Guardians of the Galaxy Vol. 2

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Story:
Nach wie vor arbeiten Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Rocket (Bradley Cooper) und Groot (Vin Diesel) als Guardians of the Galaxy zusammen und erfüllen erfolgreich einen Auftrag für die goldhäutigen, genetisch perfektionierten Sovereigns, allerdings nicht ohne dass Rocket einige äußerst wertvolle Energiezellen mitgehen lässt, was die Sovereign-Hohepriesterin Ayesha (Elizabeth Debicki) erzürnt. Und nicht nur die Sovereigns haben eine Rechnung mit den Guardians offen, auch Gamoras Halbschwester Nebula (Karen Gillan), gegenwärtig Gefangene der Guardians, sowie Yondu (Michael Rooker), ein Anführer der Ravagers, wollen ihnen an den Kragen. Da taucht wie aus dem nichts Peters Vater Ego (Kurt Russel) auf, der eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen möchte. Es stellt sich heraus, dass es sich bei Ego um ein göttliches Wesen, einen lebendigen Planeten handelt, doch schon bald kommen Zweifel auf, ob er wirklich wohlmeinend ist…

Kritik: „Guardians of the Galaxy“ war der Überraschungsblockbuster 2014 – wer hätte einem abgedrehten Sci-Fi-Film mit einem sprechenden Waschbär und einem beweglichen Baum schon einen derartigen Erfolg prophezeit? Kann die Fortsetzung da erfolgreich anknüpfen? Insgesamt: Ja. „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ fehlt ein Aspekt, der sicher einen großen Teil des Erfolges des ersten Teils ausgemacht hat: Die Frische und das Neuartige. Zwar bediente der erste Guardians-Film durchaus die üblichen Marvel-Konventionen, verstand es dabei aber auch, andere Wege zu beschreiten oder besagte Konventionen doch zumindest auszureizen. Dafür kann sich James Gunn, der wie bei Teil 1 nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, in größerem Maß auf die Figuren einlassen und diese weiter erforschen. Ganz nach bester MCU-Tradition ist auch hier der Plot bestenfalls zweitrangig, der Fokus liegt auf den Charakteren und ihrer Interaktion.

Auch thematisch ist das Guardians-Sequel stringenter. Wo Teil 1 die Figuren vorstellen musste und sich vor allem mit Außenseitertum beschäftigte, widmet sich Teil 2 sehr eindringlich dem Thema Familie. Einerseits geht es dabei freilich um die Guardians selbst als Familie, aber auch den familiären Hintergründen der einzelnen Team-Mitglieder wird einige Zeit eingeräumt. Peter Quill und Ego stehen natürlich im Zentrum des Plots, darüber hinaus kehren aber auch Figuren des ersten Films zurück, die dort eher als sekundäre Antagonisten fungieren, nun aber tatsächlich Teil des Teams werden. Vor allem das Verhältnis zwischen den Adoptivschwestern Gamaora und Nebula wird erkundet; Teil 1 zeigte im Grunde nur den Hass zwischen den beiden, nun wird ergründet, weshalb sie sich hassen. Ebenso arbeitet Gunn mit Yondu als Star Lords Ersatzvater; der blauhäutige Söldner wird im Rahmen dieses Films noch um einiges interessantere, als er im Vorgänger war.

Insgesamt versucht Gunn durch die familiäre Thematik, die emotionale Komponente noch zu verstärken. Meistens halten sich Humor und Emotionalität recht gut in der Balance, auch wenn es nicht immer ganz funktioniert. Ein großer Teil des Humors kommt wie schon in Teil 1 von einem gewissen Level an Inkompetenz der Figuren, denen in bestimmten Situationen bestimmte alltägliche Missgeschicke passieren, die selbst in anderen MCU-Filmen so eher weniger geschehen – auf diesen Aspekt werde ich nachher noch einmal zurückkommen. Im Großen und Ganzen funktioniert der Humor wieder ziemlich ausgezeichnet; die heimlichen (oder auch nicht so heimlichen) Stars sind Drax, Mantis (Pom Klementieff) und natürlich Baby Groot.

Besonders interessant finde ich, dass die Vorarbeit auf „Avengers: Infinity War“ ziemlich gering ausfällt. So hatte ich zum Beispiel damit gerechnet, Thanos wiederzusehen, doch der verrückte Titan taucht in diesem Film nicht persönlich auf. Zwar werden große Teile des kosmischen Marvel-Universums einbezogen oder erhalten zumindest diverse Gastauftritte (der Comickenner freut sich über einige bekannte Gesichter), doch nur wenig davon scheint gezielt auf den dritten Avengers-Film hinzuarbeiten. Die Sovereigns sind wohl das Plot-Element, das am engsten mit dem kommenden kosmischen Großereignis zusammenhängt, was allerdings nur dank einer der fünf (!) Mid-Credits-Szenen deutlich wird und auch das nur, wenn man Vorkenntnisse besitzt. Vielleicht sind die Sovereigns deshalb der uninteressanteste Aspekt des Films. Wie dem auch sei, ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass Thanos dieses Mal nicht dabei ist. Ich denke, sein Auftauchen in diesem Film hätte der Figur eher geschadet denn genützt, gerade wegen des angesprochenen Inkompetenz-Levels. Marvel hat schon mehr als genug Schurken, die amüsante Sprüche klopfen. Thanos ist der Big Bad eines jahrelang vorbereiteten Handlungsstrangs, da sollte er sich absetzen; seine Bedrohlichkeit sollte nicht durch Humor beeinträchtigt werden.

Wo wir gerade bei Schurken sind: Der Bösewicht dieses Films ist etwas stärker als Ronan, weiß aber noch immer nicht völlig zu überzeugen. Wie so viele Marvel-Filme konzentriert sich auch dieser primär auf die Protagonisten, sodass für den Widersacher abermals nicht ganz so viel Zeit übrig bleibt. Dennoch ist die Einbeziehung eines kosmischeren Wesens durchaus interessant und könnte auf mehr deuten, als zu Beginn ersichtlich ist.

Die obligatorische Einbindung der diversen aus den 70ern und 80ern stammenden Songs funktioniert abermals ziemlich gut. Darüber hinaus legt Tyler Bates beim Score noch eine ordentliche Schippe drauf und arbeitet sehr schön mit dem bereits im Vorgänger etablierten Guardians-Thema. Zwar fehlt das Nova-Thema des Erstlings ein wenig, aber im Großen und Ganzen ist Bates‘ zweiter Guardians-Score noch unterhaltsamer als der erste.

Fazit: „Guardians of the Galaxy Vol. 2” ist eine mehr als gelungene Fortsetzung, die sich auf die Charaktere und die familiäre Thematik konzentriert, dabei Humor und Action aber nicht außen vorlässt.

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Siehe auch:
Guardians of the Galaxy

Doctor Strange

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Story: Bei einem Autounfall werden die Hände des genialen, aber arroganten Chirurgen Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) irreparabel beschädigt, woraufhin er alles und jeden, darunter seine Ex-Freundin Christine (Rachel McAdams), von sich stößt. Schließlich offenbart sich eine letzte Möglichkeit: In Kamar-Taj in Nepal wurde ein ähnlicher Fall erfolgreich behandelt. Also begibt sich Strange auf die lange Reise, nur um schließlich zu lernen, dass es jenseits der profanen Welt, die er bisher bewohnte, noch viele weitere gibt. Von der Ältesten (Tilda Swinton) wird Strange in die Geheimnisse der Magie eingeweiht. Derweil versucht Kaecilius (Mads Mikkelsen), ein ehemaliger Schüler der Ältesten, die böse Macht Dormammu aus ihrer Dimension zur Erde zu holen. So wird Strange in einen mystischen Konflikt hineingezogen, bei dem viel mehr auf dem Spiel steht als nur ein paar Hände…

Kritik: In einer der Schlüsselszenen des Films teilt die Älteste Doctor Strange mit, dass er, um die Magie wirklich meistern zu können, erkennen muss, dass sich nicht alles um ihn dreht. Da ist es schon ziemlich ironisch, dass sich im Film tatsächlich alles um Doctor Strange dreht: Mehr noch als diverse andere Marvel-Helden dominiert der Sorcerer Supreme seinen Film. Einerseits ist das durchaus gerechtfertigt, andererseits schadet das aber einmal mehr den Nebenfiguren. In vielerlei Hinsicht gleicht „Doctor Strange“ dem letztjährigen „Ant-Man“. Der neuste MCU-Film bemüht sich, die Genre-Grenzen zu erweitern, dabei aber gleichzeitig bei der bewährten Formel zu bleiben. Im Klartext bedeutet das: Ein starker Protagonist, eine recht einfache und vorhersehbare Handlung, die vor allem dazu dient, den Protagonisten angemessen in Szene zu setzen, viel Humor und ein schwacher Schurke. Besonders Letzteres ist angesichts eines Darstellers wie Mads Mikkelsen wirklich äußerst schade. Was ich schon an „Ant-Man“ kritisierte, trifft auf „Doctor Strange“ in ähnlichem Maße zu: Held und Schurke haben so gut wie keine persönlichen Konfliktpunkte. In beiden Fällen handelt es sich um einen Konflikt des Mentors, der auf den Protegé lediglich übertragen wird. Auch die Motivation von Kaecilius ist eher dürftig; während diverse Hintergrundmaterialien suggerieren, dass es einen persönlichen, familiären Grund für sein Handeln gibt, wird dies im Film nicht einmal angerissen, die Motivation bleibt sehr theoretisch. Immerhin deutet sich für mein potentielles Sequel Besserung an.

Ganz ähnlich wie Kaecilius ergeht es der von Rachel McAdams gespielten Christine Palmer, deren Rolle als Love Interest sogar noch dürftiger ausfällt als die von Jane Foster (Natalie Portman). Auch das ist ziemlich schade, denn zwischen ihr und Benedict Cumberbatch gibt es durchaus Chemie. Vielleicht wäre es besser gewesen, hätten sich Regisseur Scott Derrickson und seine Mit-Drehbuchautoren John Spaihts und C. Robert Cargill für Clea als Love Interest entschieden. In den Comics ist sie, wie Doctor Strange, eine Schülerin der Magie und als solche hätte sie mehr zur Handlung beitragen können.

Auch strukturell ist „Doctor Strange“ ziemlich konservativ. Das ist durchaus zu verzeihen, aber gerade in diesem Fall hätte eine non-lineare Origin-Story vielleicht besser funktioniert (andererseits ist das bei „Man of Steel“ ziemlich in die Hose gegangen). Mir persönlich ging Stranges Aufstieg zum Sorcerer Supreme ein wenig zu schnell und schnörkellos, er wirkt auch am Ende des Films (im Gegensatz zur Mid-Credits-Scene) nicht so, als hätte er seine Ausbildung wirklich abgeschlossen. Besagte schnörkellose Ausbildung sorgt allerdings auch dafür, dass es Derrickson gelingt, diverse Klischees zu umschiffen, die man sonst in derartigen Filmen antrifft.

Der Humor des Films erweist sich darüber hinaus hin und wieder als zweischneidiges Schwert: Einige Gags sitzen, andere sind etwas zu überdreht und stören eine eigentlich dramatische Szene. Diese deplatzierte Überdrehtheit betrifft nicht ausschließlich den Humor, insgesamt wäre das eine oder andere Mal weniger mehr gewesen. Ein gutes Beispiel ist der Autounfall, der Stranges Handlungsstrang auslöst: Die Szene erinnert ein wenig an die exzessiven Autostunts aus „Blues Brothers“; man fragt sich unweigerlich, wieso nur Stranges Hände irreparabel beschädigt sind. Ein realistischerer Unfall hätte hier weitaus besser und intensiver gewirkt.

Auf der visuellen Ebene dagegen weiß „Doctor Strange“ vollauf zu überzeugen. Man kann sich regelrecht vorstellen, wie Derrickson seinen Effekt-Spezialisten erklärt: „Eigentlich war ‚Inception‘ doch ziemlich konservativ, da geht noch was.“ Selten finden sich derart überzeugende und kreative CGI-Effekte, die auch noch derart gelungen eingesetzt werden. Ich denke, diesbezüglich dürfte „Doctor Strange“ zu einem Referenzfilm werden. Umso negativer erscheinen da die lieblos-sterilen, allzu artifiziellen Welten eines Films wie „Maleficent“. Dass auch Bedendict Cumberbatch in der Rolle des Titelhelden vollauf überzeugt, muss wohl kaum noch zusätzlich erwähnt werden. Ganz allgemein ist der Cast um Tilda Swinton, Mad Mikkelsen und Chiwetel Ejiofor hervorragend, auch wenn er nicht immer sein volles Potential ausspielen kann. Auch Michael Giacchinos Score ist gelungen; er verpasst dem Sorcerer Supreme ein solides Thema und schafft es durch den Einsatz ungewöhnlicher Instrumente, der mystischen Seite des Marvel-Universums einen eigenen Klang zu verleihen. Zugegeben, diesen hätte Giacchino noch etwas stärker hervorheben können, gerade die Actionmusik ist zwar gut, aber doch, mit der einen oder anderen Ausnahme, recht konventionell.

Fazit: „Doctor Strange“ ist vor allem visuell überwältigend und mit Sicherheit einer der kurzweiligsten Marvel-Filme (was schon etwas heißen will), inhaltlich jedoch verhältnismäßig konventionell, was der großartige Cast allerdings ganz gut ausgleicht. Dennoch bleiben Schurke und Love Interest äußerst blass. Auf jeden Fall freue ich mich, dass das MCU nun vollständige in mystische Dimensionen vorgestoßen ist und diese in zukünftigen Filmen hoffentlich noch weiter auslotet.

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Daredevil Staffel 2

Enthält leichte bis mittlere Spoiler!
daredevil
Bei Superschurken gibt es eine einfache Faustregel: Schafft man einem Superhelden einen Widersacher, sollte dieser den Helden in irgend einer Form widerspiegeln. Gerade bei Batman zeigt sich sehr schön, wie so etwas funktionieren kann: So ist der Joker das genaue Gegenteil des Dunklen Ritters, während viele seiner anderen Widersacher einen spezifischen Aspekt Batmans widerspiegeln. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen auch die Macher der Marvel/Netflix-Serie „Daredevil“. Dieser Ansatz ist in den Comics freilich bereits vorhanden, die Serie bemüht sich aber besonders stark, dieses Wechselspiel zwischen Held und Schurken herauszuarbeiten. Mit Wilson Fisk funktionierte das in Staffel 1 ausgezeichnet. Die neuen Gegner das Mannes ohne Furcht spiegeln ihn ebenfalls wider, mit dem einen teilt Matt Murdock ein gemeinsames Ziel, mit der anderen eine gemeinsame Vergangenheit. Dennoch funktionieren beide in ihrer Funktion nicht gleich gut…

Handlung
Matt Murdock (Charlie Cox) hat sich als für Gerechtigkeit kämpfender Vigilant Daredevil langsam etabliert, auch wenn sich an ihm nach wie vor die Geister scheiden: Manche meinen, er sei genau das, was Hell’s Kitchen braucht, während andere nur eine gefährliche Ausübung von Selbstjustiz sehen. Diese Ansicht scheint sich zu bestätigen, als ein Nachahmer auftaucht: Frank Castle (Jon Bernthal), auch bekannt als „der Punisher“, räumt unter den Kriminellen New Yorks auf höchst brutale und blutige Weise auf: Wo Daredevil sie nur zusammenschlägt und der Polizei überlasst, mäht der Punisher seine Opfer ohne Gnade nieder. Somit wird Matt mit den moralischen Dimensionen seines eigenen Handelns konfrontiert und beginnt, seine Aktionen und seinen Ehrenkodex in Frage zu stellen. Schließlich gelingt es ihm dennoch, Castle dingfest zu machen. Während Matt und sein Partner Foggie Nelson (Elden Henson) schließlich sogar Castles Verteidigung vor Gericht übernehmen, um hinter das Geheimnis seiner Vergangenheit, das besonders Karen (Deborah Ann Woll) interessiert, zu kommen, taucht eine Gestalt aus Matts Vergangenheit auf. Elektra Natchios (Élodie Yung) und ihr mysteriöser Kreuzzug gegen einen noch mysteriöseren Feind ziehen bald Matts Aufmerksamkeit auf sich. Und schon bald zeigt sich, dass Elektra für ihre Freunde genauso gefährlich ist wie für ihre Feinde…

punisher

Frank Castle, der Punisher (Jon Bernthal)

Umsetzung
Formal und handwerklich gibt es auch an der zweiten Staffel von „Daredevil“ kaum etwas auszusetzen: Die Atmosphäre stimmt, die Action und die Kampfchoreographien sind nach wie vor vom Feinsten und auch die Darsteller wissen durchweg zu überzeugen. Leider gelingt es Staffel 2 dennoch nicht, den extrem hohen Standard zu erreichen, den Staffel 1 etabliert hat, was vor allem an erzählerischen und konzeptionellen Schwächen liegt. Staffel 1 war auf narrativer Ebene exzellent, die Autoren erzählten ihre Geschichte schnörkellos, alle Aspekte griffen wie die Zahnräder einer Uhr ineinander, sodass sie wie aus einem Guss wirkte. Staffel 2 ist dagegen sehr viel zerfaserter, es gibt zwei Handlungsstränge, die mehr oder weniger parallel laufen, aber nicht besonders gut ineinander greifen. Somit hat Staffel 2 ihre Höhen und Tiefen. Leider sammeln sich die Höhen im einen Handlungsstrang, während der andere einfach nicht zu überzeugen weiß. Elektra und ihr Kampf gegen die Hand ziehen hier eindeutig den Kürzeren. Ich möchte allerdings betonen, dass das nicht an Élodie Yung liegt, die die Figur definitiv besser spielt als Jennifer Garner. Ihr Handlungsstrang ist einfach nicht besonders gut geschrieben und auch nicht besonders spannend, ihre Beziehung zu Matt mäandert eher dahin und man beginnt sich zu fragen, weshalb Matt zulässt, dass ihretwegen sein Privatleben auseinanderfällt. Das ist ein weiterer Aspekt, der mir nicht besonders gefällt: Dieses Auseinanderfallen geschieht für meinen Geschmack zu früh und wird zu nebensächlich abgehandelt. Viel lieber hätte ich in diesem Zusammenhang eine, wenn auch eher freie, Adaption von Frank Millers und David Mazzucchellis „Daredevil: Auferstehung“ gesehen. Herausragend dagegen ist der Punisher und alles, was mit ihm zusammenhängt. Hier findet Staffel 2 zu den Stärken von Staffel 1 zurück und zeigt wie eine grimmige, düstere Superheldengeschichte funktioniert (Notizen gemacht, Warner?). Gerade hier zeigt sich, wie gut Matt Murdock und Frank Castle als Widersacher funktionieren: Beide haben dasselbe Ziel, aber ihre Methoden und ihre Moralvorstellungen unterscheiden sich fundamental. Dieser Konflikt ist im Superheldenbereich zwar nun nicht neu, funktioniert aber immer wieder exzellent, besonders, wenn er so gut umgesetzt ist wie hier. Jon Bernthal muss natürlich ebenfalls ausgiebig gelobt werden, der aus „The Walking Dead“ bekannte Darsteller spielt Frank Castle herausragend und übertrifft sowohl Ray Stevenson als auch Thomas Jane (die beide in der Rolle eine durchaus gute Figur gemacht haben) mühelos. Das Highlight der Staffel war für mich allerdings die allzu kurze Rückkehr Wilson Fisks. Vincent D’Onofrio dominiert in seinem kurzen Auftritt gnadenlos und zeigt, wie sehr Staffel 2 ein zusammenhängendes Element, wie es Fisk in Staffel 1 war, fehlt.

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Elektra Natchios (Élodie Yung)

Fazit: Die zweite Staffel von „Daredevil“ ist zwar durchaus gelungen, kommt aber an die fast perfekte erste Staffel nicht heran. Wo Staffel 1 mit fast allen anderen Serien des Genres den Boden aufwischt, ist Staffel 2 ein qualitatives Auf und Ab: Der Handlungsstrang um den Punisher und seinen Ein-Mann-Feldzug gegen das Verbrechen knüpft an die Qualität von Staffel 1 an, Elektra und ihr Krieg gegen die Hand tun dies leider nicht.

Siehe auch:
Daredevil Staffel 1

Captain America: Civil War – Soundtrack

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Track Listing:

01. Siberian Overture
02. Lagos
03. Consequences
04. Ancestral Call
05. Zemo
06. The Tunnel
07. Celestial Bodies
08. Boot Up
09. New Recruit
10. Empowered
11. Standoff
12. Civil War
13. Larger Than Life
14. Catastrophe
15. Revealed
16. Making Amends
17. Fracture
18. Clash
19. Closure
20. Cap’s Promise
21. Adagio

Ich war absolut kein Fan von Henry Jackmans Musik für „Captain America: The Winter Soldier“, die vor allem zwei massive Schwächen hatte: Zum einen gab es keinerlei leitmotivische Kontinuität zum Rest des MCU und, noch viel schlimmer, der Score bestand bestenfalls (mit zwei, drei Ausnahmen), aus völlig stereotyper Remote-Control-Musik und schlimmstenfalls aus unhörbarem Elektronik-Gedröhne, das zumindest bei mir Ohrenbluten verursachte. Als Jackman dann in einem Interview zu Protokoll gab, dass der Track The Winter Soldier, das schlimmste Stück des Soundtrack-Albums zum gleichnamigen Film, einen guten Eindruck davon gebe, wie „Civil War“ klingen würde, habe ich schon alle Hoffnung begraben. Aber, siehe da, „Civil War“ ist die erste filmmusikalische Überraschung des Jahres. Sowohl die Industrial- als auch die Remote-Control-Elemente hat Jackman beim Komponieren massiv zurückgefahren und sich stattdessen eher an Brian Tylers und, primär, Alan Silvestris Stil orientiert, sodass „Civil War“ weitaus besser zum Rest des musikalischen MCU passt als „The Winter Soldier“. Einige eher unschöne Passagen mit dröhnendem elektronischem Sound-Design und dem infamen Horn of Doom gibt leider immer noch (zum Beispiel in der zweiten Hälfte von Lagos), aber insgesamt ist ein massiver Qualitätsanstieg spürbar.

Leitmotivische Kontinuität ist leider immer noch ein Knackpunkt. Es hätte mich wirklich extrem gefreut, hätte Jackman denselben Weg beschritten wie Brian Tyler, Danny Elfman und Christophe Beck, die in ihren jeweiligen MCU-Scores auch das Material anderer Komponisten verwendeten, aber dem ist, mit einer Ausnahme, leider nicht der Fall. Diese Ausnahme findet sich in Lagos bei 0:35, wo kurz und ziemlich subtil Alan Silvestris Avengers-Thema erklingt. Ansonsten bedient sich Jackman durchaus des Öfteren ähnlicher Stil- und Begleitfiguren wie seine Vorgänger, sodass es den Anschein hat, als würde gleich ein bekanntes Thema erklingen, dem ist aber leider nicht so. Lediglich seine eigenen Themen aus „The Winter Soldier“ greift Jackman wieder auf. Die beiden wichtigsten sind bereits in Siberian Overture zu hören, bei 1:48 ertönt der elektronische Schrei des Winter Soldier, und bereits kurz darauf baut sich Jackmans Captain-America-Motiv auf, dass hier (und im Rest des Scores) erfreulicherweise weit weniger klingt, als sei es aus Chris Nolans Dark-Knight-Trilogie entlaufen und bezüglich seiner Instrumentierung (optimistischer, mit mehr Blechbläsern und auch sehr viel heroischer) eher an Silvestris Themen für Cap und die Avengers erinnert. Beide Themen tauchen immer wieder im Score auf, das Cap-Thema entwickelt sich außerdem im Verlauf zu einem Motiv für Steve Rogers‘ Team – in Cap’s Promise etwa ist eine besonders triumphale Variation zu hören, die sich ab stetig 1:25 steigert, weitere tauchen in Standoff (direkt am Anfang) und Making Amends (ab 1:00) auf. Mehr von Buckys Schrei gibt es beispielsweise in Boot Up (1:46) und Fracture (2:08, sehr subtil). Der Anfang von Closure klingt darüber hinaus, als Versuche eine einsame Flöte, den Schrei aufzunehmen – steht das vielleicht für Buckys menschliche Seite?

Weitere neue Themen gibt es, aber sie sind recht schwer auszumachen. Jackman bedient sich einer eher motivischen Themenstruktur, die Leitmotive sind recht kurz, nicht allzu einprägsam und fließen relativ stark ineinander. Das tragisch anmutende Motiv, das u.a. in Stepping Up (1:25), Civil War (0:44), Catastrophe (1:42) und Cap’s Promise (2:21) erklingt, fungiert wohl als Thema für den Konflikt in der Superheldengemeinschaft, während das aufsteigende Dreinotenmotiv, das vage an Tylers Iron-Man-Thema erinnert (A New Recruit bei 1:34; Larger than Life, durchzieht das ganze Stück; Consequences, direkt am Anfang in melancholischer Variation), wohl auch für Tony Stark und sein Team steht. Darüber hinaus gibt es noch ein subtiles Motiv für Zemo, das an eine zurückhaltende, orchestrale Version des elektronischen Begleitrhythmus des Winter-Soldier-Themas aus Jackmans erstem Cap-Score erinnert (Zemo bei 0:45; Closure bei 0:50). Angeblich existieren darüber hinaus auch Motive für Spider-Man und Black Panther, die herauszuhören mir allerdings nicht wirklich gelungen ist – dazu müsste ich mir den Film nochmal ansehen.

Während die meisten der Suspense-Stücke der ersten Hälfte des Albums eher uninteressant sind und es immer mal wieder Ausbrüche von eher unschöner Remote-Control-Action gibt (das bereits erwähnte Lagos), zeichnet sich „Civil War“ vor allem durch einige wirklich gelungene Action-Set-Pieces aus. Schon The Tunnel weiß  wegen der gelungenen Verwendung von Caps Thema durchaus zu gefallen, während alles von Stepping Up bis Larger than Life den Albenhöhepunkt bildet, mit dem Titelstück Civil War als Herzstück des gesamten Scores – gerade hier zeigt Jackman, was er kann, wenn man ihn lässt; er lässt die Themen auf gelungene Weise miteinander interagieren und kanalisiert den heroischen Ton von Alan Silvestris Marvel-Musik, ohne sie einfach nur zu imitieren.

Fazit: Henry Jackmans „Captain America: Civil War“ ist kein Meisterwerk, aber eine gelungene Überraschung, ein solider Superhelden-Score, dem zwar die eingängigen Themen und thematische Kontinuität zum MCU fehlen, der dafür aber ein gelungenes Ausmaß an kompositorischer und leitmotivischer Intelligenz aufweist. Mein Favorit für die nächsten beiden Avenger-Scores wäre zwar nach wie vor Danny Elfman, aber sollten die Russos sich wieder für Jackman entscheiden, wäre das bei weitem keine so erschreckende Aussicht wie vor „Civil War“.

Siehe auch:
Captain America: Civil War

Captain America: Civil War

civilwar
Story: Nach einer folgenreichen Mission in Nigeria genießen die Avengers einen ziemlich schlechten Ruf, weshalb die Vereinten Nationen fordern, dass das Team von nun an vollständig unter ihre Kontrolle gestellt wird. Tony Stark (Robert Downey jr.), nach wie vor von Vergangenem und seinen Schuldgefühlen geplagt, unterstützt dieses Unterfangen, während Captain America (Chris Evans) die Initiative anzweifelt. Vielleicht hätten diese Probleme friedlich gelöst werden können, doch dann scheint es, als verübe der Winter Soldier (Sebastian Stan) einen weiteren Anschlag, der alles verkompliziert und zu einer Spaltung der Avengers führt: Die eine Hälfte des Teams stellt sich hinter Iron Man, die andere hinter Captain America. Derweil spinnt der mysteriöse Zemo (Daniel Brühl) Intrigen…

Kritik: Und da ist sie, die zweite große Superheldenprügelei des Jahres, die, soviel schon mal vorweg, weitaus besser gelungen ist als „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Tatsächlich fühlt sich „Civil War“ an wie ein Film, nicht wie drei oder vier, die ineinandergeschnitten wurden.

Der zweite Captain-America-Film von Joe und Anthony Russo basiert sehr lose auf der gleichnamigen, von Mark Millar verfassten und Steven McNiven gezeichneten Miniserie, die zwischen Juli 2006 und Januar 2007 erschien – Captain America fungierte dort allerdings nicht als Titelheld. Dementsprechend hat die Verfilmung mit dem Comic auch nicht allzu viel zu tun, es wurden lediglich der Grundplot und ein paar Handlungselemente übernommen. Dazu gehört die staatliche Kontrolle der Superhelden sowie Captain America und Iron Man an der Spitze der beiden streitenden Parteien. Miriam Sharpe (Alfre Woodard), die trauernde Mutter, die Tony Stark die Schuld am Tod ihres Sohnes gibt, stammt ebenfalls aus der Vorlage. Und das war’s eigentlich auch schon, da die Ausgangslage im MCU eine völlig andere ist. Weder der Winter Soldier noch Zemo (die MCU-Version der Figur hat bis auf den Namen mit dem Comicgegenstück eigentlich nichts gemein) spielen bei Millar keine Rolle, tatsächlich fehlt im Comic ein traditioneller Schurke vollkommen. Dafür tauchen dort viele Figuren auf, die im MCU entweder noch nicht etabliert sind oder deren Rechte bei anderen Studios liegen, Reed Richards etwa ist ein wichtiger Unterstützer der Regierungsinitiative. Insgesamt ist die Vorlage weitaus grimmiger und düsterer als der Film. Erfreulicherweise schaffen es die Russo-Brüder und ihre Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely allerdings, viele Schwächen der Vorlage auszubügeln. Während die Grundprämisse von Millars Werk wirklich interessant ist, werden sowohl Steve Rogers als auch Tony Stark im Verlauf der Miniserie zu völlig verbohrten und sturen Arschlöchern, mit denen man einfach nicht mehr sympathisieren kann. Zum Beispiel erschaffen Tony und Reed einen Roboterklon von Thor, der unter Captain Americas Widerstandskämpfern aufräumen soll.

Die größte Stärke des Films ist, dass die Motivationen und Handlungen der beiden Parteien stets nachvollziehbar bleiben und man problemlos versteht, warum die wichtigen Figuren gerade so handeln, wie sie handeln (mit Ausnahme Hawkeyes vielleicht). Vor allem Tony Starks Handlungsbogen über den Film hinweg ist äußerst gelungen und erfreulicherweise meilenweit vom völlig rücksichtslos agierenden Tony der Vorlage entfernt. Ebenfalls sehr positiv ist die Art und Weise, mit der die Regisseure und Drehbuchautoren die offenen Fäden von „The Winter Soldier“ und „Age of Ultron“ miteinander verknüpfen. Das große Thema dieses Films sind Konsequenzen, Konsequenzen, die bis zum Anfang des MCU zurückgehen. Vor allem in der ersten Hälfte gelingt es den Russos, dieses Thema ansprechend umzusetzen. Ironischerweise fehlt „Civil War“ allerdings der konsequente Ausgang.

Insgesamt bemühen sich die Russos um einen schwierigen Drahtseilakt, sie versuchen die ernsteren Aspekte der Geschichte mit dem lockeren, selbstironischen Ton des MCU zu verknüpfen, was nicht immer ganz funktioniert – in „The Winter Soldier“ ist ihnen die diese Balance besser gelungen. Das hat zur Folge, dass diverse Einzelelemente, die für sich genommen sehr gut funktionieren, nicht immer miteinander harmonieren, vor allem in der zweiten Hälfte hätte dem Film ein wenig von der Grimmigkeit der Vorlage gut getan (wobei auch gesagt werden muss, dass Millar es diesbezüglich viel zu weit treibt) – gerade das Ende wirkt für meinen Geschmack zu versöhnlich, hier wäre ein besserer Mittelweg zwischen dem Ausgang des Films und dem des Comics wünschenswert gewesen. Der große Kampf der Fraktionen ist zwar unheimlich unterhaltsam, wirkt aber zu locker und lässt die nötige Intensität vermissen.

Wie nicht anders zu erwarten ist „Civil War“ eher ein Ensemble-Film denn ein wirklicher Captain-America-Streifen. Fast die jedes Mitglied der Avengers (mit Ausnahme von Thor und Hulk) taucht auf und wählt eine Seite. Der Comic-Fan freut sich darüber hinaus über diverse kleine Anspielungen. So verstehen sich beispielsweise Vision (Paul Bettany) und Wanda (Elizabeth Olsen) sehr gut – man ahnt, wo das hinführt. Mit General Ross (William Hurt) taucht darüber hinaus auch wieder eine Figur auf, die wir seit „Der unglaubliche Hulk“ nicht mehr gesehen haben.

Und dann wären da noch die Neuzugänge: Mit Spider-Man (Tom Holland) verhält es sich in meinen Augen ganz ähnlich wie mit Wonder Woman in „Dawn of Justice“: Ein Highlight, aber eines, das für die Geschichte eigentlich ziemlich überflüssig ist. Tatsächlich spielt Peter Parker in der Vorlage eine durchaus wichtige Rolle, aber eine völlig andere als im Film, weswegen sein Auftauchen hier nicht wirklich gerechtfertigt ist. T’Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman), Prinz der fiktiven afrikanischen Nation Wakanda, dagegen hat wirklich einen eigenen, wenn auch kleinen, Handlungsstrang und ist für die Story von Bedeutung. Die meisten anderen neuen Figuren, etwa Martin Freeman als Everett Ross (der hoffentlich irgendwann auf Doctor Strange trifft) oder der von Daniel Brühl gespielte Helmut Zemo bleiben ziemlich blass – Letzterer besitzt allerdings durchaus Potential, das noch ausgeschöpft werden könnte.

Fazit: „Captain America: Civil War“ hätte das Potential gehabt, DER essentielle MCU-Film zu werden, ist jedoch leider „nur“ eine gute, aber nicht überragende Weiterführung der Avengers- und Captain-America-Handlungsstränge, unterhaltsam, actionreich, aber nicht konsequent genug.

Siehe auch:
Captain America: The Winter Soldier
Avengers: Age of Ultron
Ant-Man

Trailer

Ant-Man

antman
Story: Scott Lang (Paul Rudd) ist ein begabter Dieb, der mit dem Gesetzt in Konflikt geraten ist. Nach seiner Entlassung hat er Probleme: Niemand will ihn einstellen und seine Ex-Frau (Judy Greer) versucht, ihn von seiner Tochter (Abby Ryder Fortson) fernzuhalten. Eigentlich wollte Scott ehrlich werden, doch da wird ihm ein letzter Coup angeboten: Er soll in das Haus von Hank Pym (Michael Douglas) einbrechen. Doch dieser Coup erweist sich als vielschichtige Falle, und ehe Scott es sich versieht, ist er in eine andere Welt gestolpert: Hank Pym war früher der Superheld Ant-Man, der sich mithilfe einer speziellen Technologie auf Ameisengröße schrumpfen kann. Der skrupellose Geschäftsmann Darren Cross (Corey Stoll) hat es geschafft, die Ant-Man-Technologie nachzubilden, weshalb Ant-Man wieder zum Einsatz kommen muss – Hank Pym hat allerdings gesundheitliche Probleme, weshalb er und seine Tochter Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) auf Scott bauen…

Kritik: Eigentlich ist diese Kritik schon lange überfällig. Zwar habe ich „Ant-Man“ im Kino verpasst, aber die Blu-Ray ist ja nun auch schon eine ganze Weile draußen. Der Abschluss der zweiten Phase des MCU ist schon seit dem ersten Iron-Man-Film in Arbeit und war lange Zeit das geistige Kind von Edgar Wright, der das Drehbuch schrieb und auch Regie führen sollte. Dann kam es allerdings zu kreativen Differenzen mit Marvel; das Studio heuerte daraufhin Peyton Reed an und ließ Wrights ursprüngliches Drehbuch umschreiben. In solchen Fällen folgt oft ein desaströser Film. Obwohl man sich natürlich fragt, wie Edgar Wrights „Ant-Man“ wohl ausgesehen hätte, ist Peyton Reeds Version des Films definitiv kein Desaster. Tatsächlich besitzt „Ant-Man“ alle typischen Stärken eines MCU-Films, und die nicht zu knapp. Leider sind auch wieder einige der typischen Schwächen vorhanden.

Mit der Figur, die hier adaptiert wird, bin ich leider nicht allzu gut vertraut. Ich besitze ein paar Comics, in denen Hank Pym als Ant-Man oder Giant-Man vorkommt, das war’s aber auch schon. Man liest oft „Ant-Man“ erinnere stark an „Iron Man“, mich persönlich hat der Film aber ziemlich stark an eine ganz andere Superheldenadaption aus dem gegnerischen Lager erinnert: „Batman Beyond“ (dt. Titel: „Batman of the Future“), eine der Serien des DC Animated Universe. Die Ausgangslage ist bei beiden fast dieselbe. Wir haben einen gealterten Superhelden (Ant-Man/Hank Pym und Batman/Bruce Wayne), der nicht mehr selbst in sein hochtechnisiertes Kostüm steigen kann und dessen Firma von einem skrupellosen Vorstandsvorsitzenden (Darren Cross und Derek Powers), der sich zum Superschurken entwickelt, verwaltet wird. Der potentielle Nachfolger (Scott Lang und Terry McGinnis) stiehlt besagtes hochtechnisiertes Kostüm, bevor er dann offiziell akzeptiert und trainiert wird.

Beginnen wir gleich mit der größten Schwäche von Ant-Man, einer Schwäche, an der so viele Marvel-Filme leiden: Der Schurke ist einfach nicht interessant. Korrupte Firmenchefs hatten wir schon so oft, und dann hat Darren Cross zu allem Überfluss auch noch keine Verbindung zu Scott Lang, sondern ausschließlich zu Hank Pym und Hope Van Dyne. Gerade diesen Aspekt hat „Batman Beyond“ zum Beispiel besser gelöst. Derek Powers hat ein ähnliches Verhältnis zu Bruce Wayne wie Cross zu Hank, aber er ist auch für den Mord an Terry McGinnis‘ Vater verantwortlich, was einen persönlichen Konflikt zwischen beiden schafft. Zugegeben, es ist eine relativ typische Feindschaft, aber sie funktioniert. Zwischen Cross und Scott gibt keine persönliche Feindschaft, vor ihrem Endkampf begegnen sie einander praktisch nicht.

Anonsten finden sich auch die üblichen Marvel-Stärken: Hervorragend aufgelegte Darsteller, allen voran Michael Douglas, viel Humor und Selbstironie und eine simple, aber enorm kurzweilige Story, die von sympathischen Figuren getragen wird. Vor allem in einem Punkt brilliert Ant-Man: Das Schrumpfen wird hervorragend und auf sehr kreative Weise genutzt, da werden Sachen verkleinert und vergrößert, die Art und Weise, wie Scott im Ant-Man-Anzug kämpft, ist cool und äußerst amüsant, und der Endkampf auf der Spielzeugeisenbahn ist grandios. Auch Christopher Becks Score weiß definitiv zu überzeugen.

Fazit: „Ant-Man“ ist ein typischer, gelungener Marvel-Film mit den üblichen Schwächen (sehr uninteressanter Schurke), aber auch den üblichen Stärken. Scott Langs Debüt als Superheld ist kurzweilig, lustig, selbstironisch und vor allem im Actionbereich sehr kreativ. Wer genug von Superhelden hat, wird durch „Ant-Man“ sicher nicht bekehrt, aber wer dem Genre etwas abgewinnen kann, wird mit Sicherheit gut und kurzweilig unterhalten.

Trailer

Daredevil Staffel 1

Milde Spoiler!
daredevilNachdem sie im Kino ein extrem dominanter Faktor sind, schicken sich Superhelden nun auch an, das Fernsehen zu erobern, sei es mit tatsächlichen Superheldenserie wie „Arrow“ oder „Flash“ oder mit „Pseudosuperheldenserien“ (die im Grunde alles haben, was zum Genre gehört, außer eben den tatsächlichen Helden) wie „Gotham“ oder „Agents of S.H.I.E.L.D“. Sowohl DC als auch Marvel produzieren gegenwärtig einige Serien; während DC mehrgleisig fährt und Film- von TV-Universum trennt, sind alle Marvel-Serien ins MCU integriert. Bis vor kurzem gab es unter den diversen, gerade aktuellen Serien allerdings noch keine, von der ich gesagt hätte, dass sie wirklich überdurchschnittlich ist. „Arrow“ fand ich ziemlich bescheiden (der Titelheld ist nun einmal nicht Batman, auch wenn die Macher das noch so gerne hätten), „Agents of S.H.I.E.L.D“ war ganz unterhaltsam (vor allem in der zweiten Hälfte), brauchte aber viel Anlaufzeit, „Gotham“ hat zwar viel Potential, aber auch viele Probleme, und von „Flash“ und „Agent Carter“ habe ich bislang nur die erste Folge gesehen. Diese war jeweils zwar nicht übel, aber auch nicht so gut, dass sie mich sofort gepackt und nicht mehr losgelassen hätte.
daredvilmattMatt Murdock (Charlie Cox) bei Tag und Nacht

„Daredevil“ dagegen schlägt hier völlig aus der Reihe. Aber von Anfang an: 2013 schloss Marvel einen Deal mit dem Streaming-Dienst Netflix, der seit einiger Zeit auch erfolgreich Serien selbst produziert (die erfolgreichste ist bislang wohl „House of Cards“ mit Kevin Spacey). Marvel Studios und Netflix werden für fünf Serien (bzw. Miniserien) kollaborieren: „Daredevil“, „A.KA. Jessica Jones“, „Luke Cage“ und „Iron Fist“ – diese vier „Street-Level-Helden“ sollen sich dann schließlich á la Avengers in einer fünften Serie, „Defenders“ zusammentun.

Um es kurz zu machen: „Daredevil“ ist nicht nur die mit Abstand beste derzeitige Superheldenserie, sondern definitiv auch eines der besten Produkte der Marvel Studios. Im Grunde schafft es die Serie, all das, was der misslungene Film von 2003 mit Ben Affleck falsch gemacht hat, richtig zu machen. Und nebenbei ist „Daredevil“ auch die Serie, die „Arrow“ und „Gotham“ wohl gerne wären.

Die Handlung
Die Grundhandlung ist praktisch dieselbe wie im bereits erwähnten Film: Matt Murdock (Charlie Cox), seit einem Unfall in seiner Kindheit blind, aber ansonsten mit extrem verstärkten Sinnen gesegnet, und Foggy Nelson (Elden Henson) sind Anwälte im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen und versuchen dabei, sauber zu bleiben, was allerdings nicht einfach ist, denn in der New Yorker Unterwelt mischt ein neuer, geheimnisvoller Mitspieler mit, der von einem gewitzten und ruchlosen Anwalt namens James Wesley (Toby Leonard Moore) repräsentiert wird. Bereits kurz nachdem Matt und Foggy ihre Kanzlei eröffnet haben, übernehmen sie den Fall von Karen Page (Deborah Ann Woll) und gewinnen ihn auch, woraufhin diese zu ihrer Sekretärin wird.
karenpageKaren Page (Deborah Ann Woll)

Foggy und Karen ahnen allerdings nicht, dass Matt ein Doppelleben führt, denn nachts betätigt er sich als schwarzgekleideter und noch namenloser Vigilant sehr direkt mit Verbrechen und Korruption auseinandersetzt. Dabei lernt er auch die Krankenschwester Claire Temple (Rosario Dawson) kennen, die ihm hin und wieder aushilft, wenn er von Verbrechern zu Brei geschlagen wurde, und er findet schließlich heraus, wer der große Unbekannte ist: Wilson Fisk (Vincent D’Onofrio), ein ambitionierter und extrem ehrgeiziger Gangsterboss, der danach trachtet, Hell’s Kitchen nach seinen Vorstellungen umzugestalten…

„Daredevil“ und das MCU
„Daredevil“ ist Teil des Marvel Cinematic Universe, diese erste Staffel funktioniert allerdings auch vollkommen auf sich selbst gestellt. Dennoch, die Anspielungen sind da, allerdings bleiben sie sehr subtil und werden dem Zuschauer nie mit dem Holzhammer übergebraten. Einige der Verweise bekommt man noch gut mit, Wesley spricht einmal von einem magischen Hammer und einem Typ in Rüstung, während Foggy Captain America erwähnt. Andere sind subtiler. Im Büro des Reporters Ben Urich (Vondie Curtis-Hall) sieht man anhand der Zeitungsartikel, dass er sowohl über die Ereignisse von „Der unglaubliche Hulk“ als auch „The Avengers“ berichtet hat, und Matt Murdock ist im selben Waisenhaus aufgewachsen wie Skye aus „Agents of S.H.I.E.L.D.“. Auf gewisse Weise basiert die Handlungsgrundlage der Serie sogar auf „The Avengers“: In der Realität mochte Hell’s Kitchen früher tatsächlich ein sehr problematisches Viertel gewesen sein, heute ist es dort allerdings ziemlich friedlich. Im MCU dagegen hat der Alienangriff auf New York und die damit verbundene Zerstörung Hell’s Kitchen quasi in die 80er Jahre zurückgeworfen. Hier wird ein interessantes Konzept aufgeworfen: Gangster und zwielichtige Geschäftsmänner profitieren von den Entwicklungen: Die Superhelden zerstören etwas und sie springen ein, bauen es wieder auf und verdienen dabei, während sie ihrerseits relativ sicher sind, da sie im Grunde viel zu klein und unwichtig sind, als dass jemand wie Captain America oder Iron Man sich mit ihnen beschäftigen würde. Das Straßenlevel und die gewöhnliche Kriminalität wurden im MCU bislang nicht thematisiert; „Daredevil“ füllt hier eine Lücke auf grandiose Weise.

Umsetzung
Von allen MCU-Produkten ist „Daredevil“ mit Abstand das düsterste, grimmigste und blutigste – insgesamt kommt Netflix mit sehr viel mehr weg als andere Sender. Diese Düsternis wirkt allerdings niemals aufgesetzt oder erzwungen, stattdessen ergibt sie sich ganz natürlich und passend aus der erzählten Geschichte.
foggyFoggy Nelson (Elden Henson)

Dennoch werden die bisherigen Traditionen des MCU keineswegs ignoriert. Dazu gehören vor allem die starken Charaktere, und auch Humor ist vorhanden, mitunter allerdings sehr viel grimmiger als bisher. Was „Daredevil“ darüber hinaus auszeichnet, ist der strikte Fokus: Die erste Staffel weiß genau, welche Geschichte sie erzählen möchte und tut dies auch schnörkellos, im Gegensatz zu einer Serie wie „Gotham“, die sich viel zu sehr in ihren zu zahlreichen Handlungssträngen verheddert.

Inhaltlich und stilistisch orientiert sich „Daredevil“ sehr stark an den prägenden Frank-Miller-Geschichten der 80er Jahre (damals, als Frank Miller noch wusste, wie man gut Comics schreibt), und obwohl Matt das ikonische Teufelskostüm erst in der letzten Folge anlegt, sind doch alle wichtigen Ingredienzien, die Daredevil als Figur ausmachen, vorhanden. Auch optisch sind die Parallelen zu den Daredevil-Comics der 80er und zu Zeichnern wie David Mazuchelli und Frank Miller nicht von der Hand zu weisen. Die Atmosphäre ist stets bedrohlich, die Schatten sind stark und ausdrucksfähig, die Bildsprache ist grandios und alles wirkt auf eine Art realistisch, die es im Marvel-Universum bisher nicht gab. Die Action ist zumeist sehr bodenständig, dreckig und direkt, wenn Matt einen Schlag abbekommt, schüttelt er das nicht einfach so ab, man merkt als Zuschauer, dass es weh tut.
wesleyJames Wesley (Toby Leonard Moore)

Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Staffel vollkommen ohne Schwächen wäre. So sterben gegen Ende zwei wichtige Figuren, deren Tod in meinen Augen viel zu früh geschieht, da sie noch unglaublich viel Potential hatten. Auch wirken die Ereignisse des Finales ein wenig überhastet und juristisch wenig haltbar (auch wenn das definitiv nicht mein Fachgebiet ist). Und schließlich bleibt die Musik fast völlig anonym und generisch – das alles ist aber letztendlich Kritik auf sehr hohem Niveau.

Figuren und Darsteller
Man kann nicht genug betonen, wie grandios diese Figuren und ihre Darsteller sind. Egal ob es um die zentralen Charaktere oder nur um die Nebenakteure geht, sie hinterlassen alle einen bleibenden Eindruck. Besonders hervorzuheben sind natürlich die beiden Hauptkontrahenten, Matt Murdock und Wilson Fisk, wobei beide in dieser Staffel noch nicht unter ihren Comicnamen Daredevil und Kingpin agieren. Auf Matt als Hauptfigur liegt natürlich der Fokus. Die Serie geht dabei einen interessanten Weg: Matt ist quasi von Beginn an als Vigilant tätig; die erste Szene zeigt den Unfall mit radioaktivem Müll, der ihn erblinden lässt und ihm gleichzeitig seine Supersinne gibt, dann macht die Serie einen Sprung zur eigentlichen Handlung. Matts Werdegang wird im Verlauf immer wieder in Rückblicken gezeigt, ohne es zu übertreiben. Das sorgt schließlich dafür, dass man ihn als Zuschauer versteht und mitfiebert, wobei Charlie Cox natürlich ebenfalls seinen Teil dazu beiträgt und Ben Affleck weit hinter sich lässt.
wilsonWilson Fisk (Vincent D’Onofrio)

Was der Serie besonders hoch anzurechnen ist, ist ihr Umgang mit Wilson Fisk, der sich hier zum wahrscheinlich besten MCU-Schurken mausert; die einzige Konkurrenz ist Loki. Auf jeden Fall ist Fisk der facettenreichste und ernstzunehmendste MCU-Widersacher und wird von Vincent D’Onofrio hervorragend dargestellt. Vor allem ist Fisk nicht einfach nur der Widersacher von Daredevil, sondern fast gleichberechtigte Hauptfigur, auch seine Vergangenheit wird beleuchtet, ebenso wie seine Motivation. Fisk wird dabei als sehr vielschichtiger Antagonist gezeichnet; als Zuschauer lernen wir ihn erst als sehr unsicheren Menschen kennen, der ein wenig schüchtern ist und Probleme damit hat, eine Frau anzusprechen, und erst nach und nach kommen die finsteren Seiten zum Vorschein – dann aber richtig. Wilson Fisk in dieser Serie ist ein Visionär, ein Mörder, er leidet unter Kontrollzwang und hat Probleme, sein Temperament zu kontrollieren. Vor allem aber ist er als Schurke nachvollziehbar, ohne jemals seine Bedrohlichkeit aufzugeben. Weiterhin interessant ist, dass der romantische Subplot der Serie ihm und nicht etwa Matt gilt. An dieser Stelle muss natürlich auch Ayelet Zurer als Vanessa Marianna gelobt werden, die exzellent mit D’Onofrio zusammenspielt.

Fazit: „Daredevil“ ist düster, mitreißend, spannend, hervorragend besetzt und weiß vollständig zu überzeugen; die Serie um den Mann ohne Furcht ist eine der besten MCU-Produktionen auch die gegenwärtig beste Superheldenserie. Ich freue mich bereits auf die nächste Staffel und hoffe, dass die anderen Marvel/Netflix-Serien einen ähnlichen Standard erreichen.