Hoist the Colours


In diesem Jahr kehren die Piraten der Karibik auf die Leinwand zurück. Während auch ich mich durchaus frage, ob ein fünfter Pirates-Film wirklich nötig ist, werde ich ihn mir dennoch ansehen; schließlich ist man Fan des Franchise und insgesamt kann ich tatsächlich jedem Teil der Reihe etwas abgewinnen und schaue sie mir alle immer mal wieder gerne an. Auch musikalisch sind die Pirates-Filme sehr interessant. He’s a Pirate gehört zu den Filmthemen, die jeder schon einmal gehört hat; tatsächlich können die meisten Nicht-Filmmusikkenner es auch noch korrekt zuordnen und für manch einen Filmmusikfan ist der erste Pirates-Score tatsächlich die Einstiegsdroge. Der beste Score des Franchise ist jedoch, wie ich schon mehrfach zu Protokoll gegeben habe, in meinen Augen der dritte. Hier haben Hans Zimmer und sein Team nicht nur den besten Score seiner bzw. ihrer Karriere abgeliefert, sondern auch das beste Thema  – ein Thema, das eine ausgiebige Besprechung verdient hat, weil es sehr schön zeigt, was man mit einem guten Leitmotiv so alles machen kann.

Hoist the Colours kommt ausschließlich in „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ vor, es gibt jedoch ein Motiv, das aus einer ähnlich klingenden Akkordfolge besteht und in jedem der Pirates-Filme das eine oder andere Mal auftaucht, zum Beispiel am Ende von Barbossa is Hungry und am Anfang von Bootstrap’s Bootstraps auf dem Album von „The Curse of the Black Pearl“. Es scheint sich hierbei allerdings weniger um ein Leitmotiv, das für eine bestimmte Figur oder ein spezifisches Plotelement steht, zu handeln, sondern eher um ein allgemeines Action- bzw. Gefahrenmotiv.

Wie dem auch sei, hier noch kurz ein Wort zu meiner Vorgehensweise: Das Pirates-3-Soundtrackalbum lässt in mancher Hinsicht leider ein wenig zu wünschen übrig – einige der besten und wichtigsten Einsätze von Hoist the Colours fehlen dort. Zum Glück finden sich auf Youtube die Recording Sessions, und auf diese werde ich mich im Folgenden auch beziehen und die zentralen Stücke in den Text einbetten. Wo es mir nötig erscheint werde ich auch auf die Stücke des Albums verweisen.

Hoist the Colours sticht schon deshalb aus den Leitmotiven der Filmreihe hervor, weil es nicht nur Teil des extradiegetischen Scores ist, sondern auch als diegetisches Lied in der erzählten Welt existiert. Schon in „Dead Man’s Chest“ spielten Zimmer und Regisseur Gore Verbinski mit einem Thema, das auch die Figuren des Films wahrnehmen können: Davy Jones‘ Thema wird sowohl von ihm selbst auf der Orgel als auch von der Spieluhr, die er und Tia Dalma besitzen, gespielt. Mit Hoist the Colours gehen Verbinski und Zimmer allerdings noch einen Schritt weiter und machen das Stück, bzw. das Lied zu einem zentralen Teil der Handlung. Der von den Drehbuchautoren Ted Elliot und Terry Rossio verfasste Text erzählt die Geschichte von Davy Jones und Calypso und dient zugleich dazu, den Rat der Bruderschaft einzuberufen. Aus dieser Funktion leitet sich auch die leitmotivische Bedeutung von Hoist the Colours im Score ab: Es handelt sich um das Thema der Bruderschaft und ihres Hohen Rats. Gerade weil Hoist the Colours die Melodie eines Liedes ist, ist das Thema auch komplexer als viele andere Leitmotive der Filmreihe. Es verfügt über zwei Phrasen: Die A-Phrase (oder Strophenmelodie) und die B-Phrase (oder Refrainmelodie) – im Score taucht die B-Phrase um einiges häufiger auf, da sie prägnanter ist und sich gut als Fanfare eignet.

Bereits die Eröffnungsszene, in der die zum Tode verurteilten Piraten Hoist the Colours singen, etabliert das Lied als zentrales musikalisches Handlungselement; leider fehlt auf dem Album die erste Version des Refrains. Nach der Titeleinblendung geht es sofort weiter: Während sich Elizabeth durch die Wasserwege Singapurs bewegt, singt sie weitere Strophen des Liedes. Und dann ist da noch Tia Dalma, die mit ihrer Drehorgel ebenfalls Hoist the Colours spielt.

Der erste extradiegetische Einsatz des Themas findet sich etwas später in Battle with the Brits, als die Truppen der East India Traiding Company Sao Fengs Schlupfwinkel angreifen. Der Score dieser ersten Szenen des Films ist von asiatischer Instrumentierung geprägt, die sich auch in den Actionsequenzen fortsetzt. Dazu mischt sich Cutlers Becketts Thema, das, wie so häufig in diesem Film als Ostinato in der Begleitung zu hören ist, sowie das neue EITC-Motiv. Bei 1:16 bricht dann die Melodie des Refrains von Hoist the Colours als heroische Blechbläserfanfare aus, und das nicht ohne Grund: Zum ersten Mal kämpfen hier Piraten verschiedener Lords zusammen gegen die Traiding Company als gemeinsamen Feind. Dieses Bündnis mag noch nicht allzu stabil sein oder lange anhalten, aber es deutete die kommende Vereinigung der Piraten bereits an. Hier wird dem Zuschauer durch die heroische, siegreiche Variation bereits gezeigt, was die Figuren zum Teil erst nach und nach begreifen: Wenn sie siegen wollen, müssen sie sich vereinen.

Der nächste Einsatz findet sich erst, nachdem Will, Elizabeth, Barbossa und Co. mit Jack Sparrow aus Davy Jones‘ Reich zurückgekehrt sind. Nach dieser Todeserfahrung hat Jack keine so rechte Lust, sich an Barbossas Plan und der Vereinigung des Hohen Rats der Bruderschaft zu beteiligen – der Anblick des toten Kraken ändert da nicht viel. Entsprechend heißt das dazugehörige Stück Jiggy Kraken, der Anblick des toten Leviathans wird jedoch nicht vom Thema der Kreatur, sondern von einer bedrohlichen Version von Cutler Becketts Thema unterlegt, um zu verdeutlichen, wer für den Tod des Kraken verantwortlich ist. Das folgende Gespräch von Jack und Barbossa dreht sich um die Leere der Welt und die Wirkung der Handlungen von Beckett und ist dementsprechend mit ziemlich hoffnungsloser Musik untermalt, die einem Stück aus „Dead Man’s Chest“ gleicht, das nach Jacks Ableben erklang. Barbossa gelingt es schließlich, Jack vorläufig von der Nötigkeit der Bruderschaft zu überzeugen; die schwermütigen Streicherklänge werden ab 2:20 hoffnungsvoller und gehen langsam in Hoist the Colours über. Sogar die Belchbläser stoßen kurzzeitig dazu, doch dieser Einsatz des Themas der Bruderschaft bleibt ein unvollendetes Fragment – Jack ist nicht völlig überzeugt und noch dazu lauert bereits der Verrat.

Tatsächlich verrät in der folgenden halben Stunde jeder so gut wie jeden. Während zumindest Jack und Barbossa in Shipwreck Cove, wo sich der Rat der Bruderschaft trifft, ankommen, landet Will Turner samt Kompass, der auf den Herzenswunsch gerichtet ist, bei Beckett und Davy Jones. Dementsprechend ist die Untermalung des Gesprächs auch von den Themen dieser beiden Figuren geprägt, jedenfalls bis Will den Kompass hervorholt. Die Musik verrät, auf welches Zielt er zeigen wird: Zum ersten Mal taucht die A-Phrase des Themas der Bruderschaft im Score auf. Dieses Mal erklingt Hoist the Colours nicht als heroische Fanfare, die Instrumentierung mit Akkordeon und Banjo erinnert an ein typisches Seemannslied. Im Verlauf des Stückes Shipwreck Cove schwillt Hoist the Colours immer weiter an, das volle Orchester samt Chor untermalt den ersten Blick auf Shipwreck City. Bei diesem Stück handelt es sich um das erste komplette Statement des Themas mit A- und B-Phrase. Ich möchte auch noch betonen, dass sich diese drei ersten extradiegetischen Einsätze nicht auf dem Album befinden.

Da sich die meisten handelnden Figuren nun im Hauptquartier der Bruderschaft befinden, nimmt die Frequenz der Hoist-the-Colours-Statements zu. Bereits im folgenden Stück, Brethren Court Begins, ist es wieder zu hören. Es zeigt sich, dass die neun Piratenlords ein ziemlich chaotischer Haufen sind; dementsprechend bekommt das Thema der Bruderschaft nun eine komödiantische Färbung, die auf die Instrumentierung aus Shipwreck Cove zurückgreift und diese weiterentwickelt. Was wäre auch ein Piratenfilm ohne derartige Klänge? Hier zeigt sich, wie vielseitig die Melodie von Hoist the Colours ist. Interessanterweise erklingt nur die A-Phrase.

Teague and the Code gewinnt dem Thema der Bruderschaft abermals eine neue Seite ab. Das Stück beginnt mit einem eher schrägen Statement des torkelnden Jack-Sparrow-Themas, das hier nicht Jack selbst, sondern seinem von Keith Richards gespieltem Vater Captain Teague gilt. Dieser ist auch Wächter des Kodex der Bruderschaft; dieses feierliche Dokument erhält ebenfalls eine Hoist-the Colours-Variation, die sich von der vorangegangenen kaum mehr unterscheiden könnte. Aus dem lustigen Seemannslied ist ein ehrfürchtiges, beinahe sakrales Chorstück geworden. Teague and the Code bedient sich ausschließlich der B-Phrase, sodass man beinahe geneigt ist, diesen und den vorangegangenen Einsatz miteinander in Verbindung zu bringen. Auf dem Soundtrack-Album finden sich diese beiden Stücke tatsächlich in einem Track (The Brethren Court), allerdings in vertauschter Reihenfolge.

Nach Königswahlen, Unterredungen und der Befreiung einer Göttin muss die Bruderschaft es schließlich mit der East India Traiding Company aufnehmen, was angesichts der gewaltigen Armada zu Hoffnungslosigkeit führt. Zum Glück erinnert sich König Elizabeth (macht das Will nach der Hochzeit zur Königin?) an die gute alte Filmtradition der heroischen, mit Gänsehaut erzeugenden Musik unterlegten Ansprache. Natürlich kommt hierfür nur Hoist the Colours in Frage. In Hoist the Colours Declaration wird die B-Phrase erst zurückhaltend angestimmt, steigert sich aber nach und nach immer weiter, bis schließlich der Chor dazustößt und die bislang vollste und epischste Variation des Themas der Bruderschaft erklingt: „Gentlemen, hoist the colours!“ Nun ist die Bruderschaft endlich unter einer Flagge vereint, weshalb sich Hoist the Colours im Folgenden fast schon zu einem allgemeinen Action-Motiv wandelt, das die heroischen Handlungen der Piraten untermalt.

Diese Version des Themas findet sich unter dem Namen What Shall We Die For auch auf dem kommerziellen Album, es handelt sich dabei aber um eine Alternativversion, bei der der Chor tatsächlich (wenn auch schwer verständlich) den Text von Hoist the Colours singt – in der Filmversion bleibt der Chor wortlos, dafür gibt es eine hübsche Blechbläserfigur, die ins nächste Stück überleitet.

Besagter nächster Track, Maelstrom Part 1, ist einer der besten Actiontracks der gesamten Filmreihe und wer entschieden hat, ihn nicht mit auf die CD zu packen gehört über die Planke geschickt. Hier zeigen Zimmer und Co. in etwa fünfeinhalb Minuten, was sie können, wenn sie nur wollen – die Dynamik und leitmotivische Komplexität in diesem und den folgenden Tracks findet sich in kaum einem anderen Remote-Control-Score. Flüssig und scheinbar völlig mühelos werden fast alle wichtigen Themen der Filmreihe eingeflochten und arbeiten während dieser Schlacht mit- und gegeneinander. Fragmente von Hoist the Colours sind von Anfang vorhanden, werden aber immer wieder von Becketts Thema, den EITC-Motiven und Tia Dalmas bzw. Calpyso Thema überlagert, jedenfalls bis bei 3:50 zum ersten Mal eine vollständigere Version erklingt, die jedoch ein gewisses Maß an Verzweiflung ausdrückt. Nach einem kurzen Intermezzo kehrt Hoist the Colours mit Chor in der Begleitung bei 4:34 zurück, noch getragener, noch verzweifelter, aber auch noch entschlossener, während sich die Black Pearl und Flying Dutchman mit ihren Kanonen gegenseitig durchlöchern. Das Ende dieses Statements wird zu Beginn des folgenden Tracks (Getting the Chest) kurz wiederholt, im Film erklingt es jedoch nur einmal.

Schon in A Lost Bird kehrt das Thema der Bruderschaft bei 0:59 zurück, abermals mit Chor, der dieses Mal die Melodie singt, sowie viel Percussion. Das Statement untermalt Jacks Kampf mit Davy Jones und klingt energetischer – mit Ausnahme des Einsatzes in Battle with the Brits dürfte es sich hierbei um die actionreichste Variation von Hoist the Colours handeln. Direkt im Anschluss, am Anfang des Tracks The Wedding, erklingt etwas, das noch einmal Hoist the Colours sein könnte, bei dem es sich jedoch meiner Meinung nach um das zu Anfang dieses Artikels erwähnte Action-Motiv handelt. Ähnlich verhält es sich mit den Fragmenten in den ersten drei Minuten von Beckett’s Death – bei diesen könnte es sich sowohl um stark verfremdete Versionen von Hoist the Colours handeln, die den Seitenwechsel der Flying Dutchman darstellen, als auch um Bruchstücke besagten Action-Motivs ohne tieferen Sinn.

Auf dem kommerziellen Album gibt es für die finale Schlacht einen Mammuttrack namens I Don’t Think Now Is the Best Time, der primär aus den Stücken Beckett’s Death (Anfang bis 4:55), A Lost Bird (4:56 bis 6:10), The Wedding (6:11 bis 9:21) und ein wenig Maelstrom Part 2 (9:22 bis Schluss) besteht. Die Reihenfolge stimmt natürlich nicht, chronologisch müsste Beckett’s Death den Track abschließen, statt ihn zu eröffnen.

Nun fehlt noch ein großer Einsatz von Hoist the Colours: Nachdem He’s a Pirate wie gewohnt den Abspann eröffnet und anschließend das dreiteilige Liebesthema erklingt, spendiert Hans Zimmer uns fünf glorreiche Minuten, in denen fast alle Variationen des Themas der Bruderschaft noch einmal durchexerziert werden. Die Hoist the Colours Suite des Abspanns wurde als Teil des „Pirates of the Caribbean Treasure Set” auf der Bonus-CD „Remixed and Unreleased“ veröffentlicht. Diese Suite ist ein grandioser Abschluss eines grandiosen Soundtracks. Hin und wieder absolvieren einige andere Themen des Franchise einen kleinen Gastauftritt; bei 3:20 schaut Jack Sparrow kurz vorbei, bei 4:10 erklingt Cutler Becketts Thema und um die Dreiminutenmarke nähert sich das Bruderschaftsthema He’s a Pirate an, sodass man fast von einem Hybriden der beiden Themen sprechen.

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A Cure for Wellness

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Story: Im Auftrag seines Unternehmens reist Lockhart (Dane DeHaan) in ein abgelegenes Sanatorium in der Schweiz, um das Vorstandsmitglied Pembroke (Harry Groener) zurück nach New York zu holen. Doch schon bald stellt er fest, dass in dem Sanatorium unter Leitung von Dr. Heinreich Volmer (Jason Isaacs) etwas ganz und gar nicht stimmt. Kein Patient verlässt die Einrichtung je wieder, sie alle finden den Ort wunderbar, obwohl sie nach und nach verfallen. Und dann ist da noch die mysteriöse Hannah (Mia Goth), ein, wie sie selbst sagt, Spezialfall. Schon bald erkennt Lockhart: Um seinen Auftrag erfüllen zu können, muss er herausfinden, was in den Kellerräumen des Sanatoriums wirklich geschieht…

Kritik: Betrachtet man sich Gore Verbinskis Filme der letzten zehn Jahre, darunter vor allem die ersten drei Teile von „Pirates of the Caribbean“ sowie „Rango“ und den Disney-Megaflop „The Lone Ranger“, dann will „A Cure for Wellness“ da erstmal nicht so recht reinpassen. Einen offensichtlich verwandten Film findet man erst, wenn man ins Jahr 2002 zu Verbinskis Remake von „The Ring“ zurückgeht. Während nicht jeder dieser Filme wirklich vollauf gelungen ist, sind sie doch alle zumindest interessant – „A Cure for Wellness“ reiht sich da wunderbar ein. Vor allem gilt es jedoch, erst einmal eine Warnung auszusprechen: Dieser Film ist gewissermaßen eine Mogelpackung – vielleicht die grandioseste Mogelpackung der letzten Jahre. Die Trailer mögen einen Psychothriller á la „Shutter Island“ suggerieren, während der Titel und die ersten zehn Minuten eine damit verbundene Auseinandersetzung mit modernen Themen wie Wellness, Burn-out und dem leeren Erfolgsstreben des Großkapitalismus versprechen. „A Cure for Wellness“ ist nach diesen zehn Minuten allerdings ein völlig anderes Biest: Sobald Lockhart im Sanatorium in der Schweiz ankommt und beginnt, auf dunkle Geheimnisse zu stoßen, stellt sich heraus, dass es sich bei diesem Film eigentlich um eine waschechte Gothic-Horror-Geschichte mit einer Prise Lovecraft handelt.

Viele Rezensenten kritisierten vor allem das Ende, bzw. das Finale und die damit zusammenhängende Enthüllung, ich sehe das allerdings anders. Die größte Schwäche dieses Films ist in meinen Augen der bereits erwähnte Anfang, denn er veranlasst den Zuschauer, den Film unter einer letztendlich falschen Prämisse zu betrachten, die dazu führt, dass man unweigerlich enttäuscht wird, weil man etwas anderes erwartet. Dementsprechend uninspiriert wirkt dann auch die Schlussszene; es scheint, als hätten sich Verbinski und sein Drehbuchautor Justin Haythe (beide zusammen haben die Story geschrieben) daran erinnert, dass da ja noch die zu Beginn gestellte Thematik war und versucht, einen Abschluss zu liefern, was aber nicht wirklich gelingt.

In mancher Hinsicht hat „A Cure for Wellness“ einiges mit Guillermo del Toros „Crimson Peak“ gemein. Bei beiden Filmen handelt es sich um Liebeserklärungen an den klassischen Schauerroman und das Gothic-Horror-Genre des 19. Jahrhunderts, in beiden Fällen wurden die Filme allerdings nicht unbedingt als das beworben, was sie sind. „Crimson Peak“ ist immerhin vom Marketing losgelöst sehr ehrlich und erklärt dem Zuschauer am Anfang, woran er ist, während „A Cure for Wellness“ den Zuschauer noch im Film täuscht. Ich persönlich denke, dieser Film hätte weitaus besser funktioniert, hätte er nicht im 21. Jahrhundert, sondern in den 1950ern, den 1920ern oder sogar im späten 19. Jahrhundert gespielt; das Sanatorium wirkt ohnehin, als stamme es direkt aus den 50ern.

Wenn man die falsche Prämisse und die Tatsache, dass es eigentlich weder um Wellness, noch um sonstige Themen des 21. Jahrhunderts geht, überwunden hat, funktioniert der Film als Gothic-Horror-Geschichte exzellent. Verbinskis etwas umständliche, behäbige und zum Teil auch langatmige Erzählweise, die schon bei den Pirates-Sequels oftmals kritisiert wurde, passt tatsächlich wunderbar zu dieser Hommage, da sie im besten Sinne viktorianisch ist. Die Art, wie die Geschichte aufgebaut ist, die Konzeption des Protagonisten, des Antagonisten und der mysteriösen Frauenfigur, der Twist am Ende, die moralischen Abgründe – all das entspricht genau den Konventionen der klassischen Gothic Novel. Selbst das Geheimnis, das sich im Sanatorium verbirgt wäre in einem „gewöhnlichen“ Thriller unpassend, aber auch hier folgt „A Cure for Wellness“ mit seiner Steampunk-Ästhetik und dem beinahe magischen Prozess den gotischen Konventionen. Wer, wie ich, diesen etwas abgewinnen kann, dürfte auch von „A Cure for Wellness“ angetan sein.

Zumindest ein Aspekt ist jedoch über jeden Zweifel erhaben: Verbinskis Bildsprache ist schlicht brillant. Und das betrifft nicht nur die exzellent gefilmte Bergpanoramen und Kulissen, darunter Burg Hohenzollern, sondern auch die diversen Techniken wie die Parallelmontage oder die optischen Spiegelungen, derer er sich bedient, um alptraumhafte Bilder zu erzeugen. Apropos alptraumhaft, auch diesbezüglich gibt es einiges zu bieten. Verbinski schreckt vor visuellen Gemeinheiten absolut nicht zurück und gewährt dem Zuschauer kein gnädiges Abblenden. Die üppige Bilderwelt des Films ist ebenfalls vom gotischen Geist durchdrungen. Darüber hinaus hat Verbinsiki noch die eine oder andere kleine Anspielung versteckt – so liest einer der Pfleger des Sanatoriums gerade Thomas Manns „Der Zauberberg“. Hätte Mann sein Werk nichts als Bildungs- sondern als Schauerroman konzipiert, wäre vielleicht etwas wie „A Cure for Wellness“ dabei herausgekommen.

Schauspielerisch bewegt sich „A Cure for Wellness“ ebenfalls durchaus auf hohem Niveau. Dane DeHaan wirkt ein wenig überfordert, dafür weiß Mia Goth aber vollauf zu überzeugen (und hat auch noch einen passenden Namen) und Jason Isaacs wurde die Rolle des Sanatoriumsleiters mit dem finsteren Geheimnis geradezu auf den Leib geschrieben. Ähnlich überzeugend ist auch die Musik, die dieses Mal nicht von Verbinskis Stammkomponisten Hans Zimmer kommt, sondern von dem britischen Komponisten Benjamn Wallfisch, der einen wirkungsvollen Horror-Score in der Tradition Jerry Goldsmiths und Christopher Youngs beisteuert.

Fazit: „A Cure for Wellness“ ist ein unbequemer und unebener Film, aber auch eine visuell brillante, enthusiastische Liebeserklärung an das Gothic-Horror-Genre, die für mich als solche wunderbar funktioniert hat und der ich den Erfolg an den Kinokassen vollauf gegönnt hätte, immerhin werden Filme, die nicht zu einem Franchise gehören und keine Adaption oder ein Remake sind, immer seltener.

Trailer

Siehe auch:
Crimson Peak

Die besten Song-Momente in Filmen und Serien

Hier kommt noch ein ziemlich verspätetes Stöckchen, geworfen von der singenden Lehrerin und inszeniert von taranKino. Gefragt wird nach den besten Songmomenten in Filmen und Serien (wobei der Fokus hier auf Filmen liegt). Es wäre mir natürlich ein leichtes, so eine Liste mit Scoremomenten zu füllen, aber das bedarf einer eigenen Parade und sollte dann auch so genannt werden. Aus diesem Grund gibt es hier auch keine Score-Beispiele. Hier zu finden sind entweder Lieder, die für den Film komponiert wurden, oder Musikstücke (sowohl Lied als auch Instrumentalstücke) die vorher bereits existierten. Die Liste ist wertfrei, die Anordnung der Einträge ist willkürlich.

Dies Irae (Wolfgang Amadeus Mozart, John Ottman), in „X2: X-Men United“

Ich liebe es, wenn eine Szenen bzw. Action-Choreographie genau auf die Musik abgestimmt ist, so wie es in „X2: X-Men United“ der Fall ist. Das Dies Irae aus Mozarts Requiem, wahrscheinlich sein bekanntestes Stück, das ohne einen Vogelfänger oder die Königin der Nacht auskommt, untermalt die erste Actionszene des Films. Die Verbindung zum Geschehen findet sich dabei nicht nur in der Choreographie, sondern auch im Inhalt: Nightcrawler ist eine zutiefst religiöse Figur, weshalb sich die Verwendung eines kirchlichen Stückes natürlich anbietet. Mozarts Original wurde von John Ottman minimal bearbeitet, um noch besser zur Szene zu passen. Da Ottman bei Bryan Singers Filmen nicht nur für die Musik, sondern auch für den Schnitt verantwortlich ist, hat er wirklich ein Händchen für derartige Momente, wie sich im Verlauf dieser Liste noch einmal zeigen wird.

The Verdict/Für Elise (Ludwig van Beethoven, Ennio Morricone), in „Inglourious Basterds“

Quentin Tarantinos Filme sind dafür bekannt, dass sie praktisch nie extra für den Film komponierte Scores haben; die Musik wird vom Regisseur selbst ausgewählt und meistens extrem passend in den Film integriert – ich denke mal, wenn ich behaupte, dass Tarantino wohl der Regisseur ist, der die Verwendung bereits existierender Musik in seinen Filmen am besten beherrscht, wird mir kaum jemand widersprechen. Obwohl es viele gelungene Momente in Tarantinos Filmen gibt, fiel mir doch die Wahl nicht schwer. „Inglourious Basterds“ ist in meinen Augen mit Abstand Tarantinos bester Film, denn schon die Anfangsszene weiß den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Das dem klassischen Western entlehnte Holzhacken wird, wie könnte es anders sein, untermalt von einem Stück des klassischen Westernkomponisten Ennio Morricone (der zwar auch viele andere Sachen gemacht hat, aber vor allem, dafür bekannt ist). Bei The Verdict handelt es sich um eine Adaption von Beethovens Für Elise, dem Morricone ein Western-Setting verpasst, weshalb es zu dieser Anfangsszene natürlich perfekt passt: Eine an einen Western gemahnende Sequenz mitten im von den Nazis besetzten Frankreich.

The Times They Are A-Chanin’ (Bob Dylan), in: „Watchmen”

Mit Zack Synders Scorevorlieben kann ich nicht besonders viel anfangen, sowohl Tyler Bates‘ als auch Hans Zimmers Arbeit für den Watchmen- und Man-of-Steel-Regisseur finde ich ziemlich unterirdisch. Aber es lässt sich nicht leugnen, der Mann versteht es, passende Songs auszuwählen. „Watchmen“ insgesamt ist ein gelungenes Beispiel, aber in keiner anderen Szene wird dies so deutlich wie beim aufwendig gestalteten Vorspann, zu dem Bob Dylans The Times They Are A-Changin‘ erklingt, während die Montage genau auf die Musik abgestimmt ist.

„Amadeus“ (Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Salieri)

Ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Miloš Formans „Amadeus“ gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und ist mit großartigen Musikmomenten randvoll. Und das liegt nicht nur an der Qualität der Musik (Mozart halt), sondern auch daran, wie meisterhaft diese integriert und zum bestimmenden Mittel der Narrative wird, egal ob sie gerade diegetisch oder extradiegetisch eingesetzt wird. Zu meinen absoluten Favoriten gehören: Mozart komponiert „ausversehen“ aus Salieris Willkommensmarsch das Non più andrai (aus „Le Nozze di Figaro“), die Don-Giovanni-Szene, der zur Stimmung passende Wechsel zwischen „Die Zauberflöte“ und dem Requiem, als Mozart beides parallel komponiert, und natürlich das Komponieren am Totenbett (Confutatis Maledictis). Ich hätte auch problemlos eine Liste nur mit Momenten aus „Amadeus“ füllen können, aber das wäre vielleicht etwas eintönig geworden.

Misty Mountains (Plan 9), in: „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“

Dieses Lied hat den ersten Hobbit-Trailer zu einem der besten Trailer überhaupt gemacht, es fängt die Stimmung der Szene perfekt ein, es wird zum Leitmotiv, es ist einfach rundum gelungen. Und ich habe an anderer Stelle bereits ziemlich viel darüber geschrieben.

Der Ritt der Walküren (Richard Wagner), in: „Apocalypse Now“

Definitiv kein schöner Songmoment, aber dafür perfekt inszeniert – und zwar so perfekt, dass Wagners Ritt der Walküren inzwischen immer zuerst mit „Apocalypse Now“ in Verbindung gebracht wird, bevor jemand überhaupt an „Die Walküre“ denkt, was auch daran liegen könnte, dass es so viele Anspielungen gibt; zum Beispiel verwendete Zack Snyder in „Watchmen“ für die Vietnam-Szene mit dem Comedian und Doctor Manhattan ebenfalls dieses Stück.

Time in a Bottle (Jim Croce), in: „X-Men: Days of Future Past“

Nochmal X-Men, nochmal Bryan Singer und John Ottman, nochmal eine zur Musik choreographierte Actionszene. So unzufrieden ich auch mit dem Score, den Ottman für „Days of Future Past“ komponiert hat, bin, so gelungen ist doch seine Schneidearbeit, gerade in dieser Szene und gerade in Bezug auf den hier verwendeten Song. Obwohl ich das Dies Irae Time in a Bottle vorziehe, ist doch die Quicksilver-Szene noch um ein gutes Stück stärker, da hier die Verknüpfung von Bild und Musik noch reibungsloser funktioniert. Darüber hinaus wird Quicksilver so perfekt charakterisiert, ohne, dass er ein einziges Wort verliert – es tut mir Leid für Aaron Taylor-Johnson, aber seine Version der Figur hatte quasi schon verloren, bevor sie überhaupt angetreten ist.

Vide Cor Meum (Patrick Cassidy), in: „Hannibal“

In einer Szene in „Hannibal“ besucht der Doktor in Florenz eine Oper, Ridley Scott entschied sich dabei allerdings dafür, keine existierende Oper zu verwenden, sondern heuerte den irischen Komponisten Patrick Cassidy an, um extra für den Film eine Arie zu komponieren die, passend zur Handlung, auf „La Vita Nuova“ von Dante Aligheri basiert. Diese Arie gefiel Ridley Scott übrigens so gut, dass er sie „Hannibal“ noch einmal extradiegetisch verwendete und auch in „Königreich der Himmel“ einsetzte. Für mich ist Vide Cor Meum der mit Abstand beste musikalische Moment aller Hannibal-Lecter-Adaptionen, und umso begeisterter war ich, als genau diese Arie auch in der finalen Szene der ersten Staffel von „Hannibal“ eingesetzt wurde. Was für ein perfekter Abschluss.

Hoist the Colours (Hans Zimmer), in: „Pirates of the Caribbean: At World’s End“

Zwar ist „At World’s End“ der Pirates-Film, den ich insgesamt am schlechtesten finde, allerdings ist er auch der Pirates-Film, der die besten Einzelszenen und mit Abstand die beste Musik hat. Ein hervorragendes Beispiel für beides ist die Eröffnungsszene des Films, in der eine Massenhinrichtung stattfindet. Die Piraten auf dem Weg zum Strick beginnen allerdings, ein Lied zu singen, das als Aufruf fungiert und gleichzeitig die Geschichte von Davy Jones und Calypso thematisiert. Im Verlauf des Films wird Hoist the Colours ähnlich verwendet wie Misty Mountains: Die Melodie fungiert im Score als Leitmotiv der Bruderschaft – und ist darüber hinaus das in meinen Augen beste Thema, das Hans Zimmer komponiert hat.

Also sprach Zarathustra (Richard Strauss), in: „2001: A Space Odysee“

Ganz ähnlich wie Der Ritt der Walküren ist auch Strauss’ Also sprach Zarathustra (zumindest der Anfang) inzwischen fast untrennbar mit einem Film verbunden. Die Szene mit dem Affen, dem Knochen und dem großen, schwarzen Monolithen gehört wahrscheinlich zu den ikonischsten der Filmgeschichte und wurde unzählige Male parodiert – sie auszulassen wäre fast schon kriminell.

The Rains of Castamere (Ramin Djawadi), in: „Game of Thrones“

Eigentlich wollte ich mich ja auf Filme beschränken, aber da mit „Hannibal“ zumindest teilweise eine Serie reingerutscht ist warum dann nicht noch eine zweite? Auch zu The Rains of Castamere habe ich schon einiges geschrieben. Die Lannisters sind das einzige Haus, das so etwas wie eine eigene Hymne besitzt, und da ist es natürlich nur logisch, die Melodie dieser Hymne zu ihrem Thema zu machen. Es existieren zwei Abspannversionen des Liedes, einmal von The National und einmal von Sigur Rós. Zweifellos am interessantesten sind allerdings die diegetischen Einsätze, die ab der zweiten Staffel immer wieder auftauchen. Mal wird das Lied von Tyrion gepfiffen, mal singt es Thoros von Myr, die Lannister-Soldaten nutzen es, um sich vor der Schlacht von King’s Landing Mut zu machen, und dann ist da natürlich der geradezu ikonische Einsatz bei der Roten Hochzeit…

Stück der Woche: Finale (William Tell Overture)


Es gibt ein paar klassische Stücke, die fast jeder schon einmal gehört hat. Dazu gehören, neben Mozarts Eine kleine Nachtmusik oder dem ersten Satz von Beethovens Fünfter Symphonie auch die Ouvertüre der Oper „Wilhelm Tell“ (bzw. „Guillaume Tell“) von Gioachino Rossini – anders als bei den anderen beiden Beispielen fällt die Zuordnung zum Komponisten vielen allerdings recht schwer.
Bei „Wilhelm Tell“ handelt es sich um Rossinis letzte Oper, die 1829 in Paris uraufgeführt wurde. Zwar ist ihr Bekanntheitsgrad weit geringer als der von Rossinis bekanntester Oper, „Der Barbier von Sevilla“, allerdings hat die Ouvertüre gewissermaßen ein Eigenleben entwickelt, oder genauer: Das letzte Viertel der Ouvertüre (der Marsch der Schweizer Soldaten) hat ein Eigenleben entwickelt. Dies ist vor allem auf die häufige Verwendung in Film und Fernsehen zurückzuführen: Das schnittige, unglaublich einprägsame Stück taucht überall auf, von Reiterszenen in alten Filmen über klassische Donald-Duck-Cartoons bis hin zu „A Clockwork Orange“, diversen Werbespots oder „Scrubs“. Die (vor allem für Amerikaner) berühmteste Verwendung der Overtüre findet sich allerdings in den Radio- und Fernsehserien, die die Abenteuer des Lone Ranger erzählen.
So ist es wenig verwunderlich, dass der Marsch der Schweizer Soldaten auch in Gore Verbinskis viel gescholtener Filmadaption von 2013 auftaucht. Der eigentliche Score stammt von Hans Zimmer (und einer Vielzahl seiner üblichen Assistenten und Helfershelfer) und ist insgesamt eher mittelmäßig (wenn auch um Welten besser als die im selben Jahr erschienene Filmmusik von „Man of Steel“). Zimmer mischt Stilmittel, die wir bereits aus vielen seiner Scores (etwa „Sherlock Holmes“, „Pirates of the Caribbea“, „Rango“ etc.)
kennen mit musikalischen, von Ennio Morricone geprägten Westernklischees. Ursprünglich hatte Zimmer nicht vor, die Wilhelm-Tell-Ouvertüre als Anspielung an die klassischen Lone-Ranger-Serien einzubauen, allerdings bestand Verbinski darauf, weshalb Zimmer Geoff Zanelli, einen erfahrenen Remote-Control-Mitarbeiter, der es bislang allerdings, anders als etwa Ramin Djawadi oder Henry Jackman, noch nicht geschafft hat, sich einen eigenen Namen zu machen, damit beauftragte, die Ouvertüre für den Film zu adaptieren. Und erfreulicherweise leistete Zanelli wunderbare Arbeit, seine Bearbeitung des Rossini-Stückes stellt zweifellos das Highlight des Scores (und des Films) dar. Dabei blieb Zanelli dem Geist des ursprünglichen Werkes stets treu und verwässerte es nicht mit unnötigen Remote-Control-Stilmitteln (ein passendes Gegenbeispiel findet sich in „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“, in dem Stück To the Opera! wird ein Ausschnitt aus Mozarts „Don Giovanni“ stark verzimmert). Stattdessen passte er es behutsam an die finale Actionszene an und arbeitete gekonnt die eigentlichen Themen des Films ein, so als hätten sie schon immer dazugehört (etwa bei 4:40, 6:55 oder 8:34). Das ist mal wirklich ein musikalischer Tribut, der sich sehen lassen kann.

The Lone Ranger

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Story: Wir schreiben das Jahr 1869 und befinden uns mitten in der Hochzeit des Wilden Westens. Die Brüder John (Armie Hammer) und Dan Reid (James Badge Dale) jagen zusammen mit einer Gruppe Ranger den brutalen Verbrecher Butch Cavendish (William Fichtner). Aufgrund eines Verräters sterben allerdings alle bis auf John, der Rache schwört und zusammen mit dem exzentrischen Indianer Tonto (Johnny Depp) Jagd auf Cavendish macht. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass Cavendish nicht nur ein Gangster und Kannibale ist, er ist auch in ein Komplott verwickelt, das weitaus größere Ausmaße hat und die Zukunft der Vereinigten Staaten bedroht…

Kritik:
„The Lone Ranger“ reiht sich relativ mühelos in die Liste von Disney-Filmen ein, die ein Franchise begründen sollten, und er passt auch relativ gut zu ihnen. Egal ob „Tron: Legacy“, „John Carter: Zwischen zwei Welten“ oder „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ oder nun „The Lone Ranger“, jeder dieser Filme sollte den Erfolg der Pirates-of-the-Caribbean-Reihe wiederholen, scheiterte allerdings und floppte oder war zumindest nicht so erfolgreich, wie Disney sich das vorstellte. Alle oben genannten Filme haben die Gemeinsamkeit, dass sie zwar bei Weitem keine Meisterwerke sind, aber doch recht kreativ und mit Herzblut gemacht wurden und in jedem Fall den Erfolg mehr verdient hätten als, sagen wir mal, „Transformers“ oder „Twilight“.
Gerade bei „The Lone Ranger“ wird der Versuch, den Erfolg der Pirates-Filme zu wiederholen, überdeutlich: Gore Verbinski führt Regie, Jerry Bruckheimer produziert, Johnny Depp spielt den Exzentriker, Ted Elliot und Terry Rossio sind für das Drehbuch verantwortlich (dieses Mal zusammen mit Eric Aronson und Justin Haythe) und Hans Zimmer komponiert die Musik. Und auch außerhalb der Credits erinnert der Film stark an „Pirates of the Caribbean“ – im Guten wie im Schlechten.
Da ich weder die Radio- noch die Fernsehserie kenne, durch die der Lone Ranger bekannt wurde, fällt es mir schwer, etwas zur Vorlagentreue zu sagen. Nicht leugnen lässt sich die Tatsache, dass „The Lone Ranger“ stark auf Westernklischees basiert, diese teilweise ironisch bricht, sie teilweise aber auch einfach benutzt, ohne sie zu hinterfragen. Ebenso wenig leugnen lässt sich, dass „The Lone Ranger“ einige schwerwiegende Schwächen hat: Der Film ist zu lang und zu behäbig, die Rahmenhandlung im Jahr 1933 wirkt ziemlich unnötig, in der Mitte zieht sich Ganze doch recht stark und alles in allem wäre es vielleicht doch besser gewesen, hätten die Verantwortlichen die eine oder andere Episode etwas zusammengekürzt oder ganz gestrichen, um dem Film mehr Fokus zu geben. Die größte Schwäche sind jedoch die Figuren: Während der Titelheld selbst und Tonto noch recht interessant sind, machen alle anderen nicht allzu viel her und wirken äußerst blass – dies betrifft vor allem das Love Interest (Ruth Wilson) und die von James Badge Dale und Tom Wilkinson verkörperten Schurken, die weder Tiefe noch Exzentrik besitzen und mal wieder nur von Geldgier motiviert sind. Und schließlich weiß der Film nicht so recht, was er sein will: Die dramatischen Stellen werden oft vom Humor unterbrochen, für einen komödiantischen Familienfilm oder eine echte Parodie ist er allerdings an manchen Stellen einfach zu drastisch.
Dennoch ist „The Lone Ranger“ bei Weitem nicht so schlecht, wie die US-Kritiker ihn machen. Trotz der oben genannten Kritikpunkte weiß der Film vorzüglich zu unterhalten, nicht zuletzt dank der unheimlich starken Bilder und des Ranger/Tonto-Gespanns. Gerade Armie Hammer spielt seine Rolle sehr gut, während Johnny Depps Tonto an einen etwas stoischeren, aber nicht minder exzentrischen Jack Sparrow erinnert – aber mal ehrlich, es gibt schlimmeres. Der Rest des Casts ist allerdings eher funktional, es gibt keinen Totalausfall, aber auch niemanden, der wirklich hervorsticht. Gerade bei Helena Bonham Carter wird man den Gedanken nicht los, dass da irgendwie mehr drin gewesen wäre.
Der Humor erinnert stark an „Pirates of the Caribbean“ (warum wohl?), ist aber zumeist treffsicher, sofern man sich nicht an Tontos totem Vogel stört. Wie bei Gore Verbinski nicht anders zu erwarten sind die Actionszenen äußerst kreativ und überdreht, was ihrer Wirkung allerdings keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Der Film gipfelt schließlich in einem aberwitzigen Finale auf zwei Zügen, das allein schon den Preis der Eintrittskarte wert ist.
Apropos Finale: Nach etlichen enttäuschenden Soundtracks liefert Hans Zimmer endlich mal wieder etwas ab, das zwar immer noch weit von Meisterwerken wie „König der Löwen“ oder „Pirates of the Caribbean: At World’s End“ entfernt ist, aber im Gegensatz zu „Man of Steel“ oder „The Dark Knight Rises“ Spaß macht. Dies ist vor allem der musikalischen Untermalung des Finales zu verdanken, bei welchem Gioachino Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre, die bereits als Titelmelodie der alten Lone-Ranger-Serie fungierte, zum Einsatz kommt, clever bearbeitet von Zimmer-Zögling Geoff Zanelli.
Fazit: Bei weitem kein Meisterwerk, aber ein durchaus unterhaltsamer Film für Zwischendurch, vor allem für Pirates-Fans, der zwar einige Schwächen hat und ein wenig zu lang geraten ist, aber dank der Action, des Humors und der Hauptdarsteller überzeugt.

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