Game of Thrones Staffel 4

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Eigentlich wollte ich mich ja gerade an den Überblicksartikel zur fünften GoT-Staffel machen, da ist mir aufgefallen, dass etwas Derartiges auch für Staffel 4 fehlt (am Ende meiner Rezension zur zehnten Episode besagter Staffel findet sich lediglich ein kurzes Resümee), weshalb das nun nachgereicht wird. Da das Zusammenfassen der Handlung ohnehin inzwischen zur Farce geworden ist, gehe ich dieses Mal ähnlich vor wie in meinen Artikeln zu den einzelnen Episoden, will heißen: Sortiert nach Handlungssträngen. Dem wird allerdings ein allgemeinerer Teil vorangestellt. Dabei bemühe ich mich, Staffel-5-Spoiler zu vermeiden.

Allgemeines zur Staffel
Insgesamt muss ich leider sagen, dass Staffel 4 nicht ganz auf dem hohen Niveau ist wie die Staffeln 1 bis 3, wobei man hier zweifelsohne differenzieren muss: Wenn Staffel 4 gut ist, ist sie richtig gut, ich wage sogar die Behauptung, dass sie einige der besten Momente der gesamten Serie enthält; „The Lion and the Rose“, die zweite Folge, in der die königliche Hochzeit stattfindet, gehört definitiv in meine Top 5. Leider gibt es nicht nur Höhen, denn nach einem verdammt starken Start offenbaren sich einige massive Probleme, die vor allem struktureller Natur sind und mit der Adaption der Vorlage zusammenhängen. „A Storm of Swords“, der dritte Band der Serie, wurde ja nicht, wie die ersten beiden Bände, in einer Staffel umgesetzt, sondern in zwei, und die negativen Auswirkungen dieser Entscheidung zeigen sich nun: Staffel 4 leidet sowohl unter der Struktur der Serie als auch daran, dass einige Handlungsstränge mehr „Fleisch“ haben als andere. Während es in King’s Landing beispielsweise noch mehr als genug Handlung für eine ganze Staffel gibt, müssen andere Handlungsstränge unnötig in die Länge gezogen werden. Genau hier wäre eine flexiblere Staffelstruktur wünschenswert gewesen. „A Storm of Swords“ hätte sich in meinen Augen entweder als längere Staffel mit 15 Folgen oder als zwei kürzere mit jeweils sieben Folgen am besten umsetzen lassen. Das ist letztendlich allerdings nichts, was man Benioff und Weiss vorwerfen könnte. So wie ich HBO einschätze, besteht der Sender auf einer zehn-Folgen-Staffel pro Jahr und wäre mit verkürzten Staffeln nicht einverstanden gewesen, während eine längere Staffel aus Produktions- und Budgetgründen schlicht nicht umzusetzen gewesen wäre.

Die Hochzeit von Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer)
Die Hochzeit von Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer)

Auch die typische Staffelstruktur erweist sich als problematisch: Bislang gab es in jeder ungeraden Staffel in der neunten Episode einen oder mehrere schockierende Todesfälle, während in den geraden eine Schlacht an einem Schauplatz gezeigt wurde. Staffel 4 folgt diesem Muster (bzw. dem Beispiel von Staffel 2) mit der Schlacht an der Mauer, was sich für den entsprechenden Handlungsstrang allerdings ebenfalls als eher unglücklich erweist.

Was Staffel 4 darüber hinaus auch schadet, sind einige Detailänderungen gegenüber der Vorlage, die jedoch massive Auswirkungen auf diverse Charaktere haben und dafür sorgen, dass die Entwicklung problematisch oder die Tiefe und Glaubwürdigkeit unnötig reduziert wird.

King’s Landing
Schon in den Staffeln 1 bis 3 war King’s Landing so etwas wie das inoffizielle Zentrum der Handlung; hier waren stets die meisten wichtigen Figuren an einem Ort und interagierten miteinander. Auch in Staffel 4 ist dies der Fall; im Großen und Ganzen ist dieser Handlungsstrang derjenige, der am besten und überzeugendsten umgesetzt wird, gerade weil noch genug passiert, um eine ganze Staffel zu füllen. Fast alle Highlights der Staffel finden an diesem Schauplatz statt; in erster Linie sind hier vor allem die königliche Hochzeit, Tyrions Prozess und Oberyn Martell in seiner Gesamtheit zu nennen. Die beiden größten Probleme sind Jaime und Cersei, deren Entwicklung und Verhältnis in dieser Staffel sinnlos mäandert (wir erinnern uns an diese Kontroverse, die zu dem, was da alles in Staffel 5 passiert ist, nun relativ harmlos erscheint) und die sich in der Gegenwart des anderen ziemlich out of character verhalten, sowie die Umsetzung des finalen Tyrion-Kapitels, dem Benioff und Weiss gewissermaßen die Zähne gezogen haben, als hätten sie Angst, Tyrion könne dem Zuschauer zu unsympathisch werden. Dennoch, insgesamt betrachtet gefällt mir die Umsetzung all dessen, was in der Hauptstadt passiert, am besten, was nicht zuletzt auch damit zusammenhängt, dass alles einen natürlichen Fluss hat und sich nicht ausgedehnt anfühlt.

Letztendlich könnte das auch damit zusammenhängen, dass sich in King’s Landing ein letztes Mal die darstellerische Crèmè de la Crèmè der Serie fast komplett versammelt, von Peter Dinklage über Charles Dance, Diana Rigg, Pedro Pascal, Natalie Dormer, Gwendoline Christie (zumindest am Anfang) und so weiter.

Tyrion (Peter Dinklage) wird des Königsmordes angeklagt
Tyrion (Peter Dinklage) wird des Königsmordes angeklagt

Natürlich verlassen die diversen wichtigen Figuren in dieser Staffel King’s Landing nach und nach auf die eine oder andere Weise. Während Joffrey das Zeitliche segnet, brechen Sansa und Littlefinger gen Eyrie auf – ein weiterer Subplot, der zwar recht stark reduziert ist, aber im Großen und Ganzen noch funktioniert, auch wenn Sansas Wandlung ein wenig überbetont wurde.

Die Flusslande
Ab hier wird es schon ein wenig problematisch. In Staffel 4 gibt es zwei Pärchen, die durch die Flusslande wandern und sich am Schluss, im Staffelfinale begegnen: Das wären zum einen Brienne und Podrick und zum anderen Arya und Sandor Clegane. Das Interessante an dieser Angelegenheit ist, dass der Trip des einen Pärchens massiv verkürzt , während der des anderen ausgedehnt wurde. In „A Storm of Swords“ haben Arya und Clegane nach der Roten Hochzeit nicht mehr viel zu tun, die Szene im Gasthaus aus „Two Swords“ findet mit minimalen Abweichungen auch im Roman statt, dabei wird Clegane verletzt und wir springen im Grunde direkt zu den Ereignissen, die in „The Children“ thematisiert werden. Das heißt, Aryas und Sandors Wanderung musste um eine ganze Staffel ausgedehnt werden, und in meinen Augen merkt man das auch, da sie gefühlt immer wieder dasselbe Gespräch führen und Arya mit kleinen Abweichung mindestens zwei, drei Mal die gleiche Lektion lernt.

Briennes und Pods Weg stamm dagegen bereits aus „A Feast for Crows“ und wurde gegenüber der Vorlage sehr stark vereinfacht, da die beiden auf ihrem Weg einigen neuen und alten Charakteren begegnen, u.a. Gendry, Rorge und Beißer (die in der Serie von Arya und dem Bluthund erledigt werden) und Sams Vater Randyll Tarly. Trotzdem erscheint ihr Handlungsstrang weniger redundant als der des anderen Pärchens, was auch damit zusammenhängen könnte, dass sie nicht eine ganze Staffel umherwandern, sondern nur eine halbe.

Brienne (Gwendoline Christie) kämpft gegen den Bluthund (Rory McCann)
Brienne (Gwendoline Christie) kämpft gegen den Bluthund (Rory McCann)

Die endgültige Begegnung beider Pärchen entstammt ebenfalls nicht der Vorlage. Ich kann gut verstehen, weshalb Benioff und Weiss sich dafür entschieden haben, gleichzeitig wirkt sie dann aber doch ziemlich unwahrscheinlich und geht am eigentlichen Zweck des Ganzen vorbei: Vor allem bei Brienne und Pod zeigt sich, welche Schäden der Krieg hatte und wie er sich auf das gemeine Volk auswirkte, etwas, das in der Serie kaum angerissen wird. Letztendlich lässt sich hier folgendes (in dieser Besprechung noch öfter auftauchendes) Urteil ziehen: Die Flusslande sind halblebig umgesetzt und hätten entweder mehr oder weniger Zeit benötigt; entweder braucht es radikalere Kürzungen oder mehr Zeit, um der Komplexität der Situation gerecht zu werden.

Dreadfort
Die Geschichte um Theon Greyjoy und Ramsay Snow war in Staffel 3 ziemlich ermüdend, weil es im Grunde immer nur körperliche und psychische Zermürbung gab. In Staffel 4 bessert sich das, weil sich der Handlungsstrang tatsächlich von A nach B bewegt. Im Grunde ist es freilich nicht mehr Theons Geschichte, sondern Ramsays: Er ist derjenige, der einen Auftrag von seinem Vater erhält und am Ende dafür belohnt wird. Auf recht verdrehte Weise erlebt Ramsay hier etwas, das der klassischen Heldenreise ähnelt, um am Ende die Anerkennung seines Vaters zu ernten. Natürlich steht letztendlich trotzdem Theon irgendwie im Fokus, aber er bleibt Wrack und fungiert als reine Spielfigur. Interessanterweise funktioniert das ganz gut, was auch daran liegen könnte, dass das Meiste trotz allem auf Elementen aus „A Dance with Dragons“ basiert. Das kurze Intermezzo mit Yara/Ahsa und den Ironborn ist freilich ebenso nutzlos wie unlogisch und dient lediglich dazu, ein wenig Action unterzubringen und den Zuschauer daran zu erinnern, dass diese Figur noch existiert, aber darüber kann man großzügig hinwegsehen.

Meereen
Daenerys‘ Handlungsstrang in dieser Staffel ist praktisch zweigeteilt: Die erste Hälfte beschäftigt sich mit ihrer Eroberung von Meereen, die zweite mit der Etablierung ihrer Herrschaft und den Schwierigkeiten, die sie dabei hat. Auch hier gibt es das eine oder andere Problem, nicht so gravierend wie in den Flusslanden, aber dennoch. Ich muss zugeben, schon in den Romanen ist Meereen nicht unbedingt mein liebster Handlungsort, und die Serie macht das leider nicht besser. Der grundsätzliche Verlauf (Benioff und Weiss bedienen sich hier auch wieder bei „A Dance with Dragons“) bleibt intakt, Daenerys lernt, dass es weitaus schwieriger ist, eine Stadt zu regieren als eine zu erobern. Allerdings wird die Komplexität stark reduziert; das allein wäre weniger problematisch, allerdings wirken die Daenerys-Szenen zu fragmentiert, um wirklich zu einem Handlungsstrang zusammenzuwachsen, und dann sind da noch die Fokusprobleme: Wo man die Söhne der Harpyie hätte vorbereiten können, dichtet man Grey Worm und Missandei lieber eine Romanze an.

Die Mauer
Den Handlungsstrang mit dem größten Strukturproblem habe ich mir für den Schluss aufgehoben (Bran und Co. sind hier integriert). An dem, was Jon Snow in dieser Staffel so treibt, zeigt sich zum ersten Mal die Schwäche der GoT-Staffel-Struktur. Die große Schlacht, die eine ganze Episode in Anspruch nimmt, hat in Staffel 2 toll funktioniert, hier jedoch… Man verstehe mich nicht falsch, die Episode selbst, „Watchers on the Wall“, gehört zu den Highlights der Staffel, aber ansonsten ist der Jon-Snow-Handlungsstrang höchst redundant, was vor allem damit zusammenhängt, dass man Jon, Sam und den Rest der Nachtwache beschäftigen muss, bis die Wildlinge eintreffen. Dieses Problem gibt es im Roman nicht, da es kein Doppelangriff ist, bei Martin attackieren zuerst die Wildlinge, die sich südlich der Mauer befinden, und dann erst greift Mance Rayders Armee von Norden an. Betracht man „Watchers on the Wall“ separat, dann funktioniert der Doppelangriff sehr gut, aber es handelt sich hier nun einmal um eine Serie, in der die Folgen eben gerade nicht separat stehen, weshalb die Zusammenlegung der Staffel insgesamt schadet. Damit Jon und Co. nicht eine Staffel lang nur herumsitzen müssen, dürfen sie nach Norden aufbrechen, um die Meuterer zu bekämpfen, die sich in Craster’s Keep eingenistet haben und ganz zufällig gerade Bran, Hodor, Meera und Jojen gefangen genommen haben, sodass es zu einer weiteren Beinahebegenung kommt. Das Ganze ist leider reines Füllmaterial, hat keinerlei Auswirkungen auf die Figuren, wirkt höchst unglaubwürdig und ist nicht einmal unterhaltsam. Der Sam/Gilly-Subplot, in dessen Rahmen Sam seine Angebetete in einem Bordell in Molestown unterbringt, damit sie nicht von den schwarzen Brüdern vergewaltigt wird (wie hirnverbrannt ist das denn?), ist ähnlich redundant. Insgesamt haben Benioff und Weiss einer wirklich gelungenen Folge einen kompletten Staffel-Handlungsstrang geopfert.

Ygritte (Rose Leslie) stirbt in Jon Snows (Kit Harrington) Armen
Ygritte (Rose Leslie) stirbt in Jon Snows (Kit Harrington) Armen

Zum Abschluss noch ein Wort zu Stannis, bei dem es ähnliche Probleme gibt; diese sind aber weniger gravierend, weil das Füllmaterial weniger Platz einnimmt. Und anders als bei Jon Snow gibt es hier kein Material, das die Serienautoren hätten umverteilen können. Stannis hat in dieser Staffel bis zu seinem Auftauchen an der Mauer kaum Mehrwert, was aber letztendlich verzeihlich ist, da er im Vergleich zu Jon Snow doch eher sekundär ist.

Fazit: Staffel 4 von „Game of Thrones“ erweist sich als bisher zwiespältigste Staffel der Serie mit den größten Qualitätsschwankungen. Hier stehen Serienhighlights neben strukturell und inhaltlich bisher nicht gekannten Tiefpunkten.

Mockingjay Teil 1

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Story: Nach den Ereignissen der 75. Hungerspiele befindet sich Katniss (Jennifer Lawrence) nun in der Untergrundbasis der Rebellen in Distrikt 13, welche die diktatorische Herrschaft des Kapitols bekämpfen. Dies soll allerdings nicht nur durch Kampfhandlungen, sondern auch durch Propaganda geschehen. Aus diesem Grund wollen Präsidentin Alam Coin (Julianne Moore) und Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) Katniss zur Galleonsfigur ihres Aufstands machen. Präsident Snow (Donald Sutherland) bleibt derweil allerdings auch nicht untätig, hat er doch Peeta (Josh Hutcherson) in seiner Gewalt…

Kritik: Teile und herrsche ist auch in Hollywood ein beliebter Grundsatz, besonders, wenn es dabei um die Adaption des letzten Bandes von erfolgreichen Jugendbuchreihen geht. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ hat es vorgemacht, und so gut wie alle anderen machen es nach. Da dürfte es niemanden verwundern, dass diese Praxis auch bei „Mockingjay“, dem Finale von Suzanne Collins‘ Hunger-Games-Trilogie zur Anwendung kommt. Ob diese Entscheidung letztendlich richtig war, wird man zwar ohnehin erst feststellen können, wenn „Mockingjay Teil 2“ in die Kinos kommt. Bis dahin bleibt allerdings zu sagen, dass sich „Mockingjay Teil 1“, zumindest für mich, nur wie der erste Akt eines Films anfühlt. Ein guter und ziemlich langer erster Akt, aber nichtdestotrotz fühlt sich dieser Film unvollendeter an als beispielsweise „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“, wenn auch mit Abstand nicht so sinnlos wie „Breaking Dawn Teil 1“.
Davon einmal abgesehen ist „Mockingjay Teil 1“ allerdings durchaus gewagt. Die Abenteuer- und Fantasy-Elemente der ersten beiden Teile, etwa die Arenen, Gen-veränderte Affen und Hunde etc., fehlen in diesem Teil vollkommen. Ebenso verhält es sich mit der Action, bis auf ein, zwei Szenen gibt es davon eigentlich keine. Schon die anderen beiden Filme der Serie nahmen sich ziemlich ernst, „Mockingjay Teil 1“ steigert dies alles noch. Zu großen Teilen liegt das auch daran, dass der Film fast ausschließlich entweder in der unterirdischen Rebellenbasis oder in Kriegsgebieten spielt, es gibt nur einige wenige Einspielungen aus dem Kapitol. Wie schon zuvor liegt der Fokus stark auf Katniss. Erfreulicherweise ist sie im Film allerdings weit weniger passiv und traumatisiert als im Roman. Es ist ja durchaus löblich, dass Suzanne Collins versucht, Katniss‘ Trauma realitätsnah wiederzugeben, aber trotzdem sollte der Unterhaltungswert dabei nicht verloren gehen.
Dennoch ist „Mockingjay Teil 1“ fraglos ernst und bedrückend genug. Der politische Kontext des Ganzen, die Wirkung von Medien und Propaganda, wurde noch einmal erhöht, und hierbei handelt es sich auch um die gelungensten und interessantesten Teile des Films. Dass „Mockingsjay Teil 1“ den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen vermag liegt nicht zuletzt auch an den hervorragenden Darstellern, allen voran Julianne Moore und Natalie Dormer, die beiden wichtigsten Neuzugänge, als Alama Coin und Regisseurin Cressida. Vor allem Erstere ist ein interessanter Fall, Coin macht eine eindeutige Wandlung durch, wobei die dunklen Seiten der Figur, die erst im nächsten Film zutage treten werden, bereits subtil angedeutet werden.
Ansonsten gehört dieser Film eindeutig Jennifer Lawrence, die vollauf zu überzeugen weiß. Auch Josh Hutcherson, der dieses Mal sehr viel weniger Leinwandzeit hat, schafft es als Peeta, den konstanten körperlichen und psychischen Verfall seiner Figur hervorragend darzustellen. Und ich denke, es ist fast schon müßig zu ewähnen, wie gut Donald Sutherland, Woody Harrleson und der leider verstorbenen Philip Seymour Hoffman in ihren Rollen abermals sind. Auch Elizabeth Banks als Effie darf wieder glänzen – erfreulicherweise wurde ihre Rolle gegenüber der Buchvorlage, in der sie nur einen kleinen Auftritt hat, stark vergrößert. Lediglich Liam Hemsworth, dessen Rolle dieses Mal recht groß ausgefallen ist, gelingt es einfach nicht, seine Figur passend darzustellen und mit seinen Kollegen mitzuhalten. Das sorgt leider auch dafür, dass der Katniss/Gale-Subplot nicht so recht funktionieren will und zum schwächsten Aspekt des Films wird.
Nun bleibt abzuwarten, wie der erste Teil des Hunger-Games-Finales in Kombination mit dem zweiten wirkt und ob sich beide zusammen wie ein vollständiger Film anfühlen.
Fazit: Der erste Teil des Finales der Hunger-Games-Serie ist, vor allem dank der großartigen Schauspieler und der ernsten, aber gut umgesetzten Thematik im Großen und Ganzen gelungen, fühlt sich aber nicht vollständig an, besonders das Ende wirkt recht willkürlich gesetzt. Ob die Teilung nun wirklich nötig war, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen.

Trailer

Siehe auch:
The Hunger Games
Catching Fire

GoT: Oathkeeper

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Wie schon „Breaker of Chains“ löste auch „Oathkeeper“ einige heftige Diskussionen aus, vor allem unter Buchlesern. Während die Episode der letzten Woche allerdings in erster Linie negativ aufgenommen wurde, sind die Meinungen dieses Mal sehr gespalten. Der Grund: „Oathkeeper“ dürfte die Episode sein, die sich inhaltliche am weitesten von der Vorlage entfernt (fast die gesamte zweite Hälfte enthält „serieneigenes“ Material), und nicht nur das, sie beinhaltet bereits Material, das (vermutlich) aus „The Winds of Winter“ stammt.
Insgesamt war „Game of Thrones“ bisher eine ziemlich genau Adaption der Vorlage. Natürlich gibt es immer Buchpuristen, die an jeder kleinen Änderung herummeckern, aber wenn man Serien wie „True Blood“ oder „The Walking Dead“ zum Vergleich heranzieht, hält sich die Serie sehr genau an Martins Romane (wobei es am anderen Ende des Spektrums durchaus auch Zuschauer gibt, die sich den Ansatz der beiden oben erwähnten Serien wünschen). Ich persönlich denke trotz allem, dass die Abweichungen letztendlich wieder zum Romaninhalt zurückführen und nicht in eine völlig andere Richtung gehen werden, so ähnlich wie das beispielsweise bei Gendrys Besuch auf Dragonstone war: Das Ziel ist dasselbe, nur der Weg ist ein wenig anders. Trotzdem gibt „Oathkeeper“ durch das Ende bereits einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie es sich anfühlen könnte, wenn George R. R. Martin „The Winds of Winter“ nicht rechtzeitig beendet. Einigen Buchlesern hat das gar nicht gefallen, schon allein, weil man unerwartet gespoilert wird, und vielleicht auch ein wenig, weil dadurch der Wissensvorsprung verloren geht. Viele andere fanden die Episode allerdings gerade aus diesen Gründen gelungen, da sie sich zum ersten Mal wirklich überraschen lassen konnten. Ich persönlich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die letzte Szene nicht zumindest sehr interessant ist.
Der Titel der Folge ist wieder einmal recht mehrdeutig, in erster Linie bezieht er sich auf Briennes neues Schwert und dessen symbolische Bedeutung, aber auch Karl hält einen Eid ein…

Meereen
Ein weiteres Mal fängt eine Folge dort an, wo die letzte endete, allerdings in einem etwas intimerem Rahmen: Missandei unterrichtet Grauer Wurm in der Gemeinen Zung – beide verspüren darüber hinaus starke Sympathie für einander – oder sogar mehr (ich glaube, es gibt schon Shipper)?
Der Angriff auf Meereen wird fortgesetzt, und spielt sich dabei recht ähnlich ab wie im Roman, nur sehr stark vereinfacht. Bei Martin dringen Ser Jorah, Ser Barristan (auf beide ist Daenerys zu diesem Zeitpunkt ziemlich wütend) und der starke Belwas, zusammen mit einigen anderen, durch die Kanalisation in die Stadt ein und regen die Sklaven zu einem Aufstand an, während der Rest von Danys Armee die Stadt belagert und mit Rammböcken die Tore öffnet. In der Serie dagegen infiltrieren lediglich Grauer Wurm und einige andere Unberührte die Stadt und ermutigen die anderen Sklaven zum Aufstand – wobei das alles ziemlich schnell und scheinbar einfach vonstatten geht.
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Daenerys (Emilia Clarke) überblickt Meereen

Die eigentlich Eroberung geschieht offscreen, was einerseits wohl auch aus Budgetgründen so ist, und andererseits im Buch ebenfalls der Fall ist, da das Ganze aus Daenerys Sicht geschildert wird, die beim eigentlichen Blutvergießen nicht anwesend ist. Die Bestrafung der ehemaligen Herren von Astapor passiert auf ähnliche Weise wie in der Vorlage, allerdings werden sie im Roman nicht entlang der Straße gekreuzigt, sondern auf dem großen Platz von Meereen, wo jeder auf den nächsten zeigt. Es ist noch erwähnenswert, dass Buch-Daenerys das später bereut und dass Emilia Clarke diese Strafe ebenfalls für keine gute Idee hält. Die Söhne der Harpyie, die sich sicher bald zu Wort melden, dürften jedenfalls nicht begeistert sein.

Auf dem Weg zur Eyrie
Ungeschickt, wenn alle zur Eyrie wollen, da Sandor und Arya in dieser Folge aber nicht vorkommen und Littlefinger und Sansa in der nächsten Folge ihr Ziel erreichen (der Abstecher zu den Fingers wird wohl allerdings gestrichen werden, er ist aber auch nicht wirklich essentiell), kann man das noch akzeptieren. Auf Littlefingers Schiff gibt es noch ein kurzes Intermezzo, bei dem endgültig die Antwort auf die Frage, wer für Joffreys Tod verantwortlich ist, gegeben wird – für alle, die es nach letzter Folge immer noch nicht herausgefunden haben. Während Littlefinger von seinen neuen Freunden spricht, zeigt die Kamera bereits Olenna und Margaery. Außerdem gibt Olenna ein paar Minuten später zu, dass sie es war.

King’s Landing
In „Oathkeeper“ ist der King’s-Landing-Anteil dieses Mal um einiges kleiner als in den letzten drei Episoden, und interessanterweise steht fast ausschließlich Jaime im Mittelpunkt. All diese Szenen mit ihm wären exzellent, wäre da nicht dieser kleine Vorfall in der letzten Episode gewesen. Wie ich erwartet hatte, wird die Vergewaltigung praktisch ignoriert, was fürchterlich inkonsequent daherkommt. Am deutlichsten wird dies im Gespräch zwischen Cersei und Jaime, denn die beiden unterhalten sich, als wäre nichts passiert; ihr Verhälnis scheint sich nicht verändert zu haben. So, wie sie ist, hätte diese Szene gepasst, wenn Jaime sich in der letzten Folge nach der Frage, weshalb er eine hasserfüllte Frau liebt, einfach umgedreht und die Septe verlassen hätte oder der Sex einvernehmlich gewesen wäre. War besagte Szene in der letzten Episode völlig an Jaimes Charakterisierung vorbei, so stimmt die Szene in dieser Episode absolut nicht mit Cerseis etablierter Persönlichkeit überein. Um einmal Tyrion zu zitieren: „Cersei is as gentle as King Maegor, as selfless as Aegon the Unworthy, as wise as Mad Aerys. She never forgets a slight, real or imagined. She takes caution for cowardice and dissent for defiance.” Sich nach so etwas einfach ruhig mit ihrem Bruder zu unterhalten ist völlig out of character für eine Figur, die über die letzten drei Staffeln hinweg als unglaublich nachtragend charakterisiert wurde, schon allein, weil das eine „normale“ Person mit ziemlicher Sicherheit nicht tun würde, geschweige denn Cersei Lannister.
Ebenso bei Jaime: In dieser Folge verhält er sich (wenigstens für seine Verhältnisse) wieder äußerst sensitiv und sympathisch, bei Cersei ist er derjenige der einsteckt, er ermuntert Tyrion (im Roman hat er seinen Bruder nicht in der Zelle besucht) – das ist nicht vielschichtig, das ist schlampig charakterisiert, und ich stimme da mit vielen anderen überein, dass es sich bei der Vergewaltigung um den wohl bisher größten Fehltritt der Serie handelt (und das selbst, wenn man alle andere Faktoren, die zum Online-Aufschrei geführt haben, außer acht lässt), was wirklich schade ist, da es an einer Szene hängt, die gerade einmal fünf Minuten geht. Und letztendlich läuft das Ganze auch einem grundsätzlichen Thema von Martins Romanen zuwider: Handlungen haben Konsequenzen.
Davon unabhängig ist die Abschiedsszene mit Jaime und Brienne wirklich außerordentlich gut gelungen und fast schon niedlich, wenn auch beide ein wenig höflicher zueinander sind als im Roman. Dafür fehlt aber Podricks „Ser Milady“ nicht.
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Margaery (Natalie Dormer), Tommen (Dean-Charles Chapman) und Ser Pounce

An anderer Front planen die Tyrells schon ihre nächsten Schritte. Leider stellt Lady Olenna in Aussicht, nach Highgarden zurückkehren, was wohl bedeutet, dass sie auch aus der Serie (zumindest vorläufig) verschwindet, was ich absolut nicht gutheißen kann. Sie ermuntert Margaery, sich gleich an Tommen heranzuschmeißen, damit sie und nicht Cersei ihn kontrollieren kann.
Der folgende erste Versuch ist allerdings ein wenig merkwürdig. Grundsätzlich wäre diese Szene gelungen (immerhin taucht hier erstmals Fanliebling Ser Pounce auf), wären da nicht die Umstände. Dass Margaery nachts bei Tommen auftaucht wirkt einerseits unnötig zweideutig und ist andererseits recht unlogisch, nachdem Cersei erst kurz zuvor angeordnet hat, dass die Wachen verdoppelt werden (oder hatte sie Hilfe von Varys?). Mit anderen Worten: Diese Szene wäre sehr gut gelungen, hätte sie einen anderen Kontext gehabt.

Castle Black
Jon hat es sich zur Aufgabe gemacht, die neuen Rekruten zu trainieren. Unter diesen findet sich nun auch Locke, der ganz sympathisch rüberkommen kann, wenn er das will, und der beweist, dass er ein ganz guter Menschenkenner ist – jedenfalls weiß er, wie er mit Jon reden muss.
Es wird auch noch einmal deutlich, dass die Rollen von Ser Alisser und Janos Slynt in der Serie praktisch vertauscht sind, da Slynt in den Romanen derjenige ist, der den Ton angibt, während Thorne eher eine beratende Funktion inne hat. Letztendlich wird sich vermutlich Thorne zur Wahl zur des neuen Lord Commander aufstellen lassen und nicht Slynt.
Ab diesem Zeitpunkt beginnen sich die Änderungen stärker auszuwirken, denn in der Tat wird nun ein Ausflug zu Crasters ehemaligem Wohnsitz in die Wege geleitet, da Thorne und Slynt hoffen, auf diese Weise Jon Snow loszuwerden. Und natürlich kommt Locke ebenfalls mit, da er Jon und Sam belauscht hat, die überlegen, ob Bran wohl bei Craster Halt gemacht hat.

Nördlich der Mauer
Im letzten Drittel dieser Episode bewegt sich die Serie noch weiter von den Romanen weg. Bei Craster haben sich die Meuterer inzwischen eingerichtet. Karl Tanner, der in der dritten Staffel Craster tötete, hat sich als ihr Anführer etabliert und trinkt nun aus Mormonts Schädel. Die Szene, die die Grausamkeit der Meuterer illustrieren soll, ist dabei in mehr als einer Hinsicht problematisch. Nach der kontroversen Episode der letzten Woche sind mehrere graphische Vergewaltigungen nicht unbedingt die beste Idee (wobei man zugegebenermaßen wahrscheinlich kaum die Episode in wenigen Tagen umschneiden kann, aber auch so ist es unnötig), außerdem zieht sich das Ganze viel zu lang und es gibt Logikprobleme: Warum töten die Meuterer Ghost und Summer nicht einfach? Darüber hinaus offenbart sich eine Tendenz dieser Staffel gerade hier noch einmal besonders stark. „Game of Thrones“ wird von Grautönen bestimmt (bei der Vorlage ist das noch stärker der Fall), es gibt nur wenige Figuren, die wirklich durch und durch und ohne Abstufung böse sind, etwa Joffrey, Gregor Clegane oder Ramsay Snow/Bolton. Staffel 4 fügt diesen Buchcharakteren mit dem Magnar von Thenn (der im Roman zwar vorkommt, aber kein sadistischer Kannibale ist) und nun Karl weitere hinzu, was ich für kontraproduktiv halte – und selbst Figuren, die eigentlich Sympathieträger sind, werden unnötigerweise verdunkelt, allen voran Jaime und, in geringerem Ausmaß, Ygritte, als wollten Benioff und Weiss verhindern, dass der Zuschauer zu sehr mit ihnen sympathisiert.
In welche Richtung sich das Ganze entwickelt, nachdem die Meuterer Bran und Kompanie gefangen genommen haben, lässt sich bereits abschätzen, und leider befürchte ich, dass das dieser Handlungsstrang letztendlich in einer inhaltlich ziemlich unnötigen Streckung gipfeln wird, die weder Figuren noch Handlung in irgendeiner Art und Weise voranbringt. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
nightking
Der Anführer der Weißen Wanderer (Richard Brake)

Der wirklich interessante Teil folgt erst nach der Gefangennahme der Reeds: Ein Weißer Wanderer bringt Crasters letztes Kind in das Land des Ewigen Winters hoch im Norden, dort wo die Weißen Wanderer wohnen. Besagtes Baby wird vom Chef-Wanderer berührt, wodurch es eisblaue Augen bekommt, somit erfahren wir, wie die Wanderer für Nachwuchs sorgen. Zugegebenermaßen fand ich diese Szene nicht ganz so revolutionär wie einige andere, der hohe Norden ist zwar in der Tat Neuland, am im Großen und Ganzen wurde hier aber nur etwas bestätigt, das die Romane bereits andeuten und das die Fans bereits seit langem vermuteten (Crasters Söhne dienen Nachwuchs für die Wanderer). Beinahe interessanter ist die Tatsache, dass der Anführer der Weißen Wanderer (der aufgrund der Hörner bereits den Spitznamen „Darth Walker“ bekommen hat) im Promomaterial von HBO als „Night King“ bezeichnet wird. Bei diesem handelt es sich um eine mythische Figur in Westeros, der der dreizehnte Lord Commander der Nachtwache war, sich in eine Weiße Wanderin (ja, das ist die korrekte feminine Form) verliebte, sich zum Nachtkönig krönte und allerhand Grausamkeiten beging, bevor er vom König des Nordens und dem König jenseits der Mauer besiegt wurde. Diese Bezeichnung wurde inzwischen wieder entfernt, aber dennoch stellt sich die Frage, ob er Chef der Weißen Wanderer in der Tat mit jenem Nachtkönig identisch ist, oder ob da nur jemand einen falsche Beschreibung verfasst hat. Außerdem würde mich interessieren, wie eine Weiße Wanderin aussieht.

Fazit: „Oathkeeper“ hätte eine wirklich gute Folge werden können, gäbe es da nicht ein paar unschöne „Wenns“ in Form von Logiklöchern, unnötigen Dehnungen und dem Fehltritt der vorangegangenen Episode.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

GoT: The Lion and the Rose

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Es wird wieder geheiratet – und inzwischen weiß auch jeder, dass Hochzeiten in Westeros eine äußerst delikate Angelegenheiten sind.
Der Titel der Episode, „The Lion and the Rose“, bezieht sich selbstverständlich auf besagte Hochzeit, in der die Häuser Lannister und Tyrell ihr Bündnis endgültig besiegeln. Zudem spiegelt er den Titel der fünften Episode aus Staffel 1 wieder: „The Wolf and the Lion“. Möglicherweise lässt sich aus dieser Parallele bereits eine Andeutung herauslesen. In der Staffel-1-Episode wird der Löwe zuletzt genannt und geht aus der Konfrontation als Sieger hervor. In dieser Episode wird die Rose zuletzt genannt…
Wie bei jeder Staffel stammt auch dieses Mal wieder eine Episode – diese hier – aus der Feder von George R. R. Martin persönlich. Interessanterweise befand sich die Martin-Episode bisher immer in der zweiten Hälfte der Staffel; „The Pointy End“ war Episode 8 von Staffel 1, „Blackwater“ Episode 9 von Staffel 2 und „The Bear and the Maiden Fair“ Episode 7 von Staffel 3. Warum Martins Episode dieses Mal allerdings so früh kommt, ist nicht schwer zu verstehen. Während ich „The Bear and the Maiden Fair“, zumindest unter Anbetracht der Tatsache, dass sie vom Schöpfer der Welt von Eis und Feuer verfasst wurde, eher enttäuschend fand, bewegt sich „The Lion and the Rose“ qualitativ wieder in Richtung „Blackwater“ – nach wie vor meine Lieblingsepisode der gesamten Serie. Während die erste Hälfte von „The Lion and the Rose“ wie eine gewöhnliche GoT-Episode mit wechselnden Schauplätzen strukturiert ist, konzentriert sich die zweite Hälfte ausschließlich auf Joffreys Hochzeit und läuft in Echtzeit ab – eine gelungene Taktik, die vollständig aufgeht und an die Intensität von „Blackwater“ erinnert, wenn auch auf andere Weise.

Dreadford
Wie erwartet werden in dieser Episode einige Handlungsstränge ausgeklammert (Wildlinge, Nachtwache, Daenerys), während diejenigen, die in „Two Swords“ fehlten, dieses Mal zumindest angeschnitten werden. Wir beginnen an der Dreadford, wo Ramsay einem seiner Hobbys nachgeht: Der Jagd. Statt Wild jagt der Bastard von Bolton allerdings lieber junge Frauen. Das Bauernmädchen Tansy (Jazzy de Lisser) wird von seinen Hunden gehetzt, während Ramsay in Begleitung der Bogenschützin Myranda (Charlotte Hope; Myranda war auch eine der beiden Frauen, mit denen Ramsay Theon in der dritten Staffel quälte) den Tag im Wald genießt. Ebenfalls mit von der Partie ist Theon Greyjoy, nun besser bekannt als Reek und völlig gebrochen, der als humpelnder Jagdgehilfe herhalten muss.
Ramsays Vorliebe für die Jagd wird in den Romanen des Öfteren erwähnt, in „A Dance with Dragons“ erinnert sich Theon an eine versuchte Fluch mit einer seiner früheren Bettwärmerinnen, die ähnlich endet. Die Frauen, die Ramsay eine gute Jagd liefern, werden von ihm vergewaltigt, ermordet und anschließend gehäutet (und sie liefern die Namen für neue Hunde), während die anderen lebendig gehäutet werden. Ja, Ramsay Snow ist ein angenehmer, vollkommen ausgeglichener Mensch.
Obwohl einige dieser Details hier keine Verwendung finden (Tansy wird von den Hunden zerfleischt), dürfte dennoch inzwischen sehr eindeutig sein, was für ein Monster Ramsay Snow ist – in der Tat gehört er zu den wenigen Charakteren, denen man wirklich keinerlei Sympathie entgegen bringen und die man genüsslich hassen kann – möglicherweise wird er als Ersatz für einen gewissen anderen derartigen Charakter aufgebaut, für den in dieser Episode der Vorhand fällt.
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Ramsay (Iwan Rheon) und Myranda (Charlotte Hope)

Kurz nach der Jagd kommt Roose Bolton an der Dreadford an, wobei wir gleich seine Ehefrau, die fetteste Tochter von Lord Walder Frey kennen lernen. Ramsay verhält sich gegenüber Walda Bolton (Elizabeth Webster) geradezu beängstigend freundlich. Auch mit Locke versteht er sich blendend, was allerdings niemanden wundern dürfte – Brüder im Geiste.
Roose Bolton dagegen ist von den Aktionen seines Sohnes nicht unbedingt begeistert, da er der Meinung ist, dass Theon unverletzt wertvoller gewesen wäre, und er erinnert Ramsay daran, dass er kein Bolton, sondern ein Snow ist. Allerdings hat Theon noch Informationen, die für Roose, der nun von Tywin Lannister zum Wächter des Nordens ernannt wurde, sehr nützlich sind: Bran und Rickon Stark leben noch.
Wie ich gehofft hatte, bewegt sich dieser Handlungsstrang, der in Staffel 3 ziemlich auf der Stelle trat, nun endlich. Vor allem die Szene, in der Theon Ramsay rasiert, ist sehr gut gelungen, nicht zuletzt wegen des überzeugenden Spiels (bzw. Zusammenspiels) von Michael McElhatton, Alfie Allen und Iwan Rheon. Es ist eine absolute Machtdemonstration: Theon hat das Rasiermesser an Ramsays Kehle, während dieser ihm erzählt, dass Robb Stark tot ist. Und dennoch ist Theon psychisch derart verstümmelt, dass er nicht in der Lage ist, die Gelegenheit zu nutzen.
Anschließend wird noch der weitere Verlauf dieses Subplots angedeutet: Locke macht sich in Richtung Castle Black auf, um Bran und Rickon zu finden (in einem Trailer war er bereits an der Mauer zu sehen), und Ramsay und Theon sollen Moat Cailin zurückerobern.

Dragonstone
Wenn es auf Dragonstone nichts zu tun gibt, frönt Melisandre ihrem liebsten Hobby: Ungläubige verbrennen. Das schließt auch den Schwager des Königs nicht aus. Ansonsten gibt es recht wenig neues: Davos ist nicht begeistert, Selyse beweist, dass sie geistig nicht so ganz gesund ist und Stannis gibt sich stoisch.
Das völlig verkorkste Dinner, dass Melisandre, Stannis und Selyse daraufhin abhalten zeigt noch einmal mehr, wie dysfunktional diese Familie doch ist (nicht, dass das in Westeros etwas Besonderes wäre). Aber auch hier: Wenig neues. Immerhin gibt es ein nettes kleines Gespräch zwischen Shireen und Melisandre, in dem Erstere beweist, dass sie einen sehr wachen Verstand hat und religiösem Fanatismus kritisch gegenübersteht.
Ich hoffe, dass es hier bald vorangeht, denn dieser Handlungsstrang ist schon in der letzten Staffel kaum vorangekommen, und es gibt nicht mehr wirklich viel, was man auf Dragonstone machen oder zeigen könnte. Während die letzte Davos/Stannis/Melisandre-Szene der dritten Staffel ein Vorankommen versprach, tritt das Ganze hier nun wieder auf der Stelle. Wird Zeit, dass Stannis nach Norden aufbricht.

Nördlich der Mauer
Bran wargt mehr denn je und kehrt immer widerwilliger aus Summers Geist zurück – es braucht schon Hodor, um ihn wieder zurückzuholen. Eine ähnlich geartete Szene findet sich an „A Storm of Swords“ bereits gegen Anfang.
Wie schon Maisie Williams ist auch Isaac Hampstead-Wright unglaublich gewachsen. Nicht nur ist er größer geworden (das ließe sich gerade bei Bran noch recht gut verbergen, da er ja meistens liegt oder sitzt), auch sein Gesicht ist merklich länger und erwachsener geworden.
Ich bin wirklich gespannt, wie sich Brans Handlungsstrang weiterentwickelt, denn besonders viel Material gibt es nicht. Ich habe auch den Verdacht, dass Coldhand nicht mehr vorkommt und dass Bran, die Reeds und Hodor von selbst auf die Dreiäugige Krähe stoßen. Den ersten Schritt in diese Richtung macht Bran schon, indem er in einen Wehrholzbaum wargt und so eine Reihe kurzer Visionen hat. Unter anderem sieht er die dreiäugige Krähe, die durch die Grabgewölbe Winterfells fliegt, Lord Eddard bei Schärfen von Ice, Lord Eddard in den Verließen von King’s Landing, noch mehr Eindrücke vom Wehrholzbaum und der Krähe (inklusive des Befehls „Look for me beneath the tree, north!“), gefolgt von dem Wiedergängermädchen aus der ersten Folge der erste Staffel, einem untoten Pferd und dem Thronsaal des Red Keep aus Danys Vision im Haus der Unsterblichen. Die Vision endet mit einem kurzen Eindruck von Brans Fall, dem Spiegelbild eines Weißen Wanderers und dem Schatten eines Drachen, der über King’s Landing hinweggleitet – diese Einstellung ist bereits aus den Trailern bekannt.

King’s Landing
jaimetraining
Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn) trainieren

Wie erwartet folgt nun das Gespräch zwischen Jaime und Tyrion, wobei Tyrion der einzige ist, der sich offenbar freut, den Königsmörder wiederzusehen und ihm das Gefühl gibt, willkommen zu sein. An der goldenen Hand (die in der Serie, im Gegensatz zu den Romanen, nicht vollständig aus Gold ist) stört er sich nicht und ganz allgemein bemüht er sich auf seine einzigartige Weise, Jaime zu ermuntern, anstatt ihn niederzumachen: „To the proud Lannister children: The dwarf, the cripple and the mother of madness.“ Tyrion arrangiert sogar einen Sparringpartner für seinen Burder, damit dieser trainieren kann, das Schwert linkshändig zu führen. In den Romanen trainiert Jaime mit Ilyn Payne, da dieser seine Zunge verloren hat und auch nicht schreiben kann, weshalb es ihm unmöglich ist, auszuplaudern, dass der Königsmörder nicht mehr mit dem Schwert umgehen kann. In der Serie wurde er aus zwei Gründen durch Bronn ersetzt: In den Szenen mit Ilyn Payne geht es vor allem um Jaimes innere Prozesse, was sich in der Serie freilich nicht gut darstellen lässt, insofern ist es besser, wenn Jaime einen Gesprächspartner bekommt. Weitaus bedeutender ist allerdings, dass Wilko Johnson, der Schauspieler, der Ilyn Payne in Staffel 1 und 2 darstellte, leider an Krebs erkrankt ist und deshalb nicht mehr an der Serie mitwirken kann. Trotz dieses traurigen Umstandes ist die folgende Trainingsrunde zwischen Bronn und Jaime äußerst amüsant – es werden nicht nur die stählernen, sondern auch die verbalen Klingen gekreuzt.
Nach „A Storm of Sword“ verschwindet Bronn aus der Buchreihe, allerdings ist die Figur, nicht zuletzt wegen Jerome Flynns Darstellung, im Fandom äußerst beliebt. Ich danke, man darf durchaus darauf hoffen, dass Bronn auch weiterhin Ser Ilyns Stelle einnimmt oder doch zumindest nicht einfach verschwindet.
Vor dem Frühstück am Hochzeitstag trifft sich Tyrion noch einmal mit Varys, der ihn warnt, dass eine von Cerseis Zofen auf Shae aufmerksam geworden ist und sich nicht willig zeigt, weiterhin für Tyrion zu lügen. Beim Frühstück folgt dann auch die Bestätigung; Shae ist als Sansas Zofe anwesend, und Cersei und Tywin flüstern und werfen ihr immer wieder Blicke zu. Außerdem taucht zum ersten Mal Mace Tyrell (Roger Ashton-Griffiths), der Brautvater auf. Nacheinander werden Joffrey die diversen Hochzeitsgeschenke überreicht. Wie im Buch schenkt Tyrion Joffrey „The Lives of the Four Kings“, anders als im Buch reagiert Joffrey jedoch noch verhältnismäßig höflich, um den unbedarften Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Das hebt jedoch nicht lange, sobald Joffrey das Geschenk seines Großvaters, das zweite Schwert aus valyrischem Stahl (es ist schon ein wenig schade, dass weder Widow’s Wail noch Oathkeeper die spezielle rote Färbung aus Martins Beschreibung haben), bekommt, verfällt er in seinen berüchtigten Arschlochmodus, probiert es am Geschenk seines Onkels aus läuft im weiteren Verlauf dieser Episode zu absoluter Hochform auf.
Nach dem Frühstück zieht Tyrion nun die Konsequenz aus dem, was er von Varys erfahren hat, stößt Shae auf unschöne Weise von sich und lässt sie von Bronn zum Hafen bringen, damit ein Schiff sie nach Pentos bringt. Im Roman überlegt er stattdessen, sie mit einem niederen Ritter zu verheiraten, zu einem derartigen Zerwürfnis kommt es dort aber nicht. Man kann wohl davon ausgehen, dass das Schiff Shae nicht nach Pentos bringt und dass es Cersei/Tywin gelungen ist, es abzufangen oder dass Bronn jetzt auf jemand anderes Lohnliste steht.
Und nun folgt die eigentliche Hochzeitszeremonie in Baelors Septe, bei der es für mich eine sehr angenehme Überraschung gab, denn sie wird von einer neuen Variation des Baratheon-Themas, stilecht mit Frauenchor, untermalt. Ich hatte schon befürchtet, dass es diese Staffel keine neue Version dieses Themas gibt, aber zu Unrecht.
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Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer) geben sich das Ja-Wort. Im Hintergrund die Familie des Bräutigams (von links nach rechts): Jaime, Tommen (Dean-Charles Chapman), Cersei (Lena Headey) und Tywin (Charles Dance)

Bei der Zeremonie sieht man nun auch zum ersten Mal deutlich, dass Tommen (in Staffel 3 auffällig abwesend) nun nicht mehr von Callum Wharry, sondern dem sehr viel älteren Dean-Charles Chapman verkörpert wird, der bereits den von Rickard Karstark verkörperten Martyn Lannister spielte. Warum das so ist, will mir nicht ganz einleuchten, vielleicht war man der Meinung, dass Callum Wharry den Anforderungen, die die Rolle an ihn in dieser Staffel stellt, nicht gerecht wird. Und noch ein kleines Detail am Rande: Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Kamera immer wieder Lady Olenna in den Fokus. Darauf sollte man achten.
Nach der eigentlichen Zeremonie geht’s ans Eingemacht. Die Hochzeitsfeier findet in der Serie nicht abends und drinnen, sondern nachmittags und draußen statt. Bei Martin wird diese Szene ausschließlich aus Tyrions Blickwinkel geschildert. Für diese Episode nutzt Martin dagegen die Gelegenheit, das Ganze etwas vielseitiger zu gestalten und alle möglichen Figuren miteinander sprechen zu lassen.
Lord Tywin und Lady Olenna eröffnen den Reigen. Hierbei wird gleich deutlich gemacht, welche Rolle Mace Tyrell spielt: Er ist das öffentliche Gesicht der Tyrells, aber seine Mutter ist diejenige, die eigentlich den Laden schmeißt. Im Gespräch wird auch die Eiserne Bank von Braavos erwähnt, die in dieser Staffel noch eine Rolle spielen wird. Ihr Gesandter Tycho Nestoris, der sicher in absehbarer Zeit auftaucht, wird von Mark Gatiss (Mycroft Holmes in „Sherlock“) dargestellt.
Nach einem kurzen Intermezzo mit Bronn und Tyrion sucht Lady Olenna Sansa auf, und wie oben erwähnt lohnt es sich, die alte Dame im Blick zu behalten. Auch wenn Sansa hier eine Kette statt eines Haarnetzes trägt, ist der Effekt derselbe. Und wer gut aufpasst, wird bemerken, dass nach dem Gespräch, bei dem Olenna über Sansas Zöpfe streicht, einer der Steine nicht mehr an seinem Platz ist. Ihre Worte sind nicht minder aufschlussreich: „Killing a man at a wedding. Horrid. What sort of monster would do such a thing.“
Nun folgen viele kleine Begegnungen: Cersei und Margaery, die soeben verkündet hat, dass die Überreste des Festessens den Armen übergeben werden, ergehen sich in Zuneigungsbekundungen – ein wenig später ordnet Cersei an, dass die Überreste den Hunden vorgeworfen werden. Dies zeigt sehr schön, dass Cersei weiß, dass ihre Zeit an der Macht endet; Margaery ist jetzt Königin, was Cersei allerdings nicht davon abhält, noch eine unwichtige, hinterhältige und nutzlose Intrige einzufädeln, die lediglich ihr selbst ein gutes Gefühl gibt.
Während die Band The Bear and the Maiden Fair spielt, unterhalten sich derweil Jaime und Loras miteinander, die beide dem jeweils anderen zu verstehen geben, dass sie über dessen sexuelle Präferenzen bescheid wissen. Vielleicht kommen sie in einer späteren Folge zu einem Einverständnis und Ser Loras tritt so der Königsgarde bei.
Brienne ist, wie so ziemlich jede andere Figur, die sich gegenwärtig in King’s Landing aufhält, ebenfalls auf der Hochzeit. Obwohl ich zugeben muss, dass ich es immer noch merkwürdig finde, dass Brienne sich einfach so im Red Keep bewegt, ist die Unterhaltung zwischen ihr und Cersei doch ebenfalls sehr aufschlussreich. Brienne ist das, was Cersei gerne wäre: Eine Kriegerin, die sich nicht um die Beschränkungen schert, die die Gesellschaft ihrem Geschlecht auferlegt hat. Im Gegenzug ist Cersei allerdings auch in der Lage, die Jungfrau von Tarth zu durchschauen. Ich frage mich, ob das nur ein kurzes Zwischenspiel wird oder ob da noch mehr folgt.
Fast so amüsant wie der kleine Dialog zwischen Olenna und Tywin ist die folgende Begegnung von Oberyn Martell, Ellaria Sand, Lord Tywin und Cersei, die sich auf höflichste Weise gnadenlos angiften – das hat Potential.
Mit dem Auftritt der Zwerge, die den Krieg der fünf Könige nachstellen, nähert sich die Hochzeit ihrem Höhepunkt. Im Roman treten an dieser Stelle einfach nur Zwerge auf, die gegeneinander tjostierten, während sie auf Schweinen und Hunden reiten. Besagte Tiere fehlen hier, aber da die Zwerge als Joffrey, Renly, Robb, Stannis und Balon Greyjoy auftreten, wird das Ganze noch mehr auf die Spitze getrieben und richtet sich somit nicht nur an Tyrion, sondern sorgt auch dafür, dass sich viele andere Gäste unangenehm berührt fühlen, in erster Linie natürlich Sansa und Loras. Keiner der fünf Kleinwüchsigen scheint weiblich zu sein, was nebenbei die Frage aufwirft, ob Penny (in der deutschen Version heißt sie Heller), in „A Dance with Dragons“ eine nicht ganz unwichtige Figur, in der Serie auftaucht.
Im Folgenden treibt Joffrey die Demütigung seines Onkels immer weiter, der versucht, das ganze stoisch über sich ergehen zu lassen. Die Herabwürdigung zum Mundschenk macht ihn dann natürlich später auch zum Hauptverdächtigen.
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Joffrey stirbt in den Armen seiner Mutter

Der geneigte Buchleser weiß selbstverständlich, was nach dem Anschneiden des Hochzeitkuchens kommt: Der namensgebende Moment der „Violetten Hochzeit“. Im Gegensatz zur Roten Hochzeit stammt dieser Name von den Fans und bezieht sich zum einen auf die Juwelen von Sansas Haarnetz (die der Halskette sind allerdings hellblau) und zum anderen auf die Gesichtsfarbe des Bräutigams bei seinem Ableben.
Joffrey dürfte mit Abstand die meistgehasste Figur der Serie sein, allerdings haben sich Martin, Weiss und Benioff dazu entschieden, seinen Tod nicht als etwas Triumphales darzustellen; er soll keine Befriedigung für die Zuschauer werden. Die Todesszene ist äußerst unschön (hier im positiven Sinn) inszeniert. In diesem Zusammenhang muss noch einmal Jack Gleesons Darstellung hervorgehoben werden, der Joffrey in der Serie zu dem machte, was er ist und dabei wirklich eine beeindruckende Leistung ablieferte. Obwohl er die Figur spielt, die speziell darauf ausgelegt ist, gehasst zu werden, verkommt sein Joffrey niemals zu einer eindimensionalen Cartoonfigur, sondern bleibt immer authentisch. In seiner Sterbeszene holt Gleeson noch einmal alles heraus, die Intensität, mit der er den Todeskampf spielt, ist wirklich bewundernswert.

The Rains of Castamere

Es war schon einige Zeit lang bekannt, dass die Post-Rock-Band Sigur Rós in die Fußstapfen von The National und The Hold Steady treten und ein Lied aus Westeros interpretieren würden. Ich hatte erwartet, dass man, wegen der Ankunft Oberyn Martells, The Dornishman’s Wife wählen würde, was allerdings nicht eintraf. Stattdessen gibt es eine zweite Interpretation von The Rains of Castamere, die beim Abspann gespielt wird. Die Mitglieder von Sigur Rós haben auch einen kurzen Gastauftritt, sie spielen The Rains of Castamere auch auf der Hochzeit mit einer Bläserorgel, was Joffrey allerdings nicht besonders beeindruckt, weshalb er sie mit Münzen bewirft.
Diese Interpretation wird für den Abspann quasi restauriert und ist zweifelsohne interessant; sie klingt schon fast morbide. Besonders auffällig sind dabei der Einsatz der bereits erwähnten Bläserorgel, die ein beständiges, schwerfälliges, pfeifendes Geräusch erzeugt, das an ein beschwerliches Atmen erinnert, und so wohl auf Joffreys Todesart anspielt. Anders als in der Version von The National wird nicht der volle Text gesungen, stattdessen hört man ein hohes, klagendes Gestammel, das nach „One night I hold on you“ klingt (Cerseis Klage?), gefolgt von einigen Äußerungen des Wortes „Castamere“, bis es dann schließlich mit der Textzeile „In a coat of gold…“ wirklich anfängt (die ersten vier Zeilen fehlen).
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Sigur Rós spielen The Rains of Castamere auf Joffreys Hochzeit

Zwar sind sowohl die Version von The National als auch die Interpretation von Sigur Rós sehr langsam und düster, aber davon einmal abgesehen sagen sie sehr unterschiedliche Dinge aus. The Nationals Version ist eine Drohung an alle Feinde des Hauses Lannister. Matt Berninger, der Lead-Sänger von The National, klingt absolut selbstsicher, und wer würde sich schon mit jemandem mit einer derart tiefen Stimme anlegen wollen. Jónsi Birgissons Stimme dagegen klingt sehr viel höher und klagender, die Sigur-Rós-Version ist eher ein Abgesang, nicht nur auf Joffrey, sondern auch auf das Haus Lannister selbst – ihre Interpretation deutet bereits an, was uns am Ende der Staffel erwartet.

Fazit: „The Lion and the Rose“ sorgt zusammen mit „Two Swords“ für einen enorm gelungenen Staffelstart und legt die Messlatte für den Rest der Staffel verdammt hoch. Die Idee, die Hochzeitsfeier in Echtzeit ablaufen zu lassen ist vollständig aufgegangen, und Martin nutzt geschickt den Medienwechsel, um die Szene aus der Vorlage noch aufzuwerten. Während ich die Änderungen bei der Roten Hochzeit mitunter fast ein wenig störend fand, sind sie hier sogar willkommen.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
Breaker of Chains
Oathkeeper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

Game of Thrones Staffel 3

got3
Die deutsche Free-TV-Erstaustrahlung der Game-of-Thrones-Staffeln ist immer toll, da verdoppeln sich die Besucherzahlen dieses Blogs. Leider habe ich es dieses Jahr wieder nicht geschafft, die Staffelbesprechung halbwegs rechtzeitig nach der US-Ausstrahlung hinzubekommen, aber nachdem ich schon über die Einzelepisoden ausführlich geschrieben hatte, erschien mir das dann irgendwie zweitrangig. Aber nun ist es soweit, hier kommt meine Rezension von Staffel 3, inklusive Soundtrack-Besprechung. Das Ganze ist freilich nicht spoilerfrei.

Die Handlung
Der Versuch, die Handlung einer Staffel von „Game of Thrones“ kurz zusammenzufassen wird immer mehr zu einer Farce, schon allein, weil es „die Handlung“ gar nicht gibt. Aber ich versuche es trotzdem, halte es dabei aber sehr knapp und oberflächlich. Für ausführlichere Zusammenfassungen verweise ich auf meine Episoden-Rezensionen.
Nach der Schlacht auf dem Blackwater läuft das Leben in King’s Landing langsam wieder in geregelten Bahnen. Tywin Lannister (Charles Dance) löst nun seinen Sohn Tyrion (Peter Dinklage) als Hand des Königs ab und erledigt die Regierungsgeschäfte für seinen Enkel Joffrey (Jack Gleeson). Die Familie Tyrell sorgt derweil für die Lebensmittelversorgung der Stadt, während Joffreys Verlobte Margaery (Natalie Dormer), die Tochter des Tyrell-Oberhaupts, und Olenna (Diana Rigg), dessen Mutter, sich am Hof einleben und bereits damit beginnen, Intrigen zu spinnen. Die erste misslingt allerdings und hat zur Folge, dass Sansa Stark (Sophie Turner) nun nicht, wie urpsürnglich von den Tyrells geplant, Margaerys Bruder Loras (Finn Jones), sondern Tyrion heiratet.
Auf Dragonstone leckt Stannis Baratheon (Stephen Dillane) derweil seine Wunden, allerdings plant Melisandre (Carice van Houten) schon neue Aktionen, was Davos Seaworth (Liam Cunningham) allerdings nicht sehr positiv aufnimmt – nach einem gescheiterten Mordversuch landet er erst einmal im Kerker von Dragonstone und Melisandre macht einen Ausflug in die Flusslande. Dort trifft sie nicht nur auf die Bruderschaft ohne Banner, eine Bande von Gesetzlosen, angeführt von Beric Dondarrion (Richard Dormer) und dem Roten Priester Thoros (Paul Kaye), sondern auch auf Arya (Maisie Williams), Gendry (Joe Dempsie) und Hot Pie (Ben Hawkey), die versuchen, nach Riverrun zu gelangen.
In Riverrun hält sich derweil Robb Stark (Richard Madden) samt Familie und Hofstaat auf, denn es gibt große Probleme: Nicht nur haben die Eisenmänner den Norden erobert, erschwerend hinzu kommt, dass Robb zwar jede Schlacht gewinnt, aber dennoch den Krieg zu verlieren droht. Es gibt nur einen Mann, der ihn aus dieser Situation befreien kann: Lord Walder Frey (David Bradley), doch dieser ist erzürnt, weil Robb statt einer seiner Töchter Talisa Maegyr (Oona Chaplin) geheiratet hat.
Und zusätzlich ist auch Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) entkommen, der nun auf Geheiß von Catelyn (Michelle Fairley) von Brienne von Tarth (Gwendoline Christie) nach King’s Landing gebracht werden soll. Die beiden geraten in die Hände des gefährlichen Stark-Vasallen Roose Bolton (Michael McElhatton), der ein doppeltes Spiel spielt.
Theon Greyjoy (Alfie Allen), der für den Fall Winterfells verantwortlich ist, hat ganz eigene Probleme, da er einem bösartigen Folterknecht (Iwan Rheon) in die Hände gefallen ist.
Währenddessen bewegen sich im Norden drei verschiedene Gruppen auf die Mauer zu: Bran (Isaac Hempstead-Wright), Osha (Natalia Tena) und Hodor (Kristian Nairn) fliehen vor den Eisenmännern und versuchen, Castle Black und Jon Snow (Kit Harrington) zu erreichen, wobei sie von Jojen (Thomas Sangster) und Meera Reed (Ellie Kendrick), den Kindern des Stark-Vasallen Howland Reed unterstützte werden. Jon Snow ist allerdings gar nicht mehr in Castle Black, sondern hat sich, auf Befehl Qhorin Halfhands, den Wildlingen angeschlossen, um herauszufinden, was ihr Anführer Mance Rayder (Ciarán Hinds), der mit seinen Truppen auf die Mauer zumarschiert, plant. Dabei kommt er der Speerfrau Ygritte (Leslie Rose) sehr viel näher, als für die Mission gut ist.
Und schließlich wären da noch Sam (John Bradley) und die anderen Brüder der Nachtwache, die nach dem Angriff der Weißen Wanderer auf die Faust der Ersten Menschen ebenfalls zur Mauer zurückwollen. Auf dem Weg beschließt Lord-Commander Mormont (James Cosmo), ein weiteres Mal bei Craster (Robert Pugh) zu rasten, was sich allerdings als großer Fehler erweist.
In Essos begibt sich Daenerys (Emilia Clarke) derweil zur Slaver’s Bay, wo sich ihr Robert Baratheons ehemaliger Gardist Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney) anschließt. Mit der Armee, die sie dort erhält, ist sie dem Ziel, Westeros zu erobern, nun endlich näher gekommen.

Die Umsetzung
Bei der dritten Staffel ist auffällig, dass sich die Serie insgesamt nun noch weiter von den Büchern entfernt, was allerdings nicht verwunderlich ist. Obwohl „A Storm of Swords“ nun in zwei Staffeln umgesetzt wird, ist der Roman selbst für etwa zwanzig Stunden Serie immer noch zu komplex, weshalb vereinfachende Änderungen schlicht nötig sind. Hinzu kommt, dass Änderungen aus den ersten beiden Staffeln natürlich wieder weitere Änderungen nach sich ziehen. In „A Clash of Kings“ übernimmt Roose Bolton beispielsweise bereits Harrenhal, was in der Serie aber nicht vorkommt, weshalb das nun in der dritten Staffel schnell erledigt werden muss, damit er Jaime und Brienne dort empfangen kann.
Da ich über die Unterschiede zwischen Buch und Serie in den Episoden-Rezensionen schon ziemlich ausführlich gesprochen habe, bemühe ich mich hier nun vor allem um eine Bewertung der einzelnen Handlungsstränge.
Betrachtet man die Episoden einzeln fällt auf, dass diejenigen, die Handlungsstränge ausklammern und sich auf einige Figuren mehr konzentrieren als auf andere, eindeutig die stärkeren sind (das wären in diesem Fall die Folgen 1, 4, 5, 8 und 9). Die restlichen Episoden leiden ein wenig darunter, dass es viele, sehr kurze Szenen gibt, sodass das Ganze in diesen Folgen mitunter an eine extrem hochwertige Clipshow erinnert. Das Staffelfinale hat es diesbezüglich am schlimmsten getroffen, da man offenbar versuchte, noch einmal jede wichtige Figur zu zeigen. Ich persönlich hätte zum Beispiel Daenerys komplett aus Episode 9 gestrichen und die Eroberung Yunkais in Folge 10 gezeigt und stattdessen in Folge 9 Brans Handlungsstrang beendet.
Dieser Eindruck bessert sich allerdings, wenn man mehrere oder alle Folgen am Stück ansieht, so wie es die Schöpfer auch ursprünglich vorgesehen hatten. Dennoch hoffe ich, dass in Staffel 4 der von mir bevorzugte Ansatz noch stärker verfolgt wird
Beginnen wir im Norden: Bei Jon Snow sind meine Gefühle eher gemischter Natur. Das Ganze fängt gut an, vor allem die Umsetzung von Tormund Giantsbane und Mance Rayder (gespielt von Kristofer Hivju und Ciarán Hinds) gefällt mir ausgesprochen gut. Ygritte dagegen geht mir eher auf den Geist, was aber nicht an Rose Leslie liegt, sie spielt die Rolle passend, sondern an der Konzeption der Figur und ihren Dialogen. Auch die Zusätze mit Orell (Mackenzie Crook) finde ich irgendwie überflüssig. Der Höhepunkt dieses Handlungsstrangs ist die ziemlich intensive und gut gelungene Besteigung der Mauer, der Rest ist eher suboptimal.
Sams Handlungsstrang nimmt weniger Platz ein, ist aber dafür buchkonformer. Der Abschied von James Cosmo als Jeor Mormont ist sehr gut gelungen, ebenso wie die Szenen zwischen Sam und Gilly (Hannah Murray) – da stimmt die Chemie. Nur ein kleines Detail stört mich hier: Ich hätte es schön gefunden, wenn die Namensgebungsbräuche der Wildlinge stärker mit eingeflossen wären.
Die Bran-Handlung gehört dagegen zu den schwächsten Teilen der dritten Staffel – immerhin sind auch hier die Szenen meistens recht kurz und es gibt auch verhältnismäßig wenige. Die beiden Reeds bleiben ziemlich blass, und ansonsten passiert einfach kaum etwas – in den Büchern war das allerdings nicht wirklich anders.
Theon Greyjoy hat es in dieser Staffel nicht leicht. Nach „A Clash of Kings“ ist er erst einmal zwei Romane lang abwesend, aber für die Serie wollte man die Figur verständlicherweise nicht einfach für mindestens zwei Staffeln verschwinden lassen, weshalb man sich entschied, seine Folter durch Ramsay Snow zu zeigen. Einerseits spielen sowohl Alfie Allen als auch Iwan Rheon in diesen Szenen wirklich gut, andererseits aber ermüdet die Folterei über die Dauer einer Staffel, das Ganze bewegt sich einfach nicht vorwärts. Für die vierte Staffel hoffe ich da auf eine eindeutige Verbesserung; nach allem, was man bisher gehört hat, werden schon Inhalte aus „A Dance with Dragons“ eingebaut, ich freue schon auf eine Interaktion zwischen Iwan Rheons Ramsay und Michael McElhattons Roose Bolton.
Das „Herzstück“ der dritten Staffel ist letztendlich der Robb/Catelyn-Handlungsstrang, da zu ihm der emotionale Höhepunkt der Staffel gehört – für meinen Geschmack kam dieser allerdings ein wenig zu kurz. Nicht, dass Robb und Catelyn meine Lieblingsfiguren wären und ich unbedingt mehr von ihnen sehen müsste, aber die emotionale Wirkung der Roten Hochzeit wäre noch größer gewesen, wenn die beiden noch ein wenig präsenter gewesen wären. Die Rote Hochzeit, ohnehin DAS TV-Ereignis des letzten Jahres, ist interessanterweise recht weit von der Vorlage entfernt; bei Martin geht es vor allem um Atmosphäre, während in der Serie die Schockwirkung im Vordergrund steht. Für eine TV-Serie ist dies durchaus legitim, der Leser fragt sich allerdings dennoch, wie wohl eine buchgetreuere Adaption ausgesehen hätte. Die Serien-Hochzeit überzeugt dennoch, vor allem wegen David Bradley und Michelle Fairley, die zweifelsohne die beste schauspielerische Leistung dieser Staffel erbracht hat.
Mit Edmure (Tobias Menzies) und Brynden „Blackfish“ Tully (Clive Russell) werden zwei neue Figuren vorgestellt, die beide eigentlich in „A Game of Thrones“ bereits auftauchten, deren Debüt in der Serie aber aus Zeitgründen in die dritte Staffel verlegt wurde. Beide werden gut dargestellt, bleiben aber, ebenfalls aus Mangel an Zeit, verhältnismäßig eindimensional.
Auch in Aryas Handlungsstrang treffen wir zwei neue, interessante Figuren: Lord Beric Dondarrion (Richard Dormer) und Thoros von Myr (Paul Kaye), die beide ebenfalls exzellent gespielt und darüber hinaus auch ein wenig besser beleuchtet werden als die beiden Tullys. Ebenso gelungen sind die Gespräche zwischen Arya und Sandor Clegane (Rory McCann).
Durch Melisandres Reisen kreuzen sich darüber hinaus die Handlungsstränge von Arya und Davos/Stannis/Melisandre. In Letzterem passiert in dieser Staffel allerdings nicht viel, es wird vor allem für Staffel 4 vorbereitet.
Die verbliebenen drei Handlungsstränge – Daenerys, King’s Landing und Jaime/Brienne – sind für mich die stärksten der Staffel. Gerade bei den Kritikern ist auch Daenerys in Staffel 3, ähnlich wie in Staffel 2, nicht wirklich gut weggekommen, aber im Gegensatz zu ihren Abenteuern in Qarth fand ich die Zerstörung von Astapor und die Eroberung von Yunkai schlicht extrem unterhaltsam, nicht zuletzt, weil Dany agiert, anstatt zu reagieren und weil Ser Barristan Selmy, eine meiner Lieblingsfiguren, wieder mitmischt.
King’s Landing ist eigentlich in jeder Staffel interessant, weil es hier immer die größte Ansammlung an Figuren gibt, und Staffel 3 ist da keine Ausnahme, im Gegenteil. Die Anwesenheit der Tyrells und Lord Tywins macht alles noch weitaus interessanter, auch wenn das bedeutet, dass Tyrion, gerade im Vergleich zu Staffel 2, die ja quasi seine Staffel war, ein wenig zurückstecken muss. Als Entschädigung gibt es allerdings die wundervolle Diana Rigg als Lady Olenna Tyrell, und auch Margaery wird um einiges interessanter als in Staffel 2 – oder den Büchern.
Der Jaime/Brienne-Handlungsstrang ist schließlich der emotionale Kern der Staffel, und wenn es einen Aspekt der Bücher gibt, der wirklich annährend perfekt umgesetzt wurde, dann ist es dieser. Nikolaj Coster-Waldau und Gewndoline Christie spielen exzellent, Locke (Noah Taylor) ist ein würdiger und ebenso verachtenswerter Ersatz für Vargo Hoat und alles in allem sind die Szenen einfach perfekt inszeniert, allen voran natürlich die Badeszene. Für mich eindeutig der Gewinner unter den Handlungssträngen der dritten Staffel.

Der Soundtrack
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Tracklisting:

01. Main Title
02. A Lannister Always Pays His Debts
03. Dracarys
04. I Paid The Iron Price
05. Chaos Is A Ladder
06. Dark Wings, Dark Words
07. You Know Nothing
08. Wall Of Ice
09. Kingslayer
10. I Have To Go North
11. White Walkers
12. It’s Always Summer Under the Sea (Performed by Kerry Ingram)
13. Reek
14. The Bear and the Maiden Fair (Performed by The Hold Steady)
15. The Night Is Dark
16. The Lannisters Send Their Regards
17. Heir To Winterfell
18. Mhysa
19. For The Realm

Um es gleich vornewegzunehmen: Das Album zur dritten Staffel beinhaltet einige der absoluten Highlights in Ramin Djawadis Schaffen für „Game of Thrones“, als Gesamtpaket bleibt es allerdings hinter der Musik der zweiten Staffel zurück. Dies liegt vor allem daran, das besagte Highlights vor allem aus Variationen von bereits vorhandenen Themen bestehen. Was der der Musik der dritten Staffel fehlt, ist ein starkes neues Thema, etwa für Haus Bolton. Während die Musik zur zweiten Staffel vor allem durch gelungene neue Leitmotive auffiel, etwa für die Greyjoys, für Stannis/Melisandre/R’hllor etc., ist Staffel 3 immer dann am besten, wenn diese Motive weiterentwickelt werden. Das Greyjoy-Thema ist ein schönes Beispiel, das in Reek, passend zu Theons unangenehmer Situation, abgehackt und panisch klingt. Auch die Themen der ersten Staffel tauchen wieder auf, unter anderem das Stark-Thema in I Paid the Iron Price, das hier ebenfalls Theon gilt (es wird in der Szene gespielt, in der er Ramsay gesteht, dass sein wahrer Vater in King’s Landing enthauptet wurde) oder das Lannister/Intrigen-Thema, das Littlefingers Monolog unterlegt (Chaos is a Laddder). Am interessantesten entwickelt sich allerdings ohne Frage Daenerys‘ Thema, das hier eine neue Komponente bekommt: In der Schlussszene der vierten Episode wird ihr Thema um ein marschartiges Chormotiv für die Unberührten erweitert (Dracarys). In Mhysa schließlich taucht ihr Thema abermals in einer völlig neuen Version auf, gesungen von einem Frauenchor, inklusive des Unberührten-Motivs und versetzt mit Elementen des Hauptthemas; die Musik spiegelt hier schön die Entwicklung Danys von der Kriegsherrin zur Befreierin wieder.
Mein persönliches Lieblingsthema, The Rains of Castamere, taucht leider nur einmal auf, aber was für eine Version. Auf eine derartige Instrumentalfassung hatte ich schon gehofft, seit ich das Lied zum ersten Mal gehört habe. Interessanterweise ist A Lannister Always Pays His Debts nicht komplett in der Serie zu hören. Der Anfang erinnert an den diegetischen Einsatz des Themas bei der Roten Hochzeit, der Rest des Stücks (ab 0:50) erklingt am Ende der siebten Folge und untermalt Jaimes Abgang aus Harrenhal („Sorry about the Sapphires“). Apropos Rote Hochzeit, von deren musikalischer Untermalung bin ich ein wenig enttäuscht, da ich gehofft hatte, dass The Rains of Castamere, wie im Roman, durchgehend gespielt wird. Die Untermalung des Gemetzels besteht vor allem aus sehr dissonanten Streichern, erst später wird zaghaft das Stark-Theme dekonstruiert, und ein paar Takte des GoT-Themas sind ebenfalls zu hören (The Lannisters Send Their Regards).
Letztendlich startet das Album mit A Lannister Always Pays His Debts, Dracarys, I Paid the Iron Price, Chaos Is a Ladder und Dark Wings, Dark Words (eine nicht verwendeten Chorsfassung des Hauptthemas, ähnlich wie Mhysa) sehr stark, in der Mitte dominieren allerdings einige ziemlich uninteressante Suspense-Stücke. You Know Nothing ist sogar ein wenig ärgerlich, weil Djawadi das Liebesthema für Robb und Talisa einfach für Jon und Ygritte recycelt und es dabei nicht einmal groß variiert.
Ebenfalls ärgerlich finde ich, dass es einige Stücke aus der Serie gibt, die ich gerne noch auf der CD gehabt hätte, darunter die diegetischen Versionen von The Rains of Castamere und The Bear and the Maiden Fair, das Stück, das erklingt, als die Drachen in der ersten Folge auf Daenerys‘ Schiff zufliegen, das Statement des Baratheon-Themas aus Episode 7 und die subtilen Rains-of-Castamere-Einsätze aus den Folgen 1 und 8,
Neben den eigentlichen Score-Stücken gibt es noch drei „Bonus-Tracks“, die beiden Abspannlieder The Bear and the Maiden Fair von Holdy Steady und It’s Always Summer Under the Sea von Shireen-Darstellerin Kerry Ingram, sowie eine Gitarrenversion des Hauptthemas, gespielt von Ramin Djawadi höchstpersönlich (For the Realm).

Fazit: Trotz einiger Schwächen hält Staffel 3 insgesamt das extrem hohe Niveau und sorgt dafür, dass „Game of Thrones“ nach wie vor das Beste ist, was die Serienlandschaft zu bieten hat.

Trailer

Staffel 3 Episoden-Rezensionen:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones – Soundtrack

GoT: And Now His Watch Is Ended

season 3
Wir nähern uns (mal wieder viel zu schnell) der Halbzeit und dementsprechend geraten sämtliche Ereignisse so langsam ins Rollen – bei keiner Episode wird das so deutlich wie bei dieser, in der es bei mehreren Handlungssträngen „Zwischenauflösungen“ gibt. Von langer Hand vorbereitete Änderungen des Status Quo finden statt oder nehmen zumindest ihren Anfang.

Auf dem Weg nach Harrenhal
Die Episode fängt dort an, wo die letzte aufgehört hat: Bei Brienne und Jaime. Der Königsmörder sitzt traumatisiert auf seinem Pferd, seine abgeschlagene Hand hängt ihm um den Hals und von hier an wird es nur noch schlimmer, die Bolton-Männer quälen ihn, geben ihm Pferdepisse zu trinken und erweisen sich alles in allem als passender Ersatz für die Tapferen Kameraden. Hierbei ist natürlich vor allem Nikolaj Coster-Waldau zu loben, der den am Boden zerstörten Jaime ebenso gut spielt wie die arrogante Version, die im Vollbesitz aller Kräfte und Hände ist. Im Folgenden erweist sich nun Brienne als Bär und Jaime als die Jungfrau, da sie ihn dazu ermutigt, nicht aufzugeben und weiterzumachen. Wie sie das schafft? Indem sie ihm seine eigene Medizin zu schlucken gibt: „Are your a woman?“

King’s Landing
Nachdem Varys in dieser Staffel noch nicht allzu viel zu tun hatte, bekommt er in dieser Folge seine großen und bedeutenden Auftritte. Zu Beginn kommt ein Gespräch mit Tyrion, in welchem er enthüllt, wie er zum Eunuch wurde und weshalb er Tyrion als Hand des Königs in der zweiten Staffel unterstützt hat. Diese Geschichte erzählt er auch in den Romanen, die Rache dafür ist allerdings ein neues Element, das eine dunkle Seite an Varys enthüllt, die man in den Büchern erst im Epilog von „A Dance with Dragons“ zu sehen bekommt. Interessant ist, dass während dieser Szene das Thema von Stannis und Melisandre gespielt wird; ein Hinweis darauf, dass auch der Zauberer in der Kiste ein roter Priester ist, oder dass Varys bereits anderweitig mit der Religion des Herrn des Lichts zu tun hatte?
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Joffrey (Jack Gleeson) und Margaery (Natalie Dormer) in Baelors Septe

Neben Tyrion führt Varys in „And Now His Watch Is Ended“ auch Konversationen mit Ros und Olenna Tyrell. Bei Ersterer wird noch einmal Pods Fähigkeit als Liebhaber erwähnt (steckt doch mehr dahinter, als man denkt?), bevor sich das Gespräch wichtigeren Dingen zuwendet. Wir erfahren, dass Littlefinger quasi auf dem Sprung ist, King’s Landing jedoch noch nicht verlassen hat und offenbar plant, Sansa mitzunehmen. Wenn es läuft wie in den Romanen wird er demnächst eine Abreise vortäuschen, in Wirklichkeit aber bis zu Joffreys Hochzeit warten – allerdings darf man wohl bezweifeln, dass die Figur für den Rest der Staffel abwesend sein wird, vielleicht findet er also noch einen Grund, „offizielle“ in King’s Landing zu bleiben.
In der großen Septe von Baelor (eine großartige Räumlichkeit, nebenbei bemerkt) bemüht sich Margaery weiterhin, Joffrey zu beeindrucken und lässt sich von ihm die Gräber diverser Targaryen-Könige zeigen, bevor sie ihn zu einem Bad in der Menge ermutigt. Währenddessen treffen Cersei und Olenna Tyrell die Hochzeitsvorbereitungen. Gewitzt wie immer versteht es die Königin der Dornen, Cerseis Ängste punktgenau auszumachen. Nebenbei sieht sie auch, wie ihr Einfluss auf ihren Sohn weiter schwindet und Margaerys wächst. Diese Sorgen treiben sie zu ihrem Vater. Das Gespräch zwischen Cersei und Tywin weist einige Parallelen zu dem, das Tywin und Tyrion in „Valar Dohaeris“ führten, auf. Zu Beginn beider Gespräche schreibt Tywin Briefe – man kann wohl davon ausgehen, dass er die Rote Hochzeit vorbereitet. Und jedem seiner Kinder teilt er ziemlich unsanft mit, weshalb er von ihm enttäuscht ist. Wie schon in „Valar Dohaeris“ sind auch diese Szenen wohl vor allem auf der Basis von Cerseis Charakterisierung in „A Feast for Crows“ entstanden; wer besagtes Buch gelesen hat, weiß sehr genau, was in ihrem Kopf vorgeht. In ihren Augen ist sie die wahre Erbin ihres Vaters. Gerade in „A Feast for Crows“ gibt es (in Jaimes POV) ein sehr schönes Zitat, das perfekt zu dieser Szene passt: „His Sister liked to think of herself as Lord Tywin with teats, but she was wrong. Their father had been as relentless and implacable as a glacier, where Cersei was all wildfire, especially when thwarted… She does not lack for wits but she has no judgement, and no patience.”
Olenna ist derweil wieder im Garten und mokiert sich auf ebenso hintergründige wie lustige Art und Weise über Wappen und Worte des Hauses Tyrell – spätestens nach dieser Episode ist sie eindeutig einer meiner Lieblingscharaktere der Serie geworden. Ich freue mich schon auf das in einem Trailer angekündigte Zusammentreffen mit Lord Tywin. Vorerst führt sie allerdings ein Gespräch mit Varys. Leider muss ich sagen, so herrlich und genial es auch ist, ich find die Idee, dass Varys Lady Olenna darauf bringt, sich Sansa und damit quasi den Norden unter den Nagel zu reißen, nicht unbedingt gelungen. Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Meisterintrigantin der Tyrells dies bereits vorher geplant hat, aber dennoch… Trotzdem hoffe ich noch auf viele, viele weitere Szenen mit der großartigen Diana Rigg.
Jedenfalls macht Margaery sich sofort daran, die geschmiedeten Pläne umzusetzen. Nachdem ich anfangs Probleme mit Natalie Dormer hatte, muss ich sagen, dass sie mir langsam immer besser in ihrer Rolle gefällt. Im Gegensatz zu den Romanen soll Sansa allerdings nicht Margaerys ältesten Bruder Willas, der natürlich auch Erbe von Highgarden ist, heiraten, sondern Ser Loras Tyrell, der in der Serie offenbar (zumindest noch) nicht der Königsgarde beigetreten ist.

Nördlich der Mauer
Bei Craster, dem Wildling, der seine Töchter zu Frauen nimmt, wächst der Unmut einiger Männer der Nachtwache. Vor allem Rast (Luke McEwan), der wegen Vergewaltigung zur Mauer geschickt wurde und bereits mehr als einmal mit Sam aneinandergeraten ist, ist mit der Situation äußerst unzufrieden.
Nach der Verbrennung eines gefallenen Bruders der Nachtwache spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu, da einige Brüder der Meinung sind, dass Craster ihnen Lebensmittel vorenthält. In Crasters Halle kommt es schließlich zur Außeinandersetzung zwischen dem Hausherrn und den Unzufriedenen. Ein weiteres Mal wird sehr subtil die Rote Hochzeit angedeutet: Das Gastrecht wird gebrochen, und Mormonts Reaktion spricht Bände. Apropos Mormont: Der Titel der Episode bezieht sich selbstverständlich auf ihn. Seine Todesszene ist ausgezeichnet geraten, sie ist intensiv, blutig und noch einmal eine hervorragende Gelegenheit für James Cosmo, sein Können zu zeigen. Noch im Moment sein Todes beweist der alte Bär, dass er selbst dann noch ein gefährlicher Gegner ist, wenn er bereits hinterrücks erdolcht wurde. Schade nur, dass es ihm nicht gelingt, seinen Mörder zu erwürgen. Für Sam dagegen bleibt nur eines übrig, das er tun kann: Gilly und Sohn schnappen und verschwinden.

Auf dem Weg zur Mauer
Bran absolviert in dieser Episode lediglich einen kurzen Alibiauftritt: Er rennt mal wieder durch einen seiner Träume, verfolgt die dreiäugige Krähe und wechselt ein paar Worte mit Jojen Reed, der einen Gastauftritt in Brans Traum hat. Einen weiteren Gastauftritt absolviert Catelyn, deren Handlungsstrang in dieser Episode nicht fortgesetzt wird. In Brans Traum sieht sie bereits etwas fahl und ungesund aus. Wird hier Lady Stoneheart bereits angedeutet?

In der Folterkammer
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Ramsay Snow (Iwan Rheon)

Auf dem Weg nach Deepwood Motte erfährt Theon, dass sein Retter ebenfalls von den Iron Islands stammt und dass er vermutet, dass Balon weiß, was mit seinem Sohn geschieht. Während sie sich in Burg schleichen, kommt Theon zu der Erkenntnis, dass er eigentlich ein Stark ist und sein wahrer Vater in King’s Landing geköpft wurde (alles unterlegt vom Stark-Thema). Im Inneren offenbart sich jedoch, dass Theons Retter keinesfalls ist, wer er zu sein vorgibt. Männer nehmen Theon in Gewahrsam, während Ramsay Snow ihnen erklärt, Theon sei geflohen und habe seine Verfolger getötet. Kurz sieht man auf seinem Gesicht einen wunderbaren, sadistischen Gesichtsausdruck und Theon wird klar, dass er seine Folterkammer niemals verlassen hat.
Bei Theons Handlungsstrang wäre interessant zu wissen, wo er sich nun eigentlich befindet, sowohl in „Dark Wings, Dark Words“ als auch in dieser Episode. Ramsay behauptet zwar, dass sie in Deepwood Motte seien, es könnte allerdings auch die Dreadford sein. Jedenfalls taucht für Theon kein neuer Ort auf der Karte auf.

Bei der Bruderschaft ohne Banner
Zusammen mit Arya und Gendry treffen wir nun den mysteriösen Anführer der Bruderschaft ohne Banner: Lord Berric Dondarrion (Richard Dormer). Der „Blitzlord“ tauchte bereits in einer kurzen Szene in der sechsten Episode der ersten Staffel auf, dort noch gespielt von David Michael Scott, und wurde von Eddard Stark ausgeschickt, um Ser Gregor Clegane Einhalt zu gebieten. Dieser Aufgabe geht er immer noch nach, inzwischen allerdings als Gesetzloser. Angesichts dessen, was ihm wiederfahren ist, ist der Schauspielerwechsel nicht weiter tragisch, besonders, da sich Richard Dormer als äußerst charismatisch und passend erweist.
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Berric Dondarrion (Richard Dormer)

Zum ersten Mal wird nun auch die Verbindung zwischen der Bruderschaft ohne Banner und dem Roten Gott betont. Ebenso wird in der Serie erstmals erwähnt, was Gregor Clegane mit Rhaegars Frau und Kindern getan hat – dies wird vor allem wichtig werden, wenn in Staffel 4 Oberyn Martell auftaucht, und ist natürlich ganz allgemein ein enorm wichtiges Ereignis.

Astapor
Ein weiteres „Zwischenfinale“ findest derweil in Essos statt: Daenerys, Ser Barristan, Ser Jorah und Missandei (in Daenerys‘ Dienstens darf sie auch etwas weniger Enthüllendes anziehen) kommen ein letztes Mal zu Kraznys, um die Unbefleckten abzuholen.
War Daenerys‘ Handlungsstrang in Staffel 2 ein wenig dröge, so sorgt er in dieser Staffel für einige der besten Szenen und erreicht in „And Now His Watch Is Ended“ den vorläufigen Höhepunkt. Nebenbei ist auch zu sehen, wie gut und beeindruckend die Spezialeffekte der Serie inzwischen sind.
Der Handel wird scheinbar abgeschlossen, Drogon und die Unbefleckten wechseln jeweils den Besitzer, symbolisiert durch Kette (an der der Drache hängt) und Sklavenpeitsche. Doch sobald die Unbefleckten in Daenerys‘ Besitz übergegangen sind, beweist sie, dass es nicht nur zwei Wege (jeweils vertreten durch Danys ritterliche Ratgeber) gibt, mit der Situation umzugehen. Anstatt entweder die Sklaven zu kaufen oder sie nicht zu kaufen, kauft sie sie, um sie anschließend zu befreien. Die Unbefleckten töten ihre ehemaligen Herren, befreien alle Sklaven und verlassen Astapor, angeführt von ihrer Köngin.
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Daenerys (Emilia Clarke) und ihre Unbefleckten

Das Ganze ist enorm gelungen umgesetzt: Kraznys ist so mit dem bockenden Drogon beschäftigt, dass er gar nicht bemerkt, dass Dany die Unbefleckten auf Valyrisch anspricht. Der Ausdruck auf seinem Gesicht, als er es merkt, ist unbezahlbar. Gleichzeitig erbringt auch Emilia Clarke ihre bisher beste Leistung – und das, wohlgemerkt, in einer fiktiven Sprache. Diese Szene lebt von großen und kleinen Details: Die schockierten Gesichtsausdrücke von Barristan und Jorah, die zufriedene Häme in Missandeis Gesicht, die symbolische Geste der fallengelassenen Peitsche und natürlich die Musik: Ramin Djawadi entwickelt Daenerys‘ Thema weiter und lässt es als bedrohlichen Marsch erklingen, zu dem die neue Armee der Drachenkönigin Astapor verlässt.

Fazit: Die wahrscheinlich bisher beste Episode der dritten Staffel mit einem epischen Ende. Die Dinge geraten ins Rollen.

Game of Thrones Staffel 3:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
Kissed by Fire
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3