Die Geschichte der Sith Teil 1: Die ersten Lords

Sie sind der Inbegriff des Bösen im Star-Wars-Universum, und als solche selbstverständlich meine absoluten Lieblinge: Die Dunklen Lords der Sith. Zwar sind die natürlichen Erbfeinde der Jedi erst seit „Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung“ (also seit 1999) wirklich im popkulturellen Bewusstsein angekommen, tatsächlich waren sie aber schon von Anfang an mit dabei.

Der Verkauf der SW-Lizenz an Disney und die damit verbundene Streichung des Erweiterten Universums hat nun natürlich auch dafür gesorgt, dass der aktuelle Status der Sith relativ offen ist, denn momentan ist absolut nicht klar, was die Zukunft für die Dunklen Lords bringen wird. Und da der Kinostart von „Das Erwachen der Macht“ unweigerlich näher rückt, lohnt es sich definitiv, einen Blick auf die Geschichte der Sith zu werfen. Es soll hier allerdings nicht um eine Nacherzählung der langen der Geschichte des Ordens innerhalb des SW-Universums gehen (hierfür rate ich zu den Artikeln von Jedipedia oder Wookieepedia), sondern um eine Metageschichte, die Geschichte des Ordens im Franchise. Dies soll im Rahmen einer ausführlichen Artikelreihe geschehen. Ich werde dabei grob chronologisch vorgehen und mich vor allem an den diversen Inkarnationen der Sith entlanghangeln, es werden aber definitiv auch wichtige Einzelwerke oder sonstige Details besprochen. Es geht mir dabei vor allem um einen soliden Überblick über die Sith und ihre Ausprägung sowie ihre Entwicklung und nicht darum, jeden noch so obskuren Dunklen Lord des Erweiterten Universums einmal zu erwähnen, diese Artikelreihe erhebt somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dieser erste Artikel beschäftigt sich mit allem, was vor Episode I kommt, als die Sith dem „normalen“ Kinogänger noch unbekannt vor allem Teil des Erweiterten Universums waren.

Aufgrund der Einheitlichkeit habe ich beschlossen, bei sämtlichen Werke, mit Ausnahme der sechs Filme, die englischen Originaltitel zu verwenden. Am Ende jedes Artikels findet sich eine kurze Auflistung der wichtigsten Werke mit den deutschen Titeln (sofern vorhanden).

Vor dem Orden: Dunkle Proto-Lords
Wie oben bereits erwähnt gehören die Sith, deren Name übrigens der Schottisch-Gälischen Mythologie entstammt, seit jeher zu Star Wars, denn sie finden sich bereits in den frühen Drehbuchentwürfen von George Lucas. Davon gibt es einige, und ich habe weder Zeit noch Lust, mich mit allen zu beschäftigen, aber eine frühe Version soll hier ein wenig ausführlicher betrachtet werden, nämlich die, die von J. W. Rinzler als Comic adaptiert wurde. Als unterhaltsamer Lesestoff ist dieser Comic leider nicht wirklich geeignet, denn man merkt, dass die Vorlage noch eine ziemlich ungeschliffene Rohfassung war, als Forschungsobjekt dagegen ist er sehr interessant.

Im Vergleich zu später fällt vor allem eines auf: Eine Figur namens Darth Vader taucht zwar auf, ist aber weder ein Machtnutzer, noch ein Sith-Lord, sondern nur ein hochrangiger Militär des Imperiums. Die Sith sind dennoch prominent vertreten, bereits der Lauftext erwähnt die „Sith-Ritter“ und beschreibt sie als grausame und finstere Kriegersekte und Rivalen der Jedi. Vertreten werden sie hier durch einen Prinz Valorum (den Namen verwendete Lucas später für den Obersten Kanzler der Republik in „Die Dunkle Bedrohung“). Interessanterweise ist der hier auftretende Sith allerdings noch nicht so böse wie seine Nachfolger, er scheint eine Art Ehrenkodex zu besitzen, und gegen Ende verbündet er sich sogar kurzfristig mit dem Helden Annikin Starkiller gegen die Häscher des Imperiums. Ansonsten hat Valorum eine ähnlich Rolle inne wie Darth Vader in „Eine neue Hoffnung“, während der Darth Vader dieses Entwurfs eher an Tarkin erinnert. In „Eine neue Hoffnung“ wurden Valorum und Vader dann im Grunde zu einer Figur verschmolzen.

Der Sith Prinz Valorum (links im oberen Panel) und nicht-Sith Darth Vader (rechts und unten)
Der Sith Prinz Valorum (links im oberen Panel) und nicht-Sith Darth Vader (rechts und unten)

Das wiederholte Umschreiben des Drehbuchs hatte für die Sith allerdings letztendlich eher negative Folgen, denn bekanntermaßen werden sie in keinem der Filme der ursprünglichen Trilogie namentlich erwähnt. Allerdings wird Darth Vader in der von Alan Dean Foster verfassten Romanadaption von Episode IV als „Dunkler Lord der Sith“ vorgestellt – derselbe Roman erwähnt im Prolog übrigens auch Palpatine und gibt einen kurzen Abriss der Vorgeschichte: Palpatine schwingt sich vom Senator der Alten Republik zu ihrem Präsidenten und schließlich zum Imperator auf, allerdings ist er hier noch definitiv kein Machtnutzer und wird darüber hinaus als schwacher Diktator beschrieben, der von Funktionären wie Tarkin kontrolliert wird – wobei aus dem Text nicht einmal hervorgeht, ob Palpatine zum Zeitpunkt der Handlung immer noch Imperator ist. Aber das nur am Rande.

1977 waren Lucas‘ frühere Drehbuchentwürfe natürlich nicht zugänglich, und insgesamt hatte niemand eine Ahnung, was denn ein Dunkler Lord der Sith eigentlich sein sollte. Bis in die 90er blieb das auch so. In seiner Thrawn-Trilogie (erschienen zwischen 1991 und 1993) bezeichnet Timothy Zahn Vader und Palpatine noch ausdrücklich als „dunkle Jedi“. Auch hatte er vor, Vaders Titel als Sith-Lord mit Bedeutung zu füllen. Zahn wollte ursprünglich die Noghri, die grauhäutige Attentäterspezies, deren Loyalität sich Vader durch eine List gesichert hat, „Sith“ nennen und somit den Titel erklären, doch die Verantwortlichen bei Lucasfilm legten ein Veto ein, sodass Zahn einen anderen Namen für diese Spezies finden musste. Also war von vornherein klar, dass die Sith das Gegenstück zu den Jedi sind, wo die Jedi aus Mitgefühl handeln und den Frieden sichern, bedienen sich die Sith der Dunklen Seite der Macht und ihrer Emotionen, um die Herrschaft zu erlangen. Mit dem Aufleben des Erweiterten Universums wurde dieser Umstand dann auch in diversen Werken verankert.

Tom Veitchs Einzelgänger: Ulic Qel-Droma und Freedon Nadd
Es gibt zwei Werke, die dem Erfolg des Erweiterten Universums zugrunde liegen. Während Timothy Zahns Thrawn-Trilogie insgesamt einen sehr guten Ruf genießt, ist Tom Veitchs und Cam Kennedys Dark-Empire-Saga (bestehend aus „Dark Empire“, „Dark Empire II“ und „Empire’s End“, 1992-95) ziemlich umstritten, nicht zuletzt, weil Palpatine als Klon wiederaufersteht. Die Bedeutung dieser Comics für das kommende EU darf allerdings keinesfalls unterschätzt werden. In „Dark Empire“ versucht Luke, Palpatines dunkle Jedi zu infiltrieren und einen Fall zur Dunklen Seite vorzutäuschen. Als Spiegel für dieses Vorhaben schuf Veitch einen alten Sith-Lord namens Ulic Qel-Droma, der ebenfalls die Mächte der Dunklen Seite infiltriert und daran scheitert, im Gegensatz zu Luke, der letztendlich ins Licht zurückfindet. Ulic Qel-Droma schaffte es jedoch nicht ins fertige Werk und tauchte nur im später veröffentlichten Hintergrundmaterial auf.

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Der Geist des Sith-Lords Freedon Nadd

Allerdings beschlossen Veitch und Dark Horse, diese Ideen weiterzuverfolgen und schufen mit den „Tales of the Jedi“ eine Reihe zusammenhängender Miniserien, die die Vergangenheit des SW-Universums beleuchten sollte. Die ersten drei Geschichten der „Tales“, „Ulic Qel-Droma and the Beast Wars of Onderon” (1993), „The Saga of Nomi Sunrider“ (1993/94) und „The Freedon Nadd Uprising“ (1994) verfasste Veitch noch alleine. Die beiden ersten dienten ihm dabei zur Vorstellung der beiden wichtigsten (und titelgebenden) Protagonisten, während die dritte Geschichte beide zusammenführte. Ulic Qel-Droma tritt hier als Jedi-Ritter auf, dessen Fall zur Dunklen Seite erst noch bevorsteht. Am wichtigsten war jedoch, dass die „Tales“ zum ersten Mal die Sith als Erzfeinde der Jedi etablierten. Als Schurke dieser ersten drei Miniserien (bzw. der ersten und dritten) fungiert ein neu geschaffener Sith-Lord namens Freedon Nadd, dessen Geist vierhundert Jahre nach seinem Tod den Planeten Onderon heimsucht und seine Nachfahren beeinflusst. Vor allem fällt hier auf, dass die Natur der Sith in diesen drei Geschichten noch relativ schwammig ist. Nadd ist zwar ein Sith-Lord, aber genauer definierte Strukturen fehlen noch, die Erläuterungen bleiben vage und gehen kaum über „Jedi, die der Dunklen Seite verfallen sind“ hinaus. Veitch scheint die Sith hier vor allem als Einzelgänger darzustellen (der Jedi-Meister Arca Jeth erläutert, dass es jeweils immer nur einen Dunklen Lord der Sith geben kann), obwohl es natürlich verbindende Elemente und Traditionen gibt bzw. geben muss – Veitch erläutert sie nur kaum.

Exar Kun und die Bruderschaft der Sith
Etwa zur selben Zeit, als sich Tom Veitch Gedanken über eine Fortsetzung der „Tales of the Jedi“ machte, verfasste Kevin J. Anderson seine Jedi-Akademie-Trilogie (erschienen 1994), in der es Luke, Han, Leia und diverse andere Figuren, darunter die ersten Schüler, die Luke auf Yavin 4 ausbildet, nicht nur mit Admiral Daala zu tun bekommen, sondern auch mit dem Geist des Sith-Lords Exar Kun, der in den Tempelruinen auf Yavin 4 herumspukt. Anderson und Veitch kamen über ihre Projekte ins Gespräch und beschlossen, diese zu vereinen. Die nächste Tales-Miniserie, „Dark Lords of the Sith“ (1994/95), verfassten sie gemeinsam und setzten damit nicht nur die Geschichte von Ulic Qel-Droma und Nomi Sunrider fort, sondern erzählten gleichzeitig die Ursprünge von Exar Kun, der als Jedi-Schüler mit einer Faszination für die Dunkle Seite beginnt, nach Onderon reist und dort von Freedon Nadds Geist dazu gezwungen wird, die Dunkle Seite anzunehmen – dies beinhaltet letztendlich auch eine Reise nach Korriban, welche von Veitch und Anderson als Begräbniswelt der Sith etabliert wurde. Diese griff Veitch auch in „Empire’s End“ wieder auf; nachdem Palpatines Klonkörper langsam versagen, sucht der Imperator Korriban auf, um von den Geistern der alten Sith Rat zu erhalten. Die Szene mutet im Kontext der Prequels recht merkwürdig an, wofür man Veitch allerdings nicht verantwortlich machen kann, denn bis Episode I war keinesfalls klar, ob Palpatine denn nun ein Sith oder „nur“ ein sehr mächtiger dunkler Jedi ist. Angesichts der Tatsache, dass Vader ein Grab auf Korriban besitzt und die alten Sith-Geister Palpatine fragen, ob er bereit sei, Vaders Platz einzunehmen, kann man wohl davon ausgehen, dass Veitch eher von Letzterem ausging. Korriban erwies sich letztendlich als eine der bedeutendsten Schöpfungen der Tales-Comics.

Exar Kun, der erst Sith mit einem doppelseitigen Lichtschwert
Exar Kun, der erst Sith mit einem doppelseitigen Lichtschwert

„Dark Lords of the Sith“ ist in mehr als einer Hinsicht ein Novum. Bisher waren die Sith stets recht vage Entitäten und die Helden musste sich vor allem mit ihren Überbleibseln herumschlagen. Veitchs und Andersons Miniserie lieferte Kontext und zeigte gleichzeitig das Entstehen eines neuen Sith-Ordens. Kontext kam in Form einer ersten Definition des alten Sith-Imperiums, tatsächlich beginnt das erste Heft von „Dark Lords of the Sith“ mit einem Rückblick, in dem Naga Sadow seinen ersten Auftritt hat – zu ihm später mehr. Vor allem thematisierte der Comic allerdings den individuellen Fall zweier Jedi zur Dunklen Seite. Qel-Droma, der ursprünglich als Spiegel Luke Skywalkers in „Dark Empire“ vorgesehen war, versucht die Sith-Sekte der Krath, die ebenfalls auf Freedon Nadd zurückgeht, zu infiltrieren, nur um dabei tatsächlich zu ihr überzutreten, während Kun seinem Wissensdurst zum Opfer fällt. Letztendlich schließen sich beide zusammen und werden vom Geist eines alten Dunklen Lords (später als Marka Ragnos identifiziert) zu den neuen Lords der Sith auserkoren. Hier zeigt sich bereits eine Proto-Version der Regel der Zwei, denn Kun und Qel-Droma haben zwar einige dunkle Jedi als Anhänger, aber nur sie beide scheinen vollwertige Sith zu sein. Tatsächlich basiert dies auf Lucas-Input, der wohl gerade dabei war, die Regel der Zwei für die Prequels auszuarbeiten, auch wenn die Details noch nicht ganz klar waren.

Es folgte eine weitere Tales-Miniserie, „The Sith War“ (1995/96), die dieses Mal nur von Anderson allein geschrieben wurde, aber doch immerhin auch auf Ideen von Veitch basierte. Die Konflikte der Tales waren bislang eher lokal begrenzt, mit „The Sith War“ stürzte Anderson nun die ganze Galaxis in den Krieg. Mithilfe der Krath und der Mandalorianer stellen Exar Kun und Ulic Qel-Droma eine Armee auf, um die Republik zu erobern und die Jedi zu vernichten. Als Leser erleben wir hier zum ersten Mal aktive Sith-Lords auf der Höhe ihrer Macht, die auch als solche auftreten und natürlich letztendlich besiegt werden. Exar Kuns Geist wird letztendlich auf Yavin 4 eingesperrt, wo er 4000 Jahre wartet, bis Luke Skywalker seine Jedi-Akademie gründet.

Das Sith-Imperium
Bereits in den vorherigen Tales-Miniserien wurde das alte Reich der Sith thematisiert, repräsentiert wurde es allerdings nur durch Ruinen und Geister. Die beiden folgenden Geschichten der „Tales of the Jedi“, „The Golden Age of the Sith“ (1996/97) und „The Fall of the Sith Empire“ (1997/98), änderten dies. Sie gingen noch weiter in die Vergangenheit und zeigten das alte Sith-Imperium auf der Höhe seiner Macht und erzählten gleichzeitig von seiner Entstehung: Einige Jedi verfielen der Dunklen Seite, sagten sich vom Orden los und versuchten die Macht in der Republik zu übernehmen. Sie wurden besiegt, konnten allerdings fliehen und stießen in einem entfernten Winkel der Galaxis auf ein humanoides, primitives, aber machtbegabtes Volk mit einer natürlichen Affinität zur Dunklen Seite: Die Sith. Die dunklen Jedi eroberten die Sith, machten sich zu ihren Gottkönigen und errichteten ein Imperium. In späteren Veröffentlichungen wurde die Frühgeschichte noch ausdifferenziert. Aber die ursprüngliche Idee, dass es sich bei den Sith ursprünglich nicht um Menschen, sondern um ein rothäutiges Volk mit Auswüchsen am Kinn handelt, stammt aus „The Golden Age of the Sith“ – in den vorherigen Tales-Geschichten wurden sowohl Marka Ragnos als auch Naga Sadow noch als Menschen dargestellt. Ganz allgemein bekommt das Sith-Imperium hier einen weitaus distinktiveren Look als es bisher der Fall war. Wirkte Korriban bisher vage ägyptisch, sind die Design-Einflüsse in Architektur und Kleidung der Sith fast schon überpräsent.

Naga Sadow, letzter Herrscher des alten Sith-Imperium
Naga Sadow, letzter Herrscher des alten Sith-Imperium

Inhaltlich thematisieren die beiden Serien den „Großen Hyperraumkrieg“ und den darauf folgenden Untergang des Sith-Imperiums. In diesem Zusammenhang treten die Sith hier, anders als bisher, als eigenständige Kultur auf und nicht als Sekte oder Armee. Diese Kultur ist etwa so, wie man das erwarten würde: Harsch, intrigant und ausgelegt auf das Recht des Stärkeren. Die Abkömmlinge der dunklen Jedi, die sich inzwischen mit den Sith vermengt haben, herrschen als Adel über mehrere Kasten und werden ihrerseits von einem Dunklen Lord der Sith aus ihrer Mitte regiert. Zu Beginn von „The Golden Age of the Sith“ endet gerade die hundertjährige Herrschaft von Marka Ragnos. Zwei seiner ehemaligen Gefolgsleute, Naga Sadow und Ludo Kressh, streiten um den Thron. Letztendlich gewinnt Naga Sadow und stürzt das Sith-Imperium durch einen Angriff auf die Republik in den Untergang. Am Ende schließt sich der Kreis: Naga Sadow überlebt und flieht nach Yavin 4, dort wird ihn 600 Jahre später Freedon Nadd aufsuchen, um selbst zum Sith zu werden; anschließend übernimmt er die Herrschaft über Onderon und setzt damit letztendlich die Handlung der bisherigen „Tales of the Jedi“ in Gang.

Die Bruderschaft der Dunkelheit
Bevor die Prequels die Sith endgültig und weitreichend definierten, gab es im EU noch eine weitere Inkarnation des Ordens die, anders als die meisten anderen, nicht mit den Tales-Comics zusammenhing. 1995 erschien der First-Person-Shooter „Dark Forces“, gefolgt von „Dark Forces II: Jedi Knight“ (1997); in beiden Spielen schlüpft der Spieler in die Rolle des Rebellen-Söldners Kyle Katarn, im passend betitelten zweiten Teil darf er sogar zum Lichtschwert greifen. Begleitend zu den beiden Spielen erschienen drei illustrierte Novellen, „Dark Forces: Soldier for the Empire“ (1997), „Dark Forces: Rebel Agent“ (1998) und „Dark Forces: Jedi Knight“ (1998), die die Geschichte der beiden Spiele nacherzählten und mit weiteren Details und Hintergründen versahen. In „Dark Forces II: Jedi Knight“ sucht der dunkle Jedi Jerec das auf dem Planeten Ruusan gelegene Tal der Jedi, eine Begräbnistätte, die große Macht verleiht. Die Novellen erläuterten die Geschichte des Tals: Vor vielen Jahrhunderten fand dort eine große Schlacht zwischen den Jedi (der Armee des Lichts) unter Lord Hoth und den Sith (der Bruderschaft der Dunkelheit) unter Lord Kaan statt, die mit einer Gedankenbombe endete, die beide Armeen vernichtete und ihre Geister im Tal einsperrte, bis ein Ritter (selbstverständlich Kyle Katarn) kommt, um sie zu befreien.

Von den drei Novellen erschien nur die erste auf Deutsch, und die anderen beiden bekommt man selbst auf Englisch nur noch zu horrenden Preisen, weshalb ich nicht überprüfen konnte, wie viel hier tatsächlich über die Sith gesagt wird, aber es ist wohl nicht allzu viel. Lord Kaan und die Bruderschaft der Dunkelheit wurde in späteren Werken jedenfalls noch ausführlicher thematisiert, in erster Linie in der Comic-Miniserie „Jedi vs. Sith“ (geschrieben von Dako Markan und gezeichnet von Roman Bachs, erschienen 2001/02) und in dem Roman „Darth Bane: Path of Destruction“. Diesen zufolge begegnet Lord Kaan der großen Schwäche der Sith, nämlich den ständigen internen Konflikten, indem er die Bruderschaft der Dunkelheit zu einer Art Demokratie macht, in der es mehrere gleichgestellte Dunkle Lords gibt statt eines Dunklen Lords und diverser Anhänger, die gegen ihn konspirieren, auch wenn Lord Kaan de facto natürlich den Anführer ist. Das funktioniert allerdings nicht und führt letztendlich zur Auslöschung der Bruderschaft der Dunkelheit und zur Regel der Zwei, die im nächsten Artikel ausführlich diskutiert wird.

Zusammenfassung
Im Grunde waren die Sith durch Darth Vader seit jeher Bestandteil des Star-Wars-Universums, der Titel „Sith-Lord“ wurde allerdings erst Anfang der 90er wirklich mit Bedeutung versehen. In den „Tales of the Jedi“ wurden die Sith als Widersacher der Jedi und Nutzer der Dunklen Seite der Macht definiert. Dort wurden auch zwei Inkarnationen etabliert: Das alte Sith-Imperium, eine von der Dunklen Seite der Macht durchdrungene Kultur, und die Bruderschaft der Sith, ein Kult, der bereits einige Gemeinsamkeiten mit späteren Inkarnationen des Ordens haben sollte und aus den Überresten des alten Imperiums entstand. Die Dark-Forces-Novellen fügten noch eine dritte Inkarnation hinzu, die Bruderschaft der Dunkelheit, die von den anderen beiden relativ losgelöst war. Alle drei hatten zu den Filmen allerdings nur sehr vage Beziehungen, da die Vorgeschichte der OT-Figuren für das EU bis 1999 tabu war. Die „Tales of the Jedi“ für sich betrachtet zeigen eine interessante rückwärtsgewandte Entwicklung: Die Sith begannen als Einzelgänger, wurden zu einem Kult und dann rückwirkend zu den Erben eines mächtigen Imperiums.

Wichtige Werke:
Anderson, Kevin J.: Flucht ins Ungewisse
Anderson, Kevin J.: Der Geist des Dunklen Lords.
Anderson, Kevin J.: Die Meister der Macht
Anderson, Kevin J. u.a.: Star Wars Essentials Band 10: Jedi-Chroniken: Der Sith-Krieg
Anderson, Kevin J. u.a.: Star Wars Essentials Band 11: Jedi Chroniken: Das goldene Zeitalter der Sith
Anderson, Kevin J. u.a.: Star Wars Essentials Band 12: Jedi Chroniken: Der Untergang der Sith
Dietz, William C.: Soldat des Imperiums
Rinzler, J. W.; Mayhew, Mike: The Star Wars – Die Urfassung
Veitch, Tom; Kennedy, Cam: Star Wars Essentials Band 1: Das Dunkle Imperium I
Veitch, Tom; Kennedy, Cam; Baikie, Jim: Star Wars Essentials Band 2: Das Dunkle Imperium II
Veitch, Tom u.a.: Star Wars Essentials Band 5: Jedi-Chroniken: Das Geheimnis der Jedi-Ritter
Veitch, Tom; Anderson, Kevin J.: Star Wars Essentials Band 6: Jedi Chroniken: Die Lords der Sith

Siehe auch:
Die Geschichte der Sith Teil 2: Die Regel der Zwei
Die Geschichte der Sith Teil 3: Lords of the Old Republic

GoT: Mother’s Mercy

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„Mother’s Mercy“, der Titel des Staffelfinales, bezieht sich auf den Glauben und einen in Westeros oft benutzten Ausspruch. Ein passenderer Titel wäre allerdings „Cliffhanger’s Mercy“, denn diese Episode lässt uns in fast jedem Handlungstrang mit einem Cliffhanger und einer absoluten Ungewissheit zurück. Gleichzeitig steigt die Zahl der in dieser Staffel verstorbenen wichtigen Figuren noch – inklusive derer, die in den Romanen noch leben.

Winterfell
Auf den ersten Blick scheint die Opferung von Shireen funktioniert zu haben: Tauwetter setzt ein. Dann jedoch schlägt das Karma zurück und eines kommt zum anderen. Stannis‘ halbe Armee, bestehend aus den Söldnern, die er mit dem Geld der Eisernen Bank angeheuert hat, verlässt ihn, Selyse hängt sich auf, und dann sucht auch noch Melisandre das Weite, wobei nicht ganz klar ist, weshalb – vielleicht erkennt sie, dass sie die Zeichen in ihren Feuern falsch gedeutet hat, es wäre immerhin nicht das erste Mal.

Stannis scheint zusammen mit Shireen auch etwas in sich selbst getötet zu haben, aber er ist nun einmal stur und setzt trotzdem zur Belagerung an, nur, um von Roose Boltons Armee gnadenlos vernichtet zu werden. Eigentlich sollte Stannis ja ein militärische Genie sein… Das Ganze endet damit, dass Brienne den verwundeten Stannis, der im Grunde mit dem Leben abgeschlossen hat, auf dem Schlachtfeld findet. Mir gefällt Stannis‘ Abgeklärtheit in dieser Szene, trotz allem bringt er Brienne zähneknirschend Respekt entgegen, denn sie tut ihre Pflicht, und das ist das, was Stannis am meisten respektiert. Wir erfahren allerdings nicht, ob er wirklich stirbt, denn Brienne holt zum Schlag aus und dann endet die Szene.

Diese Entwicklung greift den Romanen bereits weit voraus. Der aktuelle Stand (aus einem Promokapitel von „The Winds of Winter“) sieht dort nämlich anders aus: Stannis befindet sich immer noch in einem Dorf, drei Tage entfernt von Winterfell, das er aufgrund des Schnees nicht verlassen kann. Die Frage, die sich nun natürlich stellt, ist, ob man von der Serie auf die Romane schließen kann: Wird Stannis die bevorstehende Schlacht auch dort verlieren und sterben? Wenn ja sind die Umstände auf jeden Fall anders, denn, wie bereits erwähnt, weder Melisandre noch Shireen oder Brienne sind anwesend.
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Sansa (Sophie Turner) und Theon (Alfie Allen) machen sich zum Sprung bereit

Sansa und Theon schaffen es derweil, aus Winterfell zu fliehen, allerdings nicht, ohne vorher noch Myranda loszuwerden. Theon hat dabei endlich seinen Moment der Wiedergutmachung. Auch hier endet es ungewiss, denn Sansa und Theon springen von der Mauer, allerdings ist zu erwarten, dass sie den Sprung aufgrund des vielen Schnees überleben. Theon und Jeyne Poole in den Romanen tun dies jedenfalls und erreichen Stannis‘ Lage unversehrt. Wie es weitergeht bleibt auch hier ungewiss, da Stannis ja bereits tot ist.

Braavos
Wie es hier weitergeht war ja bereits zu erwarten: Arya schleicht sich bei Meryn Trant ein und tötet ihn auf äußerst unangenehme Weise – allerdings ist Meryn Trant auch derart unsympathisch (um es mal gnadenlos zu untertreiben), dass hier wohl kaum jemand Mitleid haben dürfte; irgendwie gönnt man es ihm. Interessanter sind die Folgen für Arya, die nun, ganz wie in den Romanen, wegen eines vom Haus von Schwarz und Weiß nicht genehmigten Mordes ihr Augenlicht verliert. Die zugehörige Szene mit der Herrenlosen und Jaqen ist zwar nicht unbedingt logisch, aber herrlich surreal. Insgesamt bleibt Aryas Handlungsstrang damit sehr buchgetreu, über einige kleine Änderungen und Personenwechsel kann ich da durchaus hinwegsehen.

Dorne
Und noch mal ein Tod, der in den Romanen bisher nicht geschehen ist. Alles scheint gut gelaufen zu sein, Jaime, Bronn, Trystane und Myrcella machen sich per Schiff auf den Weg nach King’s Landing – nur blöd, dass Ellaria Myrcella einen Abschiedskuss gegeben hat. Wer sich an die Gefängnisszene mit Bronn und Tyene erinnert, kann sich sicher schon denken, was das bedeutet: Die junge Prinzessin wurde vergiftet. Auch hier wird der eigentliche Tod nicht gezeigt, es ist aber relativ klar, dass Myrcella nicht überlebt. Das bedeutet dann wohl offenen Krieg mit Dorne in der nächsten Staffel. Hoffen wir nur, dass die Dornischen dann auch besser und interessanter dargestellt werden als in Staffel 5. Was immer man auch über „A Feast for Crows“ sagen kann, der Plan, den Arianne Martell dort hatte, war wenigstens halbwegs sinnvoll. Was Ellaria dagegen hier tut, ist an Kurzsichtigkeit kaum zu überbieten, im Grunde stürzt sie ihr gesamtes Land nur wegen persönlicher Rache in einen zerstörerischen Konflikt.

King’s Landing
Cerseis Marsch der Schande ist definitiv einer der Höhepunkte dieser Episode; die Szene schafft es vorzüglich, die Intensität der Vorlage einzufangen. Es ist nur Schade, dass einige Feinheiten verloren gehen. So wird nicht wirklich deutlich, warum es trotz allem im Interesse des Hohen Spatz ist, dass die Lannisters, wenn auch gedemütigt, an der Macht bleiben und dass der Inzest nicht ans Licht kommt. Denn wenn Tommens Anspruch erlischt, ist Stannis der rechtmäßige Thronerbe, wodurch der Glaube sofort all seine Macht verlieren würde. Zwar verliert Stannis gerade gegen die Boltons, was der Hohe Septon aber nicht wissen kann.
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The artist formerly known as Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson)

Einen kleinen Aufruhr gab es noch, weil Lena Headey hier nicht selbst nackt ist, sondern von der Schauspielerin Rebecca Van Cleave gedoublt wird. Ehrlich gesagt kann ich das nicht nachvollziehen. Wer in so einer Szene nackt spielt, verdient auf jeden Fall massiven Respekt, ich kann es aber auch sehr gut nachvollziehen, wenn man sich dagegen entscheidet. Ich jedenfalls fand den Marsch und die Performance beider Schauspielerinnen überzeugend.

Das Ganze endet schließlich damit, dass Frankenqyburns Monster auftaucht, in „A Dance with Dragons“ wird er Ser Robert Strong genannt. In der Serie ist es noch eindeutiger, dass es sich dabei um den wandelnden Berg handelt. Es gibt eine interessante Fantheorie, derzufolge Sandor nicht gestorben, sondern von einem Mitglied des Glaubens gesundgepflegt wurde und am Ende seinem untoten Bruder gegenübertreten wird – insgesamt eine der plausibleren Theorien. We shall see.

Meereen
In Meereen ist man erst einmal ziemlich ratlos. Daario und Jorah beschließen letztendlich, Daenerys zu suchen, während Tyrion, Missandei und Grey Worm zurückbleiben, um die Stadt zu verwalten. Wenn man die Situation bedenkt, ist das schon abwegig: Zwei ehemalige Sklaven und ein Kleinwüchsiger vom anderen Ende der Welt – andererseits wären Jorah und Daario aber auch tatsächlich nicht wirklich hilfreich gewesen. Jedenfalls übernimmt Tyrion damit die Aufgabe, die Barristen Selmy im letzten Drittel von „A Dance with Dragons“ innehatte. Ziemlich überraschend taucht dann auch noch Varys quasi aus dem Nichts auf und bietet seine Hilfe an, anstatt in King’s Landing Großmaester Pycelle und Kevan Lannister zu ermorden.

Dany landet derweil mit Drogon im Dothrakischen Meer und begegnet einem Khalasar, womit der Cliffhanger aus „A Dance with Dragons“ im Grunde eins zu eins übernommen wurde, lediglich einige der eher unangenehmen Details (Daenerys befindet sich bei Martin mehrere Tage auf Drogons Felsen und leidet unter anderem an Durchfall) wurden gestrichen.

Castle Black
Sam geht also doch noch nach Oldtown, allerdings über die Kingroad und nicht per Schiff über Braavos. Als Straffung funktioniert das insgesamt (und rückblickend betrachtet) ziemlich gut, alle wichtigen Ereignisse in Sams Handlungsstrang haben an der Mauer stattgefunden und die aufwändige Reise, die neue Figuren, Schiffe (und Geld) gekostet hätte, konnte vermieden werden; wahrscheinlich beginnt dieser Subplot in der nächsten Staffel mit Sams Ankunft. Interessant ist, dass die Initiative hier von Sam ausgeht, da es sein Wunsch ist, Maester zu werden. In den Romanen war es genau umgekehrt, Jon drängt dort Sam dazu, nach Oldtown zu fahren, um Maester Aemon eines Tages ersetzen zu können, während Sam viele Bedenken hat, etwa die Missbilligung seines Vater gegenüber den Maestern oder die Tatsache, dass er kein Blut sehen kann. Wahrscheinlich wollten Benioff und Weiss so zeigen, dass Sam in seiner Entwicklung bereits weiter fortgeschritten ist. Allerdings hätte es auch sehr gut gepasst, hätte Jon seinen letzten Freund selbst weggeschickt, das würde die Tragik des Kommenden noch vergrößern.

Apropos: Während Buchleser Jons Caesar-Moment (tatsächlich erinnert diese Szene sehr stark an Caesars Ermordung in HBOs „Rome“, mit Ciáran „Mance Rayder“ Hinds an Jon Stelle und Tobias „Edmure Tully“ Menzies an Ollys; und darüber hinaus war „Rome“ einer der Gründe, weshalb Martin HBO die Recht verkaufte – so schließt sich der Kreis) schon erwartet haben, wurden alle anderen mal wieder ziemlich aufgewühlt.

Wie schon so oft wurde auch hier die Komplexität geopfert. Tatsächlich ist der Mord an Jon in den Romanen nicht die Folge der ganzen Wildlingsangelegenheit. Zwar wird das auch nicht unbedingt von allen schwarzen Brüdern gut geheißen , aber doch immerhin zähneknirschend toleriert. Zu viel wird es erst, als Jon einen Brief von Ramsay erhält, demzufolge Stannis verloren hat, der Jon so sehr aufregt, dass er aktiv sein Gelübde brechen und nach Süden gehen will – erst dann wird er von hochrangigen Offizieren der Nachtwache ermordet. Das verleiht dem Ganzen natürlich zusätzliche Ambiguität, denn da Jon sein Gelübde tatsächlich bricht und gegen die Grundsätze der Nachtwache verstößt, könnte man durchaus argumentieren, dass dieser Mord gerechtfertigt ist. Die Verschwörer kommen in der Serie daher weitaus kleinlicher daher als im Roman.
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Nicht nur Jon Snow (Kit Harrington) stellt sich hier die Frage: Totsein oder nicht totsein?

Letztendlich stellt sich natürlich vor allem die Frage, ob Jon Snow wirklich und endgültig tot ist. Einerseits haben sowohl die Serienschöpfer als auch Kit Harrington behauptet, Jon sei tatsächlich tot, und Harringtons Vertrag wurde wohl auch nicht für die sechste Staffel verlängert. Andererseits gibt es fast zu viele Möglichkeiten. Jon könnte in Ghost weiterleben, und zu allem Überfluss ist auch noch Melisandre anwesend, denn noch in dieser Folge kehrt sie zur Mauer zurück und ist damit wieder am selben Ort wie am Ende von „A Dance with Dragons“. Dass Kit Harringtons Vertrag nicht verlängert wurde, könnte ganz einfach auch bedeuten, dass Jon quasi eine Staffel Pause macht, ähnlich wie Bran, und dann in der siebten zurückkehrt, um den Norden zu beanspruchen, denn seine Schwüre der Nachtwache gegenüber Enden mit dem Tod. Zumindest in den Romanen könnte das noch geschehen, denn auch George R. R. Martin wurde gefragt und antwortete, man solle sich bezüglich Jons Tod nicht allzu sicher fühlen.

Fazit: „Mother’s Mercy“ ist definitiv eine der besseren Folgen der fünften Staffel, sie leidet aber dennoch an den diversen Fehlentscheidungen, die bisher getroffen wurden. Insgesamt ist es wohl eine der grimmigsten und hoffnungslosesten Folgen überhaupt, selten starben so viele wichtige Haupt- und Nebenfiguren auf einmal.

Aktuell: James Horner ist tot


Ein weiterer, sehr trauriger Todesfall: James Horner, geboren am 14. August 1953, starb gestern bei einem Flugzeugabsturz. Sein Name mag nicht ganz so bekannt sein wie der von Christopher Lee oder Leonard Nimoy, doch wer sich auch nur ansatzweise einmal mit Filmmusik beschäftigt hat, kommt um ihn nicht herum; Horner dürfte, nach John Williams und Hans Zimmer, wohl einer der bekanntesten Filmkomponisten sein. Selbst diejenigen, die seinen Namen noch nie gehört haben, haben mit Sicherheit schon seine Musik gehört, denn die Liste der von Horner vertonten Filme ist beeindruckend: „Braveheart“, „Titanic“, „Die Maske des Zorro“, „Star Trek: Der Zorn des Kahn“, „The Amazing Spider-Man“, „Avatar“, „Apocalypto“, „A Beautiful Mind“ – und das sind nur die Bekanntesten. Mit James Horner ist ein großer und begabter Komponist von uns gegangen. Rest in Peace.

Mad Max: Fury Road

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Story: In einer postapokalyptischen Zukunft ist von der Menschheit nicht mehr allzu viel übrig. Was noch da ist, wird von dem tyrannischen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) regiert, der sich u.a. auch mehrere Frauen als Eigentum hält – bis eine seiner Truckfahrerinnen, Imperator Furiosa (Charlize Theron), seine fünf „Ehefrauen“ mit deren Einverständnis kidnappt. Joe ist davon nicht begeistert und schickt den Flüchtenden seine motorisierten Horden hinterher. Max Rockatansky (Tom Hardy) ist eher unfreiwillig als „Blutbeutel“ eines jungen Warboy (quasi Soldaten Joes) namens Nux (Nicholas Hoult) dabei, kann sich jedoch befreien und schließt letztendlich ein Zweckbündnis mit Furiosa, um Joe endgültig zu entkommen.

Kritik: Nach mehreren Jahrzehnten kehrt George Miller, der Regisseur der Mad-Max-Trilogie, die u.a. Mel Gibson zum Durchbruch verhalf, zu seiner Schöpfung Max Rockatansky zurück. Leider muss ich gestehen, dass ich mich mit den Mad-Max-Filmen bisher nicht beschäftigt habe, ich habe sie noch nicht einmal gesehen. Immerhin habe ich ein wenig recherchiert, um herauszufinden, in welchem Verhältnis „Mad Max: Fury Road“ zu den anderen Filmen steht. Das Ergebnis ist ziemlich uneindeutig; ein wirkliches Remake ist es nicht, denn so weit ich das beurteilen kann, hat dieser Film inhaltlich mit den Mel-Gibson-Streifen nicht allzu viel zu tun. Eine Fortsetzung ist es nicht, denn „Fury Road“ passt auch nicht zur Kontinuität der alten Trilogie. Am ehesten handelt es sich wohl um einen Reboot (oder ein Requel, so ähnlich wie „Der unglaubliche Hulk“), bzw. eine Neubearbeitung einer alten Idee – irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich George Miller um das Verhältnis selbst nicht allzu viele Gedanken gemacht hat.

Wie dem auch sei, „Mad Max: Fury Road“ habe ich mir vor allem wegen des überschwänglichen Lobs von allen Seiten angeschaut, und ich muss sagen, dieses Lob verdient sich der Film durchaus. „Fury Road“ hat natürlich auch so seine Schwächen: Die Geschichte ist ziemlich dünn und lässt sich im Grunde mit „There and back again“ zusammenfassen: Die Helden reisen, verfolgt von den Schurken, zu einem besseren Ort, nur um festzustellen, dass dieser Ort nicht mehr existiert, sodass sie zurückkehren müssen. Woran es ebenfalls mangelt sind Hintergründe und Motivationen. Bei Max erfahren wir immerhin ein wenig: Er war einmal ein Cop (wann das wohl war, die Welt des Films wirkt, als wäre der Atomkrieg, oder was auch immer für den aktuellen Status Quo verantwortlich ist, schon eine ganz Weile her) und hat es nicht geschafft, diverse Leute zu retten, die ihn gewissermaßen heimsuche. Bei Furiosa und den anderen Figuren sind es nur, wenn überhaupt, extrem subtile Andeutungen. Glücklicherweise sind die Darsteller, allen voran Tom Hardy und Charlize Theron, stark genug, um den Film tragen zu können, auch wenn ihre Rollen aus schauspielerischer Perspektive nicht allzu anspruchsvoll sind. Als Zuschauer fiebert man dennoch mit. Allerdings finde ich die Figurenkonstellation ziemlich gelungen, gerade weil sie so anders ist als im typischen Actionfilm und gut zur Botschaft passt. Man könnte vielleicht noch kritisieren, dass der Film auch genauso gut (oder sogar treffender) „Imperator Furiosa: Fury Road“ hätte heißen können, aber da sollte man nicht kleinlich sein, Max ist ja durchaus ein Protagonist, eben nur nicht DER Protagonist; auf Grund der Bekanntheit des Namens verkauft sich der Film einfach besser.

Ebenso wie der Hintergrund der Figuren wird auch die Welt selbst kaum erklärt. Da ich mich sehr für erzählte Welten, egal ob völlig fiktional oder nicht, interessiere, ist das für mich schon ein Mangel, allerdings muss dazu gesagt werden, dass „Fury Road“ auch ohne derartige Erklärungen gut funktioniert, da der Film das, worum es geht, ziemlich gut vermittelt, ohne dass man auf die Hintergründe angewiesen wäre. Was „Fury Road“ wirklich ausmacht, ist die schiere Absurdität in Kombination mit der Kreativität des Designs. Mad Max‘ Welt funktioniert vor allem auf Basis der „Rule of Cool“: Warum zur Hölle hat Immortan Joes Konvoi einen Wagen mit Schlagzeug und einem Musiker mit Feuer speiender E-Gitarre? Eigentlich sinnlos, aber ehrlich, wer denkt bei einem solchen Anblick nicht „das brauche ich auch“?

Die zweite große Stärke von „Fury Road“ geht direkt aus der ersten hervor: Die rasante Action, die einen als Zuschauer kaum zu Atmen kommen lässt. Zwar gibt es ein, zwei ruhigere Stellen, von diesen einmal abgesehen ist aber immer etwas los, ohne dass es einen Abnutzungseffekt geben würde. Genau wie das Design ist auch die Action verdammt kreativ und, da sie zumeist auf mehreren, sich in Bewegung befindlichen Fahrzeugen stattfindet (und die Effekte darüber hinaus fast ausschließlich praktischer Natur sind), höchst beeindruckend.

Zum Schluss noch ein Wort zur Musik: Diese stammt von Zimmer-Adept Tom Holkenborg alias Junkie XL, der bereits für „Divergent“ und „300: Rise of an Empire“ komponierte und für „The Dark Knight Rises“ und „Man of Steel“ zusätzliche Musik lieferte. Besonders Letzteres merkt man auch, denn Holkenborgs Score für „Fury Road“ ist im Grunde eine noch harschere und brutalere Version des sehr Percussion-lastigen Superman-Soundtracks. Alle typischen RCP-Elemente sind vorhanden: Extrem simple melodische Konstrukte, viel Bass, treibende Rhythmik und viel elektronische Verfremdung. Diese Herangehensweise passt zu Mad Max allerdings weitaus besser als zu Superman, weshalb der Score durchaus in einzelnen Momenten über die reine Funktionalität hinausgeht. Dennoch fragt man sich unweigerlich, was wohl ein Komponist wie, sage wir, Don Davis mit diesem Material angestellt hätte.

Fazit: „Mad Max: Fury Road“ ist eine martialische, unheimlich unterhaltsame Tour de Force, die vor allem durch die atemlose Action und die absurde Kreativität besticht.

Trailer

GoT: The Dance of Dragons

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Folge 9 einer jeden Staffel von „Game of Thrones war bislang immer etwas Besonderes, in Staffel 1 und 3 starben ein oder mehr wichtige Starks, während es in Staffel 2 und 4 jeweils nur einen Schauplatz und eine ausgedehnte Schlacht gab. Rein theoretisch müssten in „The Dance of Dragons“ als wieder Starks dran glauben (und die Vorlage würde so etwas theoretisch auch hergeben, eventuell kommt das ja dann in Folge 10), dem ist aber nicht so. Stattdessen finden zwei andere, wichtige Ereignisse statt, von denen eines durchaus ähnliche Folgen hat wie das, was in „Unbowed, Unbent, Unbroken“ geschehen ist.

Der Titel dieser Episode enthält gleich eine doppelte Anspielung. „The Dance of Dragons“ erinnert sowohl an den fünften Roman „A Dance with Dragons“ als auch an ein Ereignis aus der Geschichte von Westeros, den „Dance of the Dragons“ (der von Shireen auch erwähnt wird); besagter „Tanz“ war ein Targaryen-Bürgerkrieg, der nicht nur das Herrscherhaus stark dezimierte, sondern auch der Grund dafür war, dass die Drachen letztendlich ausstarben. Bezieht man den Episodentitel allerdings nur auf das Ereignis im Finale fällt auf, dass er nicht so ganz passt, denn eigentlich tanzt dort nur ein Drache.

Castle Black
Nach der Schlacht von Hardhome kehren Jon und die überlebenden Wildlinge nach Castle Black zurück, wo die Stimmung nicht besser wird. Besonders Wun Wun erregt die Gemüter. Es stellt sich die Frage, wie oft man Olly unheilvoll in Szene setzen kann. Die Antwort ist: Auf jeden Fall mindestens einmal zu oft.

Dorne
Der dornische Handlungsstrang bleibt auch weiterhin ziemlich enttäuschend. Jaime und Bronn werden begnadigt, Ellaria schwört Doran Martell Gehorsam und dieser stimmt zu, Trystane zusammen mit Myrcella in die Hauptstadt zu schicken – man kann wohl davon ausgehen, dass da auf dem Heimweg noch ein Unglück geschieht.

Insgesamt betrachtet ist Dorne eigentlich in dieser Staffel nicht mehr zu retten; obwohl ich mich im Vorfeld sehr darauf gefreut habe, bleibt nun nur zu sagen, dass Dorne wohl besser, wie die Greyjoys, der Schere zum Opfer gefallen wäre; es wurde meines Wissens nach wohl vor allem integriert, weil Oberyn Martell in Staffel 4 extrem positiv aufgenommen wurde. Statt des Ausflugs in den Süden hätten Jaime und Bronn zusammen in den Flusslangen aufräumen sollen (ob mit oder ohne Lady Stoneheart sei mal dahingestellt); der Vorteil daran wäre gewesen, dass dort bereits viele Charaktere etabliert sind, mit denen Benioff und Weiss hätten weiterarbeiten können und die nach der dritten Staffel quasi einfach verschwunden sind: Edmure Tully, der Blackfish (der durchaus auch ein Fanliebling ist), Beric Dondarrion, Thoros von Myr, Gendry, die Freys etc.

Braavos
Lord Tyrell, in Begleitung von Ser Meryn Trant, trifft endlich in Braavos ein, und natürlich begegnet Arya ihnen und vergisst sofort den eigentlichen Auftrag, den sie von Jaqen bekommen hat; stattdessen folgt sie den Westerosi und überlegt, wie sie am besten an Ser Meryn herankommt. Diese Folge wird es zwar noch nichts, aber die Möglichkeit zeichnet sich bereits ab, denn Ser Meryn ist pädophil. Gerade das hat’s wirklich noch gebraucht. Schon wieder dient sexuelle Gewalt als Plotkatalysator an einer Stelle, die es absolut nicht nötig gehabt hätte. Benioff und Weiss ist wohl mal wieder nichts eingefallen. Auf der positiven Seite: Mace Tyrell im Gespräch mit Tycho Nestoris ist recht amüsant. Der Lord von Highgarden singt sogar.

Meereen
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Daenerys (Emilia Clarke) und Drogon

Auch in Meereen geht’s rund, bzw. schief: Die Söhne der Harpyie nutzen die Wiedereröffnung von Daznaks Arena, um Daenerys und ihre Getreuen anzugreifen, allerdings nicht, bevor Ser Jorah noch einmal versucht, Danys Gunst zurückzugewinnen, und das auch noch auf fast dieselbe Weise wie beim ersten Mal; dieses Mal aber scheinbar mit Erfolg. Das Ganze basiert auf einer Szene aus „A Dance with Dragons“, die mit der Serienversion zumindest das Setting und den Ausgang gemein hat. Im Roman gibt es allerdings keinen offensichtlichen Angriff, nur eine gescheiterte Vergiftung, und Drogon wird auch nicht von Danys Not angelockt, wie es hier der Fall zu sein scheint, sondern schlicht und einfach vom Kampfeslärm und der Brutalität. Als dramaturgische Zuspitzung funktioniert das Ganze dann doch recht gut, auch wenn es unelegant ist. Drogon sieht jedenfalls grandios aus, die Qualität der Animation muss sich definitiv nicht hinter der größerer Hollywood-Blockbuster verstecken – der Drache in „Maleficent“ beispielsweise sah weitaus weniger gelungen aus. Noch eine kleine Anmerkung am Rande: Bei Martin wird impliziert, dass Hizdahr tatsächlich der Anführer der Söhne der Harpyie ist, in der Serie scheint das nicht der Fall zu sein, sonst hätten sie ihn nicht umgebracht.

Auf dem Weg nach Winterfell
Zwar ist Meereen der Schauplatz des Folgenfinales, aber was in Stannis‘ Lager geschieht hat weitaus höhere Wellen geschlagen und ist (ob freiwillig oder unfreiwillig) DAS Ereignis dieser Episode. Dank Ramsays Ausfall wird Stannis‘ Situation verzweifelter, weshalb er sich dazu entschließt, Melisandre die Erlaubnis zu geben, seine Tochter dem Herrn des Lichts zu opfern, was diese auch tut.

Dies ist eine weitere Wendung, die, wie schon Sansas Vergwaltigung, eine enorme Kontroverse erzeugt hat, und tatsächlich gibt es da einige Parallelen. In der Vorlage, zumindest in „A Dance with Dragons“, ist diese Szene nicht vorhanden, Shireen, Melisandre und Selyse bleiben auf Castle Black, während Stannis gen Winterfell zieht. Aus dem Episodenkommentar geht allerdings hervor, dass Shireens Tod in irgendeiner Form wohl auch in „The Winds of Winter“ vorkommt. Die Betonung liegt auf „in irgendeiner Form“, denn in der Serien-Konstellation kann er nicht stattfinden. Da stellt sich natürlich die Frage, in wie weit die Ereignisse dieser Episode tatsächlich auf „The Winds of Winter“ basieren. Stirbt Shireen in völlig anderem Kontext, wird sie ebenfalls geopfert und ist Stannis daran beteiligt, und wenn ja, zu welchem Zweck? Und, bezogen auf die Serie: Ist ihr Tod ein wichtiger Handlungskatalysator oder geht es Benioff und Weiss hier lediglich um plakativen Schock? Das wird sich frühestens mit der nächsten Episode bestimmen lassen, angesichts dessen, was die beiden in dieser Staffel allerdings bereits gemacht haben, ist man fast dazu geneigt, zu Letzterem zu tendieren.
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Ser Davos (Liam Cunningham) und Shireen (Kerry Ingram)

Inszenatorisch erinnert die die Verbrennung sowohl an die Rote Hochzeit als auch an Sansas Hochzeit. Die Parallele zu Ersterer ist die „Maximierung“ der Schockwirkung, die über den Verlauf der Staffel vorbereitet wurde, vor allem durch Szenen wie der zwischen Shireen und Stannis auf Castle Black. Hier und an anderen Stellen (auch bereits in den Staffeln 3 und 4) erweckt Stannis den Eindruck, dass er seine Tochter wirklich liebt und nur große Probleme damit hat, seine Gefühle auch auszudrücken, während Selyse als absolut kalte Mutter herüberkommt. Die Verbrennung tauscht ihre Rollen, Stannis endet als rücksichtsloser Fanatiker, der seine Tochter (und Erbin) verbrennt, während Selyse das im letzten Moment noch verhindern will. In der ursprünglichen Konstellation ist Shireen sicher, weil letztendlich alles von Stannis abhängt, weshalb der „Frontenwechsel“ und die Folgen dann umso schockierender sind.

Die Parallelen zu Sansas Hochzeit finden sich in der Art, wie die Szene konzipiert ist; ein weiteres Mal kommt der Schock vor allem von dem, was man nicht sieht, denn Shireens Verbrennen wird nicht gezeigt, man hört nur ihre Schreie. Auch hier gilt: Aus dem Kontext genommen und für sich betrachtet ist die Szene verdammt wirkungsvoll, gerade, weil sie gekonnt mit der Vorstellung des Zuschauers arbeitet. Im Kontext dagegen ist sie äußerst fragwürdig. Es bleibt noch, Kerry Ingram zu loben, die Shireen hervorragend gespielt hat.

Fazit: „The Dance of Dragons“ ist eine weitere (unnötig) kontroverse Episode, die wohl allerdings erst zusammen mit dem Staffelfinale und „The Winds of Winter“ wirklich bewertet werden kann.

Amadeus

Klassiker-Review
amadeus
Story: Der gealterte Komponist Antonio Salieri (F. Murray Abraham) erzählt nach einem gescheiterten Selbstmordversuch einem Priester (Richard Frank) von seiner Rivalität mit einem anderen, ungleich berühmteren Komponisten: Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce). Bereits bei ihrer ersten Begegnung erkennt Salieri, dass Mozart, ein infantiler, alberner Schürzenjäger, die weitaus bessere Musik komponiert. Salieri glaubt, Gott wolle ihn durch Mozart strafen und erklärt seinem Rivalen insgeheim den Krieg. Während Mozart mit Schulden und dem Tod seines Vaters ringt, schmiedet Salieri einen bösartigen Plan, um letztendlich über Gott und Mozart zu triumphieren…

Kritik: Was lässt sich über „Amadeus“ nicht alles sagen? Miloš Formans Leinwandadaption von Peter Shaffers Theaterstück gilt in meinen Augen völlig zu Recht als Klassiker, und nebenbei ist er auch einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Obwohl er in letzter Zeit ein wenig ins Abseits geraten ist, fällt auch das allgemeine Urteil doch meistens positiv aus, allerdings mit einigen Ausnahmen, denn es gibt immer wieder Leute, die die mangelnde historische Genauigkeit des Films kritisieren. Historische Genauigkeit ist natürlich grundsätzlich so ein Thema. Wie weit sollten Filme dabei gehen? Im Grunde ändert sich das natürlich von Film zu Film. Als jemand, der Geschichte studiert hat, ist historische Genauigkeit schon etwas, das mir ein Stück weit im Blut liegt, andererseits sollte man das, gerade bei Filmen, die auf den Massengeschmack zugeschnitten sind, wohl eher nicht allzu genau sehen, besonders, da völlige historische Genauigkeit nie erreicht werden kann und es sich nun einmal um Unterhaltungsfilme und nicht um Dokumentationen handelt. Manchmal wäre es allerdings dennoch schön, wenn die Filmemacher ein wenig besser recherchieren oder tatsächlich versuchen würden, etwas mehr Geschichte mit einzubeziehen. Selbst bei historischen Fantasyfilmen kann das nützlich sein. Um ein relativ aktuelles Beispiel zu bemühen: In „Dracula Untold“ ist Mehmed II. ein flacher, uninteressanter und langweiliger Stereotyp von einem Schurken. Der echte Mehmed dagegen war eine hochinteressanter, widersprüchliche und facettenreiche Person – hier hätte mehr „Realität“ dem Film gut getan.

Aber, um nun zu „Amadeus“ zurückzukehren, hier stören mich Abänderungen nicht, im Gegenteil, sie sind nötig, weil sie Thema und Plot des Films nachhaltig beeinflussen. Ja, Salieri hat Mozart nicht umgebracht, die beiden waren zwar durchaus Rivalen, aber auch geschätzte Kollegen, und darüber hinaus war Salieri kein keuscher Fanatiker (tatsächlich war er verheiratet), aber das alles ist im Grunde irrelevant, denn es geht im Film nicht einmal so sehr um Mozart und Salieri – Shaffer und Forman erheben auch nicht den Anspruch, eine halbwegs korrekte filmische Biographie von einem der beiden Komponisten zu kreieren, was man schon allein daran sieht, dass die „Vorgeschichte“ der beiden, also alles, was vor ihrem ersten Treffen geschieht, nur sehr, sehr knapp angerissen wird. Denn eigentlich geht es um den Unterschied zwischen Handwerker und Genie und das Thema (göttliche) Begabung; es hat seinen Grund, warum der Titel des Films „Amadeus“ lautet. Und sieht man von den großen „Fehlern“ ab, zeigt sich an den Details, dass Shaffer und Forman durchaus ihre Hausaufgaben gemacht haben – so hat Mozart zum Beispiel tatsächlich bei der Uraufführung der „Zauberflöte“ Papagenos Glockenspielt gespielt.

Was letztendlich die Umsetzung der gewählten Thematik angeht, diese ist fast bis zur Perfektion gelungen, was nicht zuletzt dem grandiosen Cast zu verdanken ist, denn „Amadeus“ ist bis in die Nebenrollen ungemein gut besetzt, wobei Tom Hulce und F. Murray Abraham natürlich am meisten hervorstechen; der Oscar für Letzteren war mehr als gerechtfertigt. Beide schaffen es, dass man mit ihren jeweiligen Figuren, trotz einiger gewaltiger Fehler, sympathisieren kann. Als Zuschauer mag man nicht gutheißen, was Salieri letztendlich tut, doch kann man seine Gefühle, denke ich, nur allzu gut nachvollziehen. Fast jedem dürfte es schon einmal so gegangen sein wie ihm; man denkt, man kann etwas richtig gut, und dann kommt jemand daher und übertrifft einen spielend. Bei Mozart ist es ähnlich, zwar ist er ein rücksichtsloser Verschwender, vulgärer Schürzenjäger und Trinker, aber gleichzeitig hat er auch etwas Naives und Ehrliches an sich, so dass er einem Leid tut, wenn sich seine Situation zusehends verschlechtert.

Auch optisch ist „Amadeus“ eine Augenweide, von den herrlichen Kostümen bis hin zur Ausstattung und den grandiosen Aufnahmen von Prag, das hier Wien spielt. Tatsächlich ist Formans Meisterwerk in meinen Augen einer der zeitlosesten Filme, die ich kenne; natürlich spielt er Ende des 17. Jahrhunderts, aber es gibt Historienfilme, denen man die Zeit ihres Entstehens anmerkt. „Amadeus“ dagegen ist nicht einfach nur gut gealtert, sondern scheinbar überhaupt nicht, der Film funktioniert heute noch genauso gut wie in den 80ern.

Möglicherweise hängt das auch mit der Musik zusammen, denn das, was „Amadeus“ so brillant macht (und auch dafür sorgt, dass es nicht irgendwelche fiktiven, sondern genau diese beiden historischen Komponisten sein mussten), ist der Einsatz der Musik. Ich denke, es gibt kaum einen anderen Film, der bereits existierende Musik derartig gelungen einsetzt. Alle verwendeten Werke werden in einen Kontext gesetzt, der natürlich nicht historisch passend ist, aber perfekt zur Narrative des Films passt; tatsächlich ist Mozarts Musik im Grunde neben den beiden verfeindeten Komponisten die dritte Hauptfigur, und sorgt darüber hinaus auch für unvergesslich grandiose Szenen. Zu meinen Favoriten gehören, u.a., Mozart, der Salieris Willkommensmarsch zum Non più andrai, dem Paradestück aus „Le Nozze di Figaro“, umkomponiert, die Uraufführung des „Don Giovanni“, der Wechsel zwischen „Zauberflöte“ und Requiem und natürlich das Komponieren des Confutatis am Totenbett.

Fazit: „Amadeus“ ist nicht nur einer meiner absoluten Lieblingsfilme, sondern in meinen Augen auch einer der besten Filme überhaupt, denn hier stimmt einfach alles. Wer auch nur ein wenig für Mozarts Musik übrig hat, sollte „Amadeus“ unbedingt anschauen. Und alle anderen auch, denn wer weiß, vielleicht gelingt ja eine Bekehrung.

Trailer

Aktuell: Christopher Lee ist gestorben


Er war nicht nur Saruman der Weiße, Graf Dracula, Count Dooku, Scaramanga, der Jabberwocky und Willy Wonkas Vater, sondern auch ein Titan Hollywoods und einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler. Bereits am Sonntag verstarb Sir Christopher Frank Carandini Lee im beachtenswerten Alter von 93 Jahren nach einem beachtenswerten Leben und dem Mitwirken und über 250 Filmen. Lee war eine bewundernswerte Persönlichkeit und hat auch noch bis ins hohe Alter in Filmen (wenn auch nur in kleineren Rollen) mitgewirkt und diese bereichert, u.a. schlüpfte er in der Hobbit-Trilogie noch einmal in die Rolle des Weißen Zauberers. Mit ihm ist ein Gigant von uns gegangen: Rest in Peace, Christopher Lee (wobei ich da gar nicht mal so sicher bin, so oft, wie er Dracula gespielt hat, wer weiß…)

GoT: Hardhome

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„Hardhome“ ist ähnlich strukturiert wie „The Lion and the Rose“ in der letzten Staffel; etwa die erste Hälfte ist eine „normale“ Episode, während die letzte Hälfte komplett einem einzigen Schauplatz, dem titelgebenden Wildlingsdorf Hardhome, gewidmet ist. Und wie schon in „The Lion and the Rose“ funktioniert das auch hier sehr gut; tatsächlich gehört „Hardhome“ bisher zu den besten Episoden dieser doch eher durchwachsenen Staffel. Besonders interessant ist, dass sie den Fans an zwei Fronten Dinge gibt, die Martin uns bislang vorenthalten hat.

Meereen
Die erste dieser Fronten ist Meereen. Bereits in der letzten Folge haben sich Tyrion und Daenerys zum ersten Mal gesehen, jetzt bewirbt sich der Gnom um die durch Barristan Selmys Tod freigewordene Stelle als ihr neuer Berater. In typischer Tyrion-Manier besteht sein erster Rat an Daenerys darin, Jorah weder zu töten noch ihn erneut aufzunehmen – das heißt Exil Teil 2. Und Ser Jorah versucht dann auch noch, zum zweiten Mal in der Arena vor Daenerys zu kämpfen.

Die folgende private Konversation zwischen Tyrion und Daenerys ist definitiv gelungen und interessant, auch wenn Daenerys‘ Rad-Metapher nicht wirklich zutreffend ist, zumindest nicht auf lange Sicht, denn für gewöhnlich ist ein Haus durchaus länger „oben“, fast dreihundert Jahre lang war es das Haus Targaryen. Außerdem fehlen einige der wichtigen Häuser; gerade das Haus Martell war den Targaryens immer loyal, was bedeutet, dass Dany gute Chancen hätte, in Doran Martell einen Verbündeten zu finden.

King’s Landing
Trotz einiger Anpassungen und Vereinfachungen ist der Kings‘-Landing-Handlungsstrang doch derjenige, der in dieser Staffel am buchgetreusten umgesetzt wird, was besonders in dieser Folge deutlich wird. Hannah Waddingham als Septa Unella passt genau zu der Vorstellung, die ich beim Lesen von ihr hatte. Ähnlich wie in den Büchern erfahren wir von den sonstigen Ereignissen in King’s Landing nur aus zweiter Hand, nämlich von Qyburn. Unglücklicherweise schadet der Mangel an Details hier ein weiteres Mal, denn nach wie vor erscheint der Glaube ziemlich grundlos übermächtig, die Ursachen werden kaum erläutert. Dennoch, wie in den Romanen hat Kevan Lannister die Regentschaft übernommen, es fehlen allerdings die Tyrells und ihre Gefolgsmänner (etwa Randyll Tarly), vor allem, da sich Lord Mace Tyrell ja gerade auf dem Weg nach Braavos befindet.

Braavos
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Arya (Maisie Williams) als Austernverkäuferin Lana

Arya nimmt ihre erste falsche Identität an, wie ich vermutet hatte noch ohne falsches Gesicht, sondern nur mit einer herkömmlichen Verkleidung. Wie in „A Feast for Crows“ posiert sie als Muschelverkäuferin, hat aber einen anderen Decknamen, statt „Cat von den Kanälen“ ist sie jetzt „Lana“. Weshalb der Deckname geändert wurde leuchtet mir nicht wirklich ein, allerdings wurde immerhin ein netter Hinweis auf die Buchidentität eingebaut; während Arya davon spricht, in den Kanälen ihre Muscheln zu verkaufen, springt eine Katze durch das Bild. Auch wird die Komplexität der Vorlage stark reduziert, funktioniert aber, anders als an vielen anderen Stellen in dieser Staffel, recht gut. Insgesamt mochte ich Aryas Streifzug durch die Straßen von Braavos, das Hineinfinden in ihre neue Identität und die Entdeckung des Ziels ziemlich gerne.

Winterfell
Sansa konfrontiert Theon, erfährt, was Ramsay ihm angetan hat, aber auch, dass Barn und Rickon noch am Leben sind. Die Frage ist, zu welchem Zweck. Die Boltons halten derweil einen Kriegsrat ab, bei dem Ramsay mit einer Sondermission beauftrag wird.

Castle Black
Noch eine kurze Szene, die im Grunde redundant ist, da sie noch einmal Dinge durchkaut, die wir ohnehin schon wissen: Olly hat es gegen die Wildlinge und fühlt sich verraten, weil Jon sie retten will, Sam versucht die Lage zu erklären, Olly will nicht begreifen. Kennen wir, wissen wir, weiter.

Hardhome
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Karsi (Birgitte Hjort Sørensen)

Wie bereits erwähnt begibt sich die Serie hier wirklich in unbekanntes Territorium; in den Romanen ist Hardhome als Wildlingszuflucht zwar ebenfalls relevant, Jon delegiert die Rettung der dortigen Wildlinge allerdings an einen Offizier der Nachtwache; dieser hält ihn über die Fortschritte auf dem Laufenden, bis schließlich ein letzter Brief ankommt, der hastig geschrieben ist und von toten Dingen im Wald und im Wasser berichtet.

Jon und Tormund treffen sich in Hardhome mit den Anführern der Wildlinge, darunter der Lord der Knochen, der neue Magnar von Thenn Loboda (Zahary Baharov) und eine Frau namens Karsi (Birgitte Hjort Sørensen). Besonders Letztere empfinde ich als gelungene Ergänzung – selbstverständlich überlebt sie nicht, was ich, ehrlich gesagt, nicht gerade toll finde. Karsi wäre hervorragend dazu geeignet, zusätzliche weibliche und aktive Präsenz an der Mauer zu etablieren, und ehrlich gesagt, warum sollten die Wildlinge nicht eine Anführerin haben? Sie hätte gut die Rolle von Val, Mance Rayders „Schwägerin“ einnehmen können. Mal wieder eine vertane Chance. Immerhin, der Riese Wun Weg Wun Dar Wun, kurz Wun Wun (Ian Whyte), feiert ebenfalls sein Debüt.

Wie zu erwarten war wird die Verhandlung von Wildlingen und Nachtwache von den angreifenden Weißen Wanderern unterbrochen, die hier in einem noch nie gekannten Ausmaß Präsenz zeigen, und das nicht nur in der Form der bereits in Staffel 2 und 3 ausführlich gezeigten, bei denen es sich wohl lediglich um die unteren Ränge gehandelt hat. Hier sehen wir sowohl besser ausgerüstete Andere, die wohl so etwas wie hohe Offiziere sind, und den Night’s King, der in der vierten Folge der letzten Staffel bereits kurz zu sehen und der, nach allem was wir wissen, so etwas wie der Große Oberböse ist. Wie bereits zu Anfang erwähnt zeigt die Serie hier etwas, dass die Romane uns bislang vorenthalten haben: Eine erste größere Schlacht zwischen den Weißen Wanderern und den Menschen. Jon findet dabei etwas heraus, das Sam in den Romanen bereits vermutete: Nicht nur Obsidian hilft gegen die Weißen Wanderer, sondern auch Valyrischer Stahl (auch als „Drachenstahl“ bezeichnet).
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Der Night’s King (Richard Brake)

Insgesamt fand ich die Inszenierung dieses Scharmützels ziemlich gelungen, auch wenn die offensichtlicheren Untoten noch immer etwas fehl am Platz wirken; dennoch funktionieren sie hier deutlich besser als die Ray-Harryhausen-Gedächtnisskelette aus dem Finale von Staffel 4. Darüber hinaus hat der Night’s King eine ziemlich beeindruckende Präsenz, ich hoffe, dass wir in der kommenden Staffel noch mehr von ihm erfahren, vielleicht sogar in Form von Flashbacks, schließlich ist sein Hintergrund (ein ehemaliger Lord Commander, eventuell ein Stark, verliebt sich in einen weiblichen Weißen Wanderer und macht sich zum „Night’s King“, um schließlich von den vereinten Kräften des Königs im Norden und des Königs jenseits der Mauer besiegt zu werden), höchst interessant.

Fazit: Die intensive, gut inszenierte, geschriebene und gespielte Schlacht in der zweiten Hälfte sorgt dafür, dass diese Folge sich an die Spitze der Staffel-5-Episoden setzt.

GoT: The Gift

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Castle Black
Der Handlungsstrang auf Castle Black ist in dieser Episode sehr zwiespältig: Jon, Tormund und einige andere schwarze Brüder, denen Jon vertraut, brechen nach Hardhome auf, was auch bedeutet, dass Sam und Gilly nun ziemlich alleine sind, umgeben von Menschen, die ihnen nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Nebenbei versuchen Benioff und Weiss hier auch noch Handlung aus „A Feast for Crows“ unterzubringen, die dort in völlig anderem Kontext stattfindet, vornehmlich sind das der Tod von Maester Aemon und Sams und Gillys erstes Mal. Alle Szenen mit Aemon (inklusiver einer Erwähung von Egg/Aegon V. aus den Heckenritter-Novellen) sind vollauf gelungen, sodass er, und auch sein Darsteller Peter Vaughan würdig aus der Serie verabschiedet werden. Dazu kommt ein gewaltiges Novum: Jemand stirbt tatsächlich an Altersschwäche – in Westeros und Essos kommt das ziemlich selten vor.
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Maester Aemon (Peter Vaughan)

Die Weiterführung der Sam/Gilly-Handlung dagegen ist weniger gelungen, denn Benioff und Weiss nutzen, mal wieder, die Vergewaltigungsthematik als Plotkatalysator. Dieses Mal bleibt es zwar bei einer versuchten Vergwaltigung, aber dennoch wirkt das Ganze unendlich plump inszeniert. Es scheint so langsam, als würden die beiden immer dann, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie einen von ihnen abgewandelten Handlungsstrang weiterführen sollen, zu einer Vergewaltigung oder einer Beinahe-Vergewaltigung greifen – und das funktioniert einfach nicht.

Winterfell
Die Situation hat sich für Sansa nicht gebessert, wobei immer noch unklar ist, wohin das Ganze hinführen soll. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zu Staffel 3, als Ramsay Theon quasi zur Flucht verhalf, nur, um ihn dann wieder einzufangen und so seine Hoffnungen zu zerschlagen, nur dass es dieses Mal nicht Ramsay ist der es inszeniert. Stattdessen versucht Sansa mit Theons Hilfe, Brienne zu rufen (wenn auch unwissentlich), allerdings ist Theon noch zu sehr Reek, als dass das funktionieren würde – somit werden auch Sansas Hoffnung unerbittlich zerstört. Immerhin ist sie nicht ganz so passiv und verstört und kann Ramsay ein wenig manipulieren, indem sie ihn daran erinnert, dass sein Vater einen zweiten Sohn erwartet, der ihn eventuell überflüssig machen könnte.

Interessant ist hier, wie der Zuschauer, der zusammen mit Sansa hofft und Dinge sehen kann, die ihr verwehrt bleiben, mehrmals durch Einstellungen und Szenenwechsel getäuscht wird. Zuerst scheint es, als würde Theon tatsächlich zum Turm steigen, um die Kerze anzuzünden, dann sehen wir aber, dass er in Ramsays Speisezimmer steht. Etwas ähnliches kommt noch einmal: Brienne blickt nach Winterfell, dann geht eine Kerze an, doch die Kerze gehört zur nächsten Szene, die auf Castle Black spielt.

Auf dem Weg nach Winterfell
Wie in „A Dance with Dragons“ hat Stannis auch in der Serie massive Probleme, denn er und seiner Armee wurden von einem Schneesturm festgesetzt. Wo sich seine Offiziere im Roman fragen, ob es helfen würde, wäre Melisandre anwesend, beantwortet die Serie diese Frage, da die rote Priesterin da ist. Zwar kann sie erst einmal auch nichts ausrichten, weiß aber eine Lösung, die bereits in der letzten Staffel angedeutet wurde: Die Opferung von königlichem Blut. Im Klartext bedeutet das, Melisandre möchte Shireen ihrem Gott opfern. Noch ist Stannis entschieden dagegen. Noch…

Dorne
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Myrcella (Nell Tiger Free)

Es gibt zwei kurze Szene in Dorne: Jaime, untergebracht in einer ziemlich komfortablen und seiner hohen Geburt angemessenen Zelle, erhält Besuch von Myrcella. Dies erinnert an ein schlechtes Teenie-Drama, denn Myrcella hegt, wie wir ja schon wissen, keinerlei Ambitionen, Dorne und Trystane zu verlassen. Mit anderen Worten, das Gespräch ist ziemlich redundant. Und dann ist da noch eine Szene im Gefängnis zwischen Bronn und den Sandschlangen, die eine Rezensent von winteriscoming.net in meinen Augen extrem treffend bewertet hat: „Well, that scene went nowhere and was shamelessly exploitative, but it’s still the best scene involving the Sand Snakes all season.” (Quelle). Tatsächlich hatte ich hier das erste Mal das Gefühl, dass die Sandschlangen tatsächlich Charaktere und nicht nur Gimmicks waren, was auch daran liegen könnte, dass die drei Darstellerinnen hier tatsächlich spielen durften und nicht nur Exposition von sich geben oder in einer schlecht choreographierten Kampfszene mitwirken mussten. Es sind tatsächlich kleine Dinge wie das Augenrollen von Nymeria und Obara, die dabei helfen, die Sandschlangen als Personen wahrzunehmen.

King’s Landing
In der Hauptstadt entwickeln sich die Dinge sehr schnell. Das Gespräch zwischen zwischen Olenna und dem Hohen Spatzen (ein weiteres Mal ein Dialog, der so in den Romanen nie stattgefunden hat), reißt eine interessante Thematik auf, da die sich Aristokratie von Westeros tatsächlich noch nie mit größeren Erhebungen von Gemeinen auseinandersetzen musste – wird das noch zu einem Thema, oder bleibt es bei einer kurzen Erwähnung?

Dann taucht auch noch Littlefinger auf und schmiedet neue Intrigen mit Lady Olenna, bei denen es wohl um Olyvar geht; immerhin ist er derjenige, der für Loras‘ Verhaftung verantwortlich ist. Eventuell hecken die beiden aus, ihn als Zeugen entweder umzubringen oder zu einem geänderten Aussage zu bringen.

Für Cersei geht es derweil rapide bergab, denn nach einem kurzen Besuch bei Margaery wird auch sie vom Glauben verhaftet. Selbst für Nichtbuchleser war das wohl bereits abzusehen, angesichts dessen, was Lancel alles weiß. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Hohe Spatz bereits von Anfang an im Bilde über die Königinmutter war und sie einfach so lange ausgenutzt hat, bis er alles hatte, was er wollte. Bleibt noch zu vermerken, dass die Staffel sehr wenig Zeit darauf verwendet hat zu zeigen, wie Cersei durch ihre Herrschaft das Reich weiter ruiniert; bei Martin wird dies in „A Feast for Crows“ sehr ausführlich dargestellt.
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Cersei (Lena Headey) in ihrer Zelle

Meereen
In dieser Folge geschieht das, worauf Leser wie Zuschauer lange gewartet haben und was Ersteren (zumindest auf dem Papier) bis heute vorenthalten wurde: Tyrion und Daenerys begegnen sich. Jorah und Tyrion werden verkauft und landen dort, wo sie hinwollten: In den Arenen von Meereen, wo Daenerys tatsächlich die ersten Probekämpfe überwacht. Ser Jorah besiegt alle Gegner, und Tyrion präsentiert sich als titelgebendes Geschenk (wobei es in dieser Folge noch mehr Geschenke als nur dieses eine gab). Das Ganze mag etwas verhastet wirken, verfehlt aber seine Wirkung (zumindest bei mir nicht): Die Vorstellung, dazu die leichten Anklänge von The Rains of Castamere – ja, ich denke, das ist eine zufriedenstellende Begegnung dieser beiden Protagonisten.

Fazit: „The Gift“ ist eindeutig stärker als die vorherige Episode und weiß vor allem in Einzelmomenten zu überzeugen, gibt allerdings kein wirklich gelungenes Ganzes ab.