Lovecrafts Vermächtnis: Dreams in the Witch-House

witchhouse
In den frühen 2000er-Jahren lief auf dem amerikanischen Kabelsender Showtime eine Anthologieserie mit dem Titel „Masters of Horror“. Jede der knapp einstündigen Folgen, die eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, wurde von einem mehr oder weniger prominenten Regisseur des Genres inszeniert, darunter auch Größen wie John Carpenter oder Dario Argento – der Titel der Serie bezieht sich primär auf diesen Umstand. Viele der Folgen basieren darüber hinaus auf den Werken literarischer Meister des Horrors, darunter Clive Barker, Edgar Allan Poe und natürlich auch H. P. Lovecraft. Tatsächlich handelt es sich bereits bei der zweiten Folge um eine Adaption einer Lovecraft-Geschichte. Verantwortlicher Regisseur und, zusammen mit Dennis Paoli, auch Drehbuchautor ist Stuart Gordon, der bereits andere Werke Lovecrafts adaptiert hat, wenn auch nicht mit allzu großem Erfolg.

Nach „Herbert West – ReAnimator“ und „The Shadow over Innsmouth“ bzw. „Dagon“ widmete sich Gordon für „Masters of Horror“ der Kurzgeschichte „The Dreams in the Witch House“, einem meiner bescheidenen Meinung nach eher unebenen Werk des Schriftstellers aus Providence. Während die Konzeption durchaus interessant ist, schafft es die Geschichte nicht, über die Summe ihrer Teile hinauszuwachsen. In ihr versuchte Lovecraft, klassische Topoi der Schauerliteratur bzw. des europäischen und nordamerikanischen Hexenmythos mit kosmischem Horror und Proto-Science-Fiction zu verbinden. Die Hexe Keziah Mason (eine der wenigen weiblichen Figuren, die bei Lovecraft eine wichtige Rolle spielt) benutzt nicht wirkliche Magie, um Zeit und Raum zu durchqueren, sondern extrem fortgeschrittene Mathematik und non-euklidische Geometrie und die satanartige Figur, der sie ihre Seele verschrieben hat, ist Nyarlathotep, der Bote der Äußeren Götter. Mit ein wenig mehr Feinschliff hätte „The Dreams in the Witch House“ eine wirklich gute kosmische Horrorgeschichte werden können. In manchen Fällen schafft ein Medienwechsel dann ja auch durchaus die Gelegenheit, das zugrunde liegende Werk zu optimieren. Leider ist das hier nicht der Fall.

Insgesamt ist „Dreams in the Witch-House“ etwas besser gelungen als Gordons nur wenige Jahre zuvor entstandene Lovecraft-Verfilmung „Dagon“, aber das sagt leider nicht allzu viel aus. Zumindest was die oberflächliche Handlung angeht, hält sich Gordon verhältnismäßig genau an die Vorlage: Der Student Walter Gilman (Ezra Godden, der bereits in „Dagon“ die Hauptrolle spielte) sucht eine billige Bleibe, um für sein Abschlussexamen zu lernen, und landet schließlich im Dachgeschoss eines alten Hauses, das früher von der Hexe Keziah Mason (Susanna Uchatius) bewohnt wurde. Schon bald plagen ihn schlimme Albträume, er schlafwandelt, sieht Ratten mit menschlichen Gesichtern und schließlich erscheint ihm auch die Hexe selbst. Anders als die Vorlage spielt die Adaption nicht in den 20ern, sondern in der Gegenwart (bzw. den frühen 2000ern), sodass Gilman mit einem Laptop arbeitet und sich statt mit non-euklidischer Geometrie mit der String-Theorie auseinandersetzt. Mit der alleinerziehenden Mutter Frances Elwood (Chelah Horsdal) wurde darüber hinaus eine weitere weibliche Figur sowie ein romantischer Subplot hinzugefügt. Diese beiden Änderungen sind nicht weiter störend, was dagegen unangenehm auffällt, ist die Reduktion des kosmischen Horrors auf ein absolutes Minimum. Wie schon bei „Dagon“ konzentriert sich Gordon vor allem auf den oberflächlichen Horror, vernachlässigt aber das, was Lovecrafts Geschichten eigentlich besonders macht. Fast jegliche Verbindung zum „Cthulhu-Mythos“ bleibt außen vor, nur das Necronomicon (hier scheinbar gebunden in die Haut von geopferten Säuglingen) hat einen kurzen Gastauftritt. Ohne diese Verknüpfung aus traditionellem und kosmischem Horror ist „Dreams in the Witch-House“ eine reichlich konventionelle, nicht besonders erschreckende Angelegenheit. Schon Keziah Mason ist nicht allzu grauenerregend, und Brown Jenkin, die Riesenratte mit dem Menschengesicht, hat schon in Lovecrafts Geschichte nicht wirklich funktioniert, hier wirkt er völlig lächerlich. Leider gelingt es Gordon auch nicht, wirkliche Spannung oder eine überzeugende Amtosphäre zu erzeugen.

Fazit: Wer einen gelungenen Film über die Hexenthematik sucht, sollte lieber zu „The Witch“ greifen; „Dreams in the Witch-House“ ist schlicht zu bieder und konventionell, um ein interessanter Genre-Beitrag zu sein. Als Lovecraft-Adaption funktioniert Gordons Arbeit noch weniger, da fast jede Spur kosmischen Horrors aus der Geschichte entfernt wurde.

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Lovecrafts Vermächtnis:
Der Cthulhu-Mythos
Nathaniel
Dagon
Die Opferung
Das Alien-Franchise
Revival
Cthulhu in Westeros
The Courtyard/Neonomicon/Providence
Echo des Wahnsinns

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Lovecrafts Vermächtnis: Echo des Wahnsinns

echo des wahnsinns
H. P. Lovecraft wird gerne als „kosmischer Regionalschriftsteller“ bezeichnet, und das aus gutem Grund: Obwohl er über Schrecken jenseits menschlicher Vorstellungskraft schrieb, spielten doch die meisten seiner Geschichten im ihm vertrauten Neuengland. Viele seiner Nachfolger haben sich daran orientiert, entweder, indem sie sich derselben Lokalität bedienten, oder indem sie von den kosmischen Schrecken in ihrer eigenen Heimat berichteten. „Echo des Wahnsinns“ knüpft an diese Tradition an. Es handelt sich dabei um einen Band mit elf Kurzgeschichten österreichischer Comicschaffender. Sowohl inhaltlich als auch graphisch gibt es einige Unterschiede, aber auch eine gewisse gemeinsame Tendenz, sich spezifisch vom Stil amerikanischer Comics zu unterscheiden. Zugleich eint alle Geschichten auch eine gemeinsame Schwäche: Meinem persönlichen Empfinden nach sind sie fast ausnahmslos zu kurz. Um funktionierenden kosmischen Horror zu etablieren, ist eine gewisse Tiefe nötig, die kaum eine dieser Geschichten wirklich zu vermitteln weiß.

Vor allem graphisch gehört „Die Ahnung“ von Fufu Frauenwahl definitiv zu den besten Geschichten des Bandes – hier findet sich eine subtile Parallele zu „Pickman’s Model“ sowie einige weitere literarische Anspielungen und eine ganz amüsante Meta-Pointe am Ende. „Der Alpenkonvent“ von Andreas Drude baut eine ganz interessante Geschichte im Kontext eines Klosters in den Alpen auf, leidet aber unter der Kürze – hier wäre definitiv mehr drin gewesen. „Der Berg ruft“ von Walter Fröhlich, Thomas Aigelsreiter und Andreas Paar greift die Innsmouth-Thematik auf und versetzt sie in die Alpen. Der Kontrast zwischen scheinbar heiler Bergwelt mit Trachten und allem drum und dran und den monströsen Abgründen dahinter drängt sich in diesem Kontext freilich fast schon auf, und auch graphisch ist diese Geschichte durchaus gelungen, leider ist sie auf narrativer Ebene recht konfus und schafft es nicht, die Prämisse völlig zufriedenstellend umzusetzen, da das fischige Innsmouth-Element erhalten bleibt, das jedoch nicht so recht in die Alpen passen will.

„Verhandlungssache“ von Heinz Wolf ist die erste (aber nicht die letzte) der Geschichten, die eine eher humoristische Herangehensweise wählt und dabei auch das Necronomicon miteinbezieht, dabei aber leider nicht wirklich meinen Humor trifft und auch visuell nicht zu überzeugen weiß, auch wenn zumindest Cthulhu im Trenchcoat ein ganz amüsanter Anblick ist. André Breinbauers „Urlaub auf dem Land“ ist da schon besser gelungen. Es gibt zwar keine direkten inhaltlichen Bezüge zum „Cthulhu-Mythos“, aber Breinbauer gelingt es ganz gut, die Atmosphäre und Thematik für das österreichische Setting einzufangen; die Zeichnungen finde ich allerdings eher mittelmäßig.

Michael Hackers Zweitseiter „Necronomicon 9 to 5“ kehrt zur humoristischen Seite des kosmischen Horrors zurück, wobei hier im Grunde sowohl die Bezüge zu Österreich als auch zum „Cthulhu-Mythos“ fehlen; diese Geschichte passt eher zu „Evil Dead“ bzw. „Army of Darkness“. „Pickmanns Network“ von S.R. Meyers dagegen greift Lovecraft wieder sehr direkt auf – an welche Geschichte hier angeknüpft wird, ist ja wohl selbsterklärend. Ähnlich wie bei „Der Berg ruft“ ist allerdings auch hier, nicht zuletzt bedingt durch die graphische Umsetzung, das Ende recht diffus – und das nicht auf die gute Art. Arnulf Rödlers „Formal Haut“ ist graphisch eine der interessantesten Geschichten, lässt einen aber inhaltlich ziemlich verwirrt zurück – dasselbe trifft auf Wolfgang Matzls „Das Abbild“ zu. In beiden Fällen fehlen ebenfalls die Österreich-Bezüge.

„Die sexy Farbe“ von Anna-Maria Jung ist ähnlich konzipiert wie „Necronomicon 9 to 5“, ein humoristischer Zweiseiter, funktioniert aber weitaus besser, da er eine Lovecraft-Geschichte direkt aufgreift und ihr einen amüsanten Twist verpasst. Beendet wird „Echo des Wahnsinns“ von der Geschichte „Die Blockade“ von Thomas Aigelsreiter – abermals eine humoristische Geschichte im Cartoon-Stil mit Meta-Element, die durchaus amüsant ist, aber nicht so pointiert und knackig daher kommt wie „Die sexy Farbe“.

Fazit: Ich würde diesen österreichischen Beitrag zu Lovecrafts literarischem Vermächtnis gerne uneingeschränkt empfehlen, aber leider ist er eher durchwachsen. Es finden sich darin einige nette Ideen und unterhaltsame Geschichten, aber insgesamt bleiben die Comics dieses Bandes sowohl inhaltlich als auch visuell hinter ihren Möglichkeiten zurück – kann man lesen, muss man aber nicht. Wer die definitive Comic-Auseinandersetzung mit Lovecraft sucht, sollte besser zu Alan Moores „Providence“ greifen, denn „Echo des Wahnsinns“ ist bestenfalls eine kurze Lektüre für Zwischendurch.

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Lovecrafts Vermächtnis:
Der Cthulhu-Mythos
Nathaniel
Dagon
Die Opferung
Das Alien-Franchise
Revival
Cthulhu in Westeros
The Courtyard/Neonomicon/Providence

ES

Halloween 2017
es
Story: Eigentlich scheint Derry in Maine eine ganz gewöhnliche Kleinstadt zu sein, doch dem ist nicht so, denn alle 27 Jahre erwacht ES um zu morden. So auch im Oktober des Jahres 1988, in dem ES sich den kleinen Georgie Denbrough (Jackson Robert Scott) in der Gestalt des Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) einverleibt, was seinen großen Bruder Bill (Jaeden Lieberher) sehr mitnimmt. Im folgenden Sommer verschwinden immer mehr Kinder, sodass Bill und seine Freunde vom „Club der Verlierer“, die alle aus dem einen oder anderen Grund Außenseiter sind, auf ES aufmerksam werden. Zum Club gehören der übergewichtige Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor), die angeblich promiskuitive Beverly Marsh (Sophia Lillis), der jüdische und mysophobe Stan Uris (Wyatt Oleff), der Hypochonder Eddie Kaspbrak (Jack Dylan Grazer), der schwarze Mike Hanlon (Chosen Jacobs) sowie Richie Tozier (Finn Wolfhard), der seine Klappe nicht halten kann. ES quält sie schon bald mit ihren schlimmsten Ängsten, was die „Verlierer“ nicht einfach so tatenlos hinnehmen wollen. Doch können sie überhaupt etwas gegen ein Wesen wie ES ausrichten…?

Kritik: „ES“ dürfte wohl eines der bekanntesten Werke von Stephen King sein, nicht zuletzt wegen der Adaption als Miniserie aus dem Jahr 1990, in welcher Tim Curry Pennywise spielte. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich besagte Serie nie zur Gänze gesehen habe, höchstens Mal einen Ausschnitt hier und da. Den Roman habe ich ebenfalls nicht gelesen, zur Vorbereitung auf den Film habe ich allerdings begonnen, die Hörbuchfassung zu hören. Zwar bin ich noch nicht fertig (das Teil dauert 50 Stunden), aber ich bin doch immerhin schon weit genug, um ein paar Dinge zum Thema Vorlagentreue beisteuern zu können.

Die Neuverfilmung von „ES“ ist schon eine ganze Weile in Arbeit und wurde auch schon von einigen Regisseuren betreut, darunter David Kajganich und Cary Fukunaga, die endgültige Umsetzung übernahm dann allerdings der Argentinier Andy Muschietti, der 2013 bereits mit dem von Guillermo del Toro produzierten „Mama“ bewies, dass er einen Horrorfilm eindrucksvoll inszenieren kann. Die ersten Trailer von Muschiettis Neuverfilmung generierten einen ziemlich Hype, der sich nun auszuzahlen scheint, denn für einen Horror-Film mit R-Rating erweist sich „ES“ als äußerst erfolgreich. Der Film passt allerdings auch ziemlich gut zum Zeitgeist, schließlich gab es erst letztes Jahr diverse Probleme mit Horror-Clowns und zudem ist 80er-Jahre-Nostalgie gerade sehr angesagt. Dementsprechend wurden gegenüber der Vorlage auch einige Anpassungen vorgenommen.

Kings Roman spielt auf zwei Zeitebenen, die parallel erzählt werden. 1956/57 findet die erste Begegnung des „Clubs der Verlierer“ mit ES statt, die in ausführlichen Rückblicken geschildert wird. Etwas mehr als 27 Jahre später, nämlich 1985/86, kehrt ES zurück und die inzwischen erwachsenen Club-Mitglieder kehren in ihre alte Heimatstatt Derry zurück, um das Wesen abermals zu bekämpfen. Muschiettis Neuverfilmung erzählt nur von der ersten Begegnung in den 50ern, es gibt keine zwei Zeitebenen und Rückblicke (es wurde aber bereits ein Sequel für 2019 angekündigt). Zudem wird die Handlung zum Großteil ins Jahr 1989 (zufälligerweise mein Geburtsjahr) verlegt, wohl gerade, um sich die 80er-Nostalgie gleich doppelt zunutze zu machen. Nicht umsonst gibt es inhaltliche wie inszenatorische Parallelen zur Netflix-Serie „Stranger Things“, mit Finn Wolfhard teilen sich beide Projekte sogar einen Darsteller. Ansonsten folgt der Film dem 50er-Handlungsstrang des Romans verhältnismäßig genau, auch wenn es einige Unterschiede bei den Details gibt. Da King alles sehr, sehr ausführlich schildert, muss selbst eine zweigeteilte Verfilmung Abstriche machen. Der Film kompensiert und verschlankt vieles deutlich und hat auch keinerlei Probleme damit, diverse Details zu verändern, um eine stringente Geschichte zu erzählen. So werden unter anderem die Familienverhältnisse angepasst (im Roman sterben Mikes Eltern nicht durch ein Feuer, während Beverly nicht mit ihrem Vater allein lebt) und auch die Ängste der Protagonisten werden zum Teil verändert (so taucht das Bild, vor dem Stan sich fürchtet und das eine große Ähnlichkeit zur Titelfigur von Muschiettis „Mama“ aufweist, im Roman nicht auf). Darüber hinaus beschäftigt sich der Film noch nicht wirklich mit der Überbau des Romans bzw. mit der Wesenheit ES und seinen Hintergründen, die u.a. Verknüpfungen zu Kings Dunkler-Turm-Saga haben. Tatsächlich handelt es sich bei ES um eine uralte Entität, die noch von ungefähr an eine Lovecraft’sche Wesenheit erinnert. Diese Elemente des Kosmischen Horrors treten in der Neuverfilmung allerdings (noch?) kaum auf, es gibt lediglich einige subtile Andeutungen (etwa die Lego-Schildkröte).

Insgesamt ist „ES“ zu gleichen Teilen Horror- und Kinder-Abenteuerfilm (soll heißen: Abenteuer mit Kindern, nicht Abenteuer für Kinder). Interessanterweise funktioniert er als Letzteres fast besser. Die Horrorelemente des Films sind mitunter tonal etwas inkonsistent. Manchmal sind die Auftritte von Bill Skarsgårds Pennywise rechtschaffen enervierend und erschreckend (besonders, wenn sie metaphorisch mit dem Erwachsenwerden zusammenhängen), manchmal sind aber auch etwas zu übertrieben und over the top, so als könne sich Muschietti nicht so recht entscheiden, welche Art von Horror er inszenieren will. Das trifft besonders zu, wenn Pennywise seine CGI-Zähne auspackt, die nie so recht überzeugen können. Außerdem übertreibt es Muschietti etwas mit den Jump Scares. Das alles hängt jedoch nicht wirklich mit Skarsgårds Spiel zusammen – er macht seine Sache als mörderischer Clown sehr gut – sondern primär mit der Inszenierung. Der Spannungsbogen des Films ist allerdings ziemlich gut gelungen – „ES“ geht zwar über zwei Stunden, ist aber niemals langweilig.

Die größte Stärke des Films liegt bei den durchweg exzellenten Kinderdarstellern, die alle ausnahmslos hervorragende Arbeit abliefern und eine spürbare Chemie haben – und das bei durchaus anspruchsvollen Rollen. Mehr noch, Muschietti schafft es, sie zugleich authentisch und sympathisch in Szene zu setzen. Die beste darstellerische Leistung stammt zweifellos von Sophia Lillis, die als einziges Mädchen im „Club der Verlier“ und beinahe-Missbrauchsopfer die wohl schwierigste Rolle spielt, während Finn Wolfhard mit seiner großen Klappe das komödiantische Highlight darstellt. Natürlich kann der Film nicht jeder der Figuren die Zeit widmen, die sie im Roman bekommen, sodass manch einer vielleicht etwas zu kurz kommt. Aber im Großen und Ganzen gelingt es Muschietti und den Darstellern gut, die Charaktere plastisch, anschaulich und nachvollziehbar zu zeichnen. Ebenso gelungen ist der Score von Benjamin Wallfisch, der nach „A Cure for Wellness“ dieses Jahr schon zum zweiten Mal beweist, dass er ein exzellenter Horror-Komponist ist.

Fazit: „ES“ ist bezüglich der Horror-Elemente zwar nicht immer ganz rund, dank der guten Figurenzeichnung und der hervorragenden jugendlichen Darsteller aber im Großen und Ganzen eine gelungene Neuverfilmung des Romans von Stephen King.

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Halloween 2017:
Prämisse
Lovecrafts Vermächtnis: The Courtyard/Neonomicon/Providence
Geschichte der Vampire: Dracula – Bram Stokers Roman

Lovecrafts Vermächtnis: The Courtyard/Neonomicon/Providence

Halloween 2017
providence
Es dürfte kaum verwundern, dass auch Alan Moore, Platzhirsch des amerikanischen Comics, Wegbereiter der Graphic Novel (auch wenn er diesen Begriff strikt ablehnt) und Autor solcher Meisterwerke wie „Watchmen“, „From Hell“ oder „V wie Vendetta“, sich mit H. P Lovecraft beschäftigt hat, besonders, da Moore eine große Vorliebe für das Okkulte und Metaphysische besitzt. Bereits 1994 verfasste Moore die Prosa-Kurzgeschichte „The Courtyard“, die die Grundlage für seine zukünftige literarische Beschäftigung mit Lovecraft bilden sollte. „The Courtyard“ erzählt die Geschichte des FBI-Agenten Aldo Sax, der mehrere Ritualmorde untersucht und sich dabei der „Anomalie-Theorie“ bedient, mit deren Hilfe er Verbindungen zwischen scheinbar unzusammenhängenden Ereignissen sieht, indem er die „anomalen Fakten“ aussondert. So folgt er der Spur der Droge Aklo und eines Mannes namens Johnny Carcosa und versteht schließlich, dass es sich bei Aklo nicht wirklich um eine Droge handelt, sondern um eine Sprache, die Menschen durch die Offenbarung metaphysischer Wahrheiten in den Wahnsinn treiben kann und Aldo letztendlich dazu bringt, seinerseits einen brutalen Ritualmord zu begehen. Schon allein an der Namensgebung lassen sich viele Lovecraft’sche Elemente feststellen: Die Geschichte spielt im New Yorker Stadtteil Red Hook, in dem auch Lovecrafts „The Horror at Red Hook“ spielt, Aklo ist eine Sprache, die ursprünglich in den Werken Arthur Machens auftauchte und die Lovecraft als Hommage auch in einige seiner Geschichten integrierte (u.a. „The Dunwich Horror“ und „The Haunter of the Dark“), Johnny Carcosa verweist auf Robert W. Chambers „The King in Yellow“ und der Nachclub „Club Zothique“ ist eine Anspielung auf den fiktiven Kontinent des Lovecraft-Freundes Clark Ashton Smith, während Band und Songs, die im Club spielen bzw. gespielt werden, wiederum nach Lovecraft-Geschichten benannt sind.

2003 wurde „The Courtyard“ als zweiteilige Comicminiserie von Autor Antony Johnston und Zeichner Jacen Burrows adaptiert. Vor allem die Paneleinteilung dieser Adaption ist interessant, da sie nicht den gewöhnlichen Konventionen folgt. Mit der Ausnahme von Aldo Sax‘ Vision, in der die eine oder andere bekannte Gottheit auftaucht, finden sich pro Seite jeweils nur zwei vertikale Panels. 2012 erschien eine Fortsetzung, abermals gezeichnet von Jacen Burrows, dieses Mal aber ohne Prosaversion und Adaption, Alan Moore verfasste das Skript zur vierteiligen Miniserie „Neonomicon“ selbst.

„Neonomicon“ greift die Handlung von „The Courtyard“ relativ direkt auf: Nach den Ereignissen des Vorgängers sitzt Aldo Sax in einer psychiatrischen Klinik und gibt nur sinnloses Gebrabbel von sich (der geneigte Leser weiß freilich, dass es sich dabei um Aklo handelt). Doch die Mordserie geht weiter, weshalb die FBI-Agenten Lamper und Brears in Red Hokk weiter ermitteln und nach Johnny Carcosa suchen. Dies bringt sie zum Esoterischen Orden des Dagon, einer Gruppe, die die Geschichten von H. P. Lovecraft ein wenig zu ernst nimmt. Lamper und Brears infiltrieren den Orden, fliegen aber bald auf. Wie sich herausstellt, haben die Kultisten tatsächlich Kontakt zu einem Tiefen Wesen. Während Lamper das zeitliche segnet, soll sich Brears mit der Fischkreatur paaren und zur Mutter eines Hybriden werden. Im deutschsprachigen Raum ist „Neonomicon“ unter diesem Titel zusammen mit der Comicversion von „The Courtyard“ in einem Band bei Panini erschienen.

Laut eigener Aussage verfasste Moore „Neonomicon“ primär, weil er wegen einer ausstehenden Steuerzahlung noch Geld benötigte, aber dennoch verfolgte Moore die Ideen aus „The Courtyard“ und „Neonomicon“ in der zwölfteiligen Serie „Providence“ weiter. Anders als die ersten beiden Geschichten spielt „Providence“ nicht in der Gegenwart, sondern im Jahr 1919, also zu der Zeit, also Lovecraft mit seiner schriftstellerischen Arbeit begann. Robert Black, seines Zeichens Reporter, schwul und angehender Schriftsteller, reist durch Neuengland, um für seinen großen amerikanischen Roman zu recherchieren und trifft dabei auf allerlei merkwürdige Gestalten und Vorkommnisse, die den kundigen Leser an diverse Lovecraft-Geschichten erinnern. Ohne es zu wissen führt sein Weg Black schließlich nach Providence, wo er H. P. Lovecraft in Person trifft.

Bezüglich der Struktur erinnert „Providence“ an „Watchmen“: Die Serie besteht aus zwölf Ausgaben (von Panini hierzulande in drei Paperbacks veröffentlicht), wobei der jeweiligen Ausgabe immer noch ein Prosateil beiliegt, zumeist Ausschnitte aus Blacks Tagebuch, mitunter aber auch Dokumente, die er auf seiner Reise findet. Auch inhaltlich gibt es gewisse Parallelen zu „Watchmen“, denn „Providence“ (unter Einbeziehung von „The Courtyard“ und „Neonomicon“) ist eine umfassende Metaauseinandersetzung mit H. P. Lovecrafts Werken, so wie „Watchmen“ eine umfassende Metaauseinandersetzung mit dem Superheldengenre ist. Das bedeutet allerdings auch, dass Moore nicht immer „im Geiste“ Lovecrafts schreibt. Vor allem in „Neonomicon“ bemüht sich Moore explizit, Dinge zu thematisieren, die Lovecraft nur andeutet oder die von seinen Nachfolgern meistens ausgeklammert werden (etwa der Rassismus oder die höchst unangenehmen sexuellen Implikationen). „Providence“ führt diese Tendenz zwar fort, ist aber durchdachter und besser ausgearbeitet, während man bei „Neonomicon“ mitunter das Gefühl nicht los wird, Moore habe es vor allem auf die eine oder andere Grenzüberschreitung und Provokation abgesehen. Diese finden in „Providence“ zwar ebenfalls statt, sind aber besser kontextualisiert.

Der Metaaspekt, schon in „Neonomicon“ unzweifelhaft vorhanden, wird in „Providence“ endgültig zur treibenden Kraft. Vor allem die ersten Ausgaben nehmen sich jeweils eine oder mehrere Lovecraft-Geschichten vor und spielen diese mit Robert Black als Protagonist mal mehr, mal weniger vorlagengetreu durch und kommentieren sie zugleich. Es beginnt mit den weniger bekannten Frühwerken wie „Cool Air“ oder „The Horror at Red Hook“, bevor die Hefte populärere Geschichten wie „Shadow over Innsmouth“, „The Dunwich Horror“, „The Thing on the Doorstep“ oder „Pickman’s Model“ widerspiegeln. Robert Black bewegt sich dabei allerdings nicht im fiktionalisierten Neuengland Lovecrafts (Städte wie Innsmouth oder Arkham tauchen nicht auf), stattdessen reist er durch ein realistischeres Neuengland, dass sich langsam in Lovecrafts Neuengland verwandelt. Manche der Lovecraft’schen Elemente bekommen Substitute; so fungiert etwa das real existierende Kitab Al-Hikmah Al-Najmiyyaon, das „Buch über die Weisheit der Sterne“, als Ersatz für das allseits bekannte und beliebte Necronomicon.

Im weiteren Verlauf nehmen die Lovecraft-Anspielungen und Verarbeitungen immer weiter zu, ebenso wie die Metaebene, bis Moore am Ende auch noch die losen Fäden von „The Courtyard“ und „Neonomicon“ aufgreift und alles zu einem höchst abstrakten Ende verbindet. „Providence“ (und mit Abstrichen auch die beiden Vorgänger) sind nicht einfach nur Comics, die in der von Lovecraft geschaffenen Welt spielen oder diese kommentieren, es handelt sich um eine detaillierte literarische Auseinandersetzungen mit seinem Werk. Moore schreckt dabei vor äußerst expliziten Szenen und äußerst unangenehmem Material nicht zurück – „Providence“ ist weder leicht zu lesen, noch wird man als Konsument in irgendeiner Form geschont; die Ab-18-Empfehlung auf der Rückseite und der Umstand, dass die Paperbacks nur eingeschweißt verkauft werden, sind völlig gerechtfertigt. Dennoch ist die Lektüre dieser Comics für den Lovecraft-Fan und -Liebhaber ungemein wertvoll und belohnend – und zu allem Überfluss auch noch von Jacen Burrows exzellent und atmosphärisch in Szene gesetzt.

Fazit: „The Courtyard“, „Neonomicon“ und „Providence“ sind zusammen eine detaillierte, umfangreiche und schonungslose Auseinandersetzung mit den Werken und dem Vermächtnis H. P. Lovecrafts. Wenn es so etwas wie DAS definitive Lovecraft-Metawerk geben sollte, dann hat Alan Moore es hiermit geschaffen.

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Halloween 2017:
Prämisse

Lovecrafts Vermächtnis:
Der Cthulhu-Mythos
Nathaniel
Dagon
Die Opferung
Das Alien-Franchise
Revival
Cthulhu in Westeros

Lovecrafts Vermächtnis: Cthulhu in Westeros

Na gut, der Titel dieses Artikels ist vielleicht ein bisschen reißerisch. Zwar hat sich George R. R. Martin früher auch als Horror-Autor betätigt, zum Beispiel mit dem Vampirroman „Fevre Dream“ oder der Werwolfnovelle „Skin Trade“, meines Wissens nach hat er allerdings nie eine Geschichte zum Cthulhu-Mythos beigesteuert (mit Ausnahme eines nicht ganz ernst gemeinten Eintrags auf seinem Blog, in dem er Jaime Lannister mit Cthulhu kämpfen ließ). Auch stilistisch und thematisch ist Martin weit von Lovecraft entfernt. Hier könnte ich natürlich jetzt die großen, massiven Unterschiede auffahren (Lovecraft benutzte meistens einen intradiegtischen (bzw. Ich-)Erzähler und gestaltete seine Geschichten oft als Berichte, während Martin mit einem sehr figurennahen extradiegetischen Erzähler arbeitet und sehr szenisch beschreibt), aber oftmals sind die kleinen Details weitaus interessanter. Nehmen wir die Nahrungsaufnahme: Lovecraft war bezüglich der Details ein Minimalist und schnitt meistens alles aus der Geschichte heraus, das keine unmittelbare Auswirkung auf den Handlungsverlauf hat. Nahrungsaufnahme zählt dazu; in fast keiner Lovecraft-Geschichte wird gegessen, lediglich in „The Shadow over Innsmouth“ gibt es tatsächlich einmal eine explizit erwähnte Mahlzeit. Martin dagegen beschreibt die Festmähler und Gelage der Welt von Eis und Feuer sehr ausführlich – so ausführlich, dass die Foodbloggerinnen Chelsea Monroe-Cassel und Sariann Lehrer schon vor einiger Zeit ein passendes (und sehr zu empfehlendes) Kochbuch veröffentlichten.

meerstein
Der Meersteinstuhl auf Pyke (Bildquelle)

Wer sich jedoch Martins Welt von Eis und Feuer ein wenig im Detail anschaut, wird dennoch Spuren von und Hommagen an Lovecraft darin finden, die deutlich machen, dass auch Martin ein weiterer Fan und Bewunderer des Schriftstellers aus Providence ist. Die offensichtlichste Anspielung ist der Drowned God der Iron Islands. In mancher Hinsicht gleichen die plündernden Bewohner der Iron Islands den Wikingern, mit deren Religion haben sie allerdings nur den Umstand gemein, dass ihr Gott sie dazu auffordert, in die Schlacht zu ziehen und zu plündern und zu morden. Ansonsten hat besagter Drowned God allerdings mit Odin nichts zu tun und erinnert eher an Cthulhu. Die Krakenassoziation ist durch das Wappen der Greyjoys gegeben, und dann ist da noch der Standardspruch seiner Priester: „What is dead may never die, but rises again, harder and stronger.“ Bis zum Zweizeiler aus dem Necronomicon ist es da nun wirklich nicht mehr weit: „That is not dead which can eternal lie, / And with strange aeons even death may die.“

Im Bezug auf die Gottheiten von Westeros und Essos ist das jedoch noch nicht alles: Die Idee des kosmischen Horrors ist durchaus eine, die Martin immer wieder subtil einfließen lässt. Diverse Figuren ringen mit der Idee, dass die Menschen lediglich Spielbälle der Götter sind, so diese denn existieren. Die Fähigkeiten etwa, die der Herr des Lichts verleiht, bleiben für alle, die nicht zu seinem Kult gehören, fremdartig und verstörend. Auch die Weißen Wanderer passen zu dieser Thematik, sie ebenfalls fremdartig und (zumindest bislang) jenseits des Verständnisses ihrer Feinde. Während in „Game of Thrones“ sogar zu sehen war, wie die Kinder des Waldes den ersten Wanderer erschaffen, um gegen die Ersten Menschen bestehen zu können, ist ihre Herkunft in den Romanen bislang noch völlig ungeklärt, was die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, umso erschreckender macht.

asshai
Die finstere Stadt Asshai (Bildquelle)

Weitere subtile Hommagen an Lovecraft und den weiteren „Cthulhu-Mythos“ finden sich vor allem in Details und Hinweisen, die primär in „The World of Ice and Fire“ aufgegriffen und vertieft werden. So gibt es auf Pyke und in Oldtown Spuren alter, vielleicht sogar vormenschlicher Zivilisationen. Die Iron Islands werden vom Meersteinstuhl aus regiert, einem mysteriösen Sitz aus öligem, schwarzem Stein, der bereits auf Pyke war, als Menschen die Insel zum ersten Mal betraten. Die Beschreibung des Gesteins erinnert ein wenig an R’yleh, die versunkene Stadt Cthulhus. In Westeros und jenseits davon gibt es noch weitere, ähnliche Monumente, etwa in Oldtown, wo sich eine merkwürdige Labyrinthfestung findet, die als Fundament des Hightower dient. Niemand weiß, was es mit diesem Labyrinth auf sich hat, aber ein Maester namens Theron, der von den Iron Islands stammt, vermutet, dass es eine Verbindung zwischen dem Meersteinstuhl und dem Labyrinth gibt und dass „Deep Ones“, Mischwesen aus Menschen und Kreaturen der Tiefe, für die Errichtung verantwortlich sein könnte. Der Lovecraft-Fan fühlt sich natürlich sofort an „The Shadow over Innsmouth“ erinnert. Weit im Osten finden sich ebenfalls Vorkommnisse dieses schwarzen Gesteins: Auf einer der Basiliskinseln existiert die Statue einer Kröte (evtl. eine Anspielung an Tsathoggua und Robert E. Howards Geschichte „The Black Stone“) und weit im Osten liegt die mysteriöse und berüchtigte Stadt Asshai, ebenfalls aus schwarzem Stein errichtet. Und schließlich wäre da noch die Dschungelstadt Yeen auf dem südlichen Kontinent Sothoryos, wo der Legende nach uralte, unverständliche Übel lauern.

Ebenfalls im Südosten liegt Leng, das beim kundigen Lovecraft-Leser sofort die Alarmglocken läuten lässt: Die Hochebene von Leng, beschrieben in Abdul Alhazreds Necronomicon, taucht in vielen Lovecraft-Geschichten auf, wird aber nie einheitlich verortet. „The Hound“ zufolge findet sich Leng in Asien, in „At the Mountains of Madness“ glaubt der Erzähler, Leng in der Antarktis gefunden zu haben und in „The Dream-Quest of Unknown Kadath“ ist Leng Teil der Traumlande. Bei Martin findet sich Leng als Insel im Süden von Essos, in dessen Ruinen früher „Old Ones“, alte, vergessene Götter gehaust haben sollen – klingt irgendwie vertraut. Und dann wäre da noch, ebenfalls in Essos, die Stadt Carcosa, die von einem „gelben Kaiser“ beherrscht wird – eine Hommage an Robert W. Chambers und seine Kurzgeschichtensammlung „The King in Yellow“.

Lovecrafts Vermächtnis:
Der Cthulhu-Mythos
Nathaniel
Dagon
Die Opferung
Das Alien-Franchise
Revival

Siehe außerdem:
The World of Ice and Fire

Lovecrafts Vermächtnis: Revival

Spoiler!
Revival von Stephen King
H. P. Lovecraft und Stephen King haben, zumindest für mich persönlich, noch eine weitere Eigenschaft neben ihrem Status als Großmeister des Horror-Genre gemein: Ihre Werke lassen sich besser hören als lesen. Tatsächlich habe ich noch nie ein Werk von Stephen King tatsächlich gelesen – aber doch inzwischen eine ganze Menge als Hörbuch gehört. Soweit ich weiß hat Stephen King mit Ausnahme der Kurzgeschichte „The Crouch“ (die ich allerdings weder gelesen noch gehört habe) nie direkt etwas zum „Cthulhu-Mythos“ beigetragen, ist aber dennoch ein großer Bewunderer Lovecrafts und hat einige Werke verfasst, die definitiv dem Sub-Genre „Kosmischer Horror“ zuzuordnen sind, darunter „ES“ und zumindest teilweise der Zyklus „Der dunkle Turm“. Kings eindeutigste Lovecraft-Hommage ist jedoch der 2014 erschienene Roman „Revival“ – Lovecraft taucht, neben einigen anderen populären Horror-Autoren wie Bram Stoker und Mary Shelley, sogar in der Widmung auf und wird im Roman als einziger von ihnen direkt erwähnt.

„Revival“ baut Spannung und das zentrale Mysterium der Handlung sehr langsam, fast schon ein wenig langatmig auf, zumindest für mich hat das allerdings recht gut funktioniert – wer jedoch plakativen Horror auf den ersten hundert Seiten erwartet, wird definitiv enttäuscht werden. Jamie Morton ist zugleich Erzähler und Protagonist; der Roman ist, ähnlich wie so viele Lovecraft-Geschichten, als Bericht inszeniert, erzählt die Handlung aber nicht immer chronologisch. Zwar werden alle Lebensabschnitt der Hauptfigur mehr oder weniger ausführlich geschildert, Dreh- und Angelpunkt sind jedoch die Begegnungen mit dem Pastor Charles Jacobs. Jede dieser Begegnungen steht unter einem anderen thematischen Schwerpunkt.

Die erste Begegnung findet 1962 statt, Jamie ist noch ein Kind, während der junge Jacobs Pfarrer der kleinen Gemeinde Harlow in Maine (wo auch sonst?) wird, in der Jamie mit seiner Familie lebt. Zwischen Jamie und Jacobs entwickelt sich  eine Freundschaft, der junge Pastor sowie seine junge, attraktive Frau Patsy und sein niedlicher kleiner Sohn Morrie werden bald äußerst populär, vor allem bei der Jugend von Harlow. Dann kommt es jedoch zu einem Desaster: Patsy und Morrie sterben in einem Autounfall und Jacobs reagiert mit einer für das ländliche Amerika der 60er äußerst verstörende Predigt, in der er atheistische Schlüsse zieht. Religion und Theodizee sind das Thema dieses ersten Abschnitts des Romans, der zugleich Jamies Kindheit und Jugend sehr ausführlich schildert.

Jamie wird schließlich Musiker und dabei letztendlich heroinabhängig. 1992 begegnet er Charles Jacobs auf dem Tiefpunkt seines Lebens wieder: Er ist aus seiner Band geflogen, hat kein Geld mehr und ist von seiner Drogensucht gezeichnet. Bereits während Jamies Kindheit interessierte sich Jacobs für Elektrizität; als sie sich nun wiederbegegnet, fertigt Jacobs auf einem Jahrmarkt „Porträts in Blitzen“ als Attraktion und bietet Jamie an, ihn durch die „geheime Elektrizität“ von seiner Sucht zu heilen. Das gelingt tatsächlich und Jamie bekommt sein Leben nach und nach wieder auf die Reihe, auch wenn die Heilung einige merkwürdige Nebenwirkungen hat. Das Thema dieser zweiten Begegnung ist selbstverständlich Sucht.

2008, sechzehn Jahre nach der mysteriösen Heilung, kreuzen sich Jamies und Jacobs Wege erneut. Jacobs ist teilweise zu seinem alten Handwerk zurückgekehrt und betätigt sich als Wanderprediger und Wunderheiler, was Jamie natürlich sehr interessiert, weshalb er sich das alles genauer anschaut und auf einige Merkwürdigkeiten stößt: Nebenwirkungen, Selbstmorde und andere Ungereimtheiten, die ihm Sorgen um sich selbst und andere, die von Jacobs geheilt wurden, bereiten. Im Gespräch mit Jacobs offenbart sich schließlich, dass dieser zu einem verbitterten alten Mann geworden ist, der rücksichtslos seine Forschungen zur „geheimen Elektrizität“ fortführt. Ab diesem Zeitpunkt werden die Horroraspekte des Romans immer stärker, Jacobs erinnert an Doktor Frankenstein.

Die letzte Begegnung findet schließlich 2014 statt; in diesem letzten Abschnitt driftet der Roman endgültig in den Kosmischen Horror ab. Jacobs bringt Jamie durch Erpressung dazu, ihm bei einer letzten Heilung zu assistieren und anschließend mit ihm die „geheime Elektrizität“ zu erforschen, die zu einer erschreckenden Entdeckung führt.

Diese Inhaltsangabe mag ausführlich erscheinen, gibt Kings Roman allerdings nur recht unzureichend wieder, da er das gesamte Leben seines Protagonisten schildert; es tauchen diverse Nebenfiguren aus Jamies familiärem und sozialem Umfeld auf, King bemüht sich, die Entwicklung des Protagonisten sehr anschaulich zu schildern und auch die jeweiligen Lebensumstände authentisch darzustellen. Für meine Rezension sind diese Aspekte jedoch eher sekundär, da es mir um den Kosmischen Horror geht. Ganz ähnlich wie Lovecraft vermittelt King hier alptraumhafte Ideen, die er mit ein wenig Pulp anreichert. Prinzipiell greift King dabei nicht direkt auf Lovecraft oder den „Cthulhu-Mythos“ zurück, kann es aber nicht lassen, eine sehr direkte Referenz zu einem essentiellen Teil des Werkes zu machen. Der Schlüssel zu Jacobs „geheimer Elektrizität“ ist ein Grimoire namens De Vermis Mysteriis („Die Geheimnisse des Wurms“), das King bereits in anderen Geschichten erwähnte. Ursprünglich erfunden wurde dieses finstere Buch von Robert Bloch (taucht ebenfalls in der Widmung auf), der ein großer Bewunderer Lovecrafts war und in seiner Jugend Cthulhu-Mythos-Geschichten verfasste – sein bekanntestes Werk ist allerdings der von Alfred Hitchcock verfilmte Roman „Pycho“. King baut diesbezüglich einen netten Metaverweis ein, indem er eine Figur in „Revival“ erklären lässt, De Vermis Mysteriis hätte Lovecraft zum Necronomicon inspiriert, obwohl natürlich das Necronomicon Bloch inspiriert hat.

Obwohl er sich durchaus an Lovecraft orientiert, bemüht sich King doch, seinen Kosmischen Horror eigenständig zu halten. In vielen Lovecraft-Geschichten bleibt Selbstmord der einzige Ausweg für den traumatisierten Protagonisten, der tiefe, erschreckende Wahrheiten über das Universum und die eigene Insignifikanz erfahren hat. An diesen Punkt knüpft King an und nimmt auch diesen Ausweg, denn die „geheimen Elektrizität“ öffnet sehr spezifische Tore und gibt Einblicke in eine andere Welt. Genau wie bei Lovecraft geht es letztendlich um die Beantwortung fundamentaler Fragen, in diesem Fall: „Was kommt nach dem Tod?“ Und wie bei Lovecraft ist die Antwort keine angenehme. Jamie erhascht letztendlich tatsächlich auf ein Blick in ein Jenseits, in dem jeder Verstorbene von gewaltigen, Ameisen gleichenden Kreaturen versklavt wird, unabhängig davon, ob man im Leben gut war oder nicht. Natürlich steckt hinter dieser „Hölle für alle“ eine Kreatur jenseits menschlichen Verständnisses, „die Mutter“, eine Art Ameisenkönigin mit einem langen, haarigen schwarzen Bein und einer Klaue, die aus menschlichen Gesichtern besteht.

Ob „Revival“ letztendlich funktioniert, hängt von der Perspektive ab, da der Roman über weite Strecken sehr geerdet und realistisch wirkt. Das Übernatürliche schleicht sich nur sehr langsam und subtil ein, die endgültige Enthüllung kommt dann fast ein wenig plötzlich und scheint sich mit dem Ton des restlichen Romans nicht ganz zu vertragen. Wer jedoch Lovecraft-affin ist, erwartet spätestens ab der Erwähnung von De Vermis Mysteriis genau so etwas. Die Gestaltung des Jenseits erinnert ebenfalls an Lovecraft, eigentlich wie immer, wenn zyklopische Ruinen auftauchen, das betrifft aber gerade auch die Konzeption: Riesige Ameisen, die Menschen versklaven klingen nach Pulp und Schundheften – genau wie ein geflügelter Tintenfisch. Es ist gute Genre-Tradition, Pulp-Elemente als Ausdruck eines weitaus tiefergehenden, kosmischen Schreckens zu verwenden. Somit ist „Revival“ ein schönes Beispiel dafür, wie man eine kosmische Horrorgeschichte schreibt, ohne sich (mit einer Ausnahme) direkt auf Lovecraft’sche Elemente zu beziehen.

Zum Schluss noch kurz ein paar Worte zur Hörbuchversion, da ich „Revival“ ja auf diese Weise konsumiert habe: Sie ist äußerst empfehlenswert. Wie so viele King-Romane (und auch eine ganze Reihe von Lovecraft-Geschichten) liest David Nathan, seines Zeichens Synchronsprecher von Johnny Depp und Christian Bale, und er liest so ausgezeichnet wie immer.

Fazit: „Revival“ kann man zwar nicht wirklich zur Riege von Kings besten Werken rechnen, aber es ist doch ein gelungener Roman mit interessanten Themen. Der Spannungsaufbau ist zwar langsam und subtil, aber keinesfalls langweilig. Am gelungensten ist jedoch Kings Verarbeitung der Lovecraft’schen Thematik, der er eine interessante neue Idee hinzufügt, ohne sich dabei des „Cthulhu-Mythos“ zu bedienen.

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Lovecrafts Vermächtnis:
Der Cthulhu-Mythos
Nathaniel
Dagon
Die Opferung
Das Alien-Franchise

Lovecrafts Vermächtnis: Das Alien-Franchise

In dieser Woche startete der neue Alien-Film, bei dem es sich, je nach Zählweise, um den fünften (mit dem Wort „Alien“ im Titel), sechsten (unter Einbeziehung von „Prometheus“) oder achten (wenn man die beiden AvP-Filme mitrechnet) Film des Franchise handelt. Die Zeit ist also ideal, um die Wurzeln und Inspirationen dieser Filmreihe ein wenig zu beleuchten. Wenn es eine Person gibt, die auf diese Filmserie einen massiven Einfluss hatte, ohne direkt an der Produktion beteiligt zu sein, dann ist es H. P. Lovecraft. Das beginnt schon bei der Inspiration. Das Design des ikonischen titelgebenden Aliens, unter Fans vor allem als Xenomorph bekannt, stammt vom schweizer Künstler H. R. Giger (leider bereits 2014 verstorben). Regisseur Ridley Scott wurde durch ein Kompendium auf Gigers alptraumhafte biomechanische Werke aufmerksam, das den Namen „Necronomicon“ trägt. Das ist selbstverständlich nicht das einzige Element, das auf Lovecraft verweist. Vor allem in drei Filmen des Franchise ist Lovecrafts Vermächtnis sehr deutlich zu spüren: „Alien“, „Alien vs. Predator“ und „Prometheus“, weshalb diese im Fokus dieses Artikels stehen.

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H. R. Gigers Meisterwerk: Das Xenomorph (Bildquelle)

Natürlich ist weder „Alien“, noch eine der Fortsetzungen eine wirkliche Adaption von Lovecrafts Werken, der Einfluss kann aber kaum geleugnet werden. „At the Mountains of Madness“ ist hierbei das zentrale Werk des Schriftstellers aus Providence. Diese 1931 verfasste und 1936 erschienene Novelle ist eines von Lovecrafts längsten und einflussreichsten Werken und handelt von einer Antarktis-Expedition der Miskatonic-Universität, in deren Verlauf die Forscher eine Bergkette entdecken, deren Gipfel höher sind als der Mount Everest. Das ist allerdings noch der geringste Fund. Viel interessanter sind die Spuren einer uralten, nichtmenschlichen Zivilisation, der sogenannten „Alten Wesen“ („Elder Things“), die vor Millionen Jahren auf der Erde lebten und der Menschheit nicht nur weit überlegen waren, sondern diese vielleicht sogar geschaffen haben. In jedem Fall haben besagte Alte Wesen noch anderes geschaffen, in ihren Ruinen finden sich weitere Überreste ihrer biologischen Künste. Die Shoggothen wurden ursprünglich als Sklaven gezüchtet, lehnten sich jedoch gegen ihre Herren auf. Wie üblich bei Lovecraft rührt der eigentliche Horror jedoch nicht von den monströsen Shoggothen her, sondern von den Implikationen und der kosmischen Insignifikanz der Menschheit.

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Ein Shoggoth (Bildquelle)

„Alien“ übernimmt vor allem die Atmosphäre der Geschichte, zusätzlich zu einigen Handlungselementen. Zwar handelt es sich nicht Forscher, sondern um Weltraum-Trucker, die auf die Überreste einer uralten Zivilisation stoßen, aber wie in „At the Mountains of Madness“ finden sich auch in dem Raumschiffwrack, auf das die Crew der Nostromo stößt, biologische Spuren. Der Aspekt des Kosmischen Horrors ist in „Alien“ nicht ganz so dominant wie in „At the Mountains of Madness“, der Fokus liegt stärker auf Spannung und der Vergewaltigungsmetapher, die der Lebenszyklus und das Design des Xenomorph verkörpern. Dennoch sind die Aspekte des Kosmizismus vorhanden, Hoffnungslosigkeit, Fremdartigkeit und natürlich die Frage, in welcher Beziehung das Xenomorph zu dem Wrack steht, in welchem die Eier gefunden wurden. Spätere Filme, Romane und Comics des Franchise haben natürlich versucht, diesen Fragen nachzugehen, doch gerade wenn man „Alien“ als für sich alleinstehend betrachtet, machen diese vagen Andeutungen, die ohne Antwort bleiben, einen Großteil des Kosmischen Horrors dieses Films aus. In „Alien“ gibt es am Ende nur Ellen Ripley (Sigourney Weaver) und die Kreatur, die ebenso tödlich wie rätselhaft bleibt.

James Camerons „Aliens“ ist eine exzellente Fortsetzung und ein Klassiker des Sci-Fi-Action-Genres, den Horror des ersten Teils vermisst man allerdings, speziell den Kosmischen Horror. In „Alien“ was das Xenomorph eine fast unaufhaltsame und fast unkaputtbare Macht, gegen die es kaum eine Verteidigung gab. In „Aliens“ dagegen werden die Xenomorphs im Dutzend niedergemäht, was diese Wahrnehmung gründlich zunichte macht. Ähnlich verhält es sich mit den beiden folgenden Sequels, denen es allerdings nicht nur an Kosmischem Horror, sondern auch an allgemeiner Qualität mangelt. Mit „Alien 3“ wollte Fincher zwar tatsächlich zu den Horror-Aspekten des ersten Teils zurückkehren, aber es handelt sich dabei eher um persönlichen, figurenzentrierten Horror. Bekanntermaßen war Dreh des Films vor allem für Fincher ein persönlicher Horror. „Alien: Die Wiedergeburt“ schließlich ist ein völliges Desaster.

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Die Predator-Spezies als antiker Zivilisationsbringer (Bildquelle)

Lovecrafts Einfluss wird erst wieder in Paul W. S. Andersons „Alien vs. Predator“ deutlicher. Dieses Crossover zweier Sci-Fi-Ikonen hat keinen allzu guten Ruf. Während es qualitativ doch recht weit von den ersten beiden Filmen des Franchise entfernt ist, ist es in meinen Augen gar nicht so übel, wenn man seine Erwartungen etwas herunterschraubt. Inhaltlich ist „Alien vs. Predator“ sogar noch näher an „At the Mountains of Madness“, denn die Handlung beinhaltet tatsächlich eine Antarktisexpedition. Wissenschaftler entdecken unter dem Eis eine prähistorische Pyramide, weshalb ein Team ausgeschickt wird, um diese Pyramide zu erforschen. Ähnlich wie in „At the Mountains of Madness“ stellt sich heraus, dass es sich um die Überbleibsel einer außerirdischen Zivilisation handelt – in diesem Fall der Predator-Spezies, die die Xenomorphs züchtet, um sie als Initiationsritus für ihre Jäger zu verwenden. Handlungstechnisch ist Andersons Crossover-Film also relativ nah an Lovecraft, aber nicht atmosphärisch oder philosophische. Kosmischer Horror ist in Ansätzen bzw. im Konzept vorhanden, gerade im ersten Akt herrscht durchaus noch eine Lovecraft’sche Stimmung, aber ähnlich wie „Aliens“ ist „Alien vs. Predator“ letztendlich weniger Horror als vielmehr Action. Die Klopperei zwischen den beiden Sci-Fi-Ikonen und mehr noch die aufkeimende Freundschaft zwischen dem Predator Scar (Ian Whyte) und der menschlichen Protagonistin Alexa Woods (Sanaa Lathan) verhindert letztendlich, dass im zweiten und dritten Akt wirklich Lovecraft’sches Feeling aufkommt.

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Das fremdartige Schiff der Konstrukteure (Bildquelle)

Und schließlich und endlich hätten wir da noch „Prometheus“, das nicht-so-ganz-Prequel zu „Alien“, das weniger die Herkunft der Xenomorph-Spezies erklärt (diese wird eher nebenbei kurz angeschnitten), sondern sich mit dem abgestürzten Raumschiff beschäftigt, in dessen Innerem die Xenomorph-Eier im ersten Alien-Film gefunden werden. Auf ein solches Schiff stößt die Crew des Forschungsschiffs Prometheus. Die Wissenschaftler dieser Crew suchen nach dem Ursprung des irdischen Lebens und sind einer auf der Erde gefundenen Sternenkarte gefolgt, die sie zu dem Mond LV-223 führt, auf dem sie besagtes Schiff finden (es handelt sich dabei nicht um dasselbe Schiff wie in „Alien“, dieses wird auf dem Planetoiden LV-426 gefunden). Tatsächlich stoßen sie auf einen noch lebenden Piloten, dessen Spezies wohl die für die Erschaffung der Menschheit verantwortlich ist. Unglücklicherweise scheint dieser „Konstrukteur“ nicht allzu viel von den Menschen zu halten, was biomechanisches, höchst mörderisches Chaos zur Folge hat. Ridley Scotts Rückkehr zum Alien-Franchise ist interessant, aber auch höchst umstritten. Diverse inhaltliche Probleme lassen sich kaum wegdiskutieren; vor allem die Figurenzeichnung ist ziemlich unterirdisch, lediglich der von Michael Fassbender verkörperte Androide David ist interessant. „Prometheus“ stellt jedoch nicht nur sehr interessante Fragen zu Göttlichkeit und der Herkunft der Menschen, sondern ist „At Mountains of Madness“ vor allem philosophisch noch näher als „Alien“ und „Alien vs. Predator“. Mehr noch als diese beiden Filme bedient sich „Prometheus“ des Kosmischen Horrors. Wie bei Lovecraft ist die Menschheit ein Produkt außerirdischer Wesen, die ihrer Schöpfung nicht unbedingt wohlgesonnen sind und zu allem Überfluss sehr unangenehme biologische Spuren hinterlassen haben, um die Menschheit auszulöschen. Mehr noch, der Trilobit, eine Art übergroßer Proto-Facehugger, erinnert sogar entfernt an einen Shoggothen, und eine gewisse Ähnlichkeit zu Cthulhu ist ebenfalls vorhanden.

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Der letzte Konstrukteur ringt mit dem Trilobiten (Bildquelle)

Diese Ähnlichkeit zwischen „At the Mountains of Madness“ und „Prometheus“ hatte sogar sehr direkte Auswirkungen. Guillermo del Toro plante lange, Lovecrafts Novelle zu verfilmen. Als diese Verfilmung schließlich abgesagt wurde, war die Ähnlichkeit zwischen Scotts Film und „At the Mountains of Madness“ einer der angegebenen Gründe. Inzwischen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines von Lovecrafts Werken in diesem Stil für die große Leinwand umgesetzt wird, sehr gering. Bis dahin sind die Filme des Alien-Franchise, speziell die drei hier besprochenen, wohl das, was einer Verfilmung von „At the Mountains of Madness“ am nächsten kommt. Man muss nehmen, was man bekommt.

Lovecrafts Vermächtnis:
Der Cthulhu-Mythos
Nathaniel
Dagon
Die Opferung