Wonder Woman – Ausführliche Rezension

Achtung, Spoiler!
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Die Filme des DCEU sind ja bekanntermaßen nicht gerade Kritikerlieblinge. Wurde „Man of Steel“ noch gemischt aufgenommen, so wurden „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ fast durchgehend (und nicht ganz zu Unrecht) niedergemacht. „Wonder Woman“ ist nun entweder die große Trendwende oder die große Ausnahme – das wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Jedenfalls erhält das erste Leinwandabenteuer der Amazone eigentlich durchweg positive Kritiken. Wie schon bei „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“ drängt sich auch dieses Mal wieder eine ausführliche Rezension fast schon auf. Darum wie üblich, mein kurzes, spoilerfreies Fazit, danach nehme ich keine Rücksicht mehr: „Wonder Woman“ ist mit Abstand der beste Film des DCEU. Das allein ist freilich noch nicht wirklich ein Qualitätsmerkmal, aber insgesamt empfand ich ihn als gelungen. Leider gibt es dennoch ein paar kleinere und größere Schönheitsfehler, aber unterm Strich kann sich Dianas erstes Soloabenteuer im Kino durchaus sehen lassen, nicht zuletzt dank der Chemie und Spielfreude von Gal Gadot und Chris Pine.

Handlung und Struktur
Seit Jahrtausenden leben die unsterblichen Amazonen unter dem Schutz von Zeus und der Führung ihrer Königin Hippolyta (Connie Nielsen) abgeschottet von der Menschenwelt auf der Insel Themyscira. Das einzige Kind der Insel ist Diana (zuerst Lilly Aspel und Emily Carey, später Gal Gadot), Tochter der Königin, die von ihrer Mutter behütet und beschützt wird, aber ebenfalls die Kampfkünste der Amazonen erlernen möchte. Schließlich nimmt ihre Tante Antiope (Robin Wright) Diana unter ihre Fittiche, zuerst gegen den Willen der Mutter, später mit ihrem Einverständnis. Diana wird letztendlich zur besten Kämpferin der Insel, als auch schon die Idylle gestört wird: Der junge amerikanische Pilot Steve Trevor (Chris Pine) gelangt durch Zufall durch den magischen Schutzwall, der Themyscira vor der Außenwelt schützt, gefolgt von deutschen Soldaten. Die Amazonen machen zwar kurzen Prozess mit den kaiserlichen Truppen, die Schlacht fordert allerdings das Leben von Antiope und verunsichert die Amazonen zutiefst, nicht zuletzt deshalb, weil Steve ihnen vom Ersten Weltkrieg berichtet. Könnte es sein, dass ihr alter Feind Ares, der Gott des Krieges, zurück ist? Die Amazonen sind zögerlich, doch Diana beschließt zu handeln: Sie stiehlt den „Gotttöter“, ein Schwert, das Ares angeblich vernichten kann, sowie eine zeremonielle Rüstung und das Lasso der Wahrheit und macht sich mit Steve auf in die Welt der Menschen. Kurz vor ihrer Abreise erhält sie allerdings noch den Segen ihrer Mutter.

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Die Amazonen von Themyscira: Menalippe (Lisa Loven Kongsli), Diana (Gal Gadot), Hippolyta (Connie Nielsen) und Antiope (Robin Wright, Bildquelle)

Bevor Steve Diana an die Front bringen kann, geht es jedoch zuerst nach London, wo er seinen Vorgesetzten Bericht erstatten muss, denn er hat schreckliches herausgefunden: Mithilfe der Chemikerin Isabel Maru (Elena Anaya), die den Spitznamen „Doctor Poison“ trägt, möchte der deutsche General Erich Ludendorff (Danny Huston) ein neues, extrem tödliches Gas an der Westfront entfesseln. Obwohl die britische Heeresleitung die aktuell laufenden Friedensverhandlungen mit dem deutschen Reich nicht gefährden möchte, unterstützt Sir Patrick Morgan (David Thewlis) Steves und Dianas Vorhaben, Ludendorff und Maru aufzuhalten. Zusammen mit einigen Spezialkräften begeben sie sich an die belgische Front, wo Diana die Gräuel des Krieges zum ersten Mal mit eigenen Augen sieht. Dies bringt sie zu der Überzeugung, dass es sich bei Ludendorff um Ares handeln muss; sie glaubt, ihre Mission läge klar vor ihr: Ares muss sterben, damit der Krieg endet. Ein Fest der deutschen Heeresleitung in der Nähe scheint sowohl für Steve als auch für Diana die beste Möglichkeit zu sein, ihre Vorhaben umzusetzen…

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Isabel Maru alias Doctor Poison (Elena Anaya, Bildquelle)

Rein strukturell gibt es in „Wonder Woman“ keine großen Experimente, was ich angesichts der bisherigen DCEU-Filme als sehr positiv empfinde, denn bislang hatte jeder von ihnen massive Strukturprobleme. Bei „Man of Steel“ waren es die Flashbacks, mit denen Snyder und Goyer wohl „Batman Begins“ nacheifern wollten, ihr Ziel aber weit verfehlten. „Batman v Superman“ litt vor allem unter der verstümmelten Kinofassung, doch selbst im besser ausbalancierten Extended Cut kommt es zu Längen und anderen dramaturgischen Problemen. Beide Filme leiden außerdem darunter, dass sich fast die gesamte Action im letzten Akt konzentriert. Und dann hätten wir noch „Suicide Squad“ – ich bin immer noch nicht dazugekommen, den Extended Cut dieses Films anzuschauen, aber nach dem, was ich darüber gelesen habe, ändert sich durch die zusätzlichen Szenen kaum etwas. „Suicide Squad“ dürfte der DC-Film mit dem katastrophalsten Schnitt sein, denn Warner war mit David Ayers ursprünglicher Schnittfassung nicht zufrieden und ließ von der Trailer-Firma, die den Bohemian-Rhapsody-Trailer des Films geschnitten hatte, nachbessern. Was für eine bescheuerte Idee.

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Sir Patrick Morgan (David Thewlis, Bildquelle)

„Wonder Woman“ dagegen arbeitet mit einer ganz klassischen Drei-Akt-Struktur, man merkt aber, dass Regisseurin Patty Jenkins ihr Handwerk versteht, denn schon allein dramaturgisch ist ihr Film der beste des DCEU. „Wonder Woman“ ist durchgehend spannend und es gibt eigentlich keine Längen. Die nicht gerade kurzen 141 Minuten Laufzeit vergehen wie im Flug, ohne dass die Handlung eine Bruchlandung hinlegt, wie es beispielsweise in „Batman v Superman“ der Fall war, als sich Diana auf ihrem Laptop den Quasi-Teaser für „Justice League“ ansieht. Humor und Action sind insgesamt sehr gut ausbalanciert, jeder Akt verfügt über ein größeres und durchaus beeindruckendes Action-Set-Piece – die Schlacht der Amazonen gegen die deutschen Soldaten in Akt 1, Wonder Womans Eroberung des „No Man’s Land“ in Akt 2 und der Kampf gegen Ares in Akt 3. Bei der Action bemerkt man noch den Einfluss Zack Snyders, dem sich Patty Jenkins wohl ein wenig annähern wollte oder musste: Sie macht ausgiebig Gebrauch von Zeitlupeneffekten, sodass die Kämpfe mitunter an „Watchmen“ erinnern. Mir persönlich hat tatsächlich der Amazonen-Kampf im ersten Akt am besten gefallen, Dianas Auftritt auf dem Schlachtfeld war ebenfalls gut, nur ihr Kampf gegen Ares war für meinen Geschmack zu CGI-lastig, das weckt unangenehme Erinnerungen an „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“, wobei man diesbezüglich in den letzten Jahren einfach besseres gesehen hat. Aber das ist verzeihlich.

Setting
Beim Setting trafen Warner, Patty Jenkins und die Storyverantwortlichen Zack Snyder, Jason Fuchs und Allan Heinberg, Letzterer verfasste auch das Drehbuch, eine eher unorthodoxe Entscheidung: Sie verlegten die Handlung in den Ersten Weltkrieg. Wonder Woman debütierte bekanntermaßen in den 40ern, weshalb der Zweite Weltkrieg vielleicht die naheliegendere Wahl gewesen wäre. In den späteren Neufassungen ihrer Origin-Story (das aktuellste Beispiel stammt von Greg Rucka und wurde im Rahmen des DC-Rebirth-Events verfasst) wurde diese dann zumeist in die Gegenwart verlegt. Im DC Extended Universe scheint Wonder Woman nun jedoch das Gegenstück zu Captain America im MCU zu sein: Der chronologisch erste Superheld, dem andere nacheifern (was auch in moralischer Hinsicht ganz gut zu Diana passt, siehe unten). Der Erste Weltkrieg wurde wohl ausgewählt, um nicht allzu sehr mit „Captain America: The First Avenger“ verglichen zu werden. Außerdem meine ich gelesen zu haben, dass die Verantwortlichen auch eine zu starke Schwarz/Weiß-Perspektive vermeiden wollten – wenn Nazis vorkommen, sind sie halt die Bösen. Ich muss jedoch leider sagen, dass die Rechnung nicht wirklich aufgeht, denn der Film arbeitet zu wenig mit der gewählten Zeitperiode. Aus historischer Sicht ist „Wonder Woman“ sowieso Unsinn, schon allein weil Ludendorff erst 1937 starb, aber selbst wenn man derart Plakatives ignoriert, hätte der Film fast ebenso gut während des Zweiten Weltkriegs spielen können (mit Ausnahme des Endes und der kleinen Rolle, die ein gewisser Friedensvertrag spielt). Die beiden Unterschurken, Ludendorff und Doctor Poison, wirken wie die typischen Pulp-Nazis, die einem in der Popkultur von „Indiana Jones“ über „Hellboy“ bis zu „Captain America: The First Avenger“ überall über den Weg laufen; es fehlt lediglich die Hakenkreuz-Armbinde, denn Ludendorffs Uniform sieht schon verdammt nach Wehrmacht aus. Auch sonst sind die Deutschen primär einfach nur die Bösen – so viel also zur Schwarz/Weiß-Perspektive. Ich erwarte ja nun nicht, dass ein Superhelden-Popcorn-Film wie „Wonder Woman“ ein derart komplexes Ereignis wie den Ersten Weltkrieg völlig angemessen darstellt, aber ein bisschen mehr wäre nett gewesen, besonders, da einiges sehr gut zur Botschaft des Films gepasst hätte; etwa der Umstand, dass die anderen Parteien 1914 kaum weniger kriegslüstern waren als das Kaiserreich oder dass Hindenburg und Ludendorff gegen Ende praktisch eine Militärdiktatur etablierten. Ein paar derartige in die Handlung eingewobene Details hätten den Film und sein Setting runder gemacht.

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Erich Ludendorff (Danny Huston, Bildquelle)

Einen Aspekt möchte ich, davon fast schon unabhängig, jedoch noch hervorheben: Farben, Design und Atmosphäre. Auch diesbezüglich hatten die bisherigen DCEU-Filme massive Probleme in Form von hässlichen, hässlichen Farbfiltern. Bei „Man of Steel“ versuchte man, alles möglichst realistisch zu halten, übertrieb es dabei aber – alles war ausgewaschen und graublau. „Batman v Superman“ war zwar weniger auf Pseudorealismus aus, aber die Farbfilter waren noch stärker und irgendwann versank alles in einem schwarzgrauen Meer. „Suicide Squad“ versuchte es mit dem entgegengesetzten Ansatz und ertränkte den Zuschauer in grellen Neonfarben, die unangenehme Erinnerungen an Joel Schumacher wecken. „Wonder Woman“ fühlt sich diesbezüglich richtig an, die Farben wirken natürlich und passen. Die Paradiesinsel erstrahlt in sattem Grün, London und die Westfront sind zwar in Grau gehalten, aber es ist ein passendes, natürliches Grau, das zum Ambiente und entsprechenden Szene passt.

Diana
Im Zentrum dieses Artikels muss natürlich die Titelheldin stehen. Wonder Woman feierte ihr Debüt bereits im Jahr 1941 auf den Seiten von All Star Comics #8 und wurde von William Moulton Marston, seines Zeichens Psychologe und Erfinder des Lügendetektors (das Lasso der Wahrheit kommt nicht von ungefähr) geschaffen, der mit ihr einen Gegenentwurf zu maskulinen Helden wie Batman und Superman schaffen wollte. Mehr noch, Marston war feministischer Theoretiker und kreierte mit den Amazonen von Themyscira eine aus seiner Sicht ideale weibliche Gesellschaft. Diana, die Prinzessin der Amazon, kann praktisch als deren Höhepunkt verstanden werden, da sie von ihrer Mutter aus Lehm geformt und von den Göttern zum Leben erweckt wurde, also im Grunde ohne männliche Direktbeteiligung entstand. Insofern ist es eher fraglich, ob Marston mit dem Wonder-Woman-Film zufrieden wäre. Allerdings hat die Figur in ihrer inzwischen über fünfundsiebzigjährigen Geschichte viele Veränderungen durchgemacht, die im Kontext des Films ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

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Diana (Gal Gadot) auf dem Schlachtfeld (Bildquelle)

Primär zwei Inkarnationen Dianas scheinen für den Ursprung der Filmversion Pate gestanden zu haben: Die New-52-Version, die vor allem von Brian Azzarello geprägt wurde, und die animierte Verkörperung aus der Serie „Justice League Animated“. Die Film-Wonder-Woman ist ebenso wie die New-52-Wonder-Woman keine lebendig gewordene Lehmfigur, sondern eine Tochter des Zeus – die Lehmgeschichte ist lediglich Tarnung, um Dianas wahre Herkunft zu verschleiern. In beiden Fällen ist das keine willkürliche Änderungen, sondern ein wichtiges Handlungselement: Hier ist Diana der eigentlich „Gotttöter“, die lebendige Waffe, die Ares aufhalten kann. Natürlich hätte dieser Plottwist auch mit der ursprünglichen Origin umgesetzt werden können – Zeus verleiht der aus Lehm geformten Diana Leben, um sie als Waffe gegen Ares einzusetzen (wobei die klassische Zeugung aus Zeus‘ Perspektive natürlich ansprechender gewesen sein dürfte). Es hätte allerdings noch schlimmer kommen können, denn man hätte auch Ares zum leiblichen Vater machen und einen Vader-Plottwist einbauen können. In der bereits erwähnten aktuellsten Neuerzählung von Wonder Womans Ursprüngen wurde die New-52-Anpassung rückgängig gemacht, in den Comics ist sie damit wieder eine Lehmgeburt.

Wenden wir uns nun Dianas Aufbruch zu: In ihrer klassischen Origin-Stroy wird nach dem Eintreffen von Steve Trevor ein Wettbewerb abgehalten, bei dem entschieden wird, welche der Amazonen ihn in die „Welt der Männer“ zurückbegleitet. Gegen den Willen ihrer Mutter nimmt Diana teil und gewinnt, sodass sie als Botschafterin ausgewählt wird. In der Justice-League-Zeichentrickserie dagegen kommt Steve Trevor in diesem Kontext ebenso wenig vor wie der Wettbewerb, stattdessen greifen Aliens die Erde an und Diana stiehlt Lasso und Rüstung, um gegen den Willen ihrer Mutter die Erde zusammen mit der Justice League vor den Invasoren zu schützen. Die Folgen dieser Tat werden in späteren Episoden der Serie verarbeitet, sodass Diana dann letztendlich doch auch offiziell als Botschafterin fungieren kann. Ähnlich verhält es sich im Film; natürlich ist Steve Trevor beteiligt, aber auch hier stiehlt Diana Lasso und Rüstung, um gegen den Willen Hippolytas das zu tun, was sie für richtig hält.

Noch wichtiger als die Origin Story ist selbstverständlich die eigentliche Interpretation von Diana. Wir sehen diese Inkarnation von ihr zwar nicht zum ersten Mal, schließlich debütierte sie bereits in „Batman v Superman: Dawn of Justice“, in diesem Film bekam sie allerdings nicht sehr viel Raum zur Entfaltung und man erfuhr nicht besonders viel über sie. Zudem liegen zwischen „Batman v Superman“ und der Haupthandlung von „Wonder Woman“ über neunzig Jahre. Ein weiterer Grund, weshalb „Wonder Woman“ der beste DCEU-Film ist, findet sich in Dianas klarer, nachvollziehbarer Entwicklung über den Verlauf des Films. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal eine Parallele zu Captain America ziehen: Sowohl Diana als auch Steve Rogers sind keine Figuren, die sich wirklich zu Helden entwickeln müssen, wie etwa Tony Stark oder Bruce Wayne. Die heroische Grundhaltung besitzen sie von Anfang an. Stattdessen müssen beide lernen, wie sie diese heroische Grundhaltung sinnvoll einsetzen. Gerade diesbezüglich unterscheidet sich Diana von den anderen Heroen des DCEU. Zack Snyders Versionen von Batman und Superman sind bestenfalls wiederwillige Helden und schlimmstenfalls rücksichtslose Heuchler. Wonder Woman, zumindest Patty Jenkins‘ Wonder Woman, folgt nicht diesem Konzept. Man könnte fast schon von einer Rückbesinnung auf den klassischen DC-Helden sprechen. Vor allem zwischen den 40ern und 60ern waren die DC-Helden eher moralische Vorbilder, zu denen man aufschaute, während die Marvel-Helden menschlicher und alltäglicher waren, sodass man sich mit ihnen identifizieren konnte. Das bedeutet nicht, dass Wonder Woman in diesem Film allzu abgehoben wäre, aber sie ist nicht gebrochen oder ständig geplagt von Selbstzweifeln, sie ist ehrlich, aufrichtig, neugierig und hat Spaß an ihrer Existenz – Eigenschaften, die man in den ewig grimmigen Snyder-Filmen kaum findet. Mehr noch, sie wirkt auf positive Art überlebensgroß, eine klassische Heldin, die nicht fragt, ob sie eine Heldin sein soll oder nicht, sondern die einfach aufrichtig Menschen helfen möchte – vor allem die Szenen im Schützengraben sind da exemplarisch. Was früher langweilige Norm war, wird nun wieder erfrischend, weil es in den letzten Jahren fast nur noch geplagt Selbstzweifler als Superhelden gab. Was lernen wir daraus? Abwechslung ist der richtige Weg. Dass das alles so exzellent funktioniert liegt natürlich auch an Gal Gadot, die nun bewiesen hat, dass sie einen Film problemlos tragen kann. Ja, ihr Auftritt in „Batman v Superman“ war cool, aber er hat ihr nicht gerade viel abverlangt. Die wirkliche Leistung erbringt sie in „Wonder Woman“. Man merkt, wie involviert und leidenschaftlich sie ist – sie weiß, dass das mit großer Wahrscheinlichkeit die Rolle ist, wegen der man sie im Gedächtnis behalten wird.

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Das, äh, Wonder-Team? Sameer (Saïd Taghmaoui), Steve Trevor (Chris Pine), Diana (Gal Gadot), Chief (Eugene Brave Rock) und Charlie (Ewen Bremner, Bildquelle)

Wie fast jeder Superheldenfilm folgt auch „Wonder Woman“ der klassischen Heldenreise. Schon im Konzept der Figur gibt es da die eine oder andere interessante Variation. Normalerweise bricht der Held aus der profanen Welt in die Welt des Mythos auf. Bei Diana ist es umgekehrt: Sie lebt in der Welt des Mythos, für sie wartet das Abenteuer in der profanen Welt. Wie nicht anders zu erwarten rührt der Humor des Films deshalb zum Großteil aus der Konfrontation Dianas mit der Menschenwelt des frühen zwanzigsten Jahrhunderts her. Interessanterweise spielt der Status der Frau in dieser Ära dabei eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es den einen oder anderen Seitenhieb, gerade im Dialog zwischen Diana und Etta Candy (Lucy Davis), aber davon abgesehen ist „Wonder Woman“ diesbezüglich geradezu zahm, obwohl die Zeit Derartiges fast schon provoziert. Ein interessantes Gegenstück wäre in mehr als einer Hinsicht der Wonder-Woman-Animationsfilm aus dem Jahr 2009, der Dianas Origin Story ins 21. Jahrhundert verlegt, die Stellung der Frau (und Dianas Irritation über das Verhalten der Frauen in der „Männerwelt“) aber in weit größerem Ausmaß thematisiert. In diesem Film ist auch ihr ursprünglicher Hintergrund intakt (Lehmgeburt, Wettkampf etc.).

Steve
Eine weitere Säule dieses Films ist Chris Pine, der ebenfalls einen großen Teil zum Gelingen von „Wonder Woman“ beiträgt. Die Chemie zwischen ihm und Gal Gadot stimmt einfach, anders als es zum Beispiel bei Henry Cavill und Amy Adams in „Man of Steel“ der Fall war – deren Beziehung war nie greifbar, sie haben sich am Ende geküsst, weil es im Drehbuch stand, aber nicht weil sie sich als Charaktere zu diesem Punkt hinentwickelt hätten. Ganz anders Chris Pine und Gal Gadot, deren Interaktion immer authentisch und nachvollziehbar wirkt und die sich ihre Filmromanze verdient haben. Ähnliches lässt sich auch über die anderen Nebenfiguren wie Chief (Eugene Brave Rock), Sameer (Saïd Taghmaoui) und Charlie (Ewen Bremner) sagen, die einen Grad an Authentizität und Einprägsamkeit mitbringen, den man bei den DC-Nebenfiguren bislang vermisst hat.

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Steve Trevor (Chris Pine, Bildquelle)

Steve Trevors Rolle als Love Interest ist allerdings fast schon zweitrangig. Im Vorfeld gab es Bedenken, Steve Trevor könnte als eigentlicher Held des Films inszeniert werden, während die Titelheldin zur zweiten Geige degradiert wird. Der eine oder andere Kritiker scheint sogar der Meinung zu sein, dass dem so ist, ich würde diesem Urteil allerdings widersprechen. Wenn wir noch einmal zur Heldenreise zurückkehren, dann ist Steve Trevor nicht einfach nur Love Interest, sondern auch Mentor Dianas. Ihre erste Mentorenfigur ist freilich nicht schwer auszumachen: Antiope bringt ihr das Kämpfen bei und stirbt dann auch schon im ersten Akt. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt Steve die Rolle des Mentors, er bringt Diana in die Menschenwelt und schließlich an die Front. Er ist aber vor allem deshalb für Dianas Entwicklung unerlässlich, weil er ihr durch Worte und Taten zeigt, wie es um das Wesen der Menschen bestellt ist. Im zweiten Akt folgt Diana stur ihrer Mission: Sie glaubt, dass Ares die Gestalt von Ludendorff angenommen hat und sie ihn töten muss, um den Krieg zu beenden. Als sie Ludendorff dann tötet und er sich als normaler Mensch entpuppt, ist es Steve, der ihr zeigt und erklärt, womit sie eigentlich zu kämpfen hat. Da er aber kein klassischer Mentor á la Dumbledore oder Gandalf ist, durchläuft auch er einen Lernzprozess und beginnt, vorgefertigte Meinungen zu hinterfragen. Dennoch, wie es sich für einen guten Mentor gehört, opfert sich Steve letztendlich, damit Diana erkennt, wie und warum sie zur Heldin geworden ist – erst ab diesem Moment wird sie wirklich zu Wonder Woman. Die Erkenntnis (Liebe allein kann das Böse nicht vernichten, aber sie ist es wert, dafür zu kämpfen) selbst scheint dabei verhältnismäßig plakativ zu sein, spricht aber eher für einen Kompromiss als für die Philosophie der Extreme, die die bisherigen DCEU-Filme vertraten. Mich hat das ein wenig an Visions Erkenntnis am Ende von „Avengers: Age of Ultron“ erinnert.

Ares
Es heißt immer, das größte Problem der MCU-Filme seien die Schurken, aber ehrlich gesagt ist dieses Problem beim DCEU sogar noch größer. General Zod hatte ein paar interessante Ansätze, die aber im Sand verliefen, Lex Luthor war komplett für die Tonne und über die Enchantress reden wir besser gar nicht erst. Leider sind auch in „Wonder Woman“ die Schurken eher problematisch. Wie ich bereits erwähnte, sind sowohl Ludendorff als auch Doctor Poison im Grunde ziemlich langweilig. Ares ist interessanter – nicht unbedingt gelungen, aber interessanter. Letztendlich stellt sich heraus, dass nicht Ludendorff, sondern der von David Thewlis gespielte Sir Patrick Morgan tatsächlich der Gott des Krieges ist. Ares ist ein klassischer Wonder-Woman-Gegner und bei diesem Setting drängt er sich geradezu auf. Jenkins und Co. versuchen allerdings, ihn eher unkonventionell aufzuziehen. Normalerweise wird Ares durch Krieg stärker – ich verweise abermals auf den Wonder-Woman-Animationsfilm. Die Philosophie, die Ludendorff erläutert, kurz bevor Diana ihn aufspießt, DAS ist die Geisteshaltung des Comic-Ares. Die Filmversion dagegen scheint sich eher bei Magneto und Ra’s al Ghul inspiriert zu haben und verachtet die Menschheit für ihre Kriege, statt stärker zu werden. Ab hier werden Motivation und Absicht allerdings etwas schwammig, obwohl er nach bester Schurkentradition einen Monolog hält. Das Endziel ist wohl die Menschheit endgültig auszurotten. Mir gefällt die Idee, dass Ares die Menschen nicht tatsächlich zum Krieg zwingt, sondern ihnen lediglich die Ideen für Waffen u.ä. eingibt, aber was er dann genau zu erreichen versucht ist nicht so ganz klar. Man könnte vermuten, dass das eine Art „Foreshadowing“ auf den Zweiten Weltkrieg sein soll – Ares will ja tatsächlich, dass der Friedensschluss vonstattengeht, dass es aber ein inakzeptabler Friede wird – klingt nach dem Versailler Vertrag, der dann zum Entstehen des Dritten Reiches und dem Zweiten Weltkrieg zumindest beiträgt. Ares‘ Motivation, Absicht und Handlungen greifen alle nicht so recht ineinander – der klassische Ares hätte hier wohl besser funktioniert. Alternativ hätte man sich auch am New-52-Ares orientieren können, der aus den unpersönlichen Kriegen der Moderne keine Kraft mehr schöpfen kann, seine Stellung als Kriegsgott leid ist und die Menschheit deshalb vernichten will – denn solange es Menschen gibt, wird es auch Kriege geben. Letztendlich wird Ares Diana untergeordnet; er fungiert primär als Vehikel, damit sie ihre endgültige Lektion über Natur und Wert der Menschen lernen kann.

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Ares in den Comics (Bildquelle)

In diesem Zusammenhang sollte das Setting noch einmal erwähnt werden. Ich fand es gut, dass Ares‘ Deckidentität britisch ist und er nicht einfach nur der Drahtzieher hinter den Deutschen ist. Zugleich hätte der Film diese Inhalte noch weit besser vermitteln können, hätte er die Deutschen etwas differenzierter dargestellt – etwa ein Ludendorff, der kein Superdrogen schnüffelt und einfach alles sinnlos mit Gas niedermähen möchte. Mit Ares‘ Inszenierung bin ich auch nicht wirklich einverstanden. David Thewlis macht sich gut als Tarnidentität, aber muss der Gott des Krieges wirklich noch sein Gesicht haben, nachdem er seine wahre Gestalt angenommen hat? Das wirkt ziemlich lächerlich, ich hätte hier den klassischen Ares-Look mit nicht sichtbarem Gesicht und rot leuchtenden Augen definitiv bevorzugt.

Fazit
Im Großen und Ganzen ist „Wonder Woman“ der erste Film des DCEU, den ich als gelungen bezeichnen würde. Es gibt diverse Schwächen, die ihn etwas herunterziehen, vor allem die Schurken und mangelnde Sensibilität für das Setting und die Mythologie der Figur. Die gelungene Darstellung der Titelheldin und die Chemie zwischen Gal Gadot und Chris Pine wiegen allerdings einiges wieder auf. Wichtiger noch: „Wonder Woman“ trifft den richtigen Ton. Seit „The Dark Knight“ scheint die DC-Prämisse „düsterer und ernster“ zu sein – die Filme des DCEU scheiterten allerdings daran, das auch passend umzusetzen und die Prämisse nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen. „Wonder Woman“ gelingt die richtige Balance, düster und grimmig wenn nötig, hoffnungsvoll und optimistisch wo angebracht. Patty Jenkins kopiert nicht einfach nur die Formel der MCU-Filme, noch macht sie dieselben Fehler wie Zack Snyder – sie zeigt, wie die DCEU-Filme eigenständig funktionieren können. Hoffen wir, dass Warner Bros. aufgepasst hat.

Trailer

Titelbildquelle

Siehe auch:
Wonder Woman (Animationsfilm)
Brian Azzarellos Wonder Woman
Batman v Superman: Dawn of Justice – Ausführliche Rezension
Suicide Squad – Ausführliche Rezension

Suicide Squad – Analytische Rezension

Enthält Spoiler!
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Dieses Mal ein wenig anders als sonst: Die kurze, spoilerfreie Rezension spare ich mir, stattdessen gibt es sofort das analytische Rundumpaket. Einen spoilerfreien Eindruck setze ich deshalb gleich an den Anfang: Ich persönlich fand „Suicide Squad“ unterhaltsamer, weniger dröge und frustrierend als „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Leider ist das nicht unbedingt als Lob zu verstehen. David Ayers Superschurken-Team-up hat einige positive Ansätze, talentierte Darsteller und einige der Gags funktionieren durchaus, aber insgesamt ist auch dieser Film problembehaftet und scheitert letztendlich.

Prämisse
Eines muss man den Filmen des DC Extended Universe durchaus lassen: Man (und wenn ich man sage, meine ich mich) kann darüber sehr viel schreiben. Wie schon „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist auch „Suicide Squad“ ein höchst interessantes Sujet. Kein guter Film, aber ein ergiebiger. Insgesamt ist es schon ein wenig ironisch: Ursprünglich warb Warner damit, die Filme des DCEU seien stärker von ihrem jeweiligen Regisseur geprägt. Dies tat man, um sich von Marvel zu distanzieren; bei den Filmen des MCU achtet Kevin Feige als verantwortlicher Produzent auf stilistische und inhaltliche Kontinuität. Ironisch ist die von Warner gemacht Behauptung, weil sowohl „Batman v Superman“ als auch „Suicuide Squad“ in großem Maße unter Studio-Einmischungen litten – Entfaltungsfreiheit für die Regisseure sieht definitiv anders aus.

Kehren wir noch einmal kurz zu „Dawn of Justice“ zurück, denn „Suicide Squad“ ist geprägt von den Reaktionen auf den zweiten DCEU-Film. Dieser kam bekanntermaßen nicht allzu gut an, wurde von vielen Kritikern verrissen und spielte zwar viel Geld ein, blieb aber doch hinter den Studioerwartungen zurück. Vehementen Verteidiger des Snyder-Films warfen Kritiker daraufhin vor, man sei gegen die düstere, grimmige Herangehensweise an die Superheldenthematik voreingenommen und wolle, dass alle Superheldenfilme so seien wie die des MCU. Warner scheint diesen Vorwurf als Kritikerkonsens wahrgenommen zu haben und beweist damit wieder einmal, dass Hollywood-Studios sehr lernresistent sind und immer nach der einfachen Lösung suchen. Mir und vielen anderen Kritikern ging es nicht darum, dass die DC-Filme mehr wie die Streifen des MCU sein sollten. Nicht die Prämisse an sich ist schlecht, nur ihre Umsetzung. Nun glaubt Warner, wenn man die Filme nur leichtherziger und lustiger gestalten würde, würde es auch mit den Reaktionen besser funktionieren. Dem ist allerdings nicht so, auch wenn die Kasse bislang zu stimmen scheint. Durch oberflächliche Drehbuchkorrekturen, Umschnitte und ähnliche Studioeinmischungen bekommt man keinen besseren Film, nur einen chaotischeren.

Handlung und Struktur
Eigentlich ist die Handlung von „Suicide Squad“ sehr simpel: Nach Supermans Tod hat die Regierung der USA Angst, dass weitere Metawesen auftauchen könnten, die nicht so heroisch (*hust*) sind wie der Mann aus Stahl. Also kreiert die skrupellose Regierungsagentin Amanda Waller (Viola Davis) die Task Force X, ein Team aus größtenteils verurteilten Straftätern mit besonderen Fähigkeiten – zu diesen gehören unter anderem der meisterhafte Attentäter und Scharfschütze Deadshot (Will Smith), die irre Ex-Psychologin und Freundin des Jokers Harley Quinn (Margot Robbie), der australische Verbrecher Capain Boomerang (Jai Courtney), der Feuerteufel El Diablo (Jay Hernandez), das menschliche Krokodil Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und die uralte Zauberin Enchantress (Cara Delevigne). Wie sie jedoch herausstellt, lässt sich Letztere nicht kontrollieren und verursacht Chaos und Zerstörung. Der erste Auftrag für diese Suicide Squad unter Führung von Wallers Vertrautem Rick Flagg (Joel Kinnaman) und Katana (Karen Fukuhara) ist somit das Ausschalten einer bösartigen, magischen Wesenheit.

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Die Suicide Squad von links nach rechts: El Diablo (Jay Hernandez), Captain Boomerang (Jai Courtney), Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), Harley Quinn (Margot Robbie), Deadshot (Will Smith), Rick Flagg (Joel Kinnaman) und Katana (Karen Fukuhara)

Eine simple Grundhandlung muss nicht per se etwas schlechtes sein, wenn man sich ihrer richtig zu bedienen weiß. Die Handlung von „The Avengers“ ist ebenfalls eher einfach, aber stimmig und gibt den Figuren reichlich Gelegenheit zu gelungener Interaktion. Leider hat „Suicide Squad“ gerade diesbezüglich zwei große Probleme. Das erste: Die Handlung ist nicht stimmig. Es ist wohl davon ausgehen, dass Warner mit „Suicide Squad“ schon einmal die übernatürlichen Elemente des DC-Universums vorstellen wollte, um auf dieser Grundlage in späteren Filmen weiter aufzubauen. Allerdings passt die Enchantress als Gegnerin schlicht nicht zur Suicide Squad, sondern viel eher zur Justice League Dark. Ein Team wie die Task Force X sollte sich in ihrem ersten Film besser mit einem kleineren Gegner auseinandersetzen, der nicht potentiell die Welt zerstören könnte und besser zu ihr passt. Terroristen, organisiertes Verbrechen, Warlords oder Superschurken, die geerdeter sind – es gibt sehr viele Möglichkeiten und im DC-Universum finden sich auch genug Figuren, die sich eher anbieten würden als die Enchantress.

Das zweite große Problem ist, dass die Handlung die Charaktere nicht wirklich unterstützt; die Figuren agieren kaum miteinander, Dialoge gehen selten über Oneliner hinaus. Die größte Ausnahme ist die Barszene, die das Finale des Films einleitet und auch wirklich etwas zu Charakterentwicklung und Verhältnis beiträgt. Davon abgesehen hat „Suicide Squad“ diesbezüglich wahrlich nicht viel Fleisch auf den Knochen.

Darüber hinaus gibt es auch noch einige strukturelle Probleme, die dafür sorgen, dass der Film in seiner Dramaturgie sehr uneben daherkommt. Interessanterweise finden sich besagte Probleme primär im ersten Akt, der in meinen Augen dennoch der gelungenste ist. Zu Anfang des Films werden die Mitglieder der Task Force X ausführlich vorgestellt, und zwar ein einer Reihe von kurzen Segmenten, die stilistisch auf die jeweiligen Figuren zugeschnitten sind. Individuell betrachtet sind diese Segmente extrem gelungen, ihr Anordnung im Film ist es allerdings nicht unbedingt. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Haupthandlung stärker in die „Vorstellungsrunde“ einfließen zu lassen, oder die Einzelsegmente besser im Film zu verteilen (oder beides). Diese Struktur hat jedoch auch eine positive Seite: Gerade der erste Akt erinnert strukturell stark an einen Comic, in dem dieses Stilmittel so weitaus besser funktioniert. Ich kann mir nicht helfen, dieses comicartige Element des ersten Akts spricht mich an.

Task Force X
Eines der Probleme, das ich mit „Batman v Superman“ habe, war, dass sich die Helden zu unheroisch und rücksichtslos verhalten. Dagegen sind die Figuren in „Suicide Squad“, die eigentlich Schurken, Psychopathen und Arschlöcher sein sollten, zu zurückhaltend und nicht rücksichtslos genug. Hier haben wir abermals das Problem, dass Warner gerne eine pauschale Herangehensweise hätte, wo sich das Studio stattdessen auf die individuellen Bedürfnisse des Films konzentrieren sollte. Nach dem, was man so hört (und wohl auch in der Romanadaption des Films lesen kann), war David Ayers ursprüngliches Drehbuch, bzw. die ursprüngliche Schnittversion, weitaus düsterer und grimmiger. Nach der Rezeption von „Batman v Superman“ griff Warner ein und forderte, dass die Figuren sympathischer werden sollten. Und auch Will Smith wollte wohl keinen gewissenlosen Profikiller spielen. Das hat nun fast zur Folge, dass die eigentlich schurkischen Figuren aus „Suicide Squad“ einsichtiger und weniger heuchlerisch wirken als Batman und Superman. Insgesamt sind die Mitglieder der Task Force X hier schlicht zu harmlos. Das trifft besonders auf Deadshot zu. Der von Will Smith gespielte Floyd Lawton ist eigentlich gar kein so übler Kerl, im Gegensatz zur Comicfigur. Ja, auch Comic-Deadshot hat eine Tochter, die er aufrichtig liebt. Aber das ist dann auch schon seine einzige positive Eigenschaft, davon abgesehen ist er ein rücksichtsloser und arroganter Arsch. Gerade dieser Gegensatz macht die Figur interessant. Man könnte fast sagen, Film-Deadshot profitiert zu sehr von Will Smiths sympathischer Ausstrahlung, sodass der Zuschauer viel zu schnell vergisst, dass er es hier eigentlich mit einem rücksichtslosen Killer zu tun hat. Das heißt nicht, dass Will Smith Deadshot schlecht spielt, denn dem ist nicht der Fall. Er spielt ihn höchstens unpassend. Ähnliches trifft auch auf die anderen Mitglieder des Teams zu, die zum Teil schon fast überflüssig und verschenkt sind. Killer Croc und Katana beispielsweise wirken völlig verschenkt und tragen kaum etwas zur Handlung bei.

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Amanda Waller (Viola Davis)

Schließlich und endlich erweist sich auch die Charakterentwicklung als problematisch. Viel zu schnell freunden sich die Figuren an, ohne dass man so recht wüsste, weshalb – oft informiert der Film, anstatt zu zeigen. Die Beziehung zwischen Rick Flagg und June Moon, dem Wirt der Enchantress, ist ein besonders gutes Beispiel, sie verlieben sich zu Beginn kurz, weil es für den Plot nötig ist bzw. weil Waller es so geplant hat. Das wirkt fürchterlich erzwungen und unglaubwürdig. Auch die moralische Wandlung der Schurken am Schluss bleibt verhältnismäßig unmotiviert und schlecht erklärt. Die nachvollziehbarste und am besten entwickeltest Figur der Task Force ist El Diablo, der als Antiheld und Sympathieträger am besten funktioniert.

Amanda Waller und Enchantress
Zuerst einmal: Amanda Waller ist eine der Figuren des Films, die am besten umgesetzt wurde. Viola Davis passt perfekt und kann C.C.H. Pounder, die Waller im DCAU gesprochen hat, durchaus das Wasser reichen. Leider kommt sie dafür, dass sie ein Mastermind sein soll, im Film nicht allzu gut weg. Eigentlich sollte die Enchantress, alias Dr. June Moon, Wallers Geheimwaffe sein, doch das geht fürchterlich nach hinten. Ich finde es dramaturgisch sehr unglücklich, dass Waller direkt in ihrem ersten Film gleich derartig scheitert. Darüber hinaus finde ich es auch nicht besonders gelungen, dass die Squad bereits als Präventivmaßnahme versammelt wird und die Widersacherin dann (mehr oder weniger) aus den eigenen Reihen kommt. In meinen Augen wäre es weitaus gelungener gewesen, wenn Waller die Task Force X bereits zu einem bestimmten Zweck versammelt hätte.

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Die Enchantress (Cara Delevigne)

Nun denn, kommen wir zur Enchantress selbst. Cara Delevignes Darstellung der Figur, einer eher obskuren Antiheldin des DC-Universums, die immer mal wieder sporadisch auftaucht und sich in den Comics optisch sehr stark von ihrem Filmgegenstück unterscheidet, musste viel Kritik einstecken. Als ich ihre erste größere Szene (Waller stellt sie diversen Regierungsbeamten und Militärs vor) im Kino sah, konnte ich das noch nicht verstehen, denn besagte Szene gefiel mir sehr gut, die Verwandlung und die Magie der Enchantress waren sehr ansehnlich und sie selbst durchaus unheimlich. Sobald allerdings ihr Bruder (der wie eine billigere Version des Destroyer aus „Thor“ aussieht) dazustößt und die Enchantress das Outfit wechselt, ändert sich das leider. Zum einen ist die neue Optik nicht vorteilhaft, und zum anderen ist Delevignes übertriebenes Spiel in diesen Szenen höchstens albern, aber niemals einschüchternd oder beeindruckend. Auf der inhaltlichen Eben sieht es ebenso schlecht aus wie auf der inszenatorischen: Als Figur ist die Enchantress in etwa so gut entwickelt wie Lex Luthor in „Batman v Superman“. Motive hat sie eigentlich keine und selbst ihr Ziel ist eher schwammig; sie will eine Waffe bauen um damit die Welt zu erobern oder zu zerstören – irgendetwas in diese Richtung. Ich mag ja uralte böse Mächte, die wiedererwachen, aber wenn man sich dieser Thematik annimmt, sollte man besagte Mächte schon besser ausarbeiten – entweder macht man sie nachvollziehbarer, oder man orientiert sich an Lovecraft und gestaltet sie als völlig fremdartige und unmenschliche Wesen. Die Enchantress ist weder interessant noch fremdartig, sondern einfach nur schlecht geschrieben.

Harley Quinn, Batman und der Joker
Ist „Suicide Squad“ ein verkappter Batman-Film? Darauf kann ich mit einem ganz eindeutigen „schon irgendwie, aber doch nicht ganz“ antworten. Es lässt sich kaum leugnen, dass die Squad zum Großteil aus Batman-Schurken besteht und sowohl der Dunkle Ritter selbst als auch der Joker im Marketing eine wichtige Rolle spielten, von Harley Quinn gar nicht erst zu sprechen. Batmans tatsächliche Rolle im Film ist dann aber doch wieder relativ überschaubar – er taucht in zwei der Rückblicke am Anfang auf und dann noch einmal als Bruce Wayne in der Mid-Credits-Szene. Einerseits hätte man da durchaus noch mehr machen können. Im Vorfeld wurde von offizieller Seite behauptet, Batmans Präsenz sei den Film über spürbar, selbst wenn er nur eine kleine Rolle spiele, man sehe ihn aus der Perspektive seiner Gegner, wie ein angsteinflößendes Schreckgespenst. Das ist nicht der Fall, der Animationsfilm „Batman: Assault on Arkham“ (der eigentlich „Suicide Squad: Assault on Arkham“ heißen müsste), hat dieses Konzept weitaus besser umgesetzt. Dennoch muss ich sagen, dass mir die beiden Bat-Auftritte hier ausnehmend gut gefallen haben. In diesen beiden doch relativ kurzen Szenen habe ich mehr von „meinem“ Batman gesehen als in der gesamten Laufzeit von „Batman v Superman“. Wenn das ein Indikator für den Batfleck-Film sein sollte, dann Daumen hoch. Der Joker dagegen bleibt (Achtung, Gag) leider ziemlich blass. Um ihn in „Suicide Squad“ effektiv einzusetzen, hätte man seine Rolle entweder größer oder kleiner machen müssen. Das Hauptproblem ist, dass er für die Handlung des Films kaum Bedeutung hat und einfach irgendwie da ist, um noch ein paar Batman-Fans mehr ins Kino zu locken. Seine Auftritte sind zu häufig und zu wenig erinnerungswürdig, um als Highlights funktionieren zu können – ein Auftritt im Harley-Rückblick und einer am Ende hätten dramaturgisch weitaus besser funktioniert. Alternativ hätte Ayer ihn tatsächlich zu einem wichtigen Teil der Handlung machen müssen. Jared Leto selbst gab um den Kinostart herum zu Protokoll, dass viele seiner Szenen geschnitten wurden, er hatte also ursprünglich eine größere Rolle, wenn auch wahrscheinlich keine sehr viel bedeutendere. Ayer hätte zwei Probleme seines Films auf einmal beseitigen können, hätte er den Joker zum Gegner der Suicide Squad gemacht. Zwar wäre es vielleicht ein wenig repetitiv gewesen, hätte der Joker schon wieder als Hauptantagonist fungiert, aber ansonsten ist der Clown Prince of Crime als Gegner für die Suicide Squad weitaus besser geeignet als die Enchantress.

Auch die Konzeption dieses Jokers funktioniert nicht so recht, er ist nicht wirklich greifbar, es wird nie so richtig deutlich, was DIESEN Joker ausmacht, wenn man seine Tatoos ignoriert. Abermals gilt: Eine reduzierte Präsenz im Film hätte diese Schwäche zumindest reduziert, eine stärkere hätte die Möglichkeit gegeben, die Figur zu erforschen. Nachdem, was Ayer uns zeigt, kann man wohl davon ausgehen, dass diese Inkarnation des Jokers ein ziemlich schriller Gangsterboss ist, vielleicht dem Joker aus Brian Azzarellos und Lee Bermejos „Joker“ gar nicht so unähnlich.

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Der Joker (Jared Leto)

Kommen wir schließlich noch zum nicht ganz so heimlichen Star des Films: Harley Quinn. Ähnlich wie Viola Davis ist auch Margot Robbie eine Idealbesetzung für die Figur und spielt hervorragend. Von allen Mitgliedern der Squad ist Harley am besten umgesetzt. Interessanterweise wurde die Beziehungsdynamik zwischen ihr und dem Joker verändert. In den Comics (und natürlich in „Batman: The Animated Series“) handelt es sich um eine einseitige und höchst dysfunktionale Partnerschaft, der Joker ist oftmals von Harley genervt und versucht sie zum Teil loszuwerden oder gar umzubringen. Sie wird immer erst dann interessant für ihn, wenn sich jemand anderes für sie interessiert (Deadshot, Poison Ivy etc.). Im Film dagegen scheint die Beziehung gesünder (nicht gesund) und die Liebe gegenseitig zu sein. Möglicherweise sind jedoch viele Elemente einfach der Schere zum Opfer gefallen. Jedenfalls bleibt die Harley/Joker-Dynamik im Film sehr flach und man fragt sich, ob Harley im DCEU eine ähnliche Entwicklung und Emanzipation durchmachen wird wie in der Comickontinuität.  Auch in anderer Hinsicht ist Film-Harley zahmer: Während sie in anderen Medien durchaus gerne ein Techtelmechtel mit Deadshot anfängt, bleibt es im Film zwischen den beiden ziemlich platonisch.

Die Musik
An der Musik merkt man am deutlichsten, dass David Ayer sich durchaus an „Guardians of the Galaxy“ orientiert hat. Der von Steven Price komponierte Score spielt kaum eine Rolle, das Augenmerk liegt auf den Songs. Anders als bei „Guardians of the Galaxy“ funktioniert das hier bei Weitem nicht so gut. James Gunn hat es geschafft, die Lieder sehr gezielt einzusetzen und sie zu einem unverzichtbaren Teil der Narrative des Films zu machen. In „Suicide Squad“ dagegen erleben wir einen Song-Overkill ohne inhaltlichen Mehrwert, die Platzierung erinnert an Werbespots oder Doku-Soaps. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen, so können die Lieder ihre Wirkung nicht wirklich entfalten, musikalisch wirkt „Suicide Squad“ wie gewollt und nicht gekonnt. Leider schneidet Steven Price‘ Score kaum besser ab. Handwerklich betrachtet ist er wahrscheinlich der beste DCEU-Score, aber da sowohl „Man of Steel“ als auch „Batman v Superman“ für mich absolut fürchterliche Soundtracks sind, sollte man das nicht als Lob verstehen. Price‘ Musik bleibt nicht nur unauffällig, sondern auch anonym und langweilig. Eine gelungene, ausführliche Rezension des Scores findet sich hier.

Fazit: Es wird Zeit, dass Warner bei den DC-Filmen endlich aus den Fehlern lernt: Statt ihre Prämisse anzuzweifeln, sollte sich das Studio lieber darum kümmern, sie angemessen umzusetzen und nicht die Filme vor dem Kinostart verstümmeln. In mancher Hinsicht ist „Suicide Squad“ tatsächlich eine Verbesserung gegenüber „Batman v Superman“, viel zu oft macht David Ayers Schurkenfilm aber dieselben Fehler und scheitert letztendlich genauso. Nicht unerwartet, aber gerade für einen Fan der Vorlage dennoch traurig, gerade weil doch einiges an Potential vorhanden ist.

Batman v Superman: Dawn of Justice – Ultimate Cut

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Wenn man sich die Rezeption von „Suicude Squad“ so ansieht, scheint Warner Bros. nicht wirklich dazuzulernen. Andererseits spricht das bisherige Einspielergebnis dann wieder eine andere Sprache. Wie dem auch sei, die Reaktionen scheinen sehr ähnlich wie bei „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Bislang bin ich noch nicht dazugekommen, die Qualitäten der Schurkentruppe um Deadshot und Harley Quinn selbst zu beurteilen, und es gilt ohnehin noch, das Thema „Dawn of Justice“ abzuschließen, und zwar in Form einer Besprechung des Ultimate Cut. Dieser wurde bereits vor Kinostart angekündigt und wirkte wie eine Reaktion auf den durchschlagenden Erfolg von „Deadpool“, der trotz (oder wegen?) seines R-Ratings ziemlich viel Geld einspielte.

Nun denn, was hat der Ultimate Cut zu bieten? Eine ganze Menge an zusätzlichem Material, zusammengenommen etwa eine halbe Stunde. Vergleicht man die Kinoversion mit dem Ultimate Cut, fühlt man sich unweigerlich ein wenig an Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ erinnert. Oder, um es etwas direkter auszudrücken: Der ursprüngliche Schnitt hätte nie ins Kino kommen dürfen. Der Ultimate Cut sorgt zwar weder dafür, dass „Dawn of Justice“ ein guter Film wird, noch behebt er viele der wirklich essentiellen Probleme, aber er macht den Film immerhin weitaus anschaubarer. Vor allem bezüglich der Struktur und Logik gibt es massive Verbesserungen, Subplots, die in der Kinoversion nur angedeutet werden und dadurch rätselhaft, schwer nachvollziehbar und unlogisch waren, werden im Ultimate Cut ausführlicher beleuchtet. Das beste Beispiel ist der Afrika-Handlungsstrang, der im ursprünglichen Cut schlicht keinen Sinn ergibt und nun endlich nachvollziehbar ist. Darüber hinaus wird gezeigt, wie weit Lex Luthors Pläne tatsächlich das Geschehen beeinflusst haben. Warum er seinen übermäßig komplexen Plan überhaupt geschmiedet und durchgeführt hat, bleibt zwar nach wie vor sehr undurchsichtig, aber immerhin gibt es bezüglich der Umsetzung seiner Machenschaften ein wenig mehr Klarheit. Darüber hinaus ist das Erzähltempo nun weitaus entspannter; der Schnitt des Films wirkt nicht mehr wie der eines zweieinhalbstündigen Trailers.

Die Figur, die von der erweiterten Fassung eindeutig am meisten profitiert, ist Clark Kent/Superman. Der Mann aus Stahl kam in der Kinoversion eindeutig zu kurz, da die Verantwortlichen von Warner von Ben Afflecks Batman-Darstellung sehr beeindruckt waren und den Fokus stärker auf den Dunklen Ritter legen wollten. Das hatte wiederum zur Folge, dass Supermans Motivationen völlig hanebüchen wirkten und er als Figur kaum greifbar blieb. Der Ultimate Cut arbeitet den Mann aus Stahl zumindest ein wenig besser aus. Nun sieht er nicht mehr nur einen Bericht über Batman im Fernsehen und beschließt dann, dass es so nicht geht, er ist tatsächlich in Gotham, stellt Nachforschungen an und erfährt aus erster Hand, welche Auswirkungen Batmans Handeln hat. Es gibt auch diverse andere kleine Szenen, die die Figur etwas runder und greifbarer machen, etwa als Clark vom Selbstzweifel getrieben mitten in der Nacht seine Mutter anruft. Zwar ist dieser Superman immer noch nicht der Superman, den ich gerne sehen würde, aber er ist ihm immerhin ein wenig näher, er wirkt nicht mehr ganz so unnahbar und heuchlerisch, ein wenig menschlicher und darüber hinaus sehen wir sogar Clark Kent, der als Reporter agiert.

Fazit: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ hat nach wie vor viele Probleme, aber einige davon kann der Ultimate Cut immerhin beheben, vor allem bezüglich der Logik, des Erzähltempos und des Schnitts. Auch die Darstellung Supermans wird zumindest in Ansätzen verbessert, die Charakterisierung Lex Luthors und Batmans bleibt dagegen nach wie vor mangelhaft. Sollte sich jemand dazu entscheiden, „Dawn of Justice“ anzusehen, sollte es definitiv diese Version und nicht die verstümmelte Kinofassung sein.

Siehe auch:
Batman v Superman: Dawn of Justice
The Amazing Superman 2: Rise of Justice
Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

The Amazing Superman 2: Rise of Justice

Enthält die volle Ladung Spoiler!
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Es gibt Filme, die wissen einen im Kino noch zu fesseln, fallen aber auseinander, wenn man beginnt, hinterher über sie nachzudenken. „Batman v Superman: Dawn of Justice“ gehört nicht zu diesen Filmen, für mich ist er schon während des Kinobesuchs auseinander gefallen. Den Titel meiner ausführlichen Rezension habe ich nicht von ungefähr gewählt, und ich habe es auch schon in meiner kürzeren Kritik gesagt: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ macht minutiös dieselben Fehler wie „The Amazing Spider-Man 2“. In beiden Fällen handelt es sich um einen Film, der auf Basis des Vorgängers ein größeres Superheldenuniversum initiieren soll, und in beiden Fällen merkt man ihm an, dass es eine Liste von Studioseite gab, die es abzuarbeiten galt, die aber oft einfach nicht mit dem Film harmoniert. Beide Filme haben Plotstränge, die nicht ineinandergreifen und zusammenpassen wollen, genau deshalb haben beide auch massive Probeleme bezüglich Struktur und Narrative und darüber hinaus gibt es in beiden Filmen viel zu viele plumpe Hinleitungen zu besagtem größerem Superheldenuniversum, die von der eigentlichen Handlung zu abgekapselt sind. Unter all dem leiden die Figuren, was besonders den Schurken betrifft. Und dann taucht im jeweiligen dritten Akt sehr plötzlich ein neuer Schurke auf, um noch in letzter Sekunde ein bahnbrechendes, schockierendes und klassisches Ereignisse aus der Comic-Historie einzubauen, das sich im Film sehr unnatürlich anfühlt, weil er nicht darauf hinarbeitet.

„Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist ein höchst ambitionierter Film, der zu viel will. Je länger ich über ihn nachdenke, des problematischer wird er auch; aber gleichzeitig handelt es sich hierbei auch um einen höchst interessanten Film, schon allein wegen seiner Rezeption. Auf der einen Seite wird er von professionellen Filmkritikern fast ausnahmslos verrissen. Natürlich gibt es auch immer mal wieder eine positive Rezension, aber selbst diese sind höchstens verhalten positiv. Das bisherige Einspielergebnis spricht dagegen eine andere Sprache, und auch in Fankreisen findet Snyders zweiter DCEU-Film weitaus mehr Zuspruch. Insofern ist es ironisch, dass mich gerade meine eigene Fanperspektive eher den Kritikern zustimmen lässt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich an einen Batman-Film einfach zu hohe Ansprüche habe, wer weiß. Jedenfalls hätte dieser Film bzw. das Unterfangen eines großangelegten cinematischen DC-Universums grandios werden können, aber „Dawn of Justice“ ist nicht nur für sich gesehen ziemlich problematisch, sondern auch in Bezug auf die kommenden Filme.

Dabei bedient Snyder die Fans in mancher Hinsicht durchaus großzügig, es finden sich viele, viele Anspielungen, manche subtil, andere ziemlich unsubtil, auf die diversen Vorlagen. Oft wurde Panels fast eins zu eins umgesetzt und Dialogzeilen direkt übernommen. Der Prolog etwa, der die Ermordung der Waynes zeigt, stammt fast genau so aus „The Dark Knight Returns“, und viele Zitate sowie der eigentliche, titelgebende Kampf schulden Frank Millers Graphic Novel sehr viel. Einige dieser Fanboymomente haben mich durchaus beeinflusst: Zum ersten Mal DCs Trinität vereint auf der Leinwand zu sehen war schon etwas, für das ich als Kind ziemlich viel gegeben hätte. Das Problem dabei ist die Direktübernahme dieser Elemente in einem veränderten Kontext, einem Kontext, in dem diese Elemente einfach nicht mehr auf die gleiche Weise funktionieren, aber nicht ausreichend angepasst sind.

Drei zum Preis von einem
„Dawn of Justice“ hat einige interessante Ideen und stellt auch ein paar interessante Fragen, hat aber Probleme, besagte Elemente sinnvoll umzusetzen. Schon in „Man of Steel“ war es ganz ähnlich: In der ersten Hälfte wurde viel Zeit damit verbracht, darüber zu diskutieren, was es heißt, Superman zu sein. Diese Frage ist natürlich für eine Neuinterpretation sehr interessant, aber „Man of Steel“ hat es nie geschafft, zu vermitteln, was es heißt, Superman zu sein, anstatt nur darüber zu reden. Sämtliche philosophischen Ansätze wurden in der Materialschlacht des dritten Aktes erstickt. Das wiederholt „Dawn of Justice“ leider, aber dabei liegt nicht einmal das Hauptproblem. Dieses sieht folgendermaßen aus: In „Dawn of Justice“ stecken mindestens drei, wenn nicht sogar vier unterschiedliche Filme mit unterschiedlichen Zielen, die meistens gegeneinander arbeiten und den anderen die Luft abschnüren.

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DCs Trinität: Superman (Henry Cavill), Wonder Woman (Gal Gadot), Batman (Ben Affleck)

Da hätten wir zum einen das eigentliche Sequel zu „Man of Steel“, das sich mit den Konsequenzen des Angriffs der Kryptonier beschäftigt, einen Batman-Film, der die neue Inkarnation des Dunklen Ritters vorstellt und dann das eigentliche Aufeinandertreffen der beiden. Oh, und vergessen wir auch Supermans Tod nicht. Ich hatte schon die Befürchtung, dass das kommen würde, als Doomsday in diesem unsäglichen Trailer auftauchte, da er nun einmal untrennbar mit Supermans (zumindest vorübergehendem) Tod verbunden ist – so geschehen in den 90ern, im Rahmen der Storyline „The Death of Superman“. Mal ehrlich, bei einer so ikonischen Figur wie dem Mann aus Stahl finde ich es unangemessen, dass ein derartiges Ereignis in einem Film kommt, in dem er fast schon eine Nebenfigur ist. Ein Film, der den Tod Supermans thematisiert, sollte auch ein Film sein, der IHM gehört und der auf dieses Ereignis hinarbeitet. Der Grund, weshalb Geschichten wie diese in den Comics funktionieren ist, dass sie ausgiebig darauf hinarbeiten. In „Dawn of Justice“ wirkt Supermans Tod auf mich wie etwas, dass das Studio in letzter Sekunde entschieden hat, um die größtmögliche Wirkung mit dem kleinstmöglichen Aufwand zu bekommen (etwas ganz Ähnliches hat man auch in „Star Trek Into Darkness“ und natürlich in „The Amazing Spider-Man 2“ versucht). Was noch erschwerend hinzukommt: Superman ist kaum etabliert. Wir haben mit dieser Inkarnation des Mannes aus Stahl kaum Zeit verbracht; im ersten Film kommt er, im zweiten geht er. Natürlich wird Superman auch hier nicht tot bleiben, „Dawn of Justice“ selbst kündigt das ja bereits an, aber dennoch verliert die ganze Aktion hier jedwede Wirkung, weil Superman im DCEU nie zu dem Symbol geworden ist, das er in den Comics oder anderen Adaptionen wurde.

Selbst, wenn wir Supermans Tod einmal ignorieren, ist „Dawn of Justice“ noch gnadenlos überfrachtet. Das wird umso deutlicher, da dieser Film eine ähnliche Struktur besitzt wie „Man of Steel“: In der erste Hälfte gibt es vornehmlich Exposition, in der zweiten Action. Immerhin kann man „Man of Steel“ diesbezüglich zugutehalten, dass die Geschichte, die der Film erzählt, in sich halbwegs kohärent ist, auch wenn das auf die Erzählweise nicht zutrifft. Die Erzählweise von „Dawn of Justice“ ist nicht nur ebenfalls inkohärent, wenn auch auf andere Weise, der Plot ist es sogar in noch größerem Ausmaß: Aufgrund der vielen Elemente, die erklärt und vorgestellt werden müssen, kommt aber nie ein passender, narrativer Fluss auf. Die Exposition bleibt ziemlich inhaltsleer, weil Snyder sofort wieder zur nächsten Baustelle hastet; der Film springt wild hin und her, ohne dass das Gezeigte Wirkung entfalten könnte. Alles wird angerissen, aber nichts wird ausgeführt – es hat sich für mich wirklich so angefühlt, als würde in „Dawn of Justice“ immer zwischen zwei Filmen hin und her geschnitten, ohne dass man beide vollständig zu sehen bekommt. Darunter leider nicht nur die Charakterentwicklung, es öffnet auch massive Logiklöcher. Auf einmal kennt Lex Luthor plötzlich sowohl Batmans als auch Supermans Geheimidentität, völlig ohne Erklärung. Außerdem wird alles, was es an interessanten Ansätzen gibt, kaum wieder aufgegriffen, etwa, wie Superman selbst mit den Ereignissen des Vorgängers hadert. Es gibt ein, zwei Szenen, in denen er ein wenig reflektiert, diese haben aber so gut wie keine Auswirkungen auf den restlichen Film. Ebenso die Wirkung, die sein Tun auf die Welt hat. Seine Wirkung bleibt schwer fassbar, weil der Film immer nur Einzelne zeigt, die auf ihn reagieren, aber es nie schafft, ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Oder Alfreds Satz, der bereits in einem der Trailer sehr prominent war: „The fever, the rage, the feeling of powerlessness that turns good men… cruel.” Ein sehr interessanter Ansatz, der eine Differenz zwischen Alfred und Bruce andeutet. Leider wird dieser potentielle Konflikt nie wieder auch nur angesprochen.

Auch manche Figuren fallen dem zum Opfer. Lois Lane etwa, die in diesem Film im Grunde fast völlig überflüssig ist und in ihre alte Klischeerolle zurückfällt: Sie muss ständig gerettet werden, und zwar gefühlt öfter als die von Margot Kidder dargestellte Lois in „Superman“ von 1978. Vor allem im Finale des Films ist auffällig, wie sehr man versucht hat, ihr etwas zu tun zu geben, es aber nicht geschafft hat: Erst wirft sie den Kryptonitspeer ins Wasser, dann versucht sie ihn herauszufischen und darf es nicht mal schaffen, sodass sie immerhin einen marginalen Beitrag liefern kann, nein, Superman muss sie erneut retten. Dagegen ist die von Holly Hunter dargestellte Senatorin Finch sehr interessant und ein guter Gegenpol zu Lex Luthor, wird aber viel zu schnell abserviert, als dass sie wirklich etwas bewirken könnte.

Insgesamt hätte „Dawn of Justice“ weitaus besser funktioniert, hätte er nicht die gesamte Exposition stemmen müssen – vor einem Aufeinandertreffen der beiden Ikonen hätte es mindestens noch einen weiteren Batman-Film sowie ein Sequel zu „Man of Steel“ geben müssen. Ersterer hätte die neue Inkarnation des Dunklen Ritters in aller Ruhe vorstellen können, Letzterer hätte sich mit Supermans Etablierung als größter Held der Welt beschäftigen müssen.

Ich hätte mir für ein solches Unterfangen gut die Schurkenkombo Lex Luthor/Metallo vorstellen können. In diesem hypothetischen Sequel setzt sich Superman tatsächlich mit den Folgen des Kryptonierangriffs und auch mit der öffentlichen Wahrnehmung auseinander und versucht gleichzeitig, die Menschen für sich zu gewinnen, zum Beispiel durch Offenheit: Superman bietet der Menschheit offiziell seine Dienste an, hilft beim Wiederaufbau von Metropolis etc. Luthor gibt sich zu Beginn als Unterstützer des Mannes aus Stahl aus, will ihn aber insgeheim kontrollieren. Als sich herausstellt, dass ihm das nie gelingen wird, versucht er eine Anti-Superman-Waffe zu schaffen: Metallo. Bei diesem handelt es sich um einen Mann namens John Corben, der während der Ereignisse von „Man of Steel“ schwer verletzt wurde und den Luthor nun zu einem mit Kryptonit angetriebenen Cyborg macht, der dadurch aber seine Menschlichkeit, bzw. seine Fähigkeit, menschliche Emotionen wahrzunehmen verliert. Dieses MoS-Sequel würde die Themen Menschlichkeit und Verantwortung anhand von Superman, Luthor und Metallo erforschen und wäre idealerweise nicht unter der Federführung von Zack Snyder und David S. Goyer entstanden.

Lex Luthor
Eine der größten singulären Schwächen des Films ist für mich Lex Luthor. Jesse Eisenberg funktioniert für mich in dieser Rolle auf keiner Ebene, wobei das nicht unbedingt die Schuld des Darstellers ist. Die Konzeption ist zugegebenermaßen noch ganz interessant und etwas gewagt, aber sie geht nicht auf. Dieser Lex soll weniger der skrupellose Großindustrielle, sondern eher ein exzentrischer moderner Internetmilliardär des 21. Jahrhunderts sein. Im Vorfeld wurde immer wieder betont, es handle sich hierbei um Alexander Luthor junior, dessen gleichnamiger Vater eher dem Luthor aus den Comics entspricht. Im Grunde ist das aber ziemlich irrelevant, da es trotz allem der Junior ist, der hier als Supermans Gegner und potentieller Erzfeind fungiert.

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Alexander Luthor jr. (Jesse Eisenberg)

Selbst wenn man diesen Lex Luthor mit den diversen, eher schwächeren Marvel-Schurken vergleicht, zieht er den Kürzeren. Red Skull oder Ronan der Ankläger waren als Figuren ziemlich uninteressant und flach, waren aber für den Plot funktional, weil sie eine klare Agenda hatten. Lex Luthors Agenda und Motivation wandelt sich dagegen fast ständig. Will er nur Superman tot sehen, und wenn ja warum? Es gibt hier weder ein persönliches Verhältnis, noch macht der Film klar, ob Superman in irgend einer Art und Weise Lex in die Quere gekommen ist, sodass seine Motivation extrem vage bleibt. Hin und wieder lässt er ein paar kryptisch-metaphysische Sätze oder religiöse Metaphern vom Stapel, an einer anderen Stelle deutet er einen Vaterkomplex an, plötzlich will er ohne ersichtlichen Grund Batman tot sehen usw. Diese Inkohärenz erstreckt sich auch auf Luthors Plan, der unnötig kompliziert und unlogisch ist. Wenn er Angst hat, Superman könne sich gegen die Menschheit wenden und ließe sich nicht kontrollieren, wieso erschafft er dann mit Doomsday ein Monster, dass sich, wie wir gesehen haben, auf jeden Fall gegen die Menschheit wendet und genauso wenig aufzuhalten ist? Und falls es doch einen Kontrollmechanismus gibt, wird er im Film jedenfalls nicht erwähnt.

Hinzu kommt, dass dieser Luthor für mich auch auf einer inszenatorischen Ebene versagt. Eisenberg spielt ihn irgendwo zwischen Kevin Spaceys Lex Luthor und Heath Ledgers Joker, was dafür sorgt, dass ich ihn absolut nicht ernst nehmen kann. Ich denke, der Lex Luthor aus Brian Azzrellos „Lex Luthor: Mann aus Stahl“ hätte in diesem Kontext exzellent funktioniert.

Kampf der Giganten
In meiner Artikelreihe „Kampf der Giganten“ habe ich mich unter anderem bemüht aufzuzeigen, wie ein Konflikt zwischen Batman und Superman in den Comics gewöhnlich gehandhabt wird und wie er in meinen Augen auch aussehen sollte. Egal ob im Guten oder im Schlechten, wenn Batman und Superman aufeinandertreffen, sollte es zu einer Kollision der Weltanschauungen kommen, gleich, ob die beiden darüber in Konflikt geraten oder erkennen, dass sie sich trotz ihrer unterschiedlichen Ideologien respektieren oder sogar ausgezeichnet ergänzen. Dieser Ansatz wäre meiner Meinung nach essentiell gewesen, ist im Film aber praktisch überhaupt nicht vorhanden, und das aus einem simplen Grund: Batman und Superman sind sich hier viel zu ähnlich, als dass der Konflikt wirklich funktionieren könnte.

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Der Robin-Anzug in der Bathöhle

Betrachten wir zuerst einmal die neue Inkarnation des Dunklen Ritters: Zack Snyder hat definitiv ein gutes Händchen dafür, Batman zu inszenieren, aber nicht, ihn zu konzipieren. Ben Affleck gefällt mir darstellerisch in der Rolle ausgezeichnet, und die Szenen mit ihm als Batman sind meistens sehr ansehnlich; der Kampf im Lagerhaus könnte fast direkt aus einem der Arkham-Spiele stammen (was hier als Kompliment zu verstehen ist), und jede Szene mit ihm und Jeremy Irons als Alfred ist grandios. Als Figur bleibt Batman aber hier viel zu undefiniert. Im Grunde bedienen sich Snyder, Goyer und Terrio desselben Batman-Konzepts wie Tim Burton: Dieser Dunkle Ritter hat scheinbar keinerlei Achtung vor Menschenleben; er ist bereit, massive Kollateralschäden in Kauf zu nehmen. Außerdem bleibt seine Vergangenheit größtenteils im Dunkeln, im Film gibt es nur ein paar subtile Andeutungen, zusätzlich zur Ermordung der Waynes, die schon wieder dargestellt wird. Gerade in diesem Film, der eigentlich ein Aufeinanderprallen von Weltanschauungen darstellen sollte, funktioniert das für mich nicht so recht und wirkt fast schon unzeitgemäß. Als Kenner der Figur kann man anhand der zum durchaus gelungenen visuellen Anspielungen durchaus nachvollziehen, was Snyder und Co. eigentlich bezwecken – das in Ruinen liegende Wayne Manor, das vom Joker gezeichnete Robin-Kostüm etc. Es ist wohl anzunehmen, dass dieser Batman früher heroischer war, ihn aber diverse Ereignisse, etwa der Tod eines Robins und schließlich Superman und die Invasion von General Zod, dazu verleitet haben, seine alten moralischen Vorstellungen größtenteils über Bord zu werfen. Das Ende wiederum deutet an, dass er langsam zu diesen zurückkehrt, weil er davon spricht, Superman gerecht zu werden und Lex Luthor nicht brandmarkt. Eigentlich wäre das eine durchaus interessante Charakterentwicklung, der Film schafft es aber nicht, diese zu vermitteln, sie geht in den anderen Handlungssträngen unter und basiert zu sehr auf Vorwissen, als dass ein Zuschauer, der mit den Comics nicht vertraut ist oder sich nicht mit dem Promotionsmaterial des Films beschäftigt hat, das deutlich erkennen könnte. Es fehlt der Kontrast, Alfred erwähnt in einem Halbsatz, dass Batman jetzt härter ist, und auch in einer Zeitungsschlagzeile ist kurz zu sehen, dass das Branntzeichen erst seit Kurzem zum Repertoire des Dunklen Ritters gehört, aber trotzdem hat man kaum einen Eindruck davon, wie Batman früher war. Zudem steht Batmans exzessive Rücksichtslosigkeit in keinem Verhältnis zu der Entwicklung, die Snyder und Co. (vermutlich) im Sinn hatten. Ein zusätzlicher Batman-Film, der diese neue Version des Dunklen Ritters etabliert und besagte Entwicklung verdeutlicht, hätte da Abhilfe geschafft, aber Warner will ja unbedingt so schnell wie möglich zur Justice League.

Batmans exzessive Rücksichtlosigkeit bringt uns auch gleich zum nächsten Problem, nämlich dem eigentlichen Konflikt der beiden Helden. Wie bereits gesagt, beide Helden sind sich zu ähnlich. Sowohl Superman als auch Batman könnten nachvollziehbare Gründe für ihre Verurteilung des jeweils anderen haben, so, wie „Dawn of Justice“ das herüberbringt, erscheinen aber beide als Heuchler. Ich fand die Szene, in der Bruce Wayne die Zerstörung von Metropolis aus der Normalo-Sicht mitbekommt, unheimlich stark. Die Kollateralschäden, die Batman allerdings im späteren Verlauf einzugehen bereit ist, arbeiten gegen diese Szene und die in ihr etablierte Motivation, und zudem sind sie Batmans Ziel schlich nicht zweckdienlich. Was ist aus dem Batman geworden, der infiltriert, tarnt und täuscht, statt alles brachial niederzuwalzen und zu –schießen?

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Batman (Ben Affleck) versus Superman (Henry Cavill) im Miller-Stil

Superman hat es fast noch schlimmer erwischt, weil seine Abneigung gegen Batman kaum begründet wird. Wäre sie aufgrund besagter Kollateralschäden entstanden, wäre sie vielleicht sogar noch nachvollziehbar, aber es geht lediglich um die Branntzeichen, die Batman den Kriminellen verpasst. Im Vergleich dazu löst Superman internationale Zwischenfälle aus, nur um seine Freundin zu retten und scheint sich auch sonst nicht darum zu kümmern, wie man ihn wahrnimmt. Ich habe mit dem Superman dieses Films so ganz allgemein meine Probleme. In „Man of Steel“ habe ich Superman zumindest noch ansatzweise erkannt, aber in „Dawn of Justice“ zieht Henry Cavill die ganze Zeit eine Miene, die grimmiger ist als Batmans und kommt allgemein als fürchterlich arrogant und selbstgerecht rüber. Somit bleibt der eigentlich Kern des Films, der Konflikt der beiden Heroen, schlampig und halbherzig inszeniert, vor allem, weil es im Grunde zwei Mal dieselbe Figur ist, nur einmal mit und einmal ohne Superkräfte, wo die Dynamik doch eigentlich von Gegensätzen geprägt sein sollte. Entsprechend uninspiriert ist dann auch der Ausgang des eigentlichen, visuell durchaus ansprechend inszenierten Kampfes; Batman und Superman werden von einem Moment auf den anderen plötzlich Kumpel, weil ihre Mütter zufällig den gleichen Namen haben, anstatt dass sie lernen, sich gegenseitig zu respektieren. Entsprechend hohl wirkt dann auch das Ende des Films mit Supermans Begräbnis: Warum sollte man sich emotional fühlen angesichts der Art und Weise, wie Superman in diesem Film handelt? Warum sollte Batman seine Methoden ändern, um sich Supermans Opfer würdig zu erweisen, wo Superman doch fast genauso rücksichtslos vorgeht?

Dawn of Justice
Der Untertitel verweist nicht auf eine Thematisierung oder Verarbeitung des Begriffs „Gerechtigkeit“ und seiner Bedeutung, sondern ausschließlich auf Warner Bros. Vorhaben, die Justice League zusammen zu bringen, um mit Marvels Avengers konkurrieren zu können. Zu diesem Zweck wird „Dawn of Justice“ immer mal wieder angehalten, um einen Justice-League-Verweis einzubauen, der dramaturgisch völlig unsinnig ist, Zeit frisst, die an anderer Stelle fehlt und dazu noch völlig plump und uninspiriert daherkommt, so als kämen besagte Szenen direkt von den Produzenten des Studios (was wahrscheinlich auch der Fall ist). Zwei Elemente fallen da besonders auf. Zum ersten wäre da Batmans Vision in der Vision, die ich auch gerne als „Bat Max: Fury Road“ bezeichne: Wir sehen Batman in einem apokalyptischen Alptraum, in dem Superman offenbar als Diktator über eine verwüstete Erde regiert. Diese Thematik ist nicht neu, schon in „Superman: The Animated Series“ verschlägt es Lois Lane in einer Episode in eine Parallelwelt, auf der sie gestorben ist, was Superman dazu veranlasst hat, mit Lex Luthors Hilfe aus Metropolis einen Polizeistaat zu machen. Das Spiel „Injustice: Gods Among Us“ und die zugehörigen Comics bedient sich eines ähnlichen Plots; auch hier wird Superman nach Lois Lanes Tod zum Diktator und Batman zum Widerstandskämpfer. Das Omegasymbol im Sand und das Auftauchen dämonischer, geflügelter Wesen sind Indizien, doch noch auf etwas anderes hindeuten: Darkseid, einer von DCs größten Schurken, wird wohl früher oder später mit seine Paradämonen der Erde einen Besuch abstatten. Das Bild mit den Dämonen, die aus dem Himmel kommen, und die völlig aus dem Nichts kommende letzte Szene mit Lex Luthor deuten ebenfalls in diese Richtung. Tatsächlich wurde bereits eine geschnittene Szene veröffentlicht, die zeigt, woher Luthors plötzliches Wissen um eine potentielle Alieninvasion eigentlich herkommt und die uns eventuell auch Steppenwolf, Darkseids Onkel und Feldherrn, sowie die Mother-Box, einen göttlichen Supercomputer, zeigt. Da stellt sich nun die Frage: Arbeitet Superman in dieser Vision für Darkseid? Auch das gab es schon mal, nämlich im Serienfinale von „Superman: The Animated Series“, in welchem Darkseid Superman einer Gehirnwäsche unterzieht, sodass er glaubt, Darkseids Adpotivsohn zu sein.

„Bat Max: Fury Road“ ist in eine andere Vision eingebettet, in der der von Ezra Miller gespielt Flash auftaucht und Batman erklärt, Lois sei der Schlüssel (was wieder auf „Injustice: Gods Among Us“ hindeutet). Flash als Teil einer Zeitreisekrise verweist außerdem auf Geschichten wie „Crisis on Infinte Earths“ oder „Flashpoint“. Das Ganze bleibt allerdings ziemlich konfus und ich bin mir absolut nicht sicher, ob mir die Richtung gefällt, in die sich das Ganze bewegt.

Und dann wäre da natürlich noch die Vorstellung der anderen Justice-League-Mitglieder, die derart plakativ herüberkommt, dass ich im Kino meinen Augen kaum getraut habe: Da schickt Batman Wonder Woman doch tatsächlich eine E-Mail mit von Lex Luthor gestohlenen Dateien. Zu jedem späteren Mitglied der Liga (Flash, Aquaman, Cyborg) gibt es ein Video, das man sich ansehen kann. Das wirkt auf mich wie Promomaterial, das begleitend für einen Justice-League-Film als Teil einer Marketingkampagne veröffentlicht wird, nicht wie Teile dieses Films. Apropos Wonder Woman: Sie war definitiv eines der besten Elemente des Films, hat jede Szene gestohlen, in der sie war und zwischen ihr und Ben Affleck war so unendlich viel mehr Chemie als zwischen Amy Adams und Henry Cavill, aber wenn wir ehrlich sind, ist auch sie für diesen Film ziemlich irrelevant, da sie kaum etwas zur Handlung beiträgt. Mit einer minimalen Abänderung hätte der Endkampf auch nur zwischen Batman, Superman und Doomsday stattfinden können.

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Bat Max, äh, Batman (Ben Affleck) betrachtet das Omega-Symbol im Sand

Was ist nun für die Zukunft des „DC Extended Universe“ zu erwarten? Zuerst einmal zwei Filme, für dich ich nach wie vor Hoffnung habe, nämlich „Suicide Squad“ (August 2016) und „Wonder Woman“ (Juni 2017). Beide sind nämlich erst einmal primär von der kommenden Justice-League-Adaption gelöst und Snyder, Goyer und Terrio sind auch nicht beteiligt (Ersterer ist zwar als ausführende Produzent genannt, aber das muss nicht unbedingt etwas heißen). „Suicide Squad“ beschäftigt sich in erster Linie mit Schurken und/oder eher unbekannten Nebenfiguren, während „Wonder Woman“ während des Ersten Weltkriegs spielt – die Möglichkeiten, die Justice League weiter vorzubereiten, sind damit eher begrenzt. Außerdem sehen die Suicide-Squad-Trailer und das, was wir von Wonder Woman in „Dawn of Justice“ gesehen haben, sehr vielversprechend aus. Wirklich Sorgen mache ich mir dann um „Justice League Part One“, bei dem wieder Zack Snyder Regie führt. Ich bin gespannt, ob und wie Warner auf die vernichtenden Kritiken reagiert. Auch der angekündigte Director’s Cut von „Dawn of Justice“ könnte zumindest interessant werden, da er dem Film tatsächlich helfen könnte, wenn er es schafft, die Struktur zu verbessern.

Fazit
An meinem ursprünglichen Fazit hat sich eigentlich nichts geändert, weshalb ich zum Schluss noch einmal auf einige Fan-Reaktionen eingehen möchte, die Kritikern vorwerfen, sie wollten nur einen Marvel-Film sehen, die DC-Filme seien düster und erwachsen, dies sei ein Film für die Comicfans etc. Ich hoffe, ich habe klar dargelegt, warum „Dawn of Justice“ für mich als Fan nicht funktioniert. Snyder, Goyer und Terrio mögen die Comics auf visueller Ebene zitieren, inhaltlich bleibt dies aber nur oberflächlicher Fanservice, da sie offenbar nicht begriffen haben (oder sich einfach nicht darum kümmern), was die Comics, die sie da zitieren, eigentlich aussagen. Und ich denke, niemand ist der Meinung, alle Superheldenfilme müssten wie die Streifen des MCU sein. Es geht nicht um die Prämisse bzw. die Stimmung an sich, sondern darum, wie sie umgesetzt wird. Die MCU-Filme sind im Großen und Ganzen selbstironischer, leichter und „heller“, während die (bisherigen) Filme des DCEU versuchen, düster, grimmig und ernsthaft zu sein – sie wären gerne eine Superheldencharakterstudie. Das Problem ist nicht, dass sie das versuchen, sondern dass sie an ihrer Prämisse ziemlich grandios scheitern. Wie dieses Vorhaben funktionieren kann, zeigen die Marvel-Serien von Netflix. So bleibt „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ein sowohl faszinierendes als auch unendlich frustrierendes misslungenes Projekt, ein widersprüchlicher Film, der gleichzeitig zu lang und zu kurz und zu vorlagentreu und zu abweichend ist.

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come
Brian Azzarellos Wonder Woman
Lex Luthor: Man of Steel
Batman v Superman: Dawn of Justice
Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

Blogparade: Jesus 2.0 – Die sieben besten Erlöser

Spoiler zu „Game of Thrones Staffel 5“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“

Die singende Lehrerin hat mal wieder zu einer interessanten Blogparade aufgerufen, dieses Mal passend zu Ostern mit dem Thema „messianische Erlöserfigur“. Auserwählte, die sich selbst opfern und mit ihrem Tod die Welt retten, gibt es für meinen Geschmack in der Populärkultur leider viel zu viele. Natürlich ist klar, weshalb: Die Passion Christi (ich meine nicht den Mel-Gibson-Film) ist nun mal eine der grundlegenden Geschichten der christlich geprägten Welt, und auch in anderen Erdteilen ist dieses Konzept alles andere als unbekannt. In der Zwischenzeit gibt es so viele Versionen des Pseudo-Jesus, dass das Konzept einfach nicht mehr interessant ist, besonders, weil kaum jemand es schafft, dem Ganzen eine neue Facette abzugewinnen. Wie dem auch sei, hier sind meine sieben Jesus-Verschnitte, die Reihenfolge ist willkürlich.

Anakin Skywalker („Star Wars“)
Die von Joseph Campbell dargestellte Heldenreisethematik und das Erlöserkonzept gehen oft Hand in Hand – nur allzu oft ist der arme Bauernjunge, der unverhofft zum Helden wird, auch gleich von Gott oder einer anderen höheren Macht auserwählt, die Welt zu retten oder, wie in diesem Fall, der Macht das Gleichgewicht zu bringen. Luke Skywalker würde sich im Kontext dieser Blogparade vielleicht auch anbieten, aber der eigentliche Auserwählte ist Anakin. Während die Jesus-Parallelen bei Luke eher subtil sind, hat sich George Lucas bei Anakin kaum zurückgehalten. Er ist der Auserwählte, dessen Ankunft vor tausenden von Jahren prophezeit wurde, das Resultat einer unbefleckten Empfängnis und am Ende opferte er sich schließlich, um das Böse endgültig in seine Schranken zu weisen. Gut, Jesus hat sich nie temporär mit Satan verbündet, Kinder abgeschlachtet und für eine brutale Diktatur Armeen in die Schlacht geführt, aber von diesen kleinen Details einmal abgesehen sind die Parallelen wirklich überdeutlich.

Frodo/Gandalf („Der Herr der Ringe“)
Professor Tolkien war überzeugter Katholik und das zeigt sich auch im „Herrn der Ringe“, wenn man zwischen den Zeilen liest. Allerdings hatte er auch eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Allegorien, weshalb sich zwar bei einigen Figuren seines Werkes gewisse Parallelen zu Jesus finden, aber keine wirklich als „Christus von Mittelerde“ gelten kann (anders als bei gewissen anderen Fantasy-Autoren). Frodo ist natürlich das offensichtlichste Beispiel, er durchlebt einen Leidensweg, um Mittelerde zu retten. Allerdings ist er keine wirklich messianische Figur, seine Ankunft wurde nicht prophezeit, er ist höchstens ein impliziter Auserwählter, primär gelangt er an den Ring durch Zufall (sofern wir hier nicht von einem göttlichen Plan ausgehen), behält ihn auch nur, weil es für die Freien Völker so am sichersten und stirbt auch keinen Opfertod inklusive Auferstehung, um die Welt zu erlösen. Sein Ende erinnert viel eher an das von König Artus, der auf Avalon Ruhe findet, um seine tiefen Wunden heilen zu lassen. Gandalf ist derjenige, der einen Opfertod stirbt, damit die Gefährten fliehen können, und dann wieder zurückkehrt, um seine Aufgabe zu vollenden. Diese Aufgabe ist im Vergleich zu Frodos allerdings sekundär, im Grunde verhindert nur Kollateralschäden und sorgt für Ablenkung. Bis auf Opfertod und Auferstehung hat Gandalf viel mehr mit dem nordischen Gott Odin oder dem finnischen Zauberer Vainämöinen gemein als mit Jesus.

Aslan („Die Chroniken von Narnia“)
C.S. Lewis war ein Zeitgenosse und Freund Tolkiens und nach seiner Konvertierung ebenso überzeugter Christ, wenn auch anglikanisch und nicht katholisch. Mit seiner siebenbändigen Narnia-Reihe hat er ebenfalls einen Klassiker der Fantasy-Literatur verfasst, anders als Tolkien arbeitet Lewis bezüglich der christlichen Inhalte aber mit dem Holzhammer. Aslan besitzt nicht nur Eigenschaften von Jesus, Aslan IST Jesus – C.S. Lewis hat selbst einmal erklärt, er habe sich überlegt, welche Gestalt Jesus wohl in einer anderen Welt, in diesem Fall Narnia, annehmen würde. Zwar mag er ein Löwe sein, aber ansonsten passt alles: Aslan ist der Sohn des Kaisers jenseits des Meeres (wer damit wohl gemeint sein könnte?) und in „Der König von Narnia“ opfert er sich, geht als Lamm zur Schlachtbank, wird gequält, hingerichtet, steht wieder auf und beißt der Weißen Hexe den Kopf ab. Alles vollkommen biblisch.

Harry Potter („Harry Potter“)
Und nochmal ein Auserwählter, der den Opfertod stirbt. Um ehrlich zu sein: Harry Potters Selbstopfer gehört zu den Aspekten, die mir „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ kräftig vermiest haben. Nicht nur ist diese Wendung, wie bereits erwähnt, in meinen Augen ziemlich ausgelutscht, Aufbau und Hinführung sind auch noch so fürchterlich schlecht konstruiert und uninspiriert (Stichwort Elderstab). Damit Jesus-Harry sich am Ende nicht selbst die Hände schmutzig macht, muss Voldemort von seinem eigenen Zauber getötet werden – schon wieder. Ich bin da immer noch traumatisiert.

Neo („Matrix“)
Selbst in einer von Maschinen beherrschten Welt, in der Gott eigentlich keine Rolle spielt (zumindest oberflächlich betrachtet), ist man vor einem Pseudo-Jesus nicht sicher. Die ganze Angelegenheit ist äußerst konfus, maschineninhärent und Wiedergeburt spielt offenbar auch eine Rolle, weil Neo der sechste Auserwählte ist und im Grunde nur als Systemneustart der Matrix funktionieren soll. Neo durchbricht jedoch den Kreislauf und, wie könnte es anders sein, opfert sein Leben, um die Menschheit zu retten. Er wird nicht ans Kreuz genagelt, sondern prügelt sich zu apokalyptisch-grandioser Musik mit Agent Smith und darf auch nicht wiederkommen (immerhin da sind die Wachowskis konsequent, jedenfalls bis Warner beschließt, dass ein weiteres Matrix-Sequel her muss), aber es ist trotzdem eine Holzhammer-Allegorie.

Superman („Superman“)
Eine weitere Figur mit mehr Jesus-Parallelen, als ihr gut tun. Das fängt schon beim kryptonischen Namen an: Kal-EL (hochsubtil). Für Supermans Ursprungsgeschichte haben seine Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster praktisch die Erzählungen von Moses und Jesus miteinander verknüpft und in ein Science-Fiction-Setting verfrachtet. In den Comics (zumindest den meisten) hat man sich inzwischen dankenswerterweise von der Jesus-Symbolik ein wenig distanziert, aber die diversen Filme tragen diesbezüglich noch einmal richtig dick auf. In Richard Donners „Superman“ von 1978 sagt Jor-El doch tatsächlich: „Live as one of them, Kal-El, to discover where your strength and your power are needed. But always hold in your heart the pride of your special heritage. They can be a great people, Kal-El, they wish to be. They only lack the light to show the way. For this reason above all, their capacity for good, I have sent them you… my only son.” Während das schon ziemlich plakativ ist, hat Zack Snyder aber wirklich den Vogel abgeschossen: „Man of Steel“ quillt nur so über vor Jesus-Symbolik. Superman hatte eine spezielle Geburt (das erste kryptonische Kind seit langer Zeit, das natürlich geboren wurde), ist in diesem Film 33 und wird ständig im Kontext christlicher Bildsprache gezeigt, als Kreuz, in der Kirchenszene sieht man seinen Kopf neben einer Abbildung Christi als Gleichgestellte etc. Damit auch wirklich der Letzte kapiert, was hier ausgedrückt werden soll. Und in „Batman v Superma: Dawn of Justice“ geht’s genau so weiter, Lex Luthor spricht ständig in religiösen Metaphern, der Kryptonitspeer erinnert an einen gewissen anderen Speer und dann ist da natürlich Supermans Opfertod samt angedeuteter Auferstehung. Als ob das noch nicht genug wäre, kam der Film auch noch in der Karwoche in die Kinos. Wirklich?

Azor Ahai („A Song of Ice and Fire“)
Der wahrscheinlich interessanteste Eintrag auf dieser Liste stammt aus Geore R.R. Martins nach wie vor unvollendeter Fantasy-Reihe (wo bleibt „The Winds of Winter“?). Azor Ahai ist ein legendärer Held, der viele tausend Jahre vor der eigentlichen Handlung der Romane gegen finstere Mächte kämpfte und seither als Messias-Figur für den Glauben der Roten Priester fungiert. Die Anhänger des Feuergottes R’hllor glauben, Azor Ahai würde eines Tages wiederkehren, um die Finsternis endgültig zu besiegen. Melisandre, die mit Abstand prominenteste Vertreterin dieser Religion in den Romanen, vermischt die Prophezeiung von Azor Ahais Wiederkehr mit einer anderen Weissagung bezüglich des „prince that was promised“, der zwischen Fels und Salz geboren und dessen Ankunft von einem roten Kometen begleitet wird. Melisandre selbst glaubt, Stannis Baratheon sei besagter Prinz und damit auch der wiedergeborene Azor Ahai. Es gibt jedoch diverse andere Kandidaten, nicht zuletzt Daenerys Targaryen oder Jon Snow. Da Letzterer am Ende von „A Dance with Dragons“ das zeitliche gesegnet hat, könnte er sogar wieder auferstehen, was ihn noch messianischer machen würde. Aber so wie ich George R.R. Martin kenne, wird die Antwort sicher nicht simpel sein und einen besonderen Twist haben.

Batman v Superman: Dawn of Justice

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Story:
18 Monate, nach dem die Kryptonier unter General Zod (Michael Shannon) die Erde angegriffen haben und von einem der Ihren besiegt wurden, ist Superman (Henry Cavill) eine höchst umstrittene Figur: Manche sehen den Mann aus Stahl als Erlöser, andere sind der Meinung, er sei eine globale Bedrohung für die Menschheit. Zu Letzteren gehört auch Bruce Wayne (Ben Affleck), der die Resultate des Kampfes zwischen Superman und Zod aus nächster Nähe miterlebt hat. Zufälligerweise ist er auch Batman, und als solcher hat er wohl am ehesten eine Chance, Superman zu besiegen, sollte er sich gegen die Menschheit wenden. Der Großindustrielle Lex Luthor (Jesse Eisenberg) sieht die Situation ganz ähnlich, arbeitet aber noch aktiver gegen den Mann aus Stahl und versucht, eine Superheldenkonfrontation herbeizuzwingen. Natürlich hat er auch noch einige zusätzliche Asse im Ärmel…

Kritik: Wie sich herausgestellt hat, sind Hollywood-Studios einfach nicht lernfähig: Mit „Batman v Superman: Dawn of Justice“ begeht Warner Bros. im Großen und Ganzen fast dieselben Fehler wie Sony mit „The Amazing Spider-Man 2“. Mit anderen Worten: Das erste Aufeinandertreffen der beiden ikonischen Figuren Batman und Superman ist ein Film, der ziemlich an Persönlichkeitsspaltung leidet und äußerst überladen wirkt – viele der Dinge, die ich im Vorfeld befürchtet hatte, sind tatsächlich auch eingetroffen.

Aber werfen wir zuerst einen Blick auf die Dinge, die mir gut gefallen haben. Vor allem in einem Punkt ist eine sehr deutliche Verbesserung gegenüber „Man of Steel“ spürbar: Die Kameraführung. Zum Glück hat Snyder dieses Mal auf die fürchterliche (und im Fall von „Man of Steel“ völlig nutzlose) Shaky-Cam verzichtet, sodass „Dawn of Justice“ sehr viel angenehmer zu schauen ist als der Vorgänger. Allgemein gilt: Stilistisch ist „Dawn of Justice“ näher an „Watchmen“ als an „Man of Steel“, was ich ebenfalls begrüße, denn bei Snyders Superman-Film bin ich einfach das Gefühl nicht losgeworden, dass er versucht hat, Nolans Stil zu kopieren. Auch einige der Darsteller haben ihre Sache wirklich gut gemacht, dazu gehören vor allem die drei Neuzugänge Ben Affleck, Gal Gadot und Jeremy Irons. Ich mochte den an „Batman: Earth One“ angelehnten, jüngeren und aktiveren Alfred, der eher Mechaniker denn Butler ist. Wonder Woman hatte noch keine wirklich große Rolle, weswegen dieses Urteil vielleicht ein wenig verfrüht ist, aber das, was von ihr zu sehen war, war doch schon sehr überzeugend. Und schließlich Ben Affleck, der wirklich gut als Bruce Wayne und Batman funktioniert, sowohl optisch als auch schauspielerisch. Leider ist die Figurenkonzeption wieder eine andere Geschichte… Und dann sind da noch einige wirkliche eindrucksvolle Set-Pieces, etwa die bereits aus dem letzten Trailer bekannte Bat-Rettung, DCs Trinität in Aktion und nicht zuletzt der titelgebende Kampf selbst, sofern man dessen Ende ausklammert.

Die Probleme des Films sind vor allem struktureller und narrativer Natur. Wie bei „The Amazing Spider-Man 2“ ist sehr deutlich, dass Warner unbedingt ein größeres Superheldenuniversum etablieren möchte, aber nicht die nötige Geduld dafür hat. „Dawn of Justice“ ist höchst inkohärent und unfokussiert, weil Snyder (und/oder Warner) zu viel gleichzeitig möchten: Der Film soll „Man of Steel“ fortsetzen, er soll Batman und Wonder Woman und ein größeres „DC Extended Universe“ etablieren und die Justice League vorbereiten. Und viel Action muss es auch noch geben. Nur leider schafft es das von David S. Goyer und Chris Terrio verfasste Drehbuch nicht, all das sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Vor allem im ersten Drittel werden viele interessante Punkte aufgeworfen, es wirkt mitunter, als reagiere „Dawn of Justice“ auf die kritische Rezeption des Vorgängers. Dabei gelingt es Snyder aber einfach nicht, einen guten narrativen Fluss in das Unterfangen zu bringen, die einzelnen Handlungsstränge wirken oft nur angerissen und nicht konsequent zu Ende gedacht. Eine der größten Schwächen des Films ist der von Jesse Eisenberg dargestellte Lex Luthor, der mir rundum überhaupt nicht gefallen hat. Eisenbergs Performance wirkt, vor allem wegen der Körpersprache und den Ticks, als versuche er, Heath Ledgers Joker zu kanalisieren, was für mich einfach nicht funktioniert. Außerdem bleibt er als Figur völlig flach und undurchsichtig. Warum hasst er Superman? Einfach aus Angst vor dem, was er tun könnte? Warum will er, dass Superman Batman tötet? Haben sie einen gemeinsamen Hintergrund? Luthor weiß, dass Bruce Wayne Batman ist. Woher? Und so weiter, und so weiter. Ganz allgemein gibt es ziemlich viele Logiklöcher und offene Fragen, nicht nur in Bezug auf Luthor.

Auch mit der Konzeption der beiden Hauptfiguren habe ich einige Probleme. Superman wirkt vor allem zu Anfang sehr selbstgerecht und arrogant. Er hadert mit sich, stellt sich interessante Fragen, aber letztendlich ist das eher Alibi-mäßig, denn eine wirkliche Entwicklung macht er nicht durch. Bruce Wayne ist da für mich nachvollziehbarer, vor allem dank der Szene zu Anfang, in der er die Schlacht zwischen Zod und Superman als Zuschauer miterlebt und die eine der besten des Films ist. Hier wird eindrücklich und intensiv die Hilflosigkeit Bruce Waynes vermittelt. Der weitere Aufbau der Figur, die Entwicklung bis zur Auseinandersetzung der beiden Superhelden, hätte zwar noch besser dargestellt werden können, ist aber doch recht funktional. Der Kampf selbst ist beeindruckend, endet dann aber sehr abrupt, und ganz plötzlich sind Batman und Superman auf derselben Seite. Auch hier wird die Charakterentwicklung nicht deutlich, sie macht einen Sprung, der besonders am Ende (das auch sehr problematisch ist und über das ich an anderer Stelle noch schreiben werde) sehr negativ auffällt. Außerdem finde ich die Kollateralschäden, die dieser Batman einzugehen bereit ist, irgendwie störend, das wirkt für mich ziemlich Out of Character. Ja, dieser Batman tötet. Und das ist wirklich eine essentielle Veränderung im Charakter der Figur. Insgesamt habe ich den Konflikt der Weltsichten vermisst. Wenn Batman und Superman in den Comics aneinander geraten, hängt das fast immer mit ihrer persönlichen Philosophie und Weltsicht zusammen. Gewisse Ansätze waren da, aber wie so vieles bleiben sie unterentwickelt. Oft fand ich die Figuren in ihrer Konzeption nicht recht greifbar, was es mir schwerer gemacht hat, mich emotional auf sie einzulassen (dieses Problem war auch in „Man of Steel“ schon vorhanden). Die mangelnde emotionale Kapazität des Films könnte natürlich auch mit dem Score von Hans Zimmer und Junkie XL zusammenhängen, den ich ziemlich fürchterlich fand.

Und dann wären die diversen DC-Tie-ins, die sehr ungeschickt und unmotiviert platziert wurden. Wie gesagt, ich mochte Wonder Woman, aber im Grunde ist sie für diesen Film fast überflüssig. Die Cameo-Auftritte einiger anderer DC-Figuren sind extrem plump und haben im Grunde wirklich keinen anderen Zweck, als die Justice-League anzuteasern. Ebenso wirkt „Bat Max: Fury Road“ eher verwirrend denn erhellend. So uninspiriert Thors Ausflug in die Nornenhöhle in „Age of Ultron“ auch war, immerhin hat Joss Whedon es geschafft, ihr ein wenig Plotrelevanz zu verpassen.

Fazit: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist visuell beeindruckend und hat durchaus gelungen Elemente, vor allem Ben Affleck als Batman, hat aber einige massive Plot- und Drehbuchprobleme. Der Film soll zu viel leisten und arbeitet alles letztendlich nur sehr halbherzig ab, besonders die Charakterisierung von Batman, Superman und Lex Luthor erweist sich öfter als problematisch. Letztendlich sind hier zu viele Filme in einem gelandet.

Trailer

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come
Brian Azzarellos Wonder Woman
Lex Luthor: Man of Steel

Siehe auch:
Man of Steel

Lex Luthor: Mann aus Stahl

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Lex Luthor ist ein sehr interessantes Objekt, um die Entwicklung von Superheldencomics zu betrachten, speziell, wenn es um Schurken geht. In früheren Zeiten hatte Lex Luthor eine sehr einfache, wenn auch ziemlich alberne Motivation: Er und Superman kannten sich als Teenager in Smallville, bei einem Unfall verlor Lex Luthor seine Haare, und für diesen Unfall machte er Superman verantwortlich. In den Comics der Silver Age betätigte Luthor sich entweder als verrückter Wissenschaftler und ließ irgendwelche gezüchteten oder mechanischen Absonderlichkeiten auf Superman los, oder er versuchte, dem Mann aus Stahl mithilfe seiner grünen, Iron-Man-ähnlichen Rüstung auf den Leib zu rücken. Beides kommt durchaus in modernen Comics noch vor, wenn auch weniger albern, was sich aber fundamental geändert hat, ist die Motivation.

Ich habe Lex Luthor in zwei Inkarnationen kennen gelernt. Zum einen hätten wir da den von Gene Hackman dargestellten Lex aus den Christopher-Reeve-Filmen, den ich nie wirklich ernst nehmen konnte. Diese Version der Figur hat es vor allem auf Landbesitzt abgesehen, im ersten Superman-Film von 1978 versucht er, die San Andreas Verwerfung durch ein künstliches Erdbeben zu zerstören, um den Wert seines Landbesitzes ins Unermessliche zu steigern. Ganz ähnlich denkt auch der von Kevin Spacey dargestellte Luthor in „Superman Returns“: Hier versucht er, mithilfe von kryptonischen Kristallen einen neuen Kontinent zu erschaffen. In beiden Fällen ist Luthor nicht wirklich ernst zu nehmen und erinnert an einen eher albernen Bondschurken. Um ehrlich zu sein, ich kann mit dieser Version der Figur kaum etwas anfangen. Der Lex Luthor, den ich bevorzuge, stammt aus „Superman: The Animated Series“ und den Comics der 90er: Der skrupellose Geschäftsmann und Meistermanipulator, dem man nie etwas nachweisen kann und der eine ziemlich komplexe Motivation besitzt. Genau diese Version der Figur erforschen Brian Azzarello und Lee Bermejo in ihrer fünfteiligen Miniserie „Lex Luthor: Mann aus Stahl“, deren Lektüre sich für alle lohnt, die sich mit der Persönlichkeit von Supermans Erzfeind beschäftigen wollen.
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Die Miniserie schildert im Grunde einen Tag im Leben von Lex Luthor und zeigt ihn als komplexen Charakter mit nachvollziehbarer Motivation. Er sieht Superman als Bedrohung für die Größe des Menschen, als falschen Erlöser. In Luthors Augen ist Superman ein emotionsloses Alien, das das menschliche Potential einschränkt. Dementsprechend sehen wir Superman in diesem Comic auch durch Luthors Augen: Sein Gesicht zeigt selten Emotionen und ist meistens im Schatten, seinen Augen glühen fast immer rot und er spricht kaum ein Wort. Entweder, man sieht ihn in Aktion, oder er schwebt stumm über allem, als ständige, unmenschliche Bedrohung.

Im Gegensatz dazu ist Lex Luthor hier eine komplexe Figur, deshalb aber kaum weniger schurkisch. Luthor sieht sich selbst als Held, als ein Vordenker, der das Menschliche Potential ausnutzt, um das bevormundende Alien zu bekämpfen. Vor allem zu Beginn ist Luthor fast sympathisch, er kümmert sich um seine Angestellten, ist intelligent, charmant und scharfsinnig und man muss zugeben, seine Argumente haben durchaus Hand und Fuß. Im Verlauf des Comics gehen gehen seine Taten und sein Innerer Monolog allerdings immer weiter auseinander. Azzarello zeigt gekonnt, was für ein Kontrollfreak Luthor ist und wie weit er geht, um in allen Bereichen die Kontrolle zu besitzen. So erschafft er einen weiblichen Androiden mit Superkräften, der Superman ersetzen soll, verliebt sich sogar in ihn (während er seine Sekretärin, die sehr viel für ihn übrig hat, die er aber nicht kontrollieren kann, völlig ignoriert), nur um ihn dann zu zerstören, als es passend ist. Der Hass auf Superman rührt letztendlich daher, dass Luthor ihn einfach niemals beherrschen kann. Und ein wenig Eifersucht ist natürlich auch mit im Spiel.

Nach allem, was ich bisher weiß, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich Zack Snyder, David S. Goyer und Chris Terrio bei der Konzeption von Lex Luthor in „Batman V Superman: Dawn of Justice“ bei Azzarellos Miniserie inspiriert haben. Das bisherige Material weist zwar nicht auf optische Parallelen hin, und auch bezüglich des Auftretens scheint es einige Unterschiede zu geben, aber gerade bei Motivation und persönlicher Philosophie scheint es einige Gemeinsamkeiten zu geben. Besonders interessant ist auch, dass Batman hier einen, wenn auch kurzen, Auftritt hat. Bruce Wayne und Lex Luthor haben an einer Stelle ein interessantes Gespräch, das inhaltlich durchaus zu „Batman V Superman“ passt, vor allem folgendes Zitat: „Was, wenn [Superman] seine Meinung ändert? Wenn er heute auf uns herabsieht und entscheidet, dass wir nicht fähig sind, unser Schicksal zu lenken? Wenn er morgen aufwacht und glaubt, er weiß, was das Beste für uns ist? Dass es nicht reicht, die Welt zu schützen? Wenn er herrschen will? Alles, was wir gegen so etwas als Sicherheit besitzen ist sein Wort.“ Während dieses Gesprächs gibt Luthor Bruce ein Stück Kryptonit und parallel dazu wird ein Kampf zwischen Batman und Superman gezeigt, in welchem Ersterer versucht, das Kryptonit einzusetzen, was aber kaum gelingt. Dieser Kampf bleibt sehr rätselhaft, denn es gibt keinen Dialog und kaum Kontext. Ist Superman sauer, weil Batman von Lex Luthor Kryptonit angenommen hat? Gibt es einen anderen Grund für die Differenz, der nicht angesprochen wird? Spielt sich das Ganze nur in Luthors Vorstellung ab, weil er weiß oder ahnt, dass Bruce Wayne und Batman dieselbe Person sind?
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Lee Bermejos Zeichnungen passen exzellent zu dieser abgründigen Charakterstudie, sein Stil ist sehr düster und grimmig. Bermejo wechselt dabei immer zwischen sehr aufwändigen Beinahe-Gemälden und etwas weniger aufwendigen, gröberen Zeichnungen, was einen interessanten Kontrast schafft. Wie bereits erwähnt ist Superman hier optisch weit vom üblichen Superpfadfinder entfernt, er lächelt nie, ist immer von Schatten umgeben und sieht entweder emotionslos oder grimmig aus. In einem normalen Superman-Comic wäre diese Darstellung fehl am Platz, schließlich ist der Mann aus Stahl nicht Batman, aber in einer Geschichte aus Luthors Perspektive ist sie genau richtig.

Fazit: „Lex Luthor: Mann aus Stahl“ ist ein gelungener Einblick in den Charakter und die Psyche von Supermans Erzfeind, wer sich mit der Figur beschäftigen möchte, kommt an dieser Miniserie nicht vorbei.

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come
Brian Azzarellos Wonder Woman