The Satanic Rites of Dracula

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Story: Im London des Jahres 1974 treibt ein mysteriöser Kult sein Unwesen, der im Rahmen satanischer Rituale bestialisch Menschen ermordet. Der ermittelnde Scotland-Yard-Inspektor Murray (Michael Coles) zieht den okkulten Experten Lorrimer Van Helsing (Peter Cushing) zu Rate – beiden hatten zwei Jahre zuvor bereits mit ähnlichen Vorfällen zu tun. Und tatsächlich, wie könnte es anders sein, ist Dracula (Christopher Lee) zurückgekehrt und gibt sich als reicher Firmenchef D. D. Denham aus. Seine wahren Absichten sind allerdings weit finsterer, als sich sowohl seine Gegner als auch seine reichen Anhänger ausmalen können, denn dieses Mal plant der Graf das Ende der Welt. Zu diesem Zweck möchte er eine mörderische Seuche entfesseln…

Kritik: „The Satanic Rites of Dracula” ist der letzte Film, in dem Lee für die Hammer Studios den Grafen mimt, allerdings nicht der letzte, in dem das britische Studio Dracula auftreten lässt. Ursprünglicher Arbeitstitel des 1974 erschienen Films war „Dracula is Dead … and Well and Living in London“, gegen den Lee jedoch vehement protestierte. Ohnehin nahm er an diesem Projekt nur noch unter großem Widerwillen teil und distanzierte sich im Nachgang endgültig von dem Vampirgrafen, den er so häufig gespielt hatte. Alan Gibson führte, wie schon beim Vorgänger Regie und auch Drehbuchautor Don Houghton war nach wie vor mit von der Partie.

Diesem Umstand dürfte es wohl geschuldet sein, dass „The Satanic Rites of Dracula” inhaltlich ziemlich direkt an “Dracula A.D. 1972” anknüpft, neben Lees Dracula und Cushings Van Helsing kehrt auch Michael Coles als Inspektor Murray zurück, auf die Ereignisse des Vorgängers wird mehrfach angespielt und Van Helsings Enkelin Jessica ist ebenfalls wieder mit von der Partie, um vor blutgierigen Vampiren gerettet zu werden. Gespielt wird sie dieses Mal jedoch von Joanna Lumley statt von Stephanie Beacham. Stilistisch und inszenatorisch finden sich jedoch große Unterschiede, sowohl zum direkten Vorgänger als auch zu den restlichen Hammer-Filmen. War „Dracula A.D. 1972“ ein relativ typischer Hammer-Film mit aggressiver 70er-Amtosphäre, so ist „The Satanic Rites of Dracula“ über weite Strecken inszeniert wie ein Thriller (allerdings kein besonders atemberaubender) und borgt sich zudem Elemente von Bond-Filmen aus. Tatsächlich agiert Dracula hier weniger wie das animalische Raubtier, als das ihn Hammer sonst oft darstellte, sondern eher wie ein 007-Schurke. Das führt zu einigen interessanten Situationen, so darf sich der Graf gegenüber Van Helsing beispielsweise erstmals als Mensch ausgeben – interessanterweise scheint Lee dabei Bela Lugosis Akzent zu imitieren.

Zudem verleihen Gibson und Houghton dem Grafen eine Motivation, die über die Gier nach Blut hinausgeht, hier hat Dracula einen Todeswunsch, möchte aber gewissermaßen die gesamte Welt mitnehmen, eben indem er eine Seuche entfesselt. Dieser Masterplan gehört zu den primären Elementen, die sofort an Ernst Stavro Blofeld denken lassen. Draculas reiche Unterlinge glauben fälschlicherweise, er wolle die Welt mit einer Seuche erpressen, genau Blofelds Plan in „On Her Majesty’s Secret Service“ entspricht.  Zugleich passt dieses Handlungselement nicht so recht zu dem Kult und den satanischen Elementen – Lee hatte gegen beides Einwände, da ihm diese Deutung der Figur wieder einmal viel zu weit von Stokers Roman entfernt war. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass hier zumindest interessante Ansätze vorhanden sind und man versuchte, der Filmreihe einen innovativen neuen Spin zu verleihen. Leider lässt die Umsetzung ein weiteres Mal zu wünschen übrig. Obwohl „The Satanic Rites of Dracula“ abermals in den 70er spielt, distanzierte man sich doch von der 70er-Stimmung und den Hippie-Elementen. Das Problem dabei ist, dass der Film über weite Strecken recht öde daherkommt. Und wenn das einmal nicht der Fall ist, kehren Gibson und Houghton dann leider doch wieder zu diversen Albernheiten zurück. Dieses Mal sterben Draculas vampirische Handlanger beispielsweise durch einen Deckensprinkler – nach der Dusche im vorherigen Teil der Serie ist das wohl der nächste logische Schritt. Der Graf selbst wird durch einen Weißdornbusch besiegt – eine weitere Vampirschwäche. Dracula verfängt sich in besagtem Busch, sodass Van Helsing ihn gemütlich pfählen kann.

Alles in allem erweist sich dieses versuchte Neuausrichtung der Filmreihe, die ihr wahrscheinlich den finalen Todesstoß versetzte, als nicht besonders gelungen. Gerade, wenn man auf die gotische Atmosphäre der Hammer-Filme steht, ist „The Satanic Rites of Dracula“ eine Enttäuschung auf ganzer Linie, da er, wie erwähnt, aussieht und sich anfühlt wie ein (ziemlich günstig produzierter) Thriller. Vielleicht braucht ein Hammer-Film einfach das viktorianische Ambiente… Der einzige Grund, sich „The Satanic Rites of Dracula“ anzusehen, ist die finale Interaktion von Cushings Van Helsing und Lees Dracula – Letzterer lässt es sich auch dieses Mal nicht nehmen, noch Stoker-Zitat einzufügen. Die beiden Horror-Ikonen sind nach wie vor über jeden Zweifel erhaben, sobald sie jedoch nicht Teil der Szene sind, fällt es dem Film schwer, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.

Fazit: „The Satanic Rites of Dracula” versucht sich an einer inhaltlichen und atmosphärischen Neuausrichten der Filmreihe, scheitert aber auf so ziemlich ganzer Linie, selbst der unterhaltsame Trash-Faktor des Vorgängers fehlt. Nur Komplettisten und Fans von Cushing und Lee geeignet.

Trailer

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Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Hammers Graf
The Brides of Dracula
Dracula: Prince of Darkness
Dracula Has Risen from the Grave
Taste the Blood of Dracula
Scars of Dracula
Dracula A.D. 1972
Art of Adaptation: Nachts, wenn Dracula erwacht
Dracula (BBC/Netflix)

The Invitation

Spoiler!
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Story: Als die amerikanische Künstlerin Evie (Nathalie Emmanuel) herausfindet, dass sie zur alteingesessenen und vor allem reichen britischen Alexander-Familie gehört, kann sie es erst nicht so recht glauben. Sie trifft sich mit ihrem entfernten Cousin Oliver (Hugh Skinner), der sie prompt zu einer großen Familienfeier, einer Hochzeit einlädt. Bei ihrer Ankunft in New Carfax Abbey im britischen Küstenort Whitby ist Evie erst einmal überwältigt. Der Herr des Anwesens, Walter De Ville (Thomas Doherty), scheint sofort ein Auge auf Evie geworfen zu haben und auch sie ist dem attraktiven jungen Mann nicht abgeneigt. Allerdings beginnen sich merkwürdige Ereignisse zu häufen. Da sind zum einen die Dienstboten Mr. Field (Sean Pertwee) und Mrs. Swift (Carol Ann Crawford) und die fast schon aggressiven Hochzeitsgäste Lucy (Alana Boden) und Viktoria (Stephanie Corneliussen), die sie alle reichliche verdächtig verhalten, und dann verschwinden auch noch Dienstmädchen. Schon bald muss Evie entdecken, dass sie selbst die unwissende Braut dieser Hochzeit ist und Walter es nicht nur auf ihre Hand, sondern auch auf ihr Blut abgesehen hat…

Kritik: In Zeiten, in denen Vampirfilme recht rar gesät sind, muss man nehmen, was man bekommt. Zugegebenermaßen sah der Trailer von „The Invitation“ bereits nicht allzu vielversprechend aus, aber zumindest in einer Hinsicht hat es sich durchaus gelohnt, und sei es nur, weil ich Komplettist bin. In gewissem Sinne handelt es sich bei diesem zweiten Film der australischen Regisseurin Jessica M. Thompson um eine verkappte Adaption von „Dracula“ – was ich im Vorfeld allerdings nicht wusste. Diesbezüglich passt „The Invitation“ natürlich hervorragend in mein Beuteschema. Einem Kenner des Romans mag bei der Inhaltsangabe bereits aufgefallen sein, dass Whitby Handlungsort ist, das Anwesen des Vampirs „New Carfax Abby“ heißt und auch noch eine Figur mit dem Namen Lucy auftaucht…

Zugegeben, „The Invitation“ als tatsächliche Adaption von Stokers Roman zu bezeichnen, ginge ein wenig zu weit, der Film greift allerdings definitiv Handlungselemente auf, macht seine Intention dabei aber nicht völlig offensichtlich. Walter De Ville, bei dem es sich natürlich um den Obervampir der Geschichte handelt, erwähnt einmal, früher, in seiner Heimat, der Walachei, habe man ihn als „Sohn des Drachen“ bezeichnet, womit eine relativ eindeutige Identifizierung sowohl mit Stokers Vampirgrafen als auch mit Vlad Țepeș stattfindet. Ausgangspunkt der Handlung sind ein weiteres Mal Draculas Bräute, die drei Vampirinnen, mit denen sich Jonathan Harker bei seinem Besuch in Transsylvanien herumärgern muss. Ursprünglich sollte der Film sogar „The Bride“ heißen. Walter de Ville rekrutiert seine „Bräute“ aus drei reichen Familien, Evie ist die Enkelin einer Frau, die ursprünglich als dritte Braut vorgesehen war, sich diesem Schicksal aber entzog.

Leider muss gesagt werden, dass „The Invitation“ primär auf konzeptioneller Ebene interessant ist, während es bei der Umsetzung doch ziemlich hapert. Jessica M. Thompson inszeniert ihren Film als gotische Romanze, gerade für den ersten Teil wirkt alles jedoch zu sauber und glänzend. Zudem wäre die eigentliche Handlung auch dann äußerst vorhersehbar, wenn der Trailer nicht schon alles gespoilert hätte. In Sachen Horror und Suspense ist „The Invitation“ zudem recht zahm und am Ende geht dann doch alles sehr schnell und sehr einfach, bis hin zur ziemlich klischeehaften Auflösung.

Auch Thomas Doherty als quasi-Dracula weiß leider nicht zu überzeugen und bleibt ein relativ uninteressanter, recht stereotyper Vampir. Gerade wenn man ihn als weitere Version Draculas interpretiert, ist die Konkurrenz natürlich enorm und geradezu überwältigend, angefangen bei Max Schreck und Bela Lugosi über Christopher Lee und Frank Langella bis hin zu Gary Oldman. Die aktuellste Version, dargestellt von Claes Bang in der Netflix/BBC-Adaption, konnte immerhin durch schiere Spielfreude und reinen Unterhaltungsfaktor punkten. Selbst wenn man den Dracula-Aspekt ausklammert, ist Walter de Ville schlicht nicht besonders interessant. Die besten schauspielerischen Leistungen liefern ohne Zweifel Nathalie Emmanuel und Sean Pertwee. Erstere beweist, dass sie definitiv das Zeug zur Leading Lady hat und ist ebenso authentisch wie sympathisch, während Letzterer zwar im Grunde eine böse Version seiner Rolle aus „Gotham“ spielt, aber dafür mit wenigen Dialogzeilen relativ viel erreicht. Vielleicht hätte Pertwee den besseren Dracula abgegeben…

Fazit: „The Invitation“ ist eine halbgare Vampir-Romanze mit einigen Verknüpfungen zu Stokers „Dracula“, die aber abseits zweier starker Performances kaum zu überzeugen weiß und qualitativ eher an die Netflix-Serie „First Kill“ anknüpft.

Trailer

Bildquelle (Sony Pictures Entertainment)

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Bram Stokers Roman
Dracula (BBC/Netflix)
Dracula, Motherf**ker!
First Kill Staffel 1

Dracula A.D. 1972

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Story:
1872 stirbt Dracula (Christopher Lee) im Kampf gegen Lawrence Van Helsing, hinterlässt jedoch ein paar Überreste. Genau 100 Jahre später macht sich Johnny Alucard (Christopher Neame) daran, den Vampirgrafen mithilfe dieser Überreste in einer satanischen Messe wiederzuerwecken. Doch auch im London des Jahres 1972 hat Dracula einen Feind: Lorrimer Van Helsing, Nachfahre desjenigen, der Dracula bereits den temporären Tod brachte. Da verwundert es kaum, dass Dracula sich an den Van Helsings rächen möchte und deshalb Lorrimers Enkelin Jessica (Stephanie Beacham) zu seinem nächsten Ziel macht…

Kritik: Kontinuität war noch nie die größte Stärke der Hammer-Dracula-Reihe, aber bislang gab es in jedem der Filme zumindest eine Verknüpfung zum Vorgänger – zumeist wurde Draculas Tod im vorherigen Film direkt aufgegriffen. Obwohl in „Dracula A.D. 1972“ (der grandiose deutsche Titel lautet „Dracula jagt Minimädchen) abermals Christopher Lee und Peter Cushing in ihre ikonischen Rollen schlüpfen, handelt es sich doch, zumindest inhaltlich, um einen vollständigen Reboot, der bezüglich der Ereignisse und Chronologie nicht zu den bisherigen Filmen passt. Hammers „Dracula“ spielt im Jahr 1885, während der Graf in „Dracula A.D. 1972“ bereits 1872 „stirbt“ und 100 Jahre lang tot ist.

Nachdem „Scars of Dracula“ weder bezüglich Kritik noch Box Office zu überzeugen wusste, kam man bei Hammer zu dem Schluss, die Filmreihe zu revitalisieren. Ursprünglich war ein deutlich aufwändigeres Projekt geplant, in welchem Dracula auf die indische Todesgöttin Kali treffen sollte, man entschied sich dann für eine preiswertere Alternative und beschloss, inspiriert von dem 1970 erschienen Film „Count Yorga, Vampire“, den Vampirgrafen auf das gegenwärtige London loszulassen. Ähnlich wie in „Taste the Blood of Dracula“ wird der Blutsauger durch ein satanisches Ritual wieder zum Leben erweckt, anders als im Vorgänger sind es dieses Mal allerdings nicht viktorianische Gentlemen, sondern Hippie-Satanisten.

Highlight des Films ist ohne jeden Zweifel die Wiedervereinigung Christopher Lees als Dracula und Peter Cushings als Van Helsing, deren Zusammenspiel so grandios ist wie eh und je. Abseits davon hat „Dracula A.D. 1972“ allerdings nicht allzu viel zu bieten. Dracula in der Moderne wurde immer wieder versucht und erwies sich zumeist als Konzept, das nicht allzu gut funktioniert, sei es in „Wes Craven’s Dracula“ oder der dritten Folge der Netflix/BBC-Serie-Adaption des Romans, und in Hammers siebtem Dracula-Film ist es kaum anders. Die aggressive 70er-Ästehtik, die nicht zuletzt durch den bizarren Soundtrack von Mike Vickers vermittelt wird, ist zwar auf schräge Weise sehr amüsant, sorgt aber dafür, dass selten Atmosphäre, geschweige denn Horror aufkommt. Zudem bietet „Dracula A.D. 1972“ abseits des Settings kaum etwas Neues; Regisseur Alan Gibson und Drehbuchautor Don Houghton bemühen dieselben alten Hammer-Klischees, die bereits in den vorherigen Filmen zum Einsatz kamen, zusätzlich zu einigen wirklich dämlichen Ideen. So begeht der zum Vampir gewordene Johnny Alucard unfreiwilligen Selbstmord, weil er aus versehen die Dusche anstellt und das fließende Wasser ihn tötet, was ihn zum jämmerlichsten Sklaven Draculas macht. Immerhin inspirierte „Dracula A.D. 1972“ einige kreative Köpfe, Tim Burton hebt seine Liebe zu diesem Film immer wieder hervor und in seinem „Dark Shadows“ von 2012 ist der Einfluss dieses Hammer-Films deutlich spürbar. Zudem griff Kim Newman in seiner passend betitelten „Anno Dracula“-Fortsetzung „Johnny Alucard“ einige Elemente auf.

Fazit: Es gibt nur zwei Gründe, „Dracula A.D.1972“ anzusehen: Die Wiedervereinigung von Lee und Cushing in ihren ikonischen Rollen als Dracula und Van Helsing und der absurd-bizarre 70er-Charme des Films. Davon abgesehen bietet Hammers siebter Dracula-Film wenig Interessantes und noch weniger Neues.

Trailer

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Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Hammers Graf
The Brides of Dracula
Dracula: Prince of Darkness
Dracula Has Risen from the Grave
Taste the Blood of Dracula
Scars of Dracula
Art of Adaptation: Nachts, wenn Dracula erwacht
Dracula (BBC/Netflix)

Victorian Undead

Halloween 2022
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Wenn es eine fiktive Figur gibt, die Dracula bezüglich Adaptionen und Auftritten das Wasser reichen oder ihn sogar übertreffen kann, dann ist es Sherlock Holmes. Da ist es natürlich naheliegend, beide in einem Crossover unterzubringen; selbst davon gibt es eine ganze Menge. In den Fortsetzungen von Fred Saberhagens „The Dracula Tape“ etwa treffen der Detektiv und der Vampirgraf ebenso aufeinander wie in Christian Klavers Serie „The Classified Dossier“. Zusätzlich finden sich auch Werke, die ihren Fokus zwar nicht auf das Aufeinandertreffen der beiden Ikonen legen, in dem sie aber vorhanden sind oder waren – man denke an Alan Moores „The League of Extraordinary Gentlemen“ oder Kim Newmans Anno-Dracula-Serie. Sujet dieses Artikels ist allerdings ein etwas obskureres Werk: Ian Edgintons „Victorian Undead“. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Comics, in denen sich Sherlock Holmes und Dr. Watson, der Titel suggeriert es bereits, mit diversen Untoten herumschlagen müssen. Edginton verfasste zwei Miniserien und einen One Shot, der zwischen ihnen angesiedelt ist, in chronologischer Reihenfolge sind das „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies“ (2010), „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde“ und „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (beide 2011).

Die erste Miniserie inszeniert eine viktorianische Zombie-Apokalypse, hinter der, wen wundert es, letztendlich ein zombiefizierter James Moriarty steckt, der sich nicht nur nach der Angelegenheit bei den Reichenbachfällen an Holmes rächen möchte, sondern auch Weltherrschaftsambitionen hegt. Natürlich ist es an Holmes und Watson, hinter die Ursprünge der sich ausbreitenden Zombieseuche zu kommen und die Welt vor Moriartys Machenschaften zu bewahren. Dr. Jekyll bzw. Mister Hyde ist technisch geschehen natürlich kein Untoter, der One Shot baut allerdings auf der vorherigen Miniserie auf, sodass Mister Hyde nicht nur als menschliches Ungeheuer, sondern als Zombie auftreten kann – wie der untote Moriarty ist er allerdings nach wie vor in der Lage, sich klar zu artikulieren. Sowohl die erste Miniserie als auch der One Shot sind durchaus kurzweilig und unterhaltsam, bleiben aber ein wenig hinter ihren Möglichkeiten zurück. Erstere verliert vor allem während der zweiten Hälfte, wenn es zunehmend apokalyptisch und zerstörerisch wird, das typische Holmes-Feeling, währende Letzterer seine Prämisse nicht wirklich gerecht wird. Unter einem Aufeinandertreffen zwischen Holmes und Jekyll/Hyde stellt man sich eine deutlich vielschichtigere, psychologisch interessantere Geschichte vor. Die Kürze des One Shots wird dem einerseits kaum gerecht, während Hydes untote Natur zwar aufgrund der Konzeption bzw. des Titels irgendwie essentiell ist, gleichzeitig aber das menschliche Böse, das Hyde repräsentiert, auf fatale Weise mindert.

Wie angesichts meiner Interessenslage nicht anders zu erwarten ist es natürlich vor allem die dritte Miniserie, die im Fokus dieses Artikels stehen soll, nicht zuletzt, weil sie direkt an diverse andere Artikel anknüpft – Draculas Auftauchen im Comic ist schließlich eines meiner hervorstechendsten Steckenpferde. „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ beginnt mit einer nur allzu vertrauten Szene: der Ankunft der Demeter in England. Im weiteren Verlauf erleben wir gewissermaßen, wie sich Holmes und Watson in die Handlung von Bram Stokers Roman einmischen, indem sie ermitteln, was mit der Demeter geschah, weshalb die Mannschaft zu Tode kam etc. Dabei stoßen sie natürlich früher oder später nicht nur auf Draculas Spuren, sondern auch auf seine Jäger um Abraham Van Helsing, die sich gerade mit Lucy Westenras Vampirwerdung auseinandersetzen müssen. Ab diesem Zeitpunkt entfernt sich Edginton weiter von Stokers Roman, auch wenn wir etwas später in einer Rückblende erfahren, dass sich Jonathan Harkers Aufenthalt auf Draculas Schloss genauso abgespielt hat wie im Roman. Die obligatorische Verknüpfung von Dracula mit Vlad Țepeș darf in dieser Expositionsszene natürlich ebenfalls nicht fehlen. Zudem passt Edginton die Rollen von Mina und Lucy an. Erstere begeht nach ihrer Vampirwerdung Selbstmord, während Letztere sich als Blutsaugerin emanzipiert und sowohl von Dracula als auch ihren Verehrern genug hat. Sie hilft allerdings dabei, Draculas Bräute zu beseitigen.

Wie dem auch sei, die weitere Handlungsentwicklung erinnert an einen gewissen anderen Roman, und zwar so sehr, dass dieser Comic beinahe als Prequel funktionieren könnte, würde er nur anders enden. Die Rede ist vom bereits erwähnten Meta-Crossover „Anno Dracula“ von Kim Newman. Bei Newman wie bei Edginton plant der Graf, über Queen Victoria die Macht in Großbritannien zu übernehmen. Eine weitere, erstaunliche Parallele ist der Umstand, dass Arthur Holmwood in beiden Werken auf der Seite der Vampire steht, auch wenn die Umstände ein wenig anders sind. Bei Edginton fungiert er als Drahtzieher, der alles zusammen mit Dracula geplant hat, während er in „Anno Dracula“ von Lord Ruthven aus John William Polidoris „The Vampyre“, der als Premierminister des Empires fungiert, zum Vampir gemacht wird. Der größte Unterschied ist natürlich der Ausgang, denn „Anno Dracula“ beginnt, nachdem der Graf seinen Plan bereits erfolgreich in die Tat umgesetzt hat, während dieser in „Victorian Undead“ natürlich mithilfe eines komplizierten, von Holmes ersonnen Planes vereitelt wird. Wo der zum Prinzgemahl gewordene Graf Van Helsing im Roman tötet und Sherlock Holmes in ein Lager sperrt, segnet Dracula im Comic selbst das Zeitliche.

Eine ganze Reihe von Zeichnern wirkte an „Victorian Undead“ mit, darunter Horacio Domingues, Tom Mandrake und Mario Guevara Sr., als Hauptzeichner fungiert aber zweifellos Davidé Fabbri, während die anderen drei zumeist für Flashbacks, ausgewählte Szenen oder, im Fall von Horacio Domingues, den One Shot zum Einsatz kommen. Fabbri ist mir primär als Star-Wars-Zeichner von Werken wie „Jedi Council: Acts of War“ oder „The Hunt for Aurra Sing“ bekannt, ich muss allerdings zugeben, dass mir sein Stil nicht allzu sehr zusagt, mir persönlich wirkt er eine Spur zu cartoonig und ich bin auch kein allzu großer Fan seiner Gesichter. Zudem wäre gerade in Bezug auf gotisch-düstere Atmosphäre noch Spielraum nach oben gewesen – ich denke, Tom Mandrake wäre als primärer Zeichner vielleicht die bessere Wahl gewesen. Edginton und Fabbris Dracula erinnert visuell interessanterweise an die aktuelle Marvel-Inkarnation der Figur, bei der der von Stoker beschriebene, üppige Schnauzbart fehlt und die stattdessen über lange, weiße Haare verfügt.

Fazit: „Victorian Undead“ ist ein leidlich interessantes Crossover zwischen Sherlock Holmes und diversen untoten Kreaturen, dass aber gerade in Bezug auf Dracula so gut wie keine neuen Impulse zu setzen vermag, nicht zuletzt aufgrund der inhaltlichen Parallelen zu Kim Newmans „Anno Dracula“. Vielleicht sind diese tatsächlich rein zufällig entstanden, dennoch komme ich nicht umhin mich zu fragen, ob es nicht vielleicht interessanter gewesen wäre, wenn Ian Edginton nicht einfach mit Newman zusammen ein tatsächliches Anno-Dracula-Prequel verfasst hätte.

Bildquelle

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Bram Stoker’s Roman
Geschichte der Vampire: Dracula – Universals Graf
Geschichte der Vampire: Dracula – Der gezeichnete Graf
Geschichte der Vampire: Blade
Art of Adaptation: Georges Bess‘ Dracula
Art of Adaptation: Bram Stoker’s Dracula Starring Bela Lugosi
Dracula, Motherf**ker!
The Dracula Tape

Scars of Dracula

Halloween 2022
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Story: Die Bevölkerung hat endlich genug von Draculas (Christopher Lee) Terror und macht sich daran, das Schloss des Grafen niederzubrennen, ohne allerdings den Schlossherrn tatsächlich dabei zu verletzen. Und die Quittung folgt bald: Eine mörderische Riesenfledermaus tötet die weibliche Bevölkerung des Dorfes. Bald darauf taucht Paul Carlson (Christopher Matthews) beim Schloss des Grafen auf, auf der Flucht vor dem Gesetz, da er die Tochter eines Bürgermeisters verführte. Dracula selbst und seine Gespielin Tania (Anouska Hempel) empfangen Paul – mit Letzterer beginnt er ein Techtelmechtel, dass natürlich blutig endet. Schließlich tauchen auch Pauls Bruder Simon (Dennis Waterman) und seine Verlobte Sarah Framsen (Jenny Hanley) auf, um nach Paul zu suchen. Doch auch sie geraten in Draculas Fänge und müssen sich mit dem Vampirgrafen und seinem Diener Klove (Patrick Troughton) auseinandersetzen…

Kritik: Ein weiteres Mal kehrt Christopher Lee als Graf zurück – im Jahr 1970 bereits zum zweiten Mal für Hammer und zum vierten Mal insgesamt. Hammers sechster Dracula-Film ist der bislang konfuseste und uninspirierteste – das beginnt bereits bei der merkwürdigen Eröffnungsszene, die sich nicht entscheiden kann, ob sie an „Taste the Blood of Dracula“ anschließt oder nicht. Einerseits befindet sich Dracula im selben Zustand wie am Ende dieses Films: rote Asche. Andererseits sollte diese Asche in einer Kirche in London, nicht auf seinem Schloss in Transsylvanien sein. Auch die Wiedererweckung des Vampirs in diesem Film lässt zu wünschen übrig. Wo es bisher zumindest elaborierte satanische Rituale gab, kotzt dieses Mal eine äußerst künstlich anmutende Fledermaus Blut auf die Asche und schon weilt Dracula wieder unter den Untoten. Immerhin spielt besagte Fledermaus im Verlauf des Films noch eine äußerst essentielle Rolle, tötet mehr Menschen als Dracula und erweist sich als fähigster Häscher des Grafen.

Auch sonst ist die Handlung äußerst konfus und bietet selbst nach den Maßstäben dieser Filmserie kaum neue Impulse. Wo „Taste the Blood of Dracula“ sich immerhin um die eine oder andere Innovation bezüglich der Handlungskonzeption bemühte, greift „Scars of Dracula“ auf die üblichen Elemente zurück: Dorf und Schloss in Transsylvanien, arglose Reisende, die in die Fänge des Grafen geraten etc. Die Handlung mäandert so vor sich, alles fühlt sich entweder schon einmal dagewesen oder belanglos an. Selbst Draculas erneuter Tod am Ende des Films resultiert nicht aus der Aktion einer der Figuren, sondern weil er aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen wird und daraufhin verbrennt. Anstatt mit einer auch nur halbwegs interessanten Story aufzuwarten, versuchen Drehbuchautor Anthony Hinds und Regisseur Roy Ward Baker mit vermehrtem Gore-Einsatz über die Myriade an Schwächen dieses Films hinwegzutäuschen. Selbst das Produktionsdesign bleibt hinter den bisherigen Filmen der Reihe zurück, da Hammer auf die Hilfe von Warner Bros. beim amerikanischen Vertrieb verzichten und deshalb Kosten sparen musste.

Es ist schon fast müßig zu erwähnen, aber Lee ist darstellerisch ein weiteres Mal über jeden Zweifel erhaben, obwohl er hier noch weniger Ambitionen hatte, ein weiteres Mal in seine Paraderolle zu schlüpfen – und man ihm vielleicht doch ein wenig zu viel Make-up verpasste. Ansonsten sticht vor allem Patrick Troughton als Klove heraus – nicht zu verwechseln mit dem Diener Draculas aus „Dracula: Prince of Darkness“, der zwar denselben Namen trägt, aber anders konzipiert ist und zudem von Philip Latham gespielt wird. Die restlichen Darsteller bleiben blass und unmarkant, wobei noch zu erwähnen ist, dass sowohl Jenny Hanley als auch Anouska Hempel im James-Bond-Film „On Her Majesty’s Secret Service“ zu Blodfelds Todesengeln gehören.

In gewissem Sinne nähert sich „Scars of Dracula“ wieder stärker Stokers Roman an, allerdings primär deshalb, weil sich der Film in großem Ausmaß auf die Genre-Klischees verlässt. So erinnert Klove, obwohl er keine Insekten ist, an Renfield, inklusive der Abwendung von seinem Meister. Zudem erlebt Simon Carlson im letzten Drittel des Films eine „Jonathan-Harker-Episode“ aus dem Roman, die bislang in keinem der Hammer-Filme auftauchte: Er klettert im Schloss des Grafen aus einem Fenster, gelangt schließlich zum Ruheort Draculas und versucht den schlafenden Vampir anzugreifen, wird aber von ihm hypnotisiert, sodass die Attacke nicht gelingt. Das alles spielt sich nicht genau wie bei Stoker ab, ist doch aber nahe genug dran, um als Hommage gelten zu können. Zudem klettert Dracula kurz darauf an der Wand seines Schlosses hinauf. Es ist gut möglich, dass der Stoker-Fan Lee insistierte, diese Szenen im Film unterzubringenn – wann immer er das Gefühl hatte, die Filme entwickelten sich in eine zu absurde Richtung, versuchte er gegenzusteuern, indem er beispielsweise eine Dialogzeile, die ihm nicht passte, durch ein Zitat aus Stokers Roman ersetzte.

Fazit: „Scars of Dracula“ ist ohne Zweifel ein Tiefpunkt der Dracula-Reihe von Hammer, selbst Christopher Lee kann die konfuse, mäandernde und völlig unkreative Handlung nicht mehr ausgleichen.

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Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Hammers Graf
The Brides of Dracula
Dracula: Prince of Darkness
Dracula Has Risen from the Grave
Taste the Blood of Dracula
Art of Adaptation: Nachts, wenn Dracula erwacht

Geschichte der Vampire: Blade

Halloween 2022
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Während wir uns heute vor Comic- bzw. Superheldenfilmen kaum retten können, sah das in den 90ern noch ganz anders aus: Neben diversen B- und C-Produktionen (wer erinnert sich noch an den Captain-America-Film von 1990?) hatte man eigentlich nur zwei Filmreihen zur Auswahl: Die Superman-Filme mit Christopher Reeve, denen nach dem vierten Eintrag die Luft ausgegangen war und die Batman-Filme von Tim Burton und Joel Schumacher, denen 1997 ebenfalls die Luft ausging. Bereits ein Jahr später kam dann die Figur ins Kino, die als erster früher Wegbereiter der aktuell anhaltenden Welle von Superhelden-Filmen gilt: Blade. Zugleich hatte der Daywalker allerdings auch massiven Einfluss auf Vampirfilme und sonstige -medien. Dieser Artikel dient zur Eröffnung der diesjährigen Halloween-Saison.

Die Comicfigur
Sein Debüt feierte der Daywalker 1973 in der zehnten Ausgabe der Comicserie „The Tomb of Dracula“, Marvels wahrscheinlich profiliertester Horrorserie; geschaffen wurde er von Autor Marv Wolfman und Zeichner Gene Colan. In „The Tomb of Dracula“ gehört Blade zu einer Gruppe Vampirjäger, darunter Rachel Van Helsing und Quincey Harker, die sich, wie könnte es auch anders sein, mit Dracula herumschlagen müssen. Diese erste Version der Figur hat optisch noch nicht allzu viel mit der späteren Inkarnation gemein: Er hat einen Afro und trägt eine gelbe Brille sowie eine leuchtend grüne oder orange-braune Jacke. Wie seine spätere Filminkarnation wird auch in den Comics seine Mutter von einem Vampir gebissen, dadurch wird Blade, dessen bürgerlicher Name Eric Brooks lautet, allerdings erst einmal „nur“ immun gegen Vampirbisse – übernatürliche Fähigkeiten erhält er erst später durch Morbius, den lebenden Vampir. Nach seinem Debüt wurde Blade allerdings eher sparsam eingesetzt, agierte außerhalb von „The Tomb of Dracula“ aber auch immer wieder mit anderen Marvel-Figuren, die eher in Richtung Horror tendieren, darunter, wie bereits erwähnt, Morbius oder der Ghost Rider.

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Blades ursprüngliches Design

Sein ikonisches schwarzes Lederoutfit bekam Blade Anfang der 90er, zu dieser Zeit war er auch immer wieder mit anderen übernatürlichen Superhelden unterwegs, mit denen er ein Team bildete, darunter die Midnight Sons und die Nightstalker – Letztere tauchen zumindest namentlich in „Blade Trinity“ auf. Zugegebenermaßen bin ich mit der Comicversion der Figur nur leidlich vertraut, was auch damit zusammenhängen dürfte, dass Blade nie eine länger laufende eigene Serie vergönnt war. Stattdessen trat er als Teil der oben genannten Teams auf, absolvierte Gastauftritte oder bekam Miniserien spendiert. Seinen ersten bewegten Auftritt bekam er in einigen Episoden von „Spider-Man: The Animated Series“, in welcher er von J. D. Hall gesprochen wurde.

Art of Adaptation: Vampirkonzept der Trilogie
Vampire in den Marvel-Comics begannen relative nah an Stoker – die Comicserie „The Tomb of Dracula“ zeigte einen relativ traditionellen Grafen, dementsprechend konnten sich Marvel-Vampire verwandeln und Tiere kontrollieren, waren anfällig gegenüber heiligen Symbolen usw. Über die Jahre hinweg wurde Marvels „Vampir-Mythologie“ natürlich deutlich komplexer, man schuf Verknüpfungen ins Hyborische Zeitalter (ja, Conan gehört formal zum Marvel-Universum) und machte einen gewissen Varnae (eine Anspielung auf „Varney, the Vampire; or, the Feast of Blood“, eine Penny-Dreadful-Reihe, die Jahrzehnte vor Dracula, in den 1840ern publiziert wurde) zum ersten Vampir. Marvel-Vampire waren und sind sehr eindeutig magisch – ein Aspekt, von dem sich die Blade-Filme fast völlig distanzierten.

Vampirismus in der Blade-Trilogie wird eindeutig als Virus identifiziert, Vampire bekommen einen wissenschaftlichen Namen – Hominis nocturnae – und auch sonst werden die „mythischen“ Aspekte zurückgefahren. Während Knoblauch, Silber und Sonnenlicht adäquate Waffen gegen die Blutsauger sind, bleiben heilige Symbole oder fließendes Wasser völlig nutzlos. Statt Varnae ist nun Dracula, bzw. Drake, bzw. Dagon der erste Vampir. Bei ihm handelt es sich um eine Art fast perfekter Prototyp, der wie Blade selbst über die Stärken der Vampire, aber nicht über die Schwächen (ausgenommen der Blutdurst) verfügt. Ein mythisches Element bleibt aber doch erhalten: Der Blutgott La Magra, der im ersten Film als finaler Gegner fungiert, ist recht eindeutig übernatürlich und scheint in letzter Konsequenz der Verursacher des Vampirvirus zu sein. Wie in „Vampire: The Masquerade“ und anderen Medien (inklusive der Marvel-Comics) teilen sich die Vampire in verschiedene Gruppierungen auf, hier als „Häuser“ bezeichnet, und verfügen zudem über eine große Anzahl menschlicher Diener, die mit Vampirrunen gebrandmarkt werden. Vampire können sowohl normal gezeugt als auch durch einen Biss verwandelt werden, wobei Erstere einen höheren Status als Letztere haben und es durchaus möglich ist, Letztere wieder in Menschen zurückzuverwandeln. In „Blade II“ wird eine durch Experimente geschaffene Unterart eingeführt, die Reaper, die Vampirblut trinken und „gewöhnliche“ Vampire durch ihren Biss in Reaper verwandeln.

Blade selbst verfügt von Anfang an über die Kräfte, die er in den Comics erst nach und nach bekommt, da Morbius in der Filmtrilogie nicht auftaucht (allerdings war wohl ein Cameo geplant, das es aber nicht in die finale Schnittfassung des ersten Films schaffte). Alle seine Fähigkeiten werden durch seinen Status als Halbvampir erklärt, die einzige Schwäche, die geblieben ist, ist der Blutdurst, gegen den er mit einem speziellen Serum ankämpft. In ernsten Situationen ernährt er sich allerdings durchaus auch von echtem Blut. Einige weitere Elemente der Comics finden sich ebenfalls in den Filmen, wenn auch meistens stark abgewandelt. Deacon Frost (Stephen Dorff) ist in den Comics wie in den Filmen der Vampir, der Blades Mutter attackiert und auch regelmäßiger Widersacher – die Comicversion ist allerdings deutlich älter (sowohl optisch als auch tatsächlich). Hannibal King und die Night Stalker entstammen ebenfalls den Comics, genauso wie Dracula selbst, alle wurden aber massiven Änderungen unterzogen.

Urban Style: Blade

In vielerlei Hinsicht ist „Blade“ als Superheldenfilm eine eher untypische Angelegenheit, da Blade eben kein typischer Superheld ist. Zwar verfügt Blade technisch gesehen über einen bürgerlichen Namen – Eric Brooks – dieser spielt für ihn aber keine Rolle. Auch geht es ihm nicht wirklich darum, Menschen zu retten, sondern Vampire zu bekämpfen. In dieser Hinsicht gehört er zudem zu den Vorreitern eines Umkehrtrends im Genre: Zuvor waren Vampire zumeist die Einzelgänger, die von Vertretern einer bürgerlichen Gesellschaft gejagt wurden, in „Blade“ hingegen ist es genau anders herum: Es sind die Vampire, die als mafiöse Gruppe die Menschheit unterwandert haben, während der Jäger alleine bzw. mit nur wenigen Verbündeten arbeitet. Dieser Aspekt wird in „Blade: Trinity“ noch einmal stärker, dort benutzen die Vampire das Gesetz, um Blade auf den Leib zu rücken.

Angesichts all dessen ist es fast schon ironisch, wenn auch nicht unbedingt überraschend, wie sehr sich Regisseur Stephen Norrington und Drehbuchautor David S. Goyer an Tim Burtons „Batman“ orientierten. Gerade bezüglich der Charakterisierung der Hauptfigur und der Handlungskonstruktion finden sich viele Parallelen. Wesley Snipes‘ Blade ist wie Michael Keatons Batman ein ziemlich statischer Charakter, über den man als Zuschauer nicht allzu viel erfährt – beide bleiben relativ unerforschte Antihelden, Getriebene, deren Motivation und Werdegang nicht en detail dargelegt werden. Beide sind zu Beginn des Films bereits vollständig geformt und entwickeln sich, wenn überhaupt, nur minimal. Bei beiden erleben wir nur das auslösende Moment (Mord an den Waynes bzw. Vampirwerdung der Mutter) ihres Kreuzzugs in Flashbacks, aber nichts von der formativen Zeit. Das steht in krassem Gegensatz zu vielen späteren Superheldenfilmen wie „Batman Begins“ oder Sam Raimis „Spider-Man“, die sich diesen Aspekten sehr ausführlich widmen.

Auch die Beziehung zwischen Protagonist und Antagonist ist erstaunlich ähnlich: Sowohl Jack Napier/Joker (Jack Nicholson) als auch Deacon Frost (Stephen Dorff) beginnen als „Unterboss“ in ihrer Organisation, um sich anschließend den Weg an die Spitze zu morden. Zudem sind beide Verantwortlich für die Heldenidentität des Widersachers: Jack Napier tötete die Waynes, Deacon Frost verwandelte Blades Mutter Vanessa (Sanaa Lathan) während der Schwangerschaft in eine Vampirin und sorgte so dafür, dass Blade überhaupt erst in der Lage ist, seinem Handwerk nachzugehen. In der Handlungskonstruktion finden sich zudem Parallelen zwischen Vicky Vale (Kim Basinger) und Karen Jenson (N’Bushe Wright), die mehr oder weniger unfreiwillig in die Welt des Titelhelden hineingezogen werden und als Avatar der Zuschauer fungieren. Anders als in „Batman“ gibt es hier allerdings keine Romanze – tatsächlich hat Wesley Snipes mit keiner der „Leading Ladies“ der Filmreihe wirklich Chemie. Alfred (Michael Gough) und Whistler (Kris Kristofferson) gleichzusetzen ist vielleicht ein wenig zu weit hergeholt, aber als einzige Vertrauter und Mentor des Helden gibt es doch gewisse Parallelen…

Stilistisch hingegen distanziert sich „Blade“ stärker von sowohl „Batman“ als auch von herkömmlichen Vampirfilmen – Stephen Norrington fährt den Gothic-Faktor soweit zurück wie möglich, alles ist urban, stylisch und glatt. In vielerlei Hinsicht bereitete Blade bereits die Ästhetik vor, die die Matrix-Trilogie später popularisieren sollte – inklusive der allgegenwärtigen Ledermäntel und Sonnenbrillen. Zweifelsohne ist „Blade“ Style over Substance, wie bereits erwähnt macht der eigentliche Titelheld kaum eine Entwicklung durch, wenn überhaupt ist es Karen Jenson, die sich von der Ärztin zur Vampirjägerin wandelt. Trotzdem funktioniert Blade, primär deshalb, weil Goyer, Norrington und Snipes die Figur ernst nehmen und natürlich, weil die Action schlicht gut und unterhaltsam ist. Die größte Schwäche des Films ist dabei das Finale, das die geerdeten Aspekte und die pseudowissenschaftliche Natur der Vampire hinter sich lässt und uns nebst einem Blutgott auch viel schlechtes CGI serviert, das einfach nicht hätte sein müssen. Zudem ist es eine merkwürdige Entscheidung, Blade seine Mutter als Vampirin zu präsentieren und dann praktisch nichts damit zu machen.

Ironischerweise bringt „Blade“ gerade die Qualitäten mit, die bei aktuellen Marvel-Filmen oftmals vermisst werden: Handgemachte Action mit einem gewissen Härtegrad und eine Portion Ernsthaftigkeit. Nicht, dass in „Blade“ nicht absurdes Zeug passieren würde oder der Film humorbefreit wäre, aber es fehlt das selbstreferenzielle Augenzwinkern und der Metahumor, der selbst eingefleischten MCU-Fans inzwischen zu viel wird. Gerade aus diesem Grund ist ein in nicht allzu ferner Zukunft ausstehender MCU-Auftritt Blades (gespielt von Mahershala Ali) nicht unbedingt vielversprechend – es sei denn, Kevin Feige entschließt sich, den Tonfall und den Gewaltgrad der Marvel-Netflix-Serien zuzulassen.

Kommen wir noch zu den Vampiren in diesem Film: Eine wirklich tiefgründige Erforschung der vampirischen Zustandes oder des Blutdurstes darf man hier natürlich nicht erwarten, schließlich hat Anne Rice nicht das Drehbuch geschrieben. Blade hat wegen seines Blutdurstes keine Schuldgefühle und fällt in diesem Film auch nicht unkontrolliert Menschen an, der Durst wird eher wie eine typische Superheldenschwäche behandelt. Alle anderen Vampire sind unweigerlich böse, ob sie nun Traditionalisten sind wie der von Udo Kier gespielte Gitano Dragonetti (eine Anspielung auf Kiers Auftritt als Dracula in „Blood for Dracula“ aus dem Jahr 1974?) oder aufbegehrende Rebellen wie Deacon Frost. Als solche hinterlassen Frost und seine Kumpanen zweifelsohne ordentlich Eindruck und sind höchst unterhaltsam.

Neo Gothic: Blade II

Trotz des Erfolges von „Blade“ – der erste Marvel-Charakter, der an den Kinokassen tatsächlich einen ordentlichen Gewinn einbrachte – kehrte Stephen Norrington nicht zurück. An seiner statt nahm Guillermo del Toro die Zügel in die Hand. Für viele, mich eingeschlossen, ist „Blade II“ nach wie vor der beste Teil der Trilogie, denn del Toro nimmt im Grunde alles, was im ersten Teil funktionierte und reichert es um seine eigene Ästhetik an. Wesley Snipes kehrt natürlich als Titelheld zurück. N’Bushe Wright als Karen Jenson sehen wir dagegen nicht wieder, statt ihrer hat Blade mit Scud (Norman Reedus) einen neuen Sidekick. Trotz seines scheinbaren Todes in „Blade“ taucht Kris Kristofferson wieder auf, der Dank eines ziemlich uneleganten Retcons abermals als Blades Vertrauter und Mentor fungieren darf.

Die Action, Coolness und eher dürftige Figurenzeichnung des Vorgängers behält del Toro bei (David S. Goyer ist abermals für das Drehbuch verantwortlich), geht ästhetisch jedoch völlig andere Pfade: „Blade II“ ist dreckiger, gotischer und, in Ermangelung eines besseren Wortes, „europäischer“ als Teil 1, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Film in Prag spielt und dort auch gedreht wurde. Zudem fährt del Toro hier ein völlig anderes Kaliber an Vampiren auf: Die rebellischen Hipster-Vampire, aus denen Deacon Frosts Clique bestand, sind ebenso Vergangenheit wie die Mafiosi-artige alte Garde um Dragonetti, stattdessen lebt del Toro seine Vorliebe für monströse Vampire aus, die später in der von ihm produzierten Serie „The Strain“ noch stärker hervortreten sollte. Die neue große Gefahr dieses Films sind die Reaper, eine erst vor kurzem aufgetauchte Unterart von Vampiren, deutlich stärker und widerstandsfähiger als die gewöhnlichen Blutsauger, nicht zuletzt, weil ihr Herz besser geschützt ist. Da die Reaper bevorzugt Vampirblut trinken und so andere Vampire in ihresgleichen verwandelt, haben Blade und die „normalen“ Vampire einen gemeinsamen Feind. Blade muss sich also mit einem vampirischen Einsatzteam, dem „Blood Pack“ unter Führung von Nyssa Damaskinos (Leonor Varela) verbünden, um die Reaper aufzuhalten. Sowohl Eli Damaskinos (Thomas Kretschman) als auch die Reaper und ihr Anführer Nomak (Luke Goss) sind mit ihren entstellten Gesichtern und kahlen Schädeln eindeutig von Graf Orlok aus Wilhelm Friedrich Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ beeinflusst.

Das Blood Pack hingegen knüpft relativ direkt an „Blade“ an, indem hier eine Reihe von nicht unbedingt gut ausgearbeiteten, aber doch einprägsamen Charakteren geboten wird. Zudem finden sich einige interessante Schauspieler in dieser Gruppe. Ron Perlmans Präsenz dürfte wohl niemanden, der mit del Toro vertraut ist, groß überraschen – er spielt den ziemlich sadistischen Vampir Reinhardt. Perlman, Nomak-Darsteller Luke Goss und del Toro sollten später zusammen „Hellboy II: The Golden Army“ drehen. Darüber hinaus gehören auch Martial-Arts-Legende Donnie Yen als „Snowman“ sowie Tony Curran als „Priest“ zum Bloodpack – Letzterer sollte in „Underworld: Evolution“ in die Rolle des Vampirältesten Markus Corvinus schlüpfen. Das gesamte Bloodpack ist höchst unterhaltsam, ebenso wie Luke Goss‘ Nomak und sein Vater Eli Damaskinos – Thomas Kretschman hat sichtlich Spaß daran, so richtig schön fies zu sein. Das schwächste Glied in der Kette ist tatsächlich Leonor Varela, die zwar sehr gut aussieht und wie ein Prototyp von Kate Beckinsales Selene aus den Underworld-Filmen wirkt, aber ihre Figur nicht wirklich authentisch rüberbringen kann. Das ist verdammt schade, da sie im Grunde der einzige Vampircharakter der gesamten Trilogie ist, der nicht ausschließlich böse ausfällt. Ein weiteres Manko sind abermals einige der Effekte – während die Action nach wie vor sehr gut ist, traf man die Entscheidung, die Figuren immer wieder absurde akrobatische Einlagen absolvieren zu lassen, die per CGI umgesetzt wurden, die bereits 2002 nicht gut aussahen und wirklich extrem schlecht gealtert sind.

Dennoch, aufgrund von Guillermo del Toros Regieführung und seinen stilistischen Vorlieben, die sich mit den meinen überschneiden, ist „Blade II“ definitiv mein Favorit dieser Filmreihe, nicht zuletzt, weil del Toro sich hier noch am ehesten mit der vampirischen Natur auseinandersetzt, sei es durch die etwas komplexere Nyssa oder den Umstand, dass die Vampire hier selbst von Jägern zu Opfern einer noch übleren Spezies von Monstern werden, während ihr Anführer sich nicht nur als Mafiaboss oder machthungriger Aufsteiger, sondern praktisch als Nazi entpuppt, der so etwas wie eine neue vampirische Herrenrasse züchten möchte. Diese Aspekte gehen nach wie vor nicht wirklich in die Tiefe, werden aber stärker und besser herausgearbeitet, als es im ersten und dritten Teil der Trilogie der Fall ist.

The Tomb of Dracula: Blade Trinity

David S. Goyer ist ein ziemlich wechselhafter Drehbuchschreiber – wenn er mit einem guten Regisseur wie Guillermo del Toro oder Christopher Nolan zusammenarbeitet, kann durchaus ein brauchbarer oder sogar sehr guter Film herauskommen. Wenn er hingegen selbst Regie führt, wie es bei „Blade: Trinity“ der Fall ist, entsteht ein mittelschweres Desaster. Die Probleme und Konflikte, die sich hinter den Kulissen abspielten, sind inzwischen legendär, nicht zuletzt, weil Patton Oswald und Ryan Reynolds immer wieder gerne aus dem Nähkästchen plaudern. Goyer und Wesley Snipes konnten sich offenbar nicht ausstehen, was dazu führte, dass Letzterer ernsthafte Diva-Allüren entwickelte, seinen Trailer nicht verlassen wollte, mit dem Regisseur nur über Notizen kommunizierte und generell nicht zugänglich war. Doch selbst wenn man davon absieht, dass Snipes schlicht keine Lust hatte, in diesem Film mitzuspielen, passt vieles einfach nicht zusammen, die Regieführung ist bestenfalls holprig und schlimmstenfalls inkompetent. Erschwerend hinzu kommt, dass Elemente, die 1998 noch frisch und innovativ waren, im Jahr 2004, nach drei Matrix- und dem ersten Underworld-Film inzwischen ziemlich ausgelutscht wirkten.

Goyers Drehbuch ist da leider auch keine Hilfe, denn im Grunde handelt es sich bei der Story von „Blade: Trinity“ um ein Konglomerat an Handlungselementen aus den ersten beiden Filmen. Whistler stirbt zum zweiten und letzten Mal, Blade muss, wie schon im zweiten Teil, abermals mit einer Gruppe zusammenarbeiten; dieses Mal sind es die zumindest dem Namen nach aus den Comics stammenden Nightstalker, ein weiteres Mal hat er es mit einem „Supervampir“ zu tun und bereits zum dritten Mal macht Blade praktisch keinerlei Wandlung durch. Im Gegensatz zum zweiten Film greift Goyer zumindest formal in größerem Ausmaß auf die Vorlage zurück – auch Hannibal King (Ryan Reynolds) entstammt den gedruckten Seiten und natürlich hätten wir da noch Dracula…

Der Fürst der Vampire wird in diesem Film von Dominic Purcell, primär aus der Serie „Prison Break“ bekannt, gespielt, und ist leider ein weiterer Aspekt, der auf keiner Ebene funktioniert. Wie oben bereits erwähnt nimmt Dracula die Stellung als erster Vampir ein, die in den Comics Varnae innehat. Wie Blade ist er immun gegen das Tageslicht und wurde darüber hinaus als Vampir im antiken Babylon geboren, wo er unter dem Namen Dagon ein Kriegsherr wurde und sich einen blutigen Weg durch die Jahrtausende bahnte. U.a. posierte er auch als Vlad Țepeș und inspirierte in letzter Konsequenz Bram Stoker, zog sich dann aber angewidert von der Welt zurück, um im 21. Jahrhundert von der Vampirin Danica Talos (Parker Posey) und ihren Handlangern wiederweckt zu werden, um gegen Blade zu kämpfen. Schauspieler, die Dracula spielen, werden automatisch an ihren Vorgängern gemessen – eine illustre Riege, zu der neben Bela Lugosi auch Größen wie Christopher Lee, Gary Oldman oder Frank Langella gehören. Dominic Purcell ist zweifelsohne einer der schlechtesten Draculas, weder verfügt er über die Ausstrahlung eines Lugosi, noch über das Charisma eines Lee oder die Komplexität eines Oldman; auch als sumerischer Kriegsherr oder uraltes, unmenschliches Monster weiß er nicht zu überzeugen. Stattdessen wirkt er eher wie ein gelangweilter Rapper.

Alle anderen Aspekte der Produktion sind ebenso misslungen. In den ersten beiden Filmen merkt man Snipes seine Passion für das Material an, diese ist durch den Konflikt mit Goyer völlig verloren gegangen. Die ürbigen Charaktere sind entweder flach, überzeichnete Karikaturen oder beides. Abigail Whistler (Jessica Biel) ist quasi wandelndes Product Placement, Ryan Reynolds scheint schon mal für Deadpool zu üben und Parker Posey und ihr vampirischer Anhang ist völlig überdreht und weit entfernt von den einprägsamen Blutsaugern der ersten beiden Teile.

Apokryphen und Vermächtnis
Unglaublich, aber wahr: Trotz der nicht gerade überwältigenden Rezeption von „Blade: Trinity“ schickte Warner Bros. 2006 eine Blade-Fernsehserie an den Start, die wirklich kaum jemand gesehen hat. Ich glaube, ich habe mir ein oder zwei Folgen angeschaut, als die Serie damals auf ProSieben startete, kann mich aber an absolut nichts mehr erinnern. Obwohl Wesley Snipes nicht mehr beteiligt war – die Titelfigur wird von dem Rapper Kirk Jones alias „Sticky Fingaz“ gespielt – knüpft die Serie an die Filme an, es gibt diverse Anspielungen und sowohl David S. Goyer als auch Ramin Djawadi, der Komponist von „Blade: Trinity“, wirkten an dem Unterfangen mit. Deutlich aufmerksamer dürften Fans der alten Trilogie die MCU-Neuauflage des Vampirjägers verfolgen. Ein erstes (rein stimmliches) Cameo absolvierte Mahershala Ali bereits in der Post-Credits-Szene von „The Eternals“, sein eigener Film kommt im November 2023 ins Kino; meine Bedenken diesbezüglich habe ich oben bereits geschildert.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss von „Blade“ auf das Horror-Action-Genre – wenn der Film von 1998 es nicht begründet hat, gehört er doch zumindest zu den Wegbereitern. Filme, Filmreihen und Serien wie „Underworld“, „Resident Evil“, „Van Helsing“, „Priest“ oder „First Kill“ sind massiv vom Einfluss der Blade-Trilogie geprägt. Zudem zeigte Blade, dass ein relativ obskurer Marvel-Charakter an den Kinokassen extrem erfolgreich sein kann. Wenn das MCU sich schon nicht stilistisch an der Trilogie orientiert, so hat es sich doch schon oft genug der Vorgehensweise bedient, indem es absolute Nischenfiguren aus der Versenkung holte und für ein breites Publikum aufbereitete; wer kannte vor 2014 schon die Guardians of the Galaxy? Zudem, und das sollte ebenfalls nicht unterschlagen werden, ist Blade der erste erfolgreiche Superheldenfilm mit einem schwarzen Protagonisten („Spawn“ und „Steel“ kamen zwar vorher ins Kino, können aber beim besten Willen nicht als erfolgreich bezeichnet werden) und einem R-Rating und damit Wegbereiter für Filme wie „Black Panther“ oder „Deadpool“.

Bildquelle Titel (New Line Cinema)
Bildquelle klassischer Blade

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Der gezeichnete Graf
Geschichte der Vampire: Secret Origin
First Kill Staffel 1

The Dracula Tape

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So richtig populär wurde der Vampirprotagonist bzw. der „sympathische Vampir“ erst in den 90ern, allerdings finden sich bereits in den 60ern und 70ern erste Vorreiter, etwa in Gestalt von Barnabas Collins in der Fernsehserie „Dark Shadows“ (1966 bis 1971). Literarisch salonfähig wurde das Konzept schließlich dank zweier Romane, die beide in den 70ern erschienen. Der eine ist natürlich Anne Rice‘ „Interview with the Vampire“, zweifelsohne ein essentieller Meilenstein der Vampirliteratur, aber Dracula selbst hatte auch einen gewissen Anteil an der sich abzeichnenden Entwicklung. Während der Vampirgraf in den in diesem Zeitraum erscheinenden Hammer-Filmen noch als typischer böser Vampire unterwegs war, beschloss der bekannte Fantasy- und Science-Fiction-Autor Fred Saberhagen (1930 bis 2007) in seinem Roman „The Dracula Tape“, ausnahmsweise einmal Draculas Sicht auf die Dinge zu schildern.

Ironischerweise hat „The Dracula Tape“, erschienen 1975, also gerade mal ein Jahr vor Rice‘ Roman, einige andere interessante Gemeinsamkeiten mit „Interview with the Vampire“: In beiden erzählt ein Vampir nicht nur aus seinem Leben, sondern versucht auch, viele Dinge bzgl. der vampirischen Natur „richtig zu stellen“. Während „Interview“ aber eine völlig eigenständige Geschichte erzählt, hangelt sich Saberhagen an Stokers Roman entlang. Konzipiert ist das Ganze als Abschrift einer Tonbandaufnahme (daher der Titel, in der deutschen Übersetzung lautet er stattdessen „Die Geständnisse des Grafen Dracula“). Die Handlung ist freilich dieselbe wie bei Stoker, zumindest vordergründig: Mithilfe des Anwalts Jonathan Harker möchte Dracula nach London umsiedeln und erwirbt zu diesem Zweck das heruntergekommene Anwesen Carfax. Harker findet heraus, dass sein Gastgeber ein Vampir ist und bleibt auf dem Schloss des Grafen zurück, während dieser auf dem russischen Schoner Demeter nach England übersetzt und schließlich in Whitby ankommt. Dort entsteht ein Kontakt zu Lucy Westenra, der besten Freundin von Jonathan Harkers Verlobter Mina Murray – beide machen zufällig gerade in Whitby Urlaub. Über Lucy geraten, wie üblich, ihr Verlobter Arthur Holmwood, dessen Freunde Quincey Morris und John Seward sowie Sewards Lehrmeister Abraham Van Helsing in die Angelegenheit. Nachdem Lucy zur Vampirin geworden ist, macht man gemeinsam Jagd auf sie und schließlich, nach ihrem endgültigen Tod, auf den Grafen. So weit, so bekannt.

Aus Draculas eigener Perspektive ergeben sich allerdings völlig andere Charakterisierungen und Motivationen der Figuren. Der Graf selbst zeichnet sich in seinem Geständnis zwar nicht als völlig „guter“, aber doch als nobler und deutlich weniger böswilliger Vampir, der vor allem im ersten Drittel von Jonathan Harker konsequent falsch verstanden und interpretiert wird. Der Vorfall mit „Draculas Bräuten“, die hier die Namen Anna, Wanda und Melisse tragen, ist zwar „authentisch“, aber alles andere nicht. Dracula hat hier deutlich weniger Kontrolle über sie, als es eigentlich den Anschein hat – tatsächlich versuchen die drei am Ende, ihn durch eine Intrige zu töten. Während Jonathan Harker in diesem Kontext noch halbwegs gut wegkommt und Dracula sogar zähneknirschenden Respekt äußert, ist Van Helsing hier das wahre Monster, ein zum Teil inkompetenter Fanatiker, der bereits zuvor „unschuldige“ Vampire vernichtete und seinem Feldzug alles und jeden opfert.

Lucy und Mina dagegen gehen echte Romanzen mit Dracula ein. Ursprünglich hat Dracula überhaupt nicht vor, Lucy zur Vampirin zu machen, zur Tragödie kommt es überhaupt erst, weil Van Helsing sich an einer Bluttransfusion versucht. Tatsächlich war diese Methode zu Stokers Zeit gerade konzipiert worden, das Konzept der Blutgruppen hatte man allerdings noch nicht entdeckt, dies geschah erst 1900 durch Karl Landsteiner, also drei Jahre nach Erscheinen des Romans. Saberhagen schildert die korrekten Folgen einer fehlerhaften Bluttransfusion, als Folge verwandelt Dracula Lucy, um sie vor dem Tod zu retten. Dieser ereilt sie natürlich trotzdem in Form eines Holzpfahls. Auch Mina kann Dracula von seinen eigentlich hehren Absichten überzeugen, sodass sie gemeinsam mit dem Grafen eine Intrige ausheckt, um die Vampirjäger konsequent in die Irre zu führen. Dies gipfelt schließlich in einer gefakten Tötung Draculas, die zur Folge hat, dass der Graf viele Jahre später seine Geschichte erzählen kann.

Saberhagens Roman ist eine Mischung aus Parodie und liebevoller Hommage, bei der der Horror-Aspekt natürlich verloren geht, da wir die ganze Geschichte aus der Perspektive des vermeintlichen Monsters erleben. Ein derartiges Werk verlangt intime Kenntnisse von Stokers Roman, die zweifelsohne gegeben sind. Dabei muss allerdings angemerkt werden, dass die Umdeutung der Ereignisse nicht immer gleich gut funktioniert. Gerade im ersten Drittel wirkt es mitunter recht bemüht: Saberhagen behält die Dialoge aus Stokers Roman eins zu eins bei, wandelt sie aber in immer neue Missverständnisse um, die oft allzu gekünstelt wirken. Deutlich besser kann er in Whitby und London arbeiten: Hier tritt der Graf in Stokers Roman kaum auf, sondern arbeitet lediglich hinter den Kulissen, dementsprechend hat Saberhagen hier viel mehr Freiheit und ist nicht mehr völlig an den Text des Romans gebunden. Dieser wird, nebenbei bemerkt, immer wieder zitiert, da Dracula Zugang zu den „gesammelten Aufzeichnungen“ der Vampirjäger (sprich: Stokers Roman) hat und diesen immer wieder auf äußerst amüsante Weise kommentiert. Saberhagen baut in diesem Kontext immer wieder ironische Brechungen ein, etwa wenn Dracula sich darüber mokiert, dass er in England ständig und scheinbar zufällig Bekannten Jonathan Harkers über den Weg läuft.

Es sollte zudem erwähnt werden, dass Dracula hier ganz eindeutig als Vlad Țepeș identifiziert wird. Das kommt wohl nicht von ungefähr, 1972 erschien „In Search of Dracula“ von Radu Florescu und Raymond T. McNally, wodurch die These, Stoker sei von Vlad Țepeș zu Dracula inspiriert worden, populär wurde. Obwohl Forscher wie Elizabeth Miller das inzwischen widerlegten, hält sich die Gleichsetzung Draculas mit Vlad III. hartnäckig in der Popkultur und gehört in diesem Kontext mehr oder weniger zum guten Ton – auch diesbezüglich könnte Saberhagen ein Vorreiter gewesen sein.

Wer sich von „The Dracula Tape“ eine ähnlich tiefgründige Erforschung des Vampirzustands erhofft, die „Interview with the Vampire“ bietet, wird wohl enttäuscht werden. Dieser Dracula ist zwar einerseits weit entfernt vom fast absoluten Bösen seines Stoker-Gegenstücks, hadert aber auch nicht besonders mit seiner Vampirnatur und schein wenig Probleme damit zu haben, sich von Tierblut zu ernähren bzw. seine Opfer nicht zu töten. Saberhagen vermittelt nur selten ein Gefühl dafür, wie es sich anfühlt, ein Vampir zu sein, etwas, das Anne Rice wie keine andere Autorin vermitteln kann.

Dennoch erwies sich „The Dracula Tape“ als sehr einflussreich. Nicht nur verfasste Fred Saberhagen eine ganze Reihe von Fortsetzungen, in denen Dracula u.a. auf Sherlock Holmes trifft, wann immer der Graf positiver dargestellt wird, meint man, Saberhagens Einfluss zu spüren – das trifft besonders auf „Bram Stoker’s Dracula“ zu. Coppolas Adaption stellt quasi einen Kompromiss zwischen Stokers und Saberhagens Dracula dar, was den Verantwortlichen durchaus nicht entging, weshalb sie Saberhagen baten, die Romanadaption des Films zu verfassen. Schon ein wenig merkwürdig, wenn man bedenkt, dass Fred Saberhagen der Autor eines Buches mit dem Titel „Bram Stoker’s Dracula“ ist…

Fazit: „The Dracula Tape“ ist nicht nur eine amüsante Parodie von Stokers Roman, die aus dem monströsen Vampirgrafen einen Antihelden macht, sondern auch ein enorm einflussreicher Vampirroman.

Bildquelle

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Bram Stokers Roman
Geschichte der Vampire: Secret Origin
Dracula: Sense & Nonsense

Taste the Blood of Dracula

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Story: William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) and Jonathon Secker (John Carson) geben sich als aufrechte, moralische Mitglieder der Gesellschaft, suchen in Wahrheit aber nach immer größeren Versuchungen. Das, was ihnen die Londoner Bordelle anbieten, reicht schon bald nicht mehr aus. Da kommt der mysteriöse Lord Courtley (Ralph Bates) gerade recht, denn er verspricht nie geahnte Verderbnis. Zu viert bereiten sie ein spezielles, satanisch anmutendes Ritual vor, zu dessen Bestandteilen unter anderem auch das getrocknete Blut Draculas sowie der Umhang des Vampirgrafen gehört. Das Ritual scheint jedoch schiefzugehen und endet im Tod Lord Courtleys. Unbemerkt von den drei Gentlemen verwandelt sich Courtleys Leichnam allerdings bald in Dracula (Christopher Lee) – und diesen dürstet es nach Rache für den Tod seines Dieners…

Kritik: „Taste the Blood of Dracula” markiert Christopher Lees vierten Auftritt als Vampirgraf in einem Hammer-Film, gleichzeitig erschienen im Jahr 1970 ironischerweise noch drei weitere Filme, in denen Lee seine ikonische Rolle mimte: Jess Francos verhältnismäßig werkgetreue, aber recht günstige Adaption des Romans, Jerry Lewis‘ „One More Time“, in welchem er einen kleinen Cameo-Auftritt absolvierte, und „Scars of Dracula“, ein weiterer Hammer-Film, der nur wenige Monate nach „Taste the Blood of Dracula“ ins Kino kam.

Abermals hätte Lee seine Paraderolle fast nicht noch einmal gespielt, dieses Mal allerdings aufgrund höherer Gageforderungen, die Hammer nicht erfüllen wollte. Stattdessen planet man, Ralph Bates zum neuen Dracula zu machen, in der ursprünglichen, von Anthony Hinds verfassten Version des Drehbuchs sollte Dracula einfach nur Lord Courtleys Körper in Besitz nehmen, sodass Bates in diesem und potentiellen weiteren Filme den Grafen verkörpern konnte. Hammer hatte die Rechnung allerdings ohne den amerikanischen Vertrieb gemacht, für den ein Dracula-Film ohne Lee kein Dracula-Film war, was schließlich zu seiner Rückkehr als Graf und einigen hastigen Drehbuchänderungen führte. Als Regisseur wurde Freddie Francis von Peter Sasdy abgelöst.

Dabei beginnt „Taste the Blood of Dracula” äußerst vielversprechend, weil sich der Film deutlich anders anfühlt als seine Vorgänger. Nach einem kurzen Prolog, in welchem der englische Geschäftsmann Weller (Roy Kinnear) Draculas Tod aus „Dracula Has Risen from the Grave“ (zumindest mehr oder weniger) beobachtet und anschließend getrocknetes Blut und Umhang einsammelt, wechseln wir zu den drei Gentlemen, die für eine interessante Handlungskonstellation sorgen. Ralph Bates macht zudem eine durchaus gute Figur als zwielichtiger Lord Courtley. Die Handlung des Films fällt allerdings auseinander, sobald die Drehbuchänderungen, um Lee im Film unterzubringen, allzu deutlich werden. Ab diesem Zeitpunkt will die Handlung einfach keinen rechten Sinn ergeben. Während ein Courtley-Dracula, der an den Gentlemen Rache nimmt oder sich ihrer entledigt, weil sie zu viel wissen, vielleicht noch nachvollziehbar gewesen wäre, hat Lees Version der Figur doch eigentlich keinen Bezug zu ihnen. Vor allem ist es auch das einzige Mal, dass ihm etwas an seinen Werkzeugen liegt.

Dabei gibt es durchaus auch in der zweiten Hälfte des Films interessante Ansätze. Dracula wurde immer als Bedrohung des gesitteten Status Quo inszeniert, in „Taste the Blood of Dracula“ ist besagter Status Quo aber in letzter Konsequenz nicht positiv konnotiert, wie es in den bisherigen Hammer-Filmen der Fall war. Stattdessen sind seine Vertreter massive Heuchler, die zwar die Fassade moralischen Bürgertums aufrechterhalten, in Wahrheit aber völlig verkommene Subjekte sind. Dieses Mal ist es Dracula, der William Hargoods Tochter Alice (Linda Hayden) vor dem mörderischen Vater rettet und nicht etwa umgekehrt. Dracula wird zum Katalysator jugendlicher Rebellion, sowohl Alice als auch Samuel Paxtons Tochter Lucy (Isla Blair) begehren unter seiner Ägide gegen ihre Väter auf. Dieser Ansatz wird aber kaum weiterverfolgt, nicht zuletzt, weil unklar bleibt, inwiefern die beiden tatsächlich unter Draculas Kontrolle stehen. Zudem scheint Lucy irgendwann zur Vampirin zu werden, nur um am Ende doch als Mensch zu sterben. Alice hingegen wird am Ende von Dracula mehr oder weniger verstoßen, weil sie ihm nicht mehr nützlich ist, was ebenfalls seltsam erscheint. Warum saugt er sie nicht einfach aus? An diesem und ähnlichen Elementen merkt man das kurzfristig abgeänderte Drehbuch überdeutlich.

Tatsächliche Inhalte aus Stokers Roman finden sich, wie nicht anders zu erwarten, kaum mehr in diesem Film, allerdings gibt es einige amüsante (und wahrscheinlich unbeabsichtigte) Parallelen. Zum ersten Mal in der Filmreihe betritt der Graf englischen Boden und treibt in London sein Unwesen, auch wenn er dazu erst zu Pulver werden musste, da sich eine aufwändige Schiffsszene, wie sie im Roman auftaucht, für Hammer stets als zu teuer und aufwendig erwies. Zudem bekommt Dracula es abermals mit einer aus drei Männern bestehenden Gruppe zu tun und zu seinen Opfern gehört zu allem Überfluss ein Mädchen namens Lucy.

Darstellerisch ist „Taste the Blood of Dracula“ stärker als der Vorgänger: Lee macht natürlich auch weiterhin eine gute Figur in seiner Paraderolle und auch Ralph Bates, Peter Sallis, John Carson und Geoffrey Keen funktionieren sehr gut – vor allem Letzterer ist herrlich widerwärtig. Gerade angesichts der interessanten Ausgangslage hätte man sich durchaus mehr von ihnen gewünscht – da wäre einiges an Potential vorhanden gewesen. Stattdessen begnügt sich „Taste the Blood of Dracula“ damit, wieder die inzwischen ziemlich ausgeschöpften Hammer-Klischees breitzutreten: Ein weiteres Mal wird Dracula durch heilige Symbole in seine Schranken gewiesen.

Fazit: „Taste the Blood of Dracula” bietet die eine oder andere interessante Neuerung und schafft es, eine interessante Ausgangsposition für die Handlung zu schaffen, nur um in der zweiten Hälfte aufgrund kurzfristiger Drehbuchänderungen wieder in die alten Klischees zu verfallen.

Bildquelle

Trailer

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Hammers Graf
The Brides of Dracula
Dracula: Prince of Darkness
Dracula Has Risen from the Grave
Art of Adaptation: Nachts, wenn Dracula erwacht

Art of Adaptation: Nachts, wenn Dracula erwacht

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Christopher Lee ist der Schauspieler, der Dracula mit Abstand am häufigsten spielte – und das nicht nur in Hammer-Filmen. In Lees Filmographie finden sich auch Gastauftritte als Stokers Graf, die französische Parodie „Dracula père et fils“ (deutscher Titel: „Die Herren Dracula“) und die deutsch-spanisch-italienische (aber in englischer Sprache gedrehte) Co-Produktion „Nachts, wenn Dracula erwacht“ (bzw. „Il Conte Dracula“ bzw. „Count Dracula“). Bei diesem, vom spanischen Skandal-Regisseur Jess Franco gedrehten Film handelt es sich, anders als bei den anderen Beispielen, um eine tatsächliche Adaption von Stokers Roman, die lange Zeit als die vorlagengetreueste galt. Dieses Urteil ist angesichts der massiven Abweichungen der anderen filmischen Adaptionen allerdings mit Vorsicht zu genießen, war in letzter Konsequenz allerdings das Argument, das Lee davon überzeugte, an Francos Film mitzuwirken. Lee bedauerte es immer, dass er in den Hammer-Filmen nie den Dracula spielen durfte, den Stoker in seinem Roman beschrieb. Und tatsächlich: Visuell war Lee nie näher am Romangegenstück. Nicht nur verfügt er hier über den Schnurrbart, den Stoker als markantes Merkmal hervorhebt, er beginnt als weißhaariger alter Mann und wird im Verlauf des Films jünger und dunkelhaariger – ein Detail, das nur wenige Dracula-Filme tatsächlich aufgreifen.

Tatsächlich hält sich „Nachts, wenn Dracula erwacht“ zumindest im ersten Akt sehr eng an die Vorlage, Jonathan Harkers (Fred Williams) Besuch auf Draculas Schloss orientiert sich sehr eng an Stokers Text, inklusive des Auftauchens der drei Vampirinnen oder Draculas Vortrag über sein nobles Geschlecht – hier wird der Roman wirklich Wort für Wort zitiert, was auf Christopher Lee zurückzuführen ist, der darauf bestand, diesen Monolog halten zu dürfen. Man merkt in jeder seiner Szenen, wie motiviert Lee ist, seine Paraderolle endlich so zu spielen, wie Stoker sie in „Dracula“ beschreibt.

Nachdem Jonathan Harker aus Draculas Schloss entkommt, wird die Handlung des Romans allerdings stark eingedampft. Franco und die Legion an Drehbuchautoren arbeiten zwar die wichtigen Handlungspunkte ab: Lucy (Soledad Miranda) wird gebissen und zur Vampirin, Mina (Maria Rohm) wird Draculas nächstes Opfer und am Ende flieht der Graf zurück in die Heimat. Das alles geschieht allerdings in sehr abgespeckter und gehetzter Form, was auch kaum verwunderlich ist, „Nachts, wenn Dracula erwacht“ hat nämlich nur eine Laufzeit von 97 Minuten. Für das komplexe Beziehungsgeflecht des Romans ist da natürlich ebenso wenig Zeit wie für Stokers langsamen Spannungsaufbau. Whitby als Handlungsort und die Reise des Grafen auf der Demeter werden völlig eliminiert. Stattdessen taucht Jonathan Harker kurz nach seiner Flucht aus Transsylvanien bereits wieder in London (bzw. Budapest in der deutschen Version) auf, um in Professor Van Helsings (Herbert Lom) Privatklinik behandelt zu werden, in der zufällig auch ein gewisser Renfield (Klaus Kinski) als Patient zugegen ist. Mina ist nach wie vor Jonathans Verlobte und Lucys beste Freundin, beide kommen zur Klinik, um sich um Jonathan zu kümmern. Lucys Verehrer wurden angepasst oder eliminiert, Arthur Holmwood taucht nicht auf, stattdessen ist sie mit Quincey Morris (Jack Taylor) verlobt und Dr. Seward (Paul Müller) ist nur Assistent Van Helsings und hat kein romantisches Interesse an Lucy. Immerhin werden keine neuen Verwandtschaftsbeziehungen geschaffen…

Das vielleicht größte, aber mit Sicherheit nicht das einzige Problem von „Nachts, wenn Dracula erwacht“ ist das bereits erwähnte gehetzte Abarbeiten der Handlung, das gegen Ende noch stärker wird. Van Helsing erleidet aus heiterem Himmel einen Schlaganfall, die restlichen Vampirjäger jagen den Grafen, nachdem sie Lucy gepfählt haben, zurück nach Transsylvanien, töten noch eben Draculas Gespielinnen und machen dann auch schon dem Grafen selbst den Garaus – das alles geschieht innerhalb der letzten zehn bis fünfzehn Minuten.

Auch darüber hinaus ist Jess Francos Regiearbeit nicht besonders gelungen. Ich bin mit seinen sonstigen Filmen nicht vertraut, aber anscheinend scheint sich seine Vorliebe für merkwürdige Zooms auf sein gesamtes Œuvre zu erstrecken – hier jedenfalls ist sie völlig außer Kontrolle. Ständig, egal ob passend oder nicht, wird dramatisch auf die Gesichter der Darsteller gezoomt. Gerade im Vergleich zu den Filmen von Hammer fällt darüber hinaus auf, dass sehr viel an Locations gedreht wurde, die durchaus beeindruckend ausfallen. Es mutet allerdings merkwürdig an, wenn eine Stadt, die eindeutig spanisch aussieht, als London ausgegeben wird… Auch der Score von Bruno Nicolai lässt leider zu Wünschen übrig, Dracula wird durch ein merkwürdiges, auf der Mandoline gespieltes Motiv repräsentiert, das nicht nur ständig auftaucht, sondern auch nie groß variiert wird.

Was die Erzeugung von Atmosphäre, besonders gotischer Atmosphäre angeht, bleibt „Nachts, wenn Dracula erwacht“ trotz der Drehorte leider weit hinter den Hammer-Produktionen zurück und auch sonst ist der Film sehr schlecht gealtert – gerade wenn man ihn mit der überragenden Bildsprache von „The Brides of Dracula“ vergleicht, der immerhin zehn Jahr zuvor entstanden ist. Das mehr oder weniger willkürliche Einblenden ausgestopfter Tiere, die in Carfax herumstehen, hilft da auch nicht. Darstellerisch weiß nur Lee wirklich zu überzeugen. Wie bereits erwähnt: Man merkt ihm den Enthusiasmus an, endlich Dracula so spielen zu können, wie Stoker ihn schrieb. Renfield als größten Teils katatonischen, kein Wort von sich gebenden Patienten darzustellen ist vielleicht die merkwürdigste Entscheidung: Da casten Franco und Produzent Harry Alan Towers Klaus Kinski (offenbar unter Vorspiegelung falscher Tatsachen) und lassen ihn kein einziges Mal wüten.

Fazit: „Nachts, wenn Dracula erwacht“ ist nur für Komplettisten oder Lee-Fans geeignet; der erste Dracula-Film von Hammer ist zwar weniger vorlagengetreu, aber auch ein deutlich besserer Film.

Bildquelle

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Bram Stokers Roman
Geschichte der Vampire: Dracula – Hammers Graf
Geschichte der Vampire: Nosferatu
The Brides of Dracula
Dracula: Prince of Darkness
Dracula Has Risen from the Grave
Nosferatu in Venice

Dracula Has Risen from the Grave

Draculahasrisen
Story:
Ein Jahr ist vergangen, seitdem Dracula (Christopher Lee) ein weiteres Mal vernichtet wurde, doch die Schrecken, die er entfesselte, sind noch nicht vergangen, die Dorfbewohner fürchten den Grafen nach wie vor und weigern sich beispielsweise, die Messe zu besuchen, da der Schatten von Draculas Schloss die Kirche berührt. Monsignor Ernst Mueller (Rupert Davies), der gerade das Dorf besucht, will davon allerdings nichts wissen und macht sich auf den Weg zum Schloss, um es mit einem heiligen Ritual endgültig zu verschließen. Der Dorfpriester (Ewan Hooper), der seinen Glauben verloren hat, stößt derweil durch Zufall auf den im Eis eingesperrten Dracula und erweckt ihn durch seine Ungeschicklichkeit zu neuem Leben. Wütend, weil er sein Schloss nicht mehr betreten kann, sucht Dracula bereits wieder nach einem neuen Opfer und findet es in Ernst Muellers Nichte Maria (Veronica Carlson)…

Kritik: „Dracula Has Risen from the Grave“, Hammers vierter Dracula-Film, startete genau zehn Jahre nach Christopher Lee Debüt als blutsaugender Graf in den Kinos. Ab dieser Fortsetzung, der dritten, in der Lee mitwirkte, zeigte der Darsteller so vieler berühmter Schurken gewisse Hemmungen, das Cape wieder anzulegen, er fand die Drehbücher immer unorigineller und war auch mit dem Umstand, dass die Hammer-Filme kaum mehr etwas mit Stokers Roman zu tun hatten, äußerst unzufrieden. Den Verantwortlichen bei Hammer gelang es allerdings immer wieder, Lee zurückzubringen, indem sie beispielsweise argumentierten, der Film sei bereits mit Lees Namen verkauft und wenn er nicht mitspielte, würden hundert Leute ihren Job verlieren. Es ist wohl nur auf Lees bewundernswerten Anstand zurückzuführen, dass wir ihn in so vielen Dracula-Filmen bewundern können.

Ursprünglich hätte auch Terence Fisher, Regisseur der ersten drei Dracula-Filme, zurückkehren sollen, aufgrund einer Verletzung, die er sich bei einem Autounfall zuzog, konnte er jedoch nicht am Dreh teilnehmen und musste durch Freddie Francis ersetzt werden. Francis hatte in den 60ern bereits einige Hammer-Filme gedreht, darunter auch „The Evil of Frankenstein“ (1964), in welchem Peter Cushing zum dritten Mal den titelgebenden verrückten Wissenschaftler mimt. Und tatsächlich vermisst man einige Aspekte von Fishers Regiearbeit in „Dracula Has Risen from the Grave“, ich persönlich hatte den Eindruck, dass Francis in stärkerem Ausmaß auf Außenaufnahmen setzt, zugleich aber eine weniger stimmige Bildsprache verwendet, gerade im Vergleich zu „The Brides of Dracula“, dessen grandiose Atmosphäre und Sets in dieser Filmserie nach wie vor unübertroffen sind.

Die Formelhaftigkeit der Hammer-Draculas lässt sich kaum leugnen: Nachdem in „Dracula: Prince of Darkness“ noch ein elaboriertes Ritual nötig war, um den Grafen zurückzubringen, wird er dieses Mal durch Zufall in dem Eis, in dem er am Ende von besagtem Film endete, entdeckt und durch die Ungeschicklichkeit des Dorfpriesters wiedererweckt: Ein wenig Blut auf den Lippen ist alles, was nötig ist. Trotz allem agiert der Graf in diesem Film deutlich aktiver und gibt sogar wieder die eine oder andere Dialogzeile von sich, nachdem er im Vorgänger völlig stumm war. Zudem sah man sich bei Hammer genötigt, den Exploitation-Faktor zu erhöhen. Natürlich ist „Dracula Has Risen From the Grave“ nach heutigen Horror-Maßstäben immer noch verhältnismäßig zahm, beginnt aber immerhin mit einem Leichenfund, an Blut und Bissszenen wird nicht gegeizt und die Ausschnitte werden auch immer tiefer – das betrifft primär den der Kellnerin Zena (Barbara Ewing), die als Draculas erstes Opfer herhalten darf.

Der vielleicht faszinierendste Aspekt des vierten Dracula-Films ist die religiöse Komponente. Diese war freilich immer schon vorhanden, schließlich findet sich kaum ein Dracula-Film, in dem nicht irgendwelche Gegenstände zu einem Kreuz improvisiert werden, um den Grafen abzuschrecken, die eigentliche Religiosität der Figuren spielte dabei aber selten eine Rolle, sie wird meistens als gegeben betrachtet. In „Dracula Has Risen from the Grave“ hingegen findet sich mit dem von Barry Andrews gespielten Paul eine Figur, die explizit als Atheist identifiziert wird. Aus diesem Grund hat Paul Probleme, sich dem Grafen zu widersetzen – das geht tatsächlich soweit, dass eine versuchte Pfählung misslingt. Erst als der Dorfpriester, der durch die Ereignisse zum Glauben zurückfindet, ein Gebet spricht, kann Dracula ins Jenseits geschickt werden (natürlich nur, bis er im nächsten Film zurückkehrt). Hier drückt sich, trotz Blut und Brüsten, die letztendlich sehr konservative Haltung des Films aus. Ein zusätzliches Gebet war zudem in bisherigen Filmen nie nötig. Vampirfilme und andere Medien haben immer wieder mit diesem Aspekt gespielt, in Roman Polanskis „The Fearless Vampire Killers“ ist das Kreuz gegen Chagall beispielsweise nutzlos, weil dieser Jude ist. Das Element des wahren Glaubens sollte später vom Pen&Paper-Rollenspiel „Vampire: The Masquerade“ adaptiert werden, hier helfen religiöse Symbole nur, wenn tatsächlich wahrer Glaube dahintersteckt. In diesem Kontext spielt der Glaube des Vampirs oder der Wahrheitsgehalt der Religion keine Rolle, es kommt lediglich auf den Glauben dessen an, der versucht, den Vampir abzuwehren.

Abgesehen von diesen Aspekten bietet „Dracula Has Risen from the Grave“ wenig neues: Ersatz-Van-Helsing Ernst Mueller ist deutlich weniger markant als sein Gegenstück aus dem Vorgänger und auch die anderen Figuren sind in letzter Konsequenz mehr oder weniger Abziehbilder der in Stokers Roman und im ersten Hammer-Dracula etablierten Archetypen, Maria Mueller macht sogar eine ähnliche Wandlung durch wie Mina im Film von 1958 – nach dem Vampirbiss verhält sie sich deutlich lasziver. Lee ist natürlich grandios wie immer und hier deutlich präsenter, er taucht früher auf und handelt mehr wie eine Figur mit spezifischen Absichten denn eine bloße, animalische Bedrohung, wie es in „Prince of Darkness“ der Fall war. Und sein Tod ist dieses Mal deutlich spektakulärer als im Vorgänger.

Fazit: Die Formel der Hammer-Dracula-Filme wird im vierten Eintrag der Serie nur allzu deutlich, dennoch gelingt es Regisseur Freddie Francis und Drehbuchautor Anthony Hinds zumindest, den einen oder anderen interessanten Aspekt einzubringen. Eine stärkere Präsenz Christopher Lees macht „Dracula Has Risen From the Grave“ nach wie vor sehr anschaubar.

Trailer

Bildquelle

Siehe auch:
Geschichte der Vampire: Dracula – Hammers Graf
The Brides of Dracula
Dracula: Prince of Darkness