Underworld


Story: Seit Jahrhunderten tobt der Kampf der Vampire gegen die Lykaner (Werwölfe), doch seit dem (scheinbaren) Tod des Oberwerwolfs Lucien (Michael Sheen) sieht es so aus, als würden die Vampire gewinnen. Dennoch müssen die Todeshändler, die Elitekämpfer der Vampire, sich Nacht für Nacht mit Lykanern herumschlagen.
Doch eines Tages geschieht etwas Merkwürdiges: Selene (Kate Beckinsale), Todeshändlerin und Adpotivtochter von Obervampir Viktor (Nill Nighy), entdeckt, dass die Werwölfe hinter einem Mann namens Michael Corvin (Scott Speedman) her sind. Ihre Nachforschungen führen sie zu einer Verschwörung, die mit dem Ursprung der beiden verfeindeten Rassen zusammenhängt und an der nicht nur die Werwölfe und deren totgeglaubter Anführer Lucien beteiligt sind, sondern auch hochrangige Vampire.

Kritik: Obwohl sich „Underworld“ und „Twilight“ auf den ersten Blick massiv unterscheiden, sind sie sich in einigen Punkten sogar recht ähnlich – insbesondere darin, dass sie quasi denselben Fehler machen. Aber der Reihe nach. „Underworld“ ist in erster Linie ein Actionfilm, der sich, v.a. ästhetisch, stark auf die Matrix-Trilogie und die Blade-Filme beruft. Das bedeutet vor allem Style over Substance, ein hämmernder Metal-Soundtrack, Kate Beckinsale in schwarzem Latex und viele Kugeln.
Was „Underworld“ jedoch für mich so interessant macht, ist die Tatsache, dass es sich dabei quasi um eine Verfilmung des Rollenspiels „Vampire: The Masquerade“ handelt, oder zumindest um das, was einer Verfilmung am nächsten kommt. Das hängt vor allem mit der Atmosphäre zusammen, die der Film vermittelt: Gotische, urbane Landschaft (gedreht wurde in Budapest), ein Blauschleier und die Mischung aus hypermodernen Waffen, alten Anwesen, Ledermänteln und Schwertern vermitteln die Gothic-Punk-Amtosphäre von „Vampire: The Masquerade“ so gut wie kein anderer Film. Auch inhaltlich haben sich Regisseur Len Wiseman (der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat) und die Autoren Kevin Grevioux und Danny McBride bei dem Pen&Paper-Rollenspiel von White Wolf kräftig bedient, in der Tat so kräftig, dass White Wolf gegen den Film geklagt hat. Vampire gegen Werwölfe, die ausgearbeitet Mythologie, Verschwörungen uralter Vampire, Stimmung und Atmosphäre – es gibt viel, das an „Vampire: The Masquerade“ erinnert. Dazu gehören nicht zuletzt auch die adeligen Vampire, die politische Ränke schmieden und sich vor der Gesellschaft der Sterblichen verbergen – ganz wie die Camarilla.
Man merkt dem Streifen auch an, dass er ein Herzensprojekt ist und die Macher äußerst ambitioniert waren. Was aber leider nicht heißt, dass „Underworld“ nicht auch eine ganze Menge Probleme hat, u.a. die Story und die beiden Hauptcharaktere betreffend. Der Plot ist eigentlich gar nicht so übel, die Hintergründe der Vampire und Werwölfe sind schön (wenn auch nicht immer ganz schlüssig) ausgearbeitet (es wird quasi die Mythologie von „Vampire: The Masquerade“ mit der pseudowissenschaftlichen Herangehensweise von „Blade“ kombiniert) und sorgen für Stimmung. Die Geschichte ist von „Romeo und Julia“ inspiriert, mit den Werwölfen und Vampiren als verfeindeten Familien. Das Problem: Zwischen Selene und Michael gibt es absolut keine Chemie, so etwas wie eine glaubhafte Beziehung entsteht nicht, was auch durchaus mit den Darstellern zusammenhängt. Vor allem Scott Speedman bleibt verdammt blass, während Kate Beckinsale als in Leder gewandete Vampiramazone zwar eine gute Figur macht, aber ansonsten ziemlich unterkühlt ist.
Das zweite große Problem ist dasselbe, das auch „Twilight“ plagt: Der Kern des Themas „Vampir“ wird verfehlt bzw. ignoriert: Der Kampf um die Menschlichkeit und das Streiten mit dem eigenen Blutdurst. Während „Twilight“ versucht, das Thema zu integrieren, daran aber großartig scheitert, unternimmt „Underworld“ den Versuch nicht einmal wirklich. Schon von Anfang wird eingeführt, dass Vampire inzwischen synthetischen Blut erfunden haben und sich davon ernähren. Diese Prämisse kann natürlich ebenfalls interessant umgesetzt werden, wie „True Blood“ bewiesen hat, hier wird es allerdings lediglich aus Ausrede verwendet, um sich mit dem oben angesprochenen Konflikt nicht auseinandersetzen zu müssen. In beiden Fällen werden die Vampire instrumentalisiert, um besser ins Genre zu passen und es den Autoren leichter zu machen.
Im Gegensatz zu „Twilight“ hat „Underworld“ allerdings einige Qualitäten, die für die oben beschriebenen Mängel entschädigen. Da wären, neben der gelungenen Optik und den mitunter ziemlich kreativen Actionszenen, als erstes die Nebendarsteller, allen voran Michael Sheen (zugegeben, der macht in „New Moon“ auch mit und ist das Beste an besagtem Film) und Bill Nighy. Bill Nighy beim Overacting zuzusehen ist immer wieder grandios und im Gegensatz zu Edward Cullen und Co. schafft er es auch, seine Auftritte mit vampirischer Ausstrahlung zu versehen. Obwohl ihn das Drehbuch nicht unterstützt ist die raubtierhafte Aura, die stets von ihm ausgeht, sehr gut spürbar. Michael Sheens Lucien schließlich ist mit Abstand der interessanteste und vielschichtigste Charakter des Films, und Sheen schafft es hervorragend, die Ambivalenz seiner Figur zu verkörpern.
Fazit: „Underworld“ hätte bei richtiger Behandlung der Vampirthematik (so wie in der Quasivorlage „Vampire: The Masquerade“ beschrieben) noch weitaus mehr sein können, als das, was er ist: Ein stylischer, kurzweiliger Vampir-Werwolf-Actioner mit ziemlich uninspirierten Haupt- und äußerst fähigen Nebendarstellern.

Trailer

Siehe auch:
Vampire: The Masquerade

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