Star Wars Episode III: Die Rache der Sith – Soundtrack


Tracklisting:

01. Star Wars and the Revenge of the Sith
02. Anakin’s Dream
03. Battle of the Heroes
04. Anakin’s Betrayal
05. General Grievous
06. Palpatine’s Teachings
07. Grievous and the Droids
08. Padmé’s Ruminations
09 Anakin vs. Obi-Wan
10. Anakin’s Dark Deeds
11. Enter Lord Vader
12. The Immolation Scene
13. Grievous Speaks to Lord Sidious
14. The Birth of the Twins and Padmé’s Destiny
15. A New Hope and End Credits

Für das Finale der Prequel-Trilogie änderte John Williams abermals die Herangehensweise. Das Ergebnis ist in jedem Fall interessant und ich schwanke stets zwischen Enttäuschung über das, was dieser Soundtrack nicht ist und Begeisterung über das, was er anzubieten hat.
Die Musik zu „Die Rache der Sith“ unterscheidet sich in zwei Punkten fundamental von den anderen fünf Soundtracks. Punkt 1: Es gibt kein neues, starkes Leitmotiv (Leitmotiv, wohlgemerkt, nicht Thema!). Bisher gab es in jedem Film mindestens ein neues, starkes Leitmotiv, das sich über den Film (und oft noch darüber hinaus) entwickelte, meistens noch begleitet von diversen Nebenthemen, von denen manche ebenfalls enorm stark waren (etwa der Marsch der Handelsföderation aus „Die Dunkle Bedrohung“). In „Die Rache der Sith“ gibt es dagegen nur ein einziges neues Leitmotiv, das höchstens sekundär ist und im Film auch nur drei Mal auftaucht (auf dem Album sogar nur zwei Mal): Das Thema von General Grievous, eine pompöse Blechbläserfanfare, für dich eine ziemlich Schwäche habe (was habe ich mich aufgeregt, als dieses Thema weder im Clone-Wars-Film noch der zugehörigen Serie auftauchte). Ein kurzes Statement ist bereits im Eröffnungsstück Star Wars and the Revenge of the Sith bei 4:45 zu hören und untermalt Grievous‘ ersten Auftritt im Film, als er die Brücke der Invisible Hand betritt. Der zweite Einsatz findet sich in Grievous Speaks to Lord Sidious und dominiert das erste Drittel besagten Stückes, das Thema wird hier ausführlich und sogar mit Choreinsatz gespielt, um Grievous‘ Ankunft auf Utapau angemessen zu untermalen. Im Film wird das Thema darüber hinaus auch noch zu Beginn des Duells zwischen Obi-Wan und Grievous verwendet. Die Variation ist der in Grievous Speaks to Lord Sidious sehr ähnlich, allerdings ohne Chor.
Das (mit der oben beschriebenen Ausnahme) Fehlen neuer Leitmotive bringt uns auch gleich zum zweiten Punkt: Statt neuer Leitmotive arbeitet Williams hier sehr viel mehr mit szenenspezifischen Themen. Das gab es natürlich schon früher, allerdings noch nie in diesem Ausmaß. Das bekannteste Beispiel ist natürlich Battle of the Heroes, das Vorzeigestück des Soundtracks, das mit voller Absicht an Duel of the Fates erinnert – zurecht, denn Aufbau und Zweck beider Stücke ist sehr ähnlich. Beide sind Themen, die nicht einer bestimmten Person oder Sache zugeordnet sind, sondern dem Finale des Films, in dem sie debütieren. Damit sind beide keine Leitmotive im eigentlichen Sinn, sondern szenenspezifische Themen. Natürlich steht das Battle-of-the-Heroes-Thema auf gewisse Weise für Anakins Fall, aber es wird nicht, wie man es sonst von Williams erwarten würde, langsam aufgebaut, wenn das Duell zwischen Anakin und Obi-Wan beginnt ist es einfach da und erklingt (mit kurzen Unterbrechungen) praktisch durchgehend, bis der Kampf beendet ist. Auf dem Album gibt es zwei Tracks, die dieses Thema ausgiebig behandeln, die bereits erwähnte Konzertsuite Battle of the Heroes und Anakin vs. Obi-Wan. Letzterer erklingt zu Beginn des Duells, ist sehr energetisch und wird vor allem von schnellen Bläserfanfaren dominiert. Ersterer untermalt das Ende des Duells, ist getragener als Anakin vs. Obi-Wan und wird vor allem von Chor und Streichern dominiert. Interessant ist, dass in die beiden Stücke auch zwei bereits bestehende Leitmotive eingearbeitet sind: Das Machtthema findet sich in beiden und in Anakin vs. Obi-Wan erklingt mehrmals der Imperiale Marsch, der hier, nebenbei bemerkt, Darth Sidious persönlich gewidmet ist.
Darüber hinaus gibt es noch einige weitere ziemlich markante Themen, die nur einen einzigen Auftritt erhalten und keine leitmotivische, sondern nur eine szenenspezifische Funktion haben und somit „nur“ der Untermalung dienen. Als erstes hätten wir da Anakin’s Betrayal, ein sehr tragisches Chorstück, das die Ausführung der Order 66 untermalt und vage an das Begräbnisthema aus „Die dunkle Bedrohung“ erinnert. Ein weiteres Chorstück, das allerdings weniger tragisch, sondern eher dramatisch und düster ist, ist Anakin’s Dark Deeds, das bei der Ermordung des Separatistenrates und der gleichzeitig stattfinden Ausrufung des Imperiums eingesetzt wird. Ein etwas kleineres, aber nichtsdestotrotz einprägsames Szenenthema findet sich in Enter Lord Vader ab 0:50, als Anakin auf Mustafar eintrifft, um Gunray und Co. angemessen zu belohnen. Und schließlich hätten wir da noch Padmé’s Ruminations, praktisch ein Klagegesang, in dem immer wieder winzige Fragmente von Across the Stars erklingen. Im zweiten Teil des Stückes erklingt noch ein weiteres, sich steigerndes Thema, das nach Anakins Ernennung zum Sith-Lord erklingt.
Nun lässt sich natürlich spekulieren, weshalb Williams seine Vorgehensweise für diesen finalen Star-Wars-Soundtrack änderte. „Die Rache der Sith“ ist nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch der wohl düsterste Film der Hexalogie, aber das hängt wohl nicht in erster Linie mit der Verwendung von Szenenthemen zusammen. In einem Interview sprach Williams davon, die losen thematischen Fäden der Prequels endgültig mit den Leitmotiven der klassischen Trilogie zu verknüpfen und so endgültig die Brücke zu den Episoden IV-VI zu schlagen. Dies ist ihm im Großen und Ganzen eigentlich hervorragend gelungen.
Besonders hervorzuheben ist die weitere Verwendung von Across the Stars, dem Liebesthema von Anakin und Padmé. Während es in „Angriff der Klonkrieger“ aufgebaut wurde und stets an Kraft zunahm, ist in „Die Rache der Sith“ das Gegenteil der Fall: Zusammen mit Anakins und Padmés Liebe stirbt auch das Thema. Bereits in Anakin’s Dream klingt es wehmütig und deutet das Kommende an, um in Padmé’s Ruminations weiter fragmentiert zu werden und schließlich nach einem letzten Einsatz (Padmé kommt auf Mustafar an, nicht auf der CD) zu sterben.
Das Machtthema – wohl das am häufigsten verwendete der Saga – ist natürlich auch dieses Mal sehr präsent und taucht bereits in Star Wars and the Revenge of the Sith bei 1:38 auf und untermalt fortan die besonders schicksalhaften Moment. Der dramatischste Einsatz findet sich natürlich in Battle of the Heroes bei 1:56.
Sehr interessant ist noch die Verwendung des Imperialen Marsches und des Palpatine-Themas. In einem Film mit dem Titel „Die Rache der Sith“ würde man erwarten, dass diese Themen äußerst präsent sind, und gewissermaßen sind sie das auch, allerdings eher unterschwellig. Eine, salopp ausgedrückt, „In-Your-Face-Performance“ wie am Ende von „Angriff der Klonkrieger“ gibt es nicht. Stattdessen arbeitet Williams subtiler, mit zurückhaltenderen Variationen wie in Palpatine’s Teachings bei 3:37, wo Anakins Ärger über den Jedi-Rat vom Imperialen Marsch dargestellt wird. Leider sind viele dieser Statements nicht auf der CD zu finden. Palpatines Thema, dessen Präsenz im Film immer zunimmt und etwa bei Anakins Rettung von Mustafar und bei der kurz darauf folgenden Ankunft auf Coruscant gespielt wird, taucht auf dem Album lediglich einmal auf, bei 3:49 in Enter Lord Vader, zu Beginn der Ausrufung des Imperiums. Gerade bei derartigen Szenen hätte man eine donnernde Fanfare des Imperialen Marsches erwartet. Stattdessen arbeitet sich der Marsch vor allem am Ende in die Themen ein, sodass es quasi unausweichlich ist, dass alles letztendlich auf ihn hinausläuft. Leider sind diese Einsätze ebenfalls nicht auf der CD, obwohl man sie in The Birth of the Twins and Padmé’s Destiny hervorragend hätte integrieren können. In besagtem Stück kehrt auch das Begräbnis- bzw. Trauerthema aus „Die dunkle Bedrohung“ zurück, das im Film langsam in den Imperialen Marsch übergeht.
Die Brücke zu Episode IV wird schließlich vor allem mit A New Hope and End Credits geschlagen. Bereits zu Anfang erklingt (gewissermaßen zum ersten Mal) Leias Thema, bevor kurz darauf eine sanfte Variation des Hauptthemas zu hören ist, das hier erstmals in den Prequels Luke gilt und schließlich vom Machtthema abgelöst wird, bevor der Abspann beginnt, in dem vor allem Musik aus Episode IV gespielt wird, mit Ausnahme eines erneuten Einsatzes von Battle of the Heroes. Ob der Einsatz von Throne Room dabei in diesem Rahmen sinnvoll ist, ist diskutabel.
Fazit: Statt eines neuen starken Leitmotivs hat „Die Rache der Sith“ vor allem die Verknüpfung alter Themen und starke Szenenuntermalung zu bieten. Einerseits ist es zu bedauern, dass die Musik zu Episode III nicht den gewohnten Konventionen folgt, aber andererseits funktioniert diese Herangehensweise dennoch tadellos. Trotz dieses Umstandes befindet sich „Die Rache der Sith“ qualitativ auf einer Augenhöhe mit den fünf anderen Scores und bietet einen gelungenen Abschluss der Star-Wars-Saga.

Siehe auch:
Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Soundtrack
Star Wars Episode V: Das Imperium schlägt zurück – Soundtrack
Star Wars Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Soundtrack
Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung – Soundtrack
Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger – Soundtrack
Shadows of the Empire – Soundtrack
Star Wars: The Clone Wars – Soundtrack
Star Wars: The Old Republic – Soundtrack

5 Gedanken zu “Star Wars Episode III: Die Rache der Sith – Soundtrack

  1. Stefan Kraft

    Erwähnt werden sollte noch die beiliegende DVD „A Musical Journey“. Zwar bin ich erst davon ausgegangen, Ian McDarmid würde die einzelnen Musikstücke von der musiktheoretischen Seite einführen (also welche Themen eingesetzt werden, wann das jeweilige Thema im Film vorkommt, welche Instrumente eingesetzt werden…), so handelt es sich tatsächlich um eine nette Sammlung verschiedener Musikvideos der wichtigsten Stücke der Saga, die chronologisch diese nacherzählen. Ian McDarmid übernimmt dabei des Sprechers der Überleitungen.

  2. Stimmt, dafür gibt’s eindeutig Bonuspunkte, insbesondere, da Ian McDiamird mein Lieblinsschauspieler in der Saga ist. „A Musical Journey“ wurde auch schon live mit Orchester und Anthony Daniels (C-3PO) als Erzähler aufgeführt, leider bin ich aber noch nicht in den Genuss gekommen, es zu sehen.

  3. Sehr interessant, wirklich. mir ist das Fehlen eines neuen Leitmotivs gar nicht so wirklich aufgefallen. Ich empfand die thematische Vielfalt in diesem Teil als so toll, dass ich mir da gar keine weiteren Gedanken gemacht habe. Wirklich gut beobachtet…

    1. Thematische Vielfalt ist hier natürlich kein Problem, da Williams auf die Leitmotive aus fünf anderen Star-Wars-Filmen zurückgreifen kann, und es ist ja auch nicht so als gäbe es keine neue Musik… Es kuliminiert eben alles, und für das Finale der Prequels ist diese Herangehensweise auch durchaus passend. Für Star Wars Episode VII wünsche ich mir dann aber wieder starke neue Themen, die sich im Verlauf der Sequel-Trilogie entfalten können (die alten müssen, im passenden Rahmen und schönen neuen Variationen natürlich ebenfalls wieder auftauchen).

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