Tarkin

tarkin
Der zweite Roman der neuen SW-Einheitskontinuität wurde mit den vollmundigen Worten angekündigt, dass James Luceno hier mit Wilhuff Tarkin etwas Ähnliches wie mit Darth Plagueis in dessen gleichnamigem Roman anstellen würde – und teilweise stimmt das auch. Nun ist „Darth Plagueis“ einer meiner absoluten SW-Lieblingsromane, weshalb ich auf dieses Werk besonders gespannt war. Und, was soll ich sagen: Ein weiteres Mal weiß Luceno zu überzeugen. „Tarkin“ erreicht zwar keinesfalls die Qualität von „Darth Plagueis“, übertrifft aber „A New Dawn“ ziemlich problemlos, was auch damit zusammenhängt, dass Luceno hier, im Gegensatz zu John Jackson Miller, in seinem Wohlfühlbereich arbeitet.
Der größte Unterschied zu „Darth Plagueis“ ist, dass der eigentliche Plot des Romans nicht viele Jahrzehnte umspannt, sondern relativ wenig Zeit in Anspruch nimmt und insgesamt auch eher von geringerer Bedeutung ist: Tarkin und Vader müssen zusammenarbeiten, um eine Gruppe von Terroristen, die eine Basis des Imperiums angegriffen haben, aufzuspüren und auszulöschen. Worauf es eigentlich ankommt ist die gelungene Charakterisierung der Titelfigur und ihre Interaktionen mit diversen anderen Figuren – und genau hier liegt auch die größte Stärke des Romans. Besonders Tarkins Vergangenheit und seiner komplizierten Beziehung zu Darth Vader wird viel Zeit eingeräumt, wobei Luceno die Dialoge so gelungen gestaltet, dass man dabei in seinem Kopf problemlos die Stimmen von Peter Cushing und James Earl Jones hört. Besonders wirksam sind auch die kleinen Details, die Luceno mit einbaut, um Tarkin plastischer werden zu lassen, etwa die Art und Weise, wie er sich zu Beginn des Romans seine Garderobe zurecht legt.
Ein weiterer Unterschied zu „Darth Plagueis“ ist die schiere „Größe“: Lucenos Sith-Roman machte es sich nicht nur zur Aufgabe, die Lebensgeschichte des titelgebenden DunklenLords zu erzählen, sondern arbeitete so ziemlich jedes Werk des EU, das während des Handlungszeitraums spielt, auf logische Weise in den Masterplan der Sith ein. Auch „Tarkin“ ist um eine größere Darstellung bemüht, zeigt aber weniger Entwicklung (diese ist nur für Tarkin selbst gegeben), sondern bietet eher eine Momentaufnahme des Imperiums im Jahr 14 vor der Schlacht um Yavin. Leider leidet „Tarkin“ an einer Schwäche, die auch „A New Dawn“ plagt, aber bei beiden nicht Werk-immanent ist: Beschränkung. Bei „Tarkin“ ist das weniger offensichtlich, aber dennoch fällt auf, dass die Rückblick an manchen Stellen recht schwammig sind und gewisse Aspekte, die eigentlich hätten angesprochen werden müssen, ausgespart werden, wahrscheinlich, weil die Lucasfilm Storygroup diese noch nicht freigegeben hat.
Dies Schwäche gleicht Luceno allerdings durch ein Vorhaben aus, das zumindest mir verdammt gut gefällt: Der gute James scheint sich vorgenommen zu haben, so viel vom alten EU in die neue Einheitskontinuität zu retten wie nur irgend möglich. Das betrifft Planeten (Murkhana), Personen (Sate Pestage, Armand Isard) und Ereignisse – vor allem solche, die in Lucenos eigenen Romane der Prequel-Ära thematisiert werden. So wird klar, dass sowohl die Handlung von „Schleier der Täuschung“ als auch „Dunkler Lord: Der Aufstieg des Darth Vader“ in groben Zügen in der neuen Kontinuität stattgefunden haben. Und darüber hinaus lässt sich aus Lucenos Charakterisierung von Darth Sidious (und dem Auftauchen des Droiden 11-4D) schließen, dass auch Teile von „Darth Plagueis“ es in den neuen Kanon geschafft haben. Nebenbei, ja, in diesem Roman erfahren wir Palptines Vornamen, er lautet Sheev und stammt wohl direkt von George Lucas. Ich lasse das jetzt einfach mal unkommentiert.
Fazit: Erfreulicherweise ist der zweite Roman der Einheitskontinuität weitaus besser gelungen als der erste. Zwar ist „Tarkin“ kein Meisterwerk wie „Darth Plagueis“, aber doch mehr als solide. Vor allem Fans des Imperiums und des alten EU werden an diesem Roman gefallen finden.

Siehe auch:
A New Dawn
Labyrinth des Bösen
Darth Plagueis

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