JLA: American Dreams

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Aufgrund der zumeist eher kürzeren Handlungsbögen von Grant Morrisons JLA-Serie erhielten einige der Paperbacks ziemlich generische Titel, die alles oder gar nichts aussagen. „American Dreams“, das zweite Paperback, das die Einzelhefte 5 bis 9 enthält, ist hierfür vielleicht nicht das Paradebeispiel, da Träume tatsächlich ein Handlungselement in einer der Storys darstellen, aber diese Träume sind weder spezifisch amerikanisch, noch hängt der Inhalt wirklich mit dem „American Dream“ zusammen. Wie dem auch sei, bei dieser Artikelreihe kann sich die Struktur von Band zu Band ändern, je nachdem, wie viele Handlungsbögen enthalten sind.

Neue Gesichter
Je nach Betrachtungsweise bekommt die JLA eineinhalb bis drei neue Mitglieder. Tomorrow Woman ist Fokus der ersten Story des Bandes und wird dort behandelt. Bei den anderen beiden handelt es sich um Green und Arrow und… Superman.

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Green Arrow/Connor Hawke (Bildquelle)

Ich erwähnte ja bereits in meiner Rezension zum letzten Band, dass DC in den 90ern sehr experimentierfreudig war. Ähnlich wie Barry Allan und Hal Jordan hatte man auch Oliver Queen, ein weiteres Urgestein des Silbernen Zeitalters, in dieser Comic-Ära entfernt und durch einen Nachfolger ersetzt. Bei diesem Nachfolger handelt es sich um Connor Hawke, Sohn von Oliver Queen, der nach dessen Heldentod die Green-Arrow-Identität annimmt. Anders als der zum Teil zynische Oliver ist Connor weitaus zurückhaltender und naiver, nicht zuletzt, da er in einem Hindu-Kloster aufgewachsen ist. Oliver Queens Tod wurde, wie so viele andere auch, in den 2000ern rückgängig gemacht. Im Rahmen des New-52-Reboots von 2011 verschwand Connor fast vollständig von der Bildfläche und tauchte nur noch einmal während des Convergence-Crossovers auf, das viele Helden und Schurken aus der DC-Historie und diversen Alternativwelten gegeneinander kämpfen ließ.

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Des Kryptoniers neue Kleidung (Bildquelle)

Superman selbst wurde zwar nicht auf diese Weise ersetzt, nachdem er Anfang der 90er kurzzeitig umgebracht und von diversen Ersatzmännern vertreten wurde, versuchten die kreativen Köpfe von DC Ende der Dekade, ihn auf anderem Wege jung und frisch zu halten – und zwar, in dem sie sein Design und seine Kräfte völlig veränderten. In den regulären Superman-Serien begannen sich seine Kräfte zu entwickeln; so prallten Pistolenkugeln nicht mehr von ihm ab, sondern flogen durch ihn durch. Nach und nach wurde er immer elektrischer und schließlich musste ein weiß-blauer Eindämmungsanzug her, damit Superman sich nicht einfach in reine Elektrizität verwandelt. Diese Veränderung wirkte sich natürlich auch auf die JLA-Serie aus, Morrison machte allerdings kein großes Aufheben darum, benutzte die neuen Kräfte, wo es gerade passte, setzte sich aber kaum mit der Wandlung auseinander. In Supermans eigenen Serien wurde ganze Angelegenheit noch merkwürdiger, als klar wurde, dass seine Fans von der Veränderung nicht allzu begeistert waren. Der „Mann aus Elektrizität“ spaltete sich in eine rote und eine blaue Version seiner selbst und kehrte am Schluss zu seinen alten Kräften und seinem alten Design zurück; lediglich die Kurzhaarfrisur seines elektrischen Alter Egos behielt er.

Woman of Tomorrow

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Tomorrow Woman (Bildquelle)

Die fünfte US-Ausgabe der JLA-Serie erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte. Als Kind liebte ich vor allem den Anfang, während mich der Rest verhältnismäßig kalt ließ. Der Plot ist recht simpel: Die JLA sucht neue Mitglieder und bekommt eines in Form von Tomorrow Woman, die sich jedoch als trojanisches Pferd erweist. „Woman of Tomorrow“ zeigt, wie viel Grant Morrison in einer einzigen US-Ausgabe unterbringt. Am Anfang wird (sehr knapp) Supermans neues Outfit vorgestellt, gefolgt von einem Casting für neue Ligisten. Beides ist von äußerst trockenem, sehr gelungenem Humor geprägt, der Auftritt von Tommy Monaghan alias Hitman ist definitiv ein Highlight. Die zweite Hälfte der Story ist ernster, mit Tomorrow Woman greift Morrison die Thematik eines großen Werkes der Science-Fiction-Literatur auf: „Blade Runner“ von Philip K. Dick. Tomorrow Woman ist ein Androide, geschaffen von den beiden notorischen Justice-League-Gegnern Professor Ivo (Schöpfer von Amazo, ebenfalls ein Gegner der Liga, der in einem späteren Paperback noch auftaucht) und Professor T. O. Morrow (Schöpfer des Justice-League-Mitglieds Red Tornado, der später zum Mentor des Teenager-Teams Young Justice wird). Nach und nach erweist sich, dass Tomorrow Woman zu perfekt ist, denn letztendlich opfert sie sich für die Liga, anstatt sie zu vernichten. Man wird den Eindruck nicht los, dass man aus dem Konzept dieses Hefts noch einiges mehr hätte machen können (siehe auch die Kategorie „Weiterführende Lektüre“), aber so wie es ist, ist es ein kurzweiliger Lückenfüller zwischen zwei größeren, sehr epischen Handlungsbögen.

Fire in the Sky/Heaven and Earth
In der zweiten Story von „American Dreams“ wird es buchstäblich biblisch, denn ein Engel fällt zur Erde. Zauriel, ehemaliger Schutzengel der Adlerkaste, hat sich in einen Menschen verliebt und ist deshalb sterblich geworden. Unglücklicherweise hat er zuvor mitbekommen, dass Asmodel, Anführer der Bullen-Kaste und einer der mächtigsten Kriegsengel des Himmels, den Aufstand proben möchte. Die Gelegenheit ist für Asmodel natürlich ideal, denn nun ist Zauriel verwundbar und sterblich. Allerdings hat er nicht mit der Justice League gerechnet, die verständlicherweise etwas dagegen hat, wenn die himmlischen Heerscharen ausgerechnet in Los Angeles randalieren. Während die JLA also gegen leibhaftige Engel kämpft, kocht der Dämonenfürst Neron sein eigenes Süppchen, um es den Ligisten noch schwerer zu machen.

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Superman ringt mit Asmodel (Bildquelle)

Was Morrison hier an Epik in nur zwei US-Heften auffährt ist beeindruckend. Gerade bei diesem Handlungsbogen zeigt sich, wie gut Morrisons komprimierte Erzählweise wirkt – ein bombastischer Moment reiht sich an den nächsten, bis hin zum Kampf zwischen Superman und Asmodel (mit Flashs Kommentar als Highlight). Für diese Geschichte hatte ich schon als Kind stets eine besondere Wertschätzung, vor allem von Zauriel war ich begeistert. Mit dem gefallenen Engel bereitet Morrison hier bereits den späteren Verlauf der Serie vor. Ursprünglich wollte er Hawkman als Teil der Liga sehen, doch aufgrund diverser Kontinuitätsprobleme erlaubte ihm DC die Verwendung des klassischen geflügelten Helden nicht, weshalb ein neuer geflügelter Held her musste.

Imaginary Stories/Elseworlds
Als Autor ist Grant Morrison vor allem für seine schrägen Meta-Geschichten bekannt. Seine JLA-Arbeiten sind diesbezüglich noch zahm, gerade im Vergleich zu Werken wie „Flex Mentallo“, „Animal Man“ oder „Final Crisis“. Doch auch hier finden sich diverse Meta-Elemente. Nachdem die Liga mit den marodierenden Engeln fertig geworden ist, werden sie vom Schurken The Key überrumpelt. The Key ist schon eine ganze Weile im Geschäft, hat sein Gehirn zur Hochleistung modifiziert und dabei eine Gesetzmäßigkeit entdeckt: Die Justice League gewinnt immer. Natürlich ist das letztendlich eine narrative Gesetzmäßigkeit, gerade bei einem fortlaufenden Medium wie der Comicserie. Diese Gesetzmäßigkeit möchte The Key für einen typischen, unnötig komplizierten Plan verwenden, der im Grunde sowieso nicht einmal zweitrangig ist, da er ohnehin keine Rolle spielt. Um sein Ziel zu erreichen verfrachtet er die Ligisten in simulierte Träume, aus denen sie entkommen müssen und die der eigentliche Fokus der Geschichte darstellen. In den 90ern war das Elseworld-Konzept gerade sehr beliebt; alle möglichen Autoren konnten sich ohne Rücksicht auf Verluste austoben und mit bekannten Figuren experimentieren. Morrison jongliert hier mit mehreren derartigen Ideen: Krypton explodiert nicht, stattdessen wird Kal-El zur Green Lantern, Batman hat Catwoman geheiratet und mit ihr einen Sohn gezeugt, der nun Robin zu Tim Drakes Batman ist, Wonder Woman ist als Schatzsucherin unterwegs etc. Ich persönlich hatte auch immer ein Faible für Elseworlds, weshalb ich die Alternativversionen der Helden, die dieser Storybogen präsentiert, sehr kurzweilig finde.

Zugleich führt Morrison Green Arrow auf sehr gelungene Weise ein, ohne groß dessen Hintergrund zu rekapitulieren. Connor Hawke ist im Verlauf gezwungen, auf die Trickpfeile seines Vaters zurückzugreifen, die er selbst nicht verwendet – Morrison nutzt diesen Umstand aus, um Connors Ringen mit seinem Vermächtnis und die Unterschiede zwischen Vater und Sohn auf prägnante Weise darzustellen.

Die Zeichnungen dieser dritten Geschichte stammen erstmals nicht von Howard Porter, sondern von Oscar Jimenez, dessen Stil mir ebenfalls ganz gut gefällt. Seine Zeichnungen sind etwas rauer als Porters und etwas weniger stilisiert, vermitteln im Großen und Ganzen aber eine ähnliche Atmosphäre, sodass der Wechsel nicht allzu schwer ins Gewicht fällt.

Weiterführende Lektüre
Tomorrow Woman erwies sich als erstaunlich populär und bekam, trotz ihres Ablebens, noch einige weitere Auftritte spendiert. Auf den Seiten des One Shots Girlfrenzy! JLA: Tomorrow Woman #1 (erschien auch im Rahmen der Dino-JLA-Serie) gingen Autor Tom Peyer und Zeichner Yanick Paquette näher auf ihre Zeit bei der JLA ein, während sie in der Serie „Hourman“ zumindest temporär wiederbelebt wurde und noch einen weiteren Auftritt in „Trinity“ spendiert bekam.

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Neron (Bildquelle)

Der Dämon Neron debütierte nur zwei Jahre vor dem Beginn von Morrisons JLA-Run in der Miniserie „Underworld Unleashed“, geschrieben von Mark Waid (ja, der gute Mark war in den 90ern extrem fleißig) und gezeichnet von niemand anderem als Howard Porter persönlich. „Underworld Unleashed“ diente vor allem dazu, einige Schurken des DC-Universums auf Vordermann zu bringen und sie wieder bedrohlicher zu machen. Neron tritt als Seelenhändler auf, der im Austausch für Seelen neue Superkräfte, Optimierungen und ähnliches anbietet. Unter den Event-Miniserien der 90er war (und ist) „Underworld Unleashed“ immer einer meiner heimlichen Favoriten. Zwar gab es auch eine ganze Menge Tie-Ins, aber die Geschichte funktioniert auch ohne sie, anders als es bei diversen anderen Event-Comics der Fall war und ist. Außerdem finde ich den Plottwist ziemlich clever und ich mag auch Jesse James alias Trickster als Protagonisten. Darüber hinaus beinhaltet diese Miniserie einen der besten Joker-Momente überhaupt. Im Gespräch mit einigen anderen Schurken enthüllt er, was er von Neron für seine Seele bekommen hat: Zigarren (natürlich kubanische). „Underworld Unleashed“ ist auf Deutsch als „JLA Sonderband 2: Underworld – Hölle auf Erden“ erschienen.

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Zauriel auf dem Cover von „Paradise Lost“ (Bildquelle)

Zauriels weiteres Schicksal wird in der gelungenen dreiteiligen Miniserie „JLA: Paradise Lost“, geschrieben von Mark Millar und gezeichnet von Ariel Olivetti, erzählt. Hier kommt es zur Kontaktaufnahme zwischen dem Engel und der Frau, in die er sich verliebt hat (sowie ihrem Verlobten, der die ganze Angelegenheit nicht besonders toll findet). Außerdem wird weiter geschildet, welchen Plan Asmodel und Neron eigentlich verfolgen und wie er letztendlich scheitert. Sowohl die JLA als auch der Dämon Etrigan absolvieren Gastauftritte. Auf Deutsch erschien die Miniserie in Dinos „JLA Special 2: Zauriel – Die Vertreibung aus dem Paradies“.

Fazit
„American Dreams“ ist der erste JLA-Band, der mehrere kürze Storys beinhaltet. Während „Tomorrow Woman“ und „Imaginary Stories/Elseworlds“ eher kleinere, geschlossene, aber nicht weniger gelungene Geschichten sind, muss sich „Fire in the Sky/Heaven and Earth“ bezüglich der schieren Epik definitiv nicht vor „New World Order“ verstecken. Darüber hinaus erwies sich diese Geschichte als sehr folgenreich, beeinflusste die Darstellung von Himmel und Hölle im DC-Universum nachhaltig und inspirierte mehrere direkte und indirekte Fortsetzungen.

Titelbildquelle

Siehe auch:
JLA: New World Order

JLA: New World Order

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Eigentlich sollte ich dieses Jahr wegen einem Film äußerst gehypt sein. Hätte man mir vor 2013 gesagt, dass in absehbarer Zeit ein Justice-League-Film kommen würde, wäre ich sicher äußerst begeistert gewesen, denn die Justice League ist mein Lieblingssuperheldenteam, noch vor den X-Men, den Teen Titans oder den Avengers. Die ersten Comics, die ich im zarten Alter von sieben oder acht Jahren las, waren (neben Batman-Solo-Geschichten, versteht sich) Justice-League-Comics. Unglücklicherweise kamen seither mit „Man of Steel“, „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ drei Filme, die nicht nur mich ernsthaft daran zweifeln ließen, dass Warner Bros. die Comics, die sie da adaptieren, auch wirklich verstehen. Immerhin „Wonder Woman“ scheint nach dem, was man so hört, Anlass zur Hoffnung zu geben. Auch wenn ich dem Justice-League-Film, der im November startet, mit negativen Gefühlen entgegenblicke, möchte ich ihn doch zum Anlass nehmen, ein wenig über mein Lieblingssuperheldenteam, bzw. die Inkarnation besagten Teams, die mich dazu gebracht hat, mich in es zu verlieben, zu schreiben.

Die Justice League – ein kurzer Abriss

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The Brave and the Bold #28 (Bildquelle)

Nachdem das Medium Comic im Allgemeinen und das Superheldengenre im Speziellen in den frühen 1950ern eine schwere Zeit durchmachte, bekam es Ende der Dekade langsam wieder Aufwind. DC Comics gelang es, Figuren aus den 40ern, etwa Flash und Green Lantern, mit neuen Identitäten wiederzuerwecken. Schon bald wurde eine weitere Idee aus den 40ern reaktiviert: Das Superheldenteam. Während des Zweiten Weltkriegs hatten sich DCs Helden zur „Justice Society of America“ zusammengefunden. Im Jahr 1960, in Ausgabe 28 der Anthologieserie The Brave and the Bold debütierte die „Justice League of America“. In ihrer Grundformation bestand die Justice League, kurz JLA, aus den sieben größten Superhelden des Verlags: Superman (Clark Kent), Batman (Bruce Wayne), Wonder Woman (Diana Prince), Flash (Barry Allen), Green Lantern (Hal Jordan), Aquaman (Arthur Curry) und Martian Manhunter (J’onn J’onzz). Die Liga erwies sich als äußerst erfolgreich und bekam schon bald ihre eigene Serie. Im Verlauf kamen neue Mitglieder wie Green Arrow, Zatanna, Atom oder Black Canary hinzu und nach und nach veränderte sich das Team immer weiter, Helden kamen und gingen, Hauptquartiere wechselten und die Liga teilte sich in mehrere Teams auf, etwa in die „Justice League Europe“ oder die „Justice League International“. Besonderes Letztere wandte sich in den 80ern unter den Autoren Keith Giffen und J. M. DeMatteis von der Idee des Teams aus den größten Superhelden der Welt, die diese vor übermäßigen Bedrohungen retten, ab und konzentrierte sich stärker auf absurden Humor.

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Die sieben ursprünglichen Mitglieder der JLA, in Szene gesetzt von Alex Ross: Green Lantern, Flash, Superman, Batman, Wonder Woman, Aquaman, Martian Manhunter (Bildquelle)

Die frühen 90er waren geprägt vom Erbe von „Watchmen“ und „The Dark Knight Returns“: Völlig amoralische Antihelden, die sich kaum noch von den Schurken unterschieden, waren gerade modern. Einigen Autoren bei DC sagte dieser Trend überhaupt nicht zu. Bereits mit „Kingdom Come“ bemühte sich Mark Waid, in Zusammenarbeit mit Alex Ross, um eine Rekonstruktion des Superheldengenres. Zusammen mit Fabian Nicieza, seines Zeichens Mitschöpfer von Deadpool, verfasste er 1996 für DC eine Miniserie namens „A Midsummer’s Nightmare“, die diesen Trend fortsetzte und gleichzeitig die diversen schwächelnden Justice-League-Serien beendete, indem sie stattdessen eine neue Justice League versammelte. Auf die dreiteilige Miniserie folgte 1997 eine neue, fortlaufende Justice-League-Serie, geschrieben von Grant Morrison, die auf „A Midsummer’s Nightmare“ aufbaut – diese Serie ist das eigentliche Sujet dieser Artikelreihe. Hier werde ich die diversen Storybögen der JLA-Serie besprechen, wobei ich mich an den amerikanischen Paperbacks orientiere.

Die Ligisten
Bei der Konzeption der neuen Liga orientierten sich Waid und Morrison an den klassischen sieben Helden der ersten Inkarnation. Natürlich mussten dabei die jeweils aktuell laufenden Storys der einzelnen Helden, die alle eine (bzw. im Fall von Batman und Superman diverse) laufende Serien hatten, miteinbezogen werden. In den späten 80ern und den 90ern war DC von einer Tendenz des Wandels geprägt. Manche Änderungen waren nur temporär, hatten aber dennoch weitreichende Auswirkungen. Superman wurde von Doomsday getötet, während Bane Batmans Rückgrat brach und er durch den psychisch instabilen Jean-Paul Valley ersetzt wurde. Selbst Wonder Woman wurde zeitweise durch die rabiatere rothaarige Amazone Artemis vertreten. Diese Änderungen wurden wieder rückgängig gemacht, hinterließen aber ihre Spuren und prägte die Figuren für die 90er. Anders verhielt es sich mit Flash und Green Lantern. Barry Allen starb bereits während des Großevents „Crisis on Infinite Earths“ und wurde durch seinen Sidekick Wally West ersetzt. 1994 entschloss man sich, etwas Ähnliches mit Green Lantern anzustellen. Im Rahmen des dreiteiligen Storybogens „Emerald Twilight“ drehte Hal Jordan wegen der Zerstörung seiner Heimatstadt durch, massakrierte das Green-Lantern-Corps und wurde zum Schurken Parallax. Der letzte verbliebene Ring ging an den Zeichner Kyle Rayner, der von nun an als einzige Green Lantern versuchte, einem großen Erbe gerecht zu werden. Aquaman war zwar immer noch Arthur Curry, hatte aber seinerseits einige Veränderungen durchgemacht, trug nun Bart, eine Harpunenhand und war allgemein nicht mehr sehr umgänglich. Lediglich beim Martian Manhunter gab es in dieser Ära meines Wissens nach keine größeren Umwälzungen.

Konzept und Zeichnungen
Wie bereits erwähnt ging es Grant Morrison darum, die JLA zu ihren Wurzeln zurückzuführen und dem DC-Universum eine wirklich heldenhafte erste Garde zu geben. Das bedeutet, dass Morrison seine Liga nur gegen wirklich große Gegner kämpfen lassen wollte; die Justice League kommt bei ihm meistens dann zum Einsatz, wenn die Erde oder sogar das Gefüge der Realität selbst bedroht ist. Strukturell bediente sich Morrison dabei oft kürzerer Handlungsbögen. Schon in den 90ern dachte man bei der Konzeption der Storybögen zumeist an die später erscheinende Paperback-Version und legte die Handlung so aus, dass sie im Rahmen von vier bis sechs Heften erzählt wurde. Morrison ließ sich davon jedoch nicht beeinträchtigen, viele seiner Geschichten erstrecken sich nur über zwei bis drei Hefte. Das sorgt dafür, dass nur selten Leerlauf entsteht; die JLA sollte sich vor allem von der früheren Inkarnation aus den 80ern distanzieren, weshalb Morrison einen Seifenopern-artigen Aufbau vermied und die Geschichten sehr plotorientiert und prägnant hielt. Das bedeutet nicht, dass es nicht Humor oder Charakterentwicklung gäbe – wobei gerade Letztere bei einer Serie wie dieser immer so eine Sache ist. Morrison musste freilich die Entwicklungen der diversen Soloserien berücksichtigen, tat dies aber eher nebenbei und ohne große Erläuterungen. Liest man die JLA-Comics heute ohne Kenntnis des DC-Universums der späten 90er, kann es durchaus zu einiger Verwirrung kommen. Davon ließ Morrison sich jedoch nicht beirren, integrierte, was sein musste und erzählte sonst die Geschichten, die er erzählen wollte. In vielerlei Hinsicht ist „JLA“ die Essenz der positiven Trends des DC-Universums der späten 90er, denn oftmals gelang Morrison die Charakterisierung dieser übergroßen Helden weitaus besser als den Autoren der diversen Soloserien. Selbstverständlich gibt es auch einen übergeordneten Handlungsbogen, der die einzelnen Storybögen mit einander verbindet – allerdings nicht immer ausgewogen. Die ersten Andeutungen finden sich bereits in „A Midsummer’s Nightmare“.

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Beispiel für eine etwas bizarre Pose von Howard Porter (Bildquelle)

Als Hauptzeichner der Serie fungierte Howard Porter, der insgesamt einen sehr guten Job machte, zumindest in meinen Augen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Porters Zeichnungen mitunter die ersten waren, die mir im Comicbereich jemals unter die Augen kamen – so etwas prägt. Wie dem auch sei, Porters Stil ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Ein gewisser Einfluss des Image-Stils, der durch Zeichner wie Rob Liefeld, Todd McFarlane, Jim Lee oder Mike Deodato Anfang der 90er populär wurde, lässt sich nicht leugnen, gerade, wenn man sich die doch etwas übertriebene Anatomie weiblicher Figuren ansieht. Diesbezüglich gibt es im Verlauf der Serie allerdings durchaus eine Entwicklung zum Positiven. Insgesamt ist Porters Strich dennoch ziemlich distinktiv, gerade auch, weil er oft einige interessante (manchmal fast schon bizarre) Perspektiven und Körperhaltungen verwendet. Insgesamt gelingt es Porter jedenfalls ziemlich gut, die epischen Geschichten Morrisons angemessen in Szene zu setzen. Hin und wieder kamen auch andere Zeichner zum Einsatz, über deren Leistung werde ich dann in der entsprechenden Rezension schreiben.

Deutsche Veröffentlichung
In Deutschland wurde die JLA-Serie vom Dino-Verlag herausgegeben. Ich möchte das noch einmal besonders hervorheben, denn der 1993 gegründete Verlag, der ursprünglich vor allem Comics und Magazine zu Zeichentrickserien herausbrachte, ist letztendlich dafür verantwortlich, dass ich Comics lese und sammle. Über „Batman Adventures“, die Begleitserie zu „Batman: The Animated Series“, kam Dino schließlich zum Superheldencomic und begann bald, weitere DC-Helden, darunter den regulären Batman, Superman und natürlich die JLA, zu übersetzen und zu verlegen. Nach und nach erweiterte der Verlag sein Programm und erwarb unter anderem die Star-Wars-Lizenz, es folgten aber auch einige massive Probleme, die Dino zwangen, im Jahr 2000 die DC-Lizenz wieder abzugeben. 2003 wurde Dino schließlich von Panini aufgekauft, existierte aber als Label noch drei Jahre weiter.

„JLA“ erschien als Heftserie mit diversen Zweitserien, darunter die Miniserie „Superboy/Robin: World’s Finest Three“ von Karl Kesel, Chuck Dixon und Tom Grummett sowie „Teen Titans“ von Dan Jurgens und die Nachfolgeserie „The Titans“ von Devin Grayson. Die Serie brachte es auf 39 Hefte. Zusätzlich gab es die Reihen „JLA Special“ (Heft mit 100 Seiten und vier US-Ausgaben) sowie „JLA Sonderband“ (Paperback), die sich Großereignissen, Miniserien oder wichtiger Soloauftritte einzelner Figuren widmeten. Diese werde ich nicht alle besprechen, aber unter der Rubrik „Weiterführende Lektüre“ mehr oder weniger detailliert auf sie eingehen, wenn es mir angemessen erscheint.

New World Order
Und nun, endlich, zum eigentlichen ersten Storybogen von Grant Morrisons Justice-League-Serie, der die ersten vier US-Ausgaben füllt. Die eigentliche Formation des Teams fand zwar, wie bereits erwähnt, in „A Midsummer’s Nightmare“ statt, aber dennoch findet das Team auf gewisse Weise noch einmal zusammen, wohl vor allem, um Neuleser nicht abzuschrecken. Wie üblich im Superheldengenre ist eine Alieninvasion der Auslöser. Dieses Mal erscheinen die Aliens allerdings zuerst wohlgesonnen: Protex und sein Hyperclan behaupten von sich, sie wollten die Welt retten und sie in ein Paradies verwandeln. Unter anderem transformieren sie die Wüste Sahara in einen blühenden Garten, gehen aber auch mit äußerster Gnadenlosigkeit gegen Superschurken und andere Kriminelle vor, die ohne Prozess von ihnen hingerichtet werden. Das weckt freilich die Skepsis vieler irdischer Helden. Schon bald kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den außerirdischen Neuankömmlingen und den Mitgliedern der Justice League. Und die JLA droht zu verlieren, denn fast alle von ihnen werden überwältigt und gefangen. Bis auf Batman…

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Der Hyperclan (Bildquelle)

Thematisch knüpft Morrison mit diesem ersten Storybogen an Mark Waids „Kingdom Come“ an. Abermals sehen wir, verkörpert durch den Hyperclan, den Archetypus des amoralischen 90er-Jahre-Antihelden, dem der klassische, nicht tötende Superheld entgegengesetzt wird. Schon ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass hier vor allem Batman und Superman die Paradebeispiele abgeben, wo doch ihre aktuellen Leinwandinkarnationen eher an die Antihelden der 90er erinnern. Morrison ist hierbei jedoch ein wenig plakativer als Waid, besonders, da sich der Hyperclan letztendlich doch als Invasionsarmee entpuppt. Es handelt sich um eine Invasion der Weißen Marsianer, Verwandte der grünen Marsianer, zu denen J’onn J’onzz gehört. Statt eines friedlichen Zusammenlebens ziehen die Weißen Marsianer allerdings eher Eroberung und Völkermord vor.

Ein weiteres Thema, dass Morrison zumindest anschneidet, ist die Überlegung, weshalb Superhelden mit ihren enormen Kräften nicht einfach jegliche Probleme der Menschheit regeln – auch diesbezüglich geht „Kingdom Come“ mehr in die Tiefe, denn die Weißen Marsianer sind einfach keine passenden Vertreter einer zu diskutierenden Philosophie, da sie letztendlich eindeutig böse sind und die Menschheit ausrotten wollen. Diese Frage stellt natürlich ein grundsätzliches Problem des Superheldengenres dar, da eine Machtübernahme oder auch nur eine globale Problemlösung einer gewissen Logik nicht entbehrt, man aber gleichzeitig versucht, so nah an der Lebensrealität des Lesers zu bleiben, von der fortlaufenden Natur der Superheldencomics gar nicht erst zu sprechen. Insofern muss der Lösungsansatz, den Morrison hier präsentiert, wohl erst einmal ausreichen.

Inhaltlich und optisch gibt es darüber hinaus einige Parallelen zu „Independence Day“, der ein Jahr vor dem Start von „JLA“ ins Kino kam. Das Design der Weißen Marsianer erinnert ein wenig an das der Independence-Day-Aliens (ein wenig H. R. Giger findet sich ebenfalls) und das eine oder andere Panel hat durchaus optisch Parallelen zu den Bildkompositionen Roland Emmerichs.

Insgesamt hat dieser erste Storybogen, gerade im Vergleich zu späteren, noch die eine oder andere kleiner Startschwierigkeit, vor allem die Schurken sind als Individuen nicht wirklich interessant.  Die große Stärke liegt jedoch bei der Charakterisierung: Morrison gelingt es, seine Helden ohne viel Aufwand punktgenau und treffend darzustellen. Sei es Supermans Heroismus, gepaart mit subtilen Selbstzweifeln, Green Lanterns und Flashs jugendliches Gekabbel, Aquamans Eigenbrötlertum, Wonder Womans No-Nonsense-Attitüde oder Batmans überragende Fähigkeiten als Taktiker. Tatsächlich lässt sich die Idee, Batman könne es mit vielen Helden mit Superkräften problemlos aufnehmen, zumindest teilweise auf Morrisons JLA-Run zurückführen. Schon allein in diesem ersten Storybogen macht er vier Weiße Marsianer im Alleingang platt. In diesem Zusammenhang etabliert Morrison auch den gelungenen, trockenen Humor, der seine JLA-Comics auszeichnet.

Weiterführende Lektüre
Vor allem zwei Geschichten sind exzellente Begleitlektüre zu „New World Order“. Da hätten wir natürlich die bereits mehrfach erwähnte Miniserie „A Midsummer’s Nightmare“, verfasst von Mark Waid und Fabian Nicieza und gezeichnet von Jeff Johnson und Darick Robertson. Zu Beginn dieses Werks sind alle sieben Gründungsmitglieder der neuen JLA normale Menschen, die sich ihrer Zweitidentität nicht bewusst sind, während alle möglichen anderen Menschen Superkräfte entwickeln. Doch schon bald merken die sieben, dass etwas nicht stimmt, sie haben merkwürdige Träume, die Superkräfte kehren zurück und schließlich müssen sie erkennen, dass sie einer realitätsverändernden Intrige des Superschurken Dr. Destiny zum Opfer gefallen sind. Um Destiny zu besiegen müssen die sieben als neue Justice League zusammenfinden. „A Midsummer’s Nightmare“ ist auf Deutsch als „JLA Sonderband 1“ bei Dino erschienen.

Die zweite essentielle Ergänzung ist „JLA: Secret Origin“, ein One Shot, der in meinen Augen unbedingt in das New-World-Order-Paperback gehört hätte. Ich bin nicht ganz sicher, ob diese Geschichte zwischen „A Midsummer’s Nightmare“ und „New World Order“ oder während „New World Order“ (genauer, nach der Invasion der Weißen Marsianer, aber vor dem Bau des JLA-Wachturms auf dem Mond) spielt. Verfasst wurde sie jedenfalls von Grant Morrison und Mark Millar und gezeichnet von Howard Porter. Dieser One Shot ist quasi die Nullnummer der JLA-Serie, es handelt sich dabei um einen Rückgriff auf The Brave and the Bold #38, in dem die Justice League zum ersten Mal auftrat, um gegen Starro, den Eroberer, ein riesiges Alien in Gestalt eines einäugigen violetten Seesterns, zu kämpfen. Eine Neuinkarnation von Starro ist auch in „JLA: Secret Origin“ der Gegenspieler. Unter Morrison wird aus dem Eroberer eine Spezies von Parasiten, die sich als grüne, einäugige Seesterne auf dem Gesicht ihres Opfers niederlassen. Besonders gefährlich sind diese Parasiten für Metawesen, da sie mit deren Hilfe die Erde in Windeseile erobern könnten. Um die JLA vor einem fatalen Fehler zu bewahren, taucht der Spectre, einer der mächtigsten mystischen Helden des DC-Universums, auf und nimmt der Justice League mit deren Einverständnis die Superkräfte, sodass sie Starro gefahrlos entgegentreten können. „JLA: Secret Origin“ ist auf Deutsch in Dinos „JLA Sonderband 4: Aus den geheimen Archiven I“ erschienen.

Und schließlich wäre da noch eine Maxiserie, die sich ebenfalls gut zur weiteren Lektüre eignet. Durch Reboots und Retcons der späten 80er und frühen 90er wurde die Zusammenstellung der ursprünglichen Erstformation der Justice League geändert: Man nahm Batman, Superman und Wonder Woman aus dem Team und ersetzt sie durch Black Canary. Die Geschichte dieser neuen ersten Justice League wurde in der zwölfteiligen, von Mark Waid und Brian Augustyn geschriebenen und von Barry Kitson gezeichneten Maxiserie „JLA: Year One“ erzählt. Diese Serie ist ebenfalls sehr empfehlenswert, der Fokus liegt auf der Charakterdynamik und der Interaktion der Ligisten. Auf Deutsch erschien „JLA: Year One“ als sechste und siebte Ausgabe der JLA-Sonderbandreihe.

Fazit
„New World Order“ ist ein gelungener, wenn auch nicht vollkommen optimaler Einstieg in Gran Morrisons JLA-Serie. Schon 1997 war die Alieninvasion als Anlass zur Formierung eines Superheldenteams keine neue Idee, und zwanzig Jahre später ist es schon ein ziemliches Klischee. Die Konzeption der Serie und die Charakterisierung der Helden ist jedoch tadellos gelungen und weiß auch heute noch zu überzeugen.

Titelbildquelle

Batman v Superman: Dawn of Justice – Ultimate Cut

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Wenn man sich die Rezeption von „Suicude Squad“ so ansieht, scheint Warner Bros. nicht wirklich dazuzulernen. Andererseits spricht das bisherige Einspielergebnis dann wieder eine andere Sprache. Wie dem auch sei, die Reaktionen scheinen sehr ähnlich wie bei „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Bislang bin ich noch nicht dazugekommen, die Qualitäten der Schurkentruppe um Deadshot und Harley Quinn selbst zu beurteilen, und es gilt ohnehin noch, das Thema „Dawn of Justice“ abzuschließen, und zwar in Form einer Besprechung des Ultimate Cut. Dieser wurde bereits vor Kinostart angekündigt und wirkte wie eine Reaktion auf den durchschlagenden Erfolg von „Deadpool“, der trotz (oder wegen?) seines R-Ratings ziemlich viel Geld einspielte.

Nun denn, was hat der Ultimate Cut zu bieten? Eine ganze Menge an zusätzlichem Material, zusammengenommen etwa eine halbe Stunde. Vergleicht man die Kinoversion mit dem Ultimate Cut, fühlt man sich unweigerlich ein wenig an Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ erinnert. Oder, um es etwas direkter auszudrücken: Der ursprüngliche Schnitt hätte nie ins Kino kommen dürfen. Der Ultimate Cut sorgt zwar weder dafür, dass „Dawn of Justice“ ein guter Film wird, noch behebt er viele der wirklich essentiellen Probleme, aber er macht den Film immerhin weitaus anschaubarer. Vor allem bezüglich der Struktur und Logik gibt es massive Verbesserungen, Subplots, die in der Kinoversion nur angedeutet werden und dadurch rätselhaft, schwer nachvollziehbar und unlogisch waren, werden im Ultimate Cut ausführlicher beleuchtet. Das beste Beispiel ist der Afrika-Handlungsstrang, der im ursprünglichen Cut schlicht keinen Sinn ergibt und nun endlich nachvollziehbar ist. Darüber hinaus wird gezeigt, wie weit Lex Luthors Pläne tatsächlich das Geschehen beeinflusst haben. Warum er seinen übermäßig komplexen Plan überhaupt geschmiedet und durchgeführt hat, bleibt zwar nach wie vor sehr undurchsichtig, aber immerhin gibt es bezüglich der Umsetzung seiner Machenschaften ein wenig mehr Klarheit. Darüber hinaus ist das Erzähltempo nun weitaus entspannter; der Schnitt des Films wirkt nicht mehr wie der eines zweieinhalbstündigen Trailers.

Die Figur, die von der erweiterten Fassung eindeutig am meisten profitiert, ist Clark Kent/Superman. Der Mann aus Stahl kam in der Kinoversion eindeutig zu kurz, da die Verantwortlichen von Warner von Ben Afflecks Batman-Darstellung sehr beeindruckt waren und den Fokus stärker auf den Dunklen Ritter legen wollten. Das hatte wiederum zur Folge, dass Supermans Motivationen völlig hanebüchen wirkten und er als Figur kaum greifbar blieb. Der Ultimate Cut arbeitet den Mann aus Stahl zumindest ein wenig besser aus. Nun sieht er nicht mehr nur einen Bericht über Batman im Fernsehen und beschließt dann, dass es so nicht geht, er ist tatsächlich in Gotham, stellt Nachforschungen an und erfährt aus erster Hand, welche Auswirkungen Batmans Handeln hat. Es gibt auch diverse andere kleine Szenen, die die Figur etwas runder und greifbarer machen, etwa als Clark vom Selbstzweifel getrieben mitten in der Nacht seine Mutter anruft. Zwar ist dieser Superman immer noch nicht der Superman, den ich gerne sehen würde, aber er ist ihm immerhin ein wenig näher, er wirkt nicht mehr ganz so unnahbar und heuchlerisch, ein wenig menschlicher und darüber hinaus sehen wir sogar Clark Kent, der als Reporter agiert.

Fazit: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ hat nach wie vor viele Probleme, aber einige davon kann der Ultimate Cut immerhin beheben, vor allem bezüglich der Logik, des Erzähltempos und des Schnitts. Auch die Darstellung Supermans wird zumindest in Ansätzen verbessert, die Charakterisierung Lex Luthors und Batmans bleibt dagegen nach wie vor mangelhaft. Sollte sich jemand dazu entscheiden, „Dawn of Justice“ anzusehen, sollte es definitiv diese Version und nicht die verstümmelte Kinofassung sein.

Siehe auch:
Batman v Superman: Dawn of Justice
The Amazing Superman 2: Rise of Justice
Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

Geschichte des amerikanischen Comics Teil 4: Das Silberne Zeitalter

Auf das Goldene Zeitalter der Comics folgte das Silberne, welches primär von den Auswirkungen des Comics Code geprägt war, der die Comicschaffenden massiv eingrenzte und die Verwendung einer erwachsenen oder ernstzunehmenden Thematik verhinderte.

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Der erste Auftritt von Barry Allen als Flash in Showcase # 22

Generell gilt das Jahr 1956 als Startpunkt des Silbernen Zeitalters. Nachdem die meisten Helden des DC-Verlages (mit Ausnahme von Batman, Superman und Wonder Woman) nach Kriegsende in der Bedeutungslosigkeit versanken, begann man, diese Helden in der zweiten Hälfte der 50er zu revitalisieren und zu erneuern – mit großem Erfolg. Dabei nahm man sich zumeist den Namen und das grobe Konzept des ursprünglichen Helden und verhalf ihm zu einer neuen bürgerlichen Identität und Hintergrundgeschichte. Flash, während der 40er ein Mann namens Jay Garrick, der hartes Wasser inhalierte, dadurch die Fähigkeit bekam, schneller als jeder andere Mensch zu rennen und anschließend mit einem an Hermes erinnernden Flügelhelm das Verbrechen bekämpfte, wurde 1956 der erste einer Reihe von revitalisierten Altheroen. Der neue Flash trug den Namen Barry Allen, bekam seine Superkräfte durch einen Laborunfall und trug einen roten Ganzkörperanzug. Sowohl der Name als auch der Anzug werden heute noch primär mit Flash assoziiert. Es folgten weitere Helden wie Green Lantern oder The Atom.

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The Brave and the Bold #28 mit dem ersten Auftritt der Justice League of America

DC hatte mit dieser Vorgehensweise Erfolg und so kam es, wie es kommen musste: Ähnlich wie in den 40ern vereinten sich auch die neuen Helden und kämpften gemeinsam als Justice League of America, die ihr Debüt in der 28. Ausgabe von The Brave and the Bold aus dem Jahr 1960 feierte. Ursprünglich bestand sie aus Wonder Woman, Flash, Green Lantern, Aquaman und Martian Manhunter, bald stießen Batman und Superman dazu und im Verlauf ihrer langen, wechselhaften Geschichte kamen und gingen viele weitere Mitglieder.

Der Erfolg der Justice League inspirierte den ursprünglich als Timely Comics bekanntem Marvel-Verlag, der in den 40ern mit Captain America erfolgreich war, es ebenfalls noch einmal mit Superhelden zu versuchen, und es waren die Marvel-Helden, die dafür sorgten dass sich der neue Trend fortsetzte und sich der Superheldencomic weiterentwickelte. Der Hauptverantwortliche dafür war Stan Lee (eigentlich Stanley Lieber), Autor und Redakteur von Marvel, der in den 60ern, mit wechselnden Zeichnern wie Jack Kirby oder Steve Ditko, praktisch im Alleingang den Grundstein für den Erfolg des Marvel-Verlags legte, in dem er Figuren wie die Fantastic Four (1961), Spider-Man (1962), Thor (1962) die X-Men (1963) oder Daredevil (1964) erfand und einige Helden aus dem Goldenen Zeitalter, u.a. Captain America und den Sub-Mariner, revitalisierte.

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Avengers # 1 aus dem Jahr 1963

Mit den Avengers, ursprünglich bestehend aus Iron Man, dem Hulk, Thor, Ant-Man und Wasp, erschuf er dann 1963 ein Gegenstück zu DCs Justice League. Die Marvel-Helden zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie menschlicher und für den Leser greifbarer waren, neben übermenschlichen Problemen wie Superschurken oder Alieninvasionen mussten sie auch mit ganz menschlichen Problemen wie Mietschulden oder Liebeskummer kämpfen. Das bekannteste Beispiel für diese Heldenkonzeption ist Spider-Man: Zu Beginn seiner Karriere ist er noch ein Teenager, der versucht, Superheldentum und das Teenagerleben unter einen Hut zu bekommen. Diese Entwicklung sorgte dafür, dass die Comics von Marvel auch weit über die 60er-Jahre hinaus erfolgreich und beliebt blieben.

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Selbstportrait von Robert Crumb im Underground-Stil

Parallel zur Entwicklung der Superhelden entstanden die Underground-Comix, deren Entstehen sich ebenfalls auf „Seduction of the Innocent“ zurückführen lässt. Im „Untergrund“ sammelte sich alles, was in den vom Comic Code geprüften Mainstream-Comics nicht mehr sein durfte. Obwohl das Satiremagazin „Mad“ und diverse in den 60ern billig gedruckte Fanzines dem Underground-Genre bereit den Weg bereitete, wurden Underground-Comix erst 1968 wirklich bedeutsam, als Robert Crumb seinen ersten Comic verkaufte. „ZAP Comix“, von Crumb selbst herausgegeben, enthielt im Grunde alles, was der Comics Code nicht erlaubte. Crumb selbst wurde zur Galleonsfigur einer neuen Tradition von Underground-Autoren und -Zeichnern, die sich mit Themen wie Sex, Drogen, Politik, Rassismus etc. auseinandersetzten und eine Gegenkultur zum „sauberen“ Mainstream bildeten.

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Gwen Stacys Tod: Ein harter Schlag für den menschlichsten Superhelden

Während der Anfang des Silbernen Zeitalters, bedingt durch „Seduction of the Innocent“ recht eindeutig ist, gibt es keinen definitiven Schlusspunkt, sondern mehrere Ereignisse, die das Ende einläuteten. Sehr gerne wird der Tod von Spider-Mans Freundin Gwen Stacy (1973) als Endpunkt benannt, andere Comichistoriker betrachten jedoch den Ruhestand von Mort Weisinger, des langjährigen Chefredakteurs von DC (1970), den Weggang Jack Kribys von Marvel (1971) oder das allgemeine „Aufweichen“ des Comic Code Anfang der 70er als Ende des Silbernen Zeitalters. Insgesamt zeichnet sich das Silberne Zeitalter durch Wiederbelebung der Superhelden aus, die dabei einerseits durch den Comic Code eingeschränkter waren und absurde Science-Fiction-Abenteuer erlebten, andererseits aber auch, ausgelöst durch die Marvel-Charaktere, menschlicher und nachvollziehbarer wurden. Gleichzeitig entstand eine Gegenkultur in Form der Underground-Comix, die es in dieser Form im Goldenen Zeitalter noch nicht gab, da sie wegen des Fehlens des Comic Codes schlicht nicht nötig war.

Die Geschichte des amerikanischen Comics:
Teil 1: Definition des Mediums
Teil 2: Das Platinzeitalter
Teil 3: Das Goldene Zeitalter

Geschichte des amerikanischen Comics Teil 3: Das Goldene Zeitalter

Sowohl über Anfang als auch Ende des Goldenen Zeitalters der amerikanischen Comics ist man sich gemeinhin einig, da sowohl Anfang als auch Ende von einer bestimmten Publikation bestimmt werden, die die amerikanische Comiclandschaft jeweils sehr nachhaltig veränderte.

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Action Comics #1

Den Anfang des Goldenen Zeitalters markiert das Erscheinen der ersten Ausgabe von Action Comics im Jahr 1938, die den ersten Auftritt von Superman enthielt. Der Begriff „Goldenes Zeitalter“ wurde für diese Zeit gewählt, weil die Superheldencomics ihre erste Blüte erlebten und die Autoren und Zeichner noch sehr wenige kreative Einschränkungen hatten. Darüber hinaus waren die Verkaufszahlen der Comics in Amerika nie wieder so hoch wie in dieser Zeit.

Dieses Ereignis hat natürlich vor allem für die Superhelden eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, immerhin ist Superman die erste Figur dieser Gattung, sofern man „Protosuperhelden“ wie Zorro oder The Shadow nicht berücksichtigt. Die Bedeutung für den amerikanischen Comic im Allgemeinen sollte allerdings ebenfalls berücksichtigt werden. Superman und die Superhelden sorgten dafür, dass sich das Comicheft endgültig als erfolgreiche Unterhaltungsform in den USA etablieren konnte.

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Detective Comics #27

Superman erwies sich als durchschlagender Erfolg, dem viele weitere, ähnlich konstruierte Figuren folgten. Bereits 1939 feierte Batman in der 27. Ausgabe von Detective Comics seinen Einstand, und bald darauf kamen Wonder Woman, The Flash oder Captain America, die auch heute noch nach wie vor extrem beliebt sind. Die erste Hälfte der 40er Jahre kann getrost als Höhepunkt des Goldenen Zeitalters betrachtet werden, zumindest, was die kostümierten Helden betrifft, denn in dieser Krisenzeit kam ihnen vor allem eine propagandistische Rolle zu – sowohl Captain America als auch Superman kämpften mehrfach gegen Hitler oder andere Gegner der USA. Superhelden spielten eine wichtige Rolle in der Propaganda der Vereinigten Staaten – das Cover der ersten Captain-America-Ausgabe, auf dem er Hitler niederschlägt, hat inzwischen Kultstatus und wurde sogar auf humoristische Weise in die Filmadaption von 2011 eingearbeitet.

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Captain America #1

Zu dieser Zeit formte sich auch das erste Superheldenteam, die Justice Society of America, die der Verlag All-American (der sich später in DC umbenennen sollte) nutzte, um einigen seiner weniger bekannten Charaktere mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zu den Mitgliedern der Society gehörten unter anderem The Flash, The Spectre, Green Lantern, Hawkman oder Doctor Fate. Auch Marvel existierte bereits, trug allerdings noch den Namen Timely Comics und verlegte neben Captain America Helden wie Namor den Submariner und The Human Torch (nicht mit dem gleichnamigen Mitglied der Fantastic Four zu verwechseln).

Obwohl die Superhelden das meiste Geld einbrachten, wäre es falsch anzunehmen, dass sie die einzigen Comiccharaktere waren. In der Tat zeichnet sich das Goldene Zeitalter durch eine Vielzahl weiterer Genres aus. Auch Genrevertreter aus Bereichen wie Horror, Romanze oder Krimi erlebten große Erfolge, vor allem, als der Superheldenboom nach Kriegsende langsam nachließ, was anderen Genres zum Erfolg verhalf. Die wachsende Beliebtheit von Horror- und Krimicomics begünstigte den Aufstieg des Verlags EC (zuerst „Educational Comics“, später „Entertaining Comics“). Ursprünglich hatte EC vor allem Bildungscomics herausgegeben, konzentrierte sich aber nach dem Tod des Verlagsgründers auf Horror, Science Fiction, Krimis – eine der bekanntesten Serien ist „Tales from the Crypt“. EC-Comics zeichneten sich ab diesem Zeitpunkt vor allem durch eine explizite Gewaltdarstellung aus. Die meisten Titel und Figuren dieser Zeit (mit Ausnahme der Superhelden) sind inzwischen allerdings relativ obskur und blieben kaum im Gedächtnis.

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Carl Barks, Vater der Ducks

Die Figuren, deren Bekanntheit heute noch am größten ist, sind die in der Tradition der Funny-Animal-Comics stehenden Disney-Charaktere wie Donald oder Dagobert Duck (Scrooge McDuck), die in den 40ern, 50ern und 60ern ebenfalls sehr populär waren, nicht zuletzt dank der Geschichten von Carl Barks, der fast alle wichtigen Figuren aus Entenhausen (Duckburgh) erschuf. In den USA sind diese Charaktere aber vor allem als Cartoon-Figuren bekannt, während die Comics von Barks dort nur noch wenige Anhänger haben und neue Disney-Comics selten produziert werden. In Europa dagegen waren Donald Duck und Micky Maus vor allem als Comicfiguren populär, weshalb die meisten Disney-Comics inzwischen in Italien entstehen. Aber auch in Deutschland und Skandinavien sind die Enten nach wie vor unheimlich beliebt; Carl Barks‘ Comics zählen dort zu Klassikern, die im Rahmen von verschiedenen Heft- und Albenserien immer wieder neu aufgelegt werden.

Das Goldene Zeitalter endete schließlich 1954 mit der Publikation eines Buches mit dem Titel „Seduction of the Innocent“, das einen beinahe ebenso großen Einfluss auf den amerikanischen Comic hatte wie der erste Auftritt von Superman, allerdings in negativer Hinsicht. Das von Dr. Frederic Wertham, dem Direktor der psychiatrischen Lafargue-Klinik in New York verfasste Werk stellt einen massiven Einschnitt auf allen Ebenen dar. Mit diesem Buch versuchte Wertham die steigende Jugendkriminalität zu erklären und machte kurzerhand die Comics dafür verantwortlich. Wertham behauptete, Comics seien „an invitation to illiteracy“ und stimulierten „unwholesome fantasies“. Darüber hinaus machte er Comics für alles Mögliche verantwortlich, etwa drogenabhängige Kinder oder Jugendkriminalität und postulierte, neben vielen weiteren derartigen Vorwürfen, Superhelden würden eine faschistische Ästhetik vertreten. Werthams Thesen gelten inzwischen als unsinnig, absurd und überholt; bereits mehrere Jahre vor der Publikation von „Seduction of the Innocent“ wurden Werthams Methoden von einigen seiner Kollegen als unwissenschaftlich bewertet.

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Siegel der Comics Code Authority

Die Wirkung des Werkes war enorm und löste eine Hetze gegen Comichefte aus, die perfekt zur Kommunistenjagd der McCarthy-Ära passte. Es kam sogar zu öffentlichen Comicverbrennungen, und als Reaktion richteten die Verlage mit der „Comics Code Authority“ eine Instanz zur Selbstzensur ein. Dies hatte wiederum zur Folge, dass sämtliche Elemente, die als anstößig empfunden wurden, etwa Sex, übermäßige Gewalt, das Infragestellen der Autorität etc., aus den Comics entfernt wurden. Zwar war der Comics Code theoretisch freiwillig, jedoch war ein Mainstream-Comic ohne das Siegel der Comics Code Authority praktisch nicht verkäuflich – für einen Verlag wie EC bedeutete das das Todesurteil. Auch für viele Superhelden bedeutete der Comic Code das Aus, lediglich Superman, Batman und Wonder Woman verkauften sich noch. Die Vorgaben des Comics Code verhinderten fast jegliche kreative Entfaltung und jede Umsetzung einer anspruchsvollen Geschichte im Medium und warfen seine Entwicklung um Jahrzehnte zurück.

Die Geschichte des amerikanischen Comics:
Teil 1: Definition des Mediums
Teil 2: Das Platinzeitalter

The Amazing Superman 2: Rise of Justice

Enthält die volle Ladung Spoiler!
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Es gibt Filme, die wissen einen im Kino noch zu fesseln, fallen aber auseinander, wenn man beginnt, hinterher über sie nachzudenken. „Batman v Superman: Dawn of Justice“ gehört nicht zu diesen Filmen, für mich ist er schon während des Kinobesuchs auseinander gefallen. Den Titel meiner ausführlichen Rezension habe ich nicht von ungefähr gewählt, und ich habe es auch schon in meiner kürzeren Kritik gesagt: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ macht minutiös dieselben Fehler wie „The Amazing Spider-Man 2“. In beiden Fällen handelt es sich um einen Film, der auf Basis des Vorgängers ein größeres Superheldenuniversum initiieren soll, und in beiden Fällen merkt man ihm an, dass es eine Liste von Studioseite gab, die es abzuarbeiten galt, die aber oft einfach nicht mit dem Film harmoniert. Beide Filme haben Plotstränge, die nicht ineinandergreifen und zusammenpassen wollen, genau deshalb haben beide auch massive Probeleme bezüglich Struktur und Narrative und darüber hinaus gibt es in beiden Filmen viel zu viele plumpe Hinleitungen zu besagtem größerem Superheldenuniversum, die von der eigentlichen Handlung zu abgekapselt sind. Unter all dem leiden die Figuren, was besonders den Schurken betrifft. Und dann taucht im jeweiligen dritten Akt sehr plötzlich ein neuer Schurke auf, um noch in letzter Sekunde ein bahnbrechendes, schockierendes und klassisches Ereignisse aus der Comic-Historie einzubauen, das sich im Film sehr unnatürlich anfühlt, weil er nicht darauf hinarbeitet.

„Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist ein höchst ambitionierter Film, der zu viel will. Je länger ich über ihn nachdenke, des problematischer wird er auch; aber gleichzeitig handelt es sich hierbei auch um einen höchst interessanten Film, schon allein wegen seiner Rezeption. Auf der einen Seite wird er von professionellen Filmkritikern fast ausnahmslos verrissen. Natürlich gibt es auch immer mal wieder eine positive Rezension, aber selbst diese sind höchstens verhalten positiv. Das bisherige Einspielergebnis spricht dagegen eine andere Sprache, und auch in Fankreisen findet Snyders zweiter DCEU-Film weitaus mehr Zuspruch. Insofern ist es ironisch, dass mich gerade meine eigene Fanperspektive eher den Kritikern zustimmen lässt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich an einen Batman-Film einfach zu hohe Ansprüche habe, wer weiß. Jedenfalls hätte dieser Film bzw. das Unterfangen eines großangelegten cinematischen DC-Universums grandios werden können, aber „Dawn of Justice“ ist nicht nur für sich gesehen ziemlich problematisch, sondern auch in Bezug auf die kommenden Filme.

Dabei bedient Snyder die Fans in mancher Hinsicht durchaus großzügig, es finden sich viele, viele Anspielungen, manche subtil, andere ziemlich unsubtil, auf die diversen Vorlagen. Oft wurde Panels fast eins zu eins umgesetzt und Dialogzeilen direkt übernommen. Der Prolog etwa, der die Ermordung der Waynes zeigt, stammt fast genau so aus „The Dark Knight Returns“, und viele Zitate sowie der eigentliche, titelgebende Kampf schulden Frank Millers Graphic Novel sehr viel. Einige dieser Fanboymomente haben mich durchaus beeinflusst: Zum ersten Mal DCs Trinität vereint auf der Leinwand zu sehen war schon etwas, für das ich als Kind ziemlich viel gegeben hätte. Das Problem dabei ist die Direktübernahme dieser Elemente in einem veränderten Kontext, einem Kontext, in dem diese Elemente einfach nicht mehr auf die gleiche Weise funktionieren, aber nicht ausreichend angepasst sind.

Drei zum Preis von einem
„Dawn of Justice“ hat einige interessante Ideen und stellt auch ein paar interessante Fragen, hat aber Probleme, besagte Elemente sinnvoll umzusetzen. Schon in „Man of Steel“ war es ganz ähnlich: In der ersten Hälfte wurde viel Zeit damit verbracht, darüber zu diskutieren, was es heißt, Superman zu sein. Diese Frage ist natürlich für eine Neuinterpretation sehr interessant, aber „Man of Steel“ hat es nie geschafft, zu vermitteln, was es heißt, Superman zu sein, anstatt nur darüber zu reden. Sämtliche philosophischen Ansätze wurden in der Materialschlacht des dritten Aktes erstickt. Das wiederholt „Dawn of Justice“ leider, aber dabei liegt nicht einmal das Hauptproblem. Dieses sieht folgendermaßen aus: In „Dawn of Justice“ stecken mindestens drei, wenn nicht sogar vier unterschiedliche Filme mit unterschiedlichen Zielen, die meistens gegeneinander arbeiten und den anderen die Luft abschnüren.

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DCs Trinität: Superman (Henry Cavill), Wonder Woman (Gal Gadot), Batman (Ben Affleck)

Da hätten wir zum einen das eigentliche Sequel zu „Man of Steel“, das sich mit den Konsequenzen des Angriffs der Kryptonier beschäftigt, einen Batman-Film, der die neue Inkarnation des Dunklen Ritters vorstellt und dann das eigentliche Aufeinandertreffen der beiden. Oh, und vergessen wir auch Supermans Tod nicht. Ich hatte schon die Befürchtung, dass das kommen würde, als Doomsday in diesem unsäglichen Trailer auftauchte, da er nun einmal untrennbar mit Supermans (zumindest vorübergehendem) Tod verbunden ist – so geschehen in den 90ern, im Rahmen der Storyline „The Death of Superman“. Mal ehrlich, bei einer so ikonischen Figur wie dem Mann aus Stahl finde ich es unangemessen, dass ein derartiges Ereignis in einem Film kommt, in dem er fast schon eine Nebenfigur ist. Ein Film, der den Tod Supermans thematisiert, sollte auch ein Film sein, der IHM gehört und der auf dieses Ereignis hinarbeitet. Der Grund, weshalb Geschichten wie diese in den Comics funktionieren ist, dass sie ausgiebig darauf hinarbeiten. In „Dawn of Justice“ wirkt Supermans Tod auf mich wie etwas, dass das Studio in letzter Sekunde entschieden hat, um die größtmögliche Wirkung mit dem kleinstmöglichen Aufwand zu bekommen (etwas ganz Ähnliches hat man auch in „Star Trek Into Darkness“ und natürlich in „The Amazing Spider-Man 2“ versucht). Was noch erschwerend hinzukommt: Superman ist kaum etabliert. Wir haben mit dieser Inkarnation des Mannes aus Stahl kaum Zeit verbracht; im ersten Film kommt er, im zweiten geht er. Natürlich wird Superman auch hier nicht tot bleiben, „Dawn of Justice“ selbst kündigt das ja bereits an, aber dennoch verliert die ganze Aktion hier jedwede Wirkung, weil Superman im DCEU nie zu dem Symbol geworden ist, das er in den Comics oder anderen Adaptionen wurde.

Selbst, wenn wir Supermans Tod einmal ignorieren, ist „Dawn of Justice“ noch gnadenlos überfrachtet. Das wird umso deutlicher, da dieser Film eine ähnliche Struktur besitzt wie „Man of Steel“: In der erste Hälfte gibt es vornehmlich Exposition, in der zweiten Action. Immerhin kann man „Man of Steel“ diesbezüglich zugutehalten, dass die Geschichte, die der Film erzählt, in sich halbwegs kohärent ist, auch wenn das auf die Erzählweise nicht zutrifft. Die Erzählweise von „Dawn of Justice“ ist nicht nur ebenfalls inkohärent, wenn auch auf andere Weise, der Plot ist es sogar in noch größerem Ausmaß: Aufgrund der vielen Elemente, die erklärt und vorgestellt werden müssen, kommt aber nie ein passender, narrativer Fluss auf. Die Exposition bleibt ziemlich inhaltsleer, weil Snyder sofort wieder zur nächsten Baustelle hastet; der Film springt wild hin und her, ohne dass das Gezeigte Wirkung entfalten könnte. Alles wird angerissen, aber nichts wird ausgeführt – es hat sich für mich wirklich so angefühlt, als würde in „Dawn of Justice“ immer zwischen zwei Filmen hin und her geschnitten, ohne dass man beide vollständig zu sehen bekommt. Darunter leider nicht nur die Charakterentwicklung, es öffnet auch massive Logiklöcher. Auf einmal kennt Lex Luthor plötzlich sowohl Batmans als auch Supermans Geheimidentität, völlig ohne Erklärung. Außerdem wird alles, was es an interessanten Ansätzen gibt, kaum wieder aufgegriffen, etwa, wie Superman selbst mit den Ereignissen des Vorgängers hadert. Es gibt ein, zwei Szenen, in denen er ein wenig reflektiert, diese haben aber so gut wie keine Auswirkungen auf den restlichen Film. Ebenso die Wirkung, die sein Tun auf die Welt hat. Seine Wirkung bleibt schwer fassbar, weil der Film immer nur Einzelne zeigt, die auf ihn reagieren, aber es nie schafft, ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Oder Alfreds Satz, der bereits in einem der Trailer sehr prominent war: „The fever, the rage, the feeling of powerlessness that turns good men… cruel.” Ein sehr interessanter Ansatz, der eine Differenz zwischen Alfred und Bruce andeutet. Leider wird dieser potentielle Konflikt nie wieder auch nur angesprochen.

Auch manche Figuren fallen dem zum Opfer. Lois Lane etwa, die in diesem Film im Grunde fast völlig überflüssig ist und in ihre alte Klischeerolle zurückfällt: Sie muss ständig gerettet werden, und zwar gefühlt öfter als die von Margot Kidder dargestellte Lois in „Superman“ von 1978. Vor allem im Finale des Films ist auffällig, wie sehr man versucht hat, ihr etwas zu tun zu geben, es aber nicht geschafft hat: Erst wirft sie den Kryptonitspeer ins Wasser, dann versucht sie ihn herauszufischen und darf es nicht mal schaffen, sodass sie immerhin einen marginalen Beitrag liefern kann, nein, Superman muss sie erneut retten. Dagegen ist die von Holly Hunter dargestellte Senatorin Finch sehr interessant und ein guter Gegenpol zu Lex Luthor, wird aber viel zu schnell abserviert, als dass sie wirklich etwas bewirken könnte.

Insgesamt hätte „Dawn of Justice“ weitaus besser funktioniert, hätte er nicht die gesamte Exposition stemmen müssen – vor einem Aufeinandertreffen der beiden Ikonen hätte es mindestens noch einen weiteren Batman-Film sowie ein Sequel zu „Man of Steel“ geben müssen. Ersterer hätte die neue Inkarnation des Dunklen Ritters in aller Ruhe vorstellen können, Letzterer hätte sich mit Supermans Etablierung als größter Held der Welt beschäftigen müssen.

Ich hätte mir für ein solches Unterfangen gut die Schurkenkombo Lex Luthor/Metallo vorstellen können. In diesem hypothetischen Sequel setzt sich Superman tatsächlich mit den Folgen des Kryptonierangriffs und auch mit der öffentlichen Wahrnehmung auseinander und versucht gleichzeitig, die Menschen für sich zu gewinnen, zum Beispiel durch Offenheit: Superman bietet der Menschheit offiziell seine Dienste an, hilft beim Wiederaufbau von Metropolis etc. Luthor gibt sich zu Beginn als Unterstützer des Mannes aus Stahl aus, will ihn aber insgeheim kontrollieren. Als sich herausstellt, dass ihm das nie gelingen wird, versucht er eine Anti-Superman-Waffe zu schaffen: Metallo. Bei diesem handelt es sich um einen Mann namens John Corben, der während der Ereignisse von „Man of Steel“ schwer verletzt wurde und den Luthor nun zu einem mit Kryptonit angetriebenen Cyborg macht, der dadurch aber seine Menschlichkeit, bzw. seine Fähigkeit, menschliche Emotionen wahrzunehmen verliert. Dieses MoS-Sequel würde die Themen Menschlichkeit und Verantwortung anhand von Superman, Luthor und Metallo erforschen und wäre idealerweise nicht unter der Federführung von Zack Snyder und David S. Goyer entstanden.

Lex Luthor
Eine der größten singulären Schwächen des Films ist für mich Lex Luthor. Jesse Eisenberg funktioniert für mich in dieser Rolle auf keiner Ebene, wobei das nicht unbedingt die Schuld des Darstellers ist. Die Konzeption ist zugegebenermaßen noch ganz interessant und etwas gewagt, aber sie geht nicht auf. Dieser Lex soll weniger der skrupellose Großindustrielle, sondern eher ein exzentrischer moderner Internetmilliardär des 21. Jahrhunderts sein. Im Vorfeld wurde immer wieder betont, es handle sich hierbei um Alexander Luthor junior, dessen gleichnamiger Vater eher dem Luthor aus den Comics entspricht. Im Grunde ist das aber ziemlich irrelevant, da es trotz allem der Junior ist, der hier als Supermans Gegner und potentieller Erzfeind fungiert.

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Alexander Luthor jr. (Jesse Eisenberg)

Selbst wenn man diesen Lex Luthor mit den diversen, eher schwächeren Marvel-Schurken vergleicht, zieht er den Kürzeren. Red Skull oder Ronan der Ankläger waren als Figuren ziemlich uninteressant und flach, waren aber für den Plot funktional, weil sie eine klare Agenda hatten. Lex Luthors Agenda und Motivation wandelt sich dagegen fast ständig. Will er nur Superman tot sehen, und wenn ja warum? Es gibt hier weder ein persönliches Verhältnis, noch macht der Film klar, ob Superman in irgend einer Art und Weise Lex in die Quere gekommen ist, sodass seine Motivation extrem vage bleibt. Hin und wieder lässt er ein paar kryptisch-metaphysische Sätze oder religiöse Metaphern vom Stapel, an einer anderen Stelle deutet er einen Vaterkomplex an, plötzlich will er ohne ersichtlichen Grund Batman tot sehen usw. Diese Inkohärenz erstreckt sich auch auf Luthors Plan, der unnötig kompliziert und unlogisch ist. Wenn er Angst hat, Superman könne sich gegen die Menschheit wenden und ließe sich nicht kontrollieren, wieso erschafft er dann mit Doomsday ein Monster, dass sich, wie wir gesehen haben, auf jeden Fall gegen die Menschheit wendet und genauso wenig aufzuhalten ist? Und falls es doch einen Kontrollmechanismus gibt, wird er im Film jedenfalls nicht erwähnt.

Hinzu kommt, dass dieser Luthor für mich auch auf einer inszenatorischen Ebene versagt. Eisenberg spielt ihn irgendwo zwischen Kevin Spaceys Lex Luthor und Heath Ledgers Joker, was dafür sorgt, dass ich ihn absolut nicht ernst nehmen kann. Ich denke, der Lex Luthor aus Brian Azzrellos „Lex Luthor: Mann aus Stahl“ hätte in diesem Kontext exzellent funktioniert.

Kampf der Giganten
In meiner Artikelreihe „Kampf der Giganten“ habe ich mich unter anderem bemüht aufzuzeigen, wie ein Konflikt zwischen Batman und Superman in den Comics gewöhnlich gehandhabt wird und wie er in meinen Augen auch aussehen sollte. Egal ob im Guten oder im Schlechten, wenn Batman und Superman aufeinandertreffen, sollte es zu einer Kollision der Weltanschauungen kommen, gleich, ob die beiden darüber in Konflikt geraten oder erkennen, dass sie sich trotz ihrer unterschiedlichen Ideologien respektieren oder sogar ausgezeichnet ergänzen. Dieser Ansatz wäre meiner Meinung nach essentiell gewesen, ist im Film aber praktisch überhaupt nicht vorhanden, und das aus einem simplen Grund: Batman und Superman sind sich hier viel zu ähnlich, als dass der Konflikt wirklich funktionieren könnte.

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Der Robin-Anzug in der Bathöhle

Betrachten wir zuerst einmal die neue Inkarnation des Dunklen Ritters: Zack Snyder hat definitiv ein gutes Händchen dafür, Batman zu inszenieren, aber nicht, ihn zu konzipieren. Ben Affleck gefällt mir darstellerisch in der Rolle ausgezeichnet, und die Szenen mit ihm als Batman sind meistens sehr ansehnlich; der Kampf im Lagerhaus könnte fast direkt aus einem der Arkham-Spiele stammen (was hier als Kompliment zu verstehen ist), und jede Szene mit ihm und Jeremy Irons als Alfred ist grandios. Als Figur bleibt Batman aber hier viel zu undefiniert. Im Grunde bedienen sich Snyder, Goyer und Terrio desselben Batman-Konzepts wie Tim Burton: Dieser Dunkle Ritter hat scheinbar keinerlei Achtung vor Menschenleben; er ist bereit, massive Kollateralschäden in Kauf zu nehmen. Außerdem bleibt seine Vergangenheit größtenteils im Dunkeln, im Film gibt es nur ein paar subtile Andeutungen, zusätzlich zur Ermordung der Waynes, die schon wieder dargestellt wird. Gerade in diesem Film, der eigentlich ein Aufeinanderprallen von Weltanschauungen darstellen sollte, funktioniert das für mich nicht so recht und wirkt fast schon unzeitgemäß. Als Kenner der Figur kann man anhand der zum durchaus gelungenen visuellen Anspielungen durchaus nachvollziehen, was Snyder und Co. eigentlich bezwecken – das in Ruinen liegende Wayne Manor, das vom Joker gezeichnete Robin-Kostüm etc. Es ist wohl anzunehmen, dass dieser Batman früher heroischer war, ihn aber diverse Ereignisse, etwa der Tod eines Robins und schließlich Superman und die Invasion von General Zod, dazu verleitet haben, seine alten moralischen Vorstellungen größtenteils über Bord zu werfen. Das Ende wiederum deutet an, dass er langsam zu diesen zurückkehrt, weil er davon spricht, Superman gerecht zu werden und Lex Luthor nicht brandmarkt. Eigentlich wäre das eine durchaus interessante Charakterentwicklung, der Film schafft es aber nicht, diese zu vermitteln, sie geht in den anderen Handlungssträngen unter und basiert zu sehr auf Vorwissen, als dass ein Zuschauer, der mit den Comics nicht vertraut ist oder sich nicht mit dem Promotionsmaterial des Films beschäftigt hat, das deutlich erkennen könnte. Es fehlt der Kontrast, Alfred erwähnt in einem Halbsatz, dass Batman jetzt härter ist, und auch in einer Zeitungsschlagzeile ist kurz zu sehen, dass das Branntzeichen erst seit Kurzem zum Repertoire des Dunklen Ritters gehört, aber trotzdem hat man kaum einen Eindruck davon, wie Batman früher war. Zudem steht Batmans exzessive Rücksichtslosigkeit in keinem Verhältnis zu der Entwicklung, die Snyder und Co. (vermutlich) im Sinn hatten. Ein zusätzlicher Batman-Film, der diese neue Version des Dunklen Ritters etabliert und besagte Entwicklung verdeutlicht, hätte da Abhilfe geschafft, aber Warner will ja unbedingt so schnell wie möglich zur Justice League.

Batmans exzessive Rücksichtlosigkeit bringt uns auch gleich zum nächsten Problem, nämlich dem eigentlichen Konflikt der beiden Helden. Wie bereits gesagt, beide Helden sind sich zu ähnlich. Sowohl Superman als auch Batman könnten nachvollziehbare Gründe für ihre Verurteilung des jeweils anderen haben, so, wie „Dawn of Justice“ das herüberbringt, erscheinen aber beide als Heuchler. Ich fand die Szene, in der Bruce Wayne die Zerstörung von Metropolis aus der Normalo-Sicht mitbekommt, unheimlich stark. Die Kollateralschäden, die Batman allerdings im späteren Verlauf einzugehen bereit ist, arbeiten gegen diese Szene und die in ihr etablierte Motivation, und zudem sind sie Batmans Ziel schlich nicht zweckdienlich. Was ist aus dem Batman geworden, der infiltriert, tarnt und täuscht, statt alles brachial niederzuwalzen und zu –schießen?

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Batman (Ben Affleck) versus Superman (Henry Cavill) im Miller-Stil

Superman hat es fast noch schlimmer erwischt, weil seine Abneigung gegen Batman kaum begründet wird. Wäre sie aufgrund besagter Kollateralschäden entstanden, wäre sie vielleicht sogar noch nachvollziehbar, aber es geht lediglich um die Branntzeichen, die Batman den Kriminellen verpasst. Im Vergleich dazu löst Superman internationale Zwischenfälle aus, nur um seine Freundin zu retten und scheint sich auch sonst nicht darum zu kümmern, wie man ihn wahrnimmt. Ich habe mit dem Superman dieses Films so ganz allgemein meine Probleme. In „Man of Steel“ habe ich Superman zumindest noch ansatzweise erkannt, aber in „Dawn of Justice“ zieht Henry Cavill die ganze Zeit eine Miene, die grimmiger ist als Batmans und kommt allgemein als fürchterlich arrogant und selbstgerecht rüber. Somit bleibt der eigentlich Kern des Films, der Konflikt der beiden Heroen, schlampig und halbherzig inszeniert, vor allem, weil es im Grunde zwei Mal dieselbe Figur ist, nur einmal mit und einmal ohne Superkräfte, wo die Dynamik doch eigentlich von Gegensätzen geprägt sein sollte. Entsprechend uninspiriert ist dann auch der Ausgang des eigentlichen, visuell durchaus ansprechend inszenierten Kampfes; Batman und Superman werden von einem Moment auf den anderen plötzlich Kumpel, weil ihre Mütter zufällig den gleichen Namen haben, anstatt dass sie lernen, sich gegenseitig zu respektieren. Entsprechend hohl wirkt dann auch das Ende des Films mit Supermans Begräbnis: Warum sollte man sich emotional fühlen angesichts der Art und Weise, wie Superman in diesem Film handelt? Warum sollte Batman seine Methoden ändern, um sich Supermans Opfer würdig zu erweisen, wo Superman doch fast genauso rücksichtslos vorgeht?

Dawn of Justice
Der Untertitel verweist nicht auf eine Thematisierung oder Verarbeitung des Begriffs „Gerechtigkeit“ und seiner Bedeutung, sondern ausschließlich auf Warner Bros. Vorhaben, die Justice League zusammen zu bringen, um mit Marvels Avengers konkurrieren zu können. Zu diesem Zweck wird „Dawn of Justice“ immer mal wieder angehalten, um einen Justice-League-Verweis einzubauen, der dramaturgisch völlig unsinnig ist, Zeit frisst, die an anderer Stelle fehlt und dazu noch völlig plump und uninspiriert daherkommt, so als kämen besagte Szenen direkt von den Produzenten des Studios (was wahrscheinlich auch der Fall ist). Zwei Elemente fallen da besonders auf. Zum ersten wäre da Batmans Vision in der Vision, die ich auch gerne als „Bat Max: Fury Road“ bezeichne: Wir sehen Batman in einem apokalyptischen Alptraum, in dem Superman offenbar als Diktator über eine verwüstete Erde regiert. Diese Thematik ist nicht neu, schon in „Superman: The Animated Series“ verschlägt es Lois Lane in einer Episode in eine Parallelwelt, auf der sie gestorben ist, was Superman dazu veranlasst hat, mit Lex Luthors Hilfe aus Metropolis einen Polizeistaat zu machen. Das Spiel „Injustice: Gods Among Us“ und die zugehörigen Comics bedient sich eines ähnlichen Plots; auch hier wird Superman nach Lois Lanes Tod zum Diktator und Batman zum Widerstandskämpfer. Das Omegasymbol im Sand und das Auftauchen dämonischer, geflügelter Wesen sind Indizien, doch noch auf etwas anderes hindeuten: Darkseid, einer von DCs größten Schurken, wird wohl früher oder später mit seine Paradämonen der Erde einen Besuch abstatten. Das Bild mit den Dämonen, die aus dem Himmel kommen, und die völlig aus dem Nichts kommende letzte Szene mit Lex Luthor deuten ebenfalls in diese Richtung. Tatsächlich wurde bereits eine geschnittene Szene veröffentlicht, die zeigt, woher Luthors plötzliches Wissen um eine potentielle Alieninvasion eigentlich herkommt und die uns eventuell auch Steppenwolf, Darkseids Onkel und Feldherrn, sowie die Mother-Box, einen göttlichen Supercomputer, zeigt. Da stellt sich nun die Frage: Arbeitet Superman in dieser Vision für Darkseid? Auch das gab es schon mal, nämlich im Serienfinale von „Superman: The Animated Series“, in welchem Darkseid Superman einer Gehirnwäsche unterzieht, sodass er glaubt, Darkseids Adpotivsohn zu sein.

„Bat Max: Fury Road“ ist in eine andere Vision eingebettet, in der der von Ezra Miller gespielt Flash auftaucht und Batman erklärt, Lois sei der Schlüssel (was wieder auf „Injustice: Gods Among Us“ hindeutet). Flash als Teil einer Zeitreisekrise verweist außerdem auf Geschichten wie „Crisis on Infinte Earths“ oder „Flashpoint“. Das Ganze bleibt allerdings ziemlich konfus und ich bin mir absolut nicht sicher, ob mir die Richtung gefällt, in die sich das Ganze bewegt.

Und dann wäre da natürlich noch die Vorstellung der anderen Justice-League-Mitglieder, die derart plakativ herüberkommt, dass ich im Kino meinen Augen kaum getraut habe: Da schickt Batman Wonder Woman doch tatsächlich eine E-Mail mit von Lex Luthor gestohlenen Dateien. Zu jedem späteren Mitglied der Liga (Flash, Aquaman, Cyborg) gibt es ein Video, das man sich ansehen kann. Das wirkt auf mich wie Promomaterial, das begleitend für einen Justice-League-Film als Teil einer Marketingkampagne veröffentlicht wird, nicht wie Teile dieses Films. Apropos Wonder Woman: Sie war definitiv eines der besten Elemente des Films, hat jede Szene gestohlen, in der sie war und zwischen ihr und Ben Affleck war so unendlich viel mehr Chemie als zwischen Amy Adams und Henry Cavill, aber wenn wir ehrlich sind, ist auch sie für diesen Film ziemlich irrelevant, da sie kaum etwas zur Handlung beiträgt. Mit einer minimalen Abänderung hätte der Endkampf auch nur zwischen Batman, Superman und Doomsday stattfinden können.

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Bat Max, äh, Batman (Ben Affleck) betrachtet das Omega-Symbol im Sand

Was ist nun für die Zukunft des „DC Extended Universe“ zu erwarten? Zuerst einmal zwei Filme, für dich ich nach wie vor Hoffnung habe, nämlich „Suicide Squad“ (August 2016) und „Wonder Woman“ (Juni 2017). Beide sind nämlich erst einmal primär von der kommenden Justice-League-Adaption gelöst und Snyder, Goyer und Terrio sind auch nicht beteiligt (Ersterer ist zwar als ausführende Produzent genannt, aber das muss nicht unbedingt etwas heißen). „Suicide Squad“ beschäftigt sich in erster Linie mit Schurken und/oder eher unbekannten Nebenfiguren, während „Wonder Woman“ während des Ersten Weltkriegs spielt – die Möglichkeiten, die Justice League weiter vorzubereiten, sind damit eher begrenzt. Außerdem sehen die Suicide-Squad-Trailer und das, was wir von Wonder Woman in „Dawn of Justice“ gesehen haben, sehr vielversprechend aus. Wirklich Sorgen mache ich mir dann um „Justice League Part One“, bei dem wieder Zack Snyder Regie führt. Ich bin gespannt, ob und wie Warner auf die vernichtenden Kritiken reagiert. Auch der angekündigte Director’s Cut von „Dawn of Justice“ könnte zumindest interessant werden, da er dem Film tatsächlich helfen könnte, wenn er es schafft, die Struktur zu verbessern.

Fazit
An meinem ursprünglichen Fazit hat sich eigentlich nichts geändert, weshalb ich zum Schluss noch einmal auf einige Fan-Reaktionen eingehen möchte, die Kritikern vorwerfen, sie wollten nur einen Marvel-Film sehen, die DC-Filme seien düster und erwachsen, dies sei ein Film für die Comicfans etc. Ich hoffe, ich habe klar dargelegt, warum „Dawn of Justice“ für mich als Fan nicht funktioniert. Snyder, Goyer und Terrio mögen die Comics auf visueller Ebene zitieren, inhaltlich bleibt dies aber nur oberflächlicher Fanservice, da sie offenbar nicht begriffen haben (oder sich einfach nicht darum kümmern), was die Comics, die sie da zitieren, eigentlich aussagen. Und ich denke, niemand ist der Meinung, alle Superheldenfilme müssten wie die Streifen des MCU sein. Es geht nicht um die Prämisse bzw. die Stimmung an sich, sondern darum, wie sie umgesetzt wird. Die MCU-Filme sind im Großen und Ganzen selbstironischer, leichter und „heller“, während die (bisherigen) Filme des DCEU versuchen, düster, grimmig und ernsthaft zu sein – sie wären gerne eine Superheldencharakterstudie. Das Problem ist nicht, dass sie das versuchen, sondern dass sie an ihrer Prämisse ziemlich grandios scheitern. Wie dieses Vorhaben funktionieren kann, zeigen die Marvel-Serien von Netflix. So bleibt „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ein sowohl faszinierendes als auch unendlich frustrierendes misslungenes Projekt, ein widersprüchlicher Film, der gleichzeitig zu lang und zu kurz und zu vorlagentreu und zu abweichend ist.

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come
Brian Azzarellos Wonder Woman
Lex Luthor: Man of Steel
Batman v Superman: Dawn of Justice
Batman v Superman: Dawn of Justice – Soundtrack

Blogparade: Jesus 2.0 – Die sieben besten Erlöser

Spoiler zu „Game of Thrones Staffel 5“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“

Die singende Lehrerin hat mal wieder zu einer interessanten Blogparade aufgerufen, dieses Mal passend zu Ostern mit dem Thema „messianische Erlöserfigur“. Auserwählte, die sich selbst opfern und mit ihrem Tod die Welt retten, gibt es für meinen Geschmack in der Populärkultur leider viel zu viele. Natürlich ist klar, weshalb: Die Passion Christi (ich meine nicht den Mel-Gibson-Film) ist nun mal eine der grundlegenden Geschichten der christlich geprägten Welt, und auch in anderen Erdteilen ist dieses Konzept alles andere als unbekannt. In der Zwischenzeit gibt es so viele Versionen des Pseudo-Jesus, dass das Konzept einfach nicht mehr interessant ist, besonders, weil kaum jemand es schafft, dem Ganzen eine neue Facette abzugewinnen. Wie dem auch sei, hier sind meine sieben Jesus-Verschnitte, die Reihenfolge ist willkürlich.

Anakin Skywalker („Star Wars“)
Die von Joseph Campbell dargestellte Heldenreisethematik und das Erlöserkonzept gehen oft Hand in Hand – nur allzu oft ist der arme Bauernjunge, der unverhofft zum Helden wird, auch gleich von Gott oder einer anderen höheren Macht auserwählt, die Welt zu retten oder, wie in diesem Fall, der Macht das Gleichgewicht zu bringen. Luke Skywalker würde sich im Kontext dieser Blogparade vielleicht auch anbieten, aber der eigentliche Auserwählte ist Anakin. Während die Jesus-Parallelen bei Luke eher subtil sind, hat sich George Lucas bei Anakin kaum zurückgehalten. Er ist der Auserwählte, dessen Ankunft vor tausenden von Jahren prophezeit wurde, das Resultat einer unbefleckten Empfängnis und am Ende opferte er sich schließlich, um das Böse endgültig in seine Schranken zu weisen. Gut, Jesus hat sich nie temporär mit Satan verbündet, Kinder abgeschlachtet und für eine brutale Diktatur Armeen in die Schlacht geführt, aber von diesen kleinen Details einmal abgesehen sind die Parallelen wirklich überdeutlich.

Frodo/Gandalf („Der Herr der Ringe“)
Professor Tolkien war überzeugter Katholik und das zeigt sich auch im „Herrn der Ringe“, wenn man zwischen den Zeilen liest. Allerdings hatte er auch eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Allegorien, weshalb sich zwar bei einigen Figuren seines Werkes gewisse Parallelen zu Jesus finden, aber keine wirklich als „Christus von Mittelerde“ gelten kann (anders als bei gewissen anderen Fantasy-Autoren). Frodo ist natürlich das offensichtlichste Beispiel, er durchlebt einen Leidensweg, um Mittelerde zu retten. Allerdings ist er keine wirklich messianische Figur, seine Ankunft wurde nicht prophezeit, er ist höchstens ein impliziter Auserwählter, primär gelangt er an den Ring durch Zufall (sofern wir hier nicht von einem göttlichen Plan ausgehen), behält ihn auch nur, weil es für die Freien Völker so am sichersten und stirbt auch keinen Opfertod inklusive Auferstehung, um die Welt zu erlösen. Sein Ende erinnert viel eher an das von König Artus, der auf Avalon Ruhe findet, um seine tiefen Wunden heilen zu lassen. Gandalf ist derjenige, der einen Opfertod stirbt, damit die Gefährten fliehen können, und dann wieder zurückkehrt, um seine Aufgabe zu vollenden. Diese Aufgabe ist im Vergleich zu Frodos allerdings sekundär, im Grunde verhindert nur Kollateralschäden und sorgt für Ablenkung. Bis auf Opfertod und Auferstehung hat Gandalf viel mehr mit dem nordischen Gott Odin oder dem finnischen Zauberer Vainämöinen gemein als mit Jesus.

Aslan („Die Chroniken von Narnia“)
C.S. Lewis war ein Zeitgenosse und Freund Tolkiens und nach seiner Konvertierung ebenso überzeugter Christ, wenn auch anglikanisch und nicht katholisch. Mit seiner siebenbändigen Narnia-Reihe hat er ebenfalls einen Klassiker der Fantasy-Literatur verfasst, anders als Tolkien arbeitet Lewis bezüglich der christlichen Inhalte aber mit dem Holzhammer. Aslan besitzt nicht nur Eigenschaften von Jesus, Aslan IST Jesus – C.S. Lewis hat selbst einmal erklärt, er habe sich überlegt, welche Gestalt Jesus wohl in einer anderen Welt, in diesem Fall Narnia, annehmen würde. Zwar mag er ein Löwe sein, aber ansonsten passt alles: Aslan ist der Sohn des Kaisers jenseits des Meeres (wer damit wohl gemeint sein könnte?) und in „Der König von Narnia“ opfert er sich, geht als Lamm zur Schlachtbank, wird gequält, hingerichtet, steht wieder auf und beißt der Weißen Hexe den Kopf ab. Alles vollkommen biblisch.

Harry Potter („Harry Potter“)
Und nochmal ein Auserwählter, der den Opfertod stirbt. Um ehrlich zu sein: Harry Potters Selbstopfer gehört zu den Aspekten, die mir „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ kräftig vermiest haben. Nicht nur ist diese Wendung, wie bereits erwähnt, in meinen Augen ziemlich ausgelutscht, Aufbau und Hinführung sind auch noch so fürchterlich schlecht konstruiert und uninspiriert (Stichwort Elderstab). Damit Jesus-Harry sich am Ende nicht selbst die Hände schmutzig macht, muss Voldemort von seinem eigenen Zauber getötet werden – schon wieder. Ich bin da immer noch traumatisiert.

Neo („Matrix“)
Selbst in einer von Maschinen beherrschten Welt, in der Gott eigentlich keine Rolle spielt (zumindest oberflächlich betrachtet), ist man vor einem Pseudo-Jesus nicht sicher. Die ganze Angelegenheit ist äußerst konfus, maschineninhärent und Wiedergeburt spielt offenbar auch eine Rolle, weil Neo der sechste Auserwählte ist und im Grunde nur als Systemneustart der Matrix funktionieren soll. Neo durchbricht jedoch den Kreislauf und, wie könnte es anders sein, opfert sein Leben, um die Menschheit zu retten. Er wird nicht ans Kreuz genagelt, sondern prügelt sich zu apokalyptisch-grandioser Musik mit Agent Smith und darf auch nicht wiederkommen (immerhin da sind die Wachowskis konsequent, jedenfalls bis Warner beschließt, dass ein weiteres Matrix-Sequel her muss), aber es ist trotzdem eine Holzhammer-Allegorie.

Superman („Superman“)
Eine weitere Figur mit mehr Jesus-Parallelen, als ihr gut tun. Das fängt schon beim kryptonischen Namen an: Kal-EL (hochsubtil). Für Supermans Ursprungsgeschichte haben seine Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster praktisch die Erzählungen von Moses und Jesus miteinander verknüpft und in ein Science-Fiction-Setting verfrachtet. In den Comics (zumindest den meisten) hat man sich inzwischen dankenswerterweise von der Jesus-Symbolik ein wenig distanziert, aber die diversen Filme tragen diesbezüglich noch einmal richtig dick auf. In Richard Donners „Superman“ von 1978 sagt Jor-El doch tatsächlich: „Live as one of them, Kal-El, to discover where your strength and your power are needed. But always hold in your heart the pride of your special heritage. They can be a great people, Kal-El, they wish to be. They only lack the light to show the way. For this reason above all, their capacity for good, I have sent them you… my only son.” Während das schon ziemlich plakativ ist, hat Zack Snyder aber wirklich den Vogel abgeschossen: „Man of Steel“ quillt nur so über vor Jesus-Symbolik. Superman hatte eine spezielle Geburt (das erste kryptonische Kind seit langer Zeit, das natürlich geboren wurde), ist in diesem Film 33 und wird ständig im Kontext christlicher Bildsprache gezeigt, als Kreuz, in der Kirchenszene sieht man seinen Kopf neben einer Abbildung Christi als Gleichgestellte etc. Damit auch wirklich der Letzte kapiert, was hier ausgedrückt werden soll. Und in „Batman v Superma: Dawn of Justice“ geht’s genau so weiter, Lex Luthor spricht ständig in religiösen Metaphern, der Kryptonitspeer erinnert an einen gewissen anderen Speer und dann ist da natürlich Supermans Opfertod samt angedeuteter Auferstehung. Als ob das noch nicht genug wäre, kam der Film auch noch in der Karwoche in die Kinos. Wirklich?

Azor Ahai („A Song of Ice and Fire“)
Der wahrscheinlich interessanteste Eintrag auf dieser Liste stammt aus Geore R.R. Martins nach wie vor unvollendeter Fantasy-Reihe (wo bleibt „The Winds of Winter“?). Azor Ahai ist ein legendärer Held, der viele tausend Jahre vor der eigentlichen Handlung der Romane gegen finstere Mächte kämpfte und seither als Messias-Figur für den Glauben der Roten Priester fungiert. Die Anhänger des Feuergottes R’hllor glauben, Azor Ahai würde eines Tages wiederkehren, um die Finsternis endgültig zu besiegen. Melisandre, die mit Abstand prominenteste Vertreterin dieser Religion in den Romanen, vermischt die Prophezeiung von Azor Ahais Wiederkehr mit einer anderen Weissagung bezüglich des „prince that was promised“, der zwischen Fels und Salz geboren und dessen Ankunft von einem roten Kometen begleitet wird. Melisandre selbst glaubt, Stannis Baratheon sei besagter Prinz und damit auch der wiedergeborene Azor Ahai. Es gibt jedoch diverse andere Kandidaten, nicht zuletzt Daenerys Targaryen oder Jon Snow. Da Letzterer am Ende von „A Dance with Dragons“ das zeitliche gesegnet hat, könnte er sogar wieder auferstehen, was ihn noch messianischer machen würde. Aber so wie ich George R.R. Martin kenne, wird die Antwort sicher nicht simpel sein und einen besonderen Twist haben.