemlich enttäuscht hat. Nach der gelungeneren sechsten Staffel und auch aufgrund der Tatsache, dass Staffel 7 verkürzt ist und nur aus sieben Episoden besteht, habe ich beschlossen, zum alten Muster zurückzukehren und jede Folge ausführlich zu besprechen. Spätestens jetzt ist „Game of Thrones“ auch keine Adaption mehr. Staffel 6 hatte immerhin noch einige lose Handlungsstränge der Bücher zu verarbeiten, Staffel 7 dagegen betritt endgültig Neuland, damit fallen Vergleiche zur Vorlage größtenteils aus – was natürlich nicht heißt, dass es keine Rückbezüge zu den Romanen oder bisherigen Staffeln gibt.

„Dragonstone“ ist in mancher Hinsicht ein relativ typischer Staffelstart. An allen Ecken und Enden wird der Status Quo noch einmal untermauert, die Handlung schreitet noch nicht so recht voran, stattdessen stehen Charaktermomente im Vordergrund. Insgesamt ist diese Auftaktfolge sehr gut und angenehm strukturiert – nicht zu viele verschiedene Schauplätze, nicht zu viele kurze Einzelszenen, angenehmes Tempo. Inszenatorisch merkt man, dass der Winter angekommen ist und den Figuren (und Zuschauern) dunkle Zeiten bevorstehen. Sowohl bei Cersei als auch bei Daenerys ist Schwarz die Farbe der Wahl. Die Rüstungen der Königsgarde wurden dementsprechend angepasst und beide Königinnen tragen schwarze, hochgeschlossene Kleider, die recht martialisch wirken und im krassen Kontrast zur bisherigen Garderobe der beiden Herrscherinnen stehen.

Die Flusslande
Wir beginnen in den Flusslanden: Arya Stark nimmt ihre Rache an den Freys, nachdem sie Lord Walder bereits im Finale der letzten Staffel getötet hat. Da sie Lord Walders Gesicht hierfür verwendet, bekommt David Bradley noch einmal einen letzten, kleinen Auftritt. Die Szene ist natürlich eine subtile Spiegelung der Roten Hochzeit, aber auch ein Verweis auf Lady Stoneheart, die wiederbelebte Catelyn Stark, in den Romanen die Freys einen nach dem anderen aufknüpft. Diese Aufgabe hat Arya nun auf einen Streich erledigt. Wie es scheint ist ihr primäres Ziel nach wie vor, ihre Liste abzuarbeiten, denn sie bricht nach King’s Landing auf und begegnet auf dem Weg ausgerechnet… Ed Sheeran. Dieser doch etwas größere Cameo-Auftritt hat zu so etwas wie einer Minikontroverse geführt. Ich meinerseits frage mich nur, wieso das irgendjemanden überhaupt auf die Palme bringt, und das, obwohl ich Ed Sheeran nicht einmal besonders mag. Vielleicht stirbt er ja in der nächsten Folge eines unschönen Todes, wer weiß? Solchen Dingen bringt man am besten keine Aufmerksamkeit entgegen. Jedenfalls ist die Szene selbst gar nicht so übel: Nachdem Arya eiskalt einen Massenmord begangen hat, wird sie nun in einem menschlicheren Licht gezeigt.

Anders als Arya Stark zieht die Bruderschaft ohne Banner gen Norden. Ich möchte noch einmal betonen, dass die Bruderschaft sich am Ende von „A Dance with Dragons“ unter der Führung von Lady Stoneheart befindet, während Beric Dondarrion bereist seit einiger Zeit tot ist. Sandor Clegane könnte bei Martin ebenfalls überlebt haben, aber das wurde bislang nicht bestätigt. Wir befinden uns hier also in noch stärkerem Ausmaß auf reinem Serienterrain. Auch wird noch einmal rekapituliert, wir sehen, wie sich Clegane als Mensch geändert hat. Das geschieht relativ geschickt durch einen Rückgriff auf Staffel 4, dort hat er mit Arya das Haus, in dem die Bruderschaft nun Unterschlupf findet, bereits besucht. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Darüber hinaus sieht Clegane, ähnlich wie seiner Zeit Stannis, Bilder in den Flammen. Wird aus ihm am Ende vielleicht doch noch ein religiöser Mensch?

Der Norden
Um die Zuschauer in dieser verhältnismäßig ruhigen, charakterfokussierten Episode an die Bedrohung aus dem Norden zu erinnern, zeigt uns Jeremy Podeswa, der Regisseur der Folge, einmal kurz die näherrückende untote Armee der Weißen Wanderer, inklusive mehrerer halbverrotteter Riesen. Diese Vision geht natürlich auf Bran zurück, der zusammen mit Meera nach langer Odyssee die Mauer erreicht und von der Nachtwache empfangen wird – es sieht so aus, als stehe uns bald eine weitere Stark-Wiedervereinigung bevor.

In Winterfell etabliert sich Jon derweil als neuer König des Nordens und versucht, Pragmatismus in die feudalen Strukturen seiner Heimat zu bringen: Frauen sollen ebenfalls gegen die anrückende Bedrohung kämpfen und von Sippenhaft hält er nichts. Lyanna Mormont, die in Staffel 6 schnell zum Fanliebling wurde, bekommt mal wieder Gelegenheit zu zeigen, dass sie mehr Eier hat als die restlichen Lordschaften des Nordens. Die Winterfell-Szenen unterstreichen auch gleich noch einmal, dass Sansa nun absolut keine Lust mehr hat, ein Spielball von irgendjemandem zu sein – nicht von Jon und schon gar nicht von Littlefinger. Dessen grandioser Masterplan bleibt weiterhin sehr undurchsichtig bzw. erratisch. Seit Staffel 5 fungiert Lord Baelish vor allem als Plotkatalysator, Weiss und Benioff benutzen ihn, um Figuren oder Fraktionen in bestimmte Situationen zu bringen (Sansa nach Winterfell als Ramsays Braut, die Streitkräfte der Arryns nach Norden etc.). Leider nehmen sie da mitunter keine Rücksicht auf Logik oder Entwicklung der Figur, was verdammt schade ist – in den Romanen sind Littlefingers Pläne weitaus kohärenter und nachvollziehbarer. Nun, wir werden sehen, was er in dieser Staffel ausheckt und ob auf seine Figurenmotivaton mehr Rücksicht genommen wird.

King’s Landing

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Cersei aus dem Hause Lannister, die erste ihres Namens, Königin der Andalen usw. (Lena Headey). Auch dabei: Jaime (Nikolaj Coster-Waldau). (Quelle)

Wie im Norden wird auch in King’s Landing der neue Status Quo zementiert. Cersei und Jaime herrschen theoretisch über die Sieben Königslande, praktisch herrschen sie gerade Mal über drei bis vier und haben einem ganze Menge Feinde: Die Starks im Norden, die Tyrells und Martells im Süden und natürlich Daenerys, die sich Westeros nähert. Derweil sind die Freys Geschichte, bleibt also nur noch ein potentieller Verbündeter: Euron Greyjoy, der gleich mit seiner ganzen Flotte kommt, Cersei heiraten möchte und ihr im Gegenzug seine Armada verspricht. Verständlicherweise ist Cersei diesbezüglich etwas zurückhaltend, weshalb Euron verspricht, mit einem Beweis seiner noblen Absichten zurückzukehren – ich vermute, dass das etwas mit Tyrion zu tun hat. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Pilou Asbæk als Euron einfach nicht funktioniert. Nicht nur gelingt es ihm einfach nicht, die Ausstrahlung seines Buchgegenstücks zu vermitteln, auch im reinen Serienkontext wirkt er zu bieder und uncharismatisch. Wie ich bereits an anderer Stelle sagte, für den in der Serie herausgeschnittenen Victatrion Greyjoy wäre Asbæk perfekt gewesen, aber den mysteriösen, weitgereisten und einschüchternden Euro bekommt er einfach nicht hin.

Oldtown
Sam beginnt, sich in der Citadel einzuleben. Seine Arbeitsmontage hat mir ausnehmend gut gefallen und war das (etwas eklige) komödiantische Highlight in dieser ansonsten sehr ernsten Folge. Bei seinem potteresquen Ausflug (passend dazu das Casting von Jim Broadbent als Erzmaester Ebrose) in die verbotene Abteilung der Bibliothek von Oldtown entdeckt Sam nebenbei gleich, dass es auf Dragonstone ein massives Obsidian-Vorkommen gibt, das beim Kampf gegen die Weißen Wanderer von großem Vorteil sein könnte. Nebenbei findet er in einer der Zellen für Aussätzige auch gleich Ser Jorah Mormont, den er natürlich nicht kennt. Mormonts Zustand (die Grauschuppen haben ihn inzwischen ziemlich gezeichnet) und die Tatsache, dass er in Oldtown ist, werfen noch einmal die Frage auf, wie viel Zeit seit dem Finale von Staffel 6 vergangen ist. Besagtes Finale muss bereits mehrere Wochen oder Monate abgedeckt haben, da Varys innerhalb dieser Folge von Meereen nach Dorne reist und am Ende dann wieder bei Daenerys‘ Flotte ist, die gen Westeros segelt.

Dragonstone

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Daenerys (Emilia Clarke) auf Dragonstone. Als Hofstaat dabei: Missandei (Nathalie Emmanuel), Tyrion (Peter Dinklage), Varys (Conleth Hill), Grey Worm (Jacob Anderson). (Quelle)

Der Titel der Episode kommt erst am Ende so richtig zum tragen. Endlich, endlich, nach sechs Staffeln, ist Daenerys samt Drachen und Armee in Westeros angekommen und beansprucht den traditionsreichen Sitz ihrer Familie. Die Parallelen zu Aegon dem Eroberer, der ebenfalls von Dragonstone aus ansetzte, Westeros zu erobern, sind sicher kein Zufall. Auch diverse andere Parallelen fallen auf. Der Thron auf Dragonstone ruft Erinnerungen an den Eisernen Thron wach, zugleich gibt es einen Rückbezug auf Daenerys‘ bisherige Erfahrungen als Herrscherin. Wir erinnern uns, Daenerys hat nicht besonders viel für Throne übrig, in Meereen regierte auf einer schlichten Bank. Sie bestätigt ihre Einnahme von Dragonstone nun nicht, indem sie auf Aegons Stuhl Platz nimmt, stattdessen begibt sie sich zur Ratskammer. Hier gibt es ebenfalls einen Verweis, dieses Mal auf eine frühere Szene in dieser Folge. Die beiden Königinnen, die noch übrig sind, werden effektiv gespiegelt. In King’s Landing ließ Cersei eine große Karte von Westeros zeichnen; beide überblicken in dieser Folge den Kontinent, den sie zu erobern gedenken. Cersei sieht sich als völlig neue Königin und lässt deshalb eine neue Karte anfertigen, während Daenerys an das Vermächtnis ihrer Familie anknüpft. Insgesamt eine sehr starke Szene, die fast ohne Dialog auskommt und primär von der Musik getragen wird.

Fazit: „Dragonstone“ ist ein recht konventioneller, aber gut strukturierter Staffelauftakt mit angenehmem Tempo, der zwar mit einem größeren Massenmord beginnt, sich ansonsten aber vor allem darauf konzentriert, den Status Quo zu zementieren: Cersei sitzt auf dem Eisernen Thron, ist aber von Feinden umringt, Jon Snow kontrolliert den Norden und Daenerys macht sich daran, Westeros zu erobern.

Titelbildquelle

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 6

Game of Thrones Staffel 6

Enthält die volle Ladung Spoiler!
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Für die GoT-Staffeln 3, 4 und 5 schrieb ich seinerzeit umfassende Episodenreviews, während ich bei Staffel 6 darauf verzichtet habe. Das hat zwei Gründe: Zum einen war ich von Staffel 5 nicht wirklich begeistert und zum anderen sind besagte Reviews sehr zeitintensiv. Aus diesem Grund folgt nun, da die Staffel komplett ist, dieser ausführliche Artikel. Wir befinden uns im Hinblick auf die Staffel an einem interessanten Punkt. Staffel 5 adaptierte (für mich leider eher mäßig) „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“. Da „The Winds of Winter“ (mit Ausnahme einiger Kapitel, die George R. R. Martin auf seinem Blog veröffentlichte oder auf Conventions vorlas) immer noch nicht erschienen ist, begibt sich die Serie nun erstmals völlig auf Neuland und folgt keiner Vorlage mehr. Es sind noch George R. R. Martins Figuren, aber es ist nicht mehr seine Geschichte – das könnte als Leitsatz dieses Artikels fungieren. Fakt ist allerdings: Wie viel von Martins Geschichte übrig ist, wie viel er den Serienschöpfern David Benioff und D. B. Weiss verraten hat, ist nicht wirklich klar. Staffel 6 gibt Antworten auf viele Fragen, aber sind es die Antworten Martins oder doch die der Serienschöpfer? In Bezug auf einige Dinge haben Benioff und Weiss erklärt, sie stammten tatsächlich von Martin, etwa was Melisandres Alter und wahre Erscheinung oder die Bedeutung von Hodors Namen angeht. Die Antwort auf die Frage, wie viel Martin tatsächlich noch in Staffel 6 steckt, kann erst mit „The Winds of Winter“ und/oder „A Dream of Spring“ beantwortet werden.

Words Are Wind
Die Eigenständigkeit von Staffel 6 gilt jedoch mit Einschränkungen, denn einige Aspekte stammen tatsächlich noch aus den bereits erschienenen Romanen oder aus veröffentlichten Winter-Kapiteln. Das betrifft primär Jaime Lannisters Ausflug in die Flusslande. Nachdem Cersei nach Lord Tywins Tod die Macht in King’s Landing übernimmt und den Kleinen Rat mit Ja-Sagern füllt, schickt sie im Roman wie in der Serie Jaime von ihrer Seite, weil er ihr unangenehm wird. In der Serie soll Jaime Myrcella aus Dorne retten, eine Mission, die zum schlimmsten Handlungsstrang der Serie wurde, platt, schlecht geschrieben, uninteressant und langweilig. In „A Feast for Crows“ dagegen begibt sich Jaime in die Flusslande, um die letzten Tully-Loyalisten zu besiegen und Riverrun, das vom Blackfish gehalten wird, zurückzuerobern. Diese Ereignisse werden nun, wenn auch stark verkürzt, nachgeholt.

Darüber hinaus greift die Serie noch einige andere Aspekte der Romane auf, die bislang nicht berücksichtigt wurden. Großmaester Pycelle stirbt im Epilog von „A Dance with Dragons“, ermordet von Kindern – diese folgen im Roman allerdings nicht Qyburns, sondern Varys‘ Befehl. Die Folgen von Aryas Blindheit wird darüber hinaus noch im letzten Roman thematisiert, wenn auch detaillierter und mit unterschiedlichen Ereignissen. Zu Pastete verarbeitete Freys tauchen in „A Dance with Dragons“ ebenfalls auf, wenn auch in völlig anderem Kontext (Ramsays Hochzeit, der Schuldige ist Lord Wyman Manderly und Lord Walder selbst ist nicht zugegen), und schließlich setzt die Serie nun auch eine Rückblicksszene bzw. Erinnerung um: Während Eddard Stark in „A Game of Thrones“ nach seiner Auseinandersetzung mit Jaime Lannister auf dem Krankenbett liegt, erinnert er sich an den „Tower of Joy“ und das letzte Gespräch mit seiner Schwester Lyanna, bei dem er ihr etwas verspricht (als Leser erfährt man nicht was, aber man kann es sich denken). In Staffel 6 sieht Bran besagte Szene durch seine Gaben, hier wird allerdings geklärt, was es mit dem Versprechen auf sich hat. Gleichzeitig wird die Fantheorie bestätigt, dass Jon Snow nicht der Bastard von Eddard Stark, sondern tatsächlich der Sohn von Lyanna Stark und Rhaegar Targaryen ist – zumindest für die Serie.

Heartsbane
Eigentlich könnte man Sams und Gillys Handlungsstrang ebenfalls noch zu den adaptierten Elementen rechnen. In „A Feast for Crows“ fahren die beiden per Schiff über Braavos nach Oldtown, damit Sam Maester werden kann und Gilly samt Kind bei Sams Familie auf Horn Hill unterkommt. Einige der Ereignisse dieser Reise, etwa der Tod von Maester Aemon, wurden bereits in Staffel 5 umgesetzt, mit Castle Black als Schauplatz. Der Ausflug nach Braavos und das Zusammentreffen mit Arya wurden gestrichen, stattdessen geht Sam zusammen mit Gilly nach Horn Hill, um anschließend von dort aus nach Oldtown zu fahren. Das hat zur Folge, dass wir als Zuschauer Randyll Tarly (James Faulkner), Sams Vater kennen lernen. Zwar sind die Szenen in Horn Hill serienspezifisch, Lord Tarly taucht aber auch in „A Feast for Crows“ auf, um Brienne das Leben schwerzumachen. Insgesamt denke ich, dass die Figur sehr gut umgesetzt ist: Im Buch wie in der Serie ist Randyll Tarly ein ziemlich engstirniges Arschloch. Martin zeichnet ihn ein wenig subtiler als Benioff und Weiss, aber davon abgesehen ist er gut getroffen.

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Lord Randyll Tarly (James Faulkner)

Sams Diebstahl des Familienschwertes aus valyrischem Stahl namens Heartsbane (wir erinnern uns an die Folge „Hardholm“: Valyrischer Stahl kann Weiße Wanderer töten) ist ein netter Akt der Emanzipation, auch wenn man sich fragt, ob Lord Tarly nicht ein wenig besser auf diese Klinge achtgeben würde. Wie auch immer, Sams Handlungsstrang in dieser Staffel endet dort, wo auch sein Handlungsstrang in „A Feast for Crows“ endet: In Oldtown, in der Citadel, wo er sich anschickt, ein Maester zu werden. Als bibliophiler Mensch, der ich nun einmal bin, hat mir die Einstellung der Bibliothek besonders gut gefallen.

Unbowed, Unbent, Unbroken
Oh, Dorne. Der allgemein unbeliebteste Handlungsstrang der letzten Staffel; Benioff und Weiss haben es hier geschafft, eine interessante Kultur zu ruinieren und aus einem hochinteressanten politischen Ränkespiel einen Idiot Plot erster (bzw. letzter) Güte zu konstruieren, dem jeglicher Sinn und jegliche Logik fehlt. Das Beste, was sich über Dorne in Staffel 6 sagen lässt, ist, dass Ellaria und die Sandschlangen nur in der ersten und letzten Folge auftauchen. Logischer wird es leider nicht: In „The Red Woman“ sind Obara und Nymeria plötzlich unerklärlicherweise auf Trystanes Schiff und töten ihn, während Ellaria und Tyene Doran Martell ermorden und in Dorne die Macht übernehmen. Bei aller Liebe, das ist völlig hirnverbrannt und entbehrt jeglicher Logik. Ja, in Dorne ist man Bastarden und Frauen gegenüber aufgeschlossener als im Rest der Sieben Königslande, und ja, Doran Martell hat vielleicht gerade nicht den besten Ruf. Aber es ist völlig irrsinnig zu glauben, dass Bastarde auf diese Weise einfach die Macht übernehmen könnten, nachdem sie den amtierenden Fürsten getötet haben. Bestenfalls würde das Land nach einer derartigen Tat in Anarchie versinken, da es keinen rechtmäßigen Erben gibt. Hier wird das feudale System zugunsten eines idiotischen Plots völlig ausgeklammert. In „The Winds of Winter“ (Folge 10 von Staffel 6, nicht der unveröffentlichte Roman) schließt sich Dorne unter Ellarias Führung schließlich mal eben schnell Daenerys an. Damit hat sich Dorne als Schauplatz wohl erst einmal erldeigt, es sei denn, Daenerys benutzt es in der nächsten Staffel als Basis für ihren Eroberungsfeldzug.

Intermezzo: Chicken
Als angekündigt wurde, dass Ian McShane in Staffel 6 eine Gastrolle spielen würde, begann das Spekulieren, das sich als müßig erwies, da er eine neue Figur namens Bruder Ray verkörpert. Burder Ray ist Teil eines… interessanten Inzermezzos in Episode 7 der sechsten Staffel mit dem Titel „The Broken Man“. In dieser Folge stellt sich heraus, dass Sandor Clegane, der Bluthund, den Arya Stark in der letzten Folge der vierten Staffel sterbend zurückließ, noch ziemlich quicklebendig ist und einer kleinen Gemeinde, angeführt von Bruder Ray, dabei hilft, eine Septe zu bauen. Offenbar hat er der Gewalt mehr oder weniger abgeschworen.

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Bruder Ray (Ian McShane)

Unter Buchfans existierte schon lange die Theorie, Sandor Clegane habe überlebt. In „A Feast for Crows“ landen Brienne und Pod auf ihrer Reise durch die Flusslande auf einer Art „Klosterinsel“ des Glaubens; dort finden sie einen sehr großen, schweigsamen Totengräber, der Sandor Clegane sein könnte. Diese Theorie wird durch die Anwesenheit von Cleganes Pferd Fremder bestärkt. Auch weiß der „Klostervorsteher“, der als Vorbild für Bruder Ray fungiert haben könnte, erstaunlich viel über den Bluthund. Einer beliebten Fantheorie zufolge wird Sandor Clegane in „The Winds of Winter“ in Cersei Lannisters Gottesurteil gegen seinen eigenen, von Qyburn verfrankensteinten Bruder Gregor antreten. Als ich „The Broken Man“ sah, dachte ich, dass dies auch in der Serie der Fall sein würde, es stellte sich aber als eine der wenigen Fantheorien heraus, die Staffel 6 nicht bestätigt. Bislang ist das Intermezzo relativ folgenlos geblieben: Ehemalige Anhänger der Bruderschaft ohne Banner töten Bruder Ray und seine Gemeinde, was Sandor nicht besonders gut verkraftet. Es kommt schließlich zu einem Wiedersehen mit Beric Dondarrion und Thoros von Myr (Ersterer wurde in den Romanen von der untoten Catelyn Stark als Anführer der Bruderschaft abgelöst; damit dürfte klar sein, dass es in der Serie dazu sicher nicht mehr kommen wird), die es schaffen können, Sandor für ihre Sache zu rekrutieren. Gemeinsam wollen sie nach Norden ziehen; vermutlich kommt es in der nächsten Staffel zu Begegnungen mit Jon Snow, Melisandre und/oder Sansa – besonderes Letztere könnte interessant werden.

A Thousand Eyes and One
Nachdem er eine Staffel Pause gemacht hat, ist Bran Stark nun zurück und lernt von Lord Brynden Rivers, alias Bloodraven, alias Dreiäugige Krähe (nun nicht mehr, wie in der letzten Folge der vierten Staffel, von Struan Rodger, sondern von Max von Sydow dargestellt) die Grünseherei. Wie schon in den Romanen erinnert das Setting an Luke Skywalkers Dagobah-Aufenthalt in Episode V. Die Star-Wars-Assoziationen werden noch durch Max von Sydow verstärkt, der eine Obi-Wan-artige Figur spielt (inklusive Tod des Mentors) und darüber hinaus, wenn auch nur kurz, in „Das Erwachen der Macht“ als Lor San Tekka zu sehen war.

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Die dreiäugige Krähe (Max von Sydow) unterrichtet Bran Stark (Isaac Hempstead-Wright)

Während Bran in den Romanen in der Lage war, durch die Augen der Wehrholzbäume zu sehen und so Zeit und Raum zu überwinden, ist er in der Serie nicht an die Wehrholzbäume gebunden und kann offenbar zu jedem Ort seiner Wahl reisen. Das erlaubt den Machern, mehrere Rückblicke einzubauen und mehrere Fragen zu beantworten, die uns Fans schon lange plagen. So sehen wir unter anderem, dass es sich beim ersten Weißen Wanderer, dem sogenannten „Night King“, um einen Menschen handelt, der von den Kindern des Waldes durch ein Blutopfer verwandelt wurde, um als Waffe gegen die einfallenden Ersten Menschen zu dienen. Das Geheimnis von Hodors Name und Kondition wird kurz vor seinem Tod enthüllt („Hold the Door“) und die Frage, wer Jon Snows Eltern sind, wird, wie oben bereits erwähnt, beantwortet. Schließlich gelingt es dem Night King, in das geheime Versteck der Krähe einzubrechen und diese zu töten, wodurch Bran sein Nachfolger wird. An dieser Stelle greifen Benioff und Weiss ein weiteres Element der Romane auf: Ein mysteriöser, vermutlich untoter Reiter in der Kleidung der Nachtwache, der sich als Benjen Stark entpuppt, taucht auf und rettet Bran und Anhang (in „A Storm of Swords“ rettet er allerdings Sam und Gilly und bringt Bran, Meera, Jojen und Hodor zu Brynden Rivers, während seine Identität nie enthüllt wird). Eine weitere Stark-Wiedervereinigung wird somit sehr wahrscheinlich.

We Do Not Sow
Noch eine Gruppe von Figuren, die eine Staffel lang Pause gemacht hat. Zum letzten Mal haben wir Yara (bzw. Asha) in Staffel 4 gesehen, als sie versuchte, Theon aus Ramsays Klauen zu befreien. Ihr Handlungsstrang aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ wurde aus Staffel 5 komplett entfernt. Einige Elemente werden nun hier nachgeholt, die meisten wurden jedoch völlig verändert. In der Serie wie in der Vorlage stirbt Balon Greyjoy (bei Martin sogar noch vor der Roten Hochzeit), was zur Folge hat, dass der Königsthing von Balons jüngstem Bruder, dem zum Priester gewordenen Aeron (Michael Feast) einberufen wird, der Balons Bruder Euron (Pilou Asbæk) zum König der Iron Islands wählt, während Yara/Asha übergangen wird. So viel zu den Gemeinsamkeiten. In der Serie fehlen allerdings einige signifikante Faktoren, primär Balons dritter Bruder Victarion. Dafür ist Theon Greyjoy in der Serie zugegen, nachdem er Sansa geholfen hat und dann per Expressschiff nach Pyke gefahren ist. Und während Asha nach dem Königsthing im Norden eine eroberte Burg hält und später als Kriegsgefangene von Stannis Baratheon endet, begeben sich Theon und Yara mit ihren Getreuen gen Osten und schließen sich Daenerys an, da ihr Onkel ihnen nach dem Leben trachtet.

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Euron Geryjoy (Pilou Asbæk)

Ich bin mit der Umsetzung dieses Handlungsstranges ehrlich gesagt nicht besonders zufrieden, was vor allem an der Besetzung Euron Greyjoys liegt. Pilou Asbæk passt für mich überhaupt nicht in die Rolle des charismatischen, mysteriösen Piraten, den George R. R. Martin beschreibt; dafür hätte es jemanden wie Mads Mikkelsen gebraucht. Asbæk hätte perfekt zum geschnittenen Victarion gepasst. Auch geht alles ziemlich schnell und wirkt irgendwie sehr klein. Die Iron Islands sind nun nicht die prächtigste Gegend von Westeros, aber in den Romanen hatte man dennoch das Gefühl, dass hier ein bedeutendes Ereignis stattfindet, dem alle wichtigen Bewohner der Iron Islands samt Gefolge beiwohnen. In der Serie laufen beim Königsthing höchstens zehn bis zwanzig Leute herum.

I Am No One
Arya wird nach wie vor von den Männern und Frauen ohne Gesicht trainiert, bzw. von dem Mann und der Frau. Wie bei Martin ist sie vorübergehend blind und erlangt im weiteren Verlauf ihre Sehkraft wieder – ein weiterer Aspekt, der noch aus den Büchern stammt. Das Problem in der Serie: Aryas Ausbildung mäandert so vor sich hin und ist einfach nicht interessant, während sie in den Büchern tatsächlich auf abwechslungsreiche Missionen geschickt wird. Erst, als sie in der Serie den Auftrag erhält, eine bestimmte Schauspielerin namens Lady Crane (Essie Davis) zu töten, kommt ein wenig Leben in ihren Handlungsstrang. Besagte Schauspielerin ist nämlich Teil eines Ensembles, das ein Theaterstück aufführt, das auf den Ereignissen in Westeros basiert und dem Ganzen eine schöne Metaebene hinzufügt. Nicht von ungefähr erinnert das Stück an Shakespeares Verarbeitung der Rosenkriege. Im Stück tritt Tyrion als Schurke á la Richard III. auf, eine historische Persönlichkeit, die durch die Geschichtsschreibung der Tudors im Allgemeinen und William Shakespeares gleichnamiges Stück im Besonderen als einer DER machiavellistischen Schurken der Weltliteratur gilt. Tatsächlich basiert Tyrion zumindest teilweise auf Richard III., der in der Realität gar nicht so übel war, zwar durchaus intelligent und rücksichtslos, aber bei weitem nicht das tyrannische Monster, als das Shakespeare ihn zeichnet. Die Idee für dieses „Stück im Stück“ stammt übrigens von Martin selbst, es ist Teil eines im Vorfeld veröffentlichten Arya-Kapitels aus „The Winds of Winter“.

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Lady Crane (Essie Davis) spielt Cersei Lannister

Wie dem auch sei, das Stück veranlasst Arya dazu, Jaqen H’Gars Anweisungen und Methoden zu hinterfragen. Nach einer Auseinandersetzung mit der Herrenlosen („the Waif“) hört sie schließlich auf, Niemand zu sein und nimmt ihre alte Identität wieder an, um in der letzten Folge mal eben kurz Walder Frey zu töten. Das bringt mich zu einem verwandten Thema: Reisewege werden in dieser Staffel fast völlig ausgeklammert. Selbst unter Berücksichtigung der von Autoren und Produzenten getätigten Aussage, dass die Handlungsstränge nicht synchron verliefen, passt das alles nicht so recht. Dass die Schlusszene der letzten Folge, in der Daenerys‘ Flotte gen Westeros segelt, zeitlich von den anderen Ereignissen der Episode entfernt ist, kann ich noch akzeptieren (in der Flotte sind dornische Schiffe, was erklären würde, wie Varys von Dorne wieder zu Daenerys gekommen ist), aber das Tempo, in dem sich Littlefinger bewegt, legt nahe, dass er ein Jet-Pack besitzt – bereits seit Staffel 2 eine beliebte Fantheorie.

The North Remembers
Am Ende von Staffel 5 stapelten sich die Cliffhanger im Norden regelrecht: Stannis Armee wurde von den Boltons besiegt, er selbst von Brienne getötet, während Sansa und Theon entkommen konnten und Jon Snow von seinen eigenen Brüdern ermordet wurde. Besonders Letzteres geisterte ausgiebig durch die Medien und allen Beteiligten wurde die Frage gestellt: „Ist Jon Snow wirklich tot?“ Das ist natürlich die falsche Frage, sie müsste eigentlich lauten: „Bleibt Jon Snow tot?“ Und natürlich bleibt er das nicht, schließlich ist Melisandre im Nebenzimmer. Ob es wirklich sie war, die Jon Snow wiedererweckt hat, oder ob es auch mit einem getöteten Schattenwolf zusammenhängt, wurde im Fandom heftig debattiert, von der Serie aber nicht aufgeklärt – letztendlich ist es auch irrelevant. Die Fronten klären sich im Norden endgültig: Nach Stannis‘ Tod wird Ser Davos Seaworth zu Jon Snows rechter Hand, Sansa erreicht sicher die Mauer, es kommt zur Wiedervereinigung von Halbbruder und Halbschwester und Tormund macht Brienne schöne Augen. Ramsay bekommt derweil noch einmal ausreichend Gelegenheit dazu, sich so richtig fies zu verhalten, u.a. in dem er seinen eigenen Vater tötet, so ziemlich die einzige Person, die ihn noch kontrollieren könnte, und auch gegenüber Walda Frey, Rickon Stark und Osha verhält er sich sehr Ramsay-typisch. Mal ehrlich: Langsam aber sicher wiederholt man sich an dieser Front viel zu sehr, wir wissen schon seit Staffel 3, was für ein Monster Ramsay ist, wir müssen nicht alle zwei Folgen daran erinnert werden.

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Jon Snow (Kit Harrington) im Getümmel der Schlacht

Die nördlichen Handlungsstränge gipfeln alle schließlich in einer Schlacht, die den (oder zumindest einen) dramatischen Höhepunkt dieser Staffel darstellt, ganz ähnlich wie in den Staffeln 2 und 4. Jon Snow, die Wildlinge und einige Häuser des Nordens, primär die Mormonts, stehen auf der einen Seite, Ramsay und einige andere auf der anderen. Die Schlacht der Bastarde vor den Mauern Winterfells ist optisch beeindruckend und vermittelt ausgezeichnet die Klaustrophobie eines solchen Ereignisses. Gleichzeitig gibt es aber auch einige Aspekte, die mich genervt haben. Da wäre zum einen Jon Snows völlig kopfloses Verhalten und zum anderen die Tatsache, dass schon wieder am Ende die Kavallerie auftaucht, um den Tag zu retten. Gut, es war abzusehen, aber dennoch. Jedenfalls wird Ramsay nach seiner Niederlage von seinen eigenen Hunden gefressen, das Stark-Banner weht wieder über Winterfell und Jon Snow wird von den Lords des Nordens zum König im Norden erhoben – kommt mir vage bekannt vor. Nach so vielen Staffeln, in denen es mit den Starks bergab ging, kann man ihnen durchaus ein wenig Erfolg gönnen (dass Rickon tot ist, scheint niemanden groß zu interessieren). Wir werden sehen, ob Jon Snow als König mehr Erfolg hat als Robb Stark.

The Lannisters Send Their Regards
Zu Anfang von Staffel 6 ist Cersei am Ende: Sie wurde öffentlich gedemütigt und verfügt über keinerlei Macht mehr. Und es kommt noch schlimmer: Dem Hohen Spatz gelingt es, ihren Sohn Tommen auf seine Seite zu ziehen. Darüber hinaus will Tommens Kleiner Rat, primär bestehend aus Ser Kevan Lannister und Lady Olenna Tyrell, ihr keinerlei Macht oder Kontrolle zugestehen. Bis zum Ende der Staffel sieht das ganz anders aus… Tatsächlich wirkt der Großteil des King’s-Landing-Handlungsstrangs wie ein weiterer, konstanter Abstieg Cerseis, während der Hohe Spatz seine Macht sichert und weiter ausbaut, um das Königreich endgültig zu übernehmen. In der Mitte der Staffel plant Cersei sogar einen Coup, ihr gelingt es, Kevan Lannister und Olenna Tyrell zu überzeugen, Margaery mit Gewalt aus den Klauen Glaubens zu befreien, um einen Marsch der Schande zu verhindern – nur um festzustellen, dass der Hohe Septon es geschaft hat, König und Königin zu seinen Marionetten zu machen. Die Situation wird für die königliche Witwe immer verworrener, also greift sie zu verzweifelten Maßnahmen und tut, was Alexander der Große mit dem gordischen Knoten tat. Als alle Würdenträger des Reiches (inklusive Margaery, Loras und Mace Tyrell, Kevan Lannister und natürlich dem Hohen Spatz) in Baelors Septe versammelt sind, jagt sie sie mithilfe von Seefeuer in die Luft. Umso ironischer, dass Tommen daraufhin Selbstmord begeht und Cersei somit die Schuld am Tod ihres letzten Kindes trägt. Ich persönlich finde, dass das alles etwas zu schnell und einfach geht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Handlungsstrang bei Martin ganz anders verlaufen wird (wenn auch eventuell mit ähnlichem Ausgang), schon allein wegen diverser Faktoren, die in der Serie keine Rolle spielen, etwa der Tod Kevan Lannisters durch Varys und die Landung Aegons VI. Auf der anderen Seite: Sämtliche Cersei-Szenen der letzten Episode sind exzellent inszeniert, Ramin Djawadi hat hier wirklich gelungene Musik geschrieben (primär das Stück Light of the Seven), Atmosphäre, Bildsprache – alles wunderbar gelungen. Ganz allgemein ist die Ironie dieser Entwicklung natürlich köstlich, und das nicht nur, weil Cersei Tommens Tod nun selbst herbeigeführt hat. Mehr denn je erinnert sie in dieser Folge an Aerys Targaryen, der King’s Landing mit Seefeuer zerstören wollte – genau das, was Cersei nun teilweise getan hat. Wird Jaime nun auch zum „Queenslayer“? Wird eine Targaryen die irre Lannister-Königin töten, so wie ein Lannister den irren Targaryen-König getötet hat?

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Cersei aus dem Haus Lannister, die Erste ihres Namens, Königin der Andalen (der Rhoynar) und der Ersten Menschen und Protektor der Sieben Königreiche (Lena Headey)

Apropos Königsmörder: In diesem Zusammenhang ist wohl noch Jaimes kleiner Abstecher in die Flusslande erwähnenswert, in dessen Rahmen wir die Freys und Tullys wiedersehen. Wie bereits erwähnt handelt es sich hier um Material aus den Romanen, das noch nachgeholt wurde, wenn auch stark zurechtgestutzt. Das Ganze funktioniert dennoch relativ gut, weil Jaimes Handlungsstrang in „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ realtiv episodisch verläuft. Ich freue mich, dass diese Elemente der Romane es noch in die Serie geschafft haben, obwohl es sich letztendlich um Füllmaterial handelt und man nicht viel durch das Weglassen verloren hätte.

Fire and Blood
Auch im weit entfernten Meereen gibt es noch etwas Buchmaterial, das es aufzuarbeiten gibt. Der komplexe Daenerys-Handlungsstrang aus „A Dance with Dragons“ wurde in Staffel 5 nur sehr reduziert umgesetzt; während sich die Mutter der Drachen am Ende besagter Staffel an derselben Stelle findet wie ihr Buchgegenstück – umringt von Dothraki – sieht das in Meereen anders aus. Die Stadt wird im Roman von den Streitkräften (bzw. den Sklaven- und Söldnerheeren) von Yunkai, Astapor, Neu Ghis und Volantis belagert. Ser Barristan Selmy, den Benioff und Weiss bereits sehr unrühmlich abgemurkst haben, findet sich als „Hand der Königin“ wieder und muss versuchen, diese chaotische Stadt, die von innen und außen belagert wird, zu regieren. Die Serie setzt diesen Sachverhalt ganz ähnlich um, nur dass es hier Tyrion ist, der mithilfe von Varys, Missandei und Grey Worm die Ordnung aufrecht erhalten muss, während Daario und Jorah nach Daenerys suchen. Wie bei Martin rücken schon bald die Belagerer aus Yunkai und Astapor an, die den Sklavenhandel wieder vollständig einführen wollen. Bei all seiner Gewitztheit gelingt es Tyrion trotz allem nicht, den Angriff auf die Stadt zu verhindern.

Im Gegensatz dazu marschiert Daenerys fast schon von Erfolg zu Erfolg. Sie wird von den Dothraki nach Vaes Dothrak gebracht, wo sie Teil der Dosh Khaleen, der Khals-Witwen werden soll, worauf sie allerdings keine Lust hat. Mit der Hilfe Jorahs, Daarios und einiger Dosh Khaleen schafft sie es, die regierenden Khals zu töten, einen ähnlichen Auftritt wie in Staffel 1 hinzulegen und so sämtliche Dothraki auf ihre Seite zu ziehen. Dann gelingt es ihr auch mal eben schnell, Drogon völlig zu kontrollieren, sodass sie mit einer weiteren Armee in Meereen einmarschieren und die Sklavenhändler genüsslich grillen kann. Am Ende geht es mit der Flotte der Eisenmänner gen Westeros.

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Daenerys (Emilia Clarke) macht Tyrion (Peter Dinklage) zur Hand der Königin

Auch hier läuft alles für meinen Geschmack ein wenig zu schnell und problemlos. Man kann Benioff und Weiss schon verstehen: Nach so vielen Staffeln wollen sie dem Publikum geben, worauf es wartet (oder worauf sie glauben, dass es wartet). Leider wird hier oftmals die Glaubwürdigkeit und Logik geopfert, vor allem bezüglich der Zähmung Drogons, der auf jedwede Suggestion am Ende von Staffel 5 noch sehr unwillig reagiert hat, während er jetzt plötzlich vollkommen ergeben ist.

Winter Has Come
Die sechste Staffel von „Game of Thrones“ ist für mich außerordentlich schwer zu bewerten. Um eines gleich einmal vorwegzunehmen: Ich mochte sie insgesamt definitiv lieber als Staffel 5. Bei dieser hatte ich stets das Gefühl, dass die Schockmomente inzwischen zum Selbstzweck geworden sind und ohne Rücksicht auf Verluste (oder Logik) umgesetzt wurden. Auch das gnadenlose Eindampfen diverser Handlungsstränge auf ein absolutes Minimum ist mir oftmals sauer aufgestoßen. Staffel 6 arbeitet natürlich mit dem Material aus Staffel 5 weiter, aber gerade in dieser Hinsicht ist es vielleicht von Vorteil, dass sie, mit Ausnahmen, ohne Vorlage agiert und ich keinen Vergleich habe. Somit ist Staffel 6 für mich weitaus weniger frustrierend. Natürlich sterben immer noch viele, viele Leute, aber diese Tode wirken weniger sensationsheischend – wen kümmert schon Rickon Stark?

Darüber hinaus wirkt Staffel 6 auf mich, als versuche man die Fans nun für den langen Aufbau vorheriger Staffeln zu entschädigen, denn plötzlich geht alles verhältnismäßig schnell. Man hat das Gefühl, in fast jeder Folge würde eine wichtige Frage beantwortet oder ein Ereignis treffe ein, auf das man schon lange gewartet hat. Wir erfahren, wer tatsächlich Jon Snows Eltern waren, wie der erste Weiße Wanderer entstand und woher Hodors Name kommt. Mit Ramsay, Walder Frey und dem Hohen Spatz sterben einige der verhasstesten Figuren, Haus Stark gewinnt wieder an Stärke, Daenerys bricht gen Westeros auf etc. Gleichzeitig kann ich mich eines bestimmten Gefühls nicht erwehren, dass mich schon in Staffel 5 beschlich: Es ist George R. R. Martins Welt, es sind George R. R. Martins Figuren (mehr oder weniger), aber es ist nicht mehr George R. R. Martins Geschichte, die hier erzählt wird. Das gewisse Etwas, das „Game of Thrones“ zu einer außergewöhnlichen Serie gemacht hat, fehlt. Komplexität, Konsequenz und Logik wird nun oftmals dem Ausgang geopfert, das Ziel ist wichtiger als der Weg.

Natürlich muss man auch beachten: In „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ wurde Martins Welt von Eis und Feuer immer komplexer. Während in den ersten drei Romanen trotz allem einige klare Handlungsstränge auszumachen waren, drifteten sämtliche Figuren nun immer weiter auseinander, es kamen immer mehr Figurenperspektiven dazu, was das adaptieren nicht gerade einfacher macht. Dennoch ist auffällig, wie viel in dieser Staffel, gerade im Vergleich zu den bisherigen, geschieht und wie schnell es voran geht. Und tatsächlich müsste ich lügen, würde ich sagen, dass es darunter nicht viele Dinge gibt, die auch ich nur allzu gerne sehe. Dennoch, „Game of Thrones“ wirkt nun einfacher – ich will nicht sagen „banaler“, aber doch gewöhnlicher, die Handlung, die Figurenentwicklung etc. gleicht stärker anderen TV-Serien. Eine wirklich endgültige Meinung werde ich wohl erst haben, wenn „The Winds of Winter“ erschienen ist und ich weiß, wie Martin seine Geschichte weitererzählt, ob er dieselben Ziele auf anderem Wege erreicht oder ob seine Handlung in eine völlig andere Richtung steuert.

Davon einmal abgesehen ist „Game of Thrones“ nach wie vor die wohl derzeit opulenteste und optisch beeindruckendste Serie überhaupt, gerade bezüglich Dramatik und Bildsprache (bestes Beispiel, wie erwähnt, ist Folge 10) legen Benioff, Weiss und ihre Regisseure noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. Ebenso gibt es bezüglich der Darsteller kaum etwas zu meckern, im Gegenteil. Höchstens die Dornischen sind nach wie vor suboptimal, aber bei zwei kurzen Auftritten fällt das kaum ins Gewicht. Insgesamt definitiv besser als Staffel 5, allerdings merkt man, sowohl in den positiven als auch negativen Aspekten, dass Martin, wenn überhaupt, nur noch marginal an der Serie beteiligt ist und dass Benioff und Weiss seine Geschichte mehr oder weniger hinter sich gelassen haben und ihr eigenes Ding durchziehen.

Blogparade: Jesus 2.0 – Die sieben besten Erlöser

Spoiler zu „Game of Thrones Staffel 5“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“

Die singende Lehrerin hat mal wieder zu einer interessanten Blogparade aufgerufen, dieses Mal passend zu Ostern mit dem Thema „messianische Erlöserfigur“. Auserwählte, die sich selbst opfern und mit ihrem Tod die Welt retten, gibt es für meinen Geschmack in der Populärkultur leider viel zu viele. Natürlich ist klar, weshalb: Die Passion Christi (ich meine nicht den Mel-Gibson-Film) ist nun mal eine der grundlegenden Geschichten der christlich geprägten Welt, und auch in anderen Erdteilen ist dieses Konzept alles andere als unbekannt. In der Zwischenzeit gibt es so viele Versionen des Pseudo-Jesus, dass das Konzept einfach nicht mehr interessant ist, besonders, weil kaum jemand es schafft, dem Ganzen eine neue Facette abzugewinnen. Wie dem auch sei, hier sind meine sieben Jesus-Verschnitte, die Reihenfolge ist willkürlich.

Anakin Skywalker („Star Wars“)
Die von Joseph Campbell dargestellte Heldenreisethematik und das Erlöserkonzept gehen oft Hand in Hand – nur allzu oft ist der arme Bauernjunge, der unverhofft zum Helden wird, auch gleich von Gott oder einer anderen höheren Macht auserwählt, die Welt zu retten oder, wie in diesem Fall, der Macht das Gleichgewicht zu bringen. Luke Skywalker würde sich im Kontext dieser Blogparade vielleicht auch anbieten, aber der eigentliche Auserwählte ist Anakin. Während die Jesus-Parallelen bei Luke eher subtil sind, hat sich George Lucas bei Anakin kaum zurückgehalten. Er ist der Auserwählte, dessen Ankunft vor tausenden von Jahren prophezeit wurde, das Resultat einer unbefleckten Empfängnis und am Ende opferte er sich schließlich, um das Böse endgültig in seine Schranken zu weisen. Gut, Jesus hat sich nie temporär mit Satan verbündet, Kinder abgeschlachtet und für eine brutale Diktatur Armeen in die Schlacht geführt, aber von diesen kleinen Details einmal abgesehen sind die Parallelen wirklich überdeutlich.

Frodo/Gandalf („Der Herr der Ringe“)
Professor Tolkien war überzeugter Katholik und das zeigt sich auch im „Herrn der Ringe“, wenn man zwischen den Zeilen liest. Allerdings hatte er auch eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Allegorien, weshalb sich zwar bei einigen Figuren seines Werkes gewisse Parallelen zu Jesus finden, aber keine wirklich als „Christus von Mittelerde“ gelten kann (anders als bei gewissen anderen Fantasy-Autoren). Frodo ist natürlich das offensichtlichste Beispiel, er durchlebt einen Leidensweg, um Mittelerde zu retten. Allerdings ist er keine wirklich messianische Figur, seine Ankunft wurde nicht prophezeit, er ist höchstens ein impliziter Auserwählter, primär gelangt er an den Ring durch Zufall (sofern wir hier nicht von einem göttlichen Plan ausgehen), behält ihn auch nur, weil es für die Freien Völker so am sichersten und stirbt auch keinen Opfertod inklusive Auferstehung, um die Welt zu erlösen. Sein Ende erinnert viel eher an das von König Artus, der auf Avalon Ruhe findet, um seine tiefen Wunden heilen zu lassen. Gandalf ist derjenige, der einen Opfertod stirbt, damit die Gefährten fliehen können, und dann wieder zurückkehrt, um seine Aufgabe zu vollenden. Diese Aufgabe ist im Vergleich zu Frodos allerdings sekundär, im Grunde verhindert nur Kollateralschäden und sorgt für Ablenkung. Bis auf Opfertod und Auferstehung hat Gandalf viel mehr mit dem nordischen Gott Odin oder dem finnischen Zauberer Vainämöinen gemein als mit Jesus.

Aslan („Die Chroniken von Narnia“)
C.S. Lewis war ein Zeitgenosse und Freund Tolkiens und nach seiner Konvertierung ebenso überzeugter Christ, wenn auch anglikanisch und nicht katholisch. Mit seiner siebenbändigen Narnia-Reihe hat er ebenfalls einen Klassiker der Fantasy-Literatur verfasst, anders als Tolkien arbeitet Lewis bezüglich der christlichen Inhalte aber mit dem Holzhammer. Aslan besitzt nicht nur Eigenschaften von Jesus, Aslan IST Jesus – C.S. Lewis hat selbst einmal erklärt, er habe sich überlegt, welche Gestalt Jesus wohl in einer anderen Welt, in diesem Fall Narnia, annehmen würde. Zwar mag er ein Löwe sein, aber ansonsten passt alles: Aslan ist der Sohn des Kaisers jenseits des Meeres (wer damit wohl gemeint sein könnte?) und in „Der König von Narnia“ opfert er sich, geht als Lamm zur Schlachtbank, wird gequält, hingerichtet, steht wieder auf und beißt der Weißen Hexe den Kopf ab. Alles vollkommen biblisch.

Harry Potter („Harry Potter“)
Und nochmal ein Auserwählter, der den Opfertod stirbt. Um ehrlich zu sein: Harry Potters Selbstopfer gehört zu den Aspekten, die mir „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ kräftig vermiest haben. Nicht nur ist diese Wendung, wie bereits erwähnt, in meinen Augen ziemlich ausgelutscht, Aufbau und Hinführung sind auch noch so fürchterlich schlecht konstruiert und uninspiriert (Stichwort Elderstab). Damit Jesus-Harry sich am Ende nicht selbst die Hände schmutzig macht, muss Voldemort von seinem eigenen Zauber getötet werden – schon wieder. Ich bin da immer noch traumatisiert.

Neo („Matrix“)
Selbst in einer von Maschinen beherrschten Welt, in der Gott eigentlich keine Rolle spielt (zumindest oberflächlich betrachtet), ist man vor einem Pseudo-Jesus nicht sicher. Die ganze Angelegenheit ist äußerst konfus, maschineninhärent und Wiedergeburt spielt offenbar auch eine Rolle, weil Neo der sechste Auserwählte ist und im Grunde nur als Systemneustart der Matrix funktionieren soll. Neo durchbricht jedoch den Kreislauf und, wie könnte es anders sein, opfert sein Leben, um die Menschheit zu retten. Er wird nicht ans Kreuz genagelt, sondern prügelt sich zu apokalyptisch-grandioser Musik mit Agent Smith und darf auch nicht wiederkommen (immerhin da sind die Wachowskis konsequent, jedenfalls bis Warner beschließt, dass ein weiteres Matrix-Sequel her muss), aber es ist trotzdem eine Holzhammer-Allegorie.

Superman („Superman“)
Eine weitere Figur mit mehr Jesus-Parallelen, als ihr gut tun. Das fängt schon beim kryptonischen Namen an: Kal-EL (hochsubtil). Für Supermans Ursprungsgeschichte haben seine Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster praktisch die Erzählungen von Moses und Jesus miteinander verknüpft und in ein Science-Fiction-Setting verfrachtet. In den Comics (zumindest den meisten) hat man sich inzwischen dankenswerterweise von der Jesus-Symbolik ein wenig distanziert, aber die diversen Filme tragen diesbezüglich noch einmal richtig dick auf. In Richard Donners „Superman“ von 1978 sagt Jor-El doch tatsächlich: „Live as one of them, Kal-El, to discover where your strength and your power are needed. But always hold in your heart the pride of your special heritage. They can be a great people, Kal-El, they wish to be. They only lack the light to show the way. For this reason above all, their capacity for good, I have sent them you… my only son.” Während das schon ziemlich plakativ ist, hat Zack Snyder aber wirklich den Vogel abgeschossen: „Man of Steel“ quillt nur so über vor Jesus-Symbolik. Superman hatte eine spezielle Geburt (das erste kryptonische Kind seit langer Zeit, das natürlich geboren wurde), ist in diesem Film 33 und wird ständig im Kontext christlicher Bildsprache gezeigt, als Kreuz, in der Kirchenszene sieht man seinen Kopf neben einer Abbildung Christi als Gleichgestellte etc. Damit auch wirklich der Letzte kapiert, was hier ausgedrückt werden soll. Und in „Batman v Superma: Dawn of Justice“ geht’s genau so weiter, Lex Luthor spricht ständig in religiösen Metaphern, der Kryptonitspeer erinnert an einen gewissen anderen Speer und dann ist da natürlich Supermans Opfertod samt angedeuteter Auferstehung. Als ob das noch nicht genug wäre, kam der Film auch noch in der Karwoche in die Kinos. Wirklich?

Azor Ahai („A Song of Ice and Fire“)
Der wahrscheinlich interessanteste Eintrag auf dieser Liste stammt aus Geore R.R. Martins nach wie vor unvollendeter Fantasy-Reihe (wo bleibt „The Winds of Winter“?). Azor Ahai ist ein legendärer Held, der viele tausend Jahre vor der eigentlichen Handlung der Romane gegen finstere Mächte kämpfte und seither als Messias-Figur für den Glauben der Roten Priester fungiert. Die Anhänger des Feuergottes R’hllor glauben, Azor Ahai würde eines Tages wiederkehren, um die Finsternis endgültig zu besiegen. Melisandre, die mit Abstand prominenteste Vertreterin dieser Religion in den Romanen, vermischt die Prophezeiung von Azor Ahais Wiederkehr mit einer anderen Weissagung bezüglich des „prince that was promised“, der zwischen Fels und Salz geboren und dessen Ankunft von einem roten Kometen begleitet wird. Melisandre selbst glaubt, Stannis Baratheon sei besagter Prinz und damit auch der wiedergeborene Azor Ahai. Es gibt jedoch diverse andere Kandidaten, nicht zuletzt Daenerys Targaryen oder Jon Snow. Da Letzterer am Ende von „A Dance with Dragons“ das zeitliche gesegnet hat, könnte er sogar wieder auferstehen, was ihn noch messianischer machen würde. Aber so wie ich George R.R. Martin kenne, wird die Antwort sicher nicht simpel sein und einen besonderen Twist haben.

Der König in Gelb

Halloween 2015
königgelb
Viele Autoren, die zu Lebzeiten produktiv und erfolgreich sind, werden nach ihrem Tod oft relativ schnell vergessen. Manche haben immerhin das Glück, zumindest für ein Werk in Erinnerung zu bleiben und Spuren zu hinterlassen. Robert W. Chambers ist hierfür ein gutes Beispiel. Der 1865 geborene und 1933 gestorbene Autor verfasste über 80 Werke, die während seines Lebens sehr populär waren, doch in der Zwischenzeit erinnert man sich an Chambers vor allem wegen der Kurzgeschichtensammlung „Der König in Gelb“, und das auch nicht einmal so sehr wegen der Geschichten selbst, sondern eher wegen ihres Einflusses.

Die Sammlung enthält (zumindest in meiner Ausgabe) sieben Geschichten: „Der Wiederhersteller des guten Rufes“, „Die Maske“, „Am Hofe des Drachen“, „Das Gelbe Zeichen“, „Die Jungfer d’Ys“, „Das Paradies der Propheten“ und „Die Straße der vier Winde“. Eine Genre-Zuordnung ist nicht ganz einfach, die Geschichten haben alle ein übernatürliches Element und sind im weiteren Sinne Horror, passen aber nicht wirklich zur Schauerliteratur der Zeit („Der König in Gelb“ erschien 1895). Stattdessen besitzen einige der Kurzgeschichten, in erster Linie die ersten vier, ein Lovecraft’sches Element, das ihrer Zeit gewissermaßen voraus ist. Die restlichen Geschichten sind eher abstrakt-romantisch denn wirklich gruselig, in „Die Jungfer d’Ys“ verliebt sich der Protagonist beispielsweise in einen Geist.

„Die Wiederherstellung des guten Rufes“, „Die Maske“, „Am Hof des Drachen“ und „Das Gelbe Zeichen“ werden durch ein Element verbunden, den titelgebenden „König in Gelb“. Es handelt sich dabei um ein Theaterstück, dessen erster Akt noch recht trivial ist, während die Lektüre des zweiten Aktes, selbst wenn man nur wenige Worte liest, einen wegen der schrecklichen Wahrheiten, die er enthüllt, unweigerlich in den Wahnsinn treibt. Dies geschieht zum Beispiel mit dem Protagonisten von „Die Wiederherstellung des guten Rufes“. Mit dem Theaterstück ist eine bösartige Entität verbunden, die ihm seinen Namen gibt. Natürlich enthüllt keine der Geschichten, um welche schrecklichen Wahrheiten es sich eigentlich handelt, was es wirklich mit dem titelgebenden König auf sich hat oder worum es in dem Stück eigentlich geht – es werden nur ein paar sehr kurze Auszüge wiedergegeben, die allesamt aus dem ersten Akt stammen.

Das ruft sicher nicht nur bei mir Erinnerungen an Lovecrafts Necronomicon und seine zerstörerischen Götter hervor. Es stimmt allerdings nicht, dass Chambers den „Cthulhu-Mythos“ oder das Necronomicon inspirierte, wie manch einer behauptet – Lovecraft las „Den König in Gelb“ erstmals 1927, zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits „The Hound“, „The Festival“ und diverse andere Geschichten geschrieben, die zum Mythos gerechnet werden und in denen das Necronomicon bereits auftaucht. Dennoch war er von Chambers Geschichten fasziniert und versteckte einige Anspielungen in seinen eigenen Werken, manchmal ziemlich offensichtlich, andere subtiler. In „History of the Necronomicon“ wird beispielsweise angemerkt, dass besagtes Werk Chambers inspiriert haben könnte. Darüber hinaus tauchen diverse Elemente aus „Der König in Gelb“ in Lovecrafts Geschichten (zum Beispiel in „The Whisperer in Darkness“) auf, unter anderem die mysteriöse Stadt Carcosa, Hastur, der See von Hali oder das Gelbe Zeichen. Interessanterweise stammen die erwähnten Eigennamen nicht von Chambers selbst, dieser entlehnte sie aus einigen Kurzgeschichten von Ambrose Bierce.

Nach Lovecrafts Tod konzipierte August Derleth Lovecrafts Geschichten zum „Cthulhu-Mythos“ und integrierte Chambers‘ Werk darin: Hastur wurde zu einem der „Great Old Ones“, der König in Gelb zu einem seiner Avatare etc.; somit tauchten Elemente aus „Der König in Gelb“ nun auch kontinuierlich in den Geschichten anderer Autoren auf. Einige Autoren entdeckten allerdings auch Chambers‘ ursprüngliches Werk und versuchten, daran statt an Lovecraft und Derleth anzuknüpfen. In der Zwischenzeit sind diverse Kurzgeschichtensammlungen erschienen, die die Thematik von Chambers‘ Werk fortsetzen (zum Beispiel „The King in Yellow: An Anthology“ oder „A Season in Carcosa“), diverse Autoren haben versucht, das titelgebende Theaterstück zu „rekonstruieren“, darunter Lin Carter und Thom Ryng) und auch sonst tauchen Anspielungen immer wieder auf, etwa in den Werken von Marion Zimmer Bradley oder George R. R. Martin. Es existiert sogar ein Wiki zum „Gelben Mythos“ (siehe hier).

Letztes Jahr erhielt Chambers‘ Kurzgeschichtensammlung darüber hinaus noch einen Popularitätsschub aus ungeahnter Quelle: In der hochgelobten ersten Staffel der Anthologieserie „True Detective“ tauchen immer wieder Verweise auf den „König in Gelb“ auf, vor allem in der zweiten Episode, in der die Ermittler Rust (Matthew McConaughey) und Cole (Woody Harrelson) das Tagebuch eines ermordeten Mädchens untersuchen, das mit Verweisen und Zitaten aus Chambers Text gefüllt ist. Es finden sich im Verlauf der Serie noch diverse weitere Erwähnungen und Verweise, die dann in einem Finale kulminieren, das an einem Ort stattfindet der, wie könnte es anders sein, als Carcosa bezeichnet wird. Was „True Detective“ ohnehin interessant macht ist, dass gewisse Aspekte der Serie (bzw. der ersten Staffel) doch stark an Chambers und vor allem an Lovecraft erinnern; nicht per se das Charakterdrama, aber einige andere Elemente. Rust hätte gut als Lovecraft’scher Protagonist funktionieren können, und auch die Art und Weise, wie Atmosphäre aufgebaut wird und wie der Kult handelt erinnert an den Schriftsteller aus Providence. „True Detective“ ist natürlich nicht dem Genre „kosmischer Horror“ zuzuordnen, das Lovecraft quasi begründete, aber hin und wieder gibt es doch zumindest sehr subtile Hinweise, dass da mehr sein könnte als nur die profane Welt…

Fazit: Selbst Freunden von Lovecraft’schem Horror ist „Der König in Gelb“ vielleicht zu zahm und zu abstrakt – die Geschichten werden erst richtig interessant, wenn man ihre Wirkung kennt. Dennoch: Als Fan von Lovecraft (oder „True Detective“) sollte man Chambers‘ Werk gelesen haben.

Fiebertraum

Halloween 2015
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Unglaublich, aber wahr: George R. R. Martin hat auch Werke verfasst, die nichts mit der Welt von Eis und Feuer zu tun haben. Tatsächlich war er in einigen Genres aktiv, darunter auch Horror. 1982 erschien mit „Fiebertraum“ („Fevre Dream“) ein Vampirroman aus seiner Feder – und ein äußerst lohnenswerter noch dazu, denn auch Martin leistete seinen Beitrag zum immer populärer werdenden sympathischen Vampir.

Die Handlung beginnt im Jahr 1857, im Zentrum steht Abner Marsh, ein sehr fähiger, wenn auch äußerst unattraktiver Mississippi-Kapitän. Nach einer Pechsträhne erhält Marsh von dem mysteriösen Joshua York ein Angebot, das er einfach nicht ablehnen kann: York schlägt ihm vor, einen Flussdampfer zu finanzieren, wie ihn der Mississippi noch nie gesehen hat und auf dem sie gemeinsam das Sagen haben. Die einzige Bedingung ist, dass Marsh Yorks seltsame Angewohnheiten akzeptiert und keine Fragen stellt. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist die Fevre Dream, ein opulentes Schiff, das schon bald zur Legende werden und die schnellsten Dampfer auf dem Mississippi schlagen könnte. Doch besagte Angewohnheiten Yorks beginnen schon bald, Marsh massiv zu stören, unter anderem verschwindet York immer wieder, verzögert so die Abfahrt und bringt neue, merkwürdige Passagiere an Bord. Schließlich kommt Marsh hinter das Geheimnis seines Partners: Dieser ist ein Vampir, der sein Schicksal nicht anerkennt und versucht, seine Artgenossen mithilfe eines Blutersatzes vom Töten abzubringen. Marsh erklärt sich schließlich dazu bereit, seinem Partner zu helfen. In Damon Julien, einem Jahrtausende alten Blutsauger, haben sie allerdings einen übermächtigen Gegner, der keinerlei Interesse daran hat, seine Lebensweise zu ändern…

Inhaltlich unterscheidet sich „Fiebertraum“ sehr stark von den Romanen, für die Martin vor allem populär ist, stilistisch gibt es allerdings diverse Parallelen. Wie in „A Song of Ice and Fire“ gibt es POV-Charaktere, durch deren Augen der Leser das Geschehen ausschließlich sieht; hier sind es Abner Marsh und Sour Billy Tipton, der menschliche Helfer von Damon Julien, wobei Letzterer eindeutig ein sekundärer Protagonist ist, während der Fokus auf Marsh liegt. Und wie in „A Song of Ice and Fire“ ist die Erzählung sehr breit angelegt und darüber hinaus auch sehr gut recherchiert, es dauert eine Weile, bevor man als uneingeweihter Leser erfährt, worum es eigentlich geht. Der Horror-Aspekt wird erst in der zweiten Hälfte des Romans dominant, dann aber richtig, denn mit Damon Julien ist definitiv nicht zu Spaßen. Den ersten Teil nutzt Martin vor allem, um die Eigenheiten der Zeit und des Settings sehr detailliert zu beschrieben, was manch einen ungeduldigeren Leser vielleicht abschrecken könnte. Auf mich hatte es allerdings eher den gegenteiligen Effekt, Martin schafft es, Setting und Atmosphäre äußerst plastisch zu gestalten und die Geschehnisse interessant darzustellen. Das gilt auch für Abner Marsh, der erfreulicherweise kein klischeehafter Protagonist ist, sondern äußerst authentisch und sympathisch daherkommt. Ebenso sind die beiden Vampire äußerst interessante Figuren.

Apropos Vampire: Diese sind bei Martin eine eigene Spezies, die sich parallel zu den Menschen entwickelt hat, das heißt, dass Menschen nicht verwandelt werden können, man wird als Vampir geboren. Viele der klassischen Eigenschaften spielen deshalb auch keine Rolle, wirklich wichtig sind nur zwei: Der Blutdurst (hier als „der rote Durst“ bezeichnet, der Vampire zum Töten treibt) sowie die Anfälligkeit gegenüber Sonnenlicht. Einige der inhaltlichen Ideen greifen bereits einiges vorweg, was in den folgenden Jahrzehnten durch andere Werke populär werden sollte. Das von Joshua York erfundene Elixier, das den roten Durst bekämpft, kann wohl getrost als Vorläufer des Tru Blood in Charliane Harris‘ „Southern Vampire Mysteries“ und der darauf basierenden TV-Serie „True Blood“ betrachtet werden, während die Idee, dass der biblische Kain der Urvater der Vampire ist, von „Vampire: The Masquerade“ aufgegriffen und popularisiert wurde.

Joshua York steht als mit seiner Natur hadernder „guter“ Vampir derweil in der Tradition von Sir Francis Varney und Louis de Point du Lac. Anders als sonst bei Martin ist Damon Julien wirklich eindeutig böse und der Schurke, bleibt als solcher aufgrund seiner Konzeption allerdings stets interessant; Julien ist alt und ausgebrannt, hegt einen Todeswunsch und klammert sich gleichzeitig an sein Leben. Jegliche Ähnlichkeit zu Menschen, die er vielleicht einmal besessen haben mag, ist schon vor langer Zeit verschwunden. Auch hier haben sich die Macher von „Vampire: The Masquerade“ bei der Konzeption der uralten Vampire deutlich an Martin orientiert.

Fazit: „Fiebertraum“ ist der Beweis, dass George R. R. Martin auch schon ein großartiger Autor war, bevor er sein Magnum Opus verfasste. Hier finden sich bereits viele der stilistischen Stärken von „A Song of Ice and Fire“, zusätzlich zu einer gelungenen Variation des Vampirs und einer verdammt spannenden, atmosphärisch grandiosen Geschichte. Wer nach einem guten Vampirroman sucht, macht mit „Fiebertraum“ nichts falsch.

Das Necronomicon

Halloween 2015
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Anmerkung: Im Verlauf meines Studiums habe ich es immer mal wieder geschafft, Hausarbeiten über Themen zu schreiben, die mir besonders am Herzen liegen. Bei diesem Artikel handelt es sich um eine davon, die ich bearbeitet, gekürzt und von Zitaten und dem wissenschaftlichen Apparat befreit habe. Für den Fall, dass dieser Text Interesse an der Thematik geweckt hat, habe ich die Bibliographie der verwendeten Werke ans Ende des Artikels gepackt.

Howard Phillips Lovecraft gehört mit Sicherheit zu den einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts – oder zumindest zu den Autoren, die am häufigsten imitiert und deren Ideen weiter verfolgt werden. Gerade in den Bereichen Horror und Science-Fiction – die Genres, denen Lovecrafts Geschichten selbst ebenfalls am ehesten zuzuordnen sind – stößt man immer wieder auf Spuren des Schriftstellers aus Providence. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Lovecraft verfügte, dass seine Geschichten und Ideen weiterverwendet werden durften und sollten, was befreundete Autoren bereits zu seinen Lebzeiten taten. Nach seinem Tod nahm dies noch viel größere Ausmaße an, viele Autoren wurden zu direkten „Nachfolgern“ Lovecrafts und bauten direkt auf seinen Geschichten auf.

Eine der wohl populärsten Erfindungen Lovecrafts ist das Necronomicon, ein verbotenes Buch mit fürchterlichem Inhalt, verfasst von dem verrückten Araber Abdul Alhazred, das in vielen seiner Geschichten eine wichtige Rolle spielt oder doch zumindest erwähnt wird. Das Necronomicon ist auch das Element aus Lovecrafts Schaffen, das bei anderen Autoren am häufigsten verwendet wird. Es taucht oftmals – und sei es nur als Anspielung – in Geschichten auf, die augenscheinlich gar nichts mit der von Lovecraft geschaffenen Mythologie zu tun haben – ein Beispiel ist Stanley G. Weinbaums Roman „The New Adam“, aber selbst in einer Episode der Zeichentrickserie „Justice League Unlimited“ wird es einmal beiläufig erwähnt. Darüber hinaus hat es praktisch ein Eigenleben entwickelt, da sich lange der Glaube hielt, beim Necronomicon handle es sich um ein wirklich existierendes und nicht um ein fiktives Buch. In den Jahrzehnten nach Lovecrafts Tod entstanden sogar mehrere Ausgaben des Necronomicons, die von sich behaupteten, das „echte“ zu sein.

Das Necronomicon in Lovecrafts Geschichten
Wie bereits erwähnt zählt das Necronomicon, neben Orten wie dem fiktiven Arkham, zu den immer wiederkehrenden Elementen in Lovecrafts Geschichten. Zwar ist es nicht das einzige fiktive okkulte Werk in seinen Geschichten, aber mit Abstand das bekannteste. Zum ersten Mal tauchte es in der 1922 erschienen Geschichte „The Hound“ auf, es gab allerdings in anderen Geschichten bereits erste „Vorzeichen“, etwa in „Polaris“ (1918) oder „The Statement of Randolph Carter“ (1919) – in beiden ist die Rede von mysteriösen Manuskripten und Büchern. In „The Nameless City“ von 1921 wird darüber hinaus bereits Abdul Alhazred, der Autor des Necronomicons, erwähnt, ebenso wie ein später dem Necronomicon zugeordneter und von Alhazred verfasster Zweizeiler, der auch in „The Call of Cthulhu“ wieder auftaucht: „That is not dead which can eternal lie,/And with strange aeons even death may die.”

In „The Hound“ schließlich erfolgte die erste namentliche Erwähnung des Necronomicons, und zusätzlich wird Abdul Alhazred als Autor genannt, ansonsten gibt es allerdings kaum weitere Informationen zum finsteren Grimoire. Stattdessen führt Lovecraft hier schon die Art und Weise ein, wie das Necronomicon in kommenden Erzählungen oftmals verwendet werden sollte, denn in vielen Geschichten, in denen es vorkommt, ist es nicht wirklich für die Handlung relevant, stattdessen wird es benutzt, um die Atmosphäre des Unheimlichen und Verbotenen aufzubauen oder zu verstärken. Oftmals erinnern die merkwürdigen Vorkommnisse, die die Protagonisten Lovecrafts erleben, sie an Dinge, die sie im Necronomicon gelesen haben. In „The Hound“ wird zum Beispiel ein Amulett gefunden, das den Erzähler an eine Textstelle aus dem verbotenen Buch erinnert.

„Fragment“ des Necronomicon (kann als Wanddekoration oder RPG-Requisit käuflich erworden werden)

Ähnliche Einsätze des Necronomicons finden sich in Geschichten wie „The Call of Cthulhu“ oder „At the Mountains of Madness”, in denen das Buch selbst ebenfalls kaum handlungsrelevant ist, sondern eher dazu dient, die Atmosphäre zu schüren und der Erzählung Tiefe zu verleihen. Gerade bei Letzterer fühlt sich der Protagonist beim Anblick der Antarktis an eine Beschreibung aus dem Necronomicon erinnert, und später kommt er zu dem Schluss, dass die „Elder Things“, die die Expedition in der Antarktis gefunden hat, wohl die Grundlage für die Schilderungen im Necronomicon sind.

Es gibt allerdings auch Geschichten, in welchen das Necronomicon und sein Inhalt eine wichtige Rolle für den Plot spielen und nicht nur „Dekoration“ sind. Eine solche ist „The Case of Charles Dexter Ward“. Bei dem in dieser Geschichte enthaltenen Auszug handelt es sich um zwei Formeln, mit deren Hilfe es möglich ist, die Toten aus ihren chemischen Salzen wiederzuerwecken und diese Wiedererweckung rückgängig zu machen. Beide Formeln werden lediglich in einer fiktiven und somit unverständlichen Sprache wiedergegeben, sie enthalten jedoch den Namen des dunklen Gottes Yog-Sothoth, der in einigen anderen Geschichten eine größere Rolle spielt, u.a. in „The Dunwich Horror“. Besagte Geschichte ist auch die einzige außer „The Festival“, in welcher sich ausführliche (und auch verständliche) Zitate aus dem Necronomicon finden. In „The Festival“ steht das Necronomicon praktisch im Zentrum der Handlung, die Geschichte arbeitet jedoch in erster Linie mit Atmosphäre: Der Protagonist nimmt in der fiktiven Stadt Kingsport an einem unheimlichen Ritual, das um das Necronomicon und merkwürdige, geflügelte Kreaturen herum aufgebaut ist, teil. Letztendlich wehrt er sich, fällt in einen Fluss und wacht im Krankenhaus wieder auf. Am Ende der Geschichte sucht er ein anderes Exemplar des Necronomicon auf und liest dort einen Abschnitt, der seine Erlebnisse genau widerspiegelt.

Die in „The Dunwich Horror“, eine der wenigen Lovecraft-Geschichten mit einem „Gut-gegen-Böse-Schema“, wiedergegebene Stelle ist noch länger und auch hier ist das Necronomicon ein Teil der Handlung: Mithilfe des verfluchten Buches möchte Wilbur Whateley seinem Vater, dem finsteren Gott Yog-Sothoth, den Zugang zur Welt der Menschen ermöglichen. Besagte Stelle stammt von Seite 751 des verbotenen Buches, und ist, im Vergleich zu anderen Geschichten, verhältnismäßig eindeutig, vor allem, was die „Great Old Ones“ angeht, neben Yog-Sothoth selbst werden auch Shub-Niggurath und Cthulhu erwähnt.

Da das Necronomicon in seinen Geschichten immer häufiger auftauchte, verfasste Lovecraft 1927 einen kurzen, nicht immer ganz ernst gemeinten Abriss der Geschichte des verbotenen Buches, um in seinen Verweisen konsistent zu bleiben. Darin enthüllt er den ursprünglichen Titel des Werkes – Al Azif (abgeleitet von Geräusch, das nächtliche Insekten machen und das für das Heulen von Dämonen gehalten wurde) – und macht Angaben zur Entstehung und zum Autor, ebenso wie zur weiteren Verbreitung. So kommt der Name „Necronomicon“ nicht von Alhazred selbst, sondern von Theodorus Philetas, der das Buch im 10. Jahrhundert ins Griechische übersetzt hat. In diesem historischen Abriss finden sich auch immer wieder historische Persönlichkeiten wie Olaus Wormius oder John Dee (die Idee, dass Letzterer eine englische Übersetzung des Necronomicons anfertigte, stammt allerdings von Frank Belknap), die das Necronomicon weiter verbreiteten und übersetzten. Tatsächlich werden die historischen Persönlichkeiten, die, wie John Dee, in Lovecrafts Geschichten mit dem Necronomicon zu tun haben, genau gleich behandelt wie die fiktiven Figuren und Ereignisse, was abermals für die Verwischung der Grenze zwischen Fakt und Fiktion sorgt. Das Necronomicon bei Lovecraft ist also, wenn es für die Handlung wirklich eine Rolle spielt, immer eine Quelle von verbotenem Wissen – mitunter ist es allerdings recht unzuverlässig. In manchen Fällen sind dies lediglich Informationen, in anderen aber auch wirkungsvolle Zaubersprüche.

Das Necronomicon und der „Cthulhu-Mythos“
Beim sogenannten „Cthulhu-Mythos“ handelt es sich um eine thematische Kategorisierung der Geschichten Lovecrafts. In den Werken, die dem „Cthulhu-Mythos“ zugeordnet werden, spielen die von ihm geschaffenen, bedrohlichen und enorm mächtigen fiktiven Götter – Cthulhu, Yog-Sothoth, Azathoth etc. – eine Rolle. Er ist praktisch das, was hinter dem Necronomicon steht und die Quelle des Wahnsinns seines Autors. So gehören die meisten der oben aufgezählten Werke zu den „Mythos-Geschichten“, in denen das Necronomicon zumeist als mehr oder minder zuverlässige Wissensquelle fungiert – somit ist es, neben den unbegreiflichen Gottheiten, eines der Elemente, die die eigentlich für sich stehenden Geschichten verbinden.

Diese Einordnung ist jedoch alles andere als unumstritten. Zuerst einmal ist es nicht immer eindeutig, ob eine Geschichte zum Mythos gehört. „The Dream-Quest of Unknown Kadath“ unterscheidet sich beispielsweise stilistisch und inhaltlich stark von der „typischen“ Mythos-Geschichte wie „The Call of Cthulhu“, mit Azathoth und Nyarlathotep tauchen aber zwei Mythos-Götter auf. Ganz ähnlich verhält es sich mit „The Hound“ oder „The Festival“, in denen Mythos-Bestandteile wie Abdul Alhazred und das Necronomicon erwähnt werden, der Mythos an sich aber keine Rolle zu spielen scheint oder lediglich sehr vage angedeutet wird. Andere Geschichten, vor allem aus den früheren Jahren von Lovecrafts Tätigkeit, weisen dagegen bereits inhaltliche oder stilistische Merkmale späterer, eindeutiger „Mythos-Geschichten“ auf, enthalten aber noch keine direkten Verweise, etwa „Dagon“ oder „The Temple“. Die Zuordnung, welche Geschichten zum „Cthulhu-Mythos“ gehören und welche nicht, ist somit nicht eindeutig.

Weiteres „Fragment“ des Necronomicon

Darüber hinaus ist der Begriff „Cthulhu-Mythos“ selbst ziemlich umstritten. Er wurde von Lovecrafts Freund und Nachlassverwalter August Derleth geprägt und stammt nicht von Lovecraft selbst. In der Tat nahm Lovecraft seine Pseuodmythologie, wie sich anhand mehrerer Aussagen belegen lässt, wohl nicht besonders ernst. Viele der Aspekte stammen in der Tat von Derleth, der selbst auch „Mythos-Geschichten“ schrieb und für die zentrale Stellung Cthulhus verantwortlich ist – Lovecraft verwendete den tentakelgesichtigen Gott verhältnismäßig selten, und er ist auch nicht das dominanteste oder mächtigste Wesen seines „Pantheons“. Er selbst bezeichnete die Mythologie, wenn auch scherzhaft, als „Yog-Sothothery“. In der Tat wurde das Konzept „Cthulhu-Mythos“ von vielen Nachfolgern Lovecrafts weitaus ernster genommen als von diesem – und zum Teil wohl auch falsch verstanden, was wohl letztendlich auf Derleth zurückzuführen ist.

Das Missverständnis besteht letztendlich in der Uminterpretation der Großen Alten, die Derleth vornahm. Er klassifizierte sie als böse Wesenheiten und führte, als Gegenstück, die den Menschen wohlgesonnenen „Old Beings“ oder „Elder Gods“ ein, die es in dieser Form bei Lovecraft niemals gegeben hat – diese Begriffe beschreiben in Lovecrafts Geschichten unterschiedliche Gruppen, und auf keine davon passt Derleths Definition. Lovecraft selbst verstand den „Cthulhu-Mythos“ niemals als einen Konflikt „Gut gegen Böse“, sondern thematisierte die Begegnungen einzelner Individuen mit gewaltigen, chaotischen Kräften, auf die sie durch Zufall, Wissensdrang oder Unachtsamkeit stoßen. Zumeist endet dieser Zusammenstoß damit, dass die beteiligten Menschen sterben oder wahnsinnig werden; die destruktiven und unverständlichen Götter können nur selten direkt bekämpft werden. Gerade „The Call of Cthulhu“, wohl eine der bekanntesten Geschichten Lovecrafts, ist hier exemplarisch, Lovecraft stellt dort die Frage, ob der Mensch damit umgehen kann, dass er als Einzelner oder als Spezies völlig unbedeutend ist. Dies wird durch übermächtige Götter versinnbildlicht, die der Mensch nicht einmal verstehen kann.

Andere Autoren nahmen später weitere Modifikationen vor, die ebenfalls nicht mit Lovecrafts Absichten konform waren, aber die Wahrnehmung des „Mythos“ prägten. So versuchte Lin Carter, Lovecrafts Götter in einer Hierarchie unterzubringen oder sie den vier Elementen zuzuordnen. Trotz, oder gerade wegen des Missverständnisses, ist der „Cthulhu-Mythos“ der Aspekt von Lovecrafts Schaffen, der seine Nachfolger am meisten inspirierte. Bei ihnen ist er allerdings weniger Ausdruck der persönlichen Philosophie als viel mehr Selbstzweck.

Das Necronomicon bei anderen Autoren
Die Frage nach literarischem Einfluss des Werkes eines Autors auf die Nachfolgenden lässt sich äußerst schwer beantworten, weil dieser „Einfluss“ kaum oder gar nicht messbar ist. So finden sich in vielen Werken, die zu den Genres Science Fiction, Horror oder Fantasy gehören, gewisse Merkmale, die von Lovecraft inspiriert worden sein könnten.

Lovecrafts Einfluss erstreckt sich allerdings nicht nur auf die Literatur: In Guillermo del Toros Film „Hellboy“ etwa tauchen ebenfalls böse, schlafende Götter auf, die beim Erwachen drohen, die Welt zu zerstören, die Handlung von Ridley Scotts „Prometheus“ gleicht der von „At the Mountains of Madness“ und selbst in Werken wie George R. R. Martins Buchreihe „A Song of Ice and Fire“, die von der Konzeption doch sehr weit von Lovecraft entfernt ist, gibt es Elemente, die man als Anspielung auf ihn verstehen könnte – in diesem Fall die Religion des „Drowned God“, in Verbindung mit dem Wappen des Hauses Greyjoy (ein Krake), welches besagten Gott verehrt und der „Taufformel“ „What is dead may never die, but rises again, harder and stronger.“ Der Zweizeiler Abdul Alhazreds aus „The Nameless City“ und „The Call of Cthulhu“ könnte gut als Vorlage gedient haben. Sogar das Necronomicon selbst taucht des Öfteren in Werken auf, die nicht zum Mythos gehören, etwa in dem bereits erwähnten Roman „The New Adam“ oder der Filmreihe „The Evil Dead“.

Das „Necronomicon“ (auch „Necronomicon Ex-Mortis“) in den Evil-Dead-Filmen

Weitere Autoren, die zwar nicht den „Cthulhu-Mythos“ weiterstricken, aber doch merklich von Lovecrafts beeinflusst wurden, sind zum Beispiel Kurt Vonnegut jr. oder Ray Bradbury. Insgesamt ist die Feststellung des Lovecraft’schen Einflusses auf die nach ihm kommenden Autoren leichter festzustellen als bei vielen anderen, vor allem natürlich, weil viele andere Autoren bis heute die Tradition Lovecrafts fortführen und den Mythos kontinuierlich erweitern, wobei das Necronomicon stets ein wichtiges Element dieser Fortführung ist.

Da es eine schier unüberschaubare Anzahl an Lovecraft-Nachfolgern gibt – schon zu seinen Lebzeiten ermunterte er Autoren wie Robert Howard oder Clark Ashton Smith dazu, sich Elemente wie das Necronomicon zu „borgen“, während er seinerseits Dinge aus deren Geschichten in seinen Erzählungen einbaute – werde ich hier nur ein paar ausgewählte Beispiele aufzählen.

So manch ein Autor setzt das Necronomicon nur als Beiwerk ein, um, wie so oft bei Lovecraft, die Atmosphäre zu unterstützen und eine Verbindung zum Vorbild zu schaffen. Dies ist in Brian Stablefords „Das Innsmouth-Syndrom“ der Fall, in welcher das Necronomicon nur beiläufig erwähnt wird. Auch in der Geschichte „Der runde Turm“ ist das Vorkommen des Necronomicons eher beiläufig, auch wenn es die Nachforschungen des Protagonisten Armitage Harper in eine neue Richtung lenkt und zudem auf „History of the Necronomicon“ anspielt. Das Necronomicon wird hier im Zusammenhang mit anderen fiktiven Werken des Okkulten erwähnt, allerdings wird seine Sonderstellung gegenüber den anderen verbotenen Büchern hervorgehoben, vor keinem anderen hat Harper einen ähnlichen Respekt. Ganz ähnlich verhält es sich in „Der große Fisch“, wo das Necronomicon ebenfalls für die Handlung keine Rolle spielt und nur erwähnt wird, um noch mehr typische Lovecraft-Elemente zu haben.

Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. Schon in Jens Schumachers „Der Hügel von Yhth“ ist das Necronomicon als Ausgangspunkt einer Recherche von größerer Bedeutung. „Ein Porträt Torquemadas“, verfasst von Christian von Aster, stellt diesbezüglich allerdings ein noch lohnenderes Objekt dar, da das Necronomicon in dieser Geschichte eine wichtige und darüber hinaus ziemlich einzigartige Rolle spielt, durch die von Aster gleichzeitig die Popularität des verbotenen Buches kommentiert. In dieser Geschichte entdeckt der Kunsthistoriker Felix Ney, dass mit einem Bild des Malers Guiseppe del Candini, das den spanischen Großinquisitor Tomas de Torquemada zeigt, etwas nicht stimmt. Am Ende findet er heraus, dass Torquemada ein Anhänger des Cthulhu-Kultes war und die katholische Kirche von dem finsteren Gott seit Jahrhunderten beeinflusst wird. Was ihn zu dieser Entdeckung geführt hat, ist ein übermaltes Buch im Hintergrund des Bildes. Nachdem er die Übermalung abgekratzt hat, entdeckt er das ursprünglich gemalte Buch. Er bringt das Bild zu bibliophilen Antiquaren, denen es in der Tat gelingt, besagtes Buch nur anhand des Aussehens als eine Ausgabe des Necronomicons zu identifizieren. Die Handlung wird also durch das Necronomicon ausgelöst, allerdings nicht direkt durch den Inhalt, sondern vielmehr durch die bloße Existenz auf einem Gemälde. Nicht das, was ein Leser im Necronomicon findet, zählt hier, sondern die bloße Natur des Werkes. Darüber hinaus ist das Necronomicon in der erzählten Welt, ähnlich wie in der Realität, bekannt und so markant, dass es nur anhand einer unbeschrifteten Abbildung erkannt werden kann. Somit spiegelt Christian von Aster die Realität wieder, in der sich das Necronomicon ebenfalls verselbstständigt hat. Und ebenso vermischt er wie Lovecraft Realität und Fiktion, indem er real existierend historische Figuren wie Tomas de Torquemada mit dem Necronomicon in Verbindung setzt.

Eine weitere Geschichte, in der das Necronomicon eine wichtige Rolle spielt, ist „Die Glocke im Turm“ von Lin Carter, basierend auf einer Idee oder einem Fragment Lovecrafts. In dieser Geschichte ist das Necronomicon gleich in doppeltem Sinn das handlungsauslösende Element. In der Rahmenhandlung bringt der junge William dem eigentümlichen Lord Northam eine Ausgabe des Necronomicons, was diesen dazu veranlasst, William von seinen Erfahrungen mit den dunklen Künsten zu berichten. Dort ist das Necronomicon abermals handlungsauslösend; nachdem Northam lange versucht hat, durch Drogen sein Bewusstsein zu erweitern, stößt er auf „das verabscheuungswürdige und grässliche Necronomicon“ , das hier erneut als das finsterste aller finsteren Bücher dargestellt wird. Northam entdeckt dort ein Ritual, das ihm einen Einblick in andere Welten gewähren soll und das er schließlich durchführt.

Außergewöhnlich an dieser Geschichte ist, dass es, außer der Erwähnung des Necronomicons und Abdul Alhazreds, keinen wirklichen Bezug zum „Cthulhu-Mythos“, keine Erwähnung der „Great Old Ones“ oder ähnliches gibt, was für die Geschichten der Lovecraft-Nachfolger eher selten ist. Insofern steht „Die Glocke im Turm“ eher in der Tradition von Geschichten wie „The Hound“ oder „The Festival.“
Es zeigt sich also, dass das Necronomicon zwar kein unverzichtbarer, aber doch ein häufig verwendeter Bestandteil der Geschichten in Lovecraft’scher Tradition ist. Oftmals wird es nur erwähnt um, wie Lovecraft es selbst oft tat, die Atmosphäre zu steigern, manchen Autoren wie Christian von Aster gelingt es allerdings auch, das Necronomicon als wichtigen Bestandteil der Handlung zu verwenden. Die Verwendung des Necronomicons bei anderen Autoren, vor allem wenn es in Werken geschieht, die, wie die Evil-Dead-Filme, nichts mit Lovecraft zu tun haben, hat darüber hinaus auch den Nebeneffekt, dass uneingeweihte Konsumenten dadurch zu dem Schluss kommen könnten, es gäbe für das Necronomicon eine reale Grundlage.

Necronomicon-Fälschungen
Obwohl Lovecraft selbst mehrfach zu Protokoll gegeben hat, dass das Necronomicon seine Erfindung ist, hält sich nach wie vor der Glaube, es handle sich dabei um ein real existierendes Werk. Das liegt zum einen an Dingen wie der oben geschilderten Präsenz bei anderen Autoren sowie gefälschten Anzeigen oder Bibliothekseintragungen, zum anderen aber auch daran, dass es in der Tat Bücher im Handel gibt, die von sich behaupten, das echte Necronomicon zu sein, was zeigt, wie stark das Necronomicon in Lovecrafts Schaffen ist. Lovecraft selbst hatte auch mit dem Gedanken gespielt, die Nachfragen zu befriedigen, indem er das Necronomicon selbst schrieb, kam jedoch zu dem Schluss, dass es einerseits zu viel Aufwand wäre (den Angaben seiner Geschichten zufolge hätte das Buch mindestens 800 Seiten) und dass andererseits die Andeutungen und die Ungewissheit viel mehr Grauen erzeugten, als jeder Text, den er schreiben konnte.

Das Simon-Necronomicon

Das Simon-Necronomicon

Zwei dieser Werke besitze ich: „Das Buch der Toten Namen: Necronomicon“ (auch als „Hay-Wilson-Langford-Turner-Necronomicon“ bezeichnet) und das Necronomicon von Simon. Ersteres wurde bereits von einem der Autoren, Colin Wilson, als Fälschung bestätigt. Wilson veröffentlichte 1992 einen Aufsatz, der sich explizit mit der Schaffung des „Buchs der toten Namen“ beschäftigt und den Titel „The Necronomicon: The Origin of a Spoof“ trägt. Bei beiden Werken handelt es sich, da es sich nicht um die Nachahmung eines existierenden Objekts handelt – stattdessen wird etwas Fiktives „real“ – um einen sogenannten „Hoax“, was sich ehesten mit dem Begriff „Spottfälschung“ übersetzen ließe.

Sowohl das „Buch der toten Namen“ als auch das Simon-Necronomicon müssen sich erst einmal mit der Tatsache auseinandersetzen, dass das okkulte Werk, das darzustellen sie behaupten, in erster Linie in den eindeutig fiktiven Geschichten Lovecrafts vorkommt. In gewissem Sinne werfen beide Werke Lovecraft implizit selbst Fälschung vor: Während allerdings das gewöhnliche „Hoax“ Fiktion als Wahrheit präsentiert, fälsche Lovecraft, in dem er Fakt als Fiktion darstellt. Während das „Buch der toten Namen“ sich noch bemüht, dieses Problem mit umstrittenen und weit hergeholten Anekdoten aus Lovecrafts Biographie zu erklären, versucht das Simon-Necronomicon nicht einmal, diesen Umstand irgendwie zu thematisieren.

Die wichtigste Frage, die sich nun im Zusammenhang mit den beiden Necronomicon-Fälschungen stellt, ist die nach den inhaltlichen Verknüpfungen zwischen den beiden Werken und Lovecrafts Geschichten. Die Anzahl der inhaltlichen Verknüpfungen zu Lovecraft im Simon-Necronomicon ist verhältnismäßig gering. Das Werk besteht in erster Linie aus Anrufungen, Bannsprüchen, Ritualanleitungen u.ä., diese richten sich zumeist allerdings nicht an Lovecrafts Götter, sondern an Götter wie Nergal, Ishtar oder Marduk, die in Altmesopotamien oder Syrien verehrt wurden. Die Verbindungen zu Lovecrafts Werk, die tatsächlich vorhanden sind, wirken eher wie nachträglich eingearbeitet. Keines der Zitate aus „The Festival“, „The Call of Cthulhu“ oder „The Dunwich Horror“ findet sich im Simon-Necronomicon, ebenso wenig wie die Yog-Sothoth-Formel aus „The Case of Charles Dexter Ward“ oder andere wiedergegebene Inhalte aus „At the Mountains of Madness“, „The Hound“ oder irgendeiner anderen Geschichte von Lovecraft. Stattdessen werden nur immer wieder, in unterschiedlichen Zusammenhängen, einige Namen der „Great Old Ones“ genannt, in leicht abgeänderter Schreibweise, die laut Simon sumerisch ist; Cthulhu heißt im Simon-Necronomicon Kutulu, Azathoth trägt den Namen Azag-thoth und Shub Niggurath wird Shub Ishniggarab geschrieben. Der Text beschränkt sich auf diese drei, die meisten anderen Entitäten Lovecrafts, etwa Nyarlathothep oder Yog-Sothoth, finden keine Erwähnung. Darüber hinaus scheinen die meisten Referenzen ziemlich willkürlich hinzugefügt und bestehen aus eingestreuten Sätzen oder Teilsätzen, die sogar vage nach Lovecraft Inhalten klingen, wie etwa „The Dead Kutulu, Dead but Dreaming“ oftmals werden die Namen von Lovecrafts Göttern nur zusammen mit anderen aufgezählt.

Das Buch der Toten Namen

Das Buch der Toten Namen

Im Gegensatz dazu beruft sich das „Buch der toten Namen“ sehr viel stärker auf Lovecraft, seine Götter werden eindeutig und häufig beim Namen genannt, und die Beschwörungen und Rituale richten sich an sie. Und in der Tat beziehen sich einige der kurzen Kapitel auf Erwähnungen aus Lovecrafts Geschichten; die Beschreibung von „Leng in der kalten Einöde“ etwa taucht am Rande in „At the Mountains of Madness“ auf, ein Teil der Yog-Sothoth-Beschwörung aus „The Dunwich Horror“ findet sich ebenso wie der „Erkennungssatz“ der Cthulhu-Kultisten aus „The Call of Cthulhu“ – laut besagter Geschichte ist dieser allerdings gar nicht Teil des Necronomicon. Der Rest ist, salopp gesagt, Standard-Okkultismus, gewürzt mit den Namen einiger Mythos-Götter.

Das „Buch der toten Namen“ hat also weitaus mehr mit den Geschichten Lovecrafts zu tun als das Simon-Necronomicon, beide haben allerdings ein Detail gemeinsam, das sie von Lovecraft entfernt: Die grundsätzliche Auffassung des „Cthulhu-Mythos“. Hier orientieren sich beide nicht an Lovecraft selbst, sondern an August Derleths Sichtweise auf Lovecrafts Geschichten. Das trifft besonders auf das „Buch der toten Namen“ zu, das Derleths „Elder Gods“ als den Menschen wohlgesonnene Gegenspieler der „Great Old Ones“ aufgreift. Letztendlich sind sowohl das „Buch der toten Namen“ als auch das Simon-Necronomicon nicht nur Fälschungen, sie sind sogar ziemlich fehlerhafte Fälschungen, die mit dem, was sie zu sein behaupten, wenig zu tun haben. Daher eignen sie sich nicht dazu, das verbotene Buch zu sein, das Lovecraft zu seinen Geschichten inspirierte, da sie nur die Interpretation eines Nachahmers enthalten.

Bibliographie

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