Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht – Soundtrack

Enthält Spoiler!
TFAScore
Track Listing:

01. Main Title and the Attack on the Jakku Village
02. The Scavenger
03. I Can Fly Anything
04. Rey Meets BB-8
05. Follow Me
06. Rey’s Theme
07. The Falcon
08. That Girl with the Staff
09. The Rathtars!
10. Finn’s Confession
11. Maz’s Counsel
12. The Starkiller
13. Kylo Ren Arrives at the Battle
14. The Abduction
15. Han and Leia
16. March of the Resistance
17. Snoke
18. On the Inside
19. Torn Apart
20. The Ways of the Force
21. Scherzo for X-Wings
23. Farewell and the Trip
24. The Jedi Steps and Finale

Beginnen wir diesen Artikel gleich mit einer warnenden und einer und kleinlichen Beschwerde. Zuerst die warnende: Im Vorfeld von „Das Erwachen der Macht“ wurde u.a. angekündigt, man werde auch eine halbe Stunde an zusätzlicher Musik veröffentlichen, die von John Williams für den Film komponiert wurde, in diesem aber nicht zum Einsatz kam. Da es vom Soundtrack zu „Das Erwachen der Macht“ sowohl eine Standard als auch eine Special Edition gibt, nahm ich an, dass die Special Edition besagte zusätzliche Musik enthalten würde, was sich aber als Fehlschluss herausstellte. Inhaltlich sind beide Editionen identisch, das Speziale an der Special Edition ist nur das glänzende Digi-Book. Ich rate zum Kauf der Standardversion. Weitere Musik aus „Das Erwachen der Macht“, die tatsächlich im Film zu hören, aber nicht auf dem Album zu finden ist, gibt es dafür hier.

Und nun zur kleinlichen Beschwerde: Mein musikalischer Lieblingsmoment des Films ist nicht auf dem Album. Ich spreche natürlich von dem Stück, das die Szene untermalt, in der Kylo Ren ein Zwiegspräch mit Darth Vaders Helm hält und in dem der Imperiale Marsch erklingt. Als Fan dieses Leitmotivs, der fast schon besessen jede Variation sammelt, die er findet, ist das für mich natürlich ziemlich enttäuschend. Schande über wer auch immer dafür verantwortlich ist. Und nun zum eigentlichen Score.

Erwartungen sind schon so eine Sache. Nach „Die Rache der Sith“ war es unwahrscheinlich, dass jemals wieder ein von John Williams komponierter Star-Wars-Score kommen würde. Dann kam der Disney-Deal, gefolgt von der Bekanntgabe, dass tatsächlich John Williams, inzwischen stolze 83 Jahre alt, die Musik zu Episode VII komponieren würde. Das sorgt freilich dafür, dass die Vorfreude ins Unermessliche steigt und die Erwartungen ziemlich unrealistisch werden. Leider ist „Das Erwachen der Macht“ weder das allumfassende Meisterwerk, das ich mir erträumt habe, noch der beste der sieben Star-Wars-Scores. So gerne ich das auch gesehen hätte, derartige Erwartungen sind doch etwas überzogen. Nach dem ersten Mal hören war ich sogar ein wenig unterweltigt, doch wie sich gezeigt hat, ist „Das Erwachen der Macht“ ein Score, der langsam ans Herz wächst, statt einen sofort anzuspringen.

Was vor allem bei der Sichtung des Films auffällt ist, dass die Musik bei J. J. Abrams eine weniger dominante Rolle spielt als bei George Lucas, Irvin Kershner und Richard Marquand, und da schließlich ich die Prequels definitiv mit ein, trotz der fürchterlichen Art und Weise, wie Lucas die Musik von „Angriff der Klonkrieger“ behandelt hat. Anders als bei Lucas, erinnern wir uns nur einmal an die finalen Lichtschwertduelle in den Episoden I und III, tritt sie selten wirklich in den Vordergrund.

Stilistisch bewegt sich Williams zwischen drei Perioden seiner Schaffensphase hin und her. Viele hofften ja, Williams würde für „Das Erwachen der Macht“ wieder stärker zu den etwas einfacheren, eleganteren Kompositionen der späten 70er- und 80er-Jahre zurückkehren, und in einigen Stücken greift er tatsächlich auf die Elemente seiner früheren Schaffensphase zurück, etwa in Scherzo for X-Wings oder March of the Resistance. Besonders Letzteres weckt Erinnerungen an die heroischen Märsche, die Williams für „Superman“ oder „Jäger des verlorenen Schatzes“ komponiert hat. Dennoch ist „Das Erwachen der Macht“ eindeutig ein Score des modernen Williams, es finden sich sowohl die Stilmittel, die die Prequels und Williams‘ andere Actionscores der letzten fünfzehn Jahre kennzeichneten (komplexe, hektische Orchesterarbeit, Follow Me und The Falcon sind hier exemplarisch), als auch Elemente der eher dramatischen, emotionalen Musik, die der Maestro beispielsweise für Steven Spielbergs „Gefährten“ schrieb. Das tragische The Starkiller ist ein schönes Beispiel.

Der Kern eines jeden Star-Wars-Scores sind natürlich die Leitmotive. Diverse Themen der klassischen Trilogie kehren zurück und neue kommen dazu. Wie nicht anders zu erwarten erklingt zu Beginn des Films der ikonische Main Title (Luke Skywalkers Thema), wobei gerade an dieser Stelle auffällt, dass hier nicht das London Symphony Orchestra spielt; diesem Einsatz des Themas fehlt die Kraft, die es bei den anderen Episoden hat. Obwohl Luke Skywalker erst in den letzten paar Minuten des Films auftaucht, erklingt sein Thema in „Das Erwachen der Macht“ öfter als in jedem der Prequels. In dieser Hinsicht ist es wohl eher als Star-Wars-Thema im Allgemeinen zu betrachten, denn fast keiner der Einsätze hängt wirklich explizit mit Luke zusammen, sondern eher mit positiven Ereignissen der OT im Allgemeinen. Es gibt subtile Einsätze am Anfang von The Rathtars! und Han und Leia, während es in Scherzo for X-Wings sehr ausgiebig zu hören ist; tatsächlich ist das gesamte Stück um dieses Thema herum aufgebaut und verstärkt so noch das Episode-IV-Gefühl, das der Angriff auf die Starkiller Base weckt. Gleichzeitig ist es ohne Zweifel eines der Highlights des Albums.

Auch Prinzessin Leias Thema und das Leia/Han-Liebesthema kehren zurück, beide in Han und Leia (Ersteres bei 0:10, Letzteres bei 0:42) und Farewell and the Trip (Leia bei 2:55, Han/Leia bei 1:49). Die Rebellenfanfare ist ebenfalls erneut zu hören, repräsentiert dieses Mal allerdings fast ausschließlich den Millenium Falken, da der Widerstand ein eigenes, neues Thema hat. Vielleicht kann man den Falken hier als letztes, unverändertes Überbleibsel der alten Rebellion sehen – in jedem Fall funktioniert das vor allem auf emotionaler Ebene sehr gut. Zu hören ist die Fanfare unter anderem in Follow Me (2:39), The Falcon (am Anfang und bei 1:01), The Rathtars! (3:43) und Farewell and the Trip (3:45).

Und dann wäre da natürlich noch das Machtthema, das in einem Film mit diesem Titel einfach nicht fehlen darf. Dieses Leitmotiv, ohnehin dasjenige, das als zentrales Thema der Star-Wars-Saga gelten kann, „erwacht“ in der zweiten Hälfte des Scores, zum ersten Mal in Maz’s Council (2:15) und bleibt im restlichen Film ziemlich präsent. Weitere sehr deutliche Variationen sind in Han and Leia (4:02), Torn Apart (3:13), The Ways of the Force (direkt am Anfang und bei 1:50), Farewell and the Trip (0:47 und 2:12) sowie Jedi Steps and Finale (1:37, besonders opulente Version) zu hören, und darüber hinaus tauchen an verschiedenen Stellen immer wieder subtile Andeutungen und Fragmente auf, die alle mit dem Erwachen der Macht in Rey und der Galaxis zu tun haben. Während es in der ersten Hälfte des Films nicht zu hören ist, wird es in der zweiten zunehmend stärker.

Werfen wir nun einen Blick auf die neuen Themen, die in erster Linie mit den neuen Charakteren zusammenhängen, die auch im Film zweifelsohne im Zentrum stehen. Drei dieser Themen erhalten im Verlauf des Albums Konzert-Suiten, die in dieser Form nicht im Film gelandet sind: Rey’s Theme, March of the Resistance und Snoke. Letzteres ist das Thema des neuen, mysteriösen Oberschurken und taucht im Film an zwei, drei verschiedenen Stellen auf, ist auf dem Album aber nur in diesem Track zu hören. Ein Männerchor singt hier ein Gedicht von Rudyard Kipling, das auf Sanskrit übersetzt wurde. Dadurch werden natürlich automatisch Erinnerungen an das Thema des Imperators und das mit der Dunklen Seite verknüpfte Duel of the Fates wach, auch hier sang der Chor Sanskrit-Texte. Snokes Thema klingt allerdings fragiler und weniger prägnant als das seines Vorgängers (man versuche nur einmal, es zu summen).

Der Marsch des Widerstandes ist das einzige neue Fraktionsthema, da die Erste Ordnung (noch) nicht musikalisch repräsentiert wird und die Neue Republik ohnehin praktisch nicht vorkommt. Wie bereits gesagt erinnert dieser Marsch an Williams‘ heroische Märsche der 80er Jahre. Außer im gleichnamigen Stück taucht er auch in Han und Leia bei 1:12 auf und erklingt in einigen Stücken, die es nicht auf das Album geschafft haben.

Reys Thema schließlich ist ohne Zweifel das Herz des Scores. Es ist vielleicht nicht ganz so einprägsam wie einige Melodien, die Williams für die alten Filme geschrieben hat, passt aber wunderbar zur Figur: Es klingt neugierig, aufgeweckt, ein wenig verletzlich, kann aber auch stark und entschlossen sein. Gerade hier sind die Spuren von Scores wie „Gefährten“ am deutlichsten; auch gibt es eine gewisse Ähnlichkeit zu Anakins Thema aus „Die dunkle Bedrohung“. Dies wird vor allem in Finn’s Confession deutlich, dort gibt es am Anfang einen Verweis zur Musik von Episode I (Talk of Podracing auf der Ultimate Edition). Da Rey die Protagonistin des Films ist, ist ihr Thema auch das dominanteste, es wird bereits in The Scavanger eingeführt und entwickelt sich über That Girl with the Staff, Finn’s Confession und Maz‘ Counsel weiter. Wirklich interessant ist aber der Einsatz in Jedi Steps and Finale, dort scheint das Thema eine Verbindung mit Lukes Thema einzugehen und bei 0:58 könnte man meinen, einen subtilen Hinweis auf den Imperialen Marsch zu hören. All das verstärkt noch den Verdacht, dass es sich bei Rey tatsächlich um Anakin Skywalkers Enkelin handelt.

Und apropos Anakin Skywalkers Nachkommenschaft: Das bedeutendste Thema, das keine eigene Suite bekommen hat, ist Kylo Rens Thema, ein absteigendes Motiv, bestehend aus fünf Noten, das bereits in Main Titel and the Attack on the Jakku Village bei 4:20 erklingt. Besonders hier rufen Instrumentierung, Begleitung und der marschartige Rhythmus augenblicklich den Imperialen Marsch ins Gedächtnis (angesichts seiner Obsession und seiner Herkunft sehr passend); bei späteren Einsätzen, etwa in Kylo Ren Arrives at the Battle (0:51) oder The Abduction (0:45), ist das weniger der Fall. Darüber hinaus besitzt Kylo noch ein sekundäres Motiv, das speziell für seinen Einsatz der Macht steht und somit als eine Art dunkles Spiegelbild des Machtthemas fungiert. Es ist in The Abduction bei 0:15 und in Han and Leia bei 3:44 zu hören. Zwei der interessantesten Stücke des Scores sind Torn Apart und The Ways of the Force, hier kulminieren und ringen die beiden Themen von Kylo, das Machtthema und das Thema von Rey auf beeindruckende Weise miteinander – im Zusammenspiel ein Glanzstück narrativer Musik.

Es existieren noch einige weitere, sekundäre Motive, u.a. für Finn und Poe, Ersteres (recht energiegeladen und chaotisch) erklingt beispielsweise in Follow Me bei 1:12, Letzteres (heroisch und mit dem Widerstandsmarsch verwandt) in I Can Fly Anything bei 1:19.

Von besonderem Interesse ist freilich auch noch die Abspannmusik. Dieser beginnt bei 2:11 in Jedi Steps and Finale mit den vertrauten Einsätzen von Lukes Thema und der Rebellenfanfare, gefolgt von Reys Thema (2:58), Kylo Rens sekundärem Thema (4:25), Kylo Rens primärem Motiv (4:45), Finns Motiv (5:02), Poes Thema (2:25) und dem Marsch des Widerstandes (6:05). Schließlich kommt es zu einem sehr schönen Ausklang, eingeleitet vom Machtthema (7:27), dem in kurzer, kontrapunktischer Abfolge Reys Thema (7:31), die Rebellenfanfare (8:07), noch einmal Reys Thema (8:22) und schließlich Lukes Thema (8:34) folgen.

Fazit: John Williams‘ Musik zu „Das Erwachen der Macht“ ist zwar weniger prägnant und eingängig als die Scores der Episoden I bis VI, deshalb allerdings nicht weniger gut durchdacht oder hochwertig. „Das Erwachen der Macht“ ist ein Soundtrack, der einen nicht augenblicklich mit einem Stück wie Duel of the Fates anspringt, sondern mit jedem Hören besser wird, weil man bei jedem Mal eine neue, clevere Nuance entdeckt. Williams‘ neueste Arbeit mag nicht das absolute Meisterwerk sein, das auf ich und viele andere gehofft haben, ein würdiger Score, der zu den besten des Jahres 2015 gehört, ist sie allemal.

Imperium in Trümmern

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Ursprünglich wollte ich die Rezension zu diesem Comic noch vor der Kritik zu „Das Erwachen der Macht“ verfassen, aber dann gab es bei der Bestellung eine Verzögerung, weshalb sie jetzt nun nachgereicht wird. „Imperium in Trümmern“ (Originaltitel: „Shattered Empire“) ist eine vierteilige Miniserie, verfasst von Greg Rucka und gezeichnet von Marc Chechetto (unter Mithilfe von Angel Unzueta und Emilio Laiso), die während der Schlacht um Endor beginnt und, wie schon „Aftermath“ und „Verlorene Welten“, einen begrenzten Einblick in die Zeit direkt nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ gibt. Protagonistin des Ganzen ist die Rebellenpilotin Shara Bey, bei der es sich um die Mutter des in „Das Erwachen der Macht“ von Oscar Isaac gespielten Resistance-Piloten Poe Dameron handelt (sein Vater Kes Dameron, ein Soldat der Allianz, kommt ebenfalls vor). Im Verlauf der Miniserie erlebt Shara Bey zwei kleinere Abenteuer mit Prinzessin Leia und Luke Skywalker, während es parallel dazu ein paar Einblicke in das Imperium nach Palpatines Tod gibt. So wird etwa offenbart, dass es im Falle seines Ablebens eine Aktion „Verbrannte Erde“ gibt, der beispielsweise Naboo zum Opfer fallen soll. Zufällig befinden sich Shara Bey und Leia gerade auf Naboo, sodass sie diese Pläne vereiteln können. Im Anschluss daran hilft Shara Luke Skywalker dabei, ein Relikt des alten Jedi-Tempels von den Imperialen zurückzubekommen, während die Rebellen, darunter Kes Dameron und Han Solo, andernorts nach wie vor gegen die Überreste des Imperiums kämpfen.

Wie schon die anderen Medien, die die Zeit nach Endor schildern, ist „Imperium in Trümmern“ eher zurückhaltend und zeigt nur kurze Ausschnitte einer im Chaos versinkenden Galaxis. Viele Dinge werden kurz angerissen, aber kaum etwas wird wirklich befriedigend ausgearbeitet. Die Einfälle sind durchaus gelungen, aber gerade die beiden Missionen, auf die sich Shara Bey begibt, wirken ein wenig beliebig und hätten nicht unbedingt in der Zeit nach Endor spielen müssen. So amüsant es auch ist, die großen Drei auf den Seiten dieses Comics agieren zu sehen, so wenig trägt es doch zu ihrer Charakterentwicklung bei, da die Handlung über weite Strecken einfach zu beliebig ist. Gerade die Einblicke ins Imperium sind für meinen Geschmack viel zu knapp und wenig aussagekräftig, bei einem Titel wie „Imperium in Trümmern“ erwartet man dann doch etwas anderes.

Ich finde allerdings recht interessant, dass gerade hier wieder durch das Vorkommen von Naboo eine Verbindung zu den Prequels gezogen wird – das stellt schon Leias zweiten Besuch auf der Heimatwelt ihrer Mutter dar, und auch dieses Mal hat Leia wieder einen Episode-I-Flashback, im Hangar von Theed spürt sie ein Echo von Darth Maul.

Die Optik der Miniserie ist insgesamt sehr gelungen, die Zeichnungen sind recht opulent und detailliert, die Filmfiguren sind gut zu erkennen. Durch den offensichtlichen Computereinsatz wirkt optische Gestaltungen an manchen Stellen allerdings recht steril.

Fazit: „Imperium in Trümmern“ ist ein ganz nettes, kurzweiliges und optisch ansprechendes Abenteuer, das seinem Titel allerdings nicht gerecht wird und die Lage nach Endor nur unzureichend thematisiert. Das Potential wäre vorhanden gewesen, allerdings hätte die Miniserie entweder einen anderen Fokus oder mehr Ausgaben (oder beides) benötigt.

Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht

Diese Rezension ist so spoilerfrei wie möglich, könnte aber zu gewissen Schlussfolgerungen führen.
TFA
Story:
 Über dreißig Jahre nach der Schlacht um Endor: Die Überreste des Imperiums haben sich zur „Ersten Ordnung“ formiert und trachten nach wie vor danach, über die Galaxis zu herrschen. In ihrem eigenen Gebiet wird die Ordnung von der „Resistance“ unter General Leia Organa (Carrie Fisher) bekämpft. Während Han Solo (Harrison Ford) wieder schmuggelt, gilt Luke Skywalker (Mark Hamill), Held des Galaktischen Brügerkriegs, als verschollen, jedenfalls bis eine Spur in Form einer Karte auf dem Wüsentlaneten Jakku auftaucht und dort durch Zufall im Inneren des Droiden BB8 an die junge Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) gerät. Zusammen mit Finn (John Boyega), einem Deserteur der Ersten Ordnung, versucht Rey nun von Jakku zu fliehen, denn die Truppen der Ersten Ordnung unter Führung von Kylo Ren (Adam Driver) suchen bereits nach der Karte…

Kritik: Da ist sie nun, die lang erwartete siebte Star-Wars-Episode; und für einen Fan wie mich gibt es zu einem Film wie diesem natürlich sehr viel zu schreiben – nach dieser spoilerfreien Kritik folgen nach der Zweitsichtung auf jeden Fall noch eine ausführliche Analyse sowie ein Artikel zum Score. Hier konzentriere ich mich nun auf die ersten Eindrücke.

Nachdem George Lucas „Das Erwachen der Macht“ vorgeführt bekam, äußerte er sich eher zweideutig und gab von sich: „Die Fans werden den Film lieben.“ Angesichts seiner Erfahrungen mit dem SW-Fandom lässt sich diese Aussage sehr unterschiedlich deuten, ist aber angesichts des fertigen Produkts tatsächlich ziemlich treffend, wenn auch vielleicht etwas zu sehr vereinfachend, und dort liegt zugleich die größte Stärke und auch die größte Schwäche von „Das Erwachen der Macht“. Beginnen wir mit Letzterer: Ich würde zwar nicht so weit gehen wie einige andere und sagen, bei Episode VII handle es sich um ein Remake von „Eine neue Hoffnung“, aber der Vorwurf ist durchaus berechtigt. Struktur und Handlung sind dem allerersten Star-Wars-Film schon verdammt ähnlich (hin und wieder gewürzt mit einigen Elementen der Episoden V und VI): Böse Diktatur mit Superwaffe auf der einen Seite, unterlegene Widerstandskämpfer auf der anderen, ahnungsloses „Bauernkind“ von Hinterwäldlerplaneten wird in den Konflikt hineingezogen. Es gibt im Großen und Kleinen noch viele weitere Parallelen, die allerdings spoilern würden. Kurz und gut: Die Handlung von „Das Erwachen der Macht“ ist ziemlich einfach, geradlinig und alles ist schon mal dagewesen. Man kann ja über Episode I sagen was man möchte, aber sie hat definitiv etwas anderes geliefert als die bisherigen Filme (natürlich gibt es Überschneidungen, aber dennoch). Einerseits wirkt Episode VII, als wolle man auf Nummer Sicher gehen, andererseits ist es aber auch nicht so plump wie in „Star Trek Into Darkness“, wo die Schlüsselszene eins zu eins aus „Der Zorn des Kahn“ übernommen wurde, nur mit vertauschten Rollen. Man merkt dem Film an, wie sehr J. J. Abrams „Eine neue Hoffnung“ liebt. Leider ändert das nichts daran, dass die Handlung fürchterlich vorhersehbar ist – selbst wer sich vor Spoilern gehütet hat (was ich versucht habe, allerdings mit gemischtem Ergebnis), wird kaum Probleme haben, die Kernpunkte der Handlung vorauszusagen und treffend zu raten, welche Figur sich am Ende der Handlung wo befinden wird.

Das Einzelelement, das mich letztendlich am meisten gestört hat, ist die Superwaffe der Ersten Ordnung mit dem für Star-Wars-Fans recht vertrauten Namen „Starkiller Base“. Ich hatte ja bereits an anderer Stelle geschrieben, wie ich zu neuen Superwaffen stehe. Die Starkiller Base ist nicht nur nicht besonders logisch, sie ist im Grunde auch überflüssig: Während der Todesstern in den Episoden IV und VI zumindest ein handlungstragendes und –bestimmendes Element war, ist sie hier im Grunde überflüssig.

Kommen wir nun aber zum Positiven: Die reine Umsetzung des Ganzen ist grandios gelungen. Wie gesagt, man merkt J. J. Abrams die Liebe zur Vorlage an, im Schlechten wie im Guten. Vor allem die Darsteller wissen durchweg zu überzeugen, die alten Hasen der OT finden problemlos in ihre Rollen zurück, während die Neulinge sich hinter ihnen nicht verstecken müssen. Dabei ist vor allem hilfreich, dass der gesamte erste Akt des Films den neuen Figuren gehört, sodass wir zusammen mit ihnen den neuen Status Quo der weit, weit entfernten Galaxis erforschen können und dabei erstmal relativ wenig wissen. Ganz allgemein spart „Das Erwachen der Macht“ an Exposition und vermittelt dem Zuschauer gerade so viel, wie er unbedingt wissen muss, aber nicht mehr. Nach wie vor wissen wir nicht, wer die Ritter von Ren eigentlich sind, wie die Erste Ordnung sich formiert hat etc. Aber zurück zu den Darstellern: Das Charisma, dass die neuen Protagonisten versprühen, ist beeindruckend. Vor allem Daisy Ridley und John Boyega, gerade, wenn sie miteinander interagieren, sind unglaublich sympathisch und knuffig. Auch Adam Driver macht als Antagonist eine ziemlich gute Figur ist so vielleicht ein wenig so, wie der Prequel-Anakin hätte sein sollen.

Handlung und Action sind enorm kurzweilig, der Humor sitzt und funktioniert meistens ziemlich gut und die technischen Aspekte sind im Grunde alle hervorragend, gerade die Kombination aus praktischen Effekten und (wo nötig) CGI ist äußerst gelungen. „Das Erwachen der Macht“ wäre ein grandioser Film, würde Episode IV nicht existieren, aber Episode IV existiert nun einmal und bildet die Grundlage des Franchise. Dennoch, „Das Erwachen der Macht“ ist wirklich verdammt unterhaltsam, aber ich denke, noch einmal kann Disney so etwas nicht bringen: Episode VIII sollte und muss sich in eine andere, neue Richtung bewegen.

Fazit: Mit einem endgültigen Fazit warte ich bis zur Zweitsichtung und der ausführlichen, spoilerverseuchten Rezension.

Trailer

Aktuell: Mal wieder ein Liebster Award

Der Liebste Award geht mal wieder um, und die singende Lehrerin hat geworfen und mich damit getroffen. Auf das weiterreichen verzichte ich dieses Mal, weil ich gerade fürchterlich unkreativ bin und mir einfach keine Fragen einfallen wollen, die nicht schon in diesem Rahmen gestellt wurden.

1. Wie stehst du zum Selfie-Wahn?
Der Begriff „Selfie-Wahn“ trifft es ziemlich gut: Ich habe zwar viele Obsessionen, aber das ständige Selbstablichten ist keine von meinem, ich kann diesem Trend absolut nichts abgewinnen.

2. Couch Potato oder Fitness-Guru?
Eigentlich weder noch, aber dann doch eher mit Tendenz zu Ersterem.

3. Lässt du dich gerne von Hypes um gewisse Filme und Franchises anstecken?
Nein, gar nicht, überhaupt nie. Ich geh dann mal die Stunden bis zu meinem Kinobesuch von „Das Erwachen der Macht“ abzählen.

4. Advent und Weihnachten – Stress oder pure (Vor-)Freude?
Ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Um den Weihnachtsstress kommt man dann doch selten herum, weil alle anderen im Stress sind und einen anstecken. Gerade Einkaufen kann dann zur Tortur werden, selbst wenn es bei einem selbst eigentlich nicht so stressig wäre.

5. In welches Land würdest du eigentlich gerne einmal reisen, traust dich aber nicht so recht (Weil du Flugangst hast? Weil du Angst vor Krankheiten hast? Weil du niemanden hast, der dich begleiten würde? Weil die Sicherheitslage in diesem Land prekär ist? Weil das viel Geld kosten würde?…)?
Da gibt’s schon einige, etwa diverse beeindruckende Monumente der Menschheitsgeschichte. In der Umgebung von vielen davon ist es momentan allerdings gerade eher ungemütlich. Manchmal ist auch einfach Faulheit ein Grund.

6. Welches Lied musst du immer ganz laut aufdrehen, wenn du es anhörst?
For Frodo

7. Was vermisst du am meisten, wenn du einmal längere Zeit nicht bloggen kannst?
Das Schreiben und den Meinungsaustausch.

8. Wie bist du eigentlich auf den Namen deines Blogs gekommen?
Ich habe einfach meinen Lieblingsinternetnamen genommen.

9. Wissen deine ArbeitskollegInnen von deinem Blog?
Noch studiere ich.

10. Giltst du als Nerd in deinem Bekanntenkreis? Oder kannst du das an- und abschalten? Oder siehst du dich gar nicht als Nerd?
Nerd and proud.

11. Du veröffentlichst einen Artikel: Wann schaust du nach, ob du schon ein “Gefällt mir” oder einen Kommentar dazu bekommen hast? Sei ehrlich!
Ach, hin und wieder wirft man dann doch einen neugierigen Blick rein.

Verlorene Welten

LostStars
In den letzten Monaten sind zwei Romane erschienen, die die Situation der Galaxis nach Endor beschreiben oder doch zumindest anschneiden: Claudia Grays „Verlorene Welten“ (Originaltitle: „Lost Stars“) und Chuck Wendigs „Aftermath“. Ursprünglich wollte ich mir vor allem Letzteren zulegen, da Ersterer das Label „Young Adult“ verpasst bekam (das übrigens niemand abschrecken sollte, wie ich selbst feststellen musste). Dann kamen die Kritiken, die Grays Roman einhellig lobten und „Aftermath“ fast ausschließlich verrissen, also änderte ich meine Prioritäten. Eigentlich wollte ich mir „Verlorene Welten“, wie die anderen bisherigen Kanon-Romane auch, auf Englisch zulegen, aber da die deutsche Ausgabe mit verhältnismäßig wenig Verzögerung kam und ich hin und wieder auch zur Faulheit neige, habe ich mir direkt die Übersetzung besorgt, man muss ja ab und zu auch die heimischen Verlage unterstützen.

Wie dem auch sei, wollte man „Verlorene Welten“ kurz und knapp inhaltlich zusammenfassen, könnte man es wohl als „‚Romeo und Julia‘ + ‚Forrest Gump‘ im Star-Wars-Universum“ zusammenfassen: Thane Kyrell und Ciena Ree stammen beide von Jelucan, und obwohl sie aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen, sind sie seit ihrer Kindheit eng befreundet. Beide verbindet eine Leidenschaft fürs Fliegen und beide landen schließlich auf der Imperialen Akademie. Nach dem Ende der Ausbildung trennen sich die Wege der beiden allerdings: Während Ciena in den Diensten des Imperiums bleibt, schließt sich Thane, verstört und desillusioniert durch die Zerstörung Alderaans, schließlich der Rebellion an. Obwohl beide immer noch tief miteinander verbunden sind, stehen sie nun auf unterschiedlichen Seiten eines galaktischen Krieges.

Der Romeo-und-Julia-Aspekt des Ganzen dürfte offensichtlich sein, die Ähnlichkeit zu „Forrest Gump“ kommt von dem Umstand, dass die beiden bei allen wichtigen Ereignissen der OT mehr oder weniger anwesend sind: Bei der Schlacht um Yavin sind beide noch in imperialen Diensten, Thane als Tie-Pilot auf Sondermission nach Dantooine (so entgeht er der Zerstörung des Todessterns), Ciena als Offizierin auf Vaders Flagschiff, der Devastator. Auch in der Schlacht um Hoth kämpfen beide mit, Ciena wurde auf die Executor versetzt, während Thane nun für die Rebellen fliegt. Ähnlich verhält es sich auch bei der Schlacht um Endor.

Das Young-Adult-Label des Romans kommt wohl vor allem von Konzeption und Format und weniger vom tatsächlichen Inhalt, der ist gleichauf mit den Erwachsenenromanen. Gerade, was die explizite Natur der Beziehung angeht, geht „Verlorene Welten“ weiter als die meisten anderen SW-Romane. Es gibt zwar keine detaillierten Sexszenen, aber es ist doch sehr viel eindeutiger als sonst.

Stilistisch ist „Verlorene Welten“ sehr leicht und angenehm zu lesen und hat tatsächlich viel mit anderen YA-Werken gemein. Grays Stil funktioniert sehr gut, hat aber den Nachteil, dass die Beschreibungen und emotionalen Schilderungen manchmal ein wenig flach bleiben – in Bezug auf Erstere hilft natürlich, dass man als Fan ohnehin weiß, wie man sich Welten und Raumschiffe vorzustellen hat, sodass dieses Manko zumindest ein Stück weit ausgeglichen wird. Ebenso ist das Erwachsenwerden der beiden Protagonisten relativ YA-typisch. Gerade im ersten Drittel, das an der Akademie spielt, lassen sich die Harry-Potter-Parallelen, auf die diverse andere Reviewer hingewiesen haben, kaum leugnen.

Das Konzept des Romans funktioniert insgesamt sehr gut: Die beiden Protagonisten sind sehr sympathisch, die meisten Nebenfiguren ebenfalls, auch wenn sie eher oberflächlich bleiben, der Fokus liegt eindeutig auf Thane und Ciena. Gerade die Entwicklung ist äußerst gut nachvollziehbar. Es ist vor allem schön, dass es nun auch im Einheitskanon fähige Imperiale gibt, die mit den Taten des Imperiums auf der einen und ihrem Loyalitätsschwur auf der anderen Seite hadern, nachdem gerade „Rebels“ derartige Elemente kaum berücksichtigt und die meisten Imperiumstreuen dort flach und unfähig sind. Thanes Entwicklung ist nachvollziehbarer, Cienas aber definitiv interessanter.

Ähnliches gilt für die Beziehung der beiden Protagonisten, die ziemlich gut funktioniert. Zwar gibt es auch hier einen gewisse Mangel an Tiefe, der auch daher rührt, dass Thane und Ciena in den beiden letzten Dritteln des Romans kaum Zeit miteinander verbringen, sondern sich zwischen Einsätzen eher zufällig begegnen. Tatsächlich ist das bei der Handlungskonstruktion einer meiner größten Kritikpunkte, der Zufall wird da schon sehr stark ausgereizt. Andererseits, das hier ist Star Wars, wo so etwas gewissermaßen Tradition hat – man könnte immer noch mit dem Willen der Macht argumentieren. Tatsächlich ist der größte Kritikpunkt, dass das Konzept des Romans noch mehr Potential gehabt hätte und Gray die Entwicklung der Figuren noch ausführlicher hätte schildern können – vielleicht wäre hier ein Mehrteiler durchaus angebracht gewesen. Gerade in der Mitte wirkt die Handlung mitunter sehr gehetzt, wenn sie von einem OT-Schauplatz zum nächsten springt.

Wirklich interessant wird es im letzten Drittel des Romans, da der geneigte Leser unter anderem etwas darüber erfährt, wie es im neuen Einheitskanon nach Endor aussieht, es wird allerdings nicht allzu detailreich geschildert – als Leser sind wir an Thanes und Cienas Perspektive gekettet, und beide stehen dann doch nicht hoch genug im Rang, um tatsächlich einen Überblick zu haben. Immerhin erfahren wir, wie das Wrack des Sternenzerstörers auf Jakku, das im Trailer von Episode VII zu sehen ist, dort hinkam.

Fazit: „Verlorene Welten“ lohnt sich definitiv und ist ohne Frage eines der besseren Werke der neuen Einheitskontinuität. Darüber hinaus hilft es, die OT noch einmal in Kurzform zu rekapitulieren und zeigt den Galaktischen Bürgerkrieg aus der Perspektive des kleinen Soldaten bzw. Piloten.

The Hunger Games: Horn of Plenty vs. The Hanging Tree


Die Hunger-Games-Serie ist die erste Filmreihe, die James Newton Howard als Score-Komponist alleine „betreut“. Bei den ersten beiden Filmen der Dark-Knight-Trilogie war er zwar auch involviert, federführender Komponist war allerdings eindeutig Hans Zimmer. Das Ergebnis ist zwar nicht unterirdisch, nachdem die Trilogie in vier Teilen aber nun komplett ist, kommt man nicht umhin zu bemerken, dass es viele vertane Chancen gibt. Howard brauchte zwei Filme Zeit, um ordentlich Anlauf zu nehmen, „Mockingjay Teil 1“ war dann ziemlich gut, und auch „Mockingjay Teil 2“ hat definitiv einige tolle Highlights, gerade im Actionbereich. Aber insgesamt fehlt den Scores das gewisse Etwas. Leider gelingt es Howard nicht wirklich, Panem eine eindeutige, musikalische Identität zu geben, wie es bei den Mittelerde- oder Star-Wars-Scores der Fall ist. Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass die beiden besten, markantesten und einprägsamsten Stücke der Filmreihe zwar von Howard in den Score eingearbeitet, aber nicht komponiert wurden. Es handelt sich dabei um Horn of Plenty (geschrieben von Arcade Fire) und The Hanging Tree (geschrieben von Jeremiah Fraites und Wesley Schultz nach dem Text von Suzanne Collins). Ersteres ist die offizielle Hymne von Panem, Letzteres die inoffizielle Hymne der Rebellen. Beide Lieder bilden auch schöne Gegensätze: Horn of Plenty ist pompös, bombastisch und martialisch, die Texte besingen, wie großartig das Kapitol ist, wie gut es sich um die Distrikte kümmert („Oh Horn of Plenty for us all“), dass es wert ist, verteidigt zu werden und niemals fallen wird. The Hanging Tree ist dagegen eher morbid, ein intimes Lied über Liebe und Mord, das eine Geschichte erzählt statt nur anzupreisen. Beide Stücke spiegeln die Fraktionen wunderbar wieder, Horn of Plenty passt perfekt zum faschistischen Kapitol, während The Hanging Tree sowohl die Aufrichtigkeit der Rebellion verkörpert als auch andeutet, dass Distrik 13 nicht nur aus guten Menschen besteht.


Neben den diegetischen Haupteinsätzen (Horn of Plenty erklingt während der Tributparaden, bei Fernsehankündigungen und wann immer in der Arena bekanntgegeben wird, wer gestorben ist, während The Hanging Tree von Katniss gesungen wird) hat Howard die Melodien auch das eine oder andere Mal im Score verwendet, in meinen Augen aber unzureichend. Beides sind starke Melodien und hätten sich hervorragend dazu geeignet, Kapitol und Rebellen im Score zu vertreten. Aus Liedern Leitmotive zu machen hat eine gewisse Tradition und bereits mehrfach wunderbar funktioniert, so wurde in „Game of Thrones“ aus The Rains of Castamere das Thema der Lannisters, Misty Mountains fungiert als Thema für die Zwergenkompanie (kriminellerweise nur in „Eine unerwartete Reise“ und nicht in den beiden anderen Filmen der Hobbit-Trilogie) und Hoist the Colours repräsentiert die Bruderschaft in „Pirates of the Caribbean: At World’s End“. Gerade in „Mockingjay Teil 2“ hätte es sich wunderbar angeboten, die Melodien beider Lieder miteinander ringen zu lassen – stattdessen taucht Horn of Plenty nur noch diegetisch auf und The Hanging Tree wird einmal extradiegetisch als Teil des Scores gespielt, allerdings in eher merkwürdigem Kontext. Es wirkt, als hätten Regisseur und/oder Produzenten darauf bestanden, dass die Melodie einmal angespielt wird, weshalb Howard sie einfach irgendwo unterbrachte (der entsprechende Track auf dem Album heißt Your Favorite Color is Green). Zwei tolle Lieder, aber viel verschenktes Potential.

Mockingjay Teil 2

mockingjay2
Story: Der Krieg der Distrike gegen das Kapitol erreicht endgültig die finale Phase: Präsident Snows (Donald Sutherland) Truppen befinden sich auf dem Rückzug, die Armee der Rebellen erreicht Panems Hauptstadt. Mitten darunter ist Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), der Mockingjay. Katniss möchte am Untergang Snows teilhaben und nimmt deshalb zusammen mit Peeta (Josh Hutcherson), Gale (Liam Hemsworth) und Finnick (Sam Claflin) am Sturm auf die Hauptstadt Teil, nicht ahnend, dass sie dafür einen gewaltigen Preis zahlen wird…

Kritik: Die Frage, ob es nötig war, „Mockingjay“ in zwei Filme aufzuteilen, lässt sich nun mit einem ziemlich eindeutigen „Nein“ beantworten. Zwar haben gewisse Aspekte des finalen Bandes der Panem-Trilogie durchaus von der Teilung profitiert (diese befinden sich vor allem in „Mockingjay Teil 1“), insgesamt denke ich aber, dass man das Ganze in einem Film mit drei bis dreieinhalb Stunden Laufzeit besser hätte umsetzen können. „Mockingjay Teil 2“ hat einige, gelinde gesagt, interessante Schwächen. Da ist einerseits die Tatsache, dass sich der Film in der Mitte ziemlich zieht, während man andererseits das Gefühl bekommt, dass trotzdem viele Aspekte zu kurz kommen; ich bin mir immer noch nicht sicher, wie Drehbuchautor und Regisseur das hinbekommen haben. Gewisse Teile der Handlung wirken einfach halbherzig abgearbeitet, gerade in Hinblick auf die Vorlage, aber auch auf die Möglichkeiten des Films. Wenn man sich schon dazu entscheidet, eine Schauspielerin wie Gwendoline Christie zu engagieren, warum lässt man sie dann nur in einer fünfminütigen Szene auftauchen? Auch finde ich es sehr schade, dass die Freundschaft, die sich zwischen Katniss und Johanna (Jenna Malone) im Roman entwickelt, in nur einer Szene abgehandelt wird. Selbst Peetas Genesungsprozess wird im Grunde nur angerissen. Was dagegen ausgedehnt wird, ist die Wanderung durch die Straßen des Kapitols, die zwar sehr buchgetreu ist, aber unnötig ausgedehnt wirkt und kaum Mehrwehrt besitzt. Im Gegensatz dazu geht dann im dritten Akt alles ein wenig zu schnell. „Mockingjay“ in einem Film, mit pragmatischen Kürzungen, hätte da wahrscheinlich einiges besser machen können.

Natürlich sind da auch noch diverse Elemente, die man dem Film nicht per se vorwerfen kann, da sie dem Roman inhärent sind. Dazu gehört vor allem das Ende; da ich die Vorlage gelesen habe, wusste ich natürlich, was auf mich zukommt, allerdings hat das Finale schon beim Lesen einen ziemlich zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Einerseits spielt Suzanne Collings hier relativ geschickt mit den Erwartungen, indem sie gerade kein Finale im eigentlichen Sinn, keinen großen Endkampf inszeniert, obwohl sie scheinbar darauf hinarbeitet. Andererseits weckt das ein Breaking-Dawn-Déjà-Vu. Nun versteht Collins ihr Handwerk definitiv besser als Meyer, weshalb ich mich nach wie vor nicht entscheiden kann, ob mir das Ende zusagt, es ist gleichzeitig clever und unlogisch, realistisch und unrealistisch, ironisch und banal – die letzte Szene ausgenommen; diese erinnerte mich schon im Roman unangenehm an den Epilog von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, im Film ist die Szene noch schlimmer, weil der relativierende innere Monolog von Katniss fehlt.

Rein technisch betrachtet ist „Mockingjay Teil 2“ auf ähnlichem Niveau wie die anderen Filme der Serie. Die schauspielerischen Leistungen sind solide bis gut, auch wenn kaum jemand außer Jennifer Lawrence wirklich Gelegenheit bekommt, seine Figur voll auszuschöpfen. Die Atmosphäre ist nach wie vor grimmig und düster (auch wenn die blinden Nosferatu in der Kanalisation irgendwie fehl am Platz wirken), die Action in Ordnung, aber nicht spektakulär und James Newton Howards Score ist routiniert, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten.

Fazit: Die interessantesten Aspekte des Romans „Mockingjay“ sind im ersten Teil der Verfilmung gelandet, während Teil 2 die Reste verarbeitet. Leider merkt man das auch, sodass zumindest ich das Gefühl nicht loswerde, dass es besser gewesen wäre, wenn man aus „Mockingjay“ nur einen Film gemacht hätte.

Trailer

Siehe auch:
The Hunger Games
Catching Fire
Mockingjay Teil 1