Game of Thrones Staffel 4

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Eigentlich wollte ich mich ja gerade an den Überblicksartikel zur fünften GoT-Staffel machen, da ist mir aufgefallen, dass etwas Derartiges auch für Staffel 4 fehlt (am Ende meiner Rezension zur zehnten Episode besagter Staffel findet sich lediglich ein kurzes Resümee), weshalb das nun nachgereicht wird. Da das Zusammenfassen der Handlung ohnehin inzwischen zur Farce geworden ist, gehe ich dieses Mal ähnlich vor wie in meinen Artikeln zu den einzelnen Episoden, will heißen: Sortiert nach Handlungssträngen. Dem wird allerdings ein allgemeinerer Teil vorangestellt. Dabei bemühe ich mich, Staffel-5-Spoiler zu vermeiden.

Allgemeines zur Staffel
Insgesamt muss ich leider sagen, dass Staffel 4 nicht ganz auf dem hohen Niveau ist wie die Staffeln 1 bis 3, wobei man hier zweifelsohne differenzieren muss: Wenn Staffel 4 gut ist, ist sie richtig gut, ich wage sogar die Behauptung, dass sie einige der besten Momente der gesamten Serie enthält; „The Lion and the Rose“, die zweite Folge, in der die königliche Hochzeit stattfindet, gehört definitiv in meine Top 5. Leider gibt es nicht nur Höhen, denn nach einem verdammt starken Start offenbaren sich einige massive Probleme, die vor allem struktureller Natur sind und mit der Adaption der Vorlage zusammenhängen. „A Storm of Swords“, der dritte Band der Serie, wurde ja nicht, wie die ersten beiden Bände, in einer Staffel umgesetzt, sondern in zwei, und die negativen Auswirkungen dieser Entscheidung zeigen sich nun: Staffel 4 leidet sowohl unter der Struktur der Serie als auch daran, dass einige Handlungsstränge mehr „Fleisch“ haben als andere. Während es in King’s Landing beispielsweise noch mehr als genug Handlung für eine ganze Staffel gibt, müssen andere Handlungsstränge unnötig in die Länge gezogen werden. Genau hier wäre eine flexiblere Staffelstruktur wünschenswert gewesen. „A Storm of Swords“ hätte sich in meinen Augen entweder als längere Staffel mit 15 Folgen oder als zwei kürzere mit jeweils sieben Folgen am besten umsetzen lassen. Das ist letztendlich allerdings nichts, was man Benioff und Weiss vorwerfen könnte. So wie ich HBO einschätze, besteht der Sender auf einer zehn-Folgen-Staffel pro Jahr und wäre mit verkürzten Staffeln nicht einverstanden gewesen, während eine längere Staffel aus Produktions- und Budgetgründen schlicht nicht umzusetzen gewesen wäre.

Die Hochzeit von Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer)
Die Hochzeit von Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer)

Auch die typische Staffelstruktur erweist sich als problematisch: Bislang gab es in jeder ungeraden Staffel in der neunten Episode einen oder mehrere schockierende Todesfälle, während in den geraden eine Schlacht an einem Schauplatz gezeigt wurde. Staffel 4 folgt diesem Muster (bzw. dem Beispiel von Staffel 2) mit der Schlacht an der Mauer, was sich für den entsprechenden Handlungsstrang allerdings ebenfalls als eher unglücklich erweist.

Was Staffel 4 darüber hinaus auch schadet, sind einige Detailänderungen gegenüber der Vorlage, die jedoch massive Auswirkungen auf diverse Charaktere haben und dafür sorgen, dass die Entwicklung problematisch oder die Tiefe und Glaubwürdigkeit unnötig reduziert wird.

King’s Landing
Schon in den Staffeln 1 bis 3 war King’s Landing so etwas wie das inoffizielle Zentrum der Handlung; hier waren stets die meisten wichtigen Figuren an einem Ort und interagierten miteinander. Auch in Staffel 4 ist dies der Fall; im Großen und Ganzen ist dieser Handlungsstrang derjenige, der am besten und überzeugendsten umgesetzt wird, gerade weil noch genug passiert, um eine ganze Staffel zu füllen. Fast alle Highlights der Staffel finden an diesem Schauplatz statt; in erster Linie sind hier vor allem die königliche Hochzeit, Tyrions Prozess und Oberyn Martell in seiner Gesamtheit zu nennen. Die beiden größten Probleme sind Jaime und Cersei, deren Entwicklung und Verhältnis in dieser Staffel sinnlos mäandert (wir erinnern uns an diese Kontroverse, die zu dem, was da alles in Staffel 5 passiert ist, nun relativ harmlos erscheint) und die sich in der Gegenwart des anderen ziemlich out of character verhalten, sowie die Umsetzung des finalen Tyrion-Kapitels, dem Benioff und Weiss gewissermaßen die Zähne gezogen haben, als hätten sie Angst, Tyrion könne dem Zuschauer zu unsympathisch werden. Dennoch, insgesamt betrachtet gefällt mir die Umsetzung all dessen, was in der Hauptstadt passiert, am besten, was nicht zuletzt auch damit zusammenhängt, dass alles einen natürlichen Fluss hat und sich nicht ausgedehnt anfühlt.

Letztendlich könnte das auch damit zusammenhängen, dass sich in King’s Landing ein letztes Mal die darstellerische Crèmè de la Crèmè der Serie fast komplett versammelt, von Peter Dinklage über Charles Dance, Diana Rigg, Pedro Pascal, Natalie Dormer, Gwendoline Christie (zumindest am Anfang) und so weiter.

Tyrion (Peter Dinklage) wird des Königsmordes angeklagt
Tyrion (Peter Dinklage) wird des Königsmordes angeklagt

Natürlich verlassen die diversen wichtigen Figuren in dieser Staffel King’s Landing nach und nach auf die eine oder andere Weise. Während Joffrey das Zeitliche segnet, brechen Sansa und Littlefinger gen Eyrie auf – ein weiterer Subplot, der zwar recht stark reduziert ist, aber im Großen und Ganzen noch funktioniert, auch wenn Sansas Wandlung ein wenig überbetont wurde.

Die Flusslande
Ab hier wird es schon ein wenig problematisch. In Staffel 4 gibt es zwei Pärchen, die durch die Flusslande wandern und sich am Schluss, im Staffelfinale begegnen: Das wären zum einen Brienne und Podrick und zum anderen Arya und Sandor Clegane. Das Interessante an dieser Angelegenheit ist, dass der Trip des einen Pärchens massiv verkürzt , während der des anderen ausgedehnt wurde. In „A Storm of Swords“ haben Arya und Clegane nach der Roten Hochzeit nicht mehr viel zu tun, die Szene im Gasthaus aus „Two Swords“ findet mit minimalen Abweichungen auch im Roman statt, dabei wird Clegane verletzt und wir springen im Grunde direkt zu den Ereignissen, die in „The Children“ thematisiert werden. Das heißt, Aryas und Sandors Wanderung musste um eine ganze Staffel ausgedehnt werden, und in meinen Augen merkt man das auch, da sie gefühlt immer wieder dasselbe Gespräch führen und Arya mit kleinen Abweichung mindestens zwei, drei Mal die gleiche Lektion lernt.

Briennes und Pods Weg stamm dagegen bereits aus „A Feast for Crows“ und wurde gegenüber der Vorlage sehr stark vereinfacht, da die beiden auf ihrem Weg einigen neuen und alten Charakteren begegnen, u.a. Gendry, Rorge und Beißer (die in der Serie von Arya und dem Bluthund erledigt werden) und Sams Vater Randyll Tarly. Trotzdem erscheint ihr Handlungsstrang weniger redundant als der des anderen Pärchens, was auch damit zusammenhängen könnte, dass sie nicht eine ganze Staffel umherwandern, sondern nur eine halbe.

Brienne (Gwendoline Christie) kämpft gegen den Bluthund (Rory McCann)
Brienne (Gwendoline Christie) kämpft gegen den Bluthund (Rory McCann)

Die endgültige Begegnung beider Pärchen entstammt ebenfalls nicht der Vorlage. Ich kann gut verstehen, weshalb Benioff und Weiss sich dafür entschieden haben, gleichzeitig wirkt sie dann aber doch ziemlich unwahrscheinlich und geht am eigentlichen Zweck des Ganzen vorbei: Vor allem bei Brienne und Pod zeigt sich, welche Schäden der Krieg hatte und wie er sich auf das gemeine Volk auswirkte, etwas, das in der Serie kaum angerissen wird. Letztendlich lässt sich hier folgendes (in dieser Besprechung noch öfter auftauchendes) Urteil ziehen: Die Flusslande sind halblebig umgesetzt und hätten entweder mehr oder weniger Zeit benötigt; entweder braucht es radikalere Kürzungen oder mehr Zeit, um der Komplexität der Situation gerecht zu werden.

Dreadfort
Die Geschichte um Theon Greyjoy und Ramsay Snow war in Staffel 3 ziemlich ermüdend, weil es im Grunde immer nur körperliche und psychische Zermürbung gab. In Staffel 4 bessert sich das, weil sich der Handlungsstrang tatsächlich von A nach B bewegt. Im Grunde ist es freilich nicht mehr Theons Geschichte, sondern Ramsays: Er ist derjenige, der einen Auftrag von seinem Vater erhält und am Ende dafür belohnt wird. Auf recht verdrehte Weise erlebt Ramsay hier etwas, das der klassischen Heldenreise ähnelt, um am Ende die Anerkennung seines Vaters zu ernten. Natürlich steht letztendlich trotzdem Theon irgendwie im Fokus, aber er bleibt Wrack und fungiert als reine Spielfigur. Interessanterweise funktioniert das ganz gut, was auch daran liegen könnte, dass das Meiste trotz allem auf Elementen aus „A Dance with Dragons“ basiert. Das kurze Intermezzo mit Yara/Ahsa und den Ironborn ist freilich ebenso nutzlos wie unlogisch und dient lediglich dazu, ein wenig Action unterzubringen und den Zuschauer daran zu erinnern, dass diese Figur noch existiert, aber darüber kann man großzügig hinwegsehen.

Meereen
Daenerys‘ Handlungsstrang in dieser Staffel ist praktisch zweigeteilt: Die erste Hälfte beschäftigt sich mit ihrer Eroberung von Meereen, die zweite mit der Etablierung ihrer Herrschaft und den Schwierigkeiten, die sie dabei hat. Auch hier gibt es das eine oder andere Problem, nicht so gravierend wie in den Flusslanden, aber dennoch. Ich muss zugeben, schon in den Romanen ist Meereen nicht unbedingt mein liebster Handlungsort, und die Serie macht das leider nicht besser. Der grundsätzliche Verlauf (Benioff und Weiss bedienen sich hier auch wieder bei „A Dance with Dragons“) bleibt intakt, Daenerys lernt, dass es weitaus schwieriger ist, eine Stadt zu regieren als eine zu erobern. Allerdings wird die Komplexität stark reduziert; das allein wäre weniger problematisch, allerdings wirken die Daenerys-Szenen zu fragmentiert, um wirklich zu einem Handlungsstrang zusammenzuwachsen, und dann sind da noch die Fokusprobleme: Wo man die Söhne der Harpyie hätte vorbereiten können, dichtet man Grey Worm und Missandei lieber eine Romanze an.

Die Mauer
Den Handlungsstrang mit dem größten Strukturproblem habe ich mir für den Schluss aufgehoben (Bran und Co. sind hier integriert). An dem, was Jon Snow in dieser Staffel so treibt, zeigt sich zum ersten Mal die Schwäche der GoT-Staffel-Struktur. Die große Schlacht, die eine ganze Episode in Anspruch nimmt, hat in Staffel 2 toll funktioniert, hier jedoch… Man verstehe mich nicht falsch, die Episode selbst, „Watchers on the Wall“, gehört zu den Highlights der Staffel, aber ansonsten ist der Jon-Snow-Handlungsstrang höchst redundant, was vor allem damit zusammenhängt, dass man Jon, Sam und den Rest der Nachtwache beschäftigen muss, bis die Wildlinge eintreffen. Dieses Problem gibt es im Roman nicht, da es kein Doppelangriff ist, bei Martin attackieren zuerst die Wildlinge, die sich südlich der Mauer befinden, und dann erst greift Mance Rayders Armee von Norden an. Betracht man „Watchers on the Wall“ separat, dann funktioniert der Doppelangriff sehr gut, aber es handelt sich hier nun einmal um eine Serie, in der die Folgen eben gerade nicht separat stehen, weshalb die Zusammenlegung der Staffel insgesamt schadet. Damit Jon und Co. nicht eine Staffel lang nur herumsitzen müssen, dürfen sie nach Norden aufbrechen, um die Meuterer zu bekämpfen, die sich in Craster’s Keep eingenistet haben und ganz zufällig gerade Bran, Hodor, Meera und Jojen gefangen genommen haben, sodass es zu einer weiteren Beinahebegenung kommt. Das Ganze ist leider reines Füllmaterial, hat keinerlei Auswirkungen auf die Figuren, wirkt höchst unglaubwürdig und ist nicht einmal unterhaltsam. Der Sam/Gilly-Subplot, in dessen Rahmen Sam seine Angebetete in einem Bordell in Molestown unterbringt, damit sie nicht von den schwarzen Brüdern vergewaltigt wird (wie hirnverbrannt ist das denn?), ist ähnlich redundant. Insgesamt haben Benioff und Weiss einer wirklich gelungenen Folge einen kompletten Staffel-Handlungsstrang geopfert.

Ygritte (Rose Leslie) stirbt in Jon Snows (Kit Harrington) Armen
Ygritte (Rose Leslie) stirbt in Jon Snows (Kit Harrington) Armen

Zum Abschluss noch ein Wort zu Stannis, bei dem es ähnliche Probleme gibt; diese sind aber weniger gravierend, weil das Füllmaterial weniger Platz einnimmt. Und anders als bei Jon Snow gibt es hier kein Material, das die Serienautoren hätten umverteilen können. Stannis hat in dieser Staffel bis zu seinem Auftauchen an der Mauer kaum Mehrwert, was aber letztendlich verzeihlich ist, da er im Vergleich zu Jon Snow doch eher sekundär ist.

Fazit: Staffel 4 von „Game of Thrones“ erweist sich als bisher zwiespältigste Staffel der Serie mit den größten Qualitätsschwankungen. Hier stehen Serienhighlights neben strukturell und inhaltlich bisher nicht gekannten Tiefpunkten.

GoT: The Children

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Wie schon bei „Mhysa“ gibt es auch dieses Mal ein umfassendes Thema für das Staffelfinale. „The Children“ bezieht sich nicht nur auf die Kinder des Waldes, die hier zum ersten Mal in der Serie auftauchen, sondern auch auf Kinder allgemein, sowie ihre Beziehung zu ihren Eltern. Eine durchaus löbliche Herangehensweise. Leider leidet „The Children“ ein Stück weit unter denselben Problemen wie „The Mountain and the Viper“: Zu viel Hype und zu wenig Fokus.

Castle Black
Ein weiteres Mal beginnt die neue Episode genau dort, wo die alte geendet hat: Jon Snow begibt sich, begleitet von einer ziemlich wackeligen Kameraführung, zu Mance Rayder. Die Szene spielt sich für meinen Geschmack ein wenig zu schnell ab, ist aber im Große und Ganzen ziemlich gut umgesetzt. Endlich kommt auch Mance wieder persönlich vor, den ich schon in der letzten Folge gerne gesehen hätte. Wie ich schon letztes Jahr sagte, ich bin praktisch ein Fan von Ciáran Hinds und halte ihn für die ideale Besetzung für Mance, und in dieser Szene zeigt sich ein weiteres Mal, weshalb. Wenn man ihn ansieht und hört, wie er spricht, fällt es einem nicht schwer zu glauben, dass er es geschafft hat, die Wildlinge von seinem Anliegen zu überzeugen, er strahlt einfach ein natürliches Charisma aus. Und darüber hinaus ist er intelligent, sympathisch und scheinbar auch nicht nachtragend.
Das Ganze ist in der Serie ein wenig vereinfacht, im Roman sind im Zelt auch noch Mance‘ Frau Dalla und deren Schwester Val anwesend; Dalla liegt gerade in den Wehen. Ihr Sohn, der „Wildlingsprinz“, spielt in den Romanen durchaus noch eine Rolle, vielleicht wird er später noch separat eingeführt, oder aber er seine Rolle wird herausgeschnitten.
Kurz darauf kommt auch schon Stannis. Zugegebenermaßen habe ich mir das beim Lesen ein wenig epischer vorgestellt, aber dem Budget sind nun einmal Grenzen gesetzt, und daran gemessen gefällt mir sein Angriff eigentlich ziemlich gut, genauso wie die Interaktion der beiden Könige und Jon als Vermittler. Man wird den Gedanken nicht los, dass Mance der bessere Herrscher ist…
Das folgende Begräbnis (bzw. die Verbrennung) der gefallenen Brüder gefällt mir ebenfalls ziemlich gut. Ser Alisser ist nicht zu sehen, weder unter den Lebenden, noch unter den Toten, was wohl die Vermutung zulässt, dass er zwar noch lebt, aber zu verwundet ist, um anwesend zu sein. Die erste Begegnung zwischen Jon Snow und Melisandre, der diese durch das Feuer der brennenden Toten erblickt, ist schön symbolisch.
Es folgt ein Konversation mit Tormund und eine persönliche Verbrennung von Ygritte (ich hatte mich schon gewundert, weshalb Rose Leslie noch im Vorspann auftaucht). Das Ganze ist nett, nimmt aber letztendlich Zeit ein, die an anderer Stelle in dieser Episode gebraucht worden wäre.

King’s Landing
Am Ende von „The Mountain and the Viper“ war nicht klar, ob Gregor Clegane nun überlebt hat oder nicht. Hier erfahren wir nun die Antwort, und mehr noch: Der reitende Berg wird auf Cerseis Geheiß an Qyburn übergeben, was Großmaester Pycelle überhaupt nicht gefällt. Ich hingegen freue mich, denn das bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass wir in der nächsten oder übernächsten Staffel Ser Robert Strong zu Gesicht bekommen. Mir hat es schon immer gefallen, wenn Martin subtile Horrorelemente eingearbeitet hat, und Dr. Frankenqyburn ist eines der Idealbeispiele.
Bei Martin ist es allerdings vorerst nicht Cersei, die möchte, dass Ser Gregor am Leben bleibt, sondern Tywin. Da Gregor während des Kampfes gestanden hat, Elia Martell vergwaltigt und ermordet zu haben, ist es nun nötig, dass Gregor nicht am Gift, sondern durch das Schwert des königlichen Henkers stirbt, um Doran Martell nicht noch mehr zu verägern. Erst später, nach Tywins Tod, übergibt Cersei Gregor an Qyburn, damit dieser an ihm experimentieren kann.
Und apropos Tywin, dieser bekommt auch noch einmal eine Szene mit Cersei, um dem Publikum seine fatale Schwäche vor Augen zu führen: Seine Blindheit für seine Kinder. Das Ganze ist zwar ein wenig plakativ, aber von Lena Headey und Charles Dance sehr gut gespielt, und da Letzterer nach dieser Folge aus der Serie ausscheidet, muss man nehmen, was man bekommt. Ironisch, dass Cersei Tywin dessen beschuldigt, was sie später selbst tut: Mit Margaery um Tommen streiten.
Ich kann leider nicht sagen, dass die nächste Szene, in der sich Cersei an Jaime heranmacht, und dieser das auch noch zulässt, auch nur Ansatzweise gelungen ist. Was soll das bitte? Die Beziehung der beiden mäandert seit der dritten Folge dieser Staffel völlig sinnlos im Kreis herum. Eine ähnliche Szene existiert zwar auch in den Büchern, in dieser weist Jaime Cersei aber zurück, und mehr noch, im Vorfeld wurde sie dort nicht von ihm Vergewaltigt. Die Entwicklung dieser beiden Figuren in dieser Staffel ist schlicht und ergreifend völlig daneben.
tywin
Lord Tywin Lannister (Charles Dance) did not, in the end, shit gold.

Nun folgt noch die wahrscheinlich wichtigste Szene der Staffel, einer der entscheidenden Wendepunkte der gesamten Serie: Tyrion ermordet Tywin. Nachdem ich diese Szene angeschaut hatte, war meiner erster Gedanke: Ganz nett, jetzt wurde ich aber gerne die ungeschnittene Fassung sehen. Gerade hier zeigen sich die Fokusprobleme dieser Episode: Das Ganze ist zu kurz, es geht zu schnell. Und nicht nur das, Benioff und Weiss haben das Ereignis ziemlich entschärft, in dem sie Tysha herausgenommen haben. Für alle, die sich nicht mehr erinnern: Tysha war ein junges Mädchen, das Tyrion als Teenager heiratete. Später erzählten Jaime und Tywin ihm, sie sei eine Hure, die Jaime für Tyrion angeheuert habe, und anschließend wurde sie den Wachen übergeben und dafür bezahlt. In „A Storm of Swords“ eröffnet Jaime Tyrion nun bei der Flucht, dass Tysha keine Hure war und ihre Gefühle für Tyrion echt waren, was diesen widerrum dazu bringt, mit Jaime zu brechen; er gesteht (natürlich fälschlicherweise) den Mord an Joffrey und erklärt seinem Bruder, dass Cersei während seiner Abwesenheit mit allen möglichen Leuten im Bett war. Jaimes Geständnis ist es auch, das ihn dazu bringt, Tywin in seinen Gemächern aufzusuchen. Somit fällt das Zerwürfnis zwischen Tyrion und Jaime und das ganze, höchst unangenehme Drumherum weg, wodurch die Szene einiges an Biss verliert. Es geht ja eigentlich gerade darum, dass für Tyrion jegliche Verbindung zu seiner Familie regelrecht zerstört wird. Im Vergleich zu der Wucht, die dies im Roman hat, wirkt das Ereignis in der Serie geradezu lauwarm. Ich kann allerdings schon verstehen, weshalb hier Dinge ausgelassen wurden: In „A Dance with Dragons“ ist Tyrion mitunter ziemlich unsympathisch. Das kann man natürlich nachvollziehen, aber da Tyrion die Lieblingsfigur von vielen, vielen GoT-Fans ist, wollte man ihn wohl nicht derartig in Mitleidenschaft ziehen.
Die Szene selbst ist gut umgesetzt (oder wäre es, wäre sie vollständig), was vor allem daran liegt, dass sowohl Peter Dinklage als auch Charles Dance wie gewohnt exzellent spielen. Ebenso ist die musikalische Untermalung gut gelungen, mir gefällt es, dass jedes Mal, wenn Tyrion der dunklen Seite nachgibt (als er beschließt, seinen Vater zu besuchen und als er die Armbrust von der Wand nimmt) The Rains of Castamere angedeutet wird, und dass ein Fragment noch einmal zu hören ist, als Tywin stirbt.

Meereen
Daenerys‘ Handlungsstrang war diese Staffel nicht unbedingt optimal (mehr dazu später), aber immerhin bekommt er noch einen ganz guten, und vor allem halbwegs buchgetreuen Abschluss. Sowohl der Freigelassene, der wieder in die Sklaverei zurückmöchte, also auch das von Drogon getötete Kind zeigen Daenerys, dass die ganze Situation sehr viel komplizierter ist, als sie es sich eingestehen möchte. Das Wegsperren der Drachen stellt Emilia Clarkes beste darstellerische Leistung dieser Staffel dar, hier zeigt sie die Emotionalität, die mir bei Jorahs Verbannung gefehlt hat.

Nördlich der Mauer
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Das Kind des Waldes, das Bran rettet und später den Namen Leaf bekommt (Octavia Alexandru)

Hodor und die Gang erreichen endlich ihr Ziel. Gerade, als sie den Baum aus Brans Vision sehen, werden sie von mehreren Skeletten angegriffen, bis ein Kind des Waldes auftaucht und sie rettet. Ich muss zugeben, dass mich das Auftauchen besagter Skelette irgendwie irritiert hat, diese wirken in „Game of Thrones“ irgendwie deplatziert und passen eher zu „WarCraft III“ oder „Diablo“ als zu Westeros.
Jojen ereilt dasselbe Schicksal wie Pyp und Grenn: Er stirbt in der Serie, obwohl er in den Romanen noch lebt. Da Jojen in „A Dance with Dragons“ allerdings sowieso nichts mehr zu tun hat und nur noch dahinvegetiert, ist das nicht weiter tragisch.
Das Aussehen des Kindes des Waldes gefällt mir ziemlich gut, einerseits kindlich, andererseits aber auch seltsam, so in etwa habe ich sie mir auch vorgestellt (obwohl die Beschreibung in den Romanen etwas anders ist). Mit der Dreiäugigen Krähe bin ich dagegen nicht wirklich zufrieden, er sieht viel zu saftig und gesund aus. Bei Martin wird er als völlig ausgemergelt, skeletthaft und praktisch als mit den Wurzeln des Baumes verwachsen beschrieben.
Um zu erklären, wer die Dreiäugige Krähe eigentlich ist, muss ich ein wenig weiter ausholen. Es handelt sich hierbei um Lord Brynden Rivers, alias Lord Bloodraven. Dieser ist ein Targaryenbastard, der gut neunzig Jahre vor den Geschehnissen der Serie (und der Romane) als Hand des Königs diente, später zur Mauer geschickt wurde, zum Lord Commander der Nachtwache aufstieg und schließlich verschwan. In der zweiten Heckenritter-Novelle, „The Sworn Sword“, wird er immer wieder erwähnt und taucht in der dritten, „The Mystery Knight“, erstmals persönlich auf. Auch in „A Feast for Crows“ wird auf ihn angespielt. Lord Bloodraven hat, während er als Hand diente, Westeros praktisch in einen Polizeistaat verwandelt, weshalb ein bestimmtes Rätsel kursierte: „Wie viele Augen hat Lord Bloodraven?“ Die Antwort gibt Brynden Rivers in der Serie selbst: „Eintausend und eines“ (bezogen auf die vielen Spione und das eine Auge, das er selbst hat).
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Brynden Rivers, die dreiäugige Krähe (Struan Rodger)

Auf dem Weg zur Eyrie
Briennes Handlungsstrang nimmt eine unerwartete Wendung, denn sie und Pod treffen auf Arya und den Bluthund (sagte ich bereits, dass Westeros ein Dorf ist?). Ich muss sagen, ich bin enttäuscht, dass Lady Stoneheart in dieser Folge nicht mehr auftaucht, ich hatte fest damit gerechnet, dass Brienne und Pod ihr am Ende ihres Handlungsstranges begegnen, einerseits, weil Catelyn in dieser Staffel bereits ziemlich oft erwähnt wurde und andererseits, weil Lena Headey etwas in diese Richtung über Instagramm angedeutet hat. Hat sie uns wohl verarscht.
Wie dem auch sei, die Begegnung ist zugegebenermaßen nicht ganz uninteressant, da Arya in Brienne etwas sieht, was sie werden könnte. Auch entscheidet sie sich hier eindeutig für Sandor (das Übel, das man kennt, ist besser als das, das man nicht kennt). Und es ist letztendlich nicht Beißers Biss, sondern das Duell mit Brienne, dass Sandor das Leben kostet. Statt Vargo Hoat darf sie nun dem Bluthund das Ohr abbeißen…
Interessanterweise ist Aryas darauf folgender „Abschied“ von Sandor ziemlich unpassend, gerade weil er sich genauso abspielt wie im Buch. Bei Martin hat dies gut gepasst, aber in der Serie hat sich das Verhältnis der beiden ungleichen Reisegefährten geändert, wie man ja wenige Minuten zuvor selbst gesehen hat. Sandor ist schon fast ein Mentor für Arya, und auf jeden Fall ein Beschützer. Dass sie ihm die Gnade eines schnellen Todes nun nicht erweist, wirkt unnötig grausam.
Die Schlussszene dieser Episode gehört ebenfalls Arya, sie geht an Bord eines Schiffes, das gen Braavos fährt. Im Prinzip ist an dieser Szene nichts verkehrt, sie ist gut umgesetzt, aber als Schlussszene eine ganzen Staffel wirkt sie ziemlich enttäuschend. Man muss sie nur einmal in den Kontext setzen: Die Geburt der Drachen, die Rückkehr der Weißen Wanderer, die Befreiung tausender Sklaven und… Arya geht auf ein Schiff. Ich denke nach wir vor, das Auftauchen von Lady Stoneheart wäre der ideale Cliffhanger gewesen, um die Staffel denkwürdig zu beenden.

Fazit: Um es kurz zu machen, leider bei weitem nicht das grandiose Staffelfinale, als das es gehypt wurde. Die Folge schwankt zwischen „in Ordnung“ und „viel Potential verschenkt“.

Staffelresümee:
Jede GoT-Staffel hat ihre Höhen und Tiefen, ihre Hammerepisoden und ihre Überbrückungsfolgen, kurzum, ihre Stärken und Schwächen, das allerdings auf ziemlich hohem Niveau. Staffel 4 ist diesbezüglich allerdings, was man auf Englisch als „mixed bag“ bezeichnen würde. Wenn die Staffel gut ist, sei es in Einzelszenen oder ganzen Folgen, dann ist sie richtig gut, man denke nur an den extrem starken Start mit „Two Swords“ und „The Lion and the Rose“, alles, was mit Oberyn Martell zu tun hat, Tyrions Verhandlung und (mit ein paar Einschränkungen), der King’s-Landing-Handlungsstrang allgemein. Wenn sie allerdings nachlässt, dann lässt sie auch richtig nach.
Es lässt sich darüber hinaus nicht leugnen, dass Staffel 4 sich bislang am weitesten von der Vorlage entfernt. Wer meine Staffel- und Folgenbesprechungen gelesen hat, hat hoffentlich auch gemerkt, dass ich kein Purist bin, der eine Änderung nur um der Änderung willen kritisiert; wenn man eine Geschichte von einem Medium in ein anderes transferiert, sind Änderungen ohnehin nicht vermeidbar. Aber gerade bei Staffel 4 wirken viele der vorgenommenen Änderungen einfach unnötig, gerade weil Martins ursprüngliche Version der Ereignisse in meinen Augen besser funktioniert.
Was Staffel 4 letztendlich vor allem auszeichnet, sind Strukturprobleme und, wie ich schon mehrfach gesagt habe, mangelnder Fokus. Das hängt auch damit zusammen, dass letztendlich „A Storm of Swords“ zwar auf zwei Staffeln verteilt wird, das aber ungleichmäßig. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber Staffel 3 enthält nun einmal bereits etwa dreiviertel des dritten Bandes. Der einzige Handlungsstrang, der noch genug Material enthält, ist die King’s-Landing-Handlung, die insgesamt betrachtet auch am meisten Zeit bekommt. Bei allen anderen Handlungssträngen wird entweder ausgedehnt oder bereits Material aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ verwendet. Auch das wäre letztendlich nicht problematisch, es kommt hier auf das Wie an. Egal ob Neuerfindung der Serienmacher oder Material aus den Bänden vier und fünf, es fühlt sich oft an wie unnötiges Füllmaterial. Gerade bei Daenerys wird dies deutlich. Im Großen und Ganzen wird hier Material aus „A Dance with Dragons“ adaptiert, aber es wirkt wie relativ zusammenhanglose Einzelszenen ohne eine übergreifenden Handlungsstrang – dies hätte man verhindern können, in dem man zum Beispiel bereits die Söhne der Harpyie einführt, um dem Ganzen einen Rahmen zu geben, anstatt zwischen Grauer Wurm und Missandei eine Romanze aufzubauen, so knuffig die zwei auch sein mögen.
Am besten funktioniert diese Vorgehen noch beim Dreadfort-Material, weil es hier nicht nur aneinandergereihte Szenen, sondern einen Handlungsbogen gibt. Interessanterweise allerdings nicht für Theon/Reek, sondern für Ramsay
Arya und Sandor Clegane sowie die Jon-Snow- und Bran-Handlungsstränge sind gute Beispiele für sinnlose Ausdehnung. Sie alle kommen über den Verlauf der Handlung weder inhaltlich noch charakterlich weiter. Arya lernt durch das Reisen mit Clegane etwa drei Mal dieselbe Lektion, nur um dann schließlich doch dort zu landen, wo sie auch am Ende von „A Storm of Swords“ hinkommt: Auf ein Schiff nach Braavos. Nur um das zu verdeutlichen: Die erste Arya-Szene der Staffel (das Gefecht im Gasthaus) und die letzte (Arya kommt auf das Schiff) befinden sich im Roman im selben Kapitel.
Ganz ähnlich verhält es sich bei Jon Snow, wo mir sie Strukturierung ebenfalls Kopfzerbrechen bereitet. Im Roman flieht er vor den Wildlingen, kommt in Castle Black an, kurz darauf greift der Trupp von Styr Castle Black an und schließlich folgt die Attacke von Mance Rayder. So gerne ich auch fokussierte Episoden mag – für sich betrachtet hat mir „The Watchers on the Wall“ ziemlich gut gefallen – hier wäre Martins Struktur besser gewesen. Es hätte durchaus genug Material für die Staffel gegeben, hätte man nicht beide Wildlingsangriffe zusammengelegt. Und vor allem hätte man sich den völlig unnötigen Ausflug zu Craster’s Keep erspart, allerdings waren Benioff und Weiss in meinen Augen zu sehr darauf bedacht, den Erfolg von „Blackwater“ zu wiederholen.
Eine weitere große Schwäche dieser Staffel sind einige merkwürdige, um nicht zu sagen unpassende kreative Entscheidungen. Meist sind dies nur Einzelszenen, und für sich betrachtet fallen sie auch nicht ins Gewicht, aber wenn man alles zusammenaddiert, hinterlässt das alles einen bitteren Nachgeschmack. Am gravierendsten ist hier die Jaime-Cersei-Geschichte, deren Ausgestaltung mir nach wie vor als eine der größten Fehlleistungen der Serie erscheint. Somit ist Staffel 4 in meinen Augen, trotz einiger wirklich gelungener Höhepunkte, die bisher schwächste Staffel.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men
Mockingbird
The Mountain and the Viper
The Watcher on the Wall

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

Game of Thrones Staffel 2

GoT_-_Season_2_Poster
Dieser Artikel ist schon lange überfällig. Ursprünglich hatte ich mir überlegt, bereits nach der US-Ausstrahlung der zweiten Staffel von „Game of Thrones“ etwas zu schreiben, aber irgendwie war mir das zu diesem Zeitpunkt zu aufwändig und ich habe es immer weiter und weiter rausgeschoben. Nun naht schon der Start der dritten Staffel und ich habe immer noch nichts dazu geschrieben, was sich hiermit natürlich ändert.
Allerdings habe ich nun beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen. Da am letzten Wochenende die deutsche Free-TV-Ausstrahlung erfolgte, kann ich wohl davon ausgehen, dass Interessierte inzwischen die zweite Staffel gesehen haben, weshalb diese Rezension im Gegensatz zu der der ersten Staffel NICHT spoilerfrei wird. Die Kenntnis der ersten Staffel wird natürlich vorausgesetzt.

Die Handlung
Wie schon Staffel 1 ist auch Staffel 2 die Adaption eines kompletten A-Song-of-Ice-and-Fire-Bandes – logischerweise des zweiten, „A Clash of Kings“. Die Handlung knapp zusammenzufassen ist dabei ein äußerst schwieriges Unterfangen, da die Handlungsstränge, Schauplätze und Personen noch zahlreicher sind als in der ersten Staffel.
Westereos versinkt endgültig im Bürgerkrieg. Nach dem Tod Robert Baratheons zerfallen die Sieben Königreiche und jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. Auf dem Eisernen Thron sitzt Joffrey Baratheon (Jack Gleeson), der als Sohn Roberts gilt, aber in Wahrheit das Kind von Roberts Frau Cersei Lannister (Lena Headey) und ihrem Bruders Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) ist. Diese Tatsache verbreitet sich allerdings so langsam in den Sieben Königslanden, weshalb es weitere Anwärter gibt. Robert Baratheons Brüder Stannis (Stephen Dillane) und Renly (Gethin Anthony) beanspruchen beide die Krone für sich. Der Anspruch von Ersterem ist der Rechtmäßige, da er der nächste in der Thronfolge ist, allerdings hat Letzterer weitaus mehr Rückhalt bei den diversen Adelshäusern des Reiches. Um dies zu kompensieren schließt Stannis ein Bündnis mit Melisandre (Carice van Houten), einer Priesterin des Feuergottes R’hllor, die über eigenartige Fähigkeiten verfügt, was allerdings seinem Vertrauten Davos Seaworth (Liam Cunningham) absolut nicht zusagt.
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Melisandre von Asshai (Carice van Houten) und Stannis Baratheon (Stephen Dillane)

Nach dem Tod von Eddard Stark wurde dessen ältester Sohn Robb (Richard Madden) von seinen Gefolgsleuten zum König des Nordens ausgerufen und kämpft nun um die Unabhängigkeit seines Reiches. Bisher hat er zwar jede Schlacht gewonnen, aber seine Feinde sind dennoch übermächtig. Aus diesem Grund schickt er Theon Greyjoy (Alfie Allen) zu dessen Vater Balon (Patrick Malahide) auf die Iron Islands, um dessen Hilfe zu erbitten. Einst rebellierte Balon gegen den Eisernen Thron und Eddard Stark nahm ihm seinen einzigen überlebenden Sohn, um sich seine Loyalität zu sichern. Nun, da Eddard Stark tot ist, denkt Balon allerdings gar nicht daran, sich Robb Stark anzuschließen, sondern ernennt sich ebenfalls zum König und greift den Norden an, während Theon feststellen muss, dass er sich von seinem Volk entfremdet hat und dass seine Schwester Yara (Gemma Whelan, im Roman heißt sie Asha) quasi seinen Platz eingenommen hat.
Auch Tywin Lannister (Charles Dance), das Oberhaupt des Hauses Lannister und neue Hand des Königs, ist mit der Gesamtsituation nicht ganz zufrieden, weshalb er bereits kurz nach Eddard Starks Enthauptung seinen Sohn Tyrion (Peter Dinklage) nach King’s Landing geschickt hat, damit dieser an seiner statt als Hand des Königs fungiert und darauf achtgibt, dass Joffrey und Cersei nicht über die Stränge schlagen, was sich als schwierige Aufgabe herausstellt. Der Königshof ist ein Schlangennest, allerdings scheint Tyrion eine Begabung dafür zu haben, mit den Schlangen umzugehen und er stellt fest, dass er ganz in seinem Element ist.
Sansa Stark (Sophie Turner) dagegen möchte nichts lieber, als aus King’s Landing verschwinden. Nach wie vor ist sie mit Joffrey verlobt und darüber hinaus die Gefangene der Lannisters. Und leider wird Joffrey immer grausamer und bösartiger.
Sansas Schwester Arya (Maisie Williams) ist zusammen mit Gendry (Joe Dempsie), einem Bastard Robert Baratheons, auf der Flucht vor den Lannisters. Dummerweise verschlägt es sie nach Harrenhal, wo Lord Tywin gerade hofhält.
Harrenhal
Harrenhal

Anderenorts haben andere Leute auch Probleme abseits der Frage, wie viele Leute in Westeros Anspruch auf die Königswürde erheben. Im hohen Norden, hinter der Mauer, ergründen Jon Snow (Kit Harrington) und seine Brüder von der Nachtwache das Geheimnis der wandelnden Leichen und der sich versammelnden Wildlinge, während Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) nach Khal Drogos Tod und der Geburt ihrer drei Drachen die rote Wüste durchquert und in der exotischen Stadt Qarth ankommt. Der dort herrschende Rat der Dreizehn, allen voran Xaro Xhoan Daxos (Nonso Anozie), ist sehr an den Drachen interessiert, weigert sich jedoch, ihr dabei zu helfen, Westeros zu erobern.

Umsetzung der Vorlage
Im Großen und Ganzen hält sich auch die zweite GoT-Staffel nach wie vor ziemlich eng an die Vorlage, allerdings sind die Abweichungen und Vereinfachungen dieses Mal stärker und gravierender als noch bei Staffel 1. Manches davon ist durchaus positiv und die Serie profitiert davon, anderes erscheint unnötig.
Allgemein gilt „A Clash of Kings“ als ein wenig schwächer als „A Game of Thrones“, eine Meinung, der ich mich anschließe und die somit auch auf die Staffel zutrifft. Sowohl Buch als Staffel leiden unter Zerfaserung. Was auch immer man von Eddard Stark (Sean Bean) gehalten haben mag, er hat als Protagonist die Serie und ihre Figuren doch relativ gut zusammengehalten. Viele der Figuren, die in Staffel 1 durch ihn miteinander verbunden waren (die Stark-Töchter, Cersei und der kleine Rat, teilweise auch Catelyn) haben nun stärker getrennte, eigene Plotstränge, und auch an anderen Stellen „trennen sich die Wege“.
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Ser Davos Seaworth (Liam Cunningham)

Zusätzlich gibt es einige völlig neue Schauplätze, Handlungsstränge und Protagonisten wie etwa Dragonstone und Davos Seaworth, durch dessen Augen der Leser/Zuschauer Stannis Baratheon und Melisandre kennen lernt. Stärker noch als im Buch hat dies in der Serie zur Folge, dass einige Figuren schlicht zu kurz kommen. In den ersten Folgen der zweiten Staffel sind dies vor allem Daenerys und Bran.
Gerade Daenerys‘ Handlungsstrang ist derjenige, der am stärksten vereinfacht und verändert wurde, und das nicht immer zum Positiven. Das Fehlen der toten Stadt, in der Danys Khalasar einen Zwischenhalt einlegt, ist nicht wirklich gravierend, aber die Tatsache, dass einige Figuren ohne ersichtlichen Grund sterben, obwohl sie im Roman überleben, wirft doch gewisse Fragen auf, ebenso wie die Darstellung Xaro Xhoan Daxos‘. In der Vorlage will er zwar Daenerys ebenfalls heiraten, verhält sich aber eigentlich recht anständig und steht mit Dany auf gutem Fuß, als sie Qarth schließlich verlässt. In der Serie dagegen ist er eindeutig ein Schurke, der mit dem Hexenmeister Pyat Pree eine Intrige spinnt, um die Herrschaft über Qarth an sich zu reißen, während der Hexenmeister hinter den Drachen her ist und sie schließlich entführt. Die Intrige endet schließlich mit dem (scheinbaren) Tod Xaro Xhoan Daxos‘. Dieses Komplott existiert im Roman nicht und wirft auch die Frage auf, wie es wohl mit Daenerys in den kommenden Staffeln weitergeht und ob noch größere Abweichungen von der Vorlage zu erwarten sind. Da ihr Handlungsstrang derjenige ist, der am stärksten von den anderen losgelöst ist (zumindest noch), sind hier auch die meisten Änderungen möglich, ohne dass ein Dominoeffekt entsteht. Die Frage ist, ob dies nun positiv oder negativ ist. Zumindest Xaros Verschurkung hätte meinetwegen nicht unbedingt sein müssen.
Dany and Xaro walk through the palace
Xaro Xohan Daxos (Nonso Anozie)

Theon Greyjoys Handlungsstrang wird im Gegensatz dazu relativ buchgetreu umgesetzt (auch wenn die Eroberung Winterfells ein wenig arg plötzlich kommt), doch am Ende gibt es ebenfalls eine Änderung, die die Frage aufwirft, wie sich das weiterentwickelt. Während er im Buch von Ramsay Snow, dem Bastard von Roose Bolton, gefangen genommen wird (was die Figur enorm zeichnet), wird er in der Serie lediglich von einem seiner Männer niedergeschlagen. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass er zu Beginn der nächsten Staffel in Ramsays Hände gerät. Während er in den Büchern erst wieder in „A Dance with Dragons“ auftaucht, sind die Autoren der Serie möglicherweise der Meinung, dass es kontraproduktiv wäre, ihn so lange pausieren zu lassen.
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Yara Greyjoy (Gemma Whelan)

Aus einem ähnlichen Grund verlegte man wohl einige Ereignisse aus „A Storm of Swords“ bereits vor. Jaime Lannister hat in „A Clash of Kings“ nun wahrlich nicht viel zu tun, weshalb die Autoren entschieden, seinen Aufbruch mit Brienne bereits früher zu zeigen. Ebenso wird Robb Starks verhängnisvolle Hochzeit, die in den Büchern offscreen geschieht, gezeigt und seine Frau (Oona Chaplin) wird sehr viel früher eingeführt – auch wenn sie in der Serie Talisa Maegyr und nicht Jeyne Westerling heißt. Auch hat man sich bemüht, Robbs Ehefrau ein wenig mehr Charakter zu geben als in den Büchern. Ob das wirklich gut gelungen ist, ist diskutabel, die grundsätzliche Absicht, die mit der Umstrukturierung einhergeht, ist aber nachvollziehbar und nützlich. Wie schon in der erste Staffel wird auch weiterhin die Tatsache genutzt, dass man nicht so eng an die POV-Charaktere gebunden ist, sodass man einige zusätzliche Szenen einbauen konnte, etwa ein Gespräch zwischen Littlefinger und den Tyrells oder mehr von Robb Stark.
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Talisa Maegyr (Oona Chaplin)

Eine weitere, sehr gelungene Änderung findet sich bei Aryas Handlungsstrang. Dieser ist ebenfalls ein wenig vereinfacht (es fehlen u.a. die Übernahme Harrenhals durch Roose Bolton, der Blutige Mummenschanz und viele der kleinen Szenen und Details), im Kern (in meinen Augen ist dieser das Verhältnis zwischen Arya und Jaquen) allerdings intakt und statt der oben genannten Details durch ein anderes erweitert: Arya wird Lord Tywins Mundschenk. Dies ist eine interessante Konstellation, die zu ebenso interessanten Gesprächen zwischen den beiden führt, bei denen sogar eine merkwürdige, aber nachvollziehbare Sympathie entsteht und Tywin ein wenig zu einer Vaterfigur für sie wird.
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Arya Stark (Maisie Williams) als Lord Tywin Lannisters (Charles Dance) Mundschenk

Einige der Probleme der Vorlage ließen sich allerdings leider nicht vermeiden. Buch wie Serie zieht sich vor allem im Mittelteil etwas, und zwei, drei Folgen lang geht es kaum voran. Der Aufbau ist enorm und mitunter ein wenig unausgewogen (Stannis etwa hätte als größere Gefahr inszeniert werden können und sollen) aber letztendlich zahlt er sich aus. Insgesamt finde ich Staffel 2 ein wenig schwächer als Staffel 1, allerdings hat Staffel 2 dafür die beste Einzelepisode der Serie: „Blackwater“ (Episode 9). In diese Episode, die George R. R. Martin persönlich geschrieben hat, wurde der Fokus ausschließlich auf King’s Landing und die dort stattfindende Schlacht gelegt, was auf eine größere Spannung und atmosphärische Verdichtung hinausläuft. Damit dies allerdings gut funktionieren kann, wurden andere Ereignisse umstrukturiert, um „Blackwater“ besser als Höhepunkt hervorheben zu können, während die letzte Episode dazu dient, die Handlungsstränge für Staffel 3 vorzubereiten.
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Seefeuer auf dem Blackwater

Zwei Elemente, die sogar fast noch besser sind als in Staffel 1 sind Produktionsdesign und Spezialeffekte. Egal ob Qarth, Harrenhal, Dragonstone, das Seefeuer bei der Schlacht um King’s Landing, alles ist beeindruckend und so überzeugend, wie es für eine TV-Serie mit doch relativ beschränktem Budget (jedenfalls im Vergleich zu einem Kinofilm) nur möglich ist.
Trotz einiger unausgewogener Elemente und unnötigen Änderungen ist auch Staffel 2 im Großen und Ganzen eine gelungene Adaption der Romanvorlage.

Figuren und Darsteller
Schon die erste Staffel hatte eine Figurenriege gewaltigen Ausmaßes, und obwohl ein paar das Ende nicht erlebt haben, ist diese Figurenriege mit Staffel 2 noch um einiges größer geworden.
Beginnen wir mit den Leuten von Dragonstone, also Stannis Baratheon und seinem Hofstaat. Hier sind drei Figuren von großer Bedeutung: Stannis (Stephen Dillane) selbst, Ser Davos Seaworth, der Zwiebelritter (Liam Cunningham) und Melisandre von Asshai, die rote Priesterin (Carice van Houten). Stannis ist in meinen Augen leider nicht völlig gelungen, was allerdings nicht ausschließlich an Stephen Dillane liegt (obwohl ich ihn für ein wenig zu blass und unmarkant halte), da er schlicht zu wenig Zeit hat, um seinen Charakter besser ausbauen zu können. Mit Melisandre und Davos bin ich dagegen ziemlich einverstanden. Carice van Houten entspricht meiner Vorstellung der „untypischen“ Schönheit Melisandres, wie sie im Buch beschrieben wird, relativ gut und bringt auch die nötige mysteriöse Aura mit. Liam Cunningham ist eindeutig eine Idealbesetzung für Davos und spielt den aufgestiegenen, loyalen Zwiebelritter so gut wie es nur irgend möglich ist, nicht zuletzt wegen seines markanten Gesichts und seiner ebenso markanten Stimme.
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Balon Greyjoy (Patrick Malahide), Jaqen H’gar (Tom Wlaschiha) und Brienne von Tarth (Gwendoline Christie)

Auch mit den Neulingen von Pyke, Yara/Asha (Gemma Whelan) und Balon Greyjoy (Patrick Malahide) bin ich ziemlich zufrieden. Gemma Whelan sieht zwar nicht unbedingt aus wie ihr Gegenstück aus dem Roman, aber die Arroganz stellt sie hervorragend dar. Patrick Malahide ist ebenfalls überzeugend, erinnert mich aber irgendwie immer an Hans Werner Olm.
Im Gegensatz dazu hat Nonso Anozie mit Xaro Xhoan Daxos, wie er im Buch beschrieben wird, nun wirklich kaum etwas zu tun, sowohl was Aussehen als auch Verhalten betrifft (besonders in späteren Episoden), wofür allerdings das Drehbuch verantwortlich gemacht werden muss und nicht der Schauspieler.
Tom Wlaschiha als Jaquen H’ghar finde ich wiederrum ausgezeichnet, was aber auch mit persönlicher Präferenz zusammenhängen könnte. Tom Wlaschiha habe ich während der Dragon Days in Stuttgart live gesehen, wo er Fragen beantwortet und aus „A Clash of Kings“ (bzw. dem deutschen Teilband „Die Saat des goldenen Löwen“) vorgelesen hat. Dabei hat er einen sehr symphytischen, humorvollen und bodenständigen Eindruck gemacht.
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Ygritte (Leslie Rose)

In Jon Snows Handlungsstrang gibt es noch zwei relativ wichtige neue Figuren: Qhorin Halfhand (Simon Armstrong) und Ygritte (Rose Leslie). Beide haben nicht allzu viel Zeit, aber vor allem Rose Leslies Interpretation von Ygritte finde ich äußerst gelungen, obwohl sie für die Rolle ein wenig zu hübsch ist.
Und schließlich gibt es noch zwei weitere wichtige Frauenfiguren aus dem Umfeld Renly Baratheons: Margaery Tyrell (Natalie Dormer) und Brienne von Tarth (Gwendoline Christie). Bei Ersterer weiß ich nicht so recht, was ich von ihr halten soll; Natalie Dormer ist eindeutig zu alt und die Rolle ist Anne Boleyn zu ähnliche, die Dormer in „The Tudors“ gespielt hat. Gwendoline Christie dagegen ist eine sehr gute Besetzung, allerdings kommt ihr Potential noch nicht voll zur Geltung (und wie Rose Leslie sieht sie zu gut aus).
Von der alten Garde sind es vor allem Lannisters, die zu glänzen wissen: Peter Dinklage und Charles Dance, die Schauspieler von Tyrion und Tywin Lannister, dominieren jede Szene, in der sie auftauchen. Vor allem Tywin zeigt durch die Konversationen mit Arya Stark (Maisie Williams) eine neue Facette, die Dance gekonnt umsetzt. Es wäre allerdings schön, wenn Maisie Williams ein wenig stärker mit ihrer Mimik arbeiten würde.
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Margaery Tyrell (Natalie Dormer)

Auch bei Lena Headey (Cersei Lannister) fällt mein Urteil ein wenig zwiegespalten aus, manchmal ist wirklich gut und manchmal ein wenig lustlos. Allerdings springt Cersei in Staffel 2 ein wenig zu sehr zwischen Eiskönigin und verletzlicher Mutter hin und her.
Die meisten anderen sind auf ähnlichem Niveau wie in Staffel 1, viele kommen allerdings aufgrund der neuen Handlungsstränge zu kurz. Die Ausnahme hiervon ist Alfie Allen als Theon Greyjoys, bei dem ich zwiegespalten bin. Einerseits verkörpert er den Charakter ziemlich gut, andererseits geht mir Theon aber jedes Mal fürchterlich auf die Nerven, was allerdings schon im Buch der Fall war.
Alles in Allem sind die schauspielerischen Leistungen durchweg solide bis sehr gut.

Die deutsche Version
Da ich Staffel 1 nur auszugsweise auf Deutsch gesehen habe, beschloss ich dieses Mal, mir die RTL2-Version der Hauptsendezeit zu geben und…autsch. Die eigentliche Synchro ist im Großen und Ganzen halbwegs annehmbar; der normale Standard eben, allerdings sind einige Figuren relativ schlecht getroffen. Dazu gehören in erster Linie Cersei Lannister, Jorah Mormont, Tywin Lannsister, Tyrion Lannister und Melisandre. Alle Schauspieler dieser Rollen haben sehr markante Stimmen; die Wahl der deutschen Sprecher fand ich bei ihnen durchweg ziemlich unpassend.
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Daenerys (Emilia Clarke) und Ser Jorah Mormont (Iain Glen) auf der Suche nach den verschwundenen Drachen

Wirklich schmerzhaft sind dagegen die Schnitte und die deutsche Übersetzung. Erstere sollten eigentlich nicht verwundern, denn „Game of Thrones“ ist nun mal wirklich nichts für schwache Gemüter. Allerdings zeigt sich an einer Stelle besonders gut, wie schädigend derartige Schnitte sein können, da viele bedeutsame Details verloren gehen. In Episode 6 („The Old Gods and the New“) verurteilt Theon Greyjoy, nachdem er Winterfell erobert hat, Ser Rodrik zum Tod, und nach Sitte des Nordens ist er es auch, der das Richtschwert führt. Theon ist allerdings nicht in der Lage, Ser Rodrik mit einem Streich zu töten, sodass das Ganze zu einer ziemlich Sauerei wird. Hierdurch wird schön gezeigt, wie sehr sich Theon letztendlich von seinem Ziehvater Eddard Stark unterscheidet. In der geschnittenen Version tötet er dagegen mit einem Hieb, wodurch die ganze Bedeutung der Szene verloren geht.
Noch grausamer ist die deutsche Übersetzung. Ich bin ein Anhänger der ersten Übersetzung der Romane, in der fast sämtliche Eigennamen englische belassen wurden. Die zwanghafte Eindeutschung der neuen (bzw. überarbeiteten Übersetzung), die auch für die deutsche Fassung der Serie verwendet wird, ist bestenfalls erzwungen und unelegant, schlimmstenfalls inkonsequent und unzutreffend. Königsmund für King’s Landing zum Beispiel: Die Stadt heißt so, weil Aegon der Eroberer dort gelandet ist. Noch unbegreiflicher ist Lennishort für Lannisport. Ich habe schon nicht verstanden, weshalb man die deutschen Lennisters so schreibt, aber warum nicht einfach Lennishafen? Klingt zwar dämlich, aber auch nicht dämlicher als Lennishort, und es wäre korrekt.
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Tyrion Lannister (Peter Dinklage) als Hand des Königs

Die Inkonsequenz zeigt sich vor allem bei Namen wie „Stark“ und „Winterfell“, die im Original belassen wurden. Und warum zur Hölle wird Mance Rayders Vorname „Manke“ ausgesprochen?
Leider befürchte ich, dass all diese Verunstaltungen der Preis für die Popularität von „Game of Thrones“ in Deutschland sind, die wiederrum dafür sorgt, dass weitere Staffeln gedreht werden. Dennoch, für mich Grund genug, Fernsehserie und Romane ausschließlich im Original zu konsumieren – glücklicherweise erscheinen DVD und BD bereits am 5. April.

Fazit: Die zweite Staffel von „Game of Thrones“ setzt die erste nahtlos fort, kommt allerdings qualitativ nicht ganz an diese heran, vor allem wegen einiger etwas unglücklicher struktureller Entscheidungen einiger unnötiger Veränderungen und einiger Schwächen, die bereits „A Clash of Kings“ aufweist. Dafür hat Staffel 2 aber die stärkste Einzelepisode der Serie („Blackwater“) und weiß im Großen und Ganzen trotz kleinerer Schwächen letztendlich zu überzeugen – „Game of Thrones“ gehört nach wie vor zum Besten, was im Bereich Fernsehen und Fantasy existiert. Staffel 3 (US-Start am 31. März) kann kommen.

Trailer: War of the Five Kings
Trailer: Price for our Sins

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 3
Game of Thrones – Soundtrack
Stück der Woche: The Rains of Castamere