GoT: Dragonstone

Spoiler!
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Letztes Jahr habe ich bei den GoT-Episodenrezensionen eine Pause eingelegt, u.a., da diese sehr aufwändig sind und mich Staffel 5 ziemlich enttäuscht hat. Nach der gelungeneren sechsten Staffel und auch aufgrund der Tatsache, dass Staffel 7 verkürzt ist und nur aus sieben Episoden besteht, habe ich beschlossen, zum alten Muster zurückzukehren und jede Folge ausführlich zu besprechen. Spätestens jetzt ist „Game of Thrones“ auch keine Adaption mehr. Staffel 6 hatte immerhin noch einige lose Handlungsstränge der Bücher zu verarbeiten, Staffel 7 dagegen betritt endgültig Neuland, damit fallen Vergleiche zur Vorlage größtenteils aus – was natürlich nicht heißt, dass es keine Rückbezüge zu den Romanen oder bisherigen Staffeln gibt.

„Dragonstone“ ist in mancher Hinsicht ein relativ typischer Staffelstart. An allen Ecken und Enden wird der Status Quo noch einmal untermauert, die Handlung schreitet noch nicht so recht voran, stattdessen stehen Charaktermomente im Vordergrund. Insgesamt ist diese Auftaktfolge sehr gut und angenehm strukturiert – nicht zu viele verschiedene Schauplätze, nicht zu viele kurze Einzelszenen, angenehmes Tempo. Inszenatorisch merkt man, dass der Winter angekommen ist und den Figuren (und Zuschauern) dunkle Zeiten bevorstehen. Sowohl bei Cersei als auch bei Daenerys ist Schwarz die Farbe der Wahl. Die Rüstungen der Königsgarde wurden dementsprechend angepasst und beide Königinnen tragen schwarze, hochgeschlossene Kleider, die recht martialisch wirken und im krassen Kontrast zur bisherigen Garderobe der beiden Herrscherinnen stehen.

Die Flusslande
Wir beginnen in den Flusslanden: Arya Stark nimmt ihre Rache an den Freys, nachdem sie Lord Walder bereits im Finale der letzten Staffel getötet hat. Da sie Lord Walders Gesicht hierfür verwendet, bekommt David Bradley noch einmal einen letzten, kleinen Auftritt. Die Szene ist natürlich eine subtile Spiegelung der Roten Hochzeit, aber auch ein Verweis auf Lady Stoneheart, die wiederbelebte Catelyn Stark, in den Romanen die Freys einen nach dem anderen aufknüpft. Diese Aufgabe hat Arya nun auf einen Streich erledigt. Wie es scheint ist ihr primäres Ziel nach wie vor, ihre Liste abzuarbeiten, denn sie bricht nach King’s Landing auf und begegnet auf dem Weg ausgerechnet… Ed Sheeran. Dieser doch etwas größere Cameo-Auftritt hat zu so etwas wie einer Minikontroverse geführt. Ich meinerseits frage mich nur, wieso das irgendjemanden überhaupt auf die Palme bringt, und das, obwohl ich Ed Sheeran nicht einmal besonders mag. Vielleicht stirbt er ja in der nächsten Folge eines unschönen Todes, wer weiß? Solchen Dingen bringt man am besten keine Aufmerksamkeit entgegen. Jedenfalls ist die Szene selbst gar nicht so übel: Nachdem Arya eiskalt einen Massenmord begangen hat, wird sie nun in einem menschlicheren Licht gezeigt.

Anders als Arya Stark zieht die Bruderschaft ohne Banner gen Norden. Ich möchte noch einmal betonen, dass die Bruderschaft sich am Ende von „A Dance with Dragons“ unter der Führung von Lady Stoneheart befindet, während Beric Dondarrion bereist seit einiger Zeit tot ist. Sandor Clegane könnte bei Martin ebenfalls überlebt haben, aber das wurde bislang nicht bestätigt. Wir befinden uns hier also in noch stärkerem Ausmaß auf reinem Serienterrain. Auch wird noch einmal rekapituliert, wir sehen, wie sich Clegane als Mensch geändert hat. Das geschieht relativ geschickt durch einen Rückgriff auf Staffel 4, dort hat er mit Arya das Haus, in dem die Bruderschaft nun Unterschlupf findet, bereits besucht. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Darüber hinaus sieht Clegane, ähnlich wie seiner Zeit Stannis, Bilder in den Flammen. Wird aus ihm am Ende vielleicht doch noch ein religiöser Mensch?

Der Norden
Um die Zuschauer in dieser verhältnismäßig ruhigen, charakterfokussierten Episode an die Bedrohung aus dem Norden zu erinnern, zeigt uns Jeremy Podeswa, der Regisseur der Folge, einmal kurz die näherrückende untote Armee der Weißen Wanderer, inklusive mehrerer halbverrotteter Riesen. Diese Vision geht natürlich auf Bran zurück, der zusammen mit Meera nach langer Odyssee die Mauer erreicht und von der Nachtwache empfangen wird – es sieht so aus, als stehe uns bald eine weitere Stark-Wiedervereinigung bevor.

In Winterfell etabliert sich Jon derweil als neuer König des Nordens und versucht, Pragmatismus in die feudalen Strukturen seiner Heimat zu bringen: Frauen sollen ebenfalls gegen die anrückende Bedrohung kämpfen und von Sippenhaft hält er nichts. Lyanna Mormont, die in Staffel 6 schnell zum Fanliebling wurde, bekommt mal wieder Gelegenheit zu zeigen, dass sie mehr Eier hat als die restlichen Lordschaften des Nordens. Die Winterfell-Szenen unterstreichen auch gleich noch einmal, dass Sansa nun absolut keine Lust mehr hat, ein Spielball von irgendjemandem zu sein – nicht von Jon und schon gar nicht von Littlefinger. Dessen grandioser Masterplan bleibt weiterhin sehr undurchsichtig bzw. erratisch. Seit Staffel 5 fungiert Lord Baelish vor allem als Plotkatalysator, Weiss und Benioff benutzen ihn, um Figuren oder Fraktionen in bestimmte Situationen zu bringen (Sansa nach Winterfell als Ramsays Braut, die Streitkräfte der Arryns nach Norden etc.). Leider nehmen sie da mitunter keine Rücksicht auf Logik oder Entwicklung der Figur, was verdammt schade ist – in den Romanen sind Littlefingers Pläne weitaus kohärenter und nachvollziehbarer. Nun, wir werden sehen, was er in dieser Staffel ausheckt und ob auf seine Figurenmotivaton mehr Rücksicht genommen wird.

King’s Landing

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Cersei aus dem Hause Lannister, die erste ihres Namens, Königin der Andalen usw. (Lena Headey). Auch dabei: Jaime (Nikolaj Coster-Waldau). (Quelle)

Wie im Norden wird auch in King’s Landing der neue Status Quo zementiert. Cersei und Jaime herrschen theoretisch über die Sieben Königslande, praktisch herrschen sie gerade Mal über drei bis vier und haben einem ganze Menge Feinde: Die Starks im Norden, die Tyrells und Martells im Süden und natürlich Daenerys, die sich Westeros nähert. Derweil sind die Freys Geschichte, bleibt also nur noch ein potentieller Verbündeter: Euron Greyjoy, der gleich mit seiner ganzen Flotte kommt, Cersei heiraten möchte und ihr im Gegenzug seine Armada verspricht. Verständlicherweise ist Cersei diesbezüglich etwas zurückhaltend, weshalb Euron verspricht, mit einem Beweis seiner noblen Absichten zurückzukehren – ich vermute, dass das etwas mit Tyrion zu tun hat. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Pilou Asbæk als Euron einfach nicht funktioniert. Nicht nur gelingt es ihm einfach nicht, die Ausstrahlung seines Buchgegenstücks zu vermitteln, auch im reinen Serienkontext wirkt er zu bieder und uncharismatisch. Wie ich bereits an anderer Stelle sagte, für den in der Serie herausgeschnittenen Victatrion Greyjoy wäre Asbæk perfekt gewesen, aber den mysteriösen, weitgereisten und einschüchternden Euro bekommt er einfach nicht hin.

Oldtown
Sam beginnt, sich in der Citadel einzuleben. Seine Arbeitsmontage hat mir ausnehmend gut gefallen und war das (etwas eklige) komödiantische Highlight in dieser ansonsten sehr ernsten Folge. Bei seinem potteresquen Ausflug (passend dazu das Casting von Jim Broadbent als Erzmaester Ebrose) in die verbotene Abteilung der Bibliothek von Oldtown entdeckt Sam nebenbei gleich, dass es auf Dragonstone ein massives Obsidian-Vorkommen gibt, das beim Kampf gegen die Weißen Wanderer von großem Vorteil sein könnte. Nebenbei findet er in einer der Zellen für Aussätzige auch gleich Ser Jorah Mormont, den er natürlich nicht kennt. Mormonts Zustand (die Grauschuppen haben ihn inzwischen ziemlich gezeichnet) und die Tatsache, dass er in Oldtown ist, werfen noch einmal die Frage auf, wie viel Zeit seit dem Finale von Staffel 6 vergangen ist. Besagtes Finale muss bereits mehrere Wochen oder Monate abgedeckt haben, da Varys innerhalb dieser Folge von Meereen nach Dorne reist und am Ende dann wieder bei Daenerys‘ Flotte ist, die gen Westeros segelt.

Dragonstone

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Daenerys (Emilia Clarke) auf Dragonstone. Als Hofstaat dabei: Missandei (Nathalie Emmanuel), Tyrion (Peter Dinklage), Varys (Conleth Hill), Grey Worm (Jacob Anderson). (Quelle)

Der Titel der Episode kommt erst am Ende so richtig zum tragen. Endlich, endlich, nach sechs Staffeln, ist Daenerys samt Drachen und Armee in Westeros angekommen und beansprucht den traditionsreichen Sitz ihrer Familie. Die Parallelen zu Aegon dem Eroberer, der ebenfalls von Dragonstone aus ansetzte, Westeros zu erobern, sind sicher kein Zufall. Auch diverse andere Parallelen fallen auf. Der Thron auf Dragonstone ruft Erinnerungen an den Eisernen Thron wach, zugleich gibt es einen Rückbezug auf Daenerys‘ bisherige Erfahrungen als Herrscherin. Wir erinnern uns, Daenerys hat nicht besonders viel für Throne übrig, in Meereen regierte auf einer schlichten Bank. Sie bestätigt ihre Einnahme von Dragonstone nun nicht, indem sie auf Aegons Stuhl Platz nimmt, stattdessen begibt sie sich zur Ratskammer. Hier gibt es ebenfalls einen Verweis, dieses Mal auf eine frühere Szene in dieser Folge. Die beiden Königinnen, die noch übrig sind, werden effektiv gespiegelt. In King’s Landing ließ Cersei eine große Karte von Westeros zeichnen; beide überblicken in dieser Folge den Kontinent, den sie zu erobern gedenken. Cersei sieht sich als völlig neue Königin und lässt deshalb eine neue Karte anfertigen, während Daenerys an das Vermächtnis ihrer Familie anknüpft. Insgesamt eine sehr starke Szene, die fast ohne Dialog auskommt und primär von der Musik getragen wird.

Fazit: „Dragonstone“ ist ein recht konventioneller, aber gut strukturierter Staffelauftakt mit angenehmem Tempo, der zwar mit einem größeren Massenmord beginnt, sich ansonsten aber vor allem darauf konzentriert, den Status Quo zu zementieren: Cersei sitzt auf dem Eisernen Thron, ist aber von Feinden umringt, Jon Snow kontrolliert den Norden und Daenerys macht sich daran, Westeros zu erobern.

Titelbildquelle

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 6

GoT: The Gift

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Castle Black
Der Handlungsstrang auf Castle Black ist in dieser Episode sehr zwiespältig: Jon, Tormund und einige andere schwarze Brüder, denen Jon vertraut, brechen nach Hardhome auf, was auch bedeutet, dass Sam und Gilly nun ziemlich alleine sind, umgeben von Menschen, die ihnen nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Nebenbei versuchen Benioff und Weiss hier auch noch Handlung aus „A Feast for Crows“ unterzubringen, die dort in völlig anderem Kontext stattfindet, vornehmlich sind das der Tod von Maester Aemon und Sams und Gillys erstes Mal. Alle Szenen mit Aemon (inklusiver einer Erwähung von Egg/Aegon V. aus den Heckenritter-Novellen) sind vollauf gelungen, sodass er, und auch sein Darsteller Peter Vaughan würdig aus der Serie verabschiedet werden. Dazu kommt ein gewaltiges Novum: Jemand stirbt tatsächlich an Altersschwäche – in Westeros und Essos kommt das ziemlich selten vor.
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Maester Aemon (Peter Vaughan)

Die Weiterführung der Sam/Gilly-Handlung dagegen ist weniger gelungen, denn Benioff und Weiss nutzen, mal wieder, die Vergewaltigungsthematik als Plotkatalysator. Dieses Mal bleibt es zwar bei einer versuchten Vergwaltigung, aber dennoch wirkt das Ganze unendlich plump inszeniert. Es scheint so langsam, als würden die beiden immer dann, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie einen von ihnen abgewandelten Handlungsstrang weiterführen sollen, zu einer Vergewaltigung oder einer Beinahe-Vergewaltigung greifen – und das funktioniert einfach nicht.

Winterfell
Die Situation hat sich für Sansa nicht gebessert, wobei immer noch unklar ist, wohin das Ganze hinführen soll. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zu Staffel 3, als Ramsay Theon quasi zur Flucht verhalf, nur, um ihn dann wieder einzufangen und so seine Hoffnungen zu zerschlagen, nur dass es dieses Mal nicht Ramsay ist der es inszeniert. Stattdessen versucht Sansa mit Theons Hilfe, Brienne zu rufen (wenn auch unwissentlich), allerdings ist Theon noch zu sehr Reek, als dass das funktionieren würde – somit werden auch Sansas Hoffnung unerbittlich zerstört. Immerhin ist sie nicht ganz so passiv und verstört und kann Ramsay ein wenig manipulieren, indem sie ihn daran erinnert, dass sein Vater einen zweiten Sohn erwartet, der ihn eventuell überflüssig machen könnte.

Interessant ist hier, wie der Zuschauer, der zusammen mit Sansa hofft und Dinge sehen kann, die ihr verwehrt bleiben, mehrmals durch Einstellungen und Szenenwechsel getäuscht wird. Zuerst scheint es, als würde Theon tatsächlich zum Turm steigen, um die Kerze anzuzünden, dann sehen wir aber, dass er in Ramsays Speisezimmer steht. Etwas ähnliches kommt noch einmal: Brienne blickt nach Winterfell, dann geht eine Kerze an, doch die Kerze gehört zur nächsten Szene, die auf Castle Black spielt.

Auf dem Weg nach Winterfell
Wie in „A Dance with Dragons“ hat Stannis auch in der Serie massive Probleme, denn er und seiner Armee wurden von einem Schneesturm festgesetzt. Wo sich seine Offiziere im Roman fragen, ob es helfen würde, wäre Melisandre anwesend, beantwortet die Serie diese Frage, da die rote Priesterin da ist. Zwar kann sie erst einmal auch nichts ausrichten, weiß aber eine Lösung, die bereits in der letzten Staffel angedeutet wurde: Die Opferung von königlichem Blut. Im Klartext bedeutet das, Melisandre möchte Shireen ihrem Gott opfern. Noch ist Stannis entschieden dagegen. Noch…

Dorne
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Myrcella (Nell Tiger Free)

Es gibt zwei kurze Szene in Dorne: Jaime, untergebracht in einer ziemlich komfortablen und seiner hohen Geburt angemessenen Zelle, erhält Besuch von Myrcella. Dies erinnert an ein schlechtes Teenie-Drama, denn Myrcella hegt, wie wir ja schon wissen, keinerlei Ambitionen, Dorne und Trystane zu verlassen. Mit anderen Worten, das Gespräch ist ziemlich redundant. Und dann ist da noch eine Szene im Gefängnis zwischen Bronn und den Sandschlangen, die eine Rezensent von winteriscoming.net in meinen Augen extrem treffend bewertet hat: „Well, that scene went nowhere and was shamelessly exploitative, but it’s still the best scene involving the Sand Snakes all season.” (Quelle). Tatsächlich hatte ich hier das erste Mal das Gefühl, dass die Sandschlangen tatsächlich Charaktere und nicht nur Gimmicks waren, was auch daran liegen könnte, dass die drei Darstellerinnen hier tatsächlich spielen durften und nicht nur Exposition von sich geben oder in einer schlecht choreographierten Kampfszene mitwirken mussten. Es sind tatsächlich kleine Dinge wie das Augenrollen von Nymeria und Obara, die dabei helfen, die Sandschlangen als Personen wahrzunehmen.

King’s Landing
In der Hauptstadt entwickeln sich die Dinge sehr schnell. Das Gespräch zwischen zwischen Olenna und dem Hohen Spatzen (ein weiteres Mal ein Dialog, der so in den Romanen nie stattgefunden hat), reißt eine interessante Thematik auf, da die sich Aristokratie von Westeros tatsächlich noch nie mit größeren Erhebungen von Gemeinen auseinandersetzen musste – wird das noch zu einem Thema, oder bleibt es bei einer kurzen Erwähnung?

Dann taucht auch noch Littlefinger auf und schmiedet neue Intrigen mit Lady Olenna, bei denen es wohl um Olyvar geht; immerhin ist er derjenige, der für Loras‘ Verhaftung verantwortlich ist. Eventuell hecken die beiden aus, ihn als Zeugen entweder umzubringen oder zu einem geänderten Aussage zu bringen.

Für Cersei geht es derweil rapide bergab, denn nach einem kurzen Besuch bei Margaery wird auch sie vom Glauben verhaftet. Selbst für Nichtbuchleser war das wohl bereits abzusehen, angesichts dessen, was Lancel alles weiß. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Hohe Spatz bereits von Anfang an im Bilde über die Königinmutter war und sie einfach so lange ausgenutzt hat, bis er alles hatte, was er wollte. Bleibt noch zu vermerken, dass die Staffel sehr wenig Zeit darauf verwendet hat zu zeigen, wie Cersei durch ihre Herrschaft das Reich weiter ruiniert; bei Martin wird dies in „A Feast for Crows“ sehr ausführlich dargestellt.
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Cersei (Lena Headey) in ihrer Zelle

Meereen
In dieser Folge geschieht das, worauf Leser wie Zuschauer lange gewartet haben und was Ersteren (zumindest auf dem Papier) bis heute vorenthalten wurde: Tyrion und Daenerys begegnen sich. Jorah und Tyrion werden verkauft und landen dort, wo sie hinwollten: In den Arenen von Meereen, wo Daenerys tatsächlich die ersten Probekämpfe überwacht. Ser Jorah besiegt alle Gegner, und Tyrion präsentiert sich als titelgebendes Geschenk (wobei es in dieser Folge noch mehr Geschenke als nur dieses eine gab). Das Ganze mag etwas verhastet wirken, verfehlt aber seine Wirkung (zumindest bei mir nicht): Die Vorstellung, dazu die leichten Anklänge von The Rains of Castamere – ja, ich denke, das ist eine zufriedenstellende Begegnung dieser beiden Protagonisten.

Fazit: „The Gift“ ist eindeutig stärker als die vorherige Episode und weiß vor allem in Einzelmomenten zu überzeugen, gibt allerdings kein wirklich gelungenes Ganzes ab.

GoT: The Lion and the Rose

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Es wird wieder geheiratet – und inzwischen weiß auch jeder, dass Hochzeiten in Westeros eine äußerst delikate Angelegenheiten sind.
Der Titel der Episode, „The Lion and the Rose“, bezieht sich selbstverständlich auf besagte Hochzeit, in der die Häuser Lannister und Tyrell ihr Bündnis endgültig besiegeln. Zudem spiegelt er den Titel der fünften Episode aus Staffel 1 wieder: „The Wolf and the Lion“. Möglicherweise lässt sich aus dieser Parallele bereits eine Andeutung herauslesen. In der Staffel-1-Episode wird der Löwe zuletzt genannt und geht aus der Konfrontation als Sieger hervor. In dieser Episode wird die Rose zuletzt genannt…
Wie bei jeder Staffel stammt auch dieses Mal wieder eine Episode – diese hier – aus der Feder von George R. R. Martin persönlich. Interessanterweise befand sich die Martin-Episode bisher immer in der zweiten Hälfte der Staffel; „The Pointy End“ war Episode 8 von Staffel 1, „Blackwater“ Episode 9 von Staffel 2 und „The Bear and the Maiden Fair“ Episode 7 von Staffel 3. Warum Martins Episode dieses Mal allerdings so früh kommt, ist nicht schwer zu verstehen. Während ich „The Bear and the Maiden Fair“, zumindest unter Anbetracht der Tatsache, dass sie vom Schöpfer der Welt von Eis und Feuer verfasst wurde, eher enttäuschend fand, bewegt sich „The Lion and the Rose“ qualitativ wieder in Richtung „Blackwater“ – nach wie vor meine Lieblingsepisode der gesamten Serie. Während die erste Hälfte von „The Lion and the Rose“ wie eine gewöhnliche GoT-Episode mit wechselnden Schauplätzen strukturiert ist, konzentriert sich die zweite Hälfte ausschließlich auf Joffreys Hochzeit und läuft in Echtzeit ab – eine gelungene Taktik, die vollständig aufgeht und an die Intensität von „Blackwater“ erinnert, wenn auch auf andere Weise.

Dreadford
Wie erwartet werden in dieser Episode einige Handlungsstränge ausgeklammert (Wildlinge, Nachtwache, Daenerys), während diejenigen, die in „Two Swords“ fehlten, dieses Mal zumindest angeschnitten werden. Wir beginnen an der Dreadford, wo Ramsay einem seiner Hobbys nachgeht: Der Jagd. Statt Wild jagt der Bastard von Bolton allerdings lieber junge Frauen. Das Bauernmädchen Tansy (Jazzy de Lisser) wird von seinen Hunden gehetzt, während Ramsay in Begleitung der Bogenschützin Myranda (Charlotte Hope; Myranda war auch eine der beiden Frauen, mit denen Ramsay Theon in der dritten Staffel quälte) den Tag im Wald genießt. Ebenfalls mit von der Partie ist Theon Greyjoy, nun besser bekannt als Reek und völlig gebrochen, der als humpelnder Jagdgehilfe herhalten muss.
Ramsays Vorliebe für die Jagd wird in den Romanen des Öfteren erwähnt, in „A Dance with Dragons“ erinnert sich Theon an eine versuchte Fluch mit einer seiner früheren Bettwärmerinnen, die ähnlich endet. Die Frauen, die Ramsay eine gute Jagd liefern, werden von ihm vergewaltigt, ermordet und anschließend gehäutet (und sie liefern die Namen für neue Hunde), während die anderen lebendig gehäutet werden. Ja, Ramsay Snow ist ein angenehmer, vollkommen ausgeglichener Mensch.
Obwohl einige dieser Details hier keine Verwendung finden (Tansy wird von den Hunden zerfleischt), dürfte dennoch inzwischen sehr eindeutig sein, was für ein Monster Ramsay Snow ist – in der Tat gehört er zu den wenigen Charakteren, denen man wirklich keinerlei Sympathie entgegen bringen und die man genüsslich hassen kann – möglicherweise wird er als Ersatz für einen gewissen anderen derartigen Charakter aufgebaut, für den in dieser Episode der Vorhand fällt.
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Ramsay (Iwan Rheon) und Myranda (Charlotte Hope)

Kurz nach der Jagd kommt Roose Bolton an der Dreadford an, wobei wir gleich seine Ehefrau, die fetteste Tochter von Lord Walder Frey kennen lernen. Ramsay verhält sich gegenüber Walda Bolton (Elizabeth Webster) geradezu beängstigend freundlich. Auch mit Locke versteht er sich blendend, was allerdings niemanden wundern dürfte – Brüder im Geiste.
Roose Bolton dagegen ist von den Aktionen seines Sohnes nicht unbedingt begeistert, da er der Meinung ist, dass Theon unverletzt wertvoller gewesen wäre, und er erinnert Ramsay daran, dass er kein Bolton, sondern ein Snow ist. Allerdings hat Theon noch Informationen, die für Roose, der nun von Tywin Lannister zum Wächter des Nordens ernannt wurde, sehr nützlich sind: Bran und Rickon Stark leben noch.
Wie ich gehofft hatte, bewegt sich dieser Handlungsstrang, der in Staffel 3 ziemlich auf der Stelle trat, nun endlich. Vor allem die Szene, in der Theon Ramsay rasiert, ist sehr gut gelungen, nicht zuletzt wegen des überzeugenden Spiels (bzw. Zusammenspiels) von Michael McElhatton, Alfie Allen und Iwan Rheon. Es ist eine absolute Machtdemonstration: Theon hat das Rasiermesser an Ramsays Kehle, während dieser ihm erzählt, dass Robb Stark tot ist. Und dennoch ist Theon psychisch derart verstümmelt, dass er nicht in der Lage ist, die Gelegenheit zu nutzen.
Anschließend wird noch der weitere Verlauf dieses Subplots angedeutet: Locke macht sich in Richtung Castle Black auf, um Bran und Rickon zu finden (in einem Trailer war er bereits an der Mauer zu sehen), und Ramsay und Theon sollen Moat Cailin zurückerobern.

Dragonstone
Wenn es auf Dragonstone nichts zu tun gibt, frönt Melisandre ihrem liebsten Hobby: Ungläubige verbrennen. Das schließt auch den Schwager des Königs nicht aus. Ansonsten gibt es recht wenig neues: Davos ist nicht begeistert, Selyse beweist, dass sie geistig nicht so ganz gesund ist und Stannis gibt sich stoisch.
Das völlig verkorkste Dinner, dass Melisandre, Stannis und Selyse daraufhin abhalten zeigt noch einmal mehr, wie dysfunktional diese Familie doch ist (nicht, dass das in Westeros etwas Besonderes wäre). Aber auch hier: Wenig neues. Immerhin gibt es ein nettes kleines Gespräch zwischen Shireen und Melisandre, in dem Erstere beweist, dass sie einen sehr wachen Verstand hat und religiösem Fanatismus kritisch gegenübersteht.
Ich hoffe, dass es hier bald vorangeht, denn dieser Handlungsstrang ist schon in der letzten Staffel kaum vorangekommen, und es gibt nicht mehr wirklich viel, was man auf Dragonstone machen oder zeigen könnte. Während die letzte Davos/Stannis/Melisandre-Szene der dritten Staffel ein Vorankommen versprach, tritt das Ganze hier nun wieder auf der Stelle. Wird Zeit, dass Stannis nach Norden aufbricht.

Nördlich der Mauer
Bran wargt mehr denn je und kehrt immer widerwilliger aus Summers Geist zurück – es braucht schon Hodor, um ihn wieder zurückzuholen. Eine ähnlich geartete Szene findet sich an „A Storm of Swords“ bereits gegen Anfang.
Wie schon Maisie Williams ist auch Isaac Hampstead-Wright unglaublich gewachsen. Nicht nur ist er größer geworden (das ließe sich gerade bei Bran noch recht gut verbergen, da er ja meistens liegt oder sitzt), auch sein Gesicht ist merklich länger und erwachsener geworden.
Ich bin wirklich gespannt, wie sich Brans Handlungsstrang weiterentwickelt, denn besonders viel Material gibt es nicht. Ich habe auch den Verdacht, dass Coldhand nicht mehr vorkommt und dass Bran, die Reeds und Hodor von selbst auf die Dreiäugige Krähe stoßen. Den ersten Schritt in diese Richtung macht Bran schon, indem er in einen Wehrholzbaum wargt und so eine Reihe kurzer Visionen hat. Unter anderem sieht er die dreiäugige Krähe, die durch die Grabgewölbe Winterfells fliegt, Lord Eddard bei Schärfen von Ice, Lord Eddard in den Verließen von King’s Landing, noch mehr Eindrücke vom Wehrholzbaum und der Krähe (inklusive des Befehls „Look for me beneath the tree, north!“), gefolgt von dem Wiedergängermädchen aus der ersten Folge der erste Staffel, einem untoten Pferd und dem Thronsaal des Red Keep aus Danys Vision im Haus der Unsterblichen. Die Vision endet mit einem kurzen Eindruck von Brans Fall, dem Spiegelbild eines Weißen Wanderers und dem Schatten eines Drachen, der über King’s Landing hinweggleitet – diese Einstellung ist bereits aus den Trailern bekannt.

King’s Landing
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn) trainieren

Wie erwartet folgt nun das Gespräch zwischen Jaime und Tyrion, wobei Tyrion der einzige ist, der sich offenbar freut, den Königsmörder wiederzusehen und ihm das Gefühl gibt, willkommen zu sein. An der goldenen Hand (die in der Serie, im Gegensatz zu den Romanen, nicht vollständig aus Gold ist) stört er sich nicht und ganz allgemein bemüht er sich auf seine einzigartige Weise, Jaime zu ermuntern, anstatt ihn niederzumachen: „To the proud Lannister children: The dwarf, the cripple and the mother of madness.“ Tyrion arrangiert sogar einen Sparringpartner für seinen Burder, damit dieser trainieren kann, das Schwert linkshändig zu führen. In den Romanen trainiert Jaime mit Ilyn Payne, da dieser seine Zunge verloren hat und auch nicht schreiben kann, weshalb es ihm unmöglich ist, auszuplaudern, dass der Königsmörder nicht mehr mit dem Schwert umgehen kann. In der Serie wurde er aus zwei Gründen durch Bronn ersetzt: In den Szenen mit Ilyn Payne geht es vor allem um Jaimes innere Prozesse, was sich in der Serie freilich nicht gut darstellen lässt, insofern ist es besser, wenn Jaime einen Gesprächspartner bekommt. Weitaus bedeutender ist allerdings, dass Wilko Johnson, der Schauspieler, der Ilyn Payne in Staffel 1 und 2 darstellte, leider an Krebs erkrankt ist und deshalb nicht mehr an der Serie mitwirken kann. Trotz dieses traurigen Umstandes ist die folgende Trainingsrunde zwischen Bronn und Jaime äußerst amüsant – es werden nicht nur die stählernen, sondern auch die verbalen Klingen gekreuzt.
Nach „A Storm of Sword“ verschwindet Bronn aus der Buchreihe, allerdings ist die Figur, nicht zuletzt wegen Jerome Flynns Darstellung, im Fandom äußerst beliebt. Ich danke, man darf durchaus darauf hoffen, dass Bronn auch weiterhin Ser Ilyns Stelle einnimmt oder doch zumindest nicht einfach verschwindet.
Vor dem Frühstück am Hochzeitstag trifft sich Tyrion noch einmal mit Varys, der ihn warnt, dass eine von Cerseis Zofen auf Shae aufmerksam geworden ist und sich nicht willig zeigt, weiterhin für Tyrion zu lügen. Beim Frühstück folgt dann auch die Bestätigung; Shae ist als Sansas Zofe anwesend, und Cersei und Tywin flüstern und werfen ihr immer wieder Blicke zu. Außerdem taucht zum ersten Mal Mace Tyrell (Roger Ashton-Griffiths), der Brautvater auf. Nacheinander werden Joffrey die diversen Hochzeitsgeschenke überreicht. Wie im Buch schenkt Tyrion Joffrey „The Lives of the Four Kings“, anders als im Buch reagiert Joffrey jedoch noch verhältnismäßig höflich, um den unbedarften Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Das hebt jedoch nicht lange, sobald Joffrey das Geschenk seines Großvaters, das zweite Schwert aus valyrischem Stahl (es ist schon ein wenig schade, dass weder Widow’s Wail noch Oathkeeper die spezielle rote Färbung aus Martins Beschreibung haben), bekommt, verfällt er in seinen berüchtigten Arschlochmodus, probiert es am Geschenk seines Onkels aus läuft im weiteren Verlauf dieser Episode zu absoluter Hochform auf.
Nach dem Frühstück zieht Tyrion nun die Konsequenz aus dem, was er von Varys erfahren hat, stößt Shae auf unschöne Weise von sich und lässt sie von Bronn zum Hafen bringen, damit ein Schiff sie nach Pentos bringt. Im Roman überlegt er stattdessen, sie mit einem niederen Ritter zu verheiraten, zu einem derartigen Zerwürfnis kommt es dort aber nicht. Man kann wohl davon ausgehen, dass das Schiff Shae nicht nach Pentos bringt und dass es Cersei/Tywin gelungen ist, es abzufangen oder dass Bronn jetzt auf jemand anderes Lohnliste steht.
Und nun folgt die eigentliche Hochzeitszeremonie in Baelors Septe, bei der es für mich eine sehr angenehme Überraschung gab, denn sie wird von einer neuen Variation des Baratheon-Themas, stilecht mit Frauenchor, untermalt. Ich hatte schon befürchtet, dass es diese Staffel keine neue Version dieses Themas gibt, aber zu Unrecht.
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Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer) geben sich das Ja-Wort. Im Hintergrund die Familie des Bräutigams (von links nach rechts): Jaime, Tommen (Dean-Charles Chapman), Cersei (Lena Headey) und Tywin (Charles Dance)

Bei der Zeremonie sieht man nun auch zum ersten Mal deutlich, dass Tommen (in Staffel 3 auffällig abwesend) nun nicht mehr von Callum Wharry, sondern dem sehr viel älteren Dean-Charles Chapman verkörpert wird, der bereits den von Rickard Karstark verkörperten Martyn Lannister spielte. Warum das so ist, will mir nicht ganz einleuchten, vielleicht war man der Meinung, dass Callum Wharry den Anforderungen, die die Rolle an ihn in dieser Staffel stellt, nicht gerecht wird. Und noch ein kleines Detail am Rande: Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Kamera immer wieder Lady Olenna in den Fokus. Darauf sollte man achten.
Nach der eigentlichen Zeremonie geht’s ans Eingemacht. Die Hochzeitsfeier findet in der Serie nicht abends und drinnen, sondern nachmittags und draußen statt. Bei Martin wird diese Szene ausschließlich aus Tyrions Blickwinkel geschildert. Für diese Episode nutzt Martin dagegen die Gelegenheit, das Ganze etwas vielseitiger zu gestalten und alle möglichen Figuren miteinander sprechen zu lassen.
Lord Tywin und Lady Olenna eröffnen den Reigen. Hierbei wird gleich deutlich gemacht, welche Rolle Mace Tyrell spielt: Er ist das öffentliche Gesicht der Tyrells, aber seine Mutter ist diejenige, die eigentlich den Laden schmeißt. Im Gespräch wird auch die Eiserne Bank von Braavos erwähnt, die in dieser Staffel noch eine Rolle spielen wird. Ihr Gesandter Tycho Nestoris, der sicher in absehbarer Zeit auftaucht, wird von Mark Gatiss (Mycroft Holmes in „Sherlock“) dargestellt.
Nach einem kurzen Intermezzo mit Bronn und Tyrion sucht Lady Olenna Sansa auf, und wie oben erwähnt lohnt es sich, die alte Dame im Blick zu behalten. Auch wenn Sansa hier eine Kette statt eines Haarnetzes trägt, ist der Effekt derselbe. Und wer gut aufpasst, wird bemerken, dass nach dem Gespräch, bei dem Olenna über Sansas Zöpfe streicht, einer der Steine nicht mehr an seinem Platz ist. Ihre Worte sind nicht minder aufschlussreich: „Killing a man at a wedding. Horrid. What sort of monster would do such a thing.“
Nun folgen viele kleine Begegnungen: Cersei und Margaery, die soeben verkündet hat, dass die Überreste des Festessens den Armen übergeben werden, ergehen sich in Zuneigungsbekundungen – ein wenig später ordnet Cersei an, dass die Überreste den Hunden vorgeworfen werden. Dies zeigt sehr schön, dass Cersei weiß, dass ihre Zeit an der Macht endet; Margaery ist jetzt Königin, was Cersei allerdings nicht davon abhält, noch eine unwichtige, hinterhältige und nutzlose Intrige einzufädeln, die lediglich ihr selbst ein gutes Gefühl gibt.
Während die Band The Bear and the Maiden Fair spielt, unterhalten sich derweil Jaime und Loras miteinander, die beide dem jeweils anderen zu verstehen geben, dass sie über dessen sexuelle Präferenzen bescheid wissen. Vielleicht kommen sie in einer späteren Folge zu einem Einverständnis und Ser Loras tritt so der Königsgarde bei.
Brienne ist, wie so ziemlich jede andere Figur, die sich gegenwärtig in King’s Landing aufhält, ebenfalls auf der Hochzeit. Obwohl ich zugeben muss, dass ich es immer noch merkwürdig finde, dass Brienne sich einfach so im Red Keep bewegt, ist die Unterhaltung zwischen ihr und Cersei doch ebenfalls sehr aufschlussreich. Brienne ist das, was Cersei gerne wäre: Eine Kriegerin, die sich nicht um die Beschränkungen schert, die die Gesellschaft ihrem Geschlecht auferlegt hat. Im Gegenzug ist Cersei allerdings auch in der Lage, die Jungfrau von Tarth zu durchschauen. Ich frage mich, ob das nur ein kurzes Zwischenspiel wird oder ob da noch mehr folgt.
Fast so amüsant wie der kleine Dialog zwischen Olenna und Tywin ist die folgende Begegnung von Oberyn Martell, Ellaria Sand, Lord Tywin und Cersei, die sich auf höflichste Weise gnadenlos angiften – das hat Potential.
Mit dem Auftritt der Zwerge, die den Krieg der fünf Könige nachstellen, nähert sich die Hochzeit ihrem Höhepunkt. Im Roman treten an dieser Stelle einfach nur Zwerge auf, die gegeneinander tjostierten, während sie auf Schweinen und Hunden reiten. Besagte Tiere fehlen hier, aber da die Zwerge als Joffrey, Renly, Robb, Stannis und Balon Greyjoy auftreten, wird das Ganze noch mehr auf die Spitze getrieben und richtet sich somit nicht nur an Tyrion, sondern sorgt auch dafür, dass sich viele andere Gäste unangenehm berührt fühlen, in erster Linie natürlich Sansa und Loras. Keiner der fünf Kleinwüchsigen scheint weiblich zu sein, was nebenbei die Frage aufwirft, ob Penny (in der deutschen Version heißt sie Heller), in „A Dance with Dragons“ eine nicht ganz unwichtige Figur, in der Serie auftaucht.
Im Folgenden treibt Joffrey die Demütigung seines Onkels immer weiter, der versucht, das ganze stoisch über sich ergehen zu lassen. Die Herabwürdigung zum Mundschenk macht ihn dann natürlich später auch zum Hauptverdächtigen.
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Joffrey stirbt in den Armen seiner Mutter

Der geneigte Buchleser weiß selbstverständlich, was nach dem Anschneiden des Hochzeitkuchens kommt: Der namensgebende Moment der „Violetten Hochzeit“. Im Gegensatz zur Roten Hochzeit stammt dieser Name von den Fans und bezieht sich zum einen auf die Juwelen von Sansas Haarnetz (die der Halskette sind allerdings hellblau) und zum anderen auf die Gesichtsfarbe des Bräutigams bei seinem Ableben.
Joffrey dürfte mit Abstand die meistgehasste Figur der Serie sein, allerdings haben sich Martin, Weiss und Benioff dazu entschieden, seinen Tod nicht als etwas Triumphales darzustellen; er soll keine Befriedigung für die Zuschauer werden. Die Todesszene ist äußerst unschön (hier im positiven Sinn) inszeniert. In diesem Zusammenhang muss noch einmal Jack Gleesons Darstellung hervorgehoben werden, der Joffrey in der Serie zu dem machte, was er ist und dabei wirklich eine beeindruckende Leistung ablieferte. Obwohl er die Figur spielt, die speziell darauf ausgelegt ist, gehasst zu werden, verkommt sein Joffrey niemals zu einer eindimensionalen Cartoonfigur, sondern bleibt immer authentisch. In seiner Sterbeszene holt Gleeson noch einmal alles heraus, die Intensität, mit der er den Todeskampf spielt, ist wirklich bewundernswert.

The Rains of Castamere

Es war schon einige Zeit lang bekannt, dass die Post-Rock-Band Sigur Rós in die Fußstapfen von The National und The Hold Steady treten und ein Lied aus Westeros interpretieren würden. Ich hatte erwartet, dass man, wegen der Ankunft Oberyn Martells, The Dornishman’s Wife wählen würde, was allerdings nicht eintraf. Stattdessen gibt es eine zweite Interpretation von The Rains of Castamere, die beim Abspann gespielt wird. Die Mitglieder von Sigur Rós haben auch einen kurzen Gastauftritt, sie spielen The Rains of Castamere auch auf der Hochzeit mit einer Bläserorgel, was Joffrey allerdings nicht besonders beeindruckt, weshalb er sie mit Münzen bewirft.
Diese Interpretation wird für den Abspann quasi restauriert und ist zweifelsohne interessant; sie klingt schon fast morbide. Besonders auffällig sind dabei der Einsatz der bereits erwähnten Bläserorgel, die ein beständiges, schwerfälliges, pfeifendes Geräusch erzeugt, das an ein beschwerliches Atmen erinnert, und so wohl auf Joffreys Todesart anspielt. Anders als in der Version von The National wird nicht der volle Text gesungen, stattdessen hört man ein hohes, klagendes Gestammel, das nach „One night I hold on you“ klingt (Cerseis Klage?), gefolgt von einigen Äußerungen des Wortes „Castamere“, bis es dann schließlich mit der Textzeile „In a coat of gold…“ wirklich anfängt (die ersten vier Zeilen fehlen).
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Sigur Rós spielen The Rains of Castamere auf Joffreys Hochzeit

Zwar sind sowohl die Version von The National als auch die Interpretation von Sigur Rós sehr langsam und düster, aber davon einmal abgesehen sagen sie sehr unterschiedliche Dinge aus. The Nationals Version ist eine Drohung an alle Feinde des Hauses Lannister. Matt Berninger, der Lead-Sänger von The National, klingt absolut selbstsicher, und wer würde sich schon mit jemandem mit einer derart tiefen Stimme anlegen wollen. Jónsi Birgissons Stimme dagegen klingt sehr viel höher und klagender, die Sigur-Rós-Version ist eher ein Abgesang, nicht nur auf Joffrey, sondern auch auf das Haus Lannister selbst – ihre Interpretation deutet bereits an, was uns am Ende der Staffel erwartet.

Fazit: „The Lion and the Rose“ sorgt zusammen mit „Two Swords“ für einen enorm gelungenen Staffelstart und legt die Messlatte für den Rest der Staffel verdammt hoch. Die Idee, die Hochzeitsfeier in Echtzeit ablaufen zu lassen ist vollständig aufgegangen, und Martin nutzt geschickt den Medienwechsel, um die Szene aus der Vorlage noch aufzuwerten. Während ich die Änderungen bei der Roten Hochzeit mitunter fast ein wenig störend fand, sind sie hier sogar willkommen.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
Breaker of Chains
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: Two Swords

got4
Die dritte Staffel von „Game of Thrones“ lief im Free-TV, ist auf DVD und Blu-Ray erschienen und jeder Fan kann sie inzwischen wohl auswendig. Und nun, nach einer gefühlten Unendlichkeit, geht es weiter, und ich werde natürlich auch wieder pro Episode einen Artikel verfassen. Noch einmal: Wer die Folge noch nicht gesehen und die Bücher nicht gelesen hat, sollte hier aufhören, wenn er nicht mächtig gespoilert werden will.
Staffel 4 deckt grob die zweite Hälfte des dritten Romans „A Storm of Swords“ ab, wird aber wohl auch schon Elemente aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ enthalten – es wird also Zeit, dass endlich „The Winds of Winter“ erscheint.
Der Titel des Staffelbeginns, „Two Swords“, ist mal wieder nett zweideutig. Wer sich ein wenig mit Geschichte auskennt, weiß, dass man aus zwei Schwertern eine Menge machen kann; im Mittelalter wurde eine spezifische Bibelstelle, in welcher die Jünger zwei Schwerter zu Jesus in den Garten Gethsemane bringen, damit sie sich gegen die Römer verteidigen können, sehr speziell ausgelegt. Man interpretierte die besagten Waffen als die beiden Schwerter, die das Christentum verteidigen: Den Kaiser des römisch-deutschen Reiches und den Papst. Für den Titel dieser Episode muss man sich zwar interpretatorisch nicht ganz so weit aus dem Fenster lehnen, aber dennoch gibt es nicht nur ein Schwerterpaar, das gemeint ist, sondern gleich mehrere. Am offensichtlichsten sind natürlich die beiden Waffen, die zu Beginn aus Eddard Starks Schwert Ice geschmiedet werden. „Two Swords“ kann sich allerdings auch auf die beiden Schwerter beziehen, die sich am Ende der Episode (wieder) in den Händen eines Stark befinden: Jon Snows Longclaw ist immer noch dort, wo es hingehört, und Arya erlangt in der finalen Szene Needle wieder. Und schließlich gibt es da noch ein nettes Spielchen, das Daario Naharis und Grauer Wurm spielen, bei dem ebenfalls zwei Schwerter involviert sind.
„Two Swords“ ist eine relativ ruhige Episode, die erfreulicherweise einige Handlungsstränge ausklammert und sich dafür auf die übrigen stärker konzentriert, ganz so, wie es mir am besten gefällt. Die beiden Serienschöpfer Dan Benioff und D. B. Weiss führen hier Regie, und wie schon in ihrem Regiedebüt in der dritten Staffel („The Bear and the Maiden Fair“) fällt auf, dass es einiges an (mitunter ziemlich schwarzem) Humor gibt.
Auf der Introkarte tauchen zwei neue Örtlichkeiten auf: Die Dreadford, die Festung der Boltons, und Meereen, die dritte Stadt der Slaver’s Bay.

King’s Landing
Gleich zu Beginn eine freudige Nachricht: Die erste Folge der vierten Staffel hat es schon vor dem Intro geschafft, mich wieder vollständig nach Westeros zu ziehen und mich maßlos zu begeistern. Mit einer Ausnahme hat jede Staffeleröffnungsfolge eine Prä-Intro-Szene, aber diese hier ist eindeutig meine liebste: Die Kamera wandert über Eddard Starks Schwert Ice, während in der Musik das Stark- und das Lannister-Thema miteinander ringen. Ice wird aufgehoben und einem Schmied gereicht, bevor die Kamera den verantwortlichen zu einer nun kräftigen und siegreichen Version von The Rains of Castamere zeigt (bei den Alten und den Neuen Göttern, ich hoffe dieses Stück ist auf dem Soundtrackalbum). Lord Tywin beaufsichtig das Umschmieden des Stark-Schwertes in zwei kleinere Waffen, die später die Namen Oathkeeper und Widow’s Wail erhalten werden und verbrennt anschließend den Wolfspelz. Was für eine grandios inszenierte, symbolisch aufgeladene Szene: Die Starks sind am Boden und die Lannisters auf der Höhe ihrer Macht.
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) mit Oathkeeper und neuer Firsur

Die Hintergründe des Umschmiedens folgen auf dem Fuß in einem Gespräch zwischen Jaime und Lord Tywin. Der Königsmörder ist nun wieder sauber, im Gegensatz zum Buch rasiert und trägt jetzt eine Kurzhaarfrisur. Die Szene spiegelt sehr schön ein ähnliches Gespräch zwischen beiden Figuren aus der ersten Staffel wieder, ebenso wie den Dialog zwischen Tywin und Tyrion aus der ersten Folge der dritten Staffel. Abermals geht es sowohl um Jaimes Stellung als Mitglied der Königsgarde (wodurch er seinen Vater nicht beerben darf), als auch um den zukünftigen Lord von Casterly Rock. Tywin steckt da in einem schönen Dilemma: Tyrion würde das Erbe annehmen, was Tywin aber nicht möchte, während Jaime lieber als „glorified bodyguard“ dient. Gerade wegen der Ähnlichkeit zur der Szene aus Staffel 1 wird hier sehr schön Jaimes Entwicklung gezeigt, obwohl sogar der Wortlaut ähnlich ist, ist Jaime doch unweigerlich ein anderer geworden.
Tyrion wartet derweil mit Bronn und Podrick auf die Gesandschaft der Dornischen; deren Lord, Prinz Doran Martell (ich bin der Meinung, dass „Fürst“ hier die korrekte Übersetzung von „prince“ wäre) wurde zu Joffreys Hochzeit eingeladen; Tyrion fühlt sich allerdings nicht ganz wohl, weil die Lannisters und die Dornischen sich nicht besonders gut verstehen; weshalb erfahren wir später.
Als die Delegation schließlich eintrifft, wird Tyrion mitgeteilt, dass Doran Martell zu krank für eine lange Reise ist und dass an seiner Statt sein Bruder Oberyn (Pedro Pascal), genannt die Rote Viper der Hochzeit beiwohnen wird. Oberyn befindet sich allerdings ebenfalls nicht bei der Abordnung, sondern befindet sich bereits seit einigen Stunden in King’s Landing.
Die Ankunft der Dornischen in der Serie unterscheidet sich stark von der im Roman, da Oberyn dort die Delegation anführt und dem Gnom erzählt, wie er mit seiner Schwester Elia als Kind Casterly Rock besucht und dort Tyrion als Baby gesehen hat.
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Oberyn Martell (Pedro Pascal) und seine Geliebte Ellaria Sand (Indira Varma)

In der folgenden Szene lernt der Zuschauer nun auch Oberyn kennen, der sich am bedeutendsten Ort von King‘s Landing aufhält – nein, nicht dem Red Keep, die Rede ist natürlich von Littlefingers Bordell, auch wenn der Hausherr gerade abwesend ist und sich wohl auf dem Weg zur Eyrie befindet; das glauben zumindest die Lannisters. Nun wird Oberyns Persönlichkeit etabliert, inklusive seines Interesses an beiden Geschlechtern, seines Hasses auf die Lannisters und gewisser, leicht psychopathischer Züge. Nebenbei lernen wir auch gleich Oberyns Begleiterin Ellaria Sand (Indira Varma, eine weitere Schauspielerin, die bereits in HBOs „Rome“ mitgewirkt hat) kennen und erfahren ganz allgemein einiges über die Dornischen, etwa bezüglich ihres Mangels an Prüderie oder des fehlenden Bedürfnisses, Dinge zu beschönigen (ja, Ellaria Sand ist ein Bastard). Und der obligatorische Fanservice wird auch gleich untergebracht.
Insgesamt gefällt mir Pedro Pascal als Oberyn Martell ziemlich gut, er hat sowohl eine gewisse Eleganz als auch eine ziemlich gefährliche Aura. Wie von den Fans erwartet (im positiven Sinne) sind die Dornischen an Spanier und Südamerikaner angelegt, Oberyn spricht sogar mit Akzent. Ich bin schon gespannt darauf, ihn mit anderen Figuren am Hof interagieren zu sehen (vor allem mit Lady Olenna).
Tyrion ist allerdings weniger begeistert, vor allem auch, weil er um Oberyns Ruf als schwarzes Schaf der Martells weiß. Dennoch gibt es eine gewisse Sympathie zwischen beiden, sind sie doch beide Zweitgeborene und schwarze Schafe. Im folgenden Dialog wird auch endlich das Schicksal Elia Martells und ihrer Kinder deutlich gesagt, bisher wurde es nur angedeutet, und der eigentliche Grund für Oberyns Anwesenheit wird enthüllt: Er will Rache dafür, dass seine Schwester von Gregor Clegane, auf Tywins Befehl, vergewaltigt und zusammen mit ihren Kindern ermordet wurde.
Sansa Stark dagegen ist noch nicht soweit, auf Rache zu sinnen und versinkt stattdessen in Depressionen, was man ihr auch nicht wirklich verübeln kann. Ein weiteres Mal fällt hier auf, um wie viel stärker und eigenwilliger Shaes Persönlichkeit in der Serie ist. Haben Benioff und Weiss ein anderes Schicksal für sie im Sinn? Andererseits wachsen seit Staffel 3 die Differenzen zwischen ihr Tyrion, was möglicherweise dann wieder zum Buch zurückführen könnte. Einiges deutet darauf hin, gerade in dieser Folge; unter anderem wird Shae von einer Spionin von Cersei dabei beobachtet, wie sie Tyrions Zimmer verlässt.
Momentan hat Cersei allerdings noch anderes Kopf, sie beaufsichtig die Anbringung einer goldenen Hand an Jaimes Armstumpf. Hier findet sich eine weitere clevere Vorausdeutung, Cersei erklärt Jaime, dass sie Qyburn sympathisch findet – in Zukunft werden beide noch an interessanten Projekten arbeiten. Mit Jaime ist Cersei allerdings absolut nicht zufrieden und macht ihm Vorwürfe, weil er sie so lange allein gelassen hat. Das mag dem Zuschauer unfair vorkommen, passt dafür aber sehr gut zu ihren POV-Kapiteln in „A Feast for Crows“. Damit hat es sich Jaime nun innerhalb einer Episode mit fast allen Mitgliedern seiner Familie verscherzt. Mit Sicherheit kommt bald eine Konversation mit Tyrion, die sehr interessant sein dürfte. Aufgrund der Tatsache, dass Jaime und Brienne in der Serie um einiges früher in King’s Landing eintreffen als im Roman (dort kommen sie erst nach Joffreys Tod an), ergeben sich einige interessante neue Möglichkeiten der Interaktion.
Die erste wird auch umgehend genutzt, denn Brienne von Tarth gesellt sich zu Margaery und ihrer Großmutter (deren kurzer Auftritt ein weiteres Highlight der Folge ist, mehr Diana Rigg!) und die sich von der maskulinen Maid sehr beeindruckt und amüsiert zeigt. Brienne erzählt Margaery die Wahrheit über Renlys Tod, was diese ziemlich gelassen hinnimmt, auch wenn nicht klar wird, ob sie Brienne glaubt oder nicht. Im Roman gibt es eine ähnliche Szene mit Loras, der Brienne allerdings nicht glaubt und sie am liebsten sofort umgebracht hätte. Möglicherweise kommt das noch, in „Two Swords“ ist der Ritter der Blumen allerdings abwesend.
Durch die Änderungen bekommt Joffrey nun auch die Möglichkeit, noch einmal seinen Vater so richtig anzupissen. Nebenbei wird auch gleich noch eine spätere Szene eingebaut, in der Jaime im Weißen Buch der Königsgarde liest und über sich selbst und seine Vorgänger sinniert – hier ist es Joffrey, der im Buch blättert und ein paar von Jaimes berühmten Vorgängern in der Königsgarde erwähnt, unter anderem Ser Duncan den Großen, den Protagonisten der Heckenritter-Novellen und Ser Arthur Dayne, das Schwert des Morgens (der Pedant in mir findet es etwas merkwürdig, dass Ser Duncan, der viele Jahrzehnte vor Arthur Dayne aktiv war, direkt nach diesem aufgeführt wird, aber das ist wohl Erbsenzählerei). Später unterhält sich Jaime noch einmal mit Brienne, während sie von Fern Sansa beobachten (was im Buch ebenfalls nicht möglich gewesen wäre, da Sansa kurz nach Joffreys Tod aus der Hauptstadt verschwindet) und überlegen, wie man den Schwur, den Jaime und Brienne der inzwischen toten Catelyn geleistet haben, am besten einhalten könnte.
Sansa hat derweil eine lange überfällige Begegnung mit Dontos Hollard (der in der Tat von Tony Way, demselben Schauspieler, der ihn wie bei seinem Miniauftritt in der ersten Folge der zweiten Staffel gespielt hat). Bei Martin planen Dontos und Sansa bereits seit „A Clash of Kings“ ihre Flucht, später erfährt Sansa dann, dass Littlefinger Dontos‘ Hintermann war. Von Flucht ist hier (noch) nicht die Rede, allerdings bekommt Sansa ein Schmuckstück, das in der nächsten Folge, bei Joffreys Hochzeit, noch sehr wichtig werden wird.

Auf dem Weg nach Castle Black
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Styr, der Magnar von Thenn (Yuri Kolokolnikov)

In der Nähe von Castle Black sammeln sich die Wildlinge. Ygritte ist freilich nicht gerade bester Laune, und Tormund beweist, dass er ein besserer Menschenkenner ist, als man von ihm erwarten würde. Wirklich interessant ist allerdings die Ankunft der Thenns. Bei diesen handelt es sich um eine besondere Gruppe von Wildlingen, deren Gebräuche zum Teil eher denen der Menschen südlich der Mauer als denen der Mitglieder des Freien Volkes ähneln, vor allem bezüglich der Autorität ihrer Anführer. Styr, der Magnar (Lord) von Thenn, nimmt in den Büchern eine größere Rolle ein, unter anderem führt er die Gruppe an, mit der Jon Snow die Mauer übersteigt, was in der Serie Tormund tut. Gespielt wird Styr von Yuri Kolokolnikov, der eine äußerst imposante Erscheinung ist, auch wenn er nicht ganz seinem Gegenstück aus den Romanen entspricht. Laut Buch ist groß und kahl (was übernommen wurde), hat keine Ohren und spricht nur die Alte Sprache. In der Serie besitzt Styr eindeutig Ohren und ist auch der Gemeinen Zunge mächtig, dafür hat er allerdings interessante Markierungen im Gesicht. Ich kann mich darüber hinaus leider nicht erinnern, ob die Thenns bei Martin auch Kannibalen sind, das werde ich bei Zeit noch nachprüfen.

Castle Black
Ähnlich wie Sansa ringt auch Jon immer noch mit der Roten Hochzeit, im Gegensatz zu seiner Halbschwester hat er allerdings noch einige andere Sorgen. Nach einem kurzen Gespräch mit Sam, in welchem auf das brüderliche Verhältnis zwischen den beiden hingewiesen wird, muss sich Jon vor dem Tribunal der Nachtwache verantworten, zu dem, neben Maester Aemon, auch zwei alte Bekannte aus Staffel 1 bzw. 2 gehören: Ser Alliser Thorne (Owen Teale), der Ausbilder der Nachtwache, der nun als „acting Commander“ fungiert (was er nur in der Serie tut), und Lord Janos Slynt (Dominic Carter), der ehemalige Kommandant der Stadtwache von King’s Landing, der von Tyrion zur Mauer verbannt wurde. Slynt scheint gefallen an Thorne zu finden, lehnt sich immer subtil in seine Richtung und wirkt alles in allem sehr selbstgerecht. Interessanterweise war dies in den Romanen andersherum, dort ist Throne eher derjenige, der vor Slynt buckelt, welcher sich wiederum zur Wahl als neuer Lord Commander aufstellen lässt. Jon Snows Taktik zur Verteidigung ist allerdings auch nicht die geschickteste, dennoch darf er seinen Kopf vorerst behalten.

Meereen
Am Ende der dritten Staffel war nicht klar, ob Daenerys wirklich alle drei Städte der Slaver’s Bay besuchen würde, aber bereits die Introkarte verrät, dass Yunkai und Meereen nicht zusammengelegt werden.
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Daenerys (Emilia Clarke) und ein leicht veränderter Daario Naharis (Michiel Huisman)

Daenerys‘ Handlungsstrang in dieser Staffel wird von den Drachen eröffnet und meine Güte, sind die Viecher groß geworden und gut animiert, besonders Drogon sieht enorm beeindruckend aus. Sehr schön wird hier schon gezeigt, dass das feurige Trio langsam sehr schwer zu kontrollieren ist.
Nach einem kurzen Marsch durch die Reihen der Unbefleckten und das Lager der befreiten Sklaven muss die Königin der Drachen feststellen, dass zwei ihrer wichtigsten Kommandanten ein wenig unzuverlässig sind, denn anstatt pünktlich zu sein spielen Daario Naharis und Grauer Wurm „Wer kann sein Schwert am längsten in der Luft halten“. Dabei fällt auf, dass Daario Naharis sich ziemlich verändert hat, er ist kleiner, bärtiger (Bart und Haare sind allerdings immer noch nicht blau) und sieht nicht mehr aus wie eine etwas beeindruckendere Version Jamie Campbell Bower. Das ist allerdings auch nicht wirklich verwunderlich, da er nicht mehr von Ed Skrein, sondern von Michiel Huisman gespielt wird, da Skrein stattdessen bei „Transporter 4“ mitwirkt. Ich war von ihm als Daario nicht unbedingt begeistert, weiß aber noch nicht, ob mir Huisman besser gefällt. In jedem Fall kennt sich der neue Daario gut mit Blumen aus, und Daenerys ist trotz Bart nach wie vor ziemlich von ihm angetan.
Dennoch ist der Weg nach Meereen nicht nur amüsant, denn auf der Straße steht an jedem Meilenstein ein gekreuzigter Sklave – dieser Taktik bediente sich schon Pompeius Magnus nach dem Spartacus-Aufstand, ebenso wie die Sklavenhalter in Astapor (wir erinnern uns an „Walk of Punishment“), Danys Entschlossenheit wird dadurch nicht vermindert, im Gegenteil.

Auf dem Weg zur Eyrie
„Two Swords“ endet mit Arya (wie die Drachen ist auch Maisie Williams verdammt groß geworden) und Sandor Clegane, der plant, Arya zu ihrer Tante Lysa zu bringen. Gerade diese Szene ist exemplarisch für das oben erwähnte Nebeneinander von Humor und Tragik.
Die beiden gelangen zu einem Gasthaus, in dem sich die Männer Gregor Cleganes befinden, die Situation entfaltet sich allerdings geringfügig anders als in der Vorlage: Wie im Roman entbrennt ein Kampf zwischen Sandor und den Männern seines Bruders, aber anders als im Roman wird Sandor (noch?) nicht schwer verletzt. Auch ist im Roman der Kitzler, Gregor Cleganes Foltermeister, der in der Serie bereits in Staffel 2 stirbt, zugegen, und er ist es, der von Arya umgebracht wird, während sie ihm seine eigenen Worte zu schlucken gibt. Hier ist es stattdessen Polliver, ein anderer Häscher des Reitenden Berges. Während sich die jüngere Stark-Tochter im Buch noch psychopathischer verhält, ist ihr ruhiger, fast schon emotionsloser Mord hier nicht minder wirkungsvoll. Ähnlich wie bei Jaime wird dadurch klar, wie sehr sich Arya seit der ersten Staffel verändert hat. Wie schon in „Mhysa“ ist auch hier wieder das Thema Jaqen H’ghars zu hören, das Aryas weiteren Weg andeutet – vielleicht ist es nicht nur Jaqens Thema, sondern das Thema aller Gesichtslosen. Jedenfalls endet die Folge damit, dass Arya Needle zurückerhält und zusammen mit dem Bluthund zu den Klängen des Hauptthemas davonreitet.

Fazit: Sehr ruhiger, aber extrem gelungener Staffelauftakt, der mir auf die restlichen neun Folgen den Mund enorm wässrig gemacht hat. Nächste Woche folgt eine weitere Hochzeit, und Hochzeiten in Westeros sind immer enorm spaßig…

Game of Thrones Staffel 4:
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

Game of Thrones Staffel 3

got3
Die deutsche Free-TV-Erstaustrahlung der Game-of-Thrones-Staffeln ist immer toll, da verdoppeln sich die Besucherzahlen dieses Blogs. Leider habe ich es dieses Jahr wieder nicht geschafft, die Staffelbesprechung halbwegs rechtzeitig nach der US-Ausstrahlung hinzubekommen, aber nachdem ich schon über die Einzelepisoden ausführlich geschrieben hatte, erschien mir das dann irgendwie zweitrangig. Aber nun ist es soweit, hier kommt meine Rezension von Staffel 3, inklusive Soundtrack-Besprechung. Das Ganze ist freilich nicht spoilerfrei.

Die Handlung
Der Versuch, die Handlung einer Staffel von „Game of Thrones“ kurz zusammenzufassen wird immer mehr zu einer Farce, schon allein, weil es „die Handlung“ gar nicht gibt. Aber ich versuche es trotzdem, halte es dabei aber sehr knapp und oberflächlich. Für ausführlichere Zusammenfassungen verweise ich auf meine Episoden-Rezensionen.
Nach der Schlacht auf dem Blackwater läuft das Leben in King’s Landing langsam wieder in geregelten Bahnen. Tywin Lannister (Charles Dance) löst nun seinen Sohn Tyrion (Peter Dinklage) als Hand des Königs ab und erledigt die Regierungsgeschäfte für seinen Enkel Joffrey (Jack Gleeson). Die Familie Tyrell sorgt derweil für die Lebensmittelversorgung der Stadt, während Joffreys Verlobte Margaery (Natalie Dormer), die Tochter des Tyrell-Oberhaupts, und Olenna (Diana Rigg), dessen Mutter, sich am Hof einleben und bereits damit beginnen, Intrigen zu spinnen. Die erste misslingt allerdings und hat zur Folge, dass Sansa Stark (Sophie Turner) nun nicht, wie urpsürnglich von den Tyrells geplant, Margaerys Bruder Loras (Finn Jones), sondern Tyrion heiratet.
Auf Dragonstone leckt Stannis Baratheon (Stephen Dillane) derweil seine Wunden, allerdings plant Melisandre (Carice van Houten) schon neue Aktionen, was Davos Seaworth (Liam Cunningham) allerdings nicht sehr positiv aufnimmt – nach einem gescheiterten Mordversuch landet er erst einmal im Kerker von Dragonstone und Melisandre macht einen Ausflug in die Flusslande. Dort trifft sie nicht nur auf die Bruderschaft ohne Banner, eine Bande von Gesetzlosen, angeführt von Beric Dondarrion (Richard Dormer) und dem Roten Priester Thoros (Paul Kaye), sondern auch auf Arya (Maisie Williams), Gendry (Joe Dempsie) und Hot Pie (Ben Hawkey), die versuchen, nach Riverrun zu gelangen.
In Riverrun hält sich derweil Robb Stark (Richard Madden) samt Familie und Hofstaat auf, denn es gibt große Probleme: Nicht nur haben die Eisenmänner den Norden erobert, erschwerend hinzu kommt, dass Robb zwar jede Schlacht gewinnt, aber dennoch den Krieg zu verlieren droht. Es gibt nur einen Mann, der ihn aus dieser Situation befreien kann: Lord Walder Frey (David Bradley), doch dieser ist erzürnt, weil Robb statt einer seiner Töchter Talisa Maegyr (Oona Chaplin) geheiratet hat.
Und zusätzlich ist auch Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) entkommen, der nun auf Geheiß von Catelyn (Michelle Fairley) von Brienne von Tarth (Gwendoline Christie) nach King’s Landing gebracht werden soll. Die beiden geraten in die Hände des gefährlichen Stark-Vasallen Roose Bolton (Michael McElhatton), der ein doppeltes Spiel spielt.
Theon Greyjoy (Alfie Allen), der für den Fall Winterfells verantwortlich ist, hat ganz eigene Probleme, da er einem bösartigen Folterknecht (Iwan Rheon) in die Hände gefallen ist.
Währenddessen bewegen sich im Norden drei verschiedene Gruppen auf die Mauer zu: Bran (Isaac Hempstead-Wright), Osha (Natalia Tena) und Hodor (Kristian Nairn) fliehen vor den Eisenmännern und versuchen, Castle Black und Jon Snow (Kit Harrington) zu erreichen, wobei sie von Jojen (Thomas Sangster) und Meera Reed (Ellie Kendrick), den Kindern des Stark-Vasallen Howland Reed unterstützte werden. Jon Snow ist allerdings gar nicht mehr in Castle Black, sondern hat sich, auf Befehl Qhorin Halfhands, den Wildlingen angeschlossen, um herauszufinden, was ihr Anführer Mance Rayder (Ciarán Hinds), der mit seinen Truppen auf die Mauer zumarschiert, plant. Dabei kommt er der Speerfrau Ygritte (Leslie Rose) sehr viel näher, als für die Mission gut ist.
Und schließlich wären da noch Sam (John Bradley) und die anderen Brüder der Nachtwache, die nach dem Angriff der Weißen Wanderer auf die Faust der Ersten Menschen ebenfalls zur Mauer zurückwollen. Auf dem Weg beschließt Lord-Commander Mormont (James Cosmo), ein weiteres Mal bei Craster (Robert Pugh) zu rasten, was sich allerdings als großer Fehler erweist.
In Essos begibt sich Daenerys (Emilia Clarke) derweil zur Slaver’s Bay, wo sich ihr Robert Baratheons ehemaliger Gardist Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney) anschließt. Mit der Armee, die sie dort erhält, ist sie dem Ziel, Westeros zu erobern, nun endlich näher gekommen.

Die Umsetzung
Bei der dritten Staffel ist auffällig, dass sich die Serie insgesamt nun noch weiter von den Büchern entfernt, was allerdings nicht verwunderlich ist. Obwohl „A Storm of Swords“ nun in zwei Staffeln umgesetzt wird, ist der Roman selbst für etwa zwanzig Stunden Serie immer noch zu komplex, weshalb vereinfachende Änderungen schlicht nötig sind. Hinzu kommt, dass Änderungen aus den ersten beiden Staffeln natürlich wieder weitere Änderungen nach sich ziehen. In „A Clash of Kings“ übernimmt Roose Bolton beispielsweise bereits Harrenhal, was in der Serie aber nicht vorkommt, weshalb das nun in der dritten Staffel schnell erledigt werden muss, damit er Jaime und Brienne dort empfangen kann.
Da ich über die Unterschiede zwischen Buch und Serie in den Episoden-Rezensionen schon ziemlich ausführlich gesprochen habe, bemühe ich mich hier nun vor allem um eine Bewertung der einzelnen Handlungsstränge.
Betrachtet man die Episoden einzeln fällt auf, dass diejenigen, die Handlungsstränge ausklammern und sich auf einige Figuren mehr konzentrieren als auf andere, eindeutig die stärkeren sind (das wären in diesem Fall die Folgen 1, 4, 5, 8 und 9). Die restlichen Episoden leiden ein wenig darunter, dass es viele, sehr kurze Szenen gibt, sodass das Ganze in diesen Folgen mitunter an eine extrem hochwertige Clipshow erinnert. Das Staffelfinale hat es diesbezüglich am schlimmsten getroffen, da man offenbar versuchte, noch einmal jede wichtige Figur zu zeigen. Ich persönlich hätte zum Beispiel Daenerys komplett aus Episode 9 gestrichen und die Eroberung Yunkais in Folge 10 gezeigt und stattdessen in Folge 9 Brans Handlungsstrang beendet.
Dieser Eindruck bessert sich allerdings, wenn man mehrere oder alle Folgen am Stück ansieht, so wie es die Schöpfer auch ursprünglich vorgesehen hatten. Dennoch hoffe ich, dass in Staffel 4 der von mir bevorzugte Ansatz noch stärker verfolgt wird
Beginnen wir im Norden: Bei Jon Snow sind meine Gefühle eher gemischter Natur. Das Ganze fängt gut an, vor allem die Umsetzung von Tormund Giantsbane und Mance Rayder (gespielt von Kristofer Hivju und Ciarán Hinds) gefällt mir ausgesprochen gut. Ygritte dagegen geht mir eher auf den Geist, was aber nicht an Rose Leslie liegt, sie spielt die Rolle passend, sondern an der Konzeption der Figur und ihren Dialogen. Auch die Zusätze mit Orell (Mackenzie Crook) finde ich irgendwie überflüssig. Der Höhepunkt dieses Handlungsstrangs ist die ziemlich intensive und gut gelungene Besteigung der Mauer, der Rest ist eher suboptimal.
Sams Handlungsstrang nimmt weniger Platz ein, ist aber dafür buchkonformer. Der Abschied von James Cosmo als Jeor Mormont ist sehr gut gelungen, ebenso wie die Szenen zwischen Sam und Gilly (Hannah Murray) – da stimmt die Chemie. Nur ein kleines Detail stört mich hier: Ich hätte es schön gefunden, wenn die Namensgebungsbräuche der Wildlinge stärker mit eingeflossen wären.
Die Bran-Handlung gehört dagegen zu den schwächsten Teilen der dritten Staffel – immerhin sind auch hier die Szenen meistens recht kurz und es gibt auch verhältnismäßig wenige. Die beiden Reeds bleiben ziemlich blass, und ansonsten passiert einfach kaum etwas – in den Büchern war das allerdings nicht wirklich anders.
Theon Greyjoy hat es in dieser Staffel nicht leicht. Nach „A Clash of Kings“ ist er erst einmal zwei Romane lang abwesend, aber für die Serie wollte man die Figur verständlicherweise nicht einfach für mindestens zwei Staffeln verschwinden lassen, weshalb man sich entschied, seine Folter durch Ramsay Snow zu zeigen. Einerseits spielen sowohl Alfie Allen als auch Iwan Rheon in diesen Szenen wirklich gut, andererseits aber ermüdet die Folterei über die Dauer einer Staffel, das Ganze bewegt sich einfach nicht vorwärts. Für die vierte Staffel hoffe ich da auf eine eindeutige Verbesserung; nach allem, was man bisher gehört hat, werden schon Inhalte aus „A Dance with Dragons“ eingebaut, ich freue schon auf eine Interaktion zwischen Iwan Rheons Ramsay und Michael McElhattons Roose Bolton.
Das „Herzstück“ der dritten Staffel ist letztendlich der Robb/Catelyn-Handlungsstrang, da zu ihm der emotionale Höhepunkt der Staffel gehört – für meinen Geschmack kam dieser allerdings ein wenig zu kurz. Nicht, dass Robb und Catelyn meine Lieblingsfiguren wären und ich unbedingt mehr von ihnen sehen müsste, aber die emotionale Wirkung der Roten Hochzeit wäre noch größer gewesen, wenn die beiden noch ein wenig präsenter gewesen wären. Die Rote Hochzeit, ohnehin DAS TV-Ereignis des letzten Jahres, ist interessanterweise recht weit von der Vorlage entfernt; bei Martin geht es vor allem um Atmosphäre, während in der Serie die Schockwirkung im Vordergrund steht. Für eine TV-Serie ist dies durchaus legitim, der Leser fragt sich allerdings dennoch, wie wohl eine buchgetreuere Adaption ausgesehen hätte. Die Serien-Hochzeit überzeugt dennoch, vor allem wegen David Bradley und Michelle Fairley, die zweifelsohne die beste schauspielerische Leistung dieser Staffel erbracht hat.
Mit Edmure (Tobias Menzies) und Brynden „Blackfish“ Tully (Clive Russell) werden zwei neue Figuren vorgestellt, die beide eigentlich in „A Game of Thrones“ bereits auftauchten, deren Debüt in der Serie aber aus Zeitgründen in die dritte Staffel verlegt wurde. Beide werden gut dargestellt, bleiben aber, ebenfalls aus Mangel an Zeit, verhältnismäßig eindimensional.
Auch in Aryas Handlungsstrang treffen wir zwei neue, interessante Figuren: Lord Beric Dondarrion (Richard Dormer) und Thoros von Myr (Paul Kaye), die beide ebenfalls exzellent gespielt und darüber hinaus auch ein wenig besser beleuchtet werden als die beiden Tullys. Ebenso gelungen sind die Gespräche zwischen Arya und Sandor Clegane (Rory McCann).
Durch Melisandres Reisen kreuzen sich darüber hinaus die Handlungsstränge von Arya und Davos/Stannis/Melisandre. In Letzterem passiert in dieser Staffel allerdings nicht viel, es wird vor allem für Staffel 4 vorbereitet.
Die verbliebenen drei Handlungsstränge – Daenerys, King’s Landing und Jaime/Brienne – sind für mich die stärksten der Staffel. Gerade bei den Kritikern ist auch Daenerys in Staffel 3, ähnlich wie in Staffel 2, nicht wirklich gut weggekommen, aber im Gegensatz zu ihren Abenteuern in Qarth fand ich die Zerstörung von Astapor und die Eroberung von Yunkai schlicht extrem unterhaltsam, nicht zuletzt, weil Dany agiert, anstatt zu reagieren und weil Ser Barristan Selmy, eine meiner Lieblingsfiguren, wieder mitmischt.
King’s Landing ist eigentlich in jeder Staffel interessant, weil es hier immer die größte Ansammlung an Figuren gibt, und Staffel 3 ist da keine Ausnahme, im Gegenteil. Die Anwesenheit der Tyrells und Lord Tywins macht alles noch weitaus interessanter, auch wenn das bedeutet, dass Tyrion, gerade im Vergleich zu Staffel 2, die ja quasi seine Staffel war, ein wenig zurückstecken muss. Als Entschädigung gibt es allerdings die wundervolle Diana Rigg als Lady Olenna Tyrell, und auch Margaery wird um einiges interessanter als in Staffel 2 – oder den Büchern.
Der Jaime/Brienne-Handlungsstrang ist schließlich der emotionale Kern der Staffel, und wenn es einen Aspekt der Bücher gibt, der wirklich annährend perfekt umgesetzt wurde, dann ist es dieser. Nikolaj Coster-Waldau und Gewndoline Christie spielen exzellent, Locke (Noah Taylor) ist ein würdiger und ebenso verachtenswerter Ersatz für Vargo Hoat und alles in allem sind die Szenen einfach perfekt inszeniert, allen voran natürlich die Badeszene. Für mich eindeutig der Gewinner unter den Handlungssträngen der dritten Staffel.

Der Soundtrack
gamesoundtrack
Tracklisting:

01. Main Title
02. A Lannister Always Pays His Debts
03. Dracarys
04. I Paid The Iron Price
05. Chaos Is A Ladder
06. Dark Wings, Dark Words
07. You Know Nothing
08. Wall Of Ice
09. Kingslayer
10. I Have To Go North
11. White Walkers
12. It’s Always Summer Under the Sea (Performed by Kerry Ingram)
13. Reek
14. The Bear and the Maiden Fair (Performed by The Hold Steady)
15. The Night Is Dark
16. The Lannisters Send Their Regards
17. Heir To Winterfell
18. Mhysa
19. For The Realm

Um es gleich vornewegzunehmen: Das Album zur dritten Staffel beinhaltet einige der absoluten Highlights in Ramin Djawadis Schaffen für „Game of Thrones“, als Gesamtpaket bleibt es allerdings hinter der Musik der zweiten Staffel zurück. Dies liegt vor allem daran, das besagte Highlights vor allem aus Variationen von bereits vorhandenen Themen bestehen. Was der der Musik der dritten Staffel fehlt, ist ein starkes neues Thema, etwa für Haus Bolton. Während die Musik zur zweiten Staffel vor allem durch gelungene neue Leitmotive auffiel, etwa für die Greyjoys, für Stannis/Melisandre/R’hllor etc., ist Staffel 3 immer dann am besten, wenn diese Motive weiterentwickelt werden. Das Greyjoy-Thema ist ein schönes Beispiel, das in Reek, passend zu Theons unangenehmer Situation, abgehackt und panisch klingt. Auch die Themen der ersten Staffel tauchen wieder auf, unter anderem das Stark-Thema in I Paid the Iron Price, das hier ebenfalls Theon gilt (es wird in der Szene gespielt, in der er Ramsay gesteht, dass sein wahrer Vater in King’s Landing enthauptet wurde) oder das Lannister/Intrigen-Thema, das Littlefingers Monolog unterlegt (Chaos is a Laddder). Am interessantesten entwickelt sich allerdings ohne Frage Daenerys‘ Thema, das hier eine neue Komponente bekommt: In der Schlussszene der vierten Episode wird ihr Thema um ein marschartiges Chormotiv für die Unberührten erweitert (Dracarys). In Mhysa schließlich taucht ihr Thema abermals in einer völlig neuen Version auf, gesungen von einem Frauenchor, inklusive des Unberührten-Motivs und versetzt mit Elementen des Hauptthemas; die Musik spiegelt hier schön die Entwicklung Danys von der Kriegsherrin zur Befreierin wieder.
Mein persönliches Lieblingsthema, The Rains of Castamere, taucht leider nur einmal auf, aber was für eine Version. Auf eine derartige Instrumentalfassung hatte ich schon gehofft, seit ich das Lied zum ersten Mal gehört habe. Interessanterweise ist A Lannister Always Pays His Debts nicht komplett in der Serie zu hören. Der Anfang erinnert an den diegetischen Einsatz des Themas bei der Roten Hochzeit, der Rest des Stücks (ab 0:50) erklingt am Ende der siebten Folge und untermalt Jaimes Abgang aus Harrenhal („Sorry about the Sapphires“). Apropos Rote Hochzeit, von deren musikalischer Untermalung bin ich ein wenig enttäuscht, da ich gehofft hatte, dass The Rains of Castamere, wie im Roman, durchgehend gespielt wird. Die Untermalung des Gemetzels besteht vor allem aus sehr dissonanten Streichern, erst später wird zaghaft das Stark-Theme dekonstruiert, und ein paar Takte des GoT-Themas sind ebenfalls zu hören (The Lannisters Send Their Regards).
Letztendlich startet das Album mit A Lannister Always Pays His Debts, Dracarys, I Paid the Iron Price, Chaos Is a Ladder und Dark Wings, Dark Words (eine nicht verwendeten Chorsfassung des Hauptthemas, ähnlich wie Mhysa) sehr stark, in der Mitte dominieren allerdings einige ziemlich uninteressante Suspense-Stücke. You Know Nothing ist sogar ein wenig ärgerlich, weil Djawadi das Liebesthema für Robb und Talisa einfach für Jon und Ygritte recycelt und es dabei nicht einmal groß variiert.
Ebenfalls ärgerlich finde ich, dass es einige Stücke aus der Serie gibt, die ich gerne noch auf der CD gehabt hätte, darunter die diegetischen Versionen von The Rains of Castamere und The Bear and the Maiden Fair, das Stück, das erklingt, als die Drachen in der ersten Folge auf Daenerys‘ Schiff zufliegen, das Statement des Baratheon-Themas aus Episode 7 und die subtilen Rains-of-Castamere-Einsätze aus den Folgen 1 und 8,
Neben den eigentlichen Score-Stücken gibt es noch drei „Bonus-Tracks“, die beiden Abspannlieder The Bear and the Maiden Fair von Holdy Steady und It’s Always Summer Under the Sea von Shireen-Darstellerin Kerry Ingram, sowie eine Gitarrenversion des Hauptthemas, gespielt von Ramin Djawadi höchstpersönlich (For the Realm).

Fazit: Trotz einiger Schwächen hält Staffel 3 insgesamt das extrem hohe Niveau und sorgt dafür, dass „Game of Thrones“ nach wie vor das Beste ist, was die Serienlandschaft zu bieten hat.

Trailer

Staffel 3 Episoden-Rezensionen:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones – Soundtrack

GoT: Mhysa

season 3
Und schon ist die dritte GoT-Staffel wieder vorbei, wie üblich viel zu schnell. Der Struktur der ersten beiden Staffeln folgend ist auch bei Staffel 3 das emotionale Großereignis in Episode 9, während das Staffelfinale hauptsächlich zur „Nachbearbeitung“ dient: Die Ereignisse der vorangegangen Episode werden verarbeitet und der Weg für die nächste Staffel wird vorbereitet. Es wäre freilich auch schwierig gewesen, an die Ereignisse aus „The Rains of Castamere“ auch nur in irgendeiner Weise heranzukommen. Stattdessen versucht „Mhysa“, jeder der Figuren und Handlungsstränge so etwas wie einen Abschluss zu geben, was zur Folge hat, dass das Ganze wieder recht zerfasert ist und stärker an die schwächeren Episoden 6 und 7 erinnert als an die beiden stärkeren, weil stringenteren, die ihnen folgten. Zugute halten muss man den Autoren allerdings, dass es dieses Mal ein besonders schönes Episodenthema gibt, das in jedem Handlungsstrang eine Rolle spielt: Familie.
Im Grunde wäre dies auch gleich die Gelegenheit, auf die Staffel als Ganzes zurückzublicken, was ich hier aber nicht tun werde, stattdessen liegt der Fokus dieses Artikels ausschließlich auf „Mhysa“. Im Lauf der nächsten Wochen werde ich noch einen Artikel schreiben, der die Staffel als Ganzes bewertet (inklusive Review des Soundtrack-Albums) und möglicherweise kommt auch noch ein Ausblick auf Staffel 4 mit Erwartungen, Vermutungen, Hoffnungen etc.

Die Twins
Die Rote Hochzeit ist noch nicht vorbei. Während sich das Ende von „The Rains of Castamere“ vor allem auf die zentralen Figuren konzentrierte, beginnt „Mhysa“ nun mit Roose Bolton, der von einer Turmspitze aus beobachtet, wie die Soldaten der Starks massakriert werden. Sandor Clegane, der sich in dieser Episode für seine Verhältnisse äußerst selbstlos verhält, versucht, dem Ganzen zu entkommen und dabei auch noch die bewusstlose Arya zu retten. Diese erwacht dummerweise genau in dem Moment, in dem schadenfrohe Freys Robbs Leichnam vorführen, mit einer kleinen, kosmetischen Veränderung: Statt seines Kopfes hat er Greywinds Haupt auf den Schultern; eine fast schon obszöne, im Rahmen der Ereignisse allerdings passende Zurschaustellung von Sadismus. Im Roman wurde man lediglich von dieser Aktion unterrichtet, in einer Serie ist dies natürlich ein äußerst kraftvolles Bild, das nicht ungenutzt bleibt.
wolf
Greywinds Kopf auf Robbs Körper

Immerhin bekommt Arya noch die Gelegenheit, ein wenig Rache zu nehmen und tötet zum ersten Mal einen Mann (der Junge in Staffel 1 zählt hier wohl aufgrund seines Alters nicht). Dabei kommen auch Jaqens Münze, sein Thema und die Worte Valar Morghulis zum Einsatz, wohl um auf Kommendes hinzudeuten.
Durch eine Unterhaltung zwischen Roose Bolton und Walder Frey erfahren wir noch weitere Hintergrundinformationen zur Roten Hochzeit. Was die meisten bereits vermuteten, wird bestätigt: Brynden Tully ist entkommen.
Dabei beweist Walder noch einmal, was für ein kolossales, nachtragendes Arschloch er doch ist, während David Bradley ein weiteres Mal beweist, dass er diese Rolle vorzüglich zu spielen weiß, auch wenn er etwas zu jung ist. Bolton dagegen ist weitaus intelligenter und umsichtiger und ahnt zum Beispiel, dass der Blackfish noch zu einer Gefahr werden könnte. Das Gespräch endet schließlich mit der Enthüllung der Identität von Theons Folterknecht. „Ramsay has his own way of doing things.“

Die Mauer
Hodor referenziert „Der Herr der Ringe“ – faszinierend. Bran und Kompanie haben nun endlich die Mauer, genauer die verlassene Festung Nightfort, erreicht und campieren dort erst einmal. Bran nutzt die Gelegenheit, um seinen Freunden Gruselgeschichte zu erzählen, die eine wichtige Information nachliefert, die bisher noch nicht genug betont wurde: Das Gastrecht ist sowohl den Alten als auch den Neuen Göttern heilig. Die Lehre, die aus der Geschichte vom Rattenkoch zu ziehen ist, ist folgende: Die Verletzung des Gastrechts ist schlimmer als Mord und Anstiftung zum Kannibalismus. Leider fehlt in dieser Geschichte die Erwähnung von Brot und Salz. Dennoch wird sehr schön betont, wie verwerflich Walder Freys Tat doch war. Geschickterweise wird direkt nach Brans Erzählung zu ihm geschnitten.
Nachdem es in der letzten Episode mehrere Beinahezusammentreffen verschiedener Protagonisten gab, folgt hier nun ein tatsächliches Aufeinandertreffen. Obwohl Sam/Gilly und Bran/Team einander nicht kennen, erraten sie doch sehr schnell, wer die jeweils anderen sind, nicht zuletzt, weil Sam Summer als Schattenwolf erkennt. Es wurde ja bereits mehr als einmal erwähnt: In den Romanen haben Sam und Gilly bereits Kalthand getroffen, welcher die beiden beauftragt hat, Bran und Kompanie zu ihm zu schicken. Sam hilft Bran, den Reeds und Hodor schließlich, auf die andere Seite, der Mauer zu kommen (und wer weiß, vielleicht wartete Kalthand dort in der ersten Folge der viersten Staffel ja bereits), um anschließend zusammen mit Gilly weiter gen Castle Black zu wandern, wo eine weitere Figurenzusammenkunft zustande kommt, denn dort endet schließlich auch Jon. Zuvor, noch auf der Flucht, schafft Ygritte es allerdings, ihn einzuholen und ihn mit Pfeilen zu spicken (wobei sich der Boromir-Witz schon wieder aufdrängt). Um ehrlich zu sein, die ganze Szene ist ziemlich überflüssig und gefällt mir nicht wirklich, was zum Teil auch mit der Struktur der Folge zusammenhängt. Nun, da ich auf Folge 9 und 10 zurückblicke, wäre eine Umstrukturierung recht sinnvoll gewesen. Das größte Problem von „Mhysa“ ist, dass die Autoren unbedingt jeden Handlungsstrang unterbringen wollten, sodass es wieder sehr viele kurze Szene gibt, die teilweise schlicht ihre Wirkung verfehlen. Das Ganze ist nicht so tragisch, wenn man sich die Staffel am Stück ansieht (laut David Benioff und D.B. Weiss ohnehin die von ihnen bevorzugte Art des Konsumierens), aber wenn man die Einzelfolgen bewertet, fällt es schon ordentlich ins Gewicht. In meinen Augen wäre es besser gewesen, die Jon/Sam/Bran Handlung der zehnten Episode bereits in „The Rains of Castamere“ zu verarbeiten und dort bereits für die Staffel abzuschließen und stattdessen die Daenerys-Handlung, die sich in Episode 9 ohnehin fehl am Platz angefühlt hat, in das Staffelfinale zu packen. So hätte man in den beiden Abschlussfolgen der Staffel jeweils eine noch stärkere Entwicklung, und Entwicklungen finde ich fast immer besser als Einzelszenen.
Wie dem auch sei, Jon kommt in Castle Black an, Sam kommt in Castle Black an und es gibt ein kurzes Wiedersehen mit Maester Aemon (warum gibt Gilly ihrem Baby bereits einen Namen?) und Pyp.

King’s Landing
Da King’s Landing in der letzten Episode als Schauplatz wegfiel, ist er in dieser Folge zum Ausgleich ziemlich präsent. Zu Beginn wird die Beziehung zwischen Tyrion und Sansa noch ein wenig vertieft. Die Interaktion zwischen den beiden unfreiwillig verheirateten verläuft dabei etwas ungezwungener und angenehmer als im Buch, wo es praktisch keine Beziehung zwischen beiden gab, was vor allem auf Sansa zurückzuführen ist, die in der Vorlage niemandem, vor allem keinem Lannister, mehr auch nur Ansatzweise vertraut und sich bemüht, sämtliche Gedanken zu verbergen. Die Serien-Sansa wirkt dagegen in dieser Szene ein wenig ungezwungener und scheint eine grundsätzliche Sympathie für Tyrion zu empfinden. Wie bereits an anderer Stelle festgestellt: Serien-Sansa ist um einiges dümmer als Buch-Sansa (der Leser weiß zwar, dass Tyrion ihr nichts Übles will, aber Sansa kann das natürlich nicht wissen); in der Tat ist diese spezielle Szene allerdings ziemlich angenehm und eine nette Auflockerung nach viel Blut und Tod. Da Tyrion allerdings kurz darauf zum Kleinen Rat gerufen wird, ändert sich die Stimmung ziemlich abrupt: Wenn Joffrey aufgeregt und begeistert grinst, dann sollte man sich Sorgen machen.
Die Nachricht von Robb Starks Tod hat nun also King’s Landing erreicht, und Joffrey würde gerne noch einen draufsetzen, in dem er Sansa den Kopf ihres Bruders vorsetzt, etwas, das selbst Cersei geschmacklos findet und Tyrion dazu veranlasst, erneut das Leben seines Königs verbal zu bedrohen. Joffrey reagiert erwartungsgemäß, aber dieses Mal hat er praktisch den gesamten Kleinen Rat gegen sich. Was folgt ist eine erneute Auseinandersetzung zwischen Joffrey und Tywin, die damit endet, dass der König von seinem Großvater ohne Essen ins Bett geschickt wird. Die Szene ist grandios (nicht zuletzt wegen Charles Dance), aber ich hätte mich darüber gefreut, wenn sie, wie ihm Buch, noch ein wenig länger gewesen wäre – dort belehrt Tywin seinen Enkel gleich noch ein wenig.
Anschließend erfolgt noch eine weitere private Konversation zwischen Tyrion und Tywin, die jene in der ersten Staffel wiederspiegelt. Für alle, die die Bücher nicht gelesen oder es nicht sowieso schon geahnt haben, wird nun noch einmal klargestellt, dass Tywin hinter der Roten Hochzeit steckt. Anschließend folgt noch ein Gespräch zwischen Tyrion und Cersei (ein weiteres Mal wird klar, dass sich Serien-Tyrion und Serien-Cersei weitaus besser verstehen als ihre Romangegenstücke), in dem es abermals um den Wert von Familie geht. Cersei wird hier als sehr fragil und einsam dargestellt, und wir verstehen, weshalb sie Joffrey trotz seines schlechten Charakters so sehr liebt – eine gute Vorbereitung für die Hochzeit ihres Sohnes und die daraus resultierenden Folgen.
Derweil unterhalten sich auch Varys und Shae, zwei Fremde in King’s Landing. Hierbei könnte man meinen, dass Varys bereits ahnt, was kommt, während ein weiteres Mal deutlich wird, vor allem durch die Zuneigungsbekundung für Sansa, dass Shae in der Serie ein weitaus stärkerer und eigenwilligerer Charakter ist als in den Romanen.
jaime
Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) taucht in Cerseis Kammer auf

Da dies die Episode der Wiedervereinigungen ist, kommt auch Jaime mit Brienne in King’s Landing an (wo ihn niemand erkennt) und taucht schließlich in Cerseis Gemach auf). Obwohl sowohl Nikolaj Coster-Waldau als auch Lena Headey allein mit ihrer Mimik sehr gut spielen, ist diese Szene doch irgendwie enttäuschend; nach allem, was Jaime durchgemacht hat, hätte man sich irgendwie mehr gewünscht. Erschwerend hinzukommt, dass Jaime in den Romanen erst nach Joffreys Hochzeit in King’s Landing eintrifft. Die Ankunft wirkt erzwungen, weil man Jaime, der ohne Frage in dieser Staffel die größte Wandlung durchmacht, wohl noch irgendwie unterbringen und ihm ebenfalls einen Staffelpunkt schaffen wollte. Vielleicht wäre es besser gewesen, das alles in die nächste Staffel zu verlegen und nur in einer kurzen Szene zu zeigen, wie Jaime King’s Landing in der Ferne sieht.

In der Folterkammer
Falls es noch irgendwelche Zweifel daran gab, dass Ramsay Theon kastriert hat, dürften diese damit ausgeräumt sein. Immerhin ist Ramsay zwar ein sadistischer, folternder Psychopath, aber kein Kannibale – was für Theon aber nicht wirklich ein Trost ist. Die gesamte Szene ist extrem schwarzhumorig und endet schließlich damit, dass Theon seinen neuen Namen bekommt: Reek. Der ursprüngliche Reek (er kommt bei der Belagerung Winterfells in „A Clash of Kings“ ums Leben, weil er für Ramsay gehalten wird) wird allerdings (noch?) nicht erwähnt. Den neuen Namen lernt Theon jedenfalls erstaunlich schnell und nur durch ein paar Schläge. Andererseits, vielleicht ist er inzwischen einfach schon so gebrochen.

Pyke
Pyke war ein Handlungsort, den wir in Staffel 2 nur durch Theon kennenlernten und gewissermaßen auch nur zusammen mit Theon besuchten; ab dieser Folge ändert sich das nun und lässt wohl darauf schließen, dass der Greyjoyhandlungsstrang der Bände 4 und 5 wohl auch in der Serie umgesetzt wird, vermutlich allerdings mit starken Änderungen.
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Yara (Gemma Whelan) bricht auf, um ihren Bruder zu retten

Auf Pyke empfangen Theons Vater Balon und seine Schwester Yara ein ganz besonderes Geschenk von Ramsay: Theons Lieblingskörperteil. Während sich Balon, der Theon ja bereits bei seiner Rückkehr in Staffel 2 quasi als Sohn aufgegeben hat und nun der Meinung ist, er sei völlig nutzlos (nun kann er sich nicht einmal mehr fortpflanzen), kaum gerührt zeigt (ein weiteres Mitglied des Clubs der Rabenväter in dieser Serie), schwört Yara, dass sie ihren Bruder heimholen wird. Dies setzt sie sofort in die Tat um und bricht mit weiteren Eisenmännern gen Norden auf. Dies könnte umfassende Änderungen bedeuten, wie oben bereits erwähnt kommen die Spekulationen für Staffel 4 allerdings noch in einem Extraartikel.

Dragonstone
Die Veränderung führt zur Vorlage zurück: Nachdem Gendry die Rolle Edric Storms eingenommen hat, wiederfährt ihm auch dasselbe Schicksal: Die Nachricht von Robb Starks vergrößert Stannis‘ Vertrauen in Melisandre, sodass er nun gewillt ist, seinen Neffen zu opfern. Ser Davos ist allerdings nicht gewollt, dies zuzulassen und sorgt deshalb dafür, dass Gendry fliehen kann. Dabei gibt es ein interessantes Gespräch zwischen beiden, das jenes zwischen Varys und Shae wiederspiegelt. Wie Varys ist auch Ser Davos ein aufgestiegener Gemeiner, der auf die Noblen von Westeros eine etwas distanzierte Sichtweise hat. In gewissem Sinne ist er sogar Gendrys Nachbar, beide stammen aus Flea Bottom, den Slums von King’s Landing.
Der Rest ist sehr vorlagengetreu: Davos hat inzwischen lesen gelernt (in diesem Zusammenhang gibt es noch einen kurzen Gastauftritt von Kerry Ingram, die nach wie vor allerliebst ist) und entdeckt den Brief der Nachtwache, den Maester Aemon einige Szenen zuvor in Auftrag gegeben hat (die Raben in der Serie fliegen mitunter extrem schnell, in den Romanen wurde dieser Brief weitaus früher abgeschickt). Sowohl Melisandre als auch Stannis sind wegen Gendrys Befreiung nicht gerade gut auf Davos zu sprechen, doch dieser nutzt den Brief, der vom Angriff der Weißen Wanderer berichtet, als Schild. Und in der Tat, es funktioniert, Melisandre stimmt ihm zu, und so bricht Stannis gen Norden auf.

Yunkai
Im Gegensatz zu Staffel 2 endet Staffel 3 wieder mit einem positiven Eindruck: Daenerys wird nach ihrem Sieg von den befreiten Sklaven Yunkais als Mhysa (Ghiscari für Mutter) gefeiert. Leider muss ich sagen, dass dies als Staffelende irgendwie enttäuschend ist, vor allem nach den bisherigen Finalszenen. Das Ganze wirkt leider irgendwie kitschig und angeklebt.
mhysa
Daenerys (Emilia Clarke) wird von den befreiten Sklaven bejubelt

Fazit: Als „normale“ Episode wäre „Mhysa“ durchaus annehmbar gewesen, als Staffelfinale enttäuscht sie allerdings ein wenig: Zwar gibt es ein gelungenes Episodenthema, aber insgesamt ist die Folge zu zerfasert, da man unbedingt noch einmal alle wichtigen Charaktere unterbringen wollte.

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: The Bear and the Maiden Fair

season 3
In jeder GoT-Staffel gibt es eine Episode, die von George R. R. Martin selbst verfasst wurde. Vor allem nach Staffel 2 – Martin war hier für die Folge „Blackwater“ verantwortlich, in meinen Augen nach wie vor die beste Einzelepisode – waren die Erwartungen die Martin-Episode in Staffel 3 relativ hoch. Man hätte erwarten können, dass Martin abermals den (voraussichtlichen) Staffelhöhpunkt verfassen würde, angesichts der Aussagen, die Martin über das Schreiben des Rote-Hochzeits-Kapitels gemacht hat, ist es allerdings nachvollziehbar, dass er sich stattdessen für eine andere Episode entschieden hat. Allerdings ist anzumerken, dass einige Szenen noch kurzfristig umverteilt wurden, es ist also schwierig zu sagen, wie viel Martin wirklich selbst geschrieben hat.

Südlich der Mauer
Die Wildlinge und Jon befinden sich nun südlich der Mauer, es geht allerdings in etwa so weiter wie vor dem Aufstieg: Ygritte macht sich über Jon und die Gebräuche südlich der Mauer lustig, um damit ihre Unwissenheit zu überspielen (von wegen „You know nothing, Jon Snow“) und die Feindschaft zu Orell (der, nebenbei bemerkt, in den Romanen zu diesem Zeitpunkt schon relativ lange tot ist) wächst weiter. Jon nimmt es ihm selbstverständlich übel, dass er ihn während des Aufstiegs abschneiden wollte, während wir nun, in einem Dialog zwischen Orell und Ygritte, erfahren, dass der Warg es auf sie abgesehen hat.
Derweil schleicht der Bran-Handlungstrang ebenfalls relativ langsam weiter, im Gegensatz zu Theon (siehe unten) ist hier die Schuld allerdings bei der Vorlage zu suchen. Oshas Abneigung gegenüber den Reeds wächst weiter und sie erläutert ihren Hintergrund, der wohl direkt von Martin kommt. In einem Interview gab Martin einmal zu Protokoll, dass ihm die von Natalia Tena dargestellte Osha weitaus besser gefällt als die ursprüngliche Romanfigur, weshalb er wohl ihren Hintergrund erweitert hat.

Auf dem Weg zu den Twins
Robb zieht samt Gefolge zu den Twins, um Walder Frey seine Entschuldigung zu überbringen und der Hochzeit seines Onkels beizuwohnen. Dabei überrascht die Anwesenheit des Blackfishs und Talisas – im Roman bleiben beide (bzw. der Blackfish und Talisas Gegenstück Jeyne Westerling) zurück und sind deshalb von der Roten Hochzeit nicht betroffen. Nachdem Catelyn, Brynden und Edmure das Zelt des Königs des Nordens verlassen haben, geben sich König und Königin ihrer Zweisamkeit hin. Wirklich interessant ist allerdings das Gespräch danach, das viele Rätsel aufgibt. Talisa verkündet, sie sei schwanger (im Buch gibt es lediglich sehr vage Andeutungen und Fanspekulationen), schreibt einen Brief an ihre Mutter (nach eigener Aussage) und verhält sich allgemein ein wenig merkwürdig. Das lädt zu vielen weiteren Spekulationen ein. Wird Talisa bei der Roten Hochzeit anwesend sein und wird sie dasselbe Schicksal ereilen wie ihren hohen Gemahl, wodurch die Tragödie noch größer wird? Oder spielt sie ein doppeltes Spiel – in den Romanen wird angedeutet, dass bei Robbs Hochzeit keineswegs alles so zugegangen ist, wie es schien? Schreibt Talisa wirklich an ihre Mutter? Die Person, die in Staffel 3 bisher die meisten Briefe geschrieben hat, war Tywin Lannister…

King’s Landing
Im Gespräch mit Margaery setzt sich Sansa mit der neuen Situation auseinander, wobei sich unweigerlich die Frage stellt, ob Sansas Selbsteinschätzung, sie sei ein dummes Mädchen zutrifft, denn alles, was Margaery ihr in dieser Szene erzählt, müsste sie eigentlich selbst wissen. Spielt Sansa nur die naive oder dient dieses Gespräch lediglich dazu, Exposition unterzubringen und den Zuschauer noch einmal daran zu erinnern, in welcher Situation sie sich befindet? Jedenfalls erscheint das Ganze recht überflüssig. Auch Tyrion setzt sich mit seinem Schicksal auseinander und berät sich mit Bronn, allerdings wird auch hier lediglich Bekanntes wiederholt. Ebenso gibt es im Dialog mit Shae es kaum etwas Neues.
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Tywin (Charles Dance) berät seinen Enkel (Jack Gleeson)

Viel interessanter ist da die erste Konfrontation zwischen Joffrey und Tywin, die sich realtiv interessant gestaltet, nicht zuletzt durch die Kameraperspektiven und die Körpersprache der beiden Schauspieler. Durch beides wird eindeutig, wer eigentlich der mächtigere Mann ist. Bemerkenswerterweise ist Joffrey dieses Mal sogar relativ vernünftig und seine Argumente haben durchaus Gewicht: Als guter König sollte er an den Ratssitzungen teilnehmen und Daenerys ist durchaus ein Faktor, den zu bedenken es gilt. Dennoch ist es einfach schön anzusehen, wir Tywin seinen Enkel subtil niedermacht.

Yunkai
Gemeinsam mit ihren Unbefleckten und ihren ritterlichen Ratgebern erreicht Daenerys die nächste Stadt der Slaver’s Bay: Yunkai. Inzwischen hat die Mutter der Drachen, als Resultat ihres eigenen „Verkaufs“ an Khal Drogo und der Dinge, die sie in Astapor erlebt hat, eine absolute Abneigung gegen Sklaverei entwickelt und gedenkt, auch Yunkai einzunehmen.
Anders als im Buch empfängt Daenerys nicht zuerst die Söldner, die von den Yunkaii zur Verteidigung der Stadt angeheuert wurden, sondern einen Vertreter der Weisen Meister, der Herren von Yunkai. Der Vertreter besagter Herrscher, Razdal mo Eraz (George Georgiou, in der Serie wurde die Figur umbenannt, im Roman heißt sie Grazdan mo Eraz) ist weit höflicher als Kraznys mo Naklos, wenn auch auf andere Weise herablassend. Was folgt, ist eine der besten Daenerys-Szenen. Nachdem sie Staffel 2 damit zugebracht hat, ihre Drachen zu suchen, bekommt sie in Staffel 3 einen königlichen Moment nach dem anderen. Die Szene ist äußerst gelungen gestaltet, die Drachen sehen besser aus denn je und werden von Daenerys, die sich nun absolut nichts mehr gefallen lässt, während der Verhandlungen sehr geschickt eingesetzt.
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Daenerys (Emilia Clarke) und Drogon empfangen den Botschafter aus Yunkai

Auf dem Weg nach Dragonstone
Melisandre und Gendry befinden sich auf dem Weg zu Stannis und segeln dabei an King’s Landing vorbei (ist das wirklich die logischste Route?). Diese Szene könnte ebenfalls den Eindruck erwecken, es handle sich nur um Expositionsdialog, um den unbedarften Zuschauer noch einmal daran zu erinnern, wer Gendry eigentlich ist. Dennoch mag ich sie äußerst gern, was vor allem an der Musik liegt: Als Melisandre Gendry erklärt, wer sein Vater erklingt, zum ersten Mal in dieser Staffel, eine gänsehauterregende Variation des Baratheon-Themas. Herrlich! Nebenbei erzählt Melisandre etwas aus ihrer Vergangenheit, das in den Romanen erst in ihren POV-Kapiteln in „A Dance with Dragons“ enthüllt wird.

Bei der Bruderschaft ohne Banner
Arya ist immer noch wütend darüber, dass Beric und Thoros Gendry verkauft haben, flieht bei einem bevorstehenden Lannisterangriff und wird von Sandor Clegane aufgegriffen. Abermals wird deutlich, wie stark der Arya-Handlungsstrang reduziert wurde, u.a. fehlt der Geist von High Heart, ebenso wie die Tapferen Kameraden, die bei Aryas Flucht eine Rolle spielen. In der Episode wirkt besagte Flucht geradezu schlampig inszeniert: Arya rennt aus dem Lager und läuft Sandor in die Arme – anscheinend stellt die Bruderschaft nicht allzu viele Wachen auf.

In der Folterkammer
Vermutlich denkt Theon beim Erwachen, dass er sich im falschen Film befindet: Zwei schöne Frauen machen ihn los und nehmen sich seiner an. Das erinnert sehr an den Anfang eines Pornos, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, da Ramsays Tröte ertönt. Nachdem er Theon gezeigt hat, was er nie wieder genießen wird, macht er sich an die Kastration.
Die Folter, der Theon unterzogen wird, erreicht nun ihren Höhepunkt und gibt Anlass, noch einmal wenig über diesen Handlungsstrang nachzudenken. Wie bereits mehrfach erwähnt taucht das Ganze im Buch nur in Form von Erinnerungen auf, über zwei Folgen hinweg ist der Leser über Theons Schicksal völlig im Unklaren, bis er in „A Dance with Dragons“ wieder auftaucht, bereits als völlig gebrochener Mann, der aussieht wie ein Greis. In der Serie dagegen wird Theons Leidensweg gezeigt, und in jeder Episode steigert sich die Folter. Zuerst erfolgt sie vor allem psychologisch: Ramsay erlaubt seinem Opfer die Flucht, tut, als käme er von Yara, nur um Theon dann wieder einzusperren und so seine Hoffnung zunichte zu machen. Dann wird er (vor allem) körperlich gefoltert, Ramsay zieht ihm die Haut vom Finger ab, bis er darum bettelt, Ramsay möge ihm den Finger abschneiden. In dieser Folge wird auf beide Arten gefoltert, damit Theon endgültig bricht. Die Kastration wird im Buch, ähnlich wie Renlys Sexualität, nur angedeutet (wenn auch recht eindeutig).
Wenn man die Rezeption der Theon-Handlung von Nichtbuchlesern verfolgt, findet man heraus, dass diese in der Tat nicht so recht wissen, was sie aus dem Ganzen machen sollen und wo es hinführt. Ich sehe ebenfalls einige Probleme, da sich Theons Folter, ausgehend von den Romanen, noch etwa eine bis eineinhalb Staffeln weiterziehen würde. Bereits jetzt ist das Ganze zu ausgedehnt, über eine weitere Staffel lässt sich die Folter oder das Rätsel um die Identität des Folterers nicht strecken – immerhin soll jeder Handlungsstrang bis zum Ende der Staffel so etwas wie eine Auflösung erfahren (in diesem Fall wohl die Identität Ramsays). Meine Theorie bezüglich der Weiterführung dieses Handlungsstrangs: Handlungsteile von „A Dance with Dragons“ werden wahrscheinlich bereits in der vierten Staffel zu sehen sein. Da die Rote Hochzeit in Folge 9 dieser Staffel stattfindet, kann Roose Bolton bereits im Anschluss nach Norden reisen; die Theon-Handlung des fünften Bandes lässt sich weitaus besser ausdehnen als die Off-Screen-Folter.

Harrenhal
jaimebrienne
Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Brienne (Gewndoline Christie) in der Bärengrube

Jaime und Brienne verabschieden sich voneinander, beide in dem Wissen, was Locke mit Brienne machen wird, sobald Jaime und Roose Bolton nicht mehr da sind. Was Brienne allerdings am meisten zu schaffen macht, ist die Frage, ob ihr Schwur eingehalten wird. An diesem Abschied zeigt sich auch sehr schön, dass sie den Königsmörder inzwischen respektiert, da sie ihn mit Namen und Titel anspricht.
Jaime macht sich, in Begleitung einiger Bolton-Männer und des abtrünnigen Maesters Qyburn auf den Weg nach King’s Landing. Sowohl Anton Lesser in der Rolle von Qyburn als auch der Austausch zwischen ihm und Jaime, bei dem wir bereits einiges über die Hintergründe des Ex-Maesters erfahren, empfinde ich als äußerst gelungen. Ein weiteres Mal ist der Jaime/Brienne-Handlungsstrang das Highlight einer Folge.
Qyburn teilt Jaime mit, dass seine Saphirlüge Brienne zwar vor der Vergewaltigung gerettet haben mag, sie aber nun teuer zu stehen kommt, was Jaime wiederrum dazu veranlasst, nach Harrenhal zurückzukehren. Da Locke das Lösegeldangebot ihres Vaters als zu niedrig erachtet, spielt er mit ihr stattdessen lieber The Bear and the Maiden Fair nach und stellt sie einem wilden Bären gegenüber. Die Szene ist äußerst intensiv gestaltet, die Rettung Briennes extrem gut gelungen. Der Höhepunkt sind zweifelsohne Jaimes Abschiedworte an Locke und das was darauf folgt: Eine epische Variation des Rains-of-Castamere-Themas, das hier zum ersten Mal für Jaime erklingt (bisher galt es entweder Tywin, Tyrion oder Cersei) – schon das zweite Mal, dass eine Version von The Rains of Castamere als Abspannmusik für eine Martin-Episode verwendet wird.

Fazit: Unter Anbetracht der Tatsache, dass Martin selbst für diese Episode verantwortlich ist, ist „The Bear and the Maiden Fair“ fast eine Enttäuschung, vor allem nach der genialen Blackwater-Episode. Sie ist nicht wirklich schlecht, hat aber einige Probeleme, vor allem die unnötig erscheinenden Füllszenen. Allerdings versöhnt der vollauf gelungene Schluss wieder mit der Folge.

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: The Climb

season 3

Nördlich der Mauer
Die Episode beginnt mit einer netten, kleinen, sehr buchgetreuen Szene mit Sam und Gilly. Sie bringt ihm bei, wie man richtig Feuer macht und er singt ihr dafür ein Lied aus dem Süden vor. Nebenbei wird auch gleich die Klinge aus Obsidian eingeführt – ein Hoch auf das Kommen von Sam, dem Töter.
Wie der Titel der Episode allerdings ankündigt, liegt der Fokus dieser Episode auf Jon Snow und den Wildlingen, die versuchen, die Mauer zu erklimmen – obwohl es, wie so oft, eine weitere Bedeutung des Titels gibt. Nachdem es bisher pro Folge meistens nur eine einzige Szene mit Jon gab, die oft eher „abgearbeitet“ wirkte, gehört der Jon-Snow-Handlungsstrang zum Besten, was diese Episode zu bieten hat. Dennoch gibt es ein, zwei kritische Stellen. Erwähnenswert ist in jedem Fall, dass der Wildlingstrupp im Roman weitaus größer ist als in der Serie und auch nicht von Tormund, sondern vom Magnar von Thenn angeführt wird. Das ist allerdings keineswegs kritisch, ich mag Tormund sowieso lieber und er wird von Kristofer Hivju sehr treffend dargestellt. Kritisch ist dagegen Jons Dialog mit Ygritte, in dem sie ihm offenbart, dass sie weiß, dass Jon nach wie vor der Nachtwache treu ist. Das wirkt…merkwürdig. Ist das eine Andeutung dafür, dass Ygritte ein verändertes Schicksal erwartet? Man wird sehen.
Tormund_The_Climb
Tormund (Kristofer Hivju) erklimmt die Mauer

Der Aufstieg selbst ist jedenfalls äußerst gelungen und intensiv, die Bilder sind beeindruckend und man fühlt regelrecht die Entbehrungen der Beteiligten – diese Szenen sollten auf der großen Leinwand zu sehen sein. Nebenbei wird auch gleich noch das Band zwischen Ygritte und Jon gestärkt und die Feindschaft zwischen Orell und Jon vertieft. Lediglich das Ende des Aufstiegs (und der Episode), der Kuss auf der Mauer, wirkt sehr kitschig. Aber die Landschaft ist schön.

Auf dem Weg zur Mauer
Ein wenig südlicher passiert bei Bran, Rickon Osha, Hodor und den Reeds nach wie vor nicht allzu viel. Meera und Osha geraten aneinander, während Bran den Streit schlichten muss – einmal Lord von Winterfell, immer Lord von Winterfell. Derweil scheint es, dass Jojens prophetische Träume epileptischen Anfällen ziemlich ähnlich sind. Das Ganze weicht selbstverständlich relativ weit vom Buch ab, da dort Osha bereits mit Rickon anderswo hin aufgebrochen ist. Der Buchleser fragt sich natürlich, ob das noch kommt, oder ob Osha und Rickon weiterhin bei Bran bleiben. In den Büchern hatten beide seither nicht viel zu tun, in „A Dance with Dragons“ wird allerdings angedeutet, dass sich das ändern könnte.

Bei der Bruderschaft ohne Banner
Als Arya sich gerade im Bogenschießen übt, trifft, wie zu erwarten war, Melisandre bei der Bruderschaft ohne Banner ein und sorgt dafür, dass sich meine Vermutung, die Phrase Valar Dohaeris würden wir erste nächste Staffel hören, als falsch erweist. Trotzdem ist es nett, die Rote Priesterin und Thoros Hochvalyrisch reden zu hören. Derweil wird Thoros‘ Mission (Robert Baratheon zum Herrn des Lichts zu bekehren) in den Romanen allerhöchstens angedeutet. Das Gespräch zwischen ihm, Berric und Thoros gestaltet sich äußerst interessant, da wir nebenbei mehr über Thoros‘ Vergangenheit, seine Motivation und seine Gedanken erfahren. Wegen dem Schattensohn und der Wiedererweckung könnte man meinen, dass der Herr des Lichts der bisher aktivste Gott der verschiedenen Religion von Westeros und Essos ist, allerdings stellt sich die Frage, ob hier wirklich ein Gott am Werk ist, oder ob das Ganze nicht doch etwas mit Daenerys‘ Drachen zu tun hat.
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Melisandre (Carice van Houten) und Thoros von Myr (Paul Kaye)

Wie zu erwarten war, nimmt Gendry in der Tat den Platz von Edric Storm ein. Die Bruderschaft verkauft ihn regelrecht an ihn, was nun wiederrum kein gutes Licht auf sie wirft. Der kleine Austausch zwischen Melisandre und Arya ist allerdings noch einmal sehr interessant. Die Rote Priesterin sieht in Arya Dunkelheit und viele Augen, die zurückstarren; ein Hinweis auf ihre Zukunft bei den Gesichtslosen? Diese Vermutung wird durch die Verwendung von Jaqen H’gars Thema noch untermauert. Ebenso interessant ist die Aussage, dass Melisandre Arya wiedertreffen wird – in den Romanen ist das bisher nicht geschehen, vielleicht passiert es ja in Band 6 oder 7.

In der Folterkammer
Nach wie vor spielt Ramsay seine gemeinen kleinen Spielchen mit Theon, und nach wie vor wissen weder Theon noch die buchunkundigen Zuschauer, was das Ganze eigentlich soll und wer der Folterknecht ist – auch wenn man es durch die Versinnbildlichung des Bolton-Wappens durchaus erraten kann. Dennoch, gerade für Nichtbuchleser könnten die Theon/Ramsay-Szenen relativ ermüdend erscheinen und selbst für den Buchleser stellt sich die Frage, ob sie wirklich nötig gewesen wären. Davon einmal abgesehen sind sie allerdings durchaus gut gelungen, vor allem Iwan Rheon wird bei jedem seiner Auftritte mit Genuss sadistischer. Seine hintergründige Äußerung gilt wahrscheinlich nicht nur für Theons Handlungsstrang, sondern für die gesamte Serie: „If you think this has a happy ending, you haven’t been paying attention.“
In jedem Fall keine Szene für zartbesaitete („The Climb“ ist wahrscheinlich die bisher „heftigste“ Folge der dritten Staffel). Wenn es mit Ramsay und Theon weitergeht, wird es allerdings nicht besser.

Riverrun
In Riverrun schmiedet Robb neue Bündnisse, um sein kühnes Vorhaben, die Eroberung von Casterly Rock, in die Tat umzusetzen. Er trifft sich mit Walders Freys Gesandten Lothar (Tom Brooke) und Black Walder (Tom Pester), die ihm die Bedingungen ihres Vaters für eine Erneuerung des Bündnisses bringen. Walder will Harrenhal und, sehr viel wichtiger, er will, dass Edmure eine seiner Töchter heiratet. Wie in den Romanen ist Edmure erst einmal von dieser Aussicht absolut nicht begeistert. Der Blackfish und Robb können ihn jedoch überzeugen. Obwohl Ersterer immer ein wenig sehr harsch gegenüber seinem Neffen ist, in der Serie mehr noch als in den Romanen, erweist sich Clive Russel nach wie vor als weitere Idealbesetzung.

Harrenhal
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Brienne (Gwendoline Christie) – letztere fühlt sich in Pink nicht wohl

Nach der Intensität der Badeszene in der letzten Episode gibt es bei Jaime und Brienne dieses Mal wieder ein wenig mehr Humor. Allein der Anblick Briennes in einem pinken (!) Kleid, begleitet von Roose Boltons Worten und Gwendoline Christies Mimik ist herrlich. Dazu kommen noch Jaimes Schwierigkeiten beim Fleischschneiden und seine selbstironischen Kommentare. Dennoch ist diese Szene alles andere als leichtherzig oder angenehm. Neben Gwendoline Christie und Nikloaj Coster-Waldau brilliert hier vor allem Michael McElhatton, der Roose Bolton sehr nuanciert und zurückhaltend spielt, ebenso, wie man sich den Lord der Dreadfort vorstellt. Vor allem der letzte, hintergründige Kommentar Boltons lässt vermuten, dass er an Jaimes Verstümmelung vielleicht doch nicht ganz so unschuldig ist, wie er behauptet.

King’s Landing
Endlich kommt das, worauf ich seit Diana Riggs erstem Auftritt als Olenna Tyrell gewartet habe: Das Gespräch zwischen ihr und Lord Tywin. Herrlich! Endlich treffen sowohl Tywin als auch Olenna auf jemanden, der ihnen jeweils ebenbürtig ist. Abermals bekommt Olenna die besten und zitirfähigsten Sprüche („As an authority on myself, I must disagree.“). Doch wie es aussieht, hat Tywin gewonnen… Was hier wohl am Ende herauskommt?
Drei der vier zu Verheiratenden sind jedenfalls nicht sehr guter Dinge. Während Sansa noch glaubt, dass sie Loras ehelichen wird, der wiederrum allgemein keinerlei Interesse an Frauen hat, scheinen die bevorstehenden Hochzeiten Tyrion und Cersei wieder zusammenzubringen – ein wenig seltsam, wenn man das viele böse Blut zwischen ihnen bedenkt. Diese Versöhung wirkt irgendwie unpassend, ebenso wie die Tatsache, dass Tyrion sehr offen über das Attentat auf ihn spricht. Cersei reagiert darauf wie in Staffel 2, als Tyrion von den Bastardmorden spricht; offenbar war es (zumindest in der Serie) auch in dieser Situation Joffrey. Diese Konversation wirkt unnötig und unpassend, ebenso wie Tyrions Auftauchen bei Sansa. So anständig er auch ist, ganz so anständig ist er dann doch wieder nicht, jedenfalls hielt er es im Buch nicht für nötig.
Apropos Diskrepanz zwischen Buch und Serie: Die vorletzte Szene gehört Littlefinger, dessen Darstellung in der Serie recht umstritten ist. Dies hängt allerdings nicht mit Aiden Gillen zusammen, sondern eher mit der Tatsache, dass er in der Serie plakativer und schurkischer vorgeht, während er im Roman weit weniger präsent ist und auch sehr viel subtiler handelt. Der „Schurkenmonolog“, mit dem diese Folge endet, ist in der Tat im Gesamtkontext ein wenig zu viel, da Littlefingers Bösartigkeit hier übertrieben und fast schon plump dargestellt wird. Als Einzelszene betrachtet funktioniert die Montage allerdings, nicht zuletzt dank Aiden Gillen, der in meinen Augen eine weitere Idealbesetzung ist. Darüber hinaus ist es schön, das Lannister-Thema aus Staffel 1 noch einmal zu hören.
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Ros (Esmé Bianco), gespickt mit Joffreys Amrbrustbolzen

Und dann wäre da noch Ros, deren Tod wohl niemand vorhergesehen hat – in gewisser Hinsicht ist es schön, auch als Buchleser mal überrascht zu werden. Die von Esmé Bianco gespielte Prostituierte tauchte bereits in der ersten Folge der ersten Staffel auf, noch als namenlose Hure, um Tyrion einzuführen, doch den Produzenten gefiel die Figur so gut, dass sie ihr einen Namen gaben und sie die Rolle mehrere anderer Prostituierter ausfüllen ließen; in den Romanen ist diejenige, die Cersei für Tyrions Bettgefährtin hält und im zweiten Band einsperren lässt, ein Mädchen namens Alayaya. Im Fandom war sie allerdings nicht besonders beliebt und galt vor allem als Fanservice-Charakter, um mehr Nacktszenen unterbringen zu können. Ihr Tod ist relativ plötzlich, relativ sinnlos und passt damit eigentlich relativ gut zu den vielen anderen sterbenden Charakteren, aber man wird das Gefühl nicht los, dass die Produzenten damit sagen wollen: „Da, jetzt ist sie tot, seid ihr zufrieden?“
Und nachdem Joffrey in dieser Staffel doch recht zahm war, toppt er in einer einzigen Einstellung fast alles, was er in Staffel 2 getan hat. Was Margaery wohl dazu sagen würde?

Fazit: Auf zwei extrem starke Episoden folgt nun wieder eine etwas schwächere, was natürlich ein wenig schade ist, aber dennoch zu erwarten war. „The Climb“ besitzt weder die Intensität von „Kissed by Fire“, noch die epische Komponente von „And Now His Watch Is Ended“, dafür leider einiges, was unnötig oder störend ist. Dennoch ist eine etwas schwächere GoT-Folge immer noch den stärksten Folgen der meisten anderen Serien weit überlegen.

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: Kissed by Fire

season 3
Halbzeit! Nach den Höhepunkten in Episode 4 ist Episode 5 wieder ein wenig ruhiger – aber keineswegs weniger intensiv.
„Kissed by Fire“ ist ein schöner Titel, der wieder einmal mehrere Anwendungen findet. Die Phrase ist bei den Wildlingen für Rothaarige gebräuchlich, die als gutes Omen gesehen werden – direkte Anwendung findet sie natürlich vor allem bei Ygritte. Aber auch sonst spielt Feuer eine größere Rolle in dieser Episode.

Bei der Bruderschaft ohne Banner
Schon der Anfang der Episode beginnt mit Feuer: Beric Dondarrion und Sandor Clegane stehen sich zum Zweikampf gegenüber, der entscheiden soll, ob der Bluthund in den Augen des Roten Gottes unschuldig ist. Während Thoros betet, ist abermals das Stannis/Melisandre-Thema zu hören, ebenso wie der Lieblingssatz der Roten Priesterin. Mithilfe von Lord Berics Blut wird auch das Schwert des Blitzlords entzündet, was Sandor absolut nicht zusagt. Was folgt ist der bisher beste Zweikampf der Serie, in dem vor allem Rory McCann einmal mehr vollkommen zu überzeugen weiß; die Furcht vor dem Feuer steht ihm ins Angesicht geschrieben. Auch Maisie Williams, deren Spiel ich in der vorherigen Staffel mitunter recht emotionslos fand, zeigt sich hier von ihrer besten Seite, sowohl während des Kampfes als auch später in den Gesprächen mit Gendry, Thoros und Beric. Gleichzeitig sehen wir hier die erste (und mit Sicherheit nicht letzte) Auferweckung.
Leider hat Arya es auch weiterhin nicht leicht, denn nach Hot Pie verlässt sie nun schon wieder ein Gefährte: Gendry beschließt, lieber für die Bruderschaft zu schmieden. Von Thoros muss sie auch noch erfahren, dass er nicht in der Lage ist, Lord Eddard wieder auferstehen zu lassen. Nebenbei erfahren wir vom Blitzlord auch gleich mehr über die Wiederauferstehungen: „Every time I come back, I’m a bit less.“ Der danach folgende Austausch ist ebenfalls sehr interessant. Lord Beric würde Eddard nie das Leben wünschen, das er führt – eine clevere Vorausdeutung. Ich kann mir vorstellen, mit welcher Szene die dritte Staffel endet.

Nördlich der Mauer
Nach einer kleinen Auseinandersetzung mit Orell folgt der direkte Titelbezug: Ygritte stiehlt Jons Schwert und lockt ihn so in eine Höhle mit heißen Quellen, wo sie ihn dazu veranlasst, seinen Eid zu brechen und er beweist, dass er doch zumindest etwas weiß. Alles in allem sehr buchgetreu umgesetzt, allerdings wirkt der Jon-Snow-Handlungsstrang in dieser Staffel mitunter ein wenig lieblos, was auch daran liegen könnte, dass es immer nur relativ kurze Szenen gibt, die eher abgearbeitet werden. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb: Im Norden wird es wahrscheinlich erst zum Ende von Staffel 3 und in Staffel 4 wirklich interessant.
Apropos Jon und Ygritte, allgemein ist sehr auffällig, wie wenig Sex- und Nacktszenen es in der dritten Staffel bisher gab: Offenbar entschied man sich, den Anteil an Fanservice stark zurückzufahren, denn selbst die Jon/Ygritte-Szene ist äußerst kurz. Und da behaupte noch einer, „Game of Thrones“ sei nur wegen der vielen blanken Brüste interessant.

Harrenhal
Jaime, Brienne und Locke kommen in der verfluchten Burg an und werden Roose Bolton vorgeführt, der mit der Behandlung des Königsmörders aus gutem Grund nicht ganz zufrieden ist. Im Gegensatz zu seinem Gefolgsmann ist der Lord der Dreadfort sowohl zu Brienne als auch zu Jaime äußerst höflich. Freilich ist er ebenfalls grausam, allerdings auf weitaus subtilere Weise als Locke: Er erzählt Jaime von der Schlacht um King’s Landing und lässt es zuerst so aussehen, als hätten die Lannisters verloren, bevor er ihn darüber aufklärt, dass Tywins Streitkräfte rechtzeitig eingetroffen sind und dass er Cersei gut geht.
Nach seinem kurzen ersten Auftritt in „Valar Dohaeris“ taucht nun auch Qyburn wieder auf und gewährt einen schönen, ausführlichen Blick auf Jaimes verrottenden Armstumpf. Dabei erfährt man auch, dass Qyburn von der Citadel wegen unlauterer Experimente verstoßen wurde.
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) beim Baden

Wie sich im anschließenden Bad zeigt, wird der Jaime/Brienne-Handlungsstrang von Episode zu Episode besser. Nikolaj Coster-Waldau und Gwendoline Christie brillieren in einer äußerst intensiven Szene durch großartiges Zusammenspiel. Erstmals erfährt der Nichtbuchleser, der Jaime bisher vor allem durch die Augen von Leuten gesehen hat, die ihn verurteilen, die Wahrheit über seinen Spitznamen. Die Tat, für die ihn das gesamte Reich hasst, war wohl die heroischste, die er je begangen hat, und man stellt sich unweigerlich die Frage, wie all die Leute, die ihn verurteilen, an seiner Stelle gehandelt hätten (eine Frage, die Jaime auch Brienne stellt). Das Thema Ehre, Schwur und Dienst am König wird später in Daenerys‘ Handlungsstrang noch einmal treffend aufgegriffen.

King’s Landing
In der Hauptstadt der Sieben Königslande hegt Cersei nach wie vor Befürchtungen, die Tyrells könnten sie und ihren Sohn hintergehen und beauftragt deshalb Littlefinger damit, Nachforschungen anzustellen. Leider muss ich sagen, dass ich die Art und Weise, wie die Lannisters hinter das Heiratskomplott der Tyrells kommen (Stichwort: männliche Prostituierte), in der Serie irgendwie plump ist. Dafür ist allerdings ein für alle Mal geklärt, dass Willas und Garlan, Loras‘ und Margaerys ältere Brüder, in der Serie nicht existieren, da Loras hier eindeutig als Erbe von Highgarden bezeichnet wird. Ebenso ist er nicht Mitglied der Königsgarde und hat auch offensichtlich nach Renlys Tod kein Keuschheitsgelübde abgelegt.
Derweil trifft Tyrion eine der wenigen Personen außer seinem Vater, die in der Lage ist, ihm Paroli zu bieten. In seiner Funktion als Meister der Münze setzt er sich wegen der bevorstehenden königlichen Hochzeit mit Lady Olenna zusammen, die ihn verbal geradezu auseinandernimmt und darüber hinaus auch noch enttäuscht darüber ist, dass er es kaum schafft, sich anständig zu wehren. In der Tat läuft Tyrion in dieser Staffel bisher quasi auf Sparflamme – durchaus nachvollziehbar, nachdem ihm das Gesicht aufgeschlitzt wurde. Die zweite Staffel war Tyrions „große Stunde“, jetzt geht es erst einmal weiter bergab.
Wie gesagt fand ich die Enthüllung des Tyrell-Komplotts ein wenig plump, das, was darauf folgt, ist allerdings ein großartiger Abschluss für diese Folge: Lord Tywin eröffnet Tyrion, wie er gegen diese Intrige vorzugehen gedenkt: Tyrion soll Sansa so schnell wie möglich heiraten. Eine großartige Szene, in der Charles Dance, Peter Dinklage und Lena Headey ein weiteres Mal brillieren. Vor allem Lena Headey schwingt gekonnt zwischen Triumph über Tyrions Schicksal und Entrüstung über ihres Vaters Pläne, denn auch Cersei soll heiraten, und zwar Loras Tyrell. Diese Szene ist quasi die Kulmination der Einzelgespräche der beiden Kinder mit dem Vater. Tywin wird nicht mehr zulassen, dass seine Kinder den Namen Lannister weiter beschmutzen. Die Reaktion beider Kinder ist entsprechend.

Riverrun
Der Unmut, der sich in Rickard Karstark aufgebaut hat, seit Catelyn in Staffel 2 den Königsmörder freigelassen hat (nachdem dieser Karstarks Sohn umgebracht hat, wohlgemerkt) entlädt sich nun, und er bringt kurzerhand die beiden Lannisterjungen, die in der letzten Folge kurz eingeführt werden, um. Das bleibt natürlich nicht ohne Konsequenzen, und Robb ist nicht gerade begeistert. Karstark hat endgültig das Vertrauen in den König des Nordens verloren und Robb steht nun vor einer ähnlichen Entscheidung wie Eddard Stark. Und wie Eddard Stark entscheidet er sich für den Weg der Ehre, ohne auf den gesunden Menschenverstand zu achten, obwohl Edmure, Catelyn und Talisa versuchen, ihn davon abzubringen, Karstark zu töten. Durch die Enthauptung Karstarks – selbstverständlich führt Eddard Starks Sohn sie selbst durch – verliert Robb einen großen Teil seiner Armee.
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Rickard Karstark (John Stahl) wird exekutiert

Während das Problem des Eidbruchs gegenüber Walder Frey im Buch ständig präsent ist, wird es in der Serie jetzt erst wirklich adressiert – anscheinend hat Robb sich der Freys in seinen bisherigen Kämpfen nicht wirklich bedient. Anstatt, wie im Roman, nach Norden zu marschieren, plant er, Casterly Rock anzugreifen und Lord Tywin das anzutun, was die Eisenmänner ihm angetan haben. Wie auch immer, es wird eindeutig, dass Rob den Krieg trotz vieler siegreicher Schlachten verliert. Und die Rote Hochzeit rückt näher.

Dragonstone
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Selyse Baratheon (Tara Fitzgerald)

Nach dem Ausrutscher in „Walk of Punishment“ verhält sich Stannis dieses Mal wieder inCharacter. Endlich lernen wir nun auch seine Frau Selyse (Tara Fitzgerald) und die gemeinsame Tochter Shireen (Kerry Ingram) kennen. Erstere tauchte, dargestellt von Sarah MacKeever, ganz kurz in der ersten Folge der zweiten Staffel auf, war allerdings lediglich für ein paar Sekunden zu sehen, und das nicht einmal deutlich. Ihr eigentliches Debut findet somit in dieser Episode statt.
Schon in den Romanen war Selyse unsympathisch und eine fanatische Anhängerin des Herrn des Lichts, die Serie toppt das allerdings mühelos. Hier ist Stannis‘ Frau nicht nur eine verstockte Fanatikerin, sie ist auch geistig äußerst labil, behält ihre totgeborenen Söhne in Glasbehältern und freut sich darüber, dass ihr Mann ein Techtelmechtel mit der Roten Priesterin hatte (in den Romanen ist sie sich über das Ganze, wenn ich mich recht erinnere, nicht im Klaren). Eine kleine Anmerkung am Rande: Ihr dritter toter Sohn trägt den Namen Edric – vielleicht eine Anspielung auf Edric Storm, einen Bastard von Robert Baratheon, der sich in Stannis‘ Obhut befindet und den Melisandre opfern möchte, um die Steindrachen von Dragonstone zum Leben zu erwecken?
Normalerweise ist Stannis eine äußerst unsympathische Figur, aber wenn er mit seiner Frau in einem Raum ist, erscheint er plötzlich als der Angenehmere. Dennoch charakterisiert ihn das Zusammentreffen mit Selyse sehr gut (auch, wenn D. B. Weiss und David Benioff bei ihr ein wenig übertrieben haben): Er will seine Frau und Tochter nicht besuchen, aber Pflicht und Ehre gebieten es. Das ist natürlich vor allem Shireen gegenüber nicht wirklich fair, aber immerhin noch fairer als die eigene Mutter, die sie als „distraction“ bezeichnet. Dabei ist Shireen ein äußerst liebenswertes Kind mit frohem Gemüt (allerdings glücklicherweise nicht unpassend niedlich oder Mitleid erzwingend dargestellt), das sich ehrlich über den Besuch seines Vaters freut.
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Shireen Baratheon (Kerry Ingram)

Stannis beweist dabei einmal mehr, das er das Einfühlungsvermögen eines Holzklotzes besitzt. Shireens Entstellung durch die Grauschuppen wird gezeigt, aber noch nicht näher erklärt. Der Narr Patchface und Edric Storm, die einzigen beiden Menschen, zu denen sie eine nährer Beziehung hat, tauchen nicht auf, stattdessen hat sie sich mit Davos Seaworth angefreundet, der in dieser Folge endlich auch mal wieder auftaucht. In einer putzigen Szene im Kerker von Dragonstone erfahren wir, dass Ser Davos nicht lesen kann, woraufhin Shireen beschließt, es ihm beizubringen. Sie beginnt bei A wie Aegon, dessen erste Silbe ausgesprochen wird wie Egg – eine Anspielung an die „Abenteuer von Dunk und Egg“, einer Serie von Novellen von George R. R. Martin, die 90 Jahre vor „A Song of Ice and Fire“ spielen.

Auf dem Weg nach Yunkai
Zwar wird nicht erwähnt, wo Daenerys mit ihrer neu erworbenen Armee nun hinzieht, die Introkarte verrät es allerdings: Statt Asatapor baut sich nun Yunkai auf, die zweite große Stadt der Slaver’s Bay.
Hier bekommen wir eine sehr schöne, nicht im Buch auftauchende Dialogszene zwischen Jorah Mormont und Barristan Selmy. Nicht nur taucht diese Szene nicht in „A Storm of Swords“ auf, sie wäre auch auf diese Weise kaum möglich gewesen, da Jorah kurz nach der Enthüllung von Barristans Identität bei Daenerys in Ungnade fällt und verbannt wird. Hier werden die Themen aus dem Jaime-Handlungsstrang weitergeführt. Das Gespräch ist eigentlich entspannt, beide Ritter scherzen sogar, aber man spürt sofort die unterschwellige Anspannung. Vor allem Jorah ist besorgt darüber, wie viel Barristan über seine Zeit als Informant für Varys weiß. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze weiterentwickelt. Nebenbei wird auch Grauer Wurm, der Anführer der Unbefleckten vorgestellt.

Fazit: Nach den epischen Ereignissen der letzten Folgen ist diese Episode wieder ein wenig ruhiger, aber dafür umso intensiver. Das enorm Hohe Niveau wird auch weiterhin gehalten.

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3