Stück der Woche: Kingsfoil

Nicht alle Zwerge sind zum Erebor aufgebrochen: Wegen einer Verletzung Kílis sind er, sein Bruder Fíli, Óin und Bofur in Esgaroth zurückgeblieben, um „The Desolation of Smaug“ einen parallelen Handlungsstrang zu geben und die Laufzeit weiter auszudehnen. Der damit zusammenhängende Angriff von Bolg und seinen Orks ist ebenso unlogisch wie dramaturgisch sinnlos, gibt Shore aber immerhin die Möglichkeit, das Kíli/Tauriel-Liebesthema ein wenig weiterzuentwickeln. Der Track Kingsfoil verschafft eine ganze angenehme Pause vom finsteren und brutalen Smaug-Material und beginnt sehr streicherlastig. Bei 0:17 ist kurz eine Andeutung von Taueriels-Thema zu hören, kurz darauf erklingt ab 0:24 auch schon das Liebesthema von Elbin und Zwerg, wobei Shore hier zuerst die B- und dann die A-Phrase einsetzt. Die Streicher bleiben die dominante Instrumentengruppe bis 1:17, hier kommt die weibliche Solostimme hinzu. Ab 1:56 ist eine aus der LotR-Trilogie vertraute Melodie zu vernehmen, die bereits bei Arwens Versuchen, Frodo zu heilen erklang und die inzwischen den Motivnamen „Elven Healing“ bekommen hat – eine weitere, überflüssige Verknüpfung zu ursprünglichen Trilogie, die aber zumindest musikalisch nicht groß auffällt und auch gut zum Track passt.

In A Liar and a Thief kehren wir zurück in die Höhle des Drachen – das Stück beginnt mit einem Einsatz des Drachenkrankheits-Ostinatos, das bei 0:20 in eine bedrohliche Variation der aufsteigenden B-Phrase von Smaugs Thema übergeht. Bei 0:37 erklingt kurz das Motiv des Arkensteins, nur um sofort von der A-Phrase des Drachenthemas verdrängt zu werden. Im folgenden Abschnitt mischt Shore die beiden Phrasen regelrecht, lässt sie direkt ineinander übergehen und einander überlappen, um die konstante Bedrohung und auch die mentale Labilität des Drachen weiter zu unterstreichen: Es ist keine Frage ob, sondern nur wann er beginnt, Feuer zu spucken. Bei 1:11 werden die dissonanten Streicher und ostasiatischen Percussions plötzlich von finsteren Blechbläsern und dem absteigenden Motiv des Nekromanten abgelöst, als Smaug eine Andeutung macht, die Bilbo nicht versteht, das Publikum aber dafür umso besser. Sofort kehren wir allerdings wieder in die musikalischen Gefilde des Drachen zurück, das Drachenkrankheits-Ostinato erklingt ab der Zweiminutenmarke ein weiteres Mal und bleibt für den Rest des Tracks die dominante Begleitfigur, über die die anderen Leitmotive gespielt werden. Bei 2:45 ist ein kurzer Ausbruch des Chors zu hören, als Smaug auf Bilbos gemurmelte Bemerkung bezüglich der verbundbaren Stelle am Unterleib reagiert. Eine besonders schrille Version B-Phrase des Smaug-Themas ist ab 3:09 zu hören, die bei 3:22 in die A-Phrase übergeht und durch hinzukommende Blechbläser an Kraft gewinnt.

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland
The House of Beorn
Flies and Spiders
The Woodland Realm
Feast of Starlight
The Forest River
Bard, a Man From Lake-Town
Protector of the Common Folk
Durin’s Folk
A Spell of Concealment
On the Doorstep
The Courage of Hobbits

Stück der Woche: On the Doorstep

Während Gandalf sich mit dem Dunklen Herrscher persönlich herumärgern muss, haben Bilbo und die Zwerge noch Probleme, überhaupt ins Innere des Berges zu gelangen. Die zum Stück On the Doorstep gehörende Szene ist mal wieder ein sehr schönes Beispiels für die unnötige Überdramatisierung Peter Jacksons, aber Shore weiß wie üblich das Beste herauszuholen. Bevor wir uns dieses doch fast acht Minuten dauernde Stück näher ansehen, noch kurz ein paar Worte zur Chronologie: Die Reihenfolge der Stücke auf dem Album stimmt spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr mit der Anordnung der Szenen im Film überein. Das ist zwar an sich keine Seltenheit, allerdings bemühen sich die Hobbit-Alben um eine chronologische Präsentation. Da diese aber vor dem finalen Schnitt des Films fertiggestellt werden, gibt es gezwungenermaßen Diskrepanzen, wenn der Film noch bis kurz vor Kinostart umgeschnitten wird – aus diesem Grund finden sich die Last-Minute-Kompositionen aus „An Unexpected Journey“ auch nicht auf dem Album. Diese Probleme gibt es bei „The Desolation of Smaug“ nicht, nur die Anordnung leidet etwas. Die Dol-Guldur-Szenen finden im Film beispielsweise erst statt, nachdem Bilbo bereits den Erebor betreten hat.

Der Track beginnt mit der ominös-melancholischen Thráin-Variation des Erebor-Themas, die bei 0:43 in die „normale“ Version übergeht, um bei 0:53 dann Thorins Themas anzustimmen – alles ohne leitmotivlose Übergänge. Endlich sind die Zwerge an ihrem Ziel angekommen, nach vielen Jahrzehnten sind sie heimgekehrt, auch wenn dieses Heim in einem desolaten Zustand ist – diesen Umstand spiegelt die Musik deutlich wider. Nie waren die Zwergen-Themen so dominant, doch ihre Melancholie haben sie nicht verloren. Für die nächsten eineinhalb Minuten verschwinden sie allerdings aus dem Underscoring, stattdessen künden zittrige Streicher von der Unsicherheit und den Zweifeln der Zwerge angesichts der bevorstehenden Aufgabe, bei 1:45 wird der Tonfall allerdings entschlossener. Bei 2:31 erklingt abermals Thorins Thema in den hohen Streichern, bleibt, jedoch unvollendet; dem zweiten Anlauf bei 3:01 ergeht es ähnlich, denn die geheime Zwergentür will sich nicht öffnen lassen. Die Reaktion ist sehr interessant, sie erfolgt in Form eines „enttäuschten“ Hybriden aus dem Erebor- und dem Haus-Durins-Thema, zuerst ansteigend, dann abfallend. Bei 4:29 ist schließlich das Motiv der Mondrunen zu hören, das zum ersten Mal in „An Unexpected Journey“ in Bruchtal erklang, sogar mit demselben Aufbau wie im Track Moon Runes. Das ist natürlich eine logische Wahl für diesen Moment, den Shore durch die Einführung dieses Themas im Vorgänger langfristig vorbereitet hat. Zugleich zeigt sich an dieser Stelle aber auch exemplarisch die asymmetrische Themenentwicklung: Hierbei handelt es sich um einen Bilbo-Moment, doch seine musikalische Repräsentation ist in diesem Track nirgends zu hören. Es sind die Zwergenthemen, die durch diesen Film und die gesamte Trilogie leiten und sich entwickeln, während das Hobbit-Material auf wenige Gastauftritte reduziert wurde und das Misty-Mountains-Thema, das die gesamte Gemeinschaft repräsentiert, ganz verschwunden ist.

Sofort nach dem Mondrunen-Motiv setzt erneut Thorins Thema bei 4:55 ein, sehr emotional, ja beinahe verletzlich von den Streichern gespielt. Bei 5:20 geht es direkt in eine zurückhaltend-triumphale Variation des Erebor-Themas über, die unter Choreinsatz regelrecht neue Höhen erklimmt. Bei 5:42 und 6:27 hören wir noch zwei weitere Male die verletzlicheren Variationen von Thorins Thema – die Musik konzentriert sich voll auf die Heimkehr des Königs unter dem Berg und die Emotionen, die diese bei ihm auslöst. Bei 7:08 erklingt schließlich, erst zum zweiten Mal in diesem Film, das Motiv des Arkensteins, ausgelöst durch die Reliefdarstellung, nach deren Hintergrund Bilbo fragt. Nachdem Thorin ihm mitgeteilt hat, dass es sich bei dem Juwel um den Schatz handelt, den der Meisterdieb eigentlich stehlen soll, begibt sich Bilbo ins Innere des Einsamen Berges und nähert sich so der zentralen Dialogszene dieses Films.

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland
The House of Beorn
Flies and Spiders
The Woodland Realm
Feast of Starlight
The Forest River
Bard, a Man From Lake-Town
Protector of the Common Folk
Durin’s Folk
A Spell of Concealment

Stück der Woche: A Spell of Concealment

In A Spell of Concealment gibt Howard Shore die brütende Zurückhaltung, die bislang das musikalische Material des Bösen dominierte, auf und kehrt zur glorreichen Brutalität des Mordor-Materials aus der LotR-Trilogie zurück. Der Track, der Gandalfs Infiltration von Saurons Festung Dol Guldur untermalt, beginnt bereits mit einer mysteriösen, beunruhigenden Streicherfigur, um bei 0:11 das absteigende Nekromanten-Motiv anzustimmen, das fließend in sein aufsteigendes Gegenstück übergeht, um bei 0:53 abrupt zu stoppen. Es folgt ein kurzes Zwergenintermezzo mit einer Einspielung des Haus-Durins-Themas bei 1:11, abermals geprägt vom Männerchor, bevor bei 1:31 das absteigende und konsequent stärker werdende Nekromanten-Motiv zurückkehrt. Gandalf gibt sich den Mächten des Bösen aber nicht einfach so geschlagen, bei 1:45 hören wir eine knappe Action-Variation seines Themas, die während seines Zweikampfes mit Azog erklingt. Allerdings wird es sofort von frenetischen Streichern, geprägt von den Harmonien Mordors, erdrückt. Die Streicher werden zunehmend dissonanter und nähern sich dem Kern des Bösen an, bis bei 2:36 das bislang mächtigste Statement von Saurons Thema erklingt. Diese Variation lässt nicht nur jegliche Täuschung und Zurückhaltung fallen, sie klingt sehr stark nach der Version, die bereits in „The Return of the King“ im Stück A Coronal of Silver and Gold zu hören war; in der entsprechenden Szene rückt die Morgul-Armee unter den wachsamen Augen des Hexenkönigs aus. Hier enthüllt Sauron freilich sein wahres Wesen und zeigt sich chronologisch zum ersten Mal in Gestalt des flammenden Auges.

Auf dem Album des Soundtracks von „The Battle of the Five Armies” findet sich als Bonusstück der Track Thráin. Thorins Vater ist nur in Special Extended Edition des Films in Dol Guldur zugegen, dort ist die entsprechende Szene länger und enthält mehr Musik, in besagtem Track findet sich allerdings auch Musik, die es nicht in den Film geschafft hat. Tatsächlich besteht Thráin durchaus auch aus bereits bekanntem Material, der dissonante Anfang findet sich beispielsweise bei 1:27 in A Spell of Concealment. Die gesamte erste Minute des Bonustracks mutet wie eine Neuanordnung der Einzelteile an. Bei 1:38 in Thráin ist jedoch eine kurze Andeutung des Erebor-Themas zu hören. Bei 1:19 stellt Shore eine neue Variation besagten Themas vor, traurig, introspektiv und mysteriös, die dem verschollenen Zwergenfürst gewidmet ist und in machen Auflistungen auch als separates Thema für Thráin geführt wird. Bei 1:50 erklingt zudem Smaugs Thema, als Gandalf und Thráin kurz auf den Einsamen Berg zu sprechen kommen. Beim Rest des Tracks handelt es sich um eine Alternative, man kann hier wohl davon ausgehen, dass es sich um Shores ursprüngliche Untermalung für Saurons Enthüllung handelt, denn ab 2:30 erleben wir mehr oder weniger, wie das absteigenden Motiv des Nekromanten sich endgültig in die absteigende Terz, wie wir sie aus der LotR-Trilogie kennen, verwandelt. Saurons Thema ist ebenfalls zu hören, allerdings in einer nicht ganz so überwältigenden Version – vermutlich wollte Jackson die Version aus „The Return of the King“ an dieser Stelle haben.

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland
The House of Beorn
Flies and Spiders
The Woodland Realm
Feast of Starlight
The Forest River
Bard, a Man From Lake-Town
Protector of the Common Folk
Durin’s Folk

Stück der Woche: Durin’s Folk

Der Track Durin’s Folk ist primär geprägt von der Interaktion zwischen den Themen der Zwerge und der Menschen von Esgaroth: Nachdem es mit dem Waffendiebstahl nicht so geklappt hat, wie es ursprünglich geplant war, treten Thorin und Co. nun offen als die auf, die sie sind, was sich in der Musik deutlich widerspiegelt. Bereits bei 0:08 erklingt, nach einer einleitenden, absteigenden Blechbläserfigur, eine Andeutung von Thorins Thema, die direkt in eine recht kräftige Variation des Erebor-Themas übergeht (0:18), nur um bei 0:27 sofort vom Seestadt-Thema abgelöst zu werden. Dieses klingt hier vorsichtig und ein wenig unsicher: Der Meister und die Bewohner wissen nicht so recht, was sie von diesem zurückgekehrten König unter dem Berg halten sollen. Umso wichtiger ist es, dass die Zwerge mit feurigen Reden zu überzeugen wissen, was sich an dem entschlossenen Statement des Erebor-Themas bei 0:52 zeigt – schon lange war es nicht mehr so kräftig zu hören. Auch Thorins Thema scheint bei 1:05 an Kraft und Entschlossenheit zu gewinnen – der Erbe Erebors hat genug von den Heimlichkeiten und genießt es, große Reden schwingen zu können. Tatsächlich erhält Thorins Thema hier eine bislang nicht gehörte Erweiterung, die es zu komplettieren scheint. Bards Thema, das ab 1:22 erklingt, ist dem genau entgegengesetzt: Nach wie vor ist es düster, brütend und zurückhaltend, der Bogenschütze warnt vor der Gefahr des Drachen – dementsprechend wird sein Leitmotiv von fast schon behäbigen Streichern gespielt. Aber davon lässt sich ein Thorin Eichenschild nicht aufhalten. Nach einem weiteren Statement des Erebor-Themas bei 1:53 erklingt die bislang prächtigste und königlichste Variation von Thorins Thema, zu der er dem Meister und den Bürgern von Seestadt großspurige Versprechen macht. Dennoch ist nicht alles in Butter, davon künden harsche Blechbläser und dissonante Streicher, die ab 2:45 eine merkwürdige, invertierte Version des Politiker-Themas anstimmen.

Die Rückkehr der Zwerge zu ihrer angestammten Heimat wird in In the Shadow of the Mountain von einer bedächtigen, ja beinahe andächtigen Variation des Haus-Durins-Themas untermalt, die Streicher drücken die Sehnsucht nach der verlorenen, zerstörten Heimat aus. Es folgt ein kurzes, frenetisches Streicherinterludium, aus dem man subtile Auenlandanklänge herauszuhören meint, sofort kehrt der Track allerdings wieder zu seiner bedächtigen Natur zurück, nur dass es dieses Mal das Erebor-Thema ist, das die einstige und nun verwüstete Pracht im Score darstellt. Ab 1:30 mischt sich subtil Smaugs Thema in den hohen Streichern ein – schließlich ist der Drache verantwortlich für die Zerstörung und Vertreibung der Zwerge. Beide Phrasen des Drachen-Themas erklingen hier direkt hintereinander, gefolgt vom ersten Einsatz der noch oft auftauchenden Begleitfigur dieses Themas, dem sog. „Drachenkrankheits-Ostinato“ (1:57), das hier von dräuendem Unheil kündet.

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland
The House of Beorn
Flies and Spiders
The Woodland Realm
Feast of Starlight
The Forest River
Bard, a Man From Lake-Town
Protector of the Common Folk

Stück der Woche: Protector of the Common Folk

Mit Protector of the Common Folk treten wir endgültig in die Welt der Menschen von Esgaroth und ihre musikalische Repräsentation ein. Der Track beginnt mit einem Statement des Bard-Themas, das abermals eher düster und brütend klingt und sich bei 0:46 wiederholt. Subtile Andeutungen verraten uns, dass Bard eigentlich kein übler Kerl, aber doch vom Schicksal gebeutelt ist. Nach einem kurzen Einsatz von Thorins Thema bei 1:09 hören wir zum ersten Mal das Seestadt-Thema – vielleicht DAS zentrale neue Fraktionsthema von „The Desolation of Smaug“. Sowohl Peter Jackson als auch Howard Shore nennen Freibeuter, Schmuggler und Piraten als Inspiration für den Sound von Esgaroth, Doug Adams spricht von einem „lake chanty“. Das Seestadt-Thema zeichnet sich durch eine klare, eingängige Melodie mit Folk-Anklängen aus, eine subtile Verbindung besteht zur Musik von Rohan – tatsächlich sind die Menschen des Nordens entfernte Verwandte der Rohirrim, die ursprünglich aus dem Norden kamen und, nachdem sie Gondor beistanden, Rohan als Königreich regieren durften. Die Version des Themas, die bei 1:44 zu hören ist, klingt noch recht verhalten. Esgaroth, wie wir es im Film zum ersten Mal sehen, ist ein ziemlich heruntergekommener Ort, obwohl noch Reste alter Größe erkennbar sind. Einer der Gründe dafür sind die korrupten Politiker, deren Thema bereits vorgestellt wurde. Bei 2:26 erklingt es erneut und dominiert in verschiedenen Variationen den Rest des Tracks. Hier bezieht es sich primär auf Alfrid und seine Interaktionen mit Bard.

Zu Beginn von Thrice Welcome erklingt zum Establishing Shot von Esgaroth eine stärkere Variation des Seestadt-Themas, bevor das Politiker-Thema abermals von Unheil kündet, wie zuvor mit sehr dominantem Clavichord. Ab 1:28 hören wir Bards Thema, das zunehmend an Kraft und Bestimmung gewinnt. Bei 2:04 erklingt noch einmal das Seestadt-Thema, in das sich ab 2:27 die Klänge des Politikerthemas mischen, das zwar übernimmt, aber den Rhythmus beibehält. Bei 2:43 stellt Shore das zweite, mit Bard verknüpfte Thema vor, Bards Familienthema, das, wie der Name schon preisgibt, für seine Beziehung zu seinen Kindern und den Wunsch, diese vor Unheil zu schützen steht. Dieses Motiv, das in „Desolation“ nur einmal erklingt, aber in „The Battle of the Five Armies“ an Bedeutung gewinnt, erinnert ironischerweise sehr an das Beutlin/Tuk-Thema aus „An Unexpected Journey“ – vielleicht musste Shore besagtes Bilbo-Thema auf Jacksons Geheiß aufgeben, hat es aber in dieser Form wieder eingeschmuggelt – wer weiß? Der Track wird vom letzten Einsatz von „Bilbo’s Fussy Theme“ beendet, das hier das Auftauchen der Zwerge und des Hobbits aus Bards Toiletten untermalt und danach leider aus den Filmen vollkommen verschwindet.

In Girion, Lord of Dale führt Shore schließlich das dritte Bard-Thema ein – bzw. das Thema seines Vorfahren Girion, das für dessen Vermächtnis steht – ein guter alternativer Name wäre auch „Bard, der Drachentöter.“ Es handelt sich dabei um eine aufsteigende Fanfare, die hier noch reichlich tragisch klingt, schließlich untermalt der Score hier auch die Szene von Girions Niederlage. Die Trauerstimmung wird durch den anschließenden Einsatz eines tiefen Männerchores noch unterstützt. Bei 1:14 folgt eine kurze Andeutung des Erebor-Themas, die aus dem grimmen Underscoring allerdings kaum heraussticht. Etwas aufgelockert wird die Düsternis durch einen plötzlichen, einschneidenden und fragmentierten Einsatz von Tauriels Thema bei 1:31. Etwas später, ab 1:46, ist eine beinahe sanfte Variation des Waldlandreich-Themas zu hören, die Tauriels und Legolas‘ Unterhaltung untermalt und wohl zeigen soll, wie der Elb für seine Kameradin fühlt – Orlandos Blooms Spiel in dieser Szene vermittelt es auf jeden Fall nicht. Der Fokus dieser Variation liegt auf den Streichern, die für eine subtile Romantik sorgen, zugleich verschwindet die grundlegende Düsternis dieses Tracks aber nie völlig. Bei 2:44 folgt eine Streichervariation von Bards Thema, die bei 3:07 schließlich einem Thema weicht, das sich in der zweiten Hälfte von „Desolation“ und „The Battle of the Five Armies“ zu einem der zentralen Themen entwickelt. Das Thema „Haus Durins“ tauchte bereits in „An Unexpected Journey“ auf, allerdings nur in verfremdeter Form, ein Hybrid aus diesem Thema und dem Geschichte-des-Ringes-Thema eröffnete den ersten Hobbit-Film und war auf dem Album noch ein weiteres Mal zu hören. Hier erklingt es nun zum ersten Mal in Reinform. Hierzu greift Shore den tiefen Männerchor auf, der bereits zu Beginn des Tracks erklang, um so eine feierliche Stimmung zu erzeugen, die von der noblen Abkunft Thorins kündet, aber auch von dem schweren Schicksal, das auf seinem Haus lastet. Wie schon bei der Girion-Fanfare handelt es sich bei „Haus Durins“ um ein Vermächtnis-Thema, das sowohl für ein stolzes Erbe als auch für eine monumentale Aufgabe, die es zu erfüllen gilt, steht. Passend dazu rezitiert Bard den Text der Prophezeiung, die von der Rückkehr der Zwerge kündet: “The Lord of Silver Fountains, the King of Carven Stone, the King Beneath the Mountain, shall come into his own. And the bells shall ring in gladness, at the Mountain King’s return, but all shall fail in sadness, and the Lake will shine and burn.”

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland
The House of Beorn
Flies and Spiders
The Woodland Realm
Feast of Starlight
The Forest River
Bard, a Man From Lake-Town

Stück der Woche: Bard, a Man From Lake-Town

Nach der Achterbahnfahrt von The Forest River kehrt nun wieder ein wenig Ruhe in den Score ein – zugleich macht sich Shore daran, eine neue, bislang fast völlig unbekannte Kultur musikalisch vorzustellen: Die Menschen des Ostens, die Bewohner von Esgaroth und Nachkommen der Menschen von Thal. Im Track Bard, a Man From Lake-Town führt Shore, wie könnte es bei diesem Namen auch anders sein, Bards Thema ein – bzw. eines der Themen, denn der gute Mann hat eine ganze Reihe von Leitmotiven, die mit ihm verknüpft sind. Tatsächlich könnte er die Figur der Hobbit-Trilogie mit den meisten Themen sein. Das Leitmotiv, das ab 0:09 in einer ebenso zurückhaltenden wie brütenden Variation erklingt, könnte man „Bard, den Bogenschützen“ nennen, es repräsentiert gewissermaßen die Basis der Figur, weshalb ich es in Zukunft einfach als Bards Thema bezeichnen werde. Andere „Inkarnationen“ bzw. Aufgaben der Figur (Drachentöter, Anführer etc.) werden von separaten Leitmotiven repräsentiert, doch dazu später mehr. Shore hat Bards Thema äußerst clever angelegt, durch den Rhythmus zeigt er die Zugehörigkeit der Figur zu Seestadt, deren Thema diesen Rhythmus später aufgreift. Da die Zwerge bezüglich Bards Gesinnung noch unschlüssig sind, wird es hier ominös gehalten, doch das Potential für ein heroisches Thema ist zweifellos vorhanden. Die ersten eineinhalb Minuten des Tracks sind primär von Suspense geprägt, bis es bei 1:28 zu einem kurzen, aber heftigen Ausbruch des Erebor-Themas kommt. Bei 2:34 erklingt ein weiteres Mal Bards Thema. Zum Schluss des Tracks stellt Shore bei 2:56 ein weiteres neues Leitmotiv des „Esgaroth-Kosmos“ vor, das Doug Adams als „The Politicians of Lake-town“ bezeichnet. Dieses Thema repräsentiert die korrupten ausführenden Organe von Seestadt, also den Meister und Alfrid. Durch die Verwendung des Clavichord, gewissermaßen ein „Verwandter“ des Cembalo, bekommt das Politikerthema einen subtil barocken Klang, während die konstanten Tonartwechsel die trügerischen Absichten der beiden Figuren repräsentieren.

Bevor es mit den Zwergen weitergeht, folgt der Film allerdings Gandalf auf seiner Suche nach dem Ursprung des Bösen in Düsterwald. Diese Suche führt ihn zu den High Fells in Rhudaur, wo sich die Gräber der Nazgûl befinden. Wir ignorieren dabei einfach Mal, dass das völliger Blödsinn ist, da die Menschen, die später wegen der neun Ringe zu den Nazgûl werden sollten, geschwunden sind und somit keine Körper hinterlassen haben, die man begraben könnte. Zudem tauchten die Nazgûl bereits über 1000 Jahre vor der Gründung des Reiches Arnor auf, zu dem Rhudaur einstmals gehörte. Wie dem auch sei, für das Mysterium, das die Ringgeister umgibt, etabliert Shore ein neues Leitmotiv, wahrscheinlich erschien ihm das ursprüngliche, marschartige Chorthema nicht mehr passend für die enigmatischere Präsenz der Ringgeister. Stattdessen werden sie hier nun von einem klagenden Knabensopran repräsentiert. Dieses neue Thema, dem Doug Adams den Namen „The Nine“ verpasst hat, erklingt zum ersten Mal bei 0:54 in The High Fells und dann noch einmal bei 1:39 vernommen werden. Kurz darauf zeigt Shore die Verbindung zwischen den Ringgeistern und dem Nekromanten, indem er dessen aufsteigendes Thema ab 2:01 mehrmals nacheinander anspielt, um den Track schließlich mit einem weiteren Statement von „The Nine“ zu beenden (3:04).

The Nature of Evil untermalt eine weitere Szene ohne jegliche Basis im Roman; hier setzen sich Legolas und Thranduil mit einer ähnlichen Thematik auseinander wie Gandalf – auch sie versuchen, den merkwürdigen Vorkommnissen im Düsterwald auf den Grund zu gehen, indem sie einen der gefangenen Orks verhören. Der Track beginnt mit einem sehr düsteren Holzbläser-Statement des Waldlandreich-Themas, bevor bei 0:40 die „Footsteps of Doom“, eine der Begleitfiguren des Bösen aus der LotR-Trilogie, kurz vorbeischauen. Bei 1:14 erklingt „The Nine“, dieses Mal allerdings ohne Knabensopran, stattdessen wird die Melodie von den Streichern gespielt, wodurch sich dieses Leitmotiv regelrecht einschleicht, passend zu dem Umstand, dass Legolas und Thranduil nichts von der Beteiligung der Ringgeister wissen. Nach einer an Bernard Herrman erinnernden, sehr schrillen Streicherfigur hören wir bei 2:01 zum ersten Mal seit dem Anfang des Films wieder Smaugs Thema, das vor allem im letzten Drittel des Films sehr dominant wird. Der Track endet schließlich mit einem Statement von Azogs Thema bei 2:43.

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland
The House of Beorn
Flies and Spiders
The Woodland Realm
Feast of Starlight
The Forest River

The Music of James Bond

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Da Filmmusik abseits der großen Leinwand zumeist ein Nischenprodukt ist, muss man sich auch nach der entsprechenden Fachliteratur etwas länger umsehen. Selbst in einem angesehenen Franchise wie „The Lord of the Rings“ wurde Doug Adams‘ grandioses „The Music of the Lord of the Rings Films” (das ich jedem, der sich für Howard Shores Musik auch nur marginal interessiert, unbedingt ans Herz lege) noch nicht einmal ins Deutsche übersetzt. Mit anderen Worten: Wer über Filmmusik lesen möchte, muss sich oft auf seine Englischkenntnisse verlassen. Das trifft auch auf das (mit Ausnahme von Harry Potter) britischste aller Film-Franchises zu: James Bond. Die wahrscheinlich langlebigste Blockbuster-Filmreihe hat eine ebenso faszinierende wie vielseitige musikalische Geschichte vorzuweisen, beginnend mit der Frage, wer das James-Bond-Thema eigentlich komponiert hat (Monty Norman oder John Barry) über die Erschaffung des typischen Bond-Sounds und die mitunter legendären Titellieder bis hin zu den Scores des neuen Jahrtausends von David Arnold und Thomas Newman. Ähnlich wie bei der Musik für Mittelerde existiert auch hier so etwas wie ein definitives Werk: „The Music of James Bond“, verfasst vom Filmjournalisten und Universitätsdozenten Jon Burlingame.

Anders als das zumindest in Ansätzen vergleichbare Werk von Doug Adams konzentriert sich Burlingame stärker auf die Entstehungsgeschichte und das Hinter-den-Kulissen-Material – wer tiefschürfende musikalische Analysen sucht, wird wohl eher enttäuscht werden. Eine Besprechung der Musik findet zwar durchaus statt, ist aber auf fortlaufende graue Streifen auf dem unteren Drittel der Seite reduziert, während sich der Haupttext mit den sonstigen Hintergründen und der Entstehung der jeweiligen Filmmusik beschäftigt. Burlingame setzte sich mit allen Bond-Soundtracks von „Dr. No“ bis „Skyfall“ auseinander, inklusive der beiden inoffiziellen (will heißen, nicht von Eon Productions produzierten) Bonds „Casino Royale“ (1967) und „Never Say Never Again“ (1983). Der Fokus liegt, wie bereits erwähnt, auf der Produktionsgeschichte: Wie kam der jeweilige Song zustande, welchen Ansatz verfolgte der Komponist, mischten sich die Produzenten in irgendeiner Form ein und wie wurden Film, Score und Song rezipiert? Angereichert werden die Berichte durch eine Vielzahl an Aussagen der Beteiligten, die mitunter höchst interessant sind und einen faszinierenden Einblick hinter die Kulissen geben. Produzent Harry Saltzman, neben Albert „Cubby“ Broccoli einer der Väter des Bond-Film-Franchise, sagten beispielsweise diverse der von John Barry komponierten Songs nicht zu, darunter auch Goldfinger, nach wie vor DER Bond-Song schlecht hin. Auch wollte Saltzman nicht, dass Paul McCartney Live and Let Die singt. Zumeist konnte sich jedoch Broccoli durchsetzen, was generell großen Erfolg nach sich zog.

Besonderer Fokus liegt natürlich auf John Barry – da der leider 2011 verstorbene Maestro alleine für elf Bond-Scores verantwortlich war und auch seinen Teil zum Titelthema beitrug (auch wenn es nach wie vor ausschließlich Monty Norman zugeschrieben wird), ist das sehr gut nachvollziehbar. Burlingame schildert anschaulich, wie sich der Bond-Sound entwickelt hat und wie Barry beim Komponieren vorging. Was mich beispielsweise besonders fasziniert hat: Barry komponierte die Melodien für die Bond-Songs meistens zuerst und gab sie dann dem jeweiligen Lyriker (oft Don Black), der anschließend die Texte schrieb. Normalerweise kennte man das eher umgekehrt. Aber auch die anderen Komponisten, von Monty Norman („Dr. No“) über George Martin („Live and Let Die“), Marvin Hamlisch („The Spy Who Loved Me“), Bill Conti („For Your Eyes Only”), Michael Kamen („Licence to Kill”), Éric Serra („GoldenEye”) bis zu David Arnold („Tomorrow Never Dies” bis „Quantum of Solace”) und Thomas Newman („Skyfall”) werden angemessen behandelt. Burlingame spart auch nicht an Details zu Konflikten und Kontroversen in der Produktion der Musik – besonders interessant ist nach wie vor der GoldenEye-Score, bei dem Serras Musik für die zentrale Actionszene durch eine Komposition des für die Orchestrierung zuständigen John Altman ersetzt wurde.

Die eigentliche Musikanalyse bleibt dagegen, zumindest im Vergleich zu „The Music of the Lord of the Rings Films“, eher oberflächlich, es werden keine Notenbeispiele gegeben und auch bezüglich der musikalischen Fachtermini hält sich Burlingame zurück – was jedoch nicht unbedingt als Schwäche des Buches ausgelegt werden muss. Ohnehin eignet sich die Musik der Bond-Filme nicht unbedingt für die tiefschürfende leitmotivische Analyse, die Doug Adams vollzogen hat. Und natürlich gibt es deutlich mehr Bond- als LotR-Filme, sodass eine wirklich ausgiebige musiktheoretische Auseinandersetzung noch einmal deutlich umfangreicher hätte ausfallen müssen. „The Music of the James Bond Films“ richtet sich eher an Fans mit Interesse an der Musik als an ein Fachpublikum – und als solches ist das Werk rundum gelungen.

Fazit: Von „Dr. No“ bis „Skyfall“ – in „The Music of James Bond” liefert Jon Burlingame faszinierende Informationen zu den Songs und Soundtracks des James-Bond-Filme. Burlingame bietet zwar keine tiefschürfende musikalische Analyse, sondern legt den Fokus auf die Entstehung und die Hintergründe der Musik, aber dennoch (oder gerade deshalb) ist sein Buch für jeden Bond- oder Filmmusikfan sehr empfehlenswert.

Bildquelle

Siehe auch:
Top 15 Variationen des James-Bond-Themas

Stück der Woche: Feast of Starlight


Wenn die Romanze zwischen Kíli und Tauriel über einen positiven Aspekt verfügt, dann immerhin, dass sie Howard Shore zu einem wunderschönen Thema inspiriert hat, das in Feast of Starlight sein Debüt feiert. Zu Beginn hören wir allerdings erst einmal Tauriels Thema in der bislang sanftesten und verletzlichsten Variation, gespielt von der Flöte. Der Aufbau des Liebesthemas von Elbin und Zwerg ist von sanften Streichern und Holzbläsern – abermals Flöte sowie Oboe – geprägt und erinnert an ein vorsichtiges, aber neugieriges Aufeinanderzugehen. Das eigentliche Thema, das bei 1:26 beginnt, besteht aus zwei Phrasen, die hier direkt hintereinander gespielt werden. Die Harmonien des Themas sind eine Mischung aus elbischen und zwergischen Elementen – dies trifft auch auf den von der Sopranistin Grace Davidson gesungenen Text zu, der sowohl aus Khuzdûl als auch Sindarin besteht und gewissermaßen einen Dialog darstellt. Bei 2:04 beginnt die zweite Phrase des Themas, in der die Oboe die Melodie spielt. Bei 2:20 mischt sich relativ unvermittelt eine unvollständige Variation des Geschichte-des-Ringes-Thema auf hohen Streichern ein, die im Film nicht zu hören ist. Bei 2:32 gehen besagte Streicher in ein erneutes Statement der A-Phrase des Kilí/Tauriel-Themas über, das aber deutlich unsicherer und zittriger klingt als die zuvor gehörte Variation.

In Barrels out of Bond, dem darauffolgenden Stück, das gewissermaßen eines der Action-Highlights des Films vorbereitet und darüber hinaus direkt nach einem Kapitel des Romans benannt ist, erklingen endlich einmal wieder Themen, die tatsächlich der (zumindest theoretischen) Hauptfigur des Films gewidmet sind. Der Track legt mit einer knappen, aber doch sehr willkommenen und warmen Holzbläser-Variation von Bilbos Abenteuerthema los, um dann direkt zu „Bilbo’s Fussy Theme“ überzugehen (0:22). Die direkt darauffolgende Figur hielt ich ursprünglich lediglich für eine Erweiterung besagten Leitmotivs, in „The Battle of the Five Armies“ wird sie allerdings zwei, drei weitere Male separat gespielt und kann somit als eigenes Leitmotiv gelten. Ich bin gerade nicht sicher, ob Doug Adams dieses kleine Thema bereits irgendwo benannt hat, deshalb werde ich es im Folgenden einfach, in Anlehnung an seinen Ursprung, „Bilbo’s Sneaky Theme“ nennen. Bezüglich der Hobbit-Themen war es das, mit ein zwei Ausnahmen, leider für diesen Score – ein weiterer Grund, weshalb Bilbo in diesem zweiten Hobbit-Film, in dem er eigentlich die Hauptfigur sein sollte, eher wir eine Nebenfigur wirkt.

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland
The House of Beorn
Flies and Spiders
The Woodland Realm

Stück der Woche: The House of Beorn


Nach der musikalischen Finsternis des Nekromanten zeigt Shore zu Beginn des Stücks The House of Beorn mit luftigen Streichern und Holzbläsern, dass der Hautwandler eigentlich kein so übler Geselle ist. Doch rasch sorgt das Orchester wieder für eine dunklere Färbung, bis die Streicher bei 0:54 das Thema von Thranduils Waldlandreich andeuten, das bislang nur einmal in „An Unexpected Joruney“ erklang, im Eröffnungstrack My Dear Frodo. Direkt darauf ist zum ersten Mal das unheimliche Thema des Düsterwalds zu hören, bis die Streicher eine deutliche Variation des Waldlandreichthemas anstimmen, die allerdings auch nicht unbedingt positiv klingt – hier erläutert Beorn, dass Thranduils Volk nicht gastfreundlich ist wie die Elben westlich des Nebelgebirges – „less wise and more dangerous“. Die Andeutung der absteigenden Terz bei 1:30 unterstreicht zudem Beorns Warnung vor Orks in der Region. Ins folgende Underscoring mischen sich immer wieder Fragemente von Beorns Thema, die ab 2:36 jedoch von Andeutungen des Nekromanten-Materials abgelöst werden. Bei 3:22 stellt Shore schließlich ein neues Motiv vor, das Doug Adams „The Nine“ nennt, ein Verweis auf die Ringgeister, die ebenfalls in Dol Guldur lauern und deren Spur Gandalf im Verlauf des Films folgt. Dominiert wird besagtes Motiv von einer hohen, kalten Solostimme, die eine warnende Phrase auf Quenya singt. Direkt danach setzt ab 3:45 wieder die absteigende Terz ein, zu der sich bei 3:50 eine subtile Streicher-Variation von Saurons Thema gesellt. Bei 3:12 erklingt schließlich noch einmal – und auch zum letzten Mal – Beorns Thema, dieses Mal in recht angespannter Gestalt. Der Aufbruch der Gemeinschaft wird schließlich von einer nicht minder angespannten Version des Erebor-Themas untermalt (4:30).

Der folgende Track, Mirkwood, bietet primär Variationen des bislang eher subtil angedeuteten Motivs für den Düsterwald. Interessanterweise ist es, zumindest bezüglich der Noten, fast identisch mit Smaugs Thema – es tritt allerdings in völlig anderer Gestalt auf, da es nicht die Brutalität eines Drachen, sondern die halluzinogene Wirkung des verwunschenen Waldes repräsentiert. Die gewünschte Wirkung erzielt Shore durch den Einsatz der tibetanischen Klangschale und des Waterphone, beide eher exotische Percussion-Instrumente. Die einzelnen Noten gehen ineinander über und können nicht mehr klar separiert werden, genauso wie die Zwerge und der Hobbit Illusion nicht mehr von Wirklichkeit unterscheiden können. Der einzige größere Ausreißer in diesem Track ist ein kurzes, aber brutales Statement von Saurons Thema bei 1:12. Ansonsten schafft Mirkwood primär Amosphäre, indem der Track ausgiebig mit dem Düsterwaldthema arbeitet. Vor allem in der zweiten Hälfte zeigt Shore einmal mehr, wie gut er sich aufs Horror-Scoring versteht: Das einlullende Düsterwaldthema wird ab diesem Zeitpunkt zunehmend verstörender, nicht zuletzt durch flüsternde Stimmen und dissonante, wahrscheinlich aleatorische Streicher.

Siehe auch:
The Quest for Erebor
Wilderland

Stück der Woche: Wilderland


Zu Beginn des zweiten Tracks von „The Desolation of Smaug“, Wilderland, erklingt bei 0:16 kurz das Motiv des Arkensteins – dem zwergischen Juwel kommt bei Jackson weitaus mehr Bedeutung zu als bei Tolkien, was in der ersten Szene des Films bereits diskutiert wird. Die ersten knapp dreißig Sekunden von Wilderland gehören noch zum Prolog, danach springen wir in die Gegenwart – hier werden Zwerge, Hobbit und Zauberer nach wie vor von Azog und seinen Häschern verfolgt, was sich in der recht angespannten Musik widerspiegelt. Bei 0:40 ist gar eine nur allzu bekannte Begleitfigur des Bösen aus der LotR-Trilogie zu hören, die Doug Adams als „Footsteps of Doom“ bezeichnet und die, zumindest in der Filmversion des Scores, bereits in „An Unexpected Joruney“ mit Azog verknüpft wurden. Ab 0:50 nimmt die Musik an Tempo auf und die Verfolger werden gezeigt – dementsprechend ist ab 1:06 auch das Wargreiter-Thema zu hören. Da die Titeleinblendung parallel dazu läuft, findet sich hier ein interessanter Kontrapunkt, bei dem Smaugs Thema (das somit als Hauptthema des Films identifiziert wird) über dem Wargreiter-Thema gespielt wird (1:11). Anschließend wird der Tonfall deutlich ominöser, bis bei 1:45 Beorns Thema erstmals vorgestellt wird. Hierbei handelt es sich eher um eine aufsteigende Textur als um ein wirklich einprägsames Leitmotiv. Der Beorn der Filmadaption ist deutlich bedrohlicher und weniger jovial als Tolkiens Version der Figur, was sich in der Musik besonders wiederfindet. Eine actionreichere Version erklingt ab 2:22 und noch einmal bei 2:43, als der Hautwechsler die Zwerge in sein Haus jagt. Besonders ab der Dreiminutenmarke nimmt die Intensität deutlich zu, wofür nicht zuletzt die frenetischen Streicher verantwortlich sind. Erst mit dem Schließen von Beorns Haustür bei 2:40 kommt der Track wieder zur Ruhe, um bei 4:10 noch einmal eine deutlich introspektivere Variation von Beorns Thema zu bieten.

Wie schon bei „An Unexpected Journey“ gab es auch bei „The Desolation of Smaug“ eine reguläre und eine erweiterte Albenveröffentlichung, und wie beim ersten Hobbit-Film finde ich das Konzept reichlich daneben, da Standard und Special Edition sich nicht groß unterscheiden, beiden verfügen über zwei CDs, die Differenz an Musik beträgt etwa 15 Minuten. Bei „An Unexpected Joruney“ bot die Special Edition immerhin noch eine ganze Reihe an Bonus Tracks, hier gibt es nur einen einzigen, A Necromancer, zusätzlich zu einigen erweiterten Stücken. Dies führt abermals zu einer Albensituation, mit der niemand so recht zufrieden sein dürfte: Für den „casual listener“, der wirklich nur die besten Stellen des Soundtracks haben möchte, dürfte besonders bei „Desolation“ selbst die Standard Edition zu viel sein, während sich der Komplettist auch bei der Special Edition über noch fehlende Musik ärgern muss. Nun denn, besagter Bonus Track untermalt den ersten von vielen Dol-Guldur-Ausflügen dieses Films. Die meisten sind erzählerisch relativ nutzlos, bieten Shore aber immerhin die Gelegenheit, das Mordor- bzw. Sauron-Material weiter auszuarbeiten. Als ob „The Desolation of Smaug“ musikalisch noch nicht genug gezeigt hätte, wie düster es dieses Mal zugeht, beginnen wir gleich mit finster dröhnenden Blechbläsern und Fragmenten von entweder Smaugs Thema oder dem Düsterwaldmotiv (hierzu in einem späteren Artikel mehr) in den Streichern. Bei 0:42 erklingen die ersten beiden Noten des Geschichte-des-Ringes-Themas, als der Ring in Bilbos Hand in diesem Film zum ersten Mal zu sehen ist. Bekanntermaßen handelt es sich dabei um die ersten beiden Noten von Saurons Thema (und, wenn man sie umgekehrt spielt, auch um die ersten beiden Noten von Smaugs Thema). Und tatsächlich begibt sich die Musik noch weiter in die Finsternis, denn bei 0:55 erklingt eine getragene Version der absteigenden Terz, dicht gefolgt von Azogs Thema (1:11), bei dem es sich genau genommen um eine Erweiterung besagter Begleitfigur des Bösen handelt. Bei 1:27 ist dann auch schon Saurons Thema in den hohen Streichern zu hören, das ab 1:44 in das aufsteigende Nekromanten-Motiv übergeht, um bei 2:09 wieder zur absteigenden Terz zurückzukehren und bei 2:27 noch einmal das Nekromanten-Motiv zu wiederholen.

Siehe auch:
The Quest for Erebor