GoT: The Queen’s Justice

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„The Queen’s Justice“ ist mal wieder ein schöner, mehrdeutiger Titel für die erste Episode dieser Staffel, die den Status Quo wirklich nachhaltig verändert. Wie schon in vorangegangenen Folgen werden Cersei und Daenerys abermals einander gegenübergestellt und durch ihr Verhältnis zu Gerechtigkeit weiter charakterisiert. Ich möchte auch noch einmal betonen, dass die Episodenstruktur und -dramaturgie dieser Staffel bislang exzellent ist. Obwohl gerade in dieser dritten Episode wirklich sehr viel Bedeutendes passiert, hat man nie wie manchmal in vorangegangenen Staffeln das Gefühl, man schaue gerade eine extrem hochwertig produzierte Clipshow.

Dragonstone
Auf Dragonstone kommt es zu dem Treffen, auf das die GoT-Fangemeinde bereits seit langem wartet: Jon Snow begegnet Daenerys Targaryen. Zuerst einmal wird er jedoch am Strand von Missandei und Tyrion empfangen. Der König des Nordens und die Hand sinnieren kurz über den Weg, den sie zurückgelegt habe, seit sie sich das letzte Mal gesehen haben. Ähnlich geht es Davos, der Dragonstone kaum wiedererkennt. In einem kurzen Intermezzo kündigt Melisandre an, dass sie Dragonstone verlassen wird, da sie sich im Schlechten von Jon getrennt hat. Ganz auf die für sie typische Art lässt sie dann gegenüber Varys noch eine ominöse Prophezeiung los, derzufolge sowohl sie als auch er in Westeros sterben werden.

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Jon (Kit Harrington) und Tyrion (Peter Dinklage), nach so vielen Staffeln wieder vereint. Im Hintergrund: Missandei (Nathalie Emmanuel) und Ser Davos (Liam Cunningham). Quelle.

Das eigentliche Treffen zwischen der Königin mit den vielen Titeln und dem König des Nordens verläuft in etwa so, wie man das erwarten würde. Beide Monarchen sind geprägt von ihren Erfahrungen und trauen dem anderen nicht. Daenerys verlangt, dass Jon das Knie beugt, Jon findet die Kriege im Süden angesichts der Bedrohung aus dem Norden kindisch. Der Dialog mag vorhersehbar sein, ist aber essentiell und kann im Grunde gar nicht anders verlaufen, da sich sonst beide Figuren völlig out of character verhalten würden. Ein wenig Rekapitulation lässt sich ebenfalls nicht vermeiden: Sowohl Jon als auch Daenerys sind nun einmal die Abkömmlinge zweier alter Adelsfamilien mit einer langen, verknüpften Geschichte. Schon am Anfang ist klar, dass dieses Gespräch zu keinem Ergebnis führen wird und vielleicht sogar höchst unangenehm enden könnte. Die Nachrichten, die Varys von der Eisernen Flotte bringt (wir erinnern uns an das Finale von Episode 2), verhindern das jedoch. Interessanterweise scheint Tyrions Brief, der inhaltlich nicht ganz dem Diktat der Königin entsprach, zumindest vorerst keine weiteren Folgen zu haben. Stattdessen versucht der Gnom, die schier unüberwindlichen Differenzen zumindest ansatzweise zu überbrücken und eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Die Drachenglasvorräte auf Dragonstone drängen sich da natürlich auf; Daenerys lässt sich breitschlagen, sodass Jon sie abbauen kann. Im Vergleiche zur angespannten Atmosphäre im Thronsaal ist die zweite Jon/Daenerys-Szene fast schon jovial. Fast.

King’s Landing
In King’s Landing zeigt Cersei mal wieder, was für eine ausgeglichene, moralisch gefestigte Frau sie doch ist. Euron bringt die Kriegsgefangenen zu seiner Königin, die seinen Antrag annimmt – sobald der Krieg gewonnen ist. Das ist ein typisches Cersei-Manöver: Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie keinerlei Absicht hegt, Euron tatsächlich zu ehelichen. Entweder er macht es ihr leicht und stirbt bereits während des Krieges, oder aber er überlebt, nur um dann von Cersei vergiftet zu werden. Natrülich ist Euron seinerseits nicht der vertrauenswürdigste Zeitgenosse, wer weiß, was er im Schilde führt.  Derweil merkt man Jaime an, dass er mit der Situation zunehmend unzufriedener wird, besonders, wenn Euron auch noch anzüglich stichelt. Bereits im Vorfeld der Staffel wurde fast schon angekündigt, dass Euron gewissermaßen der Ersatz für Ramsay ist. Zwar kann er sich noch nicht so vieler Verdienste rühmen, aber er arbeitet sich konstant nach oben und pflegt sein Image als anzüglicher Barbar. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass wir von Euron in dieser Staffel noch einige Gemeinheiten erwarten dürfen. Gleichzeitig entfernt er sich so immer weiter vom Euron George R. R. Martins – ich weiß, ich wiederhole mich, ich wollte es aber noch einmal hervorheben.

In der folgenden Szene erfahren wir, wie Cersei Gerechtigkeit versteht: Sie tut Ellaria dasselbe an, das Ellaria ihr angetan hat. Tyene wird mit demselben Gift vergiftet, mit dem Myrcella vergiftet wurde. Damit sind die Sandschlangen (und die Dornischen insgesamt?) wohl endgültig Geschichte, besonders, da Indira Varma, Ellarias Schauspielerin, bestätigt hat, dass sie in der Serie wohl nicht mehr zu sehen sein wird. Damit ist der vielleicht unrühmlichste Handlungsstrang der Serie zu Ende – und nach wie vor ist es wirklich schade, dass eine so interessante Region wie Dorne durch schlechte Adaption derart verhunzt wurde.

„The Queen’s Justice“ beantwortet auch eine weitere Frage, die man sich als Zuschauer (vielleicht) seit einiger Zeit stellt: Läuft da eigentlich noch etwas zwischen Cersei und Jaime? Ja, da läuft noch etwas, auch wenn Jaime (in letzter Zeit grundsätzlich) eher unwillig ist. Cersei hat inzwischen keinerlei Hemmungen mehr, das Verhältnis für alle sichtbar weiterzuführen – die Königin tut, was sie will, abermals im Kontrast zu Daenerys, die tun möchte, was für das Volk am besten ist.

Im Anschluss gibt es noch ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten, nämlich dem von Mark Gatiss gespielten Tycho Nestoris, der für die Eiserne Bank von Braavos spricht. Das Gespräch verläuft sehr ähnlich wie vorangegangene Dialoge zwischen ihm und Vertretern der Krone bzw. des Hauses Lannister. Das interessanteste Ergebnis dieses Austauschs dürfte der Umstand sein, dass Tycho in King’s Landing bleibt – je nach dem könnte das unangenehm für ihn enden.

Winterfell

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Im Norden sehen wir, dass Sansa gar nicht so übel im Regieren ist. Eine kleine Andeutung in einem Nebensatz sorgt schon wieder für massive Spekulationen: Wolkan (Richard Rycroft), der neue Maester von Winterfell erklärt, er werde die Korrespondenzabschriften von Maester Luwin zurate ziehen. Schon ist das Fandom am Spekulieren, was er dort wohl finden wird. Das zentrale Element dieser Szene ist freilich die erste (und wohl nicht letzte) Stark Wiedervereinigung dieser Staffel: Bran kommt in Winterfell. Erst jetzt, im Kontakt mit „normalen Menschen“ fällt auf, wie sehr ihn seine Erlebnisse gezeichnet haben und wie stoisch er geworden ist. Besonders seine Worte im Götterhain sind da etwas grenzwertig in ihrem Mangel an Fingerspitzengefühl, man versteht gut, weshalb sie Sansa verstören.

Oldtown
In der Citadel erfährt Sam, dass die Operation an Ser Jorah erfolgreich war. Vielleicht liegt es nur an mir, aber mir kommt das ganze etwas zu einfach vor, aller Beteuerungen von Erzmaester Ebrose zum Trotz. Gerade an dieser Stelle zeigt sich wieder sehr gut, warum sich die späteren GoT-Staffeln nicht mehr unbedingt wie George R. R. Martins Geschichte anfühlen. Derartige Errungenschaften und, in Ermangelung eines besseren Wortes, Siege erschienen mir in den Romanen immer weitaus verdienter. Natürlich, die Serie hat weniger Zeit, so etwas zu vermitteln und gerade jetzt versuchen Benioff und Weiss, mit großen Schritten voranzuschreiten, aber dennoch. Davon abgesehen hat auch weiterhin jede Szene mit Sam und Ebrose eine ziemlich potterartige Atmosphäre.

Krieg im Süden
Wie schon in der letzten Episode geht’s auch im Finale von „The Queen’s Justice“ ordentlich zur Sache. Zwar beginnt es auf Dragonstone mit einem Monolog Tyrions, aber letztendlich ist das Ende der Episode so ineinandergeschnitten, dass ich es separat behandle. Mit den Worten des Gnoms unterlegt sehen wir, wie sich sein Plan entfaltet und die Unbefleckten Casterly Rock erobern. Den Stammsitz der Lannisters sehen wir hier zum ersten Mal in der Serie. Leider muss ich sagen, ich bin etwas enttäuscht, der Rock sieht verhältnismäßig gewöhnlich aus. In Martins „The World of Ice and Fire“ sind die Beschreibungen weitaus grandioser, dort ist Casterly Rock nicht einfach nur eine Burg auf einem Felsen, sondern eine Burg, die praktisch aus dem Felsen herausgehauen wurde und darüber hinaus die einzige von Westeros ist, die mit Harrenhall konkurrieren kann.

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Die Unbefleckten greifen Casterly Rock an (Quelle).

Tyrions Plan gelingt zwar, aber schnell erweist sich, dass er und Daenerys in eine Falle getappt sind: Eurons Flotte verbrennt die restlichen Schiffe der Targaryen, während die Lannister-Armee in aller Ruhe Highgarden erobert, das in der Serie ebenfalls ein wenig langweiliger wirkt als in der Vorlage (wo sind die Heckenlabyrinthe?). Die Szene an sich sagt mir aber sehr zu, schon allein wegen des massiven Einsatzes von The Rains of Castamere. Damit sind nach den Martells nun auch die Tyrells Geschichte, auch wenn Lady Olenna noch einen allerletzen Trumpf im Ärmel hat. Bereits nachdem sie das für ihre Hinrichtung vorgesehene Gift getrunken hat, gesteht sie Jaime süffisant, dass sie Joffrey ermordet hat und höhlt seinen Sieg auf diese Weise aus. Wir werden dich vermissen, Lady Olenna.

Fazit: „The Queen’s Justice“ ist die bisher beste und ereignisreichste Folge der siebten Staffel. Ich habe jedoch den leisen Verdacht, dass das nicht so bleiben wird.

Titelbildquelle

Siehe auch:
Dragonstone
Stormborn

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9 Kommentare zu “GoT: The Queen’s Justice

  1. Curima sagt:

    Ich muss sagen, dass die Episode mir schon sehr gehetzt vorkam. Auch wenn ich verstehe, dass man aus Zeit- und Budgetgründen nicht zwei so große Schlachten/Belagerungen zeigen kann. Aber irgendwie war ich nach Ende der Folge etwas underwhelmed, auch wenn Olennas Abgang großartig und ein Highlight der Staffel war. Jaime tut mir wirklich leid inzwischen und ich hoffe, wir erleben es bald, dass er sich gegen Cersei wendet.

    Über Cerseis Plan mit Tyene und Ellaria war ich fast froh, weil ich ehrlich gesagt wenig Lust auf eine noch über drei Folgen ausgeweitete Reihe von Folterszenen hatte, die ich da schon fürchtete. Der Plan war angemessen perfide (kam dann wohl auch eher von Qyburn als von Cersei selber…) und die Szene war dann auch ganz okay. Dass der Dorne-Plot in der Serie insgesamt völlig verhunzt war … müssen wir ja nicht mehr drüber reden.

    Die Begegnung von Dany und Jon fand ich auch vollkommen okay so. Ich kann auch langsam die Beschwerden nicht mehr hören, Dany sei ja so arrogant und solle sich mal zusammenreißen und/oder Jon könnte ja auch mal einfach das Knie beugen … ich meine, die Serie hat ja durchaus einige Charaktere, die sich out of character verhalten, aber Dany und Jon sind total in sich konsistent und da muss so eine Begegnung einfach so laufen. Das Wiedersehen von Tyrion und Jon fand ich auch toll. Überhaupt sehr viel Wiedersehen im Moment ;). Melisandre war aber weise, sich abzusetzen, ehe Davos sie gesehen hat. Mal sehen, was aus ihrer Prophezeiung noch so wird.

    Und apropos Prophezeiung: Den teilweise geäußerten Hass auf Bran kann ich auch nicht verstehen. Die Szene mit Sansa unter dem Baum zeigte einfach sehr eindrücklich, dass er nicht mehr Brandon Stark ist, sondern der Three-eyed Raven. Und der checkt halt nicht, dass diese Erinnerung anzusprechen eine SCHEISSIDEE ist. Aber dazu kommt ja noch mehr in Folge 4.

    • hemator sagt:

      Tja, Nägel mit Köpfen: Was ich über Sam und Ser Jorah geschrieben habe, gilt natürlich auch in diesem Kontext, aber ich mochte die Inszenierung ziemlich, der Übergang von Tyrions Monolog, dramaturgisch war das schon verdammt gut gemacht. Und wenn du mir etwas schmackhaft machen willst, hau ein Thema wie „The Rains of Castamere“ rein 😀
      Zu Cerseis Plan: Ja, geht mir ebenso, ich hatte da schon was längerfristiges, Theon-Ramsay-mäßiges befürchtet, die Lösung war bösartig, aber elegant und „angenehm“.
      Den Hass auf Bran habe ich jetzt noch nicht mitbekommen. Ich finde aber, die Serie stellt recht gut klar, dass er jetzt ebene eine andere Bewusstseinsstufe erreicht hat, derart „profane“ Probleme kann er nicht mehr wirklich erfassen, weil sein Geist gleicht auf mehreren Zeitebenen parallel unterwegs ist. Da fand ich auch die Szene in Folge 4 sehr amüsant.

  2. Robin sagt:

    Ich liebe ja deine Rezensionen, auch wenn ich diese Staffel noch nicht bei dir kommentiert habe. Das einzige Problem ist, dass die Kritiken erst dann kommen, wenn ich die nächste Folge schon gesehen habe (bei der 4. war das dieses Mal sogar schon sonntags :O). Aber du hast vermutlich viel zu tun und Spoiler gibts bei mir natürlich nicht ^^

    Euron: Du schreibst, dass Cersei keine Absicht hat, seinen Antrag anzunehmen. Ich dagegen bin der Meinung, dass Euron IHR NIE EINEN ANTRAG GEMACHT HAT. Er sagt in der ersten Folge, dass er die schönste Frau der Welt heiraten will und Cersei nimmt das als Antrag. In dieser Folge sagt er, nachdem sie fragt, was er will, dass sie wisse, was er will. Vielleicht bin ich zu misstrauisch, aber irgendwie klingeln da bei mir die Alarmglocken. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er sie am Schluss, wenn sie in die Heirat einwilligt, einfach Daenerys ausliefert, denn SIE ist ja die schönste Frau der Welt! Nur wird die von seinem Antrag vermutlich auch nicht sehr begeistert sein. Ich gebe zu, die Theorie macht wenig Sinn, wenn man bedenkt, dass er ihre Flotte zerstört hat, aber naja, wer weiß, was noch dahinter steckt und was für verdrehte Gedanken Euron hat.
    Jedenfalls finde ich es einfach fishy, dass er Cersei nie direkt gefragt hat – und in der 6. Staffel wollte er ja auch noch Daenerys! Einzig sein Gespräch mit Jaime weist wirklich auf eine Heirat mit Cersei hin. Die will IHN aber ganz sicher nicht und verhält sich auch nicht entsprechend (müsste sie sich aber nicht wenigstens in Bezug auf Jaime etwas diskreter verhalten, damit es wenigstens so aussieht, als hätte sie Interesse an Euron? Wenn die jahrelangen Gerüchte bestätigt werden, müsste Euron da nicht eigentlich zwingend die Allianz aufkündigen?).

    Ellaria: Das war mal ne ganz krasse Szene, aber ob es wirklich ihr letzter Auftritt war? Vielleicht wird sie irgendwann am Schluss total wahnsinnig im Verlies entdeckt. Umbringen wollte Cersei sie ja absichtlich nicht. Ich mochte die ganzen Dorne-Szenen auch nicht, aber wenigstens einen Auftritt sollte sie noch haben, sonst fühlt sich das für mich nicht rund an. Außer natürlich, Cersei bleibt am Ende Königin.

    Jon: Gerade im Hinblick auf die Gefahr durch die Zombiearmee finde ich eigentlich gar nicht, dass ein Kniefall vor Daenerys total out of character wäre. Das ist doch das Wichtigste für ihn, warum ihr dann also nicht die Treue schwören, wenn er dadurch vermutlich ganz Westeros retten könnte? Ihre Gespräche waren zwar cool, aber ich bin doch ein wenig unzufrieden.

    Highgarden: Olenna war natürlich großartig. Aber mich haben drei Sachen gestört:
    1. Woher kommt plötzlich dieses total unerwartete taktische Genie von Cersei? Bisher hat sie ja immer nur richtig dämliche Entscheidungen getroffen (High Sparrow…). Dazu gehört: Wenn die Eisenmänner schon immer die Kapazitäten hatten, 1000 Schiffe zu bauen, warum haben sie es nicht schon viel früher gemacht und damit die Meere beherrscht?
    2. War die Eroberung Highgardens nicht ein bisschen einfach? In einer früheren Folge wurde gesagt, dass sie die zweitgrößte Armee Westeros‘ haben (die größte ist vermutlich die Lannister-Armee? Trotzdem, aus der Angriffsposition heraus sollten sie es doch schwerer haben). Und jetzt meinte Olenna, dass sie noch nie gut im Kämpfen waren. Naja…
    3. Es ist zwar nett von Jaime, dass er Olenna einen angenehmen Tod verschafft hat. Aber insgesamt gefällt mir seine Entwicklung gar nicht. Im Buch ist er bereits weiter. Momentan könnte ich mir sogar vorstellen, dass er nie von Cersei loskommt oder erkennt, was sie für ein Monster ist. Da fühle ich mich irgendwie ein bisschen verarscht, aber andererseits wäre die Vergewaltigungsszene in der vierten Staffel dann gar nicht mehr so schlimm für seine Charakterentwicklung, da er ja offensichtlich doch gar keine hat ^^

    Allgemein gefällt mir die Staffel bisher sehr gut (auch die 4. Folge). Nachdem die Story sich aber seit Ewigkeiten so dermaßen in die Länge zog, kommt mir das alles jetzt ziemlich überhastet vor. Und Daenerys… Da denkt man jahrelang „Mann Daenerys, fahr halt endlich nach Westeros, du bist mit deinen Armeen eh unbesiegbar“ und dann kommt erst der Fail in Folge 2 und dann das. Das ist irgendwie ein bisschen schräg. Aber solange es beim Zusehen noch Spaß macht, stört es mich nicht sehr.

    • hemator sagt:

      Danke, freut mich. Ja, ich wollte die Teile eigentlich immer schon weitaus früher fertig haben, und dann kommt immer wieder Zeug dazwischen, sei es jetzt im Blogbereich oder unabhängig. Vielleicht klappts ja diese Woche.
      Was Euron angeht: Durchaus eine interessante Theorie. Da hätte ich nur einen Einwand: Ich traue Euron auch zu, ihr einen eindeutigen Antrag zu machen und sie später einfach so abzumurksen, und sei es in der Hochzeitsnacht, für den unwahrscheinlichen Fall, dass es tatsächlich dazu kommen sollte. So ein elaboriertes Aussagenspiel hat er im Grunde schlicht nicht nötig. Aber es wäre natürlich aus dramaturgischen Gründen schon nachvollziehbar, wenn Benioff und Weiss Euron irgendwann so was sagen lassen wie: „I said I wanted to marry the most beatiful queen in the world. I never said that I wanted to marry YOU.“

      Zu Ellaria: Wie gesagt, die Schauspielerin hat gesagt, sie würde nicht mehr vorkommen. Wäre zwar nicht die erste Plotlüge von Schauspielern (Benedict Cumberbatch ist nicht Kahn, Marion Cotillard ist nicht Talia etc.), erscheint mir hier aber eher unwahrscheinlich.

      Was deine drei Punkte angeht, sehe ich insgesamt genauso, aber das ist schon das, was ich in meiner Rezension zu Staffel 6 (und hier noch einmal) geschrieben habe: Es ist nicht mehr wirklich George R. R. Martins Geschichte. Beim guten Schorsch ist Ursache und Wirkung immer relativ gut aufeinander abgestimmt und alles passt logisch zusammen, Armeen und Flotten tauchen nicht so mir nichts, dir nichts auf und unter etc.. Solange GoT noch näher an den Romanen war, war es da genauso, aber seit Benioff und Weiss federführend sind, ist GoT in der Handlungsführung weitaus mainstreamiger und vorhersehbarer geworden. Ich habe mich damit abgefunden und das erstmal akzeptiert. Es hat ja durchaus auch seinen Reiz, wenn hier etwa Figuren zusammenkommen, die sich in den Büchern wohl nie begegnen werden. Wenn er jetzt mit „The Winds of Winter“ endlich mal hinne machen würde.

  3. Wie immer hervorragende Reviews. Meine Auffassung zu den Staffelfolgen habe ich Dir ja schon gemailt. In der Tat scheint mir die Episode 3 – wegen der hervorragenden Dialoge, insbesondere zwischen Melisandre und Varys, aber eben auch zwischen Lady Olennah und Jaimie – die beste aller Episoden zu sein, auf jeden Fall deutlich besser als Episode 2, die zu inkosistent gewesen ist. Lena Headley hier in Episode 3 einfach hervorragend. Unglaubwürdig finde ich – in Bezug auf alle 3 Episoden – das Agieren von Daenerys, die plötzlich „zu dumm“ wirkt – oder sind es ihre Berater? Sie hat eine aussichtlslos erscheinende „Schach-Matt“-Situation am Ende von Staffel 6 durch kluge Schachzüge für sich verbessert. Danys Gegenschlag muss daher bald erfolgen, wenn sie noch eine Chance haben (und wer die – schwache! – Episode 4 gesehen hat, weiß, wie dieser Gegenschlag aussieht).
    Leider leidet die Staffel m.E. unter starker Vorhersehbarkeit – und dies stört mich sehr an den Sam-Szenen in Oldtown. Er findet sofort heraus, wo das Drachenglas gelagert ist und er heilt – schwupp die wupp – Jorah, weil er ein Heilmittel gegen Greyscale ausprobiert, welches vorher noch keine Maester ausprobiert haben. Nein, Sams Handlungstrang leidet daran, dass er zu sehr zum „Super-Medicus“ der Serie aufgebaut wird. Sam durfte nicht an der Mauer bleiben, da er neben Jon bei dem Attentat auf diesen getötet worden wäre. Also musste er vor dem Attentat auf Jon von der Nachtwache verschwinden. Ich komme mir in der Serie vor wie beim Schachspiel. Das gleiche empfinde ich bei Episode 4, die Du sicherlich noch besprechen wirst. Ansonsten wie immer gute Review.

    • hemator sagt:

      Ja, die Vorherhsehbarkeit ist mir auch immer wieder aufgefallen. Ich hatte es ja schon weiter oben geschrieben: Spätestens seit Staffel 5 ist GoT weitaus mehr „mainstream“ geworden, als es früher war, Plots, Handlungs- und Figurenentwicklung sind konventioneller und weniger durchdacht. Damit habe ich mich inzwischen mehr oder weniger abgefunden. Wenn man die Erwartungen etwas herunterschraubt, kann man die Serie besser genießen – exzellentes Fernsehen ist sie immer noch. Ich muss auch sagen, trotz allem genieße ich die siebte Staffel immer noch weitaus mehr als die fünfte; für mich nach wie vor der bisherige Tiefpunkt der Serie. Mit „The Spoils of War“ hatte ich da ehrlich gesagt auch weniger Probleme als du. Wobei man die Folge wohl sowieso erst vollständig bewerten kann, wenn man die genauen Auswirkungen kennt.

  4. Tippfehler: nach „Berater“ muss es statt „Sie“ natürlich „Cersei“ heißen.

  5. Ha – das ging nicht nur dir so 😉 Die Wunderheilung von Jorah war auch mir etwas zu einfach. Vermutlich soll das den späteren Bruch mit den Measter (ich schreibe es immer falsch …) andeuten, weil sie letzten endes zu alteingesessen und konventionell denken und zuviel Wissen zurückhalten. Aber dass es so schnell ging, ist ein bisschen ungeschickt gehandhabt.
    Obwohl ich trotzdem mit der Staffel ganz zufrieden bin.

    Spannend finde ich ja was du über die Unterschiede zum Buch sagst. Da ich es nicht kenne und wahrscheinlich auch nicht mehr anfangen werde. Ich frage mich wie Dorne im Buch rüberkommt!?

    • hemator sagt:

      Es gibt in den Romanen ja noch eine ganze Maester-Verschwörung, die bislang zwar nur angedeutet wird, das aber sehr intensiv. Dieser Verschwörung zufolge katalogisieren die Maester die Welt nicht nur, sie sind auch für den Tod der Drachen und das Verschwinden der Magie zumindest mitverantwortlich. Das scheint in der Serie nun aber auch keine Rolle mehr zu spielen.

      Dorne in den Büchern ist sehr viel komplexer und nachvollziehbarer, vor allem weil Doran Martell zwar ziemlich krank ist, aber ein gewiefter und intriganter Taktiker, der seine ganz eigenen Pläne hat. Darüber hinaus gibt es in der Serie noch zwei weitere Martell-Kinder (vor allem Dorans älteste Tochter und Erbin Arianne ist eine sehr interessante Figur) und ganz insgesamt ist das alles weitaus interessanter und besser geschrieben als in der Serie.

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