Sweeney Todd


Story: London im späten 19. Jahrhundert: Der korrupte Richter Turpin (Alan Rickman) hat es auf die Frau des Barbiers Benjamin Barker (Johnny Depp) abgesehen. Kurzerhand beschuldigt Turpin diesen deshalb eines Verbrechens und lässt ihn nach Australien abschieben, damit er freie Bahn hat.
Viele Jahre später: Barker kehrt unter dem Namen Sweeney Todd nach London zurück, um Rache an Turpin zu nehmen. Zur Hand geht ihm dabei Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), die Inhaberin eines Pastetengeschäfts.
Durch die Tötung eines Konkurrenten Todds (Sacha Baron Cohen), der diesen zu erpressen versucht, wird die Mordlust des Barbiers allerdings erst richtig geweckt. Und da er des Richters noch nicht habhaft werden kann, meuchelt er solange seine Kunden, während Mrs. Lovett die Überreste zu Pasteten verarbeitet.

Kritik: Ohne Zweifel ist dieser auf Stephen Sondheims (welcher auch am Film mitgearbeitet hat) gleichnamigem Musical basierende Film Tim Burtons düsterster, sowohl in Hinblick auf die Atmosphäre als auch Handlung, Figuren und Humor betreffend.
Stilistisch knüpft Burton dabei an „Sleepy Hollow“ an, wie bei diesem sind auch in Sweeney Todd schwarz und grau die vorherrschenden Farben, sodass man sich fast wie in einem Schwarzweißfilm vorkommt, während das rote Blut meistens grell hervorsticht. Wie üblich erweist sich Tim Burton wieder als Meister der Atmosphäre; sein hier geschaffenes London übertrifft sogar die Versionen aus „Sherlock Holmes“ oder „From Hell“.
Doch während es in „Sleepy Hollow“ mit Ichabod Crane (ebenfalls von Johnny Depp verkörpert) noch einen eindeutigen, positiven Protagonisten gibt, fehlt dieser in „Sweeney Todd“ fast völlig. Der Titelheld mag eine tragische Figur sein, das ändert aber nichts daran, dass er praktisch den ganzen Film über düster-brütend seine Rache vorantreibt, ohne zu merken, dass diese ihn völlig auffrisst. Nur in seinen Songs wird er praktisch aus der Lethargie gerissen und mutiert zu einem zynischen Dämon, wenn er nicht gerade seine Tragik in die Welt hinausschreit.
Die eigentlichen positiven Figuren, Toby (Ed Sanders), der kleine Junge, den Mrs. Lovett adoptiert, Johanna (Jayne Wisener), Sweeneys Tochter, und Anthony, ein Matrose, dem Sweeney begegnet und der sich in seine Tochter verliebt, haben zu wenig Leinwandzeit und sind zu passiv-naiv, als das sie als Identifikationsfiguren fungieren könnten.
Am ehesten funktioniert noch Mrs. Lovett auf diese Weise; zwar ist auch sie geistig nicht ganz gesund, dabei aber äußerst liebenswürdig und fürsorglich.
Besetzt sind diese Figuren eigentlich alle wunderbar. Dass Depp und Bonham Carter mit von der Partie sind verwundert nicht, sind sie doch Tim Burtons Stammschauspieler. Johnny Depp beweist einmal mehr, dass er äußerst wandlungsfähig ist, während Helena Bonham Carter die schrägen, ziemlich psychotischen Damen abonniert zu haben scheint (die kann sie auch einfach gut spielen). Mrs. Lovett ist allerdings eine Ecke sympathischer als zum Beispiel Bellatrix Lestrange.
Auch Alan Rickman weiß als bösartiger, lüsterner Richter zu überzeugen, während Timothy Spall als Büttel Bamford einmal mehr so richtig eklig sein darf (Wurmschwanz lässt grüßen).
Enorm wichtig für ein Musical sind natürlich auch Musik und Lieder. In „Sweeney Todd“ gibt es keine munteren Tanzszenen, keine Ohrwürmer zum Mitpfeifen und auch sonst recht wenig vom konventionellen Musical. Die Songs, deren Zahl recht hoch ist, sodass der Film hin und wieder fast opernhaft wirkt, sind passgenau in die Handlung eingebettet, meistens recht schwierig und harmonisch ausgefeilt und oft eher dissonant.
Manchmal sind die Songs sogar für die Schauspieler zu ausgefeilt; immerhin sind diese keine ausgebildeten Sänger. Aber andererseits passt der nichtperfekte Gesang ganz gut zu den Figuren und ist auch nicht sonderlich störend.
Darüber hinaus dienen die Lieder, neben dem Voranbringen der Handlung und der Erforschung der Figuren, vor allem dazu, den tiefschwarzen Humor zu vermitteln. Wenn Sweeney zum sehnsuchtsvollen „Johanna“ Kehlen aufschlitzt oder der Barbier und der Richter in „Pretty Women“ über ihre Ambitionen singen, die verschiedener nicht sein könnten, aber dennoch genau denselben Text verwenden, ist das einfach unbeschreiblich.
Fazit: Einer von Tim Burtons gelungensten Filmen, ein vollkommen unkonventionelles Musical mit dichter Atmosphäre und tiefschwarzem Humor. Zwar kein Splatterfilm, aber dennoch keinesfalls etwas für Leute mit schwachen Nerven.

Trailer

Weitere Rezensionen zu Tim-Burton-Filmen:
Batman
Batmans Rückkehr
Alice im Wunderland
Dark Shadows

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