Dune: Part One

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Story: In ferner Zukunft wird das Universum von einem mächtigen Imperium beherrscht, das sich aus verschiedenen Adelshäusern zusammensetzt. Eines dieser Adelshäuser, die Atreides unter Führung des Herzogs Leto (Oscar Isaac) erhalten vom Imperator den Auftrag, den Abbau der Droge Melange (auch Spice genannt) auf dem Planeten Arrakis alias Dune zu überwachen. Melange ist die wichtigste Substanz des Imperiums, die unter anderem interstellares Reisen überhaupt erst möglich macht. Aus diesem Grund siedelt das Haus Atreides, inklusive Letos Mätresse Jessica (Rebecca Ferguson) und ihrem gemeinsamen Sohn Paul (Timothée Chalamet), über nach Arrakis, wo nicht nur eine tödliche Wüste mit riesigen Würmern, sondern auch die potentiell gefährlichen Eingeborenen, die Fremen, auf sie warten. Doch die wahre Gefahr kommt aus einer anderen Richtung: Vladimir Harkonnen (Stellan Skarsgård), der zuvor Arrakis beherrschte und gnadenlos ausbeutete, plant schon seit langem den Untergang des Hauses Atreides und startet nun eine mörderische Intrige, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen…

Kritik: Frank Herberts 1965 erschienener Roman „Dune“ hat im Science-Fiction-Genre einen Stellenwert, der mit dem des „Lord of the Rings“ in der Fantasy zumindest in Ansätzen vergleichbar ist. Die Einflüsse auf andere Medien, nicht zuletzt Star Wars, aber auch „A Song of Ice and Fire“, sind enorm. Nicht minder legendär als die Geschichte des Romans sind die Versuche, ihn zu verfilmen, von der Jodorowsky-Version, die es nie über die Planung hinausgeschafft, aber immerhin zu einer sehr faszinierenden Dokumentation geführt hat, über David Lynchs missglückte Verfilmung von 1984 bis hin zur Fernsehadaption der frühen 2000er. Schließlich bekam Denis Villeneuve die Gelegenheit, nach „Arrival“ und „Blade Runner 2049“ noch tiefer in die Science Fiction vorzudringen und sich Herberts Roman mit einem wirklich beeindruckenden Cast anzunehmen – unglücklicherweise verhinderte Corona den ursprünglichen Kinostart im November 2020. Nun ist „Dune: Part One“ – denn Villneuve weigerte sich, Herberts umfangreichen Roman in nur einem Film umzusetzen – endlich im Kino zu begutachten. So viel schon einmal vorneweg: Allein aufgrund der visuellen Wucht lohnt sich der Kinobesuch.

Wie nicht anders zu erwarten knüpft Villeneuve mit „Dune“ sehr stark an seinen bereits in „Arrival“ und „Blade Runner 2049“ etablierten visuellen Stil an, der nach wie vor seinesgleichen sucht und einem Epos wie diesem mehr als gerecht wird. Bombastische Bilder und breite Panoramen, dazu ein höchst distinktives Design, das sich glücklicherweise weit von der Bizarrheit der Lynch-Version entfernt hat, sorgen dafür, dass Villeneuves Adaption sich in der Erinnerung festsetzt.

Inhaltlich hält sich Villeneuve, der zusammen mit Jon Spaihts und Eric Roth auch das Drehbuch verfasste, im Großen und Ganzen sehr eng an die Vorlage, die ich mir im Vorfeld extra in Hörbuchform zu Gemüte geführt habe. Natürlich muss man beachten, dass hier nur etwa die erste Hälfte des Romans umgesetzt wird und man das auch merkt – der Film endet zwar nicht völlig abrupt oder mit einem Cliffhanger, aber keiner der größeren Konflikte wird auch nur ansatzweise aufgelöst, das Schicksal vieler Figuren bleibt unklar. Ansonsten ist die Romanhandlung stets sehr präsent, die größten Abweichungen finden sich bei der Interpretation einiger Figuren, primär Paul und Leto Atreides. Vor allem diese beiden werden deutlich moderner dargestellt, als es bei Frank Herbert der Fall ist, wo sie archaischer bzw. feudaler daherkommen. Leto ist im Film verständnisvoller und väterlicher, während Paul von Anfang an seine Rolle als Erbe hinterfragt, was er im Roman nicht tut bzw. was dort ein Ergebnis seiner Entwicklung ist. Paul wird im Film allerdings auch nicht ganz so hyperkompetent und allwissend dargestellt, wie es im Roman der Fall ist, was ich definitiv als Verbesserung werten würde.

Viele Aspekte der Figuren gehen natürlich verloren, da Herbert sehr intensiv und ausführlich auf die Gedanken der Charaktere eingeht – der Erzähler von „Dune“ ist sehr allwissend und blickt regelmäßig in jeden Kopf hinein, um dem Leser genau mitzuteilen, was da gerade passiert. Einer der wenigen Aspekte, die der David-Lynch-Film wirklich sehr direkt adaptiert, war diese Herangehensweise, die in sehr, sehr, sehr vielen geflüsterten Kommentaren aus dem Off resultierte. Glücklicherweise entschied sich Villeneuve dagegen und versucht stattdessen, die inneren Vorgänge visuell zu inszenieren, was meistens (wenn auch nicht immer) ziemlich gut funktioniert.

Was verständlicherweise mitunter verloren geht, ist das umfangreiche Worldbuilding, das Herbert auf den Seiten des Romans betreibt, wo er immer wieder historische, philosophische, religiöse oder bio- und geologische Exkurse über die erzählte Welt im Allgemeinen und Arrakis im Speziellen unternimmt, die im Film natürlich nur schwerlich untergebracht werden können und sich, wenn sie denn auftauchen, ausschließlich auf Handlungsrelevantes beschränken oder Teil der visuellen Umsetzung sind. Dennoch hat man mitunter das Gefühl, dass der gerade der politische Aspekt und die Lage im Imperium, die Rolle, die die Harkonnen spielen etc. etwas zu kurz kommen, sodass sie schwer greifbar sind. Aber wer weiß, ein (hoffentlich kommendes) Sequel könnte da Abhilfe schaffen.

Handwerklich kann man „Dune: Part One“ kaum etwas vorwerfen. Wie bereits erwähnt lohnt sich der Film allein schon wegen der Optik, und auch schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Gerade im Schurkenbereich sorgen Stellan Skarsgård als Baron Vladimir Harkonnen sowie Dave Bautista und David Dastmalchian als seine Untergebenen Glossu Raban und Piter De Vries dafür, dass die Widersacher der Atreides trotz einem gewissen Mangel an „Handfestigkeit“ im Gedächtnis bleiben. Dasselbe gilt für die Vielzahl an Figuren auf der Gegenseite; obwohl Gurney Halleck (Josh Brolin), Duncan Idaho (Jason Momoa), Fremen-Anführer Stilgar (Javier Bardem) oder Chani (Zendaya) alle relativ wenig Leinwandzeit haben, holen sie doch heraus, was möglich ist. Dasselbe gilt natürlich auch für die oben bereits erwähnten Darstellerinnen und Darsteller. Auch dramaturgisch und strukturell wurde die Handlung gut umgesetzt, lediglich in der Mitte gibt es einen kleinen Durchhänger, bevor sich die Ereignisse dann plötzlich überschlagen, ich wüsste allerdings ad hoc nicht, wie man es anders bzw. besser hätte machen können.

Kommen wir schließlich noch zu einem Aspekt, der von vielen gelobt wird, den ich aber eher kritisch sehe: Der Score von Hans Zimmer. Inzwischen ist klar, was Villeneuve mit der Musik in seinen Filmen bezweckt: Er möchte ein immersives Erlebnis erschaffen, Score und Sounddesign sollen miteinander verschmelzen und untrennbar Teil der erzählten Welt werden, quasi entgegengesetzt zum Konzept, das George Lucas und John Williams bei „A New Hope“ verfolgten, wo der sehr klassische angehauchte Soundtrack als Kontrapunkt zur (damals) sehr fremden Welt der weit, weit entfernten Galaxis dienen und das Publikum emotional ankern sollte. Ähnlich wie Herbert beim Worldbuilding im Roman will Villeneuve im Film das Publikum allerdings nicht an die Hand nehmen, sondern es stattdessen direkt hineinwerfen. Das ist per se kein schlechter Ansatz, allerdings ist die derartige Vermischung von Musik und Sounddesign schlicht etwas, das nicht unbedingt meinem Geschmack entspricht. Bereits in Jóhann Jóhannssons Score zu „Arrival“ verfolgten Villneuve und der 2018 verstorbene isländische Komponist diesen Ansatz, der auch in „Dune: Part One“ Verwendung findet. Tatsächlich scheint Zimmer Jóhannsson des Öfteren zu kanalisieren, ohne allerdings dieselbe Wirkung zu entfalten oder dieselbe Kreativität an den Tag zu legen. Wer mit Zimmers Œuvre, speziell den Scores, die er für „Blade Runner 2049“ sowie die Filme von Chris Nolan und Zack Snyder komponierte, vertraut ist, wird nur allzu viele Stilmittel wiedererkennen. Repräsentative Motive im weiteren Sinne sind durchaus vorhanden, aufgrund mangelnder Variation kann man allerdings kaum von Leitmotiven sprechen, da sie nicht leiten, es sind eher wiederkehrende instrumentale Texturen für bestimmte Konzepte, etwa der bellende Frauenchor für die Bene Gesserit, Erhu und vage nahöstliche Instrumentierung für Arrakis oder (diegetische) Dudelsäcke für Haus Atreides. Alles wird natürlich durch elektronische Manipulation stark verfremdet und prozessiert. Streckenweise funktioniert das durchaus gut, mitunter geraten die üblichen „Zimmerismen“ in der Musik aber auch beinahe zur Selbstparodie, besonders wenn der Ton, wie bei meinem Kinobesuch, deutlich zu laut eingestellt ist. Spätestens als Zimmer die Percussion-Gewitter aus „Man of Steel“ ausgepackt hat, sah ich mich gezwungen, genervt die Augen zu verdrehen. Ich denke schon, dass ein „traditioneller“ Score hier fehl am Platz gewesen wäre, komme aber nicht umhin mich zu fragen, was wohl ein Komponist wie Don Davis, Elliot Goldenthal oder Philip Glass mit dem Material angestellt hätte.

Fazit: Sehr gelungene und vor allem visuell extrem beeindruckende Verfilmung von Frank Herberts Roman. Mit dem Urteil darüber, ob Villeneuves „Dune“ das Prädikat „Meisterwerk“ oder „LotR-Äquivalent der 2020er“ verdient hat, warte ich allerdings, bis ich „Part Two“ gesehen habe, so er denn kommt. Hoffentlich…

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Siehe auch:
Arrival
Blade Runner 2049 – Ausführliche Rezension

Der Exorzist

Klassiker-Review
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Story: Nach der Scheidung ihrer Eltern beginnt sich das zwölfjährige Mädchen Regan MacNeil (Linda Blair) ein wenig merkwürdig zu verhalten. Zuerst scheint dies nichts Außergewöhnliches zu sein, doch dann beginnt sich ihre Mutter, die Schauspielerin Chris (Ellen Burstyn), ernsthaft Sorgen zu machen, da sich merkwürdige Vorkommnisse häufen. Nicht nur uriniert Regan während einer Party auf den Teppich und verhält sich ihren Ärzten gegenüber äußerst unflätig, auch mit dem Tod des Regisseurs Burke Dennings (Jack McGowran) scheint sie etwas zu tun zu haben. Die Situation wird immer seltsamer, sodass Chris bald in der Tat glaubt, dass Regan wirklich von einem Dämon besessen ist. Der Jesuitenpriester Damien Karras (Jason Miller), den Chris um Hilfe bittet, will nicht recht an dämonische Besessenheit glauben, doch langsam scheint es für Regans Zustand (die inzwischen anatomische Unmöglichkeiten vollbringt) keine andere Erklärung mehr zu geben…

Kritik: Der auf William Peter Blattys gleichnamigem Roman basierende Film gehört zu den absoluten Klassikern des Horror-Genres; ihm folgten nicht nur diverse Sequels und Prequels, sondern gleich ein ganzes Subgenre.

Es handelt sich bei diesem Film um eine sehr vorlagengetreue Adaption, was nicht weiter verwunderlich ist, immerhin war Blatty sowohl als Produzent als auch als Drehbuchautor tätig, während William Friedkin Regie führte. Figuren, Handlungsablauf, Struktur etc. entsprechen dem Roman sehr genau, lediglich einige Details, Feinheiten und Hintergrundinformationen fallen dem Medienwechsel zum Opfer. So nennt der Film zum Beispiel nie den Namen der höllischen Kreatur, die von Regan Besitz ergreift. Zwar ist „Pazuzu“ der Name eines Dämonen aus der assyrischen und babylonischen Mythologie, aber er klingt reichlich albern, weshalb es wohl auch besser ist, dass er im Film nie fällt.

Vor allem zu Beginn des Films bemühen sich Blatty und Friedkin um einen langsamen, schleichenden Spannungsaufbau, sie geben dem Zuschauer Zeit, die Charaktere kennen zu lernen. Regans Besessenheit manifestiert sich langsam, erst kommt es zu kleinen Seltsamkeiten, die sich immer weiter steigern. Gerade in der ersten Hälfte scheint es immer wieder ungewiss, ob Regan wirklich besessen ist oder doch nur an einer ausgefallenen Geisteskrankheit leidet, wobei diese Ambiguität im Roman noch stärker ist. Wenn der Film (bzw. der Dämon) dann aber loslegt, legt er richtig los. Gerade diesbezüglich ist „Der Exorzist“ ziemlich gut gealtert, die Effekte und das Make-up überzeugen auch heute noch, und viele Ausbrüche des Dämons erscheinen immer noch ziemlich heftig – im Jahr 1973 waren sie mehr, als so manch ein Kinozuschauer verkraften konnte. Das einzige Problem dabei: Der Kultstatus dieses Films kann auch eine negative Wirkung haben. Es gibt zu viele Parodien und Nachahmungen der diversen ikonischen Szenen, die ihre Wirkung ein wenig verwässern könnten – dies kann man dem Film selbst freilich nicht vorwerfen. Ohnehin bleiben die grandiosen schauspielerischen Leistungen, vor allem von Linda Blair (man bedenke nur ihr Alter) und Mercedes McCambridge (die dem Dämon ihre tiefe, furchterregende Stimme leiht), aber auch von Jason Miller, Max von Sydow und Ellen Burstyn, über jeden Zweifel erhaben.

Wie erwähnt zog der Erfolg von „Der Exorzist“ viele ähnlich geartete Filme nach sich, von denen allerdings keiner (zumindest keiner, den ich gesehen habe) qualitativ auch nur halbwegs in die Nähe des Genrepioniers kommt. Die meisten schaffen es nicht einmal, der Grundprämisse irgendetwas neues abzugewinnen. Dasselbe gilt leider auch für die diversen Nachfolgefilme, von denen lediglich einer in die Nähe des ersten Teils kommt. „Exorzist II: Der Ketzer“ ist dabei der schlimmste Teil und kann guten Gewissens als Müll bezeichnet werden. „Der Exorzist III“ ist der gelungenste Nachfolger, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass Blatty hier abermals einen seiner eigenen Romane („Legion“) adaptierte und dabei nicht nur für das Drehbuch, sondern auch für die Regie verantwortlich war (und dabei konsequent den fürchterlichen zweiten Teil ignorierte). Darüber hinaus weiß der dritte Film der Reihe vor allem mit äußerst atmosphärischen und subtil-erschreckenden Dialogsequenzen zu überzeugen, die Jason Miller und Brad Dourif die Möglichkeit zu dämonischer guter Schauspielkunst geben.
Und schließlich gibt es noch zwei Prequels, die beide von der ersten Begegnung Father Merrins (in beiden gespielt von Stellan Skarsgård) mit dem Dämon erzählen. Im Grunde handelt es sich um zwei Versionen desselben Film. Die ursprüngliche Schnittfassung von Paul Schrader war dem Studio nicht horrormäßig genug, weshalb es Renny Harlin anheuerte, der große Teile des Films neudrehte. Letztendlich wurden allerdings beide Versionen veröffentlich (die Harlin-Version heißt „Exorzist: Der Anfang“, während die Schrader-Fassung den Titel „Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen“ trägt). Letztendlich finde ich beide Versionen nicht besonders gelungen, Harlins Film ist in der Tat ein wenig unheimlicher, während Schraders psychologischer und besser durchdacht ist, aber von der Qualität des Originals und selbst des dritten Films sind beide ziemlich weit entfernt.

Fazit: „Der Exorzist“ gilt völlig zurecht als Meilenstein des Horrorfilms, was sich über die diversen offiziellen und inoffiziellen Nachfolger allerdings nicht sagen lässt.

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Thor: The Dark World

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Story: Nach seinen Taten in New York ist Loki (Tom Hiddleston) in Gewahrsam, und Thor (Chris Hemsworth) ist es gelungen, die neun Welten zu befrieden. Allerdings braut sich am Horizont ein neues Unheil zusammen: Der uralte Dunkelelf Malekith (Christopher Eccleston) ist erwacht und will mit Hilfe des Äthers das Universum in Dunkelheit stürzen. Besagter Äther hat allerdings von Thors irdischer Freundin Jane Foster (Nathalie Portman) Besitz ergriffen, weshalb diese nun nach Asgard gebracht wird. Malekith rüstet sich derweil zum Angriff, und die Asen müssen erkennen, dass sie ihm kaum gewachsen sind. In der Not ist Thor sogar bereit, sich mit Loki zu verbünden, um Malekith aufzuhalten…

Kritik: 2013 Ist bisher irgendwie das Jahr der mittelmäßigen Kinofilme, so scheint es mir zumindest – wobei ich natürlich weit davon entfernt bin, alle Filme dieses Jahres gesehen zu haben. Gerade bei den diesjähirgen Comicverfilmungen zeigt sich das Besonders. Alles, was geboten wurde, war ganz in Ordnung und unterhaltsam, es waren keine Totalausfälle dabei, aber auch keine Überflieger. Jeder Film hatte Elemente, die es durchaus lohnenswert machten, ihn anzuschauen, jeder Film hatte aber auch einige ernste Probleme, die den Genuss merklich trübten. „Man of Steel“ ist wohl der schwächste Film aus dieser Riege der Mittelmäßigkeit, „Thor: The Dark World“ der stärkste. Das kann natürlich auch damit zusammenhängen, dass ich für Thor, seine Welt und das restliche Drumherum eine nicht zu leugnende Schwäche habe – von den Marvels Phase-1-Filmen („The Avengers“ mal ausgeklammert) ist „Thor“ mein heimlicher Favorit, auch wenn ich der Meinung bin, dass „Iron Man“ der bessere Film ist.
Im Vergleich mit „Thor“ fällt auf, dass „Thor: The Dark World“ einerseits opulenter und andererseits weniger fokussiert ist als der direkte Vorgänger. Und natürlich gibt es die, nennen wir sie einmal, Post-Avengers-Probleme: Irgendwie muss der Film es schaffen, einerseits mit den bisherigen Streifen des MCU zumindest mitzuhalten, andererseits muss er aber auch erklären, weshalb die anderen Helden nicht eingreifen. „Thor: The Dark World“ gelingt das sogar recht gut, da die Action zumeist nicht auf der Erde stattfindet und das Finale sich relativ kurzfristig nach London verlagert, sodass SHIELD überhaupt keine Zeit gehabt hätte, die anderen Helden zu rufen.
Betrachten wir zuerst einmal die negativen Aspekte. Als erstes wäre hier der von Christopher Eccleston gespielte neue Oberschurke Malekith zu nennen. Leider gehört Malekith in die Kategorie „Böse als Selbstzweck“, und er besitzt auch nicht genügend Charisma, um das auszugleichen. Der Anführer der Dunkelelfen ist schlicht langweilig.
Das zweite Problem sind die Szenen auf der Erde, speziell die, in denen Thor nicht anwesend ist. Der Teil des Figurenensembles, der nicht nach Asgard gehört, wird zusehends uninteressanter. Nathalie Portmans Jane Foster war schon in Teil 1 nicht unbedingt der ideale Love Interest für Thor, und hier arbeitet Portman sichtlich auf Autopilot. Ich hätte, ehrlich gesagt, lieber mehr von Sif (Jaimie Alexander) gesehen – diese ist sowohl als Figur als auch als potentieller Love Interest für Thor weitaus interessanter. Um die anderen Erdlinge steht es leider auch nicht besser. Darcy (Kat Dennings) selbst ein Sidekick, bekommt nun einen eignen Sidekick (Jonathan Howard) dazu, der völlig überflüssig ist, und die Entwicklung von Erik Selvig (Stellan Skarsgård) will mir ebenfalls nicht so recht zusagen – dass die Gehirnwäsche, die er in „The Avengers“ von Loki erhalten hat, ihre Spuren hinterlässt, ist zwar ein durchaus guter Ansatz, in diesem Film wird das aber vor allem für billige Komik verwendet. Gerade der Humor führt mitunter zu weiteren Problemen. Es gibt sehr viel davon, und manchmal kommt er zu schnell nach oder direkt in Szenen, die eigentlich ernster und dramatischer sind und somit gestört werden. Erstaunlicherweise funktioniert dieses Vorgehen im finalen Showdown allerdings äußerst gut.
Neben der Erde, Asgard und einem Cameo von Jotunheim sieht man in „Thor: The Dark World“ noch ein paar andere der neun Welten, unter anderem Vanaheim und Swartalfheim – aber diese sind aber vergleichsweise enttäuschend. Stattdessen wird Asgard allerdings toll in Szene gesetzt, noch weitaus besser als in „Thor“. Die Heimat der Asen wirkt hier weitaus weniger künstlich und steril als noch im ersten Film, Asgard fühlt sich im Sequel lebendiger und realistischer an. Ebenso wissen die Asen zu überzeugen. Hogun (Tadanobu Asano) wird aus unerfindlichen Gründen am Anfang des Films abserviert und die anderen – Sif (Jaimie Alexander), Volstagg (Ray Stevenson), Fandral (Zachary Levi) und Heimdall (Idris Elba) haben zwar nur wenig Leinwandzeit, wissen diese aber vorzüglich zu nutzen. Über Anthony Hopkins als Odin muss man ohnehin kein Wort verlieren, und dieses Mal bekommt auch Thors Mutter Frigga (Rene Russo) ihren großen Augenblick.
Thor selbst, abermals von Christ Hemsworth treffend verkörpert, wirkt dieses Mal reaktionärer und macht, im Gegensatz zum ersten Film, auch keine größere Wandlung durch, wenn man von der endgültigen Entscheidung, die er am Ende trifft, einmal absieht. In gewissem Sinne war diese Entscheidung allerdings schon vorher gefallen, Thor selbst wusste es nur noch nicht. Das stört allerdings nicht weiter, Thor ist immer noch interessant genug, um den Film als Protagonist tragen zu können.
Und der eigentliche Star ist ohnehin Loki, denn Tom Hiddleston läuft hier wahrlich zu seiner Bestform auf – es scheint, als wolle er mit jedem Loki-Auftritt noch eins draufsetzen. Wann immer er auf der Leinwand zu sehen ist dominiert er den Film, die Wortgefechte mit Thor und den anderen Charakteren sind grandios. Es wird Zeit, dass Loki seinen eigenen Film bekommt.
Ansonsten: Die Story und ihre Twists sind relativ vorhersehbar, aber unterhaltsam. Die Action ist besser und opulenter als in „Thor“, aber nicht ganz so gut wie in „The Avengers“.
Fazit: „Thor: The Dark World“ ist im Großen und Ganzen ähnlich gut gelungen wie der erste Film mit dem Hammer-schwingenden Donnergott; in manchen Aspekten ist der zweite Teil dem ersten über, in anderen nicht, was dafür sorgt, dass beide Filme etwa auf Augenhöhe sind.

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Siehe auch:
Thor
The Avengers