Prelude to Rebellion

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Es wird mal wieder Zeit für etwas Retrospektive. Blicken wir zurück in die für mich persönlich aufregendste Zeit als Star-Wars-Fan: Die Ära der Prequels. Als „The Phantom Menace“ in die Kinos kam, änderte dieser Film nicht nur die Wahrnehmung des und das Verhältnis vieler Fans zum Franchise, auch die Star-Wars-Medienlandschaft verwandelte sich nachhaltig. Das Erweiterte Universum (inzwischen Legends) hatte sich bislang entweder auf Geschichten konzentriert, die nach Episode VI, zwischen den Episoden IV bis VI oder sehr, sehr lange vor ihnen spielen – etwa die Comicreihe „Tales of the Jedi“, deren Handlung 5000 bis 4000 Jahre vor den Filmen stattfindet. Die unmittelbare Vergangenheit der weit, weit entfernten Galaxis – der Untergang der Jedi, die Klonkriege und der Auftstieg des Imperiums, wurden für die Autoren des EU zur Tabuzone erklärt, da George Lucas in den 90ern ja bereits an den Prequels werkelte. Das änderte sich, als Episode I in greifbare Nähe rückte: 1998, nur wenige Monate vor dem Kinostart, startete der Comic-Verlag Dark Horse, seit 1991 Inhaber der Star-Wars-Lizenz, eine neue Serie mit dem schlichten Titel „Star Wars“, die diese neue Ära, die die Prequels erschlossen, erforschen sollte. Besagte Serie erhielt später den Namen „Star Wars Republic“ und sollte einige der besten Star-Wars-Comics überhaupt beinhalten. In diesem Beitrag möchte ich allerdings einen Blick auf den ersten Handlungsbogen, „Prelude to Rebellion“ werfen. Mit „Prelude to Rebellion“ verbinde ich auch ein großes Ausmaß an Nostalgie, da dieser Handlungsbogen auch einer der ersten der damals vom Dino-Verlag herausgegebenen deutschen Star-Wars-Heftserie war, die für mich einen essentiellen Einstiegspunkt ins EU darstellt.

In „Prelude to Rebellion“ greifen sich Autor Jan Strnad und Zeichner Anthony Winn ein Mitglied des neu etablierten Hohen Rates der Jedi, Ki-Adi-Mundi, heraus und erzählen ein Abenteuer, das relativ kurz vor Episode I stattfindet. Der Großteil der Handlung spielt auf Ki-Adi-Mundis Heimatwelt Cerea, ein Planet, auf dem die herrschende Elite sehr konservativ und technikfeindlich ist, während die Jugend, angeheizt von fremden Agitatoren, den Aufstand probt. Zu den Aufständischen Jugendlichen gehört auch Mundis Tochter Sylvn sowie ihr Freund Maj-Odo-Nomor. Ki-Adi-Mundi selbst gehört zu den eher konservativen Kräften, die Technologie ablehnen, was ihn etwas zwiespältig erscheinen lässt, da er sich als Jedi-Ritter fortschrittlicher Technologie immer wieder bedienen muss. Bei einer Kundgebung kommt es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Maj-Odo-Nomor versehentlich einen seiner Freunde tötet und zusammen mit Slyvn verschwindet. Ki-Adi-Mundi verfolgt die Spur seiner Tochter und stößt auf eine Verschwörung, die es zum Ziel hat, die Unruhen auf Cerea zu schüren, um dort Waffen verkaufen zu können. Einer der Hauptverantwortlichen ist Ephant Mon, ein Komplize des berüchtigten Jabba the Hutt. Auf sich allein gestellt und ohne sein Lichtschwert muss Ki-Adi-Mundi die ganze Wahrheit herausfinden, um seine Tochter retten zu können…

„Prelude to Rebellion“ ist sowohl als Tie-In zu Episode I als auch in Hinblick auf die späteren beiden Prequels interessant. Man kann wohl davon ausgehen, dass Lucasfilm die inhaltlichen Informationen noch recht spärlich herausrückte, als Jan Strnad seine Skripte schrieb, denn die Story des sechsteiligen Handlungsbogen wirkt noch etwas kontextlos. Auch visuell erkennt man relativ wenig vom Stil von Episode I wieder, Anthony Winns Raumschiffe wirken beispielsweise relativ generisch – man kann über die Prequels sagen, was man will, aber sie hatten einen ziemlich distinktiven Stil, was Raumschiffdesign angeht. Erst im Verlauf der Handlung nehmen die Bezüge zu „The Phantom Menace“ zu; so wird etwa enthüllt, dass die Handelsföderation ihre Finger in irgend einer Form mit im Spiel hat, was aber relativ konsequenzlos bleibt. Jabbas Rolle als letztendlicher Oberschurke der Geschichte kann wohl auch auf seinen kleinen Cameo-Auftritt in Episode I zurückgeführt werden.

Bei der Konzeption des Jeditums in „Prelude to Rebellion“ zeigt sich, dass man sich bei Dark Horse noch an dem orientierte, was zuvor im EU gezeigt wurde, in dem Jedi weitaus autonomer agierten, weniger elitärer und zentralisierter Orden und mehr autonomes, individuelles Rittertum. Ki-Adi-Mundi lebt auf seinem Heimatplaneten, hat diverse Töchter und fünf Ehefrauen. Das wirkt gerade im Kontext von „Attack of the Clones“ äußerst merkwürdig, aber die Ehelosigkeit der Jedi wurde erst mit diesem Film etabliert. Ki-Adi-Mundis familiäre Zustände wurden im Zuge von Episode II als große Ausnahme erklärt. Da die Cereaner ein Mann-Frau-Verhältnis von 1 zu 20 haben, ist jeder männliche Cereaner für den Fortbestand der Spezies mitverantwortlich. Dennoch wurden Ki-Adi-Mundis familiäre Verhältnisse nach „Prelude to Rebellion“, von knappen Erwähnungen abgesehen, nie wieder thematisiert.

Ansonsten ist „Prelude to Rebellion“ eine relativ kleine, regional beschränkte Geschichte, die einige durchaus interessante Fragen anreißt und die alte SW-Thematik „Technik vs. Natur“ aufgreift. Diese erste Geschichte der Prequel-Ära bleibt auch insgesamt ziemlich konsequenzlos; sie ist definitiv nicht schlecht und durchaus kurzweilig, im Vergleich zu späteren Handlungsbögen der Republic-Serie verblasst „Prelude to Rebellion“ jedoch. Tatsächlich ist der interessanteste Teil die „Beilage“. In den Heften 4 bis 6 erzählt Jan Strnad, mit Unterstützung des Zeichners John Nadeau, quasi als Zugabe noch die „Entstehungsgeschichte“ Ki-Adi-Mundis und zeigt, wie dieser als Kind von der Jedi An’ya Kuro, auch bekannt als „dunkle Frau“, für den Orden rekrutiert wird, um anschließend als junger Ritter zurückzukehren. Auch diese Geschichte mit dem Titel „Vow of Justice“ passt nicht so recht zu später etablierten Gebräuchen der Jedi, da jegliche Bindung zur alten Heimatwelt abgelehnt wird, zugleich liefert sie aber eine Jugendgeschichte für Ki-Adi-Mundi, die zumindest mit „Prelude to Rebellion“ schön harmoniert.

Fazit: „Prelude to Rebellion“ ist selbst für Leser, die sehr an der Prequel-Ära interessiert sind, kein Must-Read. Dafür handelt es sich aber um einen interessanten Übergangscomic, was die Darstellung der Jedi angeht; hier werden noch Ideen und Konzepte aus dem Prä-Prequel-EU aufgegriffen, die zeigen, wie eine von Dark-Horse-Autoren gestaltete Prequel-Ära hätte aussehen können.

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Star Wars: Konzept einer Fortsetzung


Dank der D23 ist Star Wars mal wieder in aller Munde, wenn auch nicht unbedingt positiv. Zwar sieht der Trailer zu „The Mandalorian“ wirklich nicht schlecht aus – das könnte was werden – die Promotion zu „The Rise of Skywalker“ bekleckert sich jedoch nicht unbedingt mit Ruhm. Sei es der Teaser, der zur Hälfte aus alten Szenen besteht und kaum etwas offeriert außer einem Schweizer Taschenlichtschwert oder das Poster, bei dem eine Hot-Toys-Figur statt Ian McDiamirds edler Gesichtszügen eingebunden wurde. Aber in diesem Artikel soll es weder um die positiven, noch um die negativen Aspekte der D23-Präsentationen und -Enthüllungen gehen. Stattdessen möchte ich das anhaltende Medienecho nutzen, um noch einmal, einige Monate vor dem Kinostart von Episode IX, über die Konzeption der Sequel-Trilogie sprechen.

Rückblick: Konzept der OT und PT
Werfen wir zuerst einen Blick auf die Konzepte der bereits bestehenden Trilogien. Der Handlungsbogen der OT dürfte klar sein: Rebellion gegen Imperium, der Fall einer totalitären Diktatur und, auf einer persönlichen Ebene, die Erlösung Anakin Skywalkers. Allerdings war vor allem Letzteres nie von Anfang an Teil der Konzeption. So sehr George Lucas auch behauptet, die OT sei von Anfang an so geplant gewesen, es ist inzwischen deutlich geworden, u.a. aus den ersten Drehbuchentwürfen für „The Empire Strikes Back“, in denen Anakin Skywalkers Machtgeist auftaucht, dass der Handlungsbogen um Darth Vaders Rückkehr zum Licht und die allgemeinen Verwandtschaftsverhältnisse Elemente sind, die erst nach Episode IV Teil der Handlung wurden. Mehr noch, zu Anfang war Palpatine laut des Prologs von Alan Dean Fosters Romanadaption von „A New Hope“ ein schwacher Diktator und mit Sicherheit kein Machtnutzer. Hin und wieder gibt es bei der Gesamtbetrachtung der OT die eine oder andere Diskrepanz, aber insgesamt ist sie ziemlich gut zusammengewachsen und funktioniert als die Saga, als die sie wahrgenommen wird. Dieser Aspekt des Zusammenwachens ist jedoch etwas, das man im Hinterkopf behalten sollte.

Rein konzeptionell ist die Prequel-Trilogie am dichtesten, auch wenn das Konzept nicht immer ganz gelungen umgesetzt wurde. Die Prequels schildern den Fall Anakin Skywalkers, die Vernichtung der Jedi, den Aufstieg Imperator Palpatines und die Umwandlung der Republik in das Imperium. Es war von Anfang an klar, wo es hingehen würde – was den vielgescholtenen Prequels ironischerweise den Status der am besten geplanten und konzipierten Trilogie verleiht, denn anders als bei den anderen beiden wussten die Verantwortlichen genau, wo die Reise enden würde.

Als Disney Lucasfilm 2012 erwarb, waren die Möglichkeiten, die Saga fortzusetzen, vielfältig. Das alte Erweiterte Star-Wars-Universum, inzwischen als „Legends“ gebrandmarkt, hat einige Blaupausen geliefert, die wir uns etwas näher betrachten werden, bevor wir uns mit dem Weg, der für die Sequels gewählt wurde, auseinandersetzen.

Direkte Fortsetzung: Die Thrawn-Trilogie und „Dark Empire“
In den 90ern erwarben zwei Verlage, Bantam und Dark Horse, die Star-Wars-Lizenz und machten sich daran, die Saga in Form von Romanen und Comics fortzusetzen. Das jeweils erste Werk beider Verlage, Timothy Zahns „Heir to the Empire“ (gefolgt von „Dark Force Rising“ und „The Last Command“) und „Dark Empire“ (gefolgt von „Dark Empire II“ und „Empire’s End“) können jeweils als Versuch verstanden werden, die OT sehr direkt fortzusetzen. Im Kontext der Prequels erscheint vor allem „Dark Empire“ recht merkwürdig, aber natürlich konnten weder Tom Veitch noch Timothy Zahn wissen, was George Lucas in der Zukunft anstellen würde (Stichwort: Auserwählter). Wie dem auch sei, beide Werke setzen den Konflikt relativ direkt fort. Zahn erzählt dabei die besser konstruierte und auch deutlich kreativere Geschichte. Nach ihrem Sieg auf Endor hat die Rebellen-Allianz die Macht in der Galaxis übernommen, sodass die Rollen vertauscht sind: Die Helden sind nun die dominante Partei, während die Schurken aus dem Untergrund heraus kämpfen. Nach wie vor ist es das Imperium, das Luke, Han, Leia und Co. Probleme bereitet. Dieses Mal wird die Neue Ordnung durch Großadmiral Thrawn vertreten, der eine deutlich andere Art von Widersacher ist als Vader oder Palpatine, was sich natürlich auf die Geschichte auswirkt. Zahn fährt die mystischen Aspekte von Star Wars etwas zurück. Das Vermächtnis der Jedi und der Kampf gegen die Dunkle Seite sind zwar präsent – Letztere wird vertreten durch den verrückten Jedi-Klon Joruus C’baoth – man merkt den Romanen jedoch an, dass Zahn diesen Elementen weniger Bedeutung zuweist; er rückt Star Wars etwas näher an die „echte“ Science Fiction heran und entfernt sich von der märchenhaften Space Opera. Im Kern steht hier der Konflikt zwischen Imperium und Neuer Republik, dementsprechend ist Thrawn auch militärisches Genie und nicht böser Overlord. Gerade im Kontext der Erscheinungszeit ist die Thrawn-Trilogie wirklich eine exzellente Fortsetzung der OT, der eine gelungene Balance zwischen Altem und Neuem gelingt. Im Kontext der Prequels trifft das freilich nicht mehr zu, da diese das Konzept des Außerwählten und den Konflikt zwischen Jedi und Sith in den Mittelpunkt rücken. Diese essentiellen Elemente der Episoden I bis III finden sich in der Thrawn-Trilogie nicht wieder – wie auch?

Was die grundsätzliche Handlung angeht, eignet sich „Dark Empire“ besser als Fortsetzung der aus den Episoden I bis VI bestehenden Saga: Palpatine/Darth Sidious ist durchgehend der Oberschurke, da bietet es sich an, das Konzept an ihm als „dunkler Bedrohung“ festzumachen: Die Star-Wars-Saga als Kampf der Skywalker-Dynastie gegen Palpatine. Im Detail wusste Tom Veitch natürlich genauso wenig wie Timothy Zahn, was George Lucas mit den Prequels machen würde, weshalb vieles, was in „Dark Empire“ geschieht, im Kontext der Prequels reichlich merkwürdig oder schlicht unpassend wirkt. Zwar werden die Sith in den Fortsetzungen „Dark Empire II“ und „Empire’s End“ tatsächlich erwähnt, schließlich war Darth Vader von Anfang an laut Episode-IV-Drehbuch und -Romanadaption „Dunkler Lord der Sith“, aber was das bedeutete, wusste im Zeitraum von 1977 bis Mitte der 90er niemand. Bekanntermaßen wollte Zahn die Spezies, die für Vader und später auch Thrawn als Attentäter arbeitet, zu den Sith machen und Vaders Titel so erklären, bis Lucasfilm ihm das ausredete, sodass aus besagter Spezies schließlich die Noghri wurden.

Wo die Thrawn-Trilogie jedoch etwas geerdeter ist und sich eher auf die Sci-Fi-Aspekte konzentriert, geht Veitch den entgegengesetzten Weg: Bei ihm ist Palpatine mächtiger denn je, sein Geist kann von Körper zu Körper hüpfen, er kann gewaltige Machtstürme entfesseln und im Grunde ganze Flotten im Alleingang in Schutt und Asche legen. Die Dominanz der Neuen Republik wird von Veitch ebenfalls wieder rückgängig gemacht – insgesamt betont er in „Dark Empire“ deutlich stärker die Pulp-Elemente, die Dank Lucas‘ Vorliebe für „Flash Gordon“ natürlich schon immer Teil der Saga waren.

Ein neuer Konflikt: Die „New Jedi Order“
Eine weitere konzeptionelle Möglichkeit für die Sequel-Trilogie wäre gewesen, ein völlig neues Kapitel aufzuschlagen. Das Imperium, die Sith und die Dunkle Seite der Macht sind besiegt, der Auserwählte hat seinen Job erfüllt, die Bedrohung kommt dieses Mal aus einer völlig anderen Richtung. Die Idee außergalaktischer Invasoren tauchte immer mal wieder im Erweiterten Universum auf; in den alten Marvel-Comics gab es die Nagai, in „Truce at Bakura“ die Ssi-ruuk und 1999 zeigten im Rahmen der Romanreihe „New Jedi Order“ natürlich die Yuuzhan Vong ihre nicht gerade ansehnlichen Gesichter. Diese neue Spezies, die die bekannte Galaxis in einen neuen, blutigen Krieg stürzt, ist enorm umstritten, nicht zuletzt, da ihre Mitglieder in der Macht nicht zu existieren scheinen, aber unabhängig davon sind sie ein Paradebeispiel für ein „neues Kapitel“: Es gibt keine Verbindung zwischen den Vong und dem Imperium, den Sith oder irgend einem anderen bekannten Widersacher. Ich denke nicht, dass sich die Vong wirklich für die Sequels angeboten hätten, dazu sind sie im Fandom zu umstritten und hätten auf den Mainstream wahrscheinlich zu un-star-warsig gewirkt, aber die „New Jedi Order“ wäre als sehr grobe Vorlage interessant gewesen. So hätte Disney bzw. Lucasfilm erklären können, dass sich die Episoden I bis VI mit dem Konflikt Jedi gegen Sith auseinandersetzen, und die Episoden VII bis IX (oder sogar XII?) mit dem Krieg zwischen der Neuen Republik und welchem völlig neuen Gegner man auch immer wählt.

The Next Generation: „Legacy“
Das Konzept der Comicserie „Legacy“ lässt sich mit einem Satz kurz und prägnant erläutern: Selber Konflikt, anderes Personal. Knapp 140 Jahre nach der OT stehen die Jedi (mal wieder) kurz vor der Auslöschung und (mal wieder) herrschen die Sith über das Imperium bzw. die Galaxis. Nur ist der Protagonist nicht mehr der aufrechte Bauernjunge, der sich zum strahlenden (wenn auch schwarz gewandeten) Ritter entwickelt, sondern ein Junkie, der am liebsten in Ruhe gelassen werden will – dummerweise trägt Cade den Familiennamen Skywalker und ist ein Nachfahre besagten Ritters. Etwas ähnliches hätte sich für die Sequels durchaus angeboten, besonders wenn Mark Hamill, Harrison Ford und Carrie Fisher nicht gewillt gewesen wären, noch einmal in ihre Rollen zu schlüpfen. „Legacy“ zeichnet sich dadurch aus, dass der Grundplot derselbe ist wie in der OT, aber von völlig anderen, zum Teil deutlich graueren und komplexeren Charakteren durchgespielt wird, was natürlich zu einer völlig anderen Handlungsentwicklung führt.

Das Nicht-Konzept der Sequels
Das größte Problem der Sequel-Trilogie ist, dass es eben kein die Filmreihe umspannendes erzählerisches Konzept gibt. Lucasfilm unter Kathleen Kennedy wollte sich alle Möglichkeiten offen halten und den individuellen Filmemachern so viel Freiraum geben wie möglich – grundsätzlich ein löblicher Ansatz, aber nicht, wenn er das „Große Ganze“ beschädigt. Aus diesem Grund entwickelte man nur ein Konzept für Episode VII, und das auch nicht auf einer inhaltlichen Ebene. Ich denke, man fragte sich in der Chefetage des Mäusekonzerns nie „Welche Geschichte wollen wir erzählen?“, sondern „Wie arbeiten wir gegen den schlechten Ruf der Prequels?“. Das macht aus Episode VII einen zutiefst reaktionären Film im eigentlichen Wortsinn, denn er ist in vielerlei Hinsicht ein genauer Gegenentwurf zu den Prequels. Bei all der berechtigten Kritik, mit der die Episoden I bis III bedacht werden, findet sich auch oft die in meinen Augen unberechtigte Kritik, dass sie eben nicht wie die OT sind. Genau dem versuchte Disney entgegenzuwirken. Was fanden die Fans an den Prequels schlecht? Zu viel CGI, zu wenig wie die OT, zu viel Politik etc. Also heuerte man mit J. J. Abrams einen bekennenden Episode IV-Fan und konzentriert sich auf diese Aspekte. Konzeptionell dagegen sitzt Episode VII quasi zwischen den Stühlen. Keine der oben geschilderten Möglichkeiten wird gewählt. In „The Force Awakens“ wird nicht derselbe Konflikt (Jedi gegen Sith, Rebellion bzw. Neue Republik gegen Imperium, alle gegen Palpatine) fortgesetzt, es ist aber auch nicht wirklich ein neuer Konflikt. Stattdessen gibt es Ersatzfraktionen, Widerstand, Erste Ordnung und Ritter von Ren, die formal ihren Gegenstücken, Rebellion, Imperium und Sith, nicht entsprechen, aber genau dieselben Story-Beats bedienen. In der Essenz wird nicht derselbe Konflikt weiter ausgetragen, wie es in der Thrawn-Trilogie oder in „Dark Empire“ der Fall ist, und es wird auch kein wirklich neuer Kampf gekämpft, stattdessen wird derselbe Konflikt noch einmal von Ersatzparteien ausgefochten. Das führt dazu, dass sie die Sequels wie ein merkwürdiger Epilog zum Rest der Saga anfühlen, nicht wirklich Teil davon, aber auch nicht losgelöst.

Eines muss man Lucasfilm/Disney allerdings lassen: Zumindest für Episode VII ist das Konzept „Anti-Prequel“ aufgegangen, denn „The Force Awakens“ hatte exakt die Wirkung, die man wollte. Star Wars als Marke wurde revitalisiert, Casual-Fans, die dem Franchise nach den Prequels den Rücken kehrten, fanden wieder in die weit, weit entfernte Galaxis und allgemein gab es viel Kritikerlob und natürlich spielte der Film schlicht und einfach verdammt viel Kohle ein.

Spätestens mit Episode VIII zeigt sich allerdings, dass der Mangel an Konzept eine schlechte Idee war. J. J. Abrams und Episode-VII-Mitautor Lawrence Kasdan arbeiteten in „The Force Awakens” mit Abrams’ berühmt-berüchtigter Mystery-Box-Methode und warfen viele Fragen auf. Vielleicht lieferten sie intern die Antworten mit, vielleicht auch nicht. Jedenfalls bekam Rian Johnson für Episode VIII freie Hand, mit bekanntem Ergebnis. Wenn Abrams und Kasdan Antworten lieferten, ignorierte er sie, und wenn nicht gab er sie nicht in ihrem Sinn. Ich möchte nun wirklich nicht noch einmal die Last-Jedi-Diskussion aufwärmen, doch selbst Befürworter dieses Films müssen zugeben, dass  eine ziemliche Diskrepanz zwischen „The Force Awakens“ und „The Last Jedi“ existiert und dass Letzterer gegen Ersteren arbeitet. Auf gewisse Weise ist „The Last Jedi“ das „Anti-Force-Awakens“, ähnlich wie Episode VII das „Anti-Prequel“ war – und somit wieder ein zutiefst reaktionärer Film. Wo „The Force Awakens“ zwanghaft alle Erwartungen erfüllt, versucht „The Last Jedi“ genauso zwanghaft, alle Erwartungen zu unterwandern. Das ist das Konzept des Films – und abermals ist es kein erzählerisches Konzept.

Schon jetzt sind die Sequels die unebenste der drei Trilogien. Ja, George Lucas hatte auch nicht wirklich ein von Anfang an durchgeplantes Konzept bei der OT, was von Verteidigern der Sequels immer wieder gerne angeführt wird, aber der OT wurde erlaubt, organisch zu wachsen. Zwar gab Lucas den Regiestock für Episode V und VI an Irvin Kershner respektive Richard Marquand weiter, aber er war dennoch derjenige, der die Fahrtrichtung vorgab und dafür sorgte, dass kein Film gegen den anderen arbeitet.

Meine Begeisterung für Episode IX hält sich bislang ziemlich in Grenzen, ich bin eher fachlich daran interessiert, wie diese Trilogie nun zu Ende geführt wird. Obwohl „The Last Jedi“ bei Kritikern gut ankam und auch finanziell keine Wünsche offen ließ, spaltete dieser Film das Fandom wie kein anderer vor ihm und führte von Gegnern wie Befürwortern zu Extremreaktionen. Mit „The Rise of Skywalker“ scheint Disney nun zu versuchen, diese Spaltung zu überwinden und rückwirkend ein Gesamtkonzept wie das oben bei „Dark Empire“ geschilderte zu etablieren, in dem Palpatine als verbindender Faktor zwischen der PT, der OT und der ST eingesetzt wird – der Teaser, der zu Anfang Einstellungen aus allen bisherigen Filmen zeigt, verdeutlicht dieses Ansinnen. Da mag Kathleen Kennedy noch so sehr bezeugen, dass die Rückkehr des Imperators immer für Episode IX geplant war, das nehme ich ihr nicht ab.

Ironischerweise lässt sich nun doch ein vereinendes Konzept für die Sequels festlegen: Jeder Film der ST reagiert auf die Vorgänger-Episode und versucht, sich als entsprechende Antithese zu inszenieren. Natürlich kann eine Trilogie, in der jeder Film als Antithese zum Vorhergegangenen fungiert, niemals einen einheitlichen Eindruck hinterlassen.

Aktuell: The Rise of Skywalker


Aus Zeitgründen habe ich mich von der „Aktuell-Kategorie“ meines Blogs schon vor einiger Zeit verabschiedet (es dürfte vielleicht aufgefallen sein, dass meine Post-Frequenz im letzten Jahr deutlich abgenommen hat, was vor allem daran lag, dass ich mit dem Sammeln von Überstunden beschäftigt war). Aber hin und wieder will man doch zumindest mal semi-aktuell sein – und was eignet sich da besser als der Teaser zur nächsten Star-Wars-Episode.

Gemessen an dem, was da dieses Jahr auf uns zukommt – nichts weniger als das Finale der Skywalker-Saga – lässt zumindest mich das erstaunlich kalt. Übersättigung, Nachwirkungen der Episode VIII-Problematik bzw. der damit zusammenhängenden Debatte – vermutlich eine Mischung aus all diesen Elementen. Der Teaser selbst ist da leider keine große Hilfe, denn insgesamt ist er relativ unspektakulär. Er beginnt (mal wieder) auf einem Wüstenplanteten – ob Jakku, Tatooine oder ein neuer ist nicht klar – und mit einer Rey, die sich einem Tie-Fighter gegenübersieht. Es wurde ja schon lange spekuliert, in wie fern Disney bzw. J.J. Abrams angesichts der vielen negativen Fan-Reaktionen auf „Die letzten Jedi“ Rian Johnsons Entscheidungen rückgängig machen würde. Die erste findet sich bereits: Rey hat offenbar Anakins altes Lichtschwert repariert. Die folgende akrobatische Einlage erinnert eher an die Prequels als an den zumindest diesbezüglich etwas konservativeren Einsatz der Macht in den Sequels.

Nach dieser recht langen, wenn auch kaum aussagekräftigen Sequenz folgen kürzere Eindrücke: Anflug auf einen neuen Planeten, Kylo Ren und seine Truppen in der Schlacht, eine unbekannte, aber recht haarige Person schweißt Kylos Helm wieder zusammen, kurze Eindrücke von Finn und Poe sowie BB8 und einem neuen Droiden und Lando Calrissian im Cockpit des Falken – alles untermalt von einer Trailermusik-Version von Leias Thema. Es folgt ein kurzer Action-Eindruck auf dem unidentifizierten Wüstenplaneten, wobei sich unsere Helden auf einem Fahrzeug befinden, das stark an Jabbas Gefährte aus Episode VI erinnert, eine Einstellung der Siegesmedallien aus Episode IV, Rey, die Leia umarmt und schließlich eine Gruppenaufnahme mit Rey, Finn, Poe, Chewie, C-3PO, BB8 und dem neuen Droiden, die vielleicht auf Endor anzusiedeln ist. Die nächste Einstellung zeigt jedenfalls etwas, das verdammt nach einem Trümmerstück des Todessterns aussieht. Der Planet selbst mit seiner zerklüfteten Küstenlandschaft wirkt zwar nicht wie Endor, aber selbst ein Waldmond muss ja nicht ausschließlich aus Wald bestehen.

Der beste Moment des Teasers folgt kurz vor der Titeleinblendung als Antwort auf Lukes Kommentar aus dem Off „No one’s ever really gone“ (eigentlich eine Dialogzeiel aus Episode VIII): Es erklingt das vertraute Lachen von Darth Sidious. Dann erfahren wir endlich den Titel von Episode IX: „The Rise of Skywalker“.

Gesamteindruck: Der Teaser sagt selbst für einen Teaser verdammt wenig darüber aus, worum es eigentlich geht und besteht primär aus Nostalgie-Beats, die auf Episode VI verweisen. Das Highlight ist zweifelsohne die angedeutete und inzwischen auch von J.J. Abrams bestätigte Rückkehr Palpatines. In welcher Form das geschehen wird bleibt natürlich unklar. Kehrt der Dunkle Lord der Sith tatsächlich von den Toten zurück, eventuell so, wie er es in der Comicserie „Dark Empire“ tat? Dort besetzte sein Geist Klonkörper seiner selbst. Kehrt er „nur“ als Dunkle-Seite-Version eines Machtgeistes zurück? Oder vielleicht sogar nur in Form von Aufzeichnungen oder Flashbacks?

Ursprünglich wurde in der neuen Disney-Kontinuität der Eindruck erweckt, dass es den Sith nicht mehr möglich sei, nach ihrem Tod als Geister wiederzukommen, so wie es in den Legends der Fall war. Nutzer der Dunklen Seite konnten zwar nicht zu „echten“ Machtgeistern werden, wie es den Jedi möglich war, aber sie konnten ihre Essenz an Gegenstände oder Orte binden oder per Essenztransfer in einen neuen Körper schlüpfen – einer ganzen Reihe von Dunklen Lords gelang es so, auch noch lange nach ihrem Tod ziemlichen Schaden anzurichten, von Marka Ragnos über Naga Sadow, Freedon Nadd, Darth Andeddu und Exar Kun bis hin zu, wie bereits erwähnt, Palpatine selbst. George Lucas gefiel diese Idee allerdings nicht. In den Mortis-Folgen der dritten Clone-Wars-Staffel waren ursprüngliche Gastauftritte der Sith-Lords Revan und Bane geplant, doch Lucas legte letztendlich sein Veto ein mit der Begründung, den Sith sei es nicht möglich, als Geister zurückzukehren. Selbst der Gastauftritt des von Mark Hamill gesprochenen Darth Bane, dem Yoda auf Moraband (formerly known as Korriban) in der sechsten Staffel der Serie begegnet, ist nur eine Illusion der Machtpriesterinnen und kein tatsächlicher Geist.

Mit der von Charles Soule verfassten Kanon-Darth-Vader-Comicserie, die kurz nach Episode III spielt, scheint diese Regel aber schon wieder ad acta gelegt zu sein, denn dort tauchte der Sith Lord Momin auf, dessen Essenz in seinem Helm weiterexistierte, ganz ähnlich wie es bei diversen Legends-Sith-Lords der Fall war; man denke etwa an Karness Muur, der ähnlich wie Momin von anderen durch ein Artefakt Besitz ergreifen konnte. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich halte es durchaus für möglich, dass Palpatine tatsächlich auf diese Weise zurückkehrt. Zweifelsohne wäre es eine, aber nicht die eleganteste Lösung für das Schurken-Problem von Episode IX. Denn, seien wir mal ehrlich, Kylo Ren funktioniert als Big Bad einer Trilogie genauso wenig wie General Hux. Hux kann nach Episode VIII ohnehin niemand ernst nehmen, während Kylo sowohl in Episode VII als auch in Episode VIII jeweils eine verheerende Niederlage hinnehmen musste. Im Vergleich dazu blieb Vader bis Episode VI im Grunde unbesiegt, die beiden Lichtschwertduelle, die er absolvierte, gewann er – und dabei war er nicht mal der Oberschurke.

Also bleiben letztendlich nur ein paar wenige Möglichkeiten: J.J. Abrams und sein Mit-Drehbuchautor Chris Terrio können versuchen, Kylo tatsächlich zum Oberschurken zu machen, sie können Snoke zurückbringen (was in meinen Augen aber ebenso wenig funktionieren würde), sie können einen neuen Big Bad aus dem Hut zaubern oder man nimmt eben einen, der sich bereits bewährt hat, wie Darth Sidious. Der cleverste Weg wäre wohl, Sidious als Präsenz zurückzubringen, ohne ihn tatsächlich wiederzubeleben. Dazu müsste er nicht einmal als Geist auftauchen, stattdessen könnte es sich um einen lange vorbereiteten Plan handeln, während Palpatine in Form von Aufzeichnungen und Flashbacks als treibende Kraft wirkt. Schon lange kursieren im Internet Gerüchte, Matt Smith würde einen jungen Palpatine spielen. Immerhin gehen die Saw-Filme seit John Kramers Tod im dritten Teil seit einiger Zeit auf diese Weise vor. Zugegeben, nicht das beste Beispiel, aber dennoch. Diese Idee gab es in Chuck Wendigs Aftermath-Trilogie und anderen, in diesem Zeitraum spielenden Medien zwar bereits (Stichwort: „Operation Cinder“) , aber darauf könnte man tatsächlich aufbauen.

Ein weiteres Mal zeigt sich hier nun das fundamentale Problem der Sequel-Trilogie: Der Mangel an Planung und Gesamtkonzept und die Unentschlossenheit bei der Konzeption von Episode VII. Entweder hätte man die Sequels tatsächlich als Fortführung der Skywalker-Saga konzipieren müssen, oder aber etwas völlig Neues aufziehen. Darth Sidious war der überspannende Schurke der bisherigen Saga. Natürlich, das war er nicht von Anfang an, bekanntermaßen sollte der Imperator in Episode IV ein schwacher Diktator sein, der von Leuten wie Tarkin kontrolliert wurde. Erst mit Episode V und VI entwickelte wurde er zum Oberschurken und erst mit den Prequels zum alles umfassenden Überschurken, der der für den Fall der Republik und die Vernichtung der Jedi verantwortlich war, quasi dem Star-Was-Äquivalent zu Satan. Es wäre naheliegend gewesen, ihn als auch Bedrohung der Episoden VII bis IX beizubehalten, sei es als tatsächlich aktiver Schurke, als Geist oder Holocronaufzeichnung, um einen Nachfolger heranzuzüchten.

Die Alternative wäre gewesen, Episode VII als Start von etwas völlig Neuem zu inszenieren, ähnlich wie es die „New Jedi Order“ im Legends-Bereich tat. Damit will ich nicht sagen, dass Lucasfilm die Yuuzhan Vong in den Kanon hätte bringen sollen, aber eventuell ein Gegenstück, eine wie auch immer geartete neue Bedrohung, die vielleicht sogar Rebellen/Republik und Rest-Imperium dazu gezwungen hätte, sich zu verbünden. Letztendlich entschied man sich dann aber eben dafür, denselben Konflikt mit neuen Figuren noch einmal auszutragen. Snoke statt Palpatine, Kylo Ren statt Darth Vader, die Erste Ordnung statt dem Imperium und der Widerstand statt der Rebellion. So, wie sie jetzt ist, ist die Sequel-Trilogie weder richtige Fortsetzung noch der wirkliche Start eines neuen Kapitels, sondern bestenfalls ein Nachgedanke, ein Anhängsel, weder Fisch noch Fleisch.

Natürlich könnte Episode IX das rückwirkend noch revidieren, der aktuelle Teaser macht sehr deutlich, dass genau das der Ansatz von Abrams und Terrio ist. Aber selbst dann würde es aufgesetzt wirken, schließlich wurde von offizieller Seite bereits mehrfach zugegeben, dass die Sequels nicht durchgeplant wurden und dass Rian Johnson auch nicht an Abrams‘ Ideen für den Rest der Trilogie gebunden war, sondern im Grunde tun konnte, was er wollte. Ich persönlich bin ja eigentlich immer für kreative Freiheit, aber nicht zum Preis der übergeordneten Handlung.

Wie dem auch sei, ich befürchte, dass „The Rise of Skywalker“ abermals in zu großem Ausmaß die Nostalgiekarte ausspielen wird. Der Titel ist natürlich ein Kuriosum für sich, passt aber zu den Aussagen, man wolle die gesamte Skywalker-Saga aufgreifen und alles zusammenführen. Fraglich ist natürlich, was mit dem Titel gemeint ist. Tatsächlich noch lebende Skywalkers sind Kylo und Leia, aber es erscheint unwahrscheinlich, dass einer von beiden gemeint ist. Ist Rey doch eine Skywalker? Kehrt Luke zurück? Oder ist das ganze in irgendeiner Form metaphorisch zu verstehen?

Um auf einer positiven Note zu enden: Insgesamt erhoffe ich mir von Episode IX erst einmal einen gelungenen letzten John-Williams-Star-Wars-Soundtrack, einige schöne neue Auftritte von Ian McDiamird als Darth Sidious (diese können auch noch den schwächsten Film aufwerten) und endlich mal wieder ein wirklich zünftiges Lichtschwertduell, denn diesbezüglich gab es in der Disney-Ära außerhalb von „Star Wars Rebels“ wirklich sehr wenige, und auch die Rebels-Duelle waren nicht immer das Gelben vom Ei bzw. das Weiße vom Lichtschwert.

Die Natur der Macht


Schon seit einigen Jahren erfreuen sich popkulturelle Philosophiebücher großer Beliebtheit – egal ob „Die Simpsons und die Philosophie“, „Der Herr der Ringe und die Philosophie“ oder „Game of Thrones und die Philosophie“, das Konzept funktioniert immer ähnlich: Autoren philosophischer Fachrichtungen, zumeist im universitären Bereich tätig, erläutern philosophische Konzepte anhand von Beispielen aus besagten Werken – so vergleicht etwa Eric Katz die Geschichte vom Ring des Gyges aus Platons Politeia (es geht hier um die Natur von Moral und Macht – handelt ein Mensch, der keine Konsequenzen fürchten muss, noch moralisch?) mit Tolkiens Roman und der Rolle, die der Eine Ring darin spielt.

Inzwischen ist ein derartiges Buch auch für Star Wars erschienen (herausgegeben von Catherine Newmark) und trägt den Titel: „Viel zu lernen du noch hast – Star Wars und die Philosophie“. Während philosophische Konzepte zumindest in den Filmen selten wirklich ausgestaltet sind, gibt es doch vielen Anknüpfungspunkte, wobei die Natur der Macht mit Abstand der ergiebigste ist. Gerade die Dunkle Seite der Macht ist bereits abseits von Star Wars zum geflügelten Begriff geworden, mit dem selbst Menschen, die noch keinen der Filme gesehen haben, etwas anfangen können. Die Dunkle Seite der Macht gilt als Sinnbild des verführerischen Bösen, dem Menschen erliegen. Besonders ein Aufsatz nimmt sich dieser Thematik an: „Jedi-Meister Augustinus gegen Darth Faustus. Der freie Wille gegen den Manichäismus“ von Alexandre Lacroix. Leider bleibt Lacroix dabei äußerst oberflächlich und voreingenommen; die gesamte Fragestellung wird sehr knapp beantwortet, weshalb ich mich im Rahmen dieses Artikels noch einmal ausgiebiger damit auseinandersetzen bzw. Lacroix‘ Ansatz als Aufhänger verwenden möchte, um mich mit der Natur der Macht zu beschäftigen.

Die Natur des Bösen
Lacroix setzt sich in seinem Aufsatz nicht wirklich mit der Macht auseinander, die Star-Wars-Thematik ist eher ein Nachgedanke, auch wenn er von den historischen Figuren Augustinus von Hippo (354-430) und Faustus von Mileve (350-400) als „Jedi-Meister Augustinus“ und „Darth Faustus“ spricht. Lacroix geht es um die Frage nach der Natur des Bösen. Diese Frage hängt freilich meistens vom spirituellen bzw. religiösen Standpunkt ab; ob „das Böse“ in dieser Form überhaupt existiert, ist eine umfassende Frage für sich. Wie sagte Palpatine noch so schön? „Good is a point of view, Anakin.“ Ich selbst bin der Meinung, dass Moral, bzw. „das Gute“ auch ohne Gottheit oder eine spirituelle Dimension funktionieren kann, ohne beliebig zu sein (man achte auf den Unterschied zwischen „relativ“ und „beliebig“) – Kants kategorischer Imperativ ist da immer hilfreich. Allerdings geht das am Thema dieses Artikels vorbei – in der erzählten Welt von Star Wars ist die Frage nach dem spirituellen Element ohnehin müßig, die Macht existiert, daran gibt es nichts zu rütteln.

Gehen wir erst einmal prinzipiell von der Existenz von Gut und Böse aus. Die Grundfrage, die sich Philosophen seit Jahrtausenden stellen, ist folgende: Ist das Böse eine eigene Kraft, die unabhängig vom Guten wirken kann und ihm gleichgestellt ist, oder ist das Böse dem Guten untergeordnet und von ihm abhängig? Denker wie der bereits erwähnte Faustus oder der persische Religionsgründer Mani (216 bis 276 oder 77) gehen von Ersterem aus, während der Kirchenvater Augustinus oder der römische Senator und Philosoph Boethius (480 oder 85-524 oder 25) Letztere Ansicht teilen. Beim „Manichäismus“, der von Mani begründeten, spätantiken Religion, handelt es sich um eine dualistische Glaubensform, in der Gut und Böse annährend gleichrangige Kräfte sind und die wiederum von verschiedenen Quellen beeinflusst wurde, von jüdischen, christlichen und gnostischen, aber auch zoroastrischen und anderen fernöstlichen Schriften aus dem buddhistischen und hinduistischen Umfeld. Gerade im Zoroastrismus, einer der ältesten monotheistischen Religion, ist der Gedanke des ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse als gleichwertige Kräfte stark vertreten. Im modernen Sprachgebrauch wird Manichäismus gerne als Synonym für ein streng dualistisches Weltbild verwendet.

Augustinus war von Manis Lehren in seiner Jugend durchaus angetan, lehnte sie später allerdings umso vehementer ab. In seinen Augen kann das Böse nur als Mangel begriffen werden. Da Gott allmächtig ist, kann keine Macht außerhalb Gottes existieren, das bedeutet, dass auch Satan und/oder das Böse letztendlich von Gott geschaffen wurde bzw. von ihm abhängig ist. Aber wie kann ein gütiger Gott das Böse nur zulassen oder sogar selbst erschaffen haben? Augustinus‘ Antwort auf die Theodizeefrage liegt im freien Willen. Das Böse entsteht, weil sich Menschen (bzw. im Fall Satans Engel) bewusst von Gott abwenden. Somit ist das Böse dem Guten untergeordnet, es ist keine eigene Kraft, sondern nur ein Mangel, die Abwesenheit Gottes. Kein Wesen wird böse geschaffen, alles Böse entsteht durch die Nutzung des freien Willens. Sollte es dem Bösen tatsächlich gelingen, das Gute zu vernichten, würde es sich damit gleichzeitig selbst zerstören – laut Augustinus und Boethius besitzt das Böse somit eine parasitäre Natur. Dies ist auch die Grundhaltung, die von den meisten christlichen Konfessionen geteilt wird – nicht umsonst wird Augustinus als „Kirchenvater“ bezeichnet. Lediglich einige christliche Sekten entwickelten die Konzepte des Manichäismus und der Gnosis weiter. Die südfranzösischen Albigenser sind das wohl prominenteste Beispiel – auch für den Umgang der katholischen Kirche mit derartigen Sekten, die als Ketzer von der Inquisition verfolgt oder per Kreuzzug niedergemetzelt wurden. Für Lacroix ist die Antwort auf die Frage nach der Natur des Böse ebenfalls sehr eindeutig, dem Dualismus kann er nichts abgewinnen und bemängelt die Vorherrschaft manichäischen Gedankentums in der Unterhaltungsindustrie. Dem setzt er Star Wars entgegen, das „den subtileren und humaneren Ideen des Augustinus folgt“. Anakin Skywalker ist ihm zufolge weder gut noch böse, einerseits tötet er Unschuldige (etwa die Jünglinge in Episode III), aber auch den größten Tyrannen der Galaxis. Lacroix liegt damit nicht prinzipiell falsch, ich finde seinen Aufsatz lediglich äußerst oberflächlich, da sich eine Beschäftigung mit der Macht in diesem Kontext geradezu aufdrängt, aber leider nicht stattfindet.

Das Gleichgewicht der Macht
Star Wars werden, nicht zu Unrecht, gerne diverse fernöstliche Einflüsse attestiert. Die Jedi erinnern an Samurai, ihre Lehren haben buddhistische Anklänge und die Macht mit ihrer Hellen und Dunklen Seite scheint vom Konzept von Yin und Yang beeinflusst zu sein. Oder? Fakt ist: In den Episoden I bis VI ist zwar oft die Rede von der Dunklen Seite der Macht, aber eine Helle wird nie erwähnt. Die Natur der Macht bleibt höchst undurchsichtig. In den Prequels kommt das Konzept des „Gleichgewichts der Macht“ hinzu, das vom Auserwählten herbeigeführt werden soll. Aber was bedeutet das Gleichgewicht der Macht überhaupt? Wenn man von einer dualistischen Deutung ausgeht, müsste es zu einem Ausgleich von Heller und Dunkler Seite kommen, ähnlich einem Yin-Yang-Gleichgewicht (wobei Yin hell und Yang zwar dunkel repräsentiert, hell und dunkel aber nicht automatisch mit gut und böse gleichzusetzen sind). Es wirkt allerdings nicht so, als sei die Weltsicht der Jedi dualistisch. Vielmehr scheinen sie einer augustinischen Philosophie zu folgen, da sie, wie bereits erwähnt, nie explizit von einer Hellen Seite der Macht sprechen. Es gibt die Macht und die Dunkle Seite, wobei die Dunkle Seite parasitärer Natur und damit Verursacher des Ungleichgewichts ist. Besonders eine Aussage Obi-Wans in Episode III deutet darauf hin: „You were the chosen one! It was said that you would destroy the Sith, not join them. You were to bring balance to the Force, not leave it in darkness!“ Hier wird explizit gesagt, dass die Sith als Repräsentanten der Dunklen Seite zerstört werden müssen, um die Macht ins Gleichgewicht zu bringen.

Interessanterweise bleiben die Filme diesbezüglich letztendlich vage, da Anakin aus beiden Perspektiven Gleichgewicht schafft und einen wie auch immer gearteten Neuanfang ermöglicht (jegliches weiterführende Material aus dem alten Erweiterten Universum oder der neuen Einheitskontinuität werde ich dabei erst einmal ignorieren). Er zerstört die Sith (Palpatine/Darth Sidious und sich selbst). Im Vorfeld zerstört er aber auch den Jedi-Orden, entweder indirekt, da er Palpatine am Leben lässt, sodass dieser die Order 66 auslösen kann, oder direkt, schließlich tötet er ja auch eine ganze Reihe Jedi mit eigenen Händen. Mit ihm selbst stirbt dann auch das letzte Mitglied des alten Jedi-Ordens. Durch diesen Aspekt, und noch einige andere kleine Details wie Anakin Skywalkers unbefleckte Empfängnis, ist Star Wars weitaus christlicher konnotiert, als man vielleicht gemeinhin annehmen würde. Wie dem auch sei, gerade bei den Prequels ist die Unklarheit bzw. der Mangel an Information oft eine signifikante Schwäche. Bestimmte, zum Teil sehr essentielle Fragen (Wofür wollen die Sith sich rächen? Warum gibt es immer nur zwei von ihnen?) werden zwar in Zusatzmaterialien beantwortet, aber nicht in den Filmen selbst. Was das Gleichgewicht der Macht angeht bin ich allerdings froh, dass George Lucas keine eindeutige Antwort gegeben hat, so macht das Philosophieren und Spekulieren weitaus mehr Spaß. Allerdings wäre es nützlich gewesen, wenn er zumindest den genauen Wortlaut der Prophezeiung des Auserwählten in den Filmen untergebracht hätte.

Mikroskopische Macht?

Bevor wir zu zur Frage des Dualismus der Macht zurückkehren, machen wir einen kleinen Abstecher zu einem sehr kontroversen Thema. In Episode IV definiert Obi-Wan die Macht wie folgt: „The Force is what gives a Jedi his power. It’s an energy field created by all living things. It surrounds us and penetrates us. It binds the galaxy together.“ In Episode I dagegen lernt man als Zuschauer eine neue Betrachtungsweise kennen, denn Qui-Gon Jinn informiert Anakin (und damit uns) über Midi-Chlorianer, mikroskopisch kleine Lebewesen, die in menschlichen Zellen leben – je höher die Midi-Chlorianer-Konzentration, desto stärker in der Macht ist ein Lebewesen. Die Eröffnung hat zu großem Unmut geführt, da viele Star-Wars-Fans der Meinung waren, George Lucas habe mit diesem Konzept die Macht entmystifiziert und sie zu einem bloßen biologischen Phänomen gemacht. Dem ist allerdings nicht der Fall, denn die Macht kommt nicht von den Midi-Chlorianern und ist auch kein simples, biologisches Phänomen. Die Midi-Chlorianer sind lediglich biologische Spuren der Macht, Mittel zur Kommunikation. Das bedeutet nicht, dass ich jegliche Kritik an diesem Konzept für ungerechtfertigt halte – allerdings zeugt die Form, die sie meistens annimmt, oft von Kurzsichtigkeit und mangelndem Verständnis. Darüber hinaus sind die Midi-Chlorianer nur im weiteren Sinn ein Prequel-Konzept, da sie bereits in frühen Entwürfen des ursprünglichen Star-Wars-Drehbuchs auftauchen. George Lucas entledigte sich für den fertigen Film ja bekanntermaßen der meisten Fachbegriffe, die ein Publikum irritieren könnten, weshalb Tarkin beispielsweise immer nur mit „Gouverneur“ angesprochen wird und nicht mit seinem eigentlichen Rang (Großmoff) oder Vader nur im Roman und Drehbuch, aber nie im Film als „Dunkler Lord der Sith“ bezeichnet wird.

Ashla und Bogan – Die Seiten der Macht im Erweiterten Universum
Das Erweiterte Star-Wars-Universum, seit der Disney-Übernahme v.a. als „Star Wars Legends“ bekannt, nahm schon immer Konzepte, die in den Filmen nur angerissen wurden, und baute sie mal mehr, mal weniger gelungen und konsequent aus. Die Macht darf darunter natürlich nicht fehlen. Der Begriff der „Hellen Seite der Macht“ fiel zum ersten Mal in einem EU-Werk, einem der Comics der „Tales of the Jedi“, wenn ich mich recht erinnere, da bin ich mir allerdings nicht völlig sicher.

Zur Zeit der Prequels begannen die Autoren des EU an mehreren Fronten, die klassischen Sichtweisen zu hinterfragen. In Terry Brooks‘ Romanadaption von Episode I wird zum ersten Mal das Konzept der „Vereinigenden Macht“ ausgeführt, das versucht, über die ursprüngliche Sichtweise hinauszugehen und Zeit und Raum als solches erfasst. Der Vereinigenden Macht ist die „Lebendige Macht“ gegenübergestellt; hier liegt der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen Leben und der Macht und auch auf der Wechselwirkung zwischen Heller und Dunkler Seite. Dieses Konzept scheint der implizite Versuch, einen Kompromiss zwischen der dualistischen und der augustinischen Sichtweise der Macht zu schließen. Zwar wird explizit von Heller und Dunkler Seite gesprochen, doch letztendlich ist die Vereinigende Macht beiden übergeordnet. Andere EU-Werke treiben das noch weiter. Besonders sei an dieser Stelle Matthew Stovers „Traitor“ erwähnt. In diesem Roman lernt Jacen Solo, der Sohn von Han und Leia, von der enigmatischen Jedi Vergere, dass die Macht letztendlich keine Seiten hat, sondern es lediglich auf die Absichten des Machtnutzers ankommt. In diesem Kontext ist die Dunkle Seite der Macht nicht einmal mehr eine Perversion, sondern schlicht nicht existent, der Machtnutzer ist praktisch das Maß aller Dinge. Im EU gibt es das Potentium, eine Gruppierung, die auf diesem Gedanken aufbaut und diese Philosophie weiter ausformuliert. Leider erklärte George Lucas irgendwann aus einer Laune heraus, die dogmatische Sicht der Jedi sei die einzige richtige, weshalb das EU sich in späteren Werken fürchterlich verrenkte, um aus Vergere eine Sith zu machen. Ich persönlich finde es viel spannender, diesbezüglich keine endgültige Antwort zu bekommen.

Der Potentium-Lehre gegenüber steht der tatsächliche Dualismus des frühen Jedi-Ordens. In der Comicserie „Dawn of the Jedi“ von John Ostrander und dem zugehörigen, gleichnamigen Roman von Tim Lebbon wird der Jedi-Orden vor der Gründung der Republik auf Tython gezeigt. Die Je’daii gleichen ihren Nachfahren in vielen Belangen: Auch sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Gleichgewicht der Macht zu wahren, ihr Verständnis des Gleichgewichts unterscheidet sich allerdings von dem der späteren Jedi. Ihre Heimat hat zwei Monde, einen hellen, Ashla, und einen dunklen, Bogan. Diese Konstellation verwenden sie als Metapher zu Beschreibung der Macht, und exakt diese Namen verwenden sie für die Helle und Dunkle Seite. Für die Je’daii ist die Dunkle Seite nicht per se böse und die Helle nicht per se gut, es geht um die Balance – Ungleichgewicht in beide Richtungen ist schlecht. Im EU hat sich die an Augustinus angelehnte Sichtweise auf die Macht also nach und nach entwickelt, von einem Dualismus hin zur Wahrnehmung der Dunklen Seite als etwas Unnatürliches.

Im EU gibt es sehr viele, sehr interessante Machtphilosophien – sie alle hier zu beschreiben würde den Rahmen des Artikels sprengen. Eine will ich allerdings noch erwähnen: Den Weg des Dunkels. Die Anhänger dieser Philosophie, eine Gruppe namens „Zauberer von Rhand“, glauben an ein übergeordnetes Dunkel, das selbst die Macht und ihre Seiten insignifikant macht. Diese Kraft der Enthropie ist das einzige, was sie letzten Endes als real anerkennen – jegliche Existenz ist nur von kurzer Dauer, einzig Zerstörung und Chaos sind unendlich. Diese übergeordnete Finsternis taucht immer wieder implizit bzw. metaphorisch in den Werken von Matthew Stover auf, primär in „Shatterpoint“, aber auch in „Revenge of the Sith“. In Stovers bis dato letztem SW-Roman, „Luke Skywalker and the Shadows of Mindor“ wird der Weg des Dunkles explizit thematisiert, da der Schurke des Werkes, Cronal, ein Anhänger dieser Philosophie ist.

Dualismus im Kanon
Für die seit der Disney-Übernahme neu etablierte Einheitskontinuität spielt das alles freilich keine wirklich Rolle mehr. Dennoch, bereits seit „The Clone Wars“ (das ich wegen seines Status als einzigem vor 2014 entstandenem Star-Wars-Werk außerhalb der Film, das Teil des neuen Kanons ist, hier besprechen werde) merkt man, dass die kreativen Köpfe versuchen, mit der Macht in eine neue Richtung zu gehen. Ein großer Kritikpunkt an den Prequels war die bereits erwähnte Entmystifizierung der Macht durch die Midi-Chlorianer. In vielerlei Hinsicht versucht „The Clone Wars“, dem entgegenzuwirken. Das wohl prominenteste Beispiel ist der Mortis-Dreiteiler aus der dritten Staffel. Hier landen Anakin, Obi-Wan und Ahsoka auf dem Planeten Mortis, wo sie drei mysteriösen, äußerst mächtigen Wesen begegnen, die Avatare der Macht zu sein scheinen. Es gibt die „Tochter“, die die Helle Seite repräsentiert, den „Sohn“, der für die Dunkle Seite steht und den „Vater“, der für Ausgleich sorgt und zumindest theoretisch vom Außerwählten (also Anakin) eines Tages abgelöst werden soll.

Diese Verkörperungen der Macht deuten nun wieder auf ein stärkeres dualistisches Prinzip hin, in dem Licht und Schatten gleichberechtigt sind und in diesem Kontext sogar von einem übergeordneten Prinzip (wir erinnern uns an die Vereinigende Macht) ausbalanciert werden. Im alten EU wurden diese Verkörperungen im Rahmen der EU-Romanreihe „Fate of the Jedi“ aufgegriffen und sogar erweitert. Vor langer Zeit gab es die „Dienerin“, die zur „Mutter“ und Gefährtin des Vaters wurde. Aber die Mutter war, anders als der Rest der Familie, sterblich, weshalb sie sich die Macht von Mortis zunutze machte, davon allerdings korrumpiert wurde und sich so in Abeloth verwandelte, ein Wesen, das auch den Werken H.P. Lovecrafts entsprungen sein könnte. Abeloth ist als Gegner derartig mächtig, dass Luke Skywalkers Jedi und die Sith (unter Führung Darth Krayts) sich verbünden müssen, um sie zu besiegen. In der neuen Kontinuität wurde die Mortis-Familie dagegen noch nicht weiter aufgegriffen. Ehrlich gesagt bin ich mit der direkten Repräsentation von Machtaspekten auch nicht allzu glücklich, obwohl die Mortis-Trilogie zumindest bezüglich der Umsetzung (visuelle Elemente, Musik, Sprecher etc.) zu den besseren Clone-Wars-Folgen gehört. Star Wars hatte zwar schon immer Fantasy-Elemente, aber die Mortis-Trilogie bringt die Balance für mich zu sehr durcheinander.

In der sechsten Staffel wurden die Mysterien der Macht noch einmal aufgegriffen. In den beiden finalen Folgen der Serie begibt sich Yoda auf eine spirituelle Suche und findet einen Planeten, der als „Wellspring of Life“ bezeichnet wird und von dem die Midi-Chlorianer stammen. Die dort residierenden Machtpriesterinnen scheinen abermals recht direkte Inkarnationen der Macht zu sein, wobei jede dieser Priesterinnen einer bestimmten Emotion zugeordnet ist. Immer wieder ist in diesem Kontext die Rede von der „Kosmischen Macht“, die mehr oder weniger identisch mit der Vereinigenden Macht ist. Hier bemüht sich „The Clone Wars“ auch, noch einmal zu betonen, dass die Midi-Chlorianer-Fixierung der Jedi ein Irrweg ist, der zeigt, wie sehr sie in ihren Strukturen erstarrt sind, da die Macht weit über die Midi-Chlorianer hinausgeht.

In „Star Wars Rebels“, das durchaus als Fortsetzung zu „The Clone Wars“ funktionieren kann, werden diese Konzepte nicht wieder aufgegriffen, aber die Natur der Macht wird durchaus thematisiert – man versucht es zumindest. Während Episode VII vorerst den Dualismus zu zementieren scheint (hier ist zum ersten Mal in einem Film von der Hellen Seite der Macht die Rede), bewegt sich „Rebels“ davon weg. Hauptinstrument ist der mysteriöse Bendu, der zum ersten Mal in der dritten Staffel auftaucht und im Grunde mehr oder weniger die Position der Je’daii vertritt (und nebenbei gleich die EU-Begriffe „Ahsla“ und „Bogan“ in den Kanon zurückbringt), sich aber auch einiger Elemente der Potentium-Lehre bedient. Allerdings bleibt das recht vage und unausgegoren – gerade im Vergleich zu Stovers „Traitor“. Wie es scheint, bewegt sich Episode VIII in eine ähnlich Richtung. Nach dem Trailer, in dem Luke Skywalker aus dem Off verkündet, die Zeit der Jedi müsse enden, wird wild um graues Jeditum spekuliert. Auch hierbei handelt es sich zumindest dem Namen nach um ein Konzept aus dem EU, das jedoch häufig missverstanden wird. Ein grauer Jedi ist ein Jedi, der zwar die ideale Jedi hochhält, aber mit den Strukturen und Dogmen des Jedi-Ordens nicht einverstanden ist. Qui-Gon Jinn wurde beispielsweise von einigen seiner orthodoxeren Ordensbrüder fast schon als grauer Jedi wahrgenommen. Da Episode VIII nun ohnehin in dieser Woche startet, spare ich mir an dieser Stelle jegliche Spekulationen und bespreche stattdessen lieber den Film, wenn ich ihn gesehen habe. Wer weiß, vielleicht taucht der eine oder andere Gedanke dieses Artikels in Rian Johnsons Film auf.

Blogparade: Jesus 2.0 – Die sieben besten Erlöser

Spoiler zu „Game of Thrones Staffel 5“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“

Die singende Lehrerin hat mal wieder zu einer interessanten Blogparade aufgerufen, dieses Mal passend zu Ostern mit dem Thema „messianische Erlöserfigur“. Auserwählte, die sich selbst opfern und mit ihrem Tod die Welt retten, gibt es für meinen Geschmack in der Populärkultur leider viel zu viele. Natürlich ist klar, weshalb: Die Passion Christi (ich meine nicht den Mel-Gibson-Film) ist nun mal eine der grundlegenden Geschichten der christlich geprägten Welt, und auch in anderen Erdteilen ist dieses Konzept alles andere als unbekannt. In der Zwischenzeit gibt es so viele Versionen des Pseudo-Jesus, dass das Konzept einfach nicht mehr interessant ist, besonders, weil kaum jemand es schafft, dem Ganzen eine neue Facette abzugewinnen. Wie dem auch sei, hier sind meine sieben Jesus-Verschnitte, die Reihenfolge ist willkürlich.

Anakin Skywalker („Star Wars“)
Die von Joseph Campbell dargestellte Heldenreisethematik und das Erlöserkonzept gehen oft Hand in Hand – nur allzu oft ist der arme Bauernjunge, der unverhofft zum Helden wird, auch gleich von Gott oder einer anderen höheren Macht auserwählt, die Welt zu retten oder, wie in diesem Fall, der Macht das Gleichgewicht zu bringen. Luke Skywalker würde sich im Kontext dieser Blogparade vielleicht auch anbieten, aber der eigentliche Auserwählte ist Anakin. Während die Jesus-Parallelen bei Luke eher subtil sind, hat sich George Lucas bei Anakin kaum zurückgehalten. Er ist der Auserwählte, dessen Ankunft vor tausenden von Jahren prophezeit wurde, das Resultat einer unbefleckten Empfängnis und am Ende opferte er sich schließlich, um das Böse endgültig in seine Schranken zu weisen. Gut, Jesus hat sich nie temporär mit Satan verbündet, Kinder abgeschlachtet und für eine brutale Diktatur Armeen in die Schlacht geführt, aber von diesen kleinen Details einmal abgesehen sind die Parallelen wirklich überdeutlich.

Frodo/Gandalf („Der Herr der Ringe“)
Professor Tolkien war überzeugter Katholik und das zeigt sich auch im „Herrn der Ringe“, wenn man zwischen den Zeilen liest. Allerdings hatte er auch eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Allegorien, weshalb sich zwar bei einigen Figuren seines Werkes gewisse Parallelen zu Jesus finden, aber keine wirklich als „Christus von Mittelerde“ gelten kann (anders als bei gewissen anderen Fantasy-Autoren). Frodo ist natürlich das offensichtlichste Beispiel, er durchlebt einen Leidensweg, um Mittelerde zu retten. Allerdings ist er keine wirklich messianische Figur, seine Ankunft wurde nicht prophezeit, er ist höchstens ein impliziter Auserwählter, primär gelangt er an den Ring durch Zufall (sofern wir hier nicht von einem göttlichen Plan ausgehen), behält ihn auch nur, weil es für die Freien Völker so am sichersten und stirbt auch keinen Opfertod inklusive Auferstehung, um die Welt zu erlösen. Sein Ende erinnert viel eher an das von König Artus, der auf Avalon Ruhe findet, um seine tiefen Wunden heilen zu lassen. Gandalf ist derjenige, der einen Opfertod stirbt, damit die Gefährten fliehen können, und dann wieder zurückkehrt, um seine Aufgabe zu vollenden. Diese Aufgabe ist im Vergleich zu Frodos allerdings sekundär, im Grunde verhindert nur Kollateralschäden und sorgt für Ablenkung. Bis auf Opfertod und Auferstehung hat Gandalf viel mehr mit dem nordischen Gott Odin oder dem finnischen Zauberer Vainämöinen gemein als mit Jesus.

Aslan („Die Chroniken von Narnia“)
C.S. Lewis war ein Zeitgenosse und Freund Tolkiens und nach seiner Konvertierung ebenso überzeugter Christ, wenn auch anglikanisch und nicht katholisch. Mit seiner siebenbändigen Narnia-Reihe hat er ebenfalls einen Klassiker der Fantasy-Literatur verfasst, anders als Tolkien arbeitet Lewis bezüglich der christlichen Inhalte aber mit dem Holzhammer. Aslan besitzt nicht nur Eigenschaften von Jesus, Aslan IST Jesus – C.S. Lewis hat selbst einmal erklärt, er habe sich überlegt, welche Gestalt Jesus wohl in einer anderen Welt, in diesem Fall Narnia, annehmen würde. Zwar mag er ein Löwe sein, aber ansonsten passt alles: Aslan ist der Sohn des Kaisers jenseits des Meeres (wer damit wohl gemeint sein könnte?) und in „Der König von Narnia“ opfert er sich, geht als Lamm zur Schlachtbank, wird gequält, hingerichtet, steht wieder auf und beißt der Weißen Hexe den Kopf ab. Alles vollkommen biblisch.

Harry Potter („Harry Potter“)
Und nochmal ein Auserwählter, der den Opfertod stirbt. Um ehrlich zu sein: Harry Potters Selbstopfer gehört zu den Aspekten, die mir „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ kräftig vermiest haben. Nicht nur ist diese Wendung, wie bereits erwähnt, in meinen Augen ziemlich ausgelutscht, Aufbau und Hinführung sind auch noch so fürchterlich schlecht konstruiert und uninspiriert (Stichwort Elderstab). Damit Jesus-Harry sich am Ende nicht selbst die Hände schmutzig macht, muss Voldemort von seinem eigenen Zauber getötet werden – schon wieder. Ich bin da immer noch traumatisiert.

Neo („Matrix“)
Selbst in einer von Maschinen beherrschten Welt, in der Gott eigentlich keine Rolle spielt (zumindest oberflächlich betrachtet), ist man vor einem Pseudo-Jesus nicht sicher. Die ganze Angelegenheit ist äußerst konfus, maschineninhärent und Wiedergeburt spielt offenbar auch eine Rolle, weil Neo der sechste Auserwählte ist und im Grunde nur als Systemneustart der Matrix funktionieren soll. Neo durchbricht jedoch den Kreislauf und, wie könnte es anders sein, opfert sein Leben, um die Menschheit zu retten. Er wird nicht ans Kreuz genagelt, sondern prügelt sich zu apokalyptisch-grandioser Musik mit Agent Smith und darf auch nicht wiederkommen (immerhin da sind die Wachowskis konsequent, jedenfalls bis Warner beschließt, dass ein weiteres Matrix-Sequel her muss), aber es ist trotzdem eine Holzhammer-Allegorie.

Superman („Superman“)
Eine weitere Figur mit mehr Jesus-Parallelen, als ihr gut tun. Das fängt schon beim kryptonischen Namen an: Kal-EL (hochsubtil). Für Supermans Ursprungsgeschichte haben seine Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster praktisch die Erzählungen von Moses und Jesus miteinander verknüpft und in ein Science-Fiction-Setting verfrachtet. In den Comics (zumindest den meisten) hat man sich inzwischen dankenswerterweise von der Jesus-Symbolik ein wenig distanziert, aber die diversen Filme tragen diesbezüglich noch einmal richtig dick auf. In Richard Donners „Superman“ von 1978 sagt Jor-El doch tatsächlich: „Live as one of them, Kal-El, to discover where your strength and your power are needed. But always hold in your heart the pride of your special heritage. They can be a great people, Kal-El, they wish to be. They only lack the light to show the way. For this reason above all, their capacity for good, I have sent them you… my only son.” Während das schon ziemlich plakativ ist, hat Zack Snyder aber wirklich den Vogel abgeschossen: „Man of Steel“ quillt nur so über vor Jesus-Symbolik. Superman hatte eine spezielle Geburt (das erste kryptonische Kind seit langer Zeit, das natürlich geboren wurde), ist in diesem Film 33 und wird ständig im Kontext christlicher Bildsprache gezeigt, als Kreuz, in der Kirchenszene sieht man seinen Kopf neben einer Abbildung Christi als Gleichgestellte etc. Damit auch wirklich der Letzte kapiert, was hier ausgedrückt werden soll. Und in „Batman v Superma: Dawn of Justice“ geht’s genau so weiter, Lex Luthor spricht ständig in religiösen Metaphern, der Kryptonitspeer erinnert an einen gewissen anderen Speer und dann ist da natürlich Supermans Opfertod samt angedeuteter Auferstehung. Als ob das noch nicht genug wäre, kam der Film auch noch in der Karwoche in die Kinos. Wirklich?

Azor Ahai („A Song of Ice and Fire“)
Der wahrscheinlich interessanteste Eintrag auf dieser Liste stammt aus Geore R.R. Martins nach wie vor unvollendeter Fantasy-Reihe (wo bleibt „The Winds of Winter“?). Azor Ahai ist ein legendärer Held, der viele tausend Jahre vor der eigentlichen Handlung der Romane gegen finstere Mächte kämpfte und seither als Messias-Figur für den Glauben der Roten Priester fungiert. Die Anhänger des Feuergottes R’hllor glauben, Azor Ahai würde eines Tages wiederkehren, um die Finsternis endgültig zu besiegen. Melisandre, die mit Abstand prominenteste Vertreterin dieser Religion in den Romanen, vermischt die Prophezeiung von Azor Ahais Wiederkehr mit einer anderen Weissagung bezüglich des „prince that was promised“, der zwischen Fels und Salz geboren und dessen Ankunft von einem roten Kometen begleitet wird. Melisandre selbst glaubt, Stannis Baratheon sei besagter Prinz und damit auch der wiedergeborene Azor Ahai. Es gibt jedoch diverse andere Kandidaten, nicht zuletzt Daenerys Targaryen oder Jon Snow. Da Letzterer am Ende von „A Dance with Dragons“ das zeitliche gesegnet hat, könnte er sogar wieder auferstehen, was ihn noch messianischer machen würde. Aber so wie ich George R.R. Martin kenne, wird die Antwort sicher nicht simpel sein und einen besonderen Twist haben.

Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Meinung

Enthält die volle Ladung Spoiler!
tfa
2015 ist vorbei, 2016 hat begonnen. Wie man am Mangel an Beiträgen vielleicht bemerkt hat, war ich letzte Woche fast nicht zuhause, zum Ausgleich folgt nun allerdings meine ausführliche Besprechung von „Das Erwachen der Macht“. Inzwischen habe ich Episode VII ein zweites Mal gesehen (im O-Ton, aus Termingründen aber leider nochmal in 3D) und hatte noch mehr Gelegenheit, über diesen Film zu sinnieren. Das Ergebnis meiner Gedankengänge ist diese Monstrosität von einer Rezension.

Der Status Quo
Beschäftigen wir uns zuerst einmal mit der Frage, wie es überhaupt in der weit, weit entfernten Galaxis aussieht und was wir über die dreißig Jahre, die seit „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ vergangen sind, wissen – was momentan nicht allzu viel ist. Einige Dinge werden in Romanen wie „Aftermath“ und „Verlorene Welten“ oder Comics wie „Imperium in Trümmern“ erläutert: Nach der Schlacht um Endor versinkt das Imperium im Chaos, während sich die Allianz zur Neuen Republik umformiert, ganz ähnlich wie im alten EU. Die Kämpfe mit dem Imperium gehen noch etwa ein Jahr weiter, da es vor allem im Kern noch eine ziemlich starke Präsenz besitzt. Die letzte große Schlacht zwischen Imperium und Republik findet auf bzw. bei Jakku statt (was auch der Grund ist, weshalb sich überall Wracks auf der Planetenoberfläche befinden). Dem folgt ein Friedensvertrag zwischen beiden Parteien, der eine Demilitarisierung des Restimperiums und auch der Republik beinhaltet. Ab diesem Zeitpunkt wird es dann unklar, ob das Restimperium ein eigenes Staatsgebilde bleibt oder letztendlich in die Neue Republik eingegliedert wird – ich persönlich halte Letzteres für wahrscheinlicher, da in „Das Erwachen der Macht“ von einem wie auch immer gearteten Restimperium keine Rede mehr ist.

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Die Truppen der Ersten Ordnung

Einige Hardliner und Fanatiker des Imperiums sind mit der Situation jedenfalls absolut nicht zufrieden, ziehen sich mit restlichen Truppen und Flottenbestandteilen in die Unbekannten Regionen der Galaxis zurück und formieren sich zur Ersten Ordnung, die die Ideale des Galaktischen Imperiums aufrechterhalten soll. In „Das Erwachen der Macht“ sieht die Situation dann offenbar wie folgt aus: Die Neue Republik kontrolliert den Großteil der Galaxis, die Erste Ordnung hat ihr, wohl relativ kleines, Gebiet in den Unbekannten Regionen und/oder dem Äußeren Rand. Zwischen Republik und Erster Ordnung herrscht eine Art Kalter Krieg, wobei die Erste Ordnung letztendlich die Republik vernichten möchte, während die meisten republikanischen Politiker die Erste Ordnung entweder nicht als Bedrohung ansehen oder einfach nicht wahrhaben möchten, dass sie eine Gefahr darstellen könnte. Und dann gibt es noch einige Veteranen des Galaktischen Bürgerkriegs wie Leia Organa oder Admiral Ackbar, die nicht gewillt sind, imperiales Gedankengut zurückkehren zu lassen und deshalb den Widerstand gründen. Dieser inoffizielle militärische Arm der Neuen Republik soll die Erste Ordnung in deren eigenem Gebiet bekämpfen.

So weit, so gut. Leider ist „Das Erwachen der Macht“ gerade in dieser Hinsicht recht expositionsarm, und im Grunde läuft es in der Praxis auf eine ähnliche Situation hinaus wie in „Eine neue Hoffnung“: Übermächtige Diktatur auf der einen Seite, unterlegene Widerstandskämpfer auf der anderen. Ich bin mir relativ sicher, dass das auch die Grundidee dahinter war: Abrams und Kasdan wollten dadurch mit Sicherheit eine ähnliche Stimmung schaffen wie in der OT. Hätte die Erste Ordnung oder ein ähnliches „Ersatzimperium“ allerdings die gesamte Galaxis beherrscht, wäre der Sieg der Helden in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ jedoch fast völlig unbedeutend gewesen, darum musste die Neue Republik die Galaxis kontrollieren und die Erste Ordnung durfte nur über ein verhältnismäßig kleines Gebiet herrschen. De facto macht das für den Film selbst letztendlich aber keinen Unterschied. Insgesamt bin ich diesbezüglich schon etwas enttäuscht, auch wenn ich weiß und verstehe, weshalb sich die Verantwortlichen dazu entschieden, die politische Lage in der Galaxis so zu konzipieren, schließlich war eines der Elemente, das viele an den Prequels kritisierten, der politische Aspekt. Deshalb entschied man sich bei Disney wohl, derartiges auf das absolute Minimum zu reduzieren, was in meinen Augen aber dann doch der leichte Ausweg ist. Das Problem bei den Prequels liegt nicht daran, dass eine politische Ebene vorhanden ist, sondern dass sie uninteressant und unzureichend vermittelt wird. Wie man Politik im Star-Wars-Universum ansprechend vermittelt, zeigen EU-Werke wie „Schleier der Täuschung“ oder „Darth Plagueis“.

Schauplätze
Schon in der OT hatte George Lucas einige interessante Konzepte für Planeten. So sollte das Finale von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ ursprünglich auf der imperialen Hauptstadtwelt (damals noch Had Abbadon) stattfinden. Es stellte sich aber bald heraus, dass deren Konzeption für den Film viel zu aufwendig war. Letztendlich sind die Planeten der OT alle ein bestimmter irdischer Landschaftstyp (Wüste, Wald, Eiswüste, Sumpf), der sich über einen ganzen Planeten erstreckt. Erst mit den Prequels konnte Lucas sich von irdischen Landschaften stärker distanzieren. Noch immer besitzen fast alle Planeten ausschließlich eine Klimazone (oder wirken zumindest so), aber immerhin sind Planeten wie Corsucant, Felucia, Kamino oder Geonosis doch allein optisch um einiges interessanter als Hoth oder Endor.

Star Wars: The Force Awakens..Ph: Film Frame..?Lucasfilm 2015
Jakku = Tatooine minus Sonne und plus Wracks

Auch diesbezüglich orientierte man sich bei Disney an der OT, gerade hier finde ich das allerdings eher unvorteilhaft. Um es ganz klar zu sagen: Ich finde die Planeten von „Das Erwachen der Macht“ langweilig und unkreativ. Jakku sieht fast genau gleich aus wie Tatooine (minus eine Sonne), Takodana (dort liegt Maz Kanatas Unterschlupf) und D’Qar (der Stützpunkt des Widerstands) sind relativ uninteressante, sich gleichende Waldwelten und auf dem Starkiller-Planeten gibt es noch mehr Wald – nur eben im Schnee. Die Liebe zur OT in allen Ehren, aber gerade in diesem Bereich wäre ein wenig Prequel-Einfluss nicht verkehrt gewesen. Tatooine und Geonosis sind beispielsweise beides Wüsentwelten, aber man kann sie sofort voneinander unterscheiden. Ich persönlich hoffe, dass wir in Episode VIII und IX auch ein paar exotischere und unirdischere Planeten zu sehen bekommen. Und Coruscant, das als Zentrum der Galaxis definitiv noch eine Rolle spielen sollte.

Best of OT: Plot vs. Charaktere?
Egal, ob die Meinung zu „Das Erwachen der Macht“ nun positiv oder negativ ausfällt, der Hauptkritikpunkt der meisten Rezensionen sind die überdeutlichen Parallelen zu Episode IV und, in geringerem Maße, zu Episode V und VI – wobei man sagen muss, dass einige diese Parallelen nicht stören oder sie sie sogar begrüßen. Nach Verfolgung der Berichterstattung im Vorfeld des Films und dank Jahre der Erfahrung im Franchise hatte ich auch erwartet, dass es Parallelen zu den bisherigen Filmen gibt, wenn auch vielleicht nicht ganz in diesem Ausmaß. Fakt ist: Star Wars hat schon immer bei sich selbst abgeschrieben. Es gibt ganze Abhandlungen über Star Wars und die Ring-Theorie (hier ein Beispiel), die sich mit der zyklischen Wiederholung der Ereignisse beschäftigt. Schon Episode VI hatte im Grunde denselben Plot wie Episode IV, Episode I war dann auch wiederrum eine sehr freie Variation derselben Thematik, und Episode VII reiht sich ebenfalls ein, als nicht ganz so freie Variation. Betrachtet man „Das Erwachen der Macht“ zynisch, könnte man es durchaus als „Best of OT“ bezeichnen. Wir haben denselben Grundplot wie in Episode IV, Beginn der Heldenreise auf einem Wüstenplaneten, einen maskierten Schurken in Schwarz, Auftritt und Tod des Mentors und eine planetenzerstörende Superwaffe, die im Finale zerstört werden muss. Hinzu kommen diverse Elemente der Episoden V und VI: Maz Kanatas Etablissement weckt Erinnerungen an die Cantina und Jabbas Palast, Maz Kanata selbst hat etwas von Yoda, Snoke, der Kylo Ren kontrolliert, erinnert an den Imperator, es gibt familiäre Beziehungen zwischen Helden und Schurken, der Angriff auf Starkiller Base erinnert an die Schlachten um Yavin und Endor etc. Hinzu kommen die ganzen Anspielungen, mal liebevoll, mal ironisch, die in ihrer Gesamtheit allerdings etwas zu zahlreich sind.

In Bezug auf die Frage nach dem Grundplot der Trilogien ist es freilich noch relativ schwierig, die Sequel-Trilogie mit den anderen beiden zu vergleichen, da wir erst ein Drittel des Gesamtbildes kennen und sich das Wissen um die jeweiligen Fortsetzungen auch auf unsere Wahrnehmung der beiden anderen Startteile („Die dunkle Bedrohung“ und „Eine neue Hoffnung“) auswirkt: Wir wissen automatisch, wo die Reise hingeht. Insgesamt würde ich sagen, dass die Prequels den interessanteren und komplexeren Grundplot haben: Der Untergang einer Demokratie, der Aufstieg einer Diktatur, der Fall eines Helden. Der Grundplot der OT dagegen ist die typische Gut-gegen-Böse-Geschichte: Gute Widerstandskämpfer lehnen sich gegen böse Diktatur auf – vor allem in Episode IV sind die Fronten ganz klar getrennt, erst am Ende von Episode V werden sie durch Vaders Enthüllung etwas durchlässiger.

Was die beiden Trilogien, und auch ihre Wahrnehmung durch das Publikum und die Fans, letztendlich vor allem unterscheidet, ist die Umsetzung des Plots und nicht der Plot an sich. Im Fandom bin ich ja durchaus eher ein Verteidiger der Prequels, aber auch ich bin der Meinung, dass die Episoden I bis III bezüglich der Umsetzung einige massive Probleme haben, besonders was Exposition und Figurenzeichnung angeht. Letztere ist oft schlecht nachvollziehbar und sorgt dafür, dass keine Sympathie zu den Figuren aufkommt, Erstere findet selten das richtige Maß; entweder zu viel und zu dröge, oder zu lückenhaft und unvollständig.

Episode VII ist für mich das extreme Gegenbeispiel zur Umsetzung der Prequels: Im Plot gibt es kaum Unterschiede zu Episode IV, stattdessen orientieren sich J. J. Abrams, Lawrence Kasdan und Disney gerade in dieser Hinsicht an der Stärke der OT: Die Umsetzung. Im Zentrum des Ganzen stehen, noch weitaus stärker als in der OT, die Figuren und ihre Beziehung zueinander. In dieser Hinsicht erinnert mich „Das Erwachen der Macht“ recht stark an die Filme des Marvel Cinematic Universe, die ähnliche Charakteristika besitzen: Einen simplen, sich zum Teil stark wiederholenden Plot, aber starke (und mit stark meine ich nicht per se tiefgründige) Charaktere. Die Figuren und nicht der Plot tragen den Film, die Umsetzung der Handlung und die Art und Weise, wie die Figuren damit umgehen, hat größeres Gewicht als die Handlung selbst. Und genau hier liegt auch die Stärke von „Das Erwachen der Macht“. Das bedeutet natürlich nicht, dass man die Handlung deshalb nicht trotzdem ausgiebig dafür kritisieren kann, wie sie ist, man sollte sich dabei nur im Klaren sein, wo der Fokus des Films liegt.

Insgesamt ist „Das Erwachen der Macht“ als Balanceakt zu sehen. Disney hat für Lucasfilm vier Milliarden Dollar bezahlt und möchte da nun so viel herausholen wie möglich. Somit hat Episode VII vor allem zwei Ziele: Alte Fans an Bord holen und neue gewinnen. Der Weg, den Disney letztendlich beschritten hat, ist der naheliegendste, aber auch der unkreativste, denn „Das Erwachen der Macht“ geht kaum Risiken ein und spielt sicher. Im Gegensatz dazu ging Episode I viele (vielleicht sogar zu viele) Risiken ein und ist damit auf die Nase gefallen. Für die kommenden Star-Wars-Filme wäre ein Mittelweg nicht schlecht. Angesichts der allgemeinen Reaktion auf den Film und vor allem der diversen Einnahmerekorde scheint der Plan aber zu funktionieren, ein neues Publikum wird gewonnen und viele der alten Fans, besonders unter denen, die die Prequels nicht ausstehen können, fühlen sich von Episode VII angesprochen.

J. J. vs. George
Eigentlich ist die Überschrift gegenüber Irvin Kershner und Richard Marquand, den Regisseuren von „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, nicht ganz fair, aber Fakt ist nun einmal: Auch bei diesen beiden Filmen war George Lucas letztendlich als Produzent, Drehbuchautor und kreativer Schöpfer beteiligt, weshalb beide Filme schon von einem gewissen Standpunkt aus seinem Konto zuzurechnen sind. Wenn ich die beiden Regisseure der Überschrift mit jeweils einem Wort beschreiben müsste, wäre das „Visionär“ für George Lucas und „Handwerker“ für J. J. Abrams. Das sagt allerdings nicht wirklich etwas über die Qualität der Filme aus. Bei Star Wars hat George Lucas entweder einen enormen Beitrag zum Film als Medium geleistet (zum Teil fast unfreiwillig und aus der Not heraus), oder er hat versucht das Medium Film weiterzuentwickeln und ist daran gescheitert, bzw. die Ambition hat dem Film geschadet (siehe Prequels). Im Gegensatz dazu wird „Das Erwachen der Macht“ die Filmlandschaft wohl nicht nachhaltig verändern, wie Episode IV das getan hat, Abrams hat aber auch nicht diesen Anspruch. Seine Stärke liegt insgesamt eher bei der Umsetzung. Was Episode VII beispielsweise völlig fehlt, ist das World Building, das George Lucas in allen sechs vorangegangenen Episoden ausgiebig betrieben hat, das eindeutig zu den Stärken der Prequels gehörte und das EU für mich so reizvoll gemacht hat, weil es immer Elemente gab, die vielleicht nur ganz kurz angerissen wurden, über die ich aber sofort mehr wissen wollte.

jedipocalypse now
Ich liebe den Geruch von Blasterfeuer am Morgen

Dafür ist das Handwerkliche, als die reine Umsetzung, in meinen Augen gelinde gesagt ziemlich grandios. Gerade in seinem Regiestil, der Filmoptik etc. hat sich J. J. Abrams George Lucas ein wenig angenähert, ohne seine eigenen Identität aufzugeben – zu dieser Annäherung gehört zum Beispiel auch der Verzicht auf den übermäßigen Einsatz von Lense Flares oder der Wackelkamera. Gerade optisch ist „Das Erwachen der Macht“ fast durchgehend beeindruckend und vielleicht sogar der bestaussehndste Star-Wars-Film. Bildkomposition und Bildsprache sind wirklich grandios, man denke nur an die Apocalypse-Now-Gedächtnis-Einstellung oder die Art und Weise, wie Abrams Rey kongenial über ihre wenigen Besitztümer charakterisiert – und das sind nur zwei Beispiele. Gleiches gilt für die sehr gelungene Kombination von praktischen Effekten und CGI; einzig Snoke fand ich nicht besonders überzeugend. Und so sehr ich mich auch über die unkreativen Schauplätze beschwert habe, so gut sind sie dann doch letztendlich in Szene gesetzt. Lediglich die Musik spielt eine weniger dominante Rolle als in den sechs alten Star-Wars-Filmen. Das bedeutet nicht, dass John Williams‘ Score hier schlecht wäre oder dass Abrams‘ ihn unvorteilhaft einsetzen würde, im Gegenteil. Die Musik trägt den Film nur nicht so sehr, wie es bei den anderen Episoden der Fall ist, und sie sticht auch nicht so sehr hervor. Angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um Star Wars, eines DER Filmmusikfranchises handelt, ist das ein wenig schade, allerdings wird Williams‘ Score tatsächlich mit jedem Anhören immer besser. Dafür funktioniert der Humor des Films wunderbar, zwar ist er manchmal ein wenig überdreht und typisch für das 21. Jahrhundert, aber dafür auch tatsächlich witzig. Und ja, ich mag BB8.

Der wohl stärkste Aspekt des Films ist allerdings der phänomenale Cast. Schon in seinen beiden Star-Trek-Filmen hat J. J. Abrams bewiesen, dass er ein exzellentes Händchen dafür hat, Schauspieler zusammenzubringen, die wunderbar miteinander harmonieren, und in „Das Erwachen der Macht“ hat er sich diesbezüglich noch einmal selbst übertroffen – dies ist auch einer der Gründe, weshalb Epsiode VII trotz ihrer diversen Schwächen für mich funktioniert: Figuren und Darsteller tragen den Film, weshalb ich mich ihnen in diesem Artikel auch noch ausführlich widmen werde. Zuerst kommen wir allerdings zum größten Einzelkritikpunkt des Films.

Starkiller Base
Wenn ich in „Das Erwachen der Macht“ nur ein einziges Element ändern dürfte, dann würde ich die Starkiller Base als Superwaffe aus dem Film streichen, und zwar komplett und ersatzlos. Ich habe in meinem Artikel „Star Wars Expanded Universe: The Very Worst Of“ ausgiebig erläutert, warum ich in Star Wars keine Superwaffen mehr sehen möchte: Das Konzept ist ausgelutscht und nach zwei Todessternen und einem Dutzend EU-Superwaffen einfach nicht mehr interessant. Und dann kommt noch hinzu, dass die Starkiller Base insgesamt fürchterlich unlogisch konstruiert ist und im Plot im Grunde keine Rolle spielt. Der Film selbst ist sich der Tatsache sogar bewusst, dass Starkiller Base eigentlich der dritte Todesstern ist und verweist sogar auf relativ selbstironische Weise darauf hin – aber das macht es leider nicht besser.

starkiller
Starkiller Base: Wie der Todesstern, nur größer

Die Unlogik beginnt bereits bei der bloßen Existenz: Als das Imperium seinerzeit die Todessterne bauen ließ, herrschte es fast über die gesamte Galaxis und hatte Ressourcen ohne Ende zur Verfügung. Auf die Erste Ordnung trifft das nicht zu, Zusatzinformationen aus dem Roman zum Film zufolge hat die Neue Republik die Erste Ordnung sogar mit einem Handelsembargo belegt – wenn die Erste Ordnung also die Unmengen an Material kaufen und hin und her transportieren würde, müsste das doch irgendjemandem auffallen.

Dann wäre da noch die eigentliche Konzeption der Superwaffe. Der Name „Starkiller“ ist eine nette Anspielung an frühe Star-Wars-Drehbuchentwürfe (er tauchte auch schon im alten EU als Spitzname von Vaders geheimem Schüler in „The Force Unleashed“ auf) und tatsächlich wörtlich zu nehmen, da die Starkiller Base der naheliegenden Sonne Energie abzapft und sie für ihre Geschosse verwendet, die durch den Hyperraum geschickt werden und so selbst weit entfernte Systeme zerstören. Die Frage ist nur: Was passiert, wenn die Sonne aufgebraucht ist? Der Film impliziert, dass die Sonne des Starkiller-Planeten für zwei Schüsse reicht; man sieht ja, dass sie völlig erlischt. Laut Wookieepedia bzw. einem Tweet von Pablo Hidalgo, einem Mitglied der Lucasfilm Storygroup, ist die Starkiller Base mobil und kann sich durch den Hyperraum bewegen – das wäre allerdings eine Information die unbedingt IN den Film gehört hätte, da es sonst ein massives Logikloch gibt und die Starkiller Base nach zwei Einsätzen nutzlos und unbewohnbar wäre.

Wie dem auch sei, am schlimmsten wiegt jedoch, dass diese Superwaffe, wie bereits gesagt, im Grunde überflüssig ist. Bemühen wir im Vergleich dazu einmal „Eine neue Hoffnung“: Dort ist der Todesstern tatsächlich ein plotrelevantes Element. Er spielt von Anfang an eine wichtige Rolle, das MacGuffin des Films sind die Todessternpläne, die sich in R2D2 befinden, das endgültige Ziel ist es, den Todesstern zu zerstören, weshalb sich das Finale auch ausschließlich mit dem Angriff der Rebellen auf die Superwaffe beschäftigt – Episode IV ohne Todesstern funktioniert nicht. In Episode VII dagegen könnte man Starkiller Base einfach rausstreichen, ohne allzu viel ändern zu müssen. Das liegt daran, dass der Fokus von „Das Erwachen der Macht“ viel stärker auf den Charakteren und ihrer Beziehung zueinander liegt, das eigentliche emotionale Finale findet zwischen Rey und Kylo Ren statt, Starkiller Base wird mehr so nebenbei zerstört, und das auch noch in einer Art und Weise, die wirklich plakativ aus Episode IV und VI übernommen ist, inklusive des Kriegsrats.

Lanever
Lanever Villecham, Appeasement-Kanzler der Neuen Republik

Schließlich wäre da noch die Zerstörung von Hosnian Prime. Wie auch den Todesstern sieht man Starkiller Base einmal in Aktion. Aber auch hier hat das im Grunde für den Film keine Bedeutung. Während in Episode IV der Heimatplanet einer der Hauptfiguren zerstört wurde, hat man als Zuschauer zu Hosnian Prime keinerlei Bindung. Tatsächlich kann es leicht passieren, dass man die Namensnennung des Planeten im Film verpasst. Ich dachte sogar zuerst, es sei Coruscant, das hier zerstört wird. Die Wirkung sollte dann letztendlich eine ähnliche sein, auch hier muss man allerdings Hintergrundmaterial zu Rate ziehen: Der Senat der Neuen Republik wechselt mit jeder Legislaturperiode den Standort, auf Hosnian Prime befindet er sich während der Handlung von „Das Erwachen der Macht“. Das haarige Alien, das man kurz am linken Rand in der Zerstörungsszene sieht, ist Lanever Villecham, der Kanzler der Neuen Republik. Bei seinem Namen handelt es sich um ein Teilanagramm von Neville Chamberlaine – ganz offensichtlich verfolgte er eine ähnliche (und ähnlich nutzlose) Appeasement-Politik wie besagter britischer Premier. Auch hier: Das sind Informationen, die IM Film erwähnt werden müssen, da sie für die Episoden VIII und IX noch von großer Bedeutung sein könnten. So, wie es ist, und mit Blick ausschließlich auf Episode VII, ist Starkiller Base im Grunde nur eine überflüssige Parallele zu Episode IV. Hätten Finn, Han und Chewie Rey aus einer gewöhnlichen Basis der Ersten Ordnung gerettet, hätte sich kaum etwas geändert, und auch für den Angriff des Widerstandes hätte man die Zerstörung von Hosnian Prime nicht gebraucht – der Widerstand bekämpft die Erste Ordnung ja sowieso, es hätte also ausgereicht, hätte Finn Leia einfach die Koordinaten des Hauptquartiers mitgeteilt. Abrams und Kasdan hätten eine interessante Variation schaffen können, wenn es dem Widerstand nicht gelungen wäre, Starkiller Base zu zerstören, aber da das Ende ohnehin schon eher bittersüß ist, wollten sie dem Widerstand wohl doch einen Sieg zugestehen – was auch wieder kein Problem gewesen wäre, hätte er es lediglich geschafft, den Hauptstützpunkt der Ersten Ordnung zu zerstören. Die Zerstörung hat dennoch auch eine positive Seite: Starkiller Base ist weg und ich hoffe, dass die Erste Ordnung in den Episode VIII und IX keine weiteren Superwaffen aus dem Ärmel schüttelt.

Snoke, die Ritter von Ren und die Erste Ordnung
Welche Rolle die Erste Ordnung im Film spielt, wurde ja oben bereits abgehandelt, hier konzentriere ich mich stärker auf die einzelnen Figuren, die in dieser Organisation wichtig sind, mit Ausnahme von Kylo Ren, der weiter unten separat abgehandelt wird. Primär bleibt zu sagen: Die Schurken des Films (abermals, mit Ausnahme von Kylo Ren) bleiben bislang äußerst blass. Die Idee, mit der von Gwendoline Christie gespielten Captain Phasma eine Anführerin der Sturmtruppen zu etablieren, finde ich grandios, nur leider hat die gute Frau im Film kaum etwas zu tun, weil wir sie nicht in Aktion sehen. Ich hoffe, Episode VIII schafft diesbezüglich Abhilfe. Ganz ähnlich ist es mit Hux, der leider abseits seiner Adolf-Rhetorik kaum Charakter zeigt. Apropos: Die Neue Ordnung bedient sich der Nazi-Symbolik in noch stärkerem Ausmaß als das alte Imperium, die Farben schwarz, weiß und rot sind noch dominanter und gerade die Szene, in der Hux vor versammelter Mannschaft seine Rede hält, quillt geradezu über vor Reichsparteitagoptik.

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Die Ritter von Ren im Regen

Das Problem bei der ganzen Sache ist, wie ich bereits schilderte, dass wir kaum etwas über die Erste Ordnung erfahren: Wie groß ist ihr Machtbereich, ist sie nur eine Militärjunta, die an der Neuen Republik nagt oder betreibt sie tatsächlich Verwaltungsarbeit und regiert Planeten? Es wäre schön, wenn sie in den kommenden Filmen etwas differenzierter dargestellt würde, da Hux nun einmal ein ziemlich typischer Klischee-Nazi ist. Gerade diesbezüglich wäre ein wenig Einfluss aus dem alten EU nicht schlecht, Figuren wie Gilad Palleon oder Großadmiral Thrawn würden die Erste Ordnung weitaus interessanter machen.

Noch undurchsichtiger als das Nachfolgeimperium sind Snoke und die Ritter von Ren. Was es mit Letzteren auf sich hat, bleibt im Film fast völlig unklar. Wir wissen, dass Kylo Ren ihr Meister ist (Snoke nennt ihn „Master of the Knights of Ren“), und in Reys Vision sehen wir kurz, links und rechts neben Kylo, sechs weitere maskierte Gestalten, bei denen es sich tatsächlich um die anderen Ritter handelt. Ansonsten gibt es Fragen über Fragen: Sind alle Ritter von Ren machtsensitiv? Wie lange existiert dieser Orden schon, entstand er erst nach der Zerstörung des zweiten Todesstern oder gibt es ihn bereits seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden? Wie stehen sie zu den Sith, die ja bislang die Repräsentanten der Dunklen Seite der Macht waren? Eine Theorie ist, dass er nach Palpatines Tod von überlebenden Inquisitoren (die ja in „Star Wars Rebels“ auftauchen) gegründet wurde, was sie zu einer Art Nachfolgeorganisation der Dunklen Lords machen würde. Immerhin, Kylo Ren trägt ein rotes Lichtschwert, eine schwarze Robe und eine Maske, die verdächtig nach der des Legends-Sith-Lords Darth Revan aussieht.

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Snoke (Andy Serkis) – oder doch Darth Plagueis?

Snoke ist eng mit diesen Fragen verbunden: Ähnlich wie der Imperator in Episode V bleibt der Oberste Anführer der Ersten Ordnung ein Rätsel, wir wissen praktisch nichts über ihn. Einige Zusatzinformationen gibt es noch im Roman zum Film: So ist Snoke wohl schon recht alt und war bereits in irgendeiner Form während der Klonkriege aktiv. Er ist ein mächtiger Nutzer der Dunklen Seite der Macht, aber körperlich verwundet und deshalb fragil. Aber ansonsten… Er zeigt sich nur als übergroßes Hologramm, muss also nicht zwangsläufig tatsächlich so aussehen, wie er in „Das Erwachen der Macht“ erscheint. Zu Snoke gab es bereits im Vorfeld des Films eine Theorie, die durch einige Elemente im Film noch befeuert wurde. Dieser Theorie zufolge ist Snoke in Wirklichkeit Darth Plagueis, Palpatines Sith-Meister, der den Mordversuch seines Schülers zwar überlebte (angeblich ist er ja in der Lage, den Tod zu überwinden), aber mehrere Jahrzehnte brauchte, um sich halbwegs zu regenerieren. Im Legends-Kanon ist Darth Plagueis ein Muun, aber daran muss sich die Einheitskontinuität ja nicht halten, und wie gesagt, Snoke muss nicht unbedingt so aussehen wie sein Hologramm. Im Film gibt es zwei Dinge, die auf diese Theorie hinweisen könnten und die von Verfechtern gerne als Bestätigung gesehen werden: In einem Dialog zwischen Hux und Kylo Ren wird Snoke als weise bezeichnet, was Palpatines Worte aus Episode III widerspiegeln könnte: „Have you ever heard of the tragedy of Darth Plagueis the Wise?“ Und dann ist da noch Snokes Thema, das nicht nur an das Thema das Imperators erinnert, sondern auch an den tiefen Kehlengesang der Theaterszene aus „Die Rache der Sith“, eben jener Szene, in der Palpatine Anakin von Darth Plagueis erzählt. Ehrlich gesagt weiß ich nach wie vor nicht, was ich von dieser Theorie halten soll und wie ich reagieren würde, träfe sie zu. Einerseits wäre es schon schön, wenn die Sequel-Trilogie auch die Prequels in einigen Aspekten miteinbeziehen würde; Darth Plagueis würde den Bogen gewissermaßen schließen, somit wären die Sith dann auch tatsächlich die eigentlich Bedrohung in der gesamten Saga. Andererseits ist ein totgeglaubter oder wiederauferstandener Sith-Lord auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Man wird wohl abwarten müssen.

Han Solo und der General
Werfen wir nun einmal einen ausgiebigen Blick auf die alten Bekannten, von denen es ja einige gibt. Admiral Ackbar, Nien Nunb, R2D2 und C-3PO haben alle verhältnismäßig kurze Gastauftritte, bei Luke kann man schon fast von einem Cameo sprechen, wenn auch von einem extrem wirkungsvollen. Leias Rolle fällt als Anführerin des Widerstandes schon größer aus, aber wenn es eine Figur der OT gibt, die in diesem Film dominant ist, dann ist es Han Solo. In vielerlei Hinsicht nutzen Harrison Ford und Lawrence Kasdan „Das Erwachen der Macht“, um mit Han Solo das zu tun, was ihrer Meinung nach bereits in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ hätte geschehen sollen. Beide plädierten meines Wissens nach dafür, Han Solo am Ende zu töten, was George Lucas aber nicht wollte. Nun denn: Der Schmuggler ist tot. Kasdan und Abrams haben aber auch gleichzeitig dafür gesorgt, dass Han Solo in diesem Film noch einmal im Mittelpunkt steht. Auf gewisse Weise hat er eine Mentorenrolle wie Obi-Wan in Episode IV inne (inklusive Ableben), aber dieser Vergleich hinkt, da Han in „Das Erwachen der Macht“ eine weitaus zentralere Rolle spielt als Obi-Wan in „Eine neue Hoffnung“, tatsächlich steht er hier fast mehr im Zentrum als dies in den OT-Filmen der Fall war. Zu Beginn war ich recht skeptisch und auch enttäuscht, dass er nun wieder als Schmuggler arbeitet, aber meiner Meinung nach haben Abrams und Kasdan tatsächlich geschafft, dass das zumindest halbwegs funktioniert, indem sie Kylo Ren bzw. Ben Solo zum Auslöser gemacht haben. Wie wir aus dem Film erfahren, haben Han und Leia ja tatsächlich ein Familienleben geführt, bis eine Tragödie sie entzweit: Ben verfällt der Dunklen Seite, Luke geht ins Exil und Han und Leia flüchten sich in die Teile ihres Lebens zurück, in denen sie glauben, sich auszukennen: Leia führt den Widerstand an, Han wird erneut zum Schmuggler. Aber charakterlich sind sie dennoch nicht zur ihren Episode-IV-Versionen zurückgekehrt, man merkt, wie sehr die Vergangenheit auf ihnen lastet. Dennoch hätte ich es bevorzugt, wenn man auf diese „Scheinrückkehr“ verzichtet hätte, aber wenn schon, dann funktioniert sie tatsächlich nur so.

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Han (Harrison Ford) und Leia (Carrie Fisher) – fast wie früher. Fast…

Dass das gelingt, ist vor allem Harrison Fords Spielfreude zu verdanken, der dadurch den Fokus des Films auf seine Figur rechtfertigt. Ford kehrt hier völlig natürlich in seine Paraderolle zurück, er ist noch dieselbe Figur, nur eben tatsächlich dreißig Jahre später und um mehrere, unangenehme Erfahrungen reicher. Dabei wirkt er wunderbar ungezwungen und natürlich, egal ob er mit den Neuzugängen oder alten Bekannten wie Leia und Chewie agiert. Umso emotionaler fällt dann auch sein Tod aus, wobei der Film einem während der restlichen Dauer kaum Zeit lässt, ihn zu verarbeiten oder zu reflektieren.

Nebenbei: Ich finde auch grandios, wie Abrams hier den Millenium Falken in Szene setzt. Fast mehr noch als in der OT ist der Falke in „Das Erwachen der Macht“ ein Charakter und nicht einfach nur ein Transportmittel. Diesbezüglich hat Abrams bereits Erfahrung, da er in seinen beiden Star-Trek-Filmen etwas ähnliches mit der Enterprise getan hat. Dazu passend bekommt der Falke auch von John Williams ein Thema, das wir bereits aus der OT kennen: Die Rebellenfanfare. Ursprünglich fand ich das ein wenig merkwürdig, immerhin wechselt hier ein Leitmotiv quasi die Bedeutung. Aber es passt einfach perfekt zum Falken als Überbleibsel der alten Filme und weckt genau die richtigen Emotionen. Der Moment, in dem der Falke zum ersten Mal zum Klang der Rebellenfanfare im Film zu sehen ist, hat bei mir jedenfalls Gänsehaut ausgelöst.

Finn, Poe und das neue Trio
Zu den vielen OT-Parallelen gehört auch, dass im Zentrum von Episode VII ein neues Trio steht. Dies ist aber tatsächlich eine Parallele, die ich aus mehreren Gründen äußerst gelungen finde. Das liegt zum einen an den drei Schauspielern: Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac finde ich in ihren Rollen einfach grandios, alle drei versprühen regelrecht Charisma, sind unglaublich sympathisch und die Interaktionen zwischen Rey und Finn und Poe Dameron und Finn sind herrlich, die Chemie zwischen den Darstellern passt einfach perfekt.

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Das neue zentrale Trio: Poe Dameron (Oscar Isaac), Rey (Daisy Ridley) und Finn (John Boyega)

Darüber hinaus finde ich die drei als Figuren äußerst interessant konzipiert, gerade im Zusammenspiel. Auf den ersten Blick scheinen die Rollen recht klar verteilt: Poe Dameron ist der neue Han Solo (weshalb er von den drei auch am wenigsten im Film vorkommt, da gerade der zweite Akt in erster Linie dem alten Han Solo gehört), Rey ist die neue Leia und Finn ist der neue Luke – dies wurde auch durch die Promotion des Films untermauert, in der Finn auf Postern und in Trailern immer wieder mit Lukes altem Lichtschwert zu sehen war. Das wäre allerdings zu plump und oberflächlich. Ganz einfach gesagt: Die drei neuen Figuren lassen sich nicht mit den alten gleichsetzen. Poe Dameron ist wie Han Solo der Älteste und ein erfahrener Pilot, wie Leia ist er allerdings von Anfang an beim Widerstand und ihm kommen auch zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Sache, er ist niemals widerwillig dabei, so wie es bei Han der Fall war. Dieses Element findet sich dafür bei Rey und Finn, Letzterer will als Deserteur der Ersten Ordnung einfach nur so weit von dieser weg wie möglich, während Rey glaubt, ihre Familie, die sie auf Jakku ausgesetzt hat, würde eines Tages zurückkehren. Rey wiederrum hat mit Leia im Grunde nur das Geschlecht gemein, ansonsten ist sie die eigentliche Protagonistin und erinnert eher an Luke. Zwar schwingt Finn im Film tatsächlich zwei Mal das Lichtschwert, aber Rey ist diejenige, die ganz offensichtlich machtsensitiv ist, am Ende Kylo Ren besiegt und zur Jedi-Ausbildung aufbricht. Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses neue Trio trägt (zusammen mit Han Solo) im Grunde den Film und sorgt dafür, dass er funktioniert. Ich hätte es zwar gerne in einer Geschichte gesehen, die nicht ganz so sehr „Eine neue Hoffnung“ ist, aber ich habe seine Abenteuer definitiv gerne und mit großem Vergnügen verfolgt.

Rey vs. Ren
Die beiden zentralen Widersacher des Films habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Wie weiter oben bereits erwähnt ist Rey der zentrale Charakter des Films; sie ist eine Figur, die insgesamt äußerst gut ankommt, obwohl hin und wieder Äußerungen fallen, sie könne zu viel, sie sei zu perfekt und habe Mary-Sue-artige Züge. Dass Rey wirklich verhältnismäßig viel kann, lässt sich nicht von der Hand weisen, allerdings gibt es da zwei relativierende Faktoren. Zum einen Daisy Ridley: Die junge Frau ist eine derartig talentierte Schauspielerin, dass sie als Rey einfach funktioniert; allein die Bandbreite an Emotionen, die sie mit ihren Augen und über ihre Mimik ausdrücken kann, ist beeindruckend – ich denke, dass Daisy Ridley noch eine große Karriere vor sich hat. Rey hätte leicht zu einer Mary-Sue-artigen Gestalt werden können, aber ihre Schauspielerin verhindert das. Außerdem werden ihre Fähigkeiten ziemlich gut begründet, wenn man sich einmal die Mühe macht, zwischen den Zeilen zu lesen. Ich denke, wie viele, viele andere auch, dass Rey eine Enkelin von Anakin Skywalker ist. Dafür gibt es viele Indizien im Verlauf des Films: Sowohl Han als auch Kylo Ren scheinen mehr über sie zu wissen, als sie zugeben, die Machtvision bei Maz Kanata ist zwar kryptisch, legt aber doch eine Verbindung zur Skywalker-Familie nahe, ihr Leitmotiv besitzt eine Ähnlichkeit zu Anakins Thema aus Episode I etc. Besonders ihre mechanischen und Flugfähigkeiten werden gerne angekreidet, dabei ist die Erklärung dafür so simpel: Die Macht offenbart sich in vielen Ausprägungen. Manche, wie zum Beispiel Obi-Wan, besitzen ein spezielles Talent für den Umgang mit lebenden Wesen, für Heilung oder, wie im Fall von Anakin und Rey, für das Fliegen und die Mechanik, was in meinen Augen ein weiteres Indiz für Reys Herkunft ist: Sie besitzt dasselbe Talent wie ihr Großvater, der bereits mit zehn Jahren einen Podracer zusammenschrauben und auch fliegen konnte. Genauso könnte die Tatsache, dass Rey so exzellent mit dem Falken zurechtkommt, ein Hinweis dafür sein, dass sie Hans und Leias Tochter ist, aber auch Luke bietet sich natürlich als Vater an. Reys Sieg über Kylo Ren finde ich im Großen und Ganzen auch recht überzeugend: Nicht nur ist der Kampf hervorragend inszeniert, auch wenn er im Vergleich zu den elaborierten Lichtschwertduellen der Prequels recht spartanisch wirkt, ich finde den Ablauf auch recht plausibel. Kylo Ren hat gerade seinen Vater getötet und ist emotional ziemlich destabilisiert und darüber hinaus auch verwundet und so sowohl geistig als auch körperlich geschwächt. Finn fügt ihm mit Lukes Lichtschwer eine weitere Wunde zu, bei der es sich um einen Glücktreffer handelt, Kylo Ren macht daraufhin ja auch kurzen Prozess mit ihm. Und schließlich und endlich: Rey besiegt ihren Widersache nicht durch ihre überlegene Schwertkampftechnik (diese besitzt sie nicht, und das ist im Film auch sehr deutlich), sondern weil Kylo Ren bereits ziemlich angeschlagen ist und weil sie im richtigen Moment auf die Stimme der Macht hört, genau wie Luke bei der Zerstörung des ersten Todessterns im richtigen Moment auf die Stimme der Macht hörte. Rey ist tatsächlich ziemlich talentiert und lernt sehr schnell, aber auch da hatten wir im Franchise schon ganz andere Fälle, gegen die Reys Fortschritte geradezu zahm wirken, nicht wahr, Galen Marek? Allgemein scheinen Kasdan und Abrams den Fokus in Bezug auf die Macht eher auf Potential und weniger auf Training zu legen.

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Darth Vaders größter Fan: Kylo Ren alias Ben Solo (Adam Driver)

Kylo Ren hat das Fandom sogar noch weitaus mehr gespalten, den einen war er zu sehr Vader, den anderen war er nicht Vader genug. Auch hier muss ich sagen: Ich finde Kylo Ren als Schurken ziemlich gut gelungen. Zugegeben, sein Gesicht ist tatsächlich nicht unbedingt eines, das man sich für einen finsteren Krieger vorstellt, aber man kann sich sein Gesicht nun einmal nicht aussuchen, insofern passt es ganz gut zu seinem Charakter, dass er es mit einer Maske verhüllt. Und viel wichtiger: Adam Driver spielt ihn ziemlich gut. Ja Kylo Ren ist nicht Darth Vader, aber Kylo Ren soll auch nicht Darth Vader sein, Kylo Ren wäre gern Darth Vader, das ist der Kern seiner Figur. Wir wissen folgendes über seine Vergangenheit: Er wurde als Ben Solo kurz nach der Schlacht um Endor geboren. Irgendwann während seiner Kindheit und Jugend begann Luke damit, eine neue Generation Jedi-Ritter auszubilden, und Ben war einer von ihnen, entwickelte aber bald eine Besessenheit für Darth Vader, und es kam zum Bruch zwischen ihm und Luke. Ben Skywalker wurde von Snoke unter seine Fittiche genommen, trat den Rittern von Ren bei, nahm den Namen Kylo Ren an und half ihnen, Lukes neuen Jedi-Orden zu zerstören, was Luke dazu brachte, ins Exil zu gehen. Kylo Ren ist eine getriebene und psychisch höchst labile Figur, die gerne wie ihr großes Vorbild wäre – das sind Eigenschaften und Motivationen, die wir auf diese Weise bei noch keine Star-Wars-Schurken in dieser Form hatten (zumindest, was die Filme betrifft). Kylo Ren entwickelt sich im Verlauf des Films, wird dabei aber nicht stärker, sondern schwächer. Zu Beginn ist er noch sehr von sich selbst überzeugt, die Ereignisse wecken aber massive Zweifel und destabilisieren ihn. Ich finde, dass Kylo enormes Potential hat und bin gespannt auf seine weitere Entwicklung.

Außerdem finde ich ziemlich faszinierend, dass Kylo Ren, ob gewollt oder ungewollt sei einmal dahingestellt, quasi eine wandelnde Anspielung an das alte Star-Wars-EU ist: Seine Maske gleicht der des KotOR-Sith-Lords Darth Revan, er trägt den Vornamen von Lukes Sohn und ist, wie Han und Leias Sohn Jacen, der Dunklen Seite der Macht verfallen. Selbst ein Lichtschwert mit Parierstange gab es im EU bereits, auch wenn diese nur einseitig war.

Episode VIII: Ein Ausblick
Wie bereits erwähnt, beim Ende von „Das Erwachen der Macht“ kann man kaum von einem Happy End sprechen, es ist bestenfalls bittersüß: Zwar ist die Starkiller Base zerstört und die Erste Ordnung geschlagen, aber Han Solo ist tot und Finn liegt scheinbar im Koma, währenddessen begibt sich Rey auf die Suche nach Luke Skywalker. Ich denke, da ergeben sich für Episode VIII sehr viele interessante Ansätze – und natürlich hoffe ich auch, dass man gerade in Bezug auf Handlungselemente mutiger ist und sich jetzt stärker von der OT entfernt. Außerdem sind noch sehr viele offene Fragen zu beantworten, vielleicht sogar ein paar zu viele – das möchte ich aber erst beurteilen, wenn die Sequel-Trilogie komplett ist.

Meine Prognose ist, dass der erste oder die ersten beiden Akte des nächsten Sequels sich mit parallelem Training beschäftigen: Luke bildet Rey aus, während Snoke Kylo Rens Training vollendet. Vor allem Letzteres stelle ich mir interessant vor, denn Training auf der Dunklen Seite hatten wir bislang noch nicht in den Filmen. Außerdem glaube ich, dass dieses Training auch genutzt wird, um die Vergangenheit aufzuarbeiten, wahrscheinlich in Form von Rückblicken. Fast der gesamte Cast des Films, inklusive Harrison Ford, wurde für Episode VIII bestätigt, was mich zu dieser Annahme verleitet. Auch wirkt es seltsam, einen Schauspieler wie Max von Sydow anzuheuern, nur um ihn nach fünf Minuten zu verheizen, weshalb ich überzeugt bin, dass seine Figur Lor San Tekka in besagten Rückblicken noch eine wichtige Rolle spielen wird. Derweil könnte ich mir gut vorstellen, dass Poe und Finn gemeinsam auf eine Mission für den Widerstand gehen und dabei erneut mit Phasma und Hux konfrontiert werden. Wie gesagt, ich hoffe, diese beiden Figuren, und die gesamte Erste Ordnung, werden noch interessanter und differenzierter dargestellt. Außerdem muss die Neue Republik nun wohl oder übel einen Krieg mit der Ersten Ordnung beginnen, da ihre Hauptstadt, ihr Senat und eine ihrer Flotten zerstört wurden – das heißt, dass sich wohl hoffentlich auch am Status Quo etwas ändern wird und wir vielleicht mehr von der Galaxis sehen als in „Das Erwachen der Macht“.

Fazit: Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb, gäbe es „Eine neue Hoffnung“ nicht, wäre „Das Erwachen der Macht“ ein grandioser Film, so ist er nur ein guter. Während Episode VII auf Plotebene nicht wirklich überzeugt, weil sie im Grunde dieselbe Handlung wie Episode IV besitzt, zu expositionsarm ist und einige Parallelen einfach zu überdeutlich sind, ist die Umsetzung exzellent gelungen. So ist „Das Erwachen der Macht“ vor allem auf der emotionalen Ebene überzeugend, die Figuren und Darsteller sind allesamt vollauf gelungen, ebenso wie Action, Effekte, Humor, Bildsprache und, und, und. Man merkt J. J. Abrams seine enorme Liebe zur OT, besonders zu Episode IV, im Guten wie im Schlechten an, man spürt den Enthusiasmus, aber ab einem bestimmten Punkt sind es einfach zu viele Zitate, und das schadet dem Endergebnis.

Siehe auch:
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht – Soundtrack

Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht – Soundtrack

Enthält Spoiler!
TFAScore
Track Listing:

01. Main Title and the Attack on the Jakku Village
02. The Scavenger
03. I Can Fly Anything
04. Rey Meets BB-8
05. Follow Me
06. Rey’s Theme
07. The Falcon
08. That Girl with the Staff
09. The Rathtars!
10. Finn’s Confession
11. Maz’s Counsel
12. The Starkiller
13. Kylo Ren Arrives at the Battle
14. The Abduction
15. Han and Leia
16. March of the Resistance
17. Snoke
18. On the Inside
19. Torn Apart
20. The Ways of the Force
21. Scherzo for X-Wings
23. Farewell and the Trip
24. The Jedi Steps and Finale

Beginnen wir diesen Artikel gleich mit einer warnenden und einer und kleinlichen Beschwerde. Zuerst die warnende: Im Vorfeld von „Das Erwachen der Macht“ wurde u.a. angekündigt, man werde auch eine halbe Stunde an zusätzlicher Musik veröffentlichen, die von John Williams für den Film komponiert wurde, in diesem aber nicht zum Einsatz kam. Da es vom Soundtrack zu „Das Erwachen der Macht“ sowohl eine Standard als auch eine Special Edition gibt, nahm ich an, dass die Special Edition besagte zusätzliche Musik enthalten würde, was sich aber als Fehlschluss herausstellte. Inhaltlich sind beide Editionen identisch, das Speziale an der Special Edition ist nur das glänzende Digi-Book. Ich rate zum Kauf der Standardversion. Weitere Musik aus „Das Erwachen der Macht“, die tatsächlich im Film zu hören, aber nicht auf dem Album zu finden ist, gibt es dafür hier.

Und nun zur kleinlichen Beschwerde: Mein musikalischer Lieblingsmoment des Films ist nicht auf dem Album. Ich spreche natürlich von dem Stück, das die Szene untermalt, in der Kylo Ren ein Zwiegspräch mit Darth Vaders Helm hält und in dem der Imperiale Marsch erklingt. Als Fan dieses Leitmotivs, der fast schon besessen jede Variation sammelt, die er findet, ist das für mich natürlich ziemlich enttäuschend. Schande über wer auch immer dafür verantwortlich ist. Und nun zum eigentlichen Score.

Erwartungen sind schon so eine Sache. Nach „Die Rache der Sith“ war es unwahrscheinlich, dass jemals wieder ein von John Williams komponierter Star-Wars-Score kommen würde. Dann kam der Disney-Deal, gefolgt von der Bekanntgabe, dass tatsächlich John Williams, inzwischen stolze 83 Jahre alt, die Musik zu Episode VII komponieren würde. Das sorgt freilich dafür, dass die Vorfreude ins Unermessliche steigt und die Erwartungen ziemlich unrealistisch werden. Leider ist „Das Erwachen der Macht“ weder das allumfassende Meisterwerk, das ich mir erträumt habe, noch der beste der sieben Star-Wars-Scores. So gerne ich das auch gesehen hätte, derartige Erwartungen sind doch etwas überzogen. Nach dem ersten Mal hören war ich sogar ein wenig unterweltigt, doch wie sich gezeigt hat, ist „Das Erwachen der Macht“ ein Score, der langsam ans Herz wächst, statt einen sofort anzuspringen.

Was vor allem bei der Sichtung des Films auffällt ist, dass die Musik bei J. J. Abrams eine weniger dominante Rolle spielt als bei George Lucas, Irvin Kershner und Richard Marquand, und da schließlich ich die Prequels definitiv mit ein, trotz der fürchterlichen Art und Weise, wie Lucas die Musik von „Angriff der Klonkrieger“ behandelt hat. Anders als bei Lucas, erinnern wir uns nur einmal an die finalen Lichtschwertduelle in den Episoden I und III, tritt sie selten wirklich in den Vordergrund.

Stilistisch bewegt sich Williams zwischen drei Perioden seiner Schaffensphase hin und her. Viele hofften ja, Williams würde für „Das Erwachen der Macht“ wieder stärker zu den etwas einfacheren, eleganteren Kompositionen der späten 70er- und 80er-Jahre zurückkehren, und in einigen Stücken greift er tatsächlich auf die Elemente seiner früheren Schaffensphase zurück, etwa in Scherzo for X-Wings oder March of the Resistance. Besonders Letzteres weckt Erinnerungen an die heroischen Märsche, die Williams für „Superman“ oder „Jäger des verlorenen Schatzes“ komponiert hat. Dennoch ist „Das Erwachen der Macht“ eindeutig ein Score des modernen Williams, es finden sich sowohl die Stilmittel, die die Prequels und Williams‘ andere Actionscores der letzten fünfzehn Jahre kennzeichneten (komplexe, hektische Orchesterarbeit, Follow Me und The Falcon sind hier exemplarisch), als auch Elemente der eher dramatischen, emotionalen Musik, die der Maestro beispielsweise für Steven Spielbergs „Gefährten“ schrieb. Das tragische The Starkiller ist ein schönes Beispiel.

Der Kern eines jeden Star-Wars-Scores sind natürlich die Leitmotive. Diverse Themen der klassischen Trilogie kehren zurück und neue kommen dazu. Wie nicht anders zu erwarten erklingt zu Beginn des Films der ikonische Main Title (Luke Skywalkers Thema), wobei gerade an dieser Stelle auffällt, dass hier nicht das London Symphony Orchestra spielt; diesem Einsatz des Themas fehlt die Kraft, die es bei den anderen Episoden hat. Obwohl Luke Skywalker erst in den letzten paar Minuten des Films auftaucht, erklingt sein Thema in „Das Erwachen der Macht“ öfter als in jedem der Prequels. In dieser Hinsicht ist es wohl eher als Star-Wars-Thema im Allgemeinen zu betrachten, denn fast keiner der Einsätze hängt wirklich explizit mit Luke zusammen, sondern eher mit positiven Ereignissen der OT im Allgemeinen. Es gibt subtile Einsätze am Anfang von The Rathtars! und Han und Leia, während es in Scherzo for X-Wings sehr ausgiebig zu hören ist; tatsächlich ist das gesamte Stück um dieses Thema herum aufgebaut und verstärkt so noch das Episode-IV-Gefühl, das der Angriff auf die Starkiller Base weckt. Gleichzeitig ist es ohne Zweifel eines der Highlights des Albums.

Auch Prinzessin Leias Thema und das Leia/Han-Liebesthema kehren zurück, beide in Han und Leia (Ersteres bei 0:10, Letzteres bei 0:42) und Farewell and the Trip (Leia bei 2:55, Han/Leia bei 1:49). Die Rebellenfanfare ist ebenfalls erneut zu hören, repräsentiert dieses Mal allerdings fast ausschließlich den Millenium Falken, da der Widerstand ein eigenes, neues Thema hat. Vielleicht kann man den Falken hier als letztes, unverändertes Überbleibsel der alten Rebellion sehen – in jedem Fall funktioniert das vor allem auf emotionaler Ebene sehr gut. Zu hören ist die Fanfare unter anderem in Follow Me (2:39), The Falcon (am Anfang und bei 1:01), The Rathtars! (3:43) und Farewell and the Trip (3:45).

Und dann wäre da natürlich noch das Machtthema, das in einem Film mit diesem Titel einfach nicht fehlen darf. Dieses Leitmotiv, ohnehin dasjenige, das als zentrales Thema der Star-Wars-Saga gelten kann, „erwacht“ in der zweiten Hälfte des Scores, zum ersten Mal in Maz’s Council (2:15) und bleibt im restlichen Film ziemlich präsent. Weitere sehr deutliche Variationen sind in Han and Leia (4:02), Torn Apart (3:13), The Ways of the Force (direkt am Anfang und bei 1:50), Farewell and the Trip (0:47 und 2:12) sowie Jedi Steps and Finale (1:37, besonders opulente Version) zu hören, und darüber hinaus tauchen an verschiedenen Stellen immer wieder subtile Andeutungen und Fragmente auf, die alle mit dem Erwachen der Macht in Rey und der Galaxis zu tun haben. Während es in der ersten Hälfte des Films nicht zu hören ist, wird es in der zweiten zunehmend stärker.

Werfen wir nun einen Blick auf die neuen Themen, die in erster Linie mit den neuen Charakteren zusammenhängen, die auch im Film zweifelsohne im Zentrum stehen. Drei dieser Themen erhalten im Verlauf des Albums Konzert-Suiten, die in dieser Form nicht im Film gelandet sind: Rey’s Theme, March of the Resistance und Snoke. Letzteres ist das Thema des neuen, mysteriösen Oberschurken und taucht im Film an zwei, drei verschiedenen Stellen auf, ist auf dem Album aber nur in diesem Track zu hören. Ein Männerchor singt hier ein Gedicht von Rudyard Kipling, das auf Sanskrit übersetzt wurde. Dadurch werden natürlich automatisch Erinnerungen an das Thema des Imperators und das mit der Dunklen Seite verknüpfte Duel of the Fates wach, auch hier sang der Chor Sanskrit-Texte. Snokes Thema klingt allerdings fragiler und weniger prägnant als das seines Vorgängers (man versuche nur einmal, es zu summen).

Der Marsch des Widerstandes ist das einzige neue Fraktionsthema, da die Erste Ordnung (noch) nicht musikalisch repräsentiert wird und die Neue Republik ohnehin praktisch nicht vorkommt. Wie bereits gesagt erinnert dieser Marsch an Williams‘ heroische Märsche der 80er Jahre. Außer im gleichnamigen Stück taucht er auch in Han und Leia bei 1:12 auf und erklingt in einigen Stücken, die es nicht auf das Album geschafft haben.

Reys Thema schließlich ist ohne Zweifel das Herz des Scores. Es ist vielleicht nicht ganz so einprägsam wie einige Melodien, die Williams für die alten Filme geschrieben hat, passt aber wunderbar zur Figur: Es klingt neugierig, aufgeweckt, ein wenig verletzlich, kann aber auch stark und entschlossen sein. Gerade hier sind die Spuren von Scores wie „Gefährten“ am deutlichsten; auch gibt es eine gewisse Ähnlichkeit zu Anakins Thema aus „Die dunkle Bedrohung“. Dies wird vor allem in Finn’s Confession deutlich, dort gibt es am Anfang einen Verweis zur Musik von Episode I (Talk of Podracing auf der Ultimate Edition). Da Rey die Protagonistin des Films ist, ist ihr Thema auch das dominanteste, es wird bereits in The Scavanger eingeführt und entwickelt sich über That Girl with the Staff, Finn’s Confession und Maz‘ Counsel weiter. Wirklich interessant ist aber der Einsatz in Jedi Steps and Finale, dort scheint das Thema eine Verbindung mit Lukes Thema einzugehen und bei 0:58 könnte man meinen, einen subtilen Hinweis auf den Imperialen Marsch zu hören. All das verstärkt noch den Verdacht, dass es sich bei Rey tatsächlich um Anakin Skywalkers Enkelin handelt.

Und apropos Anakin Skywalkers Nachkommenschaft: Das bedeutendste Thema, das keine eigene Suite bekommen hat, ist Kylo Rens Thema, ein absteigendes Motiv, bestehend aus fünf Noten, das bereits in Main Titel and the Attack on the Jakku Village bei 4:20 erklingt. Besonders hier rufen Instrumentierung, Begleitung und der marschartige Rhythmus augenblicklich den Imperialen Marsch ins Gedächtnis (angesichts seiner Obsession und seiner Herkunft sehr passend); bei späteren Einsätzen, etwa in Kylo Ren Arrives at the Battle (0:51) oder The Abduction (0:45), ist das weniger der Fall. Darüber hinaus besitzt Kylo noch ein sekundäres Motiv, das speziell für seinen Einsatz der Macht steht und somit als eine Art dunkles Spiegelbild des Machtthemas fungiert. Es ist in The Abduction bei 0:15 und in Han and Leia bei 3:44 zu hören. Zwei der interessantesten Stücke des Scores sind Torn Apart und The Ways of the Force, hier kulminieren und ringen die beiden Themen von Kylo, das Machtthema und das Thema von Rey auf beeindruckende Weise miteinander – im Zusammenspiel ein Glanzstück narrativer Musik.

Es existieren noch einige weitere, sekundäre Motive, u.a. für Finn und Poe, Ersteres (recht energiegeladen und chaotisch) erklingt beispielsweise in Follow Me bei 1:12, Letzteres (heroisch und mit dem Widerstandsmarsch verwandt) in I Can Fly Anything bei 1:19.

Von besonderem Interesse ist freilich auch noch die Abspannmusik. Dieser beginnt bei 2:11 in Jedi Steps and Finale mit den vertrauten Einsätzen von Lukes Thema und der Rebellenfanfare, gefolgt von Reys Thema (2:58), Kylo Rens sekundärem Thema (4:25), Kylo Rens primärem Motiv (4:45), Finns Motiv (5:02), Poes Thema (2:25) und dem Marsch des Widerstandes (6:05). Schließlich kommt es zu einem sehr schönen Ausklang, eingeleitet vom Machtthema (7:27), dem in kurzer, kontrapunktischer Abfolge Reys Thema (7:31), die Rebellenfanfare (8:07), noch einmal Reys Thema (8:22) und schließlich Lukes Thema (8:34) folgen.

Fazit: John Williams‘ Musik zu „Das Erwachen der Macht“ ist zwar weniger prägnant und eingängig als die Scores der Episoden I bis VI, deshalb allerdings nicht weniger gut durchdacht oder hochwertig. „Das Erwachen der Macht“ ist ein Soundtrack, der einen nicht augenblicklich mit einem Stück wie Duel of the Fates anspringt, sondern mit jedem Hören besser wird, weil man bei jedem Mal eine neue, clevere Nuance entdeckt. Williams‘ neueste Arbeit mag nicht das absolute Meisterwerk sein, das auf ich und viele andere gehofft haben, ein würdiger Score, der zu den besten des Jahres 2015 gehört, ist sie allemal.