JLA: New World Order

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Eigentlich sollte ich dieses Jahr wegen einem Film äußerst gehypt sein. Hätte man mir vor 2013 gesagt, dass in absehbarer Zeit ein Justice-League-Film kommen würde, wäre ich sicher äußerst begeistert gewesen, denn die Justice League ist mein Lieblingssuperheldenteam, noch vor den X-Men, den Teen Titans oder den Avengers. Die ersten Comics, die ich im zarten Alter von sieben oder acht Jahren las, waren (neben Batman-Solo-Geschichten, versteht sich) Justice-League-Comics. Unglücklicherweise kamen seither mit „Man of Steel“, „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ drei Filme, die nicht nur mich ernsthaft daran zweifeln ließen, dass Warner Bros. die Comics, die sie da adaptieren, auch wirklich verstehen. Immerhin „Wonder Woman“ scheint nach dem, was man so hört, Anlass zur Hoffnung zu geben. Auch wenn ich dem Justice-League-Film, der im November startet, mit negativen Gefühlen entgegenblicke, möchte ich ihn doch zum Anlass nehmen, ein wenig über mein Lieblingssuperheldenteam, bzw. die Inkarnation besagten Teams, die mich dazu gebracht hat, mich in es zu verlieben, zu schreiben.

Die Justice League – ein kurzer Abriss

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The Brave and the Bold #28 (Bildquelle)

Nachdem das Medium Comic im Allgemeinen und das Superheldengenre im Speziellen in den frühen 1950ern eine schwere Zeit durchmachte, bekam es Ende der Dekade langsam wieder Aufwind. DC Comics gelang es, Figuren aus den 40ern, etwa Flash und Green Lantern, mit neuen Identitäten wiederzuerwecken. Schon bald wurde eine weitere Idee aus den 40ern reaktiviert: Das Superheldenteam. Während des Zweiten Weltkriegs hatten sich DCs Helden zur „Justice Society of America“ zusammengefunden. Im Jahr 1960, in Ausgabe 28 der Anthologieserie The Brave and the Bold debütierte die „Justice League of America“. In ihrer Grundformation bestand die Justice League, kurz JLA, aus den sieben größten Superhelden des Verlags: Superman (Clark Kent), Batman (Bruce Wayne), Wonder Woman (Diana Prince), Flash (Barry Allen), Green Lantern (Hal Jordan), Aquaman (Arthur Curry) und Martian Manhunter (J’onn J’onzz). Die Liga erwies sich als äußerst erfolgreich und bekam schon bald ihre eigene Serie. Im Verlauf kamen neue Mitglieder wie Green Arrow, Zatanna, Atom oder Black Canary hinzu und nach und nach veränderte sich das Team immer weiter, Helden kamen und gingen, Hauptquartiere wechselten und die Liga teilte sich in mehrere Teams auf, etwa in die „Justice League Europe“ oder die „Justice League International“. Besonderes Letztere wandte sich in den 80ern unter den Autoren Keith Giffen und J. M. DeMatteis von der Idee des Teams aus den größten Superhelden der Welt, die diese vor übermäßigen Bedrohungen retten, ab und konzentrierte sich stärker auf absurden Humor.

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Die sieben ursprünglichen Mitglieder der JLA, in Szene gesetzt von Alex Ross: Green Lantern, Flash, Superman, Batman, Wonder Woman, Aquaman, Martian Manhunter (Bildquelle)

Die frühen 90er waren geprägt vom Erbe von „Watchmen“ und „The Dark Knight Returns“: Völlig amoralische Antihelden, die sich kaum noch von den Schurken unterschieden, waren gerade modern. Einigen Autoren bei DC sagte dieser Trend überhaupt nicht zu. Bereits mit „Kingdom Come“ bemühte sich Mark Waid, in Zusammenarbeit mit Alex Ross, um eine Rekonstruktion des Superheldengenres. Zusammen mit Fabian Nicieza, seines Zeichens Mitschöpfer von Deadpool, verfasste er 1996 für DC eine Miniserie namens „A Midsummer’s Nightmare“, die diesen Trend fortsetzte und gleichzeitig die diversen schwächelnden Justice-League-Serien beendete, indem sie stattdessen eine neue Justice League versammelte. Auf die dreiteilige Miniserie folgte 1997 eine neue, fortlaufende Justice-League-Serie, geschrieben von Grant Morrison, die auf „A Midsummer’s Nightmare“ aufbaut – diese Serie ist das eigentliche Sujet dieser Artikelreihe. Hier werde ich die diversen Storybögen der JLA-Serie besprechen, wobei ich mich an den amerikanischen Paperbacks orientiere.

Die Ligisten
Bei der Konzeption der neuen Liga orientierten sich Waid und Morrison an den klassischen sieben Helden der ersten Inkarnation. Natürlich mussten dabei die jeweils aktuell laufenden Storys der einzelnen Helden, die alle eine (bzw. im Fall von Batman und Superman diverse) laufende Serien hatten, miteinbezogen werden. In den späten 80ern und den 90ern war DC von einer Tendenz des Wandels geprägt. Manche Änderungen waren nur temporär, hatten aber dennoch weitreichende Auswirkungen. Superman wurde von Doomsday getötet, während Bane Batmans Rückgrat brach und er durch den psychisch instabilen Jean-Paul Valley ersetzt wurde. Selbst Wonder Woman wurde zeitweise durch die rabiatere rothaarige Amazone Artemis vertreten. Diese Änderungen wurden wieder rückgängig gemacht, hinterließen aber ihre Spuren und prägte die Figuren für die 90er. Anders verhielt es sich mit Flash und Green Lantern. Barry Allen starb bereits während des Großevents „Crisis on Infinite Earths“ und wurde durch seinen Sidekick Wally West ersetzt. 1994 entschloss man sich, etwas Ähnliches mit Green Lantern anzustellen. Im Rahmen des dreiteiligen Storybogens „Emerald Twilight“ drehte Hal Jordan wegen der Zerstörung seiner Heimatstadt durch, massakrierte das Green-Lantern-Corps und wurde zum Schurken Parallax. Der letzte verbliebene Ring ging an den Zeichner Kyle Rayner, der von nun an als einzige Green Lantern versuchte, einem großen Erbe gerecht zu werden. Aquaman war zwar immer noch Arthur Curry, hatte aber seinerseits einige Veränderungen durchgemacht, trug nun Bart, eine Harpunenhand und war allgemein nicht mehr sehr umgänglich. Lediglich beim Martian Manhunter gab es in dieser Ära meines Wissens nach keine größeren Umwälzungen.

Konzept und Zeichnungen
Wie bereits erwähnt ging es Grant Morrison darum, die JLA zu ihren Wurzeln zurückzuführen und dem DC-Universum eine wirklich heldenhafte erste Garde zu geben. Das bedeutet, dass Morrison seine Liga nur gegen wirklich große Gegner kämpfen lassen wollte; die Justice League kommt bei ihm meistens dann zum Einsatz, wenn die Erde oder sogar das Gefüge der Realität selbst bedroht ist. Strukturell bediente sich Morrison dabei oft kürzerer Handlungsbögen. Schon in den 90ern dachte man bei der Konzeption der Storybögen zumeist an die später erscheinende Paperback-Version und legte die Handlung so aus, dass sie im Rahmen von vier bis sechs Heften erzählt wurde. Morrison ließ sich davon jedoch nicht beeinträchtigen, viele seiner Geschichten erstrecken sich nur über zwei bis drei Hefte. Das sorgt dafür, dass nur selten Leerlauf entsteht; die JLA sollte sich vor allem von der früheren Inkarnation aus den 80ern distanzieren, weshalb Morrison einen Seifenopern-artigen Aufbau vermied und die Geschichten sehr plotorientiert und prägnant hielt. Das bedeutet nicht, dass es nicht Humor oder Charakterentwicklung gäbe – wobei gerade Letztere bei einer Serie wie dieser immer so eine Sache ist. Morrison musste freilich die Entwicklungen der diversen Soloserien berücksichtigen, tat dies aber eher nebenbei und ohne große Erläuterungen. Liest man die JLA-Comics heute ohne Kenntnis des DC-Universums der späten 90er, kann es durchaus zu einiger Verwirrung kommen. Davon ließ Morrison sich jedoch nicht beirren, integrierte, was sein musste und erzählte sonst die Geschichten, die er erzählen wollte. In vielerlei Hinsicht ist „JLA“ die Essenz der positiven Trends des DC-Universums der späten 90er, denn oftmals gelang Morrison die Charakterisierung dieser übergroßen Helden weitaus besser als den Autoren der diversen Soloserien. Selbstverständlich gibt es auch einen übergeordneten Handlungsbogen, der die einzelnen Storybögen mit einander verbindet – allerdings nicht immer ausgewogen. Die ersten Andeutungen finden sich bereits in „A Midsummer’s Nightmare“.

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Beispiel für eine etwas bizarre Pose von Howard Porter (Bildquelle)

Als Hauptzeichner der Serie fungierte Howard Porter, der insgesamt einen sehr guten Job machte, zumindest in meinen Augen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Porters Zeichnungen mitunter die ersten waren, die mir im Comicbereich jemals unter die Augen kamen – so etwas prägt. Wie dem auch sei, Porters Stil ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Ein gewisser Einfluss des Image-Stils, der durch Zeichner wie Rob Liefeld, Todd McFarlane, Jim Lee oder Mike Deodato Anfang der 90er populär wurde, lässt sich nicht leugnen, gerade, wenn man sich die doch etwas übertriebene Anatomie weiblicher Figuren ansieht. Diesbezüglich gibt es im Verlauf der Serie allerdings durchaus eine Entwicklung zum Positiven. Insgesamt ist Porters Strich dennoch ziemlich distinktiv, gerade auch, weil er oft einige interessante (manchmal fast schon bizarre) Perspektiven und Körperhaltungen verwendet. Insgesamt gelingt es Porter jedenfalls ziemlich gut, die epischen Geschichten Morrisons angemessen in Szene zu setzen. Hin und wieder kamen auch andere Zeichner zum Einsatz, über deren Leistung werde ich dann in der entsprechenden Rezension schreiben.

Deutsche Veröffentlichung
In Deutschland wurde die JLA-Serie vom Dino-Verlag herausgegeben. Ich möchte das noch einmal besonders hervorheben, denn der 1993 gegründete Verlag, der ursprünglich vor allem Comics und Magazine zu Zeichentrickserien herausbrachte, ist letztendlich dafür verantwortlich, dass ich Comics lese und sammle. Über „Batman Adventures“, die Begleitserie zu „Batman: The Animated Series“, kam Dino schließlich zum Superheldencomic und begann bald, weitere DC-Helden, darunter den regulären Batman, Superman und natürlich die JLA, zu übersetzen und zu verlegen. Nach und nach erweiterte der Verlag sein Programm und erwarb unter anderem die Star-Wars-Lizenz, es folgten aber auch einige massive Probleme, die Dino zwangen, im Jahr 2000 die DC-Lizenz wieder abzugeben. 2003 wurde Dino schließlich von Panini aufgekauft, existierte aber als Label noch drei Jahre weiter.

„JLA“ erschien als Heftserie mit diversen Zweitserien, darunter die Miniserie „Superboy/Robin: World’s Finest Three“ von Karl Kesel, Chuck Dixon und Tom Grummett sowie „Teen Titans“ von Dan Jurgens und die Nachfolgeserie „The Titans“ von Devin Grayson. Die Serie brachte es auf 39 Hefte. Zusätzlich gab es die Reihen „JLA Special“ (Heft mit 100 Seiten und vier US-Ausgaben) sowie „JLA Sonderband“ (Paperback), die sich Großereignissen, Miniserien oder wichtiger Soloauftritte einzelner Figuren widmeten. Diese werde ich nicht alle besprechen, aber unter der Rubrik „Weiterführende Lektüre“ mehr oder weniger detailliert auf sie eingehen, wenn es mir angemessen erscheint.

New World Order
Und nun, endlich, zum eigentlichen ersten Storybogen von Grant Morrisons Justice-League-Serie, der die ersten vier US-Ausgaben füllt. Die eigentliche Formation des Teams fand zwar, wie bereits erwähnt, in „A Midsummer’s Nightmare“ statt, aber dennoch findet das Team auf gewisse Weise noch einmal zusammen, wohl vor allem, um Neuleser nicht abzuschrecken. Wie üblich im Superheldengenre ist eine Alieninvasion der Auslöser. Dieses Mal erscheinen die Aliens allerdings zuerst wohlgesonnen: Protex und sein Hyperclan behaupten von sich, sie wollten die Welt retten und sie in ein Paradies verwandeln. Unter anderem transformieren sie die Wüste Sahara in einen blühenden Garten, gehen aber auch mit äußerster Gnadenlosigkeit gegen Superschurken und andere Kriminelle vor, die ohne Prozess von ihnen hingerichtet werden. Das weckt freilich die Skepsis vieler irdischer Helden. Schon bald kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den außerirdischen Neuankömmlingen und den Mitgliedern der Justice League. Und die JLA droht zu verlieren, denn fast alle von ihnen werden überwältigt und gefangen. Bis auf Batman…

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Der Hyperclan (Bildquelle)

Thematisch knüpft Morrison mit diesem ersten Storybogen an Mark Waids „Kingdom Come“ an. Abermals sehen wir, verkörpert durch den Hyperclan, den Archetypus des amoralischen 90er-Jahre-Antihelden, dem der klassische, nicht tötende Superheld entgegengesetzt wird. Schon ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass hier vor allem Batman und Superman die Paradebeispiele abgeben, wo doch ihre aktuellen Leinwandinkarnationen eher an die Antihelden der 90er erinnern. Morrison ist hierbei jedoch ein wenig plakativer als Waid, besonders, da sich der Hyperclan letztendlich doch als Invasionsarmee entpuppt. Es handelt sich um eine Invasion der Weißen Marsianer, Verwandte der grünen Marsianer, zu denen J’onn J’onzz gehört. Statt eines friedlichen Zusammenlebens ziehen die Weißen Marsianer allerdings eher Eroberung und Völkermord vor.

Ein weiteres Thema, dass Morrison zumindest anschneidet, ist die Überlegung, weshalb Superhelden mit ihren enormen Kräften nicht einfach jegliche Probleme der Menschheit regeln – auch diesbezüglich geht „Kingdom Come“ mehr in die Tiefe, denn die Weißen Marsianer sind einfach keine passenden Vertreter einer zu diskutierenden Philosophie, da sie letztendlich eindeutig böse sind und die Menschheit ausrotten wollen. Diese Frage stellt natürlich ein grundsätzliches Problem des Superheldengenres dar, da eine Machtübernahme oder auch nur eine globale Problemlösung einer gewissen Logik nicht entbehrt, man aber gleichzeitig versucht, so nah an der Lebensrealität des Lesers zu bleiben, von der fortlaufenden Natur der Superheldencomics gar nicht erst zu sprechen. Insofern muss der Lösungsansatz, den Morrison hier präsentiert, wohl erst einmal ausreichen.

Inhaltlich und optisch gibt es darüber hinaus einige Parallelen zu „Independence Day“, der ein Jahr vor dem Start von „JLA“ ins Kino kam. Das Design der Weißen Marsianer erinnert ein wenig an das der Independence-Day-Aliens (ein wenig H. R. Giger findet sich ebenfalls) und das eine oder andere Panel hat durchaus optisch Parallelen zu den Bildkompositionen Roland Emmerichs.

Insgesamt hat dieser erste Storybogen, gerade im Vergleich zu späteren, noch die eine oder andere kleiner Startschwierigkeit, vor allem die Schurken sind als Individuen nicht wirklich interessant.  Die große Stärke liegt jedoch bei der Charakterisierung: Morrison gelingt es, seine Helden ohne viel Aufwand punktgenau und treffend darzustellen. Sei es Supermans Heroismus, gepaart mit subtilen Selbstzweifeln, Green Lanterns und Flashs jugendliches Gekabbel, Aquamans Eigenbrötlertum, Wonder Womans No-Nonsense-Attitüde oder Batmans überragende Fähigkeiten als Taktiker. Tatsächlich lässt sich die Idee, Batman könne es mit vielen Helden mit Superkräften problemlos aufnehmen, zumindest teilweise auf Morrisons JLA-Run zurückführen. Schon allein in diesem ersten Storybogen macht er vier Weiße Marsianer im Alleingang platt. In diesem Zusammenhang etabliert Morrison auch den gelungenen, trockenen Humor, der seine JLA-Comics auszeichnet.

Weiterführende Lektüre
Vor allem zwei Geschichten sind exzellente Begleitlektüre zu „New World Order“. Da hätten wir natürlich die bereits mehrfach erwähnte Miniserie „A Midsummer’s Nightmare“, verfasst von Mark Waid und Fabian Nicieza und gezeichnet von Jeff Johnson und Darick Robertson. Zu Beginn dieses Werks sind alle sieben Gründungsmitglieder der neuen JLA normale Menschen, die sich ihrer Zweitidentität nicht bewusst sind, während alle möglichen anderen Menschen Superkräfte entwickeln. Doch schon bald merken die sieben, dass etwas nicht stimmt, sie haben merkwürdige Träume, die Superkräfte kehren zurück und schließlich müssen sie erkennen, dass sie einer realitätsverändernden Intrige des Superschurken Dr. Destiny zum Opfer gefallen sind. Um Destiny zu besiegen müssen die sieben als neue Justice League zusammenfinden. „A Midsummer’s Nightmare“ ist auf Deutsch als „JLA Sonderband 1“ bei Dino erschienen.

Die zweite essentielle Ergänzung ist „JLA: Secret Origin“, ein One Shot, der in meinen Augen unbedingt in das New-World-Order-Paperback gehört hätte. Ich bin nicht ganz sicher, ob diese Geschichte zwischen „A Midsummer’s Nightmare“ und „New World Order“ oder während „New World Order“ (genauer, nach der Invasion der Weißen Marsianer, aber vor dem Bau des JLA-Wachturms auf dem Mond) spielt. Verfasst wurde sie jedenfalls von Grant Morrison und Mark Millar und gezeichnet von Howard Porter. Dieser One Shot ist quasi die Nullnummer der JLA-Serie, es handelt sich dabei um einen Rückgriff auf The Brave and the Bold #38, in dem die Justice League zum ersten Mal auftrat, um gegen Starro, den Eroberer, ein riesiges Alien in Gestalt eines einäugigen violetten Seesterns, zu kämpfen. Eine Neuinkarnation von Starro ist auch in „JLA: Secret Origin“ der Gegenspieler. Unter Morrison wird aus dem Eroberer eine Spezies von Parasiten, die sich als grüne, einäugige Seesterne auf dem Gesicht ihres Opfers niederlassen. Besonders gefährlich sind diese Parasiten für Metawesen, da sie mit deren Hilfe die Erde in Windeseile erobern könnten. Um die JLA vor einem fatalen Fehler zu bewahren, taucht der Spectre, einer der mächtigsten mystischen Helden des DC-Universums, auf und nimmt der Justice League mit deren Einverständnis die Superkräfte, sodass sie Starro gefahrlos entgegentreten können. „JLA: Secret Origin“ ist auf Deutsch in Dinos „JLA Sonderband 4: Aus den geheimen Archiven I“ erschienen.

Und schließlich wäre da noch eine Maxiserie, die sich ebenfalls gut zur weiteren Lektüre eignet. Durch Reboots und Retcons der späten 80er und frühen 90er wurde die Zusammenstellung der ursprünglichen Erstformation der Justice League geändert: Man nahm Batman, Superman und Wonder Woman aus dem Team und ersetzt sie durch Black Canary. Die Geschichte dieser neuen ersten Justice League wurde in der zwölfteiligen, von Mark Waid und Brian Augustyn geschriebenen und von Barry Kitson gezeichneten Maxiserie „JLA: Year One“ erzählt. Diese Serie ist ebenfalls sehr empfehlenswert, der Fokus liegt auf der Charakterdynamik und der Interaktion der Ligisten. Auf Deutsch erschien „JLA: Year One“ als sechste und siebte Ausgabe der JLA-Sonderbandreihe.

Fazit
„New World Order“ ist ein gelungener, wenn auch nicht vollkommen optimaler Einstieg in Gran Morrisons JLA-Serie. Schon 1997 war die Alieninvasion als Anlass zur Formierung eines Superheldenteams keine neue Idee, und zwanzig Jahre später ist es schon ein ziemliches Klischee. Die Konzeption der Serie und die Charakterisierung der Helden ist jedoch tadellos gelungen und weiß auch heute noch zu überzeugen.

Titelbildquelle

David Hines Spawn-Run Teil 2

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Der zweite Teil von David Hines Spawn-Run unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom ersten. Auch in US-Spawn 165-184 werden traditionelle Superheldenelemente eher sparsam eingesetzt – wenn überhaupt. Stattdessen konzentriert sich Hine mehr auf Psyche und Horror. In vielerlei Hinsicht ist seine Arbeit hier vielschichtiger, tiefgründiger und auch interessanter als der erste Teil seines Runs. Die Inhaltsangabe fällt deswegen auch noch schwerer (Achtung, Spoiler zur Armageddon-Story): Die Apokalypse ist gekommen und gegangen. Spawn hat die Welt neu erschaffen und dabei Gott, Satan, Himmel und Hölle ausgeschlossen. Eigentlich wollte er nur wieder mit Wanda zusammenkommen, doch er erfährt nun auch die gesamte Wahrheit: Kurz vor seinem eigenen Dahinscheiden tötete er sein eigenes, noch ungeborenes Kind, was er allerdings verdrängte. Von dieser Einsicht erschüttert zieht sich Spawn zurück, da er glaubt, dass die Menschen ohne Himmel und Hölle nun endlich für sich selbst sein können. Doch da hat er sich geirrt, denn andere übernatürliche Wesen sind bereits in Spawns neue Welt eingedrungen. Die Hexe Nyx ist noch recht harmlos, aber auch der Clown und der gefallene Engel Mammon treiben weiterhin ihr Unwesen…
Vor allem zu Beginn ist das Ganze noch recht episodenhaft. Von der Atmosphäre und den kleineren Handlungssträngen, die erst nach und nach zu einem größeren Ganzen werden erinnert Spawn nach Armageddon recht stark an die großartige HBO-Zeichentrickserie. Ganz allgemein handelt es sich mit Sicherheit um die düsterste Spawn-Storyline überhaupt. Vor allem die ersten Ausgaben, erinnern sehr klaustrophobischen, finsteren Horror. Sie spielen alle in dem selben Haus, in dem die Bewohner nach und nach verrückt werden. Es stellt sich heraus, dass Spawns alter Widersacher Violater, alias der Clown, dahinter steckt. Seit seinem letzten Auftritt hat er sich allerdings stark verändert und erinnert und mehr an Heath Ledgers Joker denn an sein früheres, sehr beleibtes selbst.
Auch werden weitere Teile von Spawns Vergangenheit offenbart. Gleichzeitig bedeutet das Ende von Hines Run nämlich auch das Ende von Al Simmons als Spawn, sodass nun die letzten Geheimnisse gelüftet werden. Im Zuge dessen gibt es immer wieder Abschweifungen von der Haupthandlung, kurze Geschichten (zumeist eine oder zwei Ausgaben), die die Entstehung anderer Hellspawns aus unterschiedlichen Epochen zeigen (und sich vom Zeichenstil von der Haupthandlung absetzen). In Ausgabe 165 wird die Geschichte des Mandarin-Spawn erzählt, in 174 und 175 erlebt der Leser die Entstehung des Gunslinger-Spawn und Ausgabe 179 berichtet vom War-Spawn. Bis auf den Mandarin-Spawn haben diese Vorgänger von Al Simmons alle mit dem größeren Ganzen zu tun; Hine zeigt an ihnen, dass Mammon Als und Wandas Familie bereits auf Generationen hinaus manipuliert hat.
Auch zeichnerisch sind die Ausgaben 165-184 recht umstritten, da Brian Haberlins Stil doch recht weit von dem Todd McFarlanes, Greg Capullos, Angel Medinas und Philip Tans entfernt ist. Haberlin zeichnet sehr fein, vor allem die Gesichter seiner Figuren sind interessant anzuschauen. Zwar mag seine Arbeit für Spawn untypisch sein, aber in meinen Augen passt sie sehr gut zu den von Hine erzählten, düsteren Geschichten.
Auch die Zeichnungen der Geschichten um die drei anderen Spawns sind äußerst gelungen. Lan Medinas Arbeit für „Mandarin Spawn“ ist recht traditionell, aber passend und detailliert, Bing Cansino („Gunslinger Spawn“) erinnert mit seinen gemäldeartigen Zeichnungen ein wenig an Alex Ross und Mike Mayhew ist mit seinen sehr realistischen Bildern irgendwo in der Mitte zwischen beiden.
Fazit: Ein gelungenes, düsteres, hintergründiges und vor allem grandios gezeichnetes letztes Kapitel für Al Simmons als Spawn und David Hine als Autor. Mit Jim Downing, Al Simmons‘ Nachfolger, konnte ich bisher leider noch nicht wirklich warm werden.

Brut-Monat:
Prämisse
Spawn
Todd McFarlane’s Spawn
David Hines Spawn-Run Teil 1

David Hines Spawn-Run Teil 1

spawnarmageddon
In US-Spawn 100 gelang Al Simmons, in der Hölle seinen Schöpfer und Erbfeind Malebolgia zu töten, was auch gleichzeitig den Ausstieg des enorm beliebten Zeichners Greg Capullo bedeutete. Mit seinem Nachfolger, Angel Medina, konnte ich allerdings nie besonders warm werden, und auch storytechnisch konnte Autor Brian Holguin nicht mehr so wirklich überzeugen. Nach weiteren 49 US-Ausgaben gab er den Staffelstab schließlich an David Hine weiter. Er, Holguin, und der Spawn-Schöpfer Todd McFarlane verfassten zusammen die hundertfünfzigste Jubiläumsausgabe, bevor Hine endgültig dazu überging, Spawns Schicksal weiter zu bestimmen (mit Unterstützung von Todd McFarlane, versteht sich).
Hines Run lässt sich dabei zweiteilen. Die erste Hälfte geht von US-Spawn 150 bis 164, die zweite von 165 bis 184. Beide Teile unterscheiden sich sowohl voneinander als auch vom bisher dagewesenen recht stark. Hines-Spawn-Ausgaben, vor allem die zweite Hälfte seines Runs, wurden mitunter sehr kontrovers aufgenommen, in meinen Augen gehören sie allerdings mit zu den besten Spawn-Geschichten überhaupt.
Der erste Teil des Hine-Runs lässt sich unter einem Stichwort zusammenfassen: Armageddon. Gegen die Apokalypse (und das ist wörtlich zu nehmen), die hier losbricht, war die Vernichtung Malebolgias ein Spaziergang. Da die Story äußerst komplex ist, werde ich mich bemühen, die Rezension nicht zu sehr ausufern zu lassen.
Die Lage spitzt sich zu. Überall auf der Welt geschehen merkwürdige Dinge. Die Macht der Hölle wächst weiter, die Toten erheben sich und merkwürdige Gestalten wie der „Mann der Wunder“ und die indische Todesgöttin Kali wandeln umher. Der Höllenfürst Mammon, der Spawn in seine Klauen bekommen hat, strebt nach der Macht und die Polizisten Sam und Twitch versuchen herauszufinden, was mit Spawn geschehen ist und müssen sich dazu selbst in die Hölle aufmachen.
Währenddessen geraten Wanda und Terrys Zwillinge immer weiter außer Kontrolle. Zu Beginn spielen sich beide noch recht harmlose Streiche, doch diese ufern bald aus und enden tödlich – oder sollten tödlich enden, doch offenbar kann nichts die beiden kleinen Kinder verwüsten. Als sie die beiden schließlich ihr wahres Gesicht zeigen, ist bereits zu spät, die Apokalypse aufzuhalten.
In beiden Teilen seines Runs entfernte sich Hine relativ weit von der bisherigen Konzeption der Serie, Armageddon á la Spawn hat mit den ursprünglichen Superhelden- bzw. Antiheldenabenteuern nicht mehr allzu viel zu tun. Stattdessen wird eine epische Geschichte des Weltuntergangs erzählt und nebenbei auch klargestellt, wie das Universum, samt Himmel und Hölle, entstanden ist. Allein für diese doch äußerst interessante Entstehungsgeschichte lohnt es sich, die entsprechenden Hefte zu lesen. Was bereits früher angedeutet wurde, wird nur eindeutig bestätigt: Gott und Satan sind vom gleichen Schlag, und Ersterer ist keinesfalls gut oder gütig, er hat lediglich ein besseres Image.
Über den Verlauf der äußerst spannenden Geschichte wird nicht nur viel über Himmel und Hölle enthüllt, sondern auch über Al Simmons und seine Natur als Spawn. Nach einem spektakulären Beginn, bei dem es ein kurzes Wiedersehen mit vielen alten Bekannten gibt, lässt sich ein Hine ein wenig Zeit, bevor schließlich eine apokalpytische Tour de Force folgt, die alles hat, was man sich wünschen kann: Die Toten kehren zurück, die vier apokalyptischen Reiter, die die Welt in Trümmer legen, himmlische Heerscharen, dämonische Armeen und Gott und Satan, die sich prügeln.
Darüber hinaus ist der Schluss-Twist sehr interessant. Es handelt sich dabei quasi um einen doppelten Schluss-Twist, einen globalen und einen persönlichen.
Philip Tan, der Zeichner des ersten Teils des Hine-Runs, ergänzt die Texte und Dialoge schließlich sehr gut; sein Stil passt zur Geschichte. Zwar kommt er in meinen Augen nicht an Greg Capullo heran, ist aber um Welten besser als Angel Medina. Tan zeichnet sehr detailliert, Gesichter gelingen ihm allerdings nicht ganz so gut. Dafür leistet er allerdings exzellente Arbeit, wenn es um Dämonen und andere höllische Wesen geht. Sehr gelungen ist auch die Weiterentwicklung von Spawns Kostüm, das nun kaum mehr wie ein traditionelles Superheldenkostüm aussieht, sondern eher wie eine organische Rüstung.
Fazit: Gelungene erste Hälfte des David-Hine-Runs: Die Welt geht mit großem Krawall und allem, was man sich für eine gelungene Apokalypse wünschen kann, unter.

Brut-Monat:
Prämisse
Spawn
Todd McFarlane’s Spawn
David Hines Spawn-Run Teil 2

Todd McFarlane’s Spawn

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Wenn die Spawn-Realverfilmung ein Beispiel dafür ist, wie man eine derartige Comicserie nicht adaptieren sollte, ist HBOs Spawn-Zeichentrickserie mit dem Titel „Todd McFarlane’s Spawn“ eine Fallstudie in Sachen gelungener Adaption.
Bei dieser Serie – sie umfasst drei Staffeln á jeweils sechs Folgen (insgesamt also 18 Episoden – muss man sich erst einmal von dem Gedanken, dass Zeichentrick ausschließlich etwas für Kinder ist, vollständig verabschieden, denn es handelt sich hierbei ohne jeden Zweifel um eine reinrassige HBO-Serie. Und es geht eindeutig nicht zimperlich zu.

Handlung und Umsetzung
Natürlich basiert auch die Zeichentrickserie auf denselben Comics wie die Verfilmung, das Grundgerüst ist dasselbe: Der Soldat Al Simmons (Keith David) stirbt einen gewaltsamen Verbrennungstod und verkauft seine Seele dem Dämonenfürsten Malebolgia, um seine Frau Wanda (Dominique Jennings) noch einmal sehen zu können. Allerdings erwacht er erst fünf Jahre nach seinem Tod, Wande ist mit Als bestem Freund Terry Fitzgerald (Victor Love) verheiratet und hat eine Tochter namens Cyan (Kath Soucie). Al selbst ist nun ein Hellspawn, ein Agent der Hölle, der von einem dämonischen Agenten Malebolgias (Michael Nicolosi als Clown, James Hanes als Violater) ausgebildet werden soll.
Gerade den ersten Ausgaben der Spawn-Serie merkt man sehr stark an, dass sie in den frühen 90ern entstanden sind, vieles war recht plakativ und Figuren wie Cy-Gor (ein Cyborg-Gorilla) machten die Sache auch nicht unbedingt besser. Die Zeichentrickserie zeigt, im Gegensatz zum Film, wie man das Ganze passend adaptieren kann. Die Macher ließen viele der Superheldenelemente der Vorlage fallen und konzentrierten sich stärker auf die Thriller- und Horror-Elemente. Das fängt schon bei der Darstellung Spawns an: Der Titelheld sieht zwar genauso aus wie in der Vorlage, aber man sieht ihn nur sehr selten komplett, da sein Cape (im Gegensatz zum Film hier wunderbar eingesetzt) ihn die meiste Zeit vollständige verhüllt. Kämpfe zwischen Spawn und Gegnern wie Cy-Gor fallen fast vollständig weg, denn den meisten Gegnern ist Spawn grundsätzlich überlegen, die Serie konzentriert sich stärker auf Als psychologische Konflikte. Daneben sind auch Terry, Wanda und die beiden Polizisten Sam Burke (James Keane) und Maximilion Williams (Michael McShane), genannt Twitch durchaus gleichwertige Protagonisten, die manchmal sogar stärker im Fokus stehen als Spawn. Erfreulicherweise gibt es auch kein Handlungskonzept á la „Monster der Woche“, sondern einen durchgehenden Handlungsstrang. Das größte Manko diesbezüglich ist das offene Ende, das eigentlich nach einer Weiterführung schreit – leider ist bis jetzt nichts passiert.
Wirklich exzellent ist auch die Darstellung Malebolgias (sofern man davon sprechen kann) gelungen: Der große Oberschurke taucht nämlich nie auf. Es gibt keine Szene, die seinen Handel mit Al zeigt und keinen endgültigen Showdown. Malebolgia im Film war schlecht animiert und albern, und selbst in den Comics fand ich sein Aussehen nie wirklich berauschend. In der Serie dagegen taucht er zwar nie auf, seine Präsenz ist aber stets zu spüren, nicht zuletzt durch die grandiose Atmosphäre. In dieser ist der Einfluss einiger anderer gelungener Animationsserien der 90er zu spüren, vor allem natürlich „Batman: The Animated Series“ und, stärker noch, Disneys „Gargoyles“. Vor allem stilistisch erinnert „Todd McFarlane’s Spawn“ recht stark an Letztere, bzw. an eine Mischung aus dem Gargoyles-Stil und den Zeichnungen des Spawn-Künstlers Greg Capullo. Die Serie spielt in einer düsteren, heruntergekommenen, gotischen Welt, das Spiel mit den Schatten ist grandios, kurzum: Atmosphärisch ist die Serie beinahe unschlagbar.

Die Figuren und ihre Sprecher
Die Umsetzung der Figuren ist ein weiterer, großer Pluspunkt dieser Serie.
Wie oben bereits erwähnt wird vor allem Spawn selbst sehr unsuperheldentypisch dargestellt. Die meiste Zeit sieht man ihn als schwarz-rote Silhouette mit grün glühenden Augen – er kämpft nicht viel, greift nicht auf großkalibrige Waffen zurück und nur sehr selten sieht man, dass er unter seinem Umhang in der Tat ein hautenges Kostüm trägt. Wie in den Comics grübelt er sehr viel über sein Schicksal und seinen Verlust und zugegebenermaßen geht er einem dabei hin und wieder ziemlich auf die Nerven – das gehört allerdings zur Figur. Gesprochen wird Al Simmons vom grandiosen Keith David (Goliath in „Gargoyles“ und Dr. Facilier in „Küss den Frosch“), der mit seiner tiefen, sonoren Stimme mal wieder dafür sorgt, dass das Ganze Konzept funktioniert.
Auch alle anderen sind wunderbar umgesetzt. An erster Stelle wäre hier vor allem Spawns Lieblingswidersacher, der Clown zu nennen. Im Gegensatz zur Filmversion ist dieser Clown weitaus ekliger und unheimlicher. Wie nicht anders zu erwarten hängt dies auch stark mit dem Sprecher zusammen; Michael Nicolosi spricht ihn mit einer sehr hohen und gleichzeitig enorm bösartigen Stimme, die einfach vorzüglich passt.
Ebenfalls in krassem Kontrast zur Verfilmung steht Jason Wynn, in selber dargestellt von Martin Sheen, der ihn als ziemlich stereotypen Schurken mit Welteroberungsplänen darstellte. In der Serie wird er von John Rafter Lee gesprochen und kommt als Geheimdienstleiter mit großen Ambitionen und schmutzigen Geheimnissen weitaus authentischer rüber. Mich persönlich erinnert dieser Jason Wynn stark an David Xanatos aus „Gargoyles“, was grundsätzlich positiv ist. Eigentlich wurde so ziemlich jede Figur passend besetzt.
Ein erwähnenswertes Element ist die himmlische Jägerin Jade. Eine in den Comics vorkommende und bei den Fans sehr beliebte Figur ist der Engel Angela. Angela taucht in der Tat in der Serie auf, allerdings nur in einer Episode, in der der Grundstein für einen Handlungsstrang gelegt wurde, der jedoch im Nichts endet. Den Grund dafür ist Folgender: Angela wurde von Neil Gaiman erfunden, der für Spawn einige Ausgaben schrieb, was allerdings später zu einem Rechtsstreit mit Todd McFarlane führte, der sich über viele Jahre hinzog. Ich persönlich vermute, dass das Fehlen Angelas in späteren folgen damit zusammenhängt und dass als Ersatz die von Ming Na gesprochene Spawn-Jägerin Jade aktiv wird und Angelas Plot „übernimmt“.

Erhältlichkeit
Das große Problem bei dieser Serie ist, dass sie es niemals nach Deutschland geschafft hat – Spawn war hier nie wirklich populär, und das Vorurteil Zeichentrick=Kinderkram hält sich hier ebenfalls sehr stark. Glücklicherweise gibt es die gesamte Serie auf youtube in recht annehmbarer Qualität. Und da man die Serie nicht anschauen kann ohne aufwendiges und sehr kostspieliges Importieren, möglicherweise ist sogar ein Code-1-DVD-Player vonnöten, habe ich auch überhaupt kein schlechtes Gewissen, wenn ich hier gleich die entsprechenden Links anbringe:
Staffel 1.1
Staffel 1.2
Staffel 2.1
Staffel 2.2
Staffel 3.1
Staffel 3.2

Fazit: Die bislang einzige wirklich gelungene Umsetzung von Spawn und darüber hinaus eine der besten und erwachsensten Zeichentrickserien überhaupt. Warum gibt es in unseren Gestaden nicht mehr von dieser Sorte?

Brut-Monat:
Prämisse
Spawn
David Hines Spawn-Run Teil 1
David Hines Spawn-Run Teil 2

Spawn

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Story: Der Soldat Al Simmons (Michael Jai White) wird beim Einsatz in Nordkorea von seinem Vorgesetzten Jason Wynn (Martin Sheen) verraten und in Brand gesteckt. Er kommt in der Hölle, wo er mit deren Chef Malebolgia (Frank Welker) einen Vertrag abschließt: Im Austausch für ein Wiedersehen mit seiner Frau Wanda (Theresa Randle) erklärt sich Al bereit, die Armee der Hölle anzuführen. Doch wie üblich spielt der Teufel mit gezinkten Karten. Zwar wird Al zur Erde zurückgeschickt, allerdings hat das Ganze zwei enorme Haken. Seit Als Tod sind fünf Jahren vergangen, Wanda hat seinen besten Freund Terry Fitzgerald (D. B. Sweeney) geheiratet und hat von ihm eine Tochter (Sydni Beaudoin) bekommen. Noch gravierender: Al ist jetzt ein Hellspawn, ein aus Nekroplasam bestehender Untoter (dem man das auch ansieht) mit einem lebendigen Kostüm. Während der Clown (John Leguizamo) versucht, Al auf seinen Dienst als höllischer Heerführer vorzubereiten, will ihn der ehemalige Hellspawn Cogliostro (Nicol Williamson) gegen Malebolgia einsetzen…

Kritik: Unglaublich aber wahr, bevor Blade und die X-Men der aktuell immer noch anhaltenden Welle der Superheldenfilme den Weg ebneten, konnte man die Exemplare dieser Gattung, die von Kritikern und Fans gemocht wurden und auch erfolgreich waren, an einer Hand abzählen. Leider gehört die Realverfilmung der von Todd McFarlane geschaffenen Comicserie „Spawn“ zu den vielen schlechten Comicverfilmungen der Prä-Blade-Ära. Bei dieser Adaption von Regisseur Mark A.Z. Dippé handelt es sich um puren Trash, und leider nicht von der unterhaltsamen Sorte. Nun finden sich zwar auch in der Comicserie einige sehr trashige Elemente – immerhin gehört Spawn trotz allem zu den Antihelden der 90er, da lässt sich das kaum vermeiden – aber die interessanteren Aspekte der Vorlage wurden kaum mit einbezogen, während der Rest schlicht nicht zu unterhalten weiß. Trotz der vielen Actionszenen ist der Film die meiste Zeit über ziemlich dröge. Erschwerend hinzu kommt, dass kaum einer der Schauspieler zu überzeugen weiß. Micheal Jai White und Nicol Williamson wirken gelangweilt, Martin Sheen scheint unterfordert und, bei allem Respekt, passt nicht wirklich zu Jason Wynn (dessen kriminelle Absichten hier sowieso kaum Sinn ergeben) und der Rest des Casts bleibt blass. Auch John Leguizamo als Clown als kann nicht wirklich überzeugen, er ist in erster Linie albern, aber dabei niemals unheimlich oder einschüchternd, was auch mit dem grausigen Make-up zusammenhängt. Zwar ist die Nähe zu Vorlage sehr stark, aber ich wage zu behaupten, dass das in diesem Fall ein Nachteil und kein Vorteil ist. Darüber hinaus ist der Clown viel zu sauber.
Der größte Reinfall des Films sind allerdings die Effekte. Am besten gelungen sind diesbezüglich noch Spawn und der Violater, und selbst die sehen aus wie Gummipuppen. Spawns Umhang und Malebolgia sind allerdings wirklich unter aller Kritik. Ja, 1997 waren die Computereffekte noch nicht so weit, aber selbst damals gab es schon Computerspiele, deren Rendereffekte besser aussahen als das, was in „Spawn“ präsentiert wird. Und wirklich, muss ein Fürst der Hölle so albern klingen? Wie man es in diesem Fall auch in einem Realfilm hätte machen können, zeigt HBOs grandiose Spawn-Zeichentrickserie: Dort taucht Malebolgia nämlich körperlich gar nicht auf, seine Präsenz ist aber zu jeder Zeit fühlbar.
Ganz allgemein wird der Film mit nach hinten immer dämlicher, was schließlich in einem unterirdischen Finale gipfelt. Der Kampf Spawns und Cogliostros mit dem Violater in der Hölle sieht grauenhaft aus. Und wieso kann ein so junger Hellspawn wie Al Simmons plötzlich grüne Strahlen verschießen, die andere (wahrscheinlich weit ältere und mächtigerere) Vertreter seiner Gattung einfach so verdampfen?
Fazit: Trashige, langweilige und völlig misslungene Verfilmung, die auf keiner Ebene zu überzeugen weiß.

Trailer

Brut-Monat:
Prämisse
Todd McFarlane’s Spawn
David Hines Spawn-Run Teil 1
David Hines Spawn-Run Teil 2

Aktuell: Themenmonat Februar

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Irgendwie gefällt mir das Konzept des Themenmonats auf meinem Blog immer besser, weshalb nun nach dem Hobbit-Countdown der nächste folgt: Hiermit erkläre ich den Februar zum Spawn-Monat. Bei Spawn handelt es sich um einen in den 90ern von Autor und Zeichner Todd McFarlane geschaffene Comicfigur. McFarlane gründete zusammen mit anderen Kollegen wie Rob Liefeld oder Jim Lee die Image-Studios, da sie mit den Bedingungen und der Arbeitsweise der beiden großen Verlage DC und Marvel nicht mehr zurechtkamen, allerdings zerstritten sie sich.
Jeder der Gründer steuerte eine andere Heldenfigur zum „Verlagskosmos“ bei. Spawn ist davon mit Abstand der beliebste, erfolgreichste und langlebigste Vertreter seiner Gattung (von den ursprünglichen Image-Helden ist außer Spawn nur noch Savage Dragon „aktiv“), und auch der, der sich auch am weitesten entwickelt und (nicht nur als Figur, sondern auch als Comicserie) die größte Wandlung durchgemacht hat.
Ansonsten läuft es wie üblich: Im Februar wird der Schwerpunkt der Artikel auf Spawn liegen, aber natürlich gibt es auch nach wie vor immer mal wieder ein wenig Abwechslung in Form von Artikeln mit anderem Inhalt.