JLA: New World Order

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Eigentlich sollte ich dieses Jahr wegen einem Film äußerst gehypt sein. Hätte man mir vor 2013 gesagt, dass in absehbarer Zeit ein Justice-League-Film kommen würde, wäre ich sicher äußerst begeistert gewesen, denn die Justice League ist mein Lieblingssuperheldenteam, noch vor den X-Men, den Teen Titans oder den Avengers. Die ersten Comics, die ich im zarten Alter von sieben oder acht Jahren las, waren (neben Batman-Solo-Geschichten, versteht sich) Justice-League-Comics. Unglücklicherweise kamen seither mit „Man of Steel“, „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ drei Filme, die nicht nur mich ernsthaft daran zweifeln ließen, dass Warner Bros. die Comics, die sie da adaptieren, auch wirklich verstehen. Immerhin „Wonder Woman“ scheint nach dem, was man so hört, Anlass zur Hoffnung zu geben. Auch wenn ich dem Justice-League-Film, der im November startet, mit negativen Gefühlen entgegenblicke, möchte ich ihn doch zum Anlass nehmen, ein wenig über mein Lieblingssuperheldenteam, bzw. die Inkarnation besagten Teams, die mich dazu gebracht hat, mich in es zu verlieben, zu schreiben.

Die Justice League – ein kurzer Abriss

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The Brave and the Bold #28 (Bildquelle)

Nachdem das Medium Comic im Allgemeinen und das Superheldengenre im Speziellen in den frühen 1950ern eine schwere Zeit durchmachte, bekam es Ende der Dekade langsam wieder Aufwind. DC Comics gelang es, Figuren aus den 40ern, etwa Flash und Green Lantern, mit neuen Identitäten wiederzuerwecken. Schon bald wurde eine weitere Idee aus den 40ern reaktiviert: Das Superheldenteam. Während des Zweiten Weltkriegs hatten sich DCs Helden zur „Justice Society of America“ zusammengefunden. Im Jahr 1960, in Ausgabe 28 der Anthologieserie The Brave and the Bold debütierte die „Justice League of America“. In ihrer Grundformation bestand die Justice League, kurz JLA, aus den sieben größten Superhelden des Verlags: Superman (Clark Kent), Batman (Bruce Wayne), Wonder Woman (Diana Prince), Flash (Barry Allen), Green Lantern (Hal Jordan), Aquaman (Arthur Curry) und Martian Manhunter (J’onn J’onzz). Die Liga erwies sich als äußerst erfolgreich und bekam schon bald ihre eigene Serie. Im Verlauf kamen neue Mitglieder wie Green Arrow, Zatanna, Atom oder Black Canary hinzu und nach und nach veränderte sich das Team immer weiter, Helden kamen und gingen, Hauptquartiere wechselten und die Liga teilte sich in mehrere Teams auf, etwa in die „Justice League Europe“ oder die „Justice League International“. Besonderes Letztere wandte sich in den 80ern unter den Autoren Keith Giffen und J. M. DeMatteis von der Idee des Teams aus den größten Superhelden der Welt, die diese vor übermäßigen Bedrohungen retten, ab und konzentrierte sich stärker auf absurden Humor.

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Die sieben ursprünglichen Mitglieder der JLA, in Szene gesetzt von Alex Ross: Green Lantern, Flash, Superman, Batman, Wonder Woman, Aquaman, Martian Manhunter (Bildquelle)

Die frühen 90er waren geprägt vom Erbe von „Watchmen“ und „The Dark Knight Returns“: Völlig amoralische Antihelden, die sich kaum noch von den Schurken unterschieden, waren gerade modern. Einigen Autoren bei DC sagte dieser Trend überhaupt nicht zu. Bereits mit „Kingdom Come“ bemühte sich Mark Waid, in Zusammenarbeit mit Alex Ross, um eine Rekonstruktion des Superheldengenres. Zusammen mit Fabian Nicieza, seines Zeichens Mitschöpfer von Deadpool, verfasste er 1996 für DC eine Miniserie namens „A Midsummer’s Nightmare“, die diesen Trend fortsetzte und gleichzeitig die diversen schwächelnden Justice-League-Serien beendete, indem sie stattdessen eine neue Justice League versammelte. Auf die dreiteilige Miniserie folgte 1997 eine neue, fortlaufende Justice-League-Serie, geschrieben von Grant Morrison, die auf „A Midsummer’s Nightmare“ aufbaut – diese Serie ist das eigentliche Sujet dieser Artikelreihe. Hier werde ich die diversen Storybögen der JLA-Serie besprechen, wobei ich mich an den amerikanischen Paperbacks orientiere.

Die Ligisten
Bei der Konzeption der neuen Liga orientierten sich Waid und Morrison an den klassischen sieben Helden der ersten Inkarnation. Natürlich mussten dabei die jeweils aktuell laufenden Storys der einzelnen Helden, die alle eine (bzw. im Fall von Batman und Superman diverse) laufende Serien hatten, miteinbezogen werden. In den späten 80ern und den 90ern war DC von einer Tendenz des Wandels geprägt. Manche Änderungen waren nur temporär, hatten aber dennoch weitreichende Auswirkungen. Superman wurde von Doomsday getötet, während Bane Batmans Rückgrat brach und er durch den psychisch instabilen Jean-Paul Valley ersetzt wurde. Selbst Wonder Woman wurde zeitweise durch die rabiatere rothaarige Amazone Artemis vertreten. Diese Änderungen wurden wieder rückgängig gemacht, hinterließen aber ihre Spuren und prägte die Figuren für die 90er. Anders verhielt es sich mit Flash und Green Lantern. Barry Allen starb bereits während des Großevents „Crisis on Infinite Earths“ und wurde durch seinen Sidekick Wally West ersetzt. 1994 entschloss man sich, etwas Ähnliches mit Green Lantern anzustellen. Im Rahmen des dreiteiligen Storybogens „Emerald Twilight“ drehte Hal Jordan wegen der Zerstörung seiner Heimatstadt durch, massakrierte das Green-Lantern-Corps und wurde zum Schurken Parallax. Der letzte verbliebene Ring ging an den Zeichner Kyle Rayner, der von nun an als einzige Green Lantern versuchte, einem großen Erbe gerecht zu werden. Aquaman war zwar immer noch Arthur Curry, hatte aber seinerseits einige Veränderungen durchgemacht, trug nun Bart, eine Harpunenhand und war allgemein nicht mehr sehr umgänglich. Lediglich beim Martian Manhunter gab es in dieser Ära meines Wissens nach keine größeren Umwälzungen.

Konzept und Zeichnungen
Wie bereits erwähnt ging es Grant Morrison darum, die JLA zu ihren Wurzeln zurückzuführen und dem DC-Universum eine wirklich heldenhafte erste Garde zu geben. Das bedeutet, dass Morrison seine Liga nur gegen wirklich große Gegner kämpfen lassen wollte; die Justice League kommt bei ihm meistens dann zum Einsatz, wenn die Erde oder sogar das Gefüge der Realität selbst bedroht ist. Strukturell bediente sich Morrison dabei oft kürzerer Handlungsbögen. Schon in den 90ern dachte man bei der Konzeption der Storybögen zumeist an die später erscheinende Paperback-Version und legte die Handlung so aus, dass sie im Rahmen von vier bis sechs Heften erzählt wurde. Morrison ließ sich davon jedoch nicht beeinträchtigen, viele seiner Geschichten erstrecken sich nur über zwei bis drei Hefte. Das sorgt dafür, dass nur selten Leerlauf entsteht; die JLA sollte sich vor allem von der früheren Inkarnation aus den 80ern distanzieren, weshalb Morrison einen Seifenopern-artigen Aufbau vermied und die Geschichten sehr plotorientiert und prägnant hielt. Das bedeutet nicht, dass es nicht Humor oder Charakterentwicklung gäbe – wobei gerade Letztere bei einer Serie wie dieser immer so eine Sache ist. Morrison musste freilich die Entwicklungen der diversen Soloserien berücksichtigen, tat dies aber eher nebenbei und ohne große Erläuterungen. Liest man die JLA-Comics heute ohne Kenntnis des DC-Universums der späten 90er, kann es durchaus zu einiger Verwirrung kommen. Davon ließ Morrison sich jedoch nicht beirren, integrierte, was sein musste und erzählte sonst die Geschichten, die er erzählen wollte. In vielerlei Hinsicht ist „JLA“ die Essenz der positiven Trends des DC-Universums der späten 90er, denn oftmals gelang Morrison die Charakterisierung dieser übergroßen Helden weitaus besser als den Autoren der diversen Soloserien. Selbstverständlich gibt es auch einen übergeordneten Handlungsbogen, der die einzelnen Storybögen mit einander verbindet – allerdings nicht immer ausgewogen. Die ersten Andeutungen finden sich bereits in „A Midsummer’s Nightmare“.

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Beispiel für eine etwas bizarre Pose von Howard Porter (Bildquelle)

Als Hauptzeichner der Serie fungierte Howard Porter, der insgesamt einen sehr guten Job machte, zumindest in meinen Augen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Porters Zeichnungen mitunter die ersten waren, die mir im Comicbereich jemals unter die Augen kamen – so etwas prägt. Wie dem auch sei, Porters Stil ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Ein gewisser Einfluss des Image-Stils, der durch Zeichner wie Rob Liefeld, Todd McFarlane, Jim Lee oder Mike Deodato Anfang der 90er populär wurde, lässt sich nicht leugnen, gerade, wenn man sich die doch etwas übertriebene Anatomie weiblicher Figuren ansieht. Diesbezüglich gibt es im Verlauf der Serie allerdings durchaus eine Entwicklung zum Positiven. Insgesamt ist Porters Strich dennoch ziemlich distinktiv, gerade auch, weil er oft einige interessante (manchmal fast schon bizarre) Perspektiven und Körperhaltungen verwendet. Insgesamt gelingt es Porter jedenfalls ziemlich gut, die epischen Geschichten Morrisons angemessen in Szene zu setzen. Hin und wieder kamen auch andere Zeichner zum Einsatz, über deren Leistung werde ich dann in der entsprechenden Rezension schreiben.

Deutsche Veröffentlichung
In Deutschland wurde die JLA-Serie vom Dino-Verlag herausgegeben. Ich möchte das noch einmal besonders hervorheben, denn der 1993 gegründete Verlag, der ursprünglich vor allem Comics und Magazine zu Zeichentrickserien herausbrachte, ist letztendlich dafür verantwortlich, dass ich Comics lese und sammle. Über „Batman Adventures“, die Begleitserie zu „Batman: The Animated Series“, kam Dino schließlich zum Superheldencomic und begann bald, weitere DC-Helden, darunter den regulären Batman, Superman und natürlich die JLA, zu übersetzen und zu verlegen. Nach und nach erweiterte der Verlag sein Programm und erwarb unter anderem die Star-Wars-Lizenz, es folgten aber auch einige massive Probleme, die Dino zwangen, im Jahr 2000 die DC-Lizenz wieder abzugeben. 2003 wurde Dino schließlich von Panini aufgekauft, existierte aber als Label noch drei Jahre weiter.

„JLA“ erschien als Heftserie mit diversen Zweitserien, darunter die Miniserie „Superboy/Robin: World’s Finest Three“ von Karl Kesel, Chuck Dixon und Tom Grummett sowie „Teen Titans“ von Dan Jurgens und die Nachfolgeserie „The Titans“ von Devin Grayson. Die Serie brachte es auf 39 Hefte. Zusätzlich gab es die Reihen „JLA Special“ (Heft mit 100 Seiten und vier US-Ausgaben) sowie „JLA Sonderband“ (Paperback), die sich Großereignissen, Miniserien oder wichtiger Soloauftritte einzelner Figuren widmeten. Diese werde ich nicht alle besprechen, aber unter der Rubrik „Weiterführende Lektüre“ mehr oder weniger detailliert auf sie eingehen, wenn es mir angemessen erscheint.

New World Order
Und nun, endlich, zum eigentlichen ersten Storybogen von Grant Morrisons Justice-League-Serie, der die ersten vier US-Ausgaben füllt. Die eigentliche Formation des Teams fand zwar, wie bereits erwähnt, in „A Midsummer’s Nightmare“ statt, aber dennoch findet das Team auf gewisse Weise noch einmal zusammen, wohl vor allem, um Neuleser nicht abzuschrecken. Wie üblich im Superheldengenre ist eine Alieninvasion der Auslöser. Dieses Mal erscheinen die Aliens allerdings zuerst wohlgesonnen: Protex und sein Hyperclan behaupten von sich, sie wollten die Welt retten und sie in ein Paradies verwandeln. Unter anderem transformieren sie die Wüste Sahara in einen blühenden Garten, gehen aber auch mit äußerster Gnadenlosigkeit gegen Superschurken und andere Kriminelle vor, die ohne Prozess von ihnen hingerichtet werden. Das weckt freilich die Skepsis vieler irdischer Helden. Schon bald kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den außerirdischen Neuankömmlingen und den Mitgliedern der Justice League. Und die JLA droht zu verlieren, denn fast alle von ihnen werden überwältigt und gefangen. Bis auf Batman…

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Der Hyperclan (Bildquelle)

Thematisch knüpft Morrison mit diesem ersten Storybogen an Mark Waids „Kingdom Come“ an. Abermals sehen wir, verkörpert durch den Hyperclan, den Archetypus des amoralischen 90er-Jahre-Antihelden, dem der klassische, nicht tötende Superheld entgegengesetzt wird. Schon ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass hier vor allem Batman und Superman die Paradebeispiele abgeben, wo doch ihre aktuellen Leinwandinkarnationen eher an die Antihelden der 90er erinnern. Morrison ist hierbei jedoch ein wenig plakativer als Waid, besonders, da sich der Hyperclan letztendlich doch als Invasionsarmee entpuppt. Es handelt sich um eine Invasion der Weißen Marsianer, Verwandte der grünen Marsianer, zu denen J’onn J’onzz gehört. Statt eines friedlichen Zusammenlebens ziehen die Weißen Marsianer allerdings eher Eroberung und Völkermord vor.

Ein weiteres Thema, dass Morrison zumindest anschneidet, ist die Überlegung, weshalb Superhelden mit ihren enormen Kräften nicht einfach jegliche Probleme der Menschheit regeln – auch diesbezüglich geht „Kingdom Come“ mehr in die Tiefe, denn die Weißen Marsianer sind einfach keine passenden Vertreter einer zu diskutierenden Philosophie, da sie letztendlich eindeutig böse sind und die Menschheit ausrotten wollen. Diese Frage stellt natürlich ein grundsätzliches Problem des Superheldengenres dar, da eine Machtübernahme oder auch nur eine globale Problemlösung einer gewissen Logik nicht entbehrt, man aber gleichzeitig versucht, so nah an der Lebensrealität des Lesers zu bleiben, von der fortlaufenden Natur der Superheldencomics gar nicht erst zu sprechen. Insofern muss der Lösungsansatz, den Morrison hier präsentiert, wohl erst einmal ausreichen.

Inhaltlich und optisch gibt es darüber hinaus einige Parallelen zu „Independence Day“, der ein Jahr vor dem Start von „JLA“ ins Kino kam. Das Design der Weißen Marsianer erinnert ein wenig an das der Independence-Day-Aliens (ein wenig H. R. Giger findet sich ebenfalls) und das eine oder andere Panel hat durchaus optisch Parallelen zu den Bildkompositionen Roland Emmerichs.

Insgesamt hat dieser erste Storybogen, gerade im Vergleich zu späteren, noch die eine oder andere kleiner Startschwierigkeit, vor allem die Schurken sind als Individuen nicht wirklich interessant.  Die große Stärke liegt jedoch bei der Charakterisierung: Morrison gelingt es, seine Helden ohne viel Aufwand punktgenau und treffend darzustellen. Sei es Supermans Heroismus, gepaart mit subtilen Selbstzweifeln, Green Lanterns und Flashs jugendliches Gekabbel, Aquamans Eigenbrötlertum, Wonder Womans No-Nonsense-Attitüde oder Batmans überragende Fähigkeiten als Taktiker. Tatsächlich lässt sich die Idee, Batman könne es mit vielen Helden mit Superkräften problemlos aufnehmen, zumindest teilweise auf Morrisons JLA-Run zurückführen. Schon allein in diesem ersten Storybogen macht er vier Weiße Marsianer im Alleingang platt. In diesem Zusammenhang etabliert Morrison auch den gelungenen, trockenen Humor, der seine JLA-Comics auszeichnet.

Weiterführende Lektüre
Vor allem zwei Geschichten sind exzellente Begleitlektüre zu „New World Order“. Da hätten wir natürlich die bereits mehrfach erwähnte Miniserie „A Midsummer’s Nightmare“, verfasst von Mark Waid und Fabian Nicieza und gezeichnet von Jeff Johnson und Darick Robertson. Zu Beginn dieses Werks sind alle sieben Gründungsmitglieder der neuen JLA normale Menschen, die sich ihrer Zweitidentität nicht bewusst sind, während alle möglichen anderen Menschen Superkräfte entwickeln. Doch schon bald merken die sieben, dass etwas nicht stimmt, sie haben merkwürdige Träume, die Superkräfte kehren zurück und schließlich müssen sie erkennen, dass sie einer realitätsverändernden Intrige des Superschurken Dr. Destiny zum Opfer gefallen sind. Um Destiny zu besiegen müssen die sieben als neue Justice League zusammenfinden. „A Midsummer’s Nightmare“ ist auf Deutsch als „JLA Sonderband 1“ bei Dino erschienen.

Die zweite essentielle Ergänzung ist „JLA: Secret Origin“, ein One Shot, der in meinen Augen unbedingt in das New-World-Order-Paperback gehört hätte. Ich bin nicht ganz sicher, ob diese Geschichte zwischen „A Midsummer’s Nightmare“ und „New World Order“ oder während „New World Order“ (genauer, nach der Invasion der Weißen Marsianer, aber vor dem Bau des JLA-Wachturms auf dem Mond) spielt. Verfasst wurde sie jedenfalls von Grant Morrison und Mark Millar und gezeichnet von Howard Porter. Dieser One Shot ist quasi die Nullnummer der JLA-Serie, es handelt sich dabei um einen Rückgriff auf The Brave and the Bold #38, in dem die Justice League zum ersten Mal auftrat, um gegen Starro, den Eroberer, ein riesiges Alien in Gestalt eines einäugigen violetten Seesterns, zu kämpfen. Eine Neuinkarnation von Starro ist auch in „JLA: Secret Origin“ der Gegenspieler. Unter Morrison wird aus dem Eroberer eine Spezies von Parasiten, die sich als grüne, einäugige Seesterne auf dem Gesicht ihres Opfers niederlassen. Besonders gefährlich sind diese Parasiten für Metawesen, da sie mit deren Hilfe die Erde in Windeseile erobern könnten. Um die JLA vor einem fatalen Fehler zu bewahren, taucht der Spectre, einer der mächtigsten mystischen Helden des DC-Universums, auf und nimmt der Justice League mit deren Einverständnis die Superkräfte, sodass sie Starro gefahrlos entgegentreten können. „JLA: Secret Origin“ ist auf Deutsch in Dinos „JLA Sonderband 4: Aus den geheimen Archiven I“ erschienen.

Und schließlich wäre da noch eine Maxiserie, die sich ebenfalls gut zur weiteren Lektüre eignet. Durch Reboots und Retcons der späten 80er und frühen 90er wurde die Zusammenstellung der ursprünglichen Erstformation der Justice League geändert: Man nahm Batman, Superman und Wonder Woman aus dem Team und ersetzt sie durch Black Canary. Die Geschichte dieser neuen ersten Justice League wurde in der zwölfteiligen, von Mark Waid und Brian Augustyn geschriebenen und von Barry Kitson gezeichneten Maxiserie „JLA: Year One“ erzählt. Diese Serie ist ebenfalls sehr empfehlenswert, der Fokus liegt auf der Charakterdynamik und der Interaktion der Ligisten. Auf Deutsch erschien „JLA: Year One“ als sechste und siebte Ausgabe der JLA-Sonderbandreihe.

Fazit
„New World Order“ ist ein gelungener, wenn auch nicht vollkommen optimaler Einstieg in Gran Morrisons JLA-Serie. Schon 1997 war die Alieninvasion als Anlass zur Formierung eines Superheldenteams keine neue Idee, und zwanzig Jahre später ist es schon ein ziemliches Klischee. Die Konzeption der Serie und die Charakterisierung der Helden ist jedoch tadellos gelungen und weiß auch heute noch zu überzeugen.

Titelbildquelle

Brian Azzarellos Wonder Woman

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Comicverlage wie DC und Marvel haben meistens das gleiche Problem: Fortlaufende Kontinuität. Irgendwann wird die Situation in den Superheldenserien verhältnismäßig unübersichtlich. Für Leser, die eine Serie konstant verfolgen, ist das meistens kein Problem, aber natürlich versuchen die Verlage auch immer, neue Leser anzusprechen. Um sich nicht ewig mit Altlasten herumschlagen zu müssen, von Kontinuitätsfehlern und anderen Merkwürdigkeiten gar nicht erst zu sprechen, verpassen besagte Verlage ihren fiktiven Universen immer mal wieder einen inhaltlichen wie gestalterischen Einlauf. Ein besonders extremes Exemplar kam bei DC im Jahr 2011, als der Verlag sämtliche Serien neu startete und eine völlig neue Kontinuität ins Leben rief, die „New 52“ (das DC-Mulitversum besteht aus 52 Parallelerden und es gingen 52 neue Comicreihen an den Start). Diese Aktion war durchaus erfolgreich, zumindest was die Verkaufszahlen anging. Inhaltlich dagegen gab es leider einige Probleme – das größte war wohl mangelnde Planung. Weil man bei DC versuchte, sich alle kreativen Möglichkeiten offen zu halten, kam es schon bald zu neuen Unstimmigkeiten, die leicht hätten vermieden werden können, von diversen kreativen Entscheidungen und Redaktionseinmischungen gar nicht erst zu sprechen. Das bedeutet aber nicht, dass alle Titel der „New 52“ schlecht wären, im Gegenteil. Die wahrscheinlich beste Serie ist, zumindest in meinen Augen, „Wonder Woman“.

Bei Wonder Woman bzw. Diana (den Nachnamen Prince führt sie in der neuen Kontinuität zu diesem Zeitpunkt noch nicht) gibt es oft ein ähnliches Problem wie bei Superman: Die Figur ist sehr mächtig und besitzt sehr wenige Schwächen. Insgesamt denke ich, dass Wonder Woman in ihrer Soloserie genau wie Marvels Thor am besten funktioniert, wenn sie mit ihrer Mythologie agiert. Ich habe zwar kein Problem damit, wenn sie im Rahmen der Justice League gegen irgendwelche massiven Bedrohungen kämpft, in ihren Soloabenteuern sollte sie sich allerdings nicht unbedingt mit Banküberfällen oder verrückten Wissenschaftlern herumschlagen, das ist schlicht verschwendetes Potential. Wonder Woman ist eine Figur, die auf griechischer Mythologie basiert, sie entstammt den Amazonen und besitzt die Kräfte von Göttern, weswegen es sich anbietet, sie auch entsprechend zu beschäftigen.
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Brian Azzarello, derjenige, der Wonder Woman für die „New 52“ definierte, ist nun vielleicht nicht der erste Autor, der einem für diese Figur in den Sinn kommen würde. Azzarello ist vor allem für seine düstere Comics im Neo-Noir-Setting bekannt, wie beispielsweise „100 Bullets“ oder diverse Batman-Geschichten. In erster Linie ist Azzarello allerdings einfach ein ziemlich guter Autor, und so schafft er es, Wonder Woman in dem von ihm verfassten Heften (Nummer 1 bis 35 und eine zusätzliche Nullnummer, hier zulande bei Panini in sechs Paperbacks erschienen) ein ausgezeichnetes, passendes und vor allem mythologisches Umfeld zu geben. Dabei ignorierte er das größere DC-Universum fast vollständig, lediglich Orion von den New Gods spielt eine Rolle. Erfreulicherweise orientierte er sich auch nicht an Geoff Johns‘ Charakterisierung von Wonder Woman aus der Justice-League-Serie der „New 52“, die ich nicht besonders gelungen fand, dort wirkte sie auf mich übermäßig naiv und irgendwie unpassend. Azzarellos Wonder Woman ist dagegen weitaus selbstsicherer und entschiedener, bleibt dabei aber sympathisch und nachvollziehbar.

Obwohl Azzarellos Run im Großen und Ganzen positiv aufgenommen wurde, war er doch nicht frei von Kontroversen, vor allem bezüglich Wonder Womans veränderter Ursprungsgeschichte. Vor dem Reboot hatte ihre Mutter Hippolyta, die Königin der Amazonen, ein Baby aus Lehm geformt, dem die griechischen Götter Leben (und Superkräfte) schenkten. Im neuen DC-Universum ist dies nur die Tarngeschichte, tatsächlich ist Wonder Woman hier eine Tochter von Zeus. William Moulton Marston, der Autor, der Wonder Woman (und auch den Lügendetektor) erfand, wäre damit wohl nicht unbedingt einverstanden gewesen, immerhin entwarf er seine Schöpfung als das perfekte weibliche Wesen (das ohne männliches Zutun entstand). Dennoch, obwohl es im Rahmen der „New 52“ bei vielen Charakteren unnötige Änderungen gab, die wie ein Selbstzweck wirken, ist Dianas veränderte Herkunftsgeschichte für Azzarellos Erzählung nötig, denn er greift einen der wichtigsten Aspekte griechischer Mythologie auf. Im Kern handelt es sich dabei eigentlich um die Saga einer ziemlich dysfunktionalen Familie, und auch Azzarellos Run ist im Grunde eine Familiengeschichte. Ich kann natürlich trotzdem verstehen, wenn es einem nicht gefällt, dass die Ursprünge der Figur, die viele Jahrzehnte lang mehr oder weniger konsistent waren, nun so verändert werden. Mich stört es allerdings tatsächlich nicht besonders.

Die Handlung beginnt mit einer jungen Frau namens Zola, die aus heiterem Himmel von Zentauren angegriffen und von dem Gott Hermes gerettet wird. Dieser teleportiert sie zu Wonder Woman, um den beiden später zu enthüllen, dass Zola mit einem Kind des Zeus schwanger ist. Damit beginnen die Probleme aber erst so richtig, denn nun sind diverse olympische Götter hinter Zola und ihrem ungeborenen Baby her, nicht zuletzt die eifersüchtige Hera. Es kommt allerdings noch schlimmer: Zeus selbst ist verschwunden und der Thron des Olymp damit vakant. Die Geschwister und Kinder des Zeus haben es auf den leeren Thron abgesehen, wobei das letzte Kind des Göttervaters sich als Schlüssel erweisen könnte. Wonder Woman findet es allerdings nicht besonders toll, dass eine unschuldige junge Frau und ein ungeborenes Baby zum Spielball machthungriger Götter werden und stellt beide unter ihren Schutz.

Genau DAS ist ein Plot, wie ich ihn für eine Geschichte rund um Wonder Woman haben möchte; die Geschichte, wirkt, als würde Azzarellos die griechische Mythologie direkt in der Moderen weiterführen. Obwohl Wonder Woman die Titelheldin ist, handelt es sich hierbei fast schon um eine Ensemble-Serie, denn Zola und diverse Götter, allen voran Hera, sind fast ebenso sehr Hauptfiguren wie Diana. Es gibt allerdings auch eine Kehrseite: Wonder Woman ist nicht immer unbedingt die interessanteste Figur ihrer eigenen Serie.

Insgesamt ist nicht nur der Plot, sondern auch die Umsetzung hervorragend gelungen. Azzarellos Darstellung der griechischen Götter ist sehr untypisch, kreativ und erfrischend; sie unterscheidet sich sowohl charakterlich als auch optisch massiv von den Klischeebildern der schon allzu oft adaptierten Entitäten. Und noch wichtiger: Sie funktionieren exzellent als Figurenensemble für diese Serie, die nicht einfach zeigt, wie Wonder Woman gegen verschiedene Superschurken kämpft, sondern, wie bereits erwähnt, die komplexe Geschichte der „olympische Familie“ erzählt. Die Götter sind nicht nur gut oder böse, sondern in erster Linie sind sie allesamt Egomanen mit ihren eigenen Zielen; genau wie in den Sagen wechseln die Loyalitäten, die Götter sind wankelmütig und tauschen schnell die Verbündeten aus.
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Darüber hinaus schafft es Azzarello, die Handlung spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Action ist natürlich vorhanden, schließlich handelt es sich hierbei immer noch um einen Superheldencomic (zumindest irgendwie), aber im Zentrum stehen die Figuren und ihre Interaktion, sei es die Freundschaft zwischen Zola und Diana, Dianas Beziehung zu Ares, der hier, anders als in der alten Kontinuität, als Mentorenfigur fungiert, oder die Entwicklung, die Hera durchmacht. Leider ist der Run dennoch nicht ganz frei von Schwächen: Das Ende (das ich hier aber nicht verraten werde), fand ich nicht ganz überzeugend, schwerer wiegt allerdings die Anpassung der Amazonen: Hier fügte Azzarello ein Detail aus der Mythologie ein, das Marstons utopische Frauengesellschaft der Amazonen in zu starkem Ausmaß und in zu plumper Art und Weise dekonstruiert – der Wonder-Woman-Animationsfilm aus dem Jahr 2009 hat das weitaus besser hinbekommen, ohne die Amazonen zu einer rein weiblichen Version der Spartaner zu machen.

Dafür sind die Zeichnungen vollauf gelungen. Die meisten Hefte wurden von Cliff Chiang gezeichnet, die restlichen Ausgaben übernahmen Tony Akins und Goran Sudžuka  Beide orientieren sich allerdings sehr stark an Chiangs Stil, sodass der gesamte Run optisch einheitlich erscheint. Chiangs Zeichnungen sind äußerst dynamisch, ausdrucksstark, dabei aber recht kantig und stilisiert, sie erinnern mich ein kleines bisschen an die Optik von „Batman: The Animated Series“ und passen einfach hervorragend zu Azzarellos mythologischer Familiensaga. Wie auch die Geschichte selbst heben sich die Zeichnungen stark vom Genrestandard ab. Fast noch wichtiger ist, dass Wonder Woman hier, anders als bei, sagen wir, Jim Lee oder David Finch, tatsächlich wie eine Amazone aussieht und nicht wie ein eher zierliches Persönchen bzw. eine Sechzehnjährige oder ein Supermodel. Wenn man Cliff Chiangs Wonder Woman sieht, erkennt man eine Kriegerin. Das Design der verschiedenen Götter ist, wie bereits erwähnt, sehr kreativ und anders, das einzige Manko dabei ist, dass nicht mehr allzu griechisch wirken. Aber mal ehrlich, griechische Götter in Toga und antiker Rüstung hatten wir nun wahrlich oft genug.

Fazit: Brian Azzarellos Neudefinition von Wonder Woman ist vollauf gelungen, die Amazone agiert hier weniger in einer traditionellen Superheldengeschichte als in einer Familiensaga von mythologischem Ausmaß. Wer Wonder Woman gerne kennen lernen würde, dem sei diese Serie ans Herz gelegt, denn sie weiß nicht nur inhaltlich und optisch zu überzeugen, es ist auch kein Vorwissen nötig.

Kampf der Giganten:
Prämisse
TDKR: Batman vs. Superman
S:TAS: World’s Finest
Kingdom Come