GoT: Stormborn

Spoiler!
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„Stormborn“ ist einer der Titel von Daenerys und wird auch gleich zu Beginn dieser Episode thematisiert. Zugleich geht es am Anfang und am Ende äußerst stürmisch zu. Sonst ist diese Folge mal wieder eine Folge der Begegnungen, in der diverse Figuren wieder auftauchen oder einander mehr oder weniger zufällig über den Weg laufen – Randyll Tarly taucht im King’s-Landing-Handlungsstrang auf, Melisandre schaut auf Dragonstone vorbei und Arya begegnet ihrem alten Freund Hot Pie, nachdem sie Ed Sheeran anscheinend nicht um die Ecke gebracht hat.

Dragonstone
Die zweite Episode der siebten Staffel beginnt genau dort, wie die erste endete: Auf Dragonstone. Wir erleben hier zum ersten Mal die Dynamik von Daenerys‘ aufgestocktem Rat. Zuvor wird jedoch noch Varys‘ Verhältnis zu den diversen Herrschern angesprochen. Dieser Dialog spiegelt eine Szene aus Staffel 1 wider, in der Varys Ned Stark etwas ähnliches erklärt. Daenerys zeigt sich hierbei weit schlauer als ihre diversen Vorgänger auf dem Eisernen Thron.

Zwischendurch taucht auch noch Melisandre wieder auf Dragonstone auf. Nach der gelungenen Szene mit Daenerys und Varys ist die folgende Konversation leider weniger gelungen, da sie zu plakativ ist. Die Thematik des „prince that was promised“ und der Umstand, dass das Wort „prince“ im Valyrischen geschlechtsneutral ist, wird dem Zuschauer auf äußerst unelegante Art und Weise wieder ins Gedächtnis gerufen – in Fachkreisen bezeichnet man so etwas auch als „exposition dump“. Manchmal ist so etwas zwar durchaus nötig, aber man hätte es trotzdem etwas eleganter gestalten können.

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Daenerys (Emilia Clarke) und ihre Ratgeber und Heerführer: Tyrion (Peter Dinklage), Yara (Gemma Whelan), Ellaria (Indira Varma). (Bildquelle)

In Daenerys‘ „Kleinem Rat“ mögen Frauen inzwischen wichtigere Positionen innehaben als Männer, aber deswegen wird nicht weniger gezankt, denn jede der befehlshabenden Damen hat wie üblich ihre eigene Agenda. Sowohl Olenna Tyrell als auch Ellaria Sand dürsten nach Rache und würden King’s Landing am liebsten in Schutt und Asche sehen, während Daenerys (bzw. Tyrion) eine etwas humanere Belagerung vorziehen. Letztendlich wird beschlossenen, dass die Tyrell- und Martell-Heere King’s Landing belagern, um nicht mehr Lords durch einfallende Fremdlinge auf Cerseis Seite zu treiben, während die Unbefleckten sich daran machen sollen, Casterly Rock, den Sitz der Lannisters zu erobern. Ich hoffe inständig, dass wir das zu sehen bekommen, denn Casterly Rock ist eine der interessantesten Festungen von Westeros, tauchte aber bislang weder in den Romanen noch in der Serie als Schauplatz auf.

Im folgenden Gespräch zwischen Daenerys und Olenna Tyrell deutet sich ein mögliches Zerwürfnis zwischen der Mutter der Drachen und ihrer Hand an – ein weiterer, interner Konflikt in Daenerys‘ Lager. Bislang scheint sie Tyrion vertraut zu haben, der Eroberungsplan stammt zweifellos von ihm, in der Ratssitzung benutzt sie sogar seine exakten Worte (queen of the ashes). Da Tyrion sie noch in dieser Folge zumindest ein wenig hintergeht (siehe „Winterfell“), bin ich gespannt, ob dieses wie auch immer geartete Zerwürfnis bereits in der nächsten Folge zu sehen sein wird.

Ein paar Räume weiter zelebrieren derweil Missandei und Grey Worm ihren Abschied, wobei Grey Worm zeigt, dass man Eunuchen in dieser Hinsicht nicht unterschätzen sollte. Es war natürlich zu erwarten, dass irgendwann die obligatorischen Nacktszenen kommen würden, schließlich ist das eine HBO-Serie. Im Vergleich zu früheren Staffeln ist das definitiv besser gelungen und ergibt sich sogar halbwegs aus der Handlung, schließlich köchelt die Romanze zwischen Missandei und Grey Worm schon seit einigen Staffeln vor sich hin, und welcher Anlass wäre nachvollziehbarer?

King’s Landing
Man kann sich regelrecht ausmalen, wie es wäre, gäbe es in Westeros Twitter: „Dragon queen mad like her father, but fake news media won’t tell. So sad!“ Das ist die Essenz der Rede, die Cersei vor ihren versammelten Lords hält – den wenigen, die noch auf ihrer Seite stehen. Darunter ist auch Randyll Tarly, dessen Loyalität zur Krone hier auf die Probe gestellt wird, da er eigentlich ein Vasall des Hauses Tyrell ist. Dementsprechend unentschlossen ist Lord Randyll auch. Um ihn zu ködern bietet Jaime ihm den Posten als Wächter des Südens an. In diesem Kontext möchte ich abermals kurz auf „A Dance with Dragons“ zurückgreifen, wo wir Lord Tarly am Ende als Teil des Kleinen Rats unter Kevan Lannister als Protektor des Reiches erleben, während Lord Tarly als Meister der Gesetze fungiert – ich bin gespannt, ob er diese Position in irgendeiner Form auch noch in der Serie bekommt oder ob er „nur“ seine Armee kommandiert.

Die Soldaten der anrückenden Targaryen-Armeen sind freilich das geringste Problem – die Drachen bereiten Cersei weit größere Sorgen. Wie üblich hat Qyburn da allerdings auch schon ein paar Ideen in Form einer Balliste, die Erinnerungen an die Windlanze aus den Hobbit-Filmen wachruft und zeigt, dass sie sehr gut in der Lage ist, Drachenknochen zu durchdringen. Für diese Szene bringt Komponist Ramin Djawadi das neue Cersei-Motiv, das er in der letzten Folge der sechsten Staffel etablierte, zurück – ich hatte mich schon gefragt, ob wir es wohl in dieser Staffel hören würden.

Winterfell
Im Norden beschäftigt man sich mit der Expressrabenzustellung von Tyrions Brief, der neben weiteren Rückgriffen auf Staffel 1 deutlich von Daenerys Befehlen abweicht. Bereits im Dialog wird dies deutlich (Jon und Sansa hätten auf die Aufforderung, vor der Drachenkönigin das Knie zu beugen, sicher negativer reagiert). Tatsächlich wurde der genaue Wortlaut des Briefes in der Zwischenzeit veröffentlicht – hier zeigt sich, dass Tyrion Jon kennt und um den Stolz der Starks weiß; einer Aufforderung zur Unterwerfung wären sie nie nachgekommen.

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Tyrions Brief (Bildquelle)

Die Nachricht vom Obsididan, das sich auf Dragonstone verbirgt, sorgt natürlich dafür, dass der Besuch bei Daenerys äußerst attraktiv wird, von der Idee, Drachen gegen die Weißen Wanderer ins Feld zu schicken gar nicht erst zu sprechen. Die Lords des Nordens haben dennoch Bedenken, letztendlich entschließt sich Jon aber, nach Dragonstone zu gehen. Die große Begegnung zwischen Jon und Daenerys – den Figuren der Serien, die traditionellen Helden am nächsten kommen – wird bereits seit langem herbeigesehnt. Zuvor gibt es jedoch noch eine kleine Unterhaltung zwischen Jon und Littlefinger. Lord Baelish ist auf Winterfell nicht allzu beliebt, und bislang gewinnt er mit seinem üblichen, aalglatten Geschwätz keinen Blumentopf. Ich bin aber nach wie vor überzeugt, dass da noch etwas kommt.

Oldtown
Sam und Erzmaester Ebrose haben immer noch gewisse Meinungsverschiedenheiten. Ebrose arbeitet gerade an einem Werk mit dem etwas sperrigen Titel „A Chronicle of the Wars Following the Death of King Robert I.“, den Sam nicht allzu gelungen findet, was sofort Fan-Spekulationen anregte, Sam könne am Ende der Serie ein ähnliches Werk mit dem poetischeren Titel „A Song of Ice and Fire“ verfassen. Nun, der Verdacht, dass es sich bei Sam zumindest ansatzweise um ein Self-Insert von George R. R. Martin handeln könnte, ist unter Buchlesern nun auch nicht gerade neu, also warum nicht?

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Sam (John Bradley) und Maester Ebrose (Jim Broadbent). (Bildquelle)

Immerhin bekommt Sam in dieser Episode ein wenig mehr zu tun als nur Nachttöpfe zu leeren und verbotenen Büchern zu lesen. Als er erfährt, wer der Grauschuppenpatient ist, der da vor ihm sitzt, beschließt er, abermals eigenmächtig zu handeln und Anweisungen und Ratschläge von Erzmaester Ebrose ein weiteres Mal zu ignorieren. Die Behandlungsszene hat wohl aufgrund ihres Ekelfaktors ebenfalls einige Reaktionen auf Twitter hervorgerufen. Und wie schon bei Ed Sheeran finde ich das etwas übertrieben, gerade im Vergleich zu, sagen wir mal, der Operation am offenen Hirn in „Rome“ – dagegen ist das bisschen Eiter noch zu verkraften. Wir dürfen nun gespannt sein, wie erfolgreich Sam war und ob Ser Jorah an Daenerys‘ Seite zurückkehren wird.

Flusslande
Bislang war Rache Aryas primäre Motivation, jedenfalls seit dem Ende der letzten Staffel. Wie sich nun zeigt, war die durchschimmernde Menschlichkeit in der letzten Folge bereits ein Hinweis auf ihre weitere Entwicklung. „Stormborn“ baut weiter darauf auf, denn Arya begegnet ihrem alten Freund Hot Pie. Abermals zeigt sich, dass Arya es nicht mehr gewohnt ist, sich einfach normal mit jemandem zu unterhalten. Ihr gesamter Antrieb ändert sich allerdings, als sie erfährt, dass Jon Snow nicht nur noch lebt, sondern sogar König des Nordens geworden ist. Sofort kommt die Stark in ihr wieder an die Oberfläche und sie macht sich nach Winterfell auf. In diesem Kontext ist natürlich ihre Begegnung mit Nymeria von größter Wichtigkeit – noch einmal wird auf die erste Staffel verwiesen und eine Spiegelszene geschaffen: Dieses Mal ist es Nymeria, die Arya gehen lässt und nicht umgekehrt. Damit schließt sich der Kreis endgültig. Und meine Güte, ist das Vieh riesig geworden.

Gen Süden
Die Folge endet mit einer Reise nach Dorne: Yara soll Ellaria und die Sandschlangen nach Süden bringen, damit sie anschließend die Belagerung von King’s Landing in Angriff nehmen können. Euron Greyjoy hat da allerdings andere Pläne und attackiert. Woher er so genau weiß, wo er hin muss, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls entbrennt ein wildes Gemetzel, das zwei von drei Sandschlangen das Leben kostet – nun, kaum jemand dürfte sie vermissen. Theon wird auf die Probe gestellt, versagt gewissermaßen und tut dabei doch letztendlich das einzig richtige: Er springt ins Wasser, als Euron Yara bedroht. Alles andere hätte ihn vermutlich das Leben gekostet, so kann er vielleicht noch etwas ausrichten. Wie dem auch sei, Daenerys‘ Feldzug erhält hier den ersten Dämpfer, denn sowohl die Dornischen als auch die Eiserne Flotte sind erst einmal außer Gefecht gesetzt.

Fazit: Nachdem „Dragonstone“ den Status Quo untermauerte, bringt „Stormborn“ die Schachfiguren in Position, um ihn über den Haufen zu werfen. An allen Enden von Westeros setzt man sich in Bewegung. Zugleich ist diese Episode von Begegnungen geprägt, Figuren wechseln die Handlungsstränge und kommen zusammen.

Titelbildquelle

Siehe auch:
Dragonstone

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GoT: Kill the Boy

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„Kill the Boy“ zeigt, wie gut es „Game of Thrones“ tut, wenn die Episoden einen klaren Fokus haben und sich auf einige Handlungsstränge konzentrieren, sodass in diesen auch Tatsächlich eine Entwicklung feststellbar ist, statt von jedem Handlungsstrang nur eine Szene in der Episode unterzubringen.

Meereen
In Meereen ist Daenerys erst einmal ziemlich angepisst und versucht, die Lage auf traditionelle Targaryen-Art zu lösen (Blut und Feuer), bevor sie sich nach einem Gespräch mit Missandei umentscheidet und die Arenen wieder eröffnet. Und nicht nur das, sie beschließt auch, Hizdahr zu heiraten, um so ein Zeichen zu setzen. Diese Entwicklung führt den Daenerys-Handlungsstrang wieder näher an die Buchvorlage, wo Dany letztendlich dasselbe tut, allerdings auf andere Art zu diesem Entschluss gelangt. Dort ist es nicht Ser Barristans Tod, der die Ereignisse auslöst (dieser lebt ja noch). Stattdessen wird die Situation in der Stadt allgemein immer schwieriger, Meereen wird von außen belagert, während die Söhne der Harpyie im Inneren für Unruhe sorgen. Hizdahr verspricht, dass das Morden aufhören wird, wenn Daenerys ihn heiratet, was sie schließlich zum Einlenken bringt – bei Martin geht die Initiative also nicht von ihr aus.

Apropos Hizdahr, ich mochte seine Darstellung in dieser Folge, sie machen ihn als Figur ziemlich nachvollziehbar, sowohl der Wille, nicht als Feigling zu sterben, als auch der langsame Wandel nach der Einkerkerung: In dem Moment, in dem er den Drachen gegenübersteht, rast das Adrenalin durch die Adern, aber wenn er mit sich selbst alleine ist und auf den Tod wartet, ändert sich die Situation – das fand ich sehr gut nachvollziehbar.

Winterfell
Brienne und Pod quartieren sich in der Nähe von Winterfell ein und etablieren sich gewissermaßen als Notfallrettungsteam. Derweil führen Ramsay und Myranda „in the nude“ ein Gespräch über Sansa, das stark an die thematisch ähnlichen Dialoge zwischen Tyrion und Shae erinnert; im Grunde hat Myranda fast denselben Text wie Shae, Ramsay reagiert aber natürlich völlig anders darauf. Insgesamt ist Myranda jedenfalls ziemlich unzufrieden und schmiedet weitere kleinen Intrigen, indem sie Sansa zeigt, was mit Theon geschehen ist.

Es folgt „Dinner mit den Boltons“, eine Szene, die von Ramsay so unbehaglich inszeniert wird, dass selbst Roose langsam von den Psychospielen seines Sohnes genug hat. Seine Geschichte über Ramsays Zeugung (übrigens buchgetreu wiedergegeben) schafft eine ironische Parallele zu Stannis‘ Grauschuppengeschichte in der Folge und stellt die beiden Kontrahenten der kommenden Schlacht durch ihr Verhältnis zu ihren Kindern stärker einander gegenüber – vielleicht ein wenig zu plakativ, denn so ist Stannis eindeutig der Gute, während Roose eindeutig der böse ist.

Castle Black
Die Reise von Aemon, Sam und Gilly von Castle Black über Braavos nach Oldtown scheint der Schere zum Opfer gefallen zu sein, aber ein paar Zeilen Dialog haben es in die Serie geschafft: Sam und Aemon sprechen über Daenerys, die Prophezeiung über den versprochenen Prinzen taucht dabei allerdings nicht auf, Aemons Interesse an Daenerys scheint stärker familiärer Natur zu sein. Ich bin gespannt, ob Aemon diese Staffel noch überlebt, denn die Schiffsreise nach Oldtown überlebt der alte Maester nicht.
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Sam (John Bradley) und Aemon (Peter Vaughan)

Das Ableben der Mentoren ist in Fiktion allgemein natürlich immer ein wichtiger Kniff. Seinen ersten wichtigen Mentor, Lord Mormont, hat Jon bereits in der dritten Staffel verloren, Aemon wäre der nächste Kandidat. Den wichtigsten Rat, den Jon auch im Buch erhält, bekommt er in dieser Folge: „Kill the boy“, daher auch der Name der Episode. Gemeint ist damit, dass Jon den Jungen hinter sich lassen und endgültig zum Mann werden soll.

Ähnlich wie Daenerys folgt Jon den Pfaden seines Buch-Ichs im Groben, auch der Serieninkarnation der Figur geht es darum, so viele Wildlinge wie möglich nach Süden zu bringen. Die Expedition, die er plant, findet im Roman ebenfalls statt, dort sind allerdings weder Tormund noch Jon an ihr beteiligt – tatsächlich werden mit diesem Vorhaben wieder einmal mehrere Subplots von Jons Handlungsstrang zusammengefasst. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob Jon sich der Mission wirklich anschließt, denn die Meuterei seiner Männer zeichnet sich bereits subtil ab.

Eine kurze Szene mit Stannis und Sam (die Serie liebt es nach wie vor, Figuren, die in den Romanen kein Wort miteinander wechseln, plaudern zu lassen) erlaubt die Spekulation, dass wir irgendwann und in irgendeiner Form, vielleicht schon in dieser, eventuell in der nächsten Staffel, Randyll Tarly, Sams Vater zu Gesicht bekommen. Dieser taucht in Briennes Handlungsstrang in „A Feast for Crows“ auf und endet in „A Dance with Dragons“ in Tommens Kleinem Rat. Die Begegnung mit Brienne wird in der Serie wohl nicht stattfinden, aber da Randyll nun noch einmal so explizit erwähnt wird, könnte er später in King’s Landing auftauchen.

Bald darauf zieht Stannis gen Winterfell ab, nimmt aber, anders als in „A Dance with Dragons“, seine Familie und Melisandre mit. Vor allem in Bezug auf Letztere könnte dies noch massive Auswirkungen haben; diese werden sich aber wohl erst mit dem Erscheinen von „The Winds of Winter“.

Auf dem Weg nach Meereen
Das Ende der Episode gehört Ser Jorah und Tyrion, die hier einen legendären Ort aufsuchen, der in den Büchern bislang nicht gezeigt wurde: Die Ruinen des alten Valyria; von dort herrschten die Drachenherren über weite Teile von Essos, bis es zur nicht näher definierten (aber wohl mit Vulkanen in Verbindung stehenden) Katastrophe kam. In den Romanen segelt das Boot, auf dem sich Tyrion zu diesem Zeitpunkt befindet, lediglich verhältnismäßig nah an Valyria vorbei. Ich muss gestehen, angesichts dessen, was man in den Romanen über die Überreste der alten Stadt liest, ist das, was hier nun zu sehen ist, verhältnismäßig unspektakulär.
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Ser Jorah (Iain Glen) im Kampf gegen einen Steinmenschen

Die folgenden Ereignisse basieren zwar auf Vorkommnissen aus „A Dance with Dragons“, sind allerdings nur sehr lose adaptiert. Während der ersten Etappe von Tyrions Reise wird das Schiff, auf dem sich Tyrion (zusammen mit Aegon VI. und dessen Gefährten befindet), tatsächlich von Steinmenschen angegriffen, weshalb Tyrion ins Wasser fällt. Allerdings wird er nicht von Ser Jorah gerettet (dieser ist nicht anwesend), sondern von Jon Connington, der sich dadurch allerdings ebenfalls die Grauschuppen einfängt. Und natürlich findet das alles nicht in den Ruinen von Valyria statt, sondern auf dem Fluss Rhoyne, viele, viele Meilen nördlich.

Tatsächlich finde ich diese Entwicklung allerdings durchaus gelungen, es wird interessant zu sehen, welche Auswirkungen die Krankheit auf Ser Jorah, und eventuell auch auf Meereen insgesamt, haben wird.

Fazit: Aufgrund des engeren Fokus ist „Kill the Boy“ die strukturell bislang beste Folge der fünften Staffel.

GoT: The Watchers on the Wall

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So langsam dürfte das Muster für jeden klar erkennbar sein: In der neunten Episode der ungeraden Staffeln sterben ein oder mehrere Starks, in der neunten Episode der geraden Staffeln findet eine große Schlacht statt, die die gesamte Folge ausfüllt. Das wirft natürlich die Frage auf, ob dieses Muster für die fünfte Staffel durchbrochen wird – letztendlich kommt es darauf an, wie viel Material aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ adaptiert wird, und es sind auch nicht mehr allzu viele Starks übrig, die man umbringen könnte. Aber konzentrieren wir uns erst einmal auf diese Episode. Wie schon in „Blackwater“ gibt es auch in „The Watchers on the Wall“ nur einen Schauplatz, der von einer Armee belagert und von einer verhältnismäßig kleinen und unterlegenen Truppe verteidigt wird.
Diese veränderte Episodenstruktur sorgt natürlich auch dafür, dass ich meine Artikelstruktur ändern muss. Die Episode folgt einem linearen Handlungsstrang, weshalb ich dieses Mal eine Einteilung in Abschnitte statt in Orte vorgenommen habe. Nebenbei ist erwähnenswert, dass Neil Marshall, der bereits die Schlacht um King’s Landing inszenierte, auch bei „The Watchers on the Wall“ Regie führt.
Betrachten wir zunächst kurz, wie der Angriff der Wildlinge im Roman verläuft. Dort erreicht die Gruppe, mit der Jon die Mauer überklettert hat, bereits kurz nach ihm Castle Black und greift es an. Zusammen mit dem Schmied Donal Noye und den wenigen anderen Männern, die noch dort sind, schaffen sie es, den Angriff abzuwehren. Erst danach attackiert Mance Rayders Armee von der nördlichen Seite der Mauer aus, und abermals sind es Jon und Donal Noye, die die Verteidigung übernehmen, da Ser Alisser Thorne und Janos Slynt erst nach der ersten Angriffswelle in Castle Black eintreffen.
Wie ich bereits vermutet hatte (es war ja auch nicht schwer zu erraten), finden in der Serie beide Angriffe gleichzeitig statt, sodass die schwarzen Brüder sowohl die Mauer als auch Castle Black verteidigen müssen.

Vor der Schlacht
Die Episode beginnt mit einer Unterhaltung zwischen Jon und Sam auf der Mauer; die beiden sprechen über Liebe, Ygritte und die Details der Schwurs. Anschließend begiebt sich Sam in die Bibliothek, liest über Wildlinge nach und führt ein ähnliches Gespräch mit Maester Aemon. Dessen doch recht spärliche Auftritte finde ich übrigens immer sehr gelungen. Während der Schlacht scheint sich Aemon allerdings unsichtbar gemacht zu haben – wahrscheinlich versteckt er sich einfach in der Bibliothek, die dürfte für die Wildlinge kaum interessant sein. Apropos: Auch die Wildlinge bereiten sich auf die Schlacht vor und man merkt ihn eine gewisse Nervosität an. Nett, dass hier Tormunds Bärengeschichte mit einfließt, auch wenn sie Ygritte nicht besonders gefällt.
Gerade hier zeigt sich, was für ein guter Regisseur Marshall doch ist, denn in diesen Szenen bringt er endlich das ein, was bisher im Jon-Snow-Handlungsstrang fehlte: Atmosphäre. Endlich ist die Anspannung vor der Schlacht greifbar; das hätte sie schon lange vorher sein sollen. Gerade im Gegensatz zu „Blackwater“ fällt hier noch einmal auf, dass der Aufbau zur Schlacht suboptimal war – der kleine Ausflug zu Craster’s Keep hat einiges an Anspannung genommen.
Bevor es richtig losgeht, trifft Gilly mit Baby auf Castle Black ein, gerade noch rechtzeitig, bevor die Hörner von den angreifenden Wildlingen künden. Von der Spitze der Mauer aus erblickt Jon nun das größte Feuer, das der Norden je gesehen hat.
Hier und in der folgenden Schlacht zeigt sich, dass Ser Alisser zwar ein Arsch, aber immerhin ein fähiger Arsch ist. Im Gegensatz dazu ist Janos Slynt, der später kurzzeitig den Befehl über die Mauer übernimmt, völlig unfähig.
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Der Riese Mag Mar Tun Doh Weg (Neil Fingleton) auf seinem Mammut

Ein paar kurze Gespräche folgen noch, Sam und Gilly küssen sich zum ersten Mal, danach erzählt er Pyp, wie es für ihn war, den Weißen Wanderer zu töten und dann geht es endlich los.
„The Watchers on the Wall“ weiß gerade an dieser Stelle (und auch noch zu späteren Zeitpunkten) mit sehr gelungenen Weitwinkelaufnahmen zu überzeugen; die Kamera schwenkt hier in einem Zug von den Wildlingen südlich der Mauer zu Castle Black, über die Mauer und zum Feuer, wo wir einen kurzen Eindruck von Mance Rayders Armee bekommen, inklusive zweier Riesen und eines vollständig animierten Mammuts. Ein Großteil der Armee bleibt leider zwischen den Bäumen, für Serienverältnisse ist das allerdings dennoch sehr aufwändig.

Die Schlacht
Die eigentlichen Kampfhandlungen beginnen südlich der Mauer, Styr, Tormund und der Rest verschaffen sich verhältnismäßig leicht Zutritt zu Castle Black. Wir erinnern uns, die Burgen der Nachtwache sind spezifisch darauf ausgelegt, dass man sie nach Süden nicht besonders gut verteidigen kann, damit kein Lord Commander auf die Idee kommt, sein eigenes Ding zu drehen.
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Pyp (Josef Altin) stirbt in Sams (John Bradley) Armen

Der Angriff sorgt dafür, dass Thorne sich nach unten begibt und das Kommando Slynt übergibt, der damit, wie bereits erwähnt, völlig überfordert ist. Thorne dagegen bekommt sogar die obligatorische heroische Ansprache besser hin, als man erwarten würde; der Mann beweist hier eindeutig Badass-Qualitäten.
Auf der Mauer sorgt Grenn derweil dafür, dass Slynt sich nach unten begibt, sodass das Kommando nun an Jon fällt. Wie im Roman, wo es außer Jon niemanden mehr gibt, der das Kommando übernehmen könnte, werden die Wildlinge mithilfe von Pfeilen und Fässern zurückgeschlagen. Die Serie setzt noch einige nette Eigenakzente, vor allem durch die Riesen, die ebenfalls mit Pfeilen schießen und die fiese Kette in der Mauer, die die Wildlinge auseinander reißt, die versuchen, sie zu erklimmen – vielleicht eine Entschädigung dafür, dass bei der Schlacht um King’s Landing keine übergroße Kette zum Einsatz kam?
Am Fuß der Mauer wird derweil fröhlich und ziemlich blutig weitergemetzelt, nur Janos Slynt beteiligt sich nicht, sondern versteckt sich bei Gilly. Dafür hat hat Styr aber umso mehr Spaß bei der Sache. Der erste namentlich bekannte Charakter stirbt allerdings durch Ygrittes Hand, die Pyp einen Pfeil durch den Hals schießt – er ist damit der erste von zwei (vielleicht auch drei) Figuren, die in dieser Episode sterben, obwohl sie „A Storm of Swords“ eigentlich überleben. Benioff und Weiss haben dies kommentiert; da in der Serie weit weniger Mitglieder der Nachtwache charakterisiert wurden, wollte man das Ganze durch den Tod von Pyp und Grenn, der später die Rolle des einarmigen Schmiedes Donal Noye einnimmt und bei der Verteidigung des Tores stirbt, emotionaler machen. Zwar spielen beide Figuren in „A Dance with Dragons“ noch eine Rolle, es ist aber zugegebenermaßen keine besonders bedeutende. Bei Alisser Thorne ist nicht ganz klar, ob er in der Serie überlebt, er wird im Kampf mit Tormund verwundet, allerdings scheint er nicht tot zu sein.
Das Tor nördlich der Mauer wird nur von einem kleinen Trupp angegriffen, was natürlich einerseits aus Budgetgründen geschieht, aber andererseits einer gewissen Logik nicht entbehrt: Mance schickt nur die, die wirklich nötig sind, um das Tor zu öffnen, da alle anderen nur untätig herumstehen und somit gute Ziele abgeben würden. Jon schickt Grenn nach untern, um das Tor zu verteidigen, wo er, wie bereits erwähnt, Donal Noyes Platz einnimmt und letztendlich stirbt.

Höhepunkt und Ende
Die Schlacht kommt zum Höhepunkt, als Jon sich nach unten begibt und im Gemetzel mitmischt, während Fragmente des GoT-Themas gespielt werden. Es folgt eine sehr gelungene 360-Grad-Aufnahme von Castle Black, die zeigt, wie eindrucksvoll dieses Set eigentlich ist.
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Styr (Yuri Kolokolnikov) mit Hammer im Kopf

Damit Jon sich endgültig als heroischer Krieger etablieren kann, braucht er natürlich einen passenden Gegner, den er in Gestalt von Styr findet. Der Zweikampf ist ziemlich intensiv inszeniert und endet schließlich damit, dass der Magnar von Thenn einen Hammer in den Schädel bekommt. Und schließlich kommt, was kommen muss: Jon und Ygritte stehen sich gegenüber. Im Roman findet er sie bereits sterbend, während sie hier, nachdem sie es nicht über sich gebracht hat, ihn zu erschießen, vor seinen Augen von einem Pfeil getroffen wird. Ihr Tod ist erwartungsgemäß ein wenig kitschig, vor allem, weil die Schlacht kurzzeitig völlig ausgeblendet wird, aber das ließ sich wohl schlecht vermeiden.
Die Schlacht neigt sich ihrem Ende zu, die Wildlinge in Castle Black sind fast alle tot, Mance‘ Armee nördlich der Mauer zieht sich vorerst zurück. Anders als im Buch wird Tormund, der sich dort bei Mance befand, gefangen genommen. Apropos: Es wäre nett gewesen, wenn man Mance auch das eine oder andere Mal gesehen hätte, etwa wie er den Befehl zu Angriff gibt.
Im Vorfeld der Episode wurde spekuliert, ob „The Watchers on the Wall“ wohl damit endet, dass Stannis auftaucht, dem ist aber nicht so. Wahrscheinlich haben Benioff und Weiss befürchtet, die Folge wäre dadurch „Blackwater“ zu ähnlich. Stattdessen endet sie damit, dass Jon sich zu Mance begibt, um zu verhandeln bzw. um ihn umzubringen. In „A Storm of Swords“ tut er das, weil Slynt und Thorne es befehlen, in der Serie dagegen aus eigenem Antrieb.
Stannis taucht damit wohl erst im Staffelfinale auf, und Jons Wahl zum Lord Commander werden wir mit ziemlicher Sicherheit erst in Staffel 5 sehen.

Fazit: Die Schlacht um Castle Black ist durchaus eindrucksvoll inszeniert, kann aber mit der Schlacht um King’s Landing nicht mithalten, und das aus mehreren Gründen. Zum einen wurde „Blackwater“ weitaus besser vorbereitet und zum anderen sind die Figuren, die an besagter Episode der zweiten Staffel beteiligt waren, in meinen Augen schlicht interessanter, weshalb ich emotional weit mehr involviert war. Angesichts des Materials, mit dem er arbeiten musste, hat Neil Marshall seinen Job allerdings hervorragend gemacht, vom reinen Regieaspekt gehört „The Watchers on the Wall“ eindeutig zu den besten Episoden, die Folge wirkt wie aus einem Guss, alles ist wunderbar miteinander verknüpft. Lediglich das Ende wirkt ein wenig unbefriedigend.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men
Mockingbird
The Mountain and the Viper

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3

Game of Thrones Staffel 3

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Die deutsche Free-TV-Erstaustrahlung der Game-of-Thrones-Staffeln ist immer toll, da verdoppeln sich die Besucherzahlen dieses Blogs. Leider habe ich es dieses Jahr wieder nicht geschafft, die Staffelbesprechung halbwegs rechtzeitig nach der US-Ausstrahlung hinzubekommen, aber nachdem ich schon über die Einzelepisoden ausführlich geschrieben hatte, erschien mir das dann irgendwie zweitrangig. Aber nun ist es soweit, hier kommt meine Rezension von Staffel 3, inklusive Soundtrack-Besprechung. Das Ganze ist freilich nicht spoilerfrei.

Die Handlung
Der Versuch, die Handlung einer Staffel von „Game of Thrones“ kurz zusammenzufassen wird immer mehr zu einer Farce, schon allein, weil es „die Handlung“ gar nicht gibt. Aber ich versuche es trotzdem, halte es dabei aber sehr knapp und oberflächlich. Für ausführlichere Zusammenfassungen verweise ich auf meine Episoden-Rezensionen.
Nach der Schlacht auf dem Blackwater läuft das Leben in King’s Landing langsam wieder in geregelten Bahnen. Tywin Lannister (Charles Dance) löst nun seinen Sohn Tyrion (Peter Dinklage) als Hand des Königs ab und erledigt die Regierungsgeschäfte für seinen Enkel Joffrey (Jack Gleeson). Die Familie Tyrell sorgt derweil für die Lebensmittelversorgung der Stadt, während Joffreys Verlobte Margaery (Natalie Dormer), die Tochter des Tyrell-Oberhaupts, und Olenna (Diana Rigg), dessen Mutter, sich am Hof einleben und bereits damit beginnen, Intrigen zu spinnen. Die erste misslingt allerdings und hat zur Folge, dass Sansa Stark (Sophie Turner) nun nicht, wie urpsürnglich von den Tyrells geplant, Margaerys Bruder Loras (Finn Jones), sondern Tyrion heiratet.
Auf Dragonstone leckt Stannis Baratheon (Stephen Dillane) derweil seine Wunden, allerdings plant Melisandre (Carice van Houten) schon neue Aktionen, was Davos Seaworth (Liam Cunningham) allerdings nicht sehr positiv aufnimmt – nach einem gescheiterten Mordversuch landet er erst einmal im Kerker von Dragonstone und Melisandre macht einen Ausflug in die Flusslande. Dort trifft sie nicht nur auf die Bruderschaft ohne Banner, eine Bande von Gesetzlosen, angeführt von Beric Dondarrion (Richard Dormer) und dem Roten Priester Thoros (Paul Kaye), sondern auch auf Arya (Maisie Williams), Gendry (Joe Dempsie) und Hot Pie (Ben Hawkey), die versuchen, nach Riverrun zu gelangen.
In Riverrun hält sich derweil Robb Stark (Richard Madden) samt Familie und Hofstaat auf, denn es gibt große Probleme: Nicht nur haben die Eisenmänner den Norden erobert, erschwerend hinzu kommt, dass Robb zwar jede Schlacht gewinnt, aber dennoch den Krieg zu verlieren droht. Es gibt nur einen Mann, der ihn aus dieser Situation befreien kann: Lord Walder Frey (David Bradley), doch dieser ist erzürnt, weil Robb statt einer seiner Töchter Talisa Maegyr (Oona Chaplin) geheiratet hat.
Und zusätzlich ist auch Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) entkommen, der nun auf Geheiß von Catelyn (Michelle Fairley) von Brienne von Tarth (Gwendoline Christie) nach King’s Landing gebracht werden soll. Die beiden geraten in die Hände des gefährlichen Stark-Vasallen Roose Bolton (Michael McElhatton), der ein doppeltes Spiel spielt.
Theon Greyjoy (Alfie Allen), der für den Fall Winterfells verantwortlich ist, hat ganz eigene Probleme, da er einem bösartigen Folterknecht (Iwan Rheon) in die Hände gefallen ist.
Währenddessen bewegen sich im Norden drei verschiedene Gruppen auf die Mauer zu: Bran (Isaac Hempstead-Wright), Osha (Natalia Tena) und Hodor (Kristian Nairn) fliehen vor den Eisenmännern und versuchen, Castle Black und Jon Snow (Kit Harrington) zu erreichen, wobei sie von Jojen (Thomas Sangster) und Meera Reed (Ellie Kendrick), den Kindern des Stark-Vasallen Howland Reed unterstützte werden. Jon Snow ist allerdings gar nicht mehr in Castle Black, sondern hat sich, auf Befehl Qhorin Halfhands, den Wildlingen angeschlossen, um herauszufinden, was ihr Anführer Mance Rayder (Ciarán Hinds), der mit seinen Truppen auf die Mauer zumarschiert, plant. Dabei kommt er der Speerfrau Ygritte (Leslie Rose) sehr viel näher, als für die Mission gut ist.
Und schließlich wären da noch Sam (John Bradley) und die anderen Brüder der Nachtwache, die nach dem Angriff der Weißen Wanderer auf die Faust der Ersten Menschen ebenfalls zur Mauer zurückwollen. Auf dem Weg beschließt Lord-Commander Mormont (James Cosmo), ein weiteres Mal bei Craster (Robert Pugh) zu rasten, was sich allerdings als großer Fehler erweist.
In Essos begibt sich Daenerys (Emilia Clarke) derweil zur Slaver’s Bay, wo sich ihr Robert Baratheons ehemaliger Gardist Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney) anschließt. Mit der Armee, die sie dort erhält, ist sie dem Ziel, Westeros zu erobern, nun endlich näher gekommen.

Die Umsetzung
Bei der dritten Staffel ist auffällig, dass sich die Serie insgesamt nun noch weiter von den Büchern entfernt, was allerdings nicht verwunderlich ist. Obwohl „A Storm of Swords“ nun in zwei Staffeln umgesetzt wird, ist der Roman selbst für etwa zwanzig Stunden Serie immer noch zu komplex, weshalb vereinfachende Änderungen schlicht nötig sind. Hinzu kommt, dass Änderungen aus den ersten beiden Staffeln natürlich wieder weitere Änderungen nach sich ziehen. In „A Clash of Kings“ übernimmt Roose Bolton beispielsweise bereits Harrenhal, was in der Serie aber nicht vorkommt, weshalb das nun in der dritten Staffel schnell erledigt werden muss, damit er Jaime und Brienne dort empfangen kann.
Da ich über die Unterschiede zwischen Buch und Serie in den Episoden-Rezensionen schon ziemlich ausführlich gesprochen habe, bemühe ich mich hier nun vor allem um eine Bewertung der einzelnen Handlungsstränge.
Betrachtet man die Episoden einzeln fällt auf, dass diejenigen, die Handlungsstränge ausklammern und sich auf einige Figuren mehr konzentrieren als auf andere, eindeutig die stärkeren sind (das wären in diesem Fall die Folgen 1, 4, 5, 8 und 9). Die restlichen Episoden leiden ein wenig darunter, dass es viele, sehr kurze Szenen gibt, sodass das Ganze in diesen Folgen mitunter an eine extrem hochwertige Clipshow erinnert. Das Staffelfinale hat es diesbezüglich am schlimmsten getroffen, da man offenbar versuchte, noch einmal jede wichtige Figur zu zeigen. Ich persönlich hätte zum Beispiel Daenerys komplett aus Episode 9 gestrichen und die Eroberung Yunkais in Folge 10 gezeigt und stattdessen in Folge 9 Brans Handlungsstrang beendet.
Dieser Eindruck bessert sich allerdings, wenn man mehrere oder alle Folgen am Stück ansieht, so wie es die Schöpfer auch ursprünglich vorgesehen hatten. Dennoch hoffe ich, dass in Staffel 4 der von mir bevorzugte Ansatz noch stärker verfolgt wird
Beginnen wir im Norden: Bei Jon Snow sind meine Gefühle eher gemischter Natur. Das Ganze fängt gut an, vor allem die Umsetzung von Tormund Giantsbane und Mance Rayder (gespielt von Kristofer Hivju und Ciarán Hinds) gefällt mir ausgesprochen gut. Ygritte dagegen geht mir eher auf den Geist, was aber nicht an Rose Leslie liegt, sie spielt die Rolle passend, sondern an der Konzeption der Figur und ihren Dialogen. Auch die Zusätze mit Orell (Mackenzie Crook) finde ich irgendwie überflüssig. Der Höhepunkt dieses Handlungsstrangs ist die ziemlich intensive und gut gelungene Besteigung der Mauer, der Rest ist eher suboptimal.
Sams Handlungsstrang nimmt weniger Platz ein, ist aber dafür buchkonformer. Der Abschied von James Cosmo als Jeor Mormont ist sehr gut gelungen, ebenso wie die Szenen zwischen Sam und Gilly (Hannah Murray) – da stimmt die Chemie. Nur ein kleines Detail stört mich hier: Ich hätte es schön gefunden, wenn die Namensgebungsbräuche der Wildlinge stärker mit eingeflossen wären.
Die Bran-Handlung gehört dagegen zu den schwächsten Teilen der dritten Staffel – immerhin sind auch hier die Szenen meistens recht kurz und es gibt auch verhältnismäßig wenige. Die beiden Reeds bleiben ziemlich blass, und ansonsten passiert einfach kaum etwas – in den Büchern war das allerdings nicht wirklich anders.
Theon Greyjoy hat es in dieser Staffel nicht leicht. Nach „A Clash of Kings“ ist er erst einmal zwei Romane lang abwesend, aber für die Serie wollte man die Figur verständlicherweise nicht einfach für mindestens zwei Staffeln verschwinden lassen, weshalb man sich entschied, seine Folter durch Ramsay Snow zu zeigen. Einerseits spielen sowohl Alfie Allen als auch Iwan Rheon in diesen Szenen wirklich gut, andererseits aber ermüdet die Folterei über die Dauer einer Staffel, das Ganze bewegt sich einfach nicht vorwärts. Für die vierte Staffel hoffe ich da auf eine eindeutige Verbesserung; nach allem, was man bisher gehört hat, werden schon Inhalte aus „A Dance with Dragons“ eingebaut, ich freue schon auf eine Interaktion zwischen Iwan Rheons Ramsay und Michael McElhattons Roose Bolton.
Das „Herzstück“ der dritten Staffel ist letztendlich der Robb/Catelyn-Handlungsstrang, da zu ihm der emotionale Höhepunkt der Staffel gehört – für meinen Geschmack kam dieser allerdings ein wenig zu kurz. Nicht, dass Robb und Catelyn meine Lieblingsfiguren wären und ich unbedingt mehr von ihnen sehen müsste, aber die emotionale Wirkung der Roten Hochzeit wäre noch größer gewesen, wenn die beiden noch ein wenig präsenter gewesen wären. Die Rote Hochzeit, ohnehin DAS TV-Ereignis des letzten Jahres, ist interessanterweise recht weit von der Vorlage entfernt; bei Martin geht es vor allem um Atmosphäre, während in der Serie die Schockwirkung im Vordergrund steht. Für eine TV-Serie ist dies durchaus legitim, der Leser fragt sich allerdings dennoch, wie wohl eine buchgetreuere Adaption ausgesehen hätte. Die Serien-Hochzeit überzeugt dennoch, vor allem wegen David Bradley und Michelle Fairley, die zweifelsohne die beste schauspielerische Leistung dieser Staffel erbracht hat.
Mit Edmure (Tobias Menzies) und Brynden „Blackfish“ Tully (Clive Russell) werden zwei neue Figuren vorgestellt, die beide eigentlich in „A Game of Thrones“ bereits auftauchten, deren Debüt in der Serie aber aus Zeitgründen in die dritte Staffel verlegt wurde. Beide werden gut dargestellt, bleiben aber, ebenfalls aus Mangel an Zeit, verhältnismäßig eindimensional.
Auch in Aryas Handlungsstrang treffen wir zwei neue, interessante Figuren: Lord Beric Dondarrion (Richard Dormer) und Thoros von Myr (Paul Kaye), die beide ebenfalls exzellent gespielt und darüber hinaus auch ein wenig besser beleuchtet werden als die beiden Tullys. Ebenso gelungen sind die Gespräche zwischen Arya und Sandor Clegane (Rory McCann).
Durch Melisandres Reisen kreuzen sich darüber hinaus die Handlungsstränge von Arya und Davos/Stannis/Melisandre. In Letzterem passiert in dieser Staffel allerdings nicht viel, es wird vor allem für Staffel 4 vorbereitet.
Die verbliebenen drei Handlungsstränge – Daenerys, King’s Landing und Jaime/Brienne – sind für mich die stärksten der Staffel. Gerade bei den Kritikern ist auch Daenerys in Staffel 3, ähnlich wie in Staffel 2, nicht wirklich gut weggekommen, aber im Gegensatz zu ihren Abenteuern in Qarth fand ich die Zerstörung von Astapor und die Eroberung von Yunkai schlicht extrem unterhaltsam, nicht zuletzt, weil Dany agiert, anstatt zu reagieren und weil Ser Barristan Selmy, eine meiner Lieblingsfiguren, wieder mitmischt.
King’s Landing ist eigentlich in jeder Staffel interessant, weil es hier immer die größte Ansammlung an Figuren gibt, und Staffel 3 ist da keine Ausnahme, im Gegenteil. Die Anwesenheit der Tyrells und Lord Tywins macht alles noch weitaus interessanter, auch wenn das bedeutet, dass Tyrion, gerade im Vergleich zu Staffel 2, die ja quasi seine Staffel war, ein wenig zurückstecken muss. Als Entschädigung gibt es allerdings die wundervolle Diana Rigg als Lady Olenna Tyrell, und auch Margaery wird um einiges interessanter als in Staffel 2 – oder den Büchern.
Der Jaime/Brienne-Handlungsstrang ist schließlich der emotionale Kern der Staffel, und wenn es einen Aspekt der Bücher gibt, der wirklich annährend perfekt umgesetzt wurde, dann ist es dieser. Nikolaj Coster-Waldau und Gewndoline Christie spielen exzellent, Locke (Noah Taylor) ist ein würdiger und ebenso verachtenswerter Ersatz für Vargo Hoat und alles in allem sind die Szenen einfach perfekt inszeniert, allen voran natürlich die Badeszene. Für mich eindeutig der Gewinner unter den Handlungssträngen der dritten Staffel.

Der Soundtrack
gamesoundtrack
Tracklisting:

01. Main Title
02. A Lannister Always Pays His Debts
03. Dracarys
04. I Paid The Iron Price
05. Chaos Is A Ladder
06. Dark Wings, Dark Words
07. You Know Nothing
08. Wall Of Ice
09. Kingslayer
10. I Have To Go North
11. White Walkers
12. It’s Always Summer Under the Sea (Performed by Kerry Ingram)
13. Reek
14. The Bear and the Maiden Fair (Performed by The Hold Steady)
15. The Night Is Dark
16. The Lannisters Send Their Regards
17. Heir To Winterfell
18. Mhysa
19. For The Realm

Um es gleich vornewegzunehmen: Das Album zur dritten Staffel beinhaltet einige der absoluten Highlights in Ramin Djawadis Schaffen für „Game of Thrones“, als Gesamtpaket bleibt es allerdings hinter der Musik der zweiten Staffel zurück. Dies liegt vor allem daran, das besagte Highlights vor allem aus Variationen von bereits vorhandenen Themen bestehen. Was der der Musik der dritten Staffel fehlt, ist ein starkes neues Thema, etwa für Haus Bolton. Während die Musik zur zweiten Staffel vor allem durch gelungene neue Leitmotive auffiel, etwa für die Greyjoys, für Stannis/Melisandre/R’hllor etc., ist Staffel 3 immer dann am besten, wenn diese Motive weiterentwickelt werden. Das Greyjoy-Thema ist ein schönes Beispiel, das in Reek, passend zu Theons unangenehmer Situation, abgehackt und panisch klingt. Auch die Themen der ersten Staffel tauchen wieder auf, unter anderem das Stark-Thema in I Paid the Iron Price, das hier ebenfalls Theon gilt (es wird in der Szene gespielt, in der er Ramsay gesteht, dass sein wahrer Vater in King’s Landing enthauptet wurde) oder das Lannister/Intrigen-Thema, das Littlefingers Monolog unterlegt (Chaos is a Laddder). Am interessantesten entwickelt sich allerdings ohne Frage Daenerys‘ Thema, das hier eine neue Komponente bekommt: In der Schlussszene der vierten Episode wird ihr Thema um ein marschartiges Chormotiv für die Unberührten erweitert (Dracarys). In Mhysa schließlich taucht ihr Thema abermals in einer völlig neuen Version auf, gesungen von einem Frauenchor, inklusive des Unberührten-Motivs und versetzt mit Elementen des Hauptthemas; die Musik spiegelt hier schön die Entwicklung Danys von der Kriegsherrin zur Befreierin wieder.
Mein persönliches Lieblingsthema, The Rains of Castamere, taucht leider nur einmal auf, aber was für eine Version. Auf eine derartige Instrumentalfassung hatte ich schon gehofft, seit ich das Lied zum ersten Mal gehört habe. Interessanterweise ist A Lannister Always Pays His Debts nicht komplett in der Serie zu hören. Der Anfang erinnert an den diegetischen Einsatz des Themas bei der Roten Hochzeit, der Rest des Stücks (ab 0:50) erklingt am Ende der siebten Folge und untermalt Jaimes Abgang aus Harrenhal („Sorry about the Sapphires“). Apropos Rote Hochzeit, von deren musikalischer Untermalung bin ich ein wenig enttäuscht, da ich gehofft hatte, dass The Rains of Castamere, wie im Roman, durchgehend gespielt wird. Die Untermalung des Gemetzels besteht vor allem aus sehr dissonanten Streichern, erst später wird zaghaft das Stark-Theme dekonstruiert, und ein paar Takte des GoT-Themas sind ebenfalls zu hören (The Lannisters Send Their Regards).
Letztendlich startet das Album mit A Lannister Always Pays His Debts, Dracarys, I Paid the Iron Price, Chaos Is a Ladder und Dark Wings, Dark Words (eine nicht verwendeten Chorsfassung des Hauptthemas, ähnlich wie Mhysa) sehr stark, in der Mitte dominieren allerdings einige ziemlich uninteressante Suspense-Stücke. You Know Nothing ist sogar ein wenig ärgerlich, weil Djawadi das Liebesthema für Robb und Talisa einfach für Jon und Ygritte recycelt und es dabei nicht einmal groß variiert.
Ebenfalls ärgerlich finde ich, dass es einige Stücke aus der Serie gibt, die ich gerne noch auf der CD gehabt hätte, darunter die diegetischen Versionen von The Rains of Castamere und The Bear and the Maiden Fair, das Stück, das erklingt, als die Drachen in der ersten Folge auf Daenerys‘ Schiff zufliegen, das Statement des Baratheon-Themas aus Episode 7 und die subtilen Rains-of-Castamere-Einsätze aus den Folgen 1 und 8,
Neben den eigentlichen Score-Stücken gibt es noch drei „Bonus-Tracks“, die beiden Abspannlieder The Bear and the Maiden Fair von Holdy Steady und It’s Always Summer Under the Sea von Shireen-Darstellerin Kerry Ingram, sowie eine Gitarrenversion des Hauptthemas, gespielt von Ramin Djawadi höchstpersönlich (For the Realm).

Fazit: Trotz einiger Schwächen hält Staffel 3 insgesamt das extrem hohe Niveau und sorgt dafür, dass „Game of Thrones“ nach wie vor das Beste ist, was die Serienlandschaft zu bieten hat.

Trailer

Staffel 3 Episoden-Rezensionen:
Valar Dohaeris
Dark Wings, Dark Words
Walk of Punishment
And Now His Watch Is Ended
Kissed by Fire
The Climb
The Bear and the Maiden Fair
Second Sons
The Rains of Castamere
Mhysa

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones – Soundtrack