Avengers: Infinity War – Ausführliche Rezension

Spoiler nach dem ersten Absatz!
infinity war
Zehn Jahre, 18 Filme und unzählige Mid- und Post-Credits-Szenen haben uns an diesen Ort geführt: „Avengers: Infinity War“ baute eine gewaltigen Hype auf und ist gerade dabei, diverse Rekorde zu brechen – und natürlich drängt sich ein ausführlicher Blick auf dieses Event geradezu auf. Die Vorgehensweise ist die übliche: Zuerst präsentiere ich meine spoilerfreie Meinung kurz und knapp, danach nehme ich keine Rücksicht mehr. Insgesamt hat mir „Infinity War“ ziemlich gut gefallen. Ist es der beste Film des MCU? Diese Frage zu beantworten fällt mir bislang noch schwer. Auf jeden Fall unterscheidet sich der dritte Avengers-Streifen deutlich von seinen vielen Vorgängern, was ich als äußerst positiv empfinde. Natürlich ist auch „Infinity War“ nicht ohne Schwächen, doch gerade die strukturellen Mängel, die einige Kritiker ankreiden, stören mich da weniger, denn dieser Film fühlt sich weniger wie die beiden vorhergegangenen Avengers-Filme und mehr wie ein Event-Comic an – insofern wäre „Marvel Cinematic Universe: Infinity War“ vielleicht sogar ein passenderer, wenn auch nicht so griffiger Titel gewesen.

Handlung
Thanos (Josh Brolin), der irre Titan, hat genug: Er steht aus seinem Stuhl auf, zieht seinen Handschuh über und beginnt, die Infinity-Steine persönlich einzusammeln, um im Universum kräftig aufzuräumen. Den ersten sackt er auf Xandar ein, der zweite befindet sich gerade im Besitz Lokis (Tom Hiddleston), also greift der irre Titan die überlebenden Asen an, schnappt sich den Tesserakt und fügt ihn ebenfalls seiner Sammlung hinzu. Thanos‘ nächstes Ziel ist die Erde. Allerdings gelingt es Hulk/Bruce Banner (Mark Ruffalo), Thanos zu entkommen und Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) zu warnen. In Windeseile versammeln sich zumindest einige Verteidiger, darunter Iron Man (Robert Downey jr.), Spider-Man (Tom Holland) und Wong (Benedict Wong). Und schon taucht Thanos‘ Scherge Ebony Maw (Tom Vaughan-Lawlor) auf, um den von Strange beschützten Zeitstein einzusammeln. Es gelingt ihm auch tatsächlich, Strange gefangen zu nehmen, doch Spider-Man und Iron Man schaffen es, sich auf seinem Raumschiff zu verstecken.

Derweil finden die Guardians of the Galaxy die Überreste des asgardianischen Flüchtlingsschiffs und einen überlebenden Thor (Chris Hemsworth). Schnell beschließt man, gemeinsam gegen Thanos vorzugehen: Der Donnergott begibt sich, begleitet von Rocket (Bradley Cooper) und Groot (Vin Diesel), nach Nidavellir, um an eine neue Waffe zu kommen, mit der man den irren Titanen besiegen kann. Derweil versucht der Rest der Guardians Thanos davon abzuhalten, den Realitätsstein auf Knowhere einzusammeln – mit wenig Erfolg. Nicht nur hat Thanos den Stein bereits, er nimmt auch gleich seine Adoptivtochter Gamora (Zoe Saldana) mit.

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Verteidiger der Erde: Wong (Benedict Wong), Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), Bruce Banner (Mark Ruffalo), Tony Stark (Robert Downey Jr.)

Auf der Erde versuchen Thanos‘ Häscher auch weiterhin, die Infinity-Steine für ihren Meister einzusammeln. Ihr Ziel ist Vision (Paul Bettany), der jedoch von Wanda (Elizabeth Olsen) und Caps (Chris Evans) Team Unterstützung erhält. Trotz diverser Rückschläge – auch Doctor Strange behält vorerst seinen Infinity Stein – kommt Thanos seinem Ziel näher, denn mit Gamora unfreiwilliger Hilfe bringt er den Seelenstein an sich. Auf seiner Heimatwelt Titan versucht er anschließend, auch noch den Zeitstein zu erringen, während seine Heerscharen erneut die Erde angreifen, um auch noch den letzten Stein einzusammeln…

Die Konklusion des MCU?
Allerspätestens seit „The Avengers“ arbeiten die Marvel Studios auf diesen Moment hin; in dem Moment, in dem Thanos in der Mid-Credits-Szene sein hübsches Lächeln zeigt, weiß der Comicfan, das selbst „The Avengers“ nur ein Vorgeschmack ist. Tatsächlich ist diese Erzählweise, dieses Hinarbeiten auf die kommenden Filme, etwas, das am MCU häufig und gerne kritisiert wird. Zugegebenermaßen haben sich die Marvel Studios diesbezüglich auch nicht immer mit Ruhm bekleckert; diverse Filme, etwa „Iron Man 2“ oder „Avengers: Age of Ultron“, vergaßen beim World Building die eigentliche Handlung. Dennoch ist das, was die Marvel Studios mit diesem Franchise geleistet haben, gerade für einen Comicfan ziemlich beeindruckend. „Infinity War“ ist nicht die tatsächliche Konklusion, schließlich endet er mit einem fiesen Cliffhanger und es folgt noch ein weiterer Avengers-Film, aber er kommt dem doch schon ziemlich nahe.

Dabei zeigen sich allerdings auch die Schwächen eines Films wie „Infinity War“ ziemlich deutlich. Joe und Anthony Russo haben in diesem Film verdammt viel zu tun und auf verdammt viele Filme, Figuren und Handlungsstränge Rücksicht zu nehmen. Das klappt nicht immer vollständig. Das beste Beispiel hierfür ist „Thor: Ragnarok“. „Infinity War“ schließt ziemlich direkt an besagten Streifen an, negiert aber quasi sofort sämtliche Errungenschaften. Nachdem Thor sein Volk mühsam gerettet hat, gerät es nun an Thanos, und dabei macht der Film nicht einmal deutlich, was nun mit den Asen geschehen ist. Zuerst sieht es so aus, als habe Thanos gnadenlos alle niedergemetzelt, später wird aber eher nebenbei erwähnt, er habe nur die Hälfte von ihnen getötet. In einem Interview erklärten die Russos darüber hinaus, Valkyrie habe einigen (wohl besagter Hälfte) bei der Flucht geholfen, was auch der Grund ist, weshalb sie, anders als Heimdall und Loki, nicht auftaucht.

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Die Guardians of the Galaxy: Star Lord (Chris Pratt), Groot (Vin Diesel), Gamora (Zoe Saldana), Mantis (Pom Klementieff), Rocket Racoon (Bradley Cooper) und Drax (Dave Bautista)

Ähnlich verhält es sich mit dem Handlungsstrang aus „Captain America: Civil War“, der immerhin von den Russos selbst gedreht wurde. Der Konflikt aus diesem Film hat zwar Auswirkungen auf „Infinity War“, diese sind im Kontext allerdings verhältnismäßig klein – man hätte nicht allzu viel umschreiben müssen, hätten die Ereignisse aus „Civil War“ nicht stattgefunden. Zumindest in diesem Film erfolgt keine wirkliche Auseinandersetzung, Cap und Tony begegnen sich nicht einmal.

Letztendlich muss man bei einem Film wie diesem aber eben auch Abstriche machen, schließlich ist es letztendlich ein Film mit einer begrenzten Laufzeit, der nicht alles ausgiebig thematisieren kann. Das MCU ist letztendlich ein Experiment, das versucht, die Erzählstruktur von Superheldencomics auf Filme zu übertragen. Und Superheldencomics sind nun einmal serieller Natur – weder ich noch irgendein anderer Comicfan würde bestreiten, dass es gewisse Gemeinsamkeiten zu Soap Operas gibt. In „Infinity War“ gehen die Marvel Studios so weit wie noch nie zuvor, die Erzählstruktur und das „Feeling“ eines Superheldencomics auf die Leinwand zu bringen.

Krieg um Steine: Die Vorlage
Ganz ähnlich wie bei „Avengers: Age of Ultron“ hat auch „Avengers: Infinity War“ mit dem gleichnamigen Comic nicht allzu viel zu tun. Bei „The Infinity War“ handelt es sich um eine 1992 erschienene Miniserie, verfasst von Thanos-Erfinder Jim Starlin. „Avengers: Infinity War“ bezieht sich allerdings in weitaus größerem Ausmaß auf „The Thanos Quest“ und „The Infinity Gauntlet“, ebenfalls verfasst von Jim Starlin. In „The Thanos Quest“ (1990) sammelt Thanos die Infinity Steine (in den Comics ist stets die Rede von „Infinity Gems“, während es im MCU „Infinity Stones“ sind), und in „The Infinity Gauntlet“ setzt er seine neu gewonnene, gottgleiche Macht ein. Natürlich sind selbst diese beiden Geschichten eher lose Inspirationen als direkte Vorlagen, schon allein, weil sie einer völlig anderen Kontinuität folgen – beispielsweise sind die X-Men und die Fantastic Four zugegen, während die Guardians of the Galaxy in ihrer aus dem MCU bekannten Form noch nicht existieren. Gamora und Drax spielen davon unabhängig durchaus wichtige Rollen, aber auch hier zeigt sich deutlich, wie sehr sich beide Figuren seit den frühen 90ern weiterentwickelt haben. Einige ikonische Momente stammen jedoch direkt aus dem Comic, etwa der Held, der durch Doctor Stranges Dach fällt, um ihn zu warnen – nur dass es nicht der Hulk ist, sondern der Silver Surfer. Auch das Fingerschnippen, mit dem die Hälfte allen Lebens im Universum ausgelöscht wird, stammt direkt aus „The Infinity Gauntlet“. Darüber hinaus ermöglicht die Kenntnis des Comics zumindest einige Vermutungen, was im Sequel noch auf uns zukommen könnte.

Helden über Helden
Gerade strukturell unterscheidet sich „Infinity War“ doch deutlich von den beiden Vorgängern. In „The Avengers“ ging es um das Zusammenfinden des Teams, während es in „Avengers: Age of Ultron“ der Ausgangspunkt war. In beiden Filmen kam das Team im dritten Akt (wieder) zusammen, um die Widersacher (Loki und die Chitauri bzw. Ultron und seine Armee) zu besiegen. In „Infinity War“ spielen die Avengers als Team dagegen kaum eine Rolle. Die ersten beiden Filme fühlten sich für einen comicaffinen Zuschauer tatsächlich wie Handlungsbögen einer Avengers-Comicserie an, während „Infinity War“, wie oben bereits erwähnt, eher wie ein Marvel-Großevent anmutet, in dem verschiedene, wenn nicht gar alle Teams und individuellen Helden zusammenkommen. So auch hier: Zwei im Grunde separate Avenger-Teams, die Guardians of the Galaxy und individuelle Helden wie Doctor Strange teilen sich in neue Kleingruppen auf – auch das ein Markenzeichen größerer Eventcomics.

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Das letzte Aufgebot: Black Panther (Chadwick Boseman), Steve Rogers (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson) und der Winter Soldier (Sebastian Stan)

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der Film auf die einzelnen Helden eingeht. Die Antwort lautet: „Ungleichmäßig“. Manche Helden stehen deutlich stärker im Vordergrund als andere. Captain America (bzw. in diesem Film Nomad in all but name) und Black Panther sind beispielsweise primär vorhanden, da sie keinen wirklich eigenen Handlungsbogen haben. Von den ursprünglichen Avengers stehen Thor und Iron Man am deutlichsten im Vordergrund, beide machen eine sehr klare Entwicklung durch. Vaterschaft ist ohnehin ein wichtiges Thema in diesem Film, das auf viele Aspekte Einfluss nimmt. Schon bei Tonys erstem Auftritt wird die Thematik vorgestellt und durch die Beziehung zu Peter Parker weiter ausgearbeitet, um dann im Finale einen traurigen und durchaus berührenden Höhepunkt zu erreichen.

Thors Entwicklung im Film ist wohl dennoch die interessanteste. Die Russos haben hier versucht, die unterschiedlichen Interpretationen der Figur wieder miteinander zu verknüpfen, denn der Thor des bisherigen MCU unterscheidet sich doch gewaltig von der Version aus „Ragnarok“. In „Infinity War“ wird versucht, an Thors Charakterisierung aus „Ragnarök“ anzuknüpfen, ohne die Comedy dabei zu weit zu treiben oder Tragik zu vermindern, was meistens ganz gut funktioniert. Hatte man in „Ragnarok“ mitunter das Gefühl, Thor gehe nichts wirklich nahe, wirken seine Sprüche und komödiantischen Einlagen hier eher, als versuche er, seinen Schmerz über den Verlust seiner Heimat, seines Volkes, seiner Freunde und seines Bruders dahinter zu verbergen. Der Donnergott wird vom Wunsch nach Vergeltung angetrieben und bekommt von allen Helden in diesem Film wohl den komplettesten und befriedigendsten Handlungsbogen – inklusive eines großen heroischen Auftritts im dritten Akt.

Von besonderem Interesse ist darüber hinaus Gamora, die als Thanos‘ Adoptivtochter einen besonderen Zugang zum Schurken des Films hat und das einzige Wesen ist, das er aufrichtig zu lieben scheint. Auch ihre Entwicklung im Verlauf des Films ist äußerst interessant, und umso tragischer ist ihr Ende.

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Thor (Chris Hemsworth)

In dieser Rezension über jede Figur, die in „Infinity War“ auftaucht ausführlich zu schreiben würde natürlich den Rahmen sprengen. Mit Ausnahme von Hawkeye, Ant-Man und Valkyrie ist wirklich so ziemlich jeder dabei, und die beiden erstgenannten werden aller Voraussicht nach im bislang noch unbetitelten vierten Avengers-Film eine tragende Rolle spielen. Zumindest ein Mitwirkender in einer kleinen, aber essentiellen Rolle hat mich tatsächlich überrascht, denn Red Skull darf ebenfalls mitmachen und fungiert als Wächter des Seelensteins. Gespielt wird er aber nicht mehr von Hugo Weaving, sondern von Ross Marquand, der eine ziemlich überzeugende Imitation hinlegt. Das macht durchaus neugierig, ob Red Skull noch weitere Auftritte bevorstehen.

Thanos
Es ist wohl kaum überraschend, dass mein Vater ebenfalls Comics sammelt und meine Liebe zu diesem Medium primär auf ihn zurückzuführen ist – schließlich war ich als Kind schon immer von Comics umgeben. Im Superheldenbereich hatte er aber verhältnismäßig wenig. Eines der wenigen Stücke war „Der Tod des Captain Marvel“, herausgegeben in Albenform vom Condor Verlag in den 80ern. „The Death of Captain Marvel“, so der Originaltitel, gehört zu den ersten Comics, die mit dem Label „Graphic Novel“ versehen wurden und erzählte eine für die damalige Zeit eher ungewöhnliche Geschichte: Ein Superheld, der Kree-Krieger Mar-Vell alias Captain Marvel, stirbt, und das nicht heroisch im Kampf, sondern an Krebs. Und trotz all ihrer Superkräfte sind die Marvelhelden völlig hilflos (nebenbei bemerkt, Mar-vell wird seinen MCU-Einstand im kommenden Captain-Marvel-Film feiern, gespielt von Jude Law – die Titelfigur ist allerdings die weibliche Variante). Wie dem auch sei, in besagtem Comic taucht auch Thanos auf, so lernte ich den irren Titan bereits lange vor seinem ersten Leinwandauftritt in „The Avengers“ kennen. Bereits in „The Death of Captain Marvel“ empfand ich ihn als äußerst faszinierende Figur, auch wenn sein Auftauchen in besagtem Werk kaum mehr als ein kleiner Gastauftritt ist.

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Thanos (Josh Brolin)

Thanos tauchte zum ersten Mal 1973 auf und wurde von Jim Starlin geschaffen, der in den folgenden Jahrzehnten auch die meisten Comics mit ihm verfasste und z.T auch zeichnete, darunter „The Death of Captain Marvel“, „The Infinity Gauntlet“ samt den beiden Sequels und noch viele weitere. Starlin ließ sich dabei von Jack Kirbys New Gods, speziell dem wissenssuchenden Metron inspirieren. Marvel-Redakteur Roy Thomas meinte allerdings zu ihm, wenn er sich schon bei einem der New Gods inspiriere, dann solle er doch den besten nehmen – so wurde Thanos auf gewisse Weise zu Marvels Gegenstück zum despotischen Darkseid, auch wenn er weit mehr als nur ein bloßer Abklatsch und inzwischen zu einer eigenständigen Ikone geworden ist. Gerade im MCU sind sogar einige Aspekte von Metron erhalten geblieben, denn auch der New God ist primär in einem schwebenden Stuhl anzutreffen.

Nicht zuletzt dank des vorzüglichen Spiels von Josh Brolin hat sich Thanos mit „Avengers: Infinity War“ schnell an die Spitze der Schurkenliste des MCU katapultiert. Thanos‘ genozidale Absichten stammen auch direkt aus den Comics, ebenso wie seine Ansichten zur Überbevölkerung – gewisse Parallelen zu Ra’s al Ghul lassen sich nicht leugnen. Mehr noch, Thanos hat durchaus sympathische Züge, er ist nicht unnötig grausam und lässt sogar Feinde am Leben. Was in anderen Filmen nur schlechte Drehbuchschreibe wäre, passt hier sogar ziemlich gut: Thanos hat nichts gegen die Avengers oder die Guardians persönlich, manche von ihnen mag oder respektiert er sogar (Peter Quill und Tony Stark).

Ein Aspekt seiner Comicpersönlichkeit fehlt allerdings: In der Vorlage ist Thanos in die Inkarnation des Todes, im Marvel Universum bekannt als Mistress Death, verliebt und begeht die meisten seiner Untaten, um ihre Gunst zu gewinnen. Im Vorfeld des Films gab es Spekulationen, Hela könne die Rolle von Mistress Death einnehmen, besonders, da sie und Thanos sich auch in den Comics (genauer: „The Unworthy Thor“) schon einmal nähergekommen sind. Bislang ist allerdings nichts dergleichen geschehen – das kann sich im kommenden vierten Avengers-Film aber natürlich noch ändern. Jedenfalls taten die Russos und Kevin Feige gut daran, Thanos zum Herzstück dieses Films zu machen und ihn fast wie den Protagonisten zu behandeln. Auch Thanos macht eine Entwicklung durch, wächst an seinen Aufgaben und muss Dinge opfern, um sein (in seinen Augen hehres) Ziel zu erreichen, was er dann am Ende ja auch tut.

Dieser Umstand lädt natürlich zu umfangreichen Spekulationen zum Inhalt des vierten Avengers-Film ein. Einige Details sind schon bekannt: Captain Marvel (in der Post-Credits-Szene angeteasert), Ant-Man und Hawkeye werden wichtige Rollen spielen. Und angesichts der Tatsache, dass Fortsetzungen geplant sind, kann man fast sicher dass sein, dass zumindest einige derer, die sich in Luft aufgelöst haben, wieder zurückkehren werden – darunter auf jeden Fall Doctor Strange, Black Panther und Spider-Man. Und es ist sicher auch kein Zufall, dass alle Ur-Avengers noch da sind. Ich schätze, dass sich vielleicht nicht alle, aber doch einige (allen voran Tony Stark und Steve Rogers) von ihnen opfern werden, um die von Thanos mit einem Fingerschnippen getöteten zurückzubringen. Aber auch die Rolle des verrückten Titanen selbst lädt zu Spekulation ein. Bereits in „The Infinity Gauntlet“ war es am Ende nicht Thanos, der aufgehalten wird, sondern Nebula, die den Handschuh an sich reißt. Auch in späteren Sequels von Jim Starlin fungiert Thanos öfter als widerwilliger Antiheld denn als Schurke.

Soundtrack
Alan Silvestri ist zurück. Das ist einerseits erst einmal positiv, denn so ist ein Mindestmaß an leitmotivischer Kontinuität gewährleistet. Schon in den Trailern wurde das Avengers-Thema prominent und effektiv eingesetzt, und im Film ist es nicht anders. Leider bleibt es bei diesem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ – nicht einmal das von ihm selbst komponierte Thema für Captain America zitiert Silvestri in diesem Film. Die einzige Figur, die ein Thema für sich hat, ist Thanos. Laut Silvestri handelt es sich dabei um eine sehr bewusste Entscheidung von ihm und den Russos, da ein Score mit zu vielen Themen nur verwirren würde. Wie man anhand von Franchises mit großer leitmotivischer Palette wie Star Wars oder Mittelerde sehen kann, ist das natürlich ziemlicher Unsinn. Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, „Infinity War“ würde ähnlich ausfallen wie Danny Elfmans „Justice League“. Natürlich kann man in einem Film wie diesem nicht jedes Thema jedes Helden ausführlich zitieren (insbesondere wenn diese wie Iron Man oder Thor gleich drei verschiedene haben), aber es gibt einige Szenen, bei denen sich die Verwendung wirklich aufgedrängt hätte. Insgesamt fühlt sich „Infinity War“ auch weitaus weniger inspiriert an als Silvestris nur kurz zuvor erschienener Score zu Spielbergs „Ready Player One“. Ich will nicht sagen, dass die Infinity-War-Musik generisch ist, denn es ist definitiv ein Silvestri-Score, gut und routiniert komponiert, und gerade im letzten Drittel mit einigen tollen Highlights versehen, aber insgesamt ist es doch ein wenig Silvestri auf Autopilot. Somit bleibt der Score der einzige Aspekt, in dem „Justice League“ die Nase vorn hat. Wenn man mir das 2016 erklärt hätte, hätte ich es sicher nicht geglaubt. Eine ausführliche Analyse findet sich hier.

Fazit
„Avengers: Infinity War“ ist eine gelungene, wenn auch sehr vorläufige Konklusion des Marvel Cinematic Universe, die viele der typischen Marvel-Schwächen mit Bravour umgeht und sich endgültig anfühlt, wie ein filmgewordener Event-Comic. Definitiv einer der besten Filme des MCU.

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Guardians of the Galaxy Vol. 2

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Story:
Nach wie vor arbeiten Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Rocket (Bradley Cooper) und Groot (Vin Diesel) als Guardians of the Galaxy zusammen und erfüllen erfolgreich einen Auftrag für die goldhäutigen, genetisch perfektionierten Sovereigns, allerdings nicht ohne dass Rocket einige äußerst wertvolle Energiezellen mitgehen lässt, was die Sovereign-Hohepriesterin Ayesha (Elizabeth Debicki) erzürnt. Und nicht nur die Sovereigns haben eine Rechnung mit den Guardians offen, auch Gamoras Halbschwester Nebula (Karen Gillan), gegenwärtig Gefangene der Guardians, sowie Yondu (Michael Rooker), ein Anführer der Ravagers, wollen ihnen an den Kragen. Da taucht wie aus dem nichts Peters Vater Ego (Kurt Russel) auf, der eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen möchte. Es stellt sich heraus, dass es sich bei Ego um ein göttliches Wesen, einen lebendigen Planeten handelt, doch schon bald kommen Zweifel auf, ob er wirklich wohlmeinend ist…

Kritik: „Guardians of the Galaxy“ war der Überraschungsblockbuster 2014 – wer hätte einem abgedrehten Sci-Fi-Film mit einem sprechenden Waschbär und einem beweglichen Baum schon einen derartigen Erfolg prophezeit? Kann die Fortsetzung da erfolgreich anknüpfen? Insgesamt: Ja. „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ fehlt ein Aspekt, der sicher einen großen Teil des Erfolges des ersten Teils ausgemacht hat: Die Frische und das Neuartige. Zwar bediente der erste Guardians-Film durchaus die üblichen Marvel-Konventionen, verstand es dabei aber auch, andere Wege zu beschreiten oder besagte Konventionen doch zumindest auszureizen. Dafür kann sich James Gunn, der wie bei Teil 1 nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, in größerem Maß auf die Figuren einlassen und diese weiter erforschen. Ganz nach bester MCU-Tradition ist auch hier der Plot bestenfalls zweitrangig, der Fokus liegt auf den Charakteren und ihrer Interaktion.

Auch thematisch ist das Guardians-Sequel stringenter. Wo Teil 1 die Figuren vorstellen musste und sich vor allem mit Außenseitertum beschäftigte, widmet sich Teil 2 sehr eindringlich dem Thema Familie. Einerseits geht es dabei freilich um die Guardians selbst als Familie, aber auch den familiären Hintergründen der einzelnen Team-Mitglieder wird einige Zeit eingeräumt. Peter Quill und Ego stehen natürlich im Zentrum des Plots, darüber hinaus kehren aber auch Figuren des ersten Films zurück, die dort eher als sekundäre Antagonisten fungieren, nun aber tatsächlich Teil des Teams werden. Vor allem das Verhältnis zwischen den Adoptivschwestern Gamaora und Nebula wird erkundet; Teil 1 zeigte im Grunde nur den Hass zwischen den beiden, nun wird ergründet, weshalb sie sich hassen. Ebenso arbeitet Gunn mit Yondu als Star Lords Ersatzvater; der blauhäutige Söldner wird im Rahmen dieses Films noch um einiges interessantere, als er im Vorgänger war.

Insgesamt versucht Gunn durch die familiäre Thematik, die emotionale Komponente noch zu verstärken. Meistens halten sich Humor und Emotionalität recht gut in der Balance, auch wenn es nicht immer ganz funktioniert. Ein großer Teil des Humors kommt wie schon in Teil 1 von einem gewissen Level an Inkompetenz der Figuren, denen in bestimmten Situationen bestimmte alltägliche Missgeschicke passieren, die selbst in anderen MCU-Filmen so eher weniger geschehen – auf diesen Aspekt werde ich nachher noch einmal zurückkommen. Im Großen und Ganzen funktioniert der Humor wieder ziemlich ausgezeichnet; die heimlichen (oder auch nicht so heimlichen) Stars sind Drax, Mantis (Pom Klementieff) und natürlich Baby Groot.

Besonders interessant finde ich, dass die Vorarbeit auf „Avengers: Infinity War“ ziemlich gering ausfällt. So hatte ich zum Beispiel damit gerechnet, Thanos wiederzusehen, doch der verrückte Titan taucht in diesem Film nicht persönlich auf. Zwar werden große Teile des kosmischen Marvel-Universums einbezogen oder erhalten zumindest diverse Gastauftritte (der Comickenner freut sich über einige bekannte Gesichter), doch nur wenig davon scheint gezielt auf den dritten Avengers-Film hinzuarbeiten. Die Sovereigns sind wohl das Plot-Element, das am engsten mit dem kommenden kosmischen Großereignis zusammenhängt, was allerdings nur dank einer der fünf (!) Mid-Credits-Szenen deutlich wird und auch das nur, wenn man Vorkenntnisse besitzt. Vielleicht sind die Sovereigns deshalb der uninteressanteste Aspekt des Films. Wie dem auch sei, ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass Thanos dieses Mal nicht dabei ist. Ich denke, sein Auftauchen in diesem Film hätte der Figur eher geschadet denn genützt, gerade wegen des angesprochenen Inkompetenz-Levels. Marvel hat schon mehr als genug Schurken, die amüsante Sprüche klopfen. Thanos ist der Big Bad eines jahrelang vorbereiteten Handlungsstrangs, da sollte er sich absetzen; seine Bedrohlichkeit sollte nicht durch Humor beeinträchtigt werden.

Wo wir gerade bei Schurken sind: Der Bösewicht dieses Films ist etwas stärker als Ronan, weiß aber noch immer nicht völlig zu überzeugen. Wie so viele Marvel-Filme konzentriert sich auch dieser primär auf die Protagonisten, sodass für den Widersacher abermals nicht ganz so viel Zeit übrig bleibt. Dennoch ist die Einbeziehung eines kosmischeren Wesens durchaus interessant und könnte auf mehr deuten, als zu Beginn ersichtlich ist.

Die obligatorische Einbindung der diversen aus den 70ern und 80ern stammenden Songs funktioniert abermals ziemlich gut. Darüber hinaus legt Tyler Bates beim Score noch eine ordentliche Schippe drauf und arbeitet sehr schön mit dem bereits im Vorgänger etablierten Guardians-Thema. Zwar fehlt das Nova-Thema des Erstlings ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist Bates‘ zweiter Guardians-Score noch unterhaltsamer als der erste.

Fazit: „Guardians of the Galaxy Vol. 2” ist eine mehr als gelungene Fortsetzung, die sich auf die Charaktere und die familiäre Thematik konzentriert, dabei Humor und Action aber nicht außen vorlässt.

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Siehe auch:
Guardians of the Galaxy

Guardians of the Galaxy

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Story: Als Kind wurde Peter Quill (Chris Pratt) von Aliens entführt. Nun nennt er sich Star Lord und ist so etwas wie ein Gelegenheitsgauner. Eher zufällig gelangt er in den Besitz eines mysteriösen Artefakts, und damit beginnen die Schwierigkeiten, denn der Kree-Extremist Ronan (Lee Pace) ist hinter besagtem Artefakt her, um eine planetare Zivilisation auszulöschen. Um Ronan aufhalten zu können, muss sich Star Lord mit diversen anderen Outlaws, nämlich der Assassine Gamora (Zoe Saldana), dem genetisch manipulierten Waschbären Rocket Raccoon (Bradley Cooper), dem lebenden Baum Groot (Vin Diesel) und Drax (Dave Bautista), der noch eine offene Rechnung mit Ronan hat, verbünden…

Kritik: „Guardians of the Galaxy“ ist ein interessanter Film, da er sich einerseits sehr von den anderen MCU-Filmen unterscheidet, es aber andererseits trotzdem sehr viele Gemeinsamkeiten gibt.
Die Unterschiede finden sich vor allem bei der grundsätzlichen Konzipierung. Alle bisherigen Filme der Marvel Studios waren immerhin noch im weitesten Sinne Superheldenstreifen, die das Grundmuster zwar sehr weit dehnten und mit anderen Genres (von Fantasy/Sci-Fi über Spionage-Thriller bis Weltkriegsaction) spielten, das Ganze aber dennoch im Superheldenrahmen inszenierten. „Guardians“ dagegen basiert nicht nur auf einer Comicserie, die so obskur ist, dass ich vor der Ankündigung des Films praktisch nichts darüber wusste (und das will schon was heißen), es ist auch nicht mehr wirklich ein Superheldenfilm, nicht einmal mehr im weiteren Sinne. Die Werke, die Regisseur/Drehbuchautor James Gunn und Co-Autorin Nicole Perlman inspirierten, lassen sich ziemlich leicht ausmachen: Die Star-Wars-OT, J. J. Abrams‘ Star-Trek-Filme und Joss Whedons „Firefly“.
Zwar nenne ich immer noch keinen Guardians-Comic mein Eigen (weswegen ich auch nicht sagen kann, ob die Adaption vorlagengetreu ist), aber ein wenig recherchiert habe ich trotzdem, darum kurz ein paar Worte zur Comicserie gleichen Namens: Die Guardians of the Galaxy traten 1969 zum ersten Mal auf und waren ein Superheldenteam aus dem 30. Jahrhundert und haben mit dem hier zu rezensierenden Film noch gar nichts zu tun. 2008 gab es ein Revival der Serie mit einem neuen Guardians-Team, und auf dieser Serie basiert auch die Leinwandadaption.
Die Umsetzung des Ganzen ist dann allerdings wieder recht typisch für die Marvel Studios, mit den gewohnten Schwächen und Stärken. Wie bei so vielen anderen MCU-Produktionen ist der Plot nicht besonders elaboriert, um es milde auszudrücken. „Guardians“ folgt einem relativ üblichen Schema: Bösewicht sucht weltenzerstörendes MacGuffin, Helden schaffen es nicht zu verhindern, dass es dem Bösewicht in die Hände fällt, Bösewicht wird mächtiger und muss aufgehalten werden. Und apropos Bösewicht: Ronan der Ankläger ist ziemlich langweilig und hat eine Motivation, die dünner ist als Papier, von seinem Hintergrund ganz zu schweigen. Das ist eigentlich ziemlich schade, denn ich denke, Lee Pace wäre durchaus in der Lage gewesen, einen interessanten Schurken zu spielen, aber es gibt einfach fast nichts, mit dem er arbeiten könnte. Statt Handlung und Schurken stehen eindeutig die titelgebenden Charaktere im Vordergrund. Ganz ähnlich wie bei „The Avengers“ geht es oftmals eher darum, die Figuren in eine bestimmte Situation zu bringen und sie darauf und aufeinander reagieren zu lassen. Und wie schon bei „The Avengers“ funktioniert dieses Konzept wegen der sorgfältig und liebenswert konzipierten Figuren und der hervorragend aufgelegten Schauspieler blendend. Das gilt durchweg für die gesamte Besatzung der Guardians, die alle sehr schräg, sehr individuell, sehr authentisch und sehr gelungen sind. Wer hätte gedacht, dass die Freundschaft zwischen einem Baum mit Hodor-Syndrom und einem sprechenden Waschbären so berührend sein könnte? „Guardians of the Galaxy“ ist ein Film, bei dem die Handlung nicht wirklich wichtig ist, was den Film gut macht sind die Charaktere und ihre Interaktion, zusätzlich zur wunderbar gestalteten Filmwelt (es gibt viel zu sehen, James Gunn geizt nicht mit Schauwerten), den schrägen Einfällen, der kreativen Action und natürlich dem selbstironischen Humor und den Dialogen. Wie so oft gilt: Der Weg ist das Ziel.
Zum Schluss noch ein Wort zum Platz dieses Films im Gesamtkontext des MCU: Vorerst wirkt er relativ selbständig, es gibt keine Gastauftritte von Iron Man oder Thor und auch keine offensichtlichen Rückbezüge. Wer halbwegs gut bei „The Avengers“ und „Thor: The Dark World“ aufgepasst hat, wird Thanos (Josh Brolin) und den Collector (Benicio del Toro) wiedererkannt haben. Beide absolvieren auch in diesem Film nur Gastauftritte und werden wohl erst in „The Avengers 3“ (und eventuell den vorausgehenden Phase-3-Filmen) wirklich wichtig werden. Wer darüber hinaus fähig ist, eins und eins zusammenzuzählen, könnte gemerkt haben, dass der Tesserakt und der Äther wohl ebenfalls Infinity-Steine sind und sich fragen, was wohl passiert, wenn man alle zusammenführt.
Fazit: Extrem spaßiger Sci-Fi-Streifen mit recht schwachem Plot und Schurken, aber grandiosen Charakteren, toller Action und herrlichem Humor.

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Siehe auch:
The Avengers
Thor: The Dark World

Star Trek Into Darkness

IntoDarkness
Story: Nach einer missglückten Mission wird Captain James T. Kirk (Chirs Pine) suspendiert und die Mannschaft der Enterprise scheinbar auseinandergerissen. Doch schon bald ändern sich die Dinge, denn der Terrorist John Harrison (Bedendict Cumberbatch) schlägt mehrfach zu, wobei Kirks Mentor Admiral Pike (Bruce Greenwood) stirbt, und flüchtet anschließend in das klingonische Hoheitsgebiet. Nicht nur Kirk, sondern auch dessen Vorgesetzter Admiral Marcus (Peter Weller) sinnt auf Rache. Und so hat die Enterprise, erneut unter Kirks Kommando, eine neue Mission: Harrison finden und töten…

Kritik: Da es nur sehr schwer möglich ist, „Star Trek Into Darkness“ zu rezensieren, ohne den entscheidenden Twist zu verraten, enthält dieses Review massive Spoiler.
J. J. Abrams‘ Version des Star-Trek-Universums geht weiter. Wer schon mit dem ersten Film nichts anfangen konnte und die ruhige, philosophische Seite an Star Trek schätzt, wird „Star Trek Into Darkness“ noch weniger abgewinnen können, denn die Tendenzen, die die den ersten Teil beim Mainstream interessant machten und viele alteingesessene Trek-Fans massiv störten, haben sich noch verstärkt. „Into Darkness“ ist größer, lauter und bombastischer als der Vorgänger und hat ein enormes Tempo, das konsequent durchgehalten wird; Action und Effekte sind nach wie vor vom Feinsten.
Im Großen und Ganzen ist „Into Darkness“ ein wirklich gelungenes Sequel, das allerdings zwei größere Schwächen besitzt. Zuerst allerdings zu den Stärken.
Anstatt einfach ein neues Abenteuer der Enterprise zu schildern, bemühen sich Abrams und seine Drehbuchautoren, die Figuren konsequent weiterzuentwickeln. Kirk ist nicht einfach wieder derjenige, der er zu Beginn des letzten Films war, man merkt, dass er die Ereignisse von „Star Trek“ verarbeitet und aus ihnen gelernt hat, ohne, dass diese direkt referenziert werden müssten. Ebenso beginnt Spock seine Haltung zu überdenken und es kommt zur Beziehungskrise mit Uhura (Zoe Saldana). Nach wie vor schaffen es eigentlich alle Darsteller, ihre Figuren glaubhaft, sympathisch und mit einem Augenzwinkern darzustellen.
Ebenso gelungen sind die politischen Untertöne. Es wird durchaus infrage gestellt, ob bzw. inwieweit die Föderation „nur“ eine Armada zur Friedenssicherung ist oder doch eine Streitmacht. Admiral Marcus ist diesbezüglich die interessanteste Figur, und erfreulicherweise wird dieser Konflikt am Ende des Films auch nicht gelöst, stattdessen deutet vieles darauf hin, dass er im nächsten Film noch eine bedeutende Rolle spielen wird.
Die größte Schwäche des Vorgängers war der Schurke: Nero war trotz eines gut aufgelegten Eric Bana irgendwie langweilig. Um den vorzubeugen wählte Abrams dieses Mal den größten Schurken des Star-Trek-Universums: John Harrison ist niemand anderes als Khan Noonien Singh. Zur Schauspielerwahl kann man Abrams nur gratulieren: Benedict Cumberbatch verkörpert ihn großartig. Obwohl er Ricardo Montalbán, der Khan in „Der Zorn des Kahn“ spielte, nicht wirklich ähnlich sieht und ihn auch nicht imitiert, besitzt er doch eine vergleichbare, beeindruckende Präsenz. Prinzipiell ist Khan sehr viel interessanter und charismatischer als Nero, dennoch liegt eines der Probleme von „Into Darkness“ beim Schurken: Er hat zu wenig Leinwandzeit. Khan hat enormes Potential, das allerdings kaum ausgeschöpft wird; da wäre sehr viel mehr drin gewesen.
Das Hauptproblem des Films liegt allerdings am Finale. In diesem wird der emotionale Höhepunkt von „Der Zorn des Khan“ mit umgekehrten Rolle nachempfunden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich „Der Zorn des Khan“ noch nicht gesehen (das habe ich erst einige Tage nach dem Kinobesuch nachgeholt), und trotzdem waren selbst für mich die Parallelen überdeutlich. Das Ganze wirkt letztendlich fürchterlich erzwungen und unkreativ. Selbst die Schlussszene ist, bis auf die Anwesenheit von Carol Marcus (Alice Eve), fast mit der von Abrams‘ erstem Star-Trek-Film identisch, sodass es beinahe scheint, als ob Abrams und Co. nicht eingefallen wäre, wie sie den Film passend beenden sollten.
Fazit: Bis auf den Schluss gelungene Fortsetzung von J. J. Abrams‘ „Star Trek“, die dem Vorgänger allerdings nicht ganz das Wasser reichen kann.

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Siehe auch:
Star Trek

Star Trek

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Story: Im Jahr 2233 rettet George Kirk (Chris Hemsworth) die Besatzung der USS Kelvin, einschließlich seiner Frau und seines neugeborenen Sohns, und lässt dabei sein Leben. Gut zwanzig Jahre später ist besagter Sohn, James Tiberius Kirk (Chris Pine) zu einem Tunichtgut herangewachsen, der sich allerdings besinnt und nach einem eindringlichen Gespräch mit Sternenflotten-Captain Christopher Pike (Bruce Greenwood) schließlich ebenfalls der Sternenflotte beitritt.
Bei seinem ersten Einsatz auf der USS Enterprise, an dem er allerdings nicht ganz legal und nur dank der Hilfe seines Freundes Leonard McCoy (Karl Urban) teilnimmt, werden er und die Mannschaft mit dem Romulaner Nero (Eric Bana) konfrontiert, der verlangt, dass ihm Botschafter Spock ausgeliefert wird. Besagter Spock (Zachary Quinto) ist der erste Offizier der Enterprise, hat Nero allerdings noch nie getroffen. Die Situation eskaliert schließlich und nicht nur Spocks Heimatplanet Vulkan, sondern die gesamte Föderation ist in Gefahr…

Kritik:
Unglaublich, aber wahr: Mit Star Trek als Franchise konnte ich nie allzu viel anfangen (andererseits, angesichts des Mangels an Artikeln vielleicht doch nicht so unglaublich). Ich habe durchaus in jungen Jahren hin und wieder mal eine Folge der diversen Serien gesehen, aber es hat mich niemals gepackt und für sich vereinnahmen können, Star Wars war immer interessanter. Erst J. J. Abrams‘ Quasi-Reboot des Franchise hat es mir angetan. Besagter Film von 2009, nach zehn Star-Trek-Kinofilmen mit diversen Untertiteln, von „The Motion Picture“ bis „Nemesis“, firmiert nun wieder unter dem schlichten Titel „Star Trek“, um den Neuanfang zu symbolisieren.
Gerade bei den alten Filmen und Serien ist der Zugang für Nichtfans (zu denen ich mich hier ebenfalls zähle) recht schwierig, da sie eine gewisse Mainstreamunfreundlichkeit besitzen, anders als etwa Star Wars. Gerade das, was die Fans am Franchise schätzen, macht es Nichtfans schwierig, sich für es zu begeistern. Somit ist J. J. Abrams Herangehen, je nach Sichtweise, entweder wirklich gut gelungen oder eben völlig misslungen. Abrams selbst ist kein Trek-Fan und seine Version von Star Trek deshalb ziemlich mainstreamtauglich, Action, Dynamik und Bildsprache erinnern mitunter eher an Star Wars denn Star Trek. Und in der Tat gefiel Ambras‘ „Star Trek“ den Massen und den Kritikern, während viele Fans genau das vermissen, was das Franchise für sie ausmacht. Als jemand, der ebenfalls in vielen Franchises unterwegs ist und etwas ähnliches bereits mehr als einmal erlebt hat, kann ich das durchaus nachempfinden, allerdings teile ich diese Ansicht nicht. Und immerhin, zu Abrams‘ Verteidigung muss man sagen, dass er und seine Drehbuchautoren einiges getan haben, um die Fans nicht zu verärgern. Sie haben extra dafür gesorgt, dass ihre Version von Star Trek ganz eindeutig in einem alternativen Universum spielt, sodass das „alte“ Star Trek nicht einfach überschrieben wird. Dadurch konnten sie sich im Umgang mit Figuren und Ereignissen auch sehr viel mehr Freiheit nehmen. Viele Fans fanden diesen Umstand natürlich wiederrum ebenfalls verwerflich…
Im Großen und Ganzen ist „Star Trek“ für mich ein rundum gelungener Popcorn-Sci-Fi-Film, und da das alles war, was ich von ihm erwartet habe (wenn nicht sogar weniger) hat er mit äußerst gut gefallen. Selbstverständlich ist auch dieser Film nicht ohne Schwächen; der Zeitreiseplot ist nicht immer ganz logisch und vor allem im zweiten Akt wird der Zufall schon ein wenig zu sehr bemüht: Spock setzt Kirk ausgerechnet auf dem Planeten aus, auf dem Nero den alten Spock ausgesetzt hat und auf diesem Planeten ist auch zufällig noch Scotty; im weiteren Verlauf fallen sämtliche höheren Offiziere der Enterprise schlagartig aus, sodass die Figuren der Originalserie ihre angestammten Plätze einnehmen können etc. Ebenso sind einige von J. J. Abrams Lieblingsstilmitteln hin und wieder ein wenig nervig, vornehmlich der übertriebene Einsatz der Wackelkameras und die Lens Flares.
Davon einmal abgesehen weiß „Star Trek“ aber völlig zu überzeugen: Der Film ist optisch überwältigend, wird niemals langweilig oder dröge und ist wunderbar ausgewogen: Action, Humor und Drama sind alle im nötigen Ausmaß vorhanden und werden von Michael Giacchinos mitreißender Musik unterlegt.
Darüber hinaus sind die Figuren und ihre Schauspieler alle hervorragend: Egal ob Chris Pine als Kirk, Zachary Quinto als junger Spock, Leonard Nimoy als alter Spock, Zoe Saldana als Nyota Uhura, Karl Urban als Leonard McCoy oder, oder, oder… Alle Charaktere sind sympathisch und mitunter recht selbstironisch angelegt, was ihnen nur gut tut. Lediglich Nero, der Schurke, ist ein wenig enttäuschend und trotz tragischer Hintergrundgeschichte irgendwie blass. Dennoch hat Eric Bana sichtlich Spaß dabei, ihn darzustellen.
Fazit: Gelungener Reboot das Star-Trek-Franchise, auch (bzw. gerade) für diejenigen geeignet, die mit dem Original nichts anfangen konnte.

Trailer

Siehe auch:
Star Trek Into Darkness