The Rise of Skywalker: Expanded Edition

Spoiler!
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Werfen wir doch noch einmal einen Blick auf „The Rise of Skywalker“. Einige Monate sind seit dem Kinostart vergangen und viele der Fragen, die der Film aufgeworfen hat, wurden inzwischen beantwortet, primär durch die Romanadaption des Films von Rae Carson – wie schon bei „The Last Jedi“ als „Expanded Edition“ bezeichnet, was natürlich zu gewissen Erwartungen führt. Das Feld der Romanadaptionen in diesem Franchise deckt das komplette Spektrum ab. Auf der einen Seite hätten wir da beispielsweise „The Force Awakens“ von Alan Dean Foster, bei dem es sich um eine ebenso uninspirierte wie uninteressante Prosafassung des Drehbuchs handelt, die so gut wie keinen Mehrwehrt bietet. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich Matthew Stovers „Revenge of the Sith“, ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht und in meinen Augen nach wie vor das beste Star-Wars-Medium ist, weil es alles beinhaltet, was Star Wars ausmacht und sein kann. Nebenbei bemerkt: Matthew Stover hat gewissermaßen Baby Yoda prophezeit. Aber das nur am Rande.

Rae Carson ist eine interessante Wahl als Autorin für diesen Roman, da sie recht wenig Star-Wars-Vorerfahrung hat, bis zu „The Rise of Skywalker“ hatte sie lediglich zwei Kurzgeschichten („The Red One“ in „A Certain Point of View“ und „Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing“ in „Canto Bight“) sowie einen Jugendroman („Most Wanted“, ein Tie-In zu „Solo: A Star Wars Story“) verfasst. Im Gegensatz dazu waren Alan Dean Foster und Pablo Hidalgo, die Autoren der anderen beiden Sequel-Trilogie-Romane, relativ naheliegende Wahlen; Ersterer verfasste bereits den Roman zu Episode IV, während Letzterer Teil der Lucasfilm Story Group ist und ohnehin als Lore- und Kontinuitätsguru gilt. Auf der Skala zwischen „The Force Awakens“ und „Revenge of the Sith“ liegt Carsons Arbeit in etwa in der Mitte – sie ist von Fosters dröger, spannungsarmer Prosa ebenso weit entfernt wie von dem Franchise-definierenden Meilenstein, den Stover uns geschenkt hat. Vor allem im Kontext des Films kann diese Adaption als solide bezeichnet werden. Viele Schwächen kommen natürlich von der Vorlage – hier hatte Stover einen deutlich dankbareren Job, da „Revenge of the Sith“ eigentlich eine sehr gut Geschichte erzählt, die lediglich in der filmischen Umsetzung etwas holprig ist. „The Rise of Skywalker“ dagegen schafft es, gleichzeitig zu viel und zu wenig Handlung zu haben, Wendung reiht sich an Wendung, ohne dass es einen tieferen Sinn gäbe, und der eigentliche Plot des Films ist die Suche nach einem MacGuffin, das zu einem MacGuffin führt, welches wiederum zu einem MacGuffin führt. Daran kann Carson nichts ändern. Auch ist fraglich, ob man sie für die Antworten verantwortlich machen kann, die dieser Roman gibt. Tatsächlich werden die meisten Fragen, die rund um Palpatine und seine Rückkehr kreisten, beantwortet. Wir erfahren, dass sich sein Geist tatsächlich in einem Klonkörper befindet, der allerdings nur suboptimal dazu geeignet ist, diese mächtige Essenz zu halten – ganz wie in „Dark Empire“. Auch Reys Herkunft wird genauer beleuchtet, nachdem erst einmal eifrig spekuliert wurde, wer denn nun ihre Großmutter sein könnte. Wir erfahren, dass ihr nach wie vor namenloser Vater, im Film dargestellt von Billy Howle, nicht wirklich Palpatines Sohn ist, sondern ein nicht-identischer Klon, der über keinerlei Machtbegabung verfügt, aber ansonsten, anders als die Klonkörper, die Sidious nach seinem Ableben auf dem Zweiten Todesstern bewohnt, ein voll funktionsfähiger Mensch ist. Er ist also auf dieselbe Art und Weise Palpatines Sohn, wie Boba Jango Fetts Sohn ist. Rein biologisch betrachtet ist Rey damit nicht Palpatines Enkelin, sondern seine Tochter. Ob diese Antworten irgendjemanden zufrieden stellen, ist fraglich, aber es ist ebenso fraglich, ob sie von Carson selbst kommen; wahrscheinlicher ist, dass sie entweder von J. J. Abrams und Chris Terrio oder von der Story Group stammen.

Wie dem auch sei, für die Inhalte kann man Carson beim besten Willen nicht verantwortlich machen. Ihr Stil ist in jedem Fall sehr angenehm und flüssig, gerade im Vergleich zum Episode-VII-Roman ist das eine massive Verbesserung. Auch was die internen Prozesse der Charaktere angeht leistet Carson durchaus gute Arbeit. Gerade die zugegebenermaßen eher spärlichen Passagen des Romans, in denen sie dazu kommt, die Gedanken und Gefühlswelten der Figuren etwas ausgiebiger zu erforschen, gehören mit zu den stärksten und schaffen es, das Personal zumindest ein wenig plastischer zu zeichnen. Alles in allem ist Carsons Roman definitiv die bessere Version der Geschichte – das Tempo ist zwar nach wie vor hoch, aber dennoch nicht ganz so halsbrecherisch wie beim Film. Zusätzlich hat Carson die Struktur ein wenig geändert, was ebenfalls nicht schadet; so bekommt das Konstrukt immerhin hier und da ein wenig Raum zum Atmen. Gerade was Leia Organa angeht, hat Carson natürlich den Vorteil, nicht auf einige wenige Szenen angewiesen zu sein, stattdessen kann sie den Abschied von dieser Figur ausführlicher und angemessener gestalten.

Definitiv empfehlenswert ist die englische Hörbuchfassung, die bei Audible zu finden ist – so habe ich den Roman konsumiert. Eingesprochen wurde das Hörbuch von Marc Thompson, einem absoluten Star-Wars-Veteranen, der sowohl im Legends- als auch im Kanon-Bereich eine große Zahl an Romanen interpretiert hat und sein Handwerk exzellent versteht. Gerade die Stimmen der Figuren bzw. ihrer Schauspieler trifft Thompson wirklich ausgezeichnet, ohne dass sie zur Parodie verkommen, da er viel über Tonfall und Sprachduktus arbeitet, anstatt einfach nur simpel zu imitieren. Besonders beeindruckend sind Thompsons Versionen von Palpatine und Leia.

Fazit: „The Rise of Skywalker: Expanded Edition“ ist zwar kein Meisterwerk wie Matthew Stovers Episode-III-Adaption, aber ein durchaus solider Filmroman. An der uninspirierten Handlung und den sonstigen Inhalten kann Carson freilich nichts ändern, aber immerhin gelingt es ihr, die Figuren etwas plastischer zu zeichnen und die Struktur zu entzerren. All jene, denen Episode IX tatsächlich gefallen hat, sollten sich Carsons Version der Geschichte definitiv zu Gemüte führen. Ansonsten wird die „Expanded Edition“ die Meinung zum Film kaum ändern, aber sie gibt zumindest ein von Marc Thompson exzellent vorgelesenes, kurzweiliges Hörbuch ab.

Siehe auch:
Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker – Ausführliche Rezension
Das Erwachen der Macht
Die Rache der Sith

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Die Natur der Macht


Schon seit einigen Jahren erfreuen sich popkulturelle Philosophiebücher großer Beliebtheit – egal ob „Die Simpsons und die Philosophie“, „Der Herr der Ringe und die Philosophie“ oder „Game of Thrones und die Philosophie“, das Konzept funktioniert immer ähnlich: Autoren philosophischer Fachrichtungen, zumeist im universitären Bereich tätig, erläutern philosophische Konzepte anhand von Beispielen aus besagten Werken – so vergleicht etwa Eric Katz die Geschichte vom Ring des Gyges aus Platons Politeia (es geht hier um die Natur von Moral und Macht – handelt ein Mensch, der keine Konsequenzen fürchten muss, noch moralisch?) mit Tolkiens Roman und der Rolle, die der Eine Ring darin spielt.

Inzwischen ist ein derartiges Buch auch für Star Wars erschienen (herausgegeben von Catherine Newmark) und trägt den Titel: „Viel zu lernen du noch hast – Star Wars und die Philosophie“. Während philosophische Konzepte zumindest in den Filmen selten wirklich ausgestaltet sind, gibt es doch vielen Anknüpfungspunkte, wobei die Natur der Macht mit Abstand der ergiebigste ist. Gerade die Dunkle Seite der Macht ist bereits abseits von Star Wars zum geflügelten Begriff geworden, mit dem selbst Menschen, die noch keinen der Filme gesehen haben, etwas anfangen können. Die Dunkle Seite der Macht gilt als Sinnbild des verführerischen Bösen, dem Menschen erliegen. Besonders ein Aufsatz nimmt sich dieser Thematik an: „Jedi-Meister Augustinus gegen Darth Faustus. Der freie Wille gegen den Manichäismus“ von Alexandre Lacroix. Leider bleibt Lacroix dabei äußerst oberflächlich und voreingenommen; die gesamte Fragestellung wird sehr knapp beantwortet, weshalb ich mich im Rahmen dieses Artikels noch einmal ausgiebiger damit auseinandersetzen bzw. Lacroix‘ Ansatz als Aufhänger verwenden möchte, um mich mit der Natur der Macht zu beschäftigen.

Die Natur des Bösen
Lacroix setzt sich in seinem Aufsatz nicht wirklich mit der Macht auseinander, die Star-Wars-Thematik ist eher ein Nachgedanke, auch wenn er von den historischen Figuren Augustinus von Hippo (354-430) und Faustus von Mileve (350-400) als „Jedi-Meister Augustinus“ und „Darth Faustus“ spricht. Lacroix geht es um die Frage nach der Natur des Bösen. Diese Frage hängt freilich meistens vom spirituellen bzw. religiösen Standpunkt ab; ob „das Böse“ in dieser Form überhaupt existiert, ist eine umfassende Frage für sich. Wie sagte Palpatine noch so schön? „Good is a point of view, Anakin.“ Ich selbst bin der Meinung, dass Moral, bzw. „das Gute“ auch ohne Gottheit oder eine spirituelle Dimension funktionieren kann, ohne beliebig zu sein (man achte auf den Unterschied zwischen „relativ“ und „beliebig“) – Kants kategorischer Imperativ ist da immer hilfreich. Allerdings geht das am Thema dieses Artikels vorbei – in der erzählten Welt von Star Wars ist die Frage nach dem spirituellen Element ohnehin müßig, die Macht existiert, daran gibt es nichts zu rütteln.

Gehen wir erst einmal prinzipiell von der Existenz von Gut und Böse aus. Die Grundfrage, die sich Philosophen seit Jahrtausenden stellen, ist folgende: Ist das Böse eine eigene Kraft, die unabhängig vom Guten wirken kann und ihm gleichgestellt ist, oder ist das Böse dem Guten untergeordnet und von ihm abhängig? Denker wie der bereits erwähnte Faustus oder der persische Religionsgründer Mani (216 bis 276 oder 77) gehen von Ersterem aus, während der Kirchenvater Augustinus oder der römische Senator und Philosoph Boethius (480 oder 85-524 oder 25) Letztere Ansicht teilen. Beim „Manichäismus“, der von Mani begründeten, spätantiken Religion, handelt es sich um eine dualistische Glaubensform, in der Gut und Böse annährend gleichrangige Kräfte sind und die wiederum von verschiedenen Quellen beeinflusst wurde, von jüdischen, christlichen und gnostischen, aber auch zoroastrischen und anderen fernöstlichen Schriften aus dem buddhistischen und hinduistischen Umfeld. Gerade im Zoroastrismus, einer der ältesten monotheistischen Religion, ist der Gedanke des ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse als gleichwertige Kräfte stark vertreten. Im modernen Sprachgebrauch wird Manichäismus gerne als Synonym für ein streng dualistisches Weltbild verwendet.

Augustinus war von Manis Lehren in seiner Jugend durchaus angetan, lehnte sie später allerdings umso vehementer ab. In seinen Augen kann das Böse nur als Mangel begriffen werden. Da Gott allmächtig ist, kann keine Macht außerhalb Gottes existieren, das bedeutet, dass auch Satan und/oder das Böse letztendlich von Gott geschaffen wurde bzw. von ihm abhängig ist. Aber wie kann ein gütiger Gott das Böse nur zulassen oder sogar selbst erschaffen haben? Augustinus‘ Antwort auf die Theodizeefrage liegt im freien Willen. Das Böse entsteht, weil sich Menschen (bzw. im Fall Satans Engel) bewusst von Gott abwenden. Somit ist das Böse dem Guten untergeordnet, es ist keine eigene Kraft, sondern nur ein Mangel, die Abwesenheit Gottes. Kein Wesen wird böse geschaffen, alles Böse entsteht durch die Nutzung des freien Willens. Sollte es dem Bösen tatsächlich gelingen, das Gute zu vernichten, würde es sich damit gleichzeitig selbst zerstören – laut Augustinus und Boethius besitzt das Böse somit eine parasitäre Natur. Dies ist auch die Grundhaltung, die von den meisten christlichen Konfessionen geteilt wird – nicht umsonst wird Augustinus als „Kirchenvater“ bezeichnet. Lediglich einige christliche Sekten entwickelten die Konzepte des Manichäismus und der Gnosis weiter. Die südfranzösischen Albigenser sind das wohl prominenteste Beispiel – auch für den Umgang der katholischen Kirche mit derartigen Sekten, die als Ketzer von der Inquisition verfolgt oder per Kreuzzug niedergemetzelt wurden. Für Lacroix ist die Antwort auf die Frage nach der Natur des Böse ebenfalls sehr eindeutig, dem Dualismus kann er nichts abgewinnen und bemängelt die Vorherrschaft manichäischen Gedankentums in der Unterhaltungsindustrie. Dem setzt er Star Wars entgegen, das „den subtileren und humaneren Ideen des Augustinus folgt“. Anakin Skywalker ist ihm zufolge weder gut noch böse, einerseits tötet er Unschuldige (etwa die Jünglinge in Episode III), aber auch den größten Tyrannen der Galaxis. Lacroix liegt damit nicht prinzipiell falsch, ich finde seinen Aufsatz lediglich äußerst oberflächlich, da sich eine Beschäftigung mit der Macht in diesem Kontext geradezu aufdrängt, aber leider nicht stattfindet.

Das Gleichgewicht der Macht
Star Wars werden, nicht zu Unrecht, gerne diverse fernöstliche Einflüsse attestiert. Die Jedi erinnern an Samurai, ihre Lehren haben buddhistische Anklänge und die Macht mit ihrer Hellen und Dunklen Seite scheint vom Konzept von Yin und Yang beeinflusst zu sein. Oder? Fakt ist: In den Episoden I bis VI ist zwar oft die Rede von der Dunklen Seite der Macht, aber eine Helle wird nie erwähnt. Die Natur der Macht bleibt höchst undurchsichtig. In den Prequels kommt das Konzept des „Gleichgewichts der Macht“ hinzu, das vom Auserwählten herbeigeführt werden soll. Aber was bedeutet das Gleichgewicht der Macht überhaupt? Wenn man von einer dualistischen Deutung ausgeht, müsste es zu einem Ausgleich von Heller und Dunkler Seite kommen, ähnlich einem Yin-Yang-Gleichgewicht (wobei Yin hell und Yang zwar dunkel repräsentiert, hell und dunkel aber nicht automatisch mit gut und böse gleichzusetzen sind). Es wirkt allerdings nicht so, als sei die Weltsicht der Jedi dualistisch. Vielmehr scheinen sie einer augustinischen Philosophie zu folgen, da sie, wie bereits erwähnt, nie explizit von einer Hellen Seite der Macht sprechen. Es gibt die Macht und die Dunkle Seite, wobei die Dunkle Seite parasitärer Natur und damit Verursacher des Ungleichgewichts ist. Besonders eine Aussage Obi-Wans in Episode III deutet darauf hin: „You were the chosen one! It was said that you would destroy the Sith, not join them. You were to bring balance to the Force, not leave it in darkness!“ Hier wird explizit gesagt, dass die Sith als Repräsentanten der Dunklen Seite zerstört werden müssen, um die Macht ins Gleichgewicht zu bringen.

Interessanterweise bleiben die Filme diesbezüglich letztendlich vage, da Anakin aus beiden Perspektiven Gleichgewicht schafft und einen wie auch immer gearteten Neuanfang ermöglicht (jegliches weiterführende Material aus dem alten Erweiterten Universum oder der neuen Einheitskontinuität werde ich dabei erst einmal ignorieren). Er zerstört die Sith (Palpatine/Darth Sidious und sich selbst). Im Vorfeld zerstört er aber auch den Jedi-Orden, entweder indirekt, da er Palpatine am Leben lässt, sodass dieser die Order 66 auslösen kann, oder direkt, schließlich tötet er ja auch eine ganze Reihe Jedi mit eigenen Händen. Mit ihm selbst stirbt dann auch das letzte Mitglied des alten Jedi-Ordens. Durch diesen Aspekt, und noch einige andere kleine Details wie Anakin Skywalkers unbefleckte Empfängnis, ist Star Wars weitaus christlicher konnotiert, als man vielleicht gemeinhin annehmen würde. Wie dem auch sei, gerade bei den Prequels ist die Unklarheit bzw. der Mangel an Information oft eine signifikante Schwäche. Bestimmte, zum Teil sehr essentielle Fragen (Wofür wollen die Sith sich rächen? Warum gibt es immer nur zwei von ihnen?) werden zwar in Zusatzmaterialien beantwortet, aber nicht in den Filmen selbst. Was das Gleichgewicht der Macht angeht bin ich allerdings froh, dass George Lucas keine eindeutige Antwort gegeben hat, so macht das Philosophieren und Spekulieren weitaus mehr Spaß. Allerdings wäre es nützlich gewesen, wenn er zumindest den genauen Wortlaut der Prophezeiung des Auserwählten in den Filmen untergebracht hätte.

Mikroskopische Macht?

Bevor wir zu zur Frage des Dualismus der Macht zurückkehren, machen wir einen kleinen Abstecher zu einem sehr kontroversen Thema. In Episode IV definiert Obi-Wan die Macht wie folgt: „The Force is what gives a Jedi his power. It’s an energy field created by all living things. It surrounds us and penetrates us. It binds the galaxy together.“ In Episode I dagegen lernt man als Zuschauer eine neue Betrachtungsweise kennen, denn Qui-Gon Jinn informiert Anakin (und damit uns) über Midi-Chlorianer, mikroskopisch kleine Lebewesen, die in menschlichen Zellen leben – je höher die Midi-Chlorianer-Konzentration, desto stärker in der Macht ist ein Lebewesen. Die Eröffnung hat zu großem Unmut geführt, da viele Star-Wars-Fans der Meinung waren, George Lucas habe mit diesem Konzept die Macht entmystifiziert und sie zu einem bloßen biologischen Phänomen gemacht. Dem ist allerdings nicht der Fall, denn die Macht kommt nicht von den Midi-Chlorianern und ist auch kein simples, biologisches Phänomen. Die Midi-Chlorianer sind lediglich biologische Spuren der Macht, Mittel zur Kommunikation. Das bedeutet nicht, dass ich jegliche Kritik an diesem Konzept für ungerechtfertigt halte – allerdings zeugt die Form, die sie meistens annimmt, oft von Kurzsichtigkeit und mangelndem Verständnis. Darüber hinaus sind die Midi-Chlorianer nur im weiteren Sinn ein Prequel-Konzept, da sie bereits in frühen Entwürfen des ursprünglichen Star-Wars-Drehbuchs auftauchen. George Lucas entledigte sich für den fertigen Film ja bekanntermaßen der meisten Fachbegriffe, die ein Publikum irritieren könnten, weshalb Tarkin beispielsweise immer nur mit „Gouverneur“ angesprochen wird und nicht mit seinem eigentlichen Rang (Großmoff) oder Vader nur im Roman und Drehbuch, aber nie im Film als „Dunkler Lord der Sith“ bezeichnet wird.

Ashla und Bogan – Die Seiten der Macht im Erweiterten Universum
Das Erweiterte Star-Wars-Universum, seit der Disney-Übernahme v.a. als „Star Wars Legends“ bekannt, nahm schon immer Konzepte, die in den Filmen nur angerissen wurden, und baute sie mal mehr, mal weniger gelungen und konsequent aus. Die Macht darf darunter natürlich nicht fehlen. Der Begriff der „Hellen Seite der Macht“ fiel zum ersten Mal in einem EU-Werk, einem der Comics der „Tales of the Jedi“, wenn ich mich recht erinnere, da bin ich mir allerdings nicht völlig sicher.

Zur Zeit der Prequels begannen die Autoren des EU an mehreren Fronten, die klassischen Sichtweisen zu hinterfragen. In Terry Brooks‘ Romanadaption von Episode I wird zum ersten Mal das Konzept der „Vereinigenden Macht“ ausgeführt, das versucht, über die ursprüngliche Sichtweise hinauszugehen und Zeit und Raum als solches erfasst. Der Vereinigenden Macht ist die „Lebendige Macht“ gegenübergestellt; hier liegt der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen Leben und der Macht und auch auf der Wechselwirkung zwischen Heller und Dunkler Seite. Dieses Konzept scheint der implizite Versuch, einen Kompromiss zwischen der dualistischen und der augustinischen Sichtweise der Macht zu schließen. Zwar wird explizit von Heller und Dunkler Seite gesprochen, doch letztendlich ist die Vereinigende Macht beiden übergeordnet. Andere EU-Werke treiben das noch weiter. Besonders sei an dieser Stelle Matthew Stovers „Traitor“ erwähnt. In diesem Roman lernt Jacen Solo, der Sohn von Han und Leia, von der enigmatischen Jedi Vergere, dass die Macht letztendlich keine Seiten hat, sondern es lediglich auf die Absichten des Machtnutzers ankommt. In diesem Kontext ist die Dunkle Seite der Macht nicht einmal mehr eine Perversion, sondern schlicht nicht existent, der Machtnutzer ist praktisch das Maß aller Dinge. Im EU gibt es das Potentium, eine Gruppierung, die auf diesem Gedanken aufbaut und diese Philosophie weiter ausformuliert. Leider erklärte George Lucas irgendwann aus einer Laune heraus, die dogmatische Sicht der Jedi sei die einzige richtige, weshalb das EU sich in späteren Werken fürchterlich verrenkte, um aus Vergere eine Sith zu machen. Ich persönlich finde es viel spannender, diesbezüglich keine endgültige Antwort zu bekommen.

Der Potentium-Lehre gegenüber steht der tatsächliche Dualismus des frühen Jedi-Ordens. In der Comicserie „Dawn of the Jedi“ von John Ostrander und dem zugehörigen, gleichnamigen Roman von Tim Lebbon wird der Jedi-Orden vor der Gründung der Republik auf Tython gezeigt. Die Je’daii gleichen ihren Nachfahren in vielen Belangen: Auch sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Gleichgewicht der Macht zu wahren, ihr Verständnis des Gleichgewichts unterscheidet sich allerdings von dem der späteren Jedi. Ihre Heimat hat zwei Monde, einen hellen, Ashla, und einen dunklen, Bogan. Diese Konstellation verwenden sie als Metapher zu Beschreibung der Macht, und exakt diese Namen verwenden sie für die Helle und Dunkle Seite. Für die Je’daii ist die Dunkle Seite nicht per se böse und die Helle nicht per se gut, es geht um die Balance – Ungleichgewicht in beide Richtungen ist schlecht. Im EU hat sich die an Augustinus angelehnte Sichtweise auf die Macht also nach und nach entwickelt, von einem Dualismus hin zur Wahrnehmung der Dunklen Seite als etwas Unnatürliches.

Im EU gibt es sehr viele, sehr interessante Machtphilosophien – sie alle hier zu beschreiben würde den Rahmen des Artikels sprengen. Eine will ich allerdings noch erwähnen: Den Weg des Dunkels. Die Anhänger dieser Philosophie, eine Gruppe namens „Zauberer von Rhand“, glauben an ein übergeordnetes Dunkel, das selbst die Macht und ihre Seiten insignifikant macht. Diese Kraft der Enthropie ist das einzige, was sie letzten Endes als real anerkennen – jegliche Existenz ist nur von kurzer Dauer, einzig Zerstörung und Chaos sind unendlich. Diese übergeordnete Finsternis taucht immer wieder implizit bzw. metaphorisch in den Werken von Matthew Stover auf, primär in „Shatterpoint“, aber auch in „Revenge of the Sith“. In Stovers bis dato letztem SW-Roman, „Luke Skywalker and the Shadows of Mindor“ wird der Weg des Dunkles explizit thematisiert, da der Schurke des Werkes, Cronal, ein Anhänger dieser Philosophie ist.

Dualismus im Kanon
Für die seit der Disney-Übernahme neu etablierte Einheitskontinuität spielt das alles freilich keine wirklich Rolle mehr. Dennoch, bereits seit „The Clone Wars“ (das ich wegen seines Status als einzigem vor 2014 entstandenem Star-Wars-Werk außerhalb der Film, das Teil des neuen Kanons ist, hier besprechen werde) merkt man, dass die kreativen Köpfe versuchen, mit der Macht in eine neue Richtung zu gehen. Ein großer Kritikpunkt an den Prequels war die bereits erwähnte Entmystifizierung der Macht durch die Midi-Chlorianer. In vielerlei Hinsicht versucht „The Clone Wars“, dem entgegenzuwirken. Das wohl prominenteste Beispiel ist der Mortis-Dreiteiler aus der dritten Staffel. Hier landen Anakin, Obi-Wan und Ahsoka auf dem Planeten Mortis, wo sie drei mysteriösen, äußerst mächtigen Wesen begegnen, die Avatare der Macht zu sein scheinen. Es gibt die „Tochter“, die die Helle Seite repräsentiert, den „Sohn“, der für die Dunkle Seite steht und den „Vater“, der für Ausgleich sorgt und zumindest theoretisch vom Außerwählten (also Anakin) eines Tages abgelöst werden soll.

Diese Verkörperungen der Macht deuten nun wieder auf ein stärkeres dualistisches Prinzip hin, in dem Licht und Schatten gleichberechtigt sind und in diesem Kontext sogar von einem übergeordneten Prinzip (wir erinnern uns an die Vereinigende Macht) ausbalanciert werden. Im alten EU wurden diese Verkörperungen im Rahmen der EU-Romanreihe „Fate of the Jedi“ aufgegriffen und sogar erweitert. Vor langer Zeit gab es die „Dienerin“, die zur „Mutter“ und Gefährtin des Vaters wurde. Aber die Mutter war, anders als der Rest der Familie, sterblich, weshalb sie sich die Macht von Mortis zunutze machte, davon allerdings korrumpiert wurde und sich so in Abeloth verwandelte, ein Wesen, das auch den Werken H.P. Lovecrafts entsprungen sein könnte. Abeloth ist als Gegner derartig mächtig, dass Luke Skywalkers Jedi und die Sith (unter Führung Darth Krayts) sich verbünden müssen, um sie zu besiegen. In der neuen Kontinuität wurde die Mortis-Familie dagegen noch nicht weiter aufgegriffen. Ehrlich gesagt bin ich mit der direkten Repräsentation von Machtaspekten auch nicht allzu glücklich, obwohl die Mortis-Trilogie zumindest bezüglich der Umsetzung (visuelle Elemente, Musik, Sprecher etc.) zu den besseren Clone-Wars-Folgen gehört. Star Wars hatte zwar schon immer Fantasy-Elemente, aber die Mortis-Trilogie bringt die Balance für mich zu sehr durcheinander.

In der sechsten Staffel wurden die Mysterien der Macht noch einmal aufgegriffen. In den beiden finalen Folgen der Serie begibt sich Yoda auf eine spirituelle Suche und findet einen Planeten, der als „Wellspring of Life“ bezeichnet wird und von dem die Midi-Chlorianer stammen. Die dort residierenden Machtpriesterinnen scheinen abermals recht direkte Inkarnationen der Macht zu sein, wobei jede dieser Priesterinnen einer bestimmten Emotion zugeordnet ist. Immer wieder ist in diesem Kontext die Rede von der „Kosmischen Macht“, die mehr oder weniger identisch mit der Vereinigenden Macht ist. Hier bemüht sich „The Clone Wars“ auch, noch einmal zu betonen, dass die Midi-Chlorianer-Fixierung der Jedi ein Irrweg ist, der zeigt, wie sehr sie in ihren Strukturen erstarrt sind, da die Macht weit über die Midi-Chlorianer hinausgeht.

In „Star Wars Rebels“, das durchaus als Fortsetzung zu „The Clone Wars“ funktionieren kann, werden diese Konzepte nicht wieder aufgegriffen, aber die Natur der Macht wird durchaus thematisiert – man versucht es zumindest. Während Episode VII vorerst den Dualismus zu zementieren scheint (hier ist zum ersten Mal in einem Film von der Hellen Seite der Macht die Rede), bewegt sich „Rebels“ davon weg. Hauptinstrument ist der mysteriöse Bendu, der zum ersten Mal in der dritten Staffel auftaucht und im Grunde mehr oder weniger die Position der Je’daii vertritt (und nebenbei gleich die EU-Begriffe „Ahsla“ und „Bogan“ in den Kanon zurückbringt), sich aber auch einiger Elemente der Potentium-Lehre bedient. Allerdings bleibt das recht vage und unausgegoren – gerade im Vergleich zu Stovers „Traitor“. Wie es scheint, bewegt sich Episode VIII in eine ähnlich Richtung. Nach dem Trailer, in dem Luke Skywalker aus dem Off verkündet, die Zeit der Jedi müsse enden, wird wild um graues Jeditum spekuliert. Auch hierbei handelt es sich zumindest dem Namen nach um ein Konzept aus dem EU, das jedoch häufig missverstanden wird. Ein grauer Jedi ist ein Jedi, der zwar die ideale Jedi hochhält, aber mit den Strukturen und Dogmen des Jedi-Ordens nicht einverstanden ist. Qui-Gon Jinn wurde beispielsweise von einigen seiner orthodoxeren Ordensbrüder fast schon als grauer Jedi wahrgenommen. Da Episode VIII nun ohnehin in dieser Woche startet, spare ich mir an dieser Stelle jegliche Spekulationen und bespreche stattdessen lieber den Film, wenn ich ihn gesehen habe. Wer weiß, vielleicht taucht der eine oder andere Gedanke dieses Artikels in Rian Johnsons Film auf.

Das Erwachen der Macht

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Es mag nicht allzu bekannt sein, aber die Version von Star Wars, die als erstes von der Allgemeinheit konsumiert werden konnte, stammt zumindest teilweise von Alan Dean Foster. Die Romanadaption von „Eine neue Hoffnung“ (damals noch schlicht „Star Wars“) erschien bereits im November 1976, etwa ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Kinostart. Auf dem Cover mag damals George Lucas‘ Name gestanden haben, doch verfasst wurde dieser Roman, basierend auf Lucas‘ Drehbuch, von Foster. Aber springen wir knapp vierzig Jahre in die Zukunft: Nostalgie war bei der Konzeption von „Das Erwachen der Macht“ ein wichtiger Faktor, da scheint es naheliegend zu sein, dass Alan Dean Foster auch die Romanadaption zu Episode VII verfasst. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass Foster bereits die Prosaumsetzungen der Abrams-Filme „Star Trek“ „Star Trek Into Darkness“ zu Papier brachte, man könnte in diesem Zusammenhang also von einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis sprechen.

Wie dem auch sei, betrachtet man die Gesamtheit der SW-Filmromane, ist die Bilanz eher gemischt: Wärhend die drei OT-Romane nicht unbedingt zur Zierde ihres Genres gehören, sind die Prequel-Romane, gerade unter dem Gesichtspunkt der Adaption, ziemlich gelungen und, im Fall von Matthew Stovers „Die Rache der Sith“, ein Meisterwerk, das für mich das Ideal eines Filmromans darstellt. Leider passt Fosters „Das Erwachen der Macht“ qualitativ eher zu den OT-Romanen. Vermutlich ist es unfair, ihn mit „Die Rache der Sith“ zu vergleichen, da Foster diverse Schwierigkeiten hatte, durfte er doch bezüglich diverser Geheimnisse und Hintergründe nicht in die Tiefe gehen und kaum mehr verraten als der Film. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Einschränkung ist die Romanfassung von Episode VII bestenfalls uninspiriert. Fosters Prosa weiß nicht wirklich zu überzeugen und wirkt oftmals lieblos, echte Spannung oder Intensität kommt selten. An manchen Stellen wirkt die Stimme des Erzählers gar merkwürdig distanziert. Die Zerstörung von Hosnian Prime ist dafür ein gutes Beispiel – in dieser Szene beschäftigt sich Foster primär damit, die technische Funktionsweise der Starkiller Base zu beschreiben, anstatt dem Leser zu vermitteln, was für eine Tragödie hier gerade stattfindet. Auch mit der Macht scheint Foster nicht allzu viel anfangen zu können: Gemessen am Titel beschreibt er kaum, wie es sich für Rey anfühlt, wenn die Macht in ihr erwacht. Vielleicht bin ich diesbezüglich von Stover einfach zu sehr verwöhnt, aber ich hätte zu gerne erfahren, wie Rey und Kylo Ren die Macht wahrnehmen.

Was den Lesefluss für mich am meisten stört, ist der sprunghafte Perspektivwechsel. Foster schaut in alle Köpfe hinein, wechselt aber ständig, weil er bei vielen Charakteren nicht zu tief schauen darf, da sie eben Antworten auf Fragen kennen, die der Leser noch nicht erfahren darf. Anstatt einfach nur das Drehbuch in Prosa umzusetzen hätte sich Foster, ähnlich wie Stover das erfolgreich getan hat, der Stärken seines Mediums annehmen müssen. Sowohl Rey als auch Finn bieten sich hervorragend als primäre Point-of-View-Charaktere an, da ihr Wissensstand dem des Lesers entspricht. Im Idealfall hätte sich Foster ausschließlich oder doch zumindest größtenteils auf diese beiden konzentriert. Es wäre darüber hinaus vielleicht gar nicht verkehrt gewesen, die Inhalte des Jugendbuches „Vor dem Erwachen“, das drei kürzere Vorgeschichten (jeweils eine für Finn, Rey und Poe) enthält, im TFA-Roman selbst unterzubringen, das hätte noch besseren Kontext gegeben und den Fokus auf Rey und Finn verstärkt. Natürlich hätte man dann aber „Vor dem Erwachen“ nicht noch extra verkaufen können…

Immerhin ein wenig Mehrwehrt hat die Romanadaption. Einige der geschnittenen Szenen finden sich bei Foster; so taucht etwa Unkar Plutt auf Takodana auf, um Rey und den Falken zurück nach Jakku zu bringen, was von Chewie jedoch unterbunden wird. Darüber hinaus erklärt Foster, wie Poe auf Jakku überlebt hat und gibt ein wenig zusätzlichen Kontext zur Republik und der Ersten Ordnung sowie einige anderweitig interessante Details. So habe ich mir bei der Sichtung des Films zum Beispiel die Frage gestellt, ob Kylo Ren weiß, dass Vader am Schluss ins Licht zurückkehrte. Laut Roman ist dies tatsächlich der Fall, wie wir von Snoke erfahren: „Had Lord Vader not succumbed to emotion at the crucial moment – had the father killed the son – the Empire would have prevailed.”

Zwar habe ich den Roman auf Englisch gelesen, aber ich habe auch die deutsche Hörbuchversion konsumiert, deshalb zum Schluss noch ein paar Worte zu selbiger bzw. zur Übersetzung. Diese ist im Großen und Ganzen in Ordnung, es haben sich aber ein paar merkwürdige Schnitzer eingeschlichen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Warum wird Phasmas Rang ausgerechnet mit „Hauptmann“ übersetzt? Das Hörbuch wird von Stefan Günther vorgelesen, dem deutschen Synchronsprecher von John Boyega. Als Sprecher ist Günther ganz in Ordnung, irritiert aber auch hin und wieder etwas, was allerdings öfter der Fall ist, wenn ein Synchronsprecher plötzlich alle Figuren seines Films spricht. Leider setzt sich die merkwürdige Aussprache des Wortes „Tie-Jäger“, die mich schon im Film gestört hat, hier fort. Insgesamt bleibt dieses erste deutsche Star-Wars-Hörbuch doch hinter den englischen bzw. amerikanischen Gegenstücken zurück, was u.a. auch daran liegt, dass diese an Schlüsselstellen gekonnt John-Williams-Musik einsetzen und so das SW-Feeling definitiv erhöhen.

Fazit: Alan Dean Fosters Romanadaption von Episode VII ist eine ziemlich uninspirierte Prosafassung des Drehbuchs mit relative wenig Mehrwert. Die meisten der vorhandenen Zusatzinformationen finden sich, zusätzlich zu vielen weiteren, auch in Pablo Hidalgos „Illustrierter Enzyklopädie“. Wer mehr über die Hintergründe von „Das Erwachen der Macht“ erfahren möchte, dem rate ich zu Claudia Grays „Bloodline“.

Siehe auch:
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Meinung
Die Rache der Sith
Bloodline

Die Rache der Sith

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Ich habe ja schon das eine oder andere Mal Matthew Stovers Romanadaption von „Die Rache der Sith“ positiv erwähnt, diese Erwähnungen werden besagtem Roman aber letztendlich nicht wirklich gerecht, was u.a. daran liegt, dass ich mich vor allem mit dem Thema „Adaption“ auseinandergesetzt habe und nicht wirklich mit dem Roman als solchem – deshalb kommt nun auch die lange, ausführliche und überfällige Rezension. Ich denke, über den Inhalt muss ich nicht allzu viele Worte verlieren, der dürfte hinlänglich bekannt sein: Anakin Skywalker verfällt der Dunklen Seite der Macht und wird Darth Vader, Palpatine alias Darth Sidious lässt die Jedi vernichten und gründet das Imperium und am Ende gibt es eine neue Hoffnung in Form zweier Babys, die auf Tatooine und Alderaan aufwachsen.

„Die Rache der Sith“ unterscheidet sich nicht nur von jedem der anderen SW-Filmromane (wie ich an anderer Stelle bereits sagte, begnügt sich Stover keinesfalls damit, einfach nur das Drehbuch in Romanform umzuschreiben und ein paar zusätzliche Szenen hinzuzufügen), sondern auch von jedem verfügbaren SW-Roman überhaupt. Das fängt schon beim Stil an, der zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, selbst wenn man zuvor bereits andere Stover-Romane wie „Verräter“ oder „Shatterpoint“ gelesen hat. „Die Rache der Sith“ ist eine große Geschichte, und Stover versucht, dem gerecht zu werden, indem er seinen Stil „episiert“ – der Prolog ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Wie man das bewertet, hängt letztendlich sehr stark von der eigenen Perspektive ab; der hier gewählte, mit anschaulichen Metaphern (etwa ein Drache für Anakin Skywalkers Ängste) ausgeschmückte Stil könnte sehr leicht schwülstig wirken. Die Betonung liegt auf könnte, denn in meinen Augen funktioniert er ausgezeichnet. Stover hat genau das richtige Maß gefunden, ohne zu übertreiben.

Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Besonderheit, die zu Anfang gewöhnungsbedürftig ist: Immer wieder hält Stover die Handlung an, wechselt ins Präsens und dringt in das Innenleben der Figuren ein, meistens mit Einleitungssätzen wie „Das ist Obi-Wan Kenobi“ oder „So fühlt es sich an, Anakin Skywalker zu sein“. Sobald man sich allerdings daran gewöhnt hat, stellt man fest, dass diese Passagen tatsächlich mitunter die interessantesten Teile des Romans sind, denn Stover belässt es nicht bei oberflächlichen Gefühlsbeschreibungen, er geht hier wirklich in die Tiefe. Als Leser erfährt man genau wie die Hauptfiguren denken, empfinden und fühlen, was ihre Handlung, die sie gemäß dem Drehbuch von George Lucas durchführen müssen, tatsächlich nachvollziehbarer und authentischer macht, während man sich im Film durchaus fragt, weshalb diese Figur gerade so gehandelt hat. Und mehr noch, vor allem bei den im Fokus stehenden Jedi-Charakteren beschreibt Stover auch, wie es sich für sie anfühlt, die Macht einzusetzen und wie sie, ganz individuell, die Macht betrachten. Dies ist ein Aspekt, der zwar durchaus auch schon von anderen Autoren vor und nach Stover aufgegriffen wurde, aber doch zu selten und nie zuvor so „gründlich“ wie bei ihm. Wenn es um die Macht geht ist Stover ohnehin unerreicht, da seine Romane stets eine ausgeprägte, philosophische Betrachtungsweise der Macht besitzen, die über fast alles andere, was es diesbezüglich im SW-Universum gibt, hinausgeht.

Auch die Art und Weise, wie Stover die Umsetzung der Handlung angeht, ist bewundernswert, denn, wie bereits gesagt, er hat keine Probleme damit, zu kürzen oder zu erweitern. Kurze Szenen, die im Film vor allem da sind, um eine wenig Abwechslung zu bringen, die im Roman aber keinen Mehrwert hätten, etwa die Schlacht um Kashyyyk, lässt er konsequenterweise weg. Auch die Order-66-Montage, im Film definitiv einer der gelungensten Momente, versucht er nicht direkt umzusetzen, da er genau weiß, dass sie im Roman nicht gut funktionieren würde. Stattdessen konzentriert er sich auf das Innenleben und die Dialoge. Auch bei Letzteren ist Stover nicht zimperlich, gibt sie oft eher sinngemäß denn wörtlich wieder und erweitert sie stark. Tatsächlich gelingt ihm, woran Lucas in den Prequels des Öfteren scheitert; die Worte, die er den Figuren in den Mund legt, wirken authentisch, man kann sich vorstellen, dass echte Menschen tatsächlich so miteinander sprechen würden. Kurz und gut: Stover kreiert aus der Vorlage ein eigenständiges Werk, ohne ihr untreu zu werden und nutzt gekonnt die Stärken des Mediums Roman, sodass es sich beinahe anfühlt, als sei der Film eine Adaption des Buches und nicht umgekehrt.

Es gibt noch zwei weitere Aspekte, die mir an „Die Rache der Sith“ besonders gefallen: Die Einbindung der Lichtschwertformen und des Erweiterten Universums im Allgemeinen. Bei Ersteren handelt es sich um die genau definierten und benannten Kampftechniken mit dem Lichtschwert, die im Zuge der Prequels entstanden, die in den diversen EU-Romanen allerdings mitunter unregelmäßig eingesetzt wurden: Während manche Autoren, etwa Drew Karpyshyn, sich ihrer sehr ausgiebig bedienen, kümmern sich andere kaum um sie. Stover, der auch einen Kampfsporthintergrund besitzt, zeigt, wie man die Lichtschwertformen am besten verwendet: Sie dienen hier, um die Figuren, die sich ihrer bedienen, zu charakterisieren. Stover nutzt den Lichtschwertkampf auf kongeniale Weise, um den Charakteren eine weitere Facette zu verleihen. In den Filmen sagt Obi-Wan zu Anakin über das Lichtschwert: „Diese Waffe ist dein Leben.“ In „Die Rache der Sith“ wird das tatsächlich wörtlich genommen, die Art und Weise, wie die Jedi und Sith ihre Waffen einsetzen, ist hier Ausdruck ihrer persönlichen Philosophie und Denkweise, man erkennt, warum das Lichtschwert so ein wichtiges Element des Jedi-Ordens ist: Es ist mehr als nur eine Waffe, es selbst und der Umgang mit ihm sind Ausdruck der Persönlichkeit.

Die Einbindung des EU ist natürlich letztendlich eher Nebensache, aber trotzdem etwas, das mich enorm gefreut hat, denn es gibt der Handlung noch mehr Tiefe: Subtile und weniger subtile Referenzen auf die diversem Klonkriegsmedien sorgen dafür, dass es glaubhafter wird, dass die Protagonisten einen dreijährigen Krieg hinter sich haben. Selbst wenn man nicht versteht, worauf sich die Referenzen beziehen, hilft es, das Setting authentischer zu machen; man muss nicht wissen, was auf Jabiim geschehen ist, man muss nur wissen, dass es für Anakin eine traumatische Erfahrung war (der Comic, in dem die Schlacht um Jabiim thematisiert wird, ist übrigens sehr empfehlenswert). Allerdings lohnt es sich, wenn man Stovers „Shatterpoint“ gelesen hat, da er die Charakterisierung Mace Windus aus diesem Roman nahtlos fortsetzt und es „Die Rache der Sith“ ungemein bereichert, wenn man „Shatterpoint“ (und die Klonkriegscomics aus den Jahren 2002 bis 2005 sowie James Lucenos „Labyrinth des Bösen“) gelesen hat.

Natürlich ist auch „Die Rache der Sith“ letztendlich nicht völlig perfekt. Es gibt so ein paar Stellen, an denen Stovers Humor ein wenig überdreht daherkommt, etwa wenn Yoda sich beim Eindringen in den Jedi-Tempel nach Order 66 als Jedi-Baby ausgibt, und auch die One-Liner, die Anakin beim Abschlachten des Separatistenrates vom Stapel lässt, sind ein wenig zu viel des Guten; diese Szene hat in der Filmversion ohne Kommentare besser funktioniert. Aber das sind letztendlich winzige Kleinigkeiten, die das Gesamtbild in keinster Weise trüben. Noch ein Tipp zum Schluss: Ich rate zur Lektüre des englischen Originals, denn die deutsche Übersetzung ist nicht immer ganz gelungen.

Fazit: „Die Rache der Sith“ ist so viel mehr als die bloße Romandaption eines Star-Wars-Films. Dieses Werk beinhaltet alles, was Star Wars ausmacht und zeigt gleichzeitig, was man aus Star Wars alles herausholen kann. Jeder, der etwas für die weit, weit entfernte Galaxis übrig hat, sollte dieses Buch lesen, egal, wie die Meinung zu den Prequels aussieht.

Die Geschichte der Sith Teil 2: Die Regel der Zwei

Im Jahr 1999 kam „Star Wars Episode I: Die dunkle Bedrohung“ in die Kinos. Welche Auswirkungen der Film auf das Franchise hatte, dürfte ja weithin bekannt sein, von hitzigen Kontroversen und abgrundtiefem Hass gar nicht erst zu sprechen, aber darum soll es hier natürlich nicht gehen. Stattdessen beschäftigt sich der zweite Teil dieser Artikelreihe mit dem Einfluss, den Episode I und, in geringerem Maße, auch Episode II und III auf die Sith hatten und der Inkarnation des Ordens, die durch sie geschaffen wurde. Obwohl man als Zuschauer in den Prequels verhältnismäßig wenig über die Dunklen Lords erfährt, war ihr Einfluss doch enorm und prägte die Sith in sämtlichen zukünftigen Inkarnationen.

Die Sith der Prequels

Stilbildende Lords: Darth Sidious, Darth Tyranus, Darth Maul und Darth Vader
Stilbildende Lords: Darth Sidious, Darth Tyranus, Darth Maul und Darth Vader

Wie bereits erwähnt gibt es bezüglich der Sith und ihrer Lehren, ihrer Philosophie und ihrer Geschichte in den Prequels relativ wenig Exposition, aber schon die Art und Weise, wie die Sith in den Prequels dargestellt wurden, war prägend. Die vier Sith-Lords der Prequels, Darth Sidious (Senator/Kanzler/Imperator Palpatine), Darth Maul, Darth Tyranus (Count Dooku) und Darth Vader (Anakin Skywalker), besitzen alle einige Eigenschaften und Design-Elemente, die in der Zwischenzeit als Sith-typisch gelten. Darth Vader besitzt diese natürlich bereits seit seinem ersten Auftritt, allerdings wussten die Autoren und Künstler des EU schlicht nicht, dass diese zur „Standardausrüstung“ der Sith gehören – natürlich ist auch fraglich, inwiefern George Lucas selbst das vor Episode I wusste. Zum Sith-Standard gehören seit „Die dunkle Bedrohung“ unter anderem die Vorliebe für schwarze Kleidung, die rote Lichtschwertklinge und der Darth-Titel. Zu Vergleichsaspekten sollen noch einmal die ersten Sith des EU herangezogen werden: Dunkle Lords wie Naga Sadow oder Ludo Kressh, die nicht nur als Angehörige des Sith-Ordens, sondern auch der Sith-Spezies dargestellt werden, benutzen gar keine Lichtschwerter, sondern traditionelle Klingen, die mit der Macht aufgeladen werden, während Ulic Qel-Droma oder Exar Kun einfach ihre Jedi-Waffen weiterverwenden. Zwar modifiziert Letzterer sein Lichtschwert zur Doppelklinge (eine ähnliche Waffe führt auch Darth Maul), aber diese hat im Comic nach wie vor blaue Klingen. Obwohl die Vader-Assoziation bereits zuvor im EU verwendet wurde (auch der dunkle Jedi Jerec aus „Dark Forces II: Jedi Knight“ trägt schwarz und führt ein Lichtschwert mit roter Klinge), sorgten die Prequels dafür, dass sie zwingend wurde. Und natürlich beantworteten die Prequels so einige Fragen, etwa was es mit Darth Vaders Namen auf sich hat oder ob Palpatine ein Sith oder nur ein dunkler Jedi ist.

Hintergründe
Während mir unreflektiertes Prequel-Bashing inzwischen ziemlich auf die Nerven geht, bin ich trotzdem der letzte, der nicht zugeben würde, dass die Episoden I bis III einige massive Schwächen habe. Eine der größten ist in meinen Augen der Mangel an eigentlich essentieller Information. Beispielsweise weiß jemand, der nur die Filme sieht, schlicht nicht, wofür die Sith eigentlich Rache nehmen wollen. Natürlich kann man sich denken, dass die Dunklen Lords irgendwann besiegt wurden, aber etwas Konkreteres wäre doch brauchbar gewesen. Im Grunde gibt es nur ein kleines Stückchen an Hintergrundinformation: Von Yoda erfährt der geneigte Zuschauer in Episode I, dass es immer nur zwei Sith gibt, nicht mehr und nicht weniger, einen Meister und einen Schüler. Warum das so ist erfährt man allerdings nicht, was ich ziemlich unsinnig finde, denn George Lucas kannte die Antwort auf diese Frage, sie steht im Drehbuch und Terry Brooks hat sie in die Romanadaption des Films integriert – sie hätte aber in den Film selbst gehört.

Darth Bane in „Jedi vs. Sith“

Aus dem Roman erfährt der Interessierte, dass die Sith entstanden, als sich ein Jedi-Ritter etwa 2000 Jahre vor den Filmen vom Orden lossagt, um die Dunkle Seite der Macht zu ergründen, besagter Jedi wird zum ersten Dunklen Lord. Bald schließen sich ihm gleichgesinnte an. Es folgt ein tausendjähriger Krieg, in dem die Sith die Jedi bekämpfen, doch letztendlich unterliegen die Dunklen Lords, nicht zuletzt, weil es so viele von ihnen gibt und sie ständig interne Konflikte austragen. Nur ein einziger Sith überlebt, Darth Bane. Dieser begründet die Regel der Zwei, die besagt, dass es fortan nur noch zwei Sith gibt, einen Meister, der die Macht verkörpert und einen Schüler, der nach ihr strebt. Derweil glauben die Jedi, dass die Sith ausgelöscht sind (was natürlich die Frage aufwirft, woher sie von der Regel der Zwei wissen; das EU musste hier später eine Lösung finden), bis Darth Maul die Bildfläche betritt.

Das geht nun nicht wirklich konform mit dem restlichen EU, in dem die Sith zur Zeit ihrer eigentlichen, von George Lucas ersonnen Entstehung bereits seit mehreren tausend Jahren existieren, weshalb besagter Jedi, der im EU als Phanius (bzw. Darth Ruin) identifiziert wird, die Sith lediglich wiederbelebt und nicht begründet hat.

Der Darth-Titel
Wie vieles andere auch blieb die Bedeutung des Wortes „Darth“ lange Zeit unbekannt. Es ist wohl davon auszugehen, dass es sich zum Zeitpunkt von Episode IV, als es sich bei Anakin Skywalker und Darth Vader tatsächlich noch um zwei unterschiedliche Personen handelte, „nur“ der Vorname von Letzterem war; die Tatsache, dass Obi-Wan ihn nur mit Darth anspricht (etwas, das in Star Wars nie wieder vorkommt), spricht eindeutig dafür. Später, als Anakin und Vader zu einer Figur wurden, erklärte Lucas nie, weshalb er Darth Vader als neuen Namen annahm und was es damit auf sich hatte. Gemeinhin wird angenommen, es handle sich dabei um eine Verballhornung von „dark father“, genauso gut könnte „Vader“ aber auch von „invader“ kommen, eventuell in Kombination mit „dark“ oder einer Mischung der Worte „dark“ und „death“.

Letztendlich wurde die Geschichte des Darth-Titels stets rückwirkend geschrieben. In Episode IV taucht Darth Vader auf, mit Episode I lernen wir, dass Darth der Titel der Sith-Lords ist. Bis etwa 2003 wurde angenommen, dass Darth Bane tatsächlich der Geburtsname besagter Figur war und seine Nachfolger das Darth ihm zu Ehren als Titel annahmen. 2003 erschien dann allerdings das Spiel „Knights of the Old Repulic“, das knapp 4000 Jahre vor den Filmen spielt und in dem die Sith-Lords Darth Revan und Darth Malak auftauchen – dadurch wurde klar, dass auch Bane das Darth lediglich als Titel angenommen hat. Eine Zeit lang waren Revan und Malak die ersten Darths, bis in der KotOR-Comicserie Darth Hayze auftauchte und die Ursprünge des Titels in das alte Sith-Imperium zurückverlegt wurden.

Darüber hinaus wurden auch mehrere Bedeutungen gefunden. Die einfachste ist, dass es sich dabei lediglich um eine Abkürzung handelt, „Dark Lord of the Sith“, für meinen Geschmack ist das aber ein bisschen arg simpel. Besser gefällt mir die Ableitung von Wörtern aus der alten Sprache der Rakata, eines Volkes, das in „Knights of the Old Republic“ vorgestellt wurde und vor der Gründung der alten Republik die Galaxis beherrschte. Entweder leitet sich Darth von „daritha“, Imperator, oder aber von „darr tah“, was sich etwa mit „Triumpf über den Tod“ oder „Eroberung durch Tod“ übersetzen ließe. Da das alte EU nun nicht mehr gilt, stellt sich die Frage, ob es in Disneys Einheitskanon irgendwann eine neue Bedeutung geben wird.

Die Regel der Zwei im EU
Im EU gibt es die Tendenz, die Geschichte von Figuren, die nur kurz in den Filmen auftauchen, oder Dingen, die nur am Rand erwähnt werden, sehr ausführlich zu erzählen. In diesem Zusammenhang verwundert es kaum, dass Darth Bane Protagonist oder wichtige Figur diverser EU-Werke ist. Die ersten beiden erschienen fast zur selben Zeit. Es handelt sich dabei um die Kurzgeschichte „Bane of the Sith“ (Januar 2001) von Kevin J. Anderson und die Miniserie „Jedi vs. Sith“ (April bis September 2001) von Darco Macan (Autor) und Ramón F. Bachs (Zeichner). Da der Comic allerdings vor der Kurzgeschichte spielt, werde ich diesen auch zuerst behandeln.

Darth Zannah
Darth Zannah

„Jedi vs. Sith“ erzählt im Grunde, was Terry Brooks bzw. George Lucas andeuteten und verband das mit der Hintergrundgeschichte von „Dark Forces II: Jedi Knight“. Auf Ruusan stehen sich die Jedi bzw. die Armee des Lichts unter Lord Hoth und die Sith bzw. die Bruderschaft der Dunkelheit unter Lord Kaan zum letzten Gefecht gegenüber. Beide haben Probleme damit, die Moral ihrer Truppen aufrecht zu erhalten, beide sind sich aber auch bewusst, dass die Armee siegen wird, die als Einheit vorgeht. Bei den Jedi ist das noch einfacher, die Sith sind da schwerer zu kontrollieren. Um die ständigen internen Konflikte zu vermeiden, hat Kaan eine Art Demokratie geschaffen; in der Theorie gibt es keinen einzelnen Anführer, alle Dunklen Lords, von denen es einige gibt, sind gleichberechtigt. De facto ist aber natürlich Kaan weiterhin der Anführer. Darth Bane, ein Mitglied der Bruderschaft, hält von dieser Philosophie nicht allzu viel; während Kaan im Verlauf der Geschichte langsam die Hoffnung verliert, schließlich wahnsinnig wird und mithilfe der Gedankenbombe viele Jedi und alle Sith außer Bane auslöscht, kommt Bane auf die Idee mit der Regel der Zwei und macht die junge Waise Zannah, die über eine enorme Machtbegabung verfügt, zu seiner Schülerin.

„Jedi vs. Sith“ beleuchtet zwar auch die andere Seite des Konflikts und zeigt ihn aus der Sicht der Jugendlichen Tomcat, Bug und Rain (bzw. Zannah), ich habe mich hierbei allerdings auf die Sith-Aspekte beschränkt. Erwähnenswert ist noch, dass der Comic eher nach Fantasy als nach Science Fiction aussieht und von Optik und Atmosphäre ein wenig an „Der Herr der Ringe“ erinnert, was insgesamt doch irgendwie seltsam anmutet. Die Verknüpfung der Episode-I-Hintergründe mit Elementen aus „Dark Forces II: Jedi Knight“ ist allerdings in meinen Augen ziemlich gut gelungen, ebenso wie die Charakterisierung Darth Banes.

Darth Cognus
Darth Cognus

„Bane of the Sith“ setzt inhaltlich kurz nach dem Ende von „Jedi vs. Sith“ an und erzählt, wie Darth Bane in den Besitz des Holocrons von Freedon Nadd kommt und dabei in dessen Grab von einer parasitären Lebensform, den Obralisken, befallen wird. Die Geschichte stellt auch Banes Lehrmeister Qordis vor. So verband Anderson Bane nun auch noch mit den bisherigen EU-Sith und den „Tales of the Jedi“.

Comic und Kurzgeschichte entstanden wahrscheinlich ziemlich parallel, es gibt aber einige interessante Diskrepanzen. So taucht Zannah in „Bane of the Sith“ nicht auf und Bane selbst kommt im Grunde in beiden Werken separat auf die Idee, dass es nur zwei Sith geben soll. Diese Diskrepanzen blieben einige Jahre bestehen, in denen es um Darth Bane eher ruhig war. 2006 erschien dann mit „Darth Bane: Path of Destruction“ der Aufktakt zur Darth-Bane-Trilogie von Drew Karpyshyn, die außerdem aus „Darth Bane: Rule of Two“ (2008) und „Darth Bane: Dynasty of Evil“ (2010) besteht.

Darth Tenebrous
Darth Tenebrous

Diese Romane beseitigen nicht nur die Diskrepanzen von „Bane of the Sith“ und „Jedi vs. Sith“, integrieren beide Geschichten und erzählen somit die definitive Geschichte von Darth Bane, sie erweitern diese Epoche auch um viele Details und Hintergründe und schaffen eine Verknüpfung zu „Knight of the Old Repubilc“, bei dem Drew Karpyshyn Lead-Writer war. Als Leser erfährt man so von Banes Geburtsnamen Dessel und seiner Kindheit als Minenarbeiter auf Apatros, gefolgt von seinem Eintritt in die Armee der Sith und die spätere Ausbildung an der Sith-Akademie auf Korriban. Karpyshyn sorgt dafür, dass sich die Regel der Zwei langsam über den Verlauf des ersten Romans aus Banes Frustration mit Kaans Philosophie und der Bruderschaft der Dunkelheit entwickelt. Auch bemüht er sich, das Ganze noch etwas logisch zu unterfüttern, da die Regel der Zwei nicht unbedingt die nachvollziehbarste Doktrin ist. Bane kommt zu dem Schluss (ob Korrekt oder nicht sei dahingestellt), dass die Macht der Dunklen Seite endlich ist und sie somit von vielen Sith-Lords verwässert wird. Zwei sind das nötige Maximum. Dieser Gedankengang wird im „Book of Sith“ noch weitergeführt, dort vergleicht Bane die Dunkle Seite mit Gift, das in Wasser gegeben wird und dadurch an Wirkung verliert.

Nachdem das erste Drittel von „Rule of Two“ inhaltlich mit „Bane of the Sith“ etwa deckungsgleich ist (Ersteres schildert alles natürlich weitaus detaillierter), beschäftigen sich der Rest des Romans und „Dynasty of Evil“ mit dem restlichen Leben Darth Banes, der Ausbildung Darth Zannahs und dem Beginn des „Sith Grand Plan“, also des Plans der Sith zur Auslöschung der Jedi und Eroberung der Galaxis. „Dynasty of Evil“ endet schließlich mit eine Duell zwischen Bane und Zannah (die Regel der Zwei besagt ebenfalls, dass der Schüler den Meister herausfordern muss, um selbst zum Meister zu werden), das Zannah gewinnt, die anschließend die Iktotchi Darth Cognus zu ihrer Schülerin macht.

Darth Plagueis
Darth Plagueis

Der chronologisch nächste Roman, und auch der einzige, der sich noch einmal ausgiebig mit Banes Orden und den Sith beschäftigt, ist James Lucenos „Darth Plagueis“ (Januar 2012). Obwohl zwischen dem Ende von „Dynasty of Evil“ und dem Beginn von „Darth Plagueis“ etwas mehr als 900 Jahre liegen, schließt Lucenos Roman doch thematisch direkt an, denn wir erfahren hier, wie sich der „Sith Grand Plan“ entwickelt hat. Luceno ordnet nicht nur alle Prä-Episode-I-Werke minutiös in diesen Plan ein, er gibt auch knappe Eindrücke von einigen anderen Sith-Lords, die zwischen Bane und Plagueis ihr Unwesen trieben, etwa Plagueis‘ Meister Darth Tenebrous, der zu Beginn des Romans (und in der begleitenden Kurzgeschichte „The Tenebrous Way“ von Matthew Stover, sehr empfehlenswert) auftaucht oder Darth Gravid, einer der wenigen Sith, der zur Hellen Seite zurückkehrte. Insgesamt ist „Darth Plagueis“, mehr noch als die Bane-Trilogie, DER Sith-Roman, er schildert nicht nur das Leben des Titelhelden (nun ja, Titelschurken) und den Werdegang von Darth Sidious, sondern beinhaltet auch eine gewaltige Menge an Sith-Philosophie; es gibt kaum ein umfassenderes Werk zur Dunklen Seite.

Es existieren natürlich noch viele weitere Werke, in denen die Regel der Zwei in irgend einer Form auftaucht und die einen Sith als Titelhelden haben, etwa „Dark Lord: The Rise of Darth Vader“ oder diversen Maul-Romane, aber selten wird sie wirklich thematisiert oder so sehr in den Fokus gestellt wie in den Romanen von Karpyshyn und Luceno.

Zusammenfassung
In der Geschichte der Sith stellen die Prequels wahrscheinlich den größten Meilenstein dar. Zuvor war allein der Name von Vaders Orden lediglich Fans des EU bekannt, die die Episodenromane und/oder die diversen, im letzten Teil dieser Reihe vorgestellten Werke gelesen hatten. Die Episoden I-III definierten die Sith (zwar eher optisch und weniger inhaltlich, aber nichts desto trotz) und machten aus ihnen den Inbegriff des Bösen im Star-Wars-Universum. Alle folgenden EU-Werke bauten weiter auf dieser Grundlage auf. Einige Autoren bemühten sich darüber hinaus, die vielen Lücken, die George Lucas gelassen hatte, zu füllen. Kevin J. Anderson und Darco Macan nahmen es auf sich, von der Entstehung der Regel der Zwei zu erzählen; auf dieser Basis schrieb Drew Karpyshyn dann schließlich seine Darth-Bane-Romane, während James Luceno mit „Darth Plagueis“ das Gedamtbild vermittelte und die Details des Plans der Sith zur Machtübernahme schilderte.

Wichtige Werke:
Anderson, Kevin J: Bane of the Sith (nicht auf Deutsch erschienen)
Brooks, Terry: Die dunkle Bedrohung
Karpyshyn, Drew: Darth Bane: Schöpfer der Dunkelheit
Karpyshyn, Drew: Darth Bane: Die Regel der Zwei
Karpyshyn, Drew: Darth Bane: Dynastie des Bösen
Luceno, James: Dunkler Lord – Der Aufstieg des Darth Vader
Luceno, James: Darth Plagueis
Macan, Darco; Bachs, Ramón F.: Jedi vs. Sith
Stover, Matthew: The Tenebrous Way – Der dunkle Pfad (erschienen im Offiziellen Star Wars Magazin Nr. 67, Oktober 2012)

Siehe auch:
Die Geschichte der Sith Teil 1: Die ersten Lords
Die Geschichte der Sith Teil 3: Lords of the Old Republic

Star Wars Expanded Universe: Things to Come

Nachdem ich nun die Sternstunden und Abgründe des alten EU ausführlich behandelt habe, wird es Zeit, noch einen Blick in die Zukunft zu werfen. Der Verlust des alten und der Start eines neuen EU, das zumindest laut Aussage derjenigen, die dafür zuständig sind, besser kontrolliert werden soll als das alte – ich erwähnte ja bereits die Lucasfilm-Storygroup – ist natürlich nicht nur Verlust, sondern auch gleichzeitig Chance. Die Anfänge des alten EU habe ich verpasst, da es mich entweder noch nicht gab (wenn man ganz zurück bis zu den alten Marvel-Comics geht) oder ich noch zu jung war (wenn wir von der Thrawn-Trilogie und „Dark Empire“ als Start des EU ausgehen). Mich interessiert es natürlich brennend, wie das neue EU anfängt, welche Herangehensweise die Autoren verfolgen und natürlich wie sich der Einfluss der Story-Group zeigt. Einerseits ist es gut, wenn nicht nur grobe Schnitzer, sondern auch Unterschiede in der Charakterisierung vermieden werden, andererseits fragt man sich aber auch, ob das Diktat einer derartigen Gruppierung die Autoren nicht zu sehr einschränkt. Wie dem auch, sei, werfen wir nun einen Blick auf die bisher angekündigten Projekte, deren Konzeption durchaus vielsagend ist. Mit zwei Ausnahmen spielen sämtliche Werke zwischen den Episoden III und IV und dienen somit wohl als direkte (im Fall von „A New Dawn“) oder indirekte Vorbereitung und/oder Begleitung der Animationsserie „Star Wars: Rebels“, die im Herbst startet. Ebenfalls auffällig ist, dass die neuen Werke, bis auf eine Ausnahme, von Veteranen des alten EU verfasst werden. Sowohl von John Jackson Miller als auch James Luceno finden sich Werke auf meiner Best-of-EU Liste und Paul S. Kemps Romane „Betrogen“ und „Gegenwind“ sind zwar keine Meisterwerke wie „Darth Plageuis“ oder „Die Rache der Sith“, aber doch solide und unterhaltsame SW-Kost. Vielleicht wurden gerade diese Autoren angeheuert, um uns Alt-EU-Fans den Übergang so leicht wie möglich zu machen. Man fragt sich dabei natürlich auch, wie viel Material aus dem alten EU diese Autoren wohl ins neue Retten werden. Kommt Natasi Daala in „Tarkin“ vor? Gibt es vielleicht eine Anspielung auf Hego Damask, Kerra Holt oder Darth Malgus? Man darf gespannt sein.

Darth Maul: Son of Dathomir
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Der Dark-Horse-Verlag war lange Zeit – seit der Publikation von „Dark Empire“ 1991 – die Heimat der Star-Wars-Comics. Diese Ära ist nun vorüber, da Disney Dark Horse die Lizent entzogen hat; von nun an wird wieder der Marvel-Verlag, der ja nun Disney gehört, die Star-Wars-Comics publizieren. „Darth Maul: Son of Dathomir“ ist der letzte SW-Comic von Dark Horse, und interessanterweise auch das erste Werk des neuen EU. Da „The Clone Wars“ ebenfalls verfrüht abgesetzt wurde, und bereits fertige Drehbücher für mindestens eine weitere Staffel existierten, entschied man sich, wenigstens einen der Handlungsstränge in Comicform zu beenden (möglicherweise folgen ja noch weitere). Wer die Serie verfolgt hat, wird sich erinnern: „The Clone Wars“ enthüllte, dass Darth Maul die Konfrontation mit Obi-Wan auf Naboo überlebte (eine Entscheidung, die ich nicht unbedingt gut heiße) und nach einer Rekonstruktion durch Talzin, die Clanmutter der Nachtschwestern von Dathomir, begann er zusammen mit seinem Bruder Savage Opress sein eigenes Ding zu drehen und Mandalore zu übernehmen. Darth Sidious war davon wenig begeistert, kümmerte sich selbst um die Angelegenheit und wischte mit den beiden Möchtegern-Sith den Boden. Opress fiel Sidious‘ Klingen zum Opfer, Maul wurde jedoch „verschont“, da Sidious, laut eigener Aussage, andere Pläne mit ihm hat. An dieser Stelle setzt „Son of Dathomir“. Die Drehbücher des geplanten Vierteilers wurden von Jeremy Barlow, der bereits als Autor und Editor für viele SW-Comics verantwortlich war, adaptiert und von Juan Frigeri zeichnerisch umgesetzt. Die ersten beiden Ausgaben der Miniserie sind bereits erschienen, ich habe sie allerdings noch nicht gekauft oder gelesen, ich werde wohl damit warten, bis die Serie abgeschlossen ist und vielleicht sogar, bis sie auf Deutsch oder als Paperback erscheint. Von allen Projekten des neuen EU interessiert mich „Son of Dathomir“ am wenigsten, vor allem auch, weil ich den ganzen Maul-Handlungsstrang der Animationsserie ziemlich unnötig fand.

A New Dawn
newdawn
„A New Dawn“ war eine Zeit lang als möglicher Titel für Episode VII im Gespräch, nun ist es der Titel des ersten Romans der neuen Kontinuität, der die Vorgeschichte von „Star Wars Rebels“ erzählt, mit Fokus auf den Jedi Kanan Jarrus, der die Order 66 überlebt hat und versucht, den Schergen des Imperiums zu entgehen.
Schon allein der Titel erinnert nicht nur an „A New Hope“ sondern kann auch ziemlich metaphorisch verstanden werden: Es bricht eine neue Zeit für das Star-Wars-Universum an. Wie dem auch sei, als Autor für diesen Roman wurde John Jackson Miller verpflichtet, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass es sich hierbei nicht einfach nur um ein schlichtes Tie-in zur Animationsserie handelt, immerhin schien Millers „Knights of the Old Republic“ ebenfalls ein Tie-in zum gleichnamigen Spiel zu sein, entwickelte sich dann aber zu einer der besten SW-Comicserien. Bei seinen anderen Star-Wars-Werken bin ich ein wenig zwiegespalten, seine Lost-Tribe-of-the-Sith-Geschichten fand ich nicht besonders gelungen, die Knight-Errant-Comics waren in Ordnung, beim gleichnamigen Begleitroman habe ich einige Zeit gebraucht, bis ich richtig „rein“ gekommen bin (dann war er aber gut) und „Kenobi“, Millers bis dato letzte Publikation, fand ich vollauf gelungen, hätte ich mich bei meiner Best-of-EU-Liste nicht auf zwölf Titel beschränkt, wäre dieser Roman in der Liste gelandet. Egal, was Miller schreibt, er hat auf jeden Fall immer interessante Ideen, auch wenn ich mit seinem Schreibstil nicht immer ganz klar komme. Aus diesem Grund blicke ich „A New Dawn“ ziemlich positiv entgegen und hoffe, dass Miller einiges herausholt.
„A New Dawn“ erscheint Anfang September diesen Jahres, pünktlich vor dem Start von „Star Wars: Rebels“.

Tarkin
tarkin
Ab hier wird’s richtig interessant. James Luceno, der mit „Darth Plagueis“ einen meiner absoluten Lieblingsromane verfasst hat, schreibt die Lebensgeschichte des wohl kältesten Mannes der Galaxis. Falls der Roman ähnlich aufgebaut ist wie „Darth Plagueis“ (was die Verlagswerbung suggeriert), könnte Tarkin einen relativ großen Zeitraum abdecken. Mehr noch, Luceno ist dafür bekannt, in seinen Werken das restliche EU weitläufig miteinzubeziehen. Da stellt man sich natürlich die Frage: Wird Luceno Tarkins Geschichte völlig neu schreiben oder sich am bisher dagwesenen orientieren und dabei versuchen, so viel vom alten EU wie möglich ins neue zu retten? Werden wir vielleicht Admiral Daala wiedersehen, und wenn ja sollen wir das dann gut oder schlecht finden?
„Tarkin“ ist in jedem Fall der Roman, auf den ich am meisten gespannt bin, und ich hoffe, dass Luceno nicht enttäuscht. Der Roman erscheint im November.

Heir to the Jedi
heirtothejedi
Kevin Hearne ist unter den bisherigen Autoren des neuen EU der bislang einzige Newcomer, der noch nie eine Geschichte aus der weit, weit entfernten Galaxis erzählt hat. Sein Debütroman scheint auch, zumindest für SW-Verhältnisse, eher experimenteller Natur zu sein. Er konzentriert sich auf Luke Skywalker zwischen Episode IV und V und wird aus der Ich-Perspektive erzählt, was man bei SW-Romanen recht selten findet. Lediglich Michael Stackpoles „I, Jedi“ wird vollständig von einem Protagonisten erzählt. In Matthew Stovers „Shatterpoint“ finden sich immerhin noch Ausschnitte aus Mace Windus Tagebuch, die natürlich ebenfalls die Ich-Form verwenden, aber das war’s dann auch schon. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich „Heir to the Jedi“ einschätzen soll, da ich noch nichts von Kevin Hearne gelesen habe. Die Ich-Perspektive könnte interessant werden, das Ganze könnte aber auch ziemlich in die Hose gehen. Was die Prämisse der Handlung angeht (die auf Lukes Wichtigkeit in Episode VII hindeuten könnte): Die Thematik ist nun keinesfalls neu und wurde bereits in diversen Romanen und Comics bearbeitet. Gerade der Zeitraum zwischen Episode IV und V ist im alten EU derart mit Geschichten überfüllt, dass man sich fragt, wie das alles innerhalb von drei Jahren stattfinden konnte. Nun ja, hoffen wir, dass Kevin Hearne dem Ganzen eine neue Seite abgewinnen kann und nicht bloß bereits Dagewesenes wiederkäut. „Heir to the Jedi“ erscheint im Februar 2015.

Lords of the Sith
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Ein Titel, der mich wahrlich anspricht. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine Revision der Geschichte des Sith-Ordens (zumindest allem Anschein nach, bei diesem Titel könnte man allerdings auch in großem Ausmaß auf die Vergangenheit des Ordens eingehen), sondern um ein Meister-Schüler-Abenteuer von Darth Sidious und Darth Vader das, wie könnte es anders sein, auch wieder zwischen Episode III und IV stattfindet. Die Konzeption ist ja nun eher ungewöhnlich, normalerweise fungiert Sidious in dieser Ära nur als Befehlsgeber und Hintergrundmanipulator, anstatt selbst an der Action teilzunehmen – da muss schon etwas Außergewöhnliches passieren – was das ist verrät die bisher veröffentlichte Inhaltsangabe allerdings noch nicht. Es wurde lediglich bekannt gegeben, dass ein Charakter aus „The Clone Wars“ auftauchen wird, aber nicht welcher. Ahsoka vielleicht?
Paul S. Kemp hat in seinen bisherigen SW-Romanen schon einige Erfahrung mit den Sith gesammelt. Sowohl in „Gegenwind“ (das ich durchaus solide fand) als auch in „Dunkle Flut“ (das meiner Meinung nach eher weniger solide ist) spielt Darth Krayts Sith-Orden eine wichtige Rolle, und in Ersterem kommt darüber hinaus ein Sith aus der Zeit des Großen Hyperraumkriegs durch einen Zeitriss in die Post-Endor-Ära. Bei seinem bisher besten Werk, dem Old-Republic-Roman „Betrogen“, steht ebenfalls ein Sith-Lord, in diesem Fall Darth Malgus, im Fokus. „Lord of the Sith“ ist allerdings Kemps erster Roman, der in ziemlicher Filmnähe spielt und sich mit Dunklen Lords des Bane-Ordens auseinandersetzt.
„Lords of the Sith“ erscheint im April 2015.

Siehe auch:
Star Wars Expanded Universe: The Very Best Of
Star Wars Expanded Universe: The Very Worst Of