Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung – Soundtrack


Tracklisting:

01. Star Wars Main Title and the Arrival at Naboo
02. Duel of the Fates
03. Anakin’s Theme
04. Jar Jar’s Introduction and the Swim to Otoh Gunga
05. The Sith Spacecraft and the Droid Battle
06. The Trip to the Naboo Temple and the Audience with Boss Nass
07. The Arrival at Tatooine and the Flag Parade
08. He is the Chosen One
09. Anakin Defeats Sebulba
10. Passage Through the Planet Core
11. Watto’s Deal and Kids at Play
12. Panaka and the Queen’s Protectors
13. Queen Amidala and the Naboo Palace
14. The Droid Invasion and the Appearance of Darth Maul
15. Qui-Gon’s Noble End
16. The High Council Meeting and Qui-Gon’s Funeral
17. Augie’s Municipal Band and End Credits

Über Rezeption und Reputation von „Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung“ kann man bald schon Bücher schreiben; meine eigene Meinung zu dem Star-Wars-Film, der wohl mit Abstand am meisten niedergeschrien wurde, habe ich ja an anderer Stelle bereits erläutert: Obwohl der Film weit davon entfernt ist, fehlerfrei zu sein, ist er in meinen Augen auch bei weitem nicht so schlecht, wie viele ihn machen. Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass er im Fandom universal gehasst wird – die Hasser schreien meistens nur am lautesten. Aber um dies alles geht es in diesem Artikel nicht, sondern um die Musik zu besagtem Streifen. Auch John Williams vierter Star-Wars-Soundtrack ist nicht unumstritten, wird aber im Allgemeinen weit positiver aufgenommen als der Film selbst. Viele der Kritikpunkte sind auch eher vage, sehr oft liest man: „Es klingt nicht wie die Musik der alten Trilogie.“
Aber mal ehrlich, wer hätte nach 16 Jahren wirklich erwartet, dass John Williams exakt im selben Stil komponiert wie 1977-83? Ein Komponist entwickelt sich und nimmt neue Techniken und Stilmittel in sein Repertoire auf. Die Scores der OT beeinflussten die Soundtracks, die Williams anschließend komponiert hat, und umgekehrt beeinflusste die Musik von „Jurassic Park“, „Hook“, „Indiana Jones“ und „Nixon“ wiederrum die PT-Scores. Trotz der noch hektischeren Actionuntermalung (etwa in Qui-Gon’s Noble End) und dem erweiterten Choreinsatz (Duel of the Fates, The High Council Meeting and Qui-Gon’s Funeral) ist „Die Dunkle Bedrohung“ relativ eindeutig als Star-Wars-Soundtrack zu erkennen.
Zwar existiert auch von diesem Soundtrack eine Komplettaufnahme, diese ist allerdings sehr viel weniger weit verbreitet als die der OT, weshalb ich für dieses Review auf das normale Best-of-Album zurückgreife, das bis auf ein paar der weniger bedeutenden Leitmotive alles wichtige enthält, auch wenn die Anordnung der Stücke zum Teil merkwürdig ist.
Im Großen und Ganzen bedient sich Williams seines gewöhnlichen Rezepts für einen Franchise-Score: Einarbeitung alter Themen und Entwicklung neuer Leitmotive. Bei „Die Dunkle Bedrohung“ ist logischerweise Letzteres vorherrschend, immerhin spielt dieser Film 32 Jahre vor der Zerstörung des ersten Todessterns und viele der Dinge, die in der OT leitmotivische beschrieben werden, existieren noch gar nicht. Wie gewohnt eröffnet das Hauptthema sowohl den Film als auch den Abspann, taucht ansonsten allerdings in der gesamten Prequel-Trilogie sehr selten auf. Da dieses Thema in erster Linie Luke gilt, ist das nur gerechtfertigt. Das eine oder andere Mal lässt es sich Williams trotzdem nicht nehmen und setzt es, quasi als Fanservice, in der Untermalung von Action ein, zum Beispiel bei 0:20 in Panaka and the Queen’s Protectors, wo es sich kurz zu Anakins Thema hinzugesellt. Kurze Gastspiele absolvieren auch Yodas Thema und der Imperiale Marsch, beide in The High Council Meeting and Qui-Gon’s Funeral.
Zwei weitere Themen sind dagegen recht prominent vertreten. Das erste ist selbstverständlich das Machtthema. Die Macht spielt eigentlich immer eine große Rolle, ergo ertönt auch ihr Thema, wenn es um sie geht oder das Schicksal seinen Lauf nimmt. Unter anderem ist es (wenn auch recht subtil) in He is the Chosen One und The High Council Meeting and Qui-Gon’s Funeral zu hören und eröffnet Anakin Defeats Sebulba. Viele der stärkeren Statements, wie etwa jenes, das erklingt, kurz bevor Obi-Wan Darth Maul halbiert, sind auf dem Album nicht vorhanden. Das zweite Thema ist das Thema des Imperators, das hier die Auftritte von Darth Sidious unterlegt und damit sehr eindeutig macht, um wen es sich dabei handelt. Der grandioseste Einsatz dieses Themas ist in Augie’s Municipal Band and End Credits zu hören: Bei dem fröhlichen Stück handelt es sich nämlich in der Tat um Sidious‘ Thema, allerdings schneller gespielt, in Dur und begleitet von einem Kinderchor statt dem üblichen Untotenensemble. In seiner normalen Form vernehmbar ist es in The Droid Invasion and the Appearance of Darth Maul.
Ansonsten verlässst sich “Die Dunkle Bedrohung” aber stärker auf neue Themen. Die beiden Hauptthemen des Films belegen in Suitenform die Tracks 2 und 3 des Albums und füllen auch den Abspann.
Duel of the Fates, das Musikstück der Prequels, das sich am stärksten ins Gedächtnis der Allgemeinheit eingearbeitet hat, ist ein recht kurioses Thema und in seiner Konzipierung ein Novum, da es nicht wirklich eine leitmotivische Funktion besitzt. Letztendlich ist es (die Verwendung in den anderen Filmen erst einmal außen vorgelassen), ein Thema, das sich spezifisch auf den Endkampf von Episode I konzentriert. Gerade während des letzten Drittels ist Duel of the Fates extrem präsent, allerdings nie in „Reinform“ wie in der Suite, sondern unterbrochen von Underscoring oder anderen Themen (vornehmlich Anakins Thema). Die Einsätze des Themas, in denen der Chor aktiv wird und ein keltisches Gedicht auf Sanskrit singt, sind allerdings dem Lichtschwertduell zwischen Obi-Wan, Qui-Gon und Darth Maul vorbehalten. Williams wollte damit nach eigener Aussage das Gefühl einer rituellen, religiösen Handlung erwecken. Duel of the Fates ist damit auch das erste der epischen Chorstücke, von denen vor allem in „Die Rache der Sith“ noch einige weitere auftauchen. Weitere Versatzstücke von Duel of the Fates sind am Ende von The Droid Invasion and the Appearance of Darth Maul, Panaka and the Queen’s Protectors und in Qui-Gon’s Noble End (inklusive der bombastischen Blechbläserfanfare, die erklingt, als ein Hangartor aufgeht und Maul dahinter steht) zu hören.
Das zweite Hauptthema ist in leitmotivischer Hinsicht weitaus interessanter. Anakins Thema enthält Verweise auf Lukes Thema, Leias Thema und natürlich vor allem auf den Imperialen Marsch, die vor allem in Anakin’s Theme am Ende deutlich werden; dort transformiert das Thema, das freundlich und optimistisch beginnt, in ein zurückhaltendes Statement von Darth Vaders Leitmotiv. Darüber hinaus bildete es auch die Grundlage für Across the Stars, das Liebesthema aus Episode II. Während Anakins Thema in „Die dunkle Bedrohung“ sehr präsent ist (u.a. in He is the Chosen One und Panaka and the Queen’s Protectors), taucht es in den anderen beiden Prequels nur noch sehr vereinzelt auf, was irgendwie schade ist. Da wäre noch einiges an leitmotivischer Entwicklung drin gewesen, denn Anakins Thema ist wirklich hervorragend konstruiert.
Wenden wir uns aber nun den sekundären Themen zu. Da hätten wir natürlich zuerst Jar Jars Thema in Jar Jar’s Introduction and the Swim to Otoh Gunga, nicht gerade das leitmotivische Highlight des Soundtracks, aber es passt immerhin zur Figur. Dieses Thema gehört für mich in dieselbe Kategorie wie das Ewok-Thema aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Weitaus besser gefällt mir das Thema der Handelsföderation bzw. der Droidenarmee, das als Schurkenmarsch praktisch der Vorgänger des Imperialen Marsches ist, und darüber hinaus auch ein persönlicher Favorit (die erste Hälfte von The Droid Invasion and the Appearance of Darth Maul enthält gleich mehrere Variationen). Neben einigen weiteren kleinen Motiven, u.a. für Darth Maul, Qui-Gon Jinn und Shmi Skywalker, die auf diesem Album allerdings kaum zu finden sind, gibt es auch noch einiges an szenenspezifischem Material wie etwa die Untermalung der Flaggenparade, die das Podrennen eröffnet (The Arrival at Tatooine and the Flag Parade). Auch das Chorthema, das bei Qui-Gons Verbrennung gespielt wird, schien lange Zeit szenenspezifisch zu sein, kehrte allerdings in „Die Rache der Sith“ zurück, um sich als Beerdigungsthema zu etablieren.
Fazit: Mit „Die Dunkle Bedrohung“ hat Williams mit einigen neuen Stilmitteln, aber nach altem Rezept einen weiteren grandiosen Star-Wars-Soundtrack geschaffen. Dieser Score hat alles, was man sich von einer Musik dieses Franchise wünschen könnte: Sinnvolle Integrierung der alten Themen und gelungene neue Leitmotive. „Die Dunkle Bedrohung“ ist auch der „rundeste“ der drei Prequel-Scores.

Siehe auch:
Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Soundtrack
Star Wars Episode V: Das Imperium schlägt zurück – Soundtrack
Star Wars Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter – Soundtrack
Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger
Star Wars Episode III: Die Rache der Sith – Soundtrack
Shadows of the Empire – Soundtrack
Star Wars: The Clone Wars – Soundtrack
Star Wars: The Old Republic – Soundtrack

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4 Kommentare zu “Star Wars Episode I: Die Dunkle Bedrohung – Soundtrack

  1. Stefan Kraft sagt:

    „Der grandioseste Einsatz dieses Themas ist in Augie’s Municipal Band and End Credits zu hören: Bei dem fröhlichen Stück handelt es sich nämlich in der Tat um Sidious‘ Thema, allerdings schneller gespielt, in Dur und begleitet von einem Kinderchor statt dem üblichen Untotenensemble.“
    Das habe ich lange Zeit nicht gewusst und habe es erst vor wenigen Monaten erfahren. Es passt wirklich exzellent zu Sidious: Er ist direkt vor der Nase der Jedi, doch keiner bemerkt es; im Gegenteil, alle freuen sich mit ihm über den Sieg, der doch nur der erste Schritt zum Imperium ist… (Darth Plagueis habe ich allerdings noch nicht gelesen.)
    Über meine positive Meinung zu Ep. I habe ich ja auch hier auf dem Blog geschrieben. Solche Musikeinsätze wie das von Sidious‘ Thema sind der Grund, dass ich keinen der Star-Wars-Filme (ob nun PT oder OT) für dumm halte. (Natürlich müssen sie einem deswegen noch lange nicht gefallen, auch wenn es mir in der Hinsicht besser geht als so manch anderem Fan.)

    Zur „Extended Edition“ des Soundtracks: Damals gab es – so meine ich – Beschwerden von den Williams-Fans, dass es sich letztendlich zu großen Teilen (mehr oder weniger) nur um den 1:1-Soundtrackschnitt aus dem Film handelt, inklusive der meisten Postproduktionsänderungen. Das stieß bei vielen Fans natürlich eher auf Unmut, und Teile des Soundtracks scheinen immer noch nicht veröffentlicht worden zu sein.

    Ansonsten bin ich auf die weiteren Reviews gespannt.

  2. hemator sagt:

    Stimmt, der Ruf der EP-I-Extended-Edition ist bei weitem nicht so gut wie der der OT-Aufnahmen.
    Der erste Schritt zum Imperium ist theoretisch die Etablierung der Regel der Zwei durch Darth Bane (was übrigens kein EU-Fakt ist, das stammt von GL selbst und wurde im Zuge der Hintergrundgeschichte von Episode I erdacht; das EU hat das dann natürlich ausgeschmückt). Aber es ist natürlich Palpatines erster wirklicher Schritt auf dem Weg zum Imperator.
    Aber du hast Recht, im Großen und Ganzen sind die SW-Filme musikalisch alle sehr gelungen („The Clone Wars“ natürlich ausgeklammert).

  3. Stefan Kraft sagt:

    Ich bezog mich mit der „kein Film ist dumm“-Bemerkung nicht nur auf die Soundtracks, sondern sogar auf die Filme als Ganzes: Es gibt ein paar Websites, die sich beispielsweise mit den mythologischen Gedanken hinter den Filmen beschäftigen; erstaunlich, was man alles darin findet. (Ob das alles von GL beabsichtigt ist, sei mal dahingestellt, aber ich denke schon, dass das bei einigem wirklich der Fall ist.) Auch nicht vergessen werden darf das „Spiegeln“, bei dem verschiedene Szenen- oder Dialogelemente immer wieder im gleichen Kontext oder mit umgekehrtem Vorzeichen in unterschiedlichen Episoden vorkommen. All das führt mich zur Einschätzung, dass in die Filme durchaus Hirnschmalz geflossen ist und sie nicht nur Spezialeffekt-Orgien darstellen.
    (Ob diese Beobachtungen wiederum jemanden dazu bringen, die Filme zu mögen, oder die (ob nun berechtigten oder unberechtigten) Schwachpunkte nicht zu sehr zu gewichten, ist natürlich eine andere Sache. Aaron von SWU.de schreibt beispielsweise tolle Analysen der Prequels, findet sie aber letztendlich nicht so toll – so zumindest mein Eindruck.)

    Toll fand ich übrigens bei Deiner Analyse des ESB-Soundtracks, wie sich die verschiedenen Musikthemen gegen Ende des Films abwechseln – das ist ein Beispiel für intelligenten und künsterlisch gekonnten Musikeinsatz – und ein Beispiel für die von Dir angesprochene „Intelligenz“ des Soundtracks.

    Eine letzte Bemerkung dann noch: Über negative Meinungen bin ich bei den Prequels-Soundtracks noch nicht gestoßen, sodass mich Dein Kommentar, der Soundtrack sei nicht unumstritten, etwas erstaunt war. Aber da ich kein aktiver SW-Forenbesucher bin, habe ich wohl einfach nicht viel mitgekriegt.

  4. hemator sagt:

    @“Kein Film ist dumm“: Hatte ich auch so verstanden. 😉 Meine Aussage bezog sich eher auf den Soundtrack als Faktor, der durchaus dazu beitragen kann, einen Film besser zu machen – was hin und wieder sogar so weit geht, dass der Soundtrack das beste am Film ist (was viele Leute auch über die Prequels denken). War aber zugegeben missverständlich formuliert.

    Die negativen Meinungen zu den Prequel-Scores kommen oft von den Leuten, die absolut kein gutes Haar an den Filmen lassen; die Kritikpunkte sind dann meistens allerdings eher vage. Aber es stimmt schon, die meisten „offiziellen“ (bzw. ausführlichen oder wie immer man es auch nennen mag) Reviews tendieren eher dazu, die Soundtracks positiv zu bewerten.

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