Hellraiser: Judgment

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Story: Während in der Hölle Pinhead (Paul T. Taylor), Anführer der Cenobiten, und der Auditor (Gary J. Tunnicliffe), der einer anderen höllischen Fraktion, der Stygischen Inquisition vorsteht, über ihre Aufgabe diskutieren, ermitteln drei Detectives auf der Erde im Fall eines Serienkillers mit dem Spitznamen „The Perceptor“, der seine Opfer nach Motiven der sieben Todsünden ermordet. Nach und nach stoßen Christine Egerton (Alexandra Harris) und die beiden Brüder Sean (Damon Carney) and David Carter (Randy Wayne) auf die finsteren Hintergründe dieser Mordserie…

Kritik: Zugegeben, ich bin etwas spät dran – „Hellraiser: Judgment“, eine weitere Directo-to-DVD-Produktion, die primär dazu diente, die Rechte des Hellraiser-Franchise bei Dimension Films zu halten, erschien bereits 2018. Eine Veröffentlichung in Deutschland gibt es nach wie vor nicht, was einer der Gründe für die späte Rezension ist – der andere ist die Erinnerung an „Hellraiser: Revelations“. Wie dem auch sei (und wie ich schon in meiner Rezension zu „Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore“ schrieb): Ich bin Komplettist, also quälte ich mich auch durch diesen zehnten Hellraiser-Film. Hauptverantwortlicher ist dieses Mal Gary J. Tunnicliffe, der nicht nur, wie schon bei „Hellraiser: Revelations“, das Drehbuch schrieb, sondern auch Regie führte und zudem noch den Auditor verkörpert. Tatsächlich arbeitet Tunicliffe schon seit vielen Jahren, nämlich seit „Hellraiser III: Hell on Earth“ an der Filmreihe, allerdings im Make-up-Bereich.

Zumindest im Vergleich zu „Hellraiser: Revelations“ ist „Hellraiser: Judgment“ eine deutliche Verbesserung, auch wenn ich nicht wüsste, wie man „Revelations“ noch hätte unterbieten können. Während der Vorgänger im Grunde eine Variation auf den ersten Film war, bemerkt man hier, dass Tunicliffe eindeutig Ambitionen hat, er möchte eine größere Geschichte erzählen und den Mythos des Franchise erweitern. Dies geschieht durch die Einführung einer neuen höllischen Fraktion, der Stygischen Inquisition, die Seelen auf deutlich andere Art und Weise erntet als die Cenobiten. Sogar ein Engel in Gestalt von Jophiel (Helena Grace Donald) taucht auf. Hier beginnen für mich dann allerdings auch schon die Probleme, die im Franchise immerhin nicht neu sind: Von der ursprünglichen Konzeption der Cenobiten also amoralische Wesen („angels to some, demons to others“) hat man sich inzwischen völlig distanziert und selbst die in „Hellbound: Hellraiser II“ etablierte Mythologie um Leviathan und das Labyrinth spielt keinerlei Rolle mehr, stattdessen wird ein weiteres Mal eine eindeutig christliche Kosmologie präsentiert. Zugegeben, bereits Clive Barker selbst ging in seinem Roman „The Scarlet Gospels“ in diese Richtung und inszenierte Pinhead als Teil einer doch recht traditionellen Hölle. Hier haben wir es zusätzlich noch mit einer Low-Budget-Hölle zu tun, die eben aussieht wie gewöhnliche, heruntergekommene Räume. Außerdem wirkt die Stygische Inquisition rein ästhetisch nach meinem Empfinden in einem Hellraiser-Film schlicht fehl am Platz, sie scheint eher von Silent Hill inspiriert zu sein. Die Kreativität der ursprünglichen Cenobiten wird durch schieren Ekel ersetzt – der Prozess der Stygischen Inquisition ist wirklich nicht angenehm anzusehen. Andere Cenobiten außer Pinhead, etwa der Chatterer, tauchen lediglich in kurzen Cameos auf.

Und wo wir gerade von Pinhead sprechen: Paul T. Taylor gibt definitiv einen besseren Pinhead ab als die Kombination aus Stephan Smith Collins (Darsteller) und Fred Tatasciore (Stimme), ist aber von Doug Bradley, der eine Rückkehr abermals ablehnte (und wer könnte es ihm verdenken), weit entfernt. Nicht nur Pinheads Platz in Tunicliffes Geschichte erinnert an ein späteres literarisches Werk von Clive Barker, auch sein letztendliches Schicksal spiegelt wider, was ihm in den Hellraiser-Comics der 2010er-Jahre des Verlags Boom! Studios geschieht. Diese sind allerdings deutlich gelungener als „The Scarlet Gospels“ und „Hellraiser Judgment“ und arbeiten auch tatsächlich mit der in den ersten beiden Filmen etablierten Mythologie.

Die eigentliche zentrale Handlung um die drei ermittelnden Detectives hält einen als Zuschauer leider auch nicht bei der Stange: Zu sehr wirkt das ganze wie ein Low-Budget-Remake von David Finchers „Seven“. Wann immer Hellraiser-Filme versuchten, eine Thriller-Handlung mit Ermittlungen zu inszenieren („Hellraiser: Inferno“, „Hellraiser: Hellseeker), funktionierte das bestenfalls suboptimal, und das ist hier nicht anders. Die Ermittlungen sind einfach nicht interessant und die Identität des Serienkillers hat man als halbwegs versierter Filmkenner nach einigen Minuten erraten. Immerhin, die Darsteller sind im Großen und Ganzen zumindest funktional, Gary J. Tunicliffe ist als Auditor durchaus amüsant und scheint seinen Spaß zu haben, nur Helena Grace Donald kann als Engel so gar nicht überzeugen.

Fazit: „Hellraiser: Judgment“ mag eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger sein, ist von der Qualität der ersten beiden Filme aber noch wie vor weit entfernt. Vielleicht könnnen ja der kommende Hellraiser-Film, der in diesem Jahr bei Hulu startet, oder die geplante HBO-Serie eher überzeugen…

Bildquelle (Lionsgate, Dimension Films)

Trailer

Siehe auch:
The Scarlet Gospels

Hemators Empfehlungen: Horror-Soundtracks

Halloween 2021!

Was wäre Horror im Allgemeinen und Halloween im Besonderen ohne die richtige musikalische Untermalung? Bereits in den Anfangstagen meines Blogs konzipierte ich eine Top-10-Liste der besten Horror-Scores, dieser Artikel ist gewissermaßen eine Revision und ein Update – zugleich will ich mich aber nicht mehr auf zehn beschränken und ordne die Soundtracks dieses Mal auch nicht nach Qualität, sondern nach Erscheinungsjahr. In bestimmten Fällen habe ich zwei Werke kombiniert, bei denen es sich entweder um Teile derselben Filmreihe handelt oder die stilistisch sehr gut zusammenpassen. Zugleich handelt es sich hierbei auch um den Start einer neuen Artikelreihe, in deren Rahmen ich zu einer bestimmten Thematik Empfehlungen abgeben möchte, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen.

Wer meinen Musikgeschmack kennt, wird sich schon denken können, in welche Richtung die Scores auf dieser Liste gehen: Da ich ein Fan des Orchesters bin, tauchen hier keine Werke auf, die primär auf Elektronik und/oder Ambience ausgerichtet sind – gerade im Horror-Bereich finden sich derartige Soundtracks doch ziemlich häufig. Das soll nicht heißen, dass diese Scores im Kontext nicht durchaus effektiv sein können, aber ich kann ihnen nur selten abseits der Filme etwas abgewinnen, und genau darum geht es hier. Dass ich zudem eine starke Vorliebe für Gothic Horror in all seinen Ausprägungen habe, dürfte auch kein Geheimnis sein, dementsprechend viele Soundtracks dieser Liste gehören deshalb diesem Subgenre an. Natürlich gibt es noch viele, viele weitere grandiose Horror-Scores, weshalb es durchaus möglich ist, dass dieser Artikel ein oder mehrere Sequels erhält. Fürs erste konzentriere ich mich ausschließlich auf Filme, hier finden sich also weder Spiele noch Serien – auch das mag sich in Zukunft ändern.

„The Omen“, Jerry Goldmsith (1976)

Beginnen wir mit einem Klassiker, der Horror-Scores über Jahrzehnte hinaus beeinflusste und absolut stilbildend war und ist, besonders, wenn es sich um religiös motivierten Horror handelt. Ich weiß nicht, wie üblich es vor „The Omen“, war, finstere Chöre, die wie eine Perversion gregorianischer Gesänge klingen, in diesem Kontext einzusetzen, (immerhin gibt es definitiv gewisse klangliche Parallelen zu John Barrys „The Lion in Winter“ aus dem Jahr 1968); meinem Empfinden nach markiert „The Omen“ jedenfalls den Startpunkt eines essentiellen Trends im Genre. Vorzeigestück ist fraglos das finstere und verstörende Ave Satani, das in vielfältigen Variationen im Verlauf des Scores erklingt. Als Gegenpool fungiert das deutlich angenehmere Familienthema, das aber natürlich deutlich weniger Eindruck hinterlässt. Die beiden Sequel-Scores bilden ganz interessante Gegensätze, auch wenn sie die Qualität des Vorgängers nicht erreichen. In „Damien: Omen II“ ist Ave Satani quasi allgegenwärtig, in „The Final Conflict“ hingegen macht es sich eher rar und erklingt deutlich subtiler und verfremdeter. An das Original kommen beide nicht heran. Wer eine gemütliche satanische Messe planen sollte, findet in „The Omen“ definitiv die richtige musikalische Untermalung dafür.

„Dracula“, John Williams (1979)

Horror ist nicht unbedingt das Genre, mit dem man John Williams primär in Verbindung bringt. Dennoch hat der Maestro Ende der Siebziger die Musik für eine Dracula-Adaption mit Frank Langella in der Rolle des Grafen geschrieben. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht klassisch: Ein klassischer Williams-Score und ein klassischer Gothic-Horror-Score, wie er im Buche steht: Üppig, ausladend, opulent, man sieht vor dem inneren Auge sofort neblige Berggipfel und verfallene Ruinen. Stilistisch lassen sich viele Parallelen zu Williams‘ Werken dieser Zeit ziehen, sei es die Star-Wars-OT oder „Raiders of the Lost Ark“ – nur ist alles eben ein wenig düsterer und dramatischer. „Dracula“ ist leitmotivisch allerdings weit weniger vielseitig als besagte zeitgenössische Werke, da Williams sich nur eines zentralen Themas für Dracula selbst bedient (das dafür auch ordentlich Präsenz im Score besitzt) und ansonsten nur noch auf ein sekundäres Thema für Van Helsing zurückgreift. Definitiv kein Meilenstein in Williams‘ Œuvre oder im Horror-Genre, aber ein unterhaltsamer, oft übersehener Gothic-Horror-Score ohne jeden Zweifel.

„Alien“, Jerry Goldmsmith (1979)

Und gleich noch ein Genre-Meilenstein von Jerry Goldsmith, der allerdings völlig anders ausfällt als „The Omen“. Mit „Alien“ konnte Goldsmith nicht nur ein weiteres Mal seine Kreativität beweisen, sondern auch einem ganzen Film-Franchise seinen Stempel aufdrücken. Statt satanischer Chöre fährt Goldsmith hier verstörende, fremdartige Atonalität und brillante Atmosphäre auf, hin und wieder versehen mit einem Hauch Melodik oder gar Romantik (die Ridley Scott allerdings größtenteils aus dem Film entfernte). Goldsmith verbindet hier gekonnt traditionelles Orchester, exotische Instrumente und Synth-Einlagen, um eine einzigartige Klanglandschaft zu erschaffen. Sein ebenso simples wie einprägsames Time-Motiv wurde schließlich zum Aushängeschild der Filmreihe und taucht in fast allen weiteren Alien-Scores auf. Besonders Marc Streitenfeld (mit Hilfe von Harry Gregson-Williams) und Jed Kurzel bedienen sich des Motivs und der Goldsmith-Stilmittel in „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ – an den Score des Meisters kommen aber beide nicht heran.

„The Fly”, Howard Shore (1986)

Unglaublich aber wahr, bevor Howard Shore als Komponist der LotR-Trilogie bekannt wurde und DEN definitiven Fantasy-Soundtrack schuf, schrieb er primär Musik für Thriller und Horror-Filme – gewisse „Reste“ finden sich auch durchaus in Jacksons Trilogie, etwa in der dissonanten Musik für Kankra. Shore ist nach wie vor der Stammkomponist von David Cronenberg, mit dem er bereits in den 80ern an „The Fly“ arbeitete. Anders als beispielsweise Goldsmiths „Alien“ ist „The Fly“ äußerst melodisch und klassisch angehaucht und steht damit über weite Strecken in Kontrast zu den Dissonanzen, mit denen Shore selbst in anderen Filmen arbeitet – hin und wieder tauchen sie dann aber doch auf. Die düsteren, brütenden Passagen nehmen allerdings durchaus bereits die Stilistik späterer Thriller-Scores wie „The Silence of the Lambs“ vorweg. Im Kern ist „The Fly“ ein sehr bombastischer, opernhafter Score, weit weniger fordernd und damit deutlich hörbarer als viele andere Soundtracks dieser Liste, deshalb aber nicht weniger wirkungsvoll. Für das unterirdische Sequel schrieb Christopher Young die Musik, der Shores Motive zwar nicht direkt zitiert, den Tonfall aber beibehält – trotzdem (oder gerade deswegen) klingt der Score von „The Fly II“ wie eine inoffizielle Fortführung des nächsten Eintrags dieser Liste.

„Hellraiser” & „Hellbound: Hellraiser II”, Christopher Young (1987 & 1988)

Genau genommen knüpft Christopher Young nicht nur in „The Fly II“ an Shores Score an, sondern auch in den ersten beiden Hellraiser-Filmen. Als Clive Barker sich daran machte, seine Novelle „The Hellbound Heart“ zu verfilmen, wollte er ursprünglich, dass die Industrial-Band „Coil“ die Musik beisteuerte, das Studio strebte allerdings einen traditionelleren Sound an, was sich in letzter Konsequenz als die richtige Entscheidung erwies. Christopher Young gelang es auf unnachahmliche Weise, die Mischung aus Schmerz und Lust, die die Cenobiten darstellen, musikalisch zu verkörpern: Vor allem sein Hauptthema hat etwas merkwürdig Einnehmendes, beinahe Angenehmes an sich, bleibt dabei aber doch unheimlich, ohne in Dissonanzen abzugleiten. Die Fremdartigkeit der Cenobiten vermittelt Young durch die Verwendung von Sounddesign-Elementen. Für das von Tony Randel inszenierte Sequel „Hellbound: Hellraiser II“ knüpfte Young nahtlos an seinen Erstling an, legte aber noch einmal eine ordentliche Schippe Bombast oben drauf. Sowohl Randy Miller als auch Daniel Licht bedienten sich in „Hellraiser III: Hell on Earth“ und „Hellraiser: Bloodline“ weiterhin dem von Young etablierten Stil und der Themen – beide Scores kommen nicht an Yongs heran, sind aber durchaus brauchbare Ergänzungen.

„Bram Stoker’s Dracula“, Wojciech Kilar (1992)

Für seine Version von Stokers Roman suchte Francis Ford Coppola nach einem spezifisch osteuropäischen Sound, und den bekam er vom polnischen Komponisten Wojciech Kilar. Für mich persönlich ist Kilars Musik DER prägende Dracula-Sound: Ebenso gotisch und opulent wie Williams‘ über zehn Jahre zuvor entstandener Score, aber distinktiver, einnehmender und mitreißender. Kilar konstruierte den Score auf Basis diverser Themen, die die zentrale Rolle einnehmen – es vergeht kaum eine Minute, in der nicht eines dieser Themen in irgend einer Art und Weise zu hören ist. Hierzu zählen primär Leitmotive, die alle auf den titelgebenden Vampir zurückzuführen sind, darunter ein Liebesthema, ein recht brutales Motiv für die monströse Seite des Grafen, aber auch ein treibender Rhythmus für die Vampirjäger. Kilars Musik für „Bram Stoker’s Dracula“ erwies sich als enorm einflussreich, Elemente und stilistische Hommagen erklingen in vielen weiteren Scores, etwa Kilars Musik zu Roman Polanskis „The Ninth Gate“ oder diversen anderen Soundtracks auf dieser Liste. Es empfiehlt sich allerdings, Annie Lennox‘ Abspannsong Love Song for a Vampire aus der Playlist zu tilgen, da er stilistisch absolut nicht zu Kilars Kompositionen passt.

„Alien 3“ & „Interview with the Vampire”, Elliot Goldenthal (1992 & 1994)

Jeder der Alien-Scores, selbst die des Spin-off-Franchise „Alien vs. Predator“, verweist in irgendeiner Form auf das Original von Jerry Goldsmith, sei es durch stilistische Anleihen, direkte Zitation oder beides. Die eine große Ausnahme ist der Score, den Elliot Goldenthal für „Alien 3“ komponierte. Hier zeigt sich Goldenthals Herkunft aus dem Bereich der modernen klassischen Musik – zumindest in der Methodologie gibt es gewisse Parallelen zu Goldsmith. Beide Komponisten sind diversen Avantgarde-Techniken und eher unüblichen Stilmitteln nicht abgeneigt, was sich aber in zwei stilistisch sehr unterschiedlichen Scores manifestiert. Wo Goldsmith die Fremdartigkeit des Xenomorph und die kalte Isolation des Weltalls in den Vordergrund stellte, konzentriert sich Goldenthal auf den religiösen Aspekt des Films, den er vertont. Tracks wie Lento oder Agnus Dei verweisen nicht nur in ihren Titeln auf Kirchenmusik, sie orientieren sich auch stilistisch an ihr, sind deutlich harmonischer als alles, was Goldsmith für „Alien“ komponierte und arbeiten mit himmlischen Chören. Horror und Gewalt stellt Goldenthal zum Teil durch gotisch-bizarr anmutende, zum Teil aber auch durch von Industrial inspirierte Passagen dar, die mitunter in unhörbaren Lärm ausarten; der eher unglücklich betitelte Track Wreckage and Rape ist hierfür ein Idealbeispiel. Der nur kurz darauf entstandene Soundtrack zu Neil Jordans „Interview with the Vampire“ fühlt sich wie eine natürliche Entwicklung des „Alien 3“-Scores an. Freilich entfallen hier die Industrial-Passagen, stattdessen werden die gotischen Elemente noch stärker betont und man meint, hin und wieder den Einfluss von „Bram Stoker’s Dracula“ herauszuhören, natürlich geprägt von Goldenthals distinktivem Stil. Sofern man die Industrial-Passagen aus der Playlist wirft, passen „Alien 3“ und „Interview with the Vampire“ wunderbar zusammen, wobei ich Letzterem den Vorzug vor Ersterem geben würde.

„Mary Shelley’s Frankenstein”, Patrick Doyle (1994)

Kenneth Branaghs Adaption von Mary Shelleys Roman ist gewissermaßen der Schwesterfilm von „Bram Stoker’s Dracula“ und entstand als direkte Reaktion auf dessen Erfolg – Coppola produzierte sogar, auch wenn er der Meinung war, „Mary Shelley’s Frankenstein“ sei ein wenig zu opernhaft geraten (was an sich schon aussagekräftig genug ist). Wie dem auch sei, Branagh arbeitete hier, wie auch an den meisten anderen seiner Filme, mit seinem Stammkomponisten Patrick Doyle zusammen, dessen Score mindestens so opernhaft, opulent und grandios ausfällt wie der Film, zu dem er gehört, und auch Kilars Arbeit in kaum etwas nachsteht. Ihm fehlt natürlich das distinktive osteuropäische Element, Doyle gleicht dessen Fehlen allerdings durch eine noch ausgeprägtere Romantik und orchestrale Wucht aus. „Mary Shelley’s Frankenstein“ ist kein Score der leisen Töne, sondern der großen Emotionen und epischen Gotik (inzwischen dürfte klar sein, dass man genau damit mein Interesse wecken kann). Nach wie vor mein liebster Soundtrack von Patrick Doyle

„House of Frankenstein”, Don Davis (1997)

Ähnlich wie Howard Shore ist auch Don Davis ein Komponist, der einiges im Horror-Bereich komponierte, bevor sein Name primär mit einer bestimmten Blockbuster-Trilogie verknüpft wurde. Anders als Shore ist Davis allerdings nach „The Matrix Revolutions“ praktisch völlig von der Bildfläche verschwunden. Nicht einmal für das anstehende Sequel „The Matrix Ressurection“ kehrt er zurück, stattdessen komponieren Tom Tykwer und Johnny Klimek (der Trailer verwendet allerdings Davis‘ alternierendes Zwei-Noten-Motiv bei der Titeleinblendung). „House of Frankenstein“ ist einer der erwähnten Horror-Scores und gehört zu einer wohl ziemlich trashigen TV-Miniserie, die lose auf dem gleichnamigen Universal-Film basiert. Dementsprechend ist „House of Frankenstein“ nicht unbedingt innovativ, man merkt sofort, dass sich Davis hier der Gothic-Horror-Klischees bedient und recht direkt Goldsmiths „The Omen“ und Youngs „Hellraiser“ zitiert. Aber er ist dabei so verdammt unterhaltsam und überdreht. Vor allem in der zweiten Hälfte gibt Davis aber auch immer wieder einen Vorgeschmack auf die atonalen Techniken, die später die Musik von „The Matrix“ dominieren würden.

„Sleepy Hollow“, Danny Elfman (1999)

Die Filme Tim Burtons wären ohne den gotisch-verspielten Sound von Danny Elfman nicht dasselbe: Egal ob „Beetle Juice“, „Batman“, „Edward Scissorhands“ oder spätere Werke wie „Frankenweenie“ oder „Dark Shadows“ – sie alle sind ästhetisch und klanglich an die Gothic-Horror-Tradition angelehnt, ohne aber tatsächlich Horror-Filme zu sein. Dasselbe trifft nicht auf „Sleepy Hollow“ zu, den wahrscheinlich einzigen „echten“ Horror-Film, an dem Burton und Elfman zusammen gearbeitet haben (und selbst hier finden sich parodistische Elemente). Wie dem auch sei, „Sleepey Hollow“ ist eine liebevolle Hommage an die Filme der britischen Hammer-Studios. Musikalisch schöpft Elfman hier aus den Vollen, „Sleepey Hollow“ ist düster, brutal, episch und gotisch bis zum geht nicht mehr. Technisch gesehen ist der Score beinahe monothematisch, das Titelthema fungiert als übergreifende Identität, Elfman gelingt es allerdings, dieses Thema in mehrere Motiv aufzuspalten und so gekonnt zu variieren, sodass ein erstaunlich vielseitiger Score entsteht, der nicht nur grandiose Horror- und Action-Musik, sondern auch erstaunlich berührende emotionale Zwischentöne zulässt.

„From Hell”, Trevor Jones (2001)

Für sich betrachtet ist „From Hell“ ein sehr kurzweiliger und vor allem atmosphärischer Thriller im viktorianischen London, als Adaption der grandiosen Graphic Novel von Alan Moore versagt der Film der Hughes-Brüder aber leider auf ganzer Linie. Absolut nicht versagt hat hingegen Komponist Trevor Jones, der, ähnlich wie Don Davis, irgendwann in den frühen 2000ern fast völlig von er Bildfläche verschwand. Der Score, den er für „From Hell“ komponierte, ist ein abgrundtief düsteres, brütendes Meisterwerk, voller Brutalität und verschlingender Finsternis, ebenso kraftvoll wie „Bram Stoker’s Dracula“ oder „Sleepy Hollow“. Ihm fehlen zwar die osteuropäischen Elemente von Ersterem oder die Verspieltheit von Letzterem, das gleicht Jones allerdings mit einem erhöhten Ausmaß an Tragik und instrumenteller Kreativität aus. Hier erklingt das viktorianische London Jack the Rippers in all seiner Abgründigkeit. Besonders The Compass and the Ruler, eines meiner absoluten Lieblingsstücke, ist wirklich exemplarisch für die Genialität von Jones‘ Arbeit.

„Drag Me to Hell“, Christopher Young (2009)

Christopher Young ist einer der profiliertesten Horror-Komponisten überhaupt (und darüber hinaus kriminell unterschätzte). Zwar hat er bewiesen, dass er auch in anderen Genres, etwa Action oder Fantasy, extrem fähig ist, aber irgendwann kehrt er doch immer wieder zum Horror zurück. Neben den beiden Hellraisern hätte ich auch noch „Bless the Child“, „Urban Legend“ oder „The Exorcism of Emily Rose“ auf diese Liste setzen können, aber ich wollte nicht mehr als zwei Einträge pro Komponist, und so fiel die Wahl letztendlich nicht schwer, denn abseits der ersten beiden Hellraiser-Scores ist „Drag Me to Hell“ mein Favorit von Young. Auf gewisse Weise handelt es sich hier bei um ein Best of der oben genannten Scores, die orchestralen Stilmittel, derer sich Young bedient, kulminieren hier zu einem rundum gelungenen Gesamtpaket: Chorale Macht, gotische Wucht, aber auch ebenso verstörende wie schöne Melodien. Angereichert wird das Ganze durch osteuropäische bzw. Roma-Elemente, die natürlich einen essentiellen Teil der Story ausmachen. Man lausche allein dem ebenso schönen wie beängstigenden Hauptthema…

„The Wolfman“, Danny Elfman (2010)

Wie würde es klingen, wenn sich „Bram Stoker’s Dracula“ und „Sleepy Hollow“ paaren würden, um ein unheiliges Wechselbalg zu zeugen? Mit „The Wolfman“ liefert Danny Elfman die Antwort. Da Elfman sowohl ein Fan des Originals als auch des Dracula-Scores von Kilar war (und vermutlich immer noch ist), erwies sich das als ideale Gelegenheit. Unglücklicherweise kam es zu Komplikationen, Nachdrehs und Studioeinmischung, zwischenzeitlich überlegte das Studio, einen Synth/Rock-Score von „Underworld“-Komponist Paul Haslinger zu verwenden, was völlig daneben gewesen wäre. Schließlich kehrte man doch zu Elfmans Score zurück und ließ Orchestrier Conrad Pope noch zusätzliche Musik komponieren, um durch die neue Schnittfassung entstandene Lücken zu schließen. Strukturell ist „The Wolfman“ ähnlich aufgebaut wie „Sleepy Hollow“, es gibt ein Hauptthema, das den Score dominiert, und gerade in Sachen gotischer Finsternis und Brutalität steht „The Wolfman“ dem Score zum Burton-Film in nichts nach. Was ihn vom spirituellen Vorgänger unterscheidet, sind die osteuropäischen Stilmittel, derer sich Elfman bedient, speziell in der Streichersektion – ähnlich wie bei „Drag Me to Hell“ passt diese Färbung tatsächlich sehr gut zur Story. Hier wird der Einfluss Kilars überdeutlich. Trotz seiner diversen Mängel habe ich für „The Wolfman“ eine ziemliche Schwäche, da Joe Johnstons blutige Liebeserklärung an Universals klassischen Horror genau in einer Zeit kam, als das Kino von Twilight-CGI-Werwölfen bevölkert wurde – der Score hatte einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dieser Schwäche.

„Evil Dead“, Roque Baños (2013)

Wo wir gerade von Remakes sprechen: Fede Álvarez‘ Remake des Sam-Raimi-Klassiker gehört definitiv zu den besseren, nicht zuletzt, weil es sich zwar der Grundprämisse des Originals bediente, aber den Fokus verschob. Zugleich ließ es mich auf den spanischen Komponisten Roque Baños aufmerksam werden, der sich für diesen Score der Tonalität und des Stils von Christopher Young bedient, die Schraube schierer, orchestraler Brutalität aber noch einmal deutlich anzieht. Das Ergebnis ist komplex, schwierig, verstörend und meisterhaft. Orchester, Chor und eine enervierende Sirene entfesseln hier einen Sturm an dämonischer Intensität, der seinesgleichen sucht – was angesichts der anderen Einträge auf dieser Liste als höchstes Lob zu verstehen ist. Baños konzentriert sich dabei in größerem Ausmaß auf orchestrale und chorale Texturen als auf Themen, als primäres „Motiv“ der dämonischen Präsenz fungiert die bereits erwähnte Sirene, während der emotionale Kern des Films ein klassischeres Klavierthema erhält, das die konstante dämonische Brutalität hin und wieder durchbricht.

„The Witch“, Mark Corven (2016)

Robert Eggers Debütfilm dürfte einer der am besten recherchierten Horror-Filme überhaupt sein – das erstreckt sich auch auf den Score von Mark Korven. Gerade im Kontext dieser Auflistung ist seine Präsenz vielleicht ein wenig überraschend, da es sich hierbei nicht um eine „klassischen“ Horror-Score im Stile eines Christopher Young oder Danny Elfman handelt. Stattdessen bediente sich Korven nur eines kleinen Orchesters und vieler für das Setting authentischer Instrumente, etwa der Nyckelharpa oder des Hurdy Gurdy. Auf jegliche elektronische oder synthetische Bearbeitung verzichtet er komplett. Das Ergebnis ist zweifelsohne fordernd, aber auch enorm wirkungsvoll. Die Hexen werden primär durch Dissonanzen repräsentiert, während Corven das religiöse Element der Story durch hymnische Choreinlagen darstellt. Die Herangehensweise ist mit ihrem Fokus auf verstörende Texturen der von Roque Baños bei „Evil Dead“ gar nicht so unähnlich, durch die Instrumentierung klingt das Endergebnis aber natürlich völlig anders. Und so unterschiedlich beide auf visueller Ebene auch sind, so wirkungsvoll sind sie doch in ihren jeweiligen Filmen.

„It: Chapter One“ & „It: Chapter Two“, Benjamin Wallfisch (2017 & 2018)

Der Brite Benjamin Wallfisch absolvierte im Verlauf der letzten zehn Jahre einen geradezu kometenhaften Aufstieg. In den 2000ern übernahm er primär das Orchestrieren für Komponisten wie Dario Marianelli, wurde dann zu einem Zimmer-Protegé und arbeitete mit dem Remote-Control-Chef an Scores wie „Dunkirk“, „Hidden Figures“ oder „Blade Runner 2049“ mit. Interessanterweise finde ich Wallfischs Soloarbeiten fast durchweg gelungener als seine Kollaborationen mit Zimmer, die meistens sehr elektronisch und Synth-lastig ausfallen. Für die Stephen-King-Verfilmungen „It: Chapter One“ und „It: Chapter Two”, beide von Andy Muschietti, wählte er hingegen einen orchestralen, aber sehr anspruchsvollen Weg; ähnlich wie Goldsmith oder Goldenthal bedient er sich dabei diverser atonaler Techniken der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts, setzt aber auch sehr wirkungsvoll alte Kinderreime und unheimlich pervertierte Kinderlieder ein. Der Einsatz der menschlichen Stimme, zum Teil stark bearbeitet, ist in diesem Zusammenhang zentral und sorgt für die enervierendsten Momente der beiden Scores. Wallfisch gelingt es aber auch, die Freundschaft des „Loosers Club“ als Kernelement der Geschichte durch deutlich melodischeres Material wirkungsvoll darzustellen.

Stück der Woche: Hellbound

Halloween 2020

Bereits für Clive Barkers „Hellraiser“ komponierte Christopher Young einen hervorragenden orchestralen Horror-Score, dem es gelang, die Mischung aus Qual und Lust zu vermitteln, die im Zentrum des Films steht. Anders als Barker, der den Regiestuhl räumte, kehrte Young für den Score des Sequels „Hellbound: Hellraiser II“ zurück. Zwar bediente er sich weiterhin der Themen, die er für den ersten Film geschrieben hatte, komponierte aber ein neues Hauptthema, das den Film eröffnet und als Ouvertüre fungiert. Wo der erste Hellraiser-Film noch mit einer wenn auch unheimlichen, aber dennoch fast angenehmen und verführerischen Melodie eröffnet wurde, wird in Hellbound erst einmal choraler Bombast entfesselt, bevor das eigentliche Hellbound-Thema ab 0:18 von den Hörnern gespielt wird. In unter zwei Minuten exerziert Young das Thema mehrmals durch und steigert es immer weiter – weniger Intimität, mehr Grandeur.

Wofür dieses Thema eigentlich steht, ist nicht ganz leicht festzulegen, aber im Grunde kann man den Track-Titel wörtlich nehmen: Es ist das Thema derjenigen, die „an die Hölle gebunden“ sind oder im Verlauf des Films an die Hölle gebunden werden – quasi die neuen Diener Leviathans im Kontrast zu den alten, den vier ursprünglichen Cenobiten. Diese werden nach wie vor vom Hauptthema des ersten Films repräsentiert, das sich in Second Sight Seance allerdings an das Hellbound-Thema annähert und in einer ähnlich bombastischen Variation gespielt wird. Besagte neue Diener Leviathans sind Julia Cotton und Philip Channard, deren Auftritte mit dem Hellbound-Thema untermalt werden. Zum ersten Mal abseits der „Ouvertüre“ erklingt das Thema am Anfang von Looking Through a Woman in einer noch relativ zurückhaltenden Variation – hier wächst Julia in bester Frank-Cotton-Manier aus der Matratze. Im selben Track ist bei 1:50 noch eine weitaus epochalere Version zu hören, die allerdings aus der zweiten Hälfte des Films stammt – die Konzeption und Anordnung der Tracks ist, gelinde gesagt, ein wenig merkwürdig. Dieses Statement erklingt, als der neu geschaffene Channard-Cenobit zum ersten Mal zu sehen ist.

Channards Ankunft in der Welt der Sterblichen wird ebenfalls mit dem Hellbound-Thema untermalt, dieses Mal von besonders tiefen Blechbläsern gespielt. Für besondere Akzente sorgt die Harfe, die dem ganzen einen recht bizarren Charakter verleiht (Sketch with Fire). Eine stärker fragmentierte Variation erklingt darüber hinaus bei 0:50 in Dead or Living – hier tötet Channard die vier Cenobiten des ersten Films einen nach dem anderen. Eine weitere, äußerst blechbläserlastige, aber weniger bombastische und stärker verfremdete Version des Themas ist außerdem in Headless Wizard ab 1:40 zu hören.

Nach „Hellbound: Hellraiser II“ fand ein Komponistenwechsel statt, Young kehrt nicht zu den Cenobiten zurück, stattdessen schwang Randy Miller bei „Hellraiser III“ den Taktstock – allerdings orientierte er sich sowohl stilistisch als auch leitmotivische an der Musik der beiden Vorgänger. Tatsächlich ist das Hellbound-Thema das dominanteste Leitmotiv dieses Scores, Miller verändert allerdings die Bedeutung, denn in diesem Film fungiert es ganz eindeutig als Pinheads Thema. Während ich normalerweise gegen derartige Umdeutungen bin, passt es ziemlich gut, dass das dominanteste Thema des Franchise auch der dominantesten Figur zugeordnet wird. Interessanterweise taucht das Thema in Millers Score häufiger auf als in „Hellbound: Hellraiser II“; es ist beinahe in jedem Track des Soundtrack-Albums in der einen oder anderen Version zu hören oder wird zumindest angedeutet. Hier ist praktisch die volle Bandbreite gegeben, von den ruhigen, bedrohlichen Variationen (Elliot’s Story, 1:36) über den allseits beliebten Bombast (Pinhead’s Proteges/The Devil’s Mass, 9:20 oder Gothic Rebirth gesamt) bis hin zu purer Brutalität (Shall We Begin, direkt am Anfang).

Nach „Hellraiser III“ fand ein weiterer Komponistenwechsel statt, für „Hellraiser: Bloodline“ verpflichtete man Daniel Licht, der später die Musik für die Showtime-Serie „Dexter“ schreiben würde. Licht baut zwar ebenfalls Verweise auf Christopher Youngs Themen ein, setzt sie aber deutlich spärlicher und subtiler ein als Miller. Dennoch: Pinheads großer Auftritt wird mit einem vollen Statement des Hellbound-Themas untermalt – die Perfomance des Orchesters hat zwar nicht ganz die Kraft, die sie vor allem in „Hellbound: Hellraiser II“ hatte, aber dennoch sorgt gerade der Einsatz des Themas in Sharpe at the Gates of Hell (2:18) für eine der eindrucksvollsten Szenen des Films. In den späteren Hellraiser-Sequels, die nur noch auf DVD veröffentlicht wurden, kamen Youngs Themen nicht mehr vor – die jeweiligen Scores sind so vergessenswert wie die Filme.

Hellbound Hearts

Halloween 2016
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Es ist kein Geheimnis, dass Clive Barker von der filmischen Fortführung des von ihm geschaffenen Hellraiser-Franchise nicht allzu begeistert ist. Nachdem er beim ersten Film Regie führte, die Story des zweiten Films mitverfasste und bei den Teilen 3 und 4 immerhin noch marginalen Input lieferte, war seine Beteiligung an den folgenden Sequels, die allesamt direkt auf DVD erschienen, nicht mehr existent. Die wahre Fortführung des Franchise findet für Barker in gedruckter Form statt. Nachdem sich die Hellraiser-Filme als großer Erfolg erwiesen, wurde die Mythologie um Puzzlebox und Cenobiten schon bald in Form von Comics weiterentwickelt, die oftmals kreativer und interessanter waren als die filmischen Fortsetzungen. 2009 erschien schließlich auch neue Hellraiser-Prosa in Form der Kurzgeschichtensammlung „Hellbound Hearts“, herausgegeben von Paul Kane und Marie O’Regan. Wie der Name schon aussagt, beziehen sich diese Kurzgeschichten, im Gegensatz zu den Comics, ausschließlich auf Barkers ursprüngliche Novelle „The Hellbound Heart“ und nicht auf die Filme. Im Klartext bedeutet das, dass Pinhead, wie man ihn aus den Filmen kennt, in keiner der Geschichten auftaucht. Lediglich der „Proto-Pinhead“ der Novelle hat als einer der ursprünglichen Cenobiten einen Auftritt.

Der größte Unterschied zu den Comics, die in den 90ern und 2000ern erschienen, ist der Schwerpunkt. Die Comics erforschten und erweiterten, basierend auf den Filmen, die Hellraiser-Mythologie, erklärten das Labyrinth, Leviathan, die Funktion der Cenobiten etc. Die in „Hellbound Hearts“ versammelten Kurzgeschichten setzen sich dagegen eher mit der Hellraiser-Thematik auseinander. Zwar tauchen der nur allzu bekannte Lemarchand-Würfel und die Cenobiten durchaus in einigen der Erzählungen auf, andere dagegen knüpfen eher an Barkers Motive an: Schmerz und Lust, die Faszination von Puzzeln und Rätsel, die Tore zur Hölle öffnen etc. Zu diesem Zweck haben die Herausgeber einige durchaus namhafte Autoren versammelt, darunter Peter Atkins, der die Drehbücher der Hellraiser-Filme 2 bis 4 verfasste, Tim Lebbon, ein Autor des SW-EU, Barbie Wilde, die in „Hellbound: Hellraiser II“ den „Female Cenobite“ verkörperte und seither auch als Horror-Autorin von sich reden machte, sowie Neil Gaiman, der zusammen mit Dave McKean einen graphischen Beitrag lieferte, der leider auf dem Papier der Taschenbuchausgabe optisch nicht besonders gut rüberkommt.

Wie schon bei Clive Barkers Novelle und den darauf basierenden Filmen sollte man auch hier mit expliziten Inhalten rechnen: Das Hellraiser-Franchise ist weder in Bezug auf Sex noch Gewalt zurückhaltend oder subtil, Schmerz und Lust als zwei Seiten derselben Münze ziehen sich als roter Faden durch die Kurzgeschichtensammlung (und durch das komplette Franchise). Es gibt jedoch die eine oder andere Geschichte, bei der man sich als Leser fragt, was sie in diesem Band verloren hat. Primär betrifft das „Bulimia“ von Richard Christian Matheson; diese Erzählung hat nicht einmal thematisch einen wirklichen Bezug zu „The Hellbound Heart“ und wirkt fehl am Platz. Auch „‘tis Pity he’s Ashore“ (Chaz Brenchley) hat bestenfalls marginal etwas mit Barker zu tun und hinterlässt als letzte Geschichte des Bandes keinen guten Eindruck. Als Finale hätte sich die vorletzte Geschichte, „However…“ von Gary A. Braunbeck und Lucy A. Snyder weitaus besser geeignet, da es sich dabei um eine klassische Hellraiser-Geschichte mit nettem Twist handelt. Ebenfalls durchaus gelungen sind die thematisch ähnlichen Geschichten „The Confessor’s Tale“ (Sara Pinborough) und „Our Lord of Quarters“ (Simon Clark), die eine historische Herangehensweise wählen und von dämonischen Vorkommnissen in der Vergangenheit erzählen.

Einige der Geschichten, etwa „A Little Piece of Hell“ (Steve Niles), „The Promise“ (Nancy Kilpatrick) oder die bereits erwähnte „However…“ bewegen sich inhaltlich näher an Barker und thematisieren ein Zusammentreffen mit den Cenobiten, versuchen dem Konzept aber, mit mal mehr, mal weniger großem Erfolg, einen Twist abzugewinnen. Zu den Geschichten, die sich eher mit der Thematik von „The Hellbound Heart“ auseinandersetzen, gehören u.a. Tim Lebbons „Every Wrong Turn“ und Neil Gaimans „Wordworth“, die beide sehr gelungen sind und Hellraiser-Feelinge wecken, ohne sich der spezifischen Elemente des Franchise zu bedienen. Ein weiteres Highlight findet sich in Barbie Wildes „Sister Cilice“, die vom (leicht verstörenden) Werdegang eines Cenobiten erzählt.

Fazit: Obwohl nicht alle Geschichten gelungen sind, lohnt sich die Anschaffung von „The Hellbound Heart“ für den Hellraiser-Fan durchaus; es gibt genug Erzählungen, die die Thematik von Clive Barkers „The Hellbound Heart“ auf gelungene Weise fortsetzen – auch ohne Pinhead.

Siehe auch:
Hellraiser
Pinhead
The Scarlet Gospels

Aktuell: Das Tor zur Hölle öffnet sich im Heimkino

Halloween 2015
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Nach Jahren des Wartens kommen nun die ersten drei Hellraiser-Filme ungeschnitten in einer luxuriösen Sonderedition (inklusive der Barker-Kurzfilme „Salomé“ und „The Forbidden“ und Bonusmaterial in Form von Featurettes und Interviews) auf Blu-Ray heraus. Für Fans der Filmreihe (wie mich) ist das natürlich ein sehr freudiges Ereignis, das allein wäre allerdings noch kein Grund, dem extra diesen Artikel zu widmen. ABER ich bin an dieser Veröffentlichung (wenn auch nur im Kleinen) beteiligt, denn zu ihr gehört ein umfassendes Booklet, dessen Texte zum Großteil von mir bzw. aus diesem Blog stammen – weshalb ich denke, dass es gerechtfertigt ist, das hier auch zu erwähnen.

Besagte Sonderedition erscheint voraussichtlich am 6. November in zwei Fassungen (normal und limitierte Lacquered Velvet Edition mit zusätzlichem Material wie Poster und Sammelkarten) und kann bei BMV-Medien bestellt werden (da die Hellraiser-Filme ab 18 sind, ist selbstverständlich ein Altersnachweis vonnöten).

The Scarlet Gospels

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Clive Barkers „The Scarlet Gospels“ ist nun schon seit mindestens zehn bis zwanzig Jahren in Planung. Die Natur des Werkes in Form und Inhalt änderte sich dabei konstant. Ich glaube, es verdankt seine Entstehung letztendlich Barkers Unzufriedenheit mit den diversen Hellraiser-Sequels und speziell der Art und Weise, wie diese mit Pinhead umgingen. Schon diesen Namen des „Lead Cenobite“ konnte Barker nie leiden – ursprünglich war es ein Spitzname, den ihm Fans verliehen hatten, der anschließend von offizieller Seite übernommen wurde. Und bekanntermaßen frustrierte ihn jedes weitere Hellraiser-Sequel nur noch mehr, was durchaus nachvollziehbar ist.

„The Scarlet Gospels“ begann als Kurzgeschichte bzw. Novelle, die „The Hellbount Heart“ fortsetzen sollte, das Ganze wuchs aber rasch zu einem Roman heran, der Barkers Aussage nach Himmel, Hölle und alles dazwischen umspannen sollte; er wollte Pinheads wahren Namen offenbaren und die Geschichte der Hölle und des Cenobiten-Ordens detailliert darstellen. Außerdem sollte Pinhead auf Harry D’Amour, einem übersinnlichen Detektiv, dessen Barker sich in mehreren seiner Geschichten bediente, treffen. Das erste Manuskript wurde dann schließlich um 2010 herum fertig und war wohl ziemlich massiv, weshalb Barker seine ursprünglichen Absichten radikal kürzte. 2015 ist „The Scarlet Gospels“ nun erschienen und handelt letztendlich vom Zusammentreffen von Pinhead und Harry D’Amour – Pinhead hat vor, die Herrschaft in der Hölle zu übernehmen und startet einen Rücksichtslosen Feldzug, um magische Macht zu sammeln. Harry wird eher unfreiwillig Zeuge der Pläne des Cenobiten und lernt, dass er noch eine Rolle zu spielen hat…

Ich muss sagen, ich hatte verdammt hohe Erwartungen an „The Scarlet Gospels“, ich hatte mir so etwas wie die definitive Auseinandersetzung mit „Hellraiser“ und seiner Thematik vorgestellt. Leider ist das Endprodukt gerade in dieser Hinsicht sehr enttäuschend. Der Roman ist nicht per se schlecht, liest sich angenehm und funktioniert ganz gut als Horror- bzw. Dark-Fantasy-Roman. Leider hat das Ganze kaum etwas mit „Hellraiser“ oder „The Hellbound Heart“ zu tun. Die Lament-Configuration und Lemerchand werden zu Anfang eher alibimäßig kurz erwähnt und Pinhead kommt natürlich vor. Das Problem ist allerdings, dass es nicht Pinhead sein müsste. Barker hätte genauso gut einen neuen, machthungrigen Dämonen erfinden können und der Roman hätte inhaltlich nichts verloren. Es ist auch relativ unklar, worauf „The Scarlet Gospels“ nun eigentlich aufbaut – am ehesten ist das noch der erste Hellraiser-Film, denn zu „The Hellbound Heart“ gibt es weder inhaltlich noch thematisch Verbindungen, und selbst zu „Hellraiser“ nur insofern, als dass der Roman Pinhead als doch recht stereotypen Schurken benutzt.

Die Hintergründe, die Barker für „Hellbound: Hellraiser II“ erdachte, spielen überhaupt keine Rolle, es gibt keinen Leviathan und kein Labyrinth, stattdessen ist die Hölle, in die Harry D’Amour und seine Freunde, die Harrowers letztendlich hinabsteigen, viel eher christlich geprägt und erinnert an eine bösartige Version des alten Rom. Am Ende der Geschichte taucht sogar tatsächlich Luzifer, dessen Macht Pinhead zu okkupieren versucht, selbst auf. Die kreative und distinktive Gestaltung der Hölle, die die Faszination von „Hellbound: Hellraiser II“ ausmachte, fehlt letztendlich ebenso wie die Lust/Schmerz-Thematik und die absolute Amoralität der Cenobiten; wir erinnern uns, in „Hellraiser“, und mehr noch in „The Hellbound Heart“ waren sie eher Instanzen denn Schurken; „angels to some, demons to others“. Pinhead bleibt in „The Scarlet Gospels“ als Antagonist völlig flach, im Grunde erfahren wir nichts über ihn, auch nicht seinen wahren Cenobiten-Namen, nicht einmal der Name seines menschlichen Selbst (Elliot Spencer) fällt. Und gerade die Subtilität, die Pinhead sonst durchaus an den Tag legt, fehlt hier völlig, stattdessen erinnert er eher an die entfesselte Version der Figur aus „Hellraiser 3: Hell on Earth“.

Für jemanden, der mit dem Hellraiser-Franchise nicht oder nur marginal vertraut ist, könnte „The Scarlet Gospels“ durchaus interessant und spannend sein. Es gibt ein paar nette und kreative Ideen, Harry ist als Protagonist durchaus brauchbar, wenn auch etwas heruntergekommen und hin und wieder ein wenig unsympathisch, und wen eine ordentliche Portion Splatter nicht stört (oder wer sie sogar willkommen heißt), könnte sich mit Barkers jüngstem Werk ganz gut unterhalten. Leider kommt es über „ganz nett“ niemals hinaus. Obwohl „The Scarlet Gospels“ weitaus dicker ist als „The Hellbound Heart“, bleibt Letzteres das weitaus gelungenere Werk; mehr Tiefe, mehr philosophische Idee, schnörkellos und grandios umgesetzt.

Fazit: „The Scarlet Gospels“ ist leider eine Enttäuschung. Barkers Roman ist ganz nette Dark-Fantasy-Lektüre für Zwischendurch, taugt aber weder als thematische oder inhaltliche Fortsetzung von „The Hellbound Heart“ oder „Hellraiser“, noch als definitives Werk über Pinhead.

Pinhead

Halloween 2014
pinhead

„I cannot die. I am forever.“
– Pinhead in „Hellraiser Bloodline“

So ziemlich jede erfolgreiche Horrorfilmreihe mit einer Legion immer schlechter werdender Sequels führt ihren Erfolg auf ein ikonisches Monster zurück: „Nightmare on Elm-Street“ hat Freddy Krüger, „Freitag der 13.“ Jason Voorhees, „Halloween“ Michael Myers, „Saw“ hat Jigsaw und „Hellraiser“ hat Pinhead – wobei dieser in meinen Augen bei Weitem der Interessanteste aus dieser Liste der Horrorfilmantagonisten ist. Das liegt schon allein daran dass er, anders als zum Beispiel Michael Myers oder Jason Voorhees, keine tumbe Killermaschine ist. Darüber hinaus ist er auch kein richtiger Slasher und manchen Hellraiser-Filmen nicht einmal der Schurke. In der Tat ändert sich seine Rolle fast von Film zu Film. Dies alles rechtfertigt in meinen Augen eine gründliche Betrachtung der Figur.

The Hellbound Heart

„Weißt du überhaupt, wer wir sind?“
– Proto-Pinhead in Clive Barkers „The Hellbound Heart“ (dt. Titel: “Hellraiser”)

Wer Clive Barkers Novelle, auf der die Hellraiser-Filme basieren, nicht kennt, könnte sich darüber wundern, dass Pinhead, das Aushängeschild des Franchise, darin praktisch überhaupt nicht vorkommt, zumindest nicht so, wie man das erwarten würde. Besonders in Hinblick auf die deutsche Version (die, wie der Film, den Titel „Hellraiser“ trägt) ist dies ironisch, da Pinhead sich auf dem Titelbild befindet.
Die vier Cenobiten, die am Anfang beschrieben werden, entsprechen ungefähr ihren Filmpendants, aber eben nur ungefähr. Einer davon wird wie folgt beschrieben: „‚Verstehst du?‘, wollte die Gestalt neben dem ersten Sprecher schroff wissen. Diese Stimme klang, im Gegensatz zu der des Gefährten, hell und schnaufend – die Stimme eines aufgeregten Mädchens. Jeder Zentimeter des Kopfes war von der komplexen Tätowierung eines Gitters bedeckt, der Schädelknochen an jeder Kreuzung horizontaler und vertikaler Linien von einer edelsteinbesetzten Nadel durchbohrt.“ Mit diesem Cenobiten hat der Pinhead, der letztendlich im Film vorkommt, recht wenig zu tun, bis auf die Tatsache, dass beide Nadeln bzw. Nägel im Kopf haben. Gerade an der Stimme wird dies deutlich, da der Film-Pinhead mit einer sehr tiefen, sonoren Stimme spricht. Der in der Novelle beschriebene Cenobit ist auch nicht der Wortführer der Gruppe, alle anderen geben mehr von sich. Dass Pinhead im Film der wurde, der er ist, hat vor allem praktische Gründe: Das aufwendige Make-up erschwerte den anderen Cenobiten das Sprechen oder machte es unmöglich. Wie so oft sorgte ein Zufall dafür, dass eine Ikone geboren wurde.

Hellraiser

„We’ll tear your soul apart! “
– Pinhead in „Hellraiser”

Wie oben bereits geschildert entstand der eigentlich Pinhead erst für die Filmadaption von „The Hellbound Heart“. Da Clive Barker bereits schlechte Erfahrungen mit Verfilmungen seiner Werke gemacht hatte, beschloss er, bei der Leinwandadaption „The Hellbound Heart“ selbst zu Regie zu führen, sodass er den kreativen Prozess auch kontrollieren und dafür sorgen konnte, dass die Verfilmung seinen Vorstellungen entsprach. Das Design von Pinhead, inspiriert durch die S/M-Szene, den Punk und auch römischen Katholizismus, stammt wohl fast vollständig von Barker selbst.
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Pinhead-Entwurf von Clive Barker

Barker und der Schauspieler Doug Bradley waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit vielen Jahren gut Freunde – aus diesem Grund bot Barker Bradley eine verhältnismäßig kleine Rolle in seinem Film an, und zwar die des Anführers der Cenobiten. In der Tat entstand der Name „Pinhead“ erst nach dem Erscheinen von „Hellraiser“, im Abspann ist Doug Bradley als „Lead Cenobite“ aufgeführt.
Einflüsse auf die Konzeption der Figur gibt es viele. Barker wollte sich gezielt von den Monstern der Slasher-Filme der 80er distanzieren; Pinhead sollte weder ein stummer, tumber Killer wie Michael Myers oder Jason Vorhees sein, noch ein Sprücheklopfer wie Freddy Krüger. Stattdessen war die von Christopher Lee dargestellte Version von Dracula eine wichtige Inspiration, Pinhead sollte kultiviert, einschüchternd und stoisch wirken. Bradley selbst erzählte einmal in einem Interview, er sehe Pinhead als eine Mischung aus Oscar Wilde und Noël Coward. Von Barker bekam er die Anweisung, Pinhead als eine Mischung aus Chirurg und Verwalter zu spielen.
Betrachten wir nun einmal Pinheads Rolle im ersten Hellraiser-Film ein wenig genauer. Obwohl er die Posterfigur ist, handelt es sich bei Pinhead eindeutig nicht um den Schurken des Films, denn das ist Frank Cotton. Frank hegt Ambitionen, er ist aktiv und auch die direkte Bedrohung für Kirsty. Pinhead und die Cenobiten dagegen agieren nicht, sie reagieren nur. Sie planen nicht, sie verfolgen keine eigenen Absichten, sie kommen nur, wenn man die Puzzlebox öffnet und gleichen somit eher einer Institution, die lediglich für Menschen unverständliche Regeln befolgt. Gerade im ersten Film der Serie sind die Cenobiten eben eigentlich keine Dämonen oder höllische Wesen (trotz des Titels). Pinhead selbst sagt ja, sie seien „explorers in the further regions of expirience, demons to some, angels to others“. Wenn man „Hellraiser“ für sich betrachtet, sind sie lediglich Wesen aus einer anderen Dimension, nicht einmal primär böse, sondern nur vollständig amoralische Hedonisten, für die Lust und Schmerz unterschiedliche Wege zum selben Ziel sind.
Pinhead hebt sich gegenüber den anderen Cenobiten nur dadurch ab, dass er als ihr Wortführer fungiert, ansonsten hat er keine hervorgehobene Rolle, keinen Hintergrund oder ähnliches. Dennoch schafft es Doug Bradley durch seine stoisch-beeindruckende Präsenz, den Zuschauer sofort für sich einzunehmen. Nach dem Sehen des Film ist es trotz allem nicht Frank, der einem am meisten im Gedächtnis bleibt, sondern der Anführer der Cenobiten.

Hellbound: Hellraiser II

„It is not hands that call us, it is desire!”
– Pinhead in „Hellbound: Hellraiser II“

Bereits im ersten Sequel reagierte man auf die wachsende Beliebtheit Pinheads. Zwar wird er am Ende getötet (aber welche Horror-Ikone kann das schon aufhalten?), und anscheinend war der ursprüngliche Plan, Julia als immer wiederkehrende Schurkin zu verwenden, aber dennoch gibt „Hellbound: Hellraiser II“ Pinhead einen Namen und einen Hintergrund. Der Film beginnt mit einem Mann, der die Puzzlebox öffnet, von Ketten hineingezogen und anschließend in Pinhead verwandelt wird. Im Verlauf des Films findet Kirsty Cotton heraus, wer Pinhead war, bevor er zum Cenobiten wurde: Elliot Spencer, ein britischer Offizier, der nach dem ersten Weltkrieg den Glauben an die Menschheit verliert und deshalb letztendlich in den Besitz der Puzzlebox gelangt. Darüber hinaus erfährt der Zuschauer auch mehr über die Cenobiten an sich und die Dimension, aus der sie stammen. Bei dieser handelt es sich um ein gewaltiges Labyrinth (in gewissem Sinne die Hölle), über diesem schwebt Leviathan, der Herrscher des Labyrinths, in Gestalt einer gewaltigen, dreidimensionalen Raute. Obwohl das Ganze recht abstrakt ist, ist das Labyrinth der christlichen Hölle doch näher als alles, was im ersten Film auftaucht; Leviathan ist immerhin (zumindest dem Namen nach) eine dämonische Kreatur aus der Bibel. Auch scheint es ihm hier in der Tat darum zu gehen, so viele Seelen wie möglich im Labyrinth zu fangen.
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Die ursprünglichen Cenobiten in „Hellbound: Hellraiser II“ (von links nach rechts): Butterball (Simon Bamford), Pinhead (Doug Bradley), Female Cenobite (Barbie Wilde) und Chatterer (Nicholas Vince)

Pinhead selbst hat in „Hellbound: Hellraiser II“ zu Anfang dieselbe Funktion wie in Teil 1, er befolgt die Regeln. Dies zeigt sich vor allem bei seinem ersten Auftritt: Die Puzzlebox wird von einem Mädchen gelöst, das von seinen Psychosen (und so indirekt von ihrem Arzt Dr. Channard, der die Mysterien der Box erforschen möchte) dazu gezwungen wird. Als die Cenobiten sich Tiffany zuwenden wollen, hält Pinhead sie davon ab, da es nicht Hände seien, die sie riefen, sondern Verlangen.
Im Verlauf des Films wird Dr. Channard ebenfalls zu einem Cenobiten und damit zu Pinheads Gegenstück: Wo Pinhead sich an die Regeln hält (oder halten muss), kann Channard scheinbar problemlos verstümmeln und metzeln, wie es ihm beliebt. Letztendlich erinnert sich Pinhead an sein früheres Selbst, es kommt zur Konfrontation mit Channard, während der er zurückverwandelt wird, und schließlich sterben sowohl er als auch die anderen drei ursprünglichen Cenobiten.

Hellraiser III: Hell on Earth

„Down the dark decades of your pain, this will seem like a memory of Heaven.”
– Pinhead in “Hellraiser III: Hell on Earth”

Während die ersten beiden Hellraiser-Filme noch relative stark aufeinander aufbauten, ist der dritte bereits ziemlich losgelöst. Im Grunde sind, bis auf ein paar Anspielungen, Pinhead und die Puzzlebox die einzigen widerkehrenden Elemente. Zwar wurde Pinhead am Ende von „Hellbound“ getötet, aber wann hätte der Tod einer Figur die Studios je daran gehindert, einen Fortsetzung zu machen? Nachdem „Hellbound“ durchaus erfolgreich war, sich viele Fans aber über Pinheads Ableben beschwerten, wurde den Verantwortlichen klar, dass sie den nagelgespickten Cenobiten zurückbringen mussten. Zu diesem Zweck bauten sie auf dem Schlussgag des Vorgängers auf. Obwohl Channard ihm den Hals aufgeschlitzt hat, ist Pinhead noch nicht wirklich tot, vielmehr hat er sich aufgespalten: Seine menschliche Hälfte, Elliot Spencer, befindet sich in einer Art Limbo, während seine Cenobiten-Ich im sogenannten Pillar of Souls, der in den Besitz des Nachtclubbesitzers J. P. Monroe gerät, gefangen ist. Es kommt natürlich, wie es kommen muss: Mit Monroes nicht ganz freiwilliger Hilfe wird Pinhead befreit. Das Ganze ist nicht besonders logisch und wie genau es funktioniert, wird auch nicht erklärt, aber sei’s drum: Pinhead ist zurück.
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Captain Elliot Spencer (natürlich ebenfalls von Doug Bradley dargestellt)

Auffällig bei der Konzeption von Pinhead in diesem Film ist, dass er zum ersten und eigentlich auch einzigen Mal der alleinige Antagonist des Films ist, während Elliot Spencer als Mentor der Protagonistin Joey fungiert. Laut Spencers Erklärungen ist seine böse Seite nun frei und nicht mehr an die Gesetze der Puzzlebox gebunden, was von Pinheads Handlungen bestätigt wird: Nachdem er aus dem Pillar of Souls entkommen ist, massakriert er erst einmal die Besucher von J. P. Monroes Nachtclub (von denen eindeutig niemand die Puzzlebox gelöst hat) und bastelt sich neue Cenobiten, die im Vergleich zu den alten allerdings ziemlich uninteressant sind.
Zusammen mit seiner menschlichen Hälfte hat Pinhead in „Hell on Earth“ darüber hinaus auch seine stoische Präzision verloren, denn erstmals hat er so richtig Spaß bei dem was er tut und lacht sogar das eine oder andere Mal ziemlich bösartig.
Am Ende des Films wird er schließlich wieder mit seiner menschlichen Hälfte vereint und ist damit auch abermals den Gesetzen der Box unterworfen, will heißen, man kann ihn wieder zurück ins Labyrinth schicken, was Joey auch umgehend tut.
Noch eine interessante Beobachtung: Ab diesem und dem folgenden Film werden Pinhead und die anderen Cenobiten explizit als Dämonen bezeichnet.

Hellraiser: Bloodline

„Do I look like someone who cares what God thinks?“
– Pinhead in „Hellraiser: Bloodline“

Da es bei „Hellraiser: Bloodline“ so viele Unstimmigkeiten und Umschnitte gab, ist auch Pinheads Rolle schwerer zu definieren. Ursprüngliche sollte er nur einen sekundären Schurken spielen, der Fokus lag auf der Dämonen-Prinzessin Angelique. Das Studio wollte allerdings mehr von Pinhead, und das früher im Film. Letztendlich kommt Pinhead im fertigen Streifen zu Beginn kurz vor, für den ersten Akt ist allerdings nach wie vor Angelique die Hauptantagonistin, jedenfalls bis sie einen armen Tropf dazu bringt, die Puzzlebox zu lösen, was Pinhead auf den Plan bringt. In der fertigen Version des Films ist das Verhältnis zwischen Pinhead und Angelique aufgrund diverse Umschnitte relativ schwierig zu bewerten, während sie ursprünglich vor allem gegeneinander arbeiten sollten. Wie dem auch sei, ab der Hälfte des Films nimmt Pinhead im Grunde die Zügel in die Hand, sodass Angelique im dritten Akt nicht mehr viel zu tun hat. Pinheads emotionale Ausbrüche aus „Hell on Earth“ wurden jedenfalls wieder merklich zurückgefahren, er agiert wieder stoischer und „professioneller“.
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Angelique (Valentina Vargas), nachdem sie von Pinhead umgestaltet wurde

Obwohl er nun wieder den Gesetzen der Hölle unterworfen ist, scheint Pinhead nach wie vor eine Sonderstellung innezuhaben, so kann er immer noch nach eigenem Gutdünken neue Cenobiten basteln. Auch scheint sich die Funktion der Cenobiten, vor allem gegenüber dem ersten Teil, gewandelt zu haben. Sie reagieren nun nicht mehr einfach auf das Öffnen der Box, sie versuchen aktiv, eine stärkere Präsenz in der sterblichen Welt zu etablieren. Hinzu kommt mit Angelique eine „echte“ Dämonin, wir erfahren, wie Dämonen beschworen wurden, bevor es die Puzzlebox gab und Pinhead deutet an, dass das Labyrinth, wie wir es in „Hellbound“ gesehen haben, eventuell noch nicht sehr alt ist, denn er erklärt Angelique bei ihrem ersten Treffen: „Hell is more ordered since your time, princess. And much less amusing.“ Dies wirft natürlich die Frage auf, inwiefern das alles noch zu Clive Barkers ursprünglicher Version passt. Pinhead und Co. sind hier im Grunde nur noch böse Dämonen, die am Ende auf Hollywood-typische Art besiegt werden. Von der Finesse und Komplexität des ursprünglichen Konzepts bleibt da nicht mehr viel.

Hellraiser: Inferno

„Welcome to hell!“
– Pinhead in „Hellraiser: Inferno“

In den diversen Hellraiser-Direct-to-Video-Filmen wird Pinheads Rolle signifikant reduziert. Dies betrifft nicht nur die Anzahl und Dauer seiner Auftritte, sondern auch die Rolle, die er im Plot spielt. Ab „Hellraiser: Inferno“ arbeitet die Serie praktisch kaum mehr mit dem von Clive Barker geschaffenen Mythos, was primär daran liegt, dass in bereits existierende Drehbücher die Puzzlebox und ein kurzer Auftritt von Pinhead eingefügt wurde, da ein Hellraiser-Film nun einmal diese beiden Elemente braucht und man davon ausgehen kann, dass sich der Streifen mit einem Franchise-Namen einfach besser verkauft.
„Hellraiser: Inferno“ ist dabei zwar der Film, der noch am gelungensten ist, aber auch derjenige, in dem Pinheads Auftritt schlicht um unnötigsten ausfällt. Im Grunde tritt er am Ende für fünf Minuten auf, um dem Zuschauer die Zusammenhänge zu erklären, die dieser ohnehin schon kennt. Dabei ist er weder der Schurke wie in den Teilen 3 und 4, noch die Instanz aus den ersten beiden Filmen der Serie. Im Grunde ist er der Wächter der persönlichen Hölle des Protagonisten, in der dieser sich den ganzen Film über befindet und so gezwungen ist, dasselbe immer wieder zu erleben. Das Problem daran: Nachdem, was die bisherigen Filme etabliert haben funktioniert die Hölle (bzw. das Labyrinth) nicht auf diese Weise, ebenso, wie auch die Konzeption Pinheads in diesem Film absolut nicht zu den restlichen Filmen passt. Die moralische Rolle, die er hier einnimmt, ist absolut nicht mit der amoralischen Grundhaltung der Cenobiten im ersten Film zu vergleichen.

Hellraiser: Hellseeker

„Welcome to the worst nightmare of all… reality!.“
– Pinhead in „Hellraiser: Hellseeker“

Pinheads Rolle im sechsten Film der Reihe gleicht der in „Inferno“ – wieder ist er der Aspekt, der ein vorher selbstständiges Drehbuch zu einem Hellraiser-Film machen soll. Und abermals funktioniert das nicht wirklich. Neben dem nagelköpfigen Cenobiten und der Puzzlebox brachte man sogar Kristy Cotton zurück, die außer der Tatsache, dass sie wieder von Ashley Laurence gespielt wird, nichts mit der ursprünglichen Figur aus den ersten beiden Filmen zu tun hat.
In der Tat ist der Plot von „Hellseeker“ zum Teil sehr verworren, sodass man ohnehin nur schwer Motivationen bei den Figuren ausmachen kann. Was Pinhead angeht, dieser will wohl die offene Rechnung mit Kirsty aus den ersten Filmen begleichen, und bekommt dazu Gelegenheit, weil sie wieder die Puzzlebox öffnet bzw. von ihrem Mann (ein weiterer Arschloch-Protagonist) dazu gedrängt wird. Allerdings kann sie Pinhead davon überzeugen, einen Deal mit ihr einzugehen (schon wieder), indem sie ihm diverse andere Seelen, nämlich die ihres Mannes und seiner diversen Geliebten, anbietet. Dies zeigt abermals, dass sich die Macher von „Hellseeker“ nicht wirklich mit der Materie beschäftigt haben. Damit Pinhead auf besagte Seelen zugriff oder überhaupt ein Interesse an ihnen hätte, müssten sie selbst die Puzzlebox öffnen oder geöffnet haben und anschließend entkommen sein, so wie es bei Frank der Fall war.
Letztendlich läuft das Ganze auf dasselbe hinaus wie in „Inferno“: Der Zuschauer erfährt, zusammen mit dem Protagonisten, dass dieser sich schon den ganzen Film über in seiner eigenen, privaten Hölle befunden hat, und Pinhead ist derjenige, der ihm das erklären darf.

Hellraiser: Deader

„Dreams are fleeting. Only nightmares last forever!”
– Pinhead in „Hellraiser: Deader“

Im Grunde gibt es über „Deader“ dasselbe zu sagen wie über die beiden Vorgänger: Pinhead wurde nachträglich hinzugefügt. Dies merkt man schon daran, dass die Themen des Films, Unsterblichkeit und Nekromantie, mit denen von Clive Barkers Novelle nicht wirklich etwas zu tun haben.
Im Grunde sind Pinhead und die Cenobiten in „Inferno“, „Hellseeker“ und „Deader“ wieder eher Instanzen denn Schurken, aber offensichtlich hat sich niemand so genau damit auseinandergesetzt, wie sie funktionieren. Das gilt speziell für „Deader“, da es ohnehin niemanden mehr zu interessieren scheint, was die Box kann und was sie nicht kann. Im Grunde lassen sich sämtliche übernatürlichen Elemente nicht mit dem Hellraiser-Mythos vereinbaren.
Wenigstens ist die dieses Mal die Protagonistin nicht schon die ganz Zeit in ihrer eigenen, privaten Hölle gefangen. Trotzdem lässt sich Pinheads Funktion in diesem Film am besten mit den Worten „Expositions-Fee“ beschreiben. Er erklärt den löchrigen Plot und räumt am Ende auf, womit er technisch wieder gegen die Regeln des Labyrinths verstoßen würde, aber wen interessiert das überhaupt noch? In „Hell on Earth“ hat man sich wenigstens die Zeit genommen zu erklären, warum er Unbeteiligte niedermetzelt.
Letztendlich ist „Deader“ zwar nicht so unendlich dröge wie „Hellseeker“, hätte aber als Lovecraft-Film besser funktioniert denn als Hellraiser-Streifen – so ist Pinhead letztendlich ebenso fehl am Platz wie in „Inferno“

„Hellraiser: Hellworld“

„You still don’t understand, do you?”
– Pinhead in „Hellraiser: Hellworld“

Diese Frage könnte man auch an die Verantwortlichen hinter den Hellraiser-Filmen 5-8 stellen, gerade was Pinhead betrifft. In diesem Pseudo-Meta-Hellraiser-Film, bei dem sich die Autoren (wieder mal) nicht genug mit den ursprünglichen Filmen auseinandergesetzt haben, verkommt Pinhead endgültig zum Slasher. Zwar sind sich die Autoren und sogar die Figuren im Klaren darüber, dass Pinhead und die Puzzlebox so nicht funktionieren, aber trotzdem wird er nun einmal auf diese Weise eingesetzt. In der Tat handelt es sich bei jeder Pinhead-Sichtung außer der letzten um eine Illusion, was auch erklärt, weshalb der Cenobiten-Chef einfach Leute umbringt, ohne dass die Puzzlebox gelöst wurde.
Am Ende des Films tut dies schließlich der von Lance Henriksen gespielte Gastgeber und es stellt sich heraus, dass Pinhead tatsächlich existiert. Statt den Gastgeber allerdings mitzunehmen, wird er einfach von zwei völlig unkreativen Cenobiten in Stücke gehackt. Im Grunde lohnt es sich kaum zu erörtern, welche Rolle Pinhead in diesem Film spielt, seine Seinsberechtigung ist noch dünner als in den anderen Directo-to-DVD-Filmen der Serie.

„Hellraiser: Revelations“

„We have no desire for you.”
– Pinhead in „Hellraiser: Revelations“

Ein besseres Zitat zu diesem Film, der nur gedreht wurde, damit Dimension die Rechte am Hellraiser-Franchise behalten konnte, kann man wahrlich nicht finden. Dies zeigt sich schon allein daran, dass Doug Bradley, der selbst bei „Hellworld“ noch Pinhead spielte, sich weigerte, an diesem Machwerk teilzuhaben – im Vergleich zu „Revelations“ ist selbst „Hellworld“ noch ansehbar.
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Stephan Smith Collins als Pinhead-Actionfigur

Beim Skript handelt es sich um Grunde um eine abgewandelte Version des Originals, inklusive hautlosem Onkel-Frank-Ersatz, und somit ist auch Pinheads Rolle im Grunde dieselbe wie im ersten Film. Betrachten wir also lieber Doug Bradleys Nachfolger, Stephan Smith Collins, denn bei seinem Pinhead stimmt leider gar nichts. Er hat keine Ausstrahlung, kein Charisma, Kostüm und Make-up wirken, als handle es sich um eine Pinhead-Action-Figur und die Stimme (von Fred Tatatsciore) ist ebenfalls absolut nicht einschüchternd. Über diese Version von Pinhead breitet man lieber den Mantel des Schweigens.

Pinhead außerhalb der Filme

„I require a new arrangement. I require something…greater.”
– Pinhead in „Clive Barker’s Hellraiser: Pursuit of the Flesh“

Nach dem Erfolg der ersten Hellraiser-Filme dauerte es nicht lange, bis die Geschichte um die mysteriöse Puzzlebox auch in comicform fortgesetzt wurde. In der Tat gibt es ziemlich viel Material, diverse länger laufende Serien, Miniserien, Filmadaptionen, Crossover etc. Viele davon erhielten sogar mehr Input von Clive Barker als die meisten Hellraiser-Sequels. Ich habe leider nur einen Bruchteil dieser Comics gelesen, allerdings taucht Pinhead in ihnen eher selten auf, die Comics haben es sich vornehmlich zum Ziel gesetzt, dass Hellraiser-Universum zu erforschen, es werden neue Cenobiten eingeführt und Konzepte erforscht, die man in den Filmen nicht darstellen konnte oder wollte. Als Vorzeige-Cenobit zeigt Pinhead dennoch hin und wieder sein Gesicht und erhielt sogar seine eigene, sechsteilige Miniserie (die ich nicht mein Eigen nenne, weshalb ich nicht weiß, wie sie ihn darstellt).
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Kirsty Cotton als weiblicher Pinhead

Seit 2011 gibt es darüber hinaus eine neue Serie namens „Clive Barker’s Hellraiser“, die vom Erfinder des Franchise zumindest mitverfasst wurde und in der Pinhead wieder eine bedeutende Rolle spielt. In dieser Serie scheint er seiner cenobitischen Existenz überdrüssig zu werden tauscht schließlich den Platz mit Kirsty Cotton, die zu einem neuen, weiblichen und in weiß gewandeten Pinhead wird.
In der Popkultur ist Pinhead natürlich ebenfalls häufig zu finden, fungiert er doch als Vorzeigefigur des Franchise. Als solche hat er sich auch schon einige Male in „Die Simpsons“, bei „Family Guy“, „Robot Chicken“, „South Park“ oder ähnliche Formaten blicken lassen und wurde auch schon anderweitig parodiert, etwa in „The Cabin in the Woods“ – dort tritt eine vertraute Gestalt auf, die statt Nägeln allerdings ein Sägeblatt im Kopf hat.

Things to come…

„We have such sights to show your.”
– Pinhead in „Hellraiser“

Gegenwärtig sind zwei größere Hellraiser-Projekte angekündigt. Zum einen wäre da „The Scarlet Gospels“, ein Romanprojekt, das Clive Barker schon vor einiger Zeit ankündigte und das nun, den Informationen auf Barkers Internetseite zufolge, 2015 erscheint. In diesem sollen nicht nur die Hintergründe der Cenobiten und der Hölle erforscht werden, es soll auch Pinheads Ende enthalten.
Und schließlich ist schon seit längerer Zeit ein Hellraiser-Remake/Reboot angekündigt. 2013 ließ Clive Barker dann überraschend verlauten, er selbst werde Regie führen und Doug Bradley werde ebenfalls als Pinhead zurückkehren. Seither ist es an dieser Front allerdings ruhig geworden.
Sollte es wirklich dazu kommen, und sollte Doug Bradley doch nicht mehr den Anführer der Cenobiten spielen wollen/können (der Gute ist immerhin auch nicht mehr der Jüngste), wäre meine Wahl für Pinhead Benedict Cumberbatch. Er hat das Charisma, die nötige Präsenz und, vor allem, die Stimme. In „Star Trek Into Darkness“ zitiert er Pinhead sogar und klingt fast gleich: „Shall we begin?“

Fazit:
Pinhead ist ohne Zweifel eine Ikone des Horror-Films, die nicht nur auf einer Stufe mit Freddie Kruger und Jason Vorhees steht, sondern diese durch seine interessante und einzigartige Konzeption sogar übertrifft. Und obwohl Pinhead ebenfalls das Aushängeschild seiner Filmserie ist, ändert sich die Rolle, die er spielt, von Film zu Film. Das faszinierende ist, dass Pinhead als Figur so vielschichtig ist, dass er sowohl als emotionslose Instanz als auch als manischer Schurke funktionieren kann.

Halloween 2014:
Only Lovers Left Alive

Siehe auch:
Hellraiser
Hellbound: Hellraiser II
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Bloodline
Hellraiser: Inferno
Hellraiser: Hellseeker
Hellraiser: Deader
Hellraiser: Hellworld
Hellraiser: Revelations

Hellraiser: Hellworld

Halloween 2013
Hellworld
Story: Die Jugendlichen Chelsea (Katheryn Winnick), Jake (Christopher Jacot), Derrick (Khary Payton), Mike (Henry Cavill), Allison (Anna Tolputt) und Adam (Stelian Urian) sind alle enthusiastische Spieler des Online-Rollenspiels „Hellworld“, das auf den Hellraiser-Filmen basiert. Adam kann allerdings nicht mehr zwischen Spiel und Wirklichkeit unterscheiden und begeht Selbstmord, woraufhin seine Freunde dem Spiel abschwören.
Zwei Jahre später veranstaltet jedoch ein mysteriöser Gastgaber (Lance Henriksen) eine Hellraiser-Party, zu der alle Freunde eingeladen sind. Schon bald geschehen allerdings merkwürdige Dinge, denn Pinhead (Doug Bradley) und die Cenobiten scheinen ihr Unwesen zu treiben, und auch der Gastgeber ist nicht, was er zu sein scheint…

Kritik: Da ich letztes Jahr die Halloween-Artikel mit der Rezension zum ersten Hellraiser-Film eröffnete, ist es wohl nur passend, wenn die Eröffnung dieses Jahr meine Hellraiser-Reviews abschließt. „Hellworld“ ist zwar nicht der letzte Film der Reihe, aber immerhin der letzte, in dem Doug Bradley Pinhead spielt und Rick Bota Regie führt – Letzteres ist allerdings nicht unbedingt bedauernswert. In der Tat entstand „Hellworld“ zeitgleich mit „Deader“, beide wurden wegen der niedrigen Kosten in Rumänien gedreht und für Bradley und Bota war es sicher praktisch.
Insgesamt ist „Hellworld“ ein ziemlich merkwürdiges Konglomerat. Das Cover verkündet vollmundig „Evil goes online“, und das Bild von Pinhead sieht aus, als würde dieser sich anschicken, in der Matrix sein Unwesen zu treiben. Damit hat der Film allerdings kaum etwas zu tun, denn die Cenobiten unterwandern in diesem Streifen nicht das Internet. In gewissem Sinne ist „Hellworld“, zumindest theoretisch, ein Meta-Hellraiser-Film; er spielt nicht in derselben Kontinuität wie die anderen sieben Filme, denn in „Hellworld“ existiert „Hellraiser“ (in erster Linie die Filme, wohl auch die Novelle von Clive Barker) als Fiktion. Der Aufhänger ist ein fiktives, auf der Filmserie basierendes MMORPG, auf das sich das Cover der DVD bezieht, das aber eben nicht mehr als ein Aufhänger ist und das man auch einfach hätte weglassen können. Die Ideee eines Meta-Hellraiser-Films ist natürlich durchaus reizvoll, wird in „Hellworld“ aber letztendlich nicht ausgeschöpft, denn im Kern ist Rick Botas dritter Hellraiser-Film ein ziemlich simpler Teenie-Slasher. Wenn man das gesamte Drumherum ignoriert, bleibt eine Gruppe Teenager auf einer Party, die nach und nach von einem mysteriösen Killer dezimiert wird, bis nur noch zwei übrig sind, die es schaffen, den Killer zu überwinden. Das Drehbuch ist das eines zweitklassigen Horror-Films, in das ein weiteres Mal ein paar Hellraiser-Elemente eingefügt wurden. Mit Clive Barkers ursprünglichem Werk hat das Ganze kaum noch etwas zu tun, „Hellworld“ ist nur ein Hellraiser-Film, weil er sich als solcher besser verkauft.
Wenigstens gibt es mit Lance Henriksen und Doug Bradley zwei Schauspieler, die in ihren Rollen überzeugen können, die restlichen Darsteller bleiben überwiegend farblos. Fans des neuen Superman Henry Cavill finden hier eine seiner ersten Rollen – als Mann aus Stahl macht er allerdings eine weitaus bessere Figur als als Opfer der Cenobiten.
Fazit: Zweitklassiger Teenie-Slasher, der nur aus Vermarktungsgründen ein Hellraiser-Film ist. „Hellworld“ wäre zusammen mit „Hellseeker“ der Tiefpunkt der Serie, gäbe es da nicht „Hellraiser: Revelations“.

Halloween 2013:
Prämisse
Geschichte der Vampire: The Vampyre
American Horror Story: Asylum

Siehe auch:
Hellraiser
Hellbound: Hellraiser II
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Bloodline
Hellraiser: Inferno
Hellraiser: Hellseeker
Hellraiser: Deader
Hellraiser: Revelations

Hellraiser: Deader

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Story: Die Reporterin Amy Klein (Kari Wuher) ermittelt in Bukarest wegen eines merkwürdigen Kultes, der mörderische Rituale auf Video aufnimmt und angeblich die Toten wiederauferwecken kann. Die sogenannten „Deaders“ werden vom ominösen Winter (Paul Rhys) angeführt, der behauptet, die Grenze zwischen Leben und Tod überwunden zu haben. Natürlich spielt dabei auch eine gewisse Puzzlebox eine Rolle, durch die Pinhead (Doug Bradley) und die Cenobiten auf den Plan gerufen werden…

Kritik: Rick Botas zweiter Hellraiser-Film ist praktisch eine Mischung aus „Hellraiser III: Hell in Earth“ und „Hellraiser: Hellseeker“. Gegenüber Letzterem ist er eine eindeutige Verbesserung; im Gegensatz zu „Inferno“ und „Hellseeker“ ist die Protagonistin von „Deader“ wenigstens kein absolutes Arschloch, sondern jemand, mit dem der Zuschauer durchaus mitfiebern kann – sie erinnert ein wenig an Joey Summerskill. Beide sind Reporterinnen, die sich mit merkwürdigen, durch die Puzzlebox ausgelösten Ereignissen auseinandersetzen müssen. Obwohl „Hellseeker“ strukturell durchaus an die beiden direkten Vorgänger erinnert – Pinhead hat erst am Schluss seinen großen Auftritt und zuvor hat der Protagonist Probleme, Realität von Wahn zu unterscheiden – ist das Ergebnis ein anderes, denn Amy befindet sich nicht schon die ganze Zeit lang in ihrer eigenen, privaten Hölle.
„Hellseeker“ fehlt zwar die Symbolik und die Atmosphäre von „Inferno“, der Film ist allerdings bei Weitem spannender und sehr viel weniger dröge als „Hellseeker“. Allerdings merkt man auch dem siebten Film der Serie an, dass er auf einem Drehbuch basiert, das nicht ursprünglich als Hellraise-Drehbuch konzipiert war. Gerade die Deaders wirken irgendwie fehl am Platz, da Unsterblichkeit und Nekromantie eigentlich keine Themen sind, die im Hellraiser-Franchise eine große Rolle spielen – es geht eher um Lust und Schmerz. So wirkt die Verbindung zur Puzzlebox auch recht ungeschickt. Der von Paul Rhys gespielte Winter ist ein weiteres Zugeständnis an den Hellraiser-Mythos, da er von Pinhead als Nachfahre Philipe Lemerchands identifiziert wird – die Verknüpfung wirkt allerdings ebenfalls sehr erzwungen.
Schauspielerisch überzeugt vor allem Kari Wuher, Rhys bleibt in seiner Rolle recht blass und uninteressant. Doug Bradley holt wie üblich alles raus, was aus seinen fünf Minuten Leinwandzeit herauszuholen ist. Ebenso auffällig wie schade ist, dass alle anderen Cenobiten außer Pinhead zur puren Staffage werden, in diesem Film fast noch stärker als im Letzten. Sie tauchen zusammen mit Pinhead auf, sind aber zu nichts mehr nütze, und darüber hinaus nur noch billige Kopien der ursprünglichen Cenobiten.
Fazit: „Hellraiser: Deader“ ist eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger und funktioniert als netter kleiner Mysterythriller noch ganz gut, ähnlich wie bei „Inferno“ und „Hellseeker“ wirken die Verbindungen zur Hellraiser-Mythologie allerdings erzwungen.

Trailer

Siehe auch:
Hellraiser
Hellbound: Hellraiser II
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Bloodline
Hellraiser: Inferno
Hellraiser: Hellseeker
Hellraiser: Hellworld
Hellraiser: Revelations

Hellraiser: Bloodline

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Story: Im Jahr 2127 versucht Paul Merchant (Bruce Ramsay) auf einer Raumstation, Pinhead (Doug Bradley) und die Cenobiten in eine Falle zu locken, allerdings wird er von einer Gruppe Sicherheitsleute gestört. Eine von ihnen, Rimmer (Christine Harnos), soll ihn verhören. Um sie von seinem Vorhaben zu überzeugen erzählt Merchant ihr von seiner Familiengeschichte: Sein Vorfahre Philippe Lemerchand (ebenfalls Bruce Ramsay) war derjenige, der im 18. Jahrhundert die erste Puzzlebox erschuf, mit deren Hilfe der Magier De L’Isle (Mickey Cottrell) die Dämonin Angelique (Valentina Vargas) beschwor, die seine Familie seither heimsucht. Zweihundert Jahre später versuchte ein weiterer Vorfahr, John Merchant (zum dritten Mal Bruce Ramsay), die Puzzlebox unschädlich zu machen, scheiterte jedoch. Kann es Paul gelingen, das Ganze zu Ende zu bringen?

Kritik: Zum vierten Hellraiser-Film habe ich ein äußerst zwiespältiges Verhältnis. Einerseits ist er, trotz großem Potential, eine mittlere Katastrophe, andererseits ist er aber auch der erste Hellraiser-Film, den ich gesehen habe, und letztendlich ist meine intensive Beschäftigung mit dem Franchise auf ihn zurückzuführen, darum werde ich wohl immer eine gewisse Schwäche für ihn haben.
„Hellraiser: Bloodline“ beinhaltet wieder mehr Input von Clive Barker als der Vorgänger. Abermals schrieb Peter Akins das Drehbuch, während Kevin Yagher Regie führte. „Bloodline“ sollte ein epochaler Film werden, der sowohl den Anfang als auch das Ende der Puzzlebox und der Cenobiten erzählt und somit die Reihe beendet. Ursprünglich war sogar ein Zeitreiseplot geplant, doch wie so oft mischte sich das Studio ein, mit katastrophalem Ergebnis, denn es begann, den Film hinter Yaghers Rücken umzuschneiden. Yagher verließ wütend die Produktion, ohne den Film fertiggestellt zu haben und distanzierte sich von ihm, die fehlenden und neugeschriebenen Szenen wurden von Joe Chappelle gedreht und im Abspann steht das Pseudonym „Alan Smithee“.
Auch ohne die Zeitreiselemente sind noch viele der interessanten ursprünglichen Ideen enthalten, die zeigen, wie „Hellraiser: Bloodline“ hätte sein können. Der Film erinnert an eine Anthologie und spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen: Er schildert die Entstehung der Puzzlebox im 18. Jahrhundert, setzt in der Gegenwart (also 1995) dort an, wo „Hellraiser III: Hell on Earth“ endete und erzählt schließlich das Ende der Cenobiten in der Zukunft. Die gesamte Idee der Cenobiten im Weltall ist leider eher suboptimal, Pinhead und Konsorten wirken an Bord einer Raumstation ziemlich fehl am Platz, und darüber hinaus merkt man leider nur allzu gut, wie eingeschränkt das Effektbudget war. Umso gelungener sind dafür die Rückblicke – oder wären es, hätte man sie nicht gnadenlos verstümmelt. Mit der von Valentina Vargas gespielten Angelique wird der Figurenriege erstmals ein wirklich interessanter Dämon/Cenobit hinzugefügt, der Pinhead auf Augenhöhe begegnet. Im ursprünglichen Skript konkurrieren die beiden viel stärker miteinander. Gewisse Reste sind im fertigen Film zwar noch vorhanden, doch die Feindschaft wirkt nun ziemlich unausgegoren, da sie kaum beleuchtet wird. Ganz allgemein fehlt einfach zu viel, was zur Folge hat, dass die Geschichte merkwürdige Sprünge macht oder schlicht unlogisch ist. Exemplarisch hierfür ist der Tod des Duc de L’Isle: In der ursprünglichen Version war sein Ableben gut begründet und ein wichtiger Teil der Handlung, in der endgültigen Schnittfassung ist er plötzlich einfach tot. Auf Youtube findet sich sogar ein Fan-Cut, in dem viele der geschnittenen Szenen eingefügt sind, durch welche der Film um einiges logischer wird.
Dennoch gibt es auch einiges an Positivem, das erwähnenswert ist. Sowohl Bruce Ramsay als auch Valentina Vargas machen in ihren Rollen eine sehr gute Figur, und Doug Bradley legt sogar einen seiner besten Auftritte als Pinhead hin. Die Teile der Geschichte, die im Frankreich des 18. Jahrhunderts spielen sind darüber hinaus sehr atmosphärisch und, trotz der Verstümmelung, ziemlich interessant.
Die Musik komponierte dieses Mal Daniel Licht, vor allem bekannt für seine Soundtracks zur Showtime-Serie „Dexter“. Sein Score ist zurückhaltender und subtiler als der von Randy Miller, allerdings auch recht unspektakulär. Dennoch tauchen abermals die großartigen Themen von Christopher Young auf – leider zum letzten Mal innerhalb der Reihe.
Fazit: „Hellraiser: Bloodline“ besitzt enormes Potential, wurde jedoch vom Studio brutal verstümmelt. Dank Doug Bradley und Valentina Vargas gibt es dennoch viele gelungene Augenblicke; in gewissem Sinn ist „Bloodline“ der letzte „richtige“ Hellraiser-Film.

Trailer

Siehe auch:
Hellraiser
Hellbound: Hellraiser II
Hellraiser III: Hell on Earth
Hellraiser: Inferno
Hellraiser: Hellseeker
Hellraiser: Deader
Hellraiser: Hellworld
Hellraiser: Revelations