Stück der Woche: A Very Respectable Hobbit


Es lässt sich nicht leugnen: Ich schreibe unheimlich gerne über Howard Shores Mittelerde-Musik. Gerade, wenn man sich einzelne Stücke herauspickt, zeigt sich, wie vielschichtig diese angelegt sind. Nun hat Doug Adams ja in „The Music of the Lord of the Rings Films“ schon sämtliche Stücke der Complete Recordings der HdR-Scores durchexerziert, es gibt dort also kaum mehr etwas zu schreiben, was er in seinem Buch nicht bereits besser ausgedrückt hätte. Zu den Hobbit-Filmen fehlt ein derartiges Buch allerdings, und die Linear Notes der Alben sind nicht wirklich ein Ersatz. Im Rahmen meiner Artikelserie „Stück der Woche“ werde ich nun, vor allem, weil mir das Verfassen des Artikels „Stück der Woche: My Dear Frodo“ so verdammt viel Spaß gemacht hat, zwar nicht alle, aber doch einige wichtige Stücke der drei Hobbit-Scores genau betrachten.

A Very Respectable Hobbit ist ein Stück, das sich ausschließlich auf der Special Edition des Soundtracks von „Eine unerwartete Reise“ findet und auch, zumindest in dieser Form, nicht im Film vorkommt. Stattdessen handelt es sich um eine Themensuite, die die vier Themen für Bilbo durcharbeitet. Betrachtet man My Dear Frodo als Ouvertüre der Hobbit-Filme, vervollständigt A Very Respectable Hobbit diese gewissermaßen. Leider enthält es auch die Themen, die in den folgenden Hobbit-Filmen definitiv zu kurz kamen, warum auch immer (ich habe Peter Jackson im Verdacht).

Das Stück beginnt mit einer sehr zurückhaltenden Version von Bilbos Abenteuerthema, zuerst gespielt von der Soloflöte, dann stoßen die Streicher dazu. Bei 0:38 geht es in Bilbos eigentliches Hauptthema über, das mit dem Abenteuerthema eng verwandt ist und in zwei Fassungen vorliegt, eine für seine Beutlin-Seite und eine für seine Tuk-Seite. Leider habe ich ziemlich Probleme, beide Fassungen auseinanderzuhalten.

Ab 0:52 sind die vertrauten Klänge des Auenlandthemas zu hören; dieses bildet ohnehin die Grundlage für Bilbos thematisches Material und darf hier natürlich nicht fehlen. Je nach Betrachtungsweise sind alle seine anderen Leitmotive eigentlich Erweiterungen und Ableitungen des Auenlandthemas, denn letztendlich ist Bilbo immer noch in erster Linie ein Hobbit.

Bei 1:08 folgt schließlich das, was Doug Adams als „Bilbo’s Fussy Theme“ bezeichnet. Dieses Motiv, das weniger auf das Auenlandthema als auf ein sehr ähnliches Motiv aus Shores „Hugo“ zurückgeht, untermalt meistens Bilbos Albernheiten oder Ungeschicklichkeiten.

Während alle drei spezifischen Bilbo-Themen (und das Auenlandthema sowieso) in „Eine unerwartete Reise“ durchaus angemessen eingesetzt werden, hat Bilbo an der leitmotivischen Tapete der beiden Folgefilme kaum noch Anteil – was ein wenig paradox ist, immerhin ist er doch der Titelheld. Da Howard Shore seine Themen eigentlich nicht so asymmetrisch entwickelt (jedenfalls hat er das im HdR nicht getan), gehe ich davon aus, dass Jackson mit ihnen nicht sonderlich zufrieden war und Shore angewiesen hat, sich stärker auf die orts- und zwergengebundenen Themen zu konzentrieren. Das Beutlin/Tuk-Thema wurde nach „Eine unerwartete Reise“ vollkommen fallengelassen. In Smaugs Einöde taucht Bilbos Abenteuerthema einmal auf (Barrels out of Bond), das „Fussy Theme“ zweimal (ebenfalls Barrels out of Bond und Thrice Welcome), und selbst das Auenlandthema, das nun zur primären Repräsentation Bilbos dient, taucht, mit Ausnahme einiger subtiler Andeutungen, nur zwei Mal auf (The Quest for Erebor und The Courage of Hobbits).

Auch in „Die Schlacht der fünf Heere“ sieht es nicht sehr viel besser aus. Das Auenlandthema selbst ist in The Ruins of Dale und There and Back Again zu hören, während Bilbos Abenteuerthema noch einmal in The Return Journey auftaucht. Insgesamt finde ich es ziemlich schade, das der eigentliche Protagonist der Trilogie im zweiten und dritten Film musikalisch so unterrepräsentiert ist – glücklicherweise haben diese beiden Scores allerdings mehr als genug Stärken, um das auszugleichen.

Siehe auch:
My Dear Frodo
Axe or Sword?
The World Is Ahead
An Ancient Enemy

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