Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales

deadmentellnotales
Story: Der junge Henry Turner (Brenton Thwaites) möchte seinen Vater Will (Orlando Bloom) um jeden Preis vom Fluch der Flying Dutchman befreien. Dazu benötigt er den Dreizack des Poseidon, der jeden Fluch der Meere brechen kann. Nur zwei Personen sind in der Lage, ihm beim Aufspüren des Dreizacks zu helfen: Die junge Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die über eine wichtige Spur in Form eines Tagebuchs verfügt, und natürlich Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) mit seinem Kompass. Jack hat darüber hinaus ebenfalls Verwendung für den Dreizack, denn ein alter Feind ist ihm auf den Fersen, um sich an ihm zu rächen: Der untote Captain Salzar (Javier Bardem), der Piraten im Allgemeinen und Jack Sparrow im Besonderen hasst wir die Pest. Sein Kreuzzug gegen die Piraterie ruft auf Captain Barbossa (Geoffrey Rush) auf den Plan, der jedoch wie üblich eigene Ziele verfolgt…

Kritik: Mein Verhältnis zum Pirates-Franchise ist ein wenig anders und insgesamt positiver als das der meisten. Obwohl auch ich denke, dass „The Curse of the Black Pearl“ ein fast perfekter Abenteuerfilm ist, ziehe ich den komplexeren, von exzellenter Figurendynamik getriebenen zweiten Teil vor. Die Teil 3 und 4 sind da weitaus schwächer, aber auch ihnen kann ich durchaus einiges abgewinnen. „Dead Men Tell No Tales“ (mancherorts auch „Salazar’s Revenge“) dagegen hat mich insgesamt ziemlich enttäuscht und ist in meinen Augen der mit Abstand schwächste Film des Franchise.

Alle anderen Pirates-Filme, unabhängig von ihren sonstigen Stärken und Schwächen, hatten dieses gewisse Etwas, das sie zu Pirates-Filmen machte, dieses Verständnis für die Figuren und die Welt. „Dead Men Tell No Tales“ fehlt dieses gewisse Etwas. Es liegt gewiss nicht daran, dass die Regisseur Joachim Rønning und Espen Sandberg sowie Drehbuchautor Jeff Nathanson nicht versuchen, all das, was einen Pirates-Film ausmacht, auch in Teil 5 unterzubringen, aber leider bleibt es beim gescheiterten Versuch. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die ursprünglichen Drehbuchautoren und Erschaffer dieser Welt, Ted Elliott und Terry Rossio, an diesem Sequel kaum bzw. gar nicht beteiligt waren. Letzterer hat zwar noch ein Story-Credit, aber soweit ich weiß bezieht sich das höchstens auf ein paar allgemeine Ideen – das Drehbuch stammt ausschließlich von Jeff Nathanson.

Die Zutaten der Geschichte sind die üblichen: Ein magisches MacGuffin, ein junger, unbedarfter Held samt Love-Interest, bösartige Geister, Action-Set-Pieces und natürlich Captain Jack Sparrow. Schon „On Stranger Tides“ variierte im Grunde primär Elemente des ersten Films, aber dort funktionierte das Ganze für mich noch zumindest halbwegs. Wie sehr dem neuen Kreativteam das Verständnis für diese Welt fehlt, zeigt sich am besten an Jack Sparrow selbst. In den anderen vier Filmen mag er viele Dinge gewesen sein; exzentrisch, verschroben, bizarr, aber eines war er nie: Ein Trottel. Hinter der Fassade verbarg sich stets ein scharfer Verstand; Jack hatte immer noch ein bis zwei Notfallpläne und konnte auch ziemlich gut improvisieren, sollte es mit besagten Plänen nicht klappen. Jack Sparrow ist ein klassischer Trickster, der alle an der Nase herumführt. In Teil 5 dagegen scheint Depp jedes Gespür für seine Figur verloren zu haben und spielt sie als Parodie ihrer selbst, noch nuschelnder, noch torkelnder, noch bizarrer, aber ohne den wachen, planenden Verstand, der sie antreibt und vor allem ohne die Essenz, die sie erst zu jedermanns Lieblingsfigur machte. Bei vielen anderen Elementen dieses Films wirkt es ähnlich, egal ob es sich um die Dialoge, den Humor oder die Action handelt: Vieles wirkt, als wolle „Dead Men Tell No Tales“ den ersten Film, der ja selbst zumindest teilweise eine Parodie auf das Genre des Piratenfilms ist, parodieren. Alles ist noch bescheuerter und übertriebener – und das nicht auf die gute Art.

Letztendlich gilt wohl vor allem folgender Leitsatz für diesen Film: „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.“ Nathanson, Rønning und Sandberg arbeiten stark mit Nostalgie und bringen Figuren- und Handlungselemente der ursprünglichen Trilogie zurück, um vermeintlich offene Enden zu verarbeiten, während sie gleichzeitig weiter die Hintergründe Jack Sparrows beleuchten wollen. Aber auch hier gehen sie schlampig vor, vieles passt nicht zu dem, was bereits etabliert wurde. So zeigt „Dead Men Tell No Tales“ beispielsweise wie Jack an seinen Kompass erhielt – nur blöd, dass er ihn laut „Dead Man’s Chest“ von Tia Dalma bekam. Auch die Funktionsweise scheint sich verändert zu haben, denn in den bisherigen Filmen gab es nie negative Auswirkungen, obwohl Jack den Kompass munter an alle mögliche Leute weitergab, von Elizabeth über Will bis hin zu Beckett (das ist dann wohl nicht als Verrat zu werten). Und apropos Will, dieser hat fischige Züge, diese sollte er aber nur bekommen, wenn er seine Aufgabe vernachlässigt, so wie es Davy Jones einst getan hat; der Film thematisiert jedoch nicht einmal, ob dies der Fall ist (es würde auch irgendwie nicht zu Will passen). Fast noch schlimmer wiegt jedoch für mich, dass diese Rahmenhandlung um Will und seinen Sohn von der Haupthandlung um Captain Salazar ziemlich separiert ist, sodass das alles nicht recht zusammenpassen will und die Auftritte alter Figuren wie unnötiger und unmotivierter Fanservice wirken.

Auch darstellerisch überzeugt „Dead Men Tell No Tales“ nicht wirklich. Über Johnny Depp hatte ich ja bereits gesprochen, Brenton Thwaites ist so blass wie Sam Claflin vor ihm in Teil 4, Javier Bardem hat zwar sichtlich Spaß dabei, so richtig zu keuchen und ächzen, aber auch er kann die langweilige Schurkenfigur, quasi eine Mischung aus Barbossa (verfluchter Untoter) und Beckett (hasst Piraten) nicht retten, und selbst Geoffrey Rush wirkt dieses Mal ein wenig demotiviert. Die große Ausnahme ist Kaya Scodelario, die mir hier wirklich gut gefallen und bei jeder ihrer Szenen frischen Wind in einen ansonsten sehr abgestanden wirkenden Film gebracht hat. Sollte es noch weitere Pirates-Filme geben, darf sie gerne die neue Hauptfigur sein. Aber dann bitte mit anderem Kreativteam und der Beteiligung von Ted Elliott und Terry Rossio.

Fazit: „Dead Men Tell No Tales“ versagt leider fast auf ganzer Linie, da es dem Drehbuchautor und den Regisseuren nicht gelingt, die spezielle Essenz einzufangen, die auch die schwächeren Filme des Franchise zu Pirates-Filmen gemacht hat. Was bleibt ist eine fast sinn- und seelenlose Aneinanderreihung von übertriebenen Action-Set-Pieces und ein Johnny Depp, der jedes Gespür für seine ikonische Figur verloren hat.

Trailer

Bildquelle

From Hell

Halloween 2014
fromhell
Story: In London geht ein grausamer Mörder um – Jack the Ripper tötet eine Prostituierte nach der anderen, weidet sie mit chirurgischer Präzision aus und scheint die Polizei dabei gnadenlos zu verhöhnen. Somit ist es an Inspektor Abberline (Johnny Depp), der aufgrund seines Laudanum-Konums geradezu prophetische Visionen erhält, sich des Falls anzunehmen. Und er stößt auf eine undurchsichtige Verschwörung, in die neben der Prostituierten Mary Kelly (Heather Graham) und ihren „Arbeitskolleginnen“ auch der britische Hochadel und die Freimaurer verstrickt sind…

Kritik: Alan Moore ist bekannt dafür, die Filmadaptionen seiner Werke grundsätzlich abzulehnen, und bei Machwerken wie „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ ist das auch ziemlich verständlich. Bei „From Hell“ dagegen ist die Sache in meinen Augen ein wenig zwiespältiger. Hier gilt es erst einmal festzustellen, was der Film ist und was er nicht ist. Die Adaption des Moore-Comics ist nämlich eindeutig keine vorlagengetreue Umsetzung. Die Graphic Novel „From Hell“ ist ein enorm vielschichtiges und komplexes Meisterwerk. Zwar ist die Antwort auf die Frage, wer Jack the Ripper ist, nicht korrekt, da diese Theorie widerlegt wurde (Alan Moore und Zeichner Eddie Campbell entschiede sich allerdings bewusst für diese widerlegte Theorie, die auf Stephen Knight zurückgeht), aber davon einmal abgesehen ist „From Hell“ extrem gut recherchiert, stellt das viktorianische London sehr detailliert dar und ist randvoll mit Philosophie, Metaphysik und sorgsam konstruierten Charakteren. Die Verfilmung der Hughes-Brüder hat nichts dergleichen anzubieten. Ohnehin könnte ein Film der Vorlage nicht gerecht werden, da bräuchte es mindestens eine Miniserie, und wohl genau aus diesem Grund hat das Regisseur-Duo es auch gar nicht versucht. Die Hughes übernehmen lediglich die Grundprämisse (Identität des Rippers, Gründe für die Morde und die damit verbundene Freimaurerverschwörung) und machen aus dem Stoff ein Whodunit (im Unterschied dazu erfährt der Leser im Comic bereits im ersten Drittel, wer der Mörder ist, die Vorlage hat einen völlig anderen Fokus). Die meisten Thematiken des Comics werden, wenn überhaupt, nur kurz oberflächlich angekratzt. Auch wurde Vieles „glattgebügelt“. Frederick Abberline ist im Comic ein etwas übergewichtiger und nicht gerade attraktiver Mann mittleren Alters, während er im Film von Johnny Depp gespielt wird (in der Tat sieht Robbie Coltrane, der Abberlines Gehilfen Sergeant Peter Godley spielt, dem echten bzw. dem Comic-Abberline ähnlicher als Depp). Auch Heather Graham ist, gerade im Vergleich zu ihren Freundinnen, sehr sauber und sehr unnatürlich rothaarig. Ebenso dürfte es kaum verwundern, dass es eine Romanze zwischen Abberline und Mary Kelly gibt.
Als Film funktioniert „From Hell“ dann am besten, wenn man die Vorlage nicht beachtet und ihn als das wertschätzt, was er ist: Ein düsterer, unterhaltsamer Thriller mit grandioser Atmosphäre (ich liebe das gotisch-düstere London des viktorianischen Zeitalters), der zwar nicht um einige Klischees herumkommt, aber nicht zuletzt durch seinen hervorragenden Cast besticht; vor allem zu erwähnen sind natürlich Johnny Depp, der zwar nichts mit dem Abberline der Vorlage zu tun hat, aber seine Rolle ansonsten gut spielt, Robbie Coltrane, dessen Peter Godley ein wenig Humor in die doch sehr ernste Angelegenheit bringt, Ian Holm als Sir William Gull (mit Abstand die beste Performance des Films) und Ian Richardson als herrlich arroganter Polizeichef. Nur Heather Graham wirkt einfach insgesamt irgendwie fehl am Platz. Unbedingt erwähnenswert ist auch Trevor Jones brillanter, abgründig düsterer Soundtrack.
Fazit: „From Hell“ überzeugt zwar nicht als Adaption der Vorlage, ist aber auf sich gestellt ein sehr unterhaltsamer, atmosphärisch überwältigender Thriller im viktorianischen London.

Halloween 2014:
Only Lovers Left Alive
Pinhead

The Lone Ranger

loneranger
Story: Wir schreiben das Jahr 1869 und befinden uns mitten in der Hochzeit des Wilden Westens. Die Brüder John (Armie Hammer) und Dan Reid (James Badge Dale) jagen zusammen mit einer Gruppe Ranger den brutalen Verbrecher Butch Cavendish (William Fichtner). Aufgrund eines Verräters sterben allerdings alle bis auf John, der Rache schwört und zusammen mit dem exzentrischen Indianer Tonto (Johnny Depp) Jagd auf Cavendish macht. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass Cavendish nicht nur ein Gangster und Kannibale ist, er ist auch in ein Komplott verwickelt, das weitaus größere Ausmaße hat und die Zukunft der Vereinigten Staaten bedroht…

Kritik:
„The Lone Ranger“ reiht sich relativ mühelos in die Liste von Disney-Filmen ein, die ein Franchise begründen sollten, und er passt auch relativ gut zu ihnen. Egal ob „Tron: Legacy“, „John Carter: Zwischen zwei Welten“ oder „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ oder nun „The Lone Ranger“, jeder dieser Filme sollte den Erfolg der Pirates-of-the-Caribbean-Reihe wiederholen, scheiterte allerdings und floppte oder war zumindest nicht so erfolgreich, wie Disney sich das vorstellte. Alle oben genannten Filme haben die Gemeinsamkeit, dass sie zwar bei Weitem keine Meisterwerke sind, aber doch recht kreativ und mit Herzblut gemacht wurden und in jedem Fall den Erfolg mehr verdient hätten als, sagen wir mal, „Transformers“ oder „Twilight“.
Gerade bei „The Lone Ranger“ wird der Versuch, den Erfolg der Pirates-Filme zu wiederholen, überdeutlich: Gore Verbinski führt Regie, Jerry Bruckheimer produziert, Johnny Depp spielt den Exzentriker, Ted Elliot und Terry Rossio sind für das Drehbuch verantwortlich (dieses Mal zusammen mit Eric Aronson und Justin Haythe) und Hans Zimmer komponiert die Musik. Und auch außerhalb der Credits erinnert der Film stark an „Pirates of the Caribbean“ – im Guten wie im Schlechten.
Da ich weder die Radio- noch die Fernsehserie kenne, durch die der Lone Ranger bekannt wurde, fällt es mir schwer, etwas zur Vorlagentreue zu sagen. Nicht leugnen lässt sich die Tatsache, dass „The Lone Ranger“ stark auf Westernklischees basiert, diese teilweise ironisch bricht, sie teilweise aber auch einfach benutzt, ohne sie zu hinterfragen. Ebenso wenig leugnen lässt sich, dass „The Lone Ranger“ einige schwerwiegende Schwächen hat: Der Film ist zu lang und zu behäbig, die Rahmenhandlung im Jahr 1933 wirkt ziemlich unnötig, in der Mitte zieht sich Ganze doch recht stark und alles in allem wäre es vielleicht doch besser gewesen, hätten die Verantwortlichen die eine oder andere Episode etwas zusammengekürzt oder ganz gestrichen, um dem Film mehr Fokus zu geben. Die größte Schwäche sind jedoch die Figuren: Während der Titelheld selbst und Tonto noch recht interessant sind, machen alle anderen nicht allzu viel her und wirken äußerst blass – dies betrifft vor allem das Love Interest (Ruth Wilson) und die von James Badge Dale und Tom Wilkinson verkörperten Schurken, die weder Tiefe noch Exzentrik besitzen und mal wieder nur von Geldgier motiviert sind. Und schließlich weiß der Film nicht so recht, was er sein will: Die dramatischen Stellen werden oft vom Humor unterbrochen, für einen komödiantischen Familienfilm oder eine echte Parodie ist er allerdings an manchen Stellen einfach zu drastisch.
Dennoch ist „The Lone Ranger“ bei Weitem nicht so schlecht, wie die US-Kritiker ihn machen. Trotz der oben genannten Kritikpunkte weiß der Film vorzüglich zu unterhalten, nicht zuletzt dank der unheimlich starken Bilder und des Ranger/Tonto-Gespanns. Gerade Armie Hammer spielt seine Rolle sehr gut, während Johnny Depps Tonto an einen etwas stoischeren, aber nicht minder exzentrischen Jack Sparrow erinnert – aber mal ehrlich, es gibt schlimmeres. Der Rest des Casts ist allerdings eher funktional, es gibt keinen Totalausfall, aber auch niemanden, der wirklich hervorsticht. Gerade bei Helena Bonham Carter wird man den Gedanken nicht los, dass da irgendwie mehr drin gewesen wäre.
Der Humor erinnert stark an „Pirates of the Caribbean“ (warum wohl?), ist aber zumeist treffsicher, sofern man sich nicht an Tontos totem Vogel stört. Wie bei Gore Verbinski nicht anders zu erwarten sind die Actionszenen äußerst kreativ und überdreht, was ihrer Wirkung allerdings keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Der Film gipfelt schließlich in einem aberwitzigen Finale auf zwei Zügen, das allein schon den Preis der Eintrittskarte wert ist.
Apropos Finale: Nach etlichen enttäuschenden Soundtracks liefert Hans Zimmer endlich mal wieder etwas ab, das zwar immer noch weit von Meisterwerken wie „König der Löwen“ oder „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ entfernt ist, aber im Gegensatz zu „Man of Steel“ oder „The Dark Knight Rises“ Spaß macht. Dies ist vor allem der musikalischen Untermalung des Finales zu verdanken, bei welchem Gioachino Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre, die bereits als Titelmelodie der alten Lone-Ranger-Serie fungierte, zum Einsatz kommt, clever bearbeitet von Zimmer-Zögling Geoff Zanelli.
Fazit: Bei weitem kein Meisterwerk, aber ein durchaus unterhaltsamer Film für Zwischendurch, vor allem für Pirates-Fans, der zwar einige Schwächen hat und ein wenig zu lang geraten ist, aber dank der Action, des Humors und der Hauptdarsteller überzeugt.

Trailer

Dark Shadows


Story: Weil sie von ihm zurückgewiesen wurde, verflucht die Hexe Angelique Bouchard (Eva Green) Barnabas Collins‘ (Johnny Depp) Familie, schickt seine Geliebte in den Tod und verwandelt ihn in einen Vampir. Und schließlich sorgt sie dafür, dass Barnabas 200 Jahre lang in einen Sarg gesperrt wird. Der Vampir erwacht erst wieder im 1972 und muss fortan mit den Tücken der modernen Welt kämpfen. Er offenbart sich Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer), dem aktuellen Oberhaupt der Collins-Familie und verspricht ihr, den verarmten und heruntergekommenen Clan zu neuem Ruhm zu führen. Doch Angelique lebt ebenfalls noch und will dies nicht zulassen…

Kritik: Nun wendet sich auch Tim Burton, der Meister des Makabren, mit diesem Remake einer TV-Serie aus den 60er Jahren den Vampiren zu – durchaus passend, die Hälfte seiner Filme sieht sowieso aus, als wären es Vampirfilme, selbst wenn gar keine Blutsauger darin vorkommen. Mit dabei sind natürlich seine üblichen Kollaborateure Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Danny Elfman sowie einige Gesichter, die man in einem Burton-Film noch nicht gesehen hat dabei. Und zum ersten Mal seit „Batmans Rückkehr“ arbeitet Burton wieder mit Michelle Pfeiffer zusammen. Gleich vorneweg: Ich habe die Serie „Dark Shadows“ nie gesehen, kann also nicht bewerten, inwiefern dieser Film der Vorlage gerecht wird.
Die Trailer erweckten den Eindruck eines Hybriden aus „Mars Attacks“ und „Sleepy Hollow“ oder „Sweeney Todd“, von Ersterem schien der überdrehte Humor, von Letzteren das düstere, gotische Ambiente zu stammen. Dieser Eindruck bewahrheitet sich nicht ganz, da „Dark Shadows“ weder so überdreht wie „Mars Attacks“, noch so finster wie „Sweeney Todd“ ist, der Spur nach kommt es allerdings trotzdem ungefähr hin. Schade ist auf jeden Fall, dass die Trailer bereits viele der besten Momente des Films vorwegnahmen.
„Dark Shadows“ ist letztendlich sehr amüsant, aber nicht ohne Schwächen – die Vorlage macht sich letztendlich bemerkbar, da der Film ab dem Moment, in dem Barnabas im Jahr 1972 aufwacht und die Familiengeschäfte in die Hand nimmt, sehr episodenhaft strukturiert ist. Die Handlung baut sich nicht wirklich auf, der Endkampf hätte genauso gut direkt nach der ersten Begegnung zwischen Barnabas und Angelique in der Gegenwart stattfinden können. Ebenfalls negativ fällt auf, dass Handlungsstränge zum Teil vernachlässigt werden. Nach dem äußerst atmosphärischen Prolog, in dem man erfährt, wie Barnabas zum Vampir wird, lernt man die restliche Familie Collins durch die Augen der neun Gouvernante Victoria Winters (Bella Heathcote) kennen, die allerdings stark vernachlässigt wird, sobald Barnabas aufwacht. Vieles wird angeschnitten, aber nicht wirklich ausgeführt – am extremsten ist in dieser Hinsicht die kurz vor dem Ende stattfindende und praktisch aus dem Nichts kommende Enthüllung, dass Elizabeths Tochter Carolyn ein Werwolf ist. Äh, ja…
Auf der Habenseite steht eindeutig der bestens aufgelegte Cast. Johnny Depp, selbst ein Fan der ursprünglichen TV-Serie, spielt wie üblich ironisch und augenzwinkernd und schafft es, nicht zu einem Vampir-Jack-Sparrow zu werden. Auch Eva Green („Casino Royale“) zelebriert mit Genuss ihre Rolle als verführerische, arrogante und bösartige Angelique, Michelle Pfeiffer gibt glaubwürdig die Collins-Patriarchin der Familie, Helena Bonham Carter ist sowieso immer herausragend, egal was sie macht und Jackie Earl Haley („Watchmen“) hat als betrunkener Hausmeister Willie Loomis die Lacher stets auf seiner Seite. Oft hat man das Gefühl, Burton sei gar nicht an einer konsequenten Handlungsführung interessiert, sondern koste vor allem die Figuren und ihr Zusammenspiel aus, was zu allerhand spaßigen und amüsanten Situationen führt. Durch den selbstironischen Ton vermeidet es Burton glücklicherweise auch, sich in Twilight-Gewässer zu begeben (Barnabas wirkt sowieso um ein vielfaches glaubwürdiger, vampirischer und sympathischer als Edward). Besonders an einer Stelle scheint sich Burton bewusst über die Glitzervampire lustig zu machen. Wer „Breaking Dawn“ gelesen bzw. gesehen hat, wird beim etwas gewalttätigen Liebesspiel zwischen Barnabas und Angelique mit Sicherheit an das unfreiwillig komische erste Mal von Edward und Bella denken: In beiden Fällen wird die Einrichtung völlig zerlegt. Während sich aber „Breaking Dawn“ selbst todernst nimmt und besagte Szene dort völlig albern wirkt, passt sie in „Dark Shadows“ wunderbar.
Fazit: Nicht unbedingt Tim Burtons bester Film, aber eine amüsante, selbstironische Vampirpersiflage, die Twilight und Konsorten allemal vorzuziehen ist.

Trailer

Weitere Rezensionen zu Tim-Burton-Filmen:
Batman
Batmans Rückkehr
Sweeney Todd
Alice im Wunderland

Alice im Wunderland


Story: Die kleine Alice (Mia Wasikowska) ist erwachsen geworden, hat das Wunderland vergessen und soll sich den Zwängen der viktorianischen Gesellschaft unterwerfen, sprich: Einen langweiligen, biederen Adeligen heiraten und selbst langweilig und bieder werden. Der etwas zerstreuten Alice steht danach allerdings so gar nicht der Sinn, stattdessen folgt sie lieber einem weißen Kaninchen und landet, wie schon einmal, im Wunderland (oder Unterland), wo sie ihren ganzen alten Bekannten begegnet (an die sie sich ebenfalls nicht mehr erinnern kann), wie etwa dem Verrückten Hutmacher (Johnny Depp), der Grinsekatze (Stephen Fry), Diedeldei und Dideldum (Matt Lucas) oder der Raupe Absolem (Alan Rickman).
Doch seit Alice’ letztem Besuch hat die Rote Königin (Helena Bonham Carter) die Herrschaft übernommen und ihre Schwester, die Weiße Königin (Anne Hathaway) ins Exil geschickt. Kann Alice den Kampf mit der großköpfigen Despotin und ihrem Jabberwocky (Christopher Lee) aufnehmen?

Kritik: Zugegeben, beim Thema „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ bin ich nicht allzu sattelfest, und auch die Disney-Version habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen, also kann ich nicht allzu viel zur Vorlagentreue sagen.
Nach dem extrem düsteren „Sweeney Todd“ ist Tim Burtons Folgefilm wieder einer der etwas bunteren Sorte. Das zeigt sich schon allein am Kostüm von Johnny Depps Figur. War der kehlenschlitzende Barbier praktisch schwarzweiß, so ist der Verrückte Hutmacher dermaßen grell und farbig, dass Depps Willy Wonka (aus Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“) dagegen fast schon bieder wirkt.
Und obwohl Johnny Depp mal wieder so richtig aufdrehen darf, ist „Alice im Wunderland“ teilweise fast schon eine Enttäuschung. Vielleicht liegt es daran, dass der Film für Disney entstanden ist, oder dass Burton (wie er selbst zugegeben hat) nicht allzu viel mit der Vorlage anfangen kann, aber zeitweise wirkt dieser Verfilmung nach den Motiven aus Lewis Carrols Kinderbüchern einfach viel zu geradlinig.
Besonders trifft dies auf den Endkampf zu, der auf äußerst unangenehme Weise an „Der König von Narnia“ erinnert, und derartige High-Fantasy-Momente (insbesondere, wenn sie auch noch nicht wirklich überzeugend daherkommen), passen nicht wirklich zu diesem Film.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Computeranimationen: Keine Frage, das Design und die Atmosphäre sind toll, wie bei Tim Burton nicht anders zu erwarten, aber an vielen Stellen sieht man die CGI-Effekte doch etwas zu deutlich. Besonders bei Dideldei und Dideldum, dem Herzbube und dem Jabberwocky ist dies auffällig.
Und auch die Hauptdarstellerin, die bisher eher unbekannte Mia Wasikowska, kann nicht so recht überzeugen; ihre Alice bleibt blass und muss mit immer demselben, ziemlich unpassenden ernsten Gesichtsausdruck auskommen. Die „Verpeiltheit“, die durch die Dialoge impliziert wird, wird nie spürbar. In meinen Augen wäre Evanna Lynch (Luna Lovegood in den Harry-Potter-Filmen) die ideale Besetzung gewesen.
Ein wenig enttäuschend ist auch die Rote Königin, die zwar zu Helena Bonham Carters anderen Rollen passt, aber im Vergleich zu Bellatrix Lestrange oder Mrs. Lovett außer „Kopf ab“ Geschrei nicht wirklich viel zu bieten hat.
Die Weiße Königin dagegen hätte einiges an Potential gehabt, kommt aber viel zu kurz.
Zum Glück gibt es einige Elemente, die den Film dann doch noch äußerst genießbar machen. Die meisten Nebenfiguren sind toll und schräg umgesetzt, allen voran die Grinsekatze und die Raupe Absolem. Passenderweise sind diese beiden am besten animiert, und zusätzlich werden sie in der englischen Originalfassung auch noch von Stephen Fry und Alan Rickman gesprochen.
Allgemein hat Tim Burton es mal wieder geschafft, haufenweise hochkarätige Schauspieler für jede noch so winzige Nebenrolle zu casten. Der Jabberwocky etwa sagt nur etwa zwei Sätze, diese allerdings mit der mächtigen Stimme von Christopher Lee.
Fazit: Für einen Film von Tim Burton ist „Alice im Wunderland“ zu brav und uninspiriert und eindeutig einer seiner schwächeren Filme. Allerdings ist ein schwächerer Film von Tim Burton immer noch weitaus besser als viele andere Streifen; denn im Großen und Ganzen weiß „Alice im Wunderland“ durchaus gut zu unterhalten, vor allem dank toller und liebenswerter Nebenfiguren. Aber mit Meisterwerken wie „Sweeney Todd“ oder „Sleepy Hollow“ kann er nicht mithalten.

Trailer

Weitere Rezensionen zu Tim-Burton-Filmen:
Batman
Batmans Rückkehr
Sweeney Todd
Dark Shadows

Sweeney Todd


Story: London im späten 19. Jahrhundert: Der korrupte Richter Turpin (Alan Rickman) hat es auf die Frau des Barbiers Benjamin Barker (Johnny Depp) abgesehen. Kurzerhand beschuldigt Turpin diesen deshalb eines Verbrechens und lässt ihn nach Australien abschieben, damit er freie Bahn hat.
Viele Jahre später: Barker kehrt unter dem Namen Sweeney Todd nach London zurück, um Rache an Turpin zu nehmen. Zur Hand geht ihm dabei Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), die Inhaberin eines Pastetengeschäfts.
Durch die Tötung eines Konkurrenten Todds (Sacha Baron Cohen), der diesen zu erpressen versucht, wird die Mordlust des Barbiers allerdings erst richtig geweckt. Und da er des Richters noch nicht habhaft werden kann, meuchelt er solange seine Kunden, während Mrs. Lovett die Überreste zu Pasteten verarbeitet.

Kritik: Ohne Zweifel ist dieser auf Stephen Sondheims (welcher auch am Film mitgearbeitet hat) gleichnamigem Musical basierende Film Tim Burtons düsterster, sowohl in Hinblick auf die Atmosphäre als auch Handlung, Figuren und Humor betreffend.
Stilistisch knüpft Burton dabei an „Sleepy Hollow“ an, wie bei diesem sind auch in Sweeney Todd schwarz und grau die vorherrschenden Farben, sodass man sich fast wie in einem Schwarzweißfilm vorkommt, während das rote Blut meistens grell hervorsticht. Wie üblich erweist sich Tim Burton wieder als Meister der Atmosphäre; sein hier geschaffenes London übertrifft sogar die Versionen aus „Sherlock Holmes“ oder „From Hell“.
Doch während es in „Sleepy Hollow“ mit Ichabod Crane (ebenfalls von Johnny Depp verkörpert) noch einen eindeutigen, positiven Protagonisten gibt, fehlt dieser in „Sweeney Todd“ fast völlig. Der Titelheld mag eine tragische Figur sein, das ändert aber nichts daran, dass er praktisch den ganzen Film über düster-brütend seine Rache vorantreibt, ohne zu merken, dass diese ihn völlig auffrisst. Nur in seinen Songs wird er praktisch aus der Lethargie gerissen und mutiert zu einem zynischen Dämon, wenn er nicht gerade seine Tragik in die Welt hinausschreit.
Die eigentlichen positiven Figuren, Toby (Ed Sanders), der kleine Junge, den Mrs. Lovett adoptiert, Johanna (Jayne Wisener), Sweeneys Tochter, und Anthony, ein Matrose, dem Sweeney begegnet und der sich in seine Tochter verliebt, haben zu wenig Leinwandzeit und sind zu passiv-naiv, als das sie als Identifikationsfiguren fungieren könnten.
Am ehesten funktioniert noch Mrs. Lovett auf diese Weise; zwar ist auch sie geistig nicht ganz gesund, dabei aber äußerst liebenswürdig und fürsorglich.
Besetzt sind diese Figuren eigentlich alle wunderbar. Dass Depp und Bonham Carter mit von der Partie sind verwundert nicht, sind sie doch Tim Burtons Stammschauspieler. Johnny Depp beweist einmal mehr, dass er äußerst wandlungsfähig ist, während Helena Bonham Carter die schrägen, ziemlich psychotischen Damen abonniert zu haben scheint (die kann sie auch einfach gut spielen). Mrs. Lovett ist allerdings eine Ecke sympathischer als zum Beispiel Bellatrix Lestrange.
Auch Alan Rickman weiß als bösartiger, lüsterner Richter zu überzeugen, während Timothy Spall als Büttel Bamford einmal mehr so richtig eklig sein darf (Wurmschwanz lässt grüßen).
Enorm wichtig für ein Musical sind natürlich auch Musik und Lieder. In „Sweeney Todd“ gibt es keine munteren Tanzszenen, keine Ohrwürmer zum Mitpfeifen und auch sonst recht wenig vom konventionellen Musical. Die Songs, deren Zahl recht hoch ist, sodass der Film hin und wieder fast opernhaft wirkt, sind passgenau in die Handlung eingebettet, meistens recht schwierig und harmonisch ausgefeilt und oft eher dissonant.
Manchmal sind die Songs sogar für die Schauspieler zu ausgefeilt; immerhin sind diese keine ausgebildeten Sänger. Aber andererseits passt der nichtperfekte Gesang ganz gut zu den Figuren und ist auch nicht sonderlich störend.
Darüber hinaus dienen die Lieder, neben dem Voranbringen der Handlung und der Erforschung der Figuren, vor allem dazu, den tiefschwarzen Humor zu vermitteln. Wenn Sweeney zum sehnsuchtsvollen „Johanna“ Kehlen aufschlitzt oder der Barbier und der Richter in „Pretty Women“ über ihre Ambitionen singen, die verschiedener nicht sein könnten, aber dennoch genau denselben Text verwenden, ist das einfach unbeschreiblich.
Fazit: Einer von Tim Burtons gelungensten Filmen, ein vollkommen unkonventionelles Musical mit dichter Atmosphäre und tiefschwarzem Humor. Zwar kein Splatterfilm, aber dennoch keinesfalls etwas für Leute mit schwachen Nerven.

Trailer

Weitere Rezensionen zu Tim-Burton-Filmen:
Batman
Batmans Rückkehr
Alice im Wunderland
Dark Shadows