Stück der Woche: Chateau


Chateau ist ein weiteres Elektronik-Orchester-Hybridstück aus „Matrix Reloaded“. Den Wachowskis war von Anfang an klar, welche Musik sie für die entsprechende Szene wollten. Um ihre Vorstellungen umzusetzen heuerten sie Rob Dougan an, dessen Clubbed to Death im ersten Film bereits mit großem Erfolg verwendet wurde. Dougan komponierte für die Szene ein neues Stück, das stilistisch relativ gut zu den anderen, von Don Davis und Ben Watkins komponierten Hybriden, etwa Burly Brawl und Mona Lisa Overdrive, passt. Es fallen dennoch einige Unterschiede auf, in erster Linie das Fehlen von Davis‘ typischen Matrix-Motiven und Klangfiguren, die er sonst immer in den Actionszenen unterbringt.

Obwohl Davis von Anfang an wusste, dass die Musik der Chateau-Szene nicht von ihm kommen würde, komponierte er, nur für alle Fälle (oder einfach aus Spaß an der Sache) eine Alternative, die er auch aufnahm und die sich unter den Bonusstücken von La-La-Lands erweitertem Reloaded-Album findet. Was dieses Stück angeht bin ich zutiefst gespalten. Einerseits passt Dougans Version weitaus besser in den Film und zur Atmosphäre der Szene, vom Kontext losgelöst gefällt mir Davis‘ Stück aber weitaus besser, u.a. auch, weil die Filmversion eine gewisse Gleichförmigkeit aufweist und weil ich einfach kein besonders großer Electronica-Fan bin.


Aufgrund der oben erläuterten Umstände kann man wohl davon ausgehen, dass Davis die Szene anders untermalt hätte, hätte er angenommen, dass seine Musik im Film landet – bei der Alternativversion handelt es sich fast schon um einen kompositorischen Spaß, wie sich schon am Titel zeigt: Chateau Swashbuckling. Stilistisch schrieb Davis hier einen Hybriden ganz anderer Art, Chateau Swashbuckling vermischt Matrix-Musik mit den Stilmitteln der alten Mantel-und-Degen-Filme, die vornehmlich von Erich Wolfgang Korngold vertont wurden und der in dieser (und auch in jeder anderen) Hinsicht stilbildend war. Die Actionmusik klingt deshalb weitaus positiver und fast schon altmodisch, sie hätte auch ganz gut aus John Debneys „Cutthroat Island“ („Die Piratenbraut“), das ebenfalls eine moderne Liebeserklärung an den Korngold-Stil darstellt, stammen können. Atmosphärisch beißt sie sich mit der Szene, rein technisch ist sie aber grandios, man beachte nur, wie genau der Score auf das Filmgeschehen reagiert, ohne dass es ins Mickey-Mousing abgleitet. Das Stück hat eine unglaubliche Dynamik und eine liebevolle Verspieltheit, die man sonst in Davis‘ Matrix-Musik nicht findet. Wie nicht anders zu erwarten tauchen auch wieder die Matrix-Motive auf, bei 0:53 ist Neos aufsteigendes Heldenthema zu hören, bei 1:08 erklingt kurz das alternierende Zwei-Noten-Motiv, das außerdem noch bei 2:19, 2:33 (hier in Begleitung einer heroischen Blechbläserfanfare), 1:52 und 3:07 wieder auftaucht.

Kurz und gut: Chateau Swashbuckling ist atmosphärisch unpassend, aber ansonsten genial und ohne Zweifel eines meiner liebsten Matrix-Stücke. Wird Zeit, dass Don Davis aus dem Vorruhestand zurückkehrt und einen Piratenfilm vertont.

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