Justice League: Origin

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Der Snyder-Cut rückt näher. Nun gut, zugegebenermaßen ist er eigentlich schon da, weil ich allerdings keine Lust auf Sky Ticket habe, werde ich ihn mir erst zu Gemüte führen, wenn er als Download oder Blu-Ray erworben werden kann. Da ich ohnehin nicht der größte Fan von Synders Interpretation der DC-Helden bin, verkrafte ich die Wartezeit schon. Bis es allerdings soweit ist, lohnt es sich durchaus, die primäre Inspirationsquelle des Films unter die Lupe zu nehmen. Während Snyder und Chris Terrio in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ viele Elemente aus Frank Millers „The Dark Knight Returns” entlehnten, ist die (wenn auch lose) Vorlage von „Justice League“ (egal ob Snyder- oder Whedon-Cut) ein deutlich jüngeres Werk.

Zuerst allerdings ein wenig Kontext: 2011 entschloss man sich bei DC (mal wieder) zu einem kosmischen Reboot, um die Kontinuität zu sortieren und Neulesern den Einstieg zu erleichtern. 52 Serien begannen mit einer neuen Nummer 1 – daher auch der Name „New 52“ (zugleich die Anzahl der Parallel-Erden in DCs Multiversum). Viele Helden wurden fast völlig auf Null heruntergefahren und jegliche Ereignisse der vorherigen Kontinuität wurden ausgelöscht, allerdings nicht alle – Batman und Green Lantern wurden größtenteils intakt gelassen. Im Rahmen der Miniserie „Flashpoint“ wurde dieser Reboot umgesetzt. Vielleicht die zentrale Serie der New 52 war die neue Justice-League-Serie, geschrieben Geoff Johns, dem leitenden kreativen Kopf hinter dem Reboot, und bebildert vom zeichnerischen Schwergewicht Jim Lee. In den ersten sechs Ausgaben erzählten Johns und Lee, wie sich das Team in dieser neuen Kontinuität zum ersten Mal zusammenfindet.

In Gotham City wird Batman von merkwürdigen, dämonischen Kreaturen attackiert. Gemeinsam mit Green Lantern, mit dem er sich allerdings nicht allzu gut versteht, ermittelt der Dunkle Ritter. Sie stoßen auf eine nicht minder ominöse außerirdische Box und beschließen, sich an das bekannteste Alien zu wenden: Superman. Gemeinsam begeben sie sich nach Metropolis, allerdings ist der Mann aus Stahl nicht unbedingt gesprächsbereit und attackiert die beiden. Auch das Eingreifen Flashs ändert daran nichts. Schließlich können die vier Helden sich allerdings halbwegs einigen, denn schon kurz darauf kommt es zur großangelegten Invasion der Erde durch den finsteren Gott Darkseid und seine Paradämonen-Armee. Gemeinsam mit den Helden Wonder Woman, Cyborg und Aquaman bilden sie zu siebt die Verteidigungslinie der Erde.

Johns und Lee inszenieren dieses erste Zusammentreffen der Liga als opulenten, atemlosen Action-Blockbuster, tiefer gehende Charakterisierung der Figuren sucht man dabei aber vergebens. Johns hat hier natürlich den Luxus, nicht allzu groß auf die Ursprünge eingehen zu müssen, da selbst Neueleser die Figuren wahrscheinlich kennen. Bis auf Cyborg sind alle Helden bereits voll etabliert, nur Victor Stone, traditionell Mitglied der Teen Titans und nicht der Justice League, erhält hier eine volle Origin, die mit dem Plot um dem angreifenden Darkseid verknüpft ist. Insgesamt wird der Charakterzeichnung der Figuren nicht allzu viel Platz eingeräumt und zudem wirken sie alle eher unsympathisch. Batman ist der typische grimmige Einzelgänger, Green Lantern kommt ziemlich arrogant rüber und Superman ist von seiner positiven Prä-Flashpoint-Interpretation relativ weit entfernt – er wirkt jünger (das Gesicht erinnert fast an Superboy) und deutlich aggressiver. Er ist nicht unbedingt der brütende Cavill-Superman, aber eben auch nicht der  optimistische Held, den man gemeinhin mit ihm assoziiert. Wonder Woman ist noch neu in der „Welt der Männer“ und wird von Johns recht naiv, aber kampfesfreudig gezeichnet, während Flash das wohl bodenständigste und sympathischste Mitglied des Teams ist. Cyborg wird primär über die Tragödie seiner Origin charakterisiert und muss lernen, mit seinem Schicksal klarzukommen (nicht, dass man ihm dazu besonders viel Zeit einräumen würde) und Aquaman stößt schließlich reichlich spät zum Team und kommt ebenfalls reichlich selbstgerecht und arrogant daher. Die insgesamt eher negative Charakterisierung der Figuren erinnert recht stark an Mark Millars „The Ulitmates“, eine Neuinterpretation der Avengers aus dem Jahr 2002.

Gerade im Vergleich zu Grant Morrisons JLA-Run (den zu loben ich nie müde werde) fällt leider negativ auf, wie wenig hier mit sechs Ausgaben eigentlich erreicht wird – was nicht bedeutet, dass „Justice League: Origin“ nicht durchaus kurzweilig und unterhaltsam wäre. Besonders die Interaktionen von Green Lantern und Batman sind ziemlich amüsant, vor allem, da sie einen gelungenen Payoff am Ende haben. Fast alle anderen Figuren kommen aber schlicht zu kurz, vor allem Aquaman stößt ziemlich unmotiviert zum Team. Leider lässt auch Darkseid seine übliche Raffinesse vermissen – der Herrscher von Apokolips funktioniert als Strippenzieher oder unbegreifliche Entität besser denn als offensiver Gegner, mit dem sich die Liga direkt prügelt.

Auf der visuellen Ebene hingegen ist „Justice League: Origin“ dank Jim Lee über jeden Zweifel erhaben, sofern man seinen Stil schätzt. Lee ist nicht ohne Grund einer der beliebtesten Zeichner des Business, seine Panels sind detailliert und dynamisch, die Figuren wirken zugleich überlebensgroß und menschlich. Die meisten Kritikpunkte, die ich habe, beziehen sich auf das New-52-Redesign der Figuren – Superman wirkt, besonders in Kombination mit seinem eher rüstungsartigen Aufzug, einfach zu jung. Auch der neugestaltete Darkseid will mir nicht unbedingt zusagen, sein aufwendiger gestaltetes Äußeres ist… zu viel. Gerade bei Darkseid ist weniger oftmals mehr.

Um nun am Ende noch zum Synder-Cut zurückzukehren: Allein bei der Inhaltsangabe zeigt sich schon, welche Elemente für Snyders „Justice League“ übernommen wurden. Da wäre zuerst der Grundplot, der Angriff auf die Erde durch die Horden von Apokolips. Im Film werden diese zwar von Steppenwolf angeführt, in letzter Konsequenz steckt aber natürlich immer Darkseid dahinter. Ich persönlich halte es tatsächlich für besser, Darkseid nicht selbst zum ersten Gegner der Liga zu machen, wenn man ihn schon als übergeordneten Schurken verwenden möchte. Im Rahmen der New 52 kam zwar ebenfalls Steppenwolf zum Einsatz, griff in der Serie „Earth 2“ allerdings besagte Parallelerde an. Auch Cyborgs mit dem Angriff verknüpfte Origin ist in Comic und Film ziemlich ähnlich, ebenso wie der Kampf der Ligisten gegen Superman, auch wenn der Kontext natürlich ein anderer ist.

Fazit: „Justice League: Origin“ ist als Neustart der Liga in Ordnung: Kurzweilig, actionreich, visuell opulent. Im Vergleich Grant Morrisons JLA-Run oder dem deutlich charakterfokussierteren „JLA: Year One“ kann „Origin“ aber leider nicht mithalten.

Bildquelle

Siehe auch:
JLA: New World Order
JLA: American Dreams

New 52: Batman 1

Dieser Artikel ist Teil des TDKR-Countdowns

Ah, ja, Reboot. Zur Zeit eine sehr beliebte Maßnahme in Hollywood, die vielleicht sogar bald das Remake ablösen wird. Wenn ein Franchise nicht mehr funktioniert oder nicht mehr genug Geld abwirft, wird es einfach wieder von vorn gestartet – interessanterweise funktioniert das meistens sogar. „Batman Begins“ hat es vorgemacht, „Casino Royale“ ist ein weiteres erfolgreiches Beispiel. Dieses Jahr ist Spider-Man an der Reihe, und nach dem Misserfolg von „Green Lantern“ plant Warner Bros. auch hier wohl schon einen Reboot. Im Comicbereich gibt diese Taktik allerdings schon länger. In den 80ern wucherte das DC-Universum, dank zahlreicher Parallelerden, über die absolut niemand mehr den Überblick behalten konnte, zu stark, weshalb sich der Verlag zu einem Einschnitt entschied: Mit der „Crisis on Infinte Earths“ entledigte man sich des Multiversums und schuf zum Teil neue Entstehungsgeschichten für die diversen Superhelden (die bekanntesten sind „Superman: The Man of Steel“ von John Byrne und Dick Giordano und „Batman: Year One“ von Frank Miller und Dave Mazuchelli). Seither hat DC derartige Aktionen in größerem oder kleinerem Umfang immer wieder veranstaltet („Zero Hour“, „Infinte Crisis“). Bei der letzten dieser realitäts- und kontinuitätsverändernden Krisen, „Flashpoint“, entschloss sich der Verlag zu einem sehr weitreichenden Schritt: Alle Serien, selbst „Action Comics“ und „Detective Comics“, die in absehbarer Zeit ihre tausendste Ausgabe erreicht hätten, wurden von vorn gestartet und die Kontinuität des DC-Universums in 52 neuen (bzw. neu gestarteten) Serien allgemein stark umgekrempelt. Mit anderen Worten: Nichts ist mehr sicher, alles ist möglich.
In diesem Monat hat der DC-Reboot auch die deutschen Lande erreicht (in den USA fand er bereits im Herbst des letzten Jahres statt), am 12. Juni ist das Sujet dieses Reviews, die neue Nummer 1 der deutschen Batman-Serie erschienen, welche die beiden ersten Ausgaben der US-Serie „Detective Comics“ enthält, geschrieben und gezeichnet von Tony Daniel.
Ich muss leider sagen, dass ich seit „Batman: R.I.P.“ irgendwie das Interesse an der bzw. den monatlichen Batman-Serien verloren habe. Mit Dick Grayson als Batman konnte ich mich nie so wirklich anfreunden, ebenso wenig wie mit dem Konzept von „Batman Inc.“ (Verbrechensbekämpfung als Franchise, Batmen auf allen Kontinenten). Zwar scheint einiges davon auch nach dem Reboot noch Gültigkeit zu besitzen, aber davon merkt man zumindest in diesem Heft noch nichts.
Werfen wir erst einmal einen Blick auf allgemeine Änderungen: Batman ist hier erst seit fünf oder sechs Jahren aktiv (im Gegensatz zu den 10+x Jahren vor dem Reboot), was man u.a. an den noch rot-braunen Haaren von Comissioner Gordon merkt (Einfluss von Nolans Filmen?). Auch Batmans Kostüm wurde verändert und sieht nun ein wenig mehr nach einem Körperpanzer aus (wohl ebenfalls auf die „Dark Knight Saga“ sowie die Arkham-Spiele zurückzuführen). Dick Grayson ist wieder Nightwing, Barbara Gordon Batgirl („The Killing Joke“ hat zwar stattgefunden, aber Barbara wurde dabei nur temporär gelähmt) und Tim Drake und Damian Wayne sind immer noch Red Robin bzw. Robin, sie tauchen in den ersten beiden Detective-Comics-Ausgaben allerdings alle nicht auf. Auch die Organisation Batman Inc. spielt glücklicherweise (noch) keine Rolle, denn mal ehrlich, als Einzelgänger mochte ich Batman immer am liebsten. Statt einer umfassenden Bat-Familie wird dem Leser eine spannende, wenn auch etwas konfuse Geschichte präsentiert, in der es Batman mit dem Joker und einem neuen Widersacher, dem Puppenmacher zu tun bekommt. Beide Schurken agieren darin eher wie Serienkiller, was mir ausnehmend gut gefällt, mit dem Joker als Gangsterboss hatte ich immer eher meine Probleme. Dazu gibt es noch einige Einblicke in das (Liebes-) Leben von Bruce Wayne, die ebenfalls recht gelungen sind. Tony Daniel liefert eine kurzweilige, recht blutige und düstere Geschichte im eher kleinen Rahmen und sorgt auch gleich noch für die passenden, atmosphärischen Zeichnungen, die mir sehr gut gefallen, allerdings nicht ganz an seine besten Arbeiten für „Teen Titans“ herankommen.
Fazit: Durchaus gelungener Neustart der Serie ohne unnötigen Ballast. Hoffen wir, dass es so bleibt und sich Autor Scott Snyder, der die US-Batman-Serie schreibt, ebenfalls etwas Anständiges Einfallen lässt.

Der TDKR-Countdown:
Prämisse
Batman Begins – Soundtrack
Batman Vampire
BB: Meltdown
Bane
The Dark Knight – Soundtrack
The Dark Knight Rises