Alice im Wunderland


Story: Die kleine Alice (Mia Wasikowska) ist erwachsen geworden, hat das Wunderland vergessen und soll sich den Zwängen der viktorianischen Gesellschaft unterwerfen, sprich: Einen langweiligen, biederen Adeligen heiraten und selbst langweilig und bieder werden. Der etwas zerstreuten Alice steht danach allerdings so gar nicht der Sinn, stattdessen folgt sie lieber einem weißen Kaninchen und landet, wie schon einmal, im Wunderland (oder Unterland), wo sie ihren ganzen alten Bekannten begegnet (an die sie sich ebenfalls nicht mehr erinnern kann), wie etwa dem Verrückten Hutmacher (Johnny Depp), der Grinsekatze (Stephen Fry), Diedeldei und Dideldum (Matt Lucas) oder der Raupe Absolem (Alan Rickman).
Doch seit Alice’ letztem Besuch hat die Rote Königin (Helena Bonham Carter) die Herrschaft übernommen und ihre Schwester, die Weiße Königin (Anne Hathaway) ins Exil geschickt. Kann Alice den Kampf mit der großköpfigen Despotin und ihrem Jabberwocky (Christopher Lee) aufnehmen?

Kritik: Zugegeben, beim Thema „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ bin ich nicht allzu sattelfest, und auch die Disney-Version habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen, also kann ich nicht allzu viel zur Vorlagentreue sagen.
Nach dem extrem düsteren „Sweeney Todd“ ist Tim Burtons Folgefilm wieder einer der etwas bunteren Sorte. Das zeigt sich schon allein am Kostüm von Johnny Depps Figur. War der kehlenschlitzende Barbier praktisch schwarzweiß, so ist der Verrückte Hutmacher dermaßen grell und farbig, dass Depps Willy Wonka (aus Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“) dagegen fast schon bieder wirkt.
Und obwohl Johnny Depp mal wieder so richtig aufdrehen darf, ist „Alice im Wunderland“ teilweise fast schon eine Enttäuschung. Vielleicht liegt es daran, dass der Film für Disney entstanden ist, oder dass Burton (wie er selbst zugegeben hat) nicht allzu viel mit der Vorlage anfangen kann, aber zeitweise wirkt dieser Verfilmung nach den Motiven aus Lewis Carrols Kinderbüchern einfach viel zu geradlinig.
Besonders trifft dies auf den Endkampf zu, der auf äußerst unangenehme Weise an „Der König von Narnia“ erinnert, und derartige High-Fantasy-Momente (insbesondere, wenn sie auch noch nicht wirklich überzeugend daherkommen), passen nicht wirklich zu diesem Film.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Computeranimationen: Keine Frage, das Design und die Atmosphäre sind toll, wie bei Tim Burton nicht anders zu erwarten, aber an vielen Stellen sieht man die CGI-Effekte doch etwas zu deutlich. Besonders bei Dideldei und Dideldum, dem Herzbube und dem Jabberwocky ist dies auffällig.
Und auch die Hauptdarstellerin, die bisher eher unbekannte Mia Wasikowska, kann nicht so recht überzeugen; ihre Alice bleibt blass und muss mit immer demselben, ziemlich unpassenden ernsten Gesichtsausdruck auskommen. Die „Verpeiltheit“, die durch die Dialoge impliziert wird, wird nie spürbar. In meinen Augen wäre Evanna Lynch (Luna Lovegood in den Harry-Potter-Filmen) die ideale Besetzung gewesen.
Ein wenig enttäuschend ist auch die Rote Königin, die zwar zu Helena Bonham Carters anderen Rollen passt, aber im Vergleich zu Bellatrix Lestrange oder Mrs. Lovett außer „Kopf ab“ Geschrei nicht wirklich viel zu bieten hat.
Die Weiße Königin dagegen hätte einiges an Potential gehabt, kommt aber viel zu kurz.
Zum Glück gibt es einige Elemente, die den Film dann doch noch äußerst genießbar machen. Die meisten Nebenfiguren sind toll und schräg umgesetzt, allen voran die Grinsekatze und die Raupe Absolem. Passenderweise sind diese beiden am besten animiert, und zusätzlich werden sie in der englischen Originalfassung auch noch von Stephen Fry und Alan Rickman gesprochen.
Allgemein hat Tim Burton es mal wieder geschafft, haufenweise hochkarätige Schauspieler für jede noch so winzige Nebenrolle zu casten. Der Jabberwocky etwa sagt nur etwa zwei Sätze, diese allerdings mit der mächtigen Stimme von Christopher Lee.
Fazit: Für einen Film von Tim Burton ist „Alice im Wunderland“ zu brav und uninspiriert und eindeutig einer seiner schwächeren Filme. Allerdings ist ein schwächerer Film von Tim Burton immer noch weitaus besser als viele andere Streifen; denn im Großen und Ganzen weiß „Alice im Wunderland“ durchaus gut zu unterhalten, vor allem dank toller und liebenswerter Nebenfiguren. Aber mit Meisterwerken wie „Sweeney Todd“ oder „Sleepy Hollow“ kann er nicht mithalten.

Trailer

Weitere Rezensionen zu Tim-Burton-Filmen:
Batman
Batmans Rückkehr
Sweeney Todd
Dark Shadows

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