Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore

Spoiler!
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Story: Wir schreiben das Jahr 1932; die Internationale Zauberervereinigung ist auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden. Dies möchte sich Gellert Grindelwald (Mads Mikkelsen), der nach wie vor finstere Absichten hegt, zunutze machen. Derweil versucht Albus Dumbledore (Jude Law) seinen ehemaligen Geliebten immer noch aufzuhalten. Nachdem Grindelwald von Anton Vogel (Oliver Masucci), dem noch amtierenden Vorsitzenden, rehabilitiert wird, stellt er sich selbst zur Wahl – diese wird jedoch nicht von der magischen Bevölkerung, sondern von einer magischen Kreatur, dem Qilin, der sowohl in die Herzen als auch in die Zukunft sehen kann, durchgeführt. Um zum Anführer der Zaubererschaft zu werden und diese endlich in einen Krieg gegen die Muggel führen zu können, heckt Grindelwald einen durchtriebenen Plan aus. Ein weiteres Mal ist es an Dumbledore und seinen Verbündeten, darunter Newt (Eddie Redmayne) und Theseus Scamander (Callum Turner), Jacob Kowalski (Dan Fogler) und die amerikanische Hexe Lally Hicks (Jessica Williams), den Schwarzmagier aufzuhalten…

Kritik: Ähnlich wie „X-Men: Dark Phoenix“ scheint auch „Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore“ der Abgesang auf eine sterbende Filmreihe zu sein, der eher aus Pflichtgefühl überhaupt erst in die Kinos kam und dort zu allem Überfluss nicht allzu viele interessierte, nicht zuletzt, weil einer der kreativen Köpfe sich zur Persona non grata entwickelte. Das war bei mir nicht anders, auch ich hatte ziemlich wenig Interesse an diesem (vorläufigen) Finale der „Fantastic-Beasts-Saga“, was allerdings nicht einmal so sehr an J. K. Rowlings Twitter-Ausfällen, sondern viel mehr an der unterirdischen Qualität des Vorgängers „The Crimes of Grindelwald“ lag – dieser hat mein Interesse am einstmals florierenden Potter-Franchise nachhaltig erstickt. Dennoch, ich bin eben Komplettist und war zudem auch neugierig auf die neue Inkarnation von Gellert Grindelwald. Bekanntermaßen erwies sich Johnny Depp ebenfalls als problematisch, auch wenn er jetzt im Gerichtshof der öffentlichen Online-Meinung rehabilitiert zu sein scheint – Warner hätte wohl besser daran getan, sich von Ezra Miller zu trennen. Wie dem auch sei und ohne hier ein Fass aufmachen zu wollen: Völlig unabhängig von Johnny Depps Charakter und seinem Privatleben war er in meinen Augen von Anfang an die völlig falsche Besetzung für Grindelwald und hat in dieser Rolle für mich nie funktioniert. Mads Mikkelsen ist da tatsächlich die deutlich bessere Wahl, aber dazu später mehr.

Nachdem „The Crimes of Grindelwald” zwar durchaus erfolgreich, aber eben nicht erfolgreich genug war und zudem (völlig zurecht) mit harscher Kritik bedacht wurde, bemühte man sich bei Warner um eine Kurskorrektur. Dass J. K. Rowling mit dem Schreiben (und vor allem Strukturieren) eines Drehbuchs überfordert war, hatte sich überdeutlich gezeigt, weshalb man ihr Potter-Drehbuch-Veteran Steve Kloves zur Seite stellte. Und tatsächlich: „The Secrets of Dumbledore“ ist immerhin besser strukturiert als der direkte Vorgänger und auch weniger erratisch. Massive erzählerische Probleme bleiben allerdings erhalten. Zum einen wäre da eine recht ungleichmäßig Fortführung und Weiterentwicklung der Handlungselemente und Figuren des Vorgängers. Nagini, in „The Crimes of Grindelwald“ gespielt von Claudia Kim, wird beispielsweise nicht einmal mehr erwähnt, während Tina Goldstein (Katherine Waterston), immerhin eine der zentralen Figuren der ersten beiden Filme, nur zwei kleine Cameos absolviert (was aber primär mit der Verfügbarkeit der Darstellerin zusammenhängt). Auch das ganze Hin und Her um Prophezeiungen, die (extrem subtil) auf den Zweiten Weltkrieg hinweisen und alles, was mit der Familie Lestrange zu tun hat, spielt überhaupt keine Rolle mehr. Und selbst Newt Scamander, immerhin in der Theorie der Protagonist der Filmreihe, wird mehr oder weniger zur Nebenfigur degradier – ein Schicksal, das er mit Bilbo Beutlin teilt.

Stattdessen wird mit der Wahl des Vorsitzenden der Internationalen Zaubererversammlung ein völlig neues Fass aufgemacht, mit dem Rowling, Kloves und Yates mehr denn je versuchen, einen Politthriller mit magischem Abenteuer zu verknüpfen, was hier nicht allzu gut gelingt. Parallelen zu aktueller Politik und Geschichte sind nur allzu deutlich, wie üblich bleibt die Politik der „Wizarding World“ allerdings eine äußerst schwammige Angelegenheit. In den Harry-Potter-Romanen hat das allerdings nur bedingt geschadet, gerade in „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ hat Rowling es wirklich gut genug geschafft, das herauszuarbeiten, was nötig und wichtig ist, nicht zuletzt deshalb, weil sie den Blickwinkel von Teenagern einnehmen konnte. Im Gegensatz dazu wirken die politischen Elemente in „The Secrets of Dumbledore“ geradezu beliebig, wenn nicht gar unsinnig. Was zu Anfang als Wahl inszeniert wird, verkommt zur magischen Zeremonie, in der nicht die Mehrheit, sondern ein ominöses Tierwesen darüber entscheidet, wer die Zaubererschaft führt. Zudem wird man auch nie wirklich über die Befugnisse des Vorsitzenden aufgeklärt. Diese Position existierte zwar bereits in den HP-Romanen (und wurde dort von Dumbledore ausgefüllt), hatte aber scheinbar kaum tatsächliche Auswirkungen. Hier nun scheint derjenige, der sie innehat, dazu in der Lage zu sein, den Muggeln den Krieg zu erklären.

Zudem ist überdeutlich, dass „The Secrets of Dumbledore“ ein merkwürdiger Hybridfilm geworden ist: Ursprünglich waren fünf Fantastic-Beasts-Filme geplant, aber nachdem die ersten beiden hinter den Erwartungen zurückblieben, entschloss man sich, mit dem dritten Film einen vorläufigen Schlussstrich zu ziehen. Somit muss „The Secrets of Dumbledore“ als Finale fungieren können, aber zugleich auch weitere Fortsetzungen ermöglichen, falls doch genug Zuschauer in die Kinos strömen. Harry-Potter-Fans wissen zudem, dass Grindelwalds finale Niederlage erst im Jahr 1945 stattfindet (nicht, dass Rowling im Rahmen dieser Filmreihe jemals vor massiven Retcons zurückgeschreckt wäre…). Ich persönlich denke, dass Rowling ursprünglich plante, Grindelwald hier Erfolg haben und das angestrebte Amt tatsächlich gewinnen zu lassen. Nicht von ungefähr spielt der Film im Jahr 1932, ein Jahr vor Hitlers Machtergreifung – die Parallelen zwischen Grindelwald und Hitler waren nie besonders subtil. Die beiden verbliebenen geplanten Filme hätten sich dann mit einer (kontinentaleuropäischen) Zaubererwelt unter Grindelwalds Kontrolle und dem magischen Äquivalent zum Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen können. So muss Grindelwald hier aber ein weiteres Mal verlieren und flüchten, damit die Reihe, sollte es der letzte Fantastic-Beasts-Film sein, mit einem positiven Ende versehen werden kann.

Figurentechnisch konzentriert sich „The Secrets of Dumbledore“ tatsächlich auf die beiden Kontrahenten, während die meisten anderen in den Hintergrund rücken. Mit der von Jessica Williams gespielten Eulalie „Lally“ Hicks wird zudem eine neue, zentrale Figur vorgestellt, die wohl als Ersatz für Tina Goldstein gewertet werden kann – zumindest was die Stellung als zentrale weibliche Figur auf Dumbledores Seite angeht. Die Ilvermorny-Lehrerin (samt Darstellerin) absolvierte bereits in „The Crimes of Grindelwald“ einen kleinen Cameo-Auftritt und Jessica Williams hat sichtlich Spaß daran, sie zu spielen, darüber hinaus fällt die Charakterisierung aber eher dünn aus – etwas, das sich auf die meisten Figuren erstreckt. Weiterhin unterhaltsam bleibt auch Dan Fogler als Jacob Kowalski, der trotz seiner romantischen Verwicklungen seinen Optimismus nicht verliert. Alison Sudols Queenie Goldstein hat immerhin mehr Präsenz als ihre Schwester, aber auch ihr wird nicht wirklich viel Platz zur Entfaltung gelassen. Der junge Dumbledore ist weniger exzentrisch als sein älteres Ich, ansonsten aber ziemlich in-Character, inklusive der Eigenheit, seine Verbündeten über seine unnötig komplizierten Pläne im Dunkeln zu lassen. Nebenfiguren aus dem Vorgänger wie Yusuf Kama (William Nadylam) oder Bunty (Victoria Yeates) sind ebenfalls Teil von Dumbledores Team, tragen aber nur wenig zur Handlung bei. Credence‘ familiäre Situation wird ebenfalls aufgelöst, hier stellt sich nun heraus, dass er der Sohn von Albus Dumbledores Bruder Aberforth (Richard Coyle) ist.

Kommen wir nun aber zu Grindelwald: Ich hatte mich im Vorfeld gefragt, ob das veränderte Aussehen des Schwarzmagiers wohl thematisiert werden würde, immerhin könnte ich problemlos eine magische Erklärung finden, allerdings entschied man sich dazu, Grindelwalds Aussehen ebenso zu ignorieren wie seine völlig veränderte Persönlichkeit. Die Jack Sparrow’sche Exzentrik, die Johnny Depp mitbrachte, hat die Figur nun völlig verloren, stattdessen wird sie nun von einer energischen Zielstrebigkeit dominiert, die ich persönlich weitaus passender finde, die aber freilich ein massiver Kontinuitätsbruch ist (nicht, dass das noch jemanden besonders kümmern würde).

Wie schon „The Crimes of Grindelwald” bemüht sich auch „The Secrets of Dumbledore” um massives Spektakel, ohne allerdings jemals die alte Magie der Potter-Filme reaktivieren zu können, was ironischerweise auch an der Darstellung der Magie liegt – ein Problem, das jedes der drei Prequels plagt. Nicht, dass Rowling bei den Regeln der Magie in der „Wizarding World“ immer konsistent oder konsequent gewesen wäre, aber es gab immerhin Regeln und sie wurden auch erklärt. Vor allem in den letzten beiden Teilen dieser unfreiwilligen Prequel-Trilogie können Zauberer und Hexen inzwischen quasi fast alles machen, was sie wollen. Das Duell zwischen Dumbledore und Credence beispielsweise wirkt eher, als stamme es aus „Doctor Strange“, inklusive der Spiegeldimension. In der Figurenkonzeption und -konstellation versuchen Rowling, Kloves und Yates zudem immer wieder, nach bester George-Lucas-Manier („It rhymes!“) auf bereits Erzähltes zu verweisen, etwa durch die Parallelen zwischen Ariana Dumbledore und Credence, Draco Malfoy und Credence oder Snape und Queenie.

Auch die Nostalgiekeule wird immer wieder ausgepackt – wenn handelnde Figuren in Hogwarts vorbeischauen, erklingt Hedwigs Thema in bester Williams-Manier und erweckt zumindest bei mir das Bedürfnis, statt dieses Films doch lieber die alten Potter-Filme wieder anzuschauen. Und dann ist da noch diese eine Szene, in der aus einem Koffer buchstäblich Potter-Requisiten ausbrechen, darunter ein Schnatz und mehrere Exemplare des Monsterbuchs der Monster, natürlich untermalt vom Flug-Thema aus den ersten drei Potter-Scores. Abseits dieser offensichtlichen Einspielungen weiß immerhin James Newton Howards Score auch ein drittes Mal zu überzeugen und die Emotionalität zu vermitteln, an der der Film scheitert. Eine ausführliche Besprechung des Scores findet sich hier.

All das zeigt, dass auch hier die altbekannten Fehler gemacht wurden, die so viele Franchises plagen. Ich denke, die Fantastic-Beasts-Serie hätte durchaus funktionieren können, hätte man sich auf die Stärken des ersten Teils berufen und es vermieden, eine epische Saga und ein mit Nostalgie getränktes Prequel zu den Potter-Filmen zu erzählen. Stattdessen hätte man sich an den inhaltlich kaum miteinander verbundenen Bond-Filmen der Roger-Moore-Ära orientieren können und pro Film ein in sich geschlossene Abenteuer mit magischen Tierwesen an verschiedenen, interessanten Orten erzählen können, während der Krieg gegen Grindelwald lediglich ein Element des Hintergrundes bleibt, so wie es der Kalte Krieg in den Bond-Filmen war.

Fazit: „The Secrets of Dumbledore“ ist zwar marginal besser als „The Crimes of Grindelwald”, schafft es aber nicht einmal in Ansätzen, die alte Magie zurückzubringen. Ein besser strukturiertes Drehbuch und ein talentierter Cast können leider nicht über massive erzählerische Probleme und den Mangel an Inspiration hinwegtäuschen.

Bildquelle (Foto: Warner Bros.)

Trailer

Siehe auch:
Fantastic Beasts and Where to Find Them
Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald – Ausführliche Rezension

Captain Marvel

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Story:
Vers (Brie Larson) gehört dem Volk der Kree an und verfügt über enorme Kräfte, hat aber ihr Gedächtnis verloren. Sie wird von ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) trainiert, da sich die Kree im Krieg mit den formwandelnden Skrulls befinden und Vers‘ Kräfte für den Kriegserfolg wichtig sind. Im Verlauf einer Mission wird Vers von dem Skrull-Kommandanten Talos (Ben Mendelsohn) gefangen genommen, der in ihren Erinnerungen wühlt und eine Verbindung zum Planeten Erde feststellt. Vers kann jedoch entkommen und landet auf der Erde, wo sie mit Hilfe des S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) versucht, hinter das Geheimnis ihrer Herkunft zu kommen.

Kritik: Da ist er also, der erste MCU-Film mit einer weiblichen Titelfigur (natürlich gab es noch „Ant-Man and the Wasp“, aber Hope van Dyne musste sich den Titel nun einmal mit Scott Lang teilen). Wie bei ähnlich gearteten Filmen, etwa „Wonder Woman“ oder „Black Panther“, waren die Erwartungen äußerst hoch und die allgemeine Stimmung äußerst geladen. Wie üblich versuche ich, dabei nicht den Film als politische Botschaft welcher Art auch immer zu bewerten, sondern als Film an sich und als Teil seines Franchise.

Nach „Captain America: The First Avenger” ist „Captain Marvel“ erst der zweite MCU-Film, der nicht in „der Gegenwart“, sondern einer historischen Epoche spielt – mit den 90ern wurde allerdings eine gewählt, die uns deutlich näher ist als die 40er. Strukturell erinnert „Captain Marvel“ am ehesten an „Thor“ und bietet, zumindest aus Publikumssicht, eine invertierte Heldenreise. Normalerweise beginnt der Held in einer (verhältnismäßig) alltäglichen Welt, um dann in eine tatsächliche oder metaphorische Abenteuerwelt zu gelangen. Thor und Vers/Carol Danvers dagegen beginnen in phantastischen, extravaganten Welten, und werden nicht von Menschen zu Helden, sondern von Göttern (oder außerirdischen Soldaten) zu Menschen (und dann zu Helden). Und wie bei „Thor“ finden sich im zweiten Akt eine ganze Menge „Fish out of Water“-Elemente, die für den Großteil der Komik verantwortlich sind.

Insgesamt ist „Captain Marvel“ in Ordnung – was gerade für einen Film, auf dem derartige Erwartungen lagen, wohl für viele nicht genug sein dürfte. Der gelungenste Aspekt ist zweifellos die Chemie zwischen Brie Larson und Samuel L. Jackson bzw. das Buddy-Movie-Element des zweiten Aktes – es ist einfach verdammt unterhaltsam, den beiden bei ihren Ermittlungen zuzusehen. Der Rest des Films ist im Großen und Ganzen funktional – relativ wenig sticht positiv oder negativ heraus. Anna Boden und Ryan Fleck sind als Regisseure ziemlich anonym, gerade im Vergleich zu MCU-Regisseuren, die es geschafft haben, den Filmen einen distinktiven Stempel aufzudrücken – man denke an Taika Waititi oder James Gunn.

Das vielleicht größte Problem des Films ist allerdings die Titelfigur. Hier wiederholt sich, was bereits bei „Black Panther“ ein Manko war: Captain Marvel ist als Figur leider nicht besonders interessant oder einnehmend, die Figuren um sie herum, sei es Nick Fury, Yon-Rogg oder selbst der Skrull Talos, sind deutlich interessanter. Der heimlich Star des Films ist natürlich ohnehin die Katze Goose. Am Ende des Films fühlt man sich sogar fast ein wenig an Supermans finalen Auftritt in „Justice League“ erinnert, als Captain Marvel alle Widersacher dann doch deutlich zu leicht und spielend abserviert. Zusätzlich problematisch ist der Umstand, dass Carol Danvers im Grunde auch keine Entwicklung durchmacht. Nur ihre Loyalität verändert sich, das hat aber keine Auswirkungen auf ihren Charakter, sie ist am Ende des Films dieselbe Figur wie am Anfang, was einem Origin-Film nicht gut zu Gesicht steht.

Zur Vorlagentreue des Films kann ich leider nicht allzu viel sagen, da ich mit der Carol-Danvers-Version von Captain Marvel nicht wirklich vertraut bin, ich besitze lediglich einige Geschichten, in denen sie vorkommt, aber keinen ihrer Solo-Titel. Eine Änderung ist mir allerdings tatsächlich sauer aufgestoßen. Carol Danvers ist nicht die erste Captain Marvel, vor ihr gab es bereits Mar-Vell, einen Kree-Krieger, den ich als Figur sehr schätze und der in der exzellenten Graphic Novel „The Death of Captain Marvel“ das zeitliche segnete – nicht im heroischen Kampf gegen einen Superschurken, wohlgemerkt, sondern im auszehrenden Kampf gegen den Krebs. Ohne allzu viel zu spoilern: Mar-Vell taucht in stark veränderter Form in „Captain Marvel“ auf, das Potential, das der Figur inne wohnt, wird aber nicht nur nicht ausgeschöpft, sondern geradezu ignoriert.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Musik: Mit Pinar Toprak übernahm hier zum ersten Mal eine Frau nicht nur die Titelrolle, sondern auch den Taktstock in einem MCU-Film und liefert einen Score, der sich vor den anderen MCU-Vertretern nicht verstecken muss. Topraks Musik ist durchaus in der Tonalität des MCU verwurzelt, die Verwendung von Elektronik und Synthesizern an der Seite des Orchesters passt gut zur Ära des Films und erinnert sowohl an „Thor: Ragnarök“ als auch ein wenig an Don Davis‘ Matrix-Scores. Das Thema für die Titelfigur ist gelungen, allerdings ist die Abmischung im Film nicht allzu gut, weshalb der Score leider relativ oft untergeht.

Fazit: „Captain Marvel“ ist insgesamt in Ordnung, aber abseits des Umstandes, dass es sich hierbei um den ersten MCU-Film mit einer Frau als alleiniger Titelfigur handelt, weit von der Signifikanz entfernt, die ihm im Positiven wie Negativen beigemessen wird. Der Film ist unterhaltsam und kurzweilig, bewegt sich aber bestenfalls im Mittelfeld des MCU.

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Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald – Ausführliche Rezension

Spoilerificus Totalus!
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Ich möchte diese Rezension mit einem Zitat Lord Voldemorts beginnen: „They never learn. Such a pity.“ Leider passt dieses Zitat nur allzu gut. Nach einem soliden Start dieser Filmreihe um Newt Scamander mit „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ gelingt es der Fortsetzung mit dem kaum weniger sperrigen Titel „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald“ leider, in so ziemlich jedes Fettnäpfchen zu treten, das man sich bei einem derartigen Franchise-Film nur vorstellen kann. Man kann kaum über diesen Film sprechen, ohne zu spoilern, weshalb ich das auch gar nicht groß versuchen werde. Die Probleme sind im Grunde dieselben wie bei „The Amazing Spide-Man 2“, den Hobbit-Filmen oder „Batman v Superman: Dawn of Justice“.

Handlung
Gellert Grindelwald (Johnny Depp) befindet sich bereits seit einiger Zeit in der Gefangenschaft des MACUSA und soll nun nach Europa überstellt werden, doch ihm gelingt die Flucht. Der finstere Zauberer macht sich auf nach Paris, um seine Anhänger um sich zu scharen. Nach wie vor ist er an Credence Barebone (Ezra Miller) interessiert, der die erste Begegnung mit Grindelwald nicht nur überlebt hat, sondern nun in Paris nach seinen Wurzeln sucht.

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Newt (Eddie Redmayne) und Theseus (Callum Turner), die Gebrüder Scamander

Derweil erhält Newt Scamander (Eddie Redmayne) einen Auftrag von Albus Dumbledore (Jude Law): Er soll sich ebenfalls nach Paris aufmachen, um Credence aufzuspüren. Newt hat derweil eigentlich andere Probleme, da sein Bruder Theseus (Callum Turner) seine alte Flamme Leta Lestrange (Zoë Kravitz) heiraten wird. Zwischendurch tauchen auch Jacob Kowalski (Dan Fogler) und Queenie Goldstein (Alison Sudol) auf; Erster hat sein Gedächtnis wieder, aber in der Beziehung der beiden kriselt es ziemlich, da Jacob Queenie nicht heiraten möchte, um sie nicht in Konflikt mit dem MACUSA zu bringen. Zudem erfährt Newt, dass Tina (Katherine Waterston) sich ebenfalls in Paris aufhält, um nach Credence zu suchen. Es kommt, wie es kommen muss: Die Fäden laufen zusammen, verheddern sich ordentlich und es folgt die Konfrontation mit Grindelwald, in dem sich die Fronten klären und jeder eine Seite wählen muss.

Verlorene Figuren
Wenn ich eine übergreifende Schwäche bei „Crimes of Grindelwald“ nennen müsste, dann wäre das wohl „Mangel an Motivation“, und zwar auf allen Ebenen. Der Vorgänger war zweifelsohne nicht frei von Schwächen, aber im Großen und Ganzen war klar, weshalb die Figuren tun, was sie tun.

Der Mangel an Motivation beginnt bereits bei der Wiedereinführung der Figuren des ersten Teils (wobei es hier sowohl den Figuren selbst als auch Rowling und Yates an Motivation fehlt). Wichtige Schritte in der Entwicklung der Figuren werden einfach übersprungen und in einem Halbsatz abgehandelt, wobei ganz nebenbei noch essentielle emotionale Elemente des ersten Films zerstört werden. Credence hat überlebt? Ja, man konnte in „Fantastic Beasts and Where to Find Them” sehen, dass sich ein Fetzen seines Obscurus-Wesens davon gemacht hat. Aber plötzlich ist er ohne Erklärung wieder völlig beieinander und kann seine Fähigkeiten offenbar weitaus besser kontrollieren als früher. Ähnlich verhält es sich mit Jacobs Gedächtnis. Es wirkt, als hätten Rowling und Yates schlicht keine Lust gehabt, sich mit diesen Elementen auseinanderzusetzen und sie deshalb einfach ignoriert, um zum gewünschten Ausgang zu gelangen.

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Jacob Kowalski (Dan Fogler) und Tina Goldstein (Katherine Waterston)

Auch die Konflikte zwischen den Figuren sind bestenfalls halbherzig und meistens einfach nur schlecht geschrieben. Jacob und Queenie waren im ersten Film äußerst liebenswert, jetzt sind sie einfach nur flach. Queenies gesamter Handlungsstrang in diesem Film ist völlig unlogisch und einfach nur daneben: Weil die Gesellschaft es ihr verbietet, den Mann zu heiraten, den sie liebt, verlässt sie diesen Mann, um sich dem Schwarzmagier anzuschließen, der Muggel gnadenlos zu unterdrücken gedenkt? Auch der Konflikt zwischen Tina und Newt funktioniert vielleicht in einer schlechten Soap, ist im Kontext dieses Films aber so fürchterlich erzwungen und gleichzeitig so banal, dass es schmerzt.

Mit den diversen neuen Figuren verhält es sich ähnlich. Sowohl der Konflikt zwischen Newt und Theseus als auch die Beziehung der beiden zu Leta Lestrange bleiben oberflächlich und undefiniert. Man merkt gerade eben so, dass Substanz hätte da sein können, hätte es nur die passende Motivation dazu von Rowling und Yates gegeben.

Insgesamt bleiben die Figuren, vor allem diejenigen, die neu eingeführt werden, fürchterlich blass und uninteressant. Gerade das ist vielleicht die größte Enttäuschung. Bei allem, was man den Harry-Potter-Romanen vielleicht vorwerfen kann, unmarkante Figuren gehören definitiv nicht dazu. Früher hatte Rowling stets ein Talent dafür, ihre magische Welt mit einprägsamen Charakteren zu bevölkern. Mitunter konnten die Filme sogar noch darauf aufbauen. Man erinnere sich nur an den von Peter Mullan gespielten Yaxley in „Die Heiligtümer des Todes Teil 1“. Eine kleine Rolle, ein verhältnismäßig unwichtiger Todesser, aber er bleibt im Gedächtnis. Kein Vergleich zu Grindelwalds Entourage, die ebenso blass wie austauschbar ist.

Verworrene Handlungsstränge
Im „Fantastic Beasts and Where to Find Thema” konnte David Yates eine im Grunde relativ geradlinige Handlung umsetzen, deren größte Schwäche war, dass die beiden Stränge sich nicht so recht miteinander verknüpfen wollten. „The Crimes of Grindelwald“ hat dieses Problem in noch weit, weit größerem Ausmaß. Hier merkt man schmerzhaft, dass J.K. Rowling eben eine Roman- und keine Drehbuchautorin ist, denn die Handlungskonstruktion des Films mit seinen diversen Subplots ist die eines Romans. Insgesamt denke ich tatsächlich, dass „The Crimes of Grindelwald“ als Roman vielleicht nicht gut, aber doch weitaus besser funktioniert hätte als als Film.

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Nagini (Claudia Kim) und Credence Barebone (Ezra Miller)

Die Handlungsstränge, von denen es hier eine ganze Menge gibt, sind separiert und finden kaum zusammen. Alles ist mit Figuren, Konflikten und Beziehungen überfrachtet, diese bleiben aber ohne Tiefe, alles wird nur oberflächlich angerissen. Zudem sorgen der Schnitt und einige ziemlich merkwürdige Entscheidungen (etwa die Close-ups zu Beginn) dafür, dass man als Zuschauer auch nicht investiert ist. Es gibt durchaus gelungene Einzelszenen und Set-Pieces, aber der Kontext ist stets misslungen. Actionszenen wirken oft aufgesetzt, unlogisch, unnötig oder dramaturgisch daneben. Das beginnt bereits bei Grindelwalds Flucht direkt zu Beginn, bei der ich bis jetzt noch nicht herausfinden konnte, weshalb sie auf diese Weise überhaupt nötig war – was bezweckt Grindelwald damit? Auch die Sequenzen, in denen neue Tierwesen auftauchen, um von Newt gebändigt zu werden, sind hier seltsam fehl am Platz und erwecken den Eindruck, man versuche die Gegenstücke aus dem ersten Film zu rekonstruieren. Immer wieder pausiert die eigentliche Handlung auf plumpe Weise, die Action entwickelt sich nie logisch aus dem Geschehen.

Und wo wir gerade von der Handlung sprechen: Auch die Vermittlung dessen, was eigentlich passiert, lässt ziemlich zu wünschen übrig. Manche Szenen sind mit Exposition geradezu vollgestopft, während bei anderen überhaupt nur vage klar ist, was warum geschieht. Natürlich, wer mit Rowling und den HP-Romanen intim vertraut ist, hat meistens keine Probleme, sich alles zusammenzureimen, aber alle anderen dürfte das frustrieren und/oder langweilen. Eines der unschönsten Beispiele ist der gesamte Subplot um die Familiengeschichte der Lestranges und ihre Verknüpfung mit Credence. Hier werden aufwendig Familienverhältnisse erklärt, ohne dass es letztendlich irgendwelche Auswirkungen hat, da es nur eine falsche Fährte ist und letztendlich völlig ohne Konsequenzen bleibt.

Dumbledore vs. Grindelwald
Trotz allem hat auch „The Crimes of Grindelwald“ die eine oder andere Stärke. Das in meinen Augen beste Element des Films ist fraglos Jude Law als junger Dumbledore. Er hat nicht viel Leinwandzeit, nutzt diese aber ausgezeichnet und mausert sich zum heimlichen Star dieses Films. Dabei spielt Law nicht spezifisch einen jungen Richard Harris oder Michael Gambon, sondern tatsächlich einen Dumbledore, der als jüngere Version beider Darsteller funktionieren könnte. Johnny Depp dagegen… die Zweifel, die ich schon seit „Fantastic Beasts and Where to Find Them” hatte, zeigen sich nun als gerechtfertigt. Johnny Depp ist als Schauspieler für meinen Geschmack zu markant und zu sehr mit anderen Rollen verknüpft, um in dieser wirklich funktionieren zu können. Jude Law kann ich problemlos als Dumbledore sehen, aber wenn Depp den Zauberstab schwingt, sehe ich Depp und nicht Grindelwald.

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Leta Lestrange (Zoë Kravitz) und Gellert Grindelwald (Johnny Depp)

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn man Colin Farrell nicht nur Grindewalds Deckidentität, sondern auch den tatsächlichen Schwarzmagier hätte spielen lassen. Leider wird Grindelwald in dem nach ihm benannten Film zu allem Überfluss auch noch nicht allzu gut charakterisiert und erinnert in seiner großen Rede irgendwie an Magneto. Das Problem dabei ist, dass seine Agenda schlecht dargestellt wird. Da sind einerseits die Elemente, die er sich mit Voldemort teilt und mit denen er die alten Reinblüter auf seine Seite ziehen will, gleichzeitig hat er aber auch nichts gegen Muggel, sodass er mit derselben Rede auch Queenie von sich überzeugen kann. Und dann sieht er mit seinen seherischen Fähigkeiten auch gleich noch den Zweiten Weltkrieg voraus. Alles ein wenig viel auf einmal, und zudem schafft Depp es einfach nicht, die diversen Facetten glaubhaft zu verkörpern, sodass Gellert Grindelwald sich problemlos in die Riege an blassen und unmotivierten Figuren dieses Films einreiht.

Harry Potters Vermächtnis
Ein Aspekt, der mir an „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ ziemlich gut gefiel, war der Umstand, dass man die Verknüpfungen zum Franchise im Großen und Ganzen subtil hielt. Es war zweifelsohne dieselbe Welt, aber an einem anderen Ort und zu anderer Zeit. Anspielungen blieben zumeist unaufdringlich und Yates und Rowling gelang es, das New York der Zaubererschaft als eigenständigen Handlungsort zu etablieren. Leider war man wohl der Meinung, dass das alles zu subtil war; „The Crimes of Grindelwald“ erinnert da eher an die Hobbit-Filme – hier wird grob recycelt, um Nostalgie zu erwecken. Wo New York als Handlungsort eigenständig war, ist Paris kaum mehr als ein bloßer Abklatsch. Es gibt eine französische Winkelgasse und ein französisches Zaubereiministerium; beide wirken rechtschaffen profillos und bekannt.

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Albus Dumbledore (Jude Law)

Die Franchise-Probleme reichen aber noch weitaus tiefer. Das Verhältnis dieses Films zu seinem Franchise erinnert mich ein wenig an „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Die Handlung ist so konstruiert, dass man mindestens die HP-Filme und idealerweise die HP-Romane ziemlich gut kennen muss, um ihr vollständig folgen zu können. Gleichzeitig bricht dieser Film konstant die Regeln und packt einen Retcon nach dem anderen aus, der genau diejenigen, die der Film eigentlich ansprechen sollte, verärgert. Und das ist auch noch unnötig, weil das alles nicht zur eigentlichen Handlung beiträgt. Warum muss Professor McGongall bereits sieben Jahre vor ihrer Geburt in Hogwarts unterrichten? Ist es wirklich nötig, dass Dumbledore statt Verwandlung Verteidigung gegen die Dunklen Künste lehrt? Ja, die Szene mit dem Irrwicht deutet einen späteren Twist an (was an sich schon ein viel zu deutlicher Rückgriff auf „Der Gefangene von Askaban“ ist), aber wäre es nicht interessanter gewesen, einmal Galatea Merrythought zu zeigen, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichtet? Und dann ist da noch der Schlusstwist, der so gar keinen Sinn ergibt, zeitlich überhaupt nicht passt und, wenn Rowling noch halbwegs bei Sinnen ist, besser eine wilde Lüge von Grindelwald ist.

Fast genauso ärgerlich sind die unnötigen Gastauftritte. Nicolas Flamel (Brontis Jodorowsky) wird nur für billige Gags gebraucht und Nagini (Claudia Kim) ist sogar Gastauftritt und Retcon in einem: Da verpasst Rowling Voldemorts Schlange eine menschliche Identität und einen komplizierten Fluch, um dann praktisch nichts mit ihr zu machen. Nagini ist ein reines Anhängsel für Credence, hat keinen Handlungsbogen, keine Motivation und auch keinen Grund, warum sie überhaupt im Film ist, außer um eventuell etwas für kommende Sequels vorzubereiten.

Ein weiteres Problem, das bereits im ersten Film in Ansätzen zu sehen war, ist die Potenz der Magie. In den Romanen waren die Regeln der Magie zugegebenermaßen auch nicht immer völlig konsistent, aber was in diesen beiden Filmen gezaubert wird, lässt selbst die Erwachsenen Harry-Potter-Figuren amateurhaft wirken. Schon der Wiederaufbau von New York im ersten Teil war zu viel des Guten, aber Grindelwalds blauer Feuerdämon ist endgültig over the top. Das ist Magie auf Warcraft-Level, die in diesem Universum fehl am Platz wirkt und zum hohlen Spektakel ausartet. Nebenbei: Warum ist die Zaubererwelt nach allem, was in diesem Film passiert ist, überhaupt noch geheim?

Fazit: „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald” ist leider ein Sequel, das weit hinter dem zwar nicht herausragenden, aber doch sehr soliden ersten Teil zurückbleibt. Unmotivierte Figuren tummeln sich in einer überfrachteten, schlecht konstruierten Story, die zu allem Überfluss den Kanon des „Potterverse“ (meinetwegen auch der „Wizarding World“) ernsthaft in Mitleidenschaft zieht. Ab in die Potter-Ecke der Schande zu „The Cursed Child“.

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Grand Budapest Hotel

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Story: Im einstmals großen, inzwischen aber schon ziemlich heruntergekommenen Grand Budapest Hotel erzählt der Besitzer Zéro Moustafa (F. Murray Abraham) einem Schriftsteller (Jude Law) seine Geschichte: Als Junge war Zéro (Tony Revolori) Lobby-Boy unter dem perfektionistischen Concierge Monsieur Gustave H. (Ralph Fiennes), zu dessen engstem Vertrauten er schnell wird. Der Tod der Hotel-Kundin Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis (Tilda Swinton), genannt Madame D., die Monsieur Gustave ein unbezahlbares Bild hinterlässt, sorgt allerdings dafür, dass alles drunter und drüber geht: Madame D.s Sohn Dimitri (Adrien Brody) beschuldigt Monsieur Gustave des Mordes an seiner Mutter, um das Bild in seinen Besitz zu bringen. Monsieur Gustave lässt dies allerdings nicht auf sich sitzen und bricht mit Zéros Hilfe aus dem Gefängnis aus, um die Angelegenheit zu klären…

Kritik: „Grand Budapest Hotel“ ist ein höchst eigenwilliger und stilistisch sehr ausgefallener Film. Als solcher ist Wes Andersons neue und äußerst absurde Tragikkomödie sicher nicht etwas für jeden Geschmack. Das beginnt schon bei der Tatsache, dass es neben der eigentlichen Haupthandlung um Monsieur Gustave und Zéro noch drei weitere Rahmenhandlungen gibt und erstreckt sich über die recht eigenwilligen Stilmittel des Films. So ist die Kamera äußerst statisch, während die Kulissen sehr offensichtliche Modelle sind, sodass oftmals der Eindruck erweckt wird, es handle sich um eine Modelleisenbahn oder ein Puppenhaus. Wie dem auch sei, ich fand den Film jedenfalls äußerst gelungen, die eigenwillige Atmosphäre, die er aufbaut, passt perfekt zu der aberwitzigen Handlung und den enorm skurrilen Figuren. Vor allem in diesem Bereich punktet „Grand Budapest Hotel“ enorm: Die Charaktere sind schrill und außergewöhnlich, und selbst relativ unwichtige Nebenfiguren bleiben problemlos im Gedächtnis. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Film extrem prominent besetzt ist. In zum Teil geradezu winzigen Rollen (und oft auch ziemlich gut verkleidet) tauchen unter anderem Owen Wilson, Bill Murray, Harvey Keitel, Tom Wilkinson und Jeff Goldblum auf – um nur einige zu nennen. Letztendlich sind es allerdings die Darsteller der beiden Hauptfiguren, die den Film tragen und dafür sorgen, dass er funktioniert. Ralph Fiennes beweist ein weiteres mal, dass er nicht nur als Psychopath, sondern auch als liebenswerter Exzentriker problemlos zu überzeugen weiß, während Tony Revolori ein vielversprechener Newcomer ist. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Chemie zwischen beiden einfach hervorragend ist und viel dazu beiträgt, dass der Humor immer ins Schwarze trifft und die großartigen Dialoge ihre Wirkung nicht verfehlen.
Alles in allem ist „Grand Budapest Hotel“ so sehr mit skurrilen, absurden, schwarzhumorigen und kreativen Einfällen und Szenen vollgestopft, dass ich noch ziemlich lange weiterschreiben könnte, was ich allerdings nicht tun werde, da es viel mehr Spaß macht, alles selbst zu entdecken. Unbedingt erwähnt werden muss allerdings noch die Musik von Alexandre Desplat, ebenso verschroben wie der Film selbst, die sehr präsent ist und stark aus dem sonstigen Remote-Control-Einheitsbrei hervorsticht.
Fazit: Schräger, vollauf gelungener Trip ins fiktive Zubrowka. Bisher der beste Film des Jahres (zugegebenermaßen war ich dieses Jahr allerdings noch kaum im Kino und habe einiges verpasst) und für alle geeignet, die auf grandiose Absurdität stehen.

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Sherlock Holmes

Story: Guy Ritchies Interpretation des berühmtesten Detektivs aller Zeiten beginnt nicht mit dem Anfang, sondern mit dem scheinbaren Ende eines Falles; Holmes (Robert Downey jr.) und Watson (Jude Law) gelingt es den Ritualmörder Lord Blackwood (Mark Strong) dingfest zu machen, der Schurke wird in einer furiosen Anfangsszene besiegt, eingesperrt und nach einem Gefängnisaufenthalt mit einigen merkwürdigen Zwischenfällen zum Tode durch den Strang verurteilt.
Eigentlich sollte dies der letzte gemeinsame Fall von Holmes und Watson sein, da Letzterer zu heiraten gedenkt (etwas, dass dem Meisterdetektiv ganz und gar nicht passt), allerdings zwingt das Auftauchen von Holmes‘ „alter Falmme“ Irene Adler (Rachel McAdams) und die Wiederauferstehung Blackwoods erneut zu Ermittlungen, in denen schwarze Magie und ein Geheimbund wichtige Rollen spielen….

Kritik: Das war sie also, die modernisierte Fassung von Sherlock Holmes, und ich muss sagen, sie hat mir ausnehmend gut gefallen. Zwar bin ich weder mit Guy Ritchies Filmographie noch mit der Historie des Meisterdetektivs wirklich vertraut, aber der vorliegende Film ist ein kurzweiliger und spaßiger Ausflug ins viktorianische London. Hier ist auch gleich der erste Pluspunkt zu finden; „Sherlock Holmes“ hat eine tolle Atmosphäre, das düstere London dieser Ära (das ich auch schon in Filmen wie „From Hell“ oder „Sweeney Todd“ geliebt habe) kommt hervorragend rüber.
Ein weiteres Plus findet sich bei den beiden Hauptdarstellern; Robert Downey jr. (der hier mal wieder eine ironische und selbstironische Glanzleistung vollbringt) und Jude Law passen perfekt zusammen, ihre Wortgefechte sind wirklich allererste Sahne und ich wage sogar zu behaupten, dass sie hier das beste Leinwandduo seit Jake und Elwood abgeben. Des Weiteren ist die Action sehr abwechslungsreich, toll inszeniert und immer mit einem Augenzwinkern versehen (etwa, wenn Holmes analyisert, wie man den Gegner am besten Schamatt setzt).
Die Story um die scheinbar schwarzmagischen Ereignisse und den Geheimubund, der an die Macht will, ist leider eher weniger innovativ; in einer Filmkritik wurde passenderweise ein Vergleich zu „The Prestige“ gezogen; allerdings erfüllt sie ihren Zweck und ich habe eine gewisse Schwäche für Geheimbünde und Verschwörungstheoriene, stört also nicht wirklich.
Das einzige Manko findet sich in der Person von Blackwood, gespielt von Mark Strong. Der Bösewicht bleibt leider sehr kontur- und farblos, trotz seines etwas übertrieben theatralischen Auftretens. Der Kurzauftritt von Moriarty dagegen mach schon Hunger auf den zweiten Teil.
Fazit: Unterhaltender, kurzweiliger und atmosphärischer Film mit einem eher schwachen Schurken, aber tollen Helden.

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