Hitchcock

hitchcock
Story: Nach dem Erfolg seines Films „Der unsichtbare Dritte“ will Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins) etwas Neues wagen: Die Verfilmung des Romans „Psycho“, der auf der Geschichte des Serienkillers Ed Gein (Michael Wincott) basiert. Wie üblich vertraut er darauf, dass seine Frau Alma (Helen Mirren) ihm hilft, in der Ehe kriselt es allerdings gerade und Alma verfolgt ein eigenes Projekt mit dem Drehbuchautor Whitfield Cook (Danny Huston). Hitchcock wird eifersüchtig und muss darüber hinaus feststellen, dass er bei der Arbeit an „Psycho“ in eine Sackgasse geraten ist…

Kritik: Anthony Hopkins, der bereits Dutzende von realen und fiktiven Ikonen gespielt hat, u.a. Adolf Hitler, Hannibal Lecter, Odin und Richard Nixon, fügt dieser illustren Riege mit Sacha Gervasis Biopic über den Meister der Suspense eine weitere hinzu. Der Film erzählt mit einem Augenzwinkern die fiktionalisierte Entstehungsgeschichte von Hitchcocks wohl berühmtestem Film. Das Ganze ist eine äußerst amüsante Angelegenheit, trotz der relativ kurzen Laufzeit von 98 Minuten zieht sich der Film in der Mitte allerdings ein wenig (speziell der Handlungsstrang, der sich mit Alma und Whitfield Cook beschäftigt).
Das Herzstück der Geschichte sind eindeutig Hitchcock und seine Frau Alma. Ihre Wortgefechte, Seitenhiebe und bissigen Bemerkungen sind die mit Abstand lustigsten Momente des Films. Dennoch verkommen beide nicht zu reinen Witzfiguren, Gervasi zeigt sehr schön, wie menschliche und verletzlich beide doch sind. Diesbezüglich ist zum Beispiel Almas Kauf des roten Badeanzugs oder Hitchcocks eigene kleine Voyeuraktion äußerst vielsagend.
Ein interessanter Einfall ist die Einbindung Ed Geins, der nicht nur das Vorbild für Norman Bates, sondern auch Leatherface und Hannibal Lecter ist. Immer wieder führt Hitchcock illusionäre Zwiegespräche mit dem Serienkiller, wenn er gerade vor einem Problem steht.
Auch die eigentliche Entstehung des Films weiß zu unterhalten; sei es die Präsentation des Materials – Hitchcock erzählt potentiellen Sponsoren ruhig und sachlich von Ed Geins grausigen Verbrechen – oder der ewige Kampf mit dem Zensor Geoffrey Shurlock (Kurtwood Smith), den er schließlich gekonnt austrickst. Anders als beispielsweise im ähnlich geartetem „Shadow of the Vampire“ werden allerdings kaum Szenen des Films direkt nachgestellt, sodass ein Zuschauer, der nicht mit „Psycho“ vertraut ist, nach „Hitchcock“ noch nicht den halben Film gesehen hat (dieser Umstand hat allerdings vor allem rechtliche Gründe).
Auch Hitchcocks Verhältnis (Alma spricht von „Phantasieaffären“) zu seinen Schauspielerinnen wird thematisiert, allerdings eher am Rande. Scarlett Johannson als Janet Leigh und Jessica Biel als Vera Miles wirken ein wenig unterfordert, aber der Fokus liegt nun einmal eindeutig auf den Hitchcocks.
Ansonsten besticht „Hitchcock“ vor allem durch viele gelungene Einzelszenen, die für den etwas ermüdenden Mittelteil des Films durchaus entschädigen. Dazu gehören unter anderem das erste Treffen mit Anthony Perkins (James D’Arcy), dem Schauspieler von Norman Bates, Hitchcocks Vorführung eines gelungenen Mordes (die arme Janet Leigh), der kurze Auftritt des Psycho-Komponisten Bernhard Herrmann (Paul Schackman) und die Uraufführung des Films, während der Hitchcock im Vorraum zur berühmten Duschszene dirigiert.
Fazit: Amüsante, im Mittelteil allerdings ein wenig dröge, Entstehungsgeschichte des Filmes „Psycho“ mit einem hervorragenden Anthony Hopkins und einer nicht minder gut aufgelegten Helen Mirren.

Trailer