Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker – Ausführliche Rezension

Volle Ladung Spoiler!
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Da ist es also, das Ende einer Ära, der Abschluss der Skywalker-Saga, der neunte Film der Heptalogie, der angeblich alle Fäden der Original-Trilogie, der Prequels und der Sequels aufgreifen und zusammenführen soll. Wenn ich ihn mit einem Wort beschreibend müsste, wäre es „bieder“; sowohl bieder in der Art und Weise, wie die Handlung verläuft als auch, mehr noch als „The Force Awakens“, anbiedernd. Im Grunde ist „The Rise of Skywalker“ das Star-Wars-Gegenstück zu Warners „Justice League“: Der Versuch einer Franchise-Korrektur mit der Brechstange und als solcher ein zutiefst unwürdiger Abschluss dieser Filmreihe.

Handlung
Kylo Ren (Adam Driver) ist nach wie vor der Anführer der Ersten Ordnung, doch er fühlt sich bedroht, denn wie es scheint, ist Imperator Palpatine (Ian McDiamird) zurück. Ren spürt ihn schließlich auch auf dem Planeten Exegol auf, wo der Anführer der Ersten Ordnung tatsächlich auf den Sith-Lord trifft, der ihm noch größere Macht und eine geheime Flotte verspricht, wenn er es schafft, Rey (Daisy Ridley) zu töten. Diese trainiert derweil unter General Leia (Carrie Fisher), um ihre Fähigkeiten zu verfeinern. Der Widerstand erfährt schließlich auch von Palpatines Rückkehr. Gemeinsam mit Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (John Boyega), Chewbacca (Joonas Suotamo), C-3PO (Anthony Daniels) und BB8 (as himself) macht sie sich auf, alte Sith-Artefakte zu finden, die ihren den Weg zum Imperator weisen, damit dieser die Galaxis nicht ein weiteres Mal mit Tod und Zerstörung überziehen kann. Sie hetzen durch die Galaxis, treffen dabei alte Verbündete der Rebellion wie Lando Calrissian (Billy Dee Williams) und neue Kameraden wie Jannah (Naomi Ackie) oder Zorri Bliss (Keri Russel). Im Verlauf dieses Abenteuers hat Rey immer wieder Visionen, setzt einmal „aus Versehen“ Machtblitze ein und erfährt schließlich, dass sie tatsächlich Palpatines Enkelin ist. In den Trümmern des Zweiten Todessterns, wo sich der letzte Hinweis auf Palpatines‘ Verbleib verbirgt, kommt es schließlich auch zum finalen Zusammentreffen zwischen Rey und Kylo Ren, bei dem sich entscheidet, wer auf welcher Seite steht…

Konzeption und Struktur: Korrektur mit der Brechstange
Bereits vor einiger Zeit verfasste ich einen ausführlichen Artikel über die Konzeption der Sequel-Trilogie. Die Essenz: Die Sequels folgen keinem erzählerischen Konzept, sondern sind reaktionär; jeder Film stellt eine Antithese zum Vorgänger dar. „The Force Awakens“ ist die Antithese zu den Prequels, „The Last Jedi“ ist die Antithese zu Episode VII und – immerhin diesbezüglich bleibt sich Disney treu – „The Rise of Skywalker“ ist die Antithese zu Episode VIII. Hier zeigt sich noch einmal das ganze Ausmaß an Planlosigkeit, mit dem Disney an die Sequels heranging, denn nun haben wir eine Trilogie, in der die beiden Regisseure konsequent gegeneinander arbeiten. Während J. J. Abrams in Interviews das übliche PR-Gesäusel von sich gab, ist doch ziemlich klar, dass viele Handlungselemente seines zweiten Star-Wars-Films ein Mittelfinger in Richtung Rian Johnson darstellen. Abrams zahlt es seinem Vorgänger mit gleicher Münze heim und negiert nonchalant dessen Entscheidungen. Ich bin inzwischen zu der Meinung gelang, dass Abrams nach „The Force Awakens“ durchaus Ideen für Episode VIII und IX hatte, die Johnson allerdings konsequent ignorierte. Mit „The Rise of Skywalker“ versucht Abrams nun, Stoff für zwei Filme in einem unterzubringen. Besonders der Anfang ist mit Exposition vollgestopft, die Handlung hüpft von Planet zu Planet und der Zuschauer wird mit Sachverhalten regelrecht beworfen. Gleichzeitig werden viele Elemente aus „The Last Jedi“ ignoriert (soweit möglich) oder geretcont, sodass Johnsons Film im Gefüge dieser Trilogie größtenteils obsolet wird.

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Von links nach rechts: Chewbacca (Joonas Suotamo), BB8, Dio, C-3P0 (Anthony Daniels), Rey (Daisy Ridley), Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (John Boyega)

Die ersten beiden Akte von „The Rise of Skywalker“ stellen den Abenteuer-Aspekt von Star Wars in den Vordergrund. In fast schon Indiana-Jones-artiger Manier jagen Rey und Co. hinter diversen MacGuffins her, was immer wieder zu Konfrontationen mit der Ersten Ordnung führt. Ich denke, diese Jagd hätte eigentlich in Episode VIII stattfinden sollen. In „The Force Awakens“ etablierte Abrams Rey, Finn und Poe als „neues Trio“, fand aber vor lauter Fanservice nicht mehr die Zeit, sie als Team interagieren zu lassen, was Johnson ebenso unterließ – Rey und Poe treffen sich das erste Mal am Ende von „The Last Jedi“. In Episode IX erfolgt nun endlich die Teambildung. Und tatsächlich – im Grunde sind diese Aspekte von „The Rise of Skywalker“ nicht übel. Abrams verstand es schon immer, gute Chemie zwischen seinen Schauspielern zu erzeugen – nach wie vor einer der Hauptgründe, weshalb sein Star-Trek-Reboot so unterhaltsam war. Dennoch kommt die Team-Dynamik zu spät und muss auch noch mit den diversen anderen Handlungsschwerpunkten konkurrieren, primär dem Verhältnis zwischen Rey und Kylo Ren, die nach wie vor per Force-Skype kommunizieren.

Ich persönlich denke nicht, dass Palpatines Rückkehr in irgendeiner Form von Anfang an vorgesehen war – sie wird in keinster Weise in den Episoden VII oder VIII angedeutet und zumindest Colin Trevorrow, der ja immerhin ursprünglich bei Episode IX Regie führen sollte, wusste nichts davon. Viel eher scheint Palpatine eine Notlösung zu sein und die Rolle auszufüllen, die Snoke in einer hypothetischen Abrams-Trilogie innegehabt hätte; vielleicht wäre er tatsächlich Darth Plagueis gewesen, vielleicht hätte ihn auch ein anderes uraltes Geheimnis der Dunklen Seite umgeben. Da Kylo Ren nun einmal nicht zum Oberschurken taugt und ihn nach seinen vielen Niederlagen niemand als solchen ernst nehmen würde, musste eben der gute alte Darth Sidious noch einmal herhalten.

Wie auch immer, letztendlich sind das alles Spekulationen, die finale Schuld am Scheitern dieses Films und der gesamten Sequel-Trilogie liegt weder bei Abrams noch bei Johnson, sondern bei Disney, da der Konzern es überhaupt erst ermöglicht hat. Abrams hatte wirklich eine undankbare Aufgabe, da Rian Johnson ihm kaum etwas Brauchbares hinterlassen hatte, um diese Trilogie abzuschließen und er zugleich versuchen sollte, der Kritik an „The Last Jedi“ zu begegnen. Leider machten es sich Abrams und Co-Drehbuchautor Chris Terrio (der seinerseits bereits an „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Justice League“ beteiligt war und damit schon ausreichend Erfahrung im Franchise-gegen-die-Wand-fahren sammeln konnte), viel zu leicht und versuchten den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, in dem sie die beliebtesten bzw. abgeschmacktesten Fan-Theorien in ihre Handlung einbauten. Das sorgt dafür, dass der Plotverlauf selbst dann extrem vorhersehbar ist, wenn man sich von den ganzen Leaks ferngehalten hat.

Die alte Nemesis: Plot Convinience
Es ist immer eine Herausforderung für Autoren, den Plot und die Figuren dorthin zu bringen, wo man sie haben möchte. Abrams hatte in seinen Filmen diesbezüglich schon immer gewisse Probleme: Kirk wird in „Star Trek“ ganz zufällig auf dem Planeten ausgesetzt, auf dem sich momentan nicht nur Scotty, sondern auch Spock senior befinden. Auch in Star Wars nimmt das immer wieder problematisch Ausmaße an (besonders in Episode II), aber dieses Franchise hat immerhin eine bessere Ausrede als so manch anderes Werk: Es ist der Wille der Macht, dass sich bestimmte Figuren begegnen oder zu einem gewissen Zeitpunkt an einem gewissen Ort aufhalten. Mehr als ein SW-Autor hat diesen Umstand mal mehr, mal weniger clever zu nutzen gewusst. Aber irgendwann ist der Bogen einfach überspannt. Für mich war er das schon in „The Last Jedi“, aber „The Rise of Skywalker“ setzt da noch einmal ordentlich einen drauf. Abrams und Terrio legen hier wirklich beachtliche handlungstechnische Verrenkungen hin und stolpern dabei über ihre eigenen Plottwists. Vieles wird lediglich in Halbsätzen kurz angedeutet oder schlicht übergangen. Woher kommt Snoke? Aus dem Reagenzglas, offenbar gibt es noch mehr von der Sorte. Die Ritter von Ren? Sind einfach da und machen nicht viel. Banaler hätte man diese Aspekte kaum auflösen können.

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Kylo Ren alias Ben Solo (Adam Driver)

Das Elend beginnt bereits beim ersten Satz des Opening Crawl: „The dead speak! The galaxy has heard a mysterious broadcast, a threat of REVENGE in the sinister voice of the late EMPEROR PALPATINE.” Ich hatte erwartet, dass die Rückkehr des Imperators etwas ist, das die Figuren entdecken müssen, aber nein, dieser Teil wird direkt übersprungen, alle wissen von Anfang an, dass Palpatine zurück ist, einfach um Filmzeit zu sparen. Bereits hier beginnt die Handlung auseinanderzufallen. Die gesamte Schnitzeljagd ist zwar der unterhaltsamste Teil des Films, da die besuchten Planeten immerhin interessanter sind als die Welten der bisherigen beiden Sequels, aber auch hier fragt man sich: Wozu, wer hat die ganzen Hinweise versteckt, wie kommt eine Nachricht auf einen uralten Sith-Dolch, den man dann in einem bestimmten Winkel vor die Todessterntrümmer halten muss, um das Rätsel zu lösen – Todessterntrümmer wohlgemerkt, die an dieser Stelle noch nicht allzu lange herumliegen? Hat Palpatine Snoke durch die Galaxis geschickt, damit dieser Hinweise verteilt, für den Fall, dass seine Enkelin irgendwann einmal zu ihm kommen muss? „The Rise of Skywalker“ hat keine Plotlöcher, das sind Plotkrater, durch die man mit einem Sternenzerstörer fliegen kann.

Die Figuren
Während der Widerstand am Ende von „The Last Jedi“ drastisch reduziert wurde, trifft das auf den eigentlichen Cast der Sequels nicht zu, sodass es bereits am Anfang von „The Rise of Skywalker“ eine ganze Reihe relevanter Figuren gibt, deren Zahl durch Neuzugänge und Rückkehrer noch weiter anwächst. Beginnen wir mit den Neulingen, primär sind das Keri Russel als Zorri Bliss und Naomie Ackie als Jannah, die beide als Unterstützung für die Helden fungieren, deren Auftauchen aber ebenso inkonsequent wie unnötig ist. Bei Zorri handelt es sich um eine alte Bekannte von Poe Dameron, die ihn aus früheren, zwielichtigeren Tagen kennt, während Letztere denselben Hintergrund hat wie Finn; sie ist eine Deserteurin der Ersten Ordnung. Beide Figuren hätten im Zusammenspiel mit Poe respektive Finn interessant sein können, aber sie haben so wenig Leinwandzeit und steuern so wenig zur Handlung bei, dass man sie wohl besser geschnitten hätte. Auch Billy Dee Williams‘ Rückkehr als Lando Calrissian ist kaum mehr als ein Fan-Service-Cameo. Etwas dankbarer ist die Rolle des Allegiant General Pryde auf der Seite der Ersten Ordnung, dargestellte von Richard E. Grant – endlich einmal ein wirklich kompetenter Befehlshaber der Ersten Ordnung. Ähnlich wie den Neuzugängen geht es vielen etablierten Figuren. Rose Tico (Kelly-Marie Tran) etwa, immerhin eine recht dominante Figur in „The Last Jedi“, hat, ähnlich wie Lando, kaum mehr als einen Cameo-Auftritt und auch General Hux (Domnhall Gleeson) ergeht es nicht viel besser – dieses Mal darf er aus Hass auf Kylo Ren für den Widerstand den Maulwurf spielen, nur um dann von Pryde, der sich nicht bescheißen lässt, erschossen zu werden – wie gesagt, mit Abstand der fähigste Offizier innerhalb der Ersten Ordnung.

Die Leia-Situation muss freilich noch gesondert angesprochen werden, bevor wir zu den Hauptfiguren kommen. Nach Carrie Fishers tragischem Tod stand man bei Disney natürlich vor einem Problem, da Episode IX eigentlich Leias Film hätte werden sollen, so wie Episode VII Hans und Episode VIII Lukes Film war. Idealerweise hätte man bereits im Zuge von „The Last Jedi“ reagiert, schließlich war noch ein Jahr Zeit, aber Rian Johnson und Kathleen Kennedy waren, sei es aus Pietät oder Sturheit, nicht gewillt, Leias Rolle abzuändern. Ihre Präsenz in „The Rise of Skywalker“ setzt sich primär aus Episode-VII-Szenen zusammen, die auf dem Boden des Schneideraums landeten. Dementsprechend hat sie, außer einem Grund für Kylo Rens Rückkehr zum Licht, nicht wirklich viel Substantielles zum Film beizutragen. Ich frage mich, wie ihre Rolle wohl auf jemanden wirkt, der im Vorfeld nicht weiß, dass die Szenen nicht für diesen Film gedreht wurden.

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Altes Dream-Team: Chewie (Joonas Suotamo) und Lando Calrissian (Billy Dee Williams)

Und nun zu den Kernfiguren. Lässt man Rey und Kylo Ren erst einmal außen vor, hat Poe Dameron noch die eindeutigste Entwicklung, da er nach Leias Tod in die Rolle des Anführers gedrängt wird. Auch das hätte ein interessanter Handlungsstrang werden können, wird aber in ein bis zwei kurzen Szenen abgearbeitet. Der Rest, Chewie, Finn, 3PO, sind mehr oder weniger nur als Anhängsel dabei. Allgemein fällt auf, dass in „The Rise of Skywalker“ die Dinge, die den Figuren passieren, allesamt völlig folgenlos bleiben. Finn begegnet weiteren desertierten Sturmtruppen – Abrams und Terrio machen nichts damit. 3POs Gedächtnis muss gelöscht werden – macht nichts, R2 hat während „The Force Awakens“ eine Notfallspeicherung vorgenommen. Chewie wird von Rey versehentlich getötet – natürlich hat er überlebt, was dem Zuschauer in der nächsten Szene mitgeteilt wird. Alles bleibt ohne Konsequenzen. Mehr noch, wegen des gehetzten Tempos im Film wird die emotionale Wirkung, die manche Szene hätte haben können, gnadenlos unterbunden, weil der Zuschauer schon wieder mit irgendetwas anderem bombardiert wird. „The Rise of Skywalker“ kommt kaum zur Ruhe, um wirkliche Charaktermomente zuzulassen. Um einmal „Revenge of the Sith“ zum Vergleich heranzuziehen: Auch die dritte Episode musste eine Menge leisten, Untergang der Republik und Jedi, Aufstieg des Imperiums, Anakins Fall zur Dunklen Seite usw., dennoch gelang es diesem Film, seinen Figuren etwas Raum zum „atmen“ zu geben. Ich will nicht behaupten, dass alle Charaktermomente funktionieren, aber wenn sie funktionieren, gehören sie mit zu den besten der Saga. Die Art und Weise, wie „The Rise of Skywalker“ strukturiert und geschnitten ist, hätte die Opern-Szene etwa kaum zugelassen.

Und schließlich: Rey und Kylo Ren/Ben Solo. Das Verhältnis zwischen diesen beiden kann man getrost als Herzstück der Sequel-Trilogie bezeichnen. Rey muss sich in diesem Film mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sie Palpatines Enkelin ist – eine Fan-Theorie, die seit „The Force Awakens“ ihre Runden macht und schon damals reichlich dämlich war. Die Enthüllung, dass Rey ein „Niemand“ ist, war tatsächlich eines der Elemente, das mir in „The Last Jedi“ gefallen hat – mir sind in Star Wars sowieso schon zu viele Leute miteinander verwandt und verschwägert. Diese Enthüllung soll wohl Reys raschen Machtzuwachs erklären und befeuert zugleich den Plan des Imperators (dazu später mehr), wirft aber mehr Fragen und Probleme auf, als dadurch beantwortet und gelöst werden – ganz davon abgesehen, dass das alles fürchterlich erzwungen und plakativ daherkommt. Da wäre es noch besser gewesen, wenn Rey stattdessen eine spezielle Züchtung des Imperators, ein Sith-Experiment oder ähnliches gewesen wäre – damit hätte man eine interessante Geschichte erzählen können.

Kylo Ren tritt derweil ein weiteres Mal in die Fußstapfen seines Großvaters und kehrt am Ende des Films zur Hellen Seite zurück – dieses Mal nicht, um einen Todesfall in der Familie zu verhindern, sondern weil er bereits geschehen ist. Insgesamt ist Ben Solos Charakterentwicklung in diesem Film noch am überzeugendsten, was schlich an Adam Driver liegt und natürlich auch daran, dass diese Entwicklung die klarste ist – leider ist das nur verhaltenes Lob, denn wirklich gut ist sie nicht, nur besser als die anderen. Ein Ben Solo, der am Ende des Films für seine Taten wirklich geradestehen muss und durch den Tod nicht den „einfachen“ Ausweg bekommt, das wäre eine wirklich faszinierende Entwicklung gewesen.

Darth Sidious
Palpatine, der Imperator, Darth Sidious – nicht nur meine Lieblingsfigur in der Star-Wars-Saga, sondern wohl auch der Charakter, dem die Prequels nicht nur nicht geschadet haben, nein, er hat sogar von ihnen profitiert. In „Return of the Jedi“ entsprach er dem Archetypen des bösen Zauberers und Overlords. Zwar gewinnt er in den Episoden I bis III nicht wirklich an Tiefe und wird eine tragische oder gar nachvollziehbare Figur, aber er gewinnt an Facetten, wir sehen ihn als Meistermanipulator, der eine Demokratie stürzt und eine Diktatur errichtet. Obwohl die Rückkehr Imperator Palpatines in „The Rise of Skywalker“ nach Verzweiflung riecht, freute und freue ich mich, dass Ian McDiamird so noch einmal die Gelegenheit bekommt, in die ikonische Kutte zu schlüpfen. Unabhängig von allem anderen: McDiamird IST einfach Darth Sidious, so unausgegoren seine Rolle in diesem Film auch sein mag, ihm kann man definitiv keinen Vorwurf machen, mit dem, was man ihm gibt, stellt er das bestmögliche an und erfüllt jeden seiner Sätze mit abgrundtief böser Gravitas. Nun stellt sich die Frage, was Palpatine als neuer alter Oberschurke im Trilogie-Finale so anstellt. Wie sieht sein Masterplan dieses Mal aus? Leider entspricht er ganz dem Niveau der restlichen Handlung des Films: Zu Beginn lockt er Kylo Ren zu sich, zieht sich buchstäblich eine Flotte aus dem Arsch und beauftragt Kylo, Rey zu töten. Später erfahren wir allerdings, dass er Rey niemals tot sehen wollte, sondern das alles nur dazu diente, sie zu seinem Stützpunkt auf dem Sith-Planeten Exegol in den Unbekannten Regionen zu locken. Dort soll seine Enkelin ihn nach bester Sith-Tradition in all ihrem Hass niederstrecken und seinen Platz einnehmen, wobei sein Geist (sowie die Geister aller Sith (?)), was auch immer es damit auf sich hat) dann auf sie übergeht. Nachdem Rey von dieser Idee allerdings nicht allzu begeistert ist, saugt Sidious die Energie aus der Machtverbindung zwischen Rey und Ben Solo, der inzwischen als Geläuterter ebenfalls zurückgekehrt ist, um so seinem leichenhaften Zustand zu entkommen und zu alter Macht zurückzukehren. Da hatte der Sith-Meister schon bessere Pläne.

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Rey (Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) kämpfen in den Trümmern des zweiten Todessterns

Ein weiteres Mal zeigt sich hier, wie wenig in den Sequels geplant war und mit welcher Nonchalance Abrams und Terrio einfach über offene Fragen hinweggehen. Tatsächlich erklärt der Film nicht, wie und warum Palpatine noch lebt… oder sagen wir besser, noch existiert, denn rein optisch befindet er sich die meiste Zeit über in einem ziemlich untoten Zustand. Der von Dominic Monaghan gespielte Resistance-Soldat Beaumont Kin erwähnt in einem Halbsatz Klone, was man wohl als Anspielung auf die Legends-Comicserie „Dark Empire“ aus den 90ern werten kann; in dieser kehrt Palpatines Geist in einem Klonkörper seiner selbst zurück und entfesselt erneut Tod und Verderben in der Galaxis – ganz ähnlich, wie er es in Episode IX tut. Es gibt tatsächlich einen Hinweis darauf, dass dem so sein könnte, denn Palpatine sieht zwar aus wie eine halb verweste Leiche, die Entstellung durch die Machtblitze, die von Mace Windus Lichtschwert auf ihn in „Revenge of the Sith“ zurückgeworfen wurden, ist jedoch nicht vorhanden. Merkwürdigerweise kehrt sie allerdings zurück, als Palpatine Kraft aus der Machtverbindung schöpft, was nicht allzu viel Sinn ergibt. Einer anderen Theorie zufolge, auf die ich in den Untiefen des Internets gestoßen bin, hat Palpatine auf dem Zweiten Todesstern eine Art Wurmloch geöffnet und ist nach Exegol entkommen; dieser Akt kostete ihn allerdings so viel Kraft, dass er Jahrzehnte brauchte, um sich halbwegs zu regenerieren. Wie dem auch sei, in einem weiteren Halbsatz wird, wie bereits erwähnt, auf höchst antiklimaktische Art und Weise eröffnet, dass Sidious hinter Snoke und damit auch hinter der Ersten Ordnung steht und Ben Solo wohl von Anfang an manipuliert hat, sowohl über Snoke (den er dann wohl ferngesteuert hat), als auch als Stimme von Vader. Auch sonst scheint mit alles um Sidious und seine Absichten recht schlecht durchdacht. Wer sind beispielsweise die ganzen vermummten Gestalten, die sich da in seinem Thronsaal herumtreiben?

Das vielleicht größte Problem bei der Sache: Abrams und Terrio wissen nicht so recht, was sie mit Palpatine anstellen sollen – die meiste Zeit über tut er das, was er auch schon in „Return of the Jedi“ tat: Er sitzt bzw. hängt rum, gibt hasserfüllten Dialog zum Besten und wirft mit Blitzen um sich. Ich bin nun wirklich kein Fan von „Star Wars Rebels“, aber diese Serie hat es geschafft, mit Sidious interessantere Dinge anzustellen als das Finale der Saga, und dort taucht der Imperator sogar fast ausschließlich als Hologramm auf. Warum präsentiert er sich Rey, die die ganze Sequel-Trilogie über verzweifelt nach Familie und Zugehörigkeit sucht, nicht als genau das und nimmt noch einmal die Gestalt des liebenswerten Großvaters an, in der er auch schon Anakin zur Dunklen Seite bekehrt hat? Dass sich Rey einem halb verwesten Leichnam nicht anschließt, kann man ihr kaum übel nehmen. Ohnehin hat man nie das Gefühl, Rey wäre auch nur eine Sekunde lange wirklich in Versuchung, sich der Dunklen Seite zu verschreiben – trotz Vision von Dark-Rey mit klappbarem Doppelklingenlichtschwert. Auch die Art und Weise, wie Palpatine letztendlich besiegt wird, wirkt unheimlich abgedroschen – schon wieder bekommt er seine eigenen Machtblitze ins Gesicht. Man fühlt sich an „Harry Potter and the Deathly Hallows“ erinnert, wo Voldemort zum wiederholten Mal von seinem eigenen Todesfluch erwischt wird.

Fazit: Das Vermächtnis der Saga
Letztendlich ist das passiert, was ich vermutet habe: Die Sequel-Trilogie kann nun endgültig als gescheitert betrachtet werden, es gibt kein erzählerisches Konzept, nur ein Reagieren auf den vorherigen Film, jede Episode ist die Antithese zur vorangegangenen, die beiden verantwortlichen Regisseure arbeiten gegeneinander. Auf technischer bzw. formaler Ebene wissen gewisse Elemente, zumindest abseits des erratischen Schnitts, durchaus zu gefallen, Abrams versteht es, beeindruckende Bilder zu erzeugen, die gezeigten Planeten sind die interessantesten der Sequels und besonders die Sith-Welt Exegol und die Festung des Imperators sprechen mich ästhetisch durchaus an. Auch einige der Action Set-Pieces wissen zu gefallen, die Darsteller sind im Großen und Ganzen gut oder, im Fall von Adam Driver und Ian McDiamird, sehr gut, aber all das wiegt die Plot-, Figuren- und Konzeptionsprobleme nicht einmal ansatzweise auf. „The Rise of Skywalker“ ist ein Film des kleinsten gemeinsamen Nenners, der primär Fan-Theorien und bereits Dagewesenes neu aufwärmt.

Wie bereits erwähnt kündigte J. J. Abrams vollmundig an, hier die Fäden aller drei Trilogien zusammenzuführen – nach wie vor bleiben die Prequels allerdings das ungeliebte Stiefkind, das kaum berücksichtigt wird. Sidious zitiert sich das eine oder andere Mal selbst („The Dark Side of the Force is a pathway to many abilities some consider to be unnatural“, „Do it“), sein Sith-Erbe wird bemüht, ohne es allerdings tatsächlich mit Substanz zu füllen und am Ende, als Rey die Stimmen der toten Jedi hört, sind auch Anakin und sogar Ahsoka dabei (was freilich leicht untergeht), aber davon abgesehen bleiben die Prequels nach wie vor auf der Strecke. Die Idee des Gleichgewichts der Macht, die in „The Force Awakens“ und „The Last Jedi“ immerhin noch einmal angerissen wurde, wenn auch nur nebenbei, wird fast komplett fallengelassen, nur Anakins Machtgeiststimme erwähnt es noch und meint, Rey solle nun die Macht ins Gleichgewicht bringen, so wie er es getan hat. Da Sidious aber noch lebt, scheint das ja nicht der Fall zu sein – oder muss die Macht alle paar Jahrzehnte einfach neu justiert werden? Wie so oft hat man sich wohl auch über diesen Aspekt keine Gedanken gemacht, sondern wirft einfach nur ein Schlagwort in den Raum in der Hoffnung, das werde die Fans schon zufrieden stellen. Genau diese Einstellung ist der Grund, weshalb „The Rise of Skywalker“ als Finale der Skywalker-Saga mehr als nur ernüchternd ist. Im Internet schwirren dutzende an Fan-Idee herum, wie man dieses Finale hätte deutlich besser und runder gestalten können. Wo Disney schon die ganzen abgeschmackten Fan-Ideen eingebaut hat, warum nicht auch ein paar von den guten? Selbst als reines Finale dieser Trilogie funktioniert „The Rise of Skywalker“ nicht, weil eben mit Palpatines Rückkehr noch einmal ein völlig neues Fass aufgemacht wird. Hätte man sich bei Disney von Anfang an überlegt, welche Geschichte man mit dieser Trilogie eigentlich erzählen will und dazu einen gescheiten Fahrplan aufgestellt, hätte man sich einiges ersparen können.

Trailer

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10 Gedanken zu “Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker – Ausführliche Rezension

  1. Bernhard Nowak

    Ich bin sehr froh, diese hervorragende Rezension gelesen zu haben, denn nun weiß ich, in welchen Film ich definitiv nicht gehen werde. Mir gefallen nur die 6 ursprünglichen Episoden von Star Wars – und hier besonders die Szenen um Kanzlöer Palpatine und die Rede, mit der er sich zum Diktator aufschwingt. Und jetzt weiß ich, wofür ich mein Geld nicht ausgeben werde.
    Danke, Darth, für diese tolle Rezension!

    1. Danke, freut mich, dass die Rezension gefällt. Die Szenen mit Ian McDiamird werden ohnehin früher oder später auf Youtube landen, die sind der essentielle Teil des Films, der Rest ist sowieso nur Füller 😀

  2. Sehr interessant zu lesen, dass der Film auch für jemanden, der The Last Jedi nicht so gern mochte wie ich, nicht funktioniert. Du argumentierst auf einer völlig anderen Ebene als ich das tun werde, aber ich kann deine Kritikpunkte wirklich allesamt nachvollziehen und unterstreichen. Mein Wissen über Star Wars ist allerdings viel, viel oberflächlicher, sodass ich deine Analyse höchst spannend finde.

    Was ich als Fan von TLJ einräumen muss: Du hast schon Recht, dass Disney darauf hätte achten müssen, dass es einen roten Faden gibt, damit sowas nicht passiert. Im Grunde genommen hätte es – um eine logisch zusammenhängende Trilogie zu erschaffen – TLJ in der Form nicht geben dürfen. Trotzdem mochte ich die Richtung, die Johnson eingeschlagen hat, gerade was auch das anbelangt, was du hier auch bzgl. Rey als „Niemand“ gesagt hast. Diese „Demokratisierung“ der Force (auch mit dem Schlussbild von TLJ bekräftigt) empfand ich als die Möglichkeit von ganz neuen Geschichten… Meine Enttäuschung über die Enthüllung der wahren Herkunft von Rey ist groß.

    1. Ich hatte bei TLJ tatsächlich weniger Probleme damit, WAS Johnson gemacht hat, sondern primär, WIE er es gemacht und dass er die Handlung des Films und z.T. auch die Figuren den Themen und Botschaften geopfert hat. Ich brauche keinen Über-Jedi-Meister Luke, aber ich fand die Erklärung, wie er zu dem Punkt kam, an dem er sich in TLJ befindet, absolut nicht überzeugend, um nur ein Beispiel zu nennen. Immerhin reden wir hier von dem Optimisten, der bis zum Schluss in Vader, den alle anderen schon lange für verloren hielten, noch Gutes sah. Es fällt mir da schwer zu akzeptieren, dass er Ben dann plötzlich wegen einer relativ vagen Ahnung niederstreckt. Wobei… nach Episode IX ist dafür wahrscheinlich auch Palpatine verantwortlich. Ich denke, Johnsons Ideen hätten in einem von der Skywalker-Saga separierten, für sich allein stehenden Star-Wars-Film deutlich besser funktioniert.

      1. Hmmm, aber hat doch nur kurz damit geliebäugelt, ihn niederzustrecken… Ich denke, dass die Verantwortung als „Lehrer“ UND Onkel da mitreinspielt – das ist doch nochmal anders als bei Vader. Luke war nicht für Vaders Weg verantwortlich, wohl aber für Bens (und die ganzen anderen Schüler, die Ben dann umgebracht oder mitgenommen hat). Das ist für mich absolut nachvollziehbar.

        Aber ja, vielleicht wäre ein alleinstehender Star-Wars-Film von Rian Johnson auch nicht schlecht gewesen. Für mich bleibt aber TLJ der interessanteste Film der Trilogie…

  3. Eine sehr interessante Besprechung, die viel detaillierter und genauer auf den Punkt bringt, was meine Eindrücke des Films bzw. der Trilogie sind. Im Grunde ist es Disneys fehlende Vision, welche die Sequels haben scheitern lassen. Wirklich erstaunlich, da sie auf der anderen Seite mit Marvel viel richtig machen.

    1. Danke. Ja, wir sehen das sehr ähnlich – selbst diejenigen, denen Teile der Sequel-Trilogie oder sogar die Trilogie in ihrer Gesamtheit gefällt (soll es ja auch geben ;)), sind meistens gezwungen, einzugestehen, dass es mit der Planung nicht allzu weit her war. Lustigerweise sind die Prequels, was reine Planung und Konzeption angeht, jetzt die beste Star-Wars-Trilogie, auch wenn es an der Umsetzung etwas haperte. Selbst die Einzelfilme haben da interessantere erzählerische Konzepte, beispielsweise Episode II als Detektivgeschichte mit Noir-Elementen.

  4. Ja, hast vieles gut auf den Punkt gebracht. Ich bin nicht der größte Star Wars-Fan, aber Episode 7 ist mein Lieblings-Teil und dass es so schnell so planlos bergab ging, zu so einem shitty Remake-Ende, ist einfach nur frustrierend und doof. Ich tue einfach so, als wäre das nicht der offizielle End-Film, sondern ein Fan-Projekt, und leider hat Disney einfach einen offiziellen 9. Teil nie gemacht. Mit dieser Einstellung lebt es sich gleich etwas leichter.

    1. Diese Planlosigkeit war allerdings auch schon bei Episode VII gegeben. 😉 Ich habe ja schon diverse Artikel zum Mangel an erzählerischem Konzept in dieser Sequel-Trilogie geschrieben. In gewissem Sinne erstreckt sich die Einstellung, die du zu Episode IX hast, bei mir auf die gesamten Sequels – und es ist ja nicht so, als gäbe es nicht Alternativen. Witzigerweise, bei allem was Disney versucht hat, um sich ursprünglich vom alten EU zu distanzieren, ist die Sequel-Trilogie nun doch zu einer kruden Adaption der Romanreihe „Legacy of the Force“ (Han und Leias Sohn verfällt der Dunklen Seite) und des Comics „Dark Empire“ (Palpatine kehrt von den Toten zurück) geworden. Wie sagte Darth Sidious in Episode III noch so schön? „How ironic.“

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