Der Glöckner von Notre Dame – Musical

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Ein Disney-Film, der als Bühnenmusical adaptiert wird, ist tatsächlich nichts allzu Besonderes: Egal ob „Der König der Löwen“, „Aladdin“ oder „Die Schöne und das Biest“, viele beliebte Zeichentrickfilme wurden bereits am Broadway aufgeführt und fanden anschließend ihren Weg nach Deutschland. Besagte Filme wurden dabei natürlich den Gegebenheiten der Bühne angepasst, mit neuen Liedern bestückt, insgesamt aber nicht allzu sehr verändert. „Der Glöckner von Notre Dame“, seit dem 18. Februar 2018 in Stuttgart im Apollo Theater zu sehen, ist da in zweierlei Hinsicht ein interessanter Sonderfall. Zuerst wäre da eine äußerst interessante Wechselwirkung zwischen Deutschland und den USA: 1996 kam „Der Glöckner von Notre Dame“ als Zeichentrickfilm ins Kino – ein etwas ungewöhnlicher Stoff für einen Disney-Film, schließlich ist die Vorlage, der Roman von Victor Hugo aus dem Jahre 1831 (Originaltitel: „Notre Dame de Paris“), weder besonders märchenhaft noch kindgerecht, sondern beschäftigt sich mit Themen wie Lust, Verdammnis und gotischer Architektur. Disney bemühte sich zwar, diese Geschichte kindgerechter zu gestalten, machte aus Hugos fast schon depressivem Schluss ein Happy End, verwandelte den zwielichtigen Hauptmann Phoebus in eine eindeutig heroische Figur und fügte noch drei lebendig gewordene Wasserspeier hinzu, die für mehr Humor sorgten, doch trotz all dieser Maßnahmen ist Disneys „Der Glöckner von Notre Dame“ noch eine ziemlich düstere Angelegenheit, zumindest gemessen an den anderen Zeichentrickfilmen des Meisterwerke-Kanons. Das blieb nicht folgenlos – nach Disney-Standards war „Der Glöckner von Notre-Dame“ fast schon ein Misserfolg. Dennoch entschloss man sich bei Disney, eine Musical-Adaption in Auftrag zu geben, allerdings nicht für Amerika oder den Broadway, sondern für Deutschland, das Land, in dem der Film am erfolgreichsten war. Alan Menken und Stephen Schwartz, die bereits die Lieder für den Film verfasst hatten, schrieben einige neue Songs, die von Michael Kunze ins Deutsche übertragen wurden. Dieses Musical lief in im Theater am Potsdamer Platz in Berlin von 1999 bis 2002 und folgt der Handlung des Films relativ genau, nähert sich im Tonfall allerdings Hugos Romanvorlage an. Die markanteste Änderung ist das Ende, denn anders als im Film stirbt Esmeralda im Musical. Dieses Stück bildete die Grundlage für die amerikanische Version, die allerdings ziemlich lange auf sich warten ließ – erst 2014 wurde Premiere gefeiert, und das auch nicht am Broadway, sondern im La Jolla Playhouse in San Diego, Kalifornien. 2017 kehrte „Der Glöckner von Notre Dame“ schließlich nach Deutschland zurück, um zuerst in Berlin, dann in München und schließlich in Stuttgart gespielt zu werden. Die neue deutsche Version entspricht genau der amerikanischen (beide wurden von Scott Schwartz inszeniert), die sich noch weiter vom Film entfernt und noch mehr Elemente aus Hugos Roman integriert.

Claude (Felix Martin) und Jehan Frollo (Nico Schweers) wachsen nach dem Tod ihrer Eltern beide in Notre Dame auf. Während Claude Priester wird, kommt Jehan mit dem strikten Lebensstil nicht klar und brennt mit einer Zigeunerin durch. Erst viele Jahre später findet der zum Erzdiakon der Kathedrale aufgestiegen Claude seinen Bruder wieder. Dieser liegt im Sterben, vertraut Claude aber seinen Sohn, ein missgestaltetes Baby an. Widerwillig adoptiert Claude seinen Neffen, nennt ihn Quasimodo und zieht ihn verborgen in der Kathedrale auf, wo er ihn zum Glöckner macht. Zwanzig Jahre später sehnt sich Quasimodo (David Jakobs) danach, Notre Dame zu verlassen und am jährlich stattfindenden Fest der Narren teilzunehmen. Entgegen den Befehlen seines Meisters Frollo schleicht sich Quasimodo hinaus, wird aber von der geifernden Menge bis aufs Blut gedemütigt. Nur die Zigeunerin Esmeralda (Mercedesz Csampai) hat Mitleid mit ihm, weshalb sich Quasimodo in sie verliebt. Aber auch Phoebus (Maximilian Mann), der Hauptmann der Kirchengarde, und Frollo werden von der schönen Zigeunerin verzaubert – und vor allem Letzterer tut nun alles, um seine Gelüste zu befriedigen und Esmeralda in seine Finger zu bekommen, und wenn er dafür ganz Paris niederbrennen muss…

Die Geschichte, die das Musical erzählt, ist natürlich nur allzu bekannt, wirkt aber gerade in diesen Zeiten wieder äußerst aktuell, wenn auch hin und wieder eine Spur zu plakativ. Dennoch ist es ohne Zweifel eine gelungene Entscheidung, Frollo fast schon zur Hauptfigur zu machen. Gerade im Vergleich zum Film wird der Schurke weitaus differenzierter, mitunter sogar verletzlicher gezeichnet, wodurch sein langsamer Abstieg in den Wahnsinn noch intensiver wirkt. Im Film wurde die komplexe Romanfigur des Erzdiakon Frollo, die durchaus zu Gnade und Mitleid fähig ist, quasi zweigeteilt. Alle negativen Eigenschaften erhielt der weltliche Richter Frollo, während alle positiven Eigenschaften dem namenlosen Erzdiakon von Notre Dame zugeteilt wurden. Im Musical ist Frollo nun selbst wieder Erzdiakon und gleicht somit mehr der Romanfigur. Über all das wird der eigentliche Titelheld des Stücks zum Glück nicht vergessen, seine Entwicklung wird eindringlich und nachvollziehbar dargestellt. Auch Quasimodo erhält einige Eigenschaften seines Buchgegenstücks zurück, etwa die partielle Taubheit oder die eingeschränkte Sprachfähigkeit – nur in seinen Liedern drückt er sich deutlich und einwandfrei aus.

„Der Glöckner von Notre Dame“ ist ein Stück, das sehr offen mit seiner eigenen Natur umgeht – notgedrungen, könnte man fast sagen, da es sehr schwer ist, diese Geschichte auf andere Weise umzusetzen. Das fällt besonders auf, da der Chor, ganz ähnlich wie bei einer antiken Griechischen Tragödie, immer auf der Bühne präsent ist und sich mitunter aus den Darstellern zusammensetzt, deren Rolle gerade nicht auf der Bühne benötigt wird. Das Bühnenbild selbst erlebt nur recht wenig Variation, gerade im Vergleich zu einem Musical wie „Tanz der Vampire“ mit seiner dynamischen Drehbühne. Das Bühnenbild wird stets vom ikonischen runden Fenster von Notre Dame dominiert und wirkt auch sonst wie das Innere einer Kathedrale. Verschiedene Lokalitäten werden durch einzelne Veränderungen und zusätzliche Elemente angedeutet: In Quasimodos Glockenturm hängen natürlich Glocken von der Decke, für das Fest der Narren wird eine bunte Bühne aufgebaut, Brüstungen, Geländer und Kerkertüren werden von Chormitgliedern gebracht und wieder entfernt. Dieses Konzept geht insgesamt ziemlich gut auf, wirkt in sich stimmig und atmosphärisch und schafft es, die Geschichte, die Musik und die Darsteller in den Vordergrund zu rücken. Letztere wissen durchweg zu überzeugen, vor allem Mercedesz Csampai ist als Esmeralda wirklich beeindruckend. Felix Martin in der Rolle des Frollo ist zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn man Tony Jay (im Zeichentrickfilm) oder Patrick Page (in der amerikanischen Produktion) gewohnt ist – Martin interpretiert die Rolle doch ein wenig anders, weniger selbstsicher und grausam. Aber allerspätestens bei Das Feuer der Hölle – das Paradestück nicht nur dieser Rolle, sondern des gesamten Musicals – zeigt sich, dass Martin sehr wohl als Frollo zu überzeugen weiß. Erfreulicherweise gelingt es auch Chor und Orchester sehr gut, die bombastische, liturgische Wucht von Alan Menkens Musik vermitteln, sodass eindringliche Gänsehautmomente garantiert sind. Einziger wirklicher Kritikpunkt: Die Übersetzung der englischen Texte ist manchmal ein wenig holprig. In großen Teilen bediente man sich der Übersetzung von Michael Kunze aus der ursprünglichen Musicalfassung, die aber oft noch angepasst wurde. Warum The Bells of Notre Dame nun allerdings Der Klang von Notre Dame heißt, ist ein wenig schleierhaft.

Fazit: Extrem gelungenes Disney-Musical, das die Vorzüge und die Musik des Films exzellent mit der Stimmung des Romans verbindet. Gerade Live ein Erlebnis, das man sich als Fan nicht entgehen lassen sollte.

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Disneys Der Glöckner von Notre-Dame

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„Der Glöckner von Notre-Dame“ ist mein Lieblings-Disney-Film. Daraus sollte man allerdings nicht den Schluss ziehen, dass ich ihn auch für den besten Disney-Film halte. Viel eher ist er, mit all seinen Stärken, Schwächen, seiner Beziehung zur Vorlage und der Metamorphose, die er durchlaufen hat, seit er ins Kino kam, in meinen Augen der interessanteste Disney-Film – hier lohnt sich fraglos eine ausgiebige Betrachtung.

Roman und Film
Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“ ist ein umfassender und sehr düsterer Roman um Liebe, Lust, Architektur, Ausgrenzung, Religion, Architektur, Korruption, Hass, und, ach ja, Architektur. Als solcher ist er vielleicht nicht unbedingt die beste Vorlage für einen Disney-Zeichentrickfilm. Das Endprodukt leidet schon fast an Persönlichkeitsspaltung: Einerseits haben die Verantwortlichen sehr viel geändert, es findet sich der für Disney typische Humor, das Happy-End, lustige Tiere und Sidekicks, die komplexe Handlung wurde sehr stark vereinfacht, aber trotz allem ist immer noch genug von der Essenz des Romans vorhanden, um diesen zum wahrscheinlich düstersten Film des Meisterwerke-Kanons zu machen. Man merkt, dass dies ein Herzensprojekt der Macher war und sie, um es umzusetzen, bereit waren, Kompromisse einzugehen. Das Endergebnis ist ein sehr unebener, aber eben auch ein sehr mutiger Film.

Vom eigentlichen Plot des Romans wurden diverse Figuren und Eckpunkte mehr oder weniger getreu übernommen: In Notre-Dame lebt der bucklige Glöckner Quasimodo (Tom Hulce) unter Aufsicht des frommen Claude Frollo (Tony Jay). Am Tag des Narrenfestes zeigt sich Quasimodo und wird zum König der Narren gewählt, aber bereits kurz darauf von der Menge verspottet und gedemütigt. Nur die Zigeunerin Esmeralda (Demi Moore) zeigt sich mitfühlend und hilft ihm, wobei sie Frollo verspottet. Sowohl Quasimodo als auch Frollo und der Gardehauptmann Phoebus (Kevin Kline) verlieben sich in die Zigeunerin. Dieses Verlangen stürzt Frollo in einen tiefen Konflikt und er versucht, Esmeralda mit allen Mitteln in seine Gewalt zu bringen. Die Inhaltsangabe könnte noch sowohl für den Roman als auch für den Film funktionieren, sonst finden sich allerdings sehr viele Änderungen, vor allem bezüglich der Figuren.

Zwei Charaktere, die im Roman sehr wichtig sind, fehlen im Film beispielsweise vollkommen: Jehan Frollo du Moulin, Claude Frollos jüngerer Bruder, der von Frömmigkeit nichts hält, und Pierre Gringoire, ein erfolgloser Dichter, der sich, wie die meisten anderen männlichen Figuren des Romans auch, in Esmeralda verliebt. Als er allerdings letztendlich die Wahl hat, rettet er lieber die Ziege Djali.

Die Figuren, die es in den Film geschafft haben, unterscheiden sich mitunter sehr stark von ihren Romangegenstücken. So ist Phoebus bei Hugo keineswegs ein strahlender Held, sondern ein ziemliches Arschloch, das mit einem Mädchen namens Fleur de Lys verlobt ist und Esmeralda nur wegen ihrer Schönheit begehrt. Quasimodo selbst ist im Roman wegen des Glockengeläuts so gut wie taub und spricht gebrochen, während Esmeralda gerade einmal sechzehn Jahre alt und darüber hinaus sehr unschuldig, naiv und abergläubisch ist. Es gibt noch einen Subplot über ihre Herkunft, der im Film, wie die beiden oben erwähnten Figuren, völlig ausgelassen wurde. Und dann wäre da noch Frollo, der in der Vorlage ein weitaus komplexerer Charakter ist als in der Adaption. Im Disney-Film wurde die Romanfigur quasi aufgespalten, zum einen in Richter Frollo und zum anderen in den namenlosen Erzdiakon, der verhindert, dass Frollo Quasimodo ertränkt. Im Roman ist Frollo selbst Erzdiakon von Notre-Dame und verhältnismäßig mitfühlend, tatsächlich adoptiert er Quasimodo völlig ohne moralische Erpressung und er ist es, der verhindert, dass die Bürger von Paris ihn während des Narrenfestes quälen. Alle positiven Eigenschaften des Buch-Frollo wurden im Film auf den namenlosen Erzdiakon übertragen. Es sollte auch erwähnt werden, dass Frollo im Roman gerade einmal fünfunddreißig ist und auch großes Interesse an Alchemie und Magie hat – dass Letzteres nicht im Film gelandet ist, finde ich allerdings ziemlich gut, denn sonst wäre Frollo Dschafar vielleicht zu ähnlich. Obwohl Film-Frollo weniger vielschichtig ist als Buch-Frollo, ist er doch für einen Disney-Schurken immer noch ziemlich komplex, und darüber hinaus sogar um einiges böser als sein Gegenstück: Im Roman führt Frollo weder ethnische Säuberungen durch, noch plant er einen Genozid oder tötet Quasimodos Mutter. Er mag zwar weniger komplex sein als das Roman-Äquivalent, aber dennoch ist Frollo als Schurke so gelungen, weil man ihn ernst nehmen kann. Zauberer mit Kobrastab, böse Hexen, die wie Tintenfische aussehen oder sich in Drachen verwandeln findet man insgesamt in der Realität eher selten, aber Menschen wie Frollo hat es gegeben und gibt es immer noch – für einen Disney-Film ist Frollo ein fast schon unangenehm realistischer Bösewicht, und genau das macht seine Faszination aus. Die Essenz des Romans findet sich vor allem in Frollo, aber auch einigen anderen Elementen des Films. Die Atmosphäre ist grandios, die Liebe zum Detail in der Darstellung Notre-Dames ist beeindruckend und dann ist da natürlich noch die Musik…

Alan Menkens Meisterwerk
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Track Listing:

01. The Bells of Notre Dame
02. Out There
03. Topsy Turvy
04. Humiliation
05. God Help the Outcasts
06. The Bell Tower
07. Heaven’s Light/Hellfire
08. A Guy Like You
09. Paris Burning
10. The Court of Miracles
11. Sanctuary!
12. And He Shall Smite the Wicked
13. Into the Sunlight
14. The Bells of Notre Dame (Reprise)
15. Someday – performed by All-4-One
16. God Help the Outcasts – performed by Bette Midler

Oberflächlich betrachtet folgen Alan Menken und Stephen Schwartz mit „Der Glöckner von Notre-Dame“ der Standard-Disney-Formel: Es gibt die große, opulente Eröffnungsnummer (The Bells of Notre-Dame), den Schurken-Song (Hellfire), den Ich-will-Song des Helden (Out There), drei eher humoristische Lieder (Topsy Turvy, A Guy Like You, Court of Miracles) und die emotionalen bzw. romantischen Stücke (God Help the Outcasts, Heavens’s Light). Allerdings, mit einer Ausnahme, holen Schwartz und Menken alles aus dieser Formel heraus. Diese Ausnahme ist A Guy Like You, das höchst anachronistisch ist und aus den anderen Liedern des Films unangenehm heraussticht.

Alle anderen jedoch sind gut bis grandios. Das zeigt sich bereits am Anfang: The Bells of Notre-Dame gibt den musikalischen und atmosphärischen Ton des Films vor. Während viele andere Disney-Eröffnungsnummern, etwa Circle of Life oder Arabian Nights, sich damit begnügen, lediglich die richtige Atmosphäre zu schaffen, erzählt The Bells of Notre-Dame zusätzlich die Vorgeschichte und rückt die Kathedrale effizient und elegant in den Mittelpunkt. Topsy Turvy, Court of Miracles und God Help the Outcasts funktionieren alle hervorragend, die wirklich herausragenden Nummern, Out There und Heaven’s Light/Hellfire sind aber beide dualistischer Natur. In beiden Fällen nutzen Schwartz und Menken die Gelegenheit, um Frollo und Quasimodo miteinander zu vergleichen, denn in beiden Fällen greift einer das Lied des anderen auf und dreht es um. Out There beginnt mit Frollo, der davon singt, wie grausam die Welt ist. In der zweiten Hälfte nimmt Quasimodo dieselbe Melodie, gibt ihr eine sehr viel positivere Ausrichtung und singt davon, wie sehr er sich wünscht, die Außenwelt kennen zu lernen und wie grandios das sein wird. Ähnlich ist es bei Heaven’s Light/Hellfire, auch wenn es sich hierbei um unterschiedliche, wenn auch verwandte Melodien handelt. Zuerst singt Quasimodo von seiner Liebe zu Esmeralda, die unschuldig und rein ist. Frollos Hellfire ist ein dunkler Spiegel, der Richter hadert mit sich und seiner Lust und beschließt am Ende, das Esmeralda ihm gehören muss, egal um welchen Preis.

Lieder und Score sind eng miteinander verbunden, so fungiert die Melodie von Out There beispielsweise als Quasimodos Leitmotiv, und im Gegenzug hat Menken einige der liturgischen Leitmotive des Scores in die Lieder eingebunden, etwa das chorale, wortlose Hauptthema (zu hören in The Bells of Notre-Dame bei 0:30, 3:50, 6:06, Hellfire bei 5:07, Paris Burning bei 0:34 oder Sanctuary! bei 5:48, um nur ein paar Beispiel zu nennen), das Dies-Irae-Motiv (The Bells of Notre-Dame bei 3:02, Paris Burning gleich am Anfang) oder das Kyrie-Eleison-Motiv (The Bells of Notre-Dame bei 2:35, Paris Burning bei 1:33). Das sorgt dafür, dass Lieder und Score wie aus einem Guss wirken und exzellent zusammen passen. Von allem, was Alan Menken für Disney geschrieben hat, ist „Der Glöckner von Notre-Dame“ nach wie vor mein Favorit, kaum ein anderer Disney-Score ist derart bombastisch und mitreißend.

Das deutsche Musical
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Track Listing:

01. Die Glocken Notre-Dames
02. Zuflucht
03. Draußen
04. Tanz auf dem Seil
05. Ein bisschen Freude
06. Drunter – Drüber
07. Hilf den Verstoss’nen
08. Hoch über der Welt
09. Das Licht des Himmels
10. Das Feuer der Hölle
11. Esmeralda
12. Trommeln in der Stadt
13. Ein Mann wie du
14. Weil du liebst
15. Tanz der Zigeuner
16. Weil du liebst (Reprise)
17. Wie aus Stein
18. Einmal
19. Finale Ultimo

Disneys Versuch, Victor Hugos Roman als Zeichentrickfilm umzusetzen, war eher weniger von Erfolg gekrönt: Viele Zuschauer, die nur einen weiteren, netten Disneyfilm sehen wollten, waren irritiert von der düsteren und erwachsenen Ebene, während Liebhaber der Vorlage von den Anpassungen abgestoßen wurden. Interessanterweise war das Land, in dem Disneys „Glöckner“ am erfolgreichsten war, Deutschland. Schon zuvor hatte Disney diverse Filme als Musical umgesetzt, und auch beim „Glöckner“ ging man so vor, brachte es aber, wegen des oben erwähnten Erfolges, erst einmal nur in Deutschland auf die Bühne. Das Musical „Der Glöckner von Notre-Dame“ lief von 1999 bis 2002 in Berlin und verschwand danach in der Versenkung. Das Buch stammt von James Lapine („Into the Woods“), die deutschen Liedtexte verfasste Michael Kunze („Tanz der Vampire“) und Alan Menken steuerte einige neue Lieder bei.

Während das Musical dem Film eigentlich ziemlich genau folgt, nähert es sich bezüglich Atmosphäre und Figurenzeichnung wieder stärker dem Roman an – am auffälligsten ist diesbezüglich, dass Esmeralda am Ende nicht überlebt. Insgesamt ist der Tonfall ernster und düsterer, der Humor weniger überdreht und grimmiger, und die Wasserspeier sind weniger dominant und existieren nun ganz eindeutig nur in Quasimodos Einbildung. Der Glöckner selbst ist hier, wie im Roman, des Sprechens nur bedingt mächtig, lediglich in seinen Liedern drückt er sich flüssig aus. Phoebus erinnert auch wieder mehr an das Buchgegenstück und macht eine stärkere Entwicklung durch, während Frollo etwas differenzierter gezeichnet wird.

Ein Lied, Court of Miracles, wurde vollständig entfernt, dafür kommen sowohl neue Lieder als auch melodische, besungene Motive hinzu, die je nach Bedarf in andere Lieder eingearbeitet werden können. Ein Beispiel hierfür ist die Zufluchts-Melodie, die in Zuflucht (eigentlich die erste Hälfte von Out There, bei 1:22) oder Finale Ultimo (5:41) auftaucht. Tanz auf dem Seil dient als Einführungsstück für Esmeralda, die Melodie, die in der zweiten Hälfte dieses Liedes vorgestellt wird, wird in Esmeralda wieder aufgegriffen und voll ausgeschöpft. Ein bisschen Freude ist ebenfalls ein neues Vorstellungslied, dieses Mal für Phoebus, und basiert auf dem Leitmotiv des Gardehauptmanns aus dem Score des Films (zu hören beispielsweise in Paris Burning bei 0:41, Sanctuary! bei 5:12 oder Into the Sunlight bei 0:55). Hoch über der Welt ist ein neues Duett zwischen Quasimodo und Esmeralda. Wie schon Out There wurde auch Heaven’s Light/Hellfire aufgespalten. Es folgt das bereits erwähnte Esmeralda, das sich inhaltlich mit dem Score-Stück Paris Burning deckt. Trommeln in der Stadt basiert auf einem Motiv aus Sanctuary! und fungiert als Eröffnung des zweiten Aktes, in Weil du liebst versucht Phoebus Quasimodo zu überreden, mit ihm Esmeralda vor Frollo zu warnen und Tanz der Zigeuner ist ein Instrumentalstück, das Court of Miracles ersetzt. Wie aus Stein ist ein neues Sololied für Quasimodo und der wahrscheinlich beste Neuzugang. Einmal, bzw. die englische Version Someday, wurde von Alan Menken ursprünglich für den Film, genauer die Kirchenszene, in der jetzt God Help the Outcasts erklingt, komponiert, dann aber gestrichen und als Abspannlied verwendet (in einer fürchterlichen Pop-Version von All-4-One). Im Musical findet es nun einen neuen Platz kurz vor dem Finale und dient Phoebus und Esmeralda zur Reflexion über ihr Schicksal. Finale Ultimo schließlich verarbeitete die Score-Tracks Sacntuary!, He Shall Smite the Wicked, Into the Sunlight und The Bells of Notre-Dame (Reprise) und greift noch einmal fast alle wichtigen Melodien zumindest kurz auf.

Ich muss zugeben, dass ich das Musical während seiner Laufzeit nie gesehen habe, ich besitze lediglich die Cast-Aufnahme und habe mir eine abgefilmte Version auf Youtube angesehen. Insgesamt zeigt das Musical durchaus gut, wie die Probleme des Films verbessert werden können, gleichzeitig habe ich allerdings ein paar Probleme mit der Umsetzung. Da wäre zuerst die deutsche Version, bzw. die deutschen Texte von Michael Kunze, die manchmal sehr holprig und unelegant klingen. Die Texte der deutschen Filmsynchro waren zwar ein wenig kindgerechter, aber auch passender und flüssiger. Leider finde ich auch die Besetzung des Musicals nicht allzu gelungen. Das trifft besonders auf Frollo (Norbert Lamla) und Clopin (Jens Janke) zu, die meilenweit hinter Tony Jay und James Kendall zurückbleiben.

Das englische Musical
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Track Listing:

01. Olim
02. The Bells of Notre-Dame
03. Out There
04. Topsy Turvy Part 1
05. Rest and Recreation
06. Rythm of the Tambourine
07. Topsy Turvy Part 2
08. Notre-Dame (Intro)
09. God Help the Outcasts
10. Top of the World
11. Tavern Song (Thai Mol Piyas)
12. Heaven’s Light
13. Hellfire
14. Esmeralda
15. Entr’act
16. Flight Into Egypt
17. The Court of Miracles
18. In a Place of Miracles
19. Justice in Paris
20. Someday
21. While the City Slumbered
22. Made of Stone
23. Finale

Kommen wir nun zum eigentlichen Anlass dieses Artikels. Nach der Absetzung des durchaus erfolgreichen deutschen Musicals überlegte man bei Disney, ob und wenn ja wie man diesen Stoff an den Broadway bringen könnte. Man kam allerdings zu keinem Ergebnis und so verblieb „Der Glöckner von Notre-Dame“ mehr als zehn Jahre lang im Theater-Limbo, auch wenn Alan Menken und Stephen Schwartz immer wieder versuchten, etwas zu bewegen. An den Broadway hat es die Musical-Version des Disney-Films zwar nach wie vor nicht geschafft, aber immerhin existiert inzwischen tatsächlich eine englische Version, die zuerst von Oktober bis Dezember 2014 im La Jolla Playhouse in San Diego, Californien und später von März bis April 2015 im Paper Mill Playhouse in Millburn, New Jersey gespielt wurde. Nach wie vor ist keine Broadway-Version in Sicht, aber im Januar 2016 erschien immerhin eine Cast-Aufnahme. Auch hier gilt: Ich habe das Musical nicht live gesehen, nur abgefilmtes Material.

Die US-Version basiert auf dem Berliner Musical, wurde aber noch einmal überarbeitet und ist Victor Hugos Roman nun sogar noch näher. Der Fokus der amerikanischen Produktion liegt auf Frollo, der fast mehr der Protagonist ist als Quasimodo. Die größte Änderung findet sich bereits im Prolog: Frollo ist hier, wie im Roman, Erzdiakon von Notre-Dame, während der namenlose Erzdiakon des Films nicht auftaucht. Auch wurde der Prolog abgeändert und ist nun näher am Roman: Jehan Frollo taucht hier auf. Die Brüder werden als Waisen in Notre-Dame aufgezogen, Claude wird Priester, während Jehan der Kirche verwiesen wird, weil er eine Zigeunerin mit auf sein Zimmer nimmt. Jahre später stirbt Jehan an den Pocken und bittet seinen Bruder, seinen missgestalteten Sohn zu adoptieren. Im Roman ist Quasimodo zwar nicht Claude Frollos Neffe, aber eine ähnliche Szene findet sich auch bei Hugo, nur dass es Jehan ist, der dort nach dem Tod seiner Eltern von seinem älteren Bruder adoptiert wird. Diese Änderung sorgt auch dafür, dass sich The Bells of Notre-Dame hier textlich sehr stark von der Filmversion unterscheidet, da es von den Frollo-Brüdern statt vom Tod von Quasimodos Mutter erzählt. Nach dem radikal veränderten Prolog folgt das Musical der Filmhandlung, bzw. der Berliner Produktion verhältnismäßig genau, mit einigen Ausnahmen bzw. Anpassungen.

Bevor ich zur musikalischen Umsetzung komme, noch kurz ein paar Worte zur Inszenierung: Diese ist eher schlicht und sich ihrer Natur sehr bewusst. Statt Clopin durchgängig als Erzähler zu haben, der immer wieder zur Melodie von The Bells of Notre-Dame das Geschehen kommentiert und erläutert, gibt es hier einen zweiten Chor, bestehend aus den Darstellern, der diese Funktion übernimmt. Es kommt auch recht häufig vor, dass die Figuren die Exposition über sich selbst vortragen. Kostümwechsel finden ebenfalls zum Teil auf der Bühne statt, besonders markant ist hier das Ende von The Bells of Notre-Dame, wo sich der Quasimodo-Darsteller die Buckel-Prothese selbst anlegt und in die Rolle schlüpft.

Und nun zur Musik: Bis auf eine Ausnahme finden sich alle Lieder des Films in der Aufführung. Anders als in der deutschen Inszenierung fehlt hier allerdings nicht Court of Miracles, sondern A Guy Like You. Da das Lied der Wasserspeier (die hier erfreulicherweise ebenfalls fehlen) das in meinen Augen schwächste des Films ist, habe ich damit kein Problem. Manche Lieder der deutschen Produktion wurden ebenfalls übernommen, andere wurden gestrichen oder ersetzt. Ein bisschen Freude etwa ist nach wie vor Phoebus‘ Vorstellungslied, Tanz auf dem Seil dagegen ist der Schere zum Opfer gefallen, Esmeralda hat nun in Rythm of the Tambourine, während des Fests der Narren, ihren ersten Auftritt – genau genommen ist dieses Lied Teil von Topsy Turvy, das dreigeteilt wurde (Topsy Turvy Part 1, Rythm of the Tambourine, Topsy Turvy Part 2). Hoch über der Welt (Top of the World) hat es ebenfalls in die amerikanische Produktion geschafft, genauso wie Esmeralda, Einmal (Someday), Stadt aus Stein (Made of Stone) und Finale Ultimo (Finale). Trommeln in der Stadt wurde durch ein ähnlich geartetes Stück ersetzt, das nach seiner Funktion benannt ist: Entr‘act. Es handelt sich dabei um ein Medley diverser Melodien (Heaven’s Light, Someday und zwei Motive aus Sanctuary!), zu denen ein lateinischer Chor singt. Flight Into Egypt ersetzt A Guy Like You und A Place of Miracles Weil du liebst.

Betrachtet man die Castaufnahme des amerikanischen Musicals, fällt auf, dass sie weitaus üppiger ausfällt als ihr deutsches Gegenstück und auch viele der kürzeren Übergangsstücke und Reprisen beinhaltet. Dazu gehören zum Beispiel Notre Dame (Intro) und Justice in Paris – beide bedienen sich der Melodie von The Bells of Notre-Dame – sowie While the City Slumbered (Out There). Dann gibt es noch The Tavern Song (Thia Mol Piyas), der vollkommen neu ist, kurz vor Heaven’s Light stattfindet und eine weitere Begegnung zwischen Esmeralda und Phoebus darstellt, die von Frollo beobachtet wird.

Insgesamt sind die Lieder der amerikanischen Produktion sehr offen und erinnern fast schon an Score-Stücke, bestimmte Melodien tauchen immer wieder kurz in anderen Liedern auf. Diese Tendenz gab es bereits in der deutschen Produktion, ist hier aber ungleich stärker. Ein besonders gute Beispiel ist Esmeralda, das in der englischen Version fast doppelt so lang ist wie in der deutschen und, wenn auch oft nur sehr kurz, fast alle wichtigen Lieder des Musicals anspielt. Nach einer kurzen Szeneneinführung wird bei 0:34 die eigentliche Esmeralda-Melodie vorgestellt. Es folgt bei 1:10 ein bereits aus dem deutschen Musical bekanntes gesungenes Motiv, The Wicked Shall Not Go Unpunished (in der deutschen Version Der Zorn des Herrn trifft den, der Böses tut) das immer wieder auftaucht, bevor bei 1:22 die Melodie von The Bells of Notre-Dame genutzt wird, um die Handlung voranzubringen. Phoebus innerer Konflikt wird durch eine kurze Einspielung von God Help the Outcasts repräsentiert (2:41), während Frollos Reaktion auf seine Rettung durch Esemeralda gleichzeitig eine kurze Repise von Hellfire (3:21) ist. Schließlich kehrt das Lied bei 3:39 zu seiner eigentlichen Melodie zurück, allerdings nicht ohne dass noch ein paar Sekunden von Out There (4:19) zu hören sind.

Ohne die Produktion tatsächlich auf der Bühne gesehen zu haben muss ich sagen: Diese Version des Musicals schafft es, fast alle Schwächen der deutschen Version loszuwerden, nicht zuletzt dank des hervorragenden Casts. Michael Ardens Quasimodo unterscheidet sich recht stark von Tom Hulces sehr sensitiver Darstellung, funktioniert aber sehr gut. Im Gegensatz dazu ist es erstaunlich, wie sehr Patrick Pages Stimme der von Tony Jay ähnelt – es fehlt lediglich der britische Akzent. Auch Ciara Renée, Andrew Samonsky und Erik Liberman wissen als Esmeralda, Phoebus und Clopin zu überzeugen, auch wenn Letzterer eine weitaus kleinere Rolle als im Film oder der deutschen Produktion hat (wie gesagt, er ist nicht mehr der Erzähler) und Paul Kendall trotz allem nicht das Wasser reichen kann.

Fazit: Disneys Adaption von Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“ ist ein sehr unebener Film – die Elemente, die gelungen sind, sind allerdings grandios. Die Musicaladaptionen, vor allem die englische, helfen ein wenig nach und sorgen für eine angemessenere Umsetzung. Da Disney sowieso gerade sämtliche Zeichentrickklassiker als Realfilm adaptiert, warum nicht diesen? Einfach die US-Version des Musicals so getreu wie möglich (und optisch grandios) als Film umsetzen. Das ist Disney wahrscheinlich zu riskant, aber zumindest ich würde das auf jeden Fall sehen wollen.

 

Die Top 10 + 10 Film- und Serienschurken

Die singende Lehrerin hat mal wieder zur Blogparade aufgerufen. Beim Thema „Die besten Schurken in Film und Serie“ kann ich als Fan der Bösen Buben natürlich kaum widerstehen. Zwar habe ich in der Anfangszeit meines Blogs bereits eine derartige Liste konzipiert, diese bestand aber nur aus fünf Filmschurken, insofern ist es, denke ich, mehr als berechtigt, nun die aktualisierte und erweiterte Liste zu präsentieren. Wie so oft gilt auch hier: Die Rangfolge ist nicht in Stein gemeißelt, sie entspricht meiner aktuellen Gemütslage und kann sich schon nächste Woche wieder ändern. Ich habe darüber hinaus versucht, pro Film (bzw. Filmreihe) und Serie nur einen Schurken auszuwählen, aber natürlich musste ich hin und wieder doch ein wenig schummeln, vor allem bei Platz 1 der Filmschurken. Insgesamt finde ich es auch ein wenig traurig, dass es keine einzige Schurkin auf die Film-Liste geschafft hat (das Herz will, was das Herz will), aber dafür ist die Serienliste fast ausgeglichen.

Und nun, schon mal zur Einstimmung, die Runners-up-Liste, völlig unsortiert: Sauron, Darth Maul, Malefiz, Smaug, Thailog, Antonio Salieri, Davy Jones, Hades („Disneys Hercules“), Hector Barbossa, Roose Bolton, Coriolanus Snow, Darth Tyranus, Bellatrix Lestrange, Satan („Im Auftrag des Teufels“), Lex Luthor („Superman: The Animated Series“), Darth Vader, Bane („The Dark Knight Rises“), Ava Lord, Dschafar, Francis Dolarhyde, die Meerhexe Ursula, Imhotep, William Stryker, Mystique, Saruman, Jack the Ripper („From Hell“), David Xanatos, Scar.

Serie

10. Morgan (Eva Green) aus „Camelot“

Die kurzlebige Starz-Serie „Camelot“ war zwar gewiss nicht frei von Fehlern (der größte war Jamie Campbell Bower als Arthur), hat es aber dennoch geschafft, dem allseits bekannten Artus-Mythos die eine oder andere neue Facette abzugewinnen, wobei das Highlight definitiv die Interpretation von Merlin und Morgan war. Letztere gibt im Rahmen dieser Serie eine wirklich grandiose Schurkin ab, was einerseits daran liegt, dass sie ziemlich nachvollziehbar gestaltet ist und mit ihren Ansichten dem modernen Zuschauer oftmals näher ist als die eigentlich guten Figuren (warum sollte nicht eine Frau über England herrschen?), und andererseits, weil sie von Eva Green gespielt wird, was prinzipiell nicht schadet. Schon allein wegen ihrer Interpretation von Morgan lohnt es sich, die Serie anzuschauen.

9. Jim Moriarty (Andrew Scott) aus „Sherlock“

Professor Moriarty gehört zu den großen Widersachern der Literatur und wurde schon vielfach interpretiert. Die Sherlock-Version, ohne akademischen Titel, muss sich definitiv nicht verstecken – in bester Schurkentradition ist er sowohl Spiegel als auch Gegensatz zu seinem heroischen Gegner. Wo Sherlock Holmes ein „Consulting Detective“ ist, ist Moriarty ein „Consulting Criminal“ und wo Sherlock stoisch und kalt erscheint, sich in Wahrheit aber sehr um die Menschen, die ihm am nächsten stehen, sorgt und für sie eintritt, scheint Moriarty übermäßigen emotionalen Ausbrüchen und Stimmungsschwankungen unterworfen, schert sich aber um niemand anderen als sich selbst. Beide Widersacher verbindet allerdings ihre überragende Intelligenz und ihre durchaus ähnliche Weltsicht, denn in vielerlei Hinsicht ist Moriarty das, was Sherlock wäre, besäße er kein Gewissen. Zu all diesen gelungenen Gemeinsamkeiten und Gegensätzen kommt hinzu, dass Andrew Scott beim Spielen der Figur sichtlich Spaß hat, zur großen Freude des Zuschauers.

8. Harley Quinn (Arleen Sorkin) aus „Batman: The Animated Series“

Harley Quinn ist witzig, lebensfroh, hin und wieder ziemlich durchgeknallt und unglaublich tragisch, denn sie hat das Pech, dass sie unsterblich in den Joker verliebt ist. Die Beziehung der beiden hat eine unglaubliche Dynamik, die Tragik rührt daher dass Harley, egal wie sehr die Joker sie misshandelt, doch stets zu ihm zurückkehrt, weil sie von ihm vollkommen besessen ist. Der Joker seinerseits ist oft von ihr genervt oder versucht sogar umzubringen, sollte sie sich aber kurzfristig für jemand anderen interessieren, wird er unglaublich eifersüchtig und besitzergreifend. Ursprünglich begann Harley als relativ unwichtiger Nebencharakter in „Batman: The Animated Series“, weil Bruce Timm und Paul Dini sich dachten, dass es cool wäre, wenn der Joker einen weiblichen Sidekick hätte. Gewissermaßen begann Harley danach aber ein Eigenleben zu entwickeln, sie bekam in Form der Graphic Novel „Mad Love“ (die im Rahmen der Serie auch adaptiert wurde) eine interessante Hintergrundgeschichte und war bei den Fans so beliebt, dass sie schon bald ins reguläre DC-Universum übernommen wurde, von zusätzlichen Auftritten in weiteren Serien (beispielsweise „The Batman“) oder Spielen („Arkham Asylum“ und Sequels) ganz zu schweigen. Und mit Suicide Squad steht bald ihr erster Auftritt in einem Realfilm bevor. Aber es ist die Cartoon-Version, gesprochen von Arlene Sorkin, die Harley definiert hat.

7. Russel Edgington (Denis O’Hare) aus „True Blood“

„True Blood“ wurde ab Staffel 4 deutlich schwächer, Staffel 3 war aber noch wirklich grandios, was zum Großteil dem von Denis O’Hare gespielten Russel Edgington zu verdanken ist. Der gute Russel balanciert auf einem sehr schmalen Grat, er ist unterhaltsam und witzig, aber gleichzeitig bedrohlich und gefährlich, ohne dass das eine das andere aufheben würde. O’Hare gelingt es, den uralten Vampir glaubwürdig und charismatisch darzustellen, und ihm zu allem Überfluss auch noch einen Hauch Tragik zu verleihen, denn man merkt, dass ihm der Verlust seines geliebten Talbot wirklich und aufrichtig zu Herzen geht. Und wer könnte jemals die geniale Fernsehansprache vergessen.

6. Amanda Waller (C. C. H. Pounder) aus „Justice League Unlimited“

Amanda Waller ist so ganz anders als die typischen Superschurkinnen mit Modelfiguren und hautengem Spandex: Sie ist keine gute Kämpferin und übergewichtig, aber trotzdem eine, wenn nicht gar die, gefährlichste Frau des DC-Universums – und dazu noch eine ziemlich komplexe und interessante Figur, gerade in „Justice League Unlimited“. Dort fürchtet sie die wachsende Macht der Justice League, eine Angst, die durchaus berechtigt ist, denn in einem Paralleluniversum machten sich die Mitglieder der Justice League zu den Justice Lords und errichteten eine Diktatur. Waller will die Menschheit vor übermächtigen Superwesen beschützen, diese Aufgabe verfolgt sie allerdings völlig rücksichtslos: Der Zweck heiligt fast jedes Mittel.

5. Wilson Fisk (Vincent D’Onofrio) aus „Daredevil“
Achtung! Das Video stammt aus dem Finale der ersten Staffel von „Daredevil“ und enthält Spoiler.

Ich habe Wilson Fisk, den Kingspin (auch wenn dieser Spitznamen in der ersten Staffel von „Daredevil“ nie benutzt wird) ja bereits ausführlich gelobt. Vincent D’Onofrio spielt Fisk als außergewöhnlich vielschichtigen Widersacher des Titelhelden, als Gangsterboss mit Vision, auf der einen Seite brutal und geplagt von seinem Temperament, auf der anderen Seite schüchtern und unsicher; ein Schurke, von dem ich definitiv mehr sehen will. Glücklicherweise ist Staffel 2 bereits in der Mache.

4. Demona (Marina Sirtis) aus „Gargoyles“

Disneys „Gargoyles“ hat eine ausgezeichnete Schurkenriege, von David Xanatos über Thailog und MacBeth bis hin zu Fox und Oberon, aber Demona ist ohne Zweifel die Krönung. Goliaths ehemalige Geliebte ist ganz ähnlich konzipiert wie Magneto: Aufgrund ihrer tragischen Vergangenheit hat sie gelernt, Menschen zu hassen, mehr als einmal versucht sie, die gesamte Menschheit auszulöschen, wobei ihr der Manhatten-Clan natürlich stets einen Strich durch die Rechnung macht. Tief in ihrem Inneren ist Demona allerdings ein zutiefst einsames Wesen, das sich nach einer verlorenen Liebe sehnt und sich konsequent selbst belügt. Tragisch, getrieben, und wunderbar gesprochen von Marina Sirtis – die perfekte Schurkin für eine der besten Zeichentrickserien.

3. Darkseid (Michael Ironside) aus „Superman: The Animated Series“

Darkseid ist der große Böse des DC-Universums und die (inoffizielle) Vorlage für Thanos (der nette Herr, der in der Mid-Credits-Szene der beiden Avengers-Filme kurz auftaucht). Zwar wurde er schon einige Mal dargestellt, unter anderem in „Smallville“ und dem einen oder anderen Zeichentrickfilm, aber bislang hat mich nur eine Interpretation des finsteren Gottes wirklich zufrieden gestellt: Die von Michael Ironside aus „Superman: The Animated Series“ und den restlichen DCAU-Serien. Allein mit seiner Stimme schafft es Ironside, die Essenz der Figur perfekt einzufangen. Darkseid spricht fast immer ruhig, gelassen und mit absoluter Selbstsicherheit, er ist sich der Tatsache, dass er eines er mächtigsten Wesen des Universums ist, absolut bewusst. Umso furchterregender wird es dann, wenn er einmal wirklich die Stimme erhebt. Darüber hinaus ist er (zumindest im Rahmen des DCAU) der Schurke, der Superman am nachhaltigsten unter die Haut geht, indem er ihm eine Gehirnwäsche verpasst und ihn dazu zwingt, die Erde anzugreifen. Darkseid ist der einzige Schurke, bei dem sich Superman nicht zurückhält und den er tot sehen möchte.

2. Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) aus „Hannibal“

Da gibt es keine Diskussion: Kultivierte Kannibalen geben einfach grandiose Schurken ab. In Bezug auf Hannibal Lecter stellt sich natürlich oft die Frage: Anthony Hopkins oder Mads Mikkelsen? Diese Frage beantworte ich mit einer Gegenfrage: Warum sollte ich mich entscheiden? Mads Mikkelsen Interpretation der Figur ist anders als die von Hopkins, ruhiger, subtiler, aber deswegen keinesfalls weniger gelungen oder fesselnd. Die Serien-Version von Hannibal Lecter ist extrem beherrscht und sehr auf Kontrolle bedacht, spielt jedoch trotzdem (oder gerade deshalb) hervorragend mit allen Menschen, die ihn umgeben.

1. Tywin Lannister (Charles Dance) aus „Game of Thrones“

Ob Tywin Lannister überhaupt ein Schurke ist, ist freileich diskutabel; Charles Dance sieht ihn jedenfalls nicht als solchen, aber immerhin gehört er zu den Figuren, die einem bösen Masterminde in „Game of Thrones“ am nächsten kommen. Joffrey mag ein sadistisches Arschloch sein, aber es ist Lord Tywin, von dem die Gefahr ausgeht, er ist stets die eigentliche Macht hinter dem Eisernen Thron. Ich muss ja zugeben, als ich Tywin in der Serie zum ersten Mal sah, war ich doch ein wenig enttäuscht, denn in den Romanen hat er mit Glatze und Backenbart eine so markante Erscheinung. Schnell stellte ich allerdings fest, dass man für Lord Tywin keinen besseren Schauspieler als Charles Dance hätte finden können. Von den Unterschieden bei Kopf- und Gesichtsbehaarung einmal abgesehen bringt Dance die Figur nämlich perfekt auf den Punkt und hat genau die richtige Ausstrahlung. Schon sein Blick allein reicht, um andere verstummen zu lassen und wenn er spricht, hört man zu. Charles Dance als Lord von Casterly Rock kommandiert eine Präsenz, wie man sie nur selten findet, und das selbst dann noch, wenn Tywin auf dem Klo sitzt.

Filme

10. Frollo (Tony Jay) aus „Der Glöckner von Notre Dame“

Disney-Schurken sind so eine Sache für sich: Sie sind selten vielschichtig, aber doch sehr oft äußerst einprägsam, weil sie auf so glorreiche Weise schurkisch sind und bei vielen von uns die Kindheit dominiert haben. Richter Frollo, gesprochen vom leider verstorbenen, aber grandiosen Tony Jay, ist zwar ebenfalls unheimlich markant, unterscheidet sich aber von vielen anderen Disney-Schurken dadurch, dass er seine Taten tatsächlich zu rechtfertigen versucht, während Dschafar oder Hades sich einfach in ihrer Bosheit suhlen und sich Malefiz sogar zur „Mistress of all evil“ erklärt. Frollo ist für einen Disney-Schurken beängstigend realistisch, denn er besitzt keinerlei magische Kräfte, zettelt dafür aber ein Pogrom an, plant einen Genozid und wird von fleischlicher Lust angetrieben. Hach ja, die magische Welt von Disney…

9. Dracula (Gary Oldman) aus „Bram Stoker’s Dracula“

Über die Jahrzehnte hinweg wurde Dracula bereits von vielen großen (und auch vielen weniger großen) Darstellern verkörpert, von Bela Lugosi über Christopher Lee, Klaus Kinski, Luke Evans, bis hin zu Frank Langella und Jonathan Rhys Meyers, aber meine Lieblingsversion ist eindeutig die von Gary Oldman verkörperte aus „Bram Stoker’s Dracula“. Anders als die meisten Inkarnationen, die vorher kamen, ist Oldmans Graf ein tragisches Monster, aber im Unterschied zur Luke-Evans-Version ist trotzdem nicht völlig heroisiert, sondern tatsächlich eine Bestie. Dass die Figur so funktioniert, ist vor allem Gary Oldmans Wandlungsfähigkeit zu verdanken, der sowohl als tragischer Liebhaber als auch als bösartig lachender Vampirfürst überzeugt. Nebenbei, dieser Dracula hat wohl mit Abstand die meisten unterschiedlichen Erscheinungsformen; alter Mann, junger Mann, Werwolf, Nebel, Fledermausmonster…

8. Hans Landa (Christoph Waltz) aus „Inglourious Basterds“

Landa ist die Rolle, die Christoph Waltz international bekannt gemacht hat und ein Oscar ist auch dabei herausgesprungen – völlig zurecht, denn Hans Landa ist ein grandioser Schurke, der die gängigen Filmnazi-Klischees widerlegt und am Ende sogar die Seiten wechselt (aus reinem Opportunismus, versteht sich). Bis dahin ist er aber rechtschaffen gemein und grausam, deduziert als finstere Version von Sherlock Holmes und macht seine Feinde in vier verschiedenen Sprachen nieder.

7. Loki (Tom Hiddleston) aus „Thor“, „The Avengers“ und „Thor: The Dark World“

Ich mochte Loki als Schurke in der nordischen Mythologie und im Marvel-Universum schon vor dem MCU, was Tom Hiddleston aus der Figur macht, ist allerdings noch einmal eine Klasse für sich. Lange war Loki der mit Abstand beste und beliebteste MCU-Schurke (jedenfalls, bis Wilson Fisk sich zeigte), und das aus gutem Grund. Loki ist nicht nur durchtrieben, seine Handlungen sind auch nachvollziehbar, und darüber hinaus ist er noch so unheimlich unterhaltsam. Hinzu kommt, dass er sich über die Filme konstant weiterentwickelt und bei jedem neuen Auftritt an einem völlig anderen Punkt steht. Ironischerweise gewinnt er in dem Film, in dem er nicht der Hauptschurke ist.

6. Pinhead (Doug Bradley) aus „Hellraiser 1-8“
Achtung, das Video könnte religiöse Gefühle verletzen und ist recht eklig!

Im Horrorfilmbereich gibt es diverse Filmreihen, die jeweils von ihrem Schurken definiert werden und deren Sequels von Film zu Film immer schlechter werden. Freddy Kruger, Michael Myers, Jason Vorhees und Jigsaw sind nur einige davon, aber einer steckt sie meiner Meinung nach alle in die Tasche: Pinhead, der nagelgespickte Priester der Hölle. Obwohl er das Element ist, das alle Hellraiser-Filme zusammenhält, fungiert er dabei nicht einmal per se immer als Schurke – genau genommen tut er das nur in den Teilen 3 und 4. Gerade das macht Pinhead so interessant, wobei Doug Bradley und das ikonische Design ihren Teil ebenfalls beitragen. Über Pinhead habe ich mich bereits sehr ausführlich geäußert.

5. Magneto (Ian McKellen, Michael Fassbender) aus „X-Men 1-3“, „X-Men: First Class“ und „X-Men: Days of Future Past“

Magneto ist nicht nur einer der bekanntesten Comicschurken, sondern auch, wenn er angemessen umgesetzt wird, einer der nachvollziehbarsten: Seine Eltern wurden während des Holocaust getötet, er selbst überlebte, kam aber zu dem Schluss, dass es den Mutanten irgendwann ähnlich ergehen wird wie den Juden im Dritten Reich, weshalb er eine Vormachtsstellung für die Seinen anstrebt. Sowohl Michael Fassbender als auch Ian McKellen spielen den Meister des Magnetismus so grandios und einnehmend, dass ich mich beileibe nicht für einen der beiden entscheiden kann. Egal ob jung oder alt, Magneto ist ein grandioser Schurke.

4. Lord Voldemort (Ralph Fiennes) aus „Harry Potter 4-7.2“

Als literarische Figur hat mich Lord Voldemort von Anfang an fasziniert, was Rowling in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ dann aber letztendlich aus ihm gemacht hat, fand ich äußerst unbefriedigend. Aus diesem Grund hat Ralph Fiennes Lord Voldemort im Grunde für mich gerettet, denn er gehört zu den Schauspielern, die dafür sorgen, dass auch die schwächsten Dialogzeilen noch funktionieren. Bereits nach der Sichtung von „Harry Potter und der Feuerkelch“ war ich von Fiennes‘ Dunklem Lord begeistert, „Der Orden des Phönix“ hat noch eine Schippe draufgelegt, aber richtig brillant wurde es erst mit den beiden Teilen von „Die Heiligtümer des Todes“: Im ersten sehen wir einen Voldemort auf dem Höhepunkt seiner Macht, im zweiten einen Voldemort, der durch die Zerstörung seiner Horkruxe immer wahnsinniger wird – und beides stellt Fiennes blendend dar. Er schafft es gar, allein durch sein Spiel, Voldemort noch eine tragische Seite abzugewinnen, wo er im Roman nur noch eine flache Parodie seiner selbst war. Hut ab!

3. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) aus „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“ und „Roter Drache“

Die andere Version des kultivierten Kannibalen, anders, aber nicht minder gelungen. Für Anthony Hopkins‘ Hannibal Lecter ist seine Zelle (und später Florenz) eine Bühne, er genießt es, seine Gegenspieler psychologisch fertig zu machen und ihnen seine Überlegenheit unter die Nase zu reiben. Anthony Hopkins war es, der die Figur des kannibalischen Psychiaters zur Ikone gemacht hat.

2. Darth Sidious (Ian McDiamird) aus „Star Wars Episode VI und I-III”

In den meisten Schurkenhitlisten ist es Darth Vader, der Star Wars vertritt, doch letztendlich ist er „nur“ ein Handlanger, der eigentliche Vertreter des Bösen in George Lucas‘ Weltraumoper ist der Imperator. Interessanterweise gehört er auch zu den wenigen Figuren, die von den Prequels tatsächlich profitiert haben. War er in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ vor allem ein relativ typischer böser Overlord, der in erster Linie in seinem Sessel saß, Befehle gab, böse lachte und am Ende Blitz schleuderte, so gewinnt er in den Prequels an Facetten, wir sehen ihn als Charismatiker, politischen Ränkeschmied und Puppenspieler, der galaktische Regierungen zu seinen Marionetten macht und Anakin Skywalker gekonnt zur Dunklen Seite der Macht verführt. Er ist der wahre Dunkle Lord der Sith, und aus diesem Grund benutze ich, wenn ich über ihn spreche oder schreibe, auch seinen Sith-Namen, da „Darth Sidious“den Kern seines Wesens besser trifft als „Palpatine“.

1. Der Joker (Jack Nicholson, Mark Hamill und Heath Ledger) aus „Batman“, „Batman: Mask of the Phantasm“ und „The Dark Knight“

Okay, hier habe ich geschummelt, denn ich liebe alle drei Inkarnationen von Batmans Erzfeind. Streng genommen ist die Mark-Hamill-Version auch kein Film-, sondern ein Serienschurke, aber da er auch in dem Kinofilm „Batman: Mask of the Phantasm“ auftauchte (und ich andernfalls auf Harley Quinn verzichten müsste), wird auch dieser Joker hier integriert. Während sowohl die Jack-Nicholson- als auch die Heath-Ledger-Version – der Todeskünstler und der nihilistische Terrorist – genau auf ihren jeweiligen Film perfekt zugeschnitten sind, ist der Hamill-Joker die genaueste Verkörperung der Comicfigur, die mühelos zwischen dem harmlosen Spaßmacher der 60er und dem mörderischen Psychopathen der Moderne hin- und herwechseln kann und praktisch immer funktioniert. Wenn ich Comics mit dem Joker lese, stelle ich mir dabei Mark Hamills Stimme vor. Nichts desto trotz, alle drei sind wirklich grandiose Schurken, die ihrer Version von Batman jeweils das Leben zur Hölle machen.