Labyrinth des Bösen


Der Roman:
Bevor wir uns nach Gotham City begeben gibt es noch einen kleinen Ausflug in die weit, weit entfernte Galaxis, und einen damit verbundenen nostalgischen Trip sieben Jahre in die Vergangenheit. Ich erinnere mich noch gut an das Frühjahr 2005: Ich wartete voller Spannung darauf, dass „Star Wars Episode III: Die Rache der Sith“ endlich ins Kino kam. Und dabei gab es einen Roman, der den Mund noch wässriger machte, die Wartezeit versüßte und vielleicht sogar ein wenig verkürzte. Es handelte sich dabei um „Labyrinth des Bösen“ von James Luceno, einem der anerkanntesten Autoren des Erweiterten Universums, der, nicht zuletzt dank seines jüngsten Romans „Darth Plagueis“, den Ruf genießt, an das SW-Universum wie ein Historiker heranzugehen. Obwohl die Anspielungen in „Labyrinth des Bösen“ nicht ganz so extrem sind wie in „Darth Plagueis“ gibt es davon einige.
Der Roman dient als direkter Prolog zu „Die Rache der Sith“ (mit Matthew Stovers Romanadpation des Films und Lucenos „Dunkler Lord: Der Aufstieg des Darth Vader“ bildet er die sogenannte „Dark Lord Trilogie“): Anakin und Obi-Wan sind dabei, die Separatisten endgültig aus den Kernwelten zu vertreiben, indem sie Cato Neimoidia, die Heimatwelt von Vizekönig Nute Gunray, erobern. Dabei fällt ihnen ein seltsamer Mechnostuhl in die Hände, den Gunray in der Hitze des Gefechts zurückgelassen hat und dessen eingebauter Holoprojektor eine Spur enthält, die zu dem mysteriösen Sith-Lord Darth Sidious führen könnte, den der Seperatistenführer Count Dooku gegenüber Obi-Wan erwähnte.
Also machen sich Anakin und Obi-Wan auf, die Spur des Mechnostuhls weiter zu verfolgen, um den Sith-Lord ausfindig zu machen.
So weit im Groben zur „Haupthandlung“. Es gib noch einige Nebenhandlungsstränge, die ebenfalls von Bedeutung sind, in erster Linie derjenige um Padmé Amidala und einige andere Senatoren, die verzweifelt versuchen, gegen die immer weiter fortschreitende Umwandlung der Republik in eine Militärdiktatur anzukämpfen. Auch den Schurken, vor allem Count Dooku und General Grievous, wird angemessen viel Platz eingeräumt, sodass diese bei Luceno nicht einfach stereotypische daherkommen, sondern eine glaubhafte Motivation aufweisen.
Der Roman darf darüber hinaus als „Trichter“ verstanden werden: Er greift die etwas verfranzten Fäden der anderen Klonkriegsmedien (jedenfalls derjenigen, die zwischen 2003 und 2005 erschienen sind) auf, gibt eine „Bestandsaufnahme“ und leitet schließlich zu Episode III weiter. Und gerade dafür hätte man keinen besseren Autoren als James Luceno finden können, denn der Roman strotz nur so vor Anspielungen. Luceno schafft es, die Charaktere glaubhaft als Personen darzustellen, die einen fast dreijährigen Krieg hinter sich haben und nutzt dabei alles, was die diversen Klonkriegs-Comics und –Bücher hergeben. Und, noch wichtiger: Der aktuelle Zustand der Republik wird ebenfalls gut geschildert, etwas, bei dem zum Beispiel die Animationsserie „The Clone Wars“ nicht sonderlich erfolgreich war – immerhin gehört es zu den „Hauptaufgaben“ der Klonkriege, die Republik langsam in das Imperium zu transformieren. Den Senatoren um Padmé Amidala und Bail Organa wird klar, dass sie auf eine Diktatur zusteuern, während die Jedi mit dem Krieg und der Suche nach Darth Sidious zu beschäftigt sind, um bei der Rettung der Demokratie behilflich zu sein.
Der größte Pluspunkt von „Labyrinth des Bösen“ ist jedoch das Gefühl beim Lesen, denn der Roman fühlt sich an wie eine völlig natürliche Erweiterung der Filme. Kaum ein anderes Werk aus dem EU schafft es, das Gefühl beim Schauen eines Star-Wars-Films (bzw. eines Star-Wars-Prequels) so exakt zu „simulieren“ wie dieser. Nebenbei umschifft Luceno kunstvoll einige Schwächen der Prequels: Anakin und Padmé haben zusammen keine Szenen, ergo gibt es auch keine Dialoge wie in Episode II und III, Jar Jar kommt nicht vor und auch sonst hält sich der eher infantile Humor recht stark in Grenzen. Stattdessen gibt es ein extrem spannendes Abenteuer aus einer weit, weit entfernten Galaxis, die immer düsterer wird. Gekonnt stellt Luceno auch die Beziehung zwischen Obi-Wan und Anakin dar, die sich seit „Der Angriff der Klonkrieger“ gewandelt hat, ebenso wie Anakins Zweifel und Ängste, die letztendlich bei seinem Sturz eine wichtige Rolle spielen.
Fazit: „Labyrinth des Bösen“ gehört dank gelungener Charakterisierung der Hauptfiguren und dem richtigen Maß an Spannung zu den gelungensten Romanen des EU und fühlt sich an wie eine natürliche Erweiterung der Filme

Das Hörspiel:

Nach dem sich Hörspiele (sprich: eine verkürzte Filmtonspur, begleitet von einem Erzähler) zu den sechs Star-Wars-Filmen als äußerst erfolgreich erweisen, wagte sich Hörspielproduzent Oliver Döhring, bekannt für die Adaptionen der John-Sinclair-Romane, an eine Umsetzung von „Labyrinth des Bösen“. Während Hörspielumsetzungen von EU-Werken im angloamerikanischen Sprachraum häufiger anzutreffen sind, ist „Labyrinth des Bösen“ diesbezüglich ein Novum. Döhring gelang es, sämtliche deutschen Synchronsprecher der Prequels an Bord zu holen (u.a. Wanja Gerick als Anakin Skywalker, Philipp Moog als Obi-Wan, Friedhelm Ptok als Palpatine, Klaus Sonnenschein als Count Dooku, Manja Doering als Padmé usw.) und auch sämtlich nicht in den Filmen vorkommenden Figuren mit prominenten Stimmen zu besetzen – so taucht Helmut Krauss (deutsche Stimme von Samuel L. Jackson in „Pulp Fiction“) als Barkeeper auf, Franziska Pigulla (deutsche Stimme Gillian „Scully“ Anderson) als Twi’lek-Informantin Fa’ale Leh oder der bekannte Hörspielsprecher Matthias Haase als Palpatines persönlicher Ratgeber Sate Pestage. Dank all dieser hervorragenden Sprecher, den original Geräuschen und der Musik von John Williams aus allen sechs Filmen, die äußerst geschickt eingesetzt wird, entsteht der Eindruck, man habe es mit der Tonspur eines nie veröffentlichten Star-Wars-Films zu tun. Als Erzähler fungiert (wie schon in den Filmhörspielen) der beeindruckende Joachim Kerzel, bekannt als deutsche Stimme von Jack Nicholson und Anthony Hopkins. Im Gegensatz zu den Filmhörspielen wird Kerzel allerdings sparsam eingesetzt und meldet sich nur zu Beginn und zum Ende jeder Folge zu Wort, sodass das Ganze authentischer wird.
Bei der Umsetzung muss man natürlich gewisse Zugeständnisse machen, in einem Hörspiel kann ein Charakter nicht die Tiefe bekommen, die ihm ein Romanautor verleihen kann. Im Allgemeinen wurde bei der Umsetzung jedoch sehr gut Arbeit geleistet, Situationsbeschreibungen durch die Figuren gibt es, sie sind aber halbwegs glaubwürdig und nicht zu plakativ. Sehr geschickt wurden einige der Gedankengänge als Dialoge umgesetzt, was durchaus gut funktioniert.
Fazit: „Labyrinth des Bösen“ mach auch als Hörspiel eine gute Figur, Oliver Döhring und sein Team haben gute Arbeit geleistet und den Roman äußerst hochwertig adaptiert, sodass er nun nur noch mehr wie ein natürlicher Bestandteil des Star-Wars-Universums wirkt.

Siehe auch:
Darth Plagueis

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3 Kommentare zu “Labyrinth des Bösen

  1. Stefan Kraft sagt:

    Eine gut zu lesende Review. 🙂

    Interessant Deine Einschätzung beim Lesen werde „das Gefühl beim Schauen eines Star-Wars-Films (bzw. eines Star-Wars-Prequels)“ simuliert (ich selbst mache da „vom Feeling bzw. Gefühl her“ keinen Unterschied ob Prequel oder OT-Film, was ich im Blog anderweitig schon angesprochen habe).

    „Anakin und Padmé haben zusammen keine Szenen, ergo gibt es auch keine Dialoge wie in Episode II und III, …“
    Fairerweise sollte gesagt sein, dass Luceno die Dialoge wohl anders formuliert hätte. 😉

  2. hemator sagt:

    Ich finde schon, dass es gefühlsmäßig anders ist, was ich aber, im Gegensatz zu vielen anderen, nicht per se negativ bewerte – ein oft geäußerter Kritikpunkt an den Prequels ist, dass sie sich nicht so „anfühlen“ wie die OT – was ich aber legitim und nachvollziehbar finde, da sie ja in einer anderen Epoche spielen.
    Stimmt, Luceno hätte die Dialoge vermutlich besser hinbekommen als GL, aber irgendwie traumatisiert das, was v.a. in „Angriff der Klonkrieger“ Anakins und Padmés Mund verlässt.

    • Stefan Kraft sagt:

      Nun gut, wenn man sich der Liebesgeschichte eher als Minnesang nähert, geht’s vielleicht (kann mir sogar vorstellen, dass GL das so wollte); und die kurzen Dialoge in Ep III fand ich eigentlich ganz ok. Aber ja, auch ich denke, GL hätte sich wirklich nochmals mit einem Drehbuchschreiber beratschlagen sollen… Dass der Charakter unbeholfen erscheinen soll, kann ich natürlich nachvollziehen, aber oft kam es mir dann wirklich vom Autor ungewollt unbeholfen vor. Nun gut, schade, aber was soll’s. Und letztendlich schuldet mir GL eh nix, er hat halt daneben gegriffen.

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