Mockingjay Teil 2

mockingjay2
Story: Der Krieg der Distrike gegen das Kapitol erreicht endgültig die finale Phase: Präsident Snows (Donald Sutherland) Truppen befinden sich auf dem Rückzug, die Armee der Rebellen erreicht Panems Hauptstadt. Mitten darunter ist Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), der Mockingjay. Katniss möchte am Untergang Snows teilhaben und nimmt deshalb zusammen mit Peeta (Josh Hutcherson), Gale (Liam Hemsworth) und Finnick (Sam Claflin) am Sturm auf die Hauptstadt Teil, nicht ahnend, dass sie dafür einen gewaltigen Preis zahlen wird…

Kritik: Die Frage, ob es nötig war, „Mockingjay“ in zwei Filme aufzuteilen, lässt sich nun mit einem ziemlich eindeutigen „Nein“ beantworten. Zwar haben gewisse Aspekte des finalen Bandes der Panem-Trilogie durchaus von der Teilung profitiert (diese befinden sich vor allem in „Mockingjay Teil 1“), insgesamt denke ich aber, dass man das Ganze in einem Film mit drei bis dreieinhalb Stunden Laufzeit besser hätte umsetzen können. „Mockingjay Teil 2“ hat einige, gelinde gesagt, interessante Schwächen. Da ist einerseits die Tatsache, dass sich der Film in der Mitte ziemlich zieht, während man andererseits das Gefühl bekommt, dass trotzdem viele Aspekte zu kurz kommen; ich bin mir immer noch nicht sicher, wie Drehbuchautor und Regisseur das hinbekommen haben. Gewisse Teile der Handlung wirken einfach halbherzig abgearbeitet, gerade in Hinblick auf die Vorlage, aber auch auf die Möglichkeiten des Films. Wenn man sich schon dazu entscheidet, eine Schauspielerin wie Gwendoline Christie zu engagieren, warum lässt man sie dann nur in einer fünfminütigen Szene auftauchen? Auch finde ich es sehr schade, dass die Freundschaft, die sich zwischen Katniss und Johanna (Jenna Malone) im Roman entwickelt, in nur einer Szene abgehandelt wird. Selbst Peetas Genesungsprozess wird im Grunde nur angerissen. Was dagegen ausgedehnt wird, ist die Wanderung durch die Straßen des Kapitols, die zwar sehr buchgetreu ist, aber unnötig ausgedehnt wirkt und kaum Mehrwehrt besitzt. Im Gegensatz dazu geht dann im dritten Akt alles ein wenig zu schnell. „Mockingjay“ in einem Film, mit pragmatischen Kürzungen, hätte da wahrscheinlich einiges besser machen können.

Natürlich sind da auch noch diverse Elemente, die man dem Film nicht per se vorwerfen kann, da sie dem Roman inhärent sind. Dazu gehört vor allem das Ende; da ich die Vorlage gelesen habe, wusste ich natürlich, was auf mich zukommt, allerdings hat das Finale schon beim Lesen einen ziemlich zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Einerseits spielt Suzanne Collings hier relativ geschickt mit den Erwartungen, indem sie gerade kein Finale im eigentlichen Sinn, keinen großen Endkampf inszeniert, obwohl sie scheinbar darauf hinarbeitet. Andererseits weckt das ein Breaking-Dawn-Déjà-Vu. Nun versteht Collins ihr Handwerk definitiv besser als Meyer, weshalb ich mich nach wie vor nicht entscheiden kann, ob mir das Ende zusagt, es ist gleichzeitig clever und unlogisch, realistisch und unrealistisch, ironisch und banal – die letzte Szene ausgenommen; diese erinnerte mich schon im Roman unangenehm an den Epilog von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, im Film ist die Szene noch schlimmer, weil der relativierende innere Monolog von Katniss fehlt.

Rein technisch betrachtet ist „Mockingjay Teil 2“ auf ähnlichem Niveau wie die anderen Filme der Serie. Die schauspielerischen Leistungen sind solide bis gut, auch wenn kaum jemand außer Jennifer Lawrence wirklich Gelegenheit bekommt, seine Figur voll auszuschöpfen. Die Atmosphäre ist nach wie vor grimmig und düster (auch wenn die blinden Nosferatu in der Kanalisation irgendwie fehl am Platz wirken), die Action in Ordnung, aber nicht spektakulär und James Newton Howards Score ist routiniert, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten.

Fazit: Die interessantesten Aspekte des Romans „Mockingjay“ sind im ersten Teil der Verfilmung gelandet, während Teil 2 die Reste verarbeitet. Leider merkt man das auch, sodass zumindest ich das Gefühl nicht loswerde, dass es besser gewesen wäre, wenn man aus „Mockingjay“ nur einen Film gemacht hätte.

Trailer

Siehe auch:
The Hunger Games
Catching Fire
Mockingjay Teil 1

Mockingjay Teil 1

mockingjay
Story: Nach den Ereignissen der 75. Hungerspiele befindet sich Katniss (Jennifer Lawrence) nun in der Untergrundbasis der Rebellen in Distrikt 13, welche die diktatorische Herrschaft des Kapitols bekämpfen. Dies soll allerdings nicht nur durch Kampfhandlungen, sondern auch durch Propaganda geschehen. Aus diesem Grund wollen Präsidentin Alam Coin (Julianne Moore) und Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) Katniss zur Galleonsfigur ihres Aufstands machen. Präsident Snow (Donald Sutherland) bleibt derweil allerdings auch nicht untätig, hat er doch Peeta (Josh Hutcherson) in seiner Gewalt…

Kritik: Teile und herrsche ist auch in Hollywood ein beliebter Grundsatz, besonders, wenn es dabei um die Adaption des letzten Bandes von erfolgreichen Jugendbuchreihen geht. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ hat es vorgemacht, und so gut wie alle anderen machen es nach. Da dürfte es niemanden verwundern, dass diese Praxis auch bei „Mockingjay“, dem Finale von Suzanne Collins‘ Hunger-Games-Trilogie zur Anwendung kommt. Ob diese Entscheidung letztendlich richtig war, wird man zwar ohnehin erst feststellen können, wenn „Mockingjay Teil 2“ in die Kinos kommt. Bis dahin bleibt allerdings zu sagen, dass sich „Mockingjay Teil 1“, zumindest für mich, nur wie der erste Akt eines Films anfühlt. Ein guter und ziemlich langer erster Akt, aber nichtdestotrotz fühlt sich dieser Film unvollendeter an als beispielsweise „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“, wenn auch mit Abstand nicht so sinnlos wie „Breaking Dawn Teil 1“.
Davon einmal abgesehen ist „Mockingjay Teil 1“ allerdings durchaus gewagt. Die Abenteuer- und Fantasy-Elemente der ersten beiden Teile, etwa die Arenen, Gen-veränderte Affen und Hunde etc., fehlen in diesem Teil vollkommen. Ebenso verhält es sich mit der Action, bis auf ein, zwei Szenen gibt es davon eigentlich keine. Schon die anderen beiden Filme der Serie nahmen sich ziemlich ernst, „Mockingjay Teil 1“ steigert dies alles noch. Zu großen Teilen liegt das auch daran, dass der Film fast ausschließlich entweder in der unterirdischen Rebellenbasis oder in Kriegsgebieten spielt, es gibt nur einige wenige Einspielungen aus dem Kapitol. Wie schon zuvor liegt der Fokus stark auf Katniss. Erfreulicherweise ist sie im Film allerdings weit weniger passiv und traumatisiert als im Roman. Es ist ja durchaus löblich, dass Suzanne Collins versucht, Katniss‘ Trauma realitätsnah wiederzugeben, aber trotzdem sollte der Unterhaltungswert dabei nicht verloren gehen.
Dennoch ist „Mockingjay Teil 1“ fraglos ernst und bedrückend genug. Der politische Kontext des Ganzen, die Wirkung von Medien und Propaganda, wurde noch einmal erhöht, und hierbei handelt es sich auch um die gelungensten und interessantesten Teile des Films. Dass „Mockingsjay Teil 1“ den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen vermag liegt nicht zuletzt auch an den hervorragenden Darstellern, allen voran Julianne Moore und Natalie Dormer, die beiden wichtigsten Neuzugänge, als Alama Coin und Regisseurin Cressida. Vor allem Erstere ist ein interessanter Fall, Coin macht eine eindeutige Wandlung durch, wobei die dunklen Seiten der Figur, die erst im nächsten Film zutage treten werden, bereits subtil angedeutet werden.
Ansonsten gehört dieser Film eindeutig Jennifer Lawrence, die vollauf zu überzeugen weiß. Auch Josh Hutcherson, der dieses Mal sehr viel weniger Leinwandzeit hat, schafft es als Peeta, den konstanten körperlichen und psychischen Verfall seiner Figur hervorragend darzustellen. Und ich denke, es ist fast schon müßig zu ewähnen, wie gut Donald Sutherland, Woody Harrleson und der leider verstorbenen Philip Seymour Hoffman in ihren Rollen abermals sind. Auch Elizabeth Banks als Effie darf wieder glänzen – erfreulicherweise wurde ihre Rolle gegenüber der Buchvorlage, in der sie nur einen kleinen Auftritt hat, stark vergrößert. Lediglich Liam Hemsworth, dessen Rolle dieses Mal recht groß ausgefallen ist, gelingt es einfach nicht, seine Figur passend darzustellen und mit seinen Kollegen mitzuhalten. Das sorgt leider auch dafür, dass der Katniss/Gale-Subplot nicht so recht funktionieren will und zum schwächsten Aspekt des Films wird.
Nun bleibt abzuwarten, wie der erste Teil des Hunger-Games-Finales in Kombination mit dem zweiten wirkt und ob sich beide zusammen wie ein vollständiger Film anfühlen.
Fazit: Der erste Teil des Finales der Hunger-Games-Serie ist, vor allem dank der großartigen Schauspieler und der ernsten, aber gut umgesetzten Thematik im Großen und Ganzen gelungen, fühlt sich aber nicht vollständig an, besonders das Ende wirkt recht willkürlich gesetzt. Ob die Teilung nun wirklich nötig war, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen.

Trailer

Siehe auch:
The Hunger Games
Catching Fire

Catching Fire

catching fire
Story: Katniss (Jennifer Lawrence) mag der Arena entkommen sein, doch die Hungerspiele sind für sie nicht vorbei. Nicht nur wird sie von Alpträumen und Angstattacken geplagt, sie muss sich auch, zusammen mit ihrem Mit-Sieger Peeta (Josh Hutcherson) auf eine Siegertour begeben. Im Vorfeld erhält sie allerdings Besuch von Präsident Snow (Donald Sutherland), der ihr klar macht, wie wichtig es ist, Panem zu zeigen, dass die Aktion, mit der sie die Hungerspiele gewonnen hat, lediglich aus Liebe geschah und nicht aus Willen zur Rebellion. Denn in den Distrikten kriselt es, wie Katniss während der Siegertour selbst bemerkt. Leider erweisen sich ihre Bemühungen als nicht ausreichend und Snow beschließt, sich der Sieger der Hungerspiele zu entledigen: Bei den nächsten Spielen müssen die Sieger gegeneinander antreten. Im Klartext bedeutet das: Katniss und Peeta müssen wieder in die Arena…

Kritik: Ironischerweise ist die größte Schwäche von „Catching Fire“ auch die größte Stärke. Denn im Grunde macht dieses Sequel etwas, das eine gute Fortsetzung gerade nicht machen sollte: Sie wiederholt den Plot des Vorgängers. Es gibt neue Hungerspiele, in der ersten Hälfte des Films wird wieder alles dafür vorbereitet, wir haben erneut eine Parade der Tribute, Interviews mit Caesar Flickerman (Stanley Tucci) und schließlich geht’s ab in die Arena. Eine Stärke ist es, weil „Catching Fire“ das alles weitaus interessanter inszeniert und dabei auch gleich noch einige der Schwächen des Vorgängers (etwa die nervige Shaky-Cam) ausmerzt. Aber der Reihe nach.
Trotz des Erfolgs von „The Hunger Games“ entschied sich Regisseur Gary Ross dazu, die Filmreihe zu verlassen, sodass man seinen Nachfolger Francis Lawrence (nicht verwandt mit der Hauptdarstellerin) nicht nur für „Catching Fire“, sondern auch gleich für „Mockingjay“ (welches, ganz in bester Harry-Potter-Tradition, in zwei Teilen adaptiert wird) anheuerte.
Mehr noch als „The Hunger Games“ ist „Catching Fire“ nicht einfach nur eine gelungene Verfilmung der Vorlage, Lawrence schafft es sogar, diese noch zu verbessern. Zwar fallen nach wie vor einige durchaus wichtige Details unter den Tisch (die Bedeutung des Mockingjay sollte jetzt langsam erklärt werden), aber ansonsten finde ich die leichte Fokusverschiebung sehr willkommen. Während im Roman Gale (Liam Hemsworth) und Katniss‘ Zerrissenheit zwischen ihm und Peeta eine größere Rolle spielt, wurde dieser Handlungsstrang im Film glücklicherweise reduziert – wir hatten in letzter Zeit nun wirklich genug Dreiecksgeschichten, und darüber hinaus ist Gale einfach nicht interessant. Gerade die Distrik-12-Abschnitte des Romans ziehen sich mitunter etwas, diese zu beschneiden war eine hervorragende Idee. Stattdessen bekommen wir, wie schon im ersten Film, mehr von den Hintergründen zu sehen und verlassen Katniss‘ Perspektive des Öfteren. Das bedeutet vor allem, dass es mehr von Präsident Snow und Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) zu sehen gibt, was ebenfalls nützlich ist, sind die beiden doch zwei der interessantesten Figuren der Filmreihe.
Alles in Allem ist „Catching Fire“ um einiges politischer als noch der erste Teil, die Ereignisse können besser in Zusammenhang gebracht werden und es zeigt sich ein besseres Gesamtbild. Darüber hinaus sind selbst die Elemente, die aus „The Hunger Games“ wiederverwendet werden, schlicht interessanter. Gerade die neuen Tribute – jedes von ihnen hat ja bereits einmal die Hungerspiele gewonnen – sind um so Vieles markanter als ihre zum größten Teil ziemlich blassen Gegenstücke aus dem Vorgänger; besonders Finnick (Sam Claflin), Beetee (Jeffrey Wright) und Johanna (Jena Malone) sind hier zu nennen. Und apropos Neuzugänge, gerade bei diesen zeigt sich, dass „Catching Fire“ schauspielerisch einfach besser ist als der Vorgänger.
Ähnliches lässt sich auch über die neue Arena sagen. Wie schon im ersten Film ist auch hier die zweite Hälfte, in der die eigentlichen Spiele thematisiert werden, die schwächere, aber gerade im Vergleich zu der doch recht uninteressanten Wald-Arena des ersten Films ist die Dschungel-Uhr sehr viel spannender, auch gibt es mehr charakterliche Interaktion und vor allem zieht es sich nicht so. Die Spiele im zweiten Teil sind weit stringenter mit einem eindeutigeren Ziel, was ihnen sehr gut tut.
Fazit: Gelungener zweiter Teil, der nicht nur „The Hunger Games“ übertrifft, sondern auch die Buchvorlage.

Trailer

Siehe auch:
The Hunger Games