GoT: Mother’s Mercy

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„Mother’s Mercy“, der Titel des Staffelfinales, bezieht sich auf den Glauben und einen in Westeros oft benutzten Ausspruch. Ein passenderer Titel wäre allerdings „Cliffhanger’s Mercy“, denn diese Episode lässt uns in fast jedem Handlungstrang mit einem Cliffhanger und einer absoluten Ungewissheit zurück. Gleichzeitig steigt die Zahl der in dieser Staffel verstorbenen wichtigen Figuren noch – inklusive derer, die in den Romanen noch leben.

Winterfell
Auf den ersten Blick scheint die Opferung von Shireen funktioniert zu haben: Tauwetter setzt ein. Dann jedoch schlägt das Karma zurück und eines kommt zum anderen. Stannis‘ halbe Armee, bestehend aus den Söldnern, die er mit dem Geld der Eisernen Bank angeheuert hat, verlässt ihn, Selyse hängt sich auf, und dann sucht auch noch Melisandre das Weite, wobei nicht ganz klar ist, weshalb – vielleicht erkennt sie, dass sie die Zeichen in ihren Feuern falsch gedeutet hat, es wäre immerhin nicht das erste Mal.

Stannis scheint zusammen mit Shireen auch etwas in sich selbst getötet zu haben, aber er ist nun einmal stur und setzt trotzdem zur Belagerung an, nur, um von Roose Boltons Armee gnadenlos vernichtet zu werden. Eigentlich sollte Stannis ja ein militärische Genie sein… Das Ganze endet damit, dass Brienne den verwundeten Stannis, der im Grunde mit dem Leben abgeschlossen hat, auf dem Schlachtfeld findet. Mir gefällt Stannis‘ Abgeklärtheit in dieser Szene, trotz allem bringt er Brienne zähneknirschend Respekt entgegen, denn sie tut ihre Pflicht, und das ist das, was Stannis am meisten respektiert. Wir erfahren allerdings nicht, ob er wirklich stirbt, denn Brienne holt zum Schlag aus und dann endet die Szene.

Diese Entwicklung greift den Romanen bereits weit voraus. Der aktuelle Stand (aus einem Promokapitel von „The Winds of Winter“) sieht dort nämlich anders aus: Stannis befindet sich immer noch in einem Dorf, drei Tage entfernt von Winterfell, das er aufgrund des Schnees nicht verlassen kann. Die Frage, die sich nun natürlich stellt, ist, ob man von der Serie auf die Romane schließen kann: Wird Stannis die bevorstehende Schlacht auch dort verlieren und sterben? Wenn ja sind die Umstände auf jeden Fall anders, denn, wie bereits erwähnt, weder Melisandre noch Shireen oder Brienne sind anwesend.
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Sansa (Sophie Turner) und Theon (Alfie Allen) machen sich zum Sprung bereit

Sansa und Theon schaffen es derweil, aus Winterfell zu fliehen, allerdings nicht, ohne vorher noch Myranda loszuwerden. Theon hat dabei endlich seinen Moment der Wiedergutmachung. Auch hier endet es ungewiss, denn Sansa und Theon springen von der Mauer, allerdings ist zu erwarten, dass sie den Sprung aufgrund des vielen Schnees überleben. Theon und Jeyne Poole in den Romanen tun dies jedenfalls und erreichen Stannis‘ Lage unversehrt. Wie es weitergeht bleibt auch hier ungewiss, da Stannis ja bereits tot ist.

Braavos
Wie es hier weitergeht war ja bereits zu erwarten: Arya schleicht sich bei Meryn Trant ein und tötet ihn auf äußerst unangenehme Weise – allerdings ist Meryn Trant auch derart unsympathisch (um es mal gnadenlos zu untertreiben), dass hier wohl kaum jemand Mitleid haben dürfte; irgendwie gönnt man es ihm. Interessanter sind die Folgen für Arya, die nun, ganz wie in den Romanen, wegen eines vom Haus von Schwarz und Weiß nicht genehmigten Mordes ihr Augenlicht verliert. Die zugehörige Szene mit der Herrenlosen und Jaqen ist zwar nicht unbedingt logisch, aber herrlich surreal. Insgesamt bleibt Aryas Handlungsstrang damit sehr buchgetreu, über einige kleine Änderungen und Personenwechsel kann ich da durchaus hinwegsehen.

Dorne
Und noch mal ein Tod, der in den Romanen bisher nicht geschehen ist. Alles scheint gut gelaufen zu sein, Jaime, Bronn, Trystane und Myrcella machen sich per Schiff auf den Weg nach King’s Landing – nur blöd, dass Ellaria Myrcella einen Abschiedskuss gegeben hat. Wer sich an die Gefängnisszene mit Bronn und Tyene erinnert, kann sich sicher schon denken, was das bedeutet: Die junge Prinzessin wurde vergiftet. Auch hier wird der eigentliche Tod nicht gezeigt, es ist aber relativ klar, dass Myrcella nicht überlebt. Das bedeutet dann wohl offenen Krieg mit Dorne in der nächsten Staffel. Hoffen wir nur, dass die Dornischen dann auch besser und interessanter dargestellt werden als in Staffel 5. Was immer man auch über „A Feast for Crows“ sagen kann, der Plan, den Arianne Martell dort hatte, war wenigstens halbwegs sinnvoll. Was Ellaria dagegen hier tut, ist an Kurzsichtigkeit kaum zu überbieten, im Grunde stürzt sie ihr gesamtes Land nur wegen persönlicher Rache in einen zerstörerischen Konflikt.

King’s Landing
Cerseis Marsch der Schande ist definitiv einer der Höhepunkte dieser Episode; die Szene schafft es vorzüglich, die Intensität der Vorlage einzufangen. Es ist nur Schade, dass einige Feinheiten verloren gehen. So wird nicht wirklich deutlich, warum es trotz allem im Interesse des Hohen Spatz ist, dass die Lannisters, wenn auch gedemütigt, an der Macht bleiben und dass der Inzest nicht ans Licht kommt. Denn wenn Tommens Anspruch erlischt, ist Stannis der rechtmäßige Thronerbe, wodurch der Glaube sofort all seine Macht verlieren würde. Zwar verliert Stannis gerade gegen die Boltons, was der Hohe Septon aber nicht wissen kann.
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The artist formerly known as Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson)

Einen kleinen Aufruhr gab es noch, weil Lena Headey hier nicht selbst nackt ist, sondern von der Schauspielerin Rebecca Van Cleave gedoublt wird. Ehrlich gesagt kann ich das nicht nachvollziehen. Wer in so einer Szene nackt spielt, verdient auf jeden Fall massiven Respekt, ich kann es aber auch sehr gut nachvollziehen, wenn man sich dagegen entscheidet. Ich jedenfalls fand den Marsch und die Performance beider Schauspielerinnen überzeugend.

Das Ganze endet schließlich damit, dass Frankenqyburns Monster auftaucht, in „A Dance with Dragons“ wird er Ser Robert Strong genannt. In der Serie ist es noch eindeutiger, dass es sich dabei um den wandelnden Berg handelt. Es gibt eine interessante Fantheorie, derzufolge Sandor nicht gestorben, sondern von einem Mitglied des Glaubens gesundgepflegt wurde und am Ende seinem untoten Bruder gegenübertreten wird – insgesamt eine der plausibleren Theorien. We shall see.

Meereen
In Meereen ist man erst einmal ziemlich ratlos. Daario und Jorah beschließen letztendlich, Daenerys zu suchen, während Tyrion, Missandei und Grey Worm zurückbleiben, um die Stadt zu verwalten. Wenn man die Situation bedenkt, ist das schon abwegig: Zwei ehemalige Sklaven und ein Kleinwüchsiger vom anderen Ende der Welt – andererseits wären Jorah und Daario aber auch tatsächlich nicht wirklich hilfreich gewesen. Jedenfalls übernimmt Tyrion damit die Aufgabe, die Barristen Selmy im letzten Drittel von „A Dance with Dragons“ innehatte. Ziemlich überraschend taucht dann auch noch Varys quasi aus dem Nichts auf und bietet seine Hilfe an, anstatt in King’s Landing Großmaester Pycelle und Kevan Lannister zu ermorden.

Dany landet derweil mit Drogon im Dothrakischen Meer und begegnet einem Khalasar, womit der Cliffhanger aus „A Dance with Dragons“ im Grunde eins zu eins übernommen wurde, lediglich einige der eher unangenehmen Details (Daenerys befindet sich bei Martin mehrere Tage auf Drogons Felsen und leidet unter anderem an Durchfall) wurden gestrichen.

Castle Black
Sam geht also doch noch nach Oldtown, allerdings über die Kingroad und nicht per Schiff über Braavos. Als Straffung funktioniert das insgesamt (und rückblickend betrachtet) ziemlich gut, alle wichtigen Ereignisse in Sams Handlungsstrang haben an der Mauer stattgefunden und die aufwändige Reise, die neue Figuren, Schiffe (und Geld) gekostet hätte, konnte vermieden werden; wahrscheinlich beginnt dieser Subplot in der nächsten Staffel mit Sams Ankunft. Interessant ist, dass die Initiative hier von Sam ausgeht, da es sein Wunsch ist, Maester zu werden. In den Romanen war es genau umgekehrt, Jon drängt dort Sam dazu, nach Oldtown zu fahren, um Maester Aemon eines Tages ersetzen zu können, während Sam viele Bedenken hat, etwa die Missbilligung seines Vater gegenüber den Maestern oder die Tatsache, dass er kein Blut sehen kann. Wahrscheinlich wollten Benioff und Weiss so zeigen, dass Sam in seiner Entwicklung bereits weiter fortgeschritten ist. Allerdings hätte es auch sehr gut gepasst, hätte Jon seinen letzten Freund selbst weggeschickt, das würde die Tragik des Kommenden noch vergrößern.

Apropos: Während Buchleser Jons Caesar-Moment (tatsächlich erinnert diese Szene sehr stark an Caesars Ermordung in HBOs „Rome“, mit Ciáran „Mance Rayder“ Hinds an Jon Stelle und Tobias „Edmure Tully“ Menzies an Ollys; und darüber hinaus war „Rome“ einer der Gründe, weshalb Martin HBO die Recht verkaufte – so schließt sich der Kreis) schon erwartet haben, wurden alle anderen mal wieder ziemlich aufgewühlt.

Wie schon so oft wurde auch hier die Komplexität geopfert. Tatsächlich ist der Mord an Jon in den Romanen nicht die Folge der ganzen Wildlingsangelegenheit. Zwar wird das auch nicht unbedingt von allen schwarzen Brüdern gut geheißen , aber doch immerhin zähneknirschend toleriert. Zu viel wird es erst, als Jon einen Brief von Ramsay erhält, demzufolge Stannis verloren hat, der Jon so sehr aufregt, dass er aktiv sein Gelübde brechen und nach Süden gehen will – erst dann wird er von hochrangigen Offizieren der Nachtwache ermordet. Das verleiht dem Ganzen natürlich zusätzliche Ambiguität, denn da Jon sein Gelübde tatsächlich bricht und gegen die Grundsätze der Nachtwache verstößt, könnte man durchaus argumentieren, dass dieser Mord gerechtfertigt ist. Die Verschwörer kommen in der Serie daher weitaus kleinlicher daher als im Roman.
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Nicht nur Jon Snow (Kit Harrington) stellt sich hier die Frage: Totsein oder nicht totsein?

Letztendlich stellt sich natürlich vor allem die Frage, ob Jon Snow wirklich und endgültig tot ist. Einerseits haben sowohl die Serienschöpfer als auch Kit Harrington behauptet, Jon sei tatsächlich tot, und Harringtons Vertrag wurde wohl auch nicht für die sechste Staffel verlängert. Andererseits gibt es fast zu viele Möglichkeiten. Jon könnte in Ghost weiterleben, und zu allem Überfluss ist auch noch Melisandre anwesend, denn noch in dieser Folge kehrt sie zur Mauer zurück und ist damit wieder am selben Ort wie am Ende von „A Dance with Dragons“. Dass Kit Harringtons Vertrag nicht verlängert wurde, könnte ganz einfach auch bedeuten, dass Jon quasi eine Staffel Pause macht, ähnlich wie Bran, und dann in der siebten zurückkehrt, um den Norden zu beanspruchen, denn seine Schwüre der Nachtwache gegenüber Enden mit dem Tod. Zumindest in den Romanen könnte das noch geschehen, denn auch George R. R. Martin wurde gefragt und antwortete, man solle sich bezüglich Jons Tod nicht allzu sicher fühlen.

Fazit: „Mother’s Mercy“ ist definitiv eine der besseren Folgen der fünften Staffel, sie leidet aber dennoch an den diversen Fehlentscheidungen, die bisher getroffen wurden. Insgesamt ist es wohl eine der grimmigsten und hoffnungslosesten Folgen überhaupt, selten starben so viele wichtige Haupt- und Nebenfiguren auf einmal.

GoT: The Dance of Dragons

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Folge 9 einer jeden Staffel von „Game of Thrones war bislang immer etwas Besonderes, in Staffel 1 und 3 starben ein oder mehr wichtige Starks, während es in Staffel 2 und 4 jeweils nur einen Schauplatz und eine ausgedehnte Schlacht gab. Rein theoretisch müssten in „The Dance of Dragons“ als wieder Starks dran glauben (und die Vorlage würde so etwas theoretisch auch hergeben, eventuell kommt das ja dann in Folge 10), dem ist aber nicht so. Stattdessen finden zwei andere, wichtige Ereignisse statt, von denen eines durchaus ähnliche Folgen hat wie das, was in „Unbowed, Unbent, Unbroken“ geschehen ist.

Der Titel dieser Episode enthält gleich eine doppelte Anspielung. „The Dance of Dragons“ erinnert sowohl an den fünften Roman „A Dance with Dragons“ als auch an ein Ereignis aus der Geschichte von Westeros, den „Dance of the Dragons“ (der von Shireen auch erwähnt wird); besagter „Tanz“ war ein Targaryen-Bürgerkrieg, der nicht nur das Herrscherhaus stark dezimierte, sondern auch der Grund dafür war, dass die Drachen letztendlich ausstarben. Bezieht man den Episodentitel allerdings nur auf das Ereignis im Finale fällt auf, dass er nicht so ganz passt, denn eigentlich tanzt dort nur ein Drache.

Castle Black
Nach der Schlacht von Hardhome kehren Jon und die überlebenden Wildlinge nach Castle Black zurück, wo die Stimmung nicht besser wird. Besonders Wun Wun erregt die Gemüter. Es stellt sich die Frage, wie oft man Olly unheilvoll in Szene setzen kann. Die Antwort ist: Auf jeden Fall mindestens einmal zu oft.

Dorne
Der dornische Handlungsstrang bleibt auch weiterhin ziemlich enttäuschend. Jaime und Bronn werden begnadigt, Ellaria schwört Doran Martell Gehorsam und dieser stimmt zu, Trystane zusammen mit Myrcella in die Hauptstadt zu schicken – man kann wohl davon ausgehen, dass da auf dem Heimweg noch ein Unglück geschieht.

Insgesamt betrachtet ist Dorne eigentlich in dieser Staffel nicht mehr zu retten; obwohl ich mich im Vorfeld sehr darauf gefreut habe, bleibt nun nur zu sagen, dass Dorne wohl besser, wie die Greyjoys, der Schere zum Opfer gefallen wäre; es wurde meines Wissens nach wohl vor allem integriert, weil Oberyn Martell in Staffel 4 extrem positiv aufgenommen wurde. Statt des Ausflugs in den Süden hätten Jaime und Bronn zusammen in den Flusslangen aufräumen sollen (ob mit oder ohne Lady Stoneheart sei mal dahingestellt); der Vorteil daran wäre gewesen, dass dort bereits viele Charaktere etabliert sind, mit denen Benioff und Weiss hätten weiterarbeiten können und die nach der dritten Staffel quasi einfach verschwunden sind: Edmure Tully, der Blackfish (der durchaus auch ein Fanliebling ist), Beric Dondarrion, Thoros von Myr, Gendry, die Freys etc.

Braavos
Lord Tyrell, in Begleitung von Ser Meryn Trant, trifft endlich in Braavos ein, und natürlich begegnet Arya ihnen und vergisst sofort den eigentlichen Auftrag, den sie von Jaqen bekommen hat; stattdessen folgt sie den Westerosi und überlegt, wie sie am besten an Ser Meryn herankommt. Diese Folge wird es zwar noch nichts, aber die Möglichkeit zeichnet sich bereits ab, denn Ser Meryn ist pädophil. Gerade das hat’s wirklich noch gebraucht. Schon wieder dient sexuelle Gewalt als Plotkatalysator an einer Stelle, die es absolut nicht nötig gehabt hätte. Benioff und Weiss ist wohl mal wieder nichts eingefallen. Auf der positiven Seite: Mace Tyrell im Gespräch mit Tycho Nestoris ist recht amüsant. Der Lord von Highgarden singt sogar.

Meereen
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Daenerys (Emilia Clarke) und Drogon

Auch in Meereen geht’s rund, bzw. schief: Die Söhne der Harpyie nutzen die Wiedereröffnung von Daznaks Arena, um Daenerys und ihre Getreuen anzugreifen, allerdings nicht, bevor Ser Jorah noch einmal versucht, Danys Gunst zurückzugewinnen, und das auch noch auf fast dieselbe Weise wie beim ersten Mal; dieses Mal aber scheinbar mit Erfolg. Das Ganze basiert auf einer Szene aus „A Dance with Dragons“, die mit der Serienversion zumindest das Setting und den Ausgang gemein hat. Im Roman gibt es allerdings keinen offensichtlichen Angriff, nur eine gescheiterte Vergiftung, und Drogon wird auch nicht von Danys Not angelockt, wie es hier der Fall zu sein scheint, sondern schlicht und einfach vom Kampfeslärm und der Brutalität. Als dramaturgische Zuspitzung funktioniert das Ganze dann doch recht gut, auch wenn es unelegant ist. Drogon sieht jedenfalls grandios aus, die Qualität der Animation muss sich definitiv nicht hinter der größerer Hollywood-Blockbuster verstecken – der Drache in „Maleficent“ beispielsweise sah weitaus weniger gelungen aus. Noch eine kleine Anmerkung am Rande: Bei Martin wird impliziert, dass Hizdahr tatsächlich der Anführer der Söhne der Harpyie ist, in der Serie scheint das nicht der Fall zu sein, sonst hätten sie ihn nicht umgebracht.

Auf dem Weg nach Winterfell
Zwar ist Meereen der Schauplatz des Folgenfinales, aber was in Stannis‘ Lager geschieht hat weitaus höhere Wellen geschlagen und ist (ob freiwillig oder unfreiwillig) DAS Ereignis dieser Episode. Dank Ramsays Ausfall wird Stannis‘ Situation verzweifelter, weshalb er sich dazu entschließt, Melisandre die Erlaubnis zu geben, seine Tochter dem Herrn des Lichts zu opfern, was diese auch tut.

Dies ist eine weitere Wendung, die, wie schon Sansas Vergwaltigung, eine enorme Kontroverse erzeugt hat, und tatsächlich gibt es da einige Parallelen. In der Vorlage, zumindest in „A Dance with Dragons“, ist diese Szene nicht vorhanden, Shireen, Melisandre und Selyse bleiben auf Castle Black, während Stannis gen Winterfell zieht. Aus dem Episodenkommentar geht allerdings hervor, dass Shireens Tod in irgendeiner Form wohl auch in „The Winds of Winter“ vorkommt. Die Betonung liegt auf „in irgendeiner Form“, denn in der Serien-Konstellation kann er nicht stattfinden. Da stellt sich natürlich die Frage, in wie weit die Ereignisse dieser Episode tatsächlich auf „The Winds of Winter“ basieren. Stirbt Shireen in völlig anderem Kontext, wird sie ebenfalls geopfert und ist Stannis daran beteiligt, und wenn ja, zu welchem Zweck? Und, bezogen auf die Serie: Ist ihr Tod ein wichtiger Handlungskatalysator oder geht es Benioff und Weiss hier lediglich um plakativen Schock? Das wird sich frühestens mit der nächsten Episode bestimmen lassen, angesichts dessen, was die beiden in dieser Staffel allerdings bereits gemacht haben, ist man fast dazu geneigt, zu Letzterem zu tendieren.
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Ser Davos (Liam Cunningham) und Shireen (Kerry Ingram)

Inszenatorisch erinnert die die Verbrennung sowohl an die Rote Hochzeit als auch an Sansas Hochzeit. Die Parallele zu Ersterer ist die „Maximierung“ der Schockwirkung, die über den Verlauf der Staffel vorbereitet wurde, vor allem durch Szenen wie der zwischen Shireen und Stannis auf Castle Black. Hier und an anderen Stellen (auch bereits in den Staffeln 3 und 4) erweckt Stannis den Eindruck, dass er seine Tochter wirklich liebt und nur große Probleme damit hat, seine Gefühle auch auszudrücken, während Selyse als absolut kalte Mutter herüberkommt. Die Verbrennung tauscht ihre Rollen, Stannis endet als rücksichtsloser Fanatiker, der seine Tochter (und Erbin) verbrennt, während Selyse das im letzten Moment noch verhindern will. In der ursprünglichen Konstellation ist Shireen sicher, weil letztendlich alles von Stannis abhängt, weshalb der „Frontenwechsel“ und die Folgen dann umso schockierender sind.

Die Parallelen zu Sansas Hochzeit finden sich in der Art, wie die Szene konzipiert ist; ein weiteres Mal kommt der Schock vor allem von dem, was man nicht sieht, denn Shireens Verbrennen wird nicht gezeigt, man hört nur ihre Schreie. Auch hier gilt: Aus dem Kontext genommen und für sich betrachtet ist die Szene verdammt wirkungsvoll, gerade, weil sie gekonnt mit der Vorstellung des Zuschauers arbeitet. Im Kontext dagegen ist sie äußerst fragwürdig. Es bleibt noch, Kerry Ingram zu loben, die Shireen hervorragend gespielt hat.

Fazit: „The Dance of Dragons“ ist eine weitere (unnötig) kontroverse Episode, die wohl allerdings erst zusammen mit dem Staffelfinale und „The Winds of Winter“ wirklich bewertet werden kann.

GoT: Hardhome

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„Hardhome“ ist ähnlich strukturiert wie „The Lion and the Rose“ in der letzten Staffel; etwa die erste Hälfte ist eine „normale“ Episode, während die letzte Hälfte komplett einem einzigen Schauplatz, dem titelgebenden Wildlingsdorf Hardhome, gewidmet ist. Und wie schon in „The Lion and the Rose“ funktioniert das auch hier sehr gut; tatsächlich gehört „Hardhome“ bisher zu den besten Episoden dieser doch eher durchwachsenen Staffel. Besonders interessant ist, dass sie den Fans an zwei Fronten Dinge gibt, die Martin uns bislang vorenthalten hat.

Meereen
Die erste dieser Fronten ist Meereen. Bereits in der letzten Folge haben sich Tyrion und Daenerys zum ersten Mal gesehen, jetzt bewirbt sich der Gnom um die durch Barristan Selmys Tod freigewordene Stelle als ihr neuer Berater. In typischer Tyrion-Manier besteht sein erster Rat an Daenerys darin, Jorah weder zu töten noch ihn erneut aufzunehmen – das heißt Exil Teil 2. Und Ser Jorah versucht dann auch noch, zum zweiten Mal in der Arena vor Daenerys zu kämpfen.

Die folgende private Konversation zwischen Tyrion und Daenerys ist definitiv gelungen und interessant, auch wenn Daenerys‘ Rad-Metapher nicht wirklich zutreffend ist, zumindest nicht auf lange Sicht, denn für gewöhnlich ist ein Haus durchaus länger „oben“, fast dreihundert Jahre lang war es das Haus Targaryen. Außerdem fehlen einige der wichtigen Häuser; gerade das Haus Martell war den Targaryens immer loyal, was bedeutet, dass Dany gute Chancen hätte, in Doran Martell einen Verbündeten zu finden.

King’s Landing
Trotz einiger Anpassungen und Vereinfachungen ist der Kings‘-Landing-Handlungsstrang doch derjenige, der in dieser Staffel am buchgetreusten umgesetzt wird, was besonders in dieser Folge deutlich wird. Hannah Waddingham als Septa Unella passt genau zu der Vorstellung, die ich beim Lesen von ihr hatte. Ähnlich wie in den Büchern erfahren wir von den sonstigen Ereignissen in King’s Landing nur aus zweiter Hand, nämlich von Qyburn. Unglücklicherweise schadet der Mangel an Details hier ein weiteres Mal, denn nach wie vor erscheint der Glaube ziemlich grundlos übermächtig, die Ursachen werden kaum erläutert. Dennoch, wie in den Romanen hat Kevan Lannister die Regentschaft übernommen, es fehlen allerdings die Tyrells und ihre Gefolgsmänner (etwa Randyll Tarly), vor allem, da sich Lord Mace Tyrell ja gerade auf dem Weg nach Braavos befindet.

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Arya (Maisie Williams) als Austernverkäuferin Lana

Arya nimmt ihre erste falsche Identität an, wie ich vermutet hatte noch ohne falsches Gesicht, sondern nur mit einer herkömmlichen Verkleidung. Wie in „A Feast for Crows“ posiert sie als Muschelverkäuferin, hat aber einen anderen Decknamen, statt „Cat von den Kanälen“ ist sie jetzt „Lana“. Weshalb der Deckname geändert wurde leuchtet mir nicht wirklich ein, allerdings wurde immerhin ein netter Hinweis auf die Buchidentität eingebaut; während Arya davon spricht, in den Kanälen ihre Muscheln zu verkaufen, springt eine Katze durch das Bild. Auch wird die Komplexität der Vorlage stark reduziert, funktioniert aber, anders als an vielen anderen Stellen in dieser Staffel, recht gut. Insgesamt mochte ich Aryas Streifzug durch die Straßen von Braavos, das Hineinfinden in ihre neue Identität und die Entdeckung des Ziels ziemlich gerne.

Winterfell
Sansa konfrontiert Theon, erfährt, was Ramsay ihm angetan hat, aber auch, dass Barn und Rickon noch am Leben sind. Die Frage ist, zu welchem Zweck. Die Boltons halten derweil einen Kriegsrat ab, bei dem Ramsay mit einer Sondermission beauftrag wird.

Castle Black
Noch eine kurze Szene, die im Grunde redundant ist, da sie noch einmal Dinge durchkaut, die wir ohnehin schon wissen: Olly hat es gegen die Wildlinge und fühlt sich verraten, weil Jon sie retten will, Sam versucht die Lage zu erklären, Olly will nicht begreifen. Kennen wir, wissen wir, weiter.

Hardhome
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Karsi (Birgitte Hjort Sørensen)

Wie bereits erwähnt begibt sich die Serie hier wirklich in unbekanntes Territorium; in den Romanen ist Hardhome als Wildlingszuflucht zwar ebenfalls relevant, Jon delegiert die Rettung der dortigen Wildlinge allerdings an einen Offizier der Nachtwache; dieser hält ihn über die Fortschritte auf dem Laufenden, bis schließlich ein letzter Brief ankommt, der hastig geschrieben ist und von toten Dingen im Wald und im Wasser berichtet.

Jon und Tormund treffen sich in Hardhome mit den Anführern der Wildlinge, darunter der Lord der Knochen, der neue Magnar von Thenn Loboda (Zahary Baharov) und eine Frau namens Karsi (Birgitte Hjort Sørensen). Besonders Letztere empfinde ich als gelungene Ergänzung – selbstverständlich überlebt sie nicht, was ich, ehrlich gesagt, nicht gerade toll finde. Karsi wäre hervorragend dazu geeignet, zusätzliche weibliche und aktive Präsenz an der Mauer zu etablieren, und ehrlich gesagt, warum sollten die Wildlinge nicht eine Anführerin haben? Sie hätte gut die Rolle von Val, Mance Rayders „Schwägerin“ einnehmen können. Mal wieder eine vertane Chance. Immerhin, der Riese Wun Weg Wun Dar Wun, kurz Wun Wun (Ian Whyte), feiert ebenfalls sein Debüt.

Wie zu erwarten war wird die Verhandlung von Wildlingen und Nachtwache von den angreifenden Weißen Wanderern unterbrochen, die hier in einem noch nie gekannten Ausmaß Präsenz zeigen, und das nicht nur in der Form der bereits in Staffel 2 und 3 ausführlich gezeigten, bei denen es sich wohl lediglich um die unteren Ränge gehandelt hat. Hier sehen wir sowohl besser ausgerüstete Andere, die wohl so etwas wie hohe Offiziere sind, und den Night’s King, der in der vierten Folge der letzten Staffel bereits kurz zu sehen und der, nach allem was wir wissen, so etwas wie der Große Oberböse ist. Wie bereits zu Anfang erwähnt zeigt die Serie hier etwas, dass die Romane uns bislang vorenthalten haben: Eine erste größere Schlacht zwischen den Weißen Wanderern und den Menschen. Jon findet dabei etwas heraus, das Sam in den Romanen bereits vermutete: Nicht nur Obsidian hilft gegen die Weißen Wanderer, sondern auch Valyrischer Stahl (auch als „Drachenstahl“ bezeichnet).
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Der Night’s King (Richard Brake)

Insgesamt fand ich die Inszenierung dieses Scharmützels ziemlich gelungen, auch wenn die offensichtlicheren Untoten noch immer etwas fehl am Platz wirken; dennoch funktionieren sie hier deutlich besser als die Ray-Harryhausen-Gedächtnisskelette aus dem Finale von Staffel 4. Darüber hinaus hat der Night’s King eine ziemlich beeindruckende Präsenz, ich hoffe, dass wir in der kommenden Staffel noch mehr von ihm erfahren, vielleicht sogar in Form von Flashbacks, schließlich ist sein Hintergrund (ein ehemaliger Lord Commander, eventuell ein Stark, verliebt sich in einen weiblichen Weißen Wanderer und macht sich zum „Night’s King“, um schließlich von den vereinten Kräften des Königs im Norden und des Königs jenseits der Mauer besiegt zu werden), höchst interessant.

Fazit: Die intensive, gut inszenierte, geschriebene und gespielte Schlacht in der zweiten Hälfte sorgt dafür, dass diese Folge sich an die Spitze der Staffel-5-Episoden setzt.

GoT: The Gift

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Castle Black
Der Handlungsstrang auf Castle Black ist in dieser Episode sehr zwiespältig: Jon, Tormund und einige andere schwarze Brüder, denen Jon vertraut, brechen nach Hardhome auf, was auch bedeutet, dass Sam und Gilly nun ziemlich alleine sind, umgeben von Menschen, die ihnen nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Nebenbei versuchen Benioff und Weiss hier auch noch Handlung aus „A Feast for Crows“ unterzubringen, die dort in völlig anderem Kontext stattfindet, vornehmlich sind das der Tod von Maester Aemon und Sams und Gillys erstes Mal. Alle Szenen mit Aemon (inklusiver einer Erwähung von Egg/Aegon V. aus den Heckenritter-Novellen) sind vollauf gelungen, sodass er, und auch sein Darsteller Peter Vaughan würdig aus der Serie verabschiedet werden. Dazu kommt ein gewaltiges Novum: Jemand stirbt tatsächlich an Altersschwäche – in Westeros und Essos kommt das ziemlich selten vor.
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Maester Aemon (Peter Vaughan)

Die Weiterführung der Sam/Gilly-Handlung dagegen ist weniger gelungen, denn Benioff und Weiss nutzen, mal wieder, die Vergewaltigungsthematik als Plotkatalysator. Dieses Mal bleibt es zwar bei einer versuchten Vergwaltigung, aber dennoch wirkt das Ganze unendlich plump inszeniert. Es scheint so langsam, als würden die beiden immer dann, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie einen von ihnen abgewandelten Handlungsstrang weiterführen sollen, zu einer Vergewaltigung oder einer Beinahe-Vergewaltigung greifen – und das funktioniert einfach nicht.

Winterfell
Die Situation hat sich für Sansa nicht gebessert, wobei immer noch unklar ist, wohin das Ganze hinführen soll. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zu Staffel 3, als Ramsay Theon quasi zur Flucht verhalf, nur, um ihn dann wieder einzufangen und so seine Hoffnungen zu zerschlagen, nur dass es dieses Mal nicht Ramsay ist der es inszeniert. Stattdessen versucht Sansa mit Theons Hilfe, Brienne zu rufen (wenn auch unwissentlich), allerdings ist Theon noch zu sehr Reek, als dass das funktionieren würde – somit werden auch Sansas Hoffnung unerbittlich zerstört. Immerhin ist sie nicht ganz so passiv und verstört und kann Ramsay ein wenig manipulieren, indem sie ihn daran erinnert, dass sein Vater einen zweiten Sohn erwartet, der ihn eventuell überflüssig machen könnte.

Interessant ist hier, wie der Zuschauer, der zusammen mit Sansa hofft und Dinge sehen kann, die ihr verwehrt bleiben, mehrmals durch Einstellungen und Szenenwechsel getäuscht wird. Zuerst scheint es, als würde Theon tatsächlich zum Turm steigen, um die Kerze anzuzünden, dann sehen wir aber, dass er in Ramsays Speisezimmer steht. Etwas ähnliches kommt noch einmal: Brienne blickt nach Winterfell, dann geht eine Kerze an, doch die Kerze gehört zur nächsten Szene, die auf Castle Black spielt.

Auf dem Weg nach Winterfell
Wie in „A Dance with Dragons“ hat Stannis auch in der Serie massive Probleme, denn er und seiner Armee wurden von einem Schneesturm festgesetzt. Wo sich seine Offiziere im Roman fragen, ob es helfen würde, wäre Melisandre anwesend, beantwortet die Serie diese Frage, da die rote Priesterin da ist. Zwar kann sie erst einmal auch nichts ausrichten, weiß aber eine Lösung, die bereits in der letzten Staffel angedeutet wurde: Die Opferung von königlichem Blut. Im Klartext bedeutet das, Melisandre möchte Shireen ihrem Gott opfern. Noch ist Stannis entschieden dagegen. Noch…

Dorne
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Myrcella (Nell Tiger Free)

Es gibt zwei kurze Szene in Dorne: Jaime, untergebracht in einer ziemlich komfortablen und seiner hohen Geburt angemessenen Zelle, erhält Besuch von Myrcella. Dies erinnert an ein schlechtes Teenie-Drama, denn Myrcella hegt, wie wir ja schon wissen, keinerlei Ambitionen, Dorne und Trystane zu verlassen. Mit anderen Worten, das Gespräch ist ziemlich redundant. Und dann ist da noch eine Szene im Gefängnis zwischen Bronn und den Sandschlangen, die eine Rezensent von winteriscoming.net in meinen Augen extrem treffend bewertet hat: „Well, that scene went nowhere and was shamelessly exploitative, but it’s still the best scene involving the Sand Snakes all season.” (Quelle). Tatsächlich hatte ich hier das erste Mal das Gefühl, dass die Sandschlangen tatsächlich Charaktere und nicht nur Gimmicks waren, was auch daran liegen könnte, dass die drei Darstellerinnen hier tatsächlich spielen durften und nicht nur Exposition von sich geben oder in einer schlecht choreographierten Kampfszene mitwirken mussten. Es sind tatsächlich kleine Dinge wie das Augenrollen von Nymeria und Obara, die dabei helfen, die Sandschlangen als Personen wahrzunehmen.

King’s Landing
In der Hauptstadt entwickeln sich die Dinge sehr schnell. Das Gespräch zwischen zwischen Olenna und dem Hohen Spatzen (ein weiteres Mal ein Dialog, der so in den Romanen nie stattgefunden hat), reißt eine interessante Thematik auf, da die sich Aristokratie von Westeros tatsächlich noch nie mit größeren Erhebungen von Gemeinen auseinandersetzen musste – wird das noch zu einem Thema, oder bleibt es bei einer kurzen Erwähnung?

Dann taucht auch noch Littlefinger auf und schmiedet neue Intrigen mit Lady Olenna, bei denen es wohl um Olyvar geht; immerhin ist er derjenige, der für Loras‘ Verhaftung verantwortlich ist. Eventuell hecken die beiden aus, ihn als Zeugen entweder umzubringen oder zu einem geänderten Aussage zu bringen.

Für Cersei geht es derweil rapide bergab, denn nach einem kurzen Besuch bei Margaery wird auch sie vom Glauben verhaftet. Selbst für Nichtbuchleser war das wohl bereits abzusehen, angesichts dessen, was Lancel alles weiß. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Hohe Spatz bereits von Anfang an im Bilde über die Königinmutter war und sie einfach so lange ausgenutzt hat, bis er alles hatte, was er wollte. Bleibt noch zu vermerken, dass die Staffel sehr wenig Zeit darauf verwendet hat zu zeigen, wie Cersei durch ihre Herrschaft das Reich weiter ruiniert; bei Martin wird dies in „A Feast for Crows“ sehr ausführlich dargestellt.
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Cersei (Lena Headey) in ihrer Zelle

Meereen
In dieser Folge geschieht das, worauf Leser wie Zuschauer lange gewartet haben und was Ersteren (zumindest auf dem Papier) bis heute vorenthalten wurde: Tyrion und Daenerys begegnen sich. Jorah und Tyrion werden verkauft und landen dort, wo sie hinwollten: In den Arenen von Meereen, wo Daenerys tatsächlich die ersten Probekämpfe überwacht. Ser Jorah besiegt alle Gegner, und Tyrion präsentiert sich als titelgebendes Geschenk (wobei es in dieser Folge noch mehr Geschenke als nur dieses eine gab). Das Ganze mag etwas verhastet wirken, verfehlt aber seine Wirkung (zumindest bei mir nicht): Die Vorstellung, dazu die leichten Anklänge von The Rains of Castamere – ja, ich denke, das ist eine zufriedenstellende Begegnung dieser beiden Protagonisten.

Fazit: „The Gift“ ist eindeutig stärker als die vorherige Episode und weiß vor allem in Einzelmomenten zu überzeugen, gibt allerdings kein wirklich gelungenes Ganzes ab.

GoT: Unbowed, Unbent, Unbroken

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Braavos
In Braavos darf Arya erstmals in den Raum der Gesichter im Haus von Schwarz und Weiß, allerdings ist ihr Weg dorthin im Vergleich zur Vorlage wieder einmal stark verkürzt, sodass ihr eigentlicher Fortschritt nicht besonders gut nachvollziehbar ist. Das Lügenspiel, das sie mit der Herrenlosen spielt, zieht sich beispielsweise über einige Zeit hin, und zwischendurch nimmt Arya zwei verschiedene Identitäten an, lernt sich „natürlich“ zu maskieren und diverse andere Lektionen. Der Gnadentod, den Arya verursacht, ist für diesen Zweck zwar funktional, aber doch auch ziemlich unkreativ.

Sollte Aryas Handlungsstrang nun tatsächlich bereits zum Ende von „A Dance with Dragons“ gesprungen sein, fehlt tatsächlich sehr viel, allerdings besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass sie in der Serie bereits sehr viel früher in den Raum der Gesichter darf, um ihre erste falsche Identität zu erlangen. Geht man nach den Romanen, wäre das Cat von den Kanälen.

Die Vermutung liegt nahe, dass Arya in dieser Staffel noch Mace Tyrell begegnen wird, der sich auf dem Weg nach Braavos befindet, immerhin entfällt die Begegnung mit Sam Tarly und in einem der veröffentlichten Promokapitel von „The Winds of Winter“ geschieht etwas, das dem tatsächlich vage gleicht.

Auf dem Weg nach Meereen
Tyrion und Jorah sind immer noch unterwegs. Ihr Anteil an dieser Episode ist relativ knapp, Jorah erfährt von Tyrion, dass sein Vater gestorben ist (ich bin mir nicht sicher, ob Tyrion in den Romanen davon überhaupt wusste), und die beiden Väter, Jeor Mormont und Tywin Lannister werden einander gegenübergestellt. Auch Daenerys und die Gerechtigkeit ihrer Herrschaft wird noch Gesprächsthema, jedenfalls bis Jorah und Tyrion von Sklavenhändlern aufgegriffen werden. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch hier gilt ein weiteres Mal: Das grundsätzliche Ereignis der Romane ist vorhanden, die Umstände sind aber stark verändert und vereinfacht. Tyrion gelingt es, die Sklavenhändler dazu zu bringen, sich mit ihm und Ser Jorah nach Meereen zu begeben, um Letzteren in den Arenen kämpfen zu lassen, die Daenerys in der vorherigen Folge wieder öffnen ließ; das Ziel der Reise hat sich also nicht geändert, lediglich die Begleitung.

King’s Landing
Littlefinger kommt in King’s Landing an, muss sich kurz mit den Spatzen auseinandersetzen, die ganz offensichtlich sehr große Machtbefugnisse haben, und erzählt schließlich Cersei von den Geschehnissen im Norden, wobei sich der Zuschauer allmählich fragt, was Lord Petyr Baelish eigentlich vorhat. Natürlich, er spielt alle gegeneinander aus, aber bislang ist sehr undurchsichtig, welchen Ausgang des Ganzen er tatsächlich anstrebt. Nachdem, was wir bislang sehen, ist sein Masterplan ziemlich löchrig.

Cerseis Intrige, sich der Tyrells zu entledigen, geht derweil auf und zwingt die Dornenkönigin höchstpersönlich, wieder mitzumischen. Olena Tyrells Rückkehr in die Serie ist definitiv willkommen, auch wenn sie bislang nicht wirklich nötig war. Die Gespräche mit Margaery und Cersei sind zwar amüsant, haben aber kaum wirklichen Mehrwert.

Es kommt schließlich zum Verhör von Margaery und Loras, das aufgrund der Aussage von Olyvar für beide unerfreulich endet: Loras wird wegen Homosexualität verhaftet, Margaery wegen Falschaussage vor den Göttern. Abermals gilt: Letztendlich erfüllt das so seinen Zweck, um die Charaktere dorthin zu bringen, wo sie hin sollen (in diesem Fall Margaery in das Innere einer Zelle), aber ihr Weg wurde unheimlich simplifiziert; in „A Feast for Crows“ spinnt Cersei eine ziemlich raffinierte Intrige, um ihre Ziele zu erreichen, dagegen wirkt das hier ziemlich plump.

Dorne
Der dornische Handlungsstrang ist wohl eine der größten Enttäuschungen, denn was ich oben über Simplifizierung geschrieben habe, trifft auf Jaimes und Bronns Reise in den Süden noch mehr zu. Die ganze Sandschlangenangelegenheit ist fürchterlich banal und plakativ – das war zwar bereits abzusehen, wird in dieser Episode aber überdeutlich. Jaime und Bronn versuchen Myrcella zu kidnappen, die Sandschlangen mischen mit und am Schluss wird alles sehr schnell von Doran Martells Wachen beendet. Der ganze Dorne-Plot besteht quasi aus dem absoluten Minimum des Romangegenstücks, dort waren die Dornischen interessante und vielschichtige Charaktere, hier sind sie alle äußerst flasch und schlicht uninteressant.
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Myrcella Baratheon (Nell Tiger Free) und Trystane Martell (Toby Sebastian)

An Dorne zeigt sich auch sehr gut, mit welchen Problemen die fünfte Staffel zu kämpfen hat: Die ab Band 4 komplexeren und ausufernden Romane, die die Figuren immer weiter verteilen, arbeiten praktisch gegen die Struktur der Serie, deren Platz mit zehn Folgen pro Staffel (vom Budget gar nicht erst zu sprechen) doch recht begrenzt ist. Oft bleibt Benioff und Weiss entweder die Möglichkeit, Elemente und Handlungsstränge ganz zu streichen (so geschehen etwa mit den Geyjoys), oder aber die Plots stark einzudampfen, wodurch diese oftmals unnötig simpel wirken.

Winterfell
Oh, „Game of Thrones“, you did it again. Bereits letztes Jahr gab es eine ordentliche Kontroverse wegen einer Vergewaltigungsszene, das wiederholt sich nun, allerdings (zumindest von mir so empfunden), in noch weiter größerem Ausmaß. Die von Littlefinger und Roose Bolton arrangierte Hochzeit zwischen Sansa und Ramsay wird durchgeführt und die Hochzeitsnacht verläuft in etwa so, wie man sich das bei Ramsays Vorgeschichte vorstellt. Ich muss gestehen, dass mich diese Entwicklung in Sansas Handlungsstrang nicht besonders überrascht, etwas Derartiges war abzusehen. In jedem Fall ist in dieser Situation eine ausführlichere Betrachtung durchaus angebracht, besonders angesichts der starken Emotionen, die der Abschluss dieser Folge hervorgerufen hat.

Zuerst sollte ein Blick auf die Vorlage geworfen werden. Die Szene ist im Roman – auf gewisse Weise. Ramsay heiratet und vergewaltigt seine Braut in der Hochzeitsnacht. In „A Dance with Dragons“ ist es allerdings nicht Sansa, sondern deren Freundin Jeyne Poole, von den Lannisters und Boltons als Arya Stark ausgegeben, die Ramsay ehelichen muss. Also ja, die Szene ist im Roman, allerdings in etwas anderem Kontext und mit einer anderen Braut. Tatsächlich sind die Ereignisse im Roman noch um einiges herber, Theon/Reek muss nicht nur zuschauen, sondern sogar mitmachen. Tatsächlich halte ich den kompletten Winterfell-Abschnitt dieser Episode, auf einer rein inszenatorischen Ebene und unter Ausblendung des inhaltlichen Kontextes, für sehr gelungen, von der geisterhaften, begräbnisartigen Atmosphäre bei der eigentlichen Hochzeit bis zum „Vollzug“, bei dem mit sehr wenig sehr viel erreicht wird. Was graphische Brutalität angeht offeriert diese Szene nämlich kaum etwas, das meiste wird über Stimmung und Spiel der Darsteller vermittelt, was die Szene so wirkungsvoll macht; im besten wie im schlechtesten Sinne.

Inhaltlich sieht es dagegen wieder anders aus. Die drängendste Frage ist, ob dieser Vergewaltigung lediglich als billiger (wenn auch gut inszenierter) Schockmoment fungiert. Wollen Benioff und Weiss lediglich polarisieren? Eine derartige Kontroverse war von ihrer Seite aus durchaus abzusehen, speziell nachdem, was letztes Jahr passiert ist. Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder, die beiden sind sehr naiv, oder etwaige Folgen waren ihnen schlicht egal und sie wollten nur die Geschichte so erzählen, wie sie es für richtig hielten, egal, was alle anderen denken, oder aber eine Kontroverse war tatsächlich die Absicht, nach dem Motto „jede Publicity ist gute Publicity“.

„Game of Thrones“ ist eine Serie, die für ihre Schockmomente bekannt und berüchtigt ist, vor allem natürlich wegen Lord Eddards Tod in Staffel 1 und der Roten Hochzeit in Staffel 3. Dies ergaben sich allerdings tatsächlich aus der Handlung und waren logische Kulminationen der jeweiligen Handlungsstränge und leiteten dann ihrerseits neue Ereignisse ein.

Ich denke, kaum jemand wird leugnen können, dass die Vergewaltigung aus der vorangegangenen Hochzeit heraus logisch ist – wir alle kennen Ramsay, wir wissen, was für ein Psychopath er ist. Das Problem dabei ist, dass die Hochzeit an sich recht unlogisch ist. Wie oben bereits erwähnt ist Littlefingers Masterplan sehr löchrig, und Sansas Anwesenheit in Winterfell ist ebenfalls alles andere als wasserdicht. Inwiefern sich die Szene für die kommenden Folgen als zwingend herausstellt, wird sich erst noch zeigen, frühestens in der nächsten Folge, spätestens zum Staffelende.

Aber zurück zur eigentlichen Szene und der Kontroverse. Was mich ein wenig schockiert war, dass es doch einige Stimmen gab, die diese Szene tatsächlich nicht als Vergewaltigung angesehen haben. Dieses Argument fand ich schon letztes Jahr sehr fadenscheinig, dieses Jahr gab es in meinen Augen absolut überhaupt keinen Zweifel daran, was da gerade geschieht. Arrangierte Ehen sind natürlich schon ein Thema für sich, aber selbst in deren Rahmen hätte sich Ramsay (wäre er nicht Ramsay) definitiv anders verhalten können. So, wie er das Ganze inszeniert hat, ist das definitiv ein Gewaltakt.

Was ebenfalls zu sehr negativen Reaktionen führte war die Tatsache, dass die Szene mit einer langen Einstellung von Theons Gesicht endete, der mit wachsendem Schrecken beobachtet, was da geschieht. Das legt den Schluss nahe, dass es in dieser Szene, in der Sansa vergewaltigt wird, gar nicht um Sansa geht, sondern um Theon und dessen „Läuterung“, was tatsächlich eine äußerst unelegante, herabwürdigende Wendung wäre.
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Theon (Alfie Allen) führt Sansa (Sophie Turner) zu ihrem Bräutigam

Ich denke, was mich am meisten stört, ist, dass Sansas Handlungsstrang in dieser Staffel letztendlich ihre bisherige Charakterentwicklung schlicht und einfach wieder umkehrt. Nachdem sie sich in der vierten Staffel vom Opfer zur Spielerin entwickelte, befindet sie sich gewissermaßen nun wieder in derselben (bzw. einer schlimmeren) Position wie in Staffel 2: Abermals ist sie einem Sadisten ausgeliefert, abermals ist sie das Opfer. Selbst, wenn wir von diversen weiteren Implikationen einmal absehen (allgemeines Frauenbild etc.), kann ich es schlicht nicht ausstehen, wenn Figuren dieselbe Lektion noch einmal lernen und dieselbe Entwicklung immer wieder durchmachen.

Bis auf wenige kurze Momente war Sansa in den Winterfell-Szenen insgesamt extrem passiv. Wäre es nicht viel interessanter gewesen, Sansa statt Jeyne Poole eine andere Figur ersetzen zu lassen, nämlich Wyman Manderly? Wenn Benioff und Weiss sie in der Theorie zur Spielerin entwickeln, hätten sie das dann nicht auch in der Praxis tun können? Statt dieser völligen Passivität hätte sie zumindest etwas Ähnliches versuchen können wie Margaery bei Joffrey, immerhin konnte sie ihr eine Staffel lang zusehen und lernen. Das neuste Promokapitel, das George R. R. Martin auf seinem „Not a Blog“ veröffentlicht hat, schildert Sansa genau in so einer Situation, freilich nicht mit Ramsay, sondern Harry Hardyng, dem Erben des Grünen Tals nach Robin (bzw. Robert) Arryn.

Fazit: „Unbowed, Unbent, Unbroken“ ist leider ein Tiefpunkt der Serie, und das nicht nur wegen der Sansa-Kontroverse; auch der Dorne-Handlungsstrang entwickelt sich höchst enttäuschend.

GoT: Sons of the Harpy

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„Sons of the Harpy“ ist mal wieder eine der Folgen mit übergreifendem Thema, in diesem Fall religiöser bzw. traditioneller Extremismus. Vor allem Ersterer ist bei Melisandre natürlich niemals weit, dieses Mal kommt es allerdings aus anderer Quelle, denn der Glaube der Sieben wird militanter und auch die Söhne der Harpyie, Traditionalisten mit religiösem Eifer, greifen zu extremeren Mitteln. Beide werden durch ihre Aktionen einander quasi gegenübergestellt, was dieser Episode eine interessante Aktualität verleiht.

Dorne
Jaime und Bronn sind auf dem Weg nach Dorne, wobei sie noch einmal das Für und Wieder dieser Mission diskutieren. Das Gespräch bestätigt noch einmal, wie anders Jaimes Motivation im Vergleich zu den Romanen ist, was auch mit einer weiteren Änderung der letzten Staffel zu tun hat. Bei seiner Befreiung in den Romanen wirft Tyrion seinem Bruder unter anderem auch an den Kopf, wen Cersei alles mit Sex gefügig machte, was zur weiteren Entzweiung der Zwillinge beiträgt, während dies in der Serie nicht geschieht. Hier scheint Jaime eher darauf versessen zu sein, Cerseis Gunst zurückzugewinnen. Deswegen kann auch niemand anderes Myrcella aus Dorne retten; „It mus be me.“

Sobald die beiden an Land sind, dauert es nicht lange, bis sie entdeckt werden; was folgt ist ein weiterer Actioneinschub, den ich allerdings durchaus gelungen finde. Mir gefällt die Dynamik zwischen Bronn und Jaime, und die Szene illustriert auch schön, wie der Königsmörder langsam lernt, mit seinem Handicap besser umzugehen und es im Kampf einzusetzen.
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Die Sandschlangen: Obara (Keisha Castle-Hughes), Nymeria (Jessica Henwick) und Tyene (Rosabell Laurenti Sellers)

Anderswo sucht Ellaria Sand die drei ältesten Sandschlangen, Oberyn Martells Bastardtöchter, auf. Insgesamt gibt es acht Sandschlangen in den Romanen (und in der letzten Staffel sprach Oberyn auch einmal von derselben Anzahl). Auch in den Romanen sind Obara (Keisha Castle-Hughes), Nymeria (Jessica Henwick) und Tyene (Rosabell Laurenti Sellers) die dominantesten Sandschlangen, während die anderen entweder abwesend oder zu jung sind. Obara entspricht relativ genau den Beschreibungen aus dem Roman, auch dort ist der Speer ihre Hauptwaffe. Nymeria hat in der Serie dagegen ihre Messer gegen eine Peitsche getauscht (die bei Martin Obara führt). Tyene unterscheidet sich am meisten von ihrem Romangegenstück, da sie dort, anders als in „Game of Thrones“, nicht die Tochter von Ellaria, sondern das Kind einer Septa und darüber hinaus blond ist (was hier, bei den geänderten Verwandtschaftsverhältnissen natürlich unsinnig wäre). Das unschuldige Äußere wurde allerdings gut getroffen.

Von diesen Äußerlichkeiten abgesehen lässt sich allerdings noch nicht allzu viel über die Sandschlangen sagen, da die Szene inhaltlich kaum etwas Neues offeriert: Die Sandschlangen wollen Rache an den Lannisters und wissen nun, dass Jaime in der Gegend ist, um Myrcella heimzuholen. Es ist nicht schwer zu erraten, dass uns hier eine Konfrontation bevorsteht.

King’s Landing
In der Hauptstadt bemüht sich Cersei, ihre Macht weiter zu sichern, in dem sie den Kleinen Rat noch weiter verkleinert und alles daran setzt, die Tyrells zu entmachten: Lord Mace soll nach Braavos gehen, um mit der Eisernen Bank zu verhandeln, während Ser Loras, den Cersei nach wie vor nicht heiraten möchte, von den Spatzen überwältigt und eingesperrt wird. In den Romanen verhält sich dies ähnlich, ist allerdings (mal wieder) weitaus komplexer. Ich denke, für die Serie funktioniert es, so wie es ist, allerdings ist es schon schade, dass Loras in „Game of Thrones“ um so vieles flacher und uninteressanter ist als in den Romanen.

Dafür ist der Hohe Spatz hier fast interessanter als in der Vorlage, wo er wie der typische, verstockte Fanatiker wirkt, während er in der Serie weitaus sympathischer erscheint – was ein wenig Humor alles ausmacht. In der Zwischenzeit ist er auch wirklich zum Hohen Septon aufgestiegen und Cersei versucht sich das zunutze zu machen; mit seiner Hilfe gedenkt sie, sich Loras Tyrells endgültig zu entledigen. Als „Gegenleistung“ schlägt sie dem Hohen Septon vor, die militärischen Orden des Glaubens wieder zu erlauben, die zwei Jahrhunderte zuvor von den Targaryen verboten wurden. Im Vergleich dazu ist es in den Romanen der Hohe Spatz, von dem die Initiative ausgeht, wobei Schulden, die die Krone beim Glauben hat, ebenfalls eine Rolle spielen. Derweil entledigt sich Cersei Loras, indem sie ihn an der Belagerung von Dragonstone teilnehmen lässt – Stannis‘ Inselfestung tauchte bislang in dieser Staffel überhaupt nicht auf.
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Lancel Lannister (Eugene Simon), gezeichnet mit dem siebenzackigen Stern

Wie dem auch sei, da die Spatzen sich nun bewaffnen dürfen, machen sie sich auch gleich an die Arbeit, marschieren durch die Straßen von King’s Landing, zerstören alles, was sie für sündig halten, stürmen Littlefingers Bordell und machen kurzen Prozess mit allem, das ihrem Glauben widerspricht. Die gesamte Montage ist recht plakativ, unterlegt von einem ominösen Chor, dazu die Zwischenschnitte von Lancel, dem der siebenzackige Stern in die Stirn geschnitten wird. Diese, man möchte fast sagen, Machtübernahme des Glaubens ist bei Martin weitaus subtiler dargestellt, man kann allerdings kaum die Aktualität einer derartigen Szenerie und die Brutalität, zu der religiöse Fanatiker in der Lage sind, leugnen.

Margaery ist natürlich nicht begeistert, dass ihr Bruder eingesperrt wurde, und zum ersten Mal beginnt ihre Fassade leicht zu bröckeln. Tommens Versuche, Loras zu befreien, erweisen sich als wenig erfolgreich, er wird nicht einmal zum Hohen Spatz vorgelassen, und auch die Bevölkerung scheint gegen ihn zu sein – das alles könnte noch ziemlich unangenehm für den jungen König werden. Und natürlich auch für seine Mutter…

Castle Black
Auf der Mauer passiert dieses Mal nicht besonders viel. Stannis stellt fest, dass er Jon Snow zwar nicht mag (nun, wen mag Stannis schon?), aber doch zumindest respektieren kann, und auch Melisandres Interesse am neuen Lord Commander der Nachtwache steigt genug, um ihn verführen zu wollen. Nun kann man spekulieren ob HBO hier nur wieder Fanservice einbaut oder ob das tatsächlich handlungsbedeutend ist – ich tendiere dabei fast eher in Richtung des Letzeren, immerhin zeigt es Jon Snows Reifungsprozess weiter und man kann spekulieren, dass Melisandre eventuell ein weiteres Schattenbaby zeugen möchte, eventuell, um Roose Bolton kurz und schmerzlos umzubringen; auch in Jon Snows Adern fließt ja königliches Blut, das des Königs des Nordens (und sollte R+L=J zutreffen, sogar mehr als das).

Stannis hat derweil eine kleine Konversation mit seiner Tochter, in der sich zeigt, dass er sie trotz seines kalten Äußeren wirklich liebt. Um ehrlich zu sein bereitet es mir Probleme, Buch-Stannis in einer ähnlichen Situation zu sehen – viele der Figuren wurden für die Serie sympathischer und zugänglicher gemacht. Die Art und Weise, wie Stannis sein Ziel verfolgt, passt nun allerdings wieder besser zu seinem Charakter.

Winterfell
In der Gruft von Winterfell rekapituliert Littlefinger eines der zentralen Ereignisse der Vorgeschichte der Serie (bzw. der Romane): Das Turnier von Harrenhal, bei dem Rhaegar Targaryen mehr oder weniger der Grundstein für Roberts Rebellion legte, indem er seinen Turniersieg nicht seiner Frau Elia Martell, sondern Lyanna Stark widmete. Während dieses Ereignis in den Romanen sehr präsent ist, wird es, wenn ich mich recht erinnere, in der Serie hier zum ersten Mal detailliert dargestellt. Auffällig ist auch, dass Rhaegar in dieser Folge noch einmal (in Meereen) sehr prominent erwähnt wird; wird hier etwas aufgebaut, das vielleicht sogar über die Romane hinausgeht? Immerhin werden in Staffel 5 zum ersten Mal Flashbacks eingesetzt, vielleicht überlegen sich Benioff und Weiss, uns auch noch andere, wichtige Ereignisse der Vergangenheit zu zeigen, wahrscheinlich nicht mehr in dieser, aber doch vielleicht in der nächsten Staffel.

Im Anschluss an die Rekapitulation erläutert Littlefinger seine Pläne noch ein wenig: Er erwartet, dass Stannis Winterfell bald erobert – somit wäre Sansas Zeit als Ramsays Verlobte (bzw. Ehefrau) eher kurz bemessen. Tatsächlich macht diese Aussicht den Plan ein wenig logischer, und wie wir wissen sucht Stannis ja auch tatsächlich einen (bzw. eine) Stark, den er den Lords des Nordens vorsetzen kann. Die Frage ist nur: Wie und wo sieht Littlefinger den Vorteil für sich, denn Stannis würde ihn mit ziemlicher Sicherheit hinrichten lassen. Was Littlefingers Rückkehr nach King’s Landing bedeutet, lässt sich jedenfalls noch nicht absehen.

Auf dem Weg nach Meereen
Tyrion und Jorah haben in dieser Folge nur eine recht kurze Szene, die vor allem aus Exposition besteht: Anhand der Hinweise, die er von Jorah bekommen hat, deduziert Tyrion, in welcher Lage er sich befindet und wiederholt dabei gleich noch einmal für den Zuschauer, wie die beiden in diese Lage gekommen sind. Das könnte langweilig sein, aber die Art, wie Peter Dinklage deduziert ist natürlich höchst unterhaltsam.

Meereen
Das Ende der Folge bringt uns nach Meereen, wo das erste „schockierende“ Ereignis dieser Staffel stattfindet, von dem ich aktuell allerdings noch nicht weiß, wie ich es bewerten soll. Das Episodenfinale gehört definitiv Ser Barristan Selmy, denn es ist auch gleichzeitig sein Finale. Nach einem kurzen (aber gelungenen) Gespräch mit Daenerys verlässt Ser Barristan die Große Pyramide. In den Straßen der Stadt sind derweil die Söhne der Harpyie wieder aktiv und töten Freigelassene in einer Aktion, die an die der Spatzen zu Beginn der Folge erinnert und eine Parallele zieht: Noch mehr Extremisten, die rücksichtlos gegen alles vorgehen, das ihren Ansichten widerspricht. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den Söhnen und einer Gruppe von Unbefleckten unter Grey Worms Führung, der auch der einzige ist, der überlebt. Kurz darauf stößt Ser Barristan dazu, was für ihn letztendlich tödlich endet.
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Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney)

Wie gesagt, ich weiß noch nicht, wie ich diese Wendung bewerten soll. Es ist definitiv schön, endlich einmal Barristan den Kühnen in Aktion zu sehen, und nun wird auch klar, wie er sich seinen Ruf erworben hat, denn bevor er selbst niedergestreckt wird, mäht er noch einen ganzen Haufen Feinde nieder. Dies ist allerdings auch eine weitere, enorme Abweichung von den Romanen, wo Ser Barristan nach wie vor am Leben ist. In „A Dance with Dragons“ verschwindet Daenerys zusammen mit Drogon; während ihrer Abwesenheit ist es Barristan, der als „Hand der Königin“ quasi ihre Regierungsgeschäfte übernimmt. Es war schon von vornherein klar, dass diese Episode wohl ausgespart wird, dennoch ist Ser Barristans Tod ein herber Verlust und großer Einschnitt für Daenerys. Ich hoffe, das wird in den kommenden Episoden auch angemessen umgesetzt.

Fazit: „Sons of the Harpy“ ist sehr schwierig zu bewerten, da es sich hierbei um eine Überleitungsepisode handelt, deren Ereignisse zu stark auf Kommendes hin aufbauen, aus diesem Grund können sie auch erst bewertet werden, wenn man weiß, in welche Richtung sich die Handlungsstränge bewegen.

GoT: High Sparrow

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Nein, die Titelfigur dieser Episode ist nicht mit Captain Jack Sparrow verwandt und ja, dieser Witz ist ziemlich lahm, aber da der Hohe Spatz von Jonathan Pryce, der in den Pirates-Filmen Elizabeth Swanns Vater Weatherby Swann spielte, dargestellte wird, musste das einfach sein.

Braavos
Die Episode beginnt im Haus von Schwarz und Weiß, wo Arya von Jaqen etwas über das Konzept dies vielgesichtigen Gottes, der die verschiedenen Verkörperung des Todes in allen Kulturen darstellt, im Glaube der Sieben ist eine solche Verkörperung der Fremde. In den Romanen werden in diesem Zusammenhang allerdings weder R’hllor noch der ertrunkene Gott genannt, sondern andere Götter wie die schwarze Ziege von Qohor. Gerade R’hllor bietet sich auch als Aspekt des vielgesichtigen Gottes überhaupt nicht an, da er ja laut seiner Anhänger für Licht und Leben steht, während sein namenloser Widersacher Kälte und Tod verkörpert. Aber das nur am Rande. Das Aussehen des Inneren von Aryas Ausbildungstätte entspricht, wie schon das Äußere, ziemlich genau den Buchbeschreibungen, wobei ich sagen muss, dass ich mir das alles beim Lesen irgendwie größer vorgestellt habe.

Nachdem sie sich langsam eingewöhnt hat, taucht in Aryas Zimmer eine weitere Einwohnerin des Hauses von Schwarz und Weiß auf, die in der Serie vorerst völlig namenlos bleibt, bei der es sich aber wohl um „the waif“ (die Herrenlose) handelt, eine Attentäterin, die zwar 36 Jahre alt ist, aber wie ein dünnes, kleines Mädchen aussieht und von der Arya einiges lernt, unter anderem Braavosi. In der Serie dagegen wird sie von der auf die 30 zugehenden Schauspielerin Faye Marsay verkörpert. Hier veranlasst sie vor allem, dass Jaqen Arya dazu bringt, ihre alte Identität völlig aufzugeben in dem sie sich von ihren Besitztümern trennt. Wie in „A Feast for Crows“ bringt sie es allerdings nicht über sich, Needle ins Wasser zu werfen, stattdessen versteckt sie die Klinge. Da sie nun Arya Stark aufgegeben hat, darf das nun namenlose Mädchen zum ersten Mal ins untere Stockwerk des Hauses von Schwarz und Weiß, um zusammen mit der Herrenlosen ein Leiche zu waschen.

King’s Landing
Es wird wieder geheiratet, und dieses Mal sterben weder der Bräutigam, noch seine Familie. Auch für Margaery, die immerhin schon zwei Hochzeiten hinter sich hat, ist diese Hochzeit ein Novum: Die Ehe wird tatsächlich vollzogen. Das trifft allerdings nur auf die Serie zu, denn in den Romanen ist Tommen gerade einmal neun Jahre alt. Das Ergebnis ist jedoch im Grunde dasselbe: Der Krieg der Königinnen. Cersei und Margaery versuchen, Tommen für die eigenen Zwecke einzuspannen und die jeweils andere loszuwerden. In der Serie Margaery nun natürlich noch eine zusätzliche Möglichkeit, ihre Ziele zu erreichen. Sie beginnt auch sofort damit, indem sie Tommen nahelegt, Cersei nach Casterly Rock zurückzuschicken, da es ihr in der Hauptstadt doch überhaupt nicht gefällt. Dass Cersei davon nicht begeistert ist, als Tommen es ihr vorschlägt, dürfte kaum verwundern. Was folgt ist ein mal mehr, mal weniger subtiler Zickenkrieg zwischen Cersei und Margaery, der zwar besser zu „Desperate Housewives“ als zu „Game of Thrones“ passt, aber doch irgendwie amüsant ist.
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Der Hohe Spatz (Jonathan Pryce)

Derweil ändert sich die Situation in King’s Landing und die Fundamentalisten gewinnen an Macht: Die Spatzen stürmen Littlefingers Bordell (natürlich, keine Staffel kommt ohne mindestens eine Szene in Littlefingers Bordell aus) und zwingen den korrputen Hohen Septon zu einem Marsch der Schande durch die Straßen von King’s Landing, der wohl dazu dient, den Zuschauern das Konzept vorzustellen, und der natürlich ein anderes Ereignis ankündigt, das wir wohl gegen Staffelende zu sehen bekommen werden.

Im Gegensatz zu den religiösen Fanatikern wirkt der Hohe Spatz, den Cersei auf die Beschwerde des Hohen Septons hin besucht, sehr ausgeglichen und sogar humorvoll. Wie üblich versucht Cersei sich auch hier, die Situation zu Nutze zu machen, wobei sie in der Serie noch in größerem Ausmaß ihr eigenes Grab schaufelt als in den Romanen, da sie es hier im Grunde ist, die dem Hohen Spatz zur Macht und zum Amt des Hohen Septon verhilft. In jedem Fall verspricht der Hohe Spatz, auch in der Serie eine interessante Figur zu werden.

Der Norden
Die Boltons machen sich in Winterfell breit, bauen es wieder auf und dekorieren es neu, indem sie Gehäutete aufhängen. Während es geschäftig zugeht, erteilt Roose Bolton seinem Sohn eine Lektion in Sachen Politik und eröffnet ihm, dass er heiraten wird. Wer die zukünftige Braut ist, ist nicht schwer zu erraten: Wie ich bereits prophezeit hatte, nimmt tatsächlich Sansa die Rolle der „falschen Arya“ ein. In den Romanen schickte Littlefinger Jeyne Poole, Sansa beste Freundin nach Norden, damit die Boltons sie als Arya ausgeben, mit Ramsay verheiraten und so ihren Anspruch auf den Norden festigen konnten. Das Vorhaben in der Serie ist dasselbe, das Vorgehen insgesamt allerdings ein wenig unplausibler, wenn auch nachvollziehbar, wenn man sich in Benioff und Weiss hineinversetzt, denn in „A Feast for Crows“ hat Sansa nun einmal nicht besonders viel zu tun. Die Entscheidung, Charaktere zusammenzuführen ist meist rentabel, wobei gerade in diesem Zusammenhang doch einiges an Unglaubwürdigkeit überwunden werden muss. Sowohl für Littlefinger als auch für Roose Bolton ist der Schachzug ziemlich riskant, und dass Sansa sich nun die Hände von jemandem gibt, der nicht nur schlimmer als Joffrey ist, sondern dessen Vater auch noch ihren Bruder getötet hat, nun… Immerhin wird das auch thematisiert, und ich halte mich mit einem Urteil mal zurück, bis absehbar ist, wie sich der Handlungsstrang weiterentwickelt.

Brienne und Pod sind derweil auch nicht weit, da Brienne nicht auch noch die zweite Stark-Tochter verlieren will. Wie es aussieht, gibt’s gen Staffelende ein großes Zusammentreffen diverser Charaktere im Norden, mit Sansa, Brienne und Pod, den Boltons, eventuell Littlefinger und weiß der Geier, wer sonst noch dazustoßen könnte. Vorerst einmal entdeckt Brienne weitere Sympathie für Pod und verspricht, ihm das Kämpfen beizubringen. Beide Erzählen sich Anekdoten aus der Vergangenheit, und darüber hinaus ruft uns Brienne in Erinnerung, dass sie, neben dem Schwur, den sie Catelyn geleistet hat, noch eine weitere Motivation hat: Stannis töten. Das könnte interessant werden.
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Sansa (Sophie Turner) und Littlefinger (Aiden Gillen) im Norden

Vorerst treffen sich erst einmal Sansa und die Boltons, wobei hier, nachvollziehbarerweise eine gewisse Anspannung zu spüren ist – gerade in solchen Szenen bekommt Sophie Turner die Gelegenheit zu zeigen, wie gut sie ist. Ramsays Bettwärmerin Myranda ist jedenfalls von den Geschehnissen wenig begeistert, da nähert sich wohl noch ein weiterer Konflikt.

Im weiteren Verlauf ist interessant, dass Ramsay Littlefinger verspricht, er werde Sansa niemals verletzen. Nach den letzten beiden Staffeln fällt es verhältnismäßig schwer, dem zu glauben, allerdings ist Serien-Ramsay unberechenbarer und auch facettenreicher als Buch-Ramsay – so gibt er hier immerhin offen zu, ein Bastard zu sein, was Buch-Ramsay nie getan hätte. Andererseits haben sowohl Iwan Rheon als auch Alfie Allen und Sophie Turner angedeutet, dass in diesem Handlungsstrang noch etwas sehr Unangenehmes auf uns zukommt.

Castle Black
Der neue Lord Commander der Nachtwache führt weitere Gespräche mit Stannis und Davos. Ersteres ist im Grunde relativ redundant, dass Jon Stannis‘ Angebot nicht annehmen würde, war schon vor der Wahl klar. Der Dialog zwischen Jon und Davos dagegen ist interessant, weil Davos nun einmal ein viel besserer Diplomat ist als sein König – wenn es hier in eine ähnliche Richtung läuft wie in den Romanen, könnte Davos eine wichtige und auch gut nachvollziehbare Rolle dabei spielen.

Es folgt eine Szene aus „A Dance with Dragons“, deren Umsetzung ich tadellos gelungen finde: Die Köpfung von Janos Slynt, der sich nach wie vor weigert, dem neuen Lord Commander zu gehorchen. Es gibt über die diversen Staffeln hinweg mehrere Szenen, in denen ein Sohn (oder Mündel) von Eddard Stark jemanden hinrichtet, und jede dieser Szenen verweist natürlich auf die Köpfung des Deserteurs der Nachtwache in der ersten Folge der ersten Staffel. Gerade hier zeigt Jon auch insgesamt seine Führungsqualitäten, indem er Ser Alisser nicht, wie man vielleicht erwarten würde, zum Aufseher der Latrinen ernennt, sondern ihn zum ersten Grenzer macht. Und Janos Slynt – nun, er ist definitiv eine Figur, der man nicht nachtrauert, aber Dominic Carter hat ihn definitiv sehr passend dargestellt.

Volantis
Tyrion und Varys kommen in Volantis an, der größten der sieben freien Städte, und auch derjenigen, die Slaver’s Bay am nächsten liegt. Auf die diversen Besonderheiten der Stadt wird hier allerdings kaum eingegangen, was, zugegebenermaßen, für so wenige Szenen wohl auch zu viel verlangt wäre. Immerhin der Brauch, den Sklaven der Stadt ihr Schicksal einzutätowieren, findet Erwähnung und wird erläutert.
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Eine Priesterin des R’hllor in Volantis (Rila Fukushima)

Wie in den Romanen ist auch hier ein Vertreter des R’hllor-Glaubens anwesend, allerdings kein Priester, sondern eine Priesterin (Rila Fukushima), bei der es sich wohl um eine ehemalige prostituierte Sklavin handelt, wie die Tränentätowierung in ihrem Gesicht suggeriert; die Sklaven der roten Priester tragen eigentlich ein anderes Mal. Sie predigt zu Sklaven, spricht von Daenerys und scheint Tyrion (oder etwas in Tyrion) zu erkennen.

Die folgende Bordell-Szene zeigt, wie weit die Charakterisierung von Serien-Tyrion sich von Buch-Tyrion unterscheidet, denn während die Serienversion der Figur enthaltsam bleibt, nimmt Buch-Tyrion in dieser Situation tatsächlich die Dienste einer Prostituierten in Anspruch und ist allgemein noch um einiges kaputter – was auch dazu führt, dass Serien-Tyrion sympathischer bleibt. Das Endergebnis ist dann aber wieder dasselbe: Ser Jorah kidnappt Tyrion, damit er Daenerys‘ Gunst zurückgewinnen kann.

Fazit: Insgesamt macht Folge 3 im Vergleich zu Folge 2 wieder einen besseren Eindruck, nicht zuletzt dank einiger sehr gelungener Einzelszenen.

GoT: The House of Black and White

Trieft nur so vor Spoilern!
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Nach einem durchaus gelungenen Staffelstart folgt mit „The House of Black White“ nun erstmal wieder eine Episode, die alle Handlungsstränge knapp anreißt und vor allem die Arbeit der ersten Episode fortführt. Weitere Figuren werden wieder eingeführt, Handlungsstränge vorbereitet und der aktuelle Status Quo zementiert.

Braavos
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Arya (Maisie Williams) vor dem Haus von Schwarz und Weiß

Nachdem Arya in der letzten Folge fehlte, eröffnet ihre Ankunft in Braavos „The House of Black and White“. Während wir in den Romanen Braavos als Handlungsort zusammen mit Arya zum ersten Mal betreten, kam es in der Serie bereits in der letzten Staffel vor, als Stannis und Davos einen Abstecher zur Eisernen Bank gemacht haben. Damals war außer einer Panoramaaufnahme und dem Inneren besagter Bank allerdings nicht allzu viel zu sehen. Da Braavos in Staffel 5 allerdings ein bedeutender Handlungsort ist, ändert sich das. Der Hafen, in den Arya gebracht wird, dürfte der Ragman’s Harbor (auf Deutsch Lumpenhafen, wenn ich mich recht erinnere) sein, der Hafen, in dem Schiffe aus aller Welt angelegen – Braavos zweiter Hafen, der Purpurne Hafen, ist den Einheimischen vorbehalten. Es kann natürlich sein, dass die Serie auf dieses Detail nicht eingeht.

Das Haus von Schwarz und Weiß, der Tempel des vielgesichtigen Gottes und Hauptquartier der Männer ohne Gesicht, entspricht ziemlich genau der Beschreibung des Romans, lediglich das Gesicht an der Tür fehlt, allerdings scheint es sich in der Serie nicht bei den anderen Tempeln auf der Insel der Götter zu befinden, stattdessen ist es isoliert – oder wirkt zumindest so.

Aryas Initiation in der Serie unterscheidet sich stark vom Roman, wo sie ins Haus von Schwarz und Weiß geht und ohne größere Probleme vom „Verantwortlichen“ als, nun, Lehrling ist wohl das beste Wort, akzeptiert wird. Dieser Verantwortliche, dessen Namen weder Arya noch der Leser erfährt, wird von ihr als „the kindly man“ bezeichnet.
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Jaqen H’ghar (Tom Wlaschiha)?

In der Serie öffnet auf ein Klopfen ein Priester (Cedric Henderson), der sie jedoch abweist, woraufhin Arya Jaqens Münze wegschmeißt und durch die Straßen von Braavos stromert, wo sie schließlich von mehreren Tunichtguten beinahe angegriffen wird, bis der Priester eingreift und enthüllt dass es sich bei ihm um Jaqen H’ghar handelt – ab diesem Zeitpunkt wird er dann natürlich auch von Tom Wlaschiha gespielt. Diese Entwicklung ist relativ interessant, da es eine derartige Enthüllung bei Martin (bislang?) nicht gab. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Serie damit die Frage nach Jaqens Verbleibt auch für die Bücher beantwortet, was ich allerdings bezweifle. Unter Buchlesern gibt es diesbezüglich zwei Theorien, die erste besagt, dass Jaqen tatsächlich der „kindly man“ ist, während die zweite (und plausiblere) davon ausgeht, dass der Gesichtslose in Oldtown sein Unwesen treibt und sich als Novize der Citadel ausgibt. Für die Nichtbuchleser ist die Rückkehr einer bereits bekannten Figur wahrscheinlich besser als die Einführung einer neuen, wobei es auch in der Serie tatsächlich nicht unbedingt Jaqen selbst sein muss, der „kindly man“ könnte auch einfach nur dieses Gesicht tragen. Er beteuert auch, er sei niemand, das kann sich aber auch darauf beziehn, dass die Gesichtslosen eigentlich keine Namen mehr tragen und „Jaqen H’ghar“ ohnehin nur eine Deckidentität war.

Im grünen Tal
Der Brienne/Pod-Handlungsstrang bewegte sich bereits in der letzten Staffel von den Romanen weg, was sich hier nun ungebrochen fortsetzt. Nur zu Erinnerung: Bei Martin blieb Briennes Suche nach Sansa (und Arya) völlig erfolglos, sie irrte in den Flusslanden umher, sah, was der Krieg angerichtet hatte, und am Ende wartete die untote Catelyn Stark alias Lady Stoneheart. Diese scheint nun leider aus der Serie vollständig entfernt worden zu sein, Briennes Reise geht in eine völlig andere Richtung. Den Auslöser hierfür finde ich allerdings irgendwie lächerlich: Nachdem Brienne und Pod in der zehnten Folge von Staffel 4 zufällig Arya und dem Bluthund begegnet sind, begegnen sie nun ebenso zufällig Sansa und Littlefinger. Westeros kann nicht besonders groß sein, wenn man sich da die ganze Zeit über den Weg läuft. Und dann erlebt Brienne mit Sansa quasi noch einmal dasselbe wie mit Arya – egal, welches Medium, Brienne hat einfach kein Glück. Der ganze anschließende Kampf samt Verfolgungsjagd wirkt schließlich ziemlich unnötig (wenn auch schön inszeniert) und dient wohl mal wieder vor allem dazu, ein wenig Action in diese ansonsten doch eher dialoglastige Folge zu bringen. Insgesamt ist der ganze Handlungsstrang schlicht und einfach sehr, sehr ungeschickt inszeniert und lässt Logik und Plausibilität mitunter gerne außen vor.

King’s Landing
In King’s Landing wird derweil ein neuer Subplot eröffnet, der ebenfalls noch weiter von den Romanen wegführt. Dort begibt sich Jaime in die Flusslande, um aufzuräumen und mit den letzten Rebellen, etwa Brynden Tully, der Riverrun hält, fertig zu werden – und ganz ähnlich wie bei Brienne scheint auch hier am Ende Lady Stoneheart zu warten.

In der Serie geht Jaime stattdessen nach Dorne, um Myrcella nach King’s Landing zurückzuholen, nachdem Cersei eine recht eindeutige Botschaft erhält. Diese Entwicklung stammt nicht völlig von Benioff und Weiss, da Cersei in „A Fest for Crows“ tatsächlich ein Mitglied der Königsgarde nach Dorne schickt, um Myrcella zurückzuholen, allerdings handelt es sich dabei um Ser Balon Swann und nicht um Jaime, da dieser, wie bereits erwähnt, gerade in den Flusslanden tätig ist.

Die Motivation für Jaimes Weggang von beiden Seiten wird auch geändert. Bei Martin war es Cersei, die Jaime mehr oder weniger loswerden wollte, weil er in ihren Augen verweichlichte (während er tatsächlich zu erkennen begann, was für eine Person seine Schwester wirklich ist), in der Serie dagegen scheint Jaime eher Cerseis Gunst zurückgewinnen zu wollen.

Wie zu erwarten war, nimmt Jaime Bronn mit; da dieser ziemlich viele Fans hat, wäre es wohl eher kontraproduktiv gewesen, ihn einfach, wie in den Romanen, aus der Handlung zu entfernen. Als Jaime ihn abholt sehen wir auch zum ersten Mal Lollys Stokeworth (Elizabeth Cadwallader), Bronns Angetraute, die mit der Buchversion dieser Figur kaum etwas gemein hat, da sie weder massiv übergewichtig ist, noch allzu sehr zurückgeblieben wirkt, höchstens nervig.

Nach Jaimes Weggang widmet sich Cersei einem neuen Hobby: Zwergenköpfe sammeln. Ich bin gespannt, ob das in der Serie ähnlich ausartet wie im Roman oder ob es bei diesem einen, repräsentativen Zwergenkopf bleibt. Das folgende Treffen des Kleinen Rates ist das Highlight der Episode, auch, weil es sehr schön zeigt, wie Cersei vorgeht, um ihre Herrschaft zu sichern. Mace Tyrell und Pycelle sind ein weiteres Mal die Deppen, und ich kann mir nicht helfen, ich mag Anton Lesser als Qyburn einfach verdammt gerne. Darüber hinaus ist es auch schön, Ian Gelder als Kevan Lannister wieder dabei zu haben, der, sehr buchgetreu, keine Hemmungen hat, Cersei seine Ansichten darzulegen, vielleicht mit der falschen Begründung, aber trotzdem.

Dorne
doranmartell
Fürst Doran Martell (Alexander Siddig)

Auch im tiefsten Süden von Westeros wurde einiges verändert und vereinfacht. Während Doran Martell (Alexander Siddig), der kranke und scheinbar schwache und zurückhaltende Fürst von Sunspear, derselbe geblieben ist, wurden die Familienverhältnisse stark vereinfacht. Seine beiden älteren Kinder, Arianne und Quentyn, wurden ersatzlos aus der Serie gestrichen, sodass sein jüngster Sohn Trystane (Toby Sebastian), mit dem Myrcella (Aimee Richardson) verlobt ist, nun auch der Erbe von Dorne ist. In den Romanen ist es Arianne, die mit den Sandschlangen, Oberyn Martells Bastardtöchtern ein Komplott schmiedet, in der Serie scheint es dagegen Oberyns Geliebte Ellaria zu sein, die in „A Feast for Crows“ nur eine kleine, wenig rachsüchtige Rolle spielt. Man darf auch noch gespannt sein, wie groß die Rolle von Areo Hotah (DeObia Oparei), Doran Martells Leibwächter wohl ausfällt. Die spanischen Drehorte für Dorne, das muss noch gesagt werden, sind außergewöhnlich schön und passend.

Auf dem Weg nach Meeren
Tyrion und Varys reisen per Kutsche nach Meereen und sprechen über Politik und Philosophie. Während derartige Diskussionen zwischen Conleth Hill und Peter Dinklage immer amüsant sind, merkt man dieser doch an, dass sie vor allem da ist, um Lücken zu füllen und den beiden beliebten Schauspielern bzw. Figuren mehr Zeit zu verschaffen. Prinzipiell gibt es da schlechtere Methoden, aber trotzdem fehlt diese Zeit an anderer Stelle, zum Beispiel an der Mauer.

Meereen
Daario und Grey Worm gelingt es, einen Sohn der Harpyie in Gewahrsam zu nehmen, was für Daenerys allerdings zu noch mehr Problemen führt, da sich nun die Frage stellt, was man am besten mit ihm macht: Ein Exempel statuieren? Oder doch lieber, wie Ser Barristan vorschlägt, ihm einen fairen Prozess geben? Mossador nimmt Daenerys die Entscheidung ab, was sie nun allerdings vor ein ähnlich geartetes Problem stellt: Wie geht sie mit Mossadors Tat um? Daenerys handelt schließlich, wie ein Stark handeln würde: Fair, aber dumm, indem sie ihn vor versammelter Stadt hinrichten lässt, was ihre Befreiten nicht sonderlich gut aufnehmen.

Tatsächlich fand ich den Anfang des Ganzen ziemlich gut, sowohl die Entdeckung des Sohnes der Harpyie und das Zusammenspiel von Daario und Grey Worm, als auch die Ratssitzung und das anschließende Gespräch mit Ser Barristan. Daenerys‘ Entscheidung bezüglich Mossador allerdings… nun, es erinnert tatsächlich stark an das Zerwürfnis zwischen Robb Stark und Rickard Karstark in Staffel 3. Das Ergebnis lässt sich für jeden, der nicht vollkommen blind ist, vorausahnen, und ich denke, dass Daenerys auch so schon genug Probleme hat.
Was ich in der Besprechung von letzter Woche noch vergessen hatte: Mossador ist tatsächlich (zumindest theoretisch) ein Buchcharakter, bei Martin ist er allerdings kein Sklave aus Meereen, sondern ein Unbefleckter und Missandeis Bruder und er stirbt auch nicht durch Daenerys‘ Befehl, sondern wird von den Söhnen der Harpyie ermordet. Immerhin dürfen wir am Ende der Folge Drogon wiedersehen der, mehr noch als die anderen beiden Drachen, verdammt groß geworden ist und auch verdammt gut aussieht.

Castle Black
Shireen ist die Lehrerin vom Dienst: Nach Ser Davos bringt sie nun Gilly das Lesen bei. Zugegeben, die Szene ist niedlich, aber letztendlich ebenfalls ziemlich unnötig. Immerhin ist der Dialog zwischen Stannis und Jon weitaus relevanter, da Ersterer Letzterem anbietet, ihn zu Jon Stark und damit nominell zum Lord von Winterfell zu machen, etwas, was Jon sich immer vorgestellt hat. Somit steht er vor dem alten Stark-Problem: Handle ich nach meinen Wünschen oder nach dem, was die Ehre gebietet? Für Jon gibt es darauf natürlich nur eine Antwort.

In der folgenden Wahl des neuen Lord Commander, immerhin ein enorm wichtiges Ereignis, zeigt sich die größte Schwäche dieser Folge. Sowohl das Wahlverfahren als auch die Wahl selbst wurden gegenüber der Vorlage stark vereinfacht. Oft lässt sich das nicht vermeiden, besonders, wenn man nur zehn Stunden pro Staffel zur Verfügung hat, gerade in „The House of Black and White“ wäre es allerdings problemlos möglich gewesen, das ohnehin unnötige Füllmaterial wegzulassen und stattdessen der Wahl mehr Zeit einzuräumen, da sie nicht nur für Jon, sondern auch für Sams Charakterentwicklung einen großen Stellenwert hat. Im Roman ist er es nicht, der Jon vorschlägt, stattdessen zettelt er eine Intrige an, durch die Jon die Wahl gewinnt, weshalb im Grunde Sam für viele der folgenden Entwicklungen direkt verantwortlich ist. Außerdem zeigt die Wahl, wozu Sam fähig ist, wenn er nur will.

Fazit: „The House of Black and White“ fällt leider um einiges schwächer aus als die erste Episode der fünften Staffel, vor allem wegen unnötigem Füllmaterial und mangelndem Fokus

GoT: The Wars to Come

Trieft nur so vor Spoilern!
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Und es geht wieder los, die Game-of-Thrones-Saison hat begonnen. Staffel 5 der Serie verspricht vor allem eines: Noch stärkere Abweichung von der Vorlage. Ich bin ja nun kein Purist, der Änderungen gleich verurteilt, nur weil es Änderungen sind, allerdings sollten auch Änderungen sinnvoll sein. Manche sind natürlich dem Medienwechsel geschuldet, andere weniger, aber sie bereichern die Story; Margaery Tyrells größere Rolle gehört für mich zum Beispiel dazu – Serien-Margaery ist in meinen Augen eine weitaus interessantere Figur als Buch-Margaery. Gerade in Staffel 4 gab es allerdings auch einige Änderungen, die ich ziemlich misslungen fand, weshalb ich nach wie vor denke, dass Staffel 4, trotz einiger richtig guter Episoden, bislang die schwächste ist.

Dass es ab Staffel 5 massive Anpassungen geben würde, war ohnehin abzusehen. Die Bände „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ sind nämlich aus vielen Gründen sehr viel schwerer umzusetzen als die ersten drei, und das nicht nur wegen der geographischen Aufspaltung (an die sich die Serie ohnehin nicht hält – wäre auch unsinnig). In den Bänden 4 und 5 von „A Song of Ice and Fire“ führt Martin eine Myriade an neuen Figuren und Handlungsorten ein – Benioff und Weiss müssen hier sehr genau abwägen, und ich hoffe, dass sie gute Entscheidungen getroffen haben. Nun, wir werden sehen.

Auf der Intro-Karte taucht mit Pentos ein Ort auf, den wir seit Staffel 1 nicht mehr gesehen haben, die signifikanteste Änderung findet sich aber bei Winterfell: Das Modell qualmt nicht mehr, und statt dem Schattenwolf der Starks ist dort nun der gehäutete Mann der Boltons zu sehen.

 

King’s Landing
Staffel 5 beginnt mit etwas, das in GoT bislang nicht zu sehen war: Einem Flashback. Die junge Cersei Lannister (Nell Williams) sucht zusammen mit ihrer Freundin Melara Hetherspoon (Isabella Steinbarth) eine Waldhexe (Jodhi May) auf, um von ihr etwas über die Zukunft zu erfahren. Der Name der Waldhexe wird in der Serie nicht genannt, der Buchleser weiß jedoch, dass es sich dabei um „Maggy the Frog“ handelt. Maggy ist dabei allerdings nicht ihr wirklicher Name, sondern eine Verballhornung des Wortes „Maegi“ (wir erinnern uns an Staffel 1). Die Serien-Version dieser Figur ist weitaus ansehnlicher als die Buch-Version, die ziemlich hässlich ist; hier ist Maggy im Grunde nur schmutzig.

Da Cersei drei Fragen stellen darf, hier allerdings nur zwei vorkommen, denke ich, dass wir im Verlauf der Serie noch einmal zu diesem Flashback zurückkehren werden, insbesondere da noch ein wichtiges Detail fehlt: Im Roman erklärt Maggy Cersei, dass sie durch die Hand des Valonqar (Valyrisch für „kleiner Bruder“) getötet werden wird, was ihren Hass auf und ihre Furcht vor Tyrion erklärt – natürlich ist aber auch Jaime Cerseis kleiner Bruder, und es ist darüber nicht einmal eindeutig, dass es überhaupt Cerseis kleiner Bruder sein muss.

Es gibt noch ein paar kleinere Details, die sich in Roman und Serie unterscheiden, etwa die Anzahl der prophezeiten Kinder des Königs und die Tatsache, dass Cersei bei Martin mit zwei Freundinnen unterwegs ist, aber diese sind unbedeutend.
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Maggy the Frog (Johdi May)

Nach dieser Einführung, die sich auch gut vor dem Vorspann gemacht hätte, springt die Episode direkt nach King’s Landing, wo Cersei bei Baelors Septe eintrifft, um Lord Tywin die letzte Ehre zu erweisen. Dort warten bereits viele Edle des Reiches, darunter auch der von Paul Bentley gespielte Hohe Septon, dessen Rolle und Amt in dieser Staffel noch an Signifikanz gewinnen werden. Diplomatisch und feinfühlig, wie Cersei nun einmal ist, lässt sie alle anderen warten und besucht den Leichnam ihres Vaters erst allein, nur Jaime ist anwesend. Erfreulicherweise ist dieses Beisammensein von Jaime, Cersei und einem toten nahen Verwandten gelungener als das letzte, nicht zuletzt, weil Charles Dance‘ letzte Szene in der Serie von The Rains of Castamere unterlegt wird. Während es im Buch eine sehr ähnliche Konversation zwischen den beiden Lannistergeschwistern gibt, ist hier doch ein wichtiges Detail anders: Serien-Cersei errät sofort, dass es Jaime war, der Tyrion befreit hat.

Beim anschließenden Leichenschmaus kehren zwei alte Bekannte in die Serie zurück: Lord Tywins Bruder Ser Kevan Lannister und sein Sohn Lancel, beide abermals gespielt von Ian Gelder und Eugene Simon. Beide haben wir zum letzten Mal in Staffel 2 gesehen, Lancel wurde bei der Schlacht um King’s Landing verletzt und Kevan war bei Tywins Kriegsrat in Harrenhal zugegen. Wie in den Romanen hat Lancel währenddessen zum Glauben gefunden (in ziemlich extremer Weise), während sein Vater darüber nicht sonderlich begeistert ist.

In „A Feast for Crows“ hat das vor allem Auswirkungen auf Jaimes Handlungsstrang in den Flusslangen, da Jaime in der Serie allerdings nach Dorne geht, entschieden sich Benioff und Weiss dazu, ihn in King’s Landing zu belassen, um den fundamentalistischen Anhängern des Glaubens ein zusätzliches, bekanntes Gesicht zu geben. Die Einführung der „Spatzen“ wird dadurch leichter und ist ziemlich gelungen, immerhin spielen diese im King’s-Landing-Handlungsstrang noch eine bedeutende Rolle.

 

Pentos
Tyrion kommt in Pentos an und ist dabei in einem ähnlich mitleiderregenden und zugleich abstoßendem Zustand wie im Roman: Kaputt, stinkend, mit seinem Schicksal und seinen Taten hadernd und dauerbetrunken. Im Gegensatz zum Roman wurde allerdings bereits sehr viel gerafft und vereinfacht; bei Martin ist es Magister Illyrio, der Tyrion empfängt und ihn eine Weile bei sich beherbergt. In der Serie dagegen entschied man sich, Illyrio, der immerhin in der ersten Staffel zwei Auftritte hatte, durch Varys zu ersetzen. Dennoch befinden sich der Zwerg und die Spinne in Illyrios Haus, der Magister hat nur keinen Auftritt.

Varys erklärt, dass er in Wirklichkeit die ganze Zeit die Targaryen zurück auf den Thron bringen wollte und versucht Tyrion dafür zu gewinnen. Insgesamt ist Varys hier sehr offenherzig und ehrlich, für meinen Geschmack ein wenig zu sehr. In den Romanen ist er nur ein einziges Mal so ehrlich, und da spricht er mit jemandem, der praktisch schon tot ist.

Nun, wie dem auch sei, die erste Etappe der Reise zu Daenerys unternehmen Varys und Tyrion gemeinsam. Was sich im Vorfeld der Staffel bereits andeutete, scheint nun ziemlich sicher zu sein: Aegon VI. und Lord Jon Connington fallen der Schere zum Opfer. Bei Aegon VI. handelt es sich, so wird von seinen Unterstützern zumindest behauptet, um den totgeglaubten Sohn von Rhaegar Targaryen, während im Fandom unter anderem vermutet wird, es handle sich um einen Blackfyre-Prätendenten. Jedenfalls bricht Tyrion zusammen mit Aegon, Connington und einigen weiteren Gefährten gen Meereen auf, während er in der Serie erst einmal von Varys begleitet wird. Ich denke, dass es notwendige Kürzungen sind, damit das Personal nicht ausufert, wirklich bewerten lässt sich dies aber erst, wenn in „The Winds of Winter“ oder „A Dream of Spring“ bekannt wird, wie und in welchem Ausmaß sich der Aegon/Connington-Handlungsstrang auswirkt. Ein zusätzlicher Bonus, der sich durch diese Änderung ergibt, sind mehr Szenen zwischen Conleth Hill und Peter Dinklage, was immer gut ist.

 

Meereen
Die Harpyie fällt. Leider macht das Daenerys das Regieren auch nicht unbedingt leichter, denn die Schwierigkeiten häufen sich: Die Söhne der Harpyie, maskierte Mitglieder der ehemaligen Herrscherfamilien Meereens, töten einen der Unbefleckten. Hierbei handelt es sich mal wieder um eine Kondensierung: Im Roman wird Daenerys von mehreren derartigen Vorfällen berichtet, in der Serie dagegen wird einer herausgegriffen und visualisiert.
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Ein Sohn der Harpyie

Dany erörtert die Situation mit ihren Beratern, zu denen nun auch Hizdahr zo Loraq und Mossador (Reece Noi), einer der aufständischen Sklaven der letzten Staffel, gehören. Ersterer kehrt im Verlauf der Folge mit Daario Naharis aus Yunkai zurück, das erneut befriedet werden musste, und beginnt anschließend damit, Daenerys um die Wiedereröffnung der Arenen von Meereen zu bitten – in den Romanen ist das sein hervorstechendstes Merkmal, während dort die Sache mit dem gekreuzigten Vater, die ihm zusätzliche Sympathie verleiht, fehlt.

Nach eine Gespräch mit Daario über besagte Arenen und eine Drachenkönigin ohne Drachen besucht Daenerys Rhaegal und Viserion, die noch größer und unkontrollierbarer und deren Animationen, gerade für eine TV-Serie, wirklich exzellent sind.

 

Das grüne Tal
Im Grunde ist dieser Handlungsstrang nun schon über die erschienen Bücher hinaus; in „A Feast for Crows“ erzählen Sansas Kapitel vor allem, wie sie sich an ihre neue Situation anpasst, von der Eyrie hinabsteigt und anschließend von Littlefinger in höfischer Intrige unterwiesen wird.

Dies alles hat die Serie im Grund direkt übersprungen, der Sansa-Subplot fängt damit an, dass sie, Littelfinger und Yohn Royce Robin Arryn dabei zusehen, wie er beim Schwerkampftraining versagt. Sansa und Littelfinger halten sich damit allerdings nicht lange auf, sondern begeben sich auf eine Reise – die Trailer und der Einsatz des Stark-Themas deuten bereits darauf hin, dass es Richtung Norden geht, auch wenn uns Sansa versichert, es gehe nach Westen.

 

Castle Black
Nach der Schlacht hat sich die Lage auf Castle Black wieder beruhigt, Ser Alisser Thorne und Janos stolzieren herum, während Jon Snow abermals die Rekruten trainiert. Aber dennoch ist durch die Anwesenheit von Stannis Baratheon alles anders.

Während die anderen Handlungsstränge inzwischen alle schon bei „A Fest for Crows“ oder „A Dance with Dragons“ sind, ist dieser noch „zurück“, will heißen: Hier wird noch Material aus „A Storm of Swords“ adaptiert. Nach den Abweichungen und Ausdehnungen der letzten Staffel scheint die Jon-Snow-Handlung nun wieder stärker zum Buch zurückzukehren: Die Dialoge mit Melisandre und Stannis sind alle mehr oder weniger vorlagengetreu, wenn auch insgesamt vereinfacht. Bei Martin ist Davos allerdings nicht zusammen mit Stannis zur Mauer gekommen, sondern erledigt eine Sondermission in White Harbor. Während dieser Subplot im Roman durchaus ganz interessant ist, weil er dem Norden eine neue Facette hinzufügt, ist er für die Serie tatsächlich eher belanglos und ich begrüße seine Kürzung, da gerade in der Serie Davos‘ Anwesenheit auf der Mauer für eine sehr viel interessantere Konstellation sorgt.
snowrayderJon Snow (Kit Harrington) und Mance Rayder (Ciáran Hinds)

Stannis hätte gerne, dass die Wildlinge für ihn kämpfen, und Jon Snow soll Mance Rayder überzeugen, das Knie zu beugen, wovon dieser nicht besonders begeistert ist, weshalb er verbrannt werden soll, was schließlich am Ende der Episode auch geschieht. In „A Dance with Dragons“ ist es allerdings der Lord der Knochen, der, von Melisandre magisch verkleidet, den Flammen geopfert wird, während Mance später eine gesonderte Mission übernimmt. In der Serie scheint es tatsächlich Mance selbst zu sein, der verbrannt wird. Einerseits kann ich das nachvollziehen, denn Benioff und Weiss müssen viele der Handlungsstränge der Bände 4 und 5 stark vereinfachen, da sie sonst schlicht nicht umsetzbar sind, allerdings finde ich es dennoch verdammt schade, denn Ciáran Hinds ist ein hervorragender Schauspieler, und die Serie hätte ehrlich gesagt von seiner Präsenz profitiert – vor allem in Staffel 4 hätte man diesbezüglich noch einiges unterbringen können. So wirkt es, als habe man Mance Rayders Potential teilweise verschenkt. Immerhin darf Hinds in dieser Episode noch ein letztes Mal glänzen.

 

Fazit: Durchaus gelungene erste Folge der neuen Staffel, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau von „Two Swords“. Die Aussparung einiger Handlungsstränge zugunsten anderer erweist sich wieder als sinnvoll, um eine ausgewogenere Erzählstruktur zu schaffen.

GoT: Ausblick auf Staffel 5

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Eigentlich wollte ich schon letztes Jahr eine Ausblick schreiben, aber irgendwie bin ich nicht dazu gekommen. Nun, nachdem Staffel 4 zu Ende ist, bietet es sich sogar noch mehr an, denn nie zuvor hat sich die Serie weiter von den Romanen entfernt.
Das bedeutet im Klartext natürlich, dass dieser Artikel extrem spoilerverseucht ist, er setzt die Kenntnis von Staffel 4 voraus, und meine Spekulationen basieren natürlich auf dem Inhalt der Romane.
In keiner anderen Staffel wurden wir Buchleser so oft überrascht, sei es durch unerwartete Todesfälle oder das Auftauchen von Elementen, die bereits aus „The Winds of Winter“ stammen könnten, und gerade das macht das Spekulieren natürlich interessant. Was hinzukommt ist die Tatsache, dass sich die Handlungsstränge noch sehr viel stärker aufspalten, als dies bisher der Fall war. Gerade am Beispiel King’s Landing zeigt sich das sehr gut: Die Hauptstadt der Sieben Königslande war bisher zumeist der interessanteste Schauplatz, auch, weil sich dort die meisten wichtigen Figuren tummelten. Aber in Staffel 4 haben sehr viel die Stadt verlassen oder sind gestorben: Littlefinger und Sansa machen das grüne Tal unsicher, Lord Tywin hat einen Bolzen in den Bauch bekommen, Varys und Tyrion sind auf der Flucht, Lady Olenna ist nach Highgarden zurückgekehrt und auch Jaime bleibt wahrscheinlich nicht mehr lange. Damit wird alles zerfaserter und es interessiert mich sehr, wie Benioff und Weiss damit umgehen. Ebenso fraglich ist, wie viel Material in Staffel 5 adaptiert wird. Für die ersten beiden Staffeln galt: Das Material eines Buches wird in einer Staffel umgesetzt. „A Storm of Swords“ wurde dagegen in zwei Staffeln adaptiert, wobei Staffel 4 ja bereits einiges an Material der Folgebände enthält. „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ zeichnen sich ja nun nicht nur durch „Zerfaserung“ aus, sondern auch durch die geographische Separation der Handlungsstränge, was in der Serie natürlich nicht machbar ist, eine Staffel ohne Tyrion wäre kaum denkbar. Laut aktuellen Aussagen peilen Benioff und Weiss momentan sieben Staffeln an (dies ist aber keinesfalls in Stein gemeißelt), was bedeuten könnte, dass die Bände 4 und 5 zusammen eine Staffel geben und die beiden (geplanten) Abschlussbände der Reihe Staffel 6 und 7 füllen. Es könnte aber auch bedeuten, dass die Buch-Staffel-Aufteilung schwieriger festzulegen sein wird, so war es ja auch bereits in dieser Staffel.

Arya und Sam
Fange wir dort an, wo die letzte Staffel aufgehört hat. In der Serie hat Arya zwar einen Umweg genommen, letztendlich ist sie aber dort angekommen, wo sie auch am Ende von „A Storm of Swords“ ist: Auf einem Schiff gen Braavos. In „A Fest for Crows“ schließt sie sich den Gesichtslosen, der Attentätergruppe, der Jaqen H’gar angehört, an, und lernt deren Handwerk. Wohin dieser Handlungsstrang führt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Selbst das Arya-Promo-Kapitel aus „The Winds of Winter“ weist in keine eindeutige Richtung. Aus diesem Grund denke ich, dass sich Aryas Begegnung mit Sam relativ lang ziehen könnte. Dieser begibt sich, auf Befehl von Jon Snow, zusammen mit Gilly und Maester Aemon ebenfalls nach Braavos, um von dort aus nach Oldtown zu gelangen. Der Hauptgrund dafür ist Melisandre, die für ihre Opfer Königsblut braucht. Aemon Targaryen kommt dafür ebenso in Frage wie Mance Rayders Sohn, der gegen Gillys ausgetauscht wird, in der Serie bislang aber nicht vorkam.
Wie gesagt, ich sehe große Chancen darin, dass die Sam-Arya-Begegnung ausgedehnt wird, die Serie bringt ja gerne Figuren aus verschiedenen Hanslungssträngen zueinander, und zwar in weit größerem Ausmaß als in den Romanen. Ich glaube, Sams Handlungsstrang endet damit, dass er Oldtown erreicht, die Stadt selbst wird dann wohl erst in Staffel 6 ein wichtiger Handlungsort, so ähnlich, wie Braavos, das in dieser Staffel angeteasert wurde und das wir in der nächsten Staffel sicher mit Arya erforschen. Apropos, auf einer durchgesickerten Castingliste wird die Herrenlose („the Waif“) aufgeführt, eine 36-jährige Gesichtslose, die aussieht wie ein Mädchen. Inzwischen gibt es auch eine halboffizielle Bestätigung, dass Tom Wlashiha zu GoT zurückkehrt, was möglicherweise bedeutet, dass der freundliche Mann („the Kindly Man“), Aryas Ausbilder, in der Serie Jaqen ist.

Dorne
Dorne als neuer Schauplatz wurde bereits offiziell bestätigt, und die oben erwähnte Castingliste enthält einige dornische Figuren. Zu diesen gehören Doran Martell, der von Krankheit gezeichnete Fürst von Dorne und älterer Bruder von Oberyn, Dorans jüngster Sohn Trystane Martell, den Myrcella heiraten soll (und der wohl in der Serie ein paar Jährchen älter ist als in den Romanen, wo er ohnehin fast nur erwähnt wird), Areo Hothah, Dorans Leibwächter, sowie drei der Sandschlangen, Obara, Nymeria und Tyene Sand. Auf dieser Liste fehlen Arianne Martell, Dorans älteste Tochter und Erbin von Dorne, die ein Komplott schmiedet, um Myrcella auf den Eiserern Thron zu bringen (besagtes Komplott geht fürchterlich nach hinten los) und Quentyn Martell, Dorans zweitältestes Kind, das sich in „A Dance with Dragons“ nach Meereen begibt, um Daenerys zu ehelichen (was ebenfalls fürchterlich nach hinten losgeht). Hier besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Liste nicht komplett ist, dass diese Figuren der Schere zum Opfer fallen oder vielleicht sogar schon gecastet, die Schauspieler aber noch nicht angekündigt wurden.
Wie dem auch sei, vermutlich müssen wir Buchleser uns auf einige Änderungen in Dorne gefasst machen. Es ist nämlich ebenfalls durchgesickert, dass sich Jaime in der Serie wohl nicht in die Flusslande begibt, um dort aufzuräumen, sondern nach Dorne. Höchstwahrscheinlich nimmt er den Platz von Ser Balon Swan, einem Ritter der Königsgarde ein, der sich nach Dorne begibt, um dem Tod seines Kameraden Ser Arys Oakheart auf den Grund zu gehen.
Auf jeden Fall freue ich mich ziemlich auf Dorne und bin gespannt auf die Umsetzung. Die Dorne-Szenen werden wohl in Spanien gedreht, was ich ziemlich passend finde. Und vielleicht bekommen wir ja endlich The Dornishman’s Wife zu hören, nachdem in dieser Staffel eine zweite Version von The Rains of Castamere kam.

Brienne, Podrick und die Flusslande
Hier wird es schon schwieriger. Brienne und Podrick haben in Staffel 4 bereits einen großen Teil ihrer Feast-for-Crows-Handlung hinter sich gebracht – zumindest in gewissem Sinn. Einige der Figuren, denen sie auf ihrer Reise begegnen, sind bereits tot (Rorge und Beißer), bei anderen ist es fraglich, ob sie in der Serie auftauchen (Ser Hyle Hunt, Lord Randyl Tarly, Septon Meribald) – die Möglichkeit besteht aber noch. Sollte Lady Stoneheart in der Serie noch auftauchen, könnte sie am Ende von Staffel 5 auf Brienne warten. Zumindest glaube ich nicht, dass die Bruderschaft ohne Banner einfach so sang- und klanglos aus der Serie verschwindet, irgendeine Rolle werden Thoros von Myr und Beric Donadrrion ja hoffentlich noch spielen.
In diesem Zusammenhang ist auch Jaime von Bedeutung. Wenn er sich in Staffel 5 tatsächlich nach Dorne begibt, bedeutet das dann, dass seine Abenteuer in den Flusslanden, die mit einer Begegnung mit Brienne in „A Dance with Dragons“ enden, völlig wegfallen? Und wenn ja, was ist dann mit Edmure Tully und dem Blackfish, deren Schicksal in der Serie bislang offen geblieben ist. Fragen über Fragen…

King’s Landing
Über King’s Landing lässt sich mehr sagen. Obwohl die Stadt ihren Status als „Haupthandlungsort“, wie bereits erwähnt, verloren hat, dürfte die Cersei-Handlung aus „A Feast for Crows“ und „A Dance with Dragons“ wohl verhältnismäßig buchgetreu adaptiert werden, das vermute ich zumindest. Auch hier lohnt es sich wieder, die Castingliste heranzuziehen, auf der sowohl der Hohe Spatz (der neue Hohe Septon, der zu starkem Fanatismus neigt) und Septa Unella aufgeführt werden. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass Cerseis Handlungsstrang mit ihrem Marsch der Schande endet. Interessanterweise wird auf besagter Liste auch Maggy der Frosch aufgeführt, was darauf schließen lässt, dass es entweder einen Rückblick gibt, oder Cersei die Prophezeiung von einer jüngeren Königin und dem Valonqar als Erwachsene hört – wobei ich Letzteres eher unplausibel finde.

Die Iron Islands
Hier gibt es vor allem ein großes Fragezeichen. Der kurze Auftritt von Yara hat hier keinerlei Klarheit gebracht. In den Romanen stirb Balon Greyjoy bereits vor der Roten Hochzeit, und in „A Feast for Crows“ streiten seine Brüder Euron und Victarion sowe Yara (bzw. Asha) um die Nachfolge. Es endet damit, dass Euron neuer König der Iron Islands wird und seinen Bruder Victarion ausschickt, damit dieser ihm Daenerys als Braut bringt.
Weder Euron noch Victarion sind auf der Castingliste aufgetaucht, insoweit ist es fraglich, in welchem Umfang die Iron-Islands-Handlung adaptiert wird – in der Serie ist Balon ja noch nicht einmal gestorben.

Tyrion
Bei Tyrion lautet die Frage nicht ob seine Kapitel aus „A Dance with Dragons“ adaptiert werden, sondern in welchem Umfang. Auf seiner Reise von Pentos nach Meereen trifft er verdammt viele neue Figuren und mit Jorah Mormont nur eine bekannte. Ich denke, dass Aegon VI. und Jon Connington wahrscheinlich zu wichtig werden, um sie einfach auszulassen, aber dass Tyrions Zeit als Sklave, wenn überhaupt, nur kurz behandelt wird. Figuren wie Penny sind wahrscheinlich zu unbedeutend, allerdings taucht Yezzan zo Qaggaz, der Tyrion käuflich erwirbt, auf der Castingliste auf. Wo Tyrions Handlungsstrang endet, lässt sich schwer sagen, wahrscheinlich in Sichtweite von Meereen. In der Serie fehlt gerade hier allerdings zu viel (u.a. der Verrat von Brown Ben Plumm), um eine genaue Voraussage machen zu können.

Daenerys
Bei der Mutter der Drachen sehe ich ebenfalls viel Potential für eine relativ buchnahe Umsetzung. Hidahr zo Loraq wurde in der vierten Staffel ja bereits eingeführt, Drogon ist unterwegs und die anderen beiden Drachen eingesperrt. Jetzt müssen noch die Söhne der Harpyie eingeführt werden, und wir haben genug Material für eine Staffel. Vielleicht scheitert Daarios Eroberung von Yunkai, er könnte sogar Brown Ben Plumms Platz einnehmen. Insgesamt fehlen hier bislang allerdings Hinweise.

Lord Snow
Hier haben wir einen Ausnahmefall: Im Gegensatz zu vielen anderen Handlungssträngen, die bereits Material aus den Bänden 4 und 5 beinhalten, fehlt bei der Nachtwache noch einiges aus „A Storm of Swords“, nämlich Jons Wahl zum Lord Commander. Diese wird mit Sicherheit die ersten zwei, vielleicht auch drei Folgen der fünften Staffel füllen (bzw. Teile dieser Folgen). Danach wird die Jon-Handlung wohl in groben Zügen befolgt, vermutlich mit Fokus auf die Auseinandersetzungen mit Stannis und Melisandre. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Ser Alisser Thorne den Platz von Bowen Marsh einnimmt und als konservativer Gegenpart zu Jons reformfreudigem Lord Commander fungiert. Möglicherweise ist der Mord an Jon (von dem ich immer noch nicht glaube, dass er dauerhaft ist, nicht wenn Melisandre gleich nebenan ist) das Episode-9-Ereignis, es würde jedenfalls gut zur Tradition der sterbenden Starks in den ungeraden Staffeln passen.

Der Norden
Auch außerhalb von Castle Black geschieht im Norden viel, allerdings ist schwer abzuschätzen, wie viel davon den Weg in die Serie findet. Der Ramsay/Theon-Handlungsstrang in Staffel 4 endet damit, dass sich die Boltons nach Winterfell begeben, den Zweck dafür erfahren wir allerdings noch nicht. Jeyne Poole, die falsche Arya, die Ramsay heiraten soll, um den Anspruch der Boltons auf den Norden zu festigen, wurde bisher noch nicht einmal erwähnt, obwohl sie ziemlich essentiell ist. Ich denke, um Ramsays Hochzeit kommt man schwer herum, es sei denn, Benioff und Weiss gehen direkt zur Belagerung Winterfells über – diese findet allerdings erst in „The Winds of Winter“ richtig statt.

Game of Thrones Staffel 4:
Two Swords
The Lion and the Rose
Breaker of Chains
Oathkeeper
First of His Name
The Laws of Gods and Men
Mockingbird
The Mountain and the Viper
The Watcher on the Wall
The Children

Siehe auch:
Game of Thrones Staffel 1
Game of Thrones Staffel 2
Game of Thrones Staffel 3